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Ausgabe Mai 2/2012

THEMA Zwanzig Jahre nach Rio AKTUELL Mit Dialog gegen Arbeitslosigkeit

Das Magazin von


2 EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser, «Rio+20» – in einem Monat findet der Weltgipfel statt, der die Weichen für nachhaltige Entwicklung neu stellen soll. 1992 wurden ihre Grundlagen im Gleichgewicht von wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Entwicklung definiert. Und wo stehen wir heute? Die sozialen Gräben haben sich vertieft – weltweit und auch bei uns; der Klimawandel bedroht den Planeten.

weiterhin auf unseren Kernauftrag – Armutsbekämpfung und soziale Gerechtigkeit – konzentrieren. «Rio+20» kann dafür den Rahmen schaffen, wenn es gelingt, eine grüne und soziale Wirtschaft zu befördern, die der nachhaltigen Entwicklung ein Primat vor einseitigen Profitinteressen einräumt.

Mit diesem Blick in die Zukunft, liebe Leserinnen und Leser, verabschiede ich Die Auswirkungen sind in unseren Partmich von Ihnen. Ich werde im Juni als Generländern sehr direkt sicht- und spürschäftsleiterin von Solidar Suisse zurückbar: Vermehrte Dürren, Stürme und treten, um mich neuen Perspektiven im Überschwemmungen machen Länder zu Bereich der EntwicklungszusammenarKrisenregionen, berauben die Menschen beit zuzuwenden. Meine Nachfolgerin, ihrer Existenzgrundlage und zwingen sie Esther Maurer, wird ihre Funktion als zur Migration. Die Informalisierung der Geschäftsleiterin Anfang September Arbeit hält sie in der Armutsspirale geRuth Daellenbach, aufnehmen. Ich wünsche ihr mit Unterfangen und verbaut jede ZukunftsperGeschäftsleiterin Solidar Suisse stützung von Team und Vorstand gutes spektive – in Ländern südlich der Sahara Gelingen im neuen Wirkungsfeld. sind bis zu 80 Prozent der Menschen gezwungen, sich durch informelle Arbeit das Überleben zu sichern. Ihnen ein herzliches Dankeschön für Ihre wertvolle Unterstützung und Treue zu Solidar. Ihr Beitrag hat mich immer auch Was bringt «Rio+20» für die Entwicklungszusammenarbeit? Wir persönlich motiviert. Bleiben Sie dabei! Ruth Daellenbach werden uns, zusammen mit PartnerInnen und Gleichgesinnten,

MEDIENSCHAU

12.3.2012 Nachhaltiger, als Rating glauben macht (…) Solidar Suisse hat ein GemeindeRating zum Thema Nachhaltigkeit veröffentlicht. Uster liegt im Mittelfeld, was eine Anfrage von Gemeinderat Markus Wanner nach sich zog, die jetzt beantwortet wurde. (…) Der 41. Platz wird vom Stadtrat als «erfreulich» bezeichnet. (…) Auch wenn sich der Stadtrat mit dem Rating grundsätzlich zufrieden gibt, kündigt er Verbesserungen an. Im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit sieht er neben einer Budgeterhöhung ein aktives Kommunikationskonzept der städtischen Beiträge für 2013 vor. Im Beschaffungswesen sollen keine Änderungen erfolgen.

1.3.2012 «Als gesunde Männer sind wir losgezogen» Mitte nächster Woche beginnt in Basel die grösste Schmuckmesse der Welt. Die gute Nachricht: Lucky Gems, eines der übelsten Unternehmen der Branche, darf erneut nicht ausstellen. (…) «Ohne Solifonds, Solidar Suisse und die Gewerkschaft Unia hätten wir das nicht geschafft», sagt Suki Chung, Direktorin von Labor Action China (LAC). (…) LAC organisiert in Hongkong regelmässig Medienkampagnen und Demonstrationen und erreichte erst kürzlich, dass ein weiteres Unternehmen, Worldwide Genis, nicht an der diesjährigen Jewellery Show ausstellen darf.

4.2.2012 Mit viel Gespür für den Stein (…) Kritik erntete die Herkunft von preisgünstigen Natursteinen aus Asien, etwa aus Südindien, bei der ausbeuterische Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit in Kauf genommen wurden. Vor drei Jahren lancierte das Schweizerische Arbeiterhilfswerk, heute Solidar Suisse, eine Kampagne, die soziale Kriterien bei der Beschaffung von Granit für den Strassenbau forderte. Seither hat ein Umdenken stattgefunden. «Unser Ziel ist nicht, keine Steine mehr aus Asien zu importieren. Aber sie sollen fair gehandelt sein. Inzwischen gibt es erste vertrauenswürdige Labels wie etwa das ‚Winwin’Label», sagt Christian Engeli von Solidar Suisse.


3 THEMA «Rio+20»: Grüne Wirtschaft soll Umwelt schützen und nachhaltige Entwicklung fördern

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Armutsbekämpfung und Umweltschutz sind zwei Seiten derselben Medaille

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Was trägt Solidar zur grünen Wirtschaft bei?

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Nicaragua: Nachhaltige Landwirtschaft sorgt für Existenzgrundlagen und schützt vor Klimawandel 8 STANDPUNKT Ambet Yuson: ohne Umverteilung 11 keine nachhaltige Entwicklung

THEMA «Rio+20»: Grüne Wirtschaft soll der nachhaltigen Entwicklung neuen Schub verleihen. Doch wird dabei Armutsbekämpfung und soziale Gerechtigkeit berücksichtigt?

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AKTUELL Eine Bilanz zum Abschied von Geschäftsleiterin Ruth Daellenbach 13 STANDPUNKT

Kosovo: Sozialdialog und Qualitätsförderung in der Milchwirtschaft eröffnen Perspektiven 14 KULTURELL «Fremde Wasser»: Wie Konzerne mit Wasser Profite machen – und daran gehindert werden

Nur mit der Umverteilung von unten nach oben kann das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung erreicht werden. Dabei muss der Staat die Führung übernehmen.

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KOLUMNE

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PINGPONG

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KULTURELL

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Wenig erfinden musste Walter Schorlau in seinem Krimi zu den Geschäften multinationaler Konzerne mit Wasser.

NETZWERK News aus den SAH-Vereinen

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EINBLICK Appolinaire Nana engagiert sich mit Bildung gegen die Armut im ländlichen Burkina Faso 18

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AKTUELL Die Arbeitslosigkeit im ländlichen Kosovo ist hoch. Mit Dialog und Qualitätsförderung wird die Milchwirtschaft gestärkt, um Einkommensmöglichkeiten zu schaffen.

IMPRESSUM Herausgeber: Solidar Suisse, Quellenstrasse 31, Postfach 2228, 8031 Zürich, Tel. 044 444 19 19, E-Mail: kontakt@solidar.ch, www.solidar.ch, Postkonto 80-188-1 Mitglied des europäischen Netzwerks Solidar Redaktion: Katja Schurter (verantwortliche Redaktorin), Christian Engeli Alexandre Mariéthoz, Friederike Pölcher, Cyrill Rogger

Layout: Binkert Partner, www.binkertpartner.ch / Spinas Civil Voices Übersetzungen: Irene Bisang, Ursula Gaillard, Milena Hrdina, Walter Roselli, Jean-François Zurbriggen Korrektorat: Carol Le Courtois, Jeannine Horni Druck und Versand: Unionsdruckerei/subito AG, Platz 8, 8201 Schaffhausen Erscheint vierteljährlich, Auflage: 37 000

Der Abonnementspreis ist im Mitgliederbeitrag inbegriffen (Einzelmitglieder mindestens Fr. 50.–, Organisationen mindestens Fr. 250.– pro Jahr). Gedruckt auf umweltfreundlichem Recycling-Papier. Titelbild: BäuerInnen in Nicaragua tragen zur Prävention von Umweltkatastrophen bei. Foto: Frederic Meyer. Rückseite: In Rio de Janeiro drohen die BewohnerInnen im Vorfeld der WM aus ihren Quartieren vertrieben zu werden. Foto: Ricardo Funari Lucia


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RIO + 20 Von 20. bis 22. Juni 2012 findet in Rio die Nachfolgekonferenz «Rio+20» statt – zwanzig Jahre nach dem Erdgipfel zu nachhaltiger Entwicklung von 1992. Die Ziele von 1992 sind so aktuell wie nie zuvor – denn sie wurden bei Weitem nicht erreicht. Im Zentrum der diesjährigen Konferenz steht die grüne Wirtschaft. Was ist damit gemeint? Kann die grüne Wirtschaft soziale Gerechtigkeit fördern und die Armut bekämpfen? Und wie trägt die Arbeit von Solidar Suisse dazu bei? Foto: Ming Pao


THEMA 5

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Eine umweltschonende Wirtschaft und menschenw체rdige Arbeitspl채tze: Das w체rde auch die Situation eines Steinschleifers in China ver채ndern.


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6 THEMA

Erst wenn BäuerInnen wie Pascaline Zomodo aus Burkina Faso ihre Grundbedürfnisse befriedigen können, ist eine nachhaltige Entwicklung erreicht.

DER GRÜNE GIPFEL DER GERECHTIGKEIT? «Rio+20» – Konferenz zu nachhaltiger Entwicklung: Armutsbekämpfung und Umweltschutz sind zwei Seiten derselben Medaille. Text: Nicole Werner, Alliance Sud, Foto: Rosanna Clarelli

Für den Juni 2012 sind die Hotelzimmer in Rio de Janeiro ausgebucht. Tausende VertreterInnen von Staat und Zivilgesellschaft aus aller Welt kommen zur UnoNachhaltigkeitskonferenz zusammen, die zwanzig Jahre nach dem Weltgipfel über Umwelt und Entwicklung erneut in der Zuckerhut-Metropole stattfindet. Im Zentrum steht das Thema «Grüne Wirtschaft im Kontext von nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung».

Was ist grüne Wirtschaft? Was grüne Wirtschaft ist und wie sie umgesetzt werden soll, darüber ist man sich alles andere als einig. Während die meisten Industrieländer Massnahmen zum Schutz von Umwelt und Ressourcen in den Mittelpunkt rücken, verteidigen Entwicklungsländer ihr Recht auf Entwicklung und fordern mehr soziale Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd. Die Fronten verhärten sich zusehends. Diese Diskus-

sion ist vergleichbar mit jener über die Frage, ob das Atmen oder die Nahrungsaufnahme für den Menschen wichtiger ist zum Überleben. Die nüchterne Analyse zeigt: Es braucht beides. Will die Menschheit ihr Überleben sichern, muss sie lernen, zwischen zwei Begrenzungen zu leben. Die Sockellinie bilden die sozialen Grundbedürfnisse, etwa der Zugang zu Trinkwasser, Nahrung, Bildung, Gesundheit und menschenwürdiger Ar-


THEMA 7 Faire Arbeit für Nachhaltigkeit beit. Die ökologische Tragfähigkeit setzt die obere Grenzlinie. In drei Bereichen – Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Stickstoffverbrauch – ist sie bereits überschritten. Nur zwischen diesen beiden Linien ist die Menschheit langfristig überlebensfähig. Umweltschutz vs. Gerechtigkeit? Aber gibt es darin auch Platz für Gerechtigkeit? Werden nicht die ökologischen Grenzen gesprengt, wenn all jene, die bisher unter der Sockellinie lebten, diese überschreiten? Die Antwort lautet schlicht: nein. Um auch die 13 Prozent der Hungernden ausreichend ernähren zu können, müsste das heutige Nahrungsmittelangebot nur um ein Prozent steigen. Die 19 Prozent der Weltbevölkerung, die ohne Elektrizität leben, könnten damit versorgt werden, ohne dass die globalen CO2-Emissionen mehr als ein Prozent steigen. Es sind nicht die vielen Armen, die den Pla-

Cartoon von Corinne Bromundt

neten an seine ökologischen Grenzen bringen. Es ist der exzessive Konsum der reichsten zehn Prozent der globalen Bevölkerung, der den Planeten ins Schwitzen bringt: 50 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen werden von nur elf Prozent der Menschheit verursacht. Die Industrieländer können es sich leisten, einen Teil ihres Einkommens von heute in ein umweltfreundliches Morgen zu investieren. Für die meisten Länder dieser Welt aber ist dies nicht möglich. Sie müssen ihrer Bevölkerung erst ein würdiges Leben im Heute sichern, um Handlungsspielraum für die Zukunft zu schaffen. Schenkt «Rio+20» dem keine Beachtung, werden sich die Staaten kaum auf die so dringend nötigen Massnahmen für eine zukunftsfähige Entwicklung einigen können. Dieser Realität muss sich auch die Schweizer Delegation in Rio stellen und beim Einsatz für die eigenen Umweltziele die Bedürfnisse der Entwicklungsländer berücksichtigen.

Nachhaltige Entwicklung und Reduktion des Energieverbrauchs sind das Ziel der grünen Wirtschaft. Doch wenn diese zu einer wirklich nachhaltigen Entwicklung beitragen will, muss die Schaffung von würdigen Arbeitsplätzen – vor allem auch in Entwicklungsländern – ein zentraler Bestandteil der grünen Wirtschaft sein. Entwicklungsprogramme können nur einen bescheidenen Beitrag leisten. Denn einerseits stagnieren oder sinken die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit, andererseits machen sie nur einen verschwindend kleinen Teil des Investitionskapitals aus. Ausserdem hat der Kernauftrag der Entwicklungszusammenarbeit – die Armutsbekämpfung – höchste Priorität. Es wäre verheerend, wenn – wie zum Teil von Schweizer ExponentInnen gefordert – plötzlich die Mittel für die Armutsbekämpfung in den Klimaschutz umgeleitet würden. Es sind also vielmehr andere staatliche Instrumente und ein verantwortungsvolles Wirtschaften gefragt. Was ist der Beitrag von Solidar Suisse dazu? Wir konzentrieren unser Engagement auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Schaffung von fairen Arbeitsplätzen. Sei dies bei den Landarbeiterinnen in Nicaragua, den Kleinbauern in Burkina Faso oder den Bauarbeiterinnen in Südafrika. Denn die Entwicklung einer umweltverträglichen Wirtschaft muss immer mit der Frage der sozialen Gerechtigkeit verbunden sein. Ausserdem unterstützt Solidar die Betroffenen beim Umgang mit dem Klimawandel. Sei es durch die Einführung von umweltverträglichen Technologien oder Präventionsmassnahmen, um die verheerenden Auswirkungen von Naturkatastrophen zu lindern – die gerade in den ärmsten Ländern zunehmen. Zoltan Doka, Solidar Suisse


8 THEMA

«DIE WASSERLÄUFE VERSICKERN, WENN DIE HÜGEL KAHL SIND» Solidar schafft in Nicaragua Anreize für BäuerInnen, sich durch nachhaltige Bewirtschaftung ihres Landes die Existenzgrundlage zu erhalten und gegen die Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. Text: Veronica Pfranger, Journalistin, Fotos: Frederic Meyer, Urs Höltschi, Olivia Heussler «Ich habe meinen Kindern erklärt, dass das Fällen eines Baumes ähnlich ist, wie einem Menschen das Leben zu nehmen», sagt Eusebio García auf die Frage, wie er seine Familie beim Erhalt des Lebensraums einbezieht. «Sie wissen, dass unsere Wasserläufe versickern, wenn die Hügel kahl geschlagen sind. Dank Schutzwällen und Terrassen kann ich jetzt Fruchtbäume ziehen, ich pflanze Gemüse und verschiedene Getreidesorten für den Eigenbedarf an. Das bereichert unseren Menuplan.» Ausserdem hat sich der Ertrag seines Maisfelds fast verdoppelt, seit er das Unkraut nicht mehr abbrennt, sondern es geschnitten als Dünger auf dem Boden liegen lässt.

Der nationale BäuerInnenverband UNAG Die Solidar-Partnerorganisation UNAG vertritt die Interessen von KleinbäuerInnen und setzt sich unter anderem für den Schutz der natürlichen Ressourcen durch effizienten ökologischen Anbau ein. Die UNAG Chinandega sichert ihren Mitgliedern mit der Vermarktung ihrer Produkte über zehn Genossenschaften eine Existenzgrundlage. Dies kommt etwa 26 000 Personen zugute.

Umweltverträgliche Produktion Hurrikan hat sensibilisiert 1998 richtete Hurrikan «Mitch» im lohnt sich Departement Chinandega schreckliche Die MitarbeiterInnen der UNAG inforVerwüstungen an: Massive Erdrutsche mieren die BäuerInnen über die Wichtigrissen die einfachen Behausungen der keit des ökologisch angepassten AckerBauernfamilien mit sich, sie verloren baus für den Erhalt der Umwelt. Als Felder und Tiere. Die Bedrohung ihrer Anreiz für eine umweltverträgliche ProExistenz und die immer sichtbarer werdenden Um«Dank Schutzwällen und weltschäden haben die BäuerInnen sensibilisiert. Terrassen kann ich jetzt Das Ausmass der NaturFruchtbäume ziehen.» katastrophe war nicht nur der Wucht des Orkans geschuldet, sondern auch der Erosion wei- duktion geben sie Setzlinge oder Kühe ter Gebiete wegen ungehemmter Wald- ab. Einer, der sich überzeugen liess, ist rodungen und fehlender Massnahmen Hilario Juárez. Er erzählt stolz von der Veränderung seiner ehemals wüstenartizur Bodenerhaltung. Damals bot der BäuerInnenverband gen Finca: «Ich habe kleine Staudämme UNAG den betroffenen BäuerInnen gebaut und die zweieinhalb Hektaren Schulungen und Kleinkredite für den Wald auf meinem Land nicht gerodet. Wiederaufbau ihrer Betriebe an. Die Teil- Deswegen spenden mir heute zwei Quelnehmenden mussten sich dazu verpflich- len auch in der Trockenzeit Wasser für ten, auf ihren Parzellen die umweltver- den Gemüseanbau und die Kühe.» träglichen Anbauformen umzusetzen, die Einige UNAG-MitarbeiterInnen wurden sie erlernt hatten. Terassen, Bewässe- in den Gemeinderat gewählt, wo sie sich rungskanäle und Hecken anzulegen, ebenfalls für nachhaltige Landwirtschaft Bäume entlang der Wasserläufe zu einsetzen. So haben sie erreicht, dass pflanzen und die Diversifizierung der Pro- den BäuerInnen, die den Wald auf ihren duktion gehören inzwischen zur All- Parzellen schützen, etwa 20 Prozent der tagspraxis vieler KleinbäuerInnen. Aus- Bodensteuer erlassen wird, was sich poserdem haben sie die Brandrodung vor sitiv auf deren Einkommen auswirkt und der Aussaat durch ökologischere Metho- einen weiteren Anreiz für eine nachhaltige Landwirtschaft bedeutet. den ersetzt.


KOLUMNE

THEMA 9

Hans-Jürg Fehr Präsident Solidar Suisse und SP-Nationalrat

Vom Pilot zum Gesetz

Dank angepasster Anbaumethoden tragen BäuerInnen in Nicaragua zum Schutz der Umwelt bei und steigern gleichzeitig ihren Ertrag.

Wasser dank Wiederaufforstung Ausserdem unterstützen die Gemeindeverwaltung von San Pedro del Norte und die UNAG gemeinsam die Wiederaufforstung der umliegenden Hügel. So konnten die Quellen der drei wichtigsten Flussläufe vor dem Versiegen bewahrt werden. In 150 verstreut gelegenen Bauernhöfen wurden zudem Sonnenkollektoren für die Energieversorgung installiert. Vorher wurde auf jedem Hof täglich das Holz von eineinhalb Bäumen verbrannt, um zu kochen und den Wohnraum zu beleuchten. Die Lebensqualität der Menschen hat sich sprunghaft verbessert, und die Umweltschäden haben

massiv abgenommen: Sie haben nun Strom – d.h. abends können Schulaufgaben gemacht werden, und sie können kleine Maschinen benutzen. Die Häuser sind nicht mehr mit dickem Rauch gefüllt, und die Bäume werden nicht gerodet. Angespornt durch die Kampagnen der UNAG, forsten die BäuerInnen auf ihren Fincas wieder auf, wodurch die Böden in Hanglage weniger erodieren. Die Zusammenarbeit von UNAG, Gemeinden und BäuerInnen hat viel bewirkt, um den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzutreten. Denn: «Handeln ist angesagt und nicht jammern», wie Eusebio García meint.

Burkina Faso ist ein Schwerpunktland von Solidar Suisse, ein Land, in dem sich ein ganz grosser Erfolg für uns und unsere Partner vor Ort anbahnt. Das Parlament hat die von Solidar eingeführte und mit Pilotprojekten erprobte «Education bilingue» – die zweisprachige Bildung – per Gesetz für allgemein verbindlich erklärt. Die Regierung will dafür sorgen, dass innert fünf Jahren die meisten Schulen im Land auf «unsere» Methode umstellen. Solidar übernimmt dabei eine beratende Rolle und ist von der Regierung mit wichtigen Umsetzungsarbeiten beauftragt worden, etwa der Produktion von Lehrmitteln. Warum die zweisprachige Ein gefälschter Nespresso-Werbespot Bildung ein solcher geworden auf www.solidar.ch ludErfolg Anfang Septemist, zu hat einer mir anlässlich einer Parlamentaber E-Mail-Aktion an George rierreiseein. nach Burkina Faso Anfang Clooney Er sollte Nespresso vor die Februar ein –Vater erklärt:oder Der nie UnterWahl stellen fairersoKaffee wiericht werde mit anfänglich derKampagne Mutterder Werbung Clooney.inDie sprache und auf Französisch verbreitete sichnicht rasend schnell übererdie teilt, und dasEinen zeugeMonat von Respekt vor Social Media: später hatten der000 afrikanischen In dergesehen. Schule 800 PersonenKultur. den Spot würden auch sind hauswirtschaftliche, 40 728 Personen unserer Auffordehandwerkliche und landwirtschaftliche rung nachgekommen und haben George Praktiken gelehrt, und das zeuge Clooney eine E-Mail geschickt. 10von 000 Respekt haben vor derihm manuellen Arbeit der Personen zudem eine persönEltern. Die Schule sei nicht mehr ein liche Botschaft geschrieben. Ort, wo die Kinder ihren Eltern entfremdet würden, sondern ein Ort, mit Reaktion von Nespresso dem sie sich identifizieren könnten. Die Nespresso reagierte schnell: Vor Ablauf positiven Effekte sind bezifferbar: Die der ersten Kampagnenwoche, sassen wir Quote vorzeitigen Schulabgänge mit einerder Nespresso-Delegation am Verist viel tiefer und Lernerfolg viel handlungstisch. Das der Resultat: grösser als in allen anderen Schulen. Entwicklungszusammenarbeit 1.Ob Nespresso findet, ihr Kaffee sei Wirsozial kung zeige? UndJedes ob! Ob Alphabetisienachhaltig genug. Label habe Stärrung Entwicklungsziel sei?nicht Aber ken undein Schwächen, man könne sasicher! gen, dass Fairtrade besser sei als der he


10 NOTIZEN

Sri Lanka: Existenzgrundlage für Vertriebene

Kosovo: «Diaspora für Entwicklung»

Fast drei Jahre nach dem Ende des bewaffneten Konfliktes in Sri Lanka haben viele der zurückgekehrten intern Vertriebenen im Norden des Landes noch nicht die Mittel, um sich einen neuen Lebensunterhalt aufzubauen. Dank langjährigen Engagements im Norden Sri Lankas und Erfahrung im Bereich einkommensfördernder Massnahmen wurde Solidar Suisse im Dezember 2011 von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) mit einem neuen Mandat betraut. 890 Familien erhalten Starthilfen und Beratung, damit sie sich ein Kleingewerbe aufbauen können. Ausserdem wird gemeinnützige Arbeit bezahlt, um zerstörte Gemeindeinfrastruktur wie Abwasserkanäle und Zugangsstrassen wiederherzustellen und die lokale Wirtschaft anzukurbeln. Das neue Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit der DEZA durchgeführt, welche die Familien beim Wiederaufbau ihrer Häuser unterstützt. www.solidar.ch/wiederaufbau

Solidar Suisse hat im Rahmen eines Beratungsmandats am 30. März 2012 in Pristina das DEZA-Projekt «Diaspora für Entwicklung» offiziell eröffnet. Rund 120 VertreterInnen von Institutionen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft aus dem

Neues Gesetz gegen Gewalt gegen Frauen in Nicaragua

auch «violencia patrimonial» – das heisst jegliche illegitime Zerstörung oder Vorenthaltung von Gütern, Dokumenten oder finanziellen Mitteln mit der Absicht, die Selbstbestimmung einer Person zu beeinträchtigen. Das neue Gesetz verpflichtet ausserdem FunktionsträgerInnen (Lehrer, Ärztinnen, etc.), offensichtliche oder vermutete Gewaltübergriffe zur Anzeige zu bringen. www.solidar.ch/news

Im Januar 2012 hat das nicaraguanische Parlament ein verschärftes Gesetz gegen Gewalt gegen Frauen verabschiedet. Jahrelanges Engagement von Frauenorganisationen – darunter auch der Partnerinnen von Solidar – haben entscheidend dazu beigetragen. Das Gesetz anerkennt neben physischer, sexueller und psychischer Gewalt

Modernisierung der ungarischen Gewerkschaften Die Gewerkschaften in Ungarn sind oft noch von alten Strukturen geprägt, die auf grosse Betriebe fokussierten. Im Zuge der Transition haben sich der Arbeitsmarkt und die ArbeiterInnenschaft jedoch radikal verändert. Mit dem Projekt «Gemeinsam für den Wandel» will der ungarische Gewerkschaftsdachverband MSZOSZ in Ostungarn moderne Strukturen mit innovativen Dienstleistungen aufbauen. Als Modell für diesen Strukturwandel dient das Konzept des «Gewerkschaftshauses», das der SMUV und die GBI vor ihrer Fusion zur Unia in der Schweiz realisiert haben.

Kosovo und der Schweiz nahmen am prominent besetzten Lancierungsevent teil. Die Schweizer Botschafterin sowie der Minister für die Diaspora, die Ministerin für Handel und Industrie und der Direktor der Handelskammer des Kosovo haben auf die grosse Bedeutung der emigrierten KosovarInnen für die Entwicklung in ihrem Heimatland hingewiesen. Der Präsident des neuen Dachverbands der KosovarInnen in der Schweiz, Orhan Spahiu, unterstrich, die Bindung zum Heimatland der jungen Generation aufrecht zu erhalten, sei eine besondere Herausforderung. Die Luzerner Kantonsrätin Ylfete Fanaj forderte die kosovarischen Gemeinden auf, für die Diaspora wie für die Einheimischen effiziente Dienstleistungen anzubieten. www.solidar.ch/news Neben Rechtsberatung und Informationsarbeit sollen SchulabgängerInnen spezifische Unterstützung erhalten, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Und nicht zuletzt soll der Organisationsgrad der Gewerkschaften erhöht werden. Solidar unterstützt gemeinsam mit der Unia den Dachverband MSZOSZ und die Branchengewerkschaften Bau, Chemie und Metall beim Aufbau dieser Pilotprojekte.


STANDPUNKT 11

CHANCE FÜR UMVERTEILUNG Für nachhaltige Entwicklung braucht es eine Umverteilung von unten nach oben. Dabei muss der Staat die Führung übernehmen. Text: Ambet Yuson, Bau- und HolzarbeiterInnen Internationale BHI

sig Jahren wurde die Rolle des Staates bei der Finanzierung von Energieversorgung, Forschung und Technologieentwicklung kontinuierlich eingeschränkt. Jetzt müssen die Regierungen wieder ihren rechtmässigen Platz einnehmen und die Gesellschaft zu einem gerechten Wandel führen. «Der Markt schafft weder Die Umstellung auf erneuerwürdige Arbeitsplätze noch bare Energien darf nicht vom Privatsektor finanziert oder in schützt er die Umwelt.» die Hände von Weltbank, Internationalem WährungsIn den letzten zwei Dekaden seit dem Erd- fonds IWF und anderen Finanzinstituten gipfel von Rio ist in den Gewerkschaften gelegt werden. Dies würde zu einer stärdas Verständnis für die Komplexität und keren Verschuldung von Ländern im gloDringlichkeit nachhaltiger Entwicklung balen Süden führen, die Entwicklung ergewachsen. So setzt sich die BHI dafür neuerbarer Energien unerschwinglich ein, die Umwelt und gleichzeitig Arbeits- machen und die Mitsprache der Öffentplätze zu erhalten. Der Wandel in Rich- lichkeit verhindern. tung einer grünen Wirtschaft bietet die Chance für eine grundlegende Verände- Umverteilung statt Profit rung des globalen Systems: die Umvertei- Die globale Krise ist eine Krise des Prilung von Macht und Ressourcen und eine vatsektors. Es braucht alternative Finanzierungsmöglichkeiten, die nicht auf Progerechtere soziale Ordnung. fit, sondern auf eine gerechtere Verteilung Aktive Rolle des Staates des Reichtums abzielen. Kurzfristig sollte Die Vorgaben für einen gerechten Wan- eine Kapitaltransaktionssteuer für Unterdel müssen dabei von den Regierungen nehmen erhoben werden, um die Spekukommen. Die globale Wirtschaftskrise ist lation zu bekämpfen, die das ökonominicht vorbei, und der Konkurrenzkampf sche System instabil macht. um die Ressourcen der Erde wird sich Der Bausektor muss unter staatlicher weiter verstärken – trotz Lippenbekennt- Kontrolle umgebaut werden, vor allem nissen des Privatsektors für eine nach- auf Gemeindeebene, um ein Programm haltige Entwicklung. In den letzten dreis- zur Erhöhung der Energieeffizienz beste-

Abholzung ist die zweitgrösste Quelle von CO2-Emissionen. Der Bau von Gebäuden ist für etwa acht Prozent des globalen CO2-Ausstosses verantwortlich, und ihre Nutzung erhöht den Anteil auf 40 Prozent.

hender Gebäude zu beginnen. Staatliche Investitionsprogramme sollten öffentliche Kapazitäten aufbauen, um grüne Beschaffung zu ermöglichen, ohne dafür vom Privatsektor abhängig zu sein. Der Markt wird es nicht richten Die Notwendigkeit, die CO2-Emissionen zu reduzieren und unser Ökosystem zu schützen, setzt ein demokratisches Planungssystem voraus, an dem sich alle BürgerInnen beteiligen können, von der lokalen bis zur internationalen Ebene. So können die effektiven Grundbedürfnisse der Menschen überall auf der Welt berücksichtigt, die Ressourcen zwischen den verschiedenen Ländern gerecht verteilt und ein Prozess der nachhaltigen Entwicklung für alle in Gang gesetzt werden. Seit der Konferenz von Rio 1992 sind wir ZeugInnen verschiedener globaler Krisen und Umweltkatastrophen geworden. Diese haben gezeigt, dass sich etwas ändern muss. Unternehmen und Regierungen überall auf der Welt müssen aufhören zu glauben, dass der Markt es schon richten wird. Wir wissen, dass der Markt versagt: Er sorgt weder für das Wohlergehen der KonsumentInnen noch für das der ArbeiterInnen, er schafft weder menschenwürdige Arbeit noch schützt er die Umwelt. Regierungen und Menschen müssen dafür sorgen, dass das ökonomische Wachstum weder Menschen noch Umwelt beeinträchtigt.


12 PINGPONG SOLIDAR-REBUS

1. Preis Kubb-Spiel 2. Preis Magnetset 3. Preis Stifthalter Die Preise wurden freundlicherweise von der Werkstatt Carrom des SAH Basel gestiftet.

Schicken Sie das Lösungswort an Solidar Suisse – mit dem beiliegenden vorfrankierten Service-Talon, einer Postkarte oder per E-Mail an kontakt@solidar.ch, Betreff «Rätsel». Jede richtige Lösung nimmt an der Verlosung teil. Einsendeschluss ist der 18. Juni 2012. Die Namen der GewinnerInnen werden in der Solidarität 3/2012 veröffentlicht. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Von der Teilnahme ausgeschlossen sind Mitarbeitende von Solidar Suisse. Das Lösungswort des Rätsels in Solidarität 1/12 lautete «Informal is normal». Reinhard Frey aus Kilchberg hat eine Flasche palästinensisches Olivenöl und eine Zatar-Gewürzmischung gewonnen. Wir danken den MitspielerInnen für ihre Teilnahme.

SOLIDARITÄTS-BAROMETER Sollte sich die Fifa aktiv gegen Ausbeutung und für die Einhaltung der Menschenrechte bei der FussballWM einsetzen? (Siehe hintere Umschlagseite) Ja Nein, das ist ausschliesslich Aufgabe der Regierung des Gastlandes

AUSWERTUNG BAROMETER Sollen Schweizer Konzerne zur Rechenschaft gezogen werden können, wenn ihre Tochter- und Zulieferfirmen die Menschenrechte verletzen oder die Umwelt zerstören? 9 74

74 Ja 9 Für ihre Tochterfirmen (in eigenem Besitz) sind sie verantwortlich, nicht aber für Zulieferfirmen 0 Nein

Ist es sinnvoll, dass sportliche Grossanlässe wie die Fussball-WM in Entwicklungs- und Schwellenländern durchgeführt werden? Ja

Nein

Weshalb:

Beantworten Sie den Solidaritäts-Barometer auf dem beiliegenden Antwort-Talon.


AKTUELL 13

UNSER ANSATZ ÜBERZEUGT Nach elf Jahren – davon über sieben als Geschäftsleiterin – verlässt Ruth Daellenbach Solidar Suisse. Eine Bilanz. Interview: Katja Schurter, Foto: Rosanna Clarelli

in einem schwierigen Kontext weiterzuarbeiten und wieder Programme aufzubauen, die für die lokale Bevölkerung existenziell sind.

Ruth Daellenbach bei einem Besuch in Burkina Faso.

Was waren die Höhepunkte deiner Arbeit bei Solidar Suisse? Die Zusammenarbeit im Solidar-Team hat mir grosse Freude gemacht – mit allen Auseinandersetzungen und Einbrüchen –, fachlich und wegen des respektvollen Umgangs miteinander. Und die Begegnung mit unseren PartnerInnen motivierte mich immer wieder von Neuem. Ein Höhepunkt war, dass es uns gelungen ist, uns mit der neuen Strategie ab 2005 als entwicklungspolitische Organisation mit einem klaren Profil zu etablieren und mit der Entwicklung unserer Kampagnen das Prinzip «global denken – lokal handeln» umzusetzen. Welche Tiefpunkte hast du erlebt? Ein Tiefpunkt war, dass wir das TsunamiWiederaufbauprogramm im Norden Sri Lankas wegen des Bürgerkriegs einstellen mussten und Menschen umgebracht und vertrieben wurden. Wir sind im Land geblieben und haben in Lagern gearbeitet, obwohl wir deren Existenz nicht guthiessen, weil wir die Flüchtlinge nicht im Stich lassen wollten. Es ist uns gelungen,

oder die Debatten um Klimawandel und Steuergerechtigkeit. Warum verlässt du Solidar? Ich finde Wandel etwas Positives und hatte nie das Ziel, bei Solidar pensioniert zu werden. Wenn ich mich beruflich noch einmal verändern will, muss ich es jetzt tun.

Was ist dir wichtig an der Arbeit von Solidar? Unser überzeugender Ansatz: In der Schweiz sind wir eine Organisation der Zivilgesellschaft, in den Partnerländern stärken wir «Gemeinsam mit unseren lokale Organisationen der Partnern sind wir Teil der Zivilgesellschaft, damit sie ihre Anliegen einbringen internationalen Bewegung können. Unsere Schwerfür soziale Gerechtigkeit.» punkte – würdige Arbeit und Partizipation – sind wichtige Voraussetzungen für Entwicklung. Wir haben engagierte PartnerInnen, die ihre Worauf freust du dich? Vision von Entwicklungszusammenarbeit Wieder Meisterin meiner Zeit zu sein und umsetzen. Gemeinsam sind wir Teil der mich auch ausserhalb des Jobs engagieinternationalen Bewegung für soziale ren zu können. An keiner meiner beruflichen Stationen war ich so eingebunden Gerechtigkeit. wie hier als Geschäftsleiterin. Nun freue ich mich auf eine selbständige Tätigkeit Wie hat sich das entwicklungspolitials Beraterin für Entwicklungszusamsche Umfeld verändert? Die Diskussion über die Wirkung von menarbeit. Entwicklungszusammenarbeit nimmt mehr Raum ein als früher. Sie ist wichtig Was wünschst du Solidar für die und berechtigt, aber wenn sie undifferen- Zukunft? ziert geführt wird, kann sie bewirken, Dass Solidar so weitermacht: Als NGO dass kurzfristigen Erfolgen nachgejagt im linken Spektrum mit politischem Verwird. Häufig werden dabei Krisen oder ständnis, die sich klar fokussiert für entdie neoliberale Wirtschaftsordnung und wicklungspolitische Ziele einsetzt. Und deren negative Auswirkungen in Ent- natürlich viel Erfolg und Gelingen, genüwicklungsländern ausgeblendet. Neu ist gend Geld und kompetente, engagierte ausserdem die Frage, was eine aufstre- Leute, die die Organisation weiterentwibende Volkswirtschaft wie China mit ih- ckeln. rer starken Präsenz in Afrika bewirkt,


14 AKTUELL Dank unabhängiger Qualitätskontrollen erhalten die BäuerInnen einen angemessenen Preis für ihre Milch.

QUALITÄT SCHAFFT PERSPEKTIVEN Mit der Förderung der Milchwirtschaft will Solidar Suisse zur Verminderung der Arbeitslosigkeit im ländlichen Kosovo beitragen. Text: Katja Schurter, Fotos: Brigit Ruprecht Im ländlichen Kosovo gibt es wenige Einkommensmöglichkeiten, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Der Krieg Ende der 1990er Jahre hat die traditionell wichtige Milchwirtschaft stark beeinträchtigt, und der Wiederaufbau geht nur langsam voran. Einerseits kann die einheimische Produktion nicht mit subventionierten Milchprodukten aus dem umliegenden Ausland konkurrieren, andererseits hat sie ein Imageproblem wegen mangelnder Qualität. Unabhängige Kontrolle Bis anhin gab es keine staatlichen Vorgaben, die Qualitätskontrolle geschah

durch die Molkereien, die auf dieser Basis den Preis festlegten. «Dies führte zu Misstrauen seitens der BäuerInnen», erzählt Donika Nila. Sie arbeitet beim von Solidar Suisse unterstützten Pilotprojekt mit, das die Milchqualität verbessern will. Zweimal pro Monat besucht sie die beteiligten BäuerInnen auf ihren Höfen, sammelt Milchproben ein, um sie ins unabhängige Labor zur Analyse zu bringen, und berät zu Fragen der Hygiene und der Melktechnik. Wir begleiten Donika Nila auf ihrer Tour zum Hof von Vlora und Dukagjin Deda, deren 40 Kühe täglich 700 Liter ins geschlossene Melksystem speisen. Der Stall ist gross und hell, die Kühe

sind sehr sauber. Beraten muss Donika Nila hier kaum. Vlora Deda zeigt uns stolz ihre zum Teil preisgekrönten Tiere. Das Ehepaar Deda ist froh, dass es endlich eine unabhängige Kontrolle der Milchqualität gibt: «Es gab dauernd Auseinandersetzungen um den Preis.» Bessere Qualität dank Beratung Notwendig ist Donika Nilas Beratung hingegen für die über 70 Prozent der BäuerInnen, die nur fünf bis neun Kühe im Stall haben und diese meist von Hand melken. Um die Qualität der Milch zu verbessern, erhalten sie überdies Desinfektionsmittel und Anleitung zur Reinigung


AKTUELL 15

Kade Ninaj (rechts) konnte dank Beratung und Desinfektionsmitteln die Milchqualität steigern.

verkaufen. «Sie schaden den anderen BäuerInnen durch Dumpingpreise und dem Image der Milchwirtschaft durch die schlechte Qualität», ist Donika Nila überzeugt. Inzwischen beteiligen sich 1600 von etwa 4000 MilchproduzentInnen am Projekt zur Qualitätsverbesserung. Donika Nila berät die BäuerInnen in Sachen Hygiene und sammelt die Milchproben ein.

Dialog fördert die Milchwirtschaft Solidar Suisse fördert den Dialog zwischen BäuerInnen, Molkereien und Behörden, um bessere Rahmenbedingungen und eine klare Regelung der Geschäftsbeziehungen zu erreichen. Dank intensiver Beratung sowohl des Milchbauern- als auch des Molkereiverbands setzen sich heute beide Seiten für Reformen ein, die Bäuerinnen, Molkereien und Konsumenten zugutekommen. Es gelang auch, die Behörden ins Boot zu holen: Das gemeinsame Projekt für eine unabhängige Qualitätskontrolle von Rohmilch nimmt in der neuen Entwicklungsstrategie des Landwirtschaftsministeriums eine zentrale Stellung ein. www.solidar.ch/milchdialog

des Milchgeschirrs. «Am dringendsten ist die Verbesserung der Hygiene», erklärt Donika Nila. «Zum Teil haben die BäuerInnen weder fliessendes Wasser noch die Ausrüstung, um zu melken und den Stall zu unterhalten.» Ausserdem gibt es zu wenige Milchsammelstellen, sodass die BäuerInnen in abgelegenen Dörfern nicht ihre ganze Milch abgeben können, während gleichzeitig die Kapazitäten der Molkereien nicht ausgeschöpft werden.

Milchsammelstelle fördert die Produktion Damit die BäuerInnen des Weilers Has ihre Milch nicht mehr in Plastikkannen mit dem Traktor in die Molkerei des nächstgrösseren Ortes fahren müssen, hat der Bäuerinnenverein Krusha im Mai 2011 mit Unterstützung von Solidar in Has eine Milchsammelstelle eröffnet. Die 20 lokalen BäuerInnen geben nun ihre Milch dort ab, wo sie gekühlt und in die Molkerei gebracht wird. Dies hat die Qualität der Milch stark verbessert.

Schlechtes Image wegen «grünem Markt» So landet denn auch ein Teil der Milch auf dem so «Dank der neuen Sammelgenannten grünen Markt. stelle können wir mehr Die KleinbäuerInnen verkaufen sie am StrassenMilch abgeben.» rand oder auf lokalen Märkten: Im Direktverkauf erzielen sie einen höheren Preis, doch Eine von ihnen ist Kade Ninaj, deren Hof die hygienischen Bedingungen sind um einiges ärmlicher aussieht als der von schlecht, und es gibt keinerlei Qualitäts- Vlora und Dukagjin Deda. Sechs Kühe kontrolle. «Es gibt keine Garantie, dass stehen in einem kleinen, dunklen Stall, es sie die ganze Milch verkaufen können, gibt weder fliessendes Wasser noch eine sie müssen mit dem Bus zum Markt fah- Melkmaschine. «Mein Mann und ich sind ren, und im Sommer verdirbt die Milch arbeitslos», erzählt Kade Ninaj. «Wir melmanchmal schon beim Transport», erklärt ken unsere sechs Kühe von Hand, mit Donika Nila die Nachteile, die diese Ver- der Milch müssen wir uns und unsere kaufsform für die BäuerInnen bringt. fünf Kinder durchbringen. Dank der neuDeshalb soll das Projekt möglichst alle en Sammelstelle können wir nun mehr BäuerInnen erreichen, damit sie ihre Milch abgeben.» Milch nicht mehr auf dem grünen Markt


16 KULTURELL

MILLIARDENPROFITE MIT WASSER Mit viel Realitätsbezug zeigt der Krimi «Fremde Wasser» von Wolfgang Schorlau, wie Konzerne mit Wasser Geschäfte machen – und wie diese vereitelt werden können. Text: Joachim Merz, Solidar Suisse

Wolfgang Schorlau, Fremde Wasser, Kiepenheuer & Witsch, 2006

geht es nur um eines: die Maximierung der Unternehmensgewinne. Wasser wird zur Ware wie jede andere, Trinkwasserversorgung zu einem Geschäft – mit extrem hohem Gewinn. Widerstand verhindert Profite Doch es läuft nicht alles nach Plan. Es regt sich Widerstand. Im bolivianischen Cochabamba gehen die Menschen gegen den Wasserkonzern auf die Strasse, die Regierung macht einen Rückzieher und löst den Vertrag mit dem Konzern

«In diesem Krimi ist verdammt wenig erfunden», meint Wolfgang Schorlau im Epilog von «Fremde Wasser». Privatermittler Georg Dengler ist den Machenschaften eines fiktiven deutschen Energiekonzerns auf der Spur. Dieser macht milliardenschwere Geschäfte mit einem Gut, das alle Menschen weltweit täglich brauchen: Trinkwasser. Der Konzern investiert im Ausland, in deutschen Grossstädten und lobbyiert für die Aufhebung des Monopols der kommunalen Wasserversorger. Konsequent verfolgt er seine Strategie: 15 Prozent Kapitalrendite aus dem Wassergeschäft, egal mit welchen Mitteln, legal oder illegal. Haben PolitikerInnen erst einmal die Privatisierung der Wasserversorgung entschieden, gibt es kein Zurück mehr: Die Wasserpreise werden massiv erhöht, Investitionen in den Unterhalt auf ein Minimum reduziert, Kontrollen der Wasserqualität zurückgefahren. Verblümt mit schöner Rhetorik,

auf. In Hamburg stoppt ein Volksbegehren den Verkauf der städtischen Wasserwerke. Privatermittler Dengler ist kurz davor, den mysteriösen Tod einer Bundestagsabgeordneten aufzuklären, die im Parlament eine Rede gegen die Privatisierung der kommunalen Wasserversorgung halten wollte. Die Situation in London und Manila zeigt, dass die Effizienz privater Wasserversorgung eine Mär ist: Sie wird im Gegenteil zunehmend prekär und gefährdet die Gesundheit der Bevölkerung.

Ein Abbild der Realität Tatsächlich ist an dieser Geschichte wenig erfunden. Den Wasserkrieg in Cochabamba gab es im Jahr 2000 wirklich, auch wenn die Umstände etwas komplizierter waren als im Buch dargestellt. Involviert war der US-Konzern Bechtel, der die bolivianische Regierung nach Vertragskündigung auf Schadensersatz verklagte – wegen entgangenem Gewinn. 2006 zog Bechtel die Klage zurück. Die bolivianische Regierung setzte sich daraufhin in der Uno dafür ein, das Recht auf sauberes Wasser als Menschenrecht zu deklarieren: 884 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, mehr als 2,6 Milliarden keinen Zugang zu den elementarsten sanitären Einrichtungen, 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben jedes Jahr infolge von Krankheiten, die mit verschmutztem Wasser zusammenhängen, hiess es im Resolutionstext. Die Resolution wurde von der Uno-Vollversammlung mit grosser Mehrheit angenommen. Im Juli 2010 nahm die Uno das Recht auf sauberes Wasser in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte auf. Solidar setzt sich in verschiedenen Ländern Lateinamerikas und Afrikas für sauberes Trinkwasser ein und führt Projekte zum Brunnenbau und -unterhalt, zur Sicherung der Wasserqualität und zur Verbesserung der sanitären Situation (zum Beispiel durch Latrinenbau) durch. Aktuell in Moçambique mit dem Projekt «Utsanana – bessere Trinkwasserversorgung»: www.solidar.ch/mocambique


NETZWERK 17 Hier bieten wir Organisationen aus unseren Netzwerken eine Plattform. In dieser Nummer bringen wir Neuigkeiten aus den SAH-Regionalvereinen, die in der Schweiz Programme für Erwerbslose und MigrantInnen durchführen, sowie zur Kampagne «Recht ohne Grenzen», in der sich Solidar Suisse zusammen mit 50 Organisationen engagiert.

Unternehmen zur Verantwortung ziehen

SAH Wallis: 10 Jahre Ausstellungsbau

Am 20. März 2012 fand in Bern eine Tagung der Kampagne «Recht ohne Grenzen» statt, die Schweizer Konzerne zur Rechenschaft ziehen will, die im Ausland Menschenrechte oder Umweltstandards verletzen. Eindrückliche Fallbeispiele dokumentierten Menschenrechtsverletzungen der Danzer Group in der Demokratischen Republik Kongo und von Xstrata in Peru. Rechtsanwalt François Membrez zeigte in seiner Studie auf, wie die Lücken im Schweizer Recht geschlossen werden könnten. Das Strafgesetz soll Unternehmen nicht mehr nur wegen Wirtschaftsdelikten, sondern auch wegen Menschrechtsund Umweltverletzungen belangen. Die Maximalstrafe soll auf 50 Millionen Franken verzehnfacht werden. Ausserdem schlägt Membrez ein neues Gesetz vor, das eine Muttergesellschaft solidarisch für widerrechtliche Handlungen und Vertragsverletzungen ihrer Tochtergesellschaften haftbar macht und die Verwaltungsräte stärker in die Verantwortung nimmt. Diese sollen dafür sorgen, dass der gesamte Konzern – inklusive Tochtergesellschaften, Subunternehmen und Zulieferern – Menschenrechte und Umwelt respektiert. www.solidar.ch/rechtohnegrenzen

Am 5. Mai 2012 wurde die Ausstellung «Tierische Gesellschaften» im Haus der Natur in Montorge eröffnet. Zum zehnten Mal hat die Werkstatt «Bau und Holz», ein Erwerbslosenprojekt des SAH Wallis, die gesamte Ausstattung der Jahresausstellung hergestellt, die jeweils 15 000 BesucherInnen anzieht.

SAH Zentralschweiz: Interkulturelles Frauenfest Seit neun Jahren organisiert das Co-Opera des SAH Zentralschweiz am 8. März ein interkulturelles Frauenfest zum internationalen Frauentag. Dieses

2011 montierte das Team von «Bau und Holz» unter der Leitung des Verantwortlichen Fabrice Fournier das gesamte Material ab und bereitete möglichst viel zur Wiederverwendung bei der diesjährigen Ausstellung auf. «Die meisten Mitarbeitenden haben keine Erfahrung in diesem Bereich», erklärt Fabrice Fournier. «Sie sind sehr froh, eine konkrete Arbeit verrichten zu können.» Die originelle Partnerschaft zwischen der Stadt Sion und dem SAH Wallis kommt allen Beteiligten zugute, ganz besonders den Teilnehmenden, die ein arbeitsmarktnahes Betätigungsfeld finden. Die diesjährige Ausstellung präsentiert den BesucherInnen verschiedene Modelle von Tiergemeinschaften. Die Ausstellung dauert bis zum 11. November, der Eintritt ist gratis, und für Schulen gibt es pädagogisches Begleitmaterial. www.oseo-vs.ch

Jahr genossen 250 bis 300 Frauen in Littau Musik, Darbietungen und ein interkulturelles Buffet. Das interkulturelle Frauenfest ermöglicht – als Gegenpol zu den aktuellen, von Misstrauen geprägten Diskussionen um die Migrationspolitik – den Besucherinnnen aus verschiedenen Kulturen, sich gegenseitig kennenzulernen. Begegnungen und das Knüpfen von Kontakten helfen Migrantinnen dabei, das soziale Netzwerk wieder aufzubauen, das sie durch die Migration häufig zu verlieren drohen. Rund 100 Freiwillige halfen bei der Organisation des Abends mit – auch dieses grosse Engagement zeigt den integrationsstiftenden Erfolg des Projekts. www.sah-zs.ch


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«KLEINE DINGE HELFEN DEN MENSCHEN» Appolinaire Nana setzt sich im ländlichen Burkina Faso gegen die Armut ein. Eine Begegnung. Text: Cedric Wermuth, SP-Nationalrat, Foto: Alfred Nellen


Erfolgreich unterstützt Appolinaire Nana burkinische BäuerInnen dabei, sich eine Existenzgrundlage zu schaffen.

«Wenn du in diesem Land aufwächst, ist das Elend dein ständiger Begleiter», erklärt Appolinaire Nana. «Dagegen wollte ich unbedingt etwas unternehmen.» Nach Abschluss seines Volkswirtschaftsstudiums tut er dies heute als stellvertretender Leiter von Manegdbzânga, einer Partnerorganisation von Solidar Suisse. Der 30-Jährige hat Recht, in Burkina Faso sind Elend und Armut allgegenwärtig. 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung sind AnalphabetInnen, die Kindersterblichkeit liegt bei acht Prozent. Die Landwirtschaft kann die Bevölkerung nicht ernähren, die Böden sind trocken, Maschinen gibt es kaum – und für Importe

EINBLICK 19 fehlt sowieso das Geld. In den letzten Jahren ist der Regen oft ausgeblieben. Nur sechs Länder liegen beim Human Development Index, mit dem die Uno den Entwicklungsstand zu messen versucht, noch hinter Burkina Faso. Beteiligung der Bevölkerung Manegdbzânga unterstützt die ländliche Bevölkerung im Plateau Central, etwa eine Autostunde von der Hauptstadt Ouagadougou entfernt. «Du musst dir bewusst sein, dass hier niemand Französisch spricht, obwohl es die Amtssprache ist», sagt Nana, der in Ouagadougou aufgewachsen ist und nun seit einigen Jahren auf dem Land arbeitet. «Die wenigsten können lesen oder schreiben. Wie sollen sie ihre Ernten erfassen, geschweige denn eine Buchhaltung führen?» Deshalb vermittelt Manegdbzânga den BäuerInnen Methoden des Gemüseanbaus und der Viehzucht und bietet Alphabetisierungskurse an. Etwa 15 000 Personen profitieren davon. Appolinaire Nana und sein Team gehen dabei sehr professionell vor. In jedem Dorf wird zuerst der Status quo erhoben. Welche traditionellen Techniken kennen die BäuerInnen? Wie sehen die Ernten aus? Wer kann lesen und schreiben? Danach wird mit den DorfbewohnerInnen diskutiert, was zu tun sei. «Es sind kleine Dinge, die den Menschen helfen, sich eine Existenzgrundlage zu schaffen. Dieser Bauer», erklärt mir Nana beim Besuch eines stattlichen Bauernhofs, «hat in Kursen von Manegdbzânga lesen und schreiben gelernt. Wir haben ihm gezeigt, wie er die Hygiene bei der Hühnerzucht verbessern kann, und ihm die Anschaffung eines Rassehahns ermöglicht. Heute hat er mehrere Hundert Hühner sowie Dutzende Ziegen und Rinder.» Entwicklungsschub dank Hahn Das hat mich bei meinem Besuch in Burkina Faso immer wieder beeindruckt: Dinge, die für uns selbstverständlich sind, wie Lesen und Schreiben oder der Besitz eines Hahns, können hier innert weniger Jahre einen Entwicklungsschub für ein

ganzes Dorf auslösen. Um das zu verstehen, muss man zurückgehen in die Zeit des Kolonialismus. Die französischen Kolonialherren haben das Land über Jahrzehnte brutal ausgebeutet und Tausende seiner BewohnerInnen als billige Arbeitskräfte missbraucht. Die lokale afrikanische Kultur galt als rückständig und sollte ausgelöscht werden. Französisch wurde der Bevölkerung als Amts- und Schulsprache aufgezwungen. Die verheerenden Folgen spürt man bis heute: Das Land hatte keine Chance auf eine eigenständige Entwicklung. Nur knapp zehn Prozent der Bevölkerung spricht Französisch – damit ist eine Mehrheit vom wirtschaftlichen und politischen Leben abgeschnitten. Für eine Produktion über den Eigenkonsum hinaus fehlen den BäuerInnen die Mittel. Es ist für sie praktisch unmöglich, ohne Unterstützung an Kapital zu kommen oder nur schon ein Bankkonto zu eröffnen. Eine langsame Erfolgsgeschichte Die Projekte von Manegdbzânga sollen die Dorfgemeinschaften und die BäuerInnen befähigen, ihre Entwicklung selbständig voranzutreiben. Mit welchem Erfolg? «Der kommt schrittweise», meint Appolinaire Nana. «Einige der BäuerInnen, die wir vor zehn Jahren ausgebildet haben, sind heute selber Agronomieberaterinnen oder Lehrer in ihren Dörfern. Darauf sind wird stolz.»

Ihre Spende wirkt! Dank Ihrer Spende von 70 Franken kann ein Mitglied der Association Manegdbzânga einen Alphabetisierungskurs besuchen, der sie oder ihn befähigt, durch die effizientere Führung des Bauernhofes ihre/seine Situation nachhaltig zu verbessern.


KEINE AUSBEUTUNG BEI DER WM 2014 IN BRASILIEN Vertreibungen, Menschenrechtsverletzungen und Ausbeutung überschatten die Vorbereitungen zur Fussball-WM. Betroffen sind ausgerechnet jene, die bereits jetzt in Armut leben. Unterzeichnen Sie die Petition an die Fifa! Herr Blatter, wir freuen uns ja auf die WM 2014 in Brasilien. Aber: £ dass dafür 150 000 Menschen vertrieben werden £ dass dafür Tausende von BrasilianerInnen unter miserablen Bedingungen schuften müssen £ und Zehntausende von Strassenhändlern ihre Existenz verlieren, ist ein Skandal. Sie als Fifa-Boss können dies ändern: Tun sie es – noch ist es nicht zu spät! www.solidar.ch/fairewm

Solidarität 2/2012  

Magazin von Solidar Suisse

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