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Ak tuell

die sozialdemokratische Homosexuellenorganisation

„Wir sind so richtige Anpacker“

SoHo-Bundesvorsitzender Peter Traschkowitsch über die SoHo, das Lebenspartnerschaftsgesetz und über Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen in der SPÖ. Lieber Peter, ein Lebenspartnerschaftsgesetz ist endlich in greifbarer Nähe. Ist dies auch auf den unermüdlichen und jahrelangen Einsatz der SoHo zurück zu führen? Ich erinnere an die BürgerInnen-Initiative „Gleich viel Recht für gleich viel Liebe“ – getragen 2001 von allen LGBT-NGOs. Diese Forderung gilt natürlich noch immer. 2005 brachte dann die SPÖ auf Initiative der SoHo – unter dem damaligen Vorsitzenden Günter Tolar und Bundessekretär Raoul Fortner – den ersten umfassenden Gesetzesentwurf einer Eingetragenen Partnerschaft ein.

Bei den letzten Koalitionsverhandlungen waren wir als SPÖVorfeldorganisation voll eingebunden. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in Österreich bald ein Lebenspartnerschaftsgesetz mit gleichen Rechten und Pflichten haben werden. Und aus unserer Sicht ist eben das Standesamt die zuständige Personenstandsbehörde und die in der ÖVP immer wieder diskutierte Frage nach der „Zeremonie“ ist Sache der Standesämter und nicht die des Gesetzgebers. Eine Eingetragene Partnerschaft wäre jedenfalls der erste richtige und wichtige Zwischenschritt auf dem Weg zur Öffnung der Ehe, wie ihn verschiedene SPÖ-Parteitagsbeschlüsse auch fordern. Ich wundere mich aber über die Grünen... bringen einen neuerlichen Antrag auf Öffnung der Ehe ein, obwohl ihnen bekannt ist, dass ein Lebenspartnerschaftsgesetz in Ausarbeitung ist. Die Bundesregierung hat sich auch Gesetzesinitiativen für Verbesserung der Situation von Transgender-Personen vorgenommen. Welchen Beitrag leistet die SoHo dazu? Auf Initiative meines Vorgängers Günter (Günter Tolar, Anm. der Redaktion) und Barbara Prammer wurde im Parlamentsklub der SPÖ eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Durch die vorgezogenen Neuwahlen musste die Arbeitsgruppe ihre Tätigkeit einstellen. Aber es wurde unsererseits in den Koalitionsverhandlungen erreicht, dass dieses Thema ebenfalls erstmals in ein Regierungsübereinkommen kommt. Kurz gesagt: Wir bleiben dran!

Foto: SoHo

Und in der vergangenen Legislaturperiode haben wir in den Ministerien unermüdlich Klinken geputzt (lächelt) - vorrangig in den ÖVP-geführten Ministerien. Wir haben sozusagen auch parteiübergreifend gearbeitet, wie dies auch die NGOs tun und tun sollen! Peter Traschkowitsch Bundesvorsitzender SoHo Österreich u. Landesvorsitzender SoHo Wien

Was sind die größten Erfolge der SoHo? Innerhalb der SPÖ gelten wir als Kompetenzzentrum, nach außen hin wollen wir als politische LGBT-Organisation und Partnerin anerkannt sein. Wien gilt heute zurecht als Vorreiter für die umfassendsten Antidiskriminierungsgesetze - viele andere Bundesländer kopierten diese positiven Rechtsinstrumente. Wie geht die SPÖ mit ihren eigenen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen um? Wenn du die Funktionäre der SoHo vorrangig meinst: ausgezeichnet. Innerhalb der SPÖ gibt es aber in vielen Bereichen noch Menschen die nicht geoutet sind. Was man einerseits respektieren muss, andererseits empfehle ich jeder/jeden sich zu outen. Nur ein ehrlicher Umgang mit sich selbst signalisiert den Menschen draußen Ehrlichkeit bei den Themen, für die man sich einsetzt. Peter, du bist jetzt seit April 2008 Bundesvorsitzender der SoHo. Was hat sich seither in der SoHo getan? (schmunzelt) Sehr, sehr viel! Nicht nur, dass in doch sehr kurzer Zeit die Wiener Landesorganisation und die Bundesorganisation organisatorisch umgekrempelt wurde, waren wir voll im Wahlkampf und haben unsere erste Bewährungsprobe sehr gut gemeistert. Ich bin mehr als zufrieden!

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Im Vorfeld beider Konferenzen (SoHo Wien und SoHo Österreich) besuchte ich alle Länderorganisationen und klärte dabei viele offene Punkte. Ich konnte mir die Teams zusammenstellen, bei denen ich der Auffassung war, mit denen bringt man viel weiter. Ich bin grundsätzlich konsensorientiert, es bringt innerhalb einer politischen Organisation nichts, einfach „drein zu fahrn“ bzw. Dinge vorzugeben. Wobei ich natürlich gestehe, es gibt meinerseits auch Grenzen! Da unsere FunktionärInnen durchwegs kreativ sind, wurden bei der Klausur auch erstmal ThemensprecherInnen eingeführt. Dies war mir ein persönliches Anliegen, damit jede/r die Möglichkeit hat, sich zu entfalten. Und eines dürfen wir nicht vergessen: Alle FunktionärInnen der SoHo machen dies ehrenamtlich und neben ihren Job, der oftmals mehr als 100%igen Einsatz fordert. Wie würdest Du dein engstes Team beschreiben?

Foto: SoHo

Innovativ, kreativ und so richtige Anpacker. Ehrlicher Umgang im Team, keine Schönfärberei und wenn´s mal lauter zugeht, ist keiner beleidigt.

An welchen Projekten arbeitet die SoHo derzeit? An mehreren: Alter und Homosexualität, Regenbogenfamilien, Menschen mit Handicap und (Homo)sexualtität, sowie Homosexualität und Migration. Ebenso haben wir erstmal eine Zusammenarbeit mit dem LGBT Arbeitskreis im ÖGB vereinbart. Die internationale Vernetzung wurde alleine im letzten halben Jahr derart intensiviert, dass wir wahrscheinlich zur EU-Wahl mit

einer gemeinsamen Plattform auftreten werden.

Foto: SoHo

Wie würdest du deine persönliche Handschrift in der SoHo beschreiben?

Und wo glaubst Du gibt es Verbesserungsbedarf? In der Zusammenarbeit mit den LGBTNGOs. Wobei wir uns bewusst sind, dass wir als politische Organisation eine andere Funktion als die überparteilichen NGOs haben und hier nicht immer Gleichklang bestehen muß und kann. Aber: wir sollten gemeinsam am selben Strang ziehen! Und unser Beitritt zur ILGA soll da ein erstes Signal sein, weitere werden folgen. Die SoHo feiert heuer ihr 15jähriges Jubiläum. Wie wird die SoHo das feiern? Wir haben uns doch einiges überlegt: Im Spätherbst organisieren wir ein Geburtstagsfest, es wird eine Jubiläumsbroschüre geben und wir schenken uns ein neues Facelifting. Weitere Punkte sind derzeit noch in Ausarbeitung und wir werden in einer der nächsten Ausgaben von SoHo Aktuell berichten. Gibt es auf Gemeindeebene SoHoFunktionärInnen, die ein öffentliches Mandat Inne haben? Ja, GemeinderätInnen, in der Steiermark mit Martin Gössl und in Salzburg mit Gerhard Zuckerstätter. In Wien die Bezirksrätin Angelika Frasl in Rudolfsheim Fünfhaus und mich in Floridsdorf. Warum hat die SoHo keine/n Abgeordnete/n im Nationalrat? Die sexuelle Orientierung alleine soll kein Grund sein, ein öffentliches Mandat zu bekommen. Unsere Funk-

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tionärInnen haben alle ihre eigenen Themenbereiche. Im Vordergrund muss die Sachpolitik stehen, die sexuelle Orientierung hervorzutun, ist zu wenig. Unsere Abgeordneten im Nationalrat, als auch in den Landtagen vertreten unsere Anliegen und Interessen hervorragend. Gerade im letzten Nationalratswahlkampf haben FunktionärInnen der SoHo an ausgezeichneten Listenplätzen kandidiert, auch das war ein wichtiges erstes Signal. Wichtig ist jedoch, kein „Schwulenpolitiker“ zu sein, sondern als Schwuler, als Lesbe oder als Transgender Politik machen zu können. Und man sollte doch endlich aufhören, in der Politik sich ständig auf die Sexualität zu fokussieren. Und: das Privatleben jedes/r PolitikersIn sollte doch auch Privatsache sein und bleiben. Wann glaubst du wird es endlich soweit sein, dass die SPÖ der SoHo ein Mandat im Nationalrat zugesteht? Sicher bald (grinst) Welche Ziele hast du für die SoHo? Es gibt noch viele Ideen und Aufgaben. Kurzfristig haben wir einen EUWahlkampf zu meistern, wir haben gute Themen. Langfristig wünsche ich mir neue SoHo-Länderorganisationen in Niederösterreich und Kärnten, sowie mehr Projekte in den Bundesländern. Was wünscht du dir für die SoHo? 120 Jahre bestehen und vielleicht mal eine lesbische Bundeskanzlerin oder einen schwulen Bundeskanzler. Dass das möglich ist, zeigt uns Jóhanna Sigurðardóttir in Island. Sie ist Sozialdemokratin und die erste offen lesbisch lebende Regierungschefin eines Landes. Und was wünschst du dir persönlich? (lächelt) Zufriedenheit, ja Zufriedenheit und persönlich wenig Ärger zuzulassen. Vielen Dank für das Gespräch...


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Warum sollen wir unser Glücklichsein verstecken? Richard Ondraschek über die Gewerkschaft, Berührungspunkte von Homosexualität, Arbeitswelt und ArbeitnehmerInnenvertretung Zugegeben, ein wenig hab‘ ich schon herum gegrübelt, was ich als Mitglied des Österreichischen Gewerkschaftsbundes für den Newsletter der SoHo beitragen kann. GewerkschafterInnen und Homosexualiät: Gibt’s das überhaupt und passt das zusammen? Als Gewerkschafter und Sozialdemokrat hab ich dazu einige sehr persönliche Anmerkungen. Der ÖGB ist eine Organisation, die auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist. Junge, Alte, Frauen, Männer, MigrantInnen, Lesben, Schwule, Transgender, ... jede Gruppierung findet sich auch bei uns.

Ansprüche aus dem Arbeitsrecht und den hunderten Kollektivverträgen, Pflegefreistellung, Altersversorgung und vieles mehr an gesetzlichen Rechten sind hier die Themen von Gewerkschaften. Neben der Absicherung dieser rechtlichen Ansprüche für lesbische, schwule und transgender KollegInnen herrscht aber auch noch großer Handlungsbedarf in der Beseitigung von Vorurteilen, Diskriminierung und ewiggestrigen Ansichten. Ich möchte alle Lesben, Schwulen und TransgenderkollegInnen einladen und ermuntern, aktiv für unsere Rechte einzutreten und für unsere berechtigten Forderungen nach Gleichstellung zu kämpfen. Die Fraktion sozialdemokratischer GewerkschafterInnen in den Arbeiterkammern und im ÖGB hat dazu in letzter Zeit eine Reihe von Anträgen beschlossen. Von Seiten der FSG gibt es ein klares Bekenntnis zur Einführung von gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaften. Die bevorstehenden Wahlen in den Arbeiterkammern und die EU-Wahlen sind gute Gelegenheiten, die Sozialdemokratie zu stärken und unseren Anliegen eine starke Stimme zu verleihen.

Foto: Privat

Die Berührungspunkte von Homosexualität, Arbeitswelt und ArbeitnehmerInnenvertretung sind sehr vielfältig, und es gibt noch viel Arbeit und Aufklärungsbedarf.

Richard Ondraschek Sekretär, ÖGB Organisation und Koordination

Doch allein das Beschließen von Anträgen und Resolutionen wird nichts verändern. Es wird nicht zuletzt auch an uns liegen, offen, aktiv und gemeinsam für unsere Rechte einzutreten. Wir wollen keine Sonderregelungen oder gar die Anerkennung als Randgruppe. Wir sind ein Teil der Gesellschaft - und genauso wollen wir auch behandelt werden. Sehr passend fand ich da die Aussage des französische Ministers für parlamentarische Auslandsbeziehungen, Roger Karoutchi - der im Übrigen kein Sozialdemokrat ist. Im Zuge der Veröffentlichung seiner Memoiren, Ende Jänner 2009, outete er sich mit den Worten: „Ja, ich habe ein Leben. Ich werde keine Lüge leben oder etwas verbergen. Ich habe einen Partner, und wir sind glücklich. Und warum soll ich mein Glücklichsein verstecken?“

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Richard Ondraschek richard.ondraschek@oegb.at


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SoHo startet Kampagne für mehr Verständnis - Deine Meinung ist gefragt...

Lesbischwule und Transgender SeniorInnen leben mitten in der Stadt. Sie leben in ihrer Community, sie leben in ihrer persönlichen Umgebung, sie leben allein. Eigentlich wie alle SeniorInnen, mit einem allerdings gravierenden Unterschied: Die SeniorInnen unserer Community sind diskriminierungsgefährdet. Die Lebensplanung von SeniorInnen ist vielfältig Viele möchten so lang als möglich in ihrer oft schon seit Jahrzehnten bewohnten Wohnung und ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Einige wer-

den sich mit einem Freund oder einer Freundin oder mit mehreren FreundInnen zusammentun, um eine private gemeinsame Wohnmöglichkeit zu gründen. Es gibt aber auch Menschen in unserer Community, die sich nach einer neuen Möglichkeit sehnen: Einer betreuten Wohnmöglichkeit speziell für Lesben, Schwule oder Transgender.

Foto: iStockphoto

Lesbisch, Schwul, Transgender und allein? Das muss nicht sein!

Wie groß ist das Interesse aus der Community? Wie ist die Lebenssituation von vielen derzeit? Welche Wünsche und Vorstellungen gibt es?

munity anbieten, sich schon in der Planungs- und Entstehungsphase einzubringen und so mitzugestalten. Sagt uns bitte eure Meinung, schreibt uns eure Vorstellungen zu diesem Thema unter der Email-Adresse generationen@soho.or.at.

Wir wollen nicht nur reden, wir wollen etwas tun! Wir wollen der Com-

Mehr dazu unter www.soho.or.at

Viel gibt es im Vorfeld zu klären:

Foto: SoHo

Politische Themensektion für transidente Menschen in Wien eröffnet

Mit Schlagworten wie „YES WE CAN“ oder „CHANGE“ begann in den USA am Dienstag 20.01.2009 mit der Angelobung des ersten schwarzen Präsidenten, Barack Obama, ein neues Zeitalter. Auch in Österreich, genauer gesagt, im 15. Wiener Gemeindebezirk, fand ein „CHANGE“ statt. Es wurde an diesem Tag die österreichweit und vermutlich auch in Mitteleuropa momentan einzigartige politische Themensektion für transidente Personen aus der Taufe

gehoben. Unter der Beteiligung namhafter Bundes- und LandespolitikerInnen, wie z.B. der Gemeinderätin und Vorsitzenden der SPÖ RudolfsheimFünfhaus, Dr.in Claudia Laschan, der SPÖ Bundesfrauengeschäftsführerin, Bettina Stadlbauer, der Wiener Frauensekretärin, Mag.a Nicole Krotsch, dem Bundesvorsitzenden der SoHo, Peter Traschkowitsch, Günter Tolar, der Wiener Antidiskriminierungs- und Gleichbehandlungsbeauftragten des 15. Bezirkes, Ing.in Angelika Frasl so-

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wie auch Vertreterinnen der Wiener Antidiskriminierungsstelle und der Selbsthilfegruppe TransX, wurde im Rahmen einer feierlichen Eröffnung die erste „Transgendersektion“ aus der Taufe gehoben. Für die designierte Sektionsleiterin und Psychotherapeutin, Sarah-Michelle Fuchs, ist es wichtig, „dass man lernt Politik und politische Arbeit zu verstehen. Sensibilisierungsmaßnahmen, um gesellschaftliche, rechtliche und soziale Verbesserungen für transidente Menschen zu erreichen, sehen wir als unsere zentrale Augabe.“ Der Dank für das Zustandekommen gilt hier vor allem den gemeinsamen Bemühungen der SoHo Wien und der SPÖ Rudolfsheim-Fünfhaus, die sich sehr engagiert für die Implementierung dieser Sektion eingesetzt haben und auch in Zukunft Ansprechpartner und tatkräftige Unterstützer sein werden.

M  edieninhaberin: Sozialdemokratie & Homosexualität (SoHo), IMPRESSUM | Löwelstraße 18, 1014 Wien

Die Zukunft des Wohnens die Zukunft des Alterns


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