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Interview: Paul Wagner

Luxus zum umhängen. Eine helle Ladenwerkstatt in der Ehrengutstraße. Man kommt eigentlich viel zu selten in diese Ecke Münchens. Seit Kathrin Heubeck-Lempp ihren Shop mit handgemachten Taschen aus erstklassigem Leder aufgemacht hat gibt es definitiv einen Grund mehr, hier vorbeizuschauen. Hervorragend verarbeitet, absolut klar und reduziert im Design, einfach schön, die Taschen von KATHRINHEUBECK sind ein Statement für Qualität und Nachhaltigkeit. Das Atelier ist übrigens Verkaufsfläche und Produktion zugleich.

Kathrin, du verwendest für die Produktion deiner Taschen nur Leder aus ökologischer Herstellung. Ist es nicht Luxus auf so etwas Wert zu legen? Es kostet natürlich wesentlich mehr. Aber die sorgfältige Auswahl der richtigen Materialien spielt bei mir aus gutem Grund eine sehr große Rolle. Als ich angefangen habe Taschen zu designen und herzustellen, habe ich das ganz normale, mit Chrom gegerbte und mit Polyurethan, also Plastik, beschichtete Industrieleder verwendet. Es hat mich wegen des unangenehmen Geruchs und der künstlichen Haptik sehr schnell richtig gehend angeekelt. Ich habe dann mehr über das Thema recherchiert und mir wurde bald klar, dass diese ganzen Industrieleder, mit denen wir uns umgeben ganz und gar nicht gesund sind. Den Wenigsten ist das bewusst. Ja, es ist Luxus, einen sehr viel höheren Materialpreis in Kauf zu nehmen, und ja, es ist eine Art von Luxus, mitten in München handgearbeitete Ledertaschen herzustellen. Aber beides ist Luxus, der uns allen richtig gut tut. Korrektes Material und Produktion vor Ort, das ist mir einfach wichtig. Dazu kommt ein zeitloses Design und beste Material- und Verarbeitungsqualität. Meine Taschen trägt man sehr lange, weil sie keiner Mode und kurzlebigen Trends unterworfen sind. Trotzdem sind sie chic, cool und unterstreichen die Persönlichkeit desjenigen, der auf Schnörkel und Goldplaketten lieber verzichtet. Luxus heißt dann auch, Geld an der richtigen Stelle auszugeben. Ja, wobei meine Taschen durchaus bezahlbar sind! Es geht schon ab 350 Euro los. Wenn man will, kann man sich meine Taschen leisten. Aber klar ist auch: Nachhaltig produzierte Waren gibt es nicht zum Discounter-Preis. 017

Wie kamst du darauf Taschen zu machen? Das lag gar nicht so auf der Hand, denn eigentlich bin ich Architektin. Was mir an der Architektur immer mehr gefehlt hat, war das handwerkliche Arbeiten. Die Zeiten, zu denen wir noch mit Tusche gearbeitet haben, waren schnell vorbei. Dann saß ich nur noch am Rechner und habe digital entworfen. Ich habe das Modelle bauen aber geliebt und saß begeistert stundenlang an Plänen und habe mit Rapidografen auf Transparentpapier gezeichnet. Ich fand das total klasse. Die Arbeit am Computer dagegen hat mich nicht mehr ausgefüllt. Mein Schlüsselerlebnis hatte ich, als ich in meiner Zeit in New York eine Tasche für mich suchte – und keine einzige fand, die mir gefallen hätte. Das hört sich verrückt an, ich konnte es selber kaum fassen, dass es ausgerechnet in New York, keine gut verarbeitete, gut designte Tasche aus schönem Leder gibt. Dann habe ich mir kurzerhand ein horrend teures Stück Leder gekauft und mit meiner Husqvarna Nähmaschine angefangen eine Tasche zu nähen. Ich habe dann schnell Feuer gefangen, verschiedene Modelle entworfen und genäht, genäht, genäht. Die ersten Abnehmer waren Freunde und dann hat sich alles schnell entwickelt … Es scheint dir Spaß zu machen. Es gibt nichts Schöneres für mich! Danke für das Gespräch.

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Lust auf Gut - München 67  

Republic of Culture, Magazin 67, München und drum herum, Qualität ohne Grenzen, Lust auf Gut

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