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Nr. 260 261 I II2017 2017

Von Pech und Schwefel. Und von der Liebe. Seite 8

Von Pech und Schwefel. Und von der Liebe. Seite 8

Digitaler Druck

Altmünster

Hilfe vor Ort

Gasteltern

CyBErmoBBing Cybermobbing findEt findet rund um diE die uhr Statt. statt.

BEStändigkEit BEständigkeit giBt gibt gEBorgEnhEit geborgenheit und vErtrauEn vertrauen

SoS-kindErdorf SOS-Kinderdorf in SyriEn Syrien und oStafrika Ostafrika

„du „Du BiSt bist wiE wie mEinE meine mama"

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Sie tragen mit jeder Spende dazu bei. Vielen Dank!

Ihr Christian Moser

Zum 25. Mal tourte das NIVEA Familienfest 2016 durch Österreich. Über 220.000 kleine und große Gäste freuten sich an neun Wochenenden über jede Menge Spiel, Spaß und Action – und unterstützten mit dem Kauf von Spendenlosen die Erneuerung des SOS-Kinderdorfes Stübing. Der großartige Gesamterlös: 301.100 Euro! Danke! Infos: www.sos-kinderdorf.at/stuebing

Cyber-Mobbing findet rund um die Uhr statt. Für betroffene Kinder und Jugendliche gibt es kaum Rückzugsmöglichkeiten. Und trotz eines seit Anfang des Jahres bestehenden Strafbestandes sinkt die Hemmschwelle bei den DEN TÄTERINNEN UND TÄTERN immer weiter.

Niederösterreich: Rundes Jubiläum! Das einst größte SOS-Kinderdorf Europas in Hinterbrühl hat sich im Lauf der Jahrzehnte sehr gewandelt. Vor allem in den letzten zehn Jahren wurden die Angebote vielfältiger: Neben den SOSKinderdorf-Familien gibt es heute etwa sozialpädagogische Wohngruppen für Kinder und Jugendliche, Eltern-KindWohnen, zuletzt wurden auch Flüchtlingsfamilien mit Kindern betreut. 2016 feiert das SOS-Kinderdorf nun sein 60-jähriges Bestehen. Infos zu den Festveranstaltungen folgen. www.sos-kinderdorf/hinterbruehl

Von meinem Leben bleibt das Gute Wir haben für Sie unsere Testamentsbroschüre im Zuge des neuen Erbrechts (ab 1.1.2017) überarbeitet. Alle Neuerungen, wie beispielsweise den Pflichtteilanspruch und die veränderte Stellung von Lebenspartnern finden Sie in unserem rechtlichen Leitfaden. Bestellung bei: Mag.a Elke Siedler Vivenotgasse 3, 1120 Wien Telefon: 01/368 31 35 Mail: elke.siedler@sos-kinderdorf.at

Text Fabian Haider

Seit knapp drei Jahren ist die Notrufnummer „147 Rat auf Draht“ ein Teil von SOS-Kinderdorf und steht jungen Menschen beratend und helfend zur Seite. Kaum ein anderes Jugendthema hat innerhalb dieses Zeitraums eine derartige Dynamik entwickelt wie Cyber-Mobbing. Triebfeder für diese Entwicklung ist die Popularität und Verbreitung sozialer Medien. WhatsApp etwa wird mittlerweile laut dem „JugendInternet-Monitor 2016“ von „Safer-

Internet.at“ von 94% aller Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren verwendet. Nicht zuletzt deshalb sind virtuelle Diffamierungen, Beleidigungen und Beschimpfungen zu einem Alltagsphänomen geworden. Bedenklich ist dabei vor allem, dass Betroffene dem digitalen Druck rund um die Uhr ausgesetzt sind. Das Mobbing hört nicht mehr mit dem Aussteigen aus dem Schulbus auf, sondern zieht sich schleichend bis in das Kinderzimmer hinein.

Mobbing in der digitalen Welt Cybermobbing: Der Begriff „Cyber-Mobbing“ bezeichnet das absichtliche und über einen längeren Zeitraum anhaltende Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen, Belästigen oder Ausgrenzen anderer über digitale Medien. Cyber-Mobbing findet vor allem im Internet (Facebook, etc.) oder per Handy (WhatsApp, Snapchat, etc.) statt. Seit dem 1. Jänner 2016 gilt Cyber-Mobbing in Österreich als eigener Strafbestand.

Mobbing ist kein Einzelfallproblem. Laut einer „147 Rat auf Draht“-Studie von 2015 ist in Österreich fast jeder zweite Schüler/jede zweite Schülerin von Mobbing betroffen. Die Dunkelziffer dürfte noch weit höher liegen. „Gerade Cyber-Mobbing wird von vielen jungen Menschen nicht als Mobbing erkannt, obwohl es sie sehr stark belastet“, erklärt Birgit Satke, Leiterin von „147 Rat auf Draht“. „Das liegt auch daran, dass soziale Netzwerke wie Facebook oder WhatsApp bei Jugendlichen einen sehr hohen Stellenwert haben. Aus Angst, Freunde zu verlieren, sprechen sie Probleme in der digitalen Welt oft erst sehr spät an“, so Satke weiter.

147 – Notruf im Wandel der Zeit All das bedingt neue Herausforderungen in der Beratung. Viele junge Menschen suchen im alltäglichen Leben vergeblich nach einem geeigneten Beziehungsraum, wo ihre Nöte Platz finden. „147 Rat auf Draht“ bietet Jugendlichen einen vertraulichen Raum, in dem ganz persönliche Geschichten erzählt werden können, die nie erzählt werden durften. „Wir müssen uns aber bewusst sein, dass wir Jugendliche in einer neuen digitalen Lebenswelt abholen müssen, um weiterhin ein glaubhafter Ansprechpartner zu sein“, weist Birgit Satke auf neue Kommunikationskanäle hin. Mit der Einführung der Online- und Chat-Beratung ermöglicht „147 Rat auf Draht“ jungen Menschen seit knapp drei Jahren einen besonders niederschwelligen Beziehungsaufbau – mit Erfolg. „Ich habe den Chat gewählt, da ich schüchtern bin und ich mir beim Schreiben leichter tue als beim Reden“, spricht eine 14-Jährige einen entscheidenden Vorteil der neuen Kanäle an. Trotz negativer Begleiterscheinungen wie Cyber-Mobbing sollte also nicht vergessen werden, dass sich Jugendlichen in der digitalen Lebenswelt auch neue Möglichkeiten erschließen. Dieses Potential will „147 Rat auf Draht“ nutzen.

Foto: Monkey Business Images, Shutterstock

Was trägt junge Menschen? Was gibt ihnen starke Wurzeln, damit sie gut geerdet den Weg ins Erwachsenenleben beschreiten können? Es braucht dazu viele Dinge, eines aber ganz besonders: stabile, verlässliche Beziehungen zu Erwachsenen, die auch stürmische Zeiten überstehen! Wenn dieser Lebensanker fehlt, sind mangelndes Vertrauen, Zweifel und Angst statt Hoffnung und Zuversicht die Folge! Und dann tun sich junge Menschen schwer, erwachsen zu werden, ziehen sich zurück oder rebellieren. Gerade dann sind belastbare, verlässliche Bezugspersonen wichtig! Daher ist in unseren SOS-Kinderdorf-Familien und Wohngruppen immer jemand als Ansprechpartner für die Kinder und Jugendlichen da, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Als ich kürzlich einen von uns betreuten jugendlichen Flüchtling fragte, was er sich wünsche, war die berührende Antwort: „Ich will wieder klein sein!“ Vielleicht ist es genau das, was Kinder trägt. Einfach Kind sein dürfen!

Digitaler Druck!

Steiermark: Stübing „neu“ sagt Danke!

Fotos SOS-Kinderdorf; Klemens König; Putthipong Sukjaroen, shutterstock.com; Gerhard Berger

Liebe Freundinnen und Freunde VON SOS-KinderDORF

Foto: Ruvin de Silva

- 03 Cybermobbing - Rat auf Draht

- 02 Editorial⁄Kurzmitteilungen


- 05 SOS-Kinderdorf Altmünster

Beständigkeit gibt Geborgenheit und Vertrauen

Fotos Klaus Mitterhauser

- 04 SOS-Kinderdorf Altmünster

Deborah (25, links) ist im SOS-Kinderdorf Altmünster aufgewachsen und besucht auch heute noch ihre SOS-Kinderdorf-Mutter Hilda Kastenhofer.

Beide – Geborgenheit und Vertrauen – sind wichtige Zutaten für die gute Entwicklung von Kindern zu lebensfrohen, verantwortungsvollen und selbstständigen Erwachsenen. Hilda Kastenhofer hat bereits sechs junge Menschen in ein solches Leben begleitet. Mit weiteren vier Kindern ist sie auf einem guten Weg dorthin. Text Michaela Rimser

Hilda Kastenhofer ist seit 23 Jahren SOS-Kinderdorf-Mutter. Zehn gesunde und glückliche Kinder sind die erfreuliche Bilanz. Der Kontakt zu den Erwachsenen ist ein ganz persönlicher geblieben. Es vergeht keine Woche in der sie nicht zumindest kurz zu Besuch kommen. Sie wollen wissen, wie es ihrer SOS-KinderdorfMutter und den Hausgeschwistern geht. Und sie wollen auch von sich erzählen. Wie gelingt es, mit jungen Menschen, die aus verschiedenen Familien kommen und deren leibliche Mutter man nicht ist, eine gute Beziehung zu gestalten? „Das braucht Zeit und die muss man den Kindern geben“, verrät die erfahrene Familienpädagogin. „Junge Menschen sollen einem auch eine Herzensangelegenheit und niemals egal sein“, ergänzt sie. Ihr erster Schützling war die damals erst zweijährige Deborah; danach folgten drei Buben mit 11, 9 und 4 Jahren. Noch ein Jahr später machten zwei weitere Hausbrüder, vier- und zweieinhalbjährig, die SOS-Kinderdorf-Familie komplett. „Es gibt kein Patentrezept für eine gute Beziehung“, meint Hilda Kastenhofer. „Es ist wichtig, die Kinder anzunehmen, wie sie sind und für sie

da zu sein. Wir verbringen bewusst viel Zeit miteinander, sitzen oft am gemeinsamen Esstisch und erzählen uns vom Tag.“ Es ist die Beständigkeit, die Geborgenheit und Vertrauen gibt, davon ist die SOS-KinderdorfMutter überzeugt. Daraus wiederum entsteht eine verlässliche, gute Basis. Heute begleitet Hilda Kastenhofer vier Burschen im Alter von 11, 12 und 13 Jahren. Drei davon sind Brüder, die nachfolgten, als die ersten Kinder flügge wurden. Sebastian kam vor eineinhalb Jahren als jüngstes Familienmitglied dazu. Auch zu dieser zweiten Generation konnte sie ein stabiles und liebevolles Verhältnis aufbauen. Die Wärme in der Familie kommt aus den Herzen ihrer Mitglieder. Wärme entsteht aber auch durch Reibung. Eine gute Beziehung verlangt nicht, dass immer alle so funktionieren, wie es sich die anderen erwarten. Kinder brauchen beispielsweise Grenzen, die sie auch verlangen. Im Haus Kastenhofer gibt es daher feste Regeln, die vorgegeben und besprochen werden. Natürlich wird auch diskutiert, aber die SOS-KinderdorfMutter bleibt konsequent. Mit ei-

Kinderdorf-Kindern, deren Partnern und den Enkelkindern wird immer aufrecht bleiben – da sind sich alle sicher.

SOS-Kinderdorf Altmünster:

1955

wurde es gegründet.

„Hallo Mutti“

11

SOS-Kinderdorf-Familien bieten derzeit ca.

50 Kindern ein liebevolles Zuhause.

nem Schmunzeln erzählt sie, dass die Großen meinen, bei ihnen wäre sie viel strenger gewesen. „Das mag sein“, räumt sie ein. „man wird mit der Zeit gelassener und mit jedem Kind ein bisschen lockerer.“ Teil einer SOS-Kinderdorf-Familie sind auch die leiblichen Eltern. Selbst wenn die Kinder aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihnen aufwachsen, bleiben sie Mama und Papa. „Es war mir immer wich-

tig, nicht als Konkurrentin aufzutreten“, erklärt Hilda Kastenhofer, die ihre Rolle so sieht: „Ich bin für ihre Kinder da und bereit, diese aufzuziehen, für sie zu sorgen. Mir ist aber bewusst, dass ich nicht die Mutter bin.“ Die regelmäßigen Zusammentreffen verlangen viel Toleranz. „Auch wenn es für alle nicht immer leicht ist, habe ich dafür gesorgt, dass die Kinder ihre Eltern schätzen“, resümiert die SOS-KinderdorfMutter.

Der Zukunft blickt Hilda Kastenhofer wachsam, aber beruhigt entgegen. Wenn sie in Pension geht, will sie die Kinder, die jetzt bei ihr leben, auf einem guten Weg wissen. Komisch wird es, das Haus zu verlassen, das für alle Familienmitglieder zum liebgewonnenen Zentrum geworden ist. Es wird zum Zuhause für eine neue SOS-Kinderdorf-Familie. Wo immer die SOS-Kinderdorf-Mutter ihren wohl verdienten Ruhestand genießt - der Kontakt zu ihren zehn SOS-

Mit diesen Worten steckt die 25-jährige Deborah auch heute noch ihren Kopf bei der Tür herein. Mit ihrer SOS-Kinderdorf-Mutter Hilda Kastenhofer fühlt sie sich eng verbunden. „Sie ist meine Mutti und meine Hausgeschwister sind meine Brüder“, erzählt die junge Frau, die mit zwei Jahren ins SOS-Kinderdorf übersiedelte. „Ich komme so oft es geht vorbei, manchmal jeden Tag.“ Dann wird gemeinsam Kaffee getrunken und getratscht. Der Austausch tut allen gut. Ihre Hausbrüder trifft Deborah ebenso regelmäßig, manchmal zufällig am Fußballplatz oder beim Fortgehen, manchmal auf Familientreffen. „Ich bin die Taufpatin vom Sohn eines meiner SOS-KinderdorfGeschwister“, berichtet sie stolz. In ihrer SOS-Kinderdorf-Familie fühlt sie sich auch als Erwachsene sicher. „Ich weiß, dass immer alle da sein werden, wenn ich Hilfe brauche.“


- 07 SOS-Kinderdorf Nothilfe

Fotos: Abeer Pamuk, Rory Sheldon

- 06 SOS-Kinderdorf Nothilfe

SOS-Kinderdorf Hilfe vor Ort Weltweit leiden mehr als 10 Millionen Kinder an Hunger. Fast 60 Millionen sind auf der Flucht – die Hälfte von ihnen ist jünger als 18 Jahre. Fürchterliche Zahlen – aber Hilfe ist möglich.

Text Heinz Modlik

Abush und Noah waren Kleinbauern in der äthiopischen Provinz Harar. Bis die Dürre kam und ihr Leben und das ihrer drei Kinder bedrohte. Aber sie können überleben – dank dem Ernährungsprogramm von SOS-Kinderdorf.

Wo wir helfen

Äthiopien: Das Klimaphänomen El Niño ist verantwortlich für extreme Trockenheit und Dürre in Ostafrika. Hunger und Durst gefährden das Leben vieler Kinder und ihrer Familien. SOS-Kinderdorf hilft.

Syrien: In der umkämpften Stadt Aleppo bietet SOS-Kinderdorf den Familien und ihren Kindern Nahrung, Wasser und andere Grundbedürfnisse.

„Hier wollen wir leben, weil wir hier zuhause sind“ Noah, Kleinbauer in Äthiopien

SOS-Kinderdorf kann helfen. Wirkungsvoll und nachhaltig. Auch dann, wenn die meisten anderen Helfer abgezogen sind – wie in Syrien. Und das ist mehr als der vielzitierte „Tropfen auf den heißen Stein“: Jedes Kind, jede Mutter, jede Familie in Not hat das Recht auf Hilfe. Auf unsere Hilfe.

Aziz ist neun Jahre alt. Er könnte ein fröhlicher Bub sein, wenn er sich nicht wimmernd vor Angst in einer Ruine in Aleppo im Bombenhagel ducken müsste. Wenn er wüsste, wo sein Vater ist, seine Mutter, seine Schwester. Aber er bekommt eine warme Mahlzeit und sauberes Wasser, sobald die Flugzeuge wieder abgezogen sind – Im Nothilfeprogramm von SOS-Kinderdorf.

SOS-Kinderdorf Nothilfeprogamme im Nahen Osten und Ostafrika: Ernährungsprogramm für Kinder unter 5 Jahren, für Schwangere und stillende Mütter Nahrung, sauberes Wasser FÜR KINDER UND IHRE FAMILIEN

SchutzmaSSnahmen für unbegleitete Kinder und Kinder in akuten Notlagen (Einrichtung von Notunterkünften)

Technische Unterstützung, Vorbereitung und Ausbildung (zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen)

Medizinische Grundversorgung

Syrien: Aziz (9 Jahre) sucht Schutz vor den Bombenangriffen in Aleppo.

Schulunterricht


- 08 Geschwister

- 09 Gasteltern

Ebi, 17, aus Afghanistan hat bei der Familie Moser ein neues Zuhause gefunden – noch viel mehr Gasteltern wie sie werden derzeit gesucht.

Foto Klaus Mitterhaurhauser

Von Pech und Schwefel. Und von der Liebe.

„Du bist wie meine Mama“

Foto Suzanne Lee, SOS-Kinderdorf

„Nein!“, lacht Nadja, Betreuerin in der SOS-Krisenwohngruppe. „Reine Harmonie herrscht nicht zwischen ihnen!“

Text Heinz Modlik

Die, zwischen denen keine Harmonie herrscht, sind gerade mit ihren Hausaufgaben fertig geworden und stürmen in die kleine Garderobe: Stefan und Anita schnappen sich eilig Mütze und Handschuhe, Schal und … „Wo sind meine Schuhe?“, ruft Stefan. „Einer steht da hinten“, sagt Anita und knöpft ihre Jacke zu. Nichts wie raus vor die Tür und rein in den Winter! Auch wenn der Schnee nur für ein Schneemännchen reicht.

„Wir waren betroffen, … … als wir beim Aufnahmegespräch die Geschichte der beiden Geschwister erfahren hatten: Not und Vernachlässigung von klein auf.“ Nadja berichtet weiter: von der Trennung und vom plötzlichen Tod des Vaters, von der Krankheit der Mutter. Und davon, dass das Schicksal erst mit dem Schuleintritt mit den Kindern ein Einsehen hatte.

Anita und Stefan waren verschüchtert, als sie nach Intervention der Sozialarbeiterin in der SOS-Krisenwohngruppe aufgenommen wurden.

Die Zustimmung war ihrer Mutter zunächst nicht leichtgefallen. Schon bald fassten die beiden Vertrauen zu Nadja und zu ihren drei älteren Mitbewohnern. Sie lernten, wie schön es ist, in einer friedvollen Gemeinschaft zu leben, geliebt und geachtet zu werden. Und Pflichten zu haben: „Im Haushalt helfen die beiden nicht so gerne mit, und Aufräumen wird wohl auch kein Hobby werden. Aber vorher wird halt nicht mit den anderen gespielt. Das akzeptieren sie schon.“ Stefan, der inzwischen seinen zweiten Schuh entdeckt hat, kratzt für einen Schneeball eine Handvoll Schnee zusammen. Pech und Schwefel: Denn seine Schwester Anita wurde gerade von einem solchen getroffen, sie schnieft beleidigt, während ein anderer Bub lachend davonläuft. An der lautstarken Jagd durchs Kinderdorf, die nun folgt, beteiligen sich mindestens zehn weitere Kinder. Nach Harmonie klingt das wirklich nicht. Aber nach Kinderglück schon.

Unter www.sos-kinderdorf.at erfahren Sie alles über die SOS-Krisenwohngruppen.

Text Susanne Schönmayr

Wolfgang und Ulrike Moser sind verheiratet und haben eine große Familie, so wie man sie sich vorstellt: vier erwachsene Kinder und sechs Enkelkinder. Eine Sache ist außergewöhnlich an Familie Moser. Sie haben einen besonderen Gast, einen jungen Flüchtling namens Ebi, der nach fast einem Jahr in ihrer Familie vom Gast zum neuen Familienmitglied geworden ist. Ebi ist 17 Jahre alt, seine Familie stammt aus Afghanistan und lebt seit der Flucht aus der Heimat im Iran. Im Herbst 2015 ist Ebi nach Österreich geflüchtet und im Großlager Traiskirchen gelandet. Heute ist für ihn und auch für die Familie Moser alles anders.

„Wie können wir helfen?“ Als vor rund einem Jahr so viele verzweifelte Menschen nach Österreich gekommen sind, hat auch das Ehepaar Moser darüber nachgedacht,

wie sie helfen können. „Wir wollten etwas von all dem Guten, das wir in unserem Leben erhalten haben, weitergeben“, erklärt Ulrike Moser, wie sie auf die Idee gekommen sind. In den Kinderzimmern der bereits erwachsenen Kinder gab es viel Platz. Die beiden hatten aber noch viel mehr zu bieten als bloß ein freies Zimmer. Sie haben Ebi ein neues Zuhause, viel Zeit, Zuneigung und Liebe gegeben – in der ganzen Familie. Der älteste Enkelsohn Elias hat Ebi gleich zu seinem großen Bruder ernannt. „Du bist wie meine Mama“, diese Worte sind Ebi herausgerutscht, als er eines Tages vom Heimweh geplagt niedergeschlagen dasaß und ihn seine Gastmutter mit frisch gekochtem Mittagessen aufzumuntern versuchte. Nächstes Jahr im Juni feiert Ebi seinen 18. Geburtstag. Das bedeutet, dass die Leistungen der Kinder- und Jugendfürsorge für ihn auslaufen.

Gasteltern gesucht SOS-Kinderdorf betreut im Projekt „Gastfamilien für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ Privatpersonen, die geflüchteten Jugendlichen in ihrer Familie ein neues Zuhause geben möchten. Gasteltern werden weiterhin gesucht. Mehr Informationen dazu gibt es auf www.sos-kinderdorf.at/ gastfamilien.

Ebi hat aber Glück, er wird trotzdem in seiner neuen Familie bleiben können. Das war nicht so geplant, aber wo sich Beziehungen und Zuneigung entwickeln, können bürokratische Vorgaben keine Grenzen ziehen.


- 10 Leserbrief & Absetzbarkeit

- 11 Hilfe für Kinder in Not

Leserbrief Liebes SOS-Kinderdorf, als langjährige Kinderdorfpatin bin ich von der Idee von SOS-Kinderdorf absolut überzeugt. Mich beeindruckt vor allem die Art der Betreuung. Man sieht, dass die Arbeit Früchte trägt. Ehemalige SOS-Kinderdorf -inder wachsen zu selbstständigen jungen Erwachsenen heran. Es macht mich glücklich, dass ich einen Beitrag leisten kann. Gabriele via Facebook

Foto Gerhard Berger

Schreiben Sie uns: SOS-Kinderdorf, Stafflerstr. 10a, 6020 Innsbruck ODER VIA Internet: willkommen@sos-kinderdorf.at Facebook.com/Sos-Kinderdorf

Spendenabsetzbarkeit: Neu und einfacher! Liebe SOS-Freundinnen und Freunde, Sie müssen Ihre Spenden ab 1.1.2017 nicht mehr selbst ans Finanzamt melden, um sie steuerlich absetzen zu können. Es gibt eine neue gesetzliche Regelung: Das machen ab jetzt das Finanzamt und die Spendenorganisationen für Sie. Dazu müssen Sie uns lediglich Ihren Namen sowie das Geburtsdatum übermitteln. Mehr dazu auf: www.sos-kinderdorf.at/absetzbarkeit

Impressum: Der SOS-Kinderdorf-Bote erscheint vierteljährlich und wird allen Freundinnen und Freunden von SOS-Kinderdorf kostenlos zugestellt. Herausgeber und Eigentümer: SOS-Kinderdorf, Redaktion: Heinz Modlik, Grafik: Mathias Schweighofer, Titelfoto: Bjorn-Owe Holmberg, Für den Inhalt verantwortlich: Nora Deinhammer, Stafflerstraße 10a, 6020 Innsbruck, Telefon 0512/580101, Telefax 0512/5918-503, www.sos-kinderdorf.at, ZVR 844967029. Die Erträge aus dem SOS-Kinderdorf-Boten werden für die SOS-Kinderdörfer in Österreich und die Angebote von SOS-Kinderdorf in aller Welt verwendet. Namen der Kinder zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert. Fotos sind überwiegend Symbolbilder.

Ihre Hilfe wirkt! Bitte helfen Sie jetzt und geben sie Kindern in not ein liebevolles zuhause.

SOS-Freundschaft Mit Ihrer dauerhaften Spende nehmen Sie Kinder an der Hand und begleiten sie in eine bessere Zukunft. Dauerhaft spenden, Schicksale wenden. Mit € 15,- pro Monat

SOS-Patenschaft So ermöglichen Sie Kindern ein Aufwachsen in einer liebevollen Familie und eine gute Ausbildung. Dorfpatenschaft € 26,- pro Monat Kindpatenschaft € 31,- pro Monat

Hilfe über das Leben hinaus Wer Kindern in Not über sein Leben hinaus eine bessere Zukunft ermöglichen will, kann dies mit einem Testament oder Vermächtnis tun. Mehr Informationen erhalten Sie bei Mag.a Elke Siedler unter Tel. 01-368 31 35 90

WE-R-SOS Starten Sie Ihr eigenes Spendenprojekt und unterstützen Sie SOS-Kinderdorf - z. B. bei einer Ihrer Veranstaltungen, Jubiläen, Geburtstagsfeiern, ... Mehr auf: www.we-r-sos.at

SOS-Förderer Mit Ihrer regelmäßigen Spende nehmen Sie Kinder an der Hand und begleiten sie in eine bessere Zukunft. Dauerhaft spenden, Schicksale wenden. Mit z. B. € 50,- pro Monat

www.sos-kinderdorf.at


SOS-Kinderdorf-Bote #260  

Von Pech und Schwefel. Und von der Liebe

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