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E i n e T h e m e n z e i t u n g v o n S m a r t Me d i a

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z ukunft

recycling

Das Reziklieren von Kunststoff hat noch viel Wachstumspotenzial. Zudem soll es möglich werden, Phosphor aus Klärschlamm zu gewinnen.

«Schon beim Produktdesign ans Recycling denken» Nirgendwo auf der Welt wird so viel Abfall wiederverwertet wie in der Schweiz. Mit neuen technischen Entwicklungen soll die Recyclingquote weiter wachsen. text Claudia Benetti

Die Schweizerinnen und Schweizer sind die Weltmeister im Recycling von Abfällen. Seit 2010 werden mehr Abfälle der Wiederverwertung zugeführt als verbrannt. Und das, obwohl die Menge Siedlungsabfälle in den letzten 35 Jahren kontinuierlich gewachsen ist: Haushalte und Gewerbetriebe produzieren heute mit rund 5,5 Millionen Tonnen doppelt so viel Kehricht wie noch 1980. Der Erfolg ist laut Matthias Traber von Swiss Recycling, dem Dachverband der in der Separatsammlung tätigen Schweizer Recycling-Organisationen, hauptsächlich auf das Engagement der Privatwirtschaft zurückzuführen. Der Aufbau von effizienten Sammelsystemen wurde gefördert und stabile Finanzierungssysteme wurden etabliert. Zudem ist die Bevölkerung auf die Abfallthematik sehr gut sensibilisiert: Abfälle separat sammeln und umweltgerecht entsorgen ist für die Schweizerinnen und Schweizer schon längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Ins_296x147mm.qxp:Layout 1

Immer mehr wird heute separat gesammelt

Das Recycling ist keine neue Entwicklung. Schon in der Antike wurden Abfälle wiederverwertet. «Nur die Motive haben sich verändert», so Traber. Führten früher Armut und ein erhöhter Rohstoffbedarf in Kriegszeiten zu einer Abfallverwertung, stehen heute Rohstoffknappheit, Kosteneinsparungen und die Reduktion von Schadstoffemissionen im Vordergrund. Technische Entwicklungen in den letzten zwanzig Jahren führten dazu, dass immer mehr Faktionen der Wiederverwertung zugeführt werden konnten. So werden heute nicht mehr nur grobe Teile wie Glas, Papier, Aludosen und PET-Flaschen aus dem Abfall sortiert, sondern auch kleine Partikel aus der Asche des verbrannten Kehrichts. Mit speziellen Magneten etwa werden heute Metalle wie Kupfer und Eisen aus den Verbrennungsrückständen in Kehrrichtverbrennungsanlagen zurückgewonnen. Für eine schnelle, einfache und kostengünstige Abfallsortierung setzen Reyclingbetriebe heute zudem NIR-Geräte ein. Diese Apparate können mittels der Nahinfrarottechnologie kostengünstig grössere Gegenstände wie PET-Flaschen und Aludosen auf einem Laufband erkennen, so dass diese anschliessend mechanisch getrennt werden können. Denn auch wenn PET-Flaschen und Alumini-

21.5.2013

9:35 Uhr

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umdosen in der Schweiz getrennt gesammelt werden, kommt es immer wieder vor, dass Abfallmaterial in den falschen Separatsammelbehälter geworfen wird. Phosphor- und Kunststoffrecycling kommt bald

Für weiter wachsende Recyclingraten in der Schweiz arbeiten Ingenieure und Forscher heute intensiv an neuen Innovationen

» Mit Ausnahme von

PET-Flaschen werden Kunststoffe heute so gut wie gar nicht wiederverwertet.

für die Branche. Vielversprechend sind die in Entwicklung stehenden Techniken, um Phosphor aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen. Phosphor kommt in Düngern vor und gehört zu den Rohstoffen, dessen Vorkommen weltweit wohl schon in wenigen Jahren erschöpft sein werden. Neue technische Möglichkeiten werden

es aber schon bald möglich machen, diesen für Gartenbau und Landwirtschaft wichtigen Mineralstoff fast vollständig aus dem Klärschlamm zu extrahieren und ihn wieder neuen Düngemitteln zuzuführen. Ein grosses Potenzial hat auch das Recyceln von Kunststoffen. Mit Ausnahme der PET-Flaschen werden diese Materialien heute so gut wie nicht wiederverwertet. Denn Kunststoffe sind meist Verbundstoffe und bestehen aus mehreren Materialien, die oft so fest aneinanderkleben, dass sie nicht voneinander getrennt werden können. Die Trennung dieser Materialien aber ist fürs Recycling unumgänglich. «Doch es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Kunststoffe im grösseren Stil recycelt werden können», meint Patrik Geisselhardt, Geschäftsführer von Swiss Recycling. Entwickler testen bereits entsprechende Verfahren in Versuchsanlagen, mit denen beispielsweise die in Tetrapacks oft enthaltenen Materialien Polyethylen und Aluminium maschinell einfach voneinander getrennt und danach recycelt werden können. Kontinuierliche Sensibilisierung breiter Kreise

Für andere Kunststoffe, etwa für Hohlkörperverpackungen, die für Waschmittel und Shampoos benutzt werden, gibt es bereits praxistaugliche Recyclingtechniken. «Die Migros etwa führt die flächendeckende Separatsammlung für

diese Fraktion bis Ende 2013», so Geisselhardt. Steigende Rohstoffpreise fördern das separate Sammeln und Recyceln. Nicht nur technische Entwicklungen sind nötig, damit die schon hohe Recyclingrate in der Schweiz auch in Zukunft noch weiter wächst. Bevölkerung und Industrie müssen weiter sensibilisiert, politische Zielsetzungen für die Abfallwirtschaft klar formuliert werden. «Zudem müssen Produkthersteller vermehrt schon beim Design an ein späteres Recycling der Verpackung denken», so Geisselhardt. Beim Design von PET-Flaschen beispielsweise, wählten Produktdesigner bewusst von Anfang an nur recycelbare Etiketten, Deckel und Farben, damit diese nach Gebrauch leicht und kostengünstig wiederverwertet werden können. Auch wenn technisch in der Recyclingindustrie heute vieles möglich ist, gibt es noch einige «Knacknüsse» für die Forscher. Ein solches Problem stellen beispielsweise die «Seltenen Erden» dar. Diese speziellen Metalle können heute noch nicht aus einem Stoffkonglomerat herausgelöst werden. Sie werden etwa für die Herstellung von Handys, Röhren- und Plasmabildschirmen gebraucht und sind Bestandteil von speziellen Magneten, wie sie etwa in Elektro- und Hybridmotoren vorkommen. Viele dieser Seltenen Erden sind giftig und stellen eine entsprechende Belastung für die Umwelt dar.

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