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Fontanepromenade 1 5 das Verborgene und das Sichtbare


Fotografien

aus dem ehemaligen ZwangsArbeitsamt f端r Juden in Berlin-Kreuzberg

von Martin Albrecht Berlin 201 3


das Verborgene und das Sichtbare Die Fotografien dieser Ausstellung dokumentieren den gegenwärtigen Bestand des Gebäudes der Fontanepromenade 1 5 in Berlin-Kreuzberg. Dessen Räumlichkeiten wurden zwischen den Jahren 1 938 und 1 945 als das sogenannte Arbeitsamt für Juden genutzt. Von dort aus schickte man einen großen Teil der, in Folge des nationalsozialistischen Antisemitismus, arbeitslosen jüdischen Bevölkerung Berlins zu Zwangsarbeitseinsätzen, vornehmlich in der Waffenindustrie oder in noch sinnlosere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Diese Aufnahmen aus dem heutigen Inneren des Gebäudes können von jenen Zeiten kaum Zeugnis ablegen, jedoch eher subjektiv und im übertragenen Sinne die Gedanken auf ein Thema wie „Zerstörte Vielfalt“ sensibilisieren. Alleine die Geschichte der Fontanepromenade 1 5, nach und nach aus mehr und weniger reichhaltigen Überlieferungen konserviert, scheint die barbarischen Taten und das Leid aus der Vergangenheit anmahnen zu können. Doch was kann der Ort selbst noch - sein Relikt - zur Veranschaulichung der damaligen Situation beitragen, vor allem, wenn er im Laufe der Zeit stets neue Nutzungen durchlebt und die alten Spuren verwischt sind? Vielleicht ist es ja ein bestimmtes Gefühl, das aufkommt, eine innere Tonart, die beim Betrachter dieser Fotoserie anklingt? Es kann jedenfalls kein deutender Fingerzeig sein, sondern eine Auseinandersetzung mit dem was war, ist und was sein wird.


"Aus purer Schikane hatte man uns stundenlang in einem ganz finsteren und engen Gang warten lassen. Man trat von einem FuĂ&#x; auf den anderen. Es war sehr deprimierend. Einfach deshalb, weil man auch groĂ&#x;e Angst hatte vor dem, was da kommt". Ein Auszug aus dem Protokoll von Marie Simon von 1 998 zum Thema der Zwangsarbeit in der so genannten 'Schikanepromenade'.


Wir müs sen zurüc k an den Punkt, an dem wir schon waren, wo wir die falsche Richtung genommen hatten. Wir müs sen zurüc k zu den Grundfesten des Lebens ohne das Wasser zu verdrecken. Welche Art von Welt ist das, in der ein Irrer Dir sagen kann, Du sollst Dich wegen Deiner schämen? aus dem Skript zum Film "Nostalghia" von Andrey Tarkovsky


Fontanepromenade 15 // das Verborgene und das Sichtbare  

"Aus purer Schikane hatte man uns stundenlang in einem ganz finsteren und engen Gang warten lassen. Man trat von einem Fuß auf den anderen....

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