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aufderBühne TheaterregisseurinBarbaraWachendorff macht - mit Erfolg Betroffenenr Schauspielern Frau Wachendorff,Sie inszenieren mit Tleaterstückeunter anderem^ Demenzkranken.Ihr Projekt ,,An" derland hat den Untertitel,,Reise ohneRuder" - kann man so auch die Probenarbeit und die Vorstellungenbeschreiben? E**BARA WACHENDORF* Es ist eher so, dass,wir ein Schiff aufs Wasser setzen,ohne zu itfssen, wohin es fahren wird - aber wir wissen, dass es fahren wird. Ich fnacheExpertentheater:Dabei stehen Menschenauf der Bühne, die da normalerweise nicht stehen, undmanerlährtetwasüberdasLeben dieserMenschen.Theaterist normalerweisesehr präzise, bis aufden Subtexthinterjedem Satz ist alles festgelegt.Das lässt sich mit-Menschen mit Demenz nicht umsetzen, deshalb bleiben die Szenenspielerischund offen.

fühlen, können sie das nicht ver-

Barbara Wachen- stecken, wenn sie jemanden undortf istTheater- sympathisch finden, zeigen sie ihr regisseurin, das.Und wenn sie Sie anstrahlen ist wissenSie: Sie sind gemeint.Mir Spezialgebiet dasbiografischetut dieseunbedingteEhrlichkeit in ExpertentheatermenschlichenKontaktensehrgut.

Siearbeiten mit fiinf demenzkranSinn, sich zu beteiligen. Wir brau- ken und fiinf professionellen chen die Untersttitzung der Ange- Schauspielern.WelcheSpannung Menschenmit Demenzals Schauspielerhörigenoderder Heime- die Mit- entstehtdabeiaufder Bühne? WACHEIIB$RFF Das wir angewerden wirkenden kommen oft sehr regt nach Hause,damit muss man herausfinden.Wir werdentheatraZum einenwar es umgehen können. Die Frage, ob lische Szenen erfinden, die mit WACHENDORFF wir die Menschennicht vorführen, den Biografien der Beteiligtenzu für viele kaum vorstellbar,wie so wird mir bei jedem Projekt ge- tun haben. Die suchen wir noch" ein Projekt überhaupt funktioniestellt. Darauf kann ich gut antwor- deshalbgibt es im Moment keine ren soll, zum anderenhabeninzwiten: Als Regisseurinist es immer Vorgaben.Das kann dann etwa so schensehrviele Menschenmit Demein Job,Menschendavorzu be- aussehen,dass eine ehemalige merz zu tun - ob als Angehörige wahren, sich zu blamieren. Das Verkäuferin einem Schauspieler der rund 1.2Millionen Erkranlten kann professionellenSchauspie- einen Anzug verkauft. Die Leute in Deutschlandoder als Mitarbeilern genauso passieren. Zudem sollen keine Rollen spielen,son- ter von Heimen oder Pfleeediensmöchte ich eine positive Ge- dem sich selbstin bestimmtenSi- ten.Dasist ja eineRiesenädustrie Menschenmit Demenz und ihre schichte erzählen, and.ereSeiten tuationen.Dasgehtamleichtesten, mittlerweile. Zudem war der AqAngehSrigenziehen sich eher aus der Demenzsichtbarmachen.Wir wenn man an Erlebtesankoppelt. satz überraschend die Krankheit eben nicht als Behinderung oder dem sozialen Leben zurück. We betrachten die Erkrankten meist schwierig ist es, Mitwirkende zu als behindert, als eingeschränkt- Ihre Produhion ,,Ichmussgucken, Einschränkungzu zeigen,sondern mankann abereinen ganzanderen ob ich da bin" braehteIhnen 2006 ihre positivenSeiten. findenfiir ein solchesProjekt? finden und sich sogar nicht nur eine Nominierungfi)r Erfahrung Blickwinkel WACHENDOR.FF Meine nach gibt es viele Menscheri,die fragen: was könntin wirvon ihnen denTheaterpreis,,Der Faust" ein, Wiesind Sie selbstauf das Thema siö zdhlte auch zu den erfol- gekommen? nach einem Weg suchen,sich le- lernen? greichsten Stüclen des Schloss- WAEHEHDORFF Mein Mann ist bendigzu fühlen,wie eszum Beitheaters Moers. Normaler- Psychotherapeut,2003 haben wir spiel auch über Tanz möglich ist. Welche besonderen Fcihigkeiweise gehen viele Men- inMoers ein StückzumThemaAlDemenz bedeutet ja nicht, dass ten haben Menschen mit schen dem Thema De- tersbilanzinszeniert.Das war sehr sich die Betroffenen ständig sehr Demenzauslhrer Sicht? menz eher aus dem Weg- erfolgreich. Zusammen mit dem schlecht fühlen. Das Spielerische $fACHEHIIORFFSie lewie erkldren Sie SchlosstheaterMoers überlegten scheinen sie nicht zu verlieren - bensehrimMoment,sind sich das groJJe wir, wie dieseAuseinandersetzung man kann nur guten Gewissens sehrintuitiv - das finde Publikums- weitergeführt werden könnte und ich Wenn wenn spannend. mit ihnen machen, Theater interesse? haben dafür Partner gesucht.Dasie wahrnehmen,dasssie sich in sie sich schlecht bei sind wir auf den Paritätischen einer Bähnensituation befinden. gestoßen. Wohlfahrtsverband wahr, es Das nehmen sie aber Dort hatte man zwar an unserem scheint eine Art menschlicher aberan eiThemakein Interesse, Grundimpulszu sein.Auch kleine nem Sttick mit Demenzkranken. Kinder spielensichja schonetwas Wir habenüberleg! ob das gehen vor, da ist dann der eine die Oma könnte, und uns gedacht warum und der anderedasKind. sollenwir esnicht wenigstensversuchen?Das war Zufall, ich habe GabeskeineBerührungsöngstezu Besogut wie keinenpersönlichen ä.berwinden,geradebei den zugzumThema. Angehörigen? W&CHE}*I}ORFFWenn jeFiel lhnen der Umgang rnit den mand nachhaltig Bedenken BetroffenenamAnfang schwer ? hat: macht esnattirlich keinen


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SzenenausdemStück,,Ich mussgucken,ob ich da bin"

WACi{INOCßFfIch habemich gut vorbereitet, viel gelesen und in zwei Heimenje eineWochehospitiert. Abei man kann das nur machen,wenn es einem Spaßmacht, und den hatte ich von Anfang an. Für mich war es,alswürdeich eine neue Sprachelernen* den Kranken fällt esschwer,sich zu verständigen,manmussalsoandereKommunikationsmöglichkeiten finden.Ich fanddassehrinspirierend. W4ehat das Projek Sie geprdgt? \ryA€ilgfiüORFf Am Theater herrschtgroßerDruck, man arbeitet oft täglich 14 Stunden,auch samstags,bis nachts. Ich habe mich immer gefrag!:Muss das so sein? Und Demenzkrankezwingen Siezur Langsamkeit.Siekön-

1 I BILDER: CHRISTIAN NIELINCER (

nen Ihnen keinen Druck machen, dann ist die Probe gestorben,sie spüren sogaq wenn Sie Zugewandtheit und Entspanntheit nur spielen.Ich musstealsobei dieser Produktiondafür sorgen,dasswir alle gute Laune hattenund Freude an derArbeit.Ich habenochnie eine so fröhlicheProdukliongehabt, trotzdem waren wir sehr effektiv und sind ohneProblemefertig geworden.Es klingt absurd,aberdas war einemeinerleichtestenArbeiten.Bei meinernächstenProdukti on mit professionellenSchauspielern habeich es genausogemacht, wir habenmorgensmitYogaangefangen und abendsfrühet' Schluss gemacht.Es ging uns gut - und es hat genausofunktioniert. DasGesprächführte SilkeOffergeld

in Köln TheatermitDemenzkranken tndedrnd heißtdasSttlck,das fürdas11. Barbara Wachendorff Kulturfestival Sommerblut imMai2012 in Kölninszeniert. flir dasPruj*tt werdennqch gesucht mitDemenz Menschen Freude Theater spielery diegerne mitanderen MenamKontakt einMuschen haben undvielleicht spielen odergerne sikinstrument singen. Ceprobtwird vom2.April proWobiszum17.Maidreimal Krankenhaus cheimMalteser einFahrKöln,Bachemerstraße,

vorOrt dienstunddieBetreuung werden organisiert. Bislt.faauarkönnensichInteressenten anmelden, unter a 015V55 438241oder

lD theaterunddemenz@comm€ölut.de

anSommerblut Kulturschriftlich Wachendorff, festival e.V., Barbara Postfach 410802,50863 l{öln. feiertam_18. Mai2012 "Anderland" imTheater Stollwerk Premiere. MehrInformationen unter fll www.sommerblutde

ksta-magazin-20-januar-2012-demenzkranke-auf-der-buhne  

GabeskeineBerührungsöngstezu ä.berwinden,geradebei den Angehörigen? W&CHE}*I}ORFFWenn je- mand nachhaltig Bedenken hat: macht esnattirli...

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