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Nr. 63 / 17. November 2010 Spendenkonto: 60-1433-9

www.solidarmed.ch

H端rdenlauf ins Leben:

Neugeborene sch端tzen. Editorial 2 Brennpunkt: H端rdenlauf ins Leben 3 Zimbabwe: Interview mit Dr. Christian Seelhofer 6 Verschiedenes: 8


Editorial

Dareda-Spital

Tanzania

Jedes Baby verdient unse­ren Schutz.

Mbulu

Dodoma

Dar es Salaam

Ifakara

Jede Geburt meiner drei Kinder habe ich als speziellen und schönen Moment in Erinnerung. Auch deshalb, weil wir jederzeit von freundlichen und kompetenten Fachleuten begleitet wurden. Selbst die von Komplikationen geprägte Geburt meiner Tochter hinterlässt schlussendlich mehrheitlich schöne, ergreifende Gefühle. Weil die Hebammen und Ärzte die richtigen Massnahmen trafen, sind meine Frau und die Kleine heute wohlauf. Ein grosses Glück. Für eine mosambikanische Familie wäre diese Geburt im schlimmsten Fall kein Anlass zur Freude, sondern einer der Trauer geworden. Moçambique ist eines der Länder mit der höchsten Kindersterblichkeit weltweit. Die Geschichte der kleinen Hortensia (Seiten 3-5) beschreibt ein Schicksal als Beispiel für den Kampf, den Neugeborene im südlichen Afrika während den ersten Wochen und Monaten ihres Lebens überstehen müssen.

Lugala-Spital Mpanshya-Spital Ancuabe

Zambia

Chiúre

Moçambique

Lusaka

Chainama College Kafue-Spital

Harare

Livingstone-Spital

Zimbabwe

Masvingo

Silveira-Spital Musiso-Spital

Maputo Seboche-Spital Maseru Roma-Spital

Paray-Spital

Lesotho

Einer, der sich seit vielen Jahren für die Gesundheit der Kinder Afrikas einsetzt, ist SolidarMed-Arzt Christian Seelhofer. Seit knapp neun Jahren arbeitet er in einem abgelegenen Spital in Zimbabwe. Im Gespräch (auf Seite 6-7) beschreibt er, was die Kinder Zimbabwes am dringendsten brauchen – nicht zuletzt gesunde Eltern. Impressum «SolidarMed aktuell» 63/2010

SolidarMed will sich auch in Zukunft weiter für das Überleben der Kinder einsetzen, die ansonsten keine Chance haben. So starten wir zum Beispiel in Moçambique im kommenden Jahr ein neues Projekt mit dem Ziel, die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen in zwei Distrikten zu verbessern. Ohne die Solidarität unserer Spender/ innen ist diese Arbeit jedoch nicht möglich und ich bitte Sie einmal mehr dringend, SolidarMed zu unterstützen. Ihr Beitrag wirkt direkt und gibt den Kindern Afrikas eine echte Chance. Joel Meir, Geschäftsleiter SolidarMed

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SolidarMed aktuell

SolidarMed, Obergrundstrasse 97, Postfach, CH-6000 Luzern 4, Telefon +41 41 310 66 60, Fax +41 41 310 66 62, www.solidarmed.ch Texte: Benjamin Gross (Mithilfe: Marianne Villaret) Gestaltung: Silvia Bucher Umschlagsbild: Alexander Jaquemet, Tanzania Druck: Brunner AG, Druck und Medien, Kriens Auflage: 12 000 Exemplare «SolidarMed aktuell» erscheint viermal jährlich – die nächste Ausgabe im Februar 2011. Das Abonnement kostet jährlich CHF 5.— und wird einmalig von Ihrer Spende abgezogen. Für Mitglieder ist es im Jahresbeitrag enthalten. Mitgliedschaft: CHF 50.— für Einzelmitglieder; CHF 80.— für Familien und Institutionen. Spenden und Mitgliederbeiträge überweisen Sie bitte mit entsprechendem Vermerk an: Aus der Schweiz: Postkonto 60-1433-9, lautend auf: SolidarMed, CH-6000 Luzern 4 Vom Ausland: IBAN: CH0909000000600014339, BIC: POFICHBEXXX, Geldinstitut: Swiss Post, Postfinance, Nordring 8, 3030 Bern, Konto 60-1433-9, lautend auf: SolidarMed, CH-6000 Luzern 4 Online: www.solidarmed.ch «Spenden» Lastschriftverfahren (LSV): www.solidarmed.ch «Spenden» oder auf telefonische Bestellung

Herzlichen Dank! SolidarMed ist ZEWO-zertifiziert und steht für einen effizienten und gewissenhaften Einsatz Ihrer Spende. Spenden an ZEWO-zertifizierte Organisationen können in den meisten Kantonen der Schweiz von den Steuern abgezogen werden. Bitte informieren Sie sich direkt in Ihrer Gemeinde.


Brennpunkt

Hortensia erhielt im Spital von Ancuabe ein bisschen Hoffnung für die Zukunft. In den kommenden Monaten und Jahren warten jedoch noch viele Herausforderungen auf das kleine, drei Kilogramm leichte Waisenkind. Wenn sie genügend zu essen bekommt und von Durchfall und Malaria verschont bleibt, kann sie es schaffen.

Bild: Marianne Villaret

Hürdenlauf ins Leben. Hortensia ist erst einige Wochen alt, als sie um ihr Überleben schreit. Die Kleine verlor ihre Mutter bei ihrer Geburt und wurde seither nicht richtig satt. Körperlich geschwächt ist Hortensia den Gefahren durch Krankheiten besonders ausgeliefert. Von den Kindern, die in Moçambique vor ihrem 5. Ge­burts­tag ster­ben, überleben rund 40 Prozent die ersten 28 Tage nicht. SolidarMed setzt sich für die Ge­sund­­heit der Neugeborenen ein und sorgt dafür, dass sie während den gefährlichsten Wochen ihres Lebens eine faire Chance erhalten.

Amelia sollte eigentlich mit am Tisch sitzen und gemeinsam mit dem Team den kommenden Monat planen. Der Leiterin der Mütterstation des von SolidarMed unterstützten Spitals in Ancuabe lief jedoch auf dem Weg an die Besprechung eine Frau in die Arme, die ein schreiendes, in eine afrikanische Capulana eingewickeltes Baby bei sich trug. Amelia sah, dass mit dem Kind etwas nicht stimmte und bot der Frau ihre Hilfe an. Schnell bemerkte sie, dass das Kind beinahe ausgehungert war.

Nagender Hunger Die kleine Hortensia verlor ihre Mutter bei ihrer Geburt. Seither lebt das Baby bei ihrer Tante. Nach dem tragischen Todesfall bekam die Frau Trockenmilch für Hortensia, allerdings ohne jegliche Anweisung. Dies geschieht leider noch zu oft durch schlecht ausgebildetes oder überfordertes Personal in einigen der abgelegenen Gesundheitszentren. Da Hortensias Tante mit dem Pulver nichts anzufangen wusste, versuchte die fürsorgliche Frau, die Kleine  SolidarMed aktuell

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Brennpunkt

SolidarMed plant für 2011 zusammen mit der Gesundheitsbehörde von Ancuabe an alle gebärenden Frauen einmalig ein «BabyPackage» abzugeben. Die darin enthaltene Plastikwanne, die Stoffwindeln, eine Babyhose, ein Paket Seife und das Babypuder sollen die Neugeborenen besser vor Infektionen schützen. Bild: Jean-Pierre Grüter

mit ihrer eigenen Milch und der Milch anderer Mütter zu füttern. Es reichte nicht. Hortensia, mittlerweile stark abgemagert, schrie vor Hunger um ihr Leben. So lange, bis die Tante sie in das Spital von Ancuabe brachte.

dress in Babygrösse. Amelia hat Hortensias Dorf bereits in ihre Agenda für den kommenden Monat eingetragen. Im Rahmen ihrer von SolidarMed unterstützten Arbeit wird sie nach der Kleinen sehen. ▪

Die schwierigen ersten Wochen

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SolidarMed aktuell

Eine gute Entscheidung, mit dem Baby die zwanzig Kilometer unter die Füsse zu nehmen, ansonsten wäre Hortensias früher Tod sehr wahrscheinlich gewesen. 2,8 Millionen Babys sterben weltweit gemäss der WHO jedes Jahr innerhalb ihrer ersten Lebenswoche. Werden die Kinder mitgerechnet, die leblos zur Welt kommen, weil schon während der Geburt die fachliche Hilfe einer Hebamme fehlt, sind es über 5,9 Millionen Babys, die keinen Monat alt werden. 98 Prozent dieser Kinder kommen in Entwicklungsländern wie Moçambique zur Welt. Im ländlichen Norden des Landes geschehen 81 Prozent der Todesfälle bei Neugeborenen während der ersten Lebenswoche, 32 Prozent am ersten Tag. Moçambique ist eines der Länder mit den höchsten Sterberaten weltweit. Infektionen, Frühgeburten und Erstickungstod sind verantwortlich dafür, dass diese Babys den ersten Monat nicht überleben. Da 15 Prozent schon mit zu wenig Körpergewicht zur Welt kommen, sind Kinder wie Hortensia dringend auf ausreichende Ernährung und wo nötig medizinische Betreuung angewiesen.

Kindersterblichkeit: Dem Ziel nicht nahe genug!

Integration ins Gesundheitssystem

Trotz weltweiten Fortschritten verbessert sich die

Einfache Mittel könnten den Tod dieser Kinder verhindern. Es braucht eine verbesserte Hygiene während und nach der Geburt, gute fachliche Betreuung der Kinder in den ersten Tagen sowie genügend Nahrung. Lebensrettende Massnahmen müssen im Gesundheitssystem integriert werden, die klinischen Abläufe den Kindern gerecht werden. Dafür braucht das Personal die entsprechende Schulung und das notwendige Material. Als Expertin für Müttergesundheit und Ausbildnerin von Pflegepersonal ist es nicht Amelias Aufgabe, Mütter von der Strasse aufzulesen und ihnen so zu helfen. Beim Anblick der kleinen Hortensia, die nun gierig die Ersatzmilch aus dem Schoppen saugt, versteht man jedoch, warum Amelia nicht mehr an der Besprechung erschien. Es war wichtig, der Tante zu zeigen, wie man Milchersatz zubereitet. Kurze Zeit später war sie das erste Mal in ihrem kurzen Leben satt und lag zufrieden in einem gelben Basketball-

Lage für die Kinder im südlichen Afrika nur sehr

Gemäss dem vierten Millennium-Entwicklungs-Ziel der UNO soll die Kindersterblichkeit bis ins Jahr 2015 weltweit um zwei Drittel gegenüber 1990 gesenkt werden. Die Zeit wird langsam knapp. Um das Ziel zu erreichen, muss in den verbleibenden fünf Jahren bedeutend mehr für die Gesundheit der Kinder getan werden. Das bestätigten auch die Mächtigen der Welt an der UNO Vollversammlung im September dieses Jahres.

en finden Weitere Information Sie auf: goals/ www.un.org/millennium

schleppend. Zwar ging die Kindersterblichkeit in den letzten Jahren auch in Moçambique zurück, noch immer (2008) sterben jedoch 130 von 1'000 Kindern vor ihrem 5. Geburtstag. 1990 waren es noch 249 Kinder. Trotzdem sterben in Moçambique noch jeden Tag über 1'700 Kleinkinder. Ein grosser Teil davon im ersten Lebensjahr. In der verarmten Projektregion von SolidarMed, im weit abgelegenen Norden des Landes, ist die Lage noch bedeutend schlimmer.


Brennpunkt

en finden Weitere Information Sie auf: oçam bique» www.solidarmed.ch «M SolidarMed in Moçambique SolidarMed stärkt in enger Zusammenarbeit mit den

Komplikationen lebensrettende Kaiserschnitte durch-

Behörden der beiden Distrikte Chiúre und Ancuabe

führen, was bisher nur im 130 Kilometer entfernten Di-

die Bevölkerung darin, Gesundheitsprobleme selber

striktspital möglich war. SolidarMed unterstützt alle 16

zu erkennen und zu lösen. Ausserdem wird die Ge-

Gesundheitszentren der Region, wovon rund 400‘000

sundheitsversorgung den nationalen Anforderungen

Menschen profitieren.

angeglichen.

Lokal gut verankert Sicher gebären – doppelt Leben schützen!

In den Projekten wird auch die Kommunikation mit

Ein verbessertes Gesundheitssystem bedeutet, dass

traditionellen Heilern und Hebammen berücksichtigt,

Mütter ihre Babys sicherer zur Welt bringen können.

damit diese ihre Patient/innen im richtigen Moment an

SolidarMed unterstützt die Verantwortlichen in Manage-

ein Gesundheitszentrum vermitteln. SolidarMed ist in

mentfragen oder bei der Ausbildung von Personal. Ein

den Dörfern bekannt und bringt wichtiges Wissen über

effizientes System bedeutet, dass HIV/Aids-Tests und

Gesundheitsgruppen an die Bevölkerung. Ein wichtiger

Beratungen für alle Menschen möglich werden, dass

Bestandteil dieser Sitzungen ist die «sichere Mutter-

Impfkampagnen stattfinden und dass Mütter wissen,

schaft» mit Themen wie Schwangerschaft, Geburt und

wie sie ihre Babys vor Gefahren besser schützen. Das

Neugeborenenpflege. Aber auch wie Malaria vorge-

Abgeben von «Babypaketen» und Moskitonetzen mo-

beugt und Fieber behandelt werden kann. Veloambu-

tiviert viele angehende Mütter, die sichere Umgebung

lanzen ermöglichen Schwangeren bei Komplikationen,

eines Gesundheitszentrums aufzusuchen. Mittler­­weile­

schneller bei einer Fachperson zu sein.

können einige dieser Zentren dank SolidarMed bei

SolidarMed aktuell

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Zimbabwe

Bild: Urs Allenspach

Im Juni 2010 waren bereits 3‘506 HIV-positive Menschen in Zimbabwe dank SolidarMed unter Therapie. 11 Prozent davon sind Kinder unter 16 Jahren, die das Virus oft schon seit der Geburt tragen.

Gesunde Kinder brauchen gesunde Eltern. Interview mit Dr. Christian Seelhofer

Zimbabwe ist das Sinnbild für die Korruption und die Misswirtschaft vieler afrikanischer Staaten. Der westliche Fingerzeig auf das Fehlverhalten der Regierung von Diktator Mugabe hilft den Menschen des Landes jedoch kaum. Von der einst lobenswerten Infrastrukur bei Amtsantritt der aktuellen Führungselite ist heute wenig geblieben. Darunter leiden auch die Kinder, denen es heute schlechter geht als vor der Unabhängigkeit. Der Arzt Christian Seelhofer arbeitet seit vielen Jahren für SolidarMed in Zimbabwe und weiss, dass die direkte Hilfe ankommt. Herr Dr. Seelhofer, welche drei Worte beschreiben für Sie das Leben eines Kindes in Zimbabwe am besten? Armut, Arbeit, Fröhlichkeit. Welchen Stellenwert nehmen Kinder in der Gesellschaft ein? Kinder – möglichst viele – sind immer noch das Wichtigste einer Familie. Renten kennt Zimbabwe nicht, also ist der Nachwuchs die einzige Altersvorsorge. Was bedroht die Gesundheit der Kleinsten am meisten? Es scheint paradox, aber es ist die Aidserkrankung der Eltern. Hinzu kommen unzureichende Ernährung, man­ 6

SolidarMed aktuell

gelnde Hygiene und Verbrennungen. Die gesündesten Kinder sind diejenigen aus gesunden und intakten Familien. Inwiefern bedroht die Aids-Epidemie die Kinder in Zim­babwe direkt? Bis vor kurzem war die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind eine grosse Gefahr, was mittlerweile neue Medikamente glücklicherweise grösstenteils verhindern. SolidarMed investiert in unserer Region viel, damit Babys ohne das Virus zur Welt kommen. Das Virus macht die Kinder krank, verhindert, dass sie zur Schule gehen, oft nimmt es ihnen ihre Eltern. Als Waisen werden sie unter erbärmlichen Verhältnissen von Grossmüttern, Nachbarn oder andern Geschwistern versorgt.


Zimbabwe SolidarMed in Zimbabwe In den Distrikten Zaka und Bikita im Südosten Zim­bab­

Wasser, Medikamenten und ausreichend ausge­­bilde­

wes verbessert SolidarMed zusammen mit der ­Diözese

tem Personal. Notentbindungen sind nicht möglich

Masvingo und dem Gesundheitsministe­rium das medi-

und Überweisungen in ein Spital funktionieren selten.

zinische Grundangebot für rund 350‘000 Menschen.

SolidarMed wird diesen Missständen in den kommen-

SolidarMed unterstützt 2 Spitäler und 24 abgelegene

den Jahren vermehrt entgegenwirken. So ist zum Bei-

Gesundheitszentren, damit diese effektiver helfen

spiel der Bau von Mütterwartehäusern vorgesehen,

können. Dies geschieht mit konkreten Projekten zur

damit Hochschwangere rechtzeitig ins Spital kom-

Verbesserung der vorhandenen Infrastruktur, durch

men, wo ihnen bei Komplikationen geholfen werden

die Unterstützung von Krankenpflegeschulen, durch

kann. Zudem wird SolidarMed im Rahmen des HIV/

das HIV/Aids-Projekt SMART und die Entsendung von

Aids-Behandlungs- und Präventionsprojektes SMART

Ärzten, die neben der klinischen Arbeit auch einen Auf-

ver­stärkt gegen die Übertragung des HI-Virus von der

trag für die Ausbildung und Supervision haben.

Mutter auf das Kind vorgehen. SolidarMed schützt die Kinder, die Zimbabwe dringend braucht.

Mehr Gesundheit für Kinder und Mütter Zudem konzentriert sich SolidarMed in Zimbabwe ab 2011 vermehrt auf die Gesundheit der Kinder und Mütter. Beispielsweise durch die Unterstützung der

en finden Weitere Information Sie auf: im ba bwe» www.solidarmed.ch «Z

abgelegenen Gesundheitszentren, in denen oft miserable Bedingungen herrschen. Es fehlt an fliessendem

Zahlen und Fakten zu Zimbabwe ▪ ▪ ▪ ▪

14 Prozent der Kinder sind untergewichtig. 36 von 1‘000 Kindern sterben in den ersten vier Wochen, 96 von 1'000 Kindern vor dem 5. Geburtstag. 120'000 Kinder unter 15 Jahren sind HIV-positiv. 1 Million Kinder haben ihre Eltern wegen HIV/Aids verloren.

Quellen: State of the World’s Children 2010, Global Hunger Index 2010

Was kann dagegen getan werden? Es braucht die neuen Therapien, die den infizierten Kindern und ihren Eltern trotz dem tödlichen Virus ein weitgehend normales Leben ermöglichen. Die Anstrengungen von SolidarMed diesbezüglich sind für viele Familien ein Segen. Ende 2008 schien das Gesundheitssystem komplett zu kollabieren. Funktionieren die Spitäler wieder? Das Gesundheitswesen liegt immer noch sehr im Argen. Ein Spital muss ohne Unterstützung des Staates auskommen. Einzig die Löhne kommen vom Staat, werden aber auch vom Ausland finanziert. Das laufende Budget muss ein Spital mit den Behandlungen erwirtschaften. Da viele Spitäler in sehr armen Gegenden liegen, wo die Patient/ innen für ihre Behandlung nichts bezahlen können, fehlt dieses Geld. Eine Ausnahme bilden die Einrichtungen, die von Organisationen wie SolidarMed unterstützt werden. Die beiden von uns direkt unterstützten Spitäler Musiso und Silveira funktionieren sehr gut und sichern die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung.

Wie hilft SolidarMed? SolidarMed entsendet Ärzte aus Europa in die Spitäler, gibt Mittel für den Kauf von Medikamenten, Verbandsmaterial und Geräten. SolidarMed war auch führend in der Einführung der HIV/Aids-Therapie. Dazu waren auch viele bauliche Veränderungen notwendig. Aktuell ist SolidarMed stark engagiert in der Auslagerung der HIV/Aids-Therapie von den Spitälern in die kleinen von Krankenschwestern geführten Gesundheitszentren. Sie sind nun schon seit bald neun Jahren für SolidarMed im Einsatz… …und ich habe noch immer viel Freude an der Arbeit. Trotzdem denke ich doch langsam an die Rückkehr in die Schweiz.

Christian Seelhofer, Arzt von SolidarMed, ist seit 2002 für SolidarMed in Zimbabwe als Arzt im Einsatz. Momentan im Sil­ veira-Spital. Für seine Verdienste erhielt er 2008 den Schaffhauser Preis für Entwicklungszusammenarbeit. SolidarMed aktuell

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Verschiedenes

Lächeln für den guten Zweck. Alljährlich werden Ärzte und Pharmazeut/innen aus der ganzen Schweiz vom Pharmaunternehmen Mepha eingeladen, ein hochkarätiges Konzert zu geniessen. SolidarMed durfte zugunsten eines Spital-Projekts in Tanzania die Kollekte einsammeln. In beeindruckender Weise unterscheidet sich das prachtvolle Luzerner KKL von den eher einfachen Spitälern und Gesundheitszentren im südlichen Afrika, die mit der Unterstützung von SolidarMed die Gesundheit vieler Menschen sichern. Fast schon sinnbildlich stand die mitgebrachte Veloambulanz in dem riesigen Konzerthaus etwas verloren da. Nicht so die zahlreichen freiwilligen Sammler/innen von SolidarMed. Sympathisch mischten sie sich unter das Publikum und halfen mit, möglichst viele Mittel für das Lugala-Spital in Tanzania zu sammeln. «Es ist eine grosse Chance, bei ‹Mepha Classic› nach den Gratiskonzerten für ein Projekt zu sammeln», freut sich der Emmenbrücker Arzt Aldo Kramis und fügt an: «Dank meinem Einsatz in Afrika weiss ich, wie viel SolidarMed mit diesen Spenden bewirken kann.»

Bild: Benjamin Gross

Schon seit vielen Jahren macht sich der Bassersdorfer Arzt Hugo Morger zusammen mit seiner Frau Hendrika ehrenamtlich für SolidarMed stark. Sie sind zwei der unzähligen stillen Helfer, ohne welche die Arbeit von SolidarMed nicht möglich wäre.

Ein paar Meter weiter steht der Bassersdorfer Arzt Hugo Morger mit seiner Frau Hendrika. Jahr für Jahr sammeln die beiden mit einem bunten Hut und lächeln um möglichst grosszügige Spenden. Hugo Morger war für SolidarMed als Arzt in Lesotho im Einsatz. Als ehemaliger Präsident von SolidarMed liegt ihm besonders viel an der Gesundheit der Menschen in Afrika. Herzlichen Dank all unseren zahlreichen freiwilligen Helfer/innen für ihr wertvolles Engagement. Sei dies nun an einem Klassikkonzert, mit einem Stand am Weihnachtsmarkt oder mit einer anderen gelungenen Sammelidee.  Möchten Sie sich auch ehrenamtlich engagieren? Benjamin Gross (b.gross@solidarmed.ch) gibt Ihnen gerne Auskunft.

Dank Ihrer Hilfe können wir etwas bewirken. Wir danken allen Spenderinnen und Spendern, Partner- und Geberorganisationen, Kirchgemeinden, Vereinen und Firmen, welche uns in diesem Jahr unterstützt haben oder welche dieses Jahr zu Weihnachten wiederum anstelle von Geschenken eine Spende an SolidarMed machen werden. Nur dank Ihrer Spende können wir uns weiterhin für die Gesundheitsversorgung im südlichen Afrika einsetzen. Herzlichen Dank! Lastschriftverfahren (LSV): Kommissionen sparen und Spendenwert steigern SolidarMed zu spenden heisst, das Geld in verantwortungsvolle Hände zu geben. 9 von 10 Franken fliessen direkt in die Projekte, wo sie konkret für mehr Gesundheit der Menschen im südlichen Afrika eingesetzt werden. Es geht jedoch noch effizienter: Von einer Spende bleibt jeweils eine Gebühr bei den Banken und der Post für ihre Dienstleistung hängen. Mit einem Lastschriftverfahren (LSV) entfallen diese Gebühren. Diese regelmässigen Zahlungen helfen auch, langfristig zu planen und die Projekte zu bündeln.  Bestellen Sie das LSV-Antragsformular auf unserer Website www.solidarmed.ch unter «Spenden» oder telefonisch bei Frau Sandra Lerch: 041 310 66 60 und bewirken Sie noch mehr mit Ihrer Spende.

Agenda  Mittwoch, 1. Dezember 2010: Welt-Aids-Tag 2010, 19.30 Uhr in der Postremise in Chur. «Aids in Afrika und in der Schweiz». Vorträge von Dr. Jochen Ehmer (SolidarMed) und Dr. Felix Fleisch. Anschliessend: Diskussion, Party und Konzert mit «Jo-Jo and the Dinosaurs». Vorankündigung: Die SolidarMed-Generalversammlung 2011 findet am Samstag, 28. Mai 2011 in der Bäckereifachschule Richemont in Luzern statt. 8

SolidarMed aktuell


SolidarMed aktuell Nr. 63 / November 2010