Page 18

WEITWINKEL 1.2018 18

ETTINA ZACH

Alle Nahrungsmittel und alle Produkte, die wir ­kaufen und konsumieren, müssen wir aus globaler und aus machtkritischer Perspektive betrachten. Denn auch Lebensmittel sind nicht geschichtslos. Heutige globale Produktionsverhältnisse sind in globale Geschichte eingebunden. Aktuelle Macht­ verhältnisse sind daher oft das Resultat dieser ­Kontinuitäten. Vor diesem Hintergrund diskutiert das multimediale Bildungsprojekt HISTORY OF FOOD die globale Geschichte von Nahrungsmitteln, postkoloniale Kontinuitäten und Alternativen zur ­eurozentrischen Geschichtsschreibung.

Eine Welt ohne Hunger braucht einen

Perspektivleshcew D

ie heutige Landwirtschaft und unsere Essgewohnheiten basieren auf historischen Entwicklungen. Weltweite Produktionsverhältnisse und Handelsströme sind bis heute geprägt von kolonialer Geschichte. Maßgeblich für die ungerechte Gestaltung und Entwicklung von Produktion und Handel waren koloniale Besetzung und Versklavung. Europäische Mächte eigneten sich Land und Menschen anderer Erdteile an, häufig um sich Zugang zu Bodenschätzen, Ressourcen und Land zu sichern. Damit ging auch eine Gesinnung von Zivilisierungsstufen und Rassenhierarchien einher. Europäische Menschen stellten sich über andere Menschen und vertrieben, versklavten, verschleppten oder vernichteten sie. Im „Transatlantischen Versklavungshandel“ wurden geschätzt 17 bis 40 Millionen Afrikaner*innen versklavt, auf Schiffen verschleppt und wie Ware in Ländern der Amerikas verkauft und zur Arbeit gezwungen, z. B. auf Zuckerrohr- oder Reisplantagen.

Geschichte durch Lebensmittel erzählen Es sind die Perspektiven der indigenen, unterdrückten, wider­ ständigen Menschen, welche von der eurozentrischen Geschichtsschreibung vielfach ausgeblendet werden. Am Beispiel der Geschichte der Nahrungsmittel wie z.B. des Zuckerrohrs, stellt HISTORY OF FOOD die „vergessene“ Geschichte in den Vordergrund; eine Geschichte, geprägt von Kolonialisierung, Versklavung und Widerstand. Zuckerrohr war vor 10.000 Jahren Reiseproviant „melanesischer“ Bewohner*innen. In Indonesien, Indien und China wurde Zuckerrohr vor 6.000 Jahren angebaut, Saft aus den Stangen gepresst. Zuckerherstellung in Zuckerhüten wurde in Persien im 6. Jhdt. entwickelt. Mit der Kolonisierung der mittelatlantischen Territorien begann der Zuckerrohranbau auf den Kanarischen Inseln und in der Karibik. Oft verbunden mit Zwangsarbeit verschleppter afrikanischer Menschen wurde Zuckerrohr schließlich zum „weißen Gold“ europäischer

WEITWINKEL - Zero Hunger  

Die erste Ausgabe des neuen entwicklungspolitischen Magazins WEITWINKEL beschäftigt sich mit den Ursachen von Hunger und Mangelernährung. In...

WEITWINKEL - Zero Hunger  

Die erste Ausgabe des neuen entwicklungspolitischen Magazins WEITWINKEL beschäftigt sich mit den Ursachen von Hunger und Mangelernährung. In...

Advertisement