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6 Wegweisendes Generalkapitel

1 2003

8 Heiligenstadt und die Ordensgemeinschaft 12 Bolivien zwischen Armut & Aufbruch

Magazin fĂźr Mitarbeiter, Freunde und FĂśrderer

blickpunkt mensch

Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel


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editorial Mit der vorliegenden Ausgabe von »blickpunkt mensch« möchten wir Ihnen die Veränderungen im Zusammenhang vorstellen und Ihnen Lust machen, den Weg gemeinsam mit den Schwestern zu gehen. mit den Beschlüssen des 14. Generalkapitels wurden die Weichen für die Ordensgemeinschaft der Schwestern der hl. Maria Magdalena sowie die der von ihr unterhaltenen Einrichtungen & Dienste neu gestellt. Die bisher schon gelebte Internationalität der Gemeinschaft erhielt das dazu passende formale Fundament. Europäischer Geist und Gleichberechtigung der drei Provinzen bestimmen in Zeiten der Globalisierung den neuen Weg der Schwestern. Parallel wurde die Trägerstruktur der Einrichtungen und Dienste entsprechend den Anforderungen der Zeit neu organisiert. Aber was bedeutet dies für Sie, die MitarbeiterInnen der SMMP Einrichtungen & Dienste? Haben die Veränderung Folgen für Sie als Nutzer oder Förderer von SMMP? Zwar wissen wir, dass im Leben nichts bleiben kann, wie es einmal war und Veränderungen uns wachsen lassen, jedoch trennen wir uns nur ungerne von vertraut Gewordenem. Der Aufbruch zu neuen Ufern ist stets überschattet von der Angst, dass man dem Neuen nicht gewachsen sein könnte.

Sicherlich konnten wir nicht alle Fragen beantworten. Deshalb freuen wir uns, wenn Sie nachfragen. Wir bemühen uns per Mail und in der im Juni erscheinenden Ausgabe 02/03 von »blickpunkt mensch« in Rücksprache mit der Ordensleitung und Geschäftsführung Ihre Fragen zu beantworten.

P.S.: Passend zu den struktuellen Veränderungen bei SMMP hat auch der Internetauftritt ein neues Gesicht bekommen. Ab April finden Sie ihn unter der alten Adresse www.smmp.de. Wir hoffen, dass er Ihnen gefällt und freuen uns auf Ihre Anregungen, aber auch auf Ihre Kritik.


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blickpunkte

Erstes Europäisches Provinzkapitel Bergkloster Bestwig wird Provinzialat der neuen Europäischen Provinz

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3 14. Generalkapitel Weichen für die Zukunft gestellt und Rückkehr ins Eichsfeld

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Portrait SMMP Ordensgeschichte im Heilbad Heiligenstadt

einrichtungen & dienste

§ §

§

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§

einrichtungen &

Strukturänderungen bei SMMP Neue Trägerstrukturen für Einrichtungen & Dienste

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dienste

Feste feiern, wie sie fallen Ein Jahresrückblick auf das zweite Halbjahr 2002

eine welt

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Adveniat-Aktion 2002 Bolivien - ein Land zwischen Armut und Aufbruch

ratgeber medizin

nachrichten

Seite 14

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Der Medizin-Tipp Sauna: Zwar kein Wundermittel, aber dennoch ein Geheimtipp

Kurz und bündig Aktuelles aus den Einrichtungen


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4 Am Dreikönigstag endete das erste europäische Provinzkapitel der Ordensgemeinschaft der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel in Bestwig mit der feierlichen Errichtung des Provinzsitzes im Bergkloster. Zuvor war am Wochenende die Provinzleitung gewählt worden. Neue Provinzoberin ist Sr. Pia Elisabeth Hellrung aus dem Eichsfeld in Thüringen, die seit 1996 als Generalassistentin der Gemeinschaft in Bestwig lebt und arbeitet. Als Assistentin stehen ihr Sr. Maria Hildegard Schültingkemper sowie sechs weitere Ratsschwestern und Sr. Anna Maria Panjas (Heiligenstadt) als Provinzökonomin zur Seite.

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delegierte Schwestern aus den bisherigen Provinzen Westdeutschland, Ostdeutschland und den Niederlanden haben das Jahr mit dem ersten gemeinsamen europäischen Provinzkapitel begonnen. Sie sind zusammengekommen, um die auf dem Generalkapitel (s. S. 6ff.) im vergangenen Oktober beschlossene Strukturänderung der Gemeinschaft umzusetzen: die Zusammenführung der drei genannten Provinzen zu einer »Europäischen

Schwester Pia Elisabeth Hellrung wird zur neuen P

Erstes Europäisch

Provinz«. Von der Zusammenlegung der Provinzen erhofft sich die Ordensgemeinschaft eine Bündelung vieler Charismen und Kräfte für die gegenwärtigen und noch anstehenden Aufgaben. Hierzu zählen neben der pastoralen Arbeit der Schwestern in Gemeinden und Projekten insbesondere die Trägerschaft der nunmehr 28 deutschen Einrichtungen im Bereich des Bildungswesens sowie der Senioren- und Gesundheitshilfe. Zur europäischen Provinz gehören auch die Schwestern aus zwei Niederlassungen in Rumänien, deren Hauptaufgabe die Sorge um Straßenkinder ist. Das Provinzkapitel als entscheidungsgebende Versammlung der Ordensgemeinschaft bot darüber hinaus Raum zur Arbeit an wichtigen Themen, die Wegweiser für die gesamte Ordensgemeinschaft in den nächsten Jahren sein sollen. Diese Themen lassen sich zusammenfassen unter den Schwerpunkten »Geistliches Leben«, »Gemeinschaftsleben«, »Berufung und Sendung heute« und »Ordensfrau in Kirche und Gesellschaft«. In regem Austausch - sowohl im Plenum als auch in kleinen Gruppen - stellten sich die Delegierten den drängenden Fragen der heutigen Zeit und suchten nach einer konkreten Umsetzung für ihre Ordensgemeinschaft. Der Gemeinschaft gehören zurzeit 347 Schwestern an. 265 stammen aus der ehemals Westdeutschen Provinz, 63 aus der Eichsfelder Provinz und 19 aus der Niederländischen Provinz. Die Integration der drei Provinzen mit ihren Einrichtungen wird für die nächste Zeit eine wichtige Aufgabe der neuen Provinzleitung sein. Aufbauarbeit, mit der Sr. Pia Elisabeth Hellrung, die nach der deutschen Einheit die Schulen der Gemeinschaft in Heiligenstadt neu belebt hat, gut vertraut ist. Die Errichtung der Europäischen Provinz wurde mit einem feierlichen Gottesdienst und anschließendem Festakt am 6. Januar im Bergkloster Bestwig vollzogen. Bis alles in den neuen Alltag gefunden hat, wird es noch ein wenig dauern. So muss z.B. für Sr. Maria Hildegard Schültingkämper, die seit 13 Jahren das Berufskolleg Canisiusstift leitet, ein Ersatz gefunden werden. Auch andere Schwestern sind in ihren bisherigen Tätigkeiten noch gebunden, so dass erst mit Beginn der Sommerferien alle endgültig in Bestwig angekommen sein werden.


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Erster Eurpäischer Provinzrat (v. l.): Sr. Maria Elisabeth Goldmann (Bergkloster Heiligenstadt), Sr. Maria Thoma Dikow (Walburgisgymnasium Menden), Sr. Maria Hildegard Schültingkemper (Canisiusstift Ahaus), Zr. Dorothea Brylak (Klooster Spes Nostra, NL), Sr. Pia Elisabeth Hellrung (Bergkloster Bestwig), Sr. Placida Fennenkötter (Marienkrankenhaus Nassau), Sr. Benedikta vom Kreuz Lech (Bergkloster Heiligenstadt), Sr. Johanna Guthoff (Kloster Oelinghausen)

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Provinzoberin gewählt und Bestwig wird Provinzialat

hes Provinzkapitel Vita Sr. Pia Elisabeth Hellrung (Europäische Provinzoberin) - Geburtsjahrgang 1936 in Niederorschel/Eichsfeld, Thüringen - Ausbildung zur Erzieherin und Dipl. Sozialpädagogin - Tätigkeiten: - Kirchliche Jugendarbeit - Leitung von Kinder-Tagesstätten - Leitung einer kirchlichen Ausbildungsstätte für Erzieherinnen in Heiligenstadt (20 Jahre)

- ab 1990 Wiederaufbau unserer Schulen in Heiligenstadt: kath. Gymnasium und kath. Berufsbildende Schule - seit 1996 Generalassistentin in Bestwig

Vita Sr. Maria Hildegard Schültingkemper (Assistentin Provinzoberin) - Geburtsjahrgang 1940 - Ausbildung: Lehramt für Deutsch und kath. Religion - Tätigkeiten: - Referendarzeit in Kassel - 1972 bis 1986 Walburgis-Gymnasium Menden - 1986 bis 1990 Engelsburggymnasium Kassel - ab Juli 1990 Schulleitung des Berufskolleg Canisiusstift Ahaus

Die Gaben der drei Provinzen Provinz der hl. Maria Magdalena Postel, Westdeutschland: Als Zeichen des Generalats und der westdeutschen Provinz bringen wir diesen Spaten, mit dem der erste Spatenstich unseres Mutterhauses vor 40 Jahren gesetzt worden ist. Dieses Kloster wurde als Sitz des Generalats Heimat für alle Provinzen. So mancher Spatenstich ist seitdem gesetzt worden. Der Boden der Ordensgemeinschaft wurde bearbeitet, Fundamente wurden freigelegt, nach Quellen gegraben, Bleibendes ans Licht gebracht, mancher Same wurde gelegt und mancher junge Baum gepflanzt. [...] Nun bringen wir den Spaten [...] mit dem Wunsch, dass das Bergkloster hier in Bestwig auch in Zukunft fruchtbarer Boden bleibt und immer mehr wird für die Europäische Provinz in ihrer Berufung und Sendung im dritten Jahrtausend. Provinz der seligen Placida Viel im Eichsfeld: Wir kommen als Schwestern der ehemaligen Provinz der seligen Placida im Eichsfeld. Wir bringen ein Rad als Zeichen der Gemeinschaft. Wir bringen unseren Wunsch, dass Christus unsere Mitte sei und dass wir in Liebe verbunden sind mit Christus und untereinander. Niederländische Provinz Spes Nostra: Wir kommen aus den Niederlanden, dem Land mit viel Wasser. Wir bringen einen Anker mit, der Reliquien unserer Gründerinnen enthält, der hl. M. Magdalena Postel und der seligen Placida. Der Anker steht als Symbol für das »Sichfest-machen«. Die damalige Provinzleitung bekam dieses Symbol bei der Errichtung der niederländischen Provinz. Jetzt bei [...] der Errichtung der Europäischen Provinz bringen wir diesen Anker mit zurück. Was bleibt ist: Glaube, Hoffnung und Liebe.


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Generalkapitel beschließt

Nach 55 Ja 6 Mit der Wahl der Generaloberin und des neuen Generalrates ist das Generalkapitel der Ordensgemeinschaft der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel (SMMP) im letzten Oktober im Bergkloster Bestwig zu Ende gegangen. Sr. Aloisia Höing (59) wird für weitere sechs Jahre die Gemeinschaft, zu der weltweit 448 Schwestern gehören, als Generaloberin leiten. Neu ist, dass ihr Amt nicht mehr in Personalunion mit der Westdeutschen Provinzobernschaft verbunden sein wird. Als höchstes entscheidungsgebendes Gremium des Ordens steht Sr. Aloisia ein junger und vor allem international besetzter, fünfköpfiger Generalrat zur Seite. Erstmals sind auch zwei Schwestern aus den südamerikanischen Provinzen im Rat vertreten. Damit wird die seit Jahren gelebte Internationalität der Ordensgemeinschaft in der letzten Konsequenz umgesetzt. Der neue SMMP-Generalrat (v.l.): Sr. Leila de Souza e Silva (Brasilien), Sr. Margareta Kühn, Sr. Theresia Lehmeier (Generalsekretärin), Sr. Aloisia Höing (Generaloberin), Sr. Adelgundis Pastusiak (Generalassistentin), Sr. Amalia Machaca (Bolivien)

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ls Generalassistentin wird Sr. Adelgundis Pastusiak (59) die Generaloberin unterstützen. Als Ratsschwestern wurden des weiteren Sr. Leila de Souza e Silva (55) aus

Erstes Wirken in Barfleur Einzug in ein altes Kloster

Geburt

28. November 1756: Geburt von Julie Postel

Verwurzelung

Nachdem Julie Postel als 14-jährige bei Benediktinerinen ausgebildet worden ist, wirkt sie zunächst als Lehrerin, Katechetin und Helferin der Armen.

1811 findet die Gemeinschaft zum ersten Mal für eineinhalb Jahre Unterkunft in Tamerville. Nach drei Jahren voller Angst und weiteren zwei in einer Strohhütte auf dem Land können die Schwestern 1816 hierher zurückkehren. Es folgen Jahre des Wachstums und der Festigung.

Neubeginn 1807 Cherbourg

Barfleur, Normandie: französischer Geburtsort der späteren Ordensgründerin

1807: Nach der Gründung der Ordensgemeinschaft suchen die Schwestern eine Unterkunft. Zuflucht finden sie in Cherbourg.

Tod Maria Magdalenas

Neuer Aufbru

1846 stirbt die Ordensgründerin im 90. Lebensjahr.

25 Jahre unterwegs

Nachfolge

Es wird weitere 14 Jahre dauern, bis die Schwestern 1856 die Abtei wieder vollständig aufgebaut haben. 1832 Ankunft in den Ruinen der Abtei von Saint-Sauveurle-Vicomte

Schwester Placida Viel wird zur Zweiten Generaloberin gewählt.

Vier deutsche Lehr Eichsfeld suchen A Ordensgemeinscha Heiligenstadt die e Niederlassung geg

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Während des Kulturkampfes erhalten die Schwestern Unterrichtsverbot und müssen fast alle Häuser schließen. 1876 wandern sie deshalb nach Frankreich aus, wo sie jedoch nach dem deutsch-französisch


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t Aufhebung der Personalunion der Ämter von Generaloberin und westdeutscher Provinzoberin

ahren: Die Rückkehr ins Eichsfeld 7 Leme in Brasilien, Sr. Amalia Machaca (44) aus Cochabamba, Bolivien, Sr. Theresia Lehmeier (47) aus Menden und Sr. Margareta Kühn (39) aus Heiligenstadt in Thüringen gewählt. Der Altersdurchschnitt von gut 50 Jahren macht aus dem SMMP-Generalrat den jüngsten aller Zeiten. Bei der Segnungsvesper für die Generaloberin wünschte Weihbischof Hans-Josef Becker der Ordensgemeinschaft mit den Worten des Apostels Paulus an die Thessalonicher, den Geist nicht auszulöschen (1 Thess 5, 19), und trotz aller Zweifel, die immer wieder aus den Herausforderungen des Lebens entstehen mögen, auch weiterhin auf Gott zu vertrauen. Ein Blick auf die Arbeit der Gemeinschaft zeigt, dass die Schwestern dieses Gottvertrauen seit Jahrzehnten zu leben und weiterzugeben verstehen.

Der Danksagung von Bischof Dr. Joachim Wanke an die Schwestern für ihr Engagement - insbesondere in der Jugendarbeit - schlossen sich im Festakt Landrat und Bürgermeister an. Freundschaftlich kündigten sie an, dass sie auch schon einmal einfach vorbeikämen, wenn ihnen etwas am Herzen liege. Und so luden sie Sr. Aloisia ein, auch wie bei alten Freunden einfach an ihre Türen zu klopfen, wenn sie Rat oder Hilfe brauche. Der Pfarrer der evangelischen Nachbargemeinde betonte das gute nachtbarschaftliche Verhältnis zu den Schwestern. Die Geschäftsführung der Einrichtungen & Dienste zeigte sich erfreut, dass die Generloberin und die Generlaökonomin Sr. Maria Dolores Bilo noch ein kleines Zimmer in Bestwig beibehielten.

Am Nachmittag des 6. Januar erwartete Sr. Aloisia und den gesamten Generlarat ein herzlicher Empfang in Heiligenstadt. Nach einer feierlichen Vesper verlas Sr. Christa Maria Henninghaus die Dekrete, mit denen die Umstrukturierung der Ordensgemeinschaft formal festgelegt worden war.

Ein besonderes Glück bereitete den Schwestern an diesem Tag das Hochwasser. “Durch die überschwemmunsgedingten Umleitungen sind wir damals wie Sr. Placida Viel über Göttingen nach Heiligenstadt gekommen”, beschrieb Sr. Aloisia einen Teil ihrer Freude an diesem historischen Tag.

Wachstum und Neubeginn

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Bedingt durch die Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich mit dem Zweiten Weltkrieg raten die deutschen Bischöfe zur Trennung des deutschen Zweiges von der französischen Stammkongregation. 1920 wird das Generalat des deutschen Zweiges in Heiligenstadt errichtet.

Entwicklung der Gemeinschaft

Schwierigkeiten in Nazi-Deutschland Schließungsbefehl für alle Schulen der Gemeinschaft zwischen 1938 und 1943, Umstellung der Schwestern auf pflegerische und pastorale Aufgaben. Der letzte Schultag der Schwestern...

Internationalisierung 1923 Niederlande

Provisorische Lösung

1882 können die Schwestern nach Deutschland zurückkehren. 1987 leben hier 98 Schwestern in vier Niederlassungen.

hen Krieg (1870/71) auch unerwünscht sind.

1967 werden 1924 Bolivien in drei Ländern Provinzen errichtet. So entstehen die Provinz Spes Nostra mit Sitz des Provinzialats in Vleuten, die Provinz Mater Misericordia mit Sitz in Cochabamba und die Provinz des hl. Josef mit Sitz in Leme.

1947: wegen der Teilung Deutschlands Errichtung des Noviziats in Geseke in der Hoffnung, nach Heiligenstadt zurückkehren zu können.

SMMP

1937 Brasilien

Geschichte

rerinnen aus dem Anschluss an eine aft. 1862 wird in erste deutsche gründet.

1917 leben in Deutschland 559 Schwestern in 52 Niederlassungen

Fortsetzung Seite 8


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blickpunkt Heiligenstadt Das neue Mutterhaus in Heiligenstadt während der Phase der Fertigstellung. Ringsum zeugt die geschäftige Szenerie von den umfangreichen Bauarbeiten am Klostergebäude.

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Das ehrwürdige Gebäude der St. Elisabethschule zeugt von der wechselvollen Geschichte des Engagements der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel in Heiligenstadt. Sie beginnt 1862, als sich vier junge Lehrerinnen von den Zielen der hl. M. Magdalena Postel angesprochen fühlen und einen eigenen deutschen Ordenszweig gründen. Nach Phasen der Prüfung während des Kulturkampfes in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, der NS-Zeit und des DDR-Regimes, in denen aufgrund politischer Zwänge vor allem die Lehrtätigkeit erschwert wurde oder sogar eingestellt werden musste, mündet die Geschichte mit der Rückverlegung des Generalates nun in einen neuen Beginn.

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emäß ihrer Berufung reagierten die Schwestern stets auf die Nöte der jeweiligen Zeit: Wenn es politisch unmöglich war, eine Tätigkeit weiterhin auszuführen, verlagerten sie ihr Wirken auf eine andere, den Zielen der Ordensgründerin entsprechenden Tätigkeit. So steht die Ordensgemeinschaft in Heiligenstadt gegenwärtig in der Tradition eines breit gefächerten Aufgabenfeldes in der Bildung, Senioren- & Krankenhilfe sowie der Jugend- und Pastoralarbeit.

Geschichte

SMMP

Abschied und Trennung

In dem Stadtgebiet von Heiligenstadt wirken die Schwestern in insgesamt zehn Einrichtungen (Internet-Tipp: www.bergkloster-heiligenstadt.de) Dazu gehören u. a. die Bergschule St. Elisabeth, das Jugendund Erwachsenenbildungshaus »Marcel Callo«, das Raphaelsheim, Werkstatt und Wohnheim für Geistigbehinderte, sowie der Bergkindergarten. Der Bergkindergarten ist die Nachfolgeeinrichtung der sogenannten »Kinderbewahranstalt«, die 1862 als erste Institution der Ordensgemein-

schaft im Eichsfeld entstand. Hinter dem Namen Bergschule St. Elisabeth verbergen sich zwei Schulen unter einem Dach: Die berufsbildende Schule befindet sich ausschließlich in Trägerschaft der Schwestern. Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt im sozialpädagogischen und hauswirtschaftlichen Bereich sowie im Gesundheitswesen. Das katholische Gymnasium gehört zur Gesellschaft für christliche Schulen mbH. Gesellschafter sind das Bischöfliche Ordinariat Erfurt, die Heiligenstädter Kirchengemeinden und die Heiligenstädter Schulschwestern (ursprüngliche Bezeichnung der Schwestern der hl. M. Magdalena Postel). Beide Schulen wurden nach der Wende in den alten Gebäuden wieder eröffnet und modernisiert. Trotz zunächst erfolgreicher Fortsetzung der Lehrtätigkeit nach Ende des 2. Weltkriegs musste der Schulbetrieb im Zuge der »Demokratisierung der Schule« in der DDR eingestellt werden. Eine Anekdote verdeutlicht die systematische ideologische Einflussnahme der sowjetischen Besatzungsmacht auf das

Neuer Anfang in Rumänien

Errichtung der Europäischen Provinz mit Sitz des Provinzialates im Bergkloster Bestwig

1961 Mauerbau Verbindung mit dem Mutterhaus in Heiligenstadt bis zur Einführung des kleinen Grenzverkehrs unmöglich und dann unter Beobachtung der Stasi

1998: Mitarbeit im Projekt Concordia 2000: Bau des Kinderhauses in Schineni für Straßenkinder

Erscheinung des Herrn Neuorientierung

Neubeginn in Mosambik

6. Januar 2003

Wiedererrichtung des Generalates im Bergkloster Heiligenstadt

1965 - 1971: Bau des neuen Bergklosters in Bestwig

1998: Mitarbeit im interkongregationalen Projekt Nipepe 2001: Beginn eines eigenen Projekts in Metarica


einrichtungen

§ §§ §§ §§ §§ §§ §§ §§ §§ §§ §§ §§ § Geschäftsfelder In zahlreichen Informationsveranstaltungen machten Vertreter der Geschäftführung deutlich, dass sich die Geschäftsfeldzuordnung sowohl aus der Sicht der Einrichtungen als auch aus der Sicht der Geschäftsführung bewährt habe. Die drei Geschäftsfelder Bildung & Erziehung, Seniorenhilfe und Gesundheitshilfe hätten zu einer klaren Zuordnung der Einrichtungen und einer effizienteren Führung geführt. Diese Struktur und Zuordnung solle auch in Zukunft erhalten bleiben.

Bildungswesen, aber auch die Eloquenz, mit der sich die damalige Schulleiterin Sr. Maria Bernarda Marx dieser Einflussnahme entgegen stellte: Ein sowjetischer Kommissar hatte davon gehört, dass für Abgangsklassen dreitägige Exerzitien geplant waren, und trat damit an Sr. Maria Bernarda heran. Die Schulleiterin erwiderte darauf: »Drei Tage beten? Das kann ja kein Mensch. Das kann auch ich nicht. Da haben Sie falsch gehört.« (zitiert nach »Weg auf dem wir gehen«, 1998, S.127)

Rechtsform der Rechtsträger Was die Rechtsform der Einrichtungsträger angeht, machte Geschäftsführer Christian Uhl deutlich, dass die Rechtsform des Vereins, in der viele Einrichtungen bisher geführt wurden, nicht mehr zeitgemäß und zukunftsfähig sei. Deshalb habe sich die Geschäftsführung entschieden, möglichst alle Einrichtungen zukünftig in der Rechtsform der gemeinnützigen GmbH zu führen. Zwei Bereiche sind bereits zum 1. Januar 2003 umgesetzt worden. Die Mitarbeiter des Bergklosters Bestwig, des Bergklosters Heiligenstadt, des Bergkindergartens Heiligenstadt sowie des Bildungswerkes in Bestwig sind in die Julie-Postel gGmbH übergegangen. Die Mitarbeiter aller Seniorenhilfe-Einrichtungen, mit Ausnahme

Strukturänderungen auch in den Einrichtungen Neben den Veränderungen im Ordensbereich haben sich auch für den Bereich der Einrichtungen & Dienste mit Beginn des Jahres einige Veränderungen ergeben. Die zur neu gegründeten europäischen Ordensprovinz gehörenden Einrichtungen im Eichsfeld werden nun auch in die Einrichtungen & Dienste SMMP integriert. Dies betrifft die Berufsbildenden Schulen des Bergklosters in Heiligenstadt, den Bergkindergarten sowie die Mitarbeiter des dortigen Bergklosters. Die holländische Ordensprovinz, die ebenfalls in die europäische Ordensprovinz eingegliedert wurde, führte keine eigenen Einrichtungen. Ferner hatte die Geschäftsführung von der Ordensleitung den Auftrag bekommen, die Zahl der Rechtsträger zu reduzieren und zugleich eine Struktur herbeizuführen, welche die Haftungsrisiken für den Träger und die Einrichtungen minimiert.

der Mitarbeiter der Martinus gGmbH in Herten, sind in die Seniorenhilfe SMMP gGmbH überführt worden. Die Mitarbeiter des Fachseminars in Geseke sind ebenfalls in die neue Seniorenhilfe-Gesellschaft integriert worden. Damit ist nach Aussage von Geschäftsführer Ludger Dabrock ein leistungsfähiger Verbund von SeniorenhilfeEinrichtungen entstanden, der in vier Regionen (Kreis Borken, Herten, Geseke sowie Wadersloh/ Diestedde/ Stromberg/ Beckum) pflegebedürftigen Menschen entsprechende Angebote machen kann. Auch die Zusammenarbeit der Einrichtungen soll in Zukunft noch stärker als bisher ausgebaut werden. Im Schulbereich ist der Orden derzeit in drei Bundesländern tätig: Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Da das Schulrecht und die bildungspolitischen Konzeptionen in den einzelnen Bundesländern sehr voneinander abweichen, wurde der ursprüngliche Plan, eine Gesell-

& dienste

schaft als Trägergesellschaft für alle Schulen und Bildungseinrichtungen zu gründen, verworfen. Derzeit ist geplant, für die in Nordrhein-Westfalen befindlichen Einrichtungen (Walburgis-Gymnasium Menden, Berufskolleg Placida Menden, Berufskolleg Canisiusstift Ahaus und Berufskolleg Bergkloster Bestwig) eine Trägergesellschaft zu gründen. Das durch das Land geplante neue Ersatzschulfinanzierungsgesetz sieht zahlreiche Veränderungen für Ersatzschulträger vor. Daher wird derzeit versucht, in Abstimmung mit dem Kath. Büro in Düsseldorf sowie mit den betroffenen Diözesen 9 die Struktur so zu fassen, dass diese den jetzt bekannten Veränderungen des neuen Ersatzschulfinanzierungsgesetzes entspricht. Heiligenstadt bleibt Verein Schlechte Nachrichten gab es in Thüringen. Die geplante Umstellung des Rechtsträgers würde dazu führen, dass der Träger vom Land Thüringen wie ein neuer Träger behandelt würde und somit für drei Jahre auf Refinanzierung warten müsste. »Das können wir nicht finanzieren«, teilte die für den Bildungsbereich zuständige Geschäftsführerin, Sr. Maria Dolores Bilo, mit. Somit werden die Berufsbildenden Schulen in Heiligenstadt zukünftig weiterhin in der Rechtsform des Vereins geführt. In Hessen wird die Überleitung des Engelsburg-Gymnasiums in Kassel in eine gemeinnützige Gesellschaft vorbereitet. Hier ist die Geschäftsführung optimistisch, die angestrebte Lösung im Laufe des Jahres umzusetzen. Auswirkungen für MitarbeiterInnen Und die Auswirkungen für die MitarbeiterInnen? Zunächst müssen sich viele Mitarbeiter an einen neuen Arbeitgebernamen gewöhnen. Aber: alleiniger Gesellschafter aller Rechtsträger ist der SMMP Europa e.V., der Rechtsräger der Provinz mit Sitz in Bestwig. Somit bleiben alle Einrichtungen in Trägerschaft des Ordens. Bei der Vorstellung der neuen Struktur vor den leitenden Mitarbeitern des Ordens stellte Generaloberin Sr. Aloisia Höing dar, dass der Orden auch weiterhin in den drei Bereichen Bildung/Erziehung, Seniorenhilfe und Gesundheitshilfe vertreten bleibt. Sr. Aloisia: »Es ist unser erklärtes Ziel, Menschen auch weiterhin in diesen drei Bereichen zu unterstützen.«

Die Geschäftsführung


einrichtungen & dienste

Fröhliche und feierliche Pausen vom Alltag: Momentaufnahmen aus den Einrich

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FESTE feiern,

25

Jahre Hufeland-Klinik Bad Ems, ein Datum mit Geschichte. Seit einem Vierteljahrhundert kümmern sich die Mitarbeiter der Bad Emser Klinik um das Wohl ihrer Patienten. Ein rundes Jubiläum, das mit einer bunten Festwoche ehrenvoll und gebührend gefeiert wurde. Den Anfang machten über 100 Ehrengäste, die erschienen waren, um sich persönlich für das langjährige ungebrochene Engagement der Einrichtung zu bedanken. Der Stadtbürgermeister Otmar Canz erinnerte verdientermaßen an den Namenspatron, den berümten Arzt Christoph-Wilhelm Hufeland, der seinerzeit wohl nie damit gerechnet hatte, einmal der Namensgeber eines Zentrums für Pneumologie und Naturheilverfahren zu werden. Vor allem die ärztlichen Kollegen, aber auch viele andere Interessierte waren in der darauffolgenden Woche zu speziellen Tagen der Naturheilkunde, Pneumologie und Orthopädie eingeladen, sich über die neusten Forschungsergebnisse dieser Disziplinen zu informieren. Einen Blick hinter die Kulissen wagten die zahlreichen Besucher beim abschließenden Tag der offenen Tür. Von der Diätküche bis zum Schlaflabor war alles geöffnet.

25 Jahre Hufeland-Klinik Bad Ems. Was einst auf einem der schönsten Bauplätze der alten Kurstadt begann (l.), ist heute bereits ein Stück der Geschichte Bad Ems’. Grund genug, das Jubiläum mit allen Beschäftigten, zahlreichen Gästen und Gratulanten gebührend zu feiern. Vor allem beim Tag der offenen Tür hatten die Mitarbeiter viel Spaß (u.).

O’

zapft is’, hieß es zum ersten Mal im Seniorenheim Haus St. Martin in Westerholt. Ein echt bayerischer Tag, selbstredend ganz stilecht mit Bier und Brez’n, wartete auf die Bewohner und Mitarbeiter. Schon die liebevolle Dekoration versetzte die Feiernden in eine originale Bierzelt-Atmosphäre. Fazit: Man kann ein traditionelles Oktoberfest auch feiern, ohne den beschwerlichen Weg nach München antreten zu müssen. Und gemütlicher war’s wahrscheinlich sowieso.

P Wer behauptet, das Oktoberfest sei nur etwas für Münchner? Den Gegenbeweis lieferten die Bewohner des Altenheimes St. Martin in Westerholt. (o.). In nichts nach standen dem mit ihrer Feierlaune die Diestedder aus dem Haus Maria Regina. Großen Spaß hatten sie beim ersten Sommerfest ihrer Einrichtung(r.). Fortsetzung ist selbstverständlich.

remiere auch in Diestedde. Dort war das allererste Sommerfest am Haus Maria Regina gleich ein großer Erfolg. 200 Heimbewohner und deren Angehörige genossen ein umfangreiches Programm. Nach dem Kaffeetrinken statteten auch die Kinder aus dem St. Nikolaus-Kindergarten den Senioren einen Besuch ab. Weitere Gäste waren der Jugendchor Grenzenlos und eine Senioren-Tanzgruppe aus Beckum. Fortsetzung also dringend erwünscht.


einrichtungen & dienste

tungen der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel

Sie ordnen das Jahr, sind oft lang erwartete Höhepunkte im Alltag vieler Menschen: Die Feste und Feierlichkeiten in den Einrichtungen der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel. Für Mitarbeiter und Bewohner eine willkommene Abwechslung. Seien es die Sommerfeste, Nikolausfeiern oder das Oktoberfest, das in Westerholt Premiere feierte: Alle diese Feierlichkeiten sind Gelegenheiten, Pause vom Alltag zu machen. Man kommt ins Gespräch und lernt seine Mitmenschen vielleicht auch einmal von einer anderen, mehr privaten Seite kennen. Unsere Momentaufnahmen aus dem vergangenen Jahr sind der Beweis dafür.

wie sie U

nter dem Motto »Miteinander leben - miteinander feiern« veranstaltete das Altenheim Haus St. Martin in Herten-Westerholt gemeinsam mit der Pfarrgemeinde St. Martinus sein beliebtes Sommerfest. Wie schon in den Jahren zuvor kam auch dieses Mal der Erlös den Bewohnern des Hauses zugute. Der Tag begann mit einem Gottesdienst. Der Spielmannszug und die Martinsbläser setzen anschließend die Veranstaltung musikalisch fort. Die eigene Küche der zahlreichen Besucher konnte an diesem Tag kalt bleiben, denn pünktlich ab 12 Uhr wurde zu einem leckeren, rustikalen Mittagessen eingeladen. Frisch gestärkt ging es musikalisch weiter mit der altbekannten Rentnerband und mit der Kindertanzgruppe. Ebenfalls zu Gast war der Männerchor, und auch der Kindergarten trat wieder auf. Eine Bauchtanzgruppe rundete diese bunte Veranstaltung exotisch ab.

fallen Beim Sommerfest im Haus St. Martin hatte wie immer Alt und Jung seinen Spaß. Den ganzen Tag lang ging es rund. Und das nicht nur bei den jüngsten Besuchern.

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eihnachten ist auch in Geseke immer wieder Zeit der Besinnlichkeit. Auch im vergangenen Jahr lud deshalb der Ambulante Pflegedienst am Haus Maria wieder zu seiner fast schon traditionellen Nikolausfeier ein (Foto r.). »Wir möchten auch denen, die nicht mehr so mobil sind, die Möglichkeit geben, sich mit anderen zu treffen und einfach einen schönen Adventsnachtmittag zu verbringen«, erklärte Eva Mertins, Leiterin des Ambulanten Pflegedienstes. Außerdem sei es das Ziel, dadurch die pflegenden Angehörigen zu entlasten. Für das leibliche Wohl war mit selbstgebackenem Kuchen, Weihnachtsgebäck und Kaffee wieder bestens gesorgt.

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rund zum Feiern hatte der fünfte Ausbildungsjahrgang der Physiotherapie und Ergotherapie, der im September vor 200 Gästen, Angehörigen und ehemaligen Schülern ins Berufsleben verabschiedet wurde (l.). Beide Bildungsgänge sind im Berufskolleg Bergkloster eng miteinander verknüpft, so dass eine fundierte praktische und theoretische Ausbildung stattfindet. Die Berufsaussichten sind nach wie vor vielversprechend.

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eine welt

Adveniat-Aktion 2002 rückte fazinierende Kultur und soziale Probleme des zweitärmsten Landes Südamerikas ins christliche Blickfeld

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Bolivien zwischen Armut & Aufbruch

»Armut durch Bildung überwinden« lautet das Motto der Ordensgemeinschaft für ihre 1924 gegründete bolivianische Provinz Mater Misericordiae. In vier Kindergärten und sechs Schulen bieten die Schwestern nach dem Vorbild ihrer Gründerin Bildung für alle Schichten der Bevölkerung an. Außerdem unterhält die Gemeinschaft drei Kinderheime und ein Kinderdorf sowie eine Suppenküche speziell für Kinder.

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inder wären sicherlich einer der großen Reichtümer Boliviens. Doch Tausende von ihnen leben auf der Straße oder ihre Familien sind zu arm, um sie ausreichend versorgen zu können. Waisen, Halb-Waisen oder sogenannte SozialWaisen, das heißt Kinder, die keine Familie haben, die sich um sie kümmert, finden in den Häusern der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel Unterkunft und ein neues Zuhause. Hier lernen die Mädchen Selbstständigkeit und soziale Kompetenz. Sie erleben christliche Werte als Lebensangebot. Neben der Schulausbildung in staatlichen Schulen erhalten die Kinder hauswirtschaftlichen Unterricht in Form einer heiminternen Berufsschule. Kampf gegen Analphabetismus In Bolivien, das als das zweitärmste Land Südamerikas zählt, beträgt die Analphabetenrate heute noch durchschnittlich 27 Prozent. Davon entfallen gut sieben

Prozent auf Männer und knapp 20 Prozent auf Frauen. Neben dem Spanischen gibt es ca. 13 indianische Dialekte, so dass für die Hälfte der Bevölkerung die Landessprache Spanisch nur Zweitsprache ist. Dies zeigt, wie schwierig es für das Land ist, den Analphabetismus zu bekämpfen. Mit ihrer Schule in Santa Cruz sind die Schwestern in der bolivianischen Bildungsbewegung Fe y Alegria (Glaube und Freude) beteiligt, die an Wegen zu einem für alle besser zugänglichen Bildungssystem und damit aus dem Kreislauf der Armut für viele sucht. Mit Patenschaften für Studenten und der beruflichen Abendschule CETAP mit Schnellausbildungen für Erwachsene weiten die Schwestern ihre Bildungsangebote über Kindergarten und Schule auf junge Erwachsene aus. Hilfe zur Selbsthilfe Ziel der Hilfe der Schwestern ist es immer keine Almosen zu verteilen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. So sind die meisten Angebote der Schwestern nicht kostenlos. Die Gebühren für Kindergarten, CETAP-Kurse usw. sind dabei immer so gewählt, dass die Teilnehmer diese selber

aufbringen können. Selbstverständlich reicht dies nicht, um die Einrichtungen zu erhalten. In der Tradition ihrer Ordensgründerin unterrichten die Schwestern auch die Kinder wohlhabender Familien und fianzieren mit deren Schulgeld eine gleichwertige Schulausbildung für Kinder aus den armen Verhältnissen. Da dies oft nicht reicht, sind die Schwestern auf Spenden angewiesen. Mit 15 Euro bespielsweise kann Sr. Maria Catalina in ihrer Suppenküche in Santa Cruz ein Kind einen Monat lang mit einem ausgewogenen Mittagessen täglich vor Hunger und Mangelerscheinungen bewahren. 180 Euro kostet eine Nähmaschine, die den Jahrgangsbesten der Kinderheime als Start-up-Hilfe für ein kleines eigenes Gewerbe mit auf den Weg gegeben wird. Jeder kleiner Betrag hilft Kindern von der Geburt an, durch Unterstüzung ihrer Mütter, Förderung im Kindergarten und später in der Schule bis zur Berufsausbildung oder einem Studium Chancen auf ein besseres Leben zu geben. Die Schwestern kennen und prüfen die Lebensumstände der Familien. Sie garantieren damit, dass Spendengelder auch den wirklich Notleidenden zugute kommen. Getragen werden die Einrichtungen der Ordengemeinschaft bei Schwestern sowie zivilen Mitarbeitern durch die Verbundenheit in der postelanischen Botschaft: “Die Jugend bilden, die Armen unterstützen und nach Kräften die Not lindern.”


eine welt

Bolivianische Provinz Mater Misericordiae

Arbeitsfelder & Projekte in Bolivien 13

Nach La Paz kamen 1924 die ersten Schwestern auf Ruf des Bischofs. 2002 konnten sie in der zweitgrößten Stadt Boliviens das 50-jährige Bestehen ihres Kindergartens “Beata Placida” feiern. In ihrer Pastoralarbeit unterstützen die Schwestern Arme und Bedürftige.

Cochabamba wurde 1967 Sitz des Provinzialats. Neben einer Schule und einem Kindergarten unterhalten die Schwestern hier die CETAP und je ein Kinderheim in der Stadt und auf dem Land. Daneben sind sie in der Landpastoral aktiv.

Durch einen Schulneubau in Santa Cruz erhielt das mit je 750 Schülern in der Vor- und Nachmittagsschule bis an die Grenzen ausgelastete Colegio neue Räume für die Sekundarstufe II. 2003 werden hier die ersten Schüler ihr Abitur machen.

In der Minenstadt Oruro in 3700 m Höhe führen die Schwestern einen Kindergarten und eine Schule. 500 Kinder und Jugendliche besuchen die Priavtschule, 290 den staatlichen Zweig. Außerdem bringt die Gemeinschaft mit Sozialarbeit und Landpastoral Hoffnung in die vergessen wirkenden Indiodörfer Ayparavi und Chipapaya auf dem kargen Niemandland der Andenhochebene.

In zwei Kinderheimen finden 140 Mädchen in der Landgemeinde Vallegrande ein neues Zuhause. Je 12-14 Mädchen bilden eine Wohngruppe, die von einer Tagesmutter betreut wird. Neben der Schule lernen die Kinder Gärtnern und Handarbeiten.

Seit 1997 sind die Schwestern zudem in Bermejo und seit 2002 auch in Tarija, einem Städchen an der Grenze zu Argentinien, in Sozialarbeit und Landpastoral mit Schwestern aktiv.


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Ratgeber Medizin: Die Sauna

Warme Stunden in der kalten Winterzeit: Interview mit Dr. Rainer Brenke, Leiter Naturheilverfahren Hufeland-Klinik

Sauna wird im Allgemeinen mit Wellness, Entspannung und Freizeit in Verbindung gebracht. Der gesundheitsfördernde und auch therapeutisch nutzbare Effekt wird dabei vielfach noch unterschätzt. Allenfalls denkt man an eine Abhärtung. So gibt über die Hälfte der regelmäßigen Saunagänger an, fast frei von Infekten zu sein. Sauna vermag aber weit mehr. Dazu ein Interview mit dem Leiter der Abteilung Naturheilverfahren in der Hufeland-Klinik Bad Ems, Priv.-Doz. Dr. Rainer Brenke.

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Welche Faktoren wirken bei einem Saunagang?

Dr. Rainer Brenke:

Der offensichtlichste Wirkfaktor ist der thermische Reiz. Das Saunaklima ist bei der am besten untersuchten Sauna - der finnischen - relativ trocken. Die Temperatur beträgt unter der Decke 90 bis 120 Grad Celsius, am Boden dagegen nur ca. 40 Grad. Für ein gutes Saunaklima ist zusätzlich die Strahlungstemperatur der Wände sowie von Decke, Boden und Sitzflächen von entscheidender Bedeutung. Zum Erreichen einer ausreichenden Strahlungstemperatur muss eine Sauna »reif«, d. h. ausreichend lange vor dem ersten Betreten angeschaltet sein. Saunabaden stellt aber auch einen thermischen Wechselreiz dar, denn die Abkühlungsmaßnahmen nach jedem Saunagang sind unverzichtbar. Was passiert mit dem Körper?

Dr. Rainer Brenke: Die Hauttemperatur steigt in der Kabine um fünf Grad und mehr an, und auch die Körperkerntemperatur erhöht sich um gut ein Grad. Die Sauna ist aber kein künstliches Fieber, sondern eine von außen aufgezwungene Erhöhung der Kerntemperatur. Der Körper ist bestrebt, diese Wärme so rasch wie möglich durch Schwitzen wieder abzugeben. Man kann mit einem Schweißverlust von 500 bis 800 Gramm bei einer üblichen Sauna-Anwendung rechnen. Ein echter Gewichtsverlust ist dies aber leider nicht. Der Puls steigt je nach Aufenthaltsdauer auf 110 bis 120 Schläge in der Minute. Der Blutdruck zeigt dagegen kaum Veränderungen. An der Haut und Muskulatur von Armen und Beinen lässt sich jedoch eine Durchblutungssteigerung nachweisen. Durch die bessere Durchblutung im Nasen-Rachen-Raum, eine vegetative Stabilisierung sowie immunologische und biochemische Anpassungserscheinungen sinkt zudem die Infektanfälligkeit rapide. Auch der Bewegungsapparat profitiert. Viele Bänder und Gelenke sind in der Wärme deutlich dehnbarer als bei Kälte. Außerdem wird durch die Sauna ein schmerzstillender und muskelentspannender Effekt ausgeübt, so dass alle Faktoren zusammen den Einsatz der Sauna bei Erkrankungen des Bewegungsapparates nahe liegen. Die maximale Atemleistung steigt nach einem Saunabesuch und auch innerhalb einer Serie deutlich an. Ein weiterer Effekt ist die günstige Beeinflussung der Stimmung. Dies geschieht durch die Freisetzung von Endorphinen. Bei welchen Krankheiten kann man von der Sauna profitieren? Dr. Rainer Brenke: Bei vielen. Unter anderem bei Infektneigung einschließlich Arthrosen sowie degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen. Auch bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen mit Ausnahme des akuten Schubes, Weichteilrheumatismus, Bluthochdruck, sofern dieser nicht extrem ausgeprägt ist, Hypotonie oder einer arteriellen Verschlusskrankheit in den Stadien I und II. Bei der koronaren Herzkrankheit muss man von der individuellen Leistungsfähigkeit ausgehen. Im Weiteren kann sie helfen bei chronischen Entzündungen der weiblichen Unterleibsorgane, Prostata-Adenomen, bei Wechseljahresbeschwerden, leichteren Depressionen, Schuppenflechten und eventuell auch bei Neurodermitis. Wer sollte auf einen Saunabesuch eher verzichten? Dr. Rainer Brenke: Patienten mit akuten Herzerkrankungen, bei einer ausgeprägten Varikosis muss man individuell entscheiden. Schwierig wird es bei einer unzureichenden Leistungsfähigkeit des Herz- und Kreislaufsystems. Ausgeprägte Hautveränderungen setzen ebenfalls Grenzen - zumindest beim Besuch einer öffentlichen Sauna. Mit einem beginnenden Infekt gehört man nicht in die Sauna, und eine Überfunktion der Schilddrüse sowie zur Blutung neigende Magengeschwüre stellen ebenfalls Kontraindikationen dar.


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Internet-Tipp

Wie ging er denn noch mal, Goethes »Zauberlehrling«? Und die »Verwandlung« von Franz Kafka steht auch nicht im Bücherregal? Egal, all diese Texte gibt es jetzt im Internet. Das Projekt »Gutenberg« enthält Texte in deutscher Sprache von mehr als 400 Klassikern und über achtzig heutigen Autoren. Übernommen hat diesen kulturellen und einmaligen Service wie schon in der Adresse ersichtlich der »Spiegel«. Klassiker sind

in diesem Falle wörtlich zu nehmen, denn von Aristoteles bis zu Xenophons Sokratischen Gesprächen sind sogar die alten Griechen vertreten. Weiter geht es über Schiller und Edgar Allen Poe bis hin zu Auszügen aus den Werken Thomas Manns. Natürlich fehlt auch nicht eine ausführliche Gedichtsamlung von Morgenstern. Das Projekt bietet schon bei oberflächlicher Betrachtung wochenlangen Lesespaß; allein die Gedichte Goethes würden gedruckt ein ganzes Bücherbord füllen. http://gutenberg.spiegel.de/index.htm

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Vorsprung durch Wissen: Angebote des Bildungswerkes

Donnerstag, 17., bis Sonntag, 20. April, im Bergkloster Bestwig Feier der Kar- und Ostertage Mit allen Sinnen das Fest des Lebens feiern, Aufbrüche im eigenen Leben entdecken. Dabei helfen Meditationsübungen, kreatives Gestalten, Tanz und andere Elemente. In der Mitte dieser Tage steht die Feier der Kar- und Osterliturgie mit der Schwesterngemeinschaft.

April

Mittwoch, 7. Mai, Bildungswerk Bergkloster Bestwig Tag des Innehaltens für Frauen Dieser Tag bietet die Möglichkeit, sich einmal aus der Alltagsarbeit zurückzuziehen. Zeit alleine, Gespräche unter Frauen und die Auseinandersetzung mit einem biblischen Text sollen helfen, über den gewohnten Alltag hinauszublicken, Kräfte zu sammeln und Ausschau zu halten nach dem Lebendigen, das uns weitergehen lässt.

Mai

Information und Anmeldung unter Telefon 0 29 04 / 808-179

Die Ikonenmalerei ist eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Einer von ihnen ist Makarius Tauc. Eine Ausstellung des Wiesbadener Künstlers, der sich mit seinen Werken bereits im In- und Ausland einen großen Namen geschaffen hat, findet vom 15. bis 20. Mai im Bergkloster Bestwig statt. Tauc hat schon an zahlreichen, wichtigen Aufträgen gearbeitet. Für die orthodoxe Kirche in Göteborg hat er Altarikonen geschaffen, und seine Werke zieren auch Gotteshäuser in der Schweiz, in Afrika und in Litauen. Auch in Deutschland hat er mehrere Kirchen mit Bilderwänden ausgestattet. Arbeiten aus seiner Hand erfreuen nicht nur Sammler, auch Papst Johannes Paul II. und der ehemalige amerikanische Präsident George Bush gehören zu seinen Bewunderern. Eine der schönsten Aufgaben war für ihn ein Bildnis der hl. Agnes für den Veitsdom in Wiesbaden.


nachrichten

Bestwig. Maren Fridrichs, Sozialpädagogik-Studentin an der KFHPaderborn, und Brigitte Hömberg, Ergotherapeutin im dritten Ausbildungsjahr an der SMMP Bildungsakademie, lernten und unterstützten in mehrwöchigen Praktika die Arbeit im ordenseigenen Beschäftigungsbetrieb NAMe (Neue Arbeit mit Menschen gGmbH). Für die angehende Ergotherapeutin ging es in ihrem letzten Ausbildungspraktikum um die Umsetzung arbeitstherapeutischer Maßnahmen in der Praxis. Schwerpunkt hierbei ist das

Neuerlernen von Schlüsselqualifikationen aus dem Arbeitsleben, wie die Bereitschaft zur körperlichen Anstrengung, Disziplin oder auch motorisch-funktionelle Fähigkeiten, die Menschen, die lange ohne feste Arbeit waren, verloren gegangen sind. Maren Fridrichs wird im Rahmen eines Feldprojekts für neun weitere Monate mit dem gezieltem Bewerbungstraining die Maßnahme-Teilnehmer der NAMe gGmbH bei dem Suchen einer Arbeitsstelle auf dem ersten Arbeitsmarkt tatkräftig unterstützen.

16 Wadersloh. Die Kirchengemeinde St. Margareta und die Ordensgemeinschaft der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel betreiben seit dem 1. Januar das Seniorenheim St. Josef in Wadersloh als Partner. Um die Zukunft der Einrichtung zu sichern, war der Kirchenvorstand seit längerem auf der Suche nach einer Kooperation gewesen. Nun hat die Seniorenhilfe gGmbH, ein Rechtsträger von SMMP, die Geschäftsführung des 75Betten-Hauses übernommen. Die Ordensgemeinschaft ist in der Region bereits Träger der Seniorenheime in WaderslohDiestedde und Oelde-Stromberg sowie der Tagespflege Placida in Beckum.

Bestwig. 28 angehende Erzieherinnen haben jetzt im Berufskolleg Bergkloster Bestwig ihre Zusatzausbildung »Bewegungserziehung im Kleinkind- und Vorschulalter« abgeschlossen. Diese Sonderqualifizierung hatte der Landessportbund Nordrhein-Westfalen konzipiert, nachdem bei aktuellen Einschulungsuntersuchungen bei jedem zweiten Kind Bewegungsauffälligkeiten und bei jedem dritten Sprachdefizite festgestellt worden waren. Die Fachschule für Sozialpädagogik hat das Thema deshalb zu einem Schwerpunkt gemacht, der auch die Berufsaussichten der teilnehmenden Schülerinnen stark verbessert.

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Herzfeld. Kräftig geerntet haben wieder die Messdiener der Gemeinde St. Ida-Herzfeld. Auf einem gepachteten Feld hatten sie Kürbisse und Kartoffeln angebaut und diese auf dem 1. Herzfelder Kürbismarkt verkauft. Den Erlös von 7.500 Euro übergaben sie jetzt an die Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel für ihr Bolivien-Projekt »Armut durch Bildung überwinden«. Einen weiteren Scheck gab es am selben Abend von der Seniorengruppe. Sie hatte bei ihren Spielenachmittagen stolze 1.600 Euro gesammelt.

Redaktion: Katharina Masannek (verantwortlich), Jörn Kirchner, Katharina Henneböhl Gastredakteur: Die Geschäftsfühurng Layout: Katharina Masannek, Jörn Kirchner Grafisches Konzept: A3 - Büro für visuelle Kommunikation Kontaktadresse: Katharina Masannek, Bergkloster, Postfach 1162, 59901 Bestwig, Telefon 02904/808-242 E-Mail: k.masannek@smmp.de www.smmp.de Redaktionsschluss: 14. März 2003


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