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Die Frau in der Jagd! Von Flinten, Fotokameras und Bungeejumping mit Dackeln Die Zahl der Jägerinnen in Deutschland nimmt stetig zu. Vier Frauen aus der Region haben dem Landkuss dazu einige Erklärungen geliefert. Anke Schubert, 37, Jägerin, Hundeführerin, Gärtnerin, Jagdhornbläserin, Freizeitfotografin. Bianca Finck, 37, Jägerin, Anglerin, Hundeführerin, Tierarzthelferin mit eigenem Hundepflegesalon, Jagdhornbläserin im Bläserchor Uelzen, Freizeitreiterin. Cornelia Sievers, 56, Jägerin, Hundeführerin, Richterin vom Jagdgebrauchshundeverband (JGHV), selbstständig mit eigenem Hundesalon und einem Internetshop für ökologischen Hundebedarf. Maike Sprengel-Krause, 58, Exjägerin, selbstständige Sprachheilpädagogin, Biotop- und Artenschutzbeauftragte im BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), Tierund Naturfotografin. Anke Schubert und Bianca Finck sind vor Jahren über die Hunde zur Jagd gekommen. Die Liebe und Begeisterung insbesondere für Jagdhunde waren der Jägerprüfung vorausgegangen. „Wir wollten den Hunden in jeder Beziehung gerecht werden.“ Bis heute sind beide Frauen auf Jagden zumeist als Hundeführerinnen tätig. Bei Cornelia Sievers, mittlerweile auch hauptberuflich auf den Hund gekommen, ist der Jagdtrieb durch den allerersten Familiendackel geweckt worden. Maike Sprengel-Krause wiederum hatte es über den Naturschutz zum Waidwerk geführt. „In dem Wissen, dass zu hohe Wildbestände eine gedeihliche Waldentwicklung, eine Naturverjüngung, nicht zulassen.“ Aber letztendlich war auch ihr die Hundearbeit zu einer der größten Jagdfreuden geworden. Aufstöbern, nachsuchen …

Doch was beinhaltet die Pirsch durch die Wälder noch?

Was nimmt die Jägerin mit auf den Hochsitz? Für Anke Schubert und Bianca Finck gehören zumeist Bücher mit auf den Jagdsitz. Doch den Jagd- und zugleich besten Freundinnen bedeuten die Sitzungen inmitten der Natur, mit ausgeschaltetem Handy, auch Meditation. Zeiten der Besinnung, der Rast und des Friedens. „Zeiten, die nur mir gehören.“ „Kein Alltag, keiner stört, keiner will was.“ Ansitzen erdet also. Und entschleunigt.

Jagdinstinkt grüßen? Schwein zu haben, hieß von jeher ja auch die Familie ernähren zu können.

Die meiste Zeit des Lebens sitzt der Jäger vergebens! „Oftmals kommt kein Schwein vorbei. Doch das ist auch wurscht.“ Tatsächlich jagen die meisten Jägerinnen nicht um des Jagens willen. „Es ist das Gesamtpaket, das lockt.“ Und wird gejagt, dann in der Regel mit Sinn, Ver-

Auch Cornelia Sievers lässt auf dem Hochsitz die Seele baumeln. „Ich finde im Wald Ruhe und meinen Ausgleich.“ Allerdings sitzt die vielfach geprüfte Hundefachfrau stets alleine an und strickt währenddessen am liebsten Strümpfe. Mit Holznadeln. Klappern gehört offensichtlich nicht immer zum Handwerk. Bei so viel Entspannung wird natürlich auch mal weggedöst. „Aber ich kann noch so fest schlafen. Beim ersten leisen Grunzen, das nicht von mir stammt, bin ich wach.“ Lässt da der frühmenschliche

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Wildrezepte! Rehpfeffer Zutaten für 4 Personen:

750 – 1000 g Rehfleisch in Stücke schneiden (Kopf- Bauch- u. Beinfleisch) ½ l Rotwein Pfefferkörner, Wacholderbeeren, 1 Lorbeerblatt, Petersilienstengel, Karotte, ¼ Sellerieknolle, 1 Zwiebel. Gemüse in Würfel schneiden. 100 g Speck auslassen 1 EL Tomatenmark 1 EL Mehl ½ Päckchen Ochsenschwanzsuppe, 3 Gläschen Fruchtlikör

Zubereitung: Das in Stücke geschnittene Fleisch über Nacht in eine Marinade aus Rotwein, Pfefferkörnern, Wacholderbeeren, Lorbeerblatt, Petersilienstengel und dem Gemüse einlegen. Am nächsten Tag das Fleisch gut abtropfen lassen und in dem ausgelassenen Speck gut anbraten. Das abgetropfte, marinierte Gemüse und die Gewürze dazugeben, alles gut anbraten, das Tomatenmark zufügen, das Ragout mit wenig Mehl bestäuben, etwas bräunen und mit der Marinade auffüllen. Das Ragout garen und mit der in wenig Wasser aufgelösten Ochsenschwanzsuppe binden. Das Fleisch noch kurz mit durchkochen, aus der Soße nehmen und warm stellen. Die Soße durchpassieren und über das Fleisch gießen. Dazu schmecken sehr gut Spätzle und Salat.

Damhirsch-Keule oder Rücken in Folie Zutaten für 4 Personen:

Zubereitung:

800 – 1000 g Keulenfleisch oder Rücken, 1 Möhre, wenig Salz und etwas Pfeffer – evtl. getrockneten grünen Pfeffer, 2 Zwiebeln, 1 TL Zitronensaft, 1 Sellerieknolle, 2 EL Orangensaft, 80 g Speck, 1/8 l Sahne, 2 EL Johannisbeergelee und etwas Rotwein

Den Braten mit kleingeschnittenen Zwiebeln, Möhre, Selleriestücken würzen und Säfte hinzugeben, mit Speckscheiben belegen und in die Bratfolie legen. Die Bratfolie auf den kalten Rost einschieben, im Ofen bei 200 °C 45 Min. angaren und bei 175 °C weitere 30 – 40 Min. – je nach Fleischstück – fertiggaren.

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Bratensaft und Gemüse durch ein Sieb streichen, mit Johannisbeergelee noch mal aufkochen lassen, wie üblich binden und mit Sahne und halbtrockenem Rotwein abschmecken. Als Beilagen empfehlen wir: Rosenkohl oder Fenchelgemüse, Blattsalat oder gemischten Salat und Kroketten.

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stand und Mitgefühl. Bianca Finck sagt: „Es ist Adrenalin pur, sowie ich das Tier im Fadenkreuz habe und weiß, ich werde abdrücken können. Doch würde ich diese Erregung, diese Aufregung nicht mehr spüren, müsste ich das Gewehr an den berühmten Nagel hängen. Weil ich den Respekt und die Ehrfurcht vor der Kreatur verloren hätte. Wäre ich zu routiniert, wäre ich gleichgültig. Hallo!? Ich töte (!) ein Tier. Leben auszulöschen darf aber niemals egal sein. Mir nicht und anderen nicht. Ich darf auch nie ein Wildstück erlegen, ohne es vollständig zu verwerten. Es ist Frevel, ein Wildtier nur um der Trophäe willen zu erlegen und alles andere wegzuwerfen.“ Anke Schubert ist der gleichen Meinung: „Ich weiß nicht, ob der Mutterinstinkt auch eine Rolle spielt. Aber es gehört sich auch nicht, ein Jungtier wie zum Beispiel einen Fuchswelpen abzuknallen und dann zu sagen, weg damit, ist ja eh nix dran. Frei nach dem Motto, essen kann ich den nicht, für einen Handschuh genügt er auch nicht und ausgestopft macht er sowieso nix her.“

Überzeugte Gegnerinnen der Massentierhaltung! Für einen Braten sollte es also wenigstens reichen. (siehe Rezeptvorschlag auf Seite 82) „Mehr Wild zu servieren, wäre auch ein mehr zurück zur Natur.“ Anke Schubert spricht aus, was die meisten Jägerinnen denken: „Wir sind gegen Massentierhaltung. Das Wildtier, das wir eigenhändig schießen, ausweiden, zubereiten und essen, hat artgerecht gelebt. Ist es darum nicht sinnvoller, zum Beispiel Wildgulasch auf den Tisch zu bringen anstatt Masthähnchen? Wild sollte nicht nur als Sonntagsgericht gelten, sondern wieder als Alltagsessen Anerkennung finden. Wildbret ist auch nicht teurer als anderes gesundes Fleisch und es gibt etliche Rezepte für die flinke Zu-

bereitung unter der Woche.“ Allgemeines Kopfnicken. „Wir schießen nicht, weil wir die Lizenz zum Töten besitzen. Wir schießen, weil wir essen wollen oder der Kunde einen Braten bestellt hat.“ Ein Wildtier ist sch(l)ussendlich auch ein Lebensmittel? „Ja, will sagen, wir werden als Allesfresser geboren, aber nicht als Allesmörder.“ „Zudem jagen wir nur Tiere, die geschossen werden müssen. Wir sorgen für etwas Gleichgewicht und jagen zum Beispiel den Fuchs ja auch, damit der Hase leben darf.“ „Ist der Bestand an Reh- und Rotwild zu groß, wird der junge Pflanzenbestand zu sehr verbissen. Und zu viele Wildschweine richten in den Feldern zu viel Schaden an. Abschusspläne werden somit auch im Sinne der Landwirtschaft und der Lebensmittelkunden erstellt.“

von allen Qualen zu erlösen und nicht tagelang in einem einsamen Versteck verrecken zu lassen. Doch es ist keine einfache Aufgabe und die engagierte Natur- und Umweltschützerin Maike Sprengel-Krause möchte mittlerweile so oder so nicht mehr töten. „Ich kann keiner Fliege mehr etwas zuleide tun.“ Wer Sauköpfe haben will, muss Hundeköpfe drangeben können. (Rudolf Fries) Der beste Freund der Jägerin ist und bleibt der Hund. „Mein Foxl ist durch einen Keiler schwer verletzt worden.“ „Einer unserer Hunde ist aus Versehen erschossen worden. Durchschuss. Er

„Als ich noch mit dem Gewehr gejagt habe, mochte ich nie Hasen oder andere kleine Tiere schießen. Immer nur Tiere, die in der Tat einen „gewissen“ Schaden angerichtet hatten. Oder verletzte. Oft habe ich Stunden mit der Nachsuche verbracht. Angefahrenes Wild schleppt sich ja mitunter kilometerweit, auch noch mit gebrochener Hüfte.“ Es ist eine wichtige und barmherzige Aufgabe der Grünröcke, tierische Unfallopfer schnellstmöglichst

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Besteht ein Unterschied zwischen Jägerinnen und Jägern?

hatte hinter dem Wildtier gestanden.“ „Das Schlimmste, was während der Jagd passieren kann, ist, dass der Köter zuschaden kommt.“

Ja, ein ordentlich ausgebildeter Hund ist für die Jagd unerlässlich und nicht ausgebildete sind dafür auch gar nicht mehr erlaubt. Aber Dackel sind erfahrungsgemäß eine ganz besondere Spezies. Das weiß vor allem auch Cornelia Sievers zu schätzen. „Ein Mal Dackel, immer Dackel.“

„Jagd ohne Hund ist Schund!“ Da bekanntlich zumeist die Mütter für die Kindererziehung zuständig sind, gelten Frauen auch in der Hundeerziehung als überaus kompetent. Eigentlich. So war zum Beispiel der Dackel der Bianca Finck im Brustblattgeschirr mit auf den offenen Hochsitz genommen worden. Doch wurde das „Hoch“ zum Problem, nachdem der Waldi das „Sitz“ nicht befolgt und der ersten interessanten Witterung hinterher gewollt hatte. Schwupps, hing der Schweinehund unter der Kanzel. Wie beim Bungeejumping.

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Mann oder Hund? Die Frage ist doch: Willst du dir nur den Teppich versauen oder auch das ganze Leben? (Anmerkung der Redaktion)

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Einig waren sich übrigens alle Jägerinnen darin, dass der Unterschied zwischen Jägerin und Jäger lediglich der ist, der immer da ist. Der zwischen Mann und Frau. „Ansonsten gilt: Unter Jägern zählt die Leistung. Eine gute Jägerin findet Anerkennung und darf auch durchaus Frau bleiben. Wimperntusche und lackierte Fingernägel sind kein Problem, vorausgesetzt, dass die Wimperntusche auch mal verschmieren und die Fingernägel dreckig werden dürfen.“ „Und mitunter trägt ein Jäger einer Jägerin auch mal die schwere Beute bis zum Auto.“ „Jip, während der nächste wieder auf Gleichberechtigung pocht.“

Es grünt so grün... Wo Frauen sich zwischen Männern bewegen oder wo Frau Frauen interviewt, sind Modefragen durchaus der Rede wert. „Also, ich pirsche auch in normalen Bluejeans durch den Wald.“ „Die Kleiderordnung ist lockerer geworden.“ „Früher hättest du ohne grünen Hut keiner Jagdversammlung beiwohnen dürfen.“ „Mir stehen grüne Hüte gar nicht.“ „Aber grün ist schon praktisch als Klamotte, da siehste keine Grasflecken drauf.“ „Auf braun auch nicht.“

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Tragen Jägerinnen Pelz? O-Ton Finck: „Halbe Tiere wegzuwerfen ist wie gesagt Sünde. Nur wer den Balg auch verwendet, sollte jagen dürfen. Ich sammele auch Fuchsfelle für eine Decke. Aber nie würde ich einen Nerzmantel anziehen. Luxuspelze aus tierquälerischen Massentierfarmen sind für mich völlig undiskutabel.“ Fazit: Die interviewten Jägerinnen platzieren die Hundearbeit, Waldesruh und -hege weit vor der Jagd mit dem Gewehr. Mit einer Ausnahme: Meike Sprengel-Krause hat das Gewehr für immer weggeschlossen und jagt nur noch mit der Kamera. Sie hat so auch den Bock zu diesem Artikel geschossen und den Schwarzstorch. Und den Baummarder, dem angesichts der Fotografinnennähe der Sabber tropfte. Sprengel-Krauses Leidenschaft gehört allerdings der Makrofotografie und dabei den Libellen. Von denen es in der Region mehr als 42 verschiedene Arten gibt. Hätten Sie `s gewusst?

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Frauen in der Jagd  

Die Inhaberin des Hundesalon Sonnenfell www.hundesalon-sonnenfell.de Cornelia Sievers im Landkuss.

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