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SOS-Kinderdรถrfer Jedem Kind ein liebevolles Zuhause


-2Inhalt

Was uns ausmacht

Vorwort Das Elend der Kinder hat viele Gesichter Wie alles anfing Hermann Gmeiners Prinzipien SOS – mehr als nur ein Dorf Faszination SOS Mitarbeiter-Portraits Das ist Noctula

Was wir tun

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SOS-Engagement weltweit „Tatkräftig, nachhaltig und jetzt!“ SOS-Kinderdorf Träume vom weißen Kittel SOS-Mütterschule Wichtig ist die innere Stärke SOS-Kindergärten Keine Zeit verlieren Hermann-Gmeiner-Schulen Das Mathegenie Clearing-House Fast wie eine Familie SOS-Sozialzentren Die Kinder und Kindeskinder von Tschernobyl SOS-Familienhilfe Estelís Mütter entdecken ihre Stärke SOS-Berufsbildungszentren in aller Welt SOS-Berufsbildungszentren Mit beiden Beinen fest im Leben SOS-Medizinische Zentren In die Enge getrieben SOS-Nothilfe Wir sind vor Ort und bleiben SOS-Standorte

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-3Inhalt

Wie wir arbeiten

Fotos: Joris Lugtigheid, Paul Hahn

Organisation Meilenstein für Effizienz und Offenheit Kinderrechte Leben, Gleichheit, Schutz und Fürsorge Interessenvertretung Die Rechte der Kinder im Fokus SOS-Schulprogramm Solidarität auf dem Stundenplan SOS im Licht der Öffentlichkeit Faszinierend und überall bekannt

Wie Sie aktiv werden können

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Spenden Der einfachste Weg zu helfen SOS-Patenschaften Hilfe, die nachhaltig wirkt SOS-Spender und private Förderer „Ich bin sicher, dass mein Geld etwas bewirkt“ Anlass-Spenden Es gibt viele Gelegenheiten, gemeinsam zu helfen Spenden im Internet Die Website für individuelle Spendenaktionen Internet Mitmachen erwünscht: News, Infos und mehr Nachlass Immer einen Draht zu Kindern Hermann-Gmeiner-Stiftung Nachhaltig fördern mit Steuervorteil SOS-Kunststück SOS-Edition SOS-Kinderdörfer Global Partner GmbH Für Unternehmen mit Vorbildcharakter Die SOS-Kinderdörfer Auf einen Blick Service-Adressen Wussten Sie schon, dass...

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Was uns ausmacht


-5Was uns ausmacht

Das weltweite Netz unserer SOS-Einrichtungen ermöglicht es uns auch bei Krisen und Naturkatastrophen schnell vor Ort zu helfen. Die Hilfsaktionen gehen sofern möglich von den SOS-Einrich­

Was mit dem ersten Kinderdorf 1949 in Imst begann, hat

sich zu einem weltumspannenden Netz entwickelt, das Kinder in

Not schützend auffängt. An der Vision, mit der unser Gründer

Hermann Gmeiner damals antrat, halten wir bis heute unverän-

dert fest: Jedes Kind soll gemeinsam mit Mutter und Geschwistern in einem liebvollen Zuhause inmitten einer Gemeinschaft

tungen im betroffenen Land aus. Das bisher umfangreichste Nothilfe- und Wiederaufbauprogramm starteten wir nach der

Tsunami-Katastrophe im Jahr 2004. Auch nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti im Januar 2010 konnte unser SOS-Nothilfe-Team die Menschen rasch unterstützen (Seite 34).

„Gutes tun ist leicht, wenn viele helfen“, hat Hermann Gmeiner

aufwachsen. Aus dieser einfachen wie wegweisenden Idee heraus

gesagt. Oder anders ausgedrückt: Unser Engagement für Kinder

und in den angeschlossenen Jugendeinrichtungen leben rund

derer möglich. Wie großzügig, einfallsreich und treu sich die

sind bis heute mehr als 500 SOS-Kinderdörfer entstanden. Dort

80.000 Kinder und Jugendliche. Delgersaikhan ist so ein Kind.

in Not wäre nicht ohne die tatkräftige Unterstützung unserer Förvielen Freunde der SOS-Kinderdörfer für unsere wichtige Arbeit

Sie wohnt im mongolischen Kinderdorf Ulan Bator. Ihre Geschich-

stark machen, lesen Sie ab Seite 48. Ob mit einer Patenschaft,

Kinder.

viele Möglichkeiten Kindern in Not zu helfen.

te auf Seite 20 steht stellvertretend für das Schicksal vieler SOS-

Doch die Idee Hermann Gmeiners macht nicht an den Toren eines

einer eigenen Spendenaktion oder als STARKE FREUNDE – es gibt

Die nachfolgenden Seiten geben Ihnen einen umfangreichen

SOS-Kinderdorfes Halt. Unsere Kindergärten, Schulen und Berufs­

Einblick in die Welt der SOS-Kinderdörfer. Ich würde mich sehr

schaft der Kinderdörfer offen. Hier können sie lernen, wäh­rend

diesem Weg unsere wichtige und vielfältige Arbeit für Kinder Not

bildungszentren stehen immer auch Kindern aus der Nachbar-

ihre Eltern sie gut betreut wissen. Bildung ist meist der Schlüssel dazu, dass Kinder später ein selbstbestimmtes Leben führen kön-

nen. Francis Akoto aus Ghana ist ein ehemaliges SOS-Kind und

freuen, wenn Sie darin ein wenig eintauchen, und wir Ihnen auf vorstellen dürfen.

Mit meinem aufrichtigen Dank für Ihre Unterstützung und Mit­

hat das Rüstzeug für sein Leben in verschiedenen SOS-Einrich-

arbeit in Zukunft.

terhalt für seine Familie und hilft mit seiner Arbeit der ganzen

Herzlichst

tungen gesammelt. Heute verdient er als Schreiner den Lebensun-

Gemeinde (Seite 29).

Ihr

Seit einigen Jahren setzen wir bei unserer weltweiten Arbeit ver-

stärkt auf die SOS-Familienhilfe. Diese richtet sich an die Men-

schen in der Nachbarschaft der SOS-Kinderdörfer. Ziel ist es, sei

es durch Armut, Krankheit oder Sucht gefährdete Familien vor dem Zerbrechen zu bewahren und im Vorfeld zu verhindern, dass

Helmut Kutin

Familienhilfe fördern wir Eltern soweit, dass sie ihren Kindern

SOS-Kinderdörfer weltweit

Kinder schutzlos auf der Straße landen. Im Rahmen der SOS-

aus eigener Kraft eine Perspektive bieten können. Dies stärkt

Vorstandsvorsitzender der

nachhaltig die Gemeinschaft im Umfeld der Kinderdörfer. Wie

vielschichtig diese Initiativen greifen, erfahren Sie am Beispiel

Foto: Alexander Gabriel

der Mütter im nicaraguanischen Estelí auf Seite 27.

Helmut Kutin im SOS-Kinderdorf Jakarta/ Indonesien


Foto: Elles Van Velde

Slumbewohner in Kisumu/Kenia


-8Was uns ausmacht

Das Elend der Kinder hat viele Gesichter Viele Kinder und Jugendliche leben weltweit in Armut, oft sogar bitterer Armut. Ihren Familien mangelt es am Nötigsten, besonders an Bildung, häufig ist der Alltag geprägt von Arbeits­­losigkeit und Gewalt.

400

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Millionen Kindern fehlt der Zugang zu sauberem Trinkwasser, mehr als 500 Millionen verfügen nicht einmal über einfachste sanitäre Einrichtungen und 270 Millionen können von einfachster Gesundheitsversorgung nur träumen.

Millionen Kinder in den Entwicklungsländern haben Mutter, Vater oder beide Eltern verloren. 15 Millionen Kinder sind Aidswaisen; acht von zehn dieser Waisen leben in Afrika südlich der Sahara.

121 Millionen Kinder unter zehn Jahren besuchen keine Grundschule. 75 Mil­lionen Kinder haben keine Chance, auf eine weiterführende Schule zu gehen. Allein in Afrika gehen über 45 Millionen Kinder nicht zur Schule – der Großteil davon Mädchen.

73 Millionen Kinder, die arbeiten müssen, sind unter zehn Jahre alt.

9,2

20

Millionen Kinder sterben jährlich mit unter fünf Jahren – mehr als 25.000 Kinder pro Tag. Ungefähr ein Drittel der Kindersterblichkeit geht auf Unter­ernährung von Mutter und Kind zurück.

Millionen Kinder sind vor Krieg und Gewalt auf der Flucht. 250.000 werden als Soldaten missbraucht.

793 Millionen Menschen sind Analphabeten, zwei Drittel davon Frauen.


Foto: Toby Binder

Janina und Vater Roque in ihrem „Schlafzimmer“ an der viel­befahrenen Avenida 9 in Buenos Aires, Argentinien.


-10Was uns ausmacht

Wie alles anfing

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert sich der Me­

dizinstudent Hermann Gmeiner, ein Bauernsohn aus Alber-

schwende im österreichischen Vorarlberg, in der Jugendarbeit in

Innsbruck. Er ist entsetzt, wie viele Kriegswaisen in Heimen lan-

den, wo sie keine Liebe und kaum Zuwendung kennen lernen.

Gmeiner hat selbst im Alter von fünf Jahren seine Mutter Angelika

verloren und kann erahnen, was die Kriegswaisen durchmachen. Gmeiner aber hatte das Glück, dass seine älteste Schwester Elsa in

der Familie die Mutterpflichten übernahm und die kleinen Geschwister liebevoll aufzog.

Es muss für Waisen etwas anderes geben als Heime und Anstal-

ten, formuliert Gmeiner und entwickelt sein Konzept „Mutter-

Geschwister-Haus-Dorf“ – die Idee der SOS-Kinderdörfer ist gebo-

ren: Jedes Kind sollte wieder eine Mutter bekommen und zusam-

men mit Geschwistern in einem Haus aufwachsen, geborgen durch den Rahmen eines Dorfes. Die Kinder sollten in diesem Kin-

derdorf behütet aufwachsen, lernen und ausgebildet werden, um später auf eigenen Füßen stehen zu können. Für seine Idee gab

Gmeiner sein Studium auf und gründete zusammen mit Freunden

Schon in den 50 er Jahren informierte der „Kinderdorfbote“ Spender und Paten über Neuigkeiten in der SOS-Welt.

Fotos: Hilmar Pabel, SOS-Archiv

1949 das erste SOS-Kinderdorf in Imst/Tirol.


-11Was uns ausmacht

518

SOS-Kinder­dörfer in 133 Ländern gibt es heute.

62.000 110.000 Kinder wachsen in ihnen derzeit heran.

6.000

SOS-Mütter umsorgen diese Kinder.

392

Jugendwohneinrichtungen beherbergen 17.500 Jugendliche. Dort werden sie auf ein selbstständiges Leben vorbereitet.

Kinder aus den Kinderdörfern und der Umgebung lernen an 186 Hermann-Gmeiner-Schulen.

430.000

Kinder und deren Angehörige werden von SOS-Mit­arbeitern in 607 Sozialzentren rund um die SOS-Kinderdörfer betreut und im täglichen Leben unterstützt, damit die Familien nicht zerbrechen. Diese Hilfe ist befristet: Die Familien sollen am Ende wieder eigen­ver­antwortlich leben können. Die Slums sind die Hauptarbeits­ gebiete der Kollegen.

26.000 72

junge Menschen werden in über 100 Ausbildungszentren aus­ge­bildet, damit sie künftig auch finanziell auf eigenen Beinen stehen können.

229

SOS-Kindergärten, die auch der Nachbarschaft offen­stehen, sind ein positives Beispiel für wertvolle Pädagogik: 23.000 Kinder werden dort betreut.

medizinische Zentren bieten Kranken Hilfe und beraten Familien in vielen wichtigen Themen wie Hygiene, gesunde Ernährung oder Aids.

1,1 Mio.

Kinder und Erwachsene: Für sie leisten die SOS-Mitarbeiter an 13 Standorten Nothilfe.

2,2 Mio. Kinder und deren Angehörige werden in den vielfältigen SOS-Programmen betreut. Tendenz stark steigend.


Fotos: Paul Hahn, Joris Lugtigheid, Seger Erken

-12Was uns ausmacht


-13Was uns ausmacht

Hermann Gmeiners Prinzipien SOS – mehr als nur ein Dorf Seit 1949 basiert die Idee der SOS-Kinderdörfer auf dem einfachen, aber revolutionären Konzept Mutter-Geschwister-Haus-Dorf.

„Das Kinderdorf muss leuchten und hinausstrahlen in die

Welt“, hatte Hermann Gmeiner bereits kurz nach der Gründung

des ersten SOS-Kinderdorfes in Imst 1949 gesagt. In einer Zeit, in

der verlassene Kinder hauptsächlich in Heimen groß wurden, war

das Kinderdorf ein radikal neues Modell, das die Menschlichkeit

und das individuelle, behütete Aufwachsen in den Vordergrund stellte. Es basierte auf vier einfachen Prinzipien: Jedes Kind sollte

wieder eine Mutter bekommen und zusammen mit Geschwistern

in einem Haus aufwachsen, in der sicheren Gemeinschaft eines

Grundsätze der SOS-Arbeit Bei der Bewältigung der seelischen Verletzungen steht immer das

einzelne Kind und sein ganz spezielles Schicksal im Mittelpunkt.

Jedes Kind soll die Chance haben, in der Geborgenheit einer Fami-

lie aufzuwachsen. Wo dies nicht möglich ist, weil die leiblichen

Eltern bei Naturkatastrophen, Kriegen oder durch Krankheiten gestorben oder geschwächt sind, bieten die SOS-Kinderdörfer eine

Ersatzfamilie. Über die Grenzen des SOS-Kinderdorfes hinaus.

Wo jedoch bestehende Familien in Gefahr sind, durch Armut, Krankheit oder soziale Not auseinanderzubrechen, versuchen die

SOS-Kinderdörfer, diese Familien zu stärken und somit Kindern ihr Zuhause zu erhalten. Zum Programm der SOS-Familienhilfe

gehören Ausbildungsangebote für Eltern und Kinder, medizini-

sche Versorgung, pädagogische Unterstützung und verschiedene

Beratungsangebote, die Familien befähigen sollen, ihr Leben wie-

der aus eigener Kraft zu meistern.

Dorfes. Allen Zweiflern zum Trotz glaubte Hermann Gmeiner fest

Dabei sind individuelle Lösungen gefragt, die den betroffenen

Er sollte recht behalten: Heute gibt es weltweit mehr als 500 SOS-

heiten entsprechen. Vor diesem Hintergrund sind immer wieder

an diese Idee und ihre Verbreitung.

Kinderdörfer. Die vier Prinzipien sind bis heute ihre Basis; kraftvolle Grundpfeiler, aber keineswegs starr. Da, wo es sinnvoll und

nötig war, entwickelte sich die Idee weiter: Als man feststellte, dass in den Entwicklungsländern Schulen fehlten, begann man,

diese zu bauen. In Gegenden, wo die Menschen von medizinischer

Hilfe abgeschnitten waren, entstanden medizinische Zentren oder Kliniken. Und da, wo Jugendliche keinen Ort hatten, an dem

sie einen Beruf erlernen konnten, schuf SOS Ausbildungsstätten.

Menschen, ihrer jeweiligen Kultur und den besonderen Gegeben-

Einrichtungen entstanden, die es so vorher nicht gab. Dazu ge­

hören beispielsweise die Krisenwohngruppen, in denen Kinder in Notsituationen vorübergehend aufgenommen werden, oder das

BIWAK in Österreich, eine Wohngemeinschaft für minderjährige, elternlose Flüchtlinge.

In Osteuropa stand man vor der Situation, dass es zwar genügend öffentliche Schulen gab, deren Qualität allerdings oft zu wünschen übrig ließ. Statt eigene Schulen zu bauen, geht SOS hier den

Ausgerichtet an den Bedürfnissen der Kinder und Familien bauten

Weg der Kooperation: Gemeinsam mit lokalen Verantwortlichen,

dergärten, Jugendwohneinrichtungen und SOS-Sozialzentren.

Ausstattung, aber auch die Unterrichtsmethoden zu verbessern.

die SOS-Kinderdörfer ihr Angebot weiter aus, gründeten SOS-Kin-

Auch in den SOS-Kinderdörfern selbst behielt man den wachen

Blick für die eigene Arbeit, korrigierte und erweiterte. So bekom-

Lehrern und Eltern suchen die SOS-Kinderdörfer nach Wegen, die

Als Organisation mit großer pädagogischer Kompetenz bieten die

SOS-Kinderdörfer beispielsweise Schulungen für Lehrer an oder

men schwerst traumatisierte Kinder heute professionelle Hilfe:

ermöglichen den Einsatz von Logopäden oder Sonderpädagogen.

wältigung der seelischen Verletzungen.

bessert sich der Unterricht deutlich, zum anderen werden Lehrer

Psychotherapeuten unterstützen die Kinderdorfmütter bei der Be-

Davon profitieren die Kinder auf zweierlei Weise: Zum einen ver-

und SOS-Mitarbeiter auch auf Kinder aufmerksam, deren Fami­ lien dringend weitergehende Unterstützung benötigen.

In Ecuador ist ein ganz besonderes Kinderdorf gebaut worden, das

SOS-Kinderdorf Guayaquil: Elternlose Mädchen und Jungen leben

mit ihren SOS-Familien nicht im klassischen Dorf, sondern in

angemieteten Wohnungen in der Gemeinde Guayaquil. Die Wohnungen liegen nahe beieinander, sind jedoch Teil einer bestehen-

den Siedlung. Alle SOS-Kinder sind in das soziale Leben ihres

Stadtviertels eingebunden. Die in der Nachbarschaft lebenden

bedürftigen Familien werden im Rahmen der SOS-Familienhilfe

Oben: SOS-Kinderdorf Los Mina in der Dominikanischen Republik Unten links: SOS-Mutter aus dem SOSKinderdorf Nelspruit/Südafrika Unten rechts: SOS-Kinder aus Madagaskar

aufgefangen und verstehen sich als Teil der SOS-Gemeinschaft.

Wenn wir also davon sprechen, dass wir aktuell über eine Million

Kinder erreichen, dann steht hinter dieser Zahl eine Vielzahl an Betreuungsmodellen und Unterstützungsangeboten. Es stehen unzählige Gespräche, beherzte Reaktionen und individuelle Lö-

sungen dahinter – für jedes einzelne Kind!


-14Was uns ausmacht

Faszination SOS-Kinderdörfer Mitarbeiter-Portraits

„Mein Ziel ist es, möglichst viele er-

Khuat Thi Loi SOS-Mutter in Hanoi, Vietnam

„Unser Leben ist wie ein Vollmond“,

Titus Poovakulam Koordinator für Südindien

„Es ist ein gutes Gefühl zu erleben,

folgreiche Familien zu erleben“, erklärt

sagt die 50-jährige Khuat Thi Loi, SOS-Kin-

dass man etwas verändern kann“, sagt

chera. Vor zwei Jahren hat sie damit be-

ge die eine Hälfte bei, indem ich meine

Kinderdörfer für ganz Südindien. In seiner

die 34-jährige Sozialarbeiterin Priscah Wa-

derdorfmutter in Hanoi, Vietnam. „Ich tra-

Titus Poovakulam, Koordinator der SOS-

gonnen, die SOS-Familienhilfe in Mom­

Kinder in meinem Herzen ganz und gar

ihre Kollegen täglich in die Slums, hören

andere Hälfte bei, indem sie mir jeden Tag

und -Mitarbeiter, für Tausende von Kin-

raus.“ Mutter Loi ist bereits seit 21 Jahren

unterschiedlichen

basa aufzubauen. Seitdem gehen sie und zu, beraten, motivieren, zeigen Wege auf und geben Unterstützung, damit Familien

ihr Leben wieder zuversichtlich selbst in

annehme, und meine Kinder tragen die mehr vertrauen. So wird etwas Rundes da-

Aufgabe ist er verantwortlich für die Projekte in fünf Regionen, für 500 SOS-Mütter

dern, er ist ständig unterwegs zwischen Zeitzonen,

Sprachen

SOS-Kinderdorfmutter. Als sie damals ei-

und Kulturen. „Ja, das ist eine Herausfor-

Wachera, wenn Eltern, die die Zeugnisse

sucht wurden, wusste sie, dass dies ihr

deshalb zu meistern, weil ich erfahrene,

gebraucht haben, den Wert von Bildung er-

davon beirren, dass ihre Eltern zunächst

die ich mich verlassen kann.“ Fast erstaun-

die Hand nehmen. Erfolg ist für Priscah ihrer Kinder bislang zum Feuer machen kennen. Erfolg ist, wenn Kinder Lesen und

Schreiben lernen und für ihre Rechte ein-

treten. Erfolg ist, wenn sich die Menschen

nen Radio­spot hörte, in dem Mütter ge-

Weg sein würde und ließ sich auch nicht dagegen waren. Inzwischen hat Mutter Loi 22 Kinder großgezogen, einige haben

bereits selbst Nachwuchs. Aber sobald ein

derung“, sagt Titus Poovakulam. „Sie ist

verantwortungsvolle Mitarbeiter habe, auf lich, wie mühelos und selbstverständlich

er sich trotz dieser großen Zahlen auf jedes

einzelne Kind einlassen kann. Manchmal

zusammen tun und gemeinsam ein klei-

neues Kind ankommt, das Mitglied ihrer

sei er traurig, wenn er sehe, dass ein Kind

ner wieder an sich glauben, wenn Kinder

in ihrer Anfangszeit. Da mischen sich je-

der Vergangenheit sein Potential nicht

tels träumen und diese Träume wahr ma-

Menschen mit der großen Freude, ihm

nes Geschäft aufbauen, wenn Slumbewoh-

von einer Zukunft jenseits des Armenvierchen.

Familie werden soll, ist sie aufgeregt wie

des Mal neu die Sorgen um den kleinen Mutter sein zu dürfen.

aufgrund von schlimmen Erlebnissen in ausschöpfen könne, sagt er. Doch die gu-

ten Tage würden überwiegen. „Zu erleben,

wie ein unterernährtes, bedrücktes Kind

zu einem gesunden, fröhlichen Mitglied

einer fürsorglichen Familie wird, ist mit nichts zu vergleichen!“

Fotos: Patrick Wittmann, SOS-Archiv

Priscah Wachera Leiterin SOS-Familienhilfe in Mombasa, Kenia


-15Was uns ausmacht

Domitila Orozco Leiterin SOS-Kinderdorf Estelí, Nicaragua

„Ich hoffe, dass sich alle SOS-Kinder

„Es ist schön, wenn man entwurzel-

Maria Isabel Ramirez „Kinderdorf-Oma“, Mexiko

„Es ist wunderbar, dass ich so vielen

später gerne an ihr Leben in der SOS-Ge-

ten und traumatisierten Kindern ein Zu-

Kindern eine Mutter sein konnte“, sagt Ma-

tila Orozco. Die Leiterin des SOS-Kinder-

in Frieden zu leben“, sagt Johann Svager.

Natalia auf dem Arm und ihre Augen leuch-

meinschaft erinnern werden“, sagt Domi-

dorfs Estelí in Nicaragua kennt dieses Le-

ben ganz genau, denn sie ist selbst in dem Kinderdorf aufgewachsen, dem sie heute

hause und eine Möglichkeit geben kann, Im Clearing-House kümmern sich Svager und sein Team aus Pädagogen und Psycho-

gezogen „ … und aus jedem ist etwas gewor-

Viele haben lange Irrfahrten hinter sich

heit und des Schutzes. Eine kraftvolle Basis

und sind durch den gewaltsamen Tod von

selbst Mutter von zwei Kindern, sie war

siert. Für Svager, der 1974 nach einer Leh-

in Estelí und übernahm schließlich 2008

Eltern und Geschwistern schwer traumatirerausbildung zu den SOS-Kinderdörfern

kam, ist es eine spannende Aufgabe, für

die Leitung des Kinderdorfs. Ihre Aufgabe

Kinder so etwas wie Alltag zu organisieren,

füllen, sagt die schwungvolle Frau. So oft

Und für sie, wenn irgend möglich, einen

dorfmutter. „Manchmal verbringen wir den

schwierig, da es gesetzlich häufig keinen

versuche sie mit Hingabe und Liebe zu ersie Zeit hat, besucht sie auch ihre Kinderganzen Tag miteinander und reden!“ Mit

ihrer positiven Energie ist Domitila Orozco längst Vorbild für viele Kinder geworden.

Isabel Ramirez war 21 Jahre lang Mutter

mutterseelenallein in Österreich stranden.

wesen, das Kinderdorf ein Ort der Sicher-

Lehrerin an der Hermann-Gmeiner-Schule

ten unter dem breiten Strohhut. Maria

im SOS-Kinderdorf Huehuetoca in Mexiko.

Gewalt aus ihrer Heimat geflohen sind und

für ihren weiteren Weg: Domitila ist heute

ria Isabel Ramirez. Sie hat die vierjährige

logen um Minderjährige, die vor Krieg und

vorsteht. Ihre SOS-Kinderdorfmutter sei für

sie das „größte Geschenk ihres Lebens“ ge-

Fotos: Sergio Beer, Louay Yassin

Johann Svager Leiter des SOS-Clearing-House in Salzburg, Österreich

56 Kinder hat sie während dieser Zeit auf-

den“, fügt sie stolz hinzu. Vor ein paar Jahren war sie dann zu alt für die an-

spruchsvolle Arbeit als SOS-Mutter. „Ich

wollte mich auch mal ausruhen“, erzählt

die 71-Jährige. Aber nach 21 Jahren kann man nicht so einfach gehen  – das Kinderdorf lässt einen nicht los. So ist sie noch

Deutsch zu lernen, in die Schule zu gehen.

immer fast täglich im Kinderdorf und hilft

sicheren Aufenthalt zu erwirken. „Das ist

die „Pflichten“ einer Großmutter: Vorle-

klaren Rahmen gibt und oft vom persönli-

chen Engagement der Mitarbeiter und der Behörden abhängt“, erzählt der Clearing-

House-Leiter. „In vielen Situationen haben wir es doch geschafft“, freut er sich.

dort, wo sie gebraucht wird. Meist sind das sen, spielen, Geschichten erzählen … Die

Kinder im Kinderdorf Huehuetoca nennen

sie daher liebevoll „Abuelita“ – Omi.


Das ist Noctula aus dem SOS-Kinderdorf Mbabane/Swasiland. Manche kennen sie vielleicht aus einem

TV-Spot (www.SOS-Kinderdoerfer.tv) der SOS-Kinderdörfer, in dem sie ihr Dorf,

ihre Familie und die SOS-Ein­r ichtungen vorstellt. Noctula war ein Findelkind.

Sie wurde am Tag ihrer Geburt in einer

Plastik­tüte hinter Baracken von Planta-

genarbeitern gefunden. Wer ihre Mutter oder ihr Vater war, konnte nicht eruiert

werden. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt kam sie ins SOS-Kin­­derdorf

Mbabane. Dort entwickelt sich das sehr

intelligente und begabte Mädchen wunderbar. Ihre Hobbies, die sie leidenschaftlich

ausübt: Afrikanische und Standard-Tänze sowie Fußball.


Fotos: Paul Hahn


Was wir tun


-19Was wir tun

SOS-Engagement weltweit „Tatkräftig, nachhaltig und jetzt!“

„Wir haben euch geholfen, also müsst ihr nun auf eigenen Beinen stehen“, heißt das dann – ob es funktioniert oder nicht.

Die SOS-Kinderdörfer dagegen sind verblüffend sesshaft. Nicht als

Auswärtige, die vor Ort die Einheimischen unterstützen und ir-

gendwann wieder abziehen, sondern als Einheimische, die genau

wissen, was notwendig ist und wie lange. Wir sind nicht nur da, wir gehören dazu.

„Unternehmerisches Gen“ Es ist wohl ein „unternehmerisches Gen“, das uns seit den frühen Anfängen, seit Hermann Gmeiners Tagen, treibt. Die Richtung

lautet: Wie müssen wir unsere (begrenzten) Mittel einsetzen, um

Die SOS-Kinderdörfer sorgen jeden Tag für viele, kleine Veränderungen, über­all auf der Welt – aktiv, prag­ matisch und sofort, nicht irgendwann.

Ein Bruch verläuft mitten durch Dschibuti, das kleine Land

ist zerrissen: Hier eine gespenstisch leere Landschaft, Sand, Ar-

möglichst viel für Kinder und ihre familiäre Entwicklung herauszubekommen? Im Kleinen, an mehreren hundert Standorten welt-

weit, wollen wir eine große Veränderung bewirken. Und nicht im

Großen eine kleine Veränderung, wie es viele andere im Schein-

werferlicht für sich beanspruchen. Über sechs Jahrzehnte hat sich bewiesen, dass unsere vielen kleinen Veränderungen von Bestand sind und eine beachtliche Modell-Wirkung entfalten.

Entscheidend für die Umsetzung dieses Erfolgs-Modells ist auch die Akzeptanz der verschiedenen Kulturen, in denen SOS tätig ist.

1963 lernte der Inder Shri Jagan Kaul bei Hermann Gmeiner die

mut. Da ein quirliger, boomender Containerhafen, Kriegsschiffe

SOS-Kinderdorf-Idee kennen. Er lehrte Gmeiner aber auch, dass

„Ja, hier brodelt es“, beschreibt die Frauen- und Familienministe-

dern dass sie vom jeweiligen Kulturkreis frisch interpretiert wer-

aus aller Welt, ein mächtiger Militärstützpunkt.

rin Nimo Boulhan Houssein den sozialen Brennpunkt am Horn

von Afrika. In der Hoffnung auf Arbeit und Sicherheit kommen tausende Flüchtlinge aus Somalia und Eritrea in das kleine afrika-

nische Land, nur fast so groß wie Hessen.

„SOS will hier einen lokalen Verein gründen? SOS will hier ein

diese Idee aus Europa nicht einfach exportiert werden darf, son-

den muss. Daher entsenden wir keine Fachleute aus Deutschland in die Welt, um den „Nicht-Wissenden“ zu zeigen, wie soziales Zu-

sammenleben funktioniert. Wir vertrauen vielmehr lokalen Füh-

rungskräften, mit denen wir Werte teilen, die die Süd-Afrikaner unter dem Wort „ubuntu“ subsumieren: Liebe, achtsames Mitein-

Kinderdorf bauen, Familien stärken? SOS will langfristig hier blei-

ander, Sorgsamkeit, Mitgefühl, Verantwortung und Respekt für

staunt. Eine Organisation, die Hand anlegt, praktisch handelt,

Auch in Dschibuti, einer der unwirtlichsten Landschaften der

ben, mit lokalen Führungskräften?“, die Ministerin reagiert er-

einen langen Atem entwickelt, findet sie ungewöhnlich. Meist kämen die Hilfswerke, um zu beraten, Erhebungen durchzuführen,

Berichte zu verfassen, Pläne für die Zukunft zu entwerfen, sagt sie.

Unser Gespräch geht zügig voran und doch bleibe ich bei diesem

Moment des Erstaunens hängen. Eben habe ich von der Ministerin

etwas Grundlegendes über unser Selbstverständnis erfahren: Wir

sind das Kinderhilfswerk der Praktiker und eben nicht der Analyti-

ker. Wir beliefern Regierungen nicht mit Statistiken, theoretischen

alle Kulturen.

Welt, werden wir ein Stück „ubuntu“ erleben. Wir aus dem „rei-

chen“ Norden geben dem vermeintlich „armen“ Land im Süden ein Stück Entwicklung. Im Miteinander mit den Nachbarn unse-

res neuen Projektes werden wir aber auch erleben, wie reich deren Lebensentwürfe und familiäre Umgangsformen sind.

Wer in Entwicklung investiert, wird immer auch ein Stück Kultur

zurück­bekommen.

Abhandlungen oder langfristigen Konzeptionen, wir packen an.

Kein Mangel an Daten, aber an Taten! Immer mehr Menschen sagen mir, dass sie spenden, um in eine handfeste Veränderung zu investieren. Die SOS-Kinderdörfer ih-

rerseits setzen auf dieser Grundlage langfristige, nachhaltige und

Dr. Wilfried Vyslozil

Natürlich geht auch bei uns jedem neuen Programm eine Analyse

SOS-Kinderdörfer weltweit

wirksame Programme für Kinder, Jugendliche und Familien um. der Rahmenbedingungen voraus. Diese Phase dient aber dem Zweck,

direkt anschließend mit sorgfältig ausgewählten Mitarbeitern si-

chere, förderliche Räume für Kinder zu schaffen und dabei die

Nachbarschaft um das Kinderdorf umfassend mit einzubeziehen.

Nicht bei jeder Hilfsorganisation ist das so. In vielen Fällen spre-

chen Fachleute davon, es herrsche „Paralyse durch Analyse“. Auf

lähmenden Konferenzen wird dann darüber befunden, was einmal  – in ferner Zukunft  – umgesetzt werden könnte. Davor aber jagt eine Statistik die nächste.

Foto: Andreas Friedle

Die SOS-Kinderdörfer „ticken“ anders: Wir verstehen uns als eine pragmatische, praktische Organisation. Bei uns geht die stärkste Motivation von der Frage aus: „Was hast Du heute für ein Kind getan?“

Wir sind auch keine der nomadisierenden Organisationen, die

bereits zu Beginn ihrer Arbeit ihre „exit strategy“ in der Tasche

haben und nach drei oder vier Jahren das Land wieder verlassen.

Vorstand der


-20Was wir tun

An das Leben, dessen Bilder nicht im Fotoalbum abgebildet sind,

SOS-Kinderdorf Träume vom weißen Kittel

erinnert sich Delgersaikhan nicht. Mit gerade einmal vier Mona-

ten gab ihre leibliche Mutter sie im SOS-Kinderdorf Ulan Bator

ab. Ihr Vater war gestorben und die Mutter konnte nicht länger für

sie sorgen. Sie wohnte mit Delgersaikhan in einer verwahrlosten Jurte am Rande der Stadt, war arbeitslos und trank, um zu vergessen. Irgendwann beschloss sie, ihre unterernährte Tochter im

SOS-Kinderdorf abzugeben. „Es war eine schwere Entscheidung, auch wenn sie wusste, dass das Lebensumfeld für Delgersaikhan

hier im Kinderdorf viel besser ist“, sagt Sodnomdarjaa, Direktor

des SOS-Kinderdorfs in Ulan Bator. „Die Mutter ist noch tagelang vor unserem Tor auf- und abgelaufen.“

Die Mongolei ist eines der ärmsten Länder der Welt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Kinder enden oft auf der Straße oder müssen arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen.

Delgersaikhan blättert gerne in ihrem Fotoalbum. Es ist ro-

safarben und vom vielen Blättern schon ein wenig abgegriffen.

Für Delgersaikhan bedeutete das neue Zuhause eine Chance auf

eine Zukunft, die vielen Kindern in der Mongolei nicht offen steht. Zwanzig Jahre nach dem Übergang zur Marktwirtschaft ist die Mongolei eines der ärmsten Länder der Welt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Waisenkinder en-

den oft auf der Straße oder werden adoptiert und müssen dann für

ihre „Adoptiveltern“ hart arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen.

Im SOS-Kinderdorf Ulan Bator haben 102 Vollwaisen und Halbwai-

sen wie Delgersaikhan ein stabiles und behütetes Zuhause gefun-

den. Sie leben an einem Ort, in dem sie vor allem eins sein können – Kind. Die Kinder gehen zu Schule, spielen mit Freunden und erfahren Tag für Tag Liebe und Geborgenheit. Sie werden in ihren

individuellen Begabungen gefördert und wachsen so zu selbst­

„Schau“, sagt sie stolz, „das bin ich, das ist meine Mama, das ist

bewussten und selbstständigen jungen Menschen heran.

das Album für Delgersaikhan einst begonnen und nun hat die

den Hausaufgaben, nutzen sie und ihre älteren Schwestern Uyan-

meine Schwester Uyanga …“. Ihre SOS-Mutter Otgonchimeg hat Sechsjährige das erste Bild selbst eingeklebt: Das Foto ihrer Einschulungsfeier ist jetzt das neueste in der Reihe von Bildern von

ihr als Baby auf dem Arm ihrer SOS-Mutter, als Kleinkind und mit ihren sieben Geschwistern.

Delgersaikhan ist begeistert, dass sie endlich in die Schule darf.

Delgersaikhan liebt es, zu singen und zu tanzen. Abends, nach

ga und Otgontungalag die Zeit bis zum Abendbrot, um ganze

Tanzchoreografien einzustudieren. Meistens sind es Choreogra­

fien aus dem Fernsehen. Derzeit stehen bei den Mädchen beson-

ders die Tänze der mongolischen Sängerin Ariunaa hoch im Kurs.

Delgersaikhan weiß, dass ihre leibliche Mutter auch Ariunaa

Sie ist die jüngste der acht Geschwister in der SOS-Familie. Die an-

heißt. „Sie stellt sich immer vor, dass ihre Mutter so schön ist, wie

auch „Sharka“, Blonde, weil ihr Haar so ungewöhnlich hell ist.

Ihrer SOS-Mutter erzählt Delgersaikhan morgens beim Frühstück

deren nennen die kleine Schwester liebevoll Delgeree, manchmal Morgens steht „Sharka“ schon ganz früh auf, obwohl der Unter-

richt erst am Nachmittag stattfindet. Sie wäscht sich und zieht sich gleich die Schuluniform an. Auf die ist sie stolz, denn nun gehört

sie nicht mehr zu den „Kleinen“. Und sie darf etwas lernen. Bei der

Einschulung hatte sie die Uniform zum ersten Mal an. „Schau“, sagt sie und zeigt wieder auf das Foto, „jetzt bin ich ein Schulkind“.

die Sängerin Ariunaa“, sagt SOS-Mutter Otgonchimeg.

oft, wovon sie in der Nacht geträumt hat. Ihr häufigster Traum ist,

dass sie Ärztin ist, anderen Menschen hilft und einen weißen

Kittel trägt. Wie die Ärztin, die regelmäßig ins SOS-Kinderdorf

kommt. Vielleicht wird auch dies einmal ein Bild in ihrem rosafarbenen Fotoalbum. Es hat noch so viele leere Seiten, die auf die

Bilder eines glücklichen Lebens warten.

Delgersaikhan und ihr geliebtes Fotoalbum

z Es gibt 518 SOS-Kinderdörfer in 133 Ländern. Dort kümmern sich derum über 62.000 Kinder. In 392 Jugendeinrichtungen werden über

17.000 Jugendliche auf ein selbstständiges Leben vorbereitet.

Foto: Mirco Lomoth

zeit fast 6.000 SOS-Mütter liebevoll


-21Was wir tun

SOS-Mütterschule Wichtig ist die innere Stärke

Kochen lernen alle – und wie! Unterrichtet wird in einem bescheidenen, hellen Klassenraum, ganz nahe bei einer traditionell einge­ richteten Küche. Sunita Kaul schmunzelt: „Ohne wirklich gut kochen zu lernen, geht hier keine Frau raus!“ Auch Nähen steht auf dem Stundenplan oder Innen­einrichtung. Und Yoga – jeden Morgen gegen sechs Uhr. Seema mag diese Stunde besonders.

In Faridabad bei Delhi lernen die zukünftigen SOS-Kinderdorfmütter Indiens alles – von Psychologie bis zur Einrichtung ihrer Häuser.

Sie kommen aus allen Ecken Indiens, sie sprechen die ver-

schiedensten Sprachen, doch sie wünschen sich alle das Gleiche:

als Mutter für Kinder da zu sein. Indische Frauen, die nicht heiraten wollen oder in Trennung leben, können diesen Wunsch nur

schwer realisieren – außer, sie finden sich mit gesellschaftlicher Ausgrenzung ab. Oder sie haben das Glück, an der Mütterschule

nahe Delhi zur SOS-Kinderdorfmutter ausgebildet zu werden.

„Ich bin hier, weil ich Kinder liebe und meinen Eltern zeigen will,

dass ich auch alleine mein Leben meistern kann.“ Seema ist 23 und lebt in Trennung. Vor vier Jahren hat sie einen Mann geheira-

tet, den Verwandte für sie ausgesucht hatten. „Nach der Hochzeit

fing Kush an zu spielen und verlor seine Arbeit.“ Als Seema ihren

Eltern davon erzählte, sagten die nur: „Pass dich an, hab Geduld.“

Seema versuchte es immer wieder, ohne dass sich etwas änderte.

Hindi sprechen und schreiben lernen. Denn viele Frauen können

ihren Eltern und wurde von der Dorfgemeinschaft geächtet.

dritte Sprache Pflicht. Das Fach Psychologie liegt Direktorin Su­

Schließlich verließ die junge Frau ihren Mann, lebte wieder bei Doch eine Hoffnung blieb. Eine entfernte Cousine hatte Seema geraten, sich bei den SOS-Kinderdörfern zu bewerben, wo sie selbst

als Mutter arbeitete: „Du wirst finanziell unabhängig und befrie-

digt von deinem Tun sein.“ Seema bewarb sich. Als sie angenom-

men wurde, fiel eine Last von ihr ab, obwohl ihre Eltern mit ihrem

nur eine der 17 indischen Regionalsprachen. Auch Englisch ist als

nita Kaul besonders am Herzen. „Viele der Frauen sind zunächst

sehr konservativ eingestellt. Wir vermitteln ihnen, wie sich die Werte der indischen Gesellschaft verändern, und wie sie darin

eine selbstbewusste Haltung für sich und ihre Kinder finden

können.“ Außerdem lernen die Schülerinnen, wie sie ihre zu­

Entschluss nicht einverstanden waren. Seema lud sie daraufhin

künftigen Kinder ohne Druck in die SOS-Familie integrieren kön-

„Dort verstanden sie.“

passiert.

in das Kinderdorf ein, in dem sie ihr erstes Praktikum absolvierte.

nen, wie emotionale Bindung entsteht oder was in der Pubertät

Die Frauen haben großen Mut Sunita Kaul, ambitionierte und humorvolle Direktorin der Müt-

terschule, sagt: „Hauptsächlich bewerben sich Frauen aus der

unteren Mittelschicht mit oft schwieriger Vergangenheit und großem Mut.“ Frauen aus höheren Schichten seien meist schon ausgebildet oder finanziell abgesichert. In Zeitungsanzeigen wirbt

die Mütterschule dafür, „Yashoda“ zu werden, was soviel heißt

wie „Ersatzmutter“. Der Begriff stammt aus der indischen Mythologie. Demnach wurde der Gott Krishna nicht von seiner Mutter

Devaki aufgezogen, sondern von einer Frau namens Yashoda.

Zwei Jahre dauert die Ausbildung inklusive mehrerer Dorf-Prak­

tika. Dort werden die Schülerinnen zu „Aunties“, Tanten, die

jeweils eine Mutter mit ihren zehn bis zwölf Kindern unterstüt-

Foto: Anika Büssemeier

zen. „Mich hat es total beeindruckt, wie die Frauen morgens eine

Horde Kinder für die Schule fertig machen“, erzählt Seema und gesteht, dass sie am Anfang Zweifel hatte, ob sie den Job bewäl­

tigen würde. „Aber mittlerweile fühle ich mich stark genug.“

Für die Theorie reisen die Frauen immer wieder für einige Wochen nach Faridabad bei Delhi. Basis für den Unterricht ist, dass alle

In weltweit 45 Mütterschulen

werden derzeit über 10.000 Frauen zu SOS-Müttern ausgebildet.


-22Was wir tun

Sipha beim Mittag­ essen im SOS-Kin­ dergarten Mbabane

SOS-Kindergärten Keine Zeit zu verlieren Die Kinder aus Swasiland müssen schneller erwachsen werden als Kinder in anderen Ländern. Denn Swasiland hat die höchste AIDS-Rate der Welt. Eine ganze Erwachsenengeneration stirbt. Der SOS-Kinder­ garten in Mbabane gibt den Kindern Geborgenheit. Es ist kein guter Tag für den vierjährigen Siphamandla.

„Für viele Eltern ist es schwer, über die Runden zu kommen“,

erzählt sie. „Manche haben zwei oder drei schlecht bezahlte

er einen Teller Maisbrei. Dann geht er in den gelb gestrichenen

erschöpft nach Hause kommen, schlafen die Kleinen. Die Kinder

Mbabane. Zielstrebig steuert er die Küche an. Schnell vertilgt

Jobs, andere sind ständig auf Arbeitssuche. Wenn sie spät abends

Gruppenraum, wo schon 24 Kinder aus dem SOS-Kinderdorf und

kommen oft zu kurz. Zu wenig Aufmerksamkeit, zu wenig För­

blicken.

da!“, lacht die Erzieherin. Hier lernen die Kleinen spielerisch, was

der Umgebung auf kleinen Stühlen sitzen und erwartungsvoll „Hallo Sipha!“ Aufmunternd begrüßt die Erzieherin Roster Mnisi, 58, den Kleinen. Dann fährt sie fort. „Ich muss ihm jeden Tag den

derung, manchmal auch zu wenig Liebe. Doch dafür sind wir

wichtig ist und Freude macht. Kinderlieder, Märchen, schöne

Geschichten. Sie erkennen auch bald die Buchstaben, die sich in

Rücken stärken. Andere Kinder, die vergangenes Jahr mit ihm hier

ihren Namen verstecken. „So werden sie nach und nach gestärkt

erst waschen oder etwas Trockenes anziehen, bevor er mit den an-

men“, erklärt Roster.

angefangen haben, sind viel weiter. Manchmal muss ich Sipha

deren Kindern spielen kann. Oft kommt er hungrig, daher die

morgendliche Extraration.“

und erleiden keinen Schiffbruch, wenn sie in die Schule kom-

Vater arbeitssuchend, Mutter tot

„Rain, rain, go away!“ Lauthals schmettern die Kleinen ein Kin-

Sipha kam in den SOS-Kindergarten, weil SOS-Mitarbeiterin Tan-

Swasilands zu vertreiben. Schließlich wollen sie später auf der

Stadtteile von Mbabane Siphas Vater begegnete. Er war auf Arbeits-

derlied, das helfen soll, die Wolken über Mbabane, der Hauptstadt

deka Magongo bei einer ihrer regelmäßigen Besuche der armen

Wiese spielen, schaukeln oder klettern. Doch daraus wird heute

suche und trug dabei den Jungen tagelang auf dem Rücken umher.

Mädchen sich in bunte Gewänder hüllen, hat Roster Zeit zu er­

Schnell fand sie heraus, dass Siphas Mutter gestorben war.

nichts. Während sich die Jungs auf die Bauklötze stürzen und die

klären, warum gerade in Swasiland, einem der ärmsten Länder

der Welt mit der weltweit höchsten AIDS-Rate von knapp 40 Prozent, die frühe Bildung der Kinder so wichtig ist.

Die Psychologin arbeitet für die SOS-Familienhilfe in Mbabane.

Tandeka sorgte dafür, dass der Junge einen Platz im Kindergarten bekam.

Vor wenigen Wochen wurde Siphas Vater von einer Frau der Ver-

gewaltigung bezichtigt. Beide waren betrunken. Wie alles ge-

kommen ist, weiß niemand. Doch als die Polizei ihn vernehmen

wollte, rannte er weg. Die Uniformierten zögerten nicht lange und schossen ihm in die Beine. Dann kam er ins Krankenhaus

und sitzt jetzt in Untersuchungshaft, bis der Prozess beginnt.

Nun wird klar, was Roster meint, wenn sie sagt: „Sipha ist voller

Traurigkeit.“

„Wenn sein Vater ins Gefängnis muss, werde ich mit dem

Gemeindevorsteher von Mahwalala und Siphas Vater überlegen,

ob es nicht das Beste für den Kleinen wäre, im SOS-Kinderdorf

ein neues Zuhause zu finden“, richtet die Psychologin Tandeka

In 229 Kindergärten werden über

schon mal den Blick nach vorn. Und nennt Sipha ein gutes

23.000 Kinder aus SOS-Kinder­

Beispiel, das zeigt, wie verschiedene SOS-Einrichtungen, Kinder-

und auf die Schule vor­bereitet.

dorf zusammenarbeiten. Noch ist Sipha ein Kind mit großen trau-

dörfern und der Umgebung betreut

garten, das Familienstärkungsprogramm und auch das Kinder-

rigen Augen. Doch es könnten bald bessere Tage für ihn kommen.

Foto: Paul Hahn

Hungrig und klitschnass kommt er in den SOS-Kindergarten in


-23Was wir tun

Hermann-GmeinerSchulen Das Mathegenie Die fast 200 Hermann-GmeinerSchulen in aller Welt stehen nicht nur den Kindern aus den SOS-Kinder­ dörfern offen. Auch Kinder aus der Nachbarschaft können sie besuchen. Sie bekommen eine fundierte Schulbildung und Vorbereitung auf ihren Beruf oder die Universität. Im viet­ namesischen Ben Tre hat sich die exzellente Schülerin Thu Lan ein Uni-Stipendium erarbeitet.

Thu Lans Eltern starben, als sie noch ein kleines Kind war.

Ihre Großmutter nahm sie auf. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte

sie mit ihrer Großmutter und ihrer geistig verwirrten Tante auf

engstem Raum in einer kleinen Hütte. Die kleine Familie besaß kein eigenes Land und musste sich mit dem Verkauf von essbaren

Schnecken und wildgewachsenem Gemüse über Wasser halten.

Ihre Großmutter kümmerte sich liebevoll um Thu Lan, aber sie hatte oft Hunger.

Mit ihrem ersten Schuljahr begann für Thu Lan ein neues Leben. Schnell entdeckte das Mädchen ihr Talent in Mathematik und

auch bei Lehrern und Mitschülern blieb ihre rasche Auffassungs-

gabe nicht unbemerkt. Thu Lans Noten waren beeindruckend, obwohl sie sogar in der Schule oft mit quälendem Hunger kämpfen

musste. Nun hatte Thu Lan ein Ziel vor Augen: Ein guter Schul­ abschluss würde für sie und ihre Familie den Weg aus der erdrückenden Armut weisen. Mit Hilfe ihrer Großmutter bewarb sich

das zielstrebige Mädchen als „Externe“ an der Hermann-Gmeiner-

Schule als weiterführende Schule. Und sie wurde angenommen.

Heute besucht die zurückhaltende Thu Lan die Abschlussklasse

der Hermann-Gmeiner-Schule in Ben Tre. Zweimal täglich be-

kommt sie hier eine ordentliche Mahlzeit. Mit vollem Magen kann

sie sich besser konzentrieren und ist Klassenbeste in Mathematik.

Thu Lan hat beim Mathematik-Wettbe­ werb ein Stipendium für die Uni in Saigon erreicht.

Nach vielen kleineren Preisen bei Mathematik-Wettbewerben ge-

wann sie nun einen ganz besonderen Preis: den 3. Platz in einem landesweiten Mathematik-Wettbewerb. Und damit ein Stipendi-

um für das ersehnte Studium an der Universität Saigon.

„Obwohl meine Eltern so früh gestorben sind“, sagt Thu Lan nach

der Preisverleihung, „habe ich doch großes Glück gehabt. Viele meiner Freundinnen dürfen nur in die Grundschule gehen und

müssen dann ihren Familien bei der Arbeit helfen.“

Ihre Ausbildung und Förderung an der Hermann-Gmeiner-Schule

ist dabei ein wichtiges Puzzleteil in ihrer Erfolgsgeschichte: Zu-

sammen mit ihrem Fleiß und ihrem starken Willen wird Thu Lan

nun bald an einer großen Universität studieren – ihr Traum wurde wahr.

Weltweit bieten 168 HermannGmeiner-Schulen etwa 70.000 Foto: Dominic Sansoni

Grundschülern sowie 40.000

Schülern in der Sekundarstufe eine fundierte Schulbildung. Unsere

Schulen stehen selbstverständlich auch den Kindern aus der Umge-

bung der SOS-Kinderdörfer offen.


-24Was wir tun

Oben links: Waltraud Krassnik mit einem ihrer Schützlinge Oben rechts: Mittagessen im selbstgestalteten Speisesaal Unten: Die Bewohner des Clearing-Houses beim Deutschunterricht

Clearing-House Fast wie eine Familie Im SOS-Clearing-House Salzburg fin­ den Flüchtlingskinder, die ohne Eltern nach Österreich gekommen sind, Un­ter­ stützung und eine Heimat auf Zeit. Die Einfahrt des SOS-Clearing-Houses liegt direkt an der

Pension aus den späten 70ern, weckt Kindheitserinnerungen an

Lunchpakete und dünnen Früchtetee. Ganz andere Erinnerungen

haben die Kinder, die hier leben: Es sind Flüchtlingskinder, die

ohne ihre Eltern nach Österreich gekommen sind. Nur sieht man

ihnen oft nicht an, dass sie noch Kinder sind, genau wie man dem

Haus nicht ansieht, dass es eigentlich eine Flüchtlingsstation ist.

Wer hierher kommt, hat Schlepperbanden überlebt, oft lange Fuß-

märsche hinter sich, unwegsame Schiffsfahrten und gefährliche Massentransporte in klapprigen LKWs. Nur um hier anzukommen,

im idyllischen Salzburger Land, den Bergen, den Kühen – und dem

Frieden.

Zwei, die diesen Marsch hinter sich haben, sitzen heute im Klassen-

Nach Österreich kommen jährlich rund 800 unbegleitete, minder-

jährige Flüchtlinge. Bis zu 30 Jugendliche erhalten im SOS-Clea-

ring-House Salzburg während der Zeit des Clearings (Abklärung des Aufenthaltsrechts, was rund drei Monate dauert) die notwendige

Grundversorgung, sozialpädagogische und medizinische Betreu-

ung sowie psychologische Hilfe, um sich in ihrer schwierigen Lage

besser zurechtzufinden. Bei den ersten Gesprächen ist immer ein

Dolmetscher anwesend, damit die Jugendlichen über ihre Situation

sprechen können.

Im Clearing-House lernen die Jugendlichen Deutsch, erhalten

einen Basis-Unterricht im Rechnen und Schreiben (viele sind

Analphabeten) und bekommen Schulungen am Computer. Sie werden von Psychologen in der Alltagsbewältigung unterstützt und gefördert. Für die psychosoziale Betreuung stehen Betreue-

rinnen und Betreuer im Turnusdienst zur Verfügung, die mit den

Jugendlichen den Alltag strukturieren, für sie Ansprechpartner sind und konkrete pädagogische Angebote erarbeiten. Für jeden

Jugendlichen ist ein Betreuer oder eine Betreuerin verantwortlich.

raum mit Lehrerin Waltraud Krassnig und lernen Deutsch. Dina

Ihre Aufgabe ist es, die Jugendlichen aus der Illegalität mit ihren

sam aus dem Iran geflohen. Mehr wollen beide nicht erzählen. Oh-

heit, ein „normales Leben“ wird möglich.

und Baran sind Geschwister. Baran ist 16, Dina 17. Sie sind gemein-

sozialisationsstörenden Folgen zu holen. Das Haus gibt Sicher-

nehin erzählen Dinas traurige Augen mehr, als Worte sagen kön-

Die Jugendlichen wohnen in Zweibettzimmern, ihre Wäsche wa-

unsere besten Schüler und wollen unbedingt lernen“, sagt Lehrerin

gegessen. Es gibt oft Speisen aus den jeweiligen Ländern. „Gestern

nen. Beide sind seit sechs Monaten im Clearing-House. „Sie sind

Waltraud Krassnig.

Alltagsleben im Clearing-House Der 16-jährige Faruk will sich nicht fotografieren lassen. Er hat noch immer zu viel Angst. Aber er erzählt von seiner Vergangenheit. Die

schen sie selbst und jeden Mittag wird gemeinsam gekocht und

habe ich chinesisch gekocht, aber leider zu viel Salz erwischt“,

erklärt Feng, ein Flüchtlingsmädchen aus China. Und zur Frage, wie sie das Clearing-House empfindet, meint sie: „Es ist gut hier, die Jungs sind nett, wie Brüder. Es ist fast wie eine Familie.“

Familie, Eltern und fünf Kinder lebten irgendwo auf dem Land in

Viele verschiedene Nationalitäten

ges kamen Terroristen ins Dorf und erschossen kurzerhand die Brü-

Kamerun, China, Afghanistan, Äthiopien, Nigeria, Syrien, Dem.

Südalgerien. Zwei der großen Brüder waren beim Militär. Eines Tader. „Ihr seid unsere Feinde, weil ihr beim Militär seid“, schrien sie,

als sie abdrückten. Der Rest der Familie flüchtete panisch. Faruk

Die Nationalitäten der Jugendlichen sind sehr unterschiedlich:

Rep. Kongo, Ghana, Burundi, Irak, Mongolei, Moldawien, Ukra­ ine, Weißrussland, Kosovo. „Oft kamen die Jugendlichen nur zu-

fällig nach Österreich. Adam aus Sierra Leone zum Beispiel stieg

in den falschen Zug ein und landete am Hauptbahnhof in Salz-

burg. Und unsere zwei Moldawier Vitali und Viorei wurden mit

dem Rad auf der Autobahn gestoppt“, erklärt Johann Svager, Leiter des SOS-Clearing-Houses. „Oft ziehen sich die Jugendlichen zu-

rück und wirken gedämpft, aber sie sind alle sehr hilfsbereit und

freundlich. Ali aus Afghanistan zum Beispiel gibt einem jeden Ein Fünftel der Weltbevölkerung

Morgen zur Begrüßung die Hand.“

24 Jahren. 85 Prozent von ihnen leben

grauen Komplex, der nächstes Jahr renoviert wird, dann sieht

Welt, wo der Zugang zu Information,

selbstgemaltes Bild mit einem bunten Vogel ans Fenster gehängt,

sind Jugendliche im Alter von 15 bis

in Ländern der sogenannten dritten Bildung, Krankenversorgung keine Selbstver­ständlichkeit ist.

Wenn man das Clearing-House verlässt, zurückblickt auf den man, dass Ali aus dem Fenster winkt. Ein anderer hat ein großes,

das man auch im Vorbeifahren gut sehen kann. Hier entstehen sicher ein paar gute Erinnerungen.

Fotos: Louay Yassin

Landstraße. Von weitem erinnert das Gebäude an eine Skischul-

landete nach langer Irrfahrt in Österreich. Von Vater, Mutter und

den verbleibenden Geschwistern hat er seither nichts mehr gehört.


-25Was wir tun


-26Was wir tun

SOS-Sozialzentren Die Kinder und Kindeskinder von Tschernobyl

froh, dass wir hier im Zentrum wohnen können. Die Atmosphäre ist sehr heimelig und es gibt viel Privatsphäre. Es ist nicht wie in

der Klinik, wo sich acht Kinder und ihre Mütter ein Zimmer teilen.“ Die Familien schätzen auch, dass sie hier nach den Wünschen der

Kinder selbst kochen können und nicht auf das Krankenhaus­

essen angewiesen sind. Auch ganz einfache Dinge wie etwa Wäsche zu waschen oder nicht nach dem strengen Zeitplan eines Kran-

kenhauses leben zu müssen, ist für sie eine große Erleichterung.

Im SOS-Sozialzentrum können die Familien für die Zeit ihres Auf-

enthaltes kostenlos wohnen. Sich für die Dauer der Behandlung

eine Wohnung in der Nähe des Krankenhauses zu mieten, wäre für sie gar nicht möglich. Bei Bedarf erhalten die Mütter finanzi-

In Borowljany bei Minsk in Weißruss­ land bietet das SOS-Kinderdorf jähr­ lich 400 kleinen Krebspatienten und deren Angehörigen ein Zuhause für die Zeit der Behandlung. Die Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind

auch heute noch in Weißrussland allgegenwärtig. Allein die Zahl

der Krebserkrankungen an der Schilddrüse bei Kindern ist in den Jahren seit dem GAU um das 87-fache gestiegen. Die Kinder, die

Gemüse versorgen können.

Aktivitäten und schöne Erlebnisse helfen den Kindern, ihre Krank-

heit zeitweise zu vergessen und Kraft zu schöpfen. Im SOS-Sozial-

zentrum wird viel gemalt, gebastelt und gespielt. Pädagogen gehen dabei individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder ein.

Auch Besuche im Zirkus, Theaterspielen oder Ausflüge in die Um-

gebung bieten den Kindern Abwechslung und ein bisschen Freude. Die Mitarbeiter des Sozialzentrums unterstützen auch die Eltern

mit psychologischer Betreuung, denn oftmals drohen Familien an der schweren Situation zu zerbrechen. Sie leisten auch Beratung

für alleinerziehende Mütter, informieren über gesunde Ernährung oder helfen bei einfachen Dingen wie Amtsgängen  – denn

kurz nach der Katastrophe geboren wurden, bekommen jetzt ei­

viele Familien wissen nicht, welche Ansprüche sie haben und wie

Risiko, an Krebs zu erkranken.

Daneben bietet das SOS-Sozialzentrum Erholungsaufenthalte für

gene Kinder  – und auch diese Kinder haben ein immens hohes Seit 1996 nimmt das SOS-Sozialzentrum, das zum SOS-Kinderdorf

Borowljany gehört, Familien auf, deren Kinder oft monatelang

in der nahegelegenen Fachklinik behandelt werden. Es bietet pro Jahr rund 400 Kindern ein vorübergehendes Zuhause.

Das SOS-Sozialzentrum besteht aus vier Häusern mit mehreren Wohnungen, die auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfes gebaut wurden. Die Onkologische Klinik von Borowljany liegt nur 100

Meter entfernt. Die kleinen Patienten können so tagsüber zur Be-

handlung in die Klinik gehen, wohnen aber mit ihren Eltern und

sie diese geltend machen können.

Familien an, die nach wie vor in stark kontaminierten Gebieten

leben. Diese Aufenthalte sind vor allem für arme und kinderreiche Familien gedacht. Einige Wochen im Jahr ohne Sorgen genießen

zu können, genug zu essen zu haben, gesunde Lebensmittel, ärzt-

liche Betreuung, Beratung und psychologische Unterstützung,

gibt den Müttern viel Kraft, um den Alltag und die Versorgung ihrer Kinder besser zu bewältigen.

Für viele Familien ist der Besuch im Sozialzentrum der Beginn für

weitere Veränderungen: „Wir haben hier erstmals das Gefühl er-

auch Geschwistern in einem familiären, gemütlichen Umfeld.

fahren, dass es möglich ist, Dinge in unserem Leben zu verbessern

sphäre im SOS-Sozialzentrum den Kindern hilft, schneller wieder

sich um andere kümmern“, schrieb Familie Onischtschenko nach

Die Eltern der kleinen Patienten sind überzeugt, dass die Atmo-

gesund zu werden. Ludmilla, eine Mutter berichtet: „Wir sind sehr

und dass es Menschen auf der Welt gibt, die an uns denken und

ihrem Aufenthalt im SOS-Sozialzentrum Borowljany.

Ludmilla mit ihren Kindern während der Behandlung im Krankenhaus

In 607 Sozialzentren betreuen wir

über 130.000 Kinder und deren An-

gehörige auf verschiedenste Art und Weise – je nach Land und Bedarf.

Ziel ist es dabei immer, die Familien zu unterstützen und zu stärken.

Foto: Wolfgang Kehl

elle Unterstützung, damit sie ihre Kinder mit frischem Obst und


-27Was wir tun

SOS-Familienhilfe Estelís Mütter entdecken ihre Stärke

Das blaue Haus und seine behüteten, kleinen Bewohner

Im ärmsten Viertel der nicaragua­ nischen Tabakhauptstadt fehlt es am Nötigsten. Die SOS-Kinderdörfer unterstützen dort Tausende Frauen und Kinder.

Entlang des Weges fließt stinkender Schlamm. Kinder mit

staubigen Füßen hüpfen über die löchrige Straße. Zwischen den

Bananenstauden sind notdürftige Hütten errichtet, Wäsche flat-

tert im Wind. „Paraísito“ – „Kleines Paradies“ heißt dieses Viertel. Was für eine Lüge: Im ärmsten Barrio von Estelí, Tabakhauptstadt

im Nordwesten Nicaraguas, fehlt es am Nötigsten. Vor allem jun-

ge Frauen mit Kindern leben hier  – ohne Strom und fließendes

Wasser, ohne Kanalisation und Müllabfuhr.

Yissell bewohnt eine der Hütten im „Paradies“. An ihrer Tür klebt

eine gelbe Papierente, die ihre Kinder gebastelt haben. Die 37-Jähri-

man sein Haus nicht richtig absperrt, kann es passieren, dass sie

ist abgehauen“, sagt sie, ihre Augen sehen traurig aus. Nur selten

Die „Neue Hoffnung“ im „Paraíso“ liegt am Ende der staubigen

ge ist fünffache Mutter, ihr jüngster Sohn ein Jahr alt. „Mein Mann

komme er vorbei, „die Kinder besuchen“, wie Yissell es nennt, dabei

schläft er vor allem seinen Rausch aus. Erst vor ein paar Tagen hat der kleine José gefragt: „Mama, gehört er eigentlich noch zu uns?“

Die SOS-Kinderdörfer, die in ihren Einrichtungen seit Jahrzehn-

ten elternlosen Kindern wieder eine Familie geben, wollen auch

Frauen wie Yissell helfen. Ihre Situation ist in vielen Armenvierteln der Welt keine Seltenheit. In Nicaragua ist jede vierte Frau

alleinerziehend, etwa jedes dritte Kind chronisch unterernährt.

In Krisensituationen kommt es immer wieder vor, dass Mütter ihre Kinder verlassen. Um solche Dramen zu verhindern, haben die SOS-Kinderdörfer weltweit das Programm der SOS-Familien-

hilfe entwickelt: Besonders bedürftige Familien erhalten monatli-

che Hilfe, damit ihre Kinder zu essen und etwas anzuziehen haben und zur Schule gehen können. Diese Zuwendungen sind in der

mitnehmen, was sie finden.“

Straße, ganz oben am Hang. In einem verwilderten Garten toben

Mädchen und Jungen um ein blau gestrichenes Häuschen. Man

vergisst bei ihrem Anblick fast das Elend der Hütten. Der Kinder-

garten ist mit Unterstützung der SOS-Kinderdörfer entstanden, aber er funktioniert nur, weil sich die Mütter selbst engagieren: Zwei von ihnen haben in den SOS-Kursen eine kleine Ausbildung

erhalten und betreuen nun die mittlerweile 37 Kinder. Eine andere

Mutter kocht, wieder andere stellen Arbeitspläne auf oder ver­ walten die Finanzen. Zu tun gibt es viel. Yissell zum Beispiel trägt

jeden Tag dreimal das Wasser in Kanistern von der Quelle den ganzen Hügel hoch. Sie erzählt das mit für sie ungewohntem Stolz. Zum ersten Mal tut sich eine Lösung auf – und sie selbst ist

Teil davon.

Regel auf wenige Jahre begrenzt, denn in der Zwischenzeit haben die meisten Mütter wieder Fuß gefasst.

Selbstvertrauen und Eigenständigkeit stärken In Nicaragua, dem nach Haiti zweitärmsten Land des Kontinents, werden derzeit 3.000 Kinder in etwa 1.950 Familien von den SOS-

Kinderdörfern unterstützt. Speziell geschulte SOS-Mitarbeiter helfen in finanziellen Notlagen, stärken das Selbstvertrauen und

die Eigenständigkeit der Mütter, helfen bei Erziehungsfragen oder bei der Gründung kleiner Kindergärten, die dringend gebraucht werden: Während die Mütter in Zigarettenfabriken, als

Haushaltshilfe oder Straßenverkäuferin arbeiten, bleiben die

Foto: Silja Streeck

Jüngsten meist allein zuhause – ohne Essen, Aufsicht und Fürsor-

ge. „Ich gehe morgens um sechs aus dem Haus und komme gegen

fünf Uhr nachmittags zurück“, sagt Yissell. Manche Frauen sper-

ren ihre Kleinkinder zum Schutz in den Hütten ein, doch die Ge-

fahr lauert überall. „Es gibt hier viele Typen, die rumhängen. Sie

bedrohen uns mit einem Messer oder einer anderen Waffe. Wenn

Die SOS-Familienhilfe ist den 607 SOS-Sozialzentren angegliedert. Derzeit unterstützt die SOS-

Familienhilfe weltweit fast 300.000 Kinder und deren Familien dabei, einen Weg aus der Armut in ein

selbstbestimmtes Leben zu finden.


-28Was wir tun

SOS-Berufsbildungszentren in aller Welt

Ausbildung von Elektronikern in Viet Tri/Vietnam. SOS fördert gezielt die Ausbildung von jungen Mädchen und Frauen.

Weltweit bilden wir derzeit über 16.000 junge Frauen und Männer aus sehr armen Verhältnissen aus, damit sie später ein selbstbestimmtes Leben führen und ihre Familien ernähren können. Außerdem werden ständig über 10.000 SOS-Mütter und -Mitarbeiter in den 103 Berufsbildungszentren weitergebildet. Die SOS-Berufsbildungszentren sind u. a. in: Sudan: Khartoum, Umbada; Gambia: Bakoteh; DR Kongo: Bu-

China: Qiqihar; Sri Lanka: Anuradhapura, Malpotha, Monara-

dischu; Kenia: Nairobi; Ruanda: Kigali; Äthiopien: Kality, Ma-

dun, Mussoorie-Happy Valley; Nepal: Pokhara (für Tibetaner),

kavu; Nigeria: Isolo; Togo: Kara; Ghana: Tema; Somalia: Mogakalle, SOS Farm Makalle, SOS Farm Hawassa; Sambia: Lusaka;

Malawi: Lilongwe; Madagaskar: Vontovorona; Mauritius: Bam-

bous; Angola: SOS Farm Lubango; Haiti: Cap Haïtien; Kolum­

bien: Armero-Guayabal; Bolivien: Mallasa, Jordán, Tiquipaya;

Paraguay: Panambí; Indonesien: Lembang; Philippinen: Cal-

gala; Indien: Anangpur, Bhimtal, Raipur, New Delhi, Dehral-

Sanothimi; Bangladesch: Chittagong, Bagerhat, Dhaka; Pakistan: Abbottabad, Dhodial, Karachi, Rawalpindi; Luxemburg:

Mersch; Frankreich: Nanterre/Paris, Valenciennes; Deutschland: Berlin, Detmold, Kleve, Nürnberg, Saarbrücken

SOS-Näherinnen­ ausbildung in Indien

Fotos: Benno Neeleman, Dominic Sansoni

bayog; Vietnam: Viet Tri, Ben Tre; Kambodscha: Siem Reap;


-29Was wir tun

SOSBerufsbildungszentren Mit beiden Beinen fest im Leben Die SOS-Kinderdörfer begleiten Kin­­ der auf dem Weg in ein selbststän­ diges Leben. Dazu gehört auch das Erler­­nen eines Berufs, der die spätere Exis­tenz der jungen Erwachsenen si­chert. Da­­für sind die weltweit mehr als 100 SOS-Berufsbildungszentren da. Ein Beispiel dafür ist die Schrei­nerei von Francis Akoto in Accra/Ghana.

„Jedem Kind ein liebevolles Zuhause“ haben die SOS-Kinder-

Francis zeigt seinem Lehrling, was man beim Stuhlbau beachten muss.

Dass er dem SOS-Kinderdorf etwas zurückgibt, erzählt er nicht

gern, dazu ist er zu bescheiden. Aber er tut es: Immer wieder bildet er Jugendliche aus, die wie er im Kinderdorf aufgewachsen

sind. Er ist ein strenger, aber auch gütiger Lehrmeister und sagt, was er von seinen Jungs erwartet: „Wenn du nichts lernen willst

und nicht fleißig bist, dann wird es nichts. Je mehr du von dir

dörfer auf ihre Fahnen geschrieben. Ein liebevolles Zuhause ist das

selbst gibst, desto mehr bekommst du eines Tages zurück!“

reitung für den Weg hinaus ins Leben. Der zweite Schritt ist: Ler-

Die Chance geben, das Leben selbst zu meistern

Erste und Wichtigste, was ein Kind braucht. Es ist die beste Vorbe-

nen, wie man draußen besteht und seinen Lebensweg in Würde

20 Leute arbeiten heute in Francis’ Schreinerei. Die Freunde der

bildung vorweisen kann. Ungezählte Beispiele aus den mehr als

SOS-Kinderdorf aufwachsen konnte, haben damit noch für viel

gehen kann. Die besten Chancen hierfür hat, wer Schule und Aus500 SOS-Kinderdörfern zeigen, wie Kinder ihren Weg erfolgreich

gegangen sind und heute mit beiden Beinen im Leben stehen.

Essen oder zur Schule gehen? Francis Akoto aus Ghana war so ein Kind. Er war vier Jahre alt, als seine Eltern starben. Eine Tante nahm sich seiner an, aber diese

Tante war selbst arm. „Es war klar, dass das Geld entweder für das

Essen reichen würde oder für die Schule. Aber nicht für beides“,

erzählt Francis heute rückblickend.

Francis kam ins SOS-Kinderdorf Tema nahe der Hauptstadt Accra.

Mit sechs trat er in die SOS-Kinderdorf-Schule ein, die zu diesem Dorf gehört. Es folgte eine Ausbildung zum Schreiner. Vier weitere

Jahre sammelte Francis Berufserfahrung, dann war es so weit:

Mit einem Freund machte er seine eigene Schreinerwerkstatt auf.

SOS-Kinderdörfer, die dazu beigetragen haben, dass Francis im

mehr gesorgt. Denn neben Francis stehen heute auch die 20 Mit­ arbeiter seiner Firma samt deren Familien fest im Leben. Francis

hat im SOS-Kinderdorf ein Zuhause gefunden und kann wie seine

Mitarbeiter auch seiner eigenen Familie ein richtiges Leben bieten. Das ist es, was die SOS-Kinderdörfer unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ verstehen.

Der Vorstandsvorsitzende der SOS-Kinderdörfer weltweit, Helmut Kutin, sagt dazu: „Wir müssen immer ein Auge darauf haben,

dass wir den Menschen keine Almosen geben, von denen sie abhängig werden, sondern dass wir ihnen eine realistische Chance

geben, ihr Leben selbst zu meistern!“ Bei Francis Akoto ist das

gelungen. Wie bei vielen anderen ehemaligen SOS-KinderdorfKindern in mehr als 130 Ländern auf der ganzen Welt. 

Bis er sein eigener Herr war, war es ein weiter Weg, und die Leute

aus dem SOS-Kinderdorf haben ihn immer wieder unterstützt  – zuletzt mit Gründungskapital für die Werkstatt und Aufträgen.

Francis lieferte Möbel für ein neu gebautes SOS-Kinderdorf. Inzwischen hat seine Firma einen so guten Ruf, dass er von vielen

Auftraggebern Bestellungen für Tische, Stühle, Schränke und Betten bekommt.

Francis ist unabhängig Francis ist fleißig, zielstrebig und bodenständig. Büroarbeiten gehören für ihn genauso dazu, wie das Verladen neuer Ware auf Foto: Wolfgang Kehl

den Lkw. Er ist sich für nichts zu schade. Und wenn er in seinem

karierten Hemd auf dem Firmengelände steht, erzählt er seinen

Besuchern: „Heute kann ich sagen: Ich bin unabhängig. Ich muss

niemandem auf der Tasche liegen, kann auf eigenen Beinen stehen und mich und meine Familie ernähren! Ich bin dem SOSKinderdorf dafür dankbar.“

In über 100 SOS-Berufsbildungs­

zentren bilden wir unter anderem zu fol­genden Berufen aus:

Kfz-Mechaniker, Elektriker,

Drucker, Schreiner, Schneider, Weber, Näher, Bäcker, Köche, Bürofach­k räfte, Buchhalter,

Verkäufer, Program­mierer, IT-Fach-

kräfte, Landwirte, Krankenpfleger und viele weitere Berufsbilder.


Naher Osten: Das Lachen der Kinder spiegelt nicht immer ihre wahren Gefühle wieder. Dahinter verbergen sich häufig schwere Verlet­ zungen, ausgelöst durch die Schrecken jahrzehn­ telanger Kämpfe im West­ jordanland.


Foto: Patrick Wittmann


-32Was wir tun

SOS-Medizinische Zentren In die Enge getrieben

Symptome ein Kind entwickelt, hänge davon ab, welche Schre-

cken es während der jahrelangen Kämpfe zwischen Israelis und

Palästinensern erlebt hat  – den Tod eines Verwandten oder die Zerstörung des Elternhauses. Viele Kinder haben Kämpfe erlebt,

sie wissen, wie Kugeln pfeifen, sie wissen, wie sich Steine in der

Hand anfühlen, sie wissen, wie blutig ihre Welt sein kann. Durchweg allen Kindern fehlt es an Sicherheit.

Nach und nach zerbröselt der Grundstein, auf dem ein kindliches

Ego steht. Jeden Tag passiert im Nahen Osten eine kleine oder gro-

ße Katastrophe, die massiv daran rüttelt. Towfig nennt als Bei-

spiel den Gaza-Krieg. „Die palästinensischen Kinder hier im West-

jordanland haben das im Fernsehen gesehen und natürlich die

Auf die Schüsse folgt der Kampf mit der eigenen Psyche: Im Westjordan­ land helfen Experten der SOS-Kinder­ dörfer den Jungen und Mädchen ihre Traumata zu überwinden.

Reaktionen der Verwandten miterlebt. Den Zorn. Die Trauer. Die

Kinder wissen sehr genau, wie das alles zusammenhängt. Und

sie fragen sich dann: Wann bin ich dran?“ Irgendwann werde es

für die Kinder fast zur Gewissheit, dass sie selbst früher oder später Opfer der Gewalt werden. Psychologen haben bereits einen Namen für dieses Phänomen, sie sprechen vom „Gaza-Syndrom“.

Manchmal kommt die Traurigkeit auf leisen Sohlen Es ist nicht allein das direkte Erleben der Gewalt, das die Kinder

Wir sind keine fünf Kilometer aus der Stadt hinausgefah-

verunsichert. Manchmal kommt die Traurigkeit scheinbar ohne äußeren Anlass und auf leisen Sohlen. „Ein junger Patient, Mar-

ren, da sieht die Landschaft wirklich so aus, wie man sich die Ge-

wan, neun Jahre alt, ging eines Tages einfach nicht mehr zur

Olivenbäume. Tatsächlich könnte jederzeit ein Jünger auf dem

gewesen, keine Probleme. Erst als die Mutter zu uns kam, wurden

gend um Bethlehem vorstellt. Karge Vegetation, viel Stein, ein paar Eselchen des Weges kommen. Dr. Salman Towfig, 39, klappt im VW-

Caddy die Blende gegen die Sonne herunter, zeigt nach vorne und

sagt: „Das Tal des Todes.“ Man ist geneigt, den Namen historisch

Schule. Ohne ersichtlichen Grund. Die Lehrer waren zufrieden

wir schlauer. Marwans Vater ist Trucker und den ganzen Tag un-

terwegs. Und Marwan hatte nun Angst um seinen Vater, der

da draußen durch diese gewalttätige Welt fuhr. Und diese Angst

einzuordnen oder auf einen der jüngeren Kriege zurückzuführen,

hat ihn überwältigt.“ Immerhin ein Fall, bei dem zu helfen ist.

Furchterregend steil geht’s hinab in die Schlucht, die bunte Wer-

um Marwan kümmert, dass er seine Vaterrolle wirklich an-

aber er ist schlicht als Warnung für die Autofahrer gemeint.

betafel einer Versicherung mahnt, auf der anderen Seite warten

„Ich habe den Vater davon überzeugen können, dass er sich mehr

nimmt. Drei Monate hat es gedauert, jetzt geht Marwan wieder

die Soldaten. Ein Kontrollpunkt der Israelis. Salman Towfig bleibt

ohne Probleme zur Schule.“

ter im Westjordanland unterwegs. Zweimal in der Woche fährt er

sechs psychosozialen Zentren der SOS-Kinderdörfer, in Richtung

ganz cool, er kennt das, jeden Tag ist der Psychologe viele Kilomejedes der sechs psychosozialen Zentren der SOS-Kinderdörfer an,

in denen Experten Kindern dabei helfen, schwere Traumata zu

überwinden. Es gibt viel zu tun zwischen Ramallah und Jericho,

es sind unzählige Jungen und Mädchen, die Hilfe dringend benötigen. Hilfe für verletzte Seelen.

Wie viele der Kinder betroffen sind? „Alle!“, sagt der Psychologe.

Einige leiden „nur“ unter Appetitlosigkeit, Bettnässen oder Schlaf-

störungen, andere haben schwere Depressionen oder ernste Angst-

zustände. Die meisten Fälle laufen unter dem Stichwort ADHS,

Wir fahren von Ramallah, der Hauptstadt und Sitz eines der

Das Psychomobil fährt von Stadt zu Stadt. Im letzten Jahr haben die SOSMitarbeiter zu 40.000 Jungen und Mädchen Kontakt aufgenommen.

also Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitäts-Syndrom. Towfig kennt alle diese Ausprägungen und noch viele andere. Welche

Sowohl Kinder in Israel als auch in

den palästinen­sischen Gebieten werden von den SOS-Kinderdörfern un-

terstützt. In Israel gibt es zwei SOS-

Kinderdörfer und im West­jordan­land und Gaza jeweils eines. Elternlose Jungen und Mädchen bekommen

hier wieder eine Familie. Die ange-

und SOS-Medizinische Zentren sind

auch offen für die Familien der Nachbarschaft. Einmalig in der SOS-Welt ist bislang das Psychomobil, das im Westjordanland unterwegs ist, um

traumatisierten Kindern zu helfen.

Fotos: Patrick Wittmann

schlossenen Schulen, Kindergärten


-33Was wir tun

Wieder fröhlich: Die Kinder nach der Behandlung

Norden, Richtung Nablus. Die nächste Kontrolle der Israelis.

Die Soldaten sind barsch und unfreundlich, aber korrekt. Sie kon­

Es besteht aus zwei 50 Quadratmeter großen Con­tainern, die je-

weils für einige Monate in einem Ort aufgestellt werden. An-

trollieren Papiere und Passagiere. „Alles okay?“, fragen wir.

schließend werden sie an den Haken genommen, verladen und ein

man Towfig kurbelt das Fenster wieder hoch und ist gleich zurück

Allein im vergangenen Jahr wurden von den Mitarbeitern 40.000

„Nein“, raunzt der Soldat zurück, „dürft trotzdem fahren“. Sal-

bei den Kindern. „Nicht in allen Fällen kann ich so schnell helfen.“ Er erzählt die Geschichte der drei Geschwister Nirah, 13, Bos-

har, 10, und Komis, 8, die das Schlimmste erleben mussten, was

Kinder erleben können. Ihr Vater war bei der Intifada beteiligt, er war ein Kämpfer, gerade mal 26 Jahre alt.

Und 2004 wurde er von israelischen Soldaten in seinem Haus aus

einem Kellerversteck gezogen und mit MP-Salven in den Kopf

paar dutzend Kilometer weiter wieder aufgebaut.

Kinder im Westjordanland angesprochen, in der Schule, im Kin-

dergarten, auf der Straße. Für insgesamt 9.000 Kinder und Teen-

ager wurde ein Behandlungsbedarf diagnostiziert. Gleich an Ort

und Stelle, im Psychomobil, begann man mit der Hilfe; manchen

Kindern ging es nach einigen Therapiestunden schon deutlich

besser. Wenn die Probleme tiefer lagen, mehr Zeit nötig war,

wurde die Arbeit in einem der sechs regionalen psychosozialen

getötet, geradezu zerfetzt. Die Kinder standen daneben, haben al-

Zentren weitergeführt.

mit einer Kinderseele macht?“, fragt Towfig. Für einen Moment

„Wir sollen doch wohl nicht die Juden lieben?“

Nablus, der Stadt, in der früher die Samariter lebten, auch schon

den SOS-Kinderdörfern 2003 eingerichtet. Towfig erinnert sich

drei Kinder geht noch weiter. Wenige Tage später wird die Mutter

genwehte. „Nach der ersten Intifada hat niemand den Kindern

les mit ansehen müssen. „Kann sich jemand vorstellen, was das

schweigt der Psychologe. Wir kommen an den Stadtrand von

fast 2.000 Jahre alt. Towfig schaut herüber: „Die Geschichte der ermordet. Wieder vor den Kindern. Von arabischen Kämpfern,

Das Angebot, traumatisierten Kindern beizustehen, wurde von

noch gut, dass dem Projekt am Anfang ein scharfer Wind entgegeholfen. Niemand hat sich über die seelischen Folgen für die Kin-

die nun wiederum glaubten, dass die Frau ihren Mann an die

der Gedanken gemacht. Und viele der eher einfachen Menschen

Heute sind die drei Geschwister versorgt. Sie sind nicht allein.

kann nur Gott helfen.“ Inzwischen wüssten viele, dass es durch-

Israelis verraten habe.“

Es geht ihnen gut. Physisch gesehen. „Ich rede viel mit ihnen. Sie

denken immer wieder an Rache für ihren Vater. Ich versuche ih-

nen dann zu erklären, dass der Vater ein Soldat war. Er hat getötet, er wurde getötet. Und eure Mutter, sage ich ihnen, die dürft ihr

haben angesichts von psychischen Erkrankungen nur gesagt: Da

aus Wege aus der Seelenkrise gibt. Aber einfach sind sie fast nie.

Er kennt die Tücken aus sehr direkter, privater Anschauung. „Ich habe drei Söhne. Sam, Ali und Adam. Sam ist neun. In den paläs-

tinensischen Gebieten gilt ein Junge in diesem Alter unter den

nicht verachten. Die Kinder glauben der Propaganda aus ihrem

Schülern als Held, wenn er Steine auf israelische Soldaten wirft.“

Und zuhören. Für traumatisierte Kinder ist es schon ein wichtiger

allgegenwärtigen Hasses geraten? Salman Towfig ist ein starker

Umfeld, glauben, dass die Mutter eine Verräterin ist.“ Reden hilft.

Schritt, wenn sie das Erlebte jemandem mitteilen können. Oder malen, Dinge im Spiel verarbeiten. Nur sehr selten, wenn es gar nicht anders geht, setzen die Mitarbeiter Medikamente ein.

„Plötzlich bist du mitten in einer Schießerei“

Wie schafft man es da, dass seine Kinder nicht in den Schatten des Mann, einer dieser Typen, wie sie Krisen hervorbringen.

Er hat seine Ideale, er hat seine Zweifel. „Meine Söhne kommen zu mir und sagen: ‚Du hast uns gelehrt, alle Menschen zu lieben. Aber wir sollen doch wohl nicht die Juden lieben?‘“ Der Vater hat

überlegt und schließlich eine Antwort gefunden: „Doch, wir müs-

Für Dr. Towfig ist die Reiserei quer durch das Land mit seinen über

sen alle Menschen lieben, nicht aber ihre Taten.“

ich schon zwischen die Fronten geraten. Du fährst durch einen

verstehen, das weiß er nicht. Da geht es ihm nicht anders als allen

zwei Millionen Einwohnern nicht ohne Risiko. „Einige Male bin Ort, plötzlich siehst du einen Mann mit Waffe, dann noch einen

auf der anderen Straßenseite, und dann geht alles unglaublich schnell, und du bist mitten in einer Schießerei. Bisher bin ich im-

mer fortgekommen, mal mit Hilfe der palästinensischen Kämp-

fer, mal mit der der israelischen Soldaten.“

Wir kommen nach Tubas, schon weit im Norden, kurz vor Dsche-

nin. Hier, vor einer recht modernen Schule, steht ein besonderes

Projekt für traumatisierte Kinder. Das sogenannte Psychomobil.

Die Jungs haben genickt, aber ob sie dem Vater folgen, ob sie ihn

anderen Eltern, deren Kinder in solchen Zeiten aufwachsen müssen. In Zeiten ohne Frieden.

In 72 SOS-Medizinischen Zentren werden jährlich rund 450.000

Menschen beraten, geimpft, untersucht, behandelt, operiert …


-34Was wir tun

SOS-Nothilfe Wir sind vor Ort und bleiben

Das bisher umfangreichste SOS-Nothilfe- und Wiederauf-

bauprogramm startete nach der Tsunami-Katastrophe im Jahr 2004. Die Hilfsaktionen gehen stets von den SOS-Einrichtungen

im jeweiligen Land aus, so auch nach dem verheerende Erdbeben

auf Haiti im Januar 2010. SOS-Nothilfe-Koordinator Georg Willeit war einer der ersten Helfer vor Ort.

Herr Willeit, in Haiti waren Sie schon kurze Zeit nach dem

Beben vor Ort. Was ist unmittelbar nach so einer immensen Ka-

tastrophe zu tun? Zuerst müssen wir das Augenmerk natürlich

auf die eigenen Einrichtungen im Land legen. Wir machen uns ein Bild davon, in welchem Umfang die SOS-Kinderdörfer betrof-

fen sind. Daraus ergibt sich, inwieweit man als Organisation vor

Weltweit leiden Kinder unter den Fol­ gen von Naturkatastrophen, Hungers­ nöten und Kriegen. Hier setzt die auf Nachhaltigkeit angelegte SOS-Nothilfe an. Die Soforthilfe für hungernde Familien im Niger, der Einsatz für die Flutopfer in Pakistan und die Betreu­ ung der Flüchtlingskinder Sri Lankas sind nur ein paar Beispiele für diesen Zweig unserer Arbeit.

Ort in der Lage ist, schnell und unmittelbar zu helfen. Als Kinder-

hilfswerk konzentrieren wir uns bei den folgenden Maßnahmen

auf unsere Kernkompetenz: Wir helfen betroffenen Kindern und

deren Familien.

Die Gebäude der beiden SOS-Kinderdörfer Haitis blieben glück­ licherweise nahezu unversehrt. Sie konnten also von einer soli-

den Basis aus arbeiten. Was waren die folgenden Schritte? Das

Wesentliche bleibt zunächst einmal die Versorgung der SOS-Ein-

richtungen mit dem Nötigsten. Dazu zählen Trinkwasser, Lebens-

mittel und Medikamente. Traumatisierte Kinder erfahren zudem

eine besondere Betreuung durch Psychologen und Sozialarbeiter. Ist die Situation im Kinderdorf einigermaßen stabil, kümmern wir uns verstärkt um die Menschen in der Nachbarschaft. In Haiti

konnten wir Hilfsbedürftige aus der Umgebung rasch über unsere

SOS-Sozialzentren versorgen. Dort geben wir Medikamente aus

und Essen und das Nötigste, was die Familien brauchen. Wir be-

ginnen nicht bei Null. Wir kennen die Umgebung und arbeiten vor allem mit Einheimischen. In Haiti haben wir die SOS-Sozialzent-

ren von ursprünglich 16 um rund 80 Ausgabestellen erweitert. Gemeindemitglieder kochen und verteilen Mahlzeiten an insgesamt

mehr als 20.000 Kinder.

Wie helfen die SOS-Kinderdörfer nach einer Katastrophe noch?

Wir sind nach einer Katastrophe für die betroffenen Kinder da.

Dazu zählt, dass wir Kindern, die alleine umherirren, Schutz geben. Wir nehmen sie vorübergehend im Kinderdorf auf und bringen sie, wenn möglich, schnell wieder mit den eigenen Familien

zusammen. Zudem kämpfen wir gegen Kinderhandel und vorschnelle Adoptionen von unbegleiteten Kindern. Außerdem hel-

fen wir mit unseren Programmen Familien, damit sie in so einer Extremsituation nicht auseinanderbrechen.

Nach einer Naturkatastrophe sind meist viele Hilfsorganisationen vor Ort. Arbeiten die SOS-Kinderdörfer mit manchen davon

zusammen? Ja, sicher. In Haiti haben die SOS-Kinderdörfer mit

einigen Organisationen kooperiert. Bei der Bereitstellung und Verteilung von Nahrung, Trinkwasser, Matratzen, Betten und

Zelten war vor allem die gute Zusammenarbeit mit dem Deut-

schen Roten Kreuz und dem Technischen Hilfswerk entscheidend. Ebenfalls sehr wichtig war die Unterstützung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick-

lung (BMZ), das die SOS-Kinderdörfer beim Bau einer öffentlichen

Georg Willeit im SOS-Kinderdorf Santo/Haiti

Schule und einer Krankenstation fördert. Wir können wiederum

andere Hilfsorganisation vor Ort unterstützen, wenn es um unsere Kernaufgabe, den Schutz der Kinder, geht.

Die Arbeit der SOS-Kinderdörfer ist immer auf Nachhaltigkeit

angelegt. Was bedeutet das am Beispiel der Haiti-Nothilfe? AllIn 13 Nothilfeprogrammen (drei in

ter wie in Haiti immer in ein Aufbauprogramm übergeht. Das ist

Afrika, vier in Lateinamerika und

das Besondere an der Arbeit der SOS-Kinderdörfer. Wir sind nicht

als 1,1 Millionen Menschen, die

sondern wir bleiben. Dank der vielen Spenden werden in Haiti

sechs in Asien) versorgen wir mehr

nur unmittelbar nach der Katastrophe für kurze Zeit im Land,

durch Katastrophen oder Kriege in

nun unter anderem ein neues Kinderdorf und ein medizinisches

Not geraten sind.

Zentrum entstehen. Bis zu zehn Schulen werden gebaut bezie-

hungsweise renoviert.

Foto: Christian Martinelli

gemein lässt sich sagen, dass die SOS-Nothilfe nach einem Desas-


-35Was wir tun

Fotos: Georg Willeit, Mirco Lomoth, Christian Martinelli, Line Wolf Nielsen

Täglich eine warme Mahlzeit sichert das Überleben der Schwächsten.

Links oben: Würde ist den Haitianern sehr wichtig. Ein sauberes, gepflegtes Äußeres ist selbst für die Kinder der Ärmsten in der SOS-Schule in Santo/Haiti traditionell Pflicht. Rechts oben: Die Schlange der Obdachlosen bei der täglichen Nahrungsmittelausgabe in einem der SOS-Sozialzentren in Port au Prince/Haiti. Rechts: SOS-Mitarbeiter arbeiten mit den traumatisierten Erdbebenopfern in den Obdachlosenlagern.


Baffinbai

Beaufortsee

EUROPÄISCHES NORDMEER

Nuuk

Reykjavik

Hudsonbai

Sto Os

Nordsee

Golf von Alaska

Kopenhagen Dublin

London

B

Paris

Wie Bern

Ottawa

Zagre Sara

Washington DC

ATLANTISCHER OZEAN

Lissabon

Madrid

Rom

Tun

Algier

Rabat

Tripo

SOS-Kinderdörfer Hauptstädte

Golf von Mexiko

Mexiko-Stadt

El-Aaiún Havanna Ka

Santo Domingo

ri

bi sc Belmopan he s M eer Guatemala-Stadt Tegucigalpa San Salvador Caracas Managua Georgetown Panamá-Stadt Paramaribo Cayenne Bogotá

Nouakchott

Bamako Dakar Niamey Bissau Ouagadougou Conakry Yamoussoukro Abuja Freetown Lagos Monrovia Accra Cotonou Jau Libreville

Quito

Luanda

Lima

Brasília

ATLANTISCHER OZEAN

Sucre

Windh Asunción

Santiago

In 518 SOS-Kinderdörfern leben die Kinder mit ihren eigenen und SOS-Geschwistern sowie einer SOS-Mutter in einem Haus zusammen. Zusätzlich finanzieren wir über 1.600 SOS-Zusatzeinrichtungen wie HermannGmeiner-Schulen, SOS-Berufsausbildungszentren und SOS-Sozialzentren. Weltweit helfen wir so mehr als 2,2 Millionen Menschen. Ziel dabei ist immer eine selbst­ bestimmte Zukunft und „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Buenos Aires Montevideo

Kapst


-37Was wir tun

NORDPOLARMEER

Laptewsee Karasee Barentssee

Helsinki ockholm slo Tallinn Riga OstMoskau see Vilnius Warschau Minsk Berlin Kiew Prag en Budapest Bukarest

eb ajevo

Sofia

m

Schwarzes Meer

Istanbul

nis

Astana Ulan Bator

Kaspisches Tiflis Meer

Jerewan

Athen

Beringmeer

Aralsee

Baku

Bishkek Taschkent

Peking

Kairo

Seoul

Kabul

Neu-Delhi

Asmara Khartum Sana N’Djamena Dschibuti Bangui

unde

Addis Abeba Juba Kampala

huk Gaborone

tadt

Maseru

Dhaka

Hanoi

Rangun

Vientiane

Golf von Bengalen

Bangkok

PAZIFISCHER OZEAN

Manila

Phnom Penh Colombo Kuala Lumpur Singapur

Mogadischu

Nairobi

Kinshasa Dodoma

Lusaka

Ostchinesisches Meer

Kathmandu

Maskat

Meer

Tokio

Islamabad

Riad

a

PjĂśngjang Japan.

Ashgabat

Teheran Damaskus Bagdad Amman

Mittelmeer

olis

Ochotskisches Meer

Jakarta

Lilongwe Harare

INDISCHER OZEAN

Dili

Port Moresby Korallensee

Antananarivo

Pretoria Maputo Mbabane

Canberra Tasmansee

Wellington


Wie wir arbeiten


-39Wie wir arbeiten

Organisation Meilenstein für Effizienz und Offenheit

Der Verein SOS-Kinderdörfer weltweit, Hermann-Gmeiner-

Fonds Deutschland e. V., hat sich im Jahr 2010 eine neue Satzung

gegeben. Ziel dieser neuen Satzung ist es, Steuerung und Kontrolle

der Ausgaben des Vereins noch transparenter und effizienter zu

machen. Daniel Wintzer, Fachanwalt für Steuerrecht bei dem

renommierten Wirtschaftsprüferunternehmen PriceWaterhouseCoopers nennt das neue Regelwerk eine „überaus fortschrittliche

Satzung“.

Besonders sichtbar sind die Änderungen bei der Führungsstruk-

tur: Zuvor hatte unser Verein einen Vorstand, bestehend aus sie-

ben Mitgliedern und zwei hauptamtlichen Geschäftsführern.

Heute besteht die Führung aus drei hauptamtlichen Vorständen

Transparenz und Kontrolle ist das erklärte Ziel unserer Arbeit. Deshalb haben wir uns eine neue, weithin beachtete Satzung gegeben.

und einem ehrenamtlichen Aufsichtsrat. Diesem gehören derzeit sieben Mitglieder an.

Bewirkt wurde damit eine klare Trennung von Aufsichtsgremium

und Vereinsführung. Die drei hauptamtlichen Vorstände Helmut Kutin (Vorstandsvorsitzender), Dr. Wilfried Vyslozil (Vorstand) und

ich, Ulla Sensburg (Vorstand), sind verantwortlich für das operative

Geschäft, kümmern sich um Strategie und Kommunikation, Fi-

nanzplanung und interne Prozesse sowie die Umsetzung des

Haushalts. Der Aufsichtsrat bestellt den Vorstand, überwacht

ihn, berät in strategischen Fragen und entscheidet über zustimmungspflichtige Rechtsgeschäfte. Kurz: Der Aufsichtsrat übt die

Aufsicht über den Vorstand aus.

Bei der Trennung von Führung und Kontrollgremium übernimmt

der Verein SOS-Kinderdörfer weltweit wieder einmal eine Vorrei-

terrolle: Es ist ein Meilenstein in Sachen Transparenz und Kontrolle. Die neue Struktur stellt sicher, dass die Arbeit des Vorstands

von einem unabhängigen Gremium überwacht wird und interne

Kontroll- und Effektivitätssysteme ambitioniert weiterentwickelt werden.

Natürlich trägt der Verein auch weiterhin das DZI-Spendensiegel.

Unsere Einnahmen und Ausgaben unterliegen damit der strengen Kontrolle des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen. Die

Beurteilung durch das DZI mit der Werbe- und Verwaltungskosten-

Der Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit Von Links: Helmut Kutin, Ulla Sensburg und Dr. Wilfried Vyslozil

quote veröffentlichen wir jährlich in unserem Leistungsbericht.

Der Leistungsbericht enthält auch die Gewinn- und Verlustrechnung des jeweiligen Jahres. Dabei unterwerfen wir uns freiwillig

den strengen Richtlinien des deutschen Handelsrechts. Es ist uns

wichtig, transparent mit unseren Einnahmen und Ausgaben umzugehen. Jeder kann unsere Zahlen einsehen.

Unser Jahresabschluss wird zusätzlich von einer unabhängigen

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft (PricewaterhouseCoo-

pers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft). Wir stellen uns gerne dieser besonders eingehenden Prüfung nach den Kriterien für große Kapitalgesellschaften mit allen damit zusammenhängen-

den, verschärften, gesetzlichen Ausweis- und Berichtspflichten,

ins­besondere nach § 317 HGB unter Beachtung der vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) festgestellten deutschen Grundsätze

ordnungsmäßiger Abschlussprüfung. Der Prüfauftrag umfasst

unter anderem die unmittelbare Verwendung der Vereinsmittel

für satzungsmäßige Zwecke sowie die Wirksamkeit des rechnungs­ legungsbezogenen, internen Kontrollsystems. Seit Jahrzehnten

Fotos: Cornelia Bolter, Witold Kaczor

erhalten die SOS-Kinderdörfer weltweit ein uneingeschränktes

Der Aufsichtsrat der SOS-Kinderdörfer weltweit Von Links: Richard Pichler, Christoph Kahl, Gerhard Paetsch, Amélie Königs, Helmut Stock, Michaela Braun und Dr. Gerald Mauler

Testat – also ein Siegel für saubere Bilanzierung.

Weitere Fragen zum Verein, Finanzen, Kontrolle und Transparenz

beantworten Ihnen die Fachkräfte unserer Finanzabteilung gerne!

Ulla Sensburg Vorstand der

SOS-Kinderdörfer weltweit


-40Wie wir arbeiten

Kinderrechte Leben, Gleichheit, Schutz und Fürsorge Die UN haben am 20. November 1989 die Kinderrechtskonvention verab­ schiedet und am 2. September 1990 in Kraft gesetzt. Den insgesamt 54 Arti­keln haben fast alle Länder zuge­stimmt. Nach der UN-Konvention haben alle Kinder das …

Die UN-Kinderrechtskonvention basiert im Grunde auf den

Ideen von Janusz Korczak (1878 – 1942), polnischer Arzt, Kinderbuchautor und Pädagoge. 1919 übernahm er die Leitung eines

nach seinen Plänen errichteten jüdischen Waisenhauses in War-

schau. Seine Pädagogik stellte die traditionelle Auffassung von Erziehung in Frage und beschrieb Wege, um die Würde des Kindes

zu bewahren. So forderte er drei Grundrechte der Kinder ein: Das Recht des Kindes auf eigene Erfahrungen, das Recht des Kindes auf den heutigen Tag und das Recht des Kindes, so zu sein, wie es

ist. Nach dem Überfall der Deutschen auf Polen wurde Korczak

mit den Kindern seines Waisenhauses in das Warschauer Ghetto ... Recht

auf Gleichheit – unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, sonstigen Anschauungen, Herkunft, Vermögen, Behinderung und sozialem Status

... Recht

auf Leben

... Recht

auf Schutz und Fürsorge

... Recht

auf Identität, einen Namen und eine Staatsangehörigkeit

... Recht

auf eine Pflegefamilie oder Adoption im Fall von der Familie getrennt lebender Kinder

... Recht

auf Meinungs- und Informationsfreiheit

... Recht

auf Privatsphäre und persönliche Würde

deportiert. Als 1942 etwa 200 Kinder aus dem Ghetto ins Vernich-

tungslager Treblinka gebracht wurden, bestand Korczak darauf, sie zu begleiten. Er wurde dort mit den Kindern umgebracht.

SOS-Richtlinien für UN Die SOS-Kinderdörfer haben gemeinsam mit anderen Organisati-

onen 2009 Richtlinien für die alternative Betreuung von Kindern entwickelt. Diese Richtlinien präzisieren das in der UN-Konven­ tion festgelegte Recht auf eine Pflegefamilie oder Adoption im Fal-

le von der Familie getrennt lebender Kinder. Die Richtlinien besa-

gen unter anderem, dass Kinder nicht unnötigerweise in alternative Betreuung kommen sollen. Form und Qualität der Betreuung

sollen den spezifischen Bedürfnissen des Kindes entsprechen. Geschwister sollen zusammenbleiben. Die UN-Generalversamm-

lung begrüßte diese Richtlinien offiziell.

... Recht

auf Schutz vor Gewaltanwendung, Misshandlung, Verwahrlosung, wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung

... Recht

auf Schutz für Flüchtlingskinder

... Recht

auf Gesundheitsvorsorge, ärztliche Versorgung, Ernährung und eine gesunde, körper­ liche Entwicklung

... Recht

auf Unterbringung und ein Zuhause

... Recht

auf soziale Sicherheit

auf angemessene Lebensbedingungen und Unterhalt

... Recht ... Recht

auf Bildung, Schule und Berufsausbildung

auf sofortige Hilfe bei Katastrophen und Notlagen

Foto: Joris Lugtigheid

... Recht


-42Wie wir arbeiten

Interessenvertretung Die Rechte der Kinder im Fokus Jedes Kind, das nicht bei seiner Fa­­mi­lie aufwachsen kann, hat ein Recht auf besonderen Schutz, so ist es im § 20 der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben. Die Kinderrechte, die 1989 ins Leben gerufen und mittler­ weile von fast allen Ländern der Welt ratifiziert sind, bilden die Grundlage für die Arbeit der SOS-Kinderdörfer.

Im Familienalltag jedes SOS-Kinderdorfes werden die Kin-

derrechte gelebt und umgesetzt. „Jedes Kind soll seine eigene Entwicklung mitgestalten können“, erzählt Vitolds Krievin, Leiter eines SOS-Kinderdorfes in Lettland. „Gemeinsam mit dem Kind

entscheiden wir, welche Schule es besucht, aber auch welche be-

sondere Förderung es benötigt. Regelmäßig beobachten wir seine

noch passen und welche nächsten Schritte anstehen.“ SOS be-

ten. Doch wir sind arm. Mit Unterstützung von Mitarbeitern der

und eine kindgerechte Entwicklung. Gleichberechtigung von

besuch zu ermöglichen.“

und Kulturen wird aktiv gelebt.

Engagement für Kinderrechte auf allen Ebenen

Das Wohl des Kindes steht im Vordergrund

Ebene für Kinderrechte. Gemeinsam mit Vertretern anderer Kin­

stärkt Kinder in ihrem Recht auf Gesundheit, Bildung, Freizeit

Mädchen und Jungen sowie von Kindern verschiedener Religionen

Bei der Aufnahme von Kindern in eines der SOS-Betreuungspro-

SOS-Familienhilfe arbeiten wir nun daran, den beiden den Schul-

Die SOS-Kinderdörfer engagieren sich auch auf sozialpolitischer

derhilfsorganisationen treten wir an politische Entscheidungs-

gramme sowie bei allen weiteren Schritten steht immer das Wohl

träger heran, um die Rechte von Kindern und Jugendlichen zu

Dabei stellt sich die Frage, ob eine Unterbringung in einem SOS-

strafe, die im afrikanischen Benin Eltern und Lehrer aufrüttel-

des Kindes (§ 3 der UN-Kinderrechtskonvention) an erster Stelle.

stärken: Von Kampagnen gegen Kindesmisshandlung und Prügel-

Kinderdorf der richtige Schritt ist. Besteht eventuell die Möglich-

ten, bis hin zu Abkommen mit Regierungen, sich stärker für den

fern diese entsprechende Unterstützung von SOS bekommt? Was

Brüssel, Genf und New York vertreten die Interessen von Kindern

Kinder müssen ihre Rechte kennen. Deshalb können sie sich in

Gremien.

keit, dass ein Kind bei seiner leiblichen Familie bleiben kann, soist für das Kind das Beste?

den SOS-Einrichtungen informieren. Bei Rollenspielen üben sie zudem, sich für ihre Rechte einzusetzen. Die Aufklärungsarbeit

Schutz von elternlosen Kindern einzusetzen. SOS-Spezialisten in

im Rahmen verschiedener europäischer und internationaler Zusätzlich erarbeiten die SOS-Kinderdörfer Qualitätsstandards. Als federführende Kraft entwickelten wir gemeinsam mit ande-

schließt auch die Eltern mit ein. „Wir haben bisher nur unseren

ren Organisationen Richtlinien für alternative Kinderbetreuung,

aus Indien, die einen SOS-Kurs über Kinderrechte besucht hat.

Nationen begrüßt wurden. Darin wird unter anderem besonders

haben, eine Ausbildung zu machen und ihr Leben selbst zu gestal-

phase entsprechend gut vorbereitet und unterstützt werden müs-

Sohn zur Schule geschickt“, erzählt Damayanti, eine junge Frau

„Nun ist mir bewusst, dass auch unsere beiden Töchter das Recht

die in einer Resolution der Generalversammlung der Vereinten betont, dass junge Menschen für ihr Leben nach der Betreuungs-

sen. Dafür setzt sich auch unsere Initiative „I Matter  – Leaving

Care“ ein, die sich für bessere Zukunftschancen junger Menschen in Osteuropa stark macht.

Alle Kinder dieser Welt haben ein Recht auf ein sicheres Zuhause

und eine kindgerechte Entwicklung. Leider wird dieses Recht

immer noch allzu oft mit Füßen getreten. Die SOS-Kinderdörfer handeln als Anwalt, damit Kinder ihre Rechte bekommen.

Foto: Katerina Ilievska

Entwicklung und schauen gemeinsam, ob die angestrebten Ziele


-43Wie wir arbeiten

SOS-Schulprogramm Solidarität auf dem Stundenplan Politologe, Schul­experte und Schauspieler Walter Anyanwu vermittelt deut­schen Schülern „Ubuntu“ – acht­ sames Miteinander.

„Was bedeutet das: Jemandem auf Augenhöhe begegnen?“,

nur erzählt, sie können es sogar basteln: Mit dem SOS-Bastelblock

kann man ein ganzes Kinderdorf aus Papier nachbauen. Es gibt die SOS-Mutter als Fingerpuppe, Geschwister zum Ausmalen, ein

Haus aus Pappe mit Tetra-Pak-Möbeln als Einrichtung und

schließlich ein Fußballfeld, einen Gemüsegarten und einen Brunnen, die das Dorf symbolisieren. Ein Bastelblock reicht für eine Schulklasse – und wenn sich mehrere Schulkassen zusammen-

fragt Walter Anyanwu die Klasse 2c in Berlin-Charlottenburg.

tun, kann man ein ganzes Dorf bauen.

rin. „Genau!“, ruft Walter Anyanwu und geht vor der Schülerin in

schon gebastelte Kinderdorfhäuser: Bemalte Schachteln und

„Du machst dich klein auf unsere Größe“, meldet sich eine Schüle-

die Knie: „Schau mir in die Augen und sag mir, wen du da tief in meinen Augen siehst.“

„Mich selbst“, antwortet die Schülerin erstaunt. „Und ich sehe auch mich tief in deinen Augen“, sagt Walter Anyanwu.

„Die Schüler begreifen mit solchen Beispielen schnell, dass es da-

rum geht, sich gegenseitig zu respektieren, und dass einer ohne den anderen nicht gut leben kann“, erklärt der SOS-Schulexperte

Anyanwu später. „Und das ist Ubuntu: Ich bin, weil du bist.“

In den Unterrichtsstunden „Globales Lernen“, die die SOS-Kinder-

dörfer an deutschen Schulen anbieten, geht Walter Anyanwu,

Politologe und Schauspieler, immer wieder auf die Kinder ein. Er

spult nicht einfach ein Programm ab, sondern reagiert spontan,

mit viel Humor und Verstand auf die Klasse und die Angebote der Kinder. Immer wieder schüttelt er einem Kind die Hand oder bittet

sie nach vorne, um mit ihm zu spielen. Am Ende der Stunde sin-

gen alle zusammen ein nigerianisches Kinderlied „Tu Tungele“: Ich gehöre dazu.

„Die Arbeit mit den Kindern zeigt mir, dass auf der ganzen Welt

die Kinder dasselbe brauchen: Fürsorge und das Gefühl, dazuzu-

gehören“, sagt Walter Anyanwu zu seiner Arbeit. „Das zu erken-

nen, ist ein großer Schritt für ein achtsames Miteinander.“

Achtsames Miteinander heißt in der Zulu-Sprache Ubuntu.

Und das sollen die Kinder in den Unterrichtseinheiten erfahren. Ubuntu ist einer der Kernbegriffe des afrikanischen Werte­ systems, ein Begriff, der auch für die SOS-Kinderdörfer weltweit im Zentrum ihrer Arbeit steht.

Foto: Sibylle Baier

Wie es in den SOS-Kinderdörfern aussieht, wird den Kindern nicht

Walter Anyanwu beim Unterricht „Globales Lernen“

Wenn Walter Anyanwu in eine Klasse kommt, stehen dort meist

Fußballfelder, auf denen Kühe grasen und Möhren wachsen.

„Es ist schön zu sehen, wie die Kinder ihre Phantasie spielen

lassen“, sagt Walter Anyanwu, „Sie können so viel, diese kleinen Menschen!“


-44Wie wir arbeiten

SOS im Licht der Öffentlichkeit Faszinierend und überall bekannt

Wie sehr die SOS-Kinderdörfer begeistern, belegt der Faszi-

nationsatlas der IRES GmbH. In der Umfrage der Düsseldorfer Gesellschaft für Unternehmensforschung galt es im Jahr 2008 he-

rauszufinden, von welchen Marken eine besondere Faszination

ausgeht. Das Ergebnis ist eindeutig. Unter den Top-50-Marken in

Deutschland sind die SOS-Kinderdörfer auf Platz 1, gemeinsam mit der Organisation Ärzte ohne Grenzen. Die SOS-Kinderdörfer

liegen deutlich vor anderen Top-Marken wie Mercedes, Google,

ADAC und Lego.

Ebenso deutlich ist das Umfrageresultat, wenn es um die Be-

kanntheit in der Bevölkerung geht. Das zeigt eine Studie des

Marktforschungsinstituts YouGovPsychonomics aus dem Jahr

Seit mehr als sechs Jahrzehnten begeistern die SOS-Kinderdörfer die Menschen durch ihre Arbeit für Kin­ der. Das erleben wir jeden Tag durch die positive Resonanz. Studien und Auszeichnungen untermauern unsere Erfahrungen.

2009. In Deutschland liegt der Bekanntheitsgrad unserer Organi-

sation bei 96 Prozent, gleichauf mit dem Deutschen Roten Kreuz. Der Deutsche Spendenmonitor 2010 bescheinigt den SOS-Kinderdörfern zudem die besten Imagewerte, vor allen anderen im Be-

richt aufgeführten Organisationen. So glänzen die SOS-Kinderdörfer beispielsweise bei wichtigen Themen wie Weitblick, Wir-

kung, Nachhaltigkeit und Transparenz sowie bei der Sorgfalt im

Umgang mit Spendengeldern.

Dass wir beim Einsatz der uns anvertrauten Gelder höchst gewis-

senhaft sind, bestätigt uns auch das Deutsche Zentralinstitut für

soziale Fragen (DZI), dessen Spendensiegel wir führen. Zudem

gehören wir zu den Erstunterzeichnern der Initiative Transparen-

te Zivilgesellschaft. Diese definiert zehn grundlegende Punkte,

die jede zivilgesellschaftliche Organisation der Öffentlichkeit zugänglich machen sollte.

6,5

6,0

5,5

5,0

4,5

Quelle: IRES-Faszinationsatlas


-45Wie wir arbeiten

50

46.000 16

3.000

2.500

Prozent der Spenden für die weltweite Arbeit der SOS-Kinder­ dörfer kommen aus Deutschland.

Schülerinnen und Schüler gehen in die die Hermann-GmeinerSchule in Yantai/China. Damit ist sie die größte SOS-Schule weltweit.

4.100

Meter hoch liegt das höchstge­ legene SOS-Kinderdorf (El Alto/ Bolivien).

Paten und über eine Million aktive Freunde unterstützen die SOS-Kinderdörfer weltweit.

tibetische Flüchtlingskinder und -jugendliche wohnen im SOSKinderdorf Dharamsala. Es ist damit auch das kinderreichste SOS-Dorf.

1.400 Foto: Alexander Gabriel

SOS-Kinder aus 14 bis 16 Ländern Europas machen im SOSFeriendorf Caldonazzo in Oberitalien pro Jahr Urlaub, damit sich die SOS-Mamas auch mal erholen können.

45

Familienhäuser hat das größte SOS-Kinderdorf. Es liegt in Dha­ ramsala, Nordindien.

40

5.972

1.500

140

40

7.000

SOS-Kinderdörfer gibt es allein in Indien. Es ist somit das „dorfreichste“ SOS-Land.

Kilogramm Nudeln,

SOS-Feriendorf Caldonazzo

Prozent unserer Fundraising-Einnahmen sind regelmäßig und wiederkehrend. Den Rest müssen wir Jahr für Jahr „erarbeiten“.

Eimer Mayonnaise und

40

Eimer Ketchup werden in dieser Zeit vertilgt.

1.500

Liter Frischmilch werden getrunken.

SOS-Mütter und -Väter gibt es. Darunter sind auch Ehepaare, die als SOS-Eltern arbeiten.

Kilogramm Brot kommen täglich auf den Tisch.

Joghurts wandern in die Mägen der Kinder.

10

Tonnen Obst und Gemüse werden geliefert und verarbeitet.

500

Kilogramm Tomatenmark werden für Soßen verarbeitet.


Ein Tag in den SOS-Kinderdรถrfern rund um die Welt

6.00 Uhr 7.45

7.30 10.00

11.30

15.30 16.00


Fotos: Robert Fleischanderl, Dominic Sansoni, Benno Neeleman, Claire Ladavicius

6.30

7.15

8.00 8.30

14.00

13.00

18.00

20.00


Wie Sie aktiv werden kรถnnen


-49Wie Sie aktiv werden können

Fotos: Paul Hahn, SOS-Archiv

Die Waise Elena * 1983 im Slum von Santo Domingo, Dominikanische Republik

tem as priva aus Elen S ss O u S h sc im p uchs Schnap m: Sie w anische Fotoalbu s Mina/Dominik uf a orf Lo ist stolz Kinderd auf und BWL. k li in b u ss p e lu R ch dienabs ihren Stu * Name zum Schutz geändert


-50Wie Sie aktiv werden können

Spenden Der einfachste Weg zu helfen Lediglich um einen Schilling bat Her­mann Gmeiner 1949 die Menschen, um das erste SOS-Kinderdorf zu bauen. Viele, viele beteiligten sich. Die SOS-Kinderdörfer waren immer Zeug­nis gemeinschaftlicher Hilfs­ bereit­schaft. Sie sind es bis heute.

Martin Luken organisiert gemeinsam mit dem Sportverein SUS Darme Badminton-Turniere. Die Mitglieder kümmern sich um die Tombola und

die Sponsorensuche sowie um den Kaffee- und Kuchenverkauf. Die Erlöse kommen den SOS-Kinderdörfern zugute.

Der einfachste Weg zu helfen, ist die Spende. Man kann

natürlich einfach Geld überweisen. Manche unserer Freunde ha-

ben sich auch besondere Aktionen ausgedacht, um Geld für die SOS-Kinderdörfer zu sammeln:

Cosmopolitan School Die Schüler der Berlin Cosmopolitan School haben einen Spiel-

nachmittag veranstaltet. Dort konnten die Kinder gegen ein kleines Startgeld zum Beispiel mit Bällen auf Zielscheiben werfen.

Mit dem eingenommenen Geld unterstützten die Schüler die Not-

hilfe der SOS-Kinderdörfer in Haiti.

Lioba und Sophie aus Ebersberg basteln kleine Schmuckstücke, die sie zugunsten

der SOS-Kinderdörfer auf einem Basar in ihrem ehemaligen Kindergarten verkaufen. Mit Handzetteln machen sie Werbung, um

möglichst viele Besucher an ihren Stand zu locken.

Familie Wildpreth hat ihre Nachbarschaft in Villingen mit frischen Brötchen ver-

sorgt. Am Sonntag um 5.30 Uhr sind die Eltern und ihre drei Kin-

der aufgestanden und haben rund 300 Brötchen an 40 Haushalte verteilt. Der Bäcker hat die Brötchen gestiftet, so dass Familie

Wildpreth das eingenommene Geld an die SOS-Kinderdörfer weitergeben konnte.


-51Wie Sie aktiv werden können

Heinrich Biermann

Wilhelm Schröder

erzählt den Besuchern in seiner privaten Sternwarte in Kassel vom

aus Oberhausen ist nach seiner Pensionierung als Schulleiter zum

ein wenig näher. Bezahlen müssen die Interessenten nicht, aber

spielt seine Lieder, verteilt Luftballons und Kinderbücher und

Mond und den Sternen. Mit dem Fernrohr holt er den Weltraum

am Eingang hat Biermann einen Globus aufgestellt, in dem er Geld für die SOS-Kinderdörfer sammelt.

Andrea und Jörg Schuster aus Frankfurt haben sich einen Traum erfüllt: Nach ihrer Hoch-

Drehorgel-Mann geworden. Er zieht durch die Innenstädte und bittet um eine Spende, die er an die SOS-Kinderdörfer weiterleitet.

Jugendliche aus dem Ort Herzhausen ziehen in der Sylvesternacht von Haus zu

zeit sind sie mit dem Fahrrad einmal durch Amerika gefahren  –

Haus, um ihre guten Wünsche zu überbringen. Das hat hier Tra­

Kinderdörfer besucht und auf ihrer Homepage Werbung für SOS

sie an die SOS-Kinderdörfer weiter.

von Alaska bis Feuerland. Immer wieder haben sie auch SOS- gemacht und um Spenden gebeten.

dition. Einen Teil der Spenden, die sie dafür bekommen, geben

Wir freuen uns über jede Spende, sei sie auch noch so klein. Herzlichen Dank! Auf Ihre Fragen freut sich das SOSFreundeteam im Dialogzentrum:

Tel.: 0800/50 30 600 (gebührenfrei) Fax: 089/17 914 - 215

E-Mail: freunde@sos-kinderdoerfer.de

Inge Dreyer ehemalige Schulleiterin aus Berlin, schreibt Märchen. Lange Zeit

Fotos: privat

hat sie sie selbst vor Schulklassen gegen eine Spende vorgelesen. Als dies gesundheitlich schwierig wurde, stellte sie die Märchen

ins Internet (www.inge-dreyer.de), wo nun jeder selbst die Mär-

chen herunterladen kann – gegen einen kleinen Beitrag für SOS.

www.sos-kinderdoerfer.de/helfen Spendenkonto

1 111 111 (siebenmal die Eins) BLZ 700 700 10

Deutsche Bank München


-53Wie Sie aktiv werden können

SOS-Patenschaften Hilfe, die nachhaltig wirkt Die vielen Menschen, die die SOSKinderdörfer als Paten unterstützen, sind eine tragende Säule unserer weltwei­ten Arbeit. Ohne diese tatkräftige Hilfe wäre vieles nicht möglich. Als Pate hat man die Wahl zwischen drei verschie­denen Arten der Patenschaft. Mit einer Patenschaft ein Kind unterstützen Mit einer SOS-Kindpatenschaft übernehmen Sie eine Patenschaft für ein bestimmtes Kind. Sie fördern als Pate seine Entwicklung

und nehmen daran teil. Mit Ihrem regelmäßigen Beitrag ab 31 Euro

im Monat sichern Sie seine Zukunft und sorgen dafür, dass es im SOS-Kinderdorf alles bekommt, um gut und sicher aufzuwachsen.

Mit Ihrer Hilfe wird beispielsweise Schulgeld bezahlt, Kleidung gekauft und die medizinische Versorgung gewährleistet. Auch die

gesunde und ausreichende Ernährung wird durch Ihre Unterstützung sichergestellt. Zu Beginn der Patenschaft erhalten Sie eine

kurze persönliche Beschreibung und ein Foto des Kindes. Außer-

dem informieren wir Sie über das SOS-Kinderdorf und das Heimat-

dass Kinder auf der Straße landen. SOS unterstützt die Familien

materiell und bietet zudem psychologische Hilfe an. Neben verschiedenen Bildungsmaßnahmen ist auch die medizinische Ver-

sorgung im Rahmen der SOS-Familienhilfe ein wichtiges Thema.

Als Projektpate begleiten Sie eine Familie auf dem Weg in eine

bessere, selbstbestimmte Zukunft. In halbjährlichen Berichten

erfahren Sie, welche Fortschritte eine Familie durch die SOS-Familienhilfe macht. Die Projekte sind auf zwölf Monate befristet und wechseln jährlich.

In 607 Sozialzentren betreuen wir über 430.000 Kinder und deren

Angehörige auf verschiedenste Art und Weise – je nach Land und

Bedarf. Ziel ist es dabei immer, die Familien zu unterstützen und

zu stärken.

Für alle Patenschaften gilt: Der Pate hilft so lange er will und kann. SOS-Patenschaften können jederzeit ohne Angabe von Gründen beendet werden.

land Ihres Patenkindes. Während der Patenschaft erhalten Sie

jährlich zwei Berichte direkt aus dem Land, in dem das Kind lebt.

So können Sie an der Entwicklung Ihres Patenkindes teilhaben.

Mit einer Patenschaft ein SOS-Kinderdorf unterstützen Ab 26 Euro monatlich können Sie gezielt ein SOS-Kinderdorf als

Pate fördern. Ihre Unterstützung kommt auch den angeschlosse-

nen SOS-Zusatzeinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Kliniken sowie Berufsbildungs- und Sozialzentren zugute. Sie helfen mit Ihrer Patenschaft etwa bei der Anschaffung von Spielsachen

für den SOS-Kindergarten oder von neuen Lehrmaterialien für die SOS-Schule. Mit dieser Form der Patenschaft helfen Sie, die Ge-

meinschaft im SOS-Kinderdorf und in seiner Nachbarschaft nachhaltig zu stärken. Wer eine Dorfpatenschaft übernimmt, erhält ein Foto und Informationen des betreffenden SOS-Kinderdorfes

sowie Wissenswertes über das jeweilige Land. Außerdem bekom-

men Sie zwei Mal pro Jahr einen Bericht über die wichtigsten Er-

Foto: Claire Ladavicius

eignisse im Kinderdorf.

Mit einer Projektpatenschaft die SOS-Familienhilfe unterstützen Mit einem Beitrag ab 15 Euro monatlich unterstützen Sie als Pro-

jektpate ein bestimmtes Projekt der SOS-Familienhilfe. Diese för-

dert bedürftige Kinder und deren Eltern, die in der Umgebung der

SOS-Kinderdörfer in schwierigen Verhältnissen leben. Ziel ist es, die Familien vor dem Zerbrechen zu bewahren und zu verhindern,

Auf Ihren Anruf freut sich das

SOS-Patenteam im Dialogzentrum: Tel.: 089/17 914 - 160 Fax: 089/17 914 - 215

E-Mail: paten@sos-kinderdoerfer.de www.sos-kinderdoerfer.de/Patenschaft Konto für Patenbeiträge

KTO 69 401 00

BLZ 700 700 10

Deutsche Bank München


-54Wie Sie aktiv werden können

SOS-Spender und private Förderer „Ich bin sicher, dass mein Geld etwas bewirkt“

zur Fertigstellung der Häuser regelmäßig auf dem Laufenden ge-

halten. Ich wurde auch informiert, wenn bei dem Projekt mal

etwas nicht so glatt lief. So hatten wir beim Bau etwa mit konta-

minierten Böden zu kämpfen. Dadurch hat sich auch der Baube-

ginn verzögert. Wichtig ist, dass heute die Häuser stehen. Ich habe das Dorf dann ja auch besucht.

Erzählen Sie doch bitte ein wenig von Ihrem Besuch. Da könnte

ich stundenlang erzählen. Das äußere Erscheinungsbild der Einrichtung ist tatsächlich eine Augenweide. Die Häuser sind an-

sprechend, zweckmäßig und sehr gemütlich. Die Mütter kümmern sich mit sehr viel Liebe, Engagement und Einsatz um ihre Kinder, aber auch die älteren Geschwister helfen den Jüngeren.

Irmgard W. * hat mit einer großzügigen Spende den Bau von zwei Familien‑ häusern im weißrussischen SOS-Kinderdorf Mogilev finanziert.

Was hat Sie bewogen, die Arbeit der SOS-Kinderdörfer mit

Wie haben die Kinder Sie willkommen geheißen? Es gab eine kleine Feier. Ein Vierjähriger führte spontan mit viel Stolz einen

Tanz auf. Ein Achtjähriger erzählte mit viel Inbrunst und Laut-

stärke eine Geschichte. Ich verstand kein Wort, aber die Ernsthaftigkeit und Hingabe beeindruckte mich gewaltig. Die zuhörenden

Geschwister zu beobachten, hat mir viel Freude gemacht. Überhaupt hat man gleich gemerkt, dass die Kinder sich im Dorf wohl-

fühlen. Es war sofort ein richtiges Vertrauensverhältnis da.

Was würden Sie jemanden empfehlen, der sich mit dem Gedan-

einem so großzügigen Beitrag zu unterstützen? Nun, ich bin in

ken trägt, eine gemeinnützige Organisation großzügig zu un-

schwierigen Zeit habe ich eine glückliche Kindheit und Jugend in

Die Organisation sollte das Spendensiegel führen. Zudem darf der

den Kriegs- und Nachkriegsjahren aufgewachsen. Trotz dieser einer intakten Familie erlebt. Jetzt möchte ich Kindern, denen es

nicht so gut geht, zu einer besseren Zukunft verhelfen.

Und da haben Sie gleich an die SOS-Kinderdörfer gedacht?

terstützen? Wichtig ist natürlich, sich gründlich zu informieren.

Verwaltungsaufwand nicht zu groß sein, sonst kommt zu wenig Geld dem eigentlichen Zweck zugute. Vor Ort müssen kompetente

Mitarbeiter im Sinne der Organisation handeln. Diese Vorausset-

Ja, denn ich kenne die SOS-Kinderdörfer schon lange und habe

zungen habe ich bei den SOS-Kinderdörfern weltweit gefunden.

Ich kann mir also ein gutes Bild von der Organisation machen.

Ich wünsche mir, dass dadurch viele Kinder einen besseren Start

sie auch schon einmal mit einer größeren Spende unterstützt.

Mir gefällt besonders die Idee, dass in Not geratene Kinder in der Familie aufwachsen und nicht im Heim. Ich wollte sogar mal

selbst SOS-Kinderdorfmutter werden. Aber das ist eine andere

Geschichte.

Deshalb bin ich mir auch sicher, dass mein Geld etwas bewirkt. ins Leben bekommen.

* Um die Privatsphäre unserer Unterstützerin zu schützen, hat die Redaktion den Namen gekürzt.

Welchen Beruf haben Sie stattdessen ergriffen? Ich habe Erzieherin gelernt. Gearbeitet habe ich in Kindergärten, Horten und

Heimen. Mein Vater wollte eigentlich, dass ich einen kaufmän­

nischen Beruf erlerne. Aber das war mir zu trocken. Der Bezug zu Kindern war bei mir immer da.

Sie haben entschieden, die Arbeit der SOS-Kinderdörfer in

Weiß­r ussland zu unterstützen. Warum gerade dieses Land?

Weißrussland ist eines der ärmsten Länder Europas. Daher habe ich mich entschlossen, mein Geld dorthin zu geben. Ich habe

mich vorher natürlich über das Land informiert. Man weiß ja kaum etwas über das Leben der armen Menschen dort. Nach und

nach habe ich Informationen aus dem Internet zusammengetragen. Die SOS-Kinderdörfer haben mich dabei unterstützt.

Wie wurden Sie bei Ihrem Spendenprojekt seitens der SOS-Kinderdörfer begleitet? Sie haben mich von der Grundsteinlegung bis

Ihre kompetente

Ansprechpartnerin: Angelika Schwaiger

Telefon: 089/17914-219 Fax: 089/17914-100 E-Mail:

angelika.schwaiger@sos-kd.org

Die SOS-Förderin Irmgard W. im SOSKinderdorf Mogilev


-55Wie Sie aktiv werden können

Anlass-Spenden Es gibt viele Gelegenheiten gemeinsam zu helfen

zu haben und diesen zu heiraten, erfüllt einen mit tiefer Dankbarkeit“, ergänzt seine Frau Manuela.

Dass bei der Anlass-Spende die Wahl auf die SOS-Kinderdörfer fiel,

war für das Brautpaar nahe liegend: „Wir unterstützen schon seit

mehreren Jahren ein Patenkind in Nepal.“ Die Spenden der Hoch-

zeitsgäste sollten dem ganzen Dorf des Patenkindes in Surkhet

zugute kommen. „Für unsere Feier hatten wir Informationstafeln

über die dortige SOS-Arbeit vorbereitet und ein Spendenhäuschen

aufgestellt. Die Beteiligung an unserem Projekt war überwältigend“, erzählt Frau Kalb-Hengge.

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

Gutes tun ist leicht, wenn viele helfen! Dieser Satz stammt von Hermann Gmeiner. Wie leicht es tatsächlich ist, gemeinsam mit anderen etwas Gutes zu tun, zeigen seit vielen Jahren unsere Anlass-Spender. Das eigene Glück teilen Marc Hengge und Manuela Kalb-Hengge haben ihre eigene Hoch-

zeit in den Dienst der guten Sache gestellt. Ihren Wunsch „Spen-

„Spenden statt Geschenke“ ist nur eine der vielen Möglichkeiten, wie sich die Arbeit der SOS-Kinderdörfer durch Anlässe unterstüt-

zen lässt. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Man-

che unserer Spender organisieren beispielsweise Basare oder Flohmärkte zugunsten von SOS. Einige Vereine und Gemeinden haben

auch schon sportliche Ereignisse auf die Beine gestellt, bei denen etwa die zurückgelegten Kilometer eines Langstreckenlaufs von

Sponsoren „versilbert“ wurden. Ebenso gibt es Menschen, die Benefizkonzerte veranstalten oder eine Spendenaktion im Inter-

net starten (siehe folgende Seite). Auch ein Trauerfall kann im

stillen Einvernehmen mit einem Verstorbenen ein Anlass sein, um in seinem Sinne statt Blumen und Kränzen zu Spenden für Kinder in Not aufzurufen.

den anstatt Geschenke“ hatten die beiden bereits in der Einladung

Jede Idee verdient professionelle Unterstützung

schönsten Tag im Leben mit anderen teilen. „Wir leben in einem

dörfer geben den Initiatoren jede mögliche Unterstützung. So stel-

Kleidung noch an einem Dach über dem Kopf. Außerdem können

nen zu unseren Projekten zur Verfügung. Außerdem kümmern

zur Hochzeit formuliert. Das Brautpaar wollte sein Glück am

der reichsten Länder der Erde und es mangelt uns weder an Essen,

wir uns ohne Einschränkung bilden und entwickeln“, sagt Marc

Hengge. „All dies und das Glück, den einen Menschen getroffen

Manuela und Marc teilten ihr Glück

Unabhängig davon, um welchen Anlass es geht, die SOS-Kinder-

len wir beispielsweise Spendenhäuschen, Plakate und Informatiowir uns darum, dass jeder der Beteiligten eine Spendenbescheini-

gung erhält. Gerne beraten wir Interessierte auch darüber, wo ihre Spenden dringend benötigt werden.

Mit den Spenden der Hochzeitsgäste von Marc Hengge und Manuela Kalb-Hengge wurden damals Schulbücher und -uniformen für die Kinder im SOS-Kinderdorf Surkhet in Nepal gekauft. Für das

Ehepaar ist das nach wie vor ein schöner Gedanke. „Das war das

schönste Geschenk, das unsere Gäste uns machen konnten“, freut sich Manuela Kalb-Hengge.

Wir beraten Sie gerne im Anlassteam: Tel. 0800/50 30 600 (gebührenfrei) Fax: 089/17914 - 100

E-Mail: anlass@sos-kinderdoerfer.de www.sos-kinderdoerfer.de/Anlass-Spende Spenden

Empfänger:

SOS-Kinderdörfer weltweit Konto: 69 12 000 BLZ: 700 700 10

Bank: Deutsche Bank München BIC: DEUTDEMM Fotos: privat

IBAN: DE37 7007 0010 0691 2000 00

Stichwort (bitte unbedingt angeben):

Eindeutige Bezeichnung des Anlasses (z. B. 70. Geb. Max und Ute Fröhlich)


-56Wie Sie aktiv werden können

Spenden im Internet Die Website für individuelle SOS-Spendenaktionen Ob zum Geburtstag, zur Hochzeit, beim Marathonlauf oder zu sonstigen Anlässen: Um gemeinsames Spenden möglichst einfach zu gestalten, haben wir www.meine-spendenaktion.de entwickelt.

Auf unserer Website meine-spendenaktion.de können auch

Internet-Unerfahrene in wenigen Schritten ihre persönliche Spendenseite für besondere Anlässe anlegen. Genauso unkompliziert

ist das Spenden selbst.

Das Schönste daran: Diese Art zu helfen hebt die Stimmung! Am

Spendenbarometer lässt sich aktuell ablesen, wie viel Prozent der angestrebten Summe bereits erreicht sind – da kommt sportlicher

Ehrgeiz auf! Und die Kommentare der Freunde tragen ebenfalls das Gefühl weiter, dass gute Leute eine Menge bewirken können, wenn sie sich zusammenschließen.

Surplus – Warum Spenden sammeln mehr ist, als Geld zusammentragen Wenn etwas mehr ist, als die Summe seiner Teile, nennen das

Mathematiker „Surplus“: das was oben drauf kommt. Das Surplus beschreibt etwas, das man auf Anhieb gar nicht so leicht versteht:

Es ist das eigentlich Unerwartete, das Unvorhergesehene, manchmal auch der Zauber der Dinge.

Wie kann man sich das vorstellen? Die Teile einer angeschnittenen Torte wiegen zusammen genommen gleichviel wie die Torte

im Ganzen – oder im schlimmsten Fall weniger, weil jemand ge-

krümelt oder genascht hat. Mehr jedenfalls nicht. Beim Trinken sieht die Sache schon anders aus: Cola und Fanta gemischt  – der sogenannte Spezi oder Mezzomix – genießt bei vielen Leuten ho-

hes Ansehen. Echte Spezi-Fans schwören auf das „Surplus“ der Mischung.

Allerdings hat sich Aristoteles, der das Phänomen angeblich zu-

erst entdeckt hat, natürlich nicht mit Spezi beschäftigt. Ebenso

wenig, wie ein Haufen Zellen einen Tiger ausmachen, ist ein einzelnes Goldatom gelb und glänzend. Jeder hat schon einmal erlebt, wie eine Gruppe von Menschen gemeinsam auf Ideen kommt, die der Einzelne nie gehabt hätte. Das sogenannte Brainstorming

kann sogar beflügelnd wirken: Die Gedanken und Ideen des Einen inspirieren den Anderen zu Kreativität – es entsteht etwas Neues.

Wenn die Idee eines Einzelnen eine Gruppe ansteckt und moti-

viert, erlebt man, wie sich die Dynamik der Gruppe verselbstständigt. Während man gemeinsam an einem Strang zieht, eine Sache entwickelt und etwas gemeinsam erschafft, entstehen Kräfte und

Emotionen, die man vielleicht so noch nicht erlebt hat.

Spendenaktionen auf meine-spendenaktion.de sind für Spender

und ihre Freunde ein Gruppenerlebnis, das sie nicht vergessen

werden – für ein Kind im SOS-Kinderdorf am anderen Ende der Welt bedeutet die gemeinsame Spende die Gewissheit, auch morgen noch in Geborgenheit leben zu können.

www.meine-spendenaktion.de

Foto: privat

„Die Aktion für die SOS-Kinder­ dörfer hat riesigen Spaß gemacht und so haben sich die Strapazen wirklich gelohnt.“ Jens aus Frankfurt


-57Wie Sie aktiv werden können

Internet Mitmachen erwünscht: News, Infos und mehr Unsere Seite www.sos-kinderdoerfer.de bietet ausführliche Informationen und Geschichten rund um die SOSKinder­­dörfer. Mit dem Newsletter sind Sie immer auf dem Laufenden.

Ein Interview mit Hermann Gmeiner, Filme über das Dorf­

Helfen leicht gemacht Auf unserer Internetseite findet man alle Möglichkeiten, Kinder in Not aktiv zu unterstützen – von Patenschaften über die Unter-

stützung per SMS bis hin zu Online-Bannern. Wenn Sie sich für eine SOS-Patenschaft interessieren, finden Sie eine aktuelle Über-

sicht über alle Länder und SOS-Kinderdörfer, für die wir derzeit

leben in Südafrika oder Bilder aus den SOS-Hermann-Gmeiner-

dringend Paten suchen.

falt und SOS-Geschichte. Es ist spannend mitzuverfolgen, wie und

www.sos-kinderdoerfer.de/hilfspakete. Schenken Sie einem SOS-

Schulen: Die Website der SOS-Kinderdörfer bietet Aktualität, Viel-

warum Kinder ins SOS-Kinderdorf gekommen sind, wie sie dort aufblühen, wie sie neuen Lebensmut finden und was sie dort mit ihren SOS-Geschwistern erleben. Unsere Webseite bietet ausführ-

liche Informationen zu allen Ländern, in denen SOS aktiv ist,

Unser Tipp: Entdecken Sie auch unsere SOS-Hilfspakete unter Kind Schulsachen oder eine Winterjacke, Medikamente oder eine Impfung.

Aktuelle Zahlen und Fakten, die Geschichte der SOS-Kinderdörfer,

Informationen zu unserer Arbeit vor Ort und zur Verwendung

sowie Kurzbeschreibungen aller SOS-Kinderdörfer. Tagesaktuelle

Ihrer Spendengelder: auch das finden Sie auf unserer Website. Unser

beit. Wer nichts verpassen will, abonniert gleich den SOS-News-

einmal der Fall sein, dann schreiben Sie uns doch eine E-Mail an

Meldungen aus der SOS-Welt geben einen Einblick in unsere Ar-

letter (www.sos-kinderdoerfer.de/newsletter). Abonnenten erhal-

ten ein- bis zweimal im Monat eine E-Mail mit allem Wichtigen aus der Welt der SOS-Kinderdörfer.

Haben Sie selbst eine Spendenaktion für Kinder in Not gestartet?

Oder kennen Sie Menschen, die sich für die SOS-Kinderdörfer einsetzen? Dann schreiben Sie uns! Wir stellen regelmäßig SOS-

Foto auf Website: Joris Lugtigheid

Freunde als „Spender des Monats“ vor: Menschen, die Engagement

gezeigt haben.

Anspruch ist, dass keine Fragen offen bleiben. Sollte dies dennoch

info@sos-kinderdoerfer.de. Wir helfen Ihnen gerne weiter und beantworten Ihre Fragen!

www.sos-kinderdoerfer.de

www.facebook.com/soskinderdoerfer www.sos-kinderdoerfer.tv


-58Wie Sie aktiv werden können

Nachlass Immer einen Draht zu Kindern Lieselotte Knüpf wollte zeitlebens, dass die Menschen versorgt sind. Deshalb bedachte sie die SOS-Kinder­ dörfer auch in ihrem Testament.

Lieselotte Knüpf lebte in der Gegenwart, ganz und gar. Umso

mehr fallen die wenigen Geschichten von früher ins Gewicht, die

sie mit sich herumtrug. Eine davon geschah während der Kriegszeit: Die kleine Lieselotte hatte sich angestellt, um Lebensmittel für ihre Familie zu erhalten. Immer wieder wurde sie an die Seite gedrängt und als sie endlich vorne stand, war die Auslage leer.

Was fängt man an mit so einer Erinnerung? Lieselotte Knüpf hat daraus eine positive Kraft entwickelt. Sie war interessiert an den

Menschen. Ihre enge Freundin Anne Giebler erinnert sich: „Ihr war es immer wichtig, dass die Menschen versorgt sind.“ Sie half,

wo Freunde sie brauchten, spendete, ohne davon zu erzählen. Nach ihrem Tod vermachte sie ihr Erbe Menschen, die ihr nahe standen, aber auch den SOS-Kinderdörfern, um mitzuhelfen, Jungen und Mädchen eine sichere Zukunft zu ermöglichen.

Kinder mochte sie immer, da war ein Draht, auch, wenn sie selbst

nie Mutter geworden war. „Es hat irgendwie nie reingepasst“, sagte sie einmal. Denn ihr Leben war voll. Als 16-jähriges Mädchen

bekam sie ihren ersten Job bei der US-Armee in Frankfurt. „Ich

konnte kein Wort Englisch, aber wollte dort unbedingt arbeiten“,

erzählte sie später. Sie begann als Kellnerin im Offizierssalon, bald wurde sie Sekretärin im Hospital.

Ihre Stelle gab sie auch dann nicht auf, als sie mit ihrem Mann Günter hinaus zog ins kleine Erbstadt, wo die beiden eine alte Gaststätte in ihr Zuhause verwandelten. Mit großer Begeisterung renovierten, verkleideten und schufteten sie, bis die holzgetäfel-

ten Wände und die Eichenmöbel einen rustikalen Charme hervorbrachten, den sie kombinierten mit marokkanischen Teppichen

und bunten Lampen, diese Mischung war ihre. Jeden Morgen fuhren die beiden im VW-Käfer nach Frankfurt, Günter arbeitete dort

beim Hessischen Rundfunk. Im Winter zogen sie oft die erste Spur

im Neuschnee. Am Wochenende luden sie gerne in ihr Haus ein.

Tolle Partys waren das, erinnert sich Annesuse Schwickert, deren Mann Patenkind der „Tante Lotte“ war. Eine intellektuelle Gesell-

schaft sei da zusammengekommen, mit einem Hauch Hippie-Bewegung. Das waren die guten Zeiten.

1987 starb Günter. Lieselotte Knüpf hielt durch mit Hilfe von

Freundinnen. Nach und nach nahm sie wieder Teil am Leben, im Kegelclub, beim Frauenturnen. Als 1992 ihre Eltern pflegebedürftig wurden, holte sie sie zu sich, stellte sich wieder in den Hinter-

grund, obwohl sie selbst Trost gebraucht hätte: Im gleichen Jahr erkrankte sie an Brustkrebs. Sie besiegte die Krankheit für eine

lange Zeit, aber 13 Jahre später, da war sie 76, kam der Krebs zurück. Wieder waren ihre Freundinnen da, ermöglichten es ihr, in dem alten Haus zu bleiben.

Vor dem Tod hatte Lieselotte Knüpf keine Angst, aber davor, die

Information für Nachlassgeber:

Übersicht zu verlieren. Immer wieder ging sie in den letzten Wo-

Ansprechpartnerin Beate Drexler Tel.: 089/17914 - 273 Fax: 089/17914 - 272 E-Mail: Beate.Drexler@sos-kd.org

schlief sie ein und wachte nicht mehr auf.

chen mit Anne Giebler die Dinge durch, die zu regeln waren. Dann

Lieselotte Knüpf hatte sich gewünscht, an einem stillen Ort zu

ruhen, und so haben die Freundinnen ihre Urne fernab im Friedwald beigesetzt, dort, wo er ursprünglich und verwildert ist. Weit weg von jedem Lärm.


-59Wie Sie aktiv werden können

Hermann-GmeinerStiftung Nachhaltig fördern mit Steuervorteil Die Hermann-Gmeiner-Stiftung wurde 2001 von den SOS-Kinderdörfer weltweit errichtet. Ziel der Stiftung ist es, zur Finanzierung der SOS-Kinder­dorf-Einrichtungen auf der ganzen Welt beizutragen.

Eine Förderung über die Hermann-Gmeiner-Stiftung ist be-

sonders nachhaltig, da die Zinserträge der Stiftung dauerhaft ohne zeitliche Begrenzung an die SOS-Kinderdörfer fließen. Außer-

Prof. Schumacher ist Diplom-Volkswirt, war 38 Jahre bei einer internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig und hat eine Pro­ fessur an der Uni­versität Bielefeld im Bereich BWL, externes Rechnungswesen, inne.

dem bietet diese Form des Helfens steuerrechtliche Vorteile: Über

die Spenden hinaus kann eine Zuwendung an die Hermann-Gmei-

ner-Stiftung bis zu einer Million Euro steuerlich geltend gemacht

Interview mit Stifter Prof. Heiner Schumacher

kung wird die Erbschaft- oder Schenkungsteuer erlassen.

Professor Schumacher, Sie haben bei der Hermann-Gmeiner-

Die Hermann-Gmeiner-Stiftung bietet verschiedene Möglich­

ben Sie das Geld nicht einfach gespendet? „Einmalig einen grö-

werden. Für Zuwendungen aus einer Erbschaft oder einer Schen-

keiten, die SOS-Kinderdorf-Arbeit langfristig zu unterstützen:

den SOS-Förderfonds, das SOS-Freundedarlehen, die Zustiftung und die Treuhandstiftung.

SOS-Förderfonds

Stiftung eine Treuhandstiftung ins Leben gerufen. Warum haßeren Betrag zu geben erschien mir sinnvoller, als mehrere anony-

me Kleinspenden. Mit einer Stiftung kann ich mich zudem konkret für ein bestimmtes Projekt entscheiden. Man baut ja mit

der Zeit zu der Institution, zu ihren Zielen und damit zu den Kindern eine Beziehung auf.“

Bereits mit einer Summe ab 10.000 Euro kann ein Stifter einen

Wieso unterstützen Sie gerade die Hermann-Gmeiner-Stiftung?

und die Zinsen kommen den SOS-Kinderdörfern dauerhaft zugute.

mich das SOS-Konzept „Mutter, Geschwister, Haus und Dorf“. Aber

SOS-Förderfonds einrichten. Diese Summe wird separat angelegt

„Als ich damals mein Patenkind in Togo besuchte, überzeugte

Der Stifter kann Namen und Verwendungszweck seines SOS-För-

endgültig haben mich die Kinder überzeugt. Die waren so fröh-

Herzen liegen, gezielt unterstützen.

Warum der Sprung von der Patenschaft zur Stiftung? „Ich wollte

derfonds frei bestimmen und so die Länder, die ihm besonders am

SOS-Freundedarlehen

lich, dass man gemerkt hat: Denen geht es hier gut.“

mehr tun als nur spenden. Eine Stiftung ist auf längerfristige Hilfe angelegt. Eigentlich für immer, also auch wenn ich einmal

Der Förderer unterstützt die weltweite SOS-Kinderdorf-Arbeit, in-

nicht mehr bin. Außerdem bleibt die Einlage der Stiftung beste-

Euro als zinsloses Darlehen überlässt. Die Zinsen des Geldes flie-

Und das jahrein, jahraus.

dem er der Hermann-Gmeiner-Stiftung eine Summe ab 10.000

ßen an die SOS-Kinderdörfer. Der Förderer kann das Darlehen

hen, die Kinder werden von den Erträgen des Geldes finanziert.

jederzeit kündigen; er erhält dann den geliehenen Betrag vollständig zurück.

Zustiftung Mit einer Zustiftung erhöht der Förderer das Grundvermögen der

Hermann-Gmeiner-Stiftung. Demzufolge erhöht sich dauerhaft der Erlös der Hermann-Gmeiner-Stiftung, der an die SOS-Kinderdorf-Arbeit geht. Eine Zustiftung ist in jeder Höhe möglich.

Treuhandstiftung Fotos: privat

Zugleich verwaltet die Hermann-Gmeiner-Stiftung auch Treuhandstiftungen, die zugunsten der weltweiten SOS-Kinderdörfer

errichtet werden. Den Namen sowie den Verwendungszweck sei-

ner Treuhandstiftung kann der Stifter bestimmen.

Die Hermann-Gmeiner-Stiftung berät Sie gern: Ansprechpartnerin

Karien Bruynooghe Tel.: 089/17914 - 218

Fax: 089/17914 - 100

E-Mail: karien.bruynooghe@sos-kd.org www.hermann-gmeiner-stiftung.de Empfänger: Hermann-Gmeiner-Stiftung Konto: 969907, BLZ: 501 203 83 Bethmann-Bank


-60Wie Sie aktiv werden können

SOS-Kunststück SOS-Kunststück ist die DankeschönAktion für unsere Spender, die erstmalig 2003 stattfand und mittlerweile im zweijährigen Turnus durchgeführt wird.

Bei SOS-Kunststück können Spender und Freunde der SOS-

Kinderdörfer im Internet zeitgenössische Werke von berühmten

oder aufstrebenden, bildenden Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum ersteigern. Das Besondere dieser weltweit einzigartigen Kunstauktion: Sie erfahren erst, wenn Sie das Bild ersteigert

haben, wer es gemalt hat! Sie sehen die Kunststücke im Internet

und eine Liste der teilnehmenden Künstler, aber es gibt keine Zuordnung der Bilder zu den Namen. Das bedeutet, nicht Name und

Kunstsachverstand entscheiden, sondern Ihr Gefühl und Ihr Geschmack. Im Laufe der Jahre haben uns so bekannte Maler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke, Robert Lucander, Andy Hope 1930,

Günter Förg, Anselm Reyle, Andrè Butzer und Jonathan Meese

ihre Werke gespendet. Die Liste ist noch viel, viel länger, würde

hier aber den Rahmen sprengen. Das nächste SOS-Kunststück findet im Herbst 2012 statt.

Auf www.sos-kunststueck.de informieren wir Sie rechtzeitig

Jonathan Meese: „Das goldene Kalb war sich selbst zu bunt, so bunt wie kein ‚Bunter Hund‘ im Fressnapf tanzt, wie ‚kleine schwarze Katze‘“ Öl auf Leinwand, 2009 50 x 40 cm

über den Zeitraum und die teilnehmenden Künstler, bei denen

wir uns schon jetzt für ihre Großzügigkeit sehr herzlich bedanken möchten!

www.sos-kunststueck.de

Sven Drühl: „S. W.“ Öl, Lack und Silikon auf Leinwand, 2002, 150 x 150 cm

Robert Lucander: O. T. Acryl und Tusche auf Papier und Holz, 2010, 100 x 70 cm

Fotos: Roman März

Anselm Reyle: O.T. Mischtechnik, 2005 135 x 114 cm


-61Wie Sie aktiv werden können

SOS-Edition Kunst kaufen – Kindern helfen! Jährlich erscheinen zwei neue SOS-Editionen von international bekannten Künstlern zugunsten einer SOS-Einrichtung in ihrem jeweiligen Herkunftsland.

Janina Tschäpe: „Ovalaria“ Digitaler c-print, 2011 Auflage: 20 + 3 A.P. 33 x 48,3 cm Preis: 500 Euro pro Blatt (inkl. MwSt.)

Andrè Butzer und Mauricio Guillén schufen 2009 die ersten

Bilder dieser Editionsreihe zur Förderung deutscher und mexi­

kanischer Projekte. Auch das argentinische Künstlerpaar Zinny &

Maidagan, der sudanesische Künstler Rashid Diab, die brasiliani-

sche Künstlerin Janaina Tschäpe und der polnische Künstler Sla-

womir Elsner haben sich von der Idee begeistern lassen, mit ihrer

Kunst Kindern aus ihren Herkunftsländern zu helfen.

Weitere Informationen zur SOS-Edition finden Sie unter:

www.sos-edition.de

Unser Team in Berlin steht Ihnen gern zur Verfügung

(das Büro ist barrierefrei):

Montag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr

Freitag von 10 bis 13 Uhr oder nach Vereinbarung SOS-Kinderdörfer weltweit

Slawomir Elsner „Winter 07“ Buntstiftzeichnung, 2011 Aus der Editionsreihe „Winterfenster“ 20 originale Buntstiftzeichnungen 15 x 21 cm Preis: 500 Euro gerahmt (inkl. MwSt.)

Gierkezeile 38

10585 Berlin-Charlottenburg

Büroleitung: Sabine Conquest Tel.: 030/34 50 69 97 - 0

www.sos-kinderdoerfer.de/Berlin

Zinny & Maidagan „Identical and Duplications“ Siebdruck, 2010 Auflage: 3 Farben je 20 + 3 A.P. 35 x 35 cm Preis: 550 Euro pro Blatt (inkl. MwSt.)

Rashid Diab „Secuencias“ SOS-Edition 2010, Auflage: 20 Radierung, 2010 28 x 25 cm, Preis: 300 Euro pro Blatt (inkl. MwSt.)


-62Wie Sie aktiv werden können

SOS-Kinderdörfer Global Partner GmbH Für Unternehmen mit Vorbildcharakter Unser Tochterunternehmen berät und betreut sozial engagierte Firmen und Konzerne in CSR-Fragen und -Projekten.

Unternehmen tragen nicht nur gesellschaftliche Verantwor-

tung, sie haben auch ein gesundes Eigeninteresse an der aktiven Mitgestaltung einer nachhaltigen und gerechten Zukunft. Neben

dem wirtschaftlichen Erfolg und der Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften wird von Unternehmen heute zusätzliches Engage-

ment für ethische, soziale und ökologische Herausforderungen der

Gesellschaft erwartet.

Die SOS-Kinderdörfer Global Partner GmbH ist ein 100-prozentiges

Tochterunternehmen der SOS-Kinderdörfer weltweit. Unsere Kern- kompetenz ist die Beratung von Vorständen, Geschäftsführern, Inhabern und Führungskräften im Bereich soziales Engagement. Zu

unseren Kunden zählen sowohl kleine und mittelständische Un-

ternehmen als auch große, weltweit agierende Konzerne. Die rea-

Global Partner GmbH

lisierten Projekte sind dabei so unterschiedlich wie die Unterneh-

E-Mail:

Möglichkeiten unserer Partner und suchen gemeinsam mit unse-

info@sos-globalpartner.org

ren Kunden nach dem perfekten „fit“.

www.sos-globalpartner.org

Wir verstehen uns als idealer Partner für alle Unternehmen, die

Telefon: 089/159 867 600

men, mit denen wir arbeiten. Wir richten uns nach den Zielen und

• unsere Vision „Jedem Kind ein liebevolles Zuhause“ teilen. • einen erfahrenen Partner suchen, dessen Berater sich

in beiden Welten – die der Unternehmen und der NGOs – gleichermaßen Zuhause fühlen.

• sich ganz bewusst weltweit, in ausgewählten Ländern,

engagieren möchten.

Schritten beginnt.

• unsere Auffassung teilen, dass jede große Idee mit kleinen

Die SOS-Kinderdörfer Global Partner GmbH vermittelt nicht nur

Spenden von engagierten Unternehmen an SOS-Einrichtungen im

Ausland, sondern ist unter anderem auch Vertrags- und Ansprech-

partner für die Bereiche Sponsoring, Markennutzung, Lizenzvergabe und Produktverkäufe. Neben der Beratung, Erstellung und Um-

setzung von CSR-Strategien bieten wir eine Reihe von Spendenprodukten, die schnell und unkompliziert erworben werden können.

Möchten Sie z. B. eine oder mehrere Kindpatenschaften übernehmen oder statt der üblichen Weihnachtsgeschenke an Geschäftspartner lieber an die SOS-Kinderdörfer spenden? Oder vielleicht

den Bau eines neuen SOS-Kinderdorfes oder die Renovierung einer

bestehenden SOS-Einrichtung unterstützen? Dann sind Sie bei

uns richtig!

Binden Sie Ihre Mitarbeiter und Kunden in das von Ihnen geplante

soziale Engagement nachhaltig mit ein. Wir zeigen Ihnen kreati-

ve Möglichkeiten auf und geben unsere Erfahrungen gerne an Sie weiter.

Die anerkannte Kompetenz in der weltweiten Projektarbeit für

Kinder, Jugendliche und Familien und die hohe Reputation unse-

rer Marke macht die SOS-Kinderdörfer zum perfekten Partner für

Unternehmen, die sich sozial engagieren wollen.

Wir freuen uns über Ihren Anruf und beraten Sie gerne persönlich.

Foto: Jupiter Images

SOS-Kinderdörfer


-63Wie Sie aktiv werden können

Die SOS-Kinderdörfer Auf einen Blick… Gegründet

1949

Gründer

Hermann Gmeiner

Erstes SOS-Kinderdorf

Imst, Tirol

Präsident von

SOS-Kinderdörfer

International

518

SOS-Kinderdörfer

392

SOS-Jugendeinrichtungen

229

SOS-Kindergärten

186

SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen

103

SOS-Berufsausbildungszentren

Helmut Kutin

SOS-Kinderdörfer weltweit

Hermann-Gmeiner-Fonds Deutschland e.V.: Vorstand

Helmut Kutin (Vorsitzender)

Ulla Sensburg

… und in Zahlen

Dr. Wilfried Vyslozil

Aufsichtsrat Gerhard Paetsch (Vorsitzender)

607  SOS-Sozialzentren und

Programme der SOS-Familienhilfe

Richard Pichler Christoph Kahl

Amélie Koenigs Helmut Stock

Michaela Braun

Fotos: Patrick Wittmann, Dominic Sansoni

Dr. Gerald Mauler

www.sos-kinderdoerfer.de

72

SOS-Medizinische Zentren

13

SOS-Nothilfeprogramme


-64Wie Sie aktiv werden können

Service-Adressen Auf diesen Seiten finden Sie auf einen Blick die Ansprechpartner, die Sie brauchen, wenn Sie Fragen zur Arbeit der SOS-Kinder­dörfer haben.

Sie haben allgemeine Fragen? SOS-Kinderdörfer weltweit

Hermann-Gmeiner-Fonds Deutschland e. V. Ridlerstr. 55

80339 München

Tel.: 089/17 914 - 1 40

Tel.: 0800/50 30 300 (gebührenfrei)

Testament/Nachlass (s. S. 58):

E-Mail: info @sos-kinderdoerfer.de

Tel.: 089/17 914 - 273

Fax: 089/17914 - 2 15

SOS-Patenschaften (s. S. 53): Tel.: 089/179 14 - 160 Fax: 089/179 14 - 2 15

E-Mail: paten@sos-kinderdoerfer.de Private SOS-Förderer (s. S. 54): Angelika Schwaiger Tel.: 089/179 14 - 2 19

Fax: 089/179 14 - 100

Beate Drexler

Fax: 089/17 914 - 272

E-Mail: Beate.Drexler@sos-kd.org Hermann-Gmeiner-Stiftung (s. S. 59): Karien Bruynooghe Tel.: 089/17 914 - 2 18

Fax: 089/17 914 - 100

E-Mail: karien.bruynooghe@sos-kd.org www.hermann-gmeiner-stiftung.de

E-Mail: angelika.schwaiger@sos-kd.org

Presse-Anfragen:

SOS-Anlass-Spender (z. B. Geburtstage, Hochzeiten,

Tel.: 089/17 914 - 264

Trauerfall etc., s. S. 55) :

Tel.: 0800/50 30 600 (gebührenfrei) Fax: 089/17914 - 100

E-Mail: anlass@sos-kinderdoerfer.de

www.sos-kinderdoerfer.de/Anlass-Spende Anlass-Spendenkonto:

Ingrid Famula

E-Mail: ingrid.famula@sos-kd.org

Louay Yassin

Tel.: 089/17 914 - 259

E-Mail: louay.yassin@sos-kd.org

Empfänger: SOS-Kinderdörfer weltweit

Büro Berlin:

BLZ: 700 700 10

Gierckezeile 38, 10585 Berlin

Konto: 69 12 000

Bank: Deutsche Bank München

BIC: DEUTDEMM

IBAN: DE 37 7007 0010 0691 2000 00

Stichwort (bitte unbedingt angeben):

Sabine Conquest

Tel.: 030/34 50 69 97 - 0

Fax: 030/34 50 69 97 - 10

E-Mail: sabine.conquest@sos-kd.org

Eindeutige Bezeichnung des Anlasses

(z. B.: 70. Geb. Max und Ute Fröhlich)

Wir sind vom

Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen zertifiziert

Wir verpflichten

uns zu Transparenz


-65Wie Sie aktiv werden können

Impressum Herausgeber

SOS-Kinderdörfer weltweit – Hermann-Gmeiner-Fonds Deutschland e. V.

Ridlerstraße 55, 80339 München Vorstand:

Helmut Kutin,

Dr. Wilfried Vyslozil (V.i.S.d.P), Ulla Sensburg Redaktion

Ingrid Famula, Louay Yassin Bildredaktion Andrea Seifert Büro Hamburg:

Texte

Max-Brauer-Allee 40, 22765 Hamburg

Natalie Bayerl, Ingrid Famula, Paul Hahn,

Katja Teske

Tel.: 040/380 23 - 281

Wolfgang Kehl, Richard Knoll, Simone Kosog,

Fax: 040/380 23 - 290

Mirco Lomoth, Matthias Maruhn, Katja Saller,

Partner für Unternehmen (s. S. 62):

Silja Streeck, Harriet Wolff, Louay Yassin

Nederlinger Straße 4, 80638 München

Gestaltung

E-Mail: info@sos-globalpartner.org

München

E-Mail: katja.teske@sos-kd.org

SOS-Kinderdörfer Global Partner GmbH Tel.: 089/159 867 600

www.sos-globalpartner.org

Allgemeine Spendenkonten: Kontonummer: 111 111 1

Karin Schelchshorn, Claudia Singer,

Sebastian Spaleck, Andrea Stehmeyer,

Anzinger | Wüschner | Rasp

Lithografie

MXM, München

BLZ 700 700 10

Druck

Kontonummer: 2 222 200 000

Diese Broschüre und alle darin enthaltenen Beiträge

Deutsche Bank

BLZ 430 609 67

GLS Gemeinschaftsbank Nützliche Web-Adressen:

www.sos-kinderdoerfer.de www.sos-kinderdoerfer.tv Fotos: Sophie Preisch, Sebastian Posingis, Florin Valdescu

Karien Bruynooghe, Susanne Buchner,

www.meine-spendenaktion.de www.sos-edition.de

www.sos-kunststueck.de

FIBODRUCK, Neuried

und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Nutzung oder Verwertung nur mit ausdrücklicher

Einwilligung des Herausgebers. Stand: März 2012


-66Wie Sie aktiv werden können

Wussten Sie schon, dass …

… das SOS-Kinderdorf DHARAMSALA mit über 2.500 tibetischen Flüchtlingskindern und -jugendlichen das kinderreichste SOS-Dorf ist? … die Hermann-Gmeiner-Schule in YANTAI/China mit mehr als 3.300 Schülern die größte SOS-Schule ist? … es knapp 6.000 SOS-Kinderdorf-Mütter gibt? … allein in Afrika 131 SOS-Kinderdörfer stehen – von Tunis in Tunesien bis Port Elizabeth in Südafrika? … das erste SOS-Kinderdorf in Asien und Südamerika 1963 eröffnet hat, in Afrika 1971 und in Nordamerika 1979? … sich das nördlichste SOS-Kinderdorf in Kandalakscha am Weißen Meer in Russland befindet? … das südlichste SOS-Kinderdorf in Ancud, Chile auf der grünen Insel Chiloé liegt?

Foto: Klaus Becker

… in den SOS-Kinderdörfern in aller Welt fast ausschließlich einheimische Mitarbeiter tätig sind?


Lassen Sie sich das faszinierende Magazin „ubuntu“ der SOS-Kinderdörfer über Kindheit und Kulturen in aller Welt nicht entgehen. Sichern Sie sich Ihr persönliches Exemplar entweder durch einen Anruf unter 089 / 17 914 - 140 oder unter www.sos-kinderdoerfer.de/ubuntu auf unserer Homepage. „ubuntu“ wurde mit dem Preis „Best of Corporate Publishing 2011“ in Gold ausgezeichnet.

www.sos-kinderdoerfer.de

Goldmed aille „Best of Corporate Publishin g“ 2011


SOS-Kinderdörfer  

Broschüre SOS-Kinderdörfer

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