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Musik für erwachsene Hörer

DEZEMBER 2010/JANUAR 201 1

80.000 Ex.

Charlie Haden Der Gentleman am Bass feierte mit der Elite der Jazzsängerinnen Jubiläum

Ray Davies Der legendäre Kopf der Kinks belebt mit Stars wie Bruce Springsteen, Bon Jovi, Metallica und vielen anderen seine Klassiker neu

Philippe Jaroussky

Rilke Project

Countertenöre, wie der Sänger aus Paris, sind die neuen Helden der Klassik

Musiker und Schauspielstars huldigen dem großen Dichter

Außerdem: Bryan Adams,

Paolo Conte, Silje Nergaard, Josh Groban, Zucchero u.a. Und immer: CD-Besprechungen und Tourneedaten aus Pop, Rock, Klassik und Jazz!


inhalt

trailer

News aus der Welt der Musik

4

Warum Paolo Conte den Gegen­ entwurf zur SMS-Geschwätzig­keit des modernen Alltags liefert

5

Jazzbassist Charlie Haden lud eine illustre Damenrunde zur Jubi­lä­ umsparty seines Quartet West 22

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leserpost

Anregungen, Wissenswertes, Fragen, Schmähkritik

Ob „Lola“ oder „You Really Got Me“: Mit den Kinks schuf Ray Davies berühmte Popsongs – mit promi­ nenten Freunden polierte er sie nun neu auf. Die SONO-Titelstory 6 Das Schweizer Elektropop-Duo Yello blickt zurück auf eine

entspannt-exzentrische Karriere backstage-lek türe

Amy Macdonald 

8 9

Vor manchen Herausforderungen hat selbst ein Profi wie Bryan Adams Respekt. Ein Interview zum Thema „ungeschütztes Musizieren“ 10 Zucchero über seine Kindheit in

der Reggio Emilia

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neue gesichter

Souad Massi, Ben L’Oncle Soul, Maximilian Hornung 

13

Was Stars wie Elton John und Neil Diamond im Retrotrend um das US-Mainstream-Radio der 60er und 70er Jahre suchen 14 Enders Room findet ganz eigene

Wege zwischen Jazz, Elektronik und Pop

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Lyrik neu erlebt: Das Rilke Projekt geht in seine vierte Runde– mit Stars wie Ben Becker, Patricia Kaas, Salif Keita und Sol Gabetta 18 Wie der Klassik-Pop-Bariton Josh Groban Erleuchtung fand

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die sono -liste

Zwölf künftige Jazzgiganten unter 40 Jahren 

24

Silje Nergaard und ihr Weihnachts­album der etwas anderen Art

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10

Bryan Adams

Countertenöre wie Andreas Scholl und Philippe Jaroussky feiern derzeit rauschende Erfolge 28 CD - Rezensionen Ro ck , Pop & Co. Cowboy Junkies, Alphaville, Ali Campbell, Buddy Guy, Stereophonics u. a.

30

CD - Rezensionen Kl a ssik Martin Grubinger, Glenn Gould, Quatuor Ebène, Ludovico Einaudi, Sting u. a.

34

CD - Rezensionen Ja zz & world Ray Charles, Paolo Fresu, Norah Jones, Carlos Núnez u. a.

36

schat zkiste Neue Boxsets von Bob Dylan, den Rolling Stones, Paul McCartney u. a.

38

Mediamix Neue Bücher, Spiele und DVDs  Tourneen Pop Trans-Siberian Orchestra, Schiller, Night Of The Proms u. v. a.

28

Andreas Scholl

41 44

Tourneen Kl a ssik David Fray u. v. a.; , Rückblick: L’Arpeggiata & Philippe Jaroussky

47

Tourneen Ja zz Max Greger u. v. a.; Rückblick: Lizz Wright

48

Promi- Hörer-Steckbrief Radio-Veteran Jim Sampson

50

20

Josh Groban

Impressum

E x k l u s i v f ü r Abo n n e n t e n : 16 Seiten SONO plus

26

Silje Nergaard

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Trailer

Placido Domingo (l.) feiert im Januar Jubiläen, während die sich Beat­ les und ihre Angehörigen über Schecks von Steve Jobs freuen dürfen

Bodenständig: Lizz Wright in Hamburg (o.), immer noch mon­ dän: The Human League (l.)

Bruce (Cream) und Till Brönner Das Jubiläum seiner Tunnelflucht begeht er jetzt mit der Veröffentlichung eines Soulmates-Best-OfAlbums mit dem passenden Titel „Thank You“.

E

s hatte ganz schön lange gedauert: Seit dem 16. November sind die Songs der Beatles erstmals im iTunes Store (und damit erstmals legal als Downloads) erhältlich. Hintergrund der späten iTunes-Premiere der Fab Four ist ein jahrzehntelanger, offenbar nun beigelegter Streit zwischen „Apple Corps Ltd.“, dem Label der Beatles, und der Computerfirma Apple, der Eignerin von iTunes. Das Streitobjekt war dabei das AppleLogo , das die Beatles für sich beanspruchen. „Wir sind wirklich begeistert, die Musik der Beatles auf iTunes zu bringen,“ frohlockte Paul McCartney in seiner offiziellen Stellungnahme. Lakonischer fiel das Statement von Ringo Starr aus: „Es freut mich besonders, dass ich in Zukunft nicht mehr gefragt werde, wann die Beatles endlich in iTunes verfügbar sein werden.“

Um den stationären Verkauf von Alben (und zwar nicht nur ihrer

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eigenen) verdient machte sich der Titelstar der letzten SONO-Ausgabe, die US-Jazzsängerin Lizz Wright : Im Rahmen der zweiten „Plattenladen-Woche“ trat die Musikerin im Hamburger Plattenladen „Michelle Records“ auf – ähnlich wie eine Reihe anderer Künstler andernorts. Viel zu sehen dürfte es im kommenden Jahr von Placido Domin­ go geben: 2011 feiert der Sänger sein 50jähriges Bühnenjubiläum, am 21. Januar seinen 70. Geburtstag. Die Jubiläen sind für seine Plattenfirma Anlass zu einer Fülle von Veröffentlichungen, die „das Phänomen ‚Domingo’ von verschiedenen Seiten beleuchten“ sollen, zudem darf man sich auch auf eine entsprechenden Domingo-Welle in den Medien einstellen. So zeigt ARTE am 23. Januar um 19:15 Uhr ein Konzert aus Salzburg mit Ana Maria Martinez, tags darauf um 22:40 Uhr das Porträt „Pla­cido Domingo – Die schönsten Rollen meines Lebens“.

35 Jahre ist es her, dass drei junge Ungarn, zwei Musiker und ein Trickfilmzeichner, abenteuerlich durch einen Tunnel in den Westen flohen. Heute betreibt der Zeichner Gabor Csupo eines der erfolgreichsten Trickfilmstudios in Hollywood. Die beiden Musiker, Laszlo Bencker und Leslie Mandoki , sind international als Produzenten gefragt, arbeiteten mit den No Angels, Lionel Richie und Phil Collins. Mandoki musiziert zudem im Projekt Soulmates mit Stars aus Rock und Jazz wie Ian Anderson (Jethro Tull), Jack

Die zahl

235.000 Mal ging „Progress“, das Re-UnionAlbum von Take That, am Erstverkaufstag in Grossbritannien physisch und virtuell über die Ladentheken – im Königreich ist das Rekord im neuen Jahrtausend.

Während sich junge Bands wie die derzeit in vielen Ländern hoch in den Hitparaden rangierenden Hurts bei ihrem Sound aus den 80er Jahren bedienen, startet die Synthipop-Kultkapelle The Human League um Sänger Phil Oakey ihr zweites Comeback. Zehn Jahre währte diesmal die Pause, die jetzt durch die neue Single „Night People“ beendet wurde. Mitte März folgt das Album „Credo“. Kein Comeback, sondern einen Aufbruch zu gänzlich neuen Ufern möchte Liam Gallagher , lange Jahre Sänger der kürzlich geplatzten Britpop-Erfolgsband Oasis , mit seiner neuen Formation Beady Eye hinbekommen. In der sind auch Gallaghers alte Oasis-Kollegen Andy Bell und Gem Archer aktiv. Jetzt hat Gallaghers semineue Truppe den Termin für ihr erstes Deutschlandkonzert bekannt gegeben: Es soll am 14. März in Köln über die Bühne der Live Music Hall gehen.

Foto: amm/Plattenladenwoche.de

Leslie Mandoki (l. mit Geiger David Garett) feiert 35 Jahre Freiheit, Liam Gallaghers neue Band Beady Eye (r.) bald ihr Deutschlanddebüt


leserPost Keine Kleiderordnung Betrifft: Artikel „Die An-Streicher“ in SONO 4/2010

Ihren o. g. Artikel fand ich gut und interessant (so wie auch viele andere in SONO), stutzig machte mich nur der Absatz unter dem Artikel (Seite 11 ganz unten): „Sting führte bei den Orchesterproben eine neue Kleiderordnung ein (ganz links u. Mitte).“ Wenn ich auf die beiden Fotos schaue, fällt mir nix auf, es sieht aus wie bei irgendner x-beliebigen Orchesterprobe. T-Shirts, Pulli, verschiedene Farben und Formen. Ich spiele selbst in einem Sinfonieorchester und habe noch nie gehört, dass es in irgend einem Orchester eine „Kleiderordnung für Proben“ gäbe. JedeR zieht an, wozu sie/er gerade Lust hat. Was anderes ist’s bei Aufführungen, da kommt es auf den Anlass und den äußeren Rahmen an. Aber Sie schrieben ja ausdrücklich von „Kleiderordnung bei Orchesterproben“. Mit freundlichen Grüßen Franz Huber, per E-Mail

Ihre meinung ist uns wichtig! Haben Sie Fragen, Kritik, Anregungen oder Ergänzungen zu den Artikeln in SONO? Dann schreiben Sie uns – die Redaktion freut sich auf ihr Feedback unter post@sonomagazin.de oder per Post an INMEDIA, Redaktion SONO, Lucile-Grahn-Str. 37, 81675 München

ALBERT

HAMMOND LEGENDE SEIT 4 JAHRZEHNTEN.

Instrumente interessieren Betrifft: CD-Vorstellung in SONO 5/2010, SONO allgemein

Der Artikel über die Migranten in der Popmusik und speziell der Hinweis, dass Migranten für die deutsche Popszene immer wichtiger werden, war ja geradezu verdienstvoll – aller­ dings hätte m. E. auch dazu gehört, dass Sie den einen oder anderen davon zu diesem Thema interviewen. Klaus-Peter Schwenn, Ahrweiler

Im letzten SONO-Magazin wurde eine DreiCD-Box, die sich ganz dem Thema „Klarinette“ widmet, vorgestellt („World Music Instruments – Magic Clarinet“, Nothethno/Galileo, Anm. d. Red.). Ähnliches, etwa Vergleichslisten oder Hintergrundartikel zu bestimmten Instrumenten, wäre auch sonst im Heft interessant. Viele Menschen haben doch ganz einfach eine Vorliebe für den Klang eines bestimmten Instruments und wären für entsprechende Tipps und Informationen rund um dieses Instrument sicher dankbar. Barbara Hennessen, per E-Mail Wir haben durchaus Entsprechendes vor, lassen Sie sich überraschen!

Musikalische Mischung

Schöne Gesamtdarstellung

Betrifft: SONO allgemein Ihre musikalische Mischung im Heft gefällt mir – schön, dass sich das mal jemand traut. Jetzt wünsche ich mir noch mehr „neue Gesichter“ – auch erwachsene Hörer wollen nicht nur Altbekanntes hören bzw. über Altbekannte lesen! Dieter Riedmüller, Eutingen

Betrifft: John-Lennon-Retrospektive in SONOplus 5/2010

Keine Interviews Betrifft: Artikel „Spiel der Gene“ in SONO 5/2010

Ich war angenehm überrascht von der Ausführlichkeit und Tiefe, mit der sich die Herren Schleifenbaum und Laumann im grünen Sonderteil mit John Lennons Leben und Werk auseinandergesetzt haben. Ob es dabei aber unbedingt des Abdrucks der doch hinlänglich bekannten Aktfotos des Paares John & Yoko bedurft hat, möchte ich mal dahingestellt sein lassen. Dr. Eilfried Scherliess, per E-Mail Mit dem „grünen Sonderteil“ meint Leser Dr. Scherliess den 16seitigen Sonderteil für SONO-Abon­ nenten. Bitte beachten Sie dazu die Anzeige auf Seite 51.

Kritische Töne Betrifft: SONO allgemein

Lese das noch junge Magazin SONO seit der ersten Ausgabe und registriere erfreut, dass Sie sich nun gelegentlich auch kritische Töne leisten. Weiter so und mehr davon – dieser Mut gehört schließlich dazu! Pierre Grüniger, Lörrach

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Das neue Album „Legend“ inkl. Klassikern der Musikgeschichte wie „It Never Rains In Southern California“, „The Air That I Breath“, „Nothing‘s Gonna Stop Us Now“ und 1 komplett neuer Track „Changing Me“! Alle Songs mit Star-Duettpartnern neu aufgenommen! erhältlich ! ll a r e b ü t tz Album je

www.legend-alberthammond.com


Ray Davies

Starparade für einen Britpop-Pionier Was macht ein Musiker, der einst Popklassiker in Serie geschrieben hat und nicht will, dass sie aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden? Er lädt sich berühmte Kollegen ins Studio und mit nimmt ihnen diese Songs neu auf. Von Christiane Rebmann

M

an merkt Ray Davies an, welche Genugtuung es ihm verschaffte, dass Stars wie Bruce Springsteen, Jon Bon Jovi, Richie Sambora, Lucinda Williams und Amy MacDonald geradezu darauf drängten, mit ihm im Studio berühmte Kinks-Songs zu singen. Herausgekommen ist das Album „See My Friends“ mit einer Reihe der schönsten Kompositionen des Quartetts in neuem Sound. Ein aufwendiges Projekt. Nachdem er sich von seiner bei einem Raubüberfall in New Orleans erlittenen Schussverletzung erholt hatte, reiste Davies für die Aufnahmen nach Belgien, Norwegen, Dänemark, Deutschland und in die USA. Jeder der Duettpartner durfte sich sein Lieblingsstück aussuchen. Jon Bon Jovi und Sambora hatten ihren britischen Freund ohnehin vor sechs Jahren gebeten, mit ihm den Klassiker „Celluloid Heroes“ zu singen, als sie mit Bon Jovi in London gastierten.

gen. „Stattdessen suchte er sich einen der britischsten Songs überhaupt aus: ‚Waterloo Sunset‘. Aber die Wahl bewährte sich: Unsere Stimmen verschmelzen in diesem Song sehr gut miteinander“, lobt er die gemeinsame Version. Die schottische Jungdiva Amy MacDonald, die trotz ihrer 23 Jahre sehr reif und immer irgendwie handfest klingt, verpasste dem Song „Dead End Street“ von 1966 jugendliche Frische. Ihn habe Amys ausgeprägter schottischer Akzent gereizt, der vor allem beim Sprechen hervorkommt: „Deshalb wollte ich auch, dass wir am Ende des Songs noch miteinander reden und das auch aufneh-

Mit Amy auf der Dead End Street Bruce Springsteen dagegen entschied sich für das weniger bekannte „Better Things“ und lud Ray für die Aufnahme zu sich nach Hause ein: „Ich besuchte Bruce in New Jersey, wo er ein sehr gutes Studio betreibt. Wir unterhielten uns vier Stunden lang sehr angeregt. Danach sangen wir in 25 Minuten den Song ein. Wir standen uns gegenüber, nur ein paar Meter voneinander entfernt, und brüllten ins Mikro“, berichtet Davies. Von dem südkalifornischen Singer-Songwriter Jackson Browne hätte er eigentlich erwartet, dass er einen jener Kinks-Songs wählen würde, die eher amerikanisch klin-

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k l e i n b ü rg e rs c h r e c k Ray Davies und die Kinks Im Herbst 1963 in London gegründet, machten die Kinks um die Brüder Ray und Dave Davies durch kompakte, eingängige Popsongs und treff­sichere, satirische Texte von sich reden. Singles wie „Lola“, „Waterloo Sunset“ und „Victoria“ wurden zu Klas­ sikern, Das häufig gecoverte „You Really Got Me“ mit seinem markanten verzerrten Gitarrenriff gilt als Vorläufer des Hardrock.

men. Ich finde, das gibt dem Track noch mehr Charme.“ Amy MacDonald selbst verrät, dass sie Probleme gehabt habe, sich für einen Song zu entscheiden, „weil die Kinks ein unglaublich großes Repertoire an guten Kompositionen hatten. Sie sind meine Helden. Als ich mich mit Ray traf, wäre ich vor Bewunderung und Aufregung im Studio fast zusammengebrochen. Zum Glück war Ray so freundlich zu mir, dass ich mich entspannen konnte.“

Lernen von den Alten Amy MacDonald ist nicht die einzige junge Künstlerin, die Ray Davies bewundert. Gary Lightbody von der britischen Band Snow Patrol war begeistert, dass er „Tired Of Waiting“ neu interpretieren durfte, Ex-SmashingPumpkin Billy Corgan machte sich an „All Day And All Of The Night“, und die schwedischen Rocker Mando Diao nahmen sich den Klassiker „Victoria“ vor. „Dass uns die Musikergenerationen nach den Kinks als Einfluss nennt hängt wohl damit zusammen, dass wir eine der ersten Punkoder besser Garage-Bands waren, eine der ersten Formationen, die aneckten“, vermutet Davies. „Außerdem sind viele unserer frühen Songs leicht zu spielen. Deshalb können junge Musiker sie relativ schnell lernen. Und dann entdeckten die jüngeren Kollegen irgendwann wohl auch, wie subtil unsere Texte sind.“ Im übrigen habe er als aufstrebendes Talent auch Anregung bei viel älteren Kollegen gefunden. „Das erste Konzertticket, das ich mir kaufte, war für ein Konzert von Sonny Boy Williamson. Ich war damals 17, und Williamson muss auf die 60 zugegangen sein.“ „See My Friends“ klingt modern und nicht nostalgisch. Trotzdem habe ihn manches an die Zeiten erinnert, als die Originalfassungen entstanden. Die Arbeit mit Metallica habe sich am ehesten wie die Kinks-Sessions angefühlt, erzählt er mit Melancholie in der Stimme. Offensichtlich vermisst er seine alte Band. In der der alten Besetzung wird sie nicht mehr zusammen finden: Bassist Pete Quaife starb dieses Jahr an Nierenversagen. Und Rays jüngerer Bruder Dave, mittlerweile ganz gut von seinem Schlaganfall genesen, zickt. Kürzlich murmelte er einem Reporter etwas von „Ray mit seinen blöden Kinks-Karaoke-Shows“ ins Mikro. Darauf angesprochen, grinst Ray: „Ich kann mich nicht erinnern, jemals Kinks-Songs als Karaoke gesungen zu haben, und ich bin sicher, dass sich Dave auch nicht erinnert.“  Neu erschienen: Ray Davies „See My Friends“ (Universal)


Ob der linke Mundwinkel etwas mit dem Sarkasmus in vielen Song­ texten von Ray Davies zu tun hat?

„Bruce und ich standen uns gegenüber, nur ein paar Meter voneinander entfernt und brüllten ins Mikro“

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Yello

Alles keine Absicht

Jenseits der Aufgeregtheiten des Popbetriebs haben Dieter Meier und Boris Blank entspannt Weltkarriere gemacht. Jetzt veröffentlichen die Schweizer eine Werkschau. Von Jochen Overbeck

S

ie ist klar definiert, die Aufgabenteilung im Hause Yello. Boris Blank ist der, der macht. Ein ruhiger Typ. Dieter Meier ist das Gegenteil. Ein Dandy, der eine Ranch in Argentinien besitzt und an einem Feinschmeckerrestaurant beteiligt ist. Vor allem aber ist Meier bei Yello die Stimme, auf den Platten, aber auch wenn es um die Außendarstellung der Schweizer Avantgardepopper geht. So sitzt er an einem sonnigem Herbsttag in einem Konferenzraum über den Dächern Berlins, um zu erzählen. Von der jetzt erscheinenden Anthologie „Yello By Yello“, für die einige alte Songs neu aufpoliert und zwei neue Songs eingespielt wurden. Aber auch von einer Laufbahn, die in jeder Hinsicht bemerkenswert ist. Die Geschichte begann Ende der 70er in Zürich und als „Arranged Marriage“ zweier ausgewiesener Querköpfe. Bedeutet: in Blanks musikalische Entwürfe wurde Meiers prägnanter Wortgesang gemischt. „Boris fand das überhaupt nicht lustig, dass da jemand in seine Klanggebilde reingrätscht, musste aber diese Kröte schlucken, weil er sonst keine Platte hätte aufnehmen können“, erzählt Meier. Der wiederum war damals keiner, der seine Identität aus dem Musikmachen schöpfte, sondern ein Rundum-Künstler, dem die Ungleichbehandlung durch Blank deshalb zunächst völlig egal gewesen sei. „Ich sah es als ein Privileg an, in seinen Stücken meine kleinen Auftritte zu haben“, sagt er. Wenn er erzählt, dass er niemals die Geduld besaß, im Studio zu sitzen und über die Technik, über den richtigen Klang seines Gesangs zu diskutieren, glaubt man ihm ohne weiteres, dass das heute noch so ist – auch wenn der persönliche Ausdruck mit der Stimme ein „genuines Bedürfnis“ gewesen sei. Schon als ganz junger Mann habe er zum Teil Stunden lang an einer einseitigen Gitarre gesessen und dazu in einer indisch oder afrikanisch inspirierten Fantasiesprache gesungen, später vertonte er Experimentalfilme, war

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„Gast-Anarcho-Sänger“ in Bands. Blank dagegen sei ein Eigenbrötler, der zunächst am Küchentisch mit Tonbändern Klangschleifen schuf. „Boris hat sich mit seiner Musik immer eigene Welten geschaffen, in denen er leben konnte, weil es wichtig für ihn war, um zu überleben. Eine Wirkung oder Bedeutung für andere war dabei nicht vorgesehen. Er wäre wohl Lastwagenfahrer geblieben, wenn nicht zufällig ein paar Stücke von Yello Erfolg gehabt hätten.“

Sie wollen nicht am Erfolg verblöden 1980 wurde die Musik der beiden in den USA beim Label der IndieHeroen Residents veröffentlicht. „You Gotta Say Yes To Another Excess“ (1983) markierte den Durchbruch. Meier betont, dass das keine Absicht und die Ambition für diesen Aufstieg nie vorhanden gewesen sei. Fällt schwer, das zu glauben, wenn man sich durch die neue Anthologie hört. Die Songs von Yello bedeuten schließlich vieles. Westbam, Pionier der deutschen Technoszene, hatte sein Erweckungserlebnis, als der Yello-Track „Bostich“ lief. Detroit-Techno-Veteran Carl Craig bezeichnet die Stücke der Schweizer als „pure Genius“. In John Hughes’ Film „Ferris macht blau“ wird das Bedürfnis der formatierten 80er-Jahre-Generation nach einem Ausbruch aus der Regelmäßigkeit vom oben erwähnten „Oh Yeah!“ begleitet, „The Race“ leitete in den 80er Jahren die Musiksendung „Formel Eins“ ein. „Der Affe Erfolg“ saß dem Duo seit jenen Tagen stets auf der Schulter. Seitdem sei die größte Herausforderung, „nicht am Erfolg zu verblöden“. Neu erschienen: Yello „Yello By Yello – The Anthology“ (Universal)

Trauen Sie diesen Herren nicht! Dieter Meier (l.) und Boris Blank lieben das Spiel mit den Illusionen


verlosung

Amy Macdonalds Lektürevorlieben sind nicht aus­gefallen, aber sie liest kritisch

backstage-le ktü re

Amy Macdonald

Die junge schottische Songwriterin, die mit ihrem bodenständigen, energiegeladenen Pop in verblüffend kurzer Zeit ein riesiges, alle Generationsgrenzen überschreitendes Publikum gefunden hat, wurde auf ihrer Deutschlandtournee im November begeistert gefeuert. Was sie auf der Konzertreise als Lektüre im Gepäck hatte, verriet sie SONO-Autorin Christiane Rebmann: „Ich habe gerade diese ‚Twilight‘Bände gelesen. Alle sprechen darüber,

und ich wollte wissen, worum es da geht. Ich finde sie nicht gerade umwerfend. Aber man braucht sich wenigstens nicht so sehr darauf zu konzentrieren. Und das ist auch praktisch, wenn man auf Tournee ist. Ich habe kürzlich ein E-Book geschenkt bekommen. Und das ist das Beste überhaupt. Das Teil ist ganz dünn und leicht, und ich kann 2000 Bücher darin speichern. Und die Batterie hält zwei Wochen. Perfekt. Ich muss keine schweren Bücher mehr mit mir rumschleppen. So ein E-Book passt sogar wunderbar in jede Handtasche.“ Neu: Amy Macdonald, „A Curious Thing“ (Polydor/Universal)

Das Münchner Jazzlabel ACT hat sich weltweit mit seinen Produktionen hochklassiger zeitgenössischer Jazzkünstler einen hervorragenden Ruf geschaffen und wurde im Herbst mit dem „Echo Jazz“ als „Jazzlabel des Jahres“ ausgezeichnet. In lockerer Folge veröffentlichen die ACT-Macher unter dem Motto „Magic Moments“ liebevoll editierte Sampler mit den Highlights aus ihren aktuellen Produktionen. Auf „Jazz Is Cool – Magic Moments 4“ finden sich 18 hoch­ karätige Tracks von Künstlern wie Wolfgang Haffner, Nils Landgren, dem essbjörn svensson trio und Vijay Iyer. Wir verlosen 10 Exemplare dieser coolen Werkschau! Einfach eine Postkarte mit dem Stichwort „Jazz is Cool“ abschicken an: Inmedia Redaktion SONO Lucile-Grahn-Str. 37 81675 München Einsendeschluss ist der 17. Dezember 2010

Liza Minnelli Confessions

Nach sechzig Jahren im Showbusiness veröffentlicht Weltstar persönlich ste Album ihrer Karriere:

„Jazz Is Cool Magic Moments 4“

nun das

. Eine einzigartige Sammlung ameri-

kanischer Klassiker, ihre persönliche Rückkehr zum Ursprung des Ganzen – eine Stimme, ein Klavier und großartige Songs! Ab jetzt erhältlich, auf CD und als Download!

Ebenfalls erhältlich: Die DVD und Blu-ray ihrer Grammy nomi nierten Broadway Show: Liza’s At The Palace


BRYAN ADAMS

„Anfangs war das ja alles ein großes Experiment“ Gerade war er mit einer Ausstellung seiner Fotos in Hamburg in den Schlagzeilen, da macht der Kanadier auch als Musiker wieder von sich reden: Sein neues Album präsentiert ihn live ohne Band. Ein Gespräch über ungeschütztes Musizieren. Interview: Christian Stolberg

S

ie sind letztes Jahr 50 geworden – für viele Künstler scheint das eine beson­ dere Wegmarke zu sein, an der sie sich und ihr Schaffen noch mal neu ausrichten. Was hat Ihnen dieses Datum bedeutet?

Für mich war das ein Tag wie jeder andere. Ich fühl mich eh nicht wie 50 – und das gilt auf verschiedenen Ebenen. Bin keiner, der groß zurückblickt. Torschlusspanik hab ich auch nicht. Zwar hab ich noch viel vor – aber das war immer schon so. Schätze, auf meinem Grabstein wird mal stehen: „Er hatte immer viel vor, hat aber nicht alles geschafft.“

und auch das richtige Gefühl für diese Art von Show entwickelt. Das ist eine ganz andere Gangart, die man da lernen muss, wenn man es vorher gewohnt war, immer eine volle Band im Rücken zu haben. Sie haben geradezu einen Überfluss an großen Hits in Ihrem Repertoire. War das der Grund,

weshalb Sie ihre Fans in die Auswahl der Songs mit einbezogen haben – mit einem Aufruf zur Abstimmung über Twitter?

Es wurden sogar alle Stücke von den Fans ausgewählt, ich für meinen Teil hätte diese Auswahl so nicht treffen können. Und es stimmt – in meinem Liverepertoire gibt es eigentlich ja viel zu viel Material – so ist halt noch reichlich Stoff für einen potentiellen Nachfolger übrig. Sie waren mit den Akustikkonzerten schon seit 2008 unterwegs, aber alle Tracks auf „Bare Bones“ stammen von Shows im Mai und Juni 2010 – mussten Sie erst mal Ihren Mut zu­ sammennehmen, bevor Sie sich trauten, sich so „nackt“, ohne schützenden Bandsound, für ein Album aufnehmen zu lassen?

Eigentlich hatte ich nie den Plan, aus diesen Mitschnitten eine „große“ kommerzielle Veröffentlichung zu machen. Das Ganze war eher als eine Art halboffizielles Souvenir für die ganz eingefleischten Fans gedacht und sollte ursprünglich ausschließlich am Ende der Konzerte verkauft werden. Erst als meine Plattenfirma das Material hörte und begeistert war, haben wir uns entschieden, daraus ein „richtiges“ offizielles Livealbum zu machen. Deshalb haben wir erst spät mit großem Equipment aufgenommen. Es heißt oft, dass manche Songs einen anderen Charakter an­ nehmen, wenn sie plötzlich in „Unplugged“-Arrangements live gespielt werden. Was waren die größten Überraschungen für Sie?

13 Jahre nach einem erfolgreichen „Un­p lug­ ged“-Album bringen Sie nun mit „Bare Bones“ noch mal eine CD mit Ihren Songs in akusti­ schen Gewändern heraus – warum?

Sozusagen „unplugged“ sind beide Alben – aber damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf: Damals hatte ich eine 10köpfige Band und 26 Streicher auf der Bühne, diesmal waren wir nur zu zweit. Auf allen meinen bisherigen Alben war praktisch jedes bisschen Raum mit irgendeinem Sound ausgefüllt – diesmal ging es mir darum, möglichst viel Raum frei zu lassen! Sie sind ja eigentlich dafür bekannt, im Studio und live einen kraftvollen „gro­ ßen“ Bandsound zu lieben. Wie haben Sie sich auf diese Tour mit ihren ganz anderen Voraussetzungen vorbereitet?

Ich hab mich in dieses neue Format ab 2008 ganz langsam hineingearbeitet, mal eine Woche hier und eine Woche da konzertiert, langsam einen Sound, einen Look

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sta r h i n t e r d e r k a m e r a Bryan Adams als Fotograf Bryan Adams macht nicht nur seit vielen Jahren als künstlerisch ernst zu nehmender Fotograf von sich reden: Er ist seit 2003 auch Miteigentümer des renommierten Berliner Fotokunstmagazins „Zoo Magazine“, in dem er häufig mit eigenen Werken vertreten ist. Auch das Motiv oben hat er für das „Zoo Magazine“ gestaltet. Unter den Musikerkollegen, die Adams jüngst porträtierte, sind Amy Winehouse, die frisch reformierten Take That und Ronnie Wood.

Die Fans waren wohl am meisten davon überrascht, wie die ganz großen Hits jetzt klingen – „(Everything I Do) I Do It For You“ etwa konnte man ja noch nie in einem anderen Arrangement als in der Originalfassung für den „Robin Hood“-Soundtrack hören. Und auch die anderen Songs hatte ich ja immer mit einer vollen Band­besetzung im Hinterkopf geschrieben. Für mich selbst wiederum war die große Überraschung, wie gut und schnell die neuen Songs angenommen wurden: „I Still Miss You … A Little Bit“ beispielsweise kannte keiner der Konzertbesucher vorher – aber wenn wir da in den Shows bei der letzten Strophe angekommen waren, konnten ihn die Leute bereits mitsingen.


Wie geht’s jetzt bei Ihnen musikalisch weiter – steht demnächst wieder ein Studioalbum mit voller Bandbesetzung und hartem Rocksound an, oder bleiben Sie bei der Richtung, die Sie mit „Bare Bones“ eingeschlagen haben?

Mir macht dieses akustische, kleine Format im Moment so viel Spaß, dass ich erst mal eine Weile dabei bleiben will – und dann schauen wir, was passiert …

„Jetzt können wir in Vaudeville-Theatern, Kirchen oder Opernhäusern spielen“

Allein vor zigtausend Zuhörern: Auch für einen gestandenen Bühnen­ profi wie Bryan Adams eine respektgebietende Herausforderung

Nachdem Sie ja immer so viel vorhaben – was haben Sie momentan noch in petto?

Ich arbeite an drei verschiedenen Soundtracks, einer davon ist für die 3-D-Anima­ tionsverfilmung des Kinderbuchs „ Jock Of The Bushveld“ und einer für einen kana­ dischen Independentfilm. Außerdem gibt es ein Fotoprojekt mit dem Schauspieler Jared Leto. Während einer Konzertreise ereignet sich meist einiges – was sind Ihre außergewöhn­ lichsten Erinnerungen an diese „Bare Bones“Tour?

So viele, dass unsere Zeit nicht reichen würde, sie alle zu erzählen. Anfangs war das ja

alles ein großes Experiment, in dem wir erst Erfahrungen sammeln mussten. Außerdem ist die Tour eben noch nicht vorüber – im Dezember spielen wir in Syrien, im Libanon, in Katar, Dubai und dem Oman. Das Geilste: wir können jetzt in lauter interessanten Venues

spielen, in die ich mit elektrischer Band nie reingelassen würde: Vaudeville-Theater, Kirchen, Opernhäuser – toll!  Neu erschienen: Bryan Adams „Bare Bones“ (A&M/Universal)


Wehmütiger Blick über die Hügel der Heimat: Adelmo Fornaciari schaut zurück

Einflüsse italienischer Volksmusik einfließen lässt. Dabei liegt seine Vorliebe für Blues und Soul ebenfalls in seiner Jugend begründet: Ein schwarzer Amerikaner, der im nahen Bologna studierte, führte ihn an die schwarze Musik heran. „Er hatte bei uns im Dorf dieses Haus gemietet und besaß einen Plattenspieler und viele, viele Platten, die man bei uns sonst nie gehört hätte. ‚Sitting On The Dock Of The Bay‘ von Otis Redding habe ich bei ihm das erste Mal gehört, später auch Ray Charles und Aretha Franklin.“

Zucchero

Beim Essen hört die Liebe zu Amerika auf Acht Jahre alt war Zucchero da – was später kam, ist Italo-Popgeschichte. 1983 die Teilnahme am Sanremo-Festival, dem wichtigsten Schlager- und Talentwettbewerb seines Heimatlandes. Ein Jahr später der temporäre Umzug in die Vereinigten Staaten. Als Zucchero in den 80er Jahren erstmals in die USA reiste, jagte ihm der Größenunterschied zur Heimat Angst ein. Er erzählt von Autofahrten durch New York, bei denen er aus dem Fenster schaute und versuchte, die oberen Enden der Von Jochen Overbeck Hochhäuser zu sehen. Er erzählt aber auch von San Francisco, das er früh liebte, und von Los Angeles, wo er gemeinsam mit Produzentenlegende Don Was auch sein neues Album aufnahm. Kalifornien sei wunderschön. Eine Option für den Lebensabend? Nein, sagt er und lacht erneut. „Die Restaurants schlieHeimatdorf. Die wichtigsten Würdenträger: der Pfarrer und der Wirt der Dorfkneipe, in ßen in Amerika zu früh. Wenn man bis zehn die sich Zucchero und seine Freunde als Herim Tonstudio war und dann noch Hunger hat, anwachsende so gerne hineinschlichen. Kein findet man kein Restaurant mehr mit offener Wunder, dass Zucchero in einigen Songs Küche. Dann muss man Burger oder anderen Fastfood-Unsinn essen. Das Essen ist definitiv einer der Gründe, aus L i e b l i n g s i ta l i e n e r denen ich mit Herz und Seele ItaZucchero und die internationale Popelite liener bin.“ Das steckt auch hinter Seit seinem Durchbruch 1989 mit dem Album „Oro incenso e birra“ dem etwas kryptischen Albumti(immer noch die meistverkaufte Platte Italiens) konnte Zucchero tel: ein Slangwort, wie so oft bei immer wieder die Großen für sich begeistern: So fanden sich Zucchero. Eines, das sein Vater auf „ZU & Co“ (2004) Duette mit Sting, Paul Young, Miles Davis immer dann benutzte, wenn der und anderen. Auch auf „Chocabeck“ mischen Stars mit: Sohnemann Nachtisch wollte. Bono und Iggy Pop schrieben Texte, Brian Wilson steuerte Back„‚Choca‘ ist so eine Art Schnalzen, groundvocals bei. Was mag die internationale Rockelite an ‚Becco‘ heißt Schnabel. ‚Chocadem kleinen, gar nicht so glamourösen Italiener? „Ich bin ein beck‘: Das bedeutete, dass einfach ganz natürlicher Typ. Ich bin kein Star. Ich möchte nur nichts da war.“ einen Gedankenaustausch. Und das kommt offenbar gut an.“ Neu erschienen: Zucchero „Chocabeck“ (Polydor / Universal)

Kein Nachtisch für den Schmuse-Blueser

Auf seinem neuen Album „Chocabeck“ verarbeitet Italiens populärster Bluesbarde Kindheitserinnerungen aus der Reggio Emilia.

Z

ucchero klagte zuletzt heftig. Die moderne Welt mit all ihrer Technik, Internet und sozialen Netzwerken verstehe er nicht mehr und wolle sie auch nicht verstehen: „Natürlich arbeite ich mit Computern, wenn ich Musik mache, aber da habe ich Leute, die mir helfen. Ich kann mir nicht vorstellen, eine Nacht vor dem Internet oder vor diesem Facebook zu verbringen. Ich weiß doch nicht mal, wie man einen Computer anmacht. Es klingt nach Zeitverschwendung.“ Mit „Chocabeck“ hat der Schmuse-Bluesrocker jetzt ein Album aufgenommen, das ausdrücklich alte Zeiten heraufbeschwören soll, vom Alltag eines italienischen Bauerndorfes erzählt und den Freundschaften, die damals vielleicht spärlicher, aber intensiver gewesen seien. Zucchero, mit gebürtigem Namen Adelmo Fornaciari, dachte dabei auch an seine eigene Jugend in der Provinz Reggio Emilia. Kaum 2.000 Einwohner hatte sein

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neue gesichter

Maximilian Hornung

Der Jungstar am Cello macht musikalische Sprünge von Bach bis Charlie Chaplin. [Klassik] Er springt mit beneidenswerter Leichtigkeit durch die Epochen: Um die Ausdrucksbandbreite seines Spiels und Instruments zu demonstrieren, hat der junge deutsche Cellist Maximilian Hornung

für sein „Debütalbum „Jump!“ bei Sony Classical mit der Pianistin Milana Chernyavska Werke aus drei Jahrhunderten aufgenommen. Mit den zum Teil selbst arrangierten Stücken für Cello und Klavier spannt Hornung einen Bogen vom Barock bis zum 20. Jahrhundert. Von Bachs „Air“ über ein „Moment Musicaux“ Franz Schuberts bis zur nostalgisch-schönen Celloballade „Limelight“ von Charlie Chaplin.

Mit seinen 24 Jahren bekleidet Maximilian Hornung bereits einen hochrangigen Posten: Seit 2009 ist er erster Solocellist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Daneben tritt der in Augsburg geborene Cellist als Solist u. a. beim Tonhalle-Orchester Zürich auf und ist zudem ein begeisterter Kammermusiker. Er hat mit namhaften Kollegen wie Christian Tetzlaff und Mischa Maisky zu­sam­ mengespielt und zahlreiche Preise gewonnen. Raoul Gulbenkian Maximilian Hornung „Jump!“ Sony Classical

Ben L’Oncle Soul

Frankreichs neuer Soulmann [Soul/Pop] Die deutschen Radiosender mischte er mit seiner pfiffigen Version des White-StripesHits „Seven Nation Army“ gehörig auf, sein erstes Album erschien Ende Oktober in Deutschland – alles kein Vergleich zu dem Sturm, den er in seinem Heimatland ausgelöst hat: Ben L’Oncle Soul, ein 24jähriger Sänger aus Tours, punktet im gegenwärtigen Retro-Soul-Trend mit seiner ganz eigenen, gewitzten, optischen wie musikalischen Annäherung an den Sixties-Soul. Im Dezember kommt er für fünf Konzerte zu uns. Im Gepäck: eine neue Single, seine Version des Sam-&-DaveKlassikers „Soul Man“.  Felix Marondel Ben L’Oncle Soul „Ben L’Oncle Soul“ Universal Ihre Wut verwandelt die Algerierin in pure musikalische Poesie

Souad Massi

Foto: SFelix Broede

Ein bisschen Freiheit

In Wahrheit steht der junge SoulOnkel derzeit gar nicht im Regen

[Weltmusik] Souad Massi hat eine sanfte Stimme. Aber sie ist präsent genug, dass Politiker versuchten, ihre Musik zu verbieten. Das ist schon ein Weilchen her, als die junge Algerierin in den späten 90ern Sängerin von Atakor war, der ersten Rockband ihrer Heimat. Aber der Geist der friedlichen Rebellion gegen Ungerechtigkeit bestimmt

weiterhin ihre Lieder, die inzwischen folkgetönt dezent klingen. Seit einem guten Jahrzehnt lebt Souad Massi in Frankreich, „Ô Houria (Liberty)“ hat sie ihr fünftes Album überschrieben und dafür sogar Paul Weller als Gast gewinnen können. Es sind Popminiaturen auf Französisch und Arabisch, geprägt von verhaltener, poetischer Wut einer aufmerksam beobachtenden Künstlerin.  Ralf Dombrowski Souad Massi „Ö Houria“ Liberty/Wrasse

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Beim Plattenproduzieren orientierte man sich in den US-Studios früher nicht an Hörern mit High-EndAnlagen. Viel wichtiger war, dass die Songs auch in durchschnittlichen Autoradios gut klangenI

re tro -tendenzen

Zurück in die Zukunft? Auf der Suche nach dem dritten Weg zwischen IndieSchrammeligkeit und überproduziertem Chartbombast: Große Stars aus dem Popmainstream erinnern sich an die glorreichen Zeiten des US-amerikanischen FM-Radios in den frühen 70er Jahren. Von Christian Stolberg

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heryl Crow gehört zu den gar nicht so wenigen Popstars, die ihr Handwerk ganz ordentlich auf dem Konservatorium gelernt haben. Doch wenn man die ausgebildete Musiklehrerin fragt, woher sie die entscheidenden Anstöße für ihre musikalische Vision bezogen hat, denkt die48jährige nicht an ihr Studium zurück, sondern an ihre

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Highschoolj ahre in Kennett, Missouri: „Den fruchtbarsten Teil meiner musikalischen Ausbildung habe ich wahrscheinlich auf all den langen Autofahrten genossen, wenn wir zu irgendwelchen Partys im Nachbarort oder zum Baden an den Fluss fuhren. Es gab bei uns großartige Sender – und sie spielten damals noch all das weiße und schwarze Zeugs

durcheinander. Du konntest also Stevie Wonder und Steely Dan, Sly & The Family Stone und die Allman Brothers, die Doobie Brothers und Aretha Franklin auf ein und derselben Frequenz hören. Es war alles noch nicht so formatiert wie heute. Und es war alles großartige Musik, tolle Songs, die dich richtig packten.“ An diese glorreiche Zeit großer Radiohymnen knüpfte Crow mit ihrem in diesem Sommer erschienenen Album „100 Miles From Memphis“ an, auf dem sie den Sound aus dem Süden mit überwiegend eigenen Songs nachempfand. „Als ich vor 20 Jahren meinen Manager Scooter Weintraub kennen lernte, erkannte er in meiner Stimme all diese offensichtlichen Südstaaten-Referenzen – Delaney und Bonnie, dazu all die Soul-Klassiker aus dem Hause Stax. Daher kam er in den vergangenen Jahren immer wieder bei mir an und fragte: ‚Und, wann machst du nun endlich dieses Album?’“

Als das Radio noch Hits machte Crows neue Songs beschwören eine musikalische Ära herauf, als man, wie sie findet, „noch die Leidenschaft der Musiker heraushören


konnte, wenn man das Radio anstellte, als es im Studio noch darum ging, einen Song möglichst lebendig klingen zu lassen.“ Worauf die Amerikanerin anspielt: In der Popmusik hat es in den letzten anderthalb Jahrzehnten eine Art klangtechnischen Kulturkampf gegeben – zwischen mit allerlei Computertechnologie aufgemotztem Chartsbombast von Figuren wie Madonna, Lady Gaga oder Justin Timberlake einerseits und als Gegenreaktion vor allem in der Indieszene einer radikalen Negation aufnahmetechnischer Standards andererseits. Beide Haltungen gehen nicht selten zu Lasten der emotionalen Wirkung der Musik.

Schritt zurückgehen, um vorwärts zu kommen und den Tracks dieses Livefeeling verpassen zu können. Ich will keine glatten Popsingles mehr aufnehmen. Ich liebe es zwar, Songs für die Scissor Sisters zu schreiben oder auf einem Tupac-Album als Gast aufzutreten, doch davon abgesehen bin ich nur noch daran interessiert, wirklich gute Alben aufzunehmen, die meinem Alter entsprechen und zu dem Punkt passen, an dem ich in meinem Leben stehe.“ Und so sollte sein Gemeinschaftswerk mit Leon Russell „zeitgenössisch und zugleich alt und einfach nur klassisch klingen – ein Rezept übrigens, das mir Neil Young schon seit Ewigkeiten ans Herz gelegt hat.“

„Es gab bei uns großartige Sender – und sie spielten damals noch all das weiße und schwarze Zeugs durcheinander“ Sheryl Crow

Diamond stöbert im Soulfundus

Während Crows schönes Album auch wegen der mangelnden medialen Präsenz der Künstlerin in Europa verkaufstechnisch bislang unter Wert geschlagen wurde, gehört „The Union“, das überraschende Gemeinschaftswerk von Elton John und Südstaaten-Studiolegende Leon Russell zu den ganz großen Erfolgen dieses Musikherbsts. Wenn sich Elton John an die frühen 70er erinnert, dann muss er nicht nur an die Musik anderer Künstler denken, sondern auch an das eigene Frühwerk – schließlich schaffte der Brite damals mit Meisterwerken wie „Honky Chateau“ und „Tumbleweed Connection“, deren Songs mit uramerikanischen Traditionen spielten, den Durchbruch in den USA – lange vor MTV oder YouTube, als nicht nur in den Vereinigten Staaten das Radio noch Hits und Karrieren machte. An diese frühen Tage seiner Karriere knüpft Elton John mit „The Union“ wieder an. In Stücken wie „Hey Ahab“ und „Hearts Have Turned To Stone“ verarbeitet er Honky-Tonk-Melodien und Gospel­ elemente, während die Soulballade „The Best Part Of The Day“ deutlich macht, wie prägend der Memphis-Sound und das Label Motown für ihn waren. „Ich musste erst einen

Crow und John sind nur zwei aus der Schar der Hochkaräter, die in diesem Jahr den Blick zurück in die Sixties und Seventies richteten: Auch Neil Diamond pflegt auf seiner neuen CD „Dreams“ Retroqualitäten. Und ähnlich wie Crow und Elton John greift der 69jährige dabei nicht nur auf Klassiker weißer Stars (wie etwa die Beatles-Songs „Yesterday“ und „Blackbird“, Leonard Cohens „Hallelujah“ und die EaglesHymne „Desperado“) zurück, sondern stöbert auch im Soul- und Rythm’n’Blues-Fundus – mit Coverversionen von Bill Withers’ „Ain’t No Sunshine“ und dem Gladys-Knight-Klassiker „Midnight Train To Georgia“. Vielleicht kein Zufall, dass auch eine Komposition des oben erwähnten Leon Russell mit auf dem Album ist: „A Song For You“ , mit dem die Carpenters in den Mittsiebzigern einen großen Radiohit hatten. Im eigenen Repertoire ist der große Songwriter Diamond dabei ebenfalls fündig geworden – mit Recht hat er seine Komposition „I’m A Believer“, einen absoluten Superklassiker des FM-Radios, mit in die Liste der Songs auf „Dreams“ genommen. Noch enger als seine Kollegen hat der in den 90er Jahren durch den Hit „Walking In Memphis“ bekanntgewordene Singer-Songwriter Marc Cohn die Ära eingegrenzt, aus der er sich für sein aktuelles Album „Listening Booth 1970“ bediente: Der Titel sagt es schon – Cohn interpretiert hier ausschließlich Songs aus dem großen Popjahr 1970, in einem Sound, der die Direktheit damaliger Arrangements mit der Klangtechnik von heute verbindet. 

Nostalgiker: Sheryl Crow, Leon Russell, Elton John, Neil Diamond und Marc Cohn huldigen auf ihren Alben dem naturbelasseneren Pop des Mainstream-Radios von einst

Neu erschienen: Elton John & Leon Russell „The Union“ (Mercury/Universal), Neil Diamond „Dreams“ (Sony Music)

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Mehr als nur ein Leben

Mit seinem Projekt Enders Room schlägt der Saxofonist aus Weilheim Brücken zwischen Jazz, Elektronik und Pop in die musikalische Zukunft. Von Christian Stolberg

So sehen heutzutage die Professoren aus: Enders im Heimstudio

D

ass die interessanteste Kunst aus der Vereinigung von scheinbar Gegensätzlichem entsteht, mag eine Binse sein – aber sie bestätigt sich immer wieder. Zum Beispiel in der Arbeit von Johannes Enders, einem der interessantesten europäischen Saxofonisten, zeitweiligem Leiter des JazzBaltica Ensemble und nicht von ungefähr auch unter den Preisträgern des 2010 erstmals verliehenen deutschen „Echo Jazz“. Dieser Johannes Enders ist nicht nur dank einer Reihe von Alben und unzähligen Konzerten mit (von seinem ausgesprochen eigenständigen Saxofonton geprägtem) akustischem Jazz bestens eingeführt, er hat noch weitere musikalische Leben: Er ist eine Schlüsselfigur der international so bestaunten Musikszene der oberbayerischen Kleinstadt Weilheim um die stilprägende Indieband The Notwist, deren Alben er mit seinem charakteristischen Saxsound bereichert. Mit

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den Notwist-Gründern Markus und Micha Acher betreibt Enders unter anderem das Tied & Tickled Trio, mit dem US-Schlagzeuger Billy Hart die Gruppe Triotope. Unter seinen weiteren eigenen Projekten genießt besonders Enders Room großen Kredit bei der Kritik: Hier verschmilzt Enders seit 2002 Jazz, Elektronik und Indie-Ästhetik auf eine so persönliche wie zukunftsträchtige Weise ineinander – die Wärme und die interessanten Klangfarben, die Enders da aus der Kombination von herkömmlichem und elektronischem Instrumentarium gewinnt, begeistern immer mehr Fachleute und eine überschaubare, aber wachsende Fangemeinde.

Absage an den Macho-Jazz Neuerdings hat Enders, der selbst in München, Graz und New York (bei Topstars wie Branford Marsalis und Lee Konitz) studierte, auch noch eine Professur für Saxofon an

der Musikhochschule in Leipzig inne. Wie ist diese Polyphonie der Aktivitäten überhaupt möglich? „Ich bin jemand, der, wenn er ein Projekt beendet hat, schnell wieder etwas ganz anderes, vielleicht sogar gegensätzliches, machen will“, sagt der bescheiden auftretende Zwei-Meter-Mann. „Die Enders-Room-Alben sind für mich wie Filmmusiken, die festhalten, wie ich den Zustand der Welt zu der jeweiligen Zeit empfinde.“ Das fünfte Enders-Room-Album „Zen Tauri“ ist für den Klangtüftler speziell, weil es das erste nach einer dramatischen Erkrankung ist: Das Pfeiffer’sche Drüsenfieber hatte ihn 2008 an den Rand des Todes gebracht, eine Erfahrung, die sein „persönliches Wertesystem kräftig durchgerüttelt“ habe. Mit Folgen für die Musik: „Dieses Soloding im Jazz interessiert mich immer weniger, vor allem, wenn es so etwas Machohaftes bekommt, wo einer den anderen übertrumpfen will.“ So hofft Enders, dass sich „die Bandphilosophie aus der Popmusik im Jazz breit macht. Es gibt ja viele Rockbands, die nicht aus virtuosen Musikern bestehen und doch fantastische Bands sind. Weil sich alle auch mal zugunsten der Musik zurücknehmen. Im Jazz gibt es viele Formationen, in denen vier Virtuosen aneinander vorbei spielen. Dass es im Leben mehr um das gemeinsame Tun geht, ist vielleicht auch das unterschwellige Thema auf ‚Zen Tauri‘.“ Neu erschienen: Enders Room „Zen Tauri“ (Material Records/Harmonia Mundi) Carl Oesterhelt/Johannes Enders „Divertimento für Tenorsaxophon und kleines Ensemble“ (Alien Transistor / Indigo)

bay e r i s c h e s b i ot o p Die sogenannte „Weilheimer Szene“ In den frühen 90ern Jahren wurde die Musik­welt auf das 22.000-Einwohner-Städtchen in Ober­bay­ ern aufmerksam: Rund um die Band The Notwist (Foto), das Label Hausmusik und das U-phonStudio mit den Produzenten Mario Thaler und Olaf Opal hatte sich dort ein Konglomerat aus miteinander verflochtenen Bands wie Lali Puna, Console und dem Tied & Tickled Trio gebildet.

Foto: Gerald von Foris

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Seit seinem sensationellen Debüt mit Anna Netrebko am Londoner Covent Garden ist er der neue italienische Traum-Tenor. Nun beweist Vittorio Grigolo auf seiner CD mit beliebten italienischen Arien von Verdi, Donizetti und Puccini eindrucksvoll, was für eine großartige Stimme er hat.

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DEUTSCHE VOLKSLIEDER Schon die erste CD war ein Hochgenuss. Jetzt gibt es noch mehr der schönsten deutschen Volkslieder in einer Neuaufnahme mit hochkarätigen deutschsprachigen Sängern wie Angelika Kirchschlager, Christian Gerhaher, Annette Dasch u.v.w. www.deutsche-volkslieder.com

OLGA SCHEPS RUSSIAN ALBUM Die junge Pianistin und ECHO-KlassikPreisträgerin 2010 präsentiert auf ihrer zweiten Einspielung charmante Werke von russischen Komponisten wie Tschaikowsky, Glinka, Balakirev, Rubinstein, Rachmaninoff und anderen. www.olgascheps.de


Der globale Sound des Dichters Nach sechs Jahren Pause legen Richard Schönherz und Angelica Fleer ihre vierte Klang-Hommage an den Lyriker Rilke vor. Erneut haben sie dafür Gäste von Peter Maffay über Katja Flint bis Clueso eingeladen. Von Reinhard Lemelle

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etzt ist es auch geisteswissenschaftlich amtlich: Laut einer aktuellen Umfrage von Germanistikstudenten der Marburger Uni gehört Rainer Maria Rilkes „Der Panther“ zu den Lieblingsgedichten der deutschen A- und B-Prominenz. Immerhin Exkanzler Schröder, Sportmoderator Gerhard Delling und Comedian Bernhard Hoëcker haben jene Wildkatze ins Herz geschlossen, für die Rilke vor über einem Jahrhundert hochpoetische Worte fand. Nun ja – für die Qualität und Popularität des österreichischen Dichters gibt es sicherlich aussagekräftigere Gradmesser. Wie etwa das „Rilke Projekt“ von Richard Schönherz und Angelica Fleer. Denn was Generationen von Oberstudienräten nicht geschaffen haben, ist diesem Komponisten- und Produzentenpaar gelungen. Seit dem ersten musikliterarischen Porträt, das 2002 in CD-Form auf den Markt kam, ist Rilke Kult, nicht nur bei klassischen Leseratten, sondern auch bei denen, die sich ansonsten lieber eine SMS zusammenreimen. Dabei ist das Konzept denkbar einfach. Man lotst Schauspieler wie Ben Becker und Nina

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losreichen Spiel das TV-Gesicht Katja Flint begleitet. „Sol Gabetta hält das Zusammenspiel von Musik und Sprache für eine unterstützenswerte Kunstform“, freuen sich Richard Schönherz und Angelica Fleer. „Und Gabetta findet es einfach toll, dass wir durch die Ausrichtung unserer Projektarbeit auch junge Menschen für Lyrik erreichen und nachhaltig begeistern können.“

Rilke meets Skype Trotz des dramaturgisch unverändert roten Fadens, der sich schon durch die drei Vorgängeralben gezogen hat, betreten

die beiden Rilke-Masterminds Schönherz & Fleer aber diesmal auch Neuland, nicht nur weil erstmals ein Rilke-Gedicht in französischer Sprache von Patricia Kaas zu hören ist. Diesmal hat man die Möglichkeiten von Hightech und Internet mehr denn je ausgeschöpft, um Rilkes visionäre und vor allem musikalische Sprache durch die Welt wandern zu lassen. „Einige Aufnahmen wurden uns als Dateien über Server geschickt, einige von uns über Skype begleitet, wie die Session mit Salif Keita, der in einem Studio in Mali den Gesang aufnahm. Und Hardy Krüger rezitierte in seiner Wahlheimat Palm Springs ‚Der Fremde’.“ Rilke goes global! Und was sagt Peter Maffay überhaupt zu den Kompositionen, die wieder Richard Schönherz und Angelica Fleer beigesteuert haben? „Geil, schöne Musik!“ 

Hoger sowie Sänger wie Xavier Naidoo und Wolfgang Niedecken ins Studio, wo sie dann zu sanften und elegischen Sounds in den Rilke-Kosmos eintauchen können. Drei Projekte sind daraus seitdem entstanden – die sich allesamt wie geschnitten

Lächelt leis’: Katja Flint

Beitrag auf französisch: P. Kaas

Mal selbst Vorleser: David Kross

Palm Springs calling: H. Krüger

Begleitete Flint: Sol Gabetta

Hatten die Idee für die RilkeReihe: die Komponisten Richard Schönherz und Angelica Fleer

Brot verkauft und nebenbei zahlreiche Hörbuch-Awards eingeheimst haben. Ähnliche Erfolgswerte darf man daher schon jetzt der vierten Ausgabe prognostizieren, zumal auf „Weltenweiter Wandrer“ mit Peter Maffay, Ben Becker und Hannelore Elsner drei Rilke-Fans der ersten Stunde wieder im Team sind. Neben Clueso und Chansonnier Tim Fischer ist es aber diesmal sogar die argentinische Starcellistin Sol Gabetta, die mit ihrem me-

Neu erschienen: Rilke Projekt Nr. 4: „Weltenweiter Wandrer“ (Sony)

Fotos: Marco Borggreve, Jim Rakete

Rilke Projek t


Josh Groban

„Wir wurden regelrecht erleuchtet“ Warum der Klassik-Pop-Bariton mit dem Abo auf Hits jetzt JohnnyCash-Retter Rick Rubin auf ganz neue Wege folgt. Interview von Severin Mevissen

Ich habe meine Favoriten auf einen Zettel geschrieben, Rick seine, und als wir sie dann verglichen, haben wir festgestellt, dass unsere Listen identisch waren. Das hört sich jetzt alles so einfach an, aber natürlich gab es auch frustrierende Momente. Wenn man zweieinhalb Jahre im Verborgenen arbeitet, zweifelt man manchmal daran, ob einen überhaupt noch jemand hören will, wenn man wieder an die Öffentlichkeit tritt. Aber ich glaube, die Zeit hat sich gelohnt. Ich bin stolzer auf dieses Album als auf alle davor. Warum?

Weil wir kompromisslos waren. Wir arbeiteten so lange, bis alles stimmte. Wir haben irre lange vorbereitet. Ein Jahr lang haben wir nur geplant, ohne einen Ton zu spielen oder zu singen. Als wir dann endlich ins Studio gingen, wurde fast jeder Song in einem Rutsch aufgenommen. Das waren echte Momente, nicht bloß eine Performance – und das war unser Ziel. Wie würden Sie das Album beschreiben?

Stimmt, bei mir war es eher umgekehrt: Mein Weihnachtsalbum war ein Riesenerfolg, dabei war es eigentlich nur als Zugabe für meine Fans gedacht. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe die Weihnachtslieder, aber sie sind nur ein kleiner Teil dessen, was mich als Künstler ausmacht. Ich fragte mich also: Wie geht es jetzt weiter? Und da stellte mir ein gemeinsamer Freund, Guy Oseary (Madonnas Manager, Anm. d. Red.), Rick Rubin vor. Nachdem ich ihm ein paar neue Songs vorgespielt hatte, fragte er mich, ob er das ganze Album produzieren könne – zweieinhalb Jahre später ist es nun fertig. Eine lange Zeit …

Ja, aber wir wussten, dass es so lange dauern würde. Wir mussten uns erst kennenlernen, unseren Groove finden, und ich konnte einfach nicht aufhören, Songs zu schreiben. Jedes Mal, wenn Rick sagte „Wir haben es geschafft!“, kam ich mit neuem Material. Wir planen bereits die nächsten zwei Alben zusammen. Wie haben Sie die Songs für dieses Album ausgewählt?

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Wie reflektiert das Album unsere Zeit?

Inhaltlich reflektiert es viele persönliche Erfahrungen. Die Liebeslieder darauf beispielsweise drücken aus, was Liebe für mich zu dieser Zeit bedeutete. Das sind keine fröhlichen, regenbogenfarbenen Songs, das sind Lieder aus der Grauzone. Auch der Song „War At Home“ ist zeitgemäß, er beschreibt das Schicksal von Kriegsveteranen. Musikalisch wollten wir ein möglichst zeitloses Album produzieren. Wir haben bewusst auf jegliches elektronische Element verzichtet, um die Musik nicht zu datieren. Und wir haben alles analog aufgenommen, in den Capitol Studios in Hollywood, in denen schon Mancini, Nat King Cole und Sinatra aufgenommen haben. Wir wollten ein Album schaffen,

„David Foster sagte: ‚In dir steckt ein Monster, das wir von der Kette lassen müssen!‘“

Foto: XXXXXXXXXXXX

D

ie Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Rick Rubin überrascht: Oft greift der ein, wenn es mit der Karriere eines Künstlers nicht zum Besten steht – was bei Ihnen nicht der Fall war …

Organisch, ehrlich, kristallklar. Ich bin kein Freund von Genrebezeichnungen wie Crossover oder Popera. Am ehesten trifft es moderne Klassik.


das man vor 50 Jahren hätte hören können und das man in 50 Jahre noch hören kann.

mentoren Grobans Produzenten Der Kanadier David Foster (o. r.), 15facher Grammy-Preisträger und bekannt für seine Arbeit mit Celine Dion und Michael Bublé, gilt als Grobans Entdecker, und produzierte bisher auch dessen Alben. Der bär­ tige Rick Rubin ist berühmt dafür, Millionenerfolge mit Musik abseits des Mainstreams möglich zu machen (etwa mit Bands wie den Red Hot Chili Peppers und Metallica). Legendär sind seine „American Recordings“ mit Johnny Cash.

GÖTTLICH Die grössten Gitarren-Helden aller Zeiten Endlich vereint auf 2 CDs

Was bedeutet der Titel „Illuminations“?

Am liebsten hätte ich einen ganz langen Titel gewählt, so wie Fio­ na Apple mit „When the Pawn Hits the Conflicts…“, aber dieses eine Wort beschreibt es schon ganz gut: Rick und ich haben in vollkommener Dunkelheit angefangen, wir hatten beide beinahe Angst, denn auch für Rick war es ja ein Wagnis, mit mir zu arbeiten. Als dann nach ewiger, aufreibender Planung und Arbeit endlich die ersten Töne aus den Lautsprechern klangen, trafen sie uns wie Lichtstrahlen. Wir bekamen Gänsehaut, wir wurden regelrecht erleuchtet.

Ab 10.12.10 als 2-CD und Downloadversion erhältlich

Sie erwähnen Fiona Apple: Sind Sie ein Popfan?

Auch! Ich bin mit der Musik von Nirvana, Pearl Jam und Depeche Mode aufgewachsen. Ich höre viel Radio. Ich habe in meinem Telefon ein Programm namens Shazam, und wann immer mir etwas gefällt, schaue ich damit nach, von wem es ist, und lade es mir dann in mein iTunes. In Los Angeles gibt es einen tollen Klassiksender, KUSC, der nicht nur Mozart spielt, sondern auch Philip Glass, Prokofjew und viele Opern. Den habe ich auf langen Autofahrten immer eingestellt. Nun wohnen Sie aber in Manhattan, wo es kaum lange Fahrten gibt.

Das stimmt. Dafür gehe ich hier viel in Konzerte. Gestern war ich bei Jay-Z und Eminem, das war gigantisch gut! Sie singen seit der siebten Klasse: Woher wussten Sie, dass Sie das Talent dazu haben?

Ich wusste gar nicht, dass ich Talent habe, ich wusste nur, dass ich singen muss. Das war wie ein Virus. Mein Talent entdeckte dann David Foster. Er sagte: In Dir steckt ein Monster, das wir von der Kette lassen müssen! Bis dahin war es mir fast peinlich, dass ich so gerne singen wollte. In der Schule galt das nicht gerade als cool. Ich habe deshalb nur heimlich oder zu Hause gesungen. Ich habe als Jugendlicher sicherlich manches verpasst. Aber ich hatte die unglaubliche Chance, mit David Foster zu arbeiten, und dafür stehen andere Schlange. Ich musste allerdings hart arbeiten, und es gab manchmal Momente, in denen ich mich wie ein Roboter fühlte. Heute, mit 29, fühle ich mich als ausgereifter Künstler, als ein Mensch mit Stimme, und das neue Album zeigt dies.

Bryan Adams

Bon Jovi Paul McCartney

Dire Straits

The Rolling Stones The Killers

Auf „Illuminations“ singen Sie auf Portugiesisch, Französisch, Italienisch und in Latein: Wie viele dieser Sprachen beherrschen Sie wirklich?

Keine fließend, aber immerhin gut genug, um zu singen. Am liebs­ten würde ich jetzt auch noch Deutsch lernen: Ich mag Herbert Grönemeyer und Xavier Naidoo.  Neu erschienen: Josh Groban „Illuminations“ (Warner)

The Who

U2 KISS

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Kein marktgängiges Lärvchen, statt­d essen ein Gesicht wie eine Kraterlandschaft – Melancholie war schon immer fotogen

Er aus Altmetall/ seine Gedanken gelten nicht ihr/ nur seiner alten Idee: den Boden/ zu verlassen und hoch zu fliegen …“ Gut möglich, dass Conte auf „Los Amantes Del Mambo“ – einem Song, den er der musikalischen Anmutung wegen auf Spanisch singt – von sich spricht. Möglich aber auch, dass er seine Hörer nur auf eine imaginierte Reise schickt. Tatsächlich studierte der 1937 im Piomonteser Städtchen Asti geborene Sänger zunächst Jura und übernahm für einige Jahre die Kanzlei seines Vaters. Doch hatten seine Eltern schon früh eine andere Leidenschaft in ihm entfacht: „Wir hörten daheim Jazz – obwohl das unter Mussolini verboten war. Diese Musik widersprach dem Faschismus: Viele Menschen, die gemeinsam swingen, aber jeder behält seine Stimme“.

Paolo Conte

Im falschen Zeitalter Keiner vertont seine Melancholie eigenwilliger als der Ex-Anwalt aus dem Piemont. Nach Jahren der Stille meldet sich Paolo Conte endlich wieder. Von Jonathan Fischer

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llein mit mir, der nichts von dir weiß/“, hebt der 73-jährige Sänger auf „Masseuse“, einem Stück seines aktuellen Albums „Nelson“ an, „nur deine Finger spielen mit mir/ während ich an dich denke/ Rosenwasser und Melancholie …“ Paolo Conte liefert keine linearen Geschichten, sondern transportiert Seelenzustände, erinnert an flüchtige Glücksmomente. Ein Anachronismus des Pop. So wie der ganze Mann aus der Zeit gefallen zu sein scheint: Er benutzt keine E-Mail, verschmäht das Mobilte-

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lefon, fertigt Interviewer gerne kurz und bündig ab. Seine Musik komponiert er in der Abgeschiedenheit seines Landhauses. Nachts. Wenn alles ruhig ist. Sich „die Schwingungen der Welt ändern“, wie Conte sagt. Dabei wirkt die überlegte Lyrik des Cantautore wie ein Gegenentwurf zur SMS-Geschwätzigkeit des modernen Alltags. Spendet sie beiläufigen Trost. Und lässt – bei allem Unwirschen, das Contes knarzender Stimme innewohnt– bisweilen die Lust am Tanz aufblitzen: „Er ein Roboter, sie allein entzündet den Mambo/

Conte spielt nach dem Krieg Vibraphon in lokalen Bands. Später verlegt er sich darauf, für andere zu schreiben: „Azurro“ etwa für Adriano Celentano. Seine eigene Stimme dagegen erscheint ihm „zu hässlich für eine Sängerkarriere“. Zudem passt Contes Verschlossenheit, sein linkisches Bühnengebaren so gar nicht zu dem damals Markt-gängigen Klischee des feurigen, extrovertierten Italo-Liebhabers. 1974 wagt er es dann doch: „Paolo Conte“ heißt das Album – und enthält schon viele der Zutaten seiner späteren Hits: Die mal lässig, mal müde wirkende Stimme, die aus Cabaret, Chanson, Zigeuner-Jazz und Musette zusammengeklaubten Melodien. Und nicht zuletzt der rückwärts gewandte Blick: Sein Leben lang, hat Paolo Conte einmal gesagt, habe er für den sprachlosen, einsamen und von Entbehrungen geprägten italienischen Mann der Nachkriegszeit gesungen. „Manchmal scheint es mir, als sei ich in ein falsches Zeitalter geboren. Als würde ich nochmal die Anfangstage des Kinos und die frühe Kunst-Avantagarde nacherleben wollen.“ Zum Glück weiß Conte die eigene Sehnsuchtsseligkeit immer wieder zu brechen: Etwa, wenn er im neuen Song „L’Orchestrina“ von einem „Furz im Dunklen“ singt. Neu erschienen: Paolo Conte „Nelson“ (Emarcy/Universal)

Fotos: Cicardini, Steven Perilloux

Lieder für den sprachlosen Mann der Nachkriegszeit


Charlie Haden

Sängerinnen als Aufputschmittel Charlie Hadens Quartet West feiert 25. Geburtstag. Zum Jubiläum gibt sich die Crème des weiblichen Jazzgesangs das Mikrofon in die Hand. Rundum zufrieden ist der legendäre Bassist trotzdem nicht, wie er Josef Engels in Berlin verraten hat.

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t’s jet lag time im Berliner Hotel Adlon. Charlie Haden macht einen leicht zerknitterten Eindruck und lässt sich ächzend in einen Sessel fallen. Er brauche jetzt dringend einen starken Espresso, murmelt der 73jährige Bassist. Dabei befindet sich das beste Aufputschmittel schon längst im Raum, ihm direkt gegenüber: seine Frau Ruth Cameron. In der folgenden Stunde hilft sie dem Gatten bei Bedarf auf die Sprünge, hat kein Problem damit, sich in der Rolle der bewundernden Zuhörerin zu üben, verlangt aber auch schon mal nach einem bestimmten Bassistenwitz (so viel sei verraten: Darin kommen ein Paar, das seit Jahren nicht mehr miteinander spricht, ein Therapeut und ein Kontrabass-Solo vor). Es gibt einige gute Gründe, dass Ruth Cameron beim Interview anwesend ist. Nicht nur dass sie Produzentin der CD „Sophisticated Ladies“ ist und sich in die illustre Schar der an der Aufnahme beteiligten Sängerinnen einreiht – ohne sie gäbe es das berühmte Quartet West, das mit dem Album seinen 25. Geburtstag feiert, gar nicht. Ruth Cameron war es nämlich, die Haden darauf brachte, eine Working Band im Raum Kalifornien zu gründen. Ein Quartett, dessen Spezialität es ist, die Magie alter Hollywood-Filme ohne falsche Nostalgie zum seelenwärmenden Klangereignis werden zu lassen. Die Besetzung der neuen Quartet-WestProduktion liest sich denn auch wie ein Blockbuster-Cast des derzeitigen populären Jazzgesangs: Melody Gardot, Norah Jones, Cassandra Wilson, Diana Krall und – als überzeugender Überraschungsgast aus dem klassischen Fach – Renée Fleming.

„Die Sängerinnen auf dieser Platte haben alle unterschiedliche Stimmen, Stile und Arten, die Songs zu interpretieren“, sagt Haden und nimmt die heutigen Vokalistinnen bei Vergleichen mit der älteren Generation in Schutz: „Damals wie heute fand man diese Unterschiede interessant – wenn man anspruchsvoll ist.“ Mit der letzten LiberationMusic-Orchestra-Einspielung „Not In Our Name“ wandte sich Haden bekanntermaßen gegen die Bush-Regierung. Soll man „Sophisticated La­dies“ jetzt als ve r s­ ö h n l i ch e n Soundtrack für die ObamaÄra verstehen? „Nein“, schnaubt der plötzlich sehr wache Bassist, „ich fürchte, ich muss demnächst eine Platte darüber machen, was Obama nicht tut. Er ist umringt von diesen Wall-StreetTypen, die diesen ganzen Schlamassel ver-

Modernist, Nostalgiker, Schöngeist, politischer Kämpfer – Charlie Haden ist ein Mann mit vielen Facetten

ursacht haben. Das sind Kriminelle, die mit Raub durchkommen!“ Die Gattin nickt und ist der Meinung, dass die neue CD ihres Mannes eine politische Aussage beinhaltet: „Diese Platte ist voller Schönheit. Ich bin der Meinung: Gerade in dieser Zeit ist Schönheit ein politisches Statement. Langsamkeit ist ein politisches Statement. Stille ist ein politisches Statement. Man muss nicht so expressiv wie Bertolt Brecht sein, um politisch zu sein.“ 

„Obama ist umringt von diesen Wall-StreetTypen, die diesen ganzen Schlamassel verursacht haben“


Die Sono -liste

Hier sind zwölf Musiker unter 40 Jahren, die die Jazzgiganten von morgen sein könnten. Von Hans-Jürgen Schaal

1. Stefano Bollani „Smat Smat“ Ein Bilderbuchitaliener: leidenschaftlich, humorvoll, virtuos, übersprudelnd. In seiner Heimat ist der Pianist Stefano Bollani (38) längst ein kleiner Popstar,

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mischt mit seiner Tastenhexerei die TV-Shows auf. Nach Konservatoriumsausbildung und praktischer Erfahrung als HipHopKeyboarder musste er geradezu zur Jazzkarriere überredet werden. Als Jazzsolist kennt er weder stilistische noch technische Grenzen (Label Bleu, 2003).

2. Mary Halvorson „Dragon’s Head“ In der New Yorker Neo-FreeSzene ist Mary Halvorson (30) der Diamant unter den Edelsteinen. In ihrer komplexen, verqueren, zuweilen aggressi-

3. Stefon Harris „Black Action Figure“ Sein Lehrgeld als Sideman der Großen hat er schon lange bezahlt – bei Joe Henderson, Wynton Marsalis, Cassandra Wilson und vielen anderen. Seit über einem Jahrzehnt gilt Stefon Harris (37) als bester Vibrafo-

nist der Szene. Aber längst ist er viel mehr, nämlich der große Orchestrator, Arrangeur, Wortführer und Klangvisionär seiner Generation, der auch vor Ellington und Tschaikowski nicht Halt macht. Mehrere Grammy-Nomi­ nierungen sprechen für sich (Blue Note, 1999).

Illustration: Fornfest

Sie glauben, die Giganten des Jazz seien am Aussterben?

ven Musik hat Halvorson eine der eigenständigsten Stilistiken entwickelt, die die E-Gitarre je erlebt hat. Die Lieblingsbesetzung der Bostonerin, die ein wenig wie ein hochbegabter Teenager wirkt, ist das Trio mit Bass und Schlagzeug (Firehouse 12, 2008).


4. Håkon Kornstad „Single Engine“

7. Nicholas Payton „From This Moment“

10. Marcin Wasilewski „Trio“

Jazz aus Skandinavien ist oft nur unverbindlich melancholisch. Der Saxofonist Håkon Kornstad (33) jedoch gibt sich damit nicht zufrieden, er gräbt in die Tiefe, reduziert seine Musik auf radikale Weise und erfindet das Timbre des Saxofons von Grund auf neu. Der Norweger aus dem Umkreis von Bugge Wesseltoft vermag ein ganzes CD-Programm fast im Alleingang zu spielen: Klangwurzel-Behandlungen mit Loops, Samples und selbst gebastelten Instrumenten (Jazzland, 2007).

Nach Wynton Marsalis und Terence Blanchard war Nicholas Payton das nächste Trompetenwunder aus New Orleans. Schon mit 19 blies er Unglaubliches in Elvin Jones’ Jazz Machine, mit 21 machte er sein Leader-Debüt bei einem Majorlabel, dann glänzte er in Robert Altmans Film „Kansas City“. Sein Verständnis auch für die traditionelle Jazztrompete lässt Nicholas Payton (37) heute schon wie einen zeitlosen Klassiker erscheinen (Verve, 1995).

Sein Namensbruder beim RSC Anderlecht muss eine Menge einstecken können. Das wäre nichts für den polnischen Feingeist, der für den sanftesten Klaviertastenanschlag seit Bill Evans gelobt wird. Sein Trio mit den Herren Kurkiewicz und Miskiewicz leitet Wasilewski (35) seit 20 Jahren. Zu internationalem Ruhm kam es als Begleitband beim Comeback des Trompeters Tomasz Stanko. (ECM, 2005).

8. Christian Scott „Anthem“

11. Nils Wogram „Affinity“

5. Rudresh Mahanthappa „Kinsmen“ Seit Jahrzehnten flirtet der Jazz mit der indischen Musik. Rudresh Mahanthappa (39) schließt nun endlich die Lücke: Der Saxofonist aus Colorado mit indischen Wurzeln verbindet in seiner Musik die verschiedenen Klangsprachen und Ausdruckshaltungen. Seine Mitstreiter findet er unter geistesverwandten Kulturgrenzgängern wie Vijay Iyer, Samir Chatterjee, Rez Abbasi, chander Sardjoe und Kadri Gopalnath (Pi Recordings, 2008).

6. Jason Moran „Modernistic“ Er ist schon ein viel beachteter Gigant: Jason Moran (35) aus Texas hat die ganze Musikgeschichte in seinen Fingerspitzen – von Stride bis Free, von Klassik bis Hip Hop. Und er zaubert daraus ständig Neues, Innovatives, Verblüffendes. Ob Charles Lloyd, Joe Lovano oder Lee Konitz: Die Bandleader reißen sich um diesen Pianisten, der alles besser und origineller macht als andere. Zahlreiche Auszeichnungen sind die Folge. (Blue Note, 2002).

Und noch ein weiteres verblüffendes Trompetentalent aus New Orleans: Der modebewusste Christian Scott (27) gilt vielen als der neue Miles Davis. Scotts wundersame Trompete kann flüstern und schreien, seine Musik besitzt die Intensität der 60er Jahre, den offenen Geist der Fusion-Ära und die Power des Rock. Diesem Tributalbum an die von Katrina verwüstete Heimatstadt am MIssissippi hört man an: Hier ist ein ganz Großer mit Volldampf unterwegs in den Jazzolymp (Concord, 2007).

D a s s m e h r f ach e „ Ju ge n dmusiziert“-Sieger der weltbeste Posaunist seiner Generation sei, raunt man schon lange. Aber

Nils Wogram (38) war immer nur das Spielen wichtig, nicht die Anerkennung. Ob komplexe Hirnmusik, gefühlsechter Mangelsdorff oder bodenständige Swingposaune: Wogram ist überall zu Hause. Eines seiner Projekte: sein Orgeltrio Nostalgia (Intuition, 2008).

12. Michael Wollny „[ em ] II“ O r i g i n a l it ä t u n d Ü b e r r aschung sind Programm beim Pianisten Michael Wollny (32). Sein Trio [ em ] gehört zu den erfrischendsten Erscheinungen der Szene – mal schrill, mal tiefgründig, immer kurzweilig und nie Klaviertrioroutine. Als Part­ner der Altmeister Heinz Sauer und Joachim Kühn sowie mit seinen Solowerken liefert der Schweinfurter immer Unerwartetes (ACT, 2006).

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9. Hiromi „Spiral“ Japanische Pianistinnen werden gerne mit Nähmaschinen verglichen: sie seien technisch perfekt und nur schwer aus dem Takt zu bringen. Die zierliche Hiromi (31) besitzt weit mehr: Witz, Charme, Swing und ungeheuere Spontaneität. Als gleichwertige Partner für die blitzschnelle Keyboarderin kommen nur noch Fusion-Cracks höchsten Kalibers in Frage. Hiromi Ueharas hellstes Vorbild im Jazz ist natürlich Schnellfinger Oscar Peterson (Telarc, 2005).

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Auch ohne „Jingle Bells“ im Winter keine Frustbeule: Silje Nergaard

Could Wrap Up A Kiss“ griff sie denn auch bewusst nicht auf die „üblichen Verdächti­ gen“ von „Jingle Bells“ bis „White Christmas“ zurück, sondern suchte sich Songs wie Joni Mitchells Klassiker „River“ und auch einige unbekanntere norwegische Lieder, die zwar zur winterlichen Thematik passen, aber eben noch nicht auf Christmas-Samplern zu Tode kompiliert wurden. Ohnehin ist Nergaards Neue genau bese­ hen eher ein „Jahreszeiten-Album“, wie sie es selber nennt – darum verweist auch der Titel nicht explizit auf die Feiertagsthematik. „Ich wollte im Grunde ein Album, das zu der Stimmung passt, in die die meisten von uns im Winter kommen, wenn wir uns zu Hause einigeln und mal etwas zur Ruhe kommen möchten.“

sil je Nerga ard

Neuland im Winter

Norwegens erfolgreichste Jazzsängerin offeriert mit „If I Could Wrap Up A Kiss“ ein Weihnachts­ album der etwas anderen Art. Von Christian Stolberg

S

ilje Nergaard, die 44jährige norwegi­ sche Sängerin, die sich als souveräne Gratwandlerin zwischen Jazz und Pop international durchgesetzt hat, ist eigentlich keine große Liebhaberin von Weihnachts­ alben, wie sie beim Telefonat mit SONO be­ kennt: „Ich habe genau sechs Stück in meiner Sammlung. Aber es gibt eines, das mich, wie viele andere bei uns hier in Skandinavien, begeistert hat: das legendäre ‚It’s Snowing On My Piano’ von Bugge Wesseltoft – damit hat

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es auch zu tun, dass mich die Herausforderung reizte, es mal selbst mit einem Weihnachtsalbum zu versuchen.“ Gut ein Jahr hat sich Silje Nergaard in die Materie hinein gewühlt –damit betrat sie in doppelter Hinsicht persönliches Neuland, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Jazzsängerinnen war die als Songkompo­ nistin produktive Lehrertochter bisher eher sparsam mit dem Aufnehmen von Coverver­ sionen. Bei der Auswahl der Stücke für „If I

Zudem hatte Nergaard den Ehrgeiz, eige­ ne Songs für das Album zu schreiben, die ne­ ben den Standards bestehen können sollten. Fast überraschend, dass dies das erste Ner­ gaard-Album mit Songs in zwei Sprachen ist – bislang hatte sie sich bei jeder CD entweder komplett für norwegische oder für englische Texte entschieden. „Wenn ich im Ausland auf Tournee bin, freuen sich die Leute immer besonders über die Songs in norwegischer Sprache, das hat mich ermutigt, jetzt mal die Sprachen locker zu mischen.“ Locker klingt auch der Titelsong, ein Duett mit dem deutschen Swing-Star Roger Cicero („Ich kenne ihn schon seit Jahren und habe beim Schreiben sofort an seine Stimme gedacht“), deutsche Hörer werden außer­ dem beim einzigen Instrumental des Albums aufmerken – da bringt Nergaards Band das deutsche Weihnachtslied „Es ist ein Ros’ ent­ sprungen“ zum Swingen. Es rundet ein ent­ spanntes, überwiegend fröhliches Album ohne klebrige Christbaumsentimentalität ab – verdienstvoll, dass es mit Nergaards Eigen­ komposition „The Very First Christmas Wi­ thout You“ auch einen Song gibt, der daran erinnert, dass die Feiertage für manche Men­ schen durchaus schmerzhafte Gefühle mit sich bringen können.

Foto: Agnete Brun

„Im Ausland freuen sich die Leute immer besonders über die Songs in norwegischer Sprache“


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Andrea s Scholl & Philippe Jaroussk y

Einsamkeit, wie klingst du so schön

Zwei Countertenöre, ein Versprechen: Philippe Jaroussky und Andreas Scholl garantieren höchsten Genuss auch noch im Leiden. Von Jürgen Otten

nität der Darbietung und ebenso die Emphase, mit der dieser Countertenor die einzelnen Werke durchdringt. Während Andreas Scholl früh wusste, dass er eine außergewöhnliche Countertenorstimme besitzt, bedurfte es bei Philippe Jaroussky einer plötzlichen Initialzündung. Die kam, als der bei Paris aufgewachsene Künstler (der sich zunächst als Geiger und Pianist versucht sowie Harmonielehre und Komposition studiert hatte) in einem Konzert mit barocker Musik einen Countertenor hörte. Da wusste er: So einer will ich auch werden. Meine Stimme gibt das her.

Ihr Metier: mehr als nur Barock

U

nermessliches Leiden hier wie dort, wiewohl unterschiedlich gefügt. Hier ist es Jesus Christus, der gestorben ist, dort der Geliebte Aeneas, der auf Nimmerwiedersehen entschwand. Immens ist der Jammer jedenfalls. Und so klingt er auch: Mit dicken vokalen Tränen wird der Verlust beklagt und ist doch an Schönheit kaum zu überbieten. In wundervoll kantable Formen sind beide Stücke gefügt, sowohl das Duett „Lumi potete piangere“ von Giovanni Legrenzi als auch das berühmte Lamento „When I Am Laid In Earth“ aus Henry Purcells Oper „Dido And Aeneas“. Eng schmiegen sich zumal die Gesangslinien aneinander, verschlingen melismatisch, treiben für Augenblicke wieder auseinander, um erneut eins zu werden. Solcher Gesang verhallt nicht ungehört. Seine Schönheit ist allzu groß. Man wird süchtig danach, nach der Reinheit der Stimmen. So singen Engel. Dabei sind es nur Menschen. Eine Sopranistin (Nuria Rial, als

Fa r i n e l l i & Co . Vorgänger der Countertenöre Countertenöre nennt man männ­ liche Sänger, die dank ausgefeilter Kopfstimmentechnik in Alt- oder sogar Sopranlage singen können. Im heutigen Konzertbetrieb in­ terpretieren sie häufig (aber nicht ausschließlich!) Kompositionen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die seinerzeit von Kastraten wie dem Italiener Carlo Broschi alias Farinelli (1705 bis 1782, s. Bild) gesungen wurden. Diese Sänger wurden vor der Pubertät kastriert, um ihre Knaben­ stimme zu erhalten. (RGU)

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Duettpartnerin im Legrenzi) und, vor allem, zwei Countertenöre: Philippe Jaroussky und Andreas Scholl. Letztgenannter ist schon so lange im Geschäft, dass sein Name fast in Vergessenheit zu geraten drohte – wäre da nicht die neueste Aufnahme „O Solitude“, in der Andreas Scholl sich erneut von seiner vokal zartesten Seite zeigt. Betörend intensiv ist seine Stimme, beeindruckend die stilistische Souverä-

Wer ihn gehört hat, wird es kaum bezweifeln. Es ist die Natur, die hier wirksam wird. Oder anders gesagt: Jarousskys Kopfstimme. Sie ist so veranlagt, dass er gar nicht viel tun muss, um in ätherische Höhen hinaufzusteigen. Die Stimme macht das ohne großen Druck. Sie braucht keinen Antriebsmotor. Und so klingt sie auch: als glitt sie über den Dingen dahin, wie ein Segelflugzeug. Alles so leicht: leichter als alles andere. Kein Wunder, dass Jaroussky Tausende von Menschen verzückt mit seinem Gesang, egal ob auf CD oder live.

Souveräner Routinier: Der Deutsche Andreas Scholl ist ein Meister seines Fachs


Zucchero

Sein persönlichstes Album Freundlicher Auf­s tei­ ger: Dem Franzosen Jaroussky fliegen der­ zeit die Herzen zu

Chocabeck

Foto: Simon Fowler

Jetzt überall! Man vermeint, an diesem Dahingleiten teilzuhaben, man wird erhoben. Musik ist sui generis dazu imstande. Doch die Stimme ist es womöglich mehr noch als eine Violine und ein Klavier. Eine Stimme spricht direkter zu den Menschen. Eine Stimme ist nackt. Ein Geiger könne auf einer Stradivari zwar so eindrucksvoll spielen, dass man durchaus imstande sei hinwegzuschmelzen, sagt Jaroussky. Aber es sei nicht der Geiger, der den Klang macht, es sei die Stradivari. Der Sänger hingegen erzeuge den Klang selbst, aus sich selbst heraus. „Wenn ich sterbe, stirbt auch meine Stimme. Vielleicht spüren das die Menschen.“ Sie spüren es. Und natürlich lieben sie die ganze Erscheinung dieses androgyn wirkenden Beaus, sein freundliches Auftreten auf und hinter der Bühne, sein Lächeln, seinen Charme. Aber vor allem lieben sie das Andere, das diese Stimme verkörpert. Das Weltentrückte, Weltverrückende. Das Barockzeitalter ist dafür die richtige Epoche. In den musikalischen Schöpfungen dieser Zeit wimmelt es von mythischen Gestalten und waltet häufig Amor als Sinnstifter. Diese Musik lockt den Menschen aus seinem verspannten Körper heraus, sie sorgt dafür, dass er unversehens innehält.

„Wenn ich sterbe, stirbt auch meine Stimme. Vielleicht spüren das die Menschen.“ Philippe Jaroussky

Vielleicht erklärt das den ungeheuren Aufschwung dieser Musik und eben auch den Erfolg eines Philippe Jaroussky. Er selbst sonnt sich darin. Sucht aber zugleich weiter, auch nach Musik abseits des barocken Hauptpfades. Beeindruckend seine Entdeckungen von Werken Johann Christian Bachs und Antonio Caldaras. Nachgerade grandios die Aufnahme mit französischen Liedern des 19. Jahrhunderts. Mochte die Lesart ausgerechnet in Frankreich heftiger Kritik ausgesetzt sein, ihre Qualität bleibt davon unberührt. In zartesten vokalen wie farblichen Nuancen wird da die Liebe besungen. Die Liebe und das Leiden an ihr. Von dieser Musik umhüllt, könnte man sterben.

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Welcome back to real music!

ELTON JOHN & LEON RUSSELL

zwei Genies ...

THE UNION ein Meisterwerk!

Produziert von T Bone Burnett u.a. mit Neil Young, Brian Wilson, Booker T., Grace Jones, Paul McCartney u.v.m.


POP, Rock & co die pop-cd des monats

Cowboy Junkies „Renmin Park – The Nomad Series Volume 1“ Proper Records/RTD Alphaville „Catching Rays On Giant“ Marian Gold/Polydor/ Universal [Synthiepop] Die Band aus Ber-

lin um Sänger Marian Gold, die in den 80ern mit Hits wie „Forever Young“ und „Big In Japan“ weltweit Erfolge feierte, meldet sich 13 Jahre nach „Salvation“, dem letzten Studioalbum, mit einem neuen Longplayer zurück. Ihr Comeback haben Alphaville in aller Ruhe vorbereitet. Für ihr neues Album konnte die Band, die neben Marian Gold heute aus Keyboarder Martin Lister, Gitarrist David Goodes und Schlagzeuger Jakob Kiersch besteht, kreativ aus dem Vollen schöpfen. Die 14 neuen Songs sind die Bilanz von sechs Jahren harter Arbeit. Alphaville wissen auch heute noch ganz genau, wie ein perfekter Popsong klingen muss. Auf „Catching Rays On Giant“ finden sich davon gleich eine ganze Reihe, angefangen beim unwiderstehlichen Opener „Song For No One“ und der ersten Single „I Die For You Today“ über das ungewohnt rockige „The Things I Didn’t Do“ bis hin zu samtweichen Balladen wie „Heaven On Earth“.  Robert Wallner Wissenswert: Alphaville feierten 2009 ihr 25jähriges Band­jubiläum mit einem vielbejubelten Konzert in Prag.

Aloe Blacc „Good Things“ STONE THROW RECORDS/ UNIVERSAL

[R&B, Soul] In so sonnige Songs verpackt hat man explizite Sozial-

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M

it ihrem 16. Album hat sich die langlebige kanadische Gruppe um die Geschwister Margo und Michael Timmins allerhand vorgenommen: Zum einen soll „Renmin Park” der Auftakt zu einem Zyklus von vier Alben sein, die allesamt innerhalb der nächsten anderthalb Jahre das Licht des Marktes erblicken sollen – daher der Untertitel „The Nomad Series, Vol.1“. Zum anderen wollen die Cowboy Junkies mit diesem Album die Eindrücke verarbeiten, die Michael Timmins und seine Familie während eines dreimonatigen Aufenthalts in China gewannen (wo sie weilten, um zwei chinesische Kinder zu adoptieren), – und ergo den denkbar westlichen, auf uramerikanischen Folkund Country-Traditionen gründenden Stil der Band mit fernöstlichen Impressionen zusammenbringen. Das Erstaunliche: Es gelingt! „Renmin Park“ ist eine Art Konzeptalbum, das die fiktive Geschichte eines Liebespaars erzählt, das nie zusammenkommen kann. Verpackt wird diese Story in die CJ-typischen, meist zeitlupenartigen, mitunter leicht psychedelisch angeschrägten Songs, die Michael Timmins allerdings gelegentlich mit allerlei vor Ort in China aufgenommenen und teils zu Loops gebündelten Geräuschen anreichert. Zwei Stücke stammen von chinesischen Autoren und wurden ins Englische übersetzt. Sie komplettieren das bisher vielschichtigste und abwechslungsreichste Album der Cowboy Junkies.  Christian Stolberg Wissenswert: Die Cowboy Junkies schafften 1988 mit ihrem zweiten, in einer Kirche in Toronto aufgenommenen Album „The Trinity Sessions“ den internatio­ nalen Durchbruch. Ihr Markenzeichen ist ihr Bekenntnis zur Langsamkeit, die ihren an sich an bodenständigen Traditionen orientierten Songs oft einen fast schon meditativen Charakter gibt.

kritik und politische Statements schon lange nicht mehr dargereicht bekommen. Aloe Blacc, ein in Los Angeles geborener Sohn panamesischer Einwanderer, singt auf „Good Things“ von Arbeitslosigkeit, Armut, Ungerechtigkeit, Umweltzerstörung – ganz im Geist und über weite Strecken auch im Sound von Marvin Gaye oder Curtis Mayfield. Es ist der Soul der späten 60er und frühen 70er Jahre, der das Album prägt. Gelegentlich weht ein karibischer Wind durch die Arrangements, dann fühlt man sich auch mal an Johnny Nash oder Jimmy Cliff erinnert. Wer seine Black Music naturbelassen und frei von stereotypen Computersounds mag, wird dieses Rertro-Politsoul-Album als äußerst angenehm empfinden. In den letzten Wochen hat sich Aloe Blacc mit einer Tournee auch live

in Kontinentaleuropa und auf der britischen Insel vorgestellt - hoffentlich haben ihm da alle genau genug zugehört!  Christian Stolberg Ähnlich wie: Curtis Mayfield, Marvin Gaye, Johnny Nash, Timothy Thomas

Ali Campbell „Great British Songs“ Ear Music/Edel [Reggae-Pop] Ali Campbell ist bekannt geworden als sanfteStimme von UB40, jener politisch engagierten Reggae-Pop-Band aus Birmingham, die sich einst nach

der Abkürzung für das Formular benannte, mit dem man in Großbritannien Arbeitslosenhilfe beantragt. Auf seinem vierten Soloalbum hat sich der Brite ein schönes Dutzend bestens eingeführter Songs aus der Pophistorie seines Landes vorgenommen, um sie zu „sublime covers“ zu verarbeiten, wie ein Sticker auf der Albumhülle verspricht. Nun, seine Versionen von „He Aint Heavy, He’s My Brother“ und „Carrie Anne“ (beide ursprünglich von den Hollies) sind eher seicht. Verblüffend intensiv gelingt dagegen Campbells Fassung von „Love Is The Drug“, weil ihr schleppender Dub-Groove die schwüle Atmosphäre des Roxy-Music-Originals noch steigert. Und der StonesKlassiker „Honky Tonk Women“ bekommt im Dreadlock-Gewand eine verführerische, spielerische Note.  Christian Stolberg Hintergrund: Mit UB40 hatte Ali Campbell weltweite Hits wie „Can’t Help Falling In Love“ oder „Kingston Town“. verkaufte über 60 Millionen Tonträger. Material: Auf „Great British Songs“ interpretiert Campbell Stücke u. a. von den Beatles, Rolling Stones, Rod Stewart, Free, The Who, den Kinks und Gerry Rafferty.

Kenny Chesney „Hemingway’s Whiskey“ RCA Country/Sony Music [Country/Rock] In Amerika füllt der etwas kleinwüchsige Countryriese die größten Arenen – hierzulande nimmt man kaum von ihm Notiz. Das wird sich auch nach Kenny Chesneys neuestem Werk „Hemingway’s Whiskey“ kaum ändern. Denn es gilt: alles beim Alten. Wieder rührt der warmkehlige, leider auch etwas eindimensional phrasierende Sänger einen Cocktail aus Karibikflair („Coastal“), Gute-


Laune-Songs („Live A Little“), Eagles-typischen („Somewhere With You“) und stadiontauglichen Country-Rock-Klängen („The Boys Of Fall“) an. Seine ruhige Seite lebt er im Duett mit Grace Potter („You And Tequila“), sein Faible für Countrynostalgie mit George Jones („Shall Y’all“) aus. Vor seinem Hero Hemingway zieht er natürlich auch wieder den Cowboyhut. Wie gesagt: alles beim Alten.Gunther Matejka

Deep Purple „Come Taste The Band“ (35th Anniversary Edition) EMI [Hardrock] Das erste DeepPurple-Album der Post-Blackmore-Ära (das vorläufig auch das letzte bleiben sollte) litt vor allem daran, daß es mit dem, was die Welt von Deep Purple erwartete, nichts zu tun hatte. Das Argument, die alte Hardrock-Dampflokomotive hätte sich spätestens nach dem Einstieg des genialen Gitarristen Tommy Bolin (der seine Vorliebe für Funk und Soul mit Bassist Glenn Hughes teilte) umbenennen sollen, fand viele Befürworter, als die Platte im November 1975 erschien und sich eher schleppend verkaufte. Dabei hatte die Sache hoffnungsvoll begonnen; beim Proben und den Aufnahmen im Münchner Musicland-Studio zeigte sich die Band überraschend inspiriert und hoffte auf einen Neubeginn und den Ausbruch aus der Tretmühle der Ritchie-Jahre. Vielleicht ging alles zu schnell, um mehr als ein paar wirklich bombige Songs abzuwerfen (vor allem: „Gettin’ Tighter“ und „You Keep On Moving“), schließlich war Bolin erst zwei Monate dabei, kannte Deep Purple davor nicht und mußte nebenbei ein Soloalbum aufnehmen. Danach ging alles noch schneller:

Glenn Hughes ernährte sich fast ausschließlich von Kokain, Bolin entpuppte sich als Junkie (er starb im Dezember 1976 an einer Überdosis); nach diversen Zusammenbrüchen und einer katastrophalen UK-Tour im März 1976 schmissen die verbliebenen Urmitglieder Jon Lord und Ian Paice den Bettel hin. Dann kam Punk, Deep Purple verschwanden für Jahre aus dem kollektiven Gedächtnis, und „Come Taste The Band“ blieb selbst nach dem Comeback ignoriert und vergessen wie ein Schandfleck im Familienstammbaum. Das hat die Platte nicht verdient; es gibt weitaus schwächere Purple-Alben, und die Neuauflage (die erstmals remasterten Originalaufnahmen, ein Gesamtremix von HardrockStarproduzent Kevin Shirley und drei Bonustracks auf zwei CDs) lohnt die Entdeckung nicht nur für Fans. Michael Sailer Trivia: Auch das Cover ist ein Remix: Das gravierte Originalglas sei mit dem vom damaligen Sänger David Coverdale promoteten 2008er Whitesnake-Zinfandel neu befüllt worden, behaupten die Herausgeber.

Chi Coltrane „Yesterday, Today & Forever – The Essential“ Ariola/Sony Music

[Singer-Songwriter] In den 70ern gehörte sie neben Carole King, Laura Nyro und Carly Simon zur ersten Liga der SingerSongwriterinnen, die mit persönlich-sensiblen Songs einen Kontrapunkt setzten zum Machismo der Rockszene. Doch Missmanagement und später eine lange Krankheit warfen Chi Coltrane aus der Bahn. Nun völlig genesen hat sie wieder einen Plattenvertrag bei einem Major. Resultat ist der erste von der Künstlerin persönlich zusammengestellte Karriererückblick, der anders als die

1989 lieblos kompilierte „Best Of“CD auch Songs von ihren späteren Alben bietet und Klassiker wie „Thunder & Lightning“, „Go Like Elijah“ und „You Were My Friend“ endlich digital remastert präsentiert. Und ein neuer Song, eine elegische Streicherballade, macht Lust auf das kommende Studioalbum, das 2011, flankiert von einer Tour, erscheinen soll.  Heiko Große

aus Tucson, Arizona, mit „The One And Only“. Robert Wallner

Weiterhören: „Time And Love – The Essential Masters“ von Laura Nyro, „Anthology“ von Carly Simon, „The Essential“ von Carole King

Tom Gaebel „Easy Christmas“

Diverse „Le Pop 6 – les chansons de la nouvelle scene francaise“ Le Pop Musik/Groove Attack [Nouvelle Chanson/Pop/Folk] Das Kölner Label Le Pop Musik ist seit acht Jahren eine feste Instanz in Sachen Nouvelle Chanson. Den beiden Labelbetreibern Rolf Witteler und Oliver Fröschke gelingt es mit jeder Ausgabe der Neo-Chanson-Reihe aufs Neue mit neuen Namen zu Überraschen. Auch mit der sechsten Ausgabe von „Le Pop“ halten die beiden mühelos das hohe Niveau der Vorgängerausgaben und verwöhnen die Ohren mit allerlei leckeren Songmeisterwerken, ausgegraben zwischen Paris und Montreal. Die Auswahl ist auch diesmal wieder formidabel, angefangen beim zauberhaften Opener „La vie cajun“ von Feloche, einem ehemaligen Mitglied der russischen Punkband VV, der hier seiner Begeisterung für sumpfige New-Orleans-Sounds in der Tradition eines Dr. John freien Lauf lässt. Nicht weniger überzeugend klingen aber auch die Beiträge von Cœur de pirate („Pour un infidele“) , Tom Poisson („Trapéziste“) und natürlich Marianne Dissard

Hintergrund: Von den 16 Songs auf dem Album sind 14 in Deutschland bisher unveröffentlicht.

Telemedia/Indigo

[Swing/Easy Listening] Der Mann will’s wirklich wissen – kaum hat uns Tom Gaebel mit seinem gelungenen Easy-ListeningAlbum „Music To Watch Girls By“ beehrt, ist der umtriebige Ibbenbürener nun als einer der ersten in der Saison 2010/2011 mit einem Weihnachtsalbum am Start. Das ist stilistisch genau zwischen seinen klassisch swingorientierten Arbeiten und dem poppigeren Easy-Listening-Ansatz angesiedelt – einen Standard wie „Santa Claus Is Coming To Town“ schüttelt er mit lockerer Bratpack-Attitüde aus dem Ärmel, Chris Reas „Driving Home For Christmas“ hingegen bekommt ein elegantes Easy-Listening-Gewand. Lounge-König Burt Bacharach ist mit „The Bell That Couldn’t Jingle“ unter den Autoren ebenso vertreten wie Mel Tormé und Irving Berlin. Gaebel traut sich auch mit einigen eigenen Kompositionen ran – und die halten sich achtbar im Vergleich mit den bewährten Xmas-Evergreens. Die Arrangements sind wie stets bei Gaebel blitzsauber, die Bläser strahlen, die Chöre leuchten, die ganze Chose swingt – und Gaebel himself nimmt sängerisch jede Klippe mit traumwandlerischer Lässigkeit.„Baby It’s Cold Outside“ mit einer geschickten Katrin Bauerfeind als Duettpartnerin ist die hübsche, clevere Pointe, die ein gut gelauntes Weihnachtsalbum krönt.  Felix Marondel Ähnlich wie: Frank Sinatra, Dean Martin

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POP, Rock & co

KT Tunstall „Tiger Suit“ Relentless/EMI [Pop] Gleich ein ganz neues Musikgenre hat KT Tunstall nach eigener Einschätzung auf ihrem dritten Album für sich erfunden. Bei genauerem Hinhören klingt dieser „Nature Techno“ allerdings gar nicht so neuartig. Nach wie vor prägen treibende Rhythmen, markante Gitarrenklänge und ihre charismatische Stimme das Werk von Tunstall. Die Basis besteht auf „Tiger Suit“ allerdings in der Tat verstärkt aus elektronischen Beats. Wie diese Mischung in Perfektion klingen kann, verdeutlichen gleich der enorm eingängige Opener „Uummannaq Song“ und das folgende „Glamour Puss“. Dass Tunstall es aber auch weiterhin versteht, mit ruhigeren Klängen Akzente zu setzen, beweisen das gesanglich anspruchsvolle „Difficulty“ und das nachdenkliche „The Entertainer“, das den Ausklang dieses ingesamt gelungenen Albums markiert.  Jörg Laumann Wissenswert: „Tiger Suit“ wurde komplett in den Hansa-Studios in Berlin aufgenommen. Downloadtipps: „Uummannaq Song“, „The Entertainer“, „Difficulty“

Richard Marx „Stories To Tell“ Wrasse Records/Harmonia Mundi

[Rock/Singer-Songwriter] Vor 23 Jahren legte Richard Marx mit seinem selbstbetitelten Debütalbum den Grundstein zu einer bemerkenswerten Karriere als Sänger und Songwriter, die er auf

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„Stories To Tell“ Revue passieren lässt. Elf Songs präsentiert Marx hier in neuen, extrem reduzierten Versionen nur mit Gitarren- und Pianobegleitung und zeigt dabei, dass sich auch seine Kompositionen jüngeren Datums wie „Over My Head“ (2008) nicht hinter Megahits wie „Endless Summer Nights“ oder „Right Here Waiting“ verstecken müssen. In der sieben Tracks umfassenden Bonussektion geht er dann doch mit kompletter Bandbesetzung zu Werke und bietet seine Interpretationen von Songs, die von ihm für andere Acts geschrieben wurden. Besonders gelungen: „This I Promise You“, das N’Sync populär machten und das Marx offenbar selbst so gut gefällt, das es gleich zwei Mal (auch akustisch) auf diesem Album auftaucht. Jörg Laumann Wissenswert: Auch Marx-Kompositionen für Josh Groban, Keith Urban und Cliff Richard sind auf dem Album vertreten. Downloadtipps: „Over My Head“, „Should’ve Known Better“, „This I Promise You“ (Bonus)

mit betörender Gelassenheit präsentiert. Man hört ihm an, dass er seine Lehrgelder bezahlt hat, und glaubt ihm die dezente Melancholie, mit der er seine Erinnerungen umgibt. Aber man merkt auch sehr schnell, dass die Erfahrungen seiner Jahre als tingelnder Aushilfsmusiker und als Tourkollege von Entertainmentprofis wie Cliff Richard sein Gespür für Feinheiten geschärft haben. „One Day Soon“ klingt ein bisschen wie das Album, dass sich viele von Chris Rea gewünscht hätten, ein Reigen folk poppig besonnener Lieder, vorgetragen mit dem samtenen Bariton von Gordon Haskell.  Ralf Dombrowski Downloadtipps: „The Fools Of Yesterdays“, „Some Sins“

Buddy Guy „Living Proof“ Sony

Gordon Haskell „One Day Soon“ Care/Edel [Laid-Back-Rock] Inzwischen lebt Gordon Haskell auf einer griechischen Insel. Aber er ist ganz gut herum gekommen, zunächst im Umkreis des britischen Progrock als Bassist und Sänger von King Crimson, dann eine Zeitlang weniger erfolgreich in den Bars dieser Welt, bis ihm vor acht Jahren mit „How Wonderful You Are“ überraschend ein Hit gelang. Nun also Inselleben, produktive Abgeschiedenheit, Zeit für Nachdenklichkeit. Sie tut Gordon Haskell gut, denn im Laufe der vergangenen Monate und Jahre sind ihm zwei Handvoll Songs zugeflogen, die er auf „One Day Soon“

[Blues] Man muss Buddy Guy einfach für seine Unverfrorenheit lieben, mit der er in die Gitarre greift. Das lärmt, als hätte er nicht bereits ein knappes Dreivierteljahrhundert auf dem Buckel, ganz die alte Schule pentatonischer Redundanz, die den Blues bei richtiger Handhabung zu einer Eruption der Emotionen werden lässt. Nun kokettiert auch „Living Proof“ mit der Historie, wenn Buddy Guy etwa zu Beginn betont, dass er noch nicht unter die Abwrackprämie fällt. Nur, im Unterschied zu mancher Ruine des Geschäfts gelingt es ihm mit Blueskrachern wie „Key Don’t Fit“ und dem Titelsong, sich sowohl als emphatischer Sänger wie als röhrender Gitarrist mit urtümlicher Energie zu behaupten. Insider kolportieren, Buddy Guy sei wegen seiner Liebe für rauchende Verstärker längst taub. Aber wenn es dazu führt, dass einer derart donnernd in seinen Lebensabend

rockt, dann muss er glücklicher sein als manch einer, der die zehntausend Hertz noch ahnt. Das Album „Living Proof“, bei dem übrigens Carlos Santana und B. B. King als Gäste ausgeholfen haben, ist daher ein Manifest gegen die Trägheit. Rock’n’Roll!  Ralf Dombrowski Wissenswertes: Wer lärmen will wie der Meister, für den gibt es eine Buddy-Guy-Stratocaster. Downloadtipp: „Where The Blues Begins“

Thin Lizzy „Thin Lizzy/Shades Of A Blue Orphanage/ Vagabonds Of The Western World“ Decca/Universal [Hardrock] Der im Januar 1986 verstorbene Phil Lynott war der Prototyp des Außenseiters: schwarzer Ire, unehelich in England geboren, Arbeiterkind, Bassist als Bandleader, und das im von weißen Mattenträgern und Gitarrenheroen dominierten Hardrock der 70er. Mit Heavy Metal, wie oft unterstellt, hatte seine Band aber nie etwas zu tun: Die Wurzeln von Thin Lizzy lagen in der irischen Volksmusik (und Literatur) ebenso wie im psychedelischen Bluesrock der 60er, und Lynotts dramatisch-poetische Texte erinnerten eher an Bob Dylan als an das, was andere Hardrocker zu ihren Riffs krähten. Zudem besaß er eine ungeheuer seelenvolle Gesangsstimme (an Jimi Hendrix und Van Morrison geschult). Die ersten drei, mit Eric Bell (Gitarre) und Brian Downey (Schlagzeug) eingespielten Alben, 1971 bis 1973 erschienen, waren Flops, denen auch die Hitsingle „Whiskey In The Jar“ (1972) nicht helfen konnte – und sie sind auch ohne die vielen Bonustracks der Neuauflage wahre Schatzkisten


für Liebhaber guter Rockmusik, randvoll mit großartigen, bis ins kleinste Detail fein und ideenreich ausgearbeiteten Songs, stilistisch schier überbordend zwischen bewegender Melancholie und beißendem Funkrock. Zumindest das dritte sollte in keiner Sammlung fehlen: Grooviger, mitreißender, sexyier, intelligenter, ehrlicher und gefühlvoller geht’s nicht. Dass Thin Lizzy noch bis zum sechsten Album „Jailbreak“ (1976) hungern mussten, mag man kaum glauben. Svevo Bandini

zeit ihrem souveränen, mitunter etwas kühlen Gesang den Vortritt lassen. So entsteht gepflegter Singer-Songwriter-Pop für ein erwachsenes Publikum mit JazzSensibilities, dem man bei allem guten Geschmack allerdings noch den einen oder anderen Temperamentsausbruch gönnen würde.  Christian Stolberg Passt zum: herbstlichen Sonntagnachmittagstee. Klingt ähnlich: Fredrika Stahl, Sarah McLachlan, Joni Mitchell

Trivia: Um Geld zu verdienen, nahmen Thin Lizzy 1972 unter dem Namen Funky Junction ein Album mit Deep-Purple-Coverversionen auf.

Morrissey „Bona Drag“ Major Minor/EMI

Kathrin Scheer „Rare“ Traumton/Indigo

[Singer-Songwriter/Pop] Zu den augen- und ohrenfälligsten Phänomenen der letzten Jahre im Bereich des erwachsenen Pop und Jazz zählt das vermehrte Auftauchen junger Sängerinnen und Songschreiberinnen, die sich (oft infolge guter Ausbildung an Musikhochschulen oder Konservatorien) mit dem limitierten harmonischen Spektrum des Pop nicht mehr zufriedengeben, oft auch die grellen und stereotypen Arrangementmoden des kommerziellen Popbetriebs meiden und sich deshalb bei der „Verpackung“ ihrer Songs beim Jazz bedienen, ohne deshalb im eigentlichen Sinne Jazzmusik zu machen. Eine solche Künstlerin ist die 31jährige Kölnerin Kathrin Scheer – anno 2000 „Beste Sängerin“ im BundesRock-&-Popwettbewerb. Mit ihrer Band aus jungen deutschen Jazzmusikern hat sie für ihr Debütalbum „Rare“ elf eigene, meist eher ruhig-melancholische Kompositionen in dezente, nuancierte Arrangements gepackt, die jeder-

[Pop] Morrisseys zweites Album nach den Smiths ist das schwarze Loch in seiner Diskografie – von der Kritik zerrissen, bei Fans wenig beliebt und eigentlich nicht mal ein echtes Album (weil es als solches einfach nicht fertig wurde), sondern eine Sammlung von Singles und B-Seiten, von denen zwei schon auf dem Solodebüt „Viva Hate“ waren. Der Grund war vor allem Orientierungslosigkeit: Der Sänger zerstritt sich seinerzeit mit diversen Musikern und seinem Songwritingpartner und Produzenten Stephen Street (und fand keinen Ersatz), holte zeitweise sogar den Smiths-Bassisten Andy Rourke zurück und musste erleben, wie seine Singles sich Schritt für Schritt weiter von den britischen Top Ten entfernten. Auch stilistisch wusste er 1989/90 offenbar nicht so recht, wo es hingehen sollte, fummelte in vielen Richtungen herum und konnte sich auf sein Urteilsvermögen nicht immer verlassen – „Ouija Board, Ouija Board“ (für die Neuauflage um eine Strophe gekürzt) war ein echter Tiefpunkt. Aber was er konnte, konnte er: Songs wie „November Spawned A Monster“, „Piccadilly Palare“

und „The Last Of The Famous International Playboys“ gehören zum Schönsten und Vielschichtigsten, was Morrissey je gemacht hat. Sechs Bonustracks, davon fünf nur als Bootleg bekannte Outtakes und Demos, erweitern die Jubiläumsausgabe.  Michael Sailer

Country oder 70er-Jahre-Folkrock.  Christian Stolberg Klingt ähnlich: Fleet Foxes, Neil Young, Bon Iver Hintergrund: Tim Rice-Oxley und Jesse Quin spielen „hauptberuflich“ in der Britpopband Keane.

Trivia: Der Albumtitel bedeutet im Londoner Halbweltslang Polari „tolles Outfit“.

Mt. Desolation „Mt. Desolation“ V2/Cooperative Music

[Country-Pop] Was die beiden Freunde Tim Rice-Oxley und Jesse Quin, die sich hinter dem Bandnamen Mt. Desolation verbergen, hier anbieten, ist angeblich das Resultat eines langen Abends in einem irischen Pub. Da wollen die beiden eigentlich von der Britpopband Keane her bekannten Songwriter beschlossen haben, gemeinsam ein Countryalbum aufzunehmen. Wir wissen nicht, wie viel Guinness an diesem Abend floss – aber: Für eine angeb­liche Bierlaune klingen diese zehn Songs ganz schön ausgereift – und Mt. Desolation sind inzwischen als Band so weit gefestigt, dass sie in diesem Herbst auch Deutschland auf ihrem Tourplan stehen haben. Zusammen mit Musikerfreunden aus den Umfeldern von Bands wie Mumford & Sons und den Killers haben Rice-Oxley und Quin, die sich hier als begabte Melodienerfinder erweisen, für ihr Projekt einen Sound gefunden, der Folk, Country und leichte Indieschrammeligkeit unangestrengt und homogen vereint. Indiefans, die mit den derzeit angesagten Elektroniktendenzen in der Szene nichts am Hut haben, könnten sich mit diesem sympathischen Debüt genauso wohl fühlen wie Fans von Alternative

Stereophonics „Word Gets Around & Performance and Cocktails“ (Deluxe Editions) Mercury/Universal [Rock] In opulenten DeluxeVersionen legen die walisischen Gitarrenrocker Stereophonics Wiederveröffentlichungen ihrer ersten beiden Alben vor. Die Doppel-CD-Editionen von „Word Gets Around“ (1997) und „Performance and Cocktails“ (1999) enthalten zahlreiche B-Seiten und Livemitschnitte. Insgesamt betrachtet machen die zusätzlichen Tracks auf dem zweiten Album den etwas stärkeren Eindruck, unter anderem eine krachende Liveversion des Hits „The Bartender And The Thief“, die Coverversionen „Sunny Afternoon“ (Kinks) und „Angie“ (Rolling Stones) sowie bislang unveröffentlichte Aufnahmen von Auftritten im Londoner Hippodrome und beim Belfort Festival. Bemerkenswert ist auf beiden Bonus-CD die nahezu durchweg hohe Qualität der Songs, die die Stereophonics zunächst nur als B-Seiten veröffentlicht hatten, darunter die eingängigen Eigenkompositionen „Poppy Day“ und „Raymond’s Shop“ (beide auf „Word Gets Around“) sowie die gelungene Dylan-Adaption „Positively 4th Street“ („Performance and Cocktails“).  Jörg Laumann Wissenswert: Auf beiden Alben ist der im Juni 2010 verstorbene Drummer und Bandmitgründer Stuart Cable zu hören.

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Klassik ist die Abtei, in der der bekannte spirituelle Autor Pater Anselm Grün als Cellerar wirkt.

Martin Grubinger & Monks Of The Benedictine Abbey Münsterschwarzach „Drums ’n’ Chant“ DG/Universal Das Konzept erinnert an die Crossoverabenteuer des Jazzsaxofonisten Jan Garbarek mit den Sängern des britischen HilliardEnsembles, ein wenig auch an Enigma: Gefeierter junger Percussionsstar tut sich mit Mönchschor zusammen und „verziert“ dessen gregorianische Gesänge mit seinem Geklöppel. Tatsächlich ist das, was der bereits im Wiener Musikverein wie in der New Yorker CarnegieHall gefeierte österreichische Schlagwerker Martin Grubinger zu den Mönchsgesängen aus Franken einspielte, nicht so introspektiv und tiefernst wie die Garbarek/Hilliard-Produktio­ nen, aber auch nicht so platt und spekulativ wie der Sakralpop von Enigma. Grubinger, ein spektakuläres Rhythmustalent, für dessen Spiellust eine Musikgattung allein immer schon zu eng war, umgibt die alten Choräle durchaus einfühlsam mit vielfältigen (oft auch aus Weltmusik und Jazz entlehnten) Rhythmen – und das lässt sie oft zugänglicher werden. So richtig daneben geht das Experiment eigentlich nur einmal: Wenn Grubinger zu einer Eigenkomposition auch noch türkische Folkloristen dazupackt, bekommt man das Gefühl, im Dritte-WeltGemischtwarenladen, Abteilung „wohlfeile Spiritualität“, gelandet zu sein. Sufis und Benediktiner – das passt halt doch nicht so. Wunderschön hingegen die zwei Gastspiele des großartigen Oboisten Albrecht Mayer. Für Puristen ist dieses Album natürlich die reine Provokation.  Christian Stolberg Wissenswert: Münsterschwarzach

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Glenn Gould „The Secret Live Tapes“ Sony Classical Als sich der kanadische Jahrhundertpianist aus dem Konzertleben zurückzog, hatte er zwar auch mit Pult-Titanen wie Karajan für prickelnde Live-Erlebnisse gesorgt. Goulds Lieblingsdirigent war aber der Österreicher Joseph Krips. Das einzige Konzertdokument von dieser musikalischen Freundschaft entstand im November 1960 im amerikanischen Buffalo, als man Beethovens 5. Klavierkonzert spielte. Jetzt ist diese interpretatorische Sternstunde erstmals auf CD erschienen. Trotz des historischen Sounds ist man sofort gepackt von der gemeinsamen, apollinischen Gangart. Und die Einleitungstakte des 3. Satzes legt Gould gar frech wie einen StraußWalzer hin.  Guido Fischer Besonderheit: Zudem sind seltene Liveaufnahmen von 1958 mit Klavierkonzerten von Bach und Schönberg zu hören.

Philippe Jaroussky „Caldara in Vienna“ Virgin Classics/EMI Äußerlich ist Philippe Jaroussky – salopp formuliert – eine Bohnenstange. Doch was seinen gleichbleibend erstklassigen diskografischen Output angeht, besitzt der aktuell als Countertenorissimo gefeierte Franzose geradezu Herkulesqualitäten. Nun ist Jaroussky sogar unter die Trüffelschweine gegangen – und bricht eine Lan-

ze für den einst gefeierten, heute kaum noch bekannten Opernkomponisten Antonio Caldara. Nach dem Arienfeuerwerk, das Jaroussky jetzt mit Concerto Köln unter der Leitung von Emmanuelle Haïm entfacht hat, dürfte sich das aber eben schnell ändern. Denn bei den ehemals für Kastraten gedachten Vokalperlen hat Jaroussky betörende Schattierungen und furiosen Glanz freigelegt.  Reinhard Lemelle O-Ton des Künstlers: „Diese Musik ist lebhaftester Barock.“

Hélène Grimaud „Resonances“ DG/Universal Die letzten Alben der ehemaligen Wolfsbändigerin waren immer auch der Versuch, mehr als nur Klavier zu spielen. Grimaud will Musik denken und rote Fäden zwischen scheinbar gegensätzlichen Epochen und Komponisten entdecken. Doch statt trockener Musikwissenschaft bietet sie auch auf „Resonances“ ein Kapitel lebendiger Musikgeschichte, die sich in österreichisch-ungarischen Gefilden abspielte, von dem klassischen Sonatenkomponisten Mozart über die Sonatenerneuerer Liszt und Alban Berg bis zum Volksmusikforscher Bartók. Mehr als ein Jahrhundert steckt Grimaud damit ab, in dem der Musik ein radikal neues HerzRhythmus-System eingepflanzt wurde. Weil für Grimaud jedoch Revolutionen in der Musik noch nie einfach so vom Himmel gefallen sind, besitzt bei ihr plötzlich selbst eine berühmte Mozart-Sonate ultramoderne, fast anarchische Züge.  Guido Fischer Besonderheit: Schon im zarten Alter von elf Jahren war Hélène Grimaud von Alban Bergs Sonate fasziniert.

Riccardo Chailly „Gershwin: Rhapsody in Blue, Concerto u. a.“ Decca/Universal Mit Blue Notes hatten das ehrwürdige Leipziger Gewandhausorchester und sein Chefdirigent Riccardo Chailly bislang nichts am Hut, während der italienische Jazzpianist Stefano Bollani lieber mit Pat Metheny und Paolo Fresu zusammengespielt hat als mit einem klassischen Streicherapparat. Jetzt haben sich beide Parteien aufs Terrain des jeweils anderen gewagt, dank George Gershwins symphonischer Jazz-Coups „Rhapsody in Blue“ und dem Klavierkonzert. Ohne langes Vorgeplänkel jonglieren Chaillys Leipziger und Bollani mit den stampfenden Rhythmen und frechen Klangfarben, als ob man nie etwas anderes gemacht hätte. Kein Wunder, dass es selbst bei der Zugabe, im Rausschmeißer-Rag „Rialto Ripples“, kunterbunt burlesk und prall swingend zugeht.  Reinhard Lemelle O-Ton von Riccardo Chailly: „Gershwin wollte die Sprache des Jazz der 1920er Jahre in das klassische Repertoire integrieren.”

Ludovico Einaudi „The Royal Albert Hall Concert“ Decca/Universal Classics & Jazz

Der Mitschnitt aus der Londoner Royal Albert Hall vom März 2010 (auf DVD & zwei CDs) ist der vorläufige Karrierehöhepunkt des italienischen Komponisten und Pianisten, der es mit einer Mischung


aus dem Minimalismus eines Philip Glass und neoromantischer Melodieverliebtheit zuletzt bis in die UK-Popcharts gebracht hat. Eine technisch derartig aufwendige DVD-Produktion nimmt man nur auf sich, wenn man sich sicher ist: Dieses Programm ist es wert, für die Nachwelt festgehalten zu werden. Einaudi, Enkel des italienischen Staatspräsidenten Luigi Einaudi (1948–1955), stellte auf dem Abschiedskonzert seiner USA/UK-Tournee nicht nur sein aktuelles Album „Nightbook“ vor, sondern interpretiert auch ältere Stücke aus seinem Oeuvre neu. Dabei umschifft der 55jährige, der sich auch als Filmmusikkomponist einen Namen gemacht hat, weiträumig die Untiefen und Kitsch-Klippen, die bei der von ihm bevorzugten introspektiven Musik stets lauern. Ob mit kleiner Band, solo oder einem Streicherensemble, Einaudi bietet hier ein magisch-meditatives Musikerlebnis, das den Zuhörer umhaut – ganz leise und sachte versteht sich. Heiko Große Ähnlich: Steve Reich, Philip Glass, John Adams, Erik Satie, Ennio Morricone, Johannes Brahms

Quatuor Ebène „Fiction“ Virgin Classics/EMI

Innerhalb von nur wenigen Jahren hat das französische Quatuor Ebène sich in die Belle Etage des Streichquartettspiels geschossen. Doch das Herz der jungen Musiker pocht nicht nur für Haydn & Co. Selbst Jazz, Pop und Filmmusik sind bei ihnen ab sofort in den besten Händen. Cool lassen sie da ihre Bögen in dem BeatlesKlassiker „Come Together“ springen, nach der wild pumpenden „Pulp Fiction“-Hymne „Misirou“ und vor dem edel swingenden Jazzmeilenstein „Footprints“ von

Wayne Shorter. Natürlich hat man sich hier und da Verstärkung geholt, mit einem Schlagzeuger sowie Topsängerinnen wie Stacey Kent und Natalie Dessay. Doch die vier Burschen können nicht nur aus ihren Streichinstrumenten Wah-Wah-Gitarren machen. In Bruce Springsteens „Streets Of Philadelphia“ zeigt der Bratscher, was er für 1a-Stimmbänder besitzt.  Guido Fischer Zum Weiterhören: Kronos Quartet „Howl, USA“ Downloadtipp: „Somewhere (Over The Rainbow)”

Saluzzi, Kremer & Pushkarev „Kancheli: Themes From The Songbook“ ECM/Universal In der Ruhe liegt die Kraft und der Zauber – wenn diese Binsenweisheit auf eine Musiksprache zutrifft, dann auf die des Georgiers Giya Kancheli. Obwohl seine Werke asketisch und meditativ daherkommen, sind sie doch immer dem Leben abgelauscht. Gerade ist Kancheli 75 Jahre geworden. Drei seiner engsten Musikerfreunde haben ihm mehr als nur ein Ständchen eingespielt. Der argentinische Bandoneon-Spieler Dino Saluzzi, der Stargeiger Gidon Kremer sowie der Vibraphonist Andrei Pushkarev haben ein Songbook aus Film- und Theatermusiken arrangiert, die Kancheli in den vergangenen Jahrzehnten auch komponiert hat. Von der ersten bis zur letzten Note knospen diese hochpoetischen Lieder ohne Worte zu einer einzigen, wundersamen Klanglandschaft auf.  Guido Fischer Ähnlich wie: Astor Piazzolla Zum Weiterhören: „De Profundis“ mit Gidon Kremer & der Kremerata Baltica

Andreas Scholl „Purcell: O Solitude“ Decca/Universal Im normalen Leben hat Andreas Scholl eine Baritonstimme. Beginnt er aber zu singen, hält man sofort den Atem an. Denn mit seinem glockenreinen Countertenor sorgt er für eine magische Balance aus ätherischer Tonschönheit und bittersüßem Ausdruck, die einem sofort in die Seele fährt. Wie nun bei der Hommage an den englischen Barockkomponisten Henry Purcell, von dem Scholl erstmals Songs und Arien eingesungen hat. Doch mit dem italienischen Alte-Musik-Ensemble Accademia Bizantina bietet der deutsche Orpheus nicht etwa eine festliche Barockshow. In fast sämtlichen Vokalwerken feiert er das Sanfte und Schwermütige in den berauschend höchsten Tönen. Und selbst der berühmte „Cold Song“ wird bei ihm jetzt zu einer Art Gruselmusik, bei der die Streicher für packende Eiseskälte sorgen.  Guido Fischer Besonderheit: Purcells „Cold Song“ hat Scholl dem deutschen PopCountertenor Klaus Nomi gewidmet.

Vocal Concert Dresden „Christmas At San Marco” Berlin Classics/Edel Zu Weihnachten muss es nicht immer Bachs Evergreen-Oratorium sein! Um in Stimmung zu kommen, lohnt sich ab sofort auch eine akustische Reise nach Venedig. Und kaum hat man per Lautsprecherboxen die heiligen Hallen des Markusdoms betreten, ist man mittendrin in einer musi-

kalisch durchaus beschwingten Weihnachtsmesse, wie sie dort wahrscheinlich 1767 gefeiert wurde. Neben einer Messe des damaligen Domkapellmeisters Baldassare Galuppi hat das Vocal Concert Dresden mit dem von Peter Kopp geleiteten Dresdner Instrumental-Concert Sakral- und Instrumentalstücke von italienischen Komponisten aufgenommen, die hier eine kleine Wiederauferstehung feiern. Denn Ferdinando Bertoni und Gaetano Latilla vermitteln mit ihrer mal andächtigen, mal schnittigen Tonsprache eine Freude über die Geburt des Herrn, in die selbst Weihnachtsmuffel einstimmen werden.  Guido Fischer Downloadtipp: „Gloria” aus der „Missa per San Marco“

Sting „Live In Berlin“ DG/Universal Knapp drei Monate nach seinem „Symphonicities“-Album offeriert der britische Popmillionär seiner großen Anhängerschaft bereits das DVD/CD-Souvenir von der dazugehörigen Tournee. Weil sich die Liveversionen seiner ausgeklügelten Pop-Klassik-Arrangements naturgemäß nicht groß von den Studiofassungen unterscheiden können, muss Sting auf andere Weise neuen Mehrwert bieten: Der CD-Teil des Packages enthält zwölf Songs, die nicht auf „Symphonicities“ waren. Highlights: die jazzigen „Tomorrow We‘ll See“ und „The End Of The Game“. Fans der Sting‘schen Jazzausflüge Mitte der 80er Jahre werden sich besonders über den Gastauftritt von Saxofonstar Branford Marsalis freuen.  Christian Stolberg Info: Stings Band spielt hier mit dem Royal Philharmonic Concert Orchestra unter Steven Mercurio.

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jazz & world

Ray Charles „Rare Genius: The Undiscovered Masters“ Universal

[Jazz/Soul] Da hat mal jemand im Archiv gewühlt und Feines zu Tage gefördert: „The Undiscovered Masters“ vom grandiosen, völlig zu Recht als „Genius“ bezeichneten Ray Charles. Dieser Jemand ist John Burk, der als Produzent Ray Charles’ letztes Album „Genius Loves Company“ betreute, somit also ein ausgewiesener Kenner und Könner. Zehn Songs aus den 70ern, 80ern und 90ern hat Burke ausgegraben – 40 Minuten exquisite Musik. Die Tracks zeigen Charles auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Deshalb kann man sich nur verwundert Augen und Ohren reiben, dass Songs wie das irre groovende „Love’s Gonna Bite You Back“, der Big-Band-Swing von „It Hurts To Be In Love“ und der knochentrockene Funk bei „I’m Gonna Keep On Singin’“ bislang nicht veröffentlicht wurden. Ein postumer Meilenstein!  Gunther Matejka

Carlos Núñez „Alborada Do Brasil“ COLUMBIA/SONY [Keltisch-brasilianische Worldmusic] Die einen feiern Carlos Núñez als „Neuen König der Kelten“. Für die anderen ist er der „Jimi Hendrix des Dudelsacks“. Egal, wie man den Galizier aber auch bezeichnet – er ist wahrer Handlungsreisender in Sachen „Weltmusik“. Nach seinen musikalischen Treffen mit u. a. Ry Cooder ist er jetzt nach Brasilien aufgebrochen, um dort nicht nur mit Stars wie Carlinhos Brown zu jammen.

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All die vertrauten Melodien und Rhythmen seiner Heimat fand er plötzlich sogar in der Samba wieder. Diese musikalische Entdeckungsreise hat Núñez nachträglich im Studio dokumentiert. Mit hochkarätigen Gästen wie The Chieftains und Adriana Calcahotto schafft er eine beschwingte Synthese aus afrobrasilianischer Perkussion, sanften Gesängen sowie galizisch-keltischen Flöten- und Dudelsackklängen.  Reinhard Lemelle

Gäste wie der Sarod-Derwisch Kishore und der Sitarmeister Pubayan Chatterjee Eigenes in ein versöhnliches Klanggewand verpacken, ohne dabei Kitsch oder Klischees allzu offensichtlich bemühen zu müssen.  Ralf Dombrowski Fazit: Ein Album, mit dem man auch Alleskenner überraschen kann.

Downloadtipp: „Alvorada De Cartola“

Paolo Fresu „The Blue Note Years“

Layatharanga „Anandam“ CM Records/Galileo [Weltmusik] Es gibt diese Geschichte von Ravi Shankar, der beim Concert For Bangladesh 1971 auf der Bühne an seiner Sitar nestelte und zu dem dann einsetzenden Applaus meinte, wenn das Stimmen des Instruments schon so gefalle, müssten die Zuhörer erst einmal das Konzert abwarten. Eine Geschichte mit wahrem Kern, denn die indische Musik ist für die meisten Menschen jenseits der Landesgrenzen bis heute ein Mysterium, rätselhaft vor allem aufgrund ihrer schwer zu ergründenden, aber deutlich spürbaren Kraft. Layatharanga, ein südindisches Quintett um den Flötisten Ravichandar Kulur, knüpft an dieses Gefühl an und bietet mit „Anandam“ womöglich das Album, auf das viele Klangsinnsucher gewartet haben. Zahlreiche Traditionen laufen darauf zusammen, Polymetrisches, Karges, für mitteleuropäische Ohren Pittoreskes, virtuos Verblüffendes auf diversen perkussiven Instrumenten von Tabla bis Ghatam. Das Faszinierende an „Anandam“ ist dabei die Selbstverständlichkeit, mit der die Musiker und

Blue Note/EMI [Modern Jazz] Er gehört zu denen, die den Geist von Miles Davis in der Szene halten: Der italienische Trompeter Paolo Fresu pflegt mit seinem Quintett den Spirit des legendären DavisQuintetts aus dessen „Kind Of Blue“-Phase – nicht durch banale Imitation, sondern durch die hochmusikalische und zeitgemäße Anwendung jener Grundsätze, mit denen Miles seinerzeit Furore machte. Dabei kommt ihm der Umstand zugute, dass er vor allem mit dem glänzenden Saxofonisten Tino Tracanna einen ähnlich kongenialen BläserWiderpart in der Combo hat wie Miles seinerzeit in John Coltrane – zu hören ist das sehr schön auf dem ersten Silberling der Doppel-CD „The Blue Note Years“, die fünf Jahre seines Schaffens (2004–2009) für die italienische Niederlassung des legendären New Yorker Labels dokumentiert. Die zweite CD präsentiert den europaweit gefragten Trompeter stilistisch in vielfältigerem Kontext, in Quartettbesetzungen und Projekten mit dem US-amerikanischen Keyboarder und Pianisten Uri Caine – mit dem erforscht er im Duo sogar Themen des Barockkomponisten Monteverdi.  Christian Stolberg Klingt ähnlich: Miles Davis

Norah Jones „... Featuring“ Blue Note/EMI [Vocal Jazz] Ein kontroverses Album, je nachdem, aus welcher Perspektive man es hört. Jazz ist das natürlich schon lange nicht mehr. Befreit vom Stigma des latent Hochkulturellen aber wirkt „… Featuring“ stimmig. Es ist eine Zusammenstellung von 18 Duetten und Kooperationen, die während des vergangenen Jahrzehnts die Stimme der Sängerin integriert haben. Das Spektrum ist beachtlich, reicht von Säulenheiligen des Business wie Willie Nelson und Ray Charles über Jazzkollegen wie Herbie Hancock und Charlie Hunter bis hin zu Popkollegen wie Outkast, Ryan Adams und Belle and Sebastian. Je mehr man Norah Jones hört, umso deutlicher wird ihre Verwurzelung in der amerikanischen Folktradition, angefangen bei der pointiert nachlässig Phrasierung, dem tendenziell rauen Timbre der Stimme und den Arrangements der Gesangssätze über die naturnahe Instrumentierung der meisten Aufnahmen bis hin zur lakonischen Attitüde der beiläufigen Perfektion.  Ralf Dombrowski Wissenswert: Norah Jones ist die Tochter des indischen Sitar-Meisters Ravi Shankar.

Renaud García-Fons „Méditerranées“ Enja/Edel [Mittelmeer-Jazz] Renaud García-Fons gilt nicht nur als Paganini des Kontrabass. Der gebürtige Spanier ist seit einer


halben Ewigkeit Erzähler von musikalischen Geschichten, die er zwischen Orient und Okzident aufschnappt. Für „Méditerranées“ hat der Marco Polo des WorldJazz nun gleich eine zehnköpfige Reisegruppe zusammengestellt, mit der er das Mittelmeer abgefahren ist, von Andalusien über Italien und die Türkei bis in den Nahen Osten. Um überall die landestypischen Klangaromen einzufangen, treffen Flamencogitarre, iranische Fingertrommeln und die griechische Bouzouki aufeinander. So sehr es aber pulsiert, flackert und brodelt, so ging dem Fantasiemotor bisweilen leider etwas der Sprit aus, weshalb man sich oft an die Beschallung von Folklorefesten erinnert fühlt, bei denen Souvlaki und Falafel das eigentliche Ereignis sind.  Guido Fischer O-Ton des Künstlers: „Die Melodie ist das Bindeglied aller Mittelmeerbewohner.“

Klazz Brothers & Cuba Percussion „Christmas Meets Cuba“ Sony Classical

[Latin Jazz] Das erste Lächeln hat der Hörer schon nach ein paar Sekunden im Gesicht – wenn er nämlich hinter den einleitenden, zur pluckernden Percussion gespielten jazzigen Blockakkorden vom Piano die altvertraute Melodie von „Santa Claus Is Coming To Town“ erkennt. Lauter eigentlich in den Warenhäusern dieser Welt bereits totgenudelte Weihnachtsstandards haben sich die Klazz Brothers & Cuba Percussion hier mutig vorgenommen – von „Jingle Bells“ bis „Ihr Kinderlein kommet“ . Doch durch die Kombination mit den Latinrhythmen und Jazzharmonien, die Spielfreude der Protagonisten und das hörbare Augenzwinkern in den

Interpretationen hört man die ollen Christbaumkamellen hier ganz neu. Für die stille Besinnung taugen diese 16 Tracks allerdings eher weniger. Eine erzmusikalische Festtagsgaudi!  Raoul Gulbenkian Gäste: u. a. die Jazzsängerinnen Silje Nergaard und der Philharmonische Kinderchor Dresden

Femi Kuti „Africa For Africa“ Wrasse/Harmonia Mundi

[Afrojazz] Natürlich gibt es viele Möglichkeiten. Youssou N’Dour wählt gepflegten, hintersinnigen Pop, Salif Keita die Sophistication als Mittel des Widerstands. Femi Kuti ist das zu wenig. Sein Afrobeat, den der Nigerianer mehrmals die Woche live in seiner Heimat im Club und außerdem auf Alben präsentiert, wirkt bewusst direkt, etwas ungeschliffen, aber dafür klar und verbindlich. Seine Musik ist Botschaft, eine verbale Waffe, die gegen Übel wie Korruption und Unterdrückung Stellung bezieht, nicht im landesüblichen Idiom, sondern überwiegend auf Englisch. Da macht „Africa For Africa“ keine Ausnahme. Das Programm mit 14 Liedern gibt musikalisch Gas mit kräftigen Bläsersätzen, treibenden Rhythmen und kompaktem Sound. Die Songs handeln von „Politics In Africa“ und „Boys Dey Hungry For Town“ und beziehen Stellung für ein Volk, dem es nach Ansicht des Künstlers noch nie so schlecht ging wie in diesen Jahren. Das hat nichts mehr von der Sozialromantik, die die Pariser Afrika-Szene gerne in die Welt schickt. Es ist vielmehr ein Statement, dem man das Existentielle und die Bedrohung anhört.  Ralf Dombrowski

Erik Truffaz „In Between“ Blue Note/EMI [Modern Jazz] Lange Jahre war Benoît Corboz als Toningenieur mit Erik Truffaz unterwegs. Wer Konzerte mit dem französischen Trompeter erlebt hat, weiß, dass der Mann am Mischer einen guten Job gemacht hat. Inzwischen darf er sich offiziell auf die Bühne setzen, denn Corboz löst in der Band Patrick Muller ab, der sich bislang um Keyboards und Sounds gekümmert hat. Der Musik auf „In Between“ gibt das einen speziellen Kick, sie wirkt erdiger, direkter als auf den vorangegangenen Alben. Das hängt mit Corboz’ greinender Hammondorgel zusammen, aber auch mit Gästen wie der Sängerin Sophie Hunger, die faszinierend präsent zwei Stücke mit ihrer beschwörenden Stimme prägt. Natürlich hat sich auch Truffaz selbst weiter entwickelt. Sozialisiert mit Miles Davis, bekannt geworden durch Experimente an der stilistischen Demarkationslinie von Pop, Jazz, Elektro und Clubbing, haucht er noch immer als pointierter Reduktionist seine Töne ins Klang­ensemble, gönnt sich aber neben der Coolness expressive, schreiende Akzente.  Ralf Dombrowski Wissenswertes: Truffaz arbeitet auch oft mit Rapper Sly Johnson.

Wollny/Kruse/ Schaefer „[em] live at jazzbaltica“

dig, trotz der bewussten, heftig groovenden Repetition kleiner Riffs und Figuren nie vorhersehbar – so haben sich Michael Wollny (Piano), Eva Kruse (Bass) und Eric Schaefer (Schlagzeug) innerhalb weniger Jahre Beachtung erspielt. In gewisser Weise setzen die drei jungen Deutschen inzwischen die großartige Erneuerungsarbeit am modernen Triospiel im Jazz fort, die ihre schwedischen Kollegen vom Essbjörn Svensson Trio bis zum Unfalltod ihres Leaders 2008 bei ACT begründet haben. Das EST hatte bereits moderne Rock- und Clubgrooves in seine Musik integriert und die Rhythmusgruppe gegenüber dem Pianisten aufgewertet, bei [em] sind stets alle drei Instrumente bzw. Musiker gleichberechtigt – das spiegelt sich in der Auswahl der Stücke wider: Jazzstandards findet man hier nicht – gut die Hälfte des Materials stammt aus der Feder von Eric Schaefer, den Rest steuern seine beiden Kollegen bei. Die Kompositionen von Eva Kruse und Michael Wollny sind dabei die lichteren mit den melodiöseren Motiven. Schaefers Stücken merkt man die Urheberschaft eines Schlagzeugers an, sie basieren meist auf kurzen Rhythmuspartikeln, knappen Motiven, die wie Loops hintereinander gekettet werden. Wollnys „In Water“ dagegen hat mit seinen perlenden Arpeggii fast etwas Rhapsodisches. Jazzklischees kommen in den Themen und Improvisationen dieser Drei kaum vor, wohl aber manches, was man aus dem Werkzeugkasten der Rockmusik kennt. Vor allem Schaefer treibt seine Mitmusiker mit energiegeladenen Rockbeats vor sich her, nur dass seine Patterns wesentlich variantenreicher sind als das, was 99,9 Prozent aller Rockschlagzeuger im Repertoire haben. Die drei verlassen oft die Tonalität. Keine leichte Kost.  Christian Stolberg

ACT/Edel: Kultur Wissenswertes: Femi Kuti spielt im Dezember Konzerte in Deutschland.

[Jazz-Fusion] Hochvirtuos, manchmal schroff, immer leben-

Klingt ähnlich: Essbjörn Svensson Trio, Vijay Iyer, Jacky Terrasson,

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schatzkiste Die beste Phase: Jagger und Richards im Sommer 1971

Back To Black In zwei limitierten Boxsets mit insgesamt 25 LPs & 2 EPs ist das Gesamtwerk der Rolling Stones erstmals in remasterten 180-Gramm-Vinylpressungen erhältlich.

Wann klingt eine Rockband „gut“? Zwischen dem, was in der modernen Klangtechnik als optimaler Klang möglich ist, und dem, wie die (laut der US-Zeitung ‚Saturday Review‘) berühmteste „elektrisch verstärkte Straßengang“ der Welt klingen möchte (und wie ihre Fans sie lieben), besteht ein himmelweiter Unterschied. Klinisch sauber getrennte Instrumentalsounds, perfekte Transparenz – all das war nie das Ziel von Jagger, Richards & Co. Was beileibe nicht heißt, dass es egal wäre, wie die Musik der Rolling Stones auf Tonträgern präsen­tiert wird: Fans, die sich etwa in den mittleren 80er Jahren ihre ersten CD-Versionen von Alben der Rolling Stones kauften, rieben sich beim ersten Hören zu Hause oft maßlos enttäuscht die Ohren: Damals remasterte man die Aufnahmen meist noch nicht für die neuen Tonträger, und so klangen

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die Silberscheiben blechern und spitz, die ganze Erdigkeit und Wärme, der „Sex“ des Stones-Sounds war dahin. Spätere, technisch exzellent aufbereitete CD-Fassungen des Stones-Katalogs (beispielsweise die schöne Reissue-Fassung von „Exile On Main Street“ aus diesem Sommer – siehe SONO 3/2010) hatten dieses Problem zwar nicht mehr, für viele eingefleischte Stones-Fans bleibt die Gruppe aber für immer ein „Vinyl-Act“.

Für sie könnte Weihnachten 2010 das schöns­te Fest seit langem werden: Erstmals in der Geschichte der Band gibt es nun zwei Vinyl-Boxsets, die zusammen die komplette über 40 Jahre währende Karriere der Band umfassen. Die Sets beinhalten 23 Originalstudioalben, zwei „Big Hits“-Kollektionen sowie zwei rare EPs. Platten, die zum großen Teil seit langer Zeit nicht auf Vinyl erhältlich waren. Box Nummer eins enthält damit die gesamte Schaffensphase von Jagger & Co. von ihrer Debüt-EP „The Rolling Stones“ aus dem Januar 1964 und dem ersten kompletten Album „The Rolling Stones“ vom April 1964 bis zum grandiosen „Let It Bleed“, das in Großbritannien am 6. Dezember 1969 herauskam – just an jenem Tag, an dem die Stones im fernen Kalifornien in das berüchtigte und blutige Fiasko von Altamont schlitterten. Die ersten fünf Titel des Sets sind im ursprünglichen Original-Mono-Format gehalten, das Album „Through The Past, Darkly (Big Hits Vol. 2)“ steckt wieder im originalen achteckigen Cover. Die Compilation „Metamorphosis“ ist ebenfalls Teil des ersten Sets. Dieses Album wurde zwar erst 1975 veröffentlicht, besteht jedoch komplett aus Songs der frühen bis späten 60er. Box zwei enthält sämtliche 14 Originalalben, die danach kamen – also von „Sticky Fingers“ mit dem berühmten Cover von Andy Warhol (1971) bis zum vorerst letzten Stones-Studioalbum „A Bigger Bang“ aus dem Jahr 2005. So gelingt mit diesen limitierten Ausgaben auf edlem 180-Gramm-Vinyl die Quadratur des Kreises: Sie werden sowohl der „Vintage-Autoradio-Klangphilosophie“ der Band gerecht als auch den audiophilen Bedürfnissen anspruchsvoller Analog-Fans. (FMA) Neu erschienen: „The Rolling Stones 1964–1969 Vinyl Box Set“ (Abkco/Universal) „The Rolling Stones 1971–2005 Vinyl Box Set“ (Polydor)


Grateful Dead „Dead On Wax: The Warner Brothers Studio Albums“ Rhino/Warner Geschenktipp für audiophile Hippienostalgiker mit Vorliebe für edles Vinyl: Das Frühwerk der kalifornischen Jamrockpioniere The Grateful Dead. Deren Alben „The Grateful Dead“ (1967), „Anthem Of The Sun“ (1968), „Aoxomoxoa“ (1969), „Workingman‘s Dead“ (1970), „American Beauty“ (1970) sind nun in „Dead On Wax: The Warner Brothers Studio Albums“, einem Fünf-LP Boxset, in audiophilen 180-Gramm-Pressungen zu haben, deren Pressmatrizen von den analogen Masterbändern hergestellt wurden. Dazu gibt es ein 16-Seiten-Booklet, das bisher unveröffentlichte Fotos und aktualisierte Liner Notes von Blair Jackson enthält. Geschützt wird das alles von einem hölzernen Schuber. Reizvoll besonders für Grateful-Dead-Komplettisten:

„Anthem Of The Sun“ und „Axomoxoa“ sind so nun wieder in den ursprünglichen Mixen, die auf Vinyl fast 40 Jahre nicht erhältlich gewesen waren, zu haben. Sie wurden 1972 vom Markt genommen. Jerry Garcia und Phil Lesh hatten sich im September 1971 daran gemacht, die ungeheuere Dichte des Mixes, der durch das Herumexperimentieren mit den neuen 16-Spur-Maschinen im Studio entstanden war, aufzuhellen und zu überarbeiten. Dies hatte seinerzeit zu frappierenden Veränderungen im Klangbild geführt. (FMA) Info: Diese Alben wurden von der frühen Kernbesetzung mit Jerry Garcia, Ron „Pigpen“ McKernan, Bob Weir, Phil Lesh, Bill Kreutzmann und Mickey Hart eingespielt.

mer Aushilfs­drum io ud Paul im St in Lagos

Foto: Dominique Tarlé

Paul McCartney & Wings „Band On The Run” (Super Deluxe Edition) Concord / Universal Es war vielleicht DAS entscheidende Album in Paul McCartneys PostBeatles-Karriere: Drei Jahre nachdem er entnervt von den internen Querelen in der Band die Fab Four verlassen hatte, fehlte „Macca“ noch das erste wirklich überzeugende „große“ Solowerk, während der lange unterschätzte George Harrison mit dem epochalen „All Things Must Pass“ ein solches bereits 1971 vorgelegt hatte. Die quasi in Heimarbeit

entstandenen Alben „McCartney“, „Ram“, „Wild Life“ und „Red Rose Speedway“ wurden von der Kritik überwiegend als Ausdruck stilistischer Orientierungslosigkeit gewertet. Der in seinem Stolz getroffene McCartney verfrachtete seine Band im Sommer 1973 nach Nigeria. Doch das Unternehmen stand zunächst unter keinem guten Stern: Kurz vor Beginn der Produktion verließen Gitarrist Henry McCullough und Drummer Denny Seiwell die Band. Unter schwierigsten Bedingungen nahm das verbliebene Rumpfteam (Paul spielte u. a. das Schlagzeug selbst) diese neun Songs in Lagos auf und schaffte eine spektakuläre Trendwende: „Band On The Run“, eine Art Semikonzeptalbum („Es gibt da diese Idee um eine Gruppe auf der Flucht, die sich als Faden irgendwie durchzieht, aber ein Konzeptalbum ist es nicht“, erklärte Paul seinerzeit), transportierte mit seiner stilistischen Vielfalt und seiner eleganten Produktion den Geist und die Qualitäten des „Abbey Road“-Albums in die 70er Jahre. Vor allem mit dem Motown-beeinflussten Titelsong, dem plakativen „Jet“ und dem majestätischen „Let Me Roll It“ enthielt das Album Songs auf Beatles-Niveau. „Band On The Run“ ist als ReRelease in unterschiedlichen Formaten erhältlich, das aufwendigste, die „4-Disc Super Deluxe Edition“ umfasst drei CDs, eine DVD, sowie als Trägermedium ein 120-seitiges Buch mit vielen bisher unbekannten Fotos, Interviews und Hintergrundtexten. (CST) Hintergrund: Dies ist die erste Veröffentlichung in einer neuen „Paul McCartney Archive Collection“, in der Werke des Ex-Beatle unter seiner Aufsicht für das digitale Zeitalter aufbereitet werden.


schatzkiste Queen „Singles Collection 4“ EMI

Ocean Colour Scene „21“ (4 CDs) Universal So unglücklich wie die Geschichte von Ocean Colour Scene vor 21 Jahren begann, ist es ein Wunder, dass die Band überhaupt 21 Monate durchhielt: Kurz nachdem ihre erste Single „Sway“ erschienen war, wurde ihr Label von einem größeren geschluckt, dessen Verantwortliche verlangten, das Debütalbum der Zeitmode entsprechend neu zu mischen. Die Platte ging unter, die Band lag auf Eis, aber zum Glück hatten andere bessere Ohren: Paul Weller gab Gitarrist Steve Cradock und Bassist Damon Minchella einen Job, Noel Gallagher nahm OCS mit auf Tour, 1997 kickte ihr zweites Album „Moseley Shoals“ Oasis von Platz eins der UK-Charts. Der grundsolide, kompetent, beherzt und mit gewaltigem Groove vorgetragene Retrorock der Birminghamer traf den Nerv der Britpopgeneration und hielt die Band bis 2001 vier Alben lang in den britischen Top Ten; weitere folgten im groben Zweijahresrhythmus, und weil die Musik von OCS von Anfang an ihrer Zeit enthoben war, können sie bis heute auf eine überschaubare, aber feste Klientel zählen. „21“ enthält eine Menge wirklich gute Musik – 86 Tracks, davon 21 zumindest in dieser Version unveröffentlicht. Das könnte für alle zuviel sein: für die Fans, denen eine CD mit den Raritäten, für den Rest der Welt, dem eine Best-of gereicht hätte. Aber dann legt man eine der vier CDs nach der anderen auf und vergisst solche Gedanken. (MSA) Trivia: Das erste Ocean-ColourScene-Album war eine der letzten Arbeiten des Stones-Produzenten Jimmy Miller, wurde aber von Brendan Lynch fertiggestellt.

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O ja, Queen waren (auch) eine Singlesband, zumindest in ihrer größten und kreativsten Zeit, – was für eine: „Killer Queen“, „Bohemian Rhapsody“, „We Are The Champions“, „Bicycle Race“, „Crazy Little Thing Called Love“, „Another One Bites The Dust“ und „Under Pressure“ sind geradezu Aushängeschilder für die Kultur der Kleinplatte. Später, als der Band insgesamt die kreativen Kräfte schwanden, bis Pathos, Kitsch und Bombast schließ­lich die Alleinherrschaft übernahmen, waren selbst die Singles nicht mehr wirklich toll. Darunter leidet der vierte Teil dieser Boxenreihe ebenso wie unter der etwas absurden (und wenig „nachhaltigen“) Idee, alle Singles auf Einzel-CDs zu pressen – schon

weil es hier leider an interessanten B-Seiten mangelt: drei Liveaufnahmen, der improvisierte „Rock In Rio Blues“, ein paar Remixe (aber bei weitem nicht alle) und leicht unterschiedliche Versionen, der Rest ist von den Alben bekannt, auch die Hüllen geben graphisch wenig her. Nach einem guten Dutzend Greatest Hits, Best-ofs, Best-of-Best-ofs und Box-Sets täte dem Queen-Backkatalog eine Bereinigung (vielleicht sogar endlich eine brauchbar remasterte und kommentierte Gesamtausgabe) vermutlich weitaus besser als noch mehr Produkte, die doch nur immer das gleiche in neuer Kombination und Verpackung enthalten. (MSA)

Literaturfreaks: Bob Dylan und sein Produzent Tom Wilson (l.)

Bob Dylan „The Original Mono Recordings“ (Box-Set) Columbia/Sony Music Man kann über Bob Dylan sagen, was man will: dass er singe wie eine Nebelkrähe und seine Künste an der E-Gitarre eine Zumutung seien. Mag alles irgendwo stimmen, doch: Der Mann hat mit seiner Musik und seiner Sprache die Welt verändert – mit ebendiesen frühen acht Alben. In einer herrlich aufgemachten Box lässt sich dieses Weltkulturerbe bestaunen und Dylans Werdegang seiner frühen Karrie­re­ jahre von „Bob Dylan“ (1962) bis „John Wesley Harding“ (1967) verfolgen. Die Songs klingen dabei genau so, wie es sich der Meister einst vorgestellt hat: in einkanaliger Mono-Aufmachung. Abgerundet wird dieses für alle Dylan-Jünger und Folkies perfekte Weihnachtsgeschenk durch ein 58seitiges, üppig illustriertes Booklet. (GMA)


Mediamix DVD: Roger Cicero „Live At Montreux 2010“ Eagle Rock/Edel Das Montreux Jazz Festival hat sich mit Konzerten von Deep Purple, Johnny Cash oder den Ärzten längst anderen Stilen geöffnet. Dennoch ist es schön, dass dort mit Roger Cicero am 12. Juli 2010 ein Künstler auftrat, der das „Jazz“ im Festivaltitel wieder zum Klingen – und vor allem zum Swingen – brachte. Denn Deutschlands EurovisionTeilnehmer von 2007 war mit einer kompletten Big Band angereist, die für knapp 100 Minuten das Schweizer Publikum auf seine Seite brachte. Und das lag nicht nur daran, dass Cicero einige seiner Songs erstmals auf Englisch sang oder „How Come U Don’t Call Me Aymore“ von Prince raffiniert interpretierte. Denn der mittlerweile gereifte Entertainer, der bereits 2003 (damals noch als Gast bei der Jazzkantine) in Montreux aufgetreten war, ist ein Charmeur alter Schule, der gern und gut mit dem Publikum im allgemeinen und den Frauen in der ersten Reihe im besonderen flirtet. Eine herausragende Version von Jean „Toots“ Thielemans Standard „Bluesette“ trägt dazu bei, den JazzAnteil in Montreux wieder zu erhöhen. (HGR)

Brachte die Schweizer „red hot“ zum Swingen: Roger Cicero

Weitersehen: „Beziehungsweise Live“ von Roger Cicero, „Live At Montreux 2008“ von Quincy Jones

DVD: Katherine Jenkins „Believe – Live From The O2“ Eagle Rock/Edel

DVD/CD/Buch: Schiller „Lichtblick“ Island / Universal Eine Veröffentlichung, die notorische Formatdenker in kognitive Dissonanzen stürzen kann: Was vermutlich zunächst als reine DVD-Veröffentlichung geplant war, hat sich durch den offenbar unermüdlichen Schaffensdrang von SchillerMastermind Christopher von Deylen zu einer Art Multimedia-Package verändert: zurückgekehrt von der „Atemlos Live“Tournee im Frühjahr 2010 war von Deylen in solcher Kreativstimmung, dass er umgehend wieder ins Studio ging und neue Titel einspielte. So wurde aus „Lichtblick“

eine Kombination aus einer neuen Musik-CD plus zwei DVD mit Highlights der „Atemlos“-Tours. Auf der ersten gibt es das Konzert in der Hamburger Colour-LineArena zu sehen, auf der zweiten den Secret Gig im Berliner Heimathafen. Die neuen Musikstücke sind typisch Schiller: sieben klangschöne, romantisch-elegische In­strumentals, die einmal mehr auf Einflüsse wie Tangerine Dream oder Joachim Witt verweisen, dazu sechs Songs mit den Gastsängerinnen Anggun, Kim Sanders und Kate Havnevik, die in ihrer Verbindung von eingängigem Pop und Elektronik die ästhetische Verwandtschaft zu Orchestral Manoeuvres In The Dark, Depeche Mode, Alphaville und in manchen Momenten Björk nicht leugnen. Elektronische Musik, die den Hörer entspannt wie in gepflegtes Warmbad. (FMA) Wird abgerundet durch: ein Hardcover-Buch in elegantem schwarzem Schuber.

Mit Katherine Jenkins zu arbeiten, war schon immer ein kostspieliges Vergnügen. So soll sich der Plattenvertrag, den sie 2008 mit Warner Music abgeschlossen hat, in der Höhe von zehn Millionen US-Dollar bewegt haben – der größte Deal in der Geschichte der klassischen Musik überhaupt. Auch die Live-Umsetzung des „Believe“-Albums dürfte Unsummen verschlungen haben. Aber es lohnt sich – und zwar für alle Seiten. Denn die 30-jährige Waliserin ist zu einem globalen KlassikCrossover-Star aufgestiegen. Der kommerzielle Erfolg ermöglichte dann eine Bühnenproduktion, die nun in der Londoner O2 Arena auf DVD und Blu-ray festgehalten wurde. Dabei braucht sich die Show, in der es vor Tänzern, Zirkuseinlagen, Kostümwechseln und beeindruckenden audiovisuellen Effekten nur so wimmelt, nicht hinter einer Pink-Produktion zu verstecken. Dass das Konzert nicht an seiner Gigantomanie erstickt, liegt am Kleinmädchencharme, den sich die Mezzo-Sopranistin und ModelSchönheit wundersamerweise erhalten hat. Auf der Bühne und backstage lächelt sie alle DivaAllüren einfach weg. (HGR)

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Mediamix

Shakehands zwischen Altmeister und Uraltmeister des Blues: wie oft wird es das noch geben?

DVD: Eric Clapton „Crossroads – Eric Clapton’s Guitar Festival 2010“ Rhino/Warner

1998 hatte Eric Clapton, in den frühen 70er Jahren selbst ein, schließlich durch harte Therapien clean gewordener Junkie, auf der Antilleninsel Antigua die Drogenklinik Crossroads Centre gegründet. Heute ist die Einrichtung für ihre Arbeit weltweit anerkannt, wegen des Konzepts (mittellose Einheimische werden gratis behandelt) aber wohl auf Dauer ein Zuschussprojekt. Um die Arbeit dort zu finanziell zu unterstützen, hat der Gitarrist deshalb 2004 in Dallas, Texas, zum ersten Mal die Creme seiner jazzenden, bluesenden und rockenden Gitarristenkollegen für ein Benefizfestival zusammengerufen. Inzwischen haben diese „Crossroads“-Festivals als regelrechte, alle drei Jahre stattfindende PowWows der Gitarristenelite ein beträchtliches Eigenleben über ihren wohltätigen Zweck hinaus entwickelt, gelten bei Liebha-

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bern handgespielter Musik von Folk bis Rock als Highlights im internationalen Konzertkalender. Seit 2007 finden die Crossroads-Events im 27 000 Zuschauer fassenden Toyota-ParkStadion von Chicago statt. Im elfstündigen Programm vom 26 Juni 2010 waren nicht nur einmal mehr beeindruckend viele große Namen, von Jeff Beck bis ZZ Top, aufgeboten – die Zusammenstellung zeigte einmal mehr auch, wie viel dem berühmten Gastgeber daran gelegen ist, die Vielfalt roots-naher Gitarrenmusik mit seinem Festival darzustellen: vom ätherischen zarten britischen Folk eines Bert Jansch über den Blues in unterschiedlichsten Spielarten bis zum geschliffenen Fusionjazz eines Earl Klugh. Wer bereits die DVDs der ersten beiden „Crossroads“Open-Airs besitzt, mag im LineUp dieser dritten Ausgabe zunächst arg viele Widerholungsgäste (von Robert Cray über Buddy Guy bis Jimmie Vaughan) ausmachen - genau das aber entpuppt sich in den 4 1/2 Stunden des neuen Doppel-DVD-Mitschnitts als Vorteil: Man kennt sich inzwi-

schen und wirft sich in teilweise aufregenden Jam-Sessions die Licks zu – ob Country-Star Vince Gill mit Elvis-Gitarrist James Burton, Jazzer Earl Klugh und Albert Lee, ob Buddy Guy mit Jonny Lang und Ron Wood, oder ob der Gastgeber mit Sonny Landreth, Jeff Beck oder Steve Winwod spielt. Reizvoll auch die immer wieder dazwischen geschnittenen Impressionen aus dem Backstage-Bereich, die den Betrachter erahnen lassen, wie viel Zusammengehörigkeitsgefühl und Respekt bei diesem Stammestreffen unter den Saitenkünstlern aus drei Generation herrschen. Dabei machen auf der Bühne inzwischen gerade die Jüngsten (Lang, John Mayer, Doyle Bramhall, Derek Trucks) richtig Eindruck, während es bei den Ältesten (Hubert Sumlin, B.B. King) mitunter schon die Gebrechlichkeit ist, die die großen Emotionen auslöst – man ahnt, dass man sie nicht mehr oft live erleben wird. (CST) Hintergrund: Das von Eric Clapton gegründete „Crossroads Centre“ ist auf der Antilleninsel Antigua (wo Clapton auch ein Ferienhaus besitzt). Ihren Namen verdankt die Einrichtung einem Bluesklassiker von Robert Johnson, den Clapton seit seinen Zeiten bei Cream häufig in seinen Konzerten spielt.


BUCH: Colin Irwin „Bob Dylan – Highway 61 Revisited“ edel, 332 Seiten, € 19,95 Der New Yorker Journalist Ashley Kahn hat mit seinen unter Jazzfans begeistert aufgenommenen über die Entstehung epochaler Alben wie Miles Davis’ “Kind Of Blue” und John Coltranes “A Love Supreme” eine neue Gattung quasi eine neue Gattung in die Literatur über populäre Musik eingeführt – lange Zeit hätte kam jemand gedacht, dass sich so sinnvolle Bücher füllen ließen. Vor allem, wenn man weiß, wie schnell früher Alben produziert wurden (bei „Kind Of Blue“ ging das innerhalb von neun Stunden).Kurz nach ihm trieb sein Kollege Greil Marcus mit „Like A Rolling Stone – die

Biographie eines Songs“ das Phänomen scheinbar auf die Spitze. Und nun schiebt der Ex-Melody-Maker-Redakteur Colin Irwin noch ein Werk über das Album, dessen Schlüsselsong „Like A Rolling Stone“ war, hinterher: „Highway 61 Revisited.“ Bleibt da noch genügend Stoff? Oh ja, denn jenes Jahr 1965, in dem das Album entstand, war ein Jahr, in dem Dylan die populäre Musik auf den Kopf stellte. Von seiner tumultartigen Englandtournee über den berühmt-berüchtigten ersten „elektrischen“ Auftritt beim Newport Folk Festival bis schließlich zu seiner ersten Tour mit The Band. Popkulturgeschichte, die sich damals wie per Zeitraffer verdichtet abspielte - und von Colin Irwin hier informativ und unterhaltsam erzählt wird. Einzig die deutsche Übersetzung schmälert das Lesevernügen. (CST)

DVD: Chris de Burgh „Footsteps – Live In Concert“ Ferryman/Universal Music

Großer Künstler an großem Fluss: Nagano am St.Lorenz-Strom

kino: „Kent Nagano – Montréal Symphony“ zorro „Wir wollen unsere Musik über die Wände des Konzertsaals hinaustragen“ – das Credo des großen Dirigenten Kent Nagano, dem in Kalifornien aufgewachsenen Sohn japanischer Eltern, ist kein Lippenbekenntnis, wie dieser sehens- wie hörenswerte Dokumentarfilm zeigt: Nagano, derzeit noch als Nachfolger Zubin Mehtas an der Bayerischen Staatsoper in München, ist gleichzeitig auch Chefdirigent des Orchestre Symphonique de Montreal. Ein Jahr lang hat Bettina Ehrhardt ihn bei seiner Arbeit mit dem Orchester begleitet, buchstäblich von den Inuit im nördlichsten Zipfel Quebecs bis in einen Konzertsaal in Paris, vom Eis­ hockeystadion in Montreal bis in einen Kindergarten. Denn der Maestro, Sohn christlicher und buddhistischer Eltern, geht ungewöhnliche Wege, um sein Publikum zu finden. Und ob man ihn nun bei der Probenarbeit, in Interviews, backstage vor und nach Konzerten oder in der Wildnis erlebt – immer beeindruckt sein leises Charisma, seine spürbar spirituell getragene Hingabe an die Kunst. Die klangtechnisch hervorragend eingefangenen Konzertsequenzen (besuchen Sie ein gut ausgerüstetes Kino!) komplettieren ein höchst vielschichtiges Kinoerlebnis. München wird viel verlieren, wenn Kent Nagano 2013 geht. Kinostart: 23. Januar 2011. (CST)

Wer sich schon immer gefragt hat, warum Chris de Burgh, dessen letzte große Hits nun auch schon ein Weilchen zurück liegen, noch immer so erfolgreich ist, sollte einmal den 62-Jährigen auf der Bühne erleben. Oder auf DVD. Denn der unterhaltsame „Footsteps“-Mitschnitt, der 2009 auf Konzerten in Europa und Südafrika entstand, zeigt einen Künstler, der das gewisse Etwas hat. Man mag das Aura oder einfach nur Entertainer-Qualitäten nennen, aber der in Argentinien geborene Singer/ Songerwriter versteht es, mit seinem Publikum zu kommunizieren – musikalisch wie auch mit seinen Ansagen. Auch wenn die Frage, ob es für diese Erkenntnis wirklich eine weitere Live-DVD von ihm gebraucht hätte, nicht ganz unberechtigt ist, so beantwortet sie de Burgh dadurch, dass er den Tunnelblick auf seine Fans gerichtet hat. Für sie gibt er alles: Denn nach dem solide gefilmten, fast zweistündigen Live-Material folgt auf der DVD eine halbe Stunde Bonusmaterial, in dem sich der Barde die Zeit nimmt, seine Band, sein Team und die technischen Aspekte der Live-Produktion ausführlichst vorzustellen. (HGR) Weitersehen: „The Road To Freedom – Live In Concert“ (2004), „Beautiful Dreams Live“ (1995), „High On Emotion – Live In Dublin“ (1990) von Chris de Burgh

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tourneen POP, Rock & co Alle Tourneedaten fortlaufend aktualisiert und mit genauen Ortsangaben finden Sie unter sonomagazin.de

22-Pistepirkko 12.1. Berlin 13.1. Hamburg 14.1. Bremen 15.1. Dresden 16.1. Köln 17.1. Mainz 18.1. Frankfurt 19.1. München 20.1. Feldkirch 21.1. Salzburg 22.1. Ebensee 23.1. Wien

A Acoustic Revolution 3.12. Schwandorf 4.12. Bad Wörishofen 10.12. Hamburg 11.12. Lüneburg 14.12. Giengen 25.12. Schwab­ münchen Angelzoom 3.12. Berlin

b Balkan Beat Box 8.12. Köln Barclay James Harvest feat. Les Holroyd 9.12. Wörgl 10.12. Bamberg 11.12. Würzburg Ben L’Oncle Soul 14.12. Köln 15.12. Hamburg 17.12. Frankfurt am Main 18.12. München 19.12. Berlin The Black Keys 19.3. Köln 20.3. Hamburg 22.3. Berlin 23.3. München Blood Red Shoes 2.12. Saarbrücken 3.12. Bielefeld Blumentopf 31.12. München Michael Bolton 7.12. Düsseldorf 9.12. Nürnberg 11.12. Stuttgart 13.12. Dresden 15.12. Hamburg

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Bon Jovi 10.6. Dresden 12.6. München 13.7. Düsseldorf 16.7. Mannheim

1.3. Kempten 3.3. Stuttgart 4.3. Oberhausen 6.3. Münster 7.3. Magdeburg

The BossHoss 4.12. Mainz 9.12. Hamm 10.12. Dresden 11.12. Hannover 12.12. Düsseldorf 17.12. Bamberg 18.12. Karlsruhe 19.12. Oldenburg

Edwyn Collins 7.12. Köln 8.12. München 9.12. Schorndorf

Bratze 15.12. Wien 16.12. Hamburg 17.12. Rostock

c

d Chris De Burgh 25.3. Saarbrücken 26.3. Köln 28.3. Berlin 30.3. Frankfurt 1.4. Mannheim 2.4. Stuttgart 4.4. Zürich 6.4. München

7.4. 9.4. 10.4. 12.4.

Leipzig Hamburg Bremen Dortmund

Deftones 2.12. Berlin 3.12. München Joy Denalane 7.1. Hamburg 8.1. Berlin The Dubliners 2.12. Stade 3.12. Berlin 4.12. Hamburg

e EAV 2.12. Zwickau 3.12. Erfurt

Isobel Campbell & Mark Lanegan 8.12. Darmstadt

f

Paul Carrack 5.4. Aschaffenburg 6.4. Lorsch 8.4. Winterbach 9.4. Lahr

Fear Factory 4.12. Hamburg 8.12. Saarbrücken 13.12. Köln

Roger Chapman 5.12. Regensburg 7.12. Aschaffenburg 8.12. Freiburg 10.12. Waltershausen 11.12. Neuss 13.12. Bonn 15.12. Melle 17.12. Bad Berleburg 18.12. Isernhagen

Fest van Cleef: Kettcar, Thees Uhlmann, Gisbert zu Knyphausen u. a. 10.12. Berlin 11.12. Mainz 12.12. Bielefeld

Citizen Cope 6.2. Berlin 9.2. München 10.2. Köln

Clueso 29.1. Flensburg 31.1. Rostock 1.2. Erlangen 2.2. Zürich 4.2. Krefeld 5.2. Luxemburg 9.2. Erfurt 11.2. Dresden 12.2. Berlin 13.2. Bremen 16.2. Hannover 17.2. Hamburg 19.2. Kassel 20.2. Freiburg 21.2. Saarbrücken 23.2. Wien 24.2. München 25.2. Würzburg 26.2. Mannheim 28.2. Frankfurt

Element of Crime 2.2. Rostock 3.2. Münster 6.2. Freiburg 7.2. Feldkirch 8.2. Rottweil 9.2. Salzburg 10.2. Würzburg 11.2. Erfurt 12.2. Mannheim 14.2. Saarbrücken 15.2. Düsseldorf 16.2. Halle 17.2. Magdeburg 18.2. Hildesheim 19.2. Oldenburg Erdmöbel 12.12. Münster

Caribou 4.12. Wien 5.12. Frankfurt

Anne Clark 2.12. Duisburg 3.12. Stuttgart

4.12. Bamberg 5.12. Heilbronn 6.12. Ulm 7.12. Friedrichshafen 8.12. Germering 9.12. Karlsruhe 10.12. Pratteln 11.12. Neustadt an der Weinstraße

Trans-Siberian Orchestra TSO, eines der erfolgreichsten Rockprojekte Nord­ amerikas, ist eine Mischung aus Progressive Rock und Orchestermusik mit Elementen des Theaters. Ein Spektakel für Rockfans, für Opernfreunde, Broadway- und Klassikliebhaber. Vom Produzenten, Komponisten und Texter Paul O’Neill 1996 gegrün­ det, hat TSO Generationen von Fans dazu gebracht, die Kunstform der Rockoper wieder zu entdecken. Im Frühjahr 2011 gibt es nun zum ersten Mal in der Geschichte von TSO eine Europatournee! Erzählt wird die spannende (aber fiktive!) Geschichte von „Beethoven’s Last Night“. Mit dabei: Mitglieder der Progressive-Rock-Band Savatage. Tournee von 16.3.2011 bis 24.3.2011 www.modernewelt.de

Fettes Brot 3.12. Lingen 4.12. Hannover 5.12. Berlin 6.12. Offenbach 7.12. Münster 9.12. Kiel 10.12. Hamburg 12.12. Wien 14.12. Kempten 15.12. Zürich 16.12. Dortmund Fjarill 19.2. Düsseldorf 17.3. Halle 18.3. Jena 1.4. Köln Foals 6.12. Köln 7.12. München Ben Folds 28.2. Hamburg 3.3. Berlin 4.3. München 8.3. Köln Jens Friebe 2.12. Rostock 3.12. Hamburg 8.12. Berlin

27.1. Jena 28.1. München Funeral For A Friend 2.12. Köln

g Chris Gall Trio feat. Enik 5.2. Rostock David Garrett 21.5. Hamburg 15.6. Salem 21.6. Wien 29.6. Mannheim Gazpacho 22.1. Berlin 23.1. Stuttgart 24.1. Pratteln 26.1. Aschaffenburg 1.2. Köln 2.2. Hamburg Gentleman 10.12. Stuttgart 12.12. Mainz 15.12. Münster 16.12. Hannover 17.12. Erfurt 18.12. Freiburg 21.12. Dresden 22.12. Bochum Get Well Soon 7.12. Augsburg 8.12. Heidelberg 9.12. Bielefeld 10.12. Kassel 11.12. Düsseldorf Das Gezeichnete Ich 2.12. Stuttgart 4.12. Frankfurt 5.12. Leipzig Gogol Bordello 9.12. Berlin 10.12. Stuttgart 11.12. Köln Gossip 3.12. München 4.12. Leipzig 5.12. Hannover 8.12. Düsseldorf Herbert Grönemeyer 11.6. Frankfurt The Great Bertholinis 4.12. Köln 9.12. Nürnberg 11.12. Gießen 16.12. Magdeburg 17.12. Braunschweig 15.1. Marburg 11.2. Frankfurt 18.2. Fulda 5.3. AnnabergBuchholz 29.3. Hannover 30.3. Hamburg


31.3. Krefeld 1.4. Bielefeld

15.12. Erlangen 16.12. Berlin

Gregorian 1.2. Stade 2.2. Hamburg 3.2. Rostock 4.2. Cottbus 5.2. Kassel 6.2. Bremen 8.2. Nürnberg 9.2. Mannheim 10.2. Oberhausen 11.2. Wuppertal 12.2. Bochum 13.2. München 15.2. Frankfurt 16.2. Erfurt 17.2. Berlin 18.2. Halle 19.2. Dresden 20.2. Leipzig 22.2. Chemnitz 24.2. Wien 25.2. Bregenz 26.2. Zürich

Klaus Hoffmann 2.12. Düsseldorf 3.12. Kiel 4.12. Lübeck 7.12. Freiburg 8.12. Stuttgart

h Beth Hart 6.12. Berlin 9.12. Köln 10.12. Hamburg 12.12. Aschaffenburg Grant Hart 2.12. Frankfurt 3.12. Schorndorf 4.12. Dornbirn 6.12. Zürich Max Herre 7.1. Hamburg 8.1. Berlin Hjaltalín 12.12. Hamburg 13.12. Köln 14.12. München

Hurts 8.3. Hamburg 9.3. Neu-Isenburg 11.3. Dresden 12.3. Berlin 16.3. München 17.3. Köln

i Interpol 3.3. Hamburg 10.3. Leipzig 12.3. München Iron and Wine 7.2. Hamburg 8.2. Berlin 9.2. Köln 10.2. Wien 11.2. München 13.2. Zürich 14.2. Frankfurt

j Jan Delay & Disko No. 1 20.1. Wolfsburg 21.1. Düsseldorf 22.1. Lingen 24.1. Offenbach 25.1. Göttingen 26.1. Oldenburg Elton John with Ray Cooper 7.12. Hamburg

Johnossi 24.1. Potsdam 25.1. Nürnberg 26.1. München 28.1. Freiburg 1.2. Düsseldorf 2.2. Münster 3.2. Bremen 4.2. Cottbus

k Kafkas 10.12. Stuttgart 16.12. Frankfurt Kashmir 5.12. Köln 7.12. Frankfurt 8.12. Bochum 9.12. Berlin 10.12. Hamburg Keimzeit 10.12. Stuttgart 11.12. Murnau 16.12. Berlin 17.12. Jena 18.12. Freiberg Kettcar 10.12. Berlin 11.12. Mainz 12.12. Bielefeld Kilians 16.12. Berlin 17.12. Hamburg 18.12. Bonn Kings Of Leon 4.12. Wien 6.12. München 8.12. Hamburg 9.12. Frankfurt Gisbert zu Knyp­ hausen 10.12. Berlin 11.12. Mainz

Nokia Night Of The Proms Das vorweihnachtliche „Klassik trifft Pop“-Spektakel lockt auch in diesem Jahr wieder mit einem bunten und in­ teressanten Allstar-Cast: Boy George, der britische Geiger Charlie Siem, Sir

Cliff Richard, Kid Creole (Bild), John Miles und die junge Formation Licht­ mond sind diesmal dabei, begleitet vom Sinfonieorchester Il Novecento (unter Dirigent Robert Groslot). Die Konzertreihe wurde durch die „Last Night Of the Proms“ inspiriert, das alljährlich in der Londoner Royal Al­ bert Hall stattfindende Abschluss­ konzert der BBC Proms, eines seit 1894 veranstalteten Klassikfestivals. 1984 wurde daraus ein Konzert­ konzept entwickelt, bei dem neben Klassik auch großer Pop gespielt wird. Inzwischen erfreuen sich die Nokia-Night-Of-The-Proms-Abende in ganz Europa großer Beliebtheit. Tournee von 26.11. bis 18.12. www.notp.com

12.12. Bielefeld 18.2. Dortmund

4.12. Innsbruck 5.12. Zürich

Kylie Minogue 28.2. Hamburg 1.3. Berlin 4.3. Leipzig 5.3. München 6.3. Mannheim 9.3. Zürich 18.3. Oberhausen

Vicky Leandros 1.3. Emsdetten 2.3. Lübeck 3.3. Rostock 5.3. Chemnitz 7.3. Dresden 8.3. Leipzig 10.3. Hannover 11.3. Essen 13.3. Braunschweig 14.3. Lahnstein 17.3. Zürich 19.3. Bremen 20.3. Hamburg 21.3. Berlin 23.3. Frankfurt

l Lambchop 2.12. Nürnberg 3.12. Gera

24.3. Dortmund 25.3. Kempten 28.3. München 31.3. Köln Lena 13.4. Berlin 14.4. Hannover 15.4. Frankfurt 19.4. Dortmund 20.4. Hamburg 21.4. Leipzig 27.4. München 28.4. Stuttgart 29.4. Köln Lotto King Karl 10.12. Lüneburg 29.12. Bremen


tourneen POP, Rock & co

m

n

28.1. Berlin 29.1. Hamburg

8.12. Kiel 11.12. Berlin

s

9.12. Hamburg 10.12. Oberhausen

Wolf Maahn 10.12. Erfurt 11.12. Leipzig 15.12. Bochum 18.12. Affalter 12.3. Freyburg

The National 25.2. Berlin

o

Katy Perry 25.2. Zürich 26.2. München 27.2. Wien 4.3. Berlin 6.3. Offenbach 11.3. Köln 14.3. Hamburg

Söhne Mannheims 14.3. Flensburg 15.3. Rostock 17.3. Wels 18.3. Würzburg 19.3. Bozen 22.3. Bielefeld 23.3. Erfurt 10.11. Frankfurt 11.11. Hannover 12.11. Leipzig 14.11. Berlin 15.11. Hamburg 17.11. Zürich 18.11. München 19.11. Wien 21.11. Köln 22.11. Oberhausen 24.11. Stuttgart

Stanfour 2.12. Krefeld 3.12. Hannover 5.12. Dortmund 6.12. Nürnberg 7.12. Frankfurt 9.12. Zürich 10.12. Kaiserslautern 12.12. Bremen 14.12. Hamburg 15.12. Berlin 16.12. Flensburg

Manfred Mann’s Earth Band 15.12. Pratteln 16.12. Aschaffenburg 17.12. Memmingen 18.12. Zweibrücken

Tim Neuhaus 10.12. Berlin 11.12. Mainz 12.12. Bielefeld Nouvelle Vague 23.1. Mannheim 24.1. Frankfurt 25.1. München 26.1. Düsseldorf 27.1. Hannover

Johannes Oerding 25.3. Hannover 27.3. Kassel 30.3. Frankfurt 1.4. Dresden 2.4. Berlin 9.4. Worpswede 15.4. Kiel 16.4. Hamburg 20.4. Karlsruhe 21.4. Freiburg

p Panteón Rococó 2.12. Köln 4.12. Stuttgart 5.12. Freiburg 7.12. Essen

Maroon 5 27.2. Köln 3.3. Offenbach 6.3. München 12.3. Hamburg 13.3. Berlin Katie Melua 5.4. Braunschweig MGMT 6.12. Berlin 7.12. München 8.12. Wien 13.12. Zürich Mogwai 6.3. Frankfurt 7.3. München 14.3. Köln 28.3. Hamburg 29.3. Berlin Janelle Monàe 13.12. Köln 14.12. Berlin 15.12. Hamburg Max Mutzke 13.2. Nürnberg 14.2. München 15.2. Baden 17.2. Freiburg 18.2. Schorndorf 19.2. Kaiserslautern 20.2. Aschaffenburg 22.2. Köln 23.2. Hamburg 24.2. Hannover 25.2. Berlin My Sister Grenadine 12.1. Kiel 13.1. Hannover 14.1. Köln

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Schiller Mit der CD/DVD-Box „LichtbIick“ ist gerade ein sehens- wie hörenswertes Souvenir der „Atemlos“Tournee von Schiller erschienen (siehe auch S. 41), das richtig Lust macht auf weitere Konzerte des er­ folgreichen Elektronikpopprojekts von Christopher von Deylen. Der kreative und umtriebige Musiker selbst steckt auch schon voller Vorfreude auf die neue Konzertreise, die er „Elektronik Pur Klangwel­ ten Tour“ getauft hat. Er sagt: „Das ist ein schöner Anfang für das neue Jahr, auf den ich mich sehr freue.“ 28 Termine in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die Konzertreise diesmal haben. Tournee von 11.1.2011 bis 9.2.2011 www.sonomagazin.de

The Phantom Band 6.12. Berlin Phonoboy 2.12. Hamburg 4.12. München Phrasenmäher 2.12. Lüneburg 3.12. Stuttgart 4.12. Weinheim 10.12. Ahaus 15.12. Frankfurt 16.12. München 17.12. Erlangen 18.12. Göttingen 21.1. Berlin Philipp Poisel 16.1. Offenbach 17.1. Münster 19.1. Osnabrück 20.1. Bochum 23.1. Krefeld 24.1. Köln 26.1. Mainz 27.1. Freiburg 28.1. Karlsruhe 7.2. Kassel 8.2. Hannover 9.2. Braunschweig 11.2. Magdeburg 12.2. Bremen 13.2. Hamburg 15.2. Mannheim 16.2. Ulm 21.2. München 22.2. Nürnberg 23.2. Dresden 25.2. Potsdam 26.2. Berlin 28.2. Leipzig 1.3. Erfurt 3.3. Stuttgart Polarkreis 18 17.12. Dresden Pothead 10.12. Dresden 10.1. Berlin Robyn 7.3. Frankfurt 9.3. Köln 11.3. München 12.3. Berlin

r Roxette 11.6. Berlin 12.6. Oberursel 15.6. Leipzig 16.6. Köln

The Script 30.1. Köln 5.2. Hamburg 6.2. Berlin 8.2. München Selig 2.12. Dortmund 4.12. Mannheim 5.12. Darmstadt 6.12. Frankfurt 8.12. Bielefeld 9.12. Hannover 10.12. Bremen 12.12. Rostock 13.12. Berlin 14.12. Dresden 16.12. Erfurt 17.12. Leipzig 18.12. Magdeburg 20.12. Hamburg Shakira 3.12. München 8.12. Frankfurt 9.12. Berlin 11.12. Köln Skunk Anansie 15.2. Stuttgart 16.2. München 19.2. Dresden 20.2. Köln 27.2. Hamburg Sorgente 4.12. Kaiserslautern 19.12. Köln 20.12. Berlin 25.12. Ehrwald 29.12. Rankweil 31.12. München The Jon Spencer Blues Explosion 3.12. Köln 4.12. Hamburg 5.12. Berlin 6.12. Frankfurt Sportfreunde Stiller 2.12. Berlin 3.12. Leipzig 4.12. München 5.12. Frankfurt 8.12. Nürnberg

t Taylor Swift 12.3. Oberhausen 14.3. München Take That 22.7. Hamburg 25.7. Düsseldorf 29.7. München Tamaryn 5.12. Köln 6.12. Hamburg 7.12. Berlin Trans-Siberian Orchestra 17.3. München 18.3. Wien 19.3. Stuttgart 20.3. Mainz 22.3. Berlin 23.3. Hamburg 24.3. Düsseldorf

u Unheilig 4.12. Bremen 5.12. Kiel 10.12. Braunschweig 11.12. Chemnitz 15.12. Kassel 16.12. Mannheim 17.12. Ulm 18.12. Trier 25.12. Berlin 26.12. Berlin 28.12. Kempten 29.12. Freiburg 30.12. Düsseldorf 2.1. Lingen 7.1. Magdeburg 8.1. Bamberg 9.1. Salzburg 14.1. Dortmund 15.1. Karlsruhe 16.1. Sursee 20.1. Augsburg 21.1. Hannover 22.1. Erfurt 28.1. Rostock 29.1. Cottbus Hans Unstern 25.1. Dresden 26.1. Stuttgart 27.1. St. Gallen 28.1. Salzburg

Foto: Philipp Glasser

Peter Maffay 3.12. Zwickau 4.12. Köln 6.12. Regensburg 7.12. Göttingen 21.5. Bad Segeberg 24.5. Hannover 25.5. Dortmund 28.5. Berlin 17.6. Halle/West­ falen 18.6. Ludwigslust 21.6. München 22.6. Nürnberg 24.6. Erfurt 25.6. Dresden

Nena 11.12. Horw/Luzern 17.12. Saalbach 14.1. Kempten 15.1. Aschaffenburg 17.1. Rostock 18.1. Magdeburg 20.1. Zwickau 21.1. Dresden 22.1. Regensburg


tourneen klassik Alle Tourneedaten fortlaufend aktualisiert und mit genauen Ortsangaben finden Sie unter sonomagazin.de

a Pierre-Laurent Aimard 16.2. Berlin 21.2. Hamburg 19.3. Dortmund 22.3. Essen 23.3. Köln Artemis Quartett 2.12. London 5.12. Paris 6.12. Wien 8.12. Rom 10.12. Rom 11.12. Florenz 12.12. Florenz 14.12. Brüssel 15.12. Brüssel 16.12. Brüssel

b Cecilia Bartoli 23.1. Zürich 27.1. Zürich 29.1. Zürich 1.2. Zürich 3.2. Zürich 5.2. Zürich Gábor Boldoczki 1.12. Budapest 3.12. Berlin 4.12. Rheinberg 5.12. Esslingen 7.12. Merzig 8.12. Fulda 10.12. Düsseldorf 11.12. Frankfurt 12.12. Lippstadt 31.12. München

c Renaud Capuçon 23.1. München 25.1. Nürnberg 28.1. Berlin 29.1. Berlin Concerto Köln 8.12. Frankfurt 11.12. Gent 12.12. Köln

d Annette Dasch 25.1. Hamburg 14.2. Dresden 1.4. Dortmund 3.4. München

f Isabelle Faust 5.12. Baden-Baden 10.12. Mainz 11.12. Mainz 21.1. Hamburg 22.1. Hamburg 1.2. Dortmund 2.2. Dortmund Julia Fischer 12.12. Ludwigshafen 13.1. Hamburg 14.1. Hamburg 15.1. Lübeck 12.2. Freiburg 13.2. Friedrichshafen 16.2. Hannover 17.2. Köln 18.2. Düsseldorf Juan Diego Flórez 1.12. München 4.12. Oviedo 7.12. Budapest 10.12. Bilbao 18.12. Wien 20.1. London David Fray 10.12. Baden-Baden 13.12. Regensburg 14.12. München 15.12. Stuttgart 16.12. Mannheim 17.12. Wiesbaden 19.12. Essen 20.12. Leverkusen 21.12. Aachen

g Sol Gabetta 6.12. Tübingen 7.12. Grünwald 8.12. Ansbach 9.12. Graf 10.12. Kempen 20.12. Stuttgart 27.12. Hamburg 28.12. München 29.12. Nürnberg Vittorio Grigolo 9.12. Valencia 12.12. Valencia 15.12. Valencia 18.12. Valencia

h Hilary Hahn 20.1. Leipzig 21.1. Leipzig Daniel Harding 3.12. Paris 9.12. Stockholm Daniel Hope 5.12. Wien 23.1. Luzern 25.2. Bremen 9.4. Dresden 10.4. Erlangen

11.4. Stuttgart 12.4. Düsseldorf 13.4. Hamburg Maximilian Hornung 3.12. Elmau 12.12. Münster 10.1. Augsburg 11.1. Augsburg 6.2. Ettlingen 12.2. Schweinfurt

j Janine Jansen 9.12. Frankfurt 10.12. Frankfurt 21.12. Köln 4.3. Frankfurt 5.3. Frankfurt 30.4. Baden-Baden Mariss Jansons 14.1. Wien 20.3. Wien

k Jonas Kaufmann 31.12. Baden-Baden Magdalena Kozˇená 23.1. Berlin 30.1. Berlin 14.2. Wien

l Lang Lang 10.4. Nürnberg 14.4. Düsseldorf Lautten Compagney 4.12. Berlin 19.12. Berlin 21.12. Berlin

m Yo-Yo Ma 12.1. Berlin 13.1. Berlin 14.1. Berlin 15.1. Berlin Nils Mönkemeyer 5.12. Münster 12.12. München 26.12. Potsdam

o Alice Sara Ott 26.11. Luzern 5.12. München 11.12. Eindhoven 9.3. Hamburg 10.3. Aachen 11.3. Stuttgart 12.3. Köln 13.3. Wiesbaden

Atemberaubend souverän: Philippe Jaroussky

B li c k z u rüc k :

Zink und Zauber Philippe Jaroussky, Nuria Rial und L’Arpeggiata München, Prinzregententheater Im Wirtschaftsleben ist der Begriff der „Win-win-Situation“ in Mode, gemeint ist damit ein Geschäft zu beiderseitigem Vorteil. Dass bei ei­ ner Kooperation unter zwei Parteien auch noch Dritte profitieren können, ließ sich beim Gastspiel von Christi­ na Pluhars L’Arpeggiata mit Counter­ tenor Philippe Jaroussky (siehe auch Seite 28) und Sopranistin Nuria Rial in München erleben: Die österreichi­ sche Lautenistin Christina Pluhar, ihr Ensemble L’Arpeggiata, Rial und Ja­ roussky hatten 2008 das Aufsehen erregende Monteverdi-Album „Tea­ tro d’Amore“ eingespielt . In diesem Frühjahr hatten sie zudem für die CD „Via Cruzis“ mit teils lange ver­ gessenen Klageliedern aus dem Mit­ telmeerraum kooperiert. Zwischen profunder historischer Aufführungs­ praxis und moderner Interpretation changierend präsentierten sie nun in München Kostproben aus diesen

Anne Sofie von Otter 18.12. Essen 20.1. Wien 22.2. Wien 24.2. Wien 26.2. Wien 28.2. Wien 2.3. Wien 28.3. Berlin

Produktionen. Manchen Hörer dürfte überrascht haben, wie nahe das mu­ sikalische Material aus Renaissance, Frühbarock und heutiger sogenann­ ter „Weltmusik“ sich sein kann – und wenn die Instrumentalisten vor al­ lem in den Überleitungen fast schon swingend freier spielten, lösten sich auch die Grenzen zur jazzmäßigen Improvisation auf. Da brillierte dann Percussionist David Mayoral mit pointierten Soli, und Doron Sherwin am Zink (einem zwischen Blockflöte und Trompete angesiedelten Instru­ ment aus der Renaissance) wurde zum humoresk kommentierenden Widerpart der Gesangsstars. Nuria Rial gefiel dabei mit der dezenten Anmut ihres Soprans, wirklich atem­ beraubend aber war die Souveräni­ tät, mit der der 32jährige Jaroussky seine Stimme selbst in schwierigs­ ten Passagen und höchsten Höhen zum Leuchten brachte. Ein höchst lebendiges Musikerlebnis, das die profitierende „third party“, nämlich das Publikum, mit stehenden Ovati­ onen quittierte! Christian Stolberg

q Thomas Quasthoff 5.12. Düsseldorf 18.12. Essen Quatuor Ebène 26.11. Hannover 9.12. Jerusalem 11.12. Haifa

12.12. Tel-Aviv 15.12. Beer-Sheva 17.12. Paris 11.1. Den Haag 14.1. Bonn 13.2. Varese 14.2. Triest 20.2. Lörrach 23.2. München 24.2. Polling

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tourneen jazz & world

A Eivind Aarset 2.12. Köln 3.12. Berlin

David Fray Seit einigen Jahren zählt der französische Pianist David Fray zu den Topstars der jüngeren Genera­tion. Er wurde 2009 mit einem Echo Klassik als „Instru­ mentalist des Jahres“ geehrt. Frays Liebe gilt vor allem den großen deutschen und österreichischen Komponisten: Bach, Mozart, Schubert, Haydn, Brahms und Schumann. 1981 in Tarbes (einer Klein­ stadt in den Pyrenäen) geboren, begeisterte sich Fray schon als Jugendlicher für Bachs Passionen und Klavierwerke. In der Saison 2010/2011 tritt Da­ vid Fray – der sich als Sohn einer Deutschlehrerin und eines Kant-und-Hegel-Forschers ausdrücklich zu seiner deutschen „Prägung“ bekennt, aber als Schwiegersohn von Maestro Riccardo Muti auch familäre Bande nach Italien hat – nun auf einer ausgedehnten Konzerttournee in vielen deutschen Städten auf. Am 3. Dezember 2010 erscheint au­ ßerdem seine vierte CD, mit den Pianokonzerten Nr. 22 und 25 von Wolfgang Amadeus Mozart. Tournee von 10.12. bis 21.12. www.sonomagazin.de

26.2. Hamburg 27.2. Duisburg 28.2. Stuttgart

r Simon Rattle 19.1. Berlin 20.1. Berlin 21.1. Berlin 24.1. Dortmund 25.1. Baden-Baden 27.1. Wien 30.1. Berlin 3.2. Berlin 4.2. Berlin 5.2. Berlin

s Olga Scheps 26.11. München 1.12. Berlin 19.12. Hannover 20.12. Hannover 20.1. Heidelberg 8.2. Hamburg

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v Arcadi Volodos 25.11. Leipzig 26.11. Leipzig 27.11. Leipzig 1.12. Dortmund 15.12. Berlin 16.12. Berlin 17.12. Berlin 18.12. Berlin

w Jörg Widmann 7.12. München

z Tabea Zimmermann 30.11. Bern 9.12. Prag 10.12. Prag

Alive & Swingin’ 22.1. Zürich 23.1. Zürich 24.1. Zürich 27.1. Wien 28.1. Wien 30.1. Hamburg 1.2. Berlin 2.2. Berlin 3.2. Berlin 5.2. Frankfurt 6.2. Baden-Baden 8.2. Köln 9.2. Köln 10.2. Köln Woody Allen & his New Orleans Jazz Band 29.3. München 31.3. Frankfurt 1.4. Köln

b Rebekka Bakken 12.12. Allenbach 13.12. Allenbach 14.12. Heidelberg 15.12. Dresden 16.12. Leipzig 12.3. Augsburg 13.3. Halle (Saale) 15.3. Aschaffenburg 17.3. Düsseldorf 18.3. Koblenz 19.3. Nürnberg 20.3. Straubing Lisa Bassenge/ Jacky Terrasson Trio 11.2. Karlsruhe 12.2. Mannheim 14.2. Stuttgart 15.2. München 16.2. Bonn 17.2. Dortmund 18.2. Düsseldorf 19.2. Mainz 21.2. Berlin 24.2. Kaiserslautern 25.2. Darmstadt 26.2. Hamburg 27.2. Lübeck Nik Bärtsch 16.12. Rüsselsheim

Till Brönner 15.3. Frankfurt 16.3. Heidelberg 19.3. München 20.3. Nürnberg 21.3. Stuttgart 26.3. Düsseldorf 27.3. Bremen 28.3. Hamburg 29.3. Dresden 30.3. Hannover 1.4. Kiel 2.4. Dortmund 5.4. Lübeck 6.4. Halle 7.4. Braunschweig 8.4. Erfurt 10.4. Berlin 12.5. Basel

l

Clara Bryld 4.12. Wesel 5.12. Hamburg

l

c Jamie Cullum 2.12. Freiburg 14.12. Frankfurt

d

Nils Landgren 7.12. Lüneburg 8.12. Hamburg 10.12. Oldenburg 11.12. Kiel 13.12. Berlin 14.12. Nürnberg 15.12. München 16.12. Stuttgart 17.12. Darmstadt 18.12. Bochum 19.12. Köln Nils Landgren & Michael Wollny 9.3. Dessau 10.3. Unterschleißh.

Lyambiko & Band 25.3. Koblenz

m Mardi Gras.bb 16.12. Frankfurt 17.12. Hannover

18.12. Altenburg 7.1. Siegen 21.1. Plauen 22.1. Regensburg 28.1. Berlin Bobby McFerrin 9.7. Baden-Baden Raul Midón 26.1. Berlin 27.1. Hamburg 31.1. Heidelberg 1.2. Frankfurt

n Carlos Núñez & Band 14.1. Karlsruhe 15.1. Illingen 16.1. Offenburg 18.1. Mainz 19.1. Zug 20.1. Morges 21.1. Basel 23.1. Zürich 25.1. Reutlingen 26.1. Waldkraiburg 27.1. Augsburg 28.1. Laupheim 29.1. München

De-Phazz 3.12. Augsburg 28.7. Freisingen Barbara Dennerlein 2.12. Luzern 11.12. Gröbenzell 15.12. Leingarten 19.3. Grünstadt 20.10. Magdeburg

g Jan Garbarek Group 3.12. Zürich 4.12. Genf Macy Gray 3.12. Hamburg 4.12. Berlin 5.12. Bochum

h Julia Hülsmann Trio 24.2. München 25.2. Leipzig 26.2. Bielefeld

k Daniel Kahn & The Painted Bird 20.1. Berlin 23.1. Salzburg 27.1. Frankfurt 9.4. Ettlingen

Max Greger Am 2. April 2011 wird Max Greger 85 Jahre alt. Das größte Geschenk macht der deutsche Bigbandpio­ nier seinem Publikum, indem er zwei Tage später auf große Deutschlandtour geht. Zusammen mit Hugo Strasser (89), Peter Kraus (72) und der SWR Big Band (das vierfach Grammynominierte Orchester feiert 2011 sein 60jähriges Bestehen) stehen dann über 300 Jahre gelebte deutsche Unterhaltungsgeschichte auf der Bühne. Ob alle zusammen, im Duett oder solo, mit Band oder ohne: Es ist zweifellos ein Ereignis mit Selten­ heitswert. Der Münchner verspricht: „Wenn wir die Bühne betreten und der Applaus aufbrandet, sind die Wehwehchen wie weggeblasen.“ Tournee von 4.4.2011 bis 12.5.2011 www.semmel.de

Foto: Paolo Roversi

Alle Tourneedaten fortlaufend aktualisiert und mit genauen Ortsangaben finden Sie unter sonomagazin.de


Auch die Freude am Groove bekommt bei Wright große Intensität

28.1. Hamm 30.1. Dresden Benyamin Nuss 2.2. Meppen 3.2. Stade 4.2. Uelzen 5.2. Oberhausen 6.2. Lüdenscheid

o B lick zurü ck :

Die Stimme als Geschenk Lizz Wright Berlin, Passionskirche Es war eine besondere Zugabe, dieses „Amazing Grace“, das Lizz Wright zum Schluss sang; unbegleitet, nur mit ihrer samtweichen, ausdrucksstarken Altstimme füllte sie die Passionskirche. Es war tief empfundener Dank, den die Sängerin zum Ausdruck brachte. Bis zum Konzertabend sei unklar gewesen, sagte sie, ob sie nach einer Erkrankung wieder würde singen können. Da umarmte sie das Berliner Publikum mit warmem Applaus; schließlich hatte man soeben miterlebt, dass und wie Lizz Wright ihre Stimme wieder gefunden hat – und allein sie zu hören, war ein bewegendes Geschenk. Nach dem großen Erfolg ihres Albums „The Orchard“ hatte sie eine kreative Pause eingelegt und sich auf ihre Wurzeln besonnen. Die liegen in der Gospelmusik des US-amerikanischen Südens: Als Kind sang sie in der Kirchenband ihres Vaters. So stand jetzt auch eine Hammondorgel neben dem Flügel, beides gespielt von Wrights altem Freund Kenny Banks, der sich extra Urlaub von seinem Dienst als Minister of Music an einer

30.1. 1.2. 2.2. 3.2.

Regensburg Bonn Leverkusen Mülheim a. d. Ruhr 4.2. Emlichheim 5.2. Greven 6.2. Hannover

8.2. 9.2. 10.2. 11.2. 12.2. 13.2. 15.2. 16.2.

Methodistenkirche in Atlanta genommen hatte. Schon die Einleitung des Abends schien die Berliner Backsteinkirche so atmosphärisch in die US-Südstaaten zu versetzen. „This is what we do, where I come from“, erklärte Wright ihrem deutschen Publikum, als der funky Shuffle von „Walk With Me, Lord“ sich zum improvisierten Gebet öffnete. Doch die Sängerin war nicht als Missionarin gekommen. Zwar vereinte sie gegen Ende des Abends das Publikum im großen „Glory, Glory“-Medley zur beseelten Gemeinde; die gleiche Intensität gab sie aber auch Liebesliedern wie „Hey Man“ und ihrer Interpretation von Jimi Hendrix’ „In From The Storm“ mit. Im großen Bogen schritt Lizz Wright durch ihr gesamtes Repertoire seit dem Debüt vor sieben Jahren, zeigte sich als Jazzstimme („Salt“) vom Format einer Nina Simone, folkige Bluessängerin („Ol’ Man“), die an Tracy Chapman erinnert, und als Souldiva mit Gladys Knights Charthit „(I’ve Got To Use My Imagina­t ion“). Von einer Rückkehr zum Gospel kann keine Rede sein – Lizz Wright hat nie aufgehört, aus dieser Quelle zu schöpfen.  Tobias Richtsteig

Oldenburg Peine Hamburg Hilchenbach Worpswede Kiel Dresden Berlin

Silje Nergaard Trio 19.1. Wien 20.1. Linz 21.1. Friedrichshafen 24.1. Paderborn 25.1. Frankfurt 26.1. Koblenz 27.1. Worpswede

Orquesta Buena Vista Social Club feat. Omara Portuondo 14.7. München

r Max Raabe & Das Palast Orchester 7.12. Schwäbisch Gmünd 8.12. Bregenz 9.12. Kempten 11.12. Bayreuth 12.2. Hamburg 13.2. Hamburg 14.2. Lübeck 15.2. Kiel 16.2. Braunschweig 17.2. Hannover 18.2. Hannover 27.3. Stuttgart 28.3. Stuttgart Enrico Rava & Stefano Bollani 28.1. Basel Dianne Reeves/ Raul Midón 25.1. Gütersloh 26.1. Berlin 27.1. Hamburg 31.1. Heidelberg 1.2. Frankfurt 3.2. Baden-Baden 4.2. Bremen

s Amparo Sánchez & Band 27.1. Salzburg 28.1. Reutlingen 30.1. Düsseldorf Curtis Stigers 12.6. Hildesheim

t Gayle Tufts 26.12. Berlin 27.12. Berlin 28.12. Berlin 29.12. Berlin

w Nils Wülker 18.12. Bad Salzhausen

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der Promihörer

Jim Sampson Als „Radionarr seit 1966“ bezeichnet sich der gebürtige Amerikaner. Für seinen Sender Bayern 3 interviewt er Stars von Alfred Hitchcock bis Mick Jagger.

Welche Platte haben Sie sich als erste selbst gekauft?

Sarah Vaughan: „Broken Hearted Melody“, ihre erste Goldene Platte und auch die erste vom Texter Hal David, der später durch seine Zusammenarbeit mit Burt Bacharach Legende wurde. Haben Sie ein Instrument gelernt? Ich spielte als Kind Klavier. Das Klavier hat gesiegt. Was war Ihr bisher eindrucksvollstes Konzerterlebnis?

Ich war nie ein Fan von Marius Müller-Westernhagen. Aber bei einem Open-Air in Nürnberg Mitte der 90er Jahre hat’s gegossen – „Woodstock“ Feeling, und berauschend gut. Habe nachher unseren Mitschnitt angehört, leider ging einiges verloren. Auch außergewöhnlich gut (und musikalisch besser): Bruce Springsteen solo, Randy Newman und die „Questions & Answers“ Shows von Billy Joel. Sind Sie auch mal selbst als Musiker aufgetreten?

Meine Aufführung von 4'33" von John Cage ist legendär. Was singen Sie unter der Dusche? Songs von Marcel Marceau. Mit welchen Songs bringt man Sie auf die Tanzfläche? Johann Strauss? Ich tanzte früher gerne Walzer. Aber James Brown oder Earth, Wind & Fire schaffen es auch. Und mit welchen wieder herunter? Sinéad O’Connor: „Nothing Compares 2 U“. Mit welcher Platte testen Sie die Belastbarkeit Ihrer Boxen? Saint-Saëns: Symphonie Nr. 3 mit Munch, Boston Symphony. Habe sie 1959 live erlebt und seitdem auf allen möglichen Tonträgern gekauft, um die Qualität des Mediums, auch der Lautsprecher, zu testen. Was läuft bei Ihnen zum Sonntagsbrunch? Klaviertrios von Haydn oder Filmmusik von Korngold/Steiner/Waxman/Williams/Elfman/Barsotti/ Newman/Doyle/Berrnstein/Shore/ Desplat/Glass … und Jonny Greenwood. Wessen Stimme könnten Sie ewig lauschen? P!nk. Eine grob unterschätzte Künstlerin. Aber auch Melody Gardot, Feist, Miranda Lambert, k.d. lang … und Bonnie Raitt. Ihr Lieblingsinstrumentalist? Wilhelm Kempff, Jamie Cullum. Welchen Soundtrack haben Sie sich als letztes gekauft? Craig Armstrong: Film Works 1995–2005 mit Musik aus „Plunkett and Macleane“. Bei welcher Musik bekommen Sie Ganzkörperausschlag? Schlecht gemachte Covers, die aus den Wänden mancher Waren­ häusern strömen, und Lou Reeds „Metal Machine Music“. Ihr Album für die einsame Insel? Mozart: Divertimento Es-dur, K. 563 mit Grumiaux. Welchen Songtext können Sie auswendig? „Fly Robin, Fly“ von Prof. Dr. Michael Kunze.

I m p r e s su m Verlag: INMEDIA Verlags- und Redaktionsbüro GmbH Lucile-Grahn-Str. 37 81675 München Telefon 089 / 457 261-0 Fax 089 / 457 261-50 Mail post@sonomagazin.de Herausgeber: Günter F. Bereiter Redaktion: Christian Stolberg (c.stolberg@inmedia.de, Tel. 0 89 / 45 72 61-41) Autoren dieser Ausgabe: Svevo Bandini, Ralf Dom­browski, Josef Engels, Guido Fischer, Heiko Große, Raoul Gulbenkian, Jörg Laumann, Reinhard Lemelle, Felix Marondel, Gunther Matejka, Severin Mevissen, Jürgen Otten, Jochen Overbeck, Dorin Popa, Christiane Rebmann, Tobias Richtsteig, Michael Sailer, Hans-Jürgen Schaal, Robert Wallner Bildredaktion: Fritz Osskar Termine: Michael Wopperer Design: Arndt Knieper Produktion: Viola Müller-Hergerdt Anzeigenmarketing: Harald Richter (h.richter@inmedia.de, Tel. 089 / 457 261-35) Abo + Vertrieb: Susanne Lanzinger (s.lanzinger@inmedia.de, Tel. 0 89 / 45 72 61-45) Druck: ADV Schoder, Augsburger Druck und Verlagshaus GmbH Aindlinger Str. 17–19 86167 Augsburg SONO erscheint sechsmal jährlich. Erscheinungstermin der nächsten Ausgabe: 10. Februar 2011

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