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E i n e T h e m e n z e i t u n g v o n S m a r t Me d i a

Softwareentwicklung

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T rends

Technische Innovation beginnt am Computer Ohne IT geht heute nichts mehr. Umso wichtiger ist es, dass Softwareingenieure stetig neue, bessere und einfachere Programme entwickeln. So entsteht in vielen Branchen neues Entwicklungspotenzial. «Ingenieurswesen» zeigt drei aktuelle Beispiele. text Rainer Hofmann

Jedes Bauprojekt kämpft mit dem gleichen Grundproblem: Hohe Qualität soll in kurzer Zeit und für wenig Geld geliefert werden. «Das war schon immer so und wird auch immer so sein», betont Christian Weiss von Autodesk, einem Hersteller von 3D-Software für Entwurf, Konstruktion und Design. Doch diesem Anspruch gerecht zu werden wird immer schwieriger. Denn: «Heute sind sehr viele Experten nötig, um ein Projekt zu realisieren.» Architekten, verschiedene Fach-Ingenieure, Brandschutzverantwortliche sowie Behördenvertreter – sie alle nehmen Einfluss auf die Planung, schrauben hier und da, ändern um und verbessern. Und jedes Mal müssen die CAD-Pläne geändert werden, was wiederum die Umsetzbarkeit beeinflusst. Das Ganze geht aber auch einfacher und effizienter. «Alle sollten immer gemeinsam an einem Modell arbeiten, das alle relevanten Daten eines Projekts zusammenfasst und in Beziehung zueinander setzt.» Beispielsweise das architektonische Raummodell und die Gebäudetechnik. Nach diesem Prinzip funktioniert das sogenannte Building Information Modeling (BIM). Um dieses Planungsprinzip umzusetzen wird mit einer BIM-tauglichen Software wie Revit ein 3D-Modell des Gebäudes erstellt. Dieses Modell lässt sich in Echtzeit verändern. Möglich macht das eine Datenbank, die dem Programm zu Grunde liegt. In ihr können alle an der Bauplanung Beteiligten die relevanten Daten erfassen und aktualisieren. Wo kommen die Wasseranschlüsse hin, welche Wand ist tragend und wo wird ein Durchbruch vorgenommen? Diese und andere Kenngrössen werden in der Datenbank festgehalten. Der Clou: Nimmt zum Beispiel der Architekt Veränderungen am Modell vor, haben alle anderen Beteiligten per Visualisierung oder Datenpaket direkten Zugriff auf die neuste Version. «So lässt sich verhindern, Anzeige

dass die verschiedenen Stellen aneinander vorbei planen und Parallelwelten entstehen», erklärt Weiss. Oder anders ausgedrückt: «Es ist Bauplanung 2.0.» So sinnvoll eine vereinheitlichte Bauplanung erscheint – in der Schweiz fristet BIM bisher nur ein Schattendasein. Auch von offizieller Seite: «Das Prinzip findet bei Bauprojekten des Bundes bisher keine Anwendung, daher gibt es auch noch keine Richtlinien spezifisch dazu», sagt Jonas Spirig, Sprecher des Bundesamtes für Bauten und Logistik. In Zukunft soll die Technologie aber auch in Schweizer Bauprojekten vermehrt eingesetzt werden. In Basel steht beispielswiese in diesem Jahr der Neubau des Felix PlatterSpitals an. Für die Planung der neuen Anlage soll BIM eingesetzt werden. Den Wiedereinstieg ins Leben vereinfachen

Entscheidenden Einfluss auf das Leben von Menschen hat die medizinische Software. Das Frauenhofer Institut in Deutschland hat vor kurzem eine neue

Technologie vorgestellt. Laut einem Presseschreiben des Institutes soll diese Anwendung Patienten stärker motivieren, ihre Übungen durchzuführen – und Rehamassnahmen daheim oder unterwegs

» Der Patient kann die

Reha-Übungen einfach daheim machen.

ermöglichen, etwa in Pausen am Arbeitsplatz. Experten sprechen hier von «Telerehabilitation». Die Grundlage dafür ist eine Technologie, die Forscher am FraunhoferInstitut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin entwickelt haben. Sie besteht aus einem Übungseditor, einer Reha-Box und einer mobilen Sensoreinheit, die an das Smartphone angeschlossen

Branchen wie die Medizin sind stets auf neue und verbesserte Software angewiesen.

wird. Der Therapeut konzipiert im Übungseditor ein Trainingsprogramm, das speziell auf den Patienten zugeschnitten ist und dessen Anspruch sich von Woche zu Woche steigert. Dieses Programm kann der Patient in seiner Wohnung nutzen – mit Hilfe der Reha-Box – einer Art Mini-PC für Fernsehgeräte. Der kleine Rechner verfügt über einen Internetanschluss, eine Kamera und ein Mikrofon. Auf dem Fernsehbildschirm sieht der Patient Übungsabläufe, die er nachmachen kann. Die Reha-Box analysiert die Daten, die die Kamera vom übenden Patienten aufnimmt. Zuvor werden mit einer Software die Körperdaten jedes Patienten in drei Dimensionen modelliert und auf ein biomechanisches Computermodell übertragen. Sind die Angaben ausgewertet, sendet die Box sie via Internet an das Reha-Zentrum, wo der Therapeut den Fortschritt des Patienten nachvollzieht und Übungen entsprechend anpasst. Die IT wird zunehmend grün

Auch in den IT-Bereich hat das Thema «Nachhaltigkeit» Einzug gehalten. Und es gibt Verbesserungspotenzial: Weltweit trägt der ICT-Bereich mit ungefähr zwei Prozent zum globalen durch den Menschen verursachten CO2-Ausstoss bei, hält die «Fachgruppe Green IT» der Schweizerischen Informatikgesellschaft auf ihrem Fact-Sheet fest (green. it-si-ch). Dies entspreche ungefähr dem des internationalen Flugverkehrs. In der Schweiz, mit ihrer hohen Dichte von ICT Anbietern und ICT Verbrauchern, benötigt die ICT bereits ca. zehn Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Die Lösung liegt in der intelligenten «grünen» Informatik. Doch was heisst das genau? Anbieter setzen auf eine eingehende Beratung im Vorfeld, gefolgt von einer Analyse der IT-Infrastruktur des jeweiligen Unternehmens, wo Sparpotenziale eruiert werden. Beispielsweise kann durch eine Serveroptimierung Strom gespart werden. Danach geht es unter anderem darum, die richtige technische Lösung auszuwählen, etwa ein «Remote Infrastructure Management (RIM)». Dabei handelt es sich um ein System das «lernt» und autonom funktioniert. Dadurch kann es täglich anfallende statische Aufgaben erledigen, welche sonst durch die ITMitarbeiter erledigt werden müssten. «So fallen 50 bis 90 Prozent solcher Aufgaben weg», sagt der Managing Director des Zuger IT-Unternehmens BORN Green Technologies, Christen Oesterbye.

«Fachliteratur light» Wer Ingenieur werden will, muss sich ständig mit hochkomplexen Themen beschäftigen, muss sich technisches Verständnis aneignen und in den naturwissenschaftlichen Fächern reüssieren. Dass diese Anforderungen sehr hoch sind und dass man dabei manchmal ein wenig Hilfe braucht, haben auch die Buchverlage realisiert und die Ingenieure zur Zielgruppe gemacht. Ein konkretes Beispiel dafür ist die Publikation «Physik für Ingenieure – für Dummies». Die Dummy-Bücher sind weltweit bekannt und bringen Lesern verschiedene Themen näher – auf möglichst einfache und verständliche Weise. Dass dies auch für die werdenden Ingenieure funktioniert, zeigen positive Kundenrezensionen des Buches auf verschiedenen Buchportalen. Die wohlwollenden Reaktionen verwundern auch nicht, denn geschrieben hat das Buch ein Fachmann: Christian Thomsen, Professor für Physik an der TU Berlin. Es ist aber nicht die einzige Fachpublikation, die Ingenieuren auf die Sprünge helfen soll. So sind im gleichen Verlag auch Bücher erschienen wie «Chemie für Ingenieure für Dummies» oder «Mathematik für Ingenieure für Dummies». Und wer hingegen Bedarf an Nachhilfe im Bereich Statik und Architektur hat, findet die Gedächtnisstütze in «Statik für Bauingenieure und Architekten für Dummies». An erklärender Literatur mangelt es also nicht. Dem Ingenieurstudium sollte demnach nichts mehr im Wege stehen. (red)

Tagi ingenieurwesen  
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