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SMA MAGAZINE 05 30 JAHRE SMA // ENERGIE, DIE VERÄNDERT GÜNSTIGER DURCH HIGHTECH // SMA SPEZIALISTEN ARBEITEN DARAN, DASS WECHSELRICHTER NOCH GÜNSTIGER WERDEN / SERVICE XXL // SMA BAUT DAS WELTWEIT GRÖSSTE SERVICE CENTER FÜR WECHSELRICHTER / IN 30 JAHREN UM DIE WELT // WO VIELVERSPRECHENDE SOLARMÄRKTE ENTSTEHEN, IST SMA TRADITIONELL ALS ERSTER HERSTELLER VERTRETEN. AUCH IN ZUKUNFT /


EDITORIAL

ENERGIE, DIE VERÄNDERT Auch wenn 30 Jahre objektiv gesehen nicht viel Zeit sind, bedeuten sie doch für eine junge Branche wie den Solarmarkt sehr viel. 1981 gegründet hat sich SMA vom kleinen Ingenieurbüro für Regelsysteme zum weltweiten Markt- und Technologieführer für Solar-Wechselrichter mit Auslandsniederlassungen in 19 Ländern auf vier Kontinenten entwickelt. All das wäre sicher nicht so erfolgreich verlaufen, wenn wir nicht eines gehabt hätten: Energie, die verändert. Genau davon handelt diese Jubiläumsausgabe. Zum Beispiel davon, welche Energie unsere Entwickler aufwenden, um die Kosten unserer Produkte und damit die Gesamtsystemkosten von Solarstromanlagen kontinuierlich zu senken (Seite 08). Schließlich treibt SMA seit 30 Jahren vor allem eines an: die weltweite Verbreitung der Photovoltaik – durch SMA Technologien, die die Stromerzeugung mit Photovoltaik einfacher, effizienter kostengünstiger machen. Weil bei SMA herausragende Technologien und Produkte mit hervorragendem Service Hand in Hand gehen, bauen wir unsere Service-Kompetenz weiter aus und ein Service Center der Superlative auf. Ein außergewöhnliches Projekt – in einer Region, die eine Vorreiterrolle übernehmen wird (Seite 22). Mit viel Dynamik arbeiten auch die SMA Auslandsgesellschaften für den weltweiten Erfolg der Photovoltaik. Was 2000 mit einer kleinen Niederlassung in Kalifornien begann, ist heute zu einer weltumspannenden SMA Familie geworden. Vier unserer Niederlassungen stellen wir in dieser Ausgabe genauer vor (Seite 30). Last but not least empfehlen wir Ihnen das Interview mit Professor Peter Wippermann auf Seite 54, einem der renommiertesten Trendforscher Deutschlands. Spannend, was er zum Thema Energie-Erzeugung, Zukunft und Kommunikation zu sagen hat. 30 Jahre voller Energie. Und eine Zukunft, die viel Dynamik verspricht. So viel, dass wir beschlossen haben, Energie zu unserem künftigen Unternehmensclaim zu machen: „Energy that changes“ – das ist SMA: Unsere Produkte verändern buchstäblich die Energie, in dem sie Gleichstrom in Wechselstrom wandeln. Und mit unseren Technologien sorgen wir dafür, dass sich unsere Energieversorgung verändert und die Vision einer 100-prozentigen Energie-Erzeugung aus erneuerbaren Ressourcen schon bald Wirklichkeit wird. SMA wird als Energiemanagement-Konzern diesen Wandel mitgestalten. Lassen Sie sich anstecken. Von unserer Energie zur kontinuierlichen Veränderung. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und viel Vergnügen mit der Jubiläumsausgabe des SMA Magazine.

Pierre-Pascal Urbon Vorstandssprecher und Vorstand Finanzen


「 」 30 Jahre SMA – 30 Jahre Energie, die verändert.

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INHALT

EDITORIAL // WEGBEREITER // ALS GÜNTHER CRAMER, PETER DREWS UND REINER WETTLAUFER IM JAHR 1981 IHR INGENIEURBÜRO GRÜNDEN, AHNT NIEMAND, WIE ERFOLGREICH DIE PHOTOVOLTAIK EINMAL SEIN WIRD. GÜNSTIGER DURCH HIGHTECH // MIT DER HALBIERUNG DER SYSTEMKOSTEN IN DEN VERGANGENEN FÜNF JAHREN HAT DIE PHOTOVOLTAIK IHR EFFIZIENZPOTENZIAL UNTER BEWEIS GESTELLT. DOCH ES GEHT WEITER: SMA SPEZIALISTEN ARBEITEN AN EINER DEUTLICHEN KOSTENSENKUNG BEI WECHSELRICHTERN. MENSCH UND TECHNIK // SEIT 30 JAHREN GILT: HINTER JEDER INNOVATION VON SMA STEHEN AUSSERGEWÖHNLICHE MITARBEITER. SECHS ENTWICKLER INTERPRETIEREN EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN SMA TECHNOLOGIEN. SERVICE XXL // WAS SMA FRÜHER IN EINEM JAHR AN WECHSELRICHTERN PRODUZIERT HAT, VERLÄSST HEUTE INNERHALB EINER WOCHE DIE PRODUKTION. DIE SERVICE-INFRASTRUKTUR GEWINNT AN BEDEUTUNG UND WIRD AUSGEBAUT. IN 30 JAHREN UM DIE WELT // VOR 30 JAHREN GLAUBEN NUR WENIGE AN DEN WELTWEITEN ERFOLG DER PHOTOVOLTAIK. DIE FRÜHZEITIG BESCHLOSSENE INTERNATIONALISIERUNGSSTRATEGIE VON SMA WAR GENAU DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG. DIE PV WÄCHST WELTWEIT. TENDENZ: STEIGEND. JOBS 3.0 // VOR 30 JAHREN WAR NORDHESSEN EINE STRUKTURSCHWACHE REGION. DIE AUSSICHTEN: BIS 2020 SOLL NORDHESSEN DAS KOMPETENZZENTRUM FÜR ERNEUERBARE ENERGIEN WERDEN, MIT 20 000 ARBEITSPLÄTZEN. NACH DEM ZIEL IST VOR DEM ZIEL // GESTERN EIN KLEINES INGENIEURBÜRO. HEUTE EIN GLOBAL PLAYER DER SOLARBRANCHE. UND MORGEN? VERÄNDERUNG IST DIE DNA VON SMA. ÜBER DIE ENERGIE, DEN WANDEL ZU GESTALTEN. ZUKUNFTSMACHER // WAR DER ERFOLG DER ERNEUERBAREN ENERGIEN VOR 30 JAHREN VORAUS ZU SEHEN? NEIN, SAGT DER TRENDFORSCHER PETER WIPPERMANN. DIE ZUKUNFT LÄSST SICH NICHT VORHERSAGEN. ABER GESTALTEN. VORREITER // FÜNF PERSÖNLICHKEITEN, FÜNF RESSORTS, EINE VISION: DIE WELTWEITE ENERGIEVERSORGUNG AUS 100 PROZENT ERNEUERBAREN RESSOURCEN. IMPRESSUM //

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WEGBEREITER // ALS GÜNTHER CRAMER, PETER DREWS UND REINER WETTLAUFER IM JAHR 1981 IHR INGENIEURBÜRO GRÜNDEN, HABEN SIE KLARE VORSTELLUNGEN DAVON, WAS SIE TUN WOLLEN. DOCH KEINER AHNT DAMALS, WIE ERFOLGREICH DIE PHOTOVOLTAIK UND DAMIT AUCH SMA 30 JAHRE SPÄTER SEIN WERDEN.

GÜNTHER CRAMER ÜBER DIE ZUSAMMENARBEIT BEI SMA „Es waren einmalige 30 Jahre, in denen wir unglaublich viel erreicht haben. Wenn es schwierig wurde, dann haben wir gemeinsam eine Lösung, einen neuen Weg oder eine neue Perspektive erarbeitet, und dann ging es weiter. Bei unserer Arbeit hatten wir ein klares strategisches Ziel, das heute genauso gilt wie in der Vergangenheit: die Technologieführerschaft. Es hat uns immer Spaß gemacht, dieses Ziel zu erreichen, weil wir bei SMA eine Unternehmenskultur haben, die es ermöglicht, kooperativ und kreativ an Themen zu arbeiten. So konnten wir mit neuen Entwicklungen auch wirklich deutlich schneller nach vorne gehen als andere das konnten. Und genau dieses Engagement und diese Zuversicht unserer Mitarbeiter machen SMA bis heute so erfolgreich.“

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PETER DREWS ÜBER DIE VORSTELLUNG VON SINNVOLLER ARBEIT

REINER WETTLAUFER ÜBER DAS GEHEIMNIS DES ERFOLGES „Wir waren alle drei technikbegeistert und wollten im Bereich Windenergie – später kam die Photovoltaik dazu – interessante Technik machen. Die Zusammenarbeit zwischen uns hat auch deshalb so hervorragend funktioniert, weil wir uns bedingungslos vertraut haben. Und wir hatten immer die Zuversicht, alle Herausforderungen gemeinsam angehen zu können – in technologischer und in unternehmerischer Hinsicht. Frei nach dem Motto: Seien wir Realisten und versuchen das Unmögliche.“

„Als junger Elektroingenieur war es damals mein Wunsch, ein völlig neues, technologisch sehr anspruchsvolles Feld zu betreten. Nämlich mit einer damals innovativen Technologie – der Mikroprozessortechnik, die zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen steckte – eine neue Geschäftsidee zu entwickeln. Die Vision, damit eine Energieversorgung mit Erneuerbaren zu ermöglichen, hat uns alle unheimlich beflügelt. Dass SMA irgendwann diese Größenordnung annehmen würde, das haben wir ganz sicher nicht geglaubt. Wir hatten eher die Vorstellung von einem kleinen, überschaubaren Unternehmen.“

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GÜNSTIGER DURCH HIGHTECH // MIT DER HALBIERUNG DER SYSTEMKOSTEN IN DEN VERGANGENEN JAHREN HAT DIE PHOTOVOLTAIK IHR EFFIZIENZPOTENZIAL SCHON EINDRUCKSVOLL UNTER BEWEIS GESTELLT. DOCH ES GEHT WEITER: EINE GRUPPE VON SMA TECHNOLOGIESPEZIALISTEN ARBEITET INTENSIV DARAN, DASS KÜNFTIGE SOLAR-WECHSELRICHTER NOCH GÜNSTIGER WERDEN.

「 」 Schön und wertvoll: Bei Ingenieur Klaus Rigbers dreht sich alles um Wickelgüter.

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「 」 Wichtige Komponenten: Entwicklungsingenieurin Regine Mallwitz nimmt neue Leistungsteile unter die Lupe.

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Die Senkung der Systemkosten durch den Einsatz innovativer Technologien ist die wohl anspruchvollste Aufgabe der Photovoltaik und einer der Schlüssel zu ihrem weiteren Erfolg – weltweit. Denn je preiswerter die Komponenten von PVAnlagen werden, desto wettbewerbsfähiger ist die erzeugte Energie. Technologieführer SMA hat sich hierbei ein besonders ambitioniertes Ziel gesetzt: Seine Wechselrichter sollen in den nächsten Jahren um die Hälfte günstiger werden. Eine enorm große Aufgabe für die Entwicklungsabteilung – aber auch eine enorm spannende.

Klar ist: Wer Kosten senken will, muss zunächst verstehen, wie sie zustande kommen. „Ein moderner Solar-Wechselrichter besteht aus mehr als tausend Bauteilen. Aber in weniger als hundert davon stecken 80 Prozent der Materialkosten“, sagt Edwin Kiel, der bei SMA das Thema Kostensenkung verantwortet. „Deren Kostenstruktur müssen wir im Detail verstehen, um die richtigen Hebel zu finden.“ Eine Arbeitsgruppe analysiert deshalb laufend die Kosten der wichtigsten Materialgruppen, wobei auch die Lieferanten in regelmäßigen Workshops beteiligt sind. Denn auch sie haben ein Interesse daran, die Kosten zu senken: Nur so können sie sicher sein, dass ihre Bauteile auch künftig und in steigenden Mengen eingesetzt werden. Die intensive Zusammenarbeit mit Lieferanten, gerade für die Schlüsselbauteile, liefert auch sehr viele Ideen zur Kostensenkung – von der Leiterplatte bis zum Leistungsmodul. „Wir führen eine zentrale Liste mit inzwischen weit über 100 Punkten“, bestätigt Kiel. „Einige davon lassen sich kurzfristig umsetzen, andere erfordern ein ganz neues Gerätekonzept.“ Sparen am laufenden Band Erstere landen nach kurzer Zeit bei den Mitarbeitern von Frank Greizer, der die Produktentwicklung in der Division „Medium Power Solutions“ leitet. Die Aufgabe besteht darin, die Produktionskosten der laufenden Serie zu optimieren – zum Beispiel durch verbesserte Bauteile oder Änderungen bei der Montage. „Wir sammeln alle Ideen und ordnen sie nach ihrer Relevanz“, berichtet Greizer. „Wichtig ist, dass Ideen mit hohem Einsparpotenzial, die sich kurzfristig umsetzen lassen, auch zuerst in Angriff genommen werden.“ Vorschläge, die auch Auswirkungen auf die Software der Geräte haben,

werden gebündelt, damit möglichst wenige der umfangreichen Softwareprüfungen erforderlich sind. Daher muss jeder Änderungsvorschlag zunächst von den Kollegen der Produktpflege geprüft werden. „Never change a running system – das ist ein Merksatz, den zu recht fast jeder Computernutzer kennt“, sagt Greizer mit einem Lächeln. Und schränkt direkt ein: „Die Produktpflege ist dafür verantwortlich, dass dieser Satz bei SMA eben nicht stimmt.“ Daher überprüft man hier die möglichen Auswirkungen jeder Änderung äußerst sorgfältig, nicht zuletzt mit Unterstützung aus dem Testzentrum Entwicklung. Doch trotz des erheblichen Testaufwandes haben Änderungen an den bestehenden Geräteserien zwei unschlagbare Vorteile: Sie lassen sich meist sehr kurzfristig umsetzen und zahlen sich dann auch unmittelbar aus. Doch eine Halbierung der Herstellungskosten allein auf diesem Weg ist kaum machbar, wie Edwin Kiel betont. „Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir die Gerätekonzepte grundsätzlich überprüfen. Und gegebenenfalls auch völlig neu entwickeln.“ Klein und leicht durch schnelle Schaltung Ein wichtiger Schlüssel zur Kostenreduktion findet sich im Herz des Wechselrichters, dem sogenannten Leistungsteil. Hier sitzen zwischen vier und sechszehn elektronisch angesteuerte Schalter, die bei passender Betätigung den Gleichstrom in Wechselstrom verwandeln. „Jeder einzelne Schaltvorgang kostet Energie“, erklärt Regine Mallwitz, die als Entwicklungsingenieurin neue Leistungsbauteile begutachtet. „Daher können wir mit effizienteren Schaltern bei gleichem Energieverbrauch die Schaltgeschwindigkeit deutlich erhöhen. Wir haben das bereits ausführlich getestet und es funktioniert sehr gut.“ Die Vorteile des schnelleren Schaltens machen sich bei den Transformatoren und Drosselspulen bemerkbar, die in jedem Wechselrichter verbaut sind. Die sogenannten Induktivitäten sind meist relativ groß und schwer, ließen sich in Kombination mit schnelleren Leistungsschaltern jedoch deutlich verkleinern. Das würde nicht nur die Kosten stark reduzieren, sondern die Geräte insgesamt kleiner und leichter machen. Vom Lieferanten zum Kollegen Der Einsatz neuer Technologien für die Leistungselektronik bietet somit ein hohes Potenzial zur Kostensenkung. „Wir müssen allerdings mit den Lieferanten reden um zu wissen, wann die SMA MAGAZINE 「 11 」


Bauteile nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich interessant sind“, bringt Mallwitz das Dilemma auf den Punkt. Der direkte Draht zum Lieferanten hilft aber auch bei den induktiven Bauteilen: Um hier noch schneller zu neuen und preiswerteren Lösungen zu kommen hat SMA den bisherigen Schlüssellieferanten für diese Bauteile kürzlich als 100-prozentige Tochtergesellschaft in den Konzern übernommen. „Als Kollegen auf Augenhöhe können meine Mitarbeiter jetzt viel intensiver in Kostenstrukturen und technische Konzepte eintauchen und diese gemeinsam optimieren“, freut sich Kiel zusammen mit dem Entwicklungsleiter von dtw. „Innovative und gleichzeitig kostengünstige Lösungen sind da sicher nur eine Frage der Zeit.“ Software für die Quadratur des Kreises Eine effizientere, aber gegebenenfalls auch etwas teurere Leistungselektronik für den Einsatz kleinerer und damit günstigerer Drosselspulen – nur ein Beispiel für das kontinuierliche Abwägen und Optimieren in der Entwicklungsarbeit. Dabei sind die Wechselwirkungen meist so komplex, dass bei der Suche nach dem Optimum spezielle Software zum Einsatz kommen muss. „Wer in der Leistungseinheit sowohl geringe Verluste als auch niedrigste Kosten anstrebt, kann dieses Optimierungsproblem eigentlich nur mithilfe von Computern lösen“, erklärt Klaus Rigbers seinen Aufgabenbereich. Der Ingenieur hat sich schon in seiner Dissertation mit dem Thema befasst und ist nun für die Entwicklung und den Einsatz der entsprechenden Software zuständig. Konzentrierte Rechenpower Doch alle Randbedingungen kann selbst die umfangreichste Software nicht berücksichtigen: So hat die Änderung bei den Leistungsschaltern auch große Auswirkungen auf die dazugehörigen Signalprozessoren. Denn schließlich benötigen schnellere Schalter auch eine schnellere Steuerelektronik. „Ein aktueller 5-kW-Wechselrichter von SMA hat heute schon die Rechenpower eines Notebooks“, sagt Matthias Victor, der bei SMA heute die zentrale Technologieentwicklung leitet und die aktuelle Gerätegeneration maßgeblich mitgestaltet hat. „Die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Signalprozessoren kommt damit an ihre Grenze, sodass wir nach Alternativen suchen müssen – natürlich ohne dass dadurch die Kosten steigen.“ Bei SMA setzt man auch auf die Fortschritte in der Mikroelektronik, 「 12 」 SMA MAGAZINE

die in der Vergangenheit regelmäßige Leistungssteigerungen möglich gemacht hat. „In Zukunft können wir vielleicht die gesamte Signalverarbeitung mit einem einzigen, hochintegrierten Mikrochip realisieren – das wäre auch kostenmäßig noch mal ein deutlicher Schritt nach vorn.“ Die Kunst der Verpackung Doch Einsparungen lassen sich längst nicht nur über das Innenleben der Wechselrichter erreichen. Auch die Außenhülle ist ein wichtiger Kostenfaktor, um den sich bei SMA gleich mehrere Spezialisten kümmern. „Wenn die Geräte kleiner und leichter werden, vergünstigt sich natürlich auch das Gehäuse“, so Victor. „Doch das allein ist zu wenig, um unser ehrgeiziges Kostenziel zu erreichen.“ Die Fachleute untersuchen deshalb auch, wie die Elektronik künftiger Wechselrichter optimal in ein völlig neues Gehäuse gepackt werden könnte – die Aufgabe gleicht einem 3D-Puzzle. Zusätzlich wird darüber nachgedacht, durch geringeren Materialeinsatz und alternative Fertigungsverfahren die Kosten zu reduzieren. „Denkverbote gibt es bei uns nicht“, bekräftigt der Chef der Technologieentwicklung. „Fest steht nur, dass auch künftige SMA Wechselrichter so robust und langlebig sein müssen wie die bisherigen Typen.“ Spielraum für Innovationen Keine Frage: Ein Produktkonzept für einen 50 Prozent günstigeren Wechselrichter ist eine interdisziplinäre Aufgabe und erfordert ein eingespieltes Entwicklungsteam. Und auch weitere Maßnahmen zur Förderung einer intensiven Zusammenarbeit, wie Projektleiter Edwin Kiel berichtet: „Wir haben zum Beispiel einen eigenen Raum eingerichtet, in dem wir uns auch spontan zusammensetzen können. Etwa um gegenseitig neue Ideen vorzustellen und sie aus allen möglichen Blickwinkeln zu prüfen.“ Am erfolgreichen Abschluss des Projektes zweifelt er trotz der gewaltigen Aufgabe nicht. „Natürlich sind noch viele Fragen zu klären und auch bei den Lieferanten müssen noch Dinge weiterentwickelt werden. Doch in wenigen Jahren werden wir die spezifischen Kosten unserer Wechselrichter tatsächlich halbiert haben, da bin ich mir sicher.“


Der Preis ist heiß: Edwin Kiel und sein Team sorgen bei SMA dafür, dass die Wechselrichter immer kostengünstiger werden. 「 」

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MENSCH UND TECHNIK // SEIT 30 JAHREN GILT: HINTER JEDER INNOVATION VON SMA STEHEN AUSSERGEWÖHNLICHE MITARBEITER. SECHS ENTWICKLER INTERPRETIEREN STELLVERTRETEND FÜR IHRE TEAMS EINE AUSWAHL DER WICHTIGSTEN SMA TECHNOLOGIEN, DIE ZUM MASSSTAB FÜR EINE GANZE BRANCHE GEWORDEN SIND.

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SUNNY TRIPOWER PERFEKT INTEGRIERT 2010: Die Netzintegration entwickelt sich zu einem der wichtigsten Themen für die Solarbranche. Es geht dabei um die optimale Zusammenarbeit der Wechselrichter mit dem Stromnetz, in das sie einspeisen. Der von Torben Westphal und seinem Team entwickelte Sunny Tripower setzt auch in dieser Disziplin Maßstäbe.

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SUNNY BOY 5000TL EXTREM LEICHT ZU BEDIENEN 2008: Matthias Victor und sein Projektteam entwickeln die neue Generation der trafolosen Sunny Boy-Wechselrichter. Die Geräte werden zu internationalen Bestsellern – nicht zuletzt aufgrund der äußerst einfachen Konfiguration und der drahtlosen Anlagenüberwachung per SMA Bluetooth® Technologie.

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SUNNY MINI CENTRAL 8000TL DER WIRKUNGSGRADWELTMEISTER 2006 kommt der effizienteste Solar-Wechselrichter der Welt auch von SMA: Satte 98 Prozent des hineingesteckten Gleichstroms verlassen das Gerät als netzkonformer Wechselstrom – nicht zuletzt dank der Bemühungen von Hannes Knopf.

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SUNNY ISLAND 5048 STROM OHNE NETZ 2005: Mit skalierbaren Inselstromsystemen auf Basis der Sunny Island-Wechselrichter bietet SMA erstmals die Möglichkeit, autarke und zuverlässige Wechselstromnetze an nahezu jedem Ort der Welt aufzubauen. Von Anfang an dabei ist Neidhardt Bechtel – zuständig für die Regelungssoftware, die das Inselnetz jederzeit im energetischen Gleichgewicht hält.

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SUNNY CENTRAL 800CP RUNTER MIT DEN SYSTEMKOSTEN 2010: Das maßgeblich von Jan Baader entwickelte Flaggschiff der SMA Zentral-Wechselrichter überzeugt durch seine kompakte und wetterfeste Bauweise in Kombination mit besten Leistungsdaten. Dabei sinken die alles entscheidenden Systemkosten gegenüber den Vorgängermodellen um bis zu 35 Prozent.

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SUNNY BOY 700 BAHN FREI FÜR DEN ERFOLG DER PHOTOVOLTAIK 1995 entwickelt ein Team um Joachim Laschinski die String-Technologie, auf der auch der erste Sunny Boy von SMA basiert. Die Planung von Solaranlagen und ihre Verkabelung werden einfacher und günstiger, zudem gibt es deutlich weniger Fehlerquellen bei der Installation: Beste Voraussetzungen für den breiten Erfolg der Photovoltaik.

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SERVICE XXL // WAS SMA FRÜHER IN EINEM GANZEN JAHR AN WECHSELRICHTERN PRODUZIERT HAT, VERLÄSST HEUTE INNERHALB EINER WOCHE DIE PRODUKTION. DIE INFRASTRUKTUR, DIE DEN SCHNELLEN, WELTWEITEN SMA SERVICE SICHERSTELLT, GEWINNT AN BEDEUTUNG UND WIRD ENTSPRECHEND AUSGEBAUT.

「 」 Das künftige SMA Service Center fest im Blick: Projektleiter Konrad Wunderlich und Wolfgang Royer, Bereichsleiter Service Global Operations, inspizieren die Großbaustelle.

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Manchmal ist groß nicht groß genug: Weil guter Service zum Konzept gehört, baut SMA am Stadtrand von Kassel ein neues Service- und Reparaturzentrum. Knapp drei Fußballfelder groß und perfekt ausgestattet für die komplexe Aufgabe.

Das Auto schaukelt heftig auf den letzten Metern zum Parkplatz der Großbaustelle: Unzählige LKW, die täglich das Baumaterial heranschaffen, haben im Schotter der Einfahrtsstraße deutliche Spuren hinterlassen. Schon von weithin markieren zwei Turmkräne den Standort der neuen Service-Halle, die von hier aus gar nicht so riesig aussieht. Doch trotz ihrer 60 Meter langen Ausleger stehen beide Kräne auf Schienen, um jeden Winkel der Baustelle erreichen zu können. „Das Gebäude hat eine Grundfläche von rund 24 000 Quadratmetern“, bemerkt Projektleiter Konrad Wunderlich während er sich einen der leuchtend blauen Schutzhelme aufsetzt. „Das ist gerade mal der erste Bauabschnitt für diesen Standort, aber wir sind damit schon gut beschäftigt.“ Wunderlich betreut den Bau von Seiten des SMA Gebäudemanagements und fungiert gemeinsam mit seinen Kollegen Michael Nölke, Peter Körber und Ralf Deter als Schnittstelle zwischen den Bauunternehmen, dem Architekten und dem Service als künftigem Nutzer. „Ich achte darauf, dass die Planungen der Servicekollegen in der Bauausführung berücksichtigt werden – zumal sich da hin und wieder noch etwas ändert.“ Moderne Technik für kurze Dienstwege Jetzt, im Juli 2011, ist die Halle etwa zu einem Drittel fertiggestellt. Während vorne noch nackte Betonstützen in den Himmel ragen und die schier endlosen Rohrschlangen des Heiz-KühlSystems im Fußboden vergossen werden, ist der hintere Teil der Halle schon fertig überdacht. Auf der umlaufenden Galerieebene wurde zu Abstimmungszwecken sogar schon ein einzelnes Büro fertiggestellt – ein faszinierender Gegensatz zur umgebenden Baustelle. Die recht schwere doppelverglaste Bürotrennwand sorgt dafür, dass man auch im späteren Alltagsbetrieb nicht viel von der Produktionshalle mitbekommt. „Die direkte Nachbarschaft von Verwaltungsoder Steuerungsmannschaft und Fertigung hält 「 24 」 SMA MAGAZINE


Vision wird Wirklichkeit: In Zukunft prüft SMA hier Solar-Wechselrichter auf Herz und Nieren. 「 」

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「 」 Ein Service Center der Superlative: Qualitätssicherung auf einer Fläche von rund drei Fußballfeldern.

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den sprichwörtlichen Dienstweg kurz und unterstützt die Zusammenarbeit. Das war ein ausdrücklicher Wunsch der Servicekollegen“, sagt Konrad Wunderlich. Auch in puncto Nachhaltigkeit steckt das Gebäude voller guter Ideen: Die Decken- und Wandelemente werden in Holzrahmenbauweise gefertigt und über eine Injektionslanze vollständig mit leichtem Recyclingdämmstoff gefüllt. Das ganze passiert direkt nebenan in einer vom Unternehmer errichteten Baustellenfabrik. Das spart nicht nur viel Zeit, sondern auch Transportwege. „Wir probieren hier wieder etliche neue Technologien aus, die gegenüber dem Bau der CO2-neutralen Wechselrichter-Fabrik eine Weiterentwicklung darstellen.“ Aus fünf Standorten wird einer Auch Wolfgang Royer, der für den internationalen Service verantwortlich ist, kann sich über deutliche Verbesserungen freuen: Bislang finden die Reparatur und Aufbereitung von Austauschgeräten noch in fünf verschiedenen Gebäuden statt – vor allem aufgrund des rasanten Wachstums in den vergangenen Jahren. Die neue Halle bündelt nun alle Aktivitäten an einem einzigen, hochmodernen Standort. „Der blitzschnelle Gerätetausch gehört seit vielen Jahren zu unseren Alleinstellungsmerkmalen – immerhin tauschen wir Geräte in Deutschland innerhalb von 24 Stunden, weltweit in spätestens 48 Stunden. Der Neubau stellt sicher, dass wir diesen exzellenten Service auch bei einer weiter zunehmenden Anzahl weltweit ausgelieferter Wechselrichter gewährleisten können.“, erklärt Royer. Eigene Produktionsstraße mit größter Variantenvielfalt Um die Aufgabe zu verstehen, hilft ein Blick auf die speziellen Herausforderungen beim Service: Einerseits gilt es, rund 120 Gerätetypen in zum Teil mehreren Varianten zum Austausch bereit zu halten und im Bedarfsfall unverzüglich zu versenden. Andererseits müssen die verschickten Geräte sofort nachproduziert werden, damit das Angebot an Austauschgeräten genau so vollständig bleibt. Dazu werden die vom Kunden als defekt eingesandten Wechselrichter geprüft, gereinigt, und anschließend entweder repariert oder mit Austauschbaugruppen völlig neu aufgebaut. Es gibt ein Komponentenlager, eine Produktionsstraße und eigene automatisierte Prüfeinrichtungen für den Hochspannungsund Dauertest der Geräte. „De facto betreibt SMA MAGAZINE 「 27 」


der Service eine vollwertige WechselrichterProduktion für bis zu 250 Geräte am Tag“, so Royer, „nur dass die Variantenvielfalt bei uns noch deutlich größer ist.“ Kapazitäten vervierfacht Die neue Halle kommt all diesen Anforderungen entgegen, was sich auch in der Zahl der möglichen Gerätedurchläufe widerspiegelt. „Unser Planungsziel sind bis zu 1 000 Durchläufe pro Tag im Zweischichtbetrieb“, sagt Royer, „also viermal so viele wie bislang. Davon abgesehen versprechen wir uns weitere Verbesserungen in puncto Geschwindigkeit, Qualität und Kosten.“ Kunden von SMA profitieren dabei international. Die Austauschgeräte erreichen den Service schließlich aus allen Regionen der Welt. Und selbstverständlich gelten auch am neuen, zentralen Standort Sandershäuser Berg die höchsten Qualitätsstandards für Analyse, Reparatur und Prüfung. Bis der Betrieb am neuen Standort starten kann, bleibt für Konrad Wunderlich und seine Kollegen noch eine Menge zu tun. Trotzdem ist er optimistisch, dass der Zeitplan für die Fertigstellung des Gebäudes eingehalten wird: „Bislang ist alles genau nach Plan gelaufen. Und wenn das so weitergeht, kann der Service im Frühjahr 2012 mit dem Umzug beginnen.“

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Alles läuft: Konrad Wunderlich auf seinem obligatorischen Baustellenrundgang. 「 」

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IN 30 JAHREN UM DIE WELT // VOR 30 JAHREN HÄTTE WAHRSCHEINLICH KAUM JEMAND AN DEN ERFOLG GEGLAUBT, DEN DIE PHOTOVOLTAIK WELTWEIT EINMAL HABEN WÜRDE. HEUTE ZEIGT SICH, DASS DIE FRÜHZEITIG BESCHLOSSENE INTERNATIONALISIERUNGSSTRATEGIE VON SMA GENAU DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG WAR. DENN DIE PV WÄCHST WELTWEIT. TENDENZ: WEITER STEIGEND.

「 」 Die Photovoltaik rückt ins Bewusstsein: In Indien wird Sonnenenergie die tragende Säule in der künftigen, zuverlässigen Energieversorgung.

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Wo immer auf der Welt vielversprechende Solarmärkte entstehen, ist SMA vor Ort und gründet eine Vertriebs- und Servicegesellschaft – meist als eines der ersten Solarunternehmen. Doch so spannend die Aufgaben jedes Mal sind, so unterschiedlich sind die Herausforderungen. SMA America, die älteste und umsatzstärkste Auslandsgesellschaft von SMA, könnte Deutschland in den kommenden Jahren als größten Markt ablösen. SMA Hellas, die trotz der angespannten Wirtschaftslage in Griechenland seine Spitzenposition im Solarmarkt behauptet. SMA Australia, die sich mittelfristig zu einem Kompetenzzentrum für Know-how und technische Lösungen, bei PV-Systemen und Off-Grid-Lösungen im asiatisch-pazifischen Raum entwickeln will. Und schließlich SMA India, einer der Neuzugänge mit dem Potenzial zum gigantischen Markt für Photovoltaik.

Indien – ein Land mit riesigen Möglichkeiten für Photovoltaik Mehr als 1,2 Milliarden Menschen und damit die Nummer zwei der bevölkerungsreichsten Länder weltweit. Mit rund 3,29 Millionen Quadratkilometer Fläche immerhin so groß wie ganz Europa. Mehr als 30 Städte mit über einer Million Einwohnern. Allein im Ballungsraum Mumbai leben über 20 Millionen Menschen und damit mehr als auf dem australischen Kontinent. Indien beeindruckt mit vielen Superlativen – und ist eines der neuesten Mitglieder in der internationalen SMA Familie. „Die Aussichten für die Photovoltaik hier sind hervorragend“, sagt Rakesh Khanna, General Manager SMA India. „Mit dem indischen Markt erwacht gerade ein weiterer PV-Riese.“ Seit Jahren erlebt der Subkontinent einen wirtschaftlichen Boom und ist auf dem besten Weg, eine der größten Volkswirtschaften der Welt zu werden. Steigender Energiebedarf in Indien ... „Indien hat einen riesigen Hunger nach Energie“, beschreibt Rakesh Khanna die Situation. Durch den starken Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, den steigenden Lebensstandard 「 32 」 SMA MAGAZINE

und die Modernisierung des Landes nimmt der Energiebedarf kontinuierlich zu. Pro Kopf liegt der Stromverbrauch momentan bei rund 700 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Experten gehen davon aus, dass er sich in den kommenden 10 bis 20 Jahren in etwa verdreifachen wird. Unter anderem aufgrund des starken Wachstums kann Indien seinen Energiebedarf aber schon heute nicht decken. Hinzukommen Indiens ländliche Gebiete, wo geschätzte 400 bis 500 Millionen Inder aktuell nur eingeschränkten oder gar keinen Zugang zur öffentlichen Stromversorgung haben. ... die Photovoltaik könnte ihn stillen „Der Mangel an Energie ist für Indien ein untragbarer Zustand, insbesondere wenn man weiterhin eine der weltweit am schnellsten wachsenden Ökonomien bleiben will“, so Khanna. Schließlich geht es hier nicht „bloß“ um Strom, sondern um den Schlüssel zur wirtschaftlichen Entwicklung. Das hat auch die Politik erkannt. „Auf lokaler und überregionaler Ebene sind viele Programme verabschiedet worden, um die Energieversorgung mit den Erneuerbaren – insbesondere mit Photovoltaik – stärker vor-

「 」 Oben: Die Photovoltaik könnte in Städten wie Mumbai den riesigen Energiehunger stillen. 「 」 Rechts oben: Haben allen Grund zur Freude: Rakesh Khanna und sein Team sind für den wachsenden PV-Markt Indiens gut aufgestellt. 「 」 Rechts unten: Alles unter Kontrolle: In Indien verlässt man sich auf die Zuverlässigkeit von SMA Wechselrichtern.


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anzubringen“, sagt Khanna. Mit rund 300 Sonnentagen im Jahr bietet Indien hervorragende Einstrahlungsbedingungen: In vielen Regionen lassen sich Erträge von bis zu 1 600 Kilowattstunden pro Kilowatt Anlagenleistung erzielen, rund 60 Prozent mehr als in Deutschland. „In der öffentlichen Diskussion wird gerade die Photovoltaik als tragende Säule in einem künftigen, zuverlässigen und schnellen Energieversorgungssystem betrachtet.“ Ausbauprogramme für Photovoltaik Eines der Programme zur Ankurbelung der Solarstromproduktion ist die „National Solar Mission“. Im Rahmen dieser Initiative hat sich das Land zum Ziel gesetzt, die Leistung der indischen Solaranlagen bis zum Jahr 2022 auf insgesamt 20 Gigawatt zu erhöhen und damit die erneuerbare Erzeugungsleistung insgesamt mehr als zu verdreifachen. Nach dem Willen der Politik soll Solarenergie in allen Bereichen Einzug finden: Von der kleinen Hausdachanlage über gewerbliche Solarsysteme bis hin zu großen Solarparks im Megawattbereich. Hinzukommen Off-grid-Lösungen für Gebiete, in denen sich ein Anschluss an das Versorgungsnetz nicht lohnt oder technisch nicht möglich ist.

Viele Herausforderungen Auf dem Weg zum PV-Riesen wird Indien aber noch einige Hürden nehmen müssen. Es gilt, dringend benötigtes Fachwissen und das technische Know-how im Umgang mit der Photovoltaik zu verbreiten. Dafür baut SMA Indien gerade ein Schulungsangebot auf. Die gegenwärtig schwache Netzinfrastruktur muss verstärkt werden, Netzanschlussbedingungen sind auszuarbeiten und die Prozesse der Behörden müssen schneller und einheitlicher werden. „Und wenn es um unsere Produkte geht, dann sind Lösungen gefragt, die den extremen Umweltbedingungen des Subkontinents standhalten“, ergänzt Rakesh Khanna. „Wir haben in Indien Temperaturen bis rund 50 Grad Celsius, Sandstürme oder Monsunregenfälle. SMA ist zum Beispiel mit den outdoor-fähigen Sunny Central-Wechselrichtern hier bestens gerüstet.“ Dass die Photovoltaik die Energieform der Zukunft ist und zur Lösung des Energiedefizits und zum weiteren wirtschaftlichen Wachstum des Landes beitragen wird, steht für den General Manager außer Frage.

「 」 Unten: Sunny Central – auch in Indien die beste Wahl für große Solarparks. 「 」 Rechts: Indiens PV-Markt kommt in Bewegung: großes Potenzial für Solarparks im Megawattbereich.

„Mit seinem Produktportfolio, den Serviceleistungen und dem Trainingsangebot hat SMA die besten Voraussetzungen, um auf dem indischen Markt erfolgreich zu sein“, ist Rakesh Khanna überzeugt, „auch wenn der Wettbewerb hart ist.“ So sind im Bundesstaat Gujarat derzeit mehrere große PV-Anlagen in Planung. Neben diesen Großprojekten ist für SMA India besonders die Stromversorgung für netzferne Gebiete interessant. Immerhin ist SMA der einzige Wechselrichter-Hersteller, der auch über ausgereifte Lösungen für Backup- und Inselsysteme verfügt. In diesen Bereichen erwartet SMA India eine hohe Nachfrage. Für SMA India hat Khanna vor allem ein Ziel vor Augen: „Wir wollen hier in Indien unseren Kunden das gleiche WeltklasseKnow-how bieten, für das SMA bereits in anderen Teilen der Welt bekannt ist.“ Um dieses Ziel zu erreichen, baut Khanna derzeit die Niederlassung in Mumbai auf – mit den Bereichen Sales, Training und Service. Zudem werden über das Land verteilt Servicestationen errichtet, um Kunden bei der Inbetriebnahme von Anlagen direkt vor Ort zu unterstützen. 「 34 」 SMA MAGAZINE

Azure Power

SMA India ist gut aufgestellt


+ ZEICHNUNG = GROSSANLAGE

Azure Power

+ ZEICHNUNG (RESIDENTIAL, OFF-GRID ODER GROSSANLAGE)

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„Der PV-Markt in Indien ist ein Markt riesiger Möglichkeiten. Die Zeit ist gekommen, diese Chancen zu nutzen.“ Australien – „Down Under“ mit großem Potenzial für erneuerbare Energien Seine Chancen am Markt will auch SMA Australia nutzen. Seit 2007 ist SMA „Down Under“ mit einer eigenen Auslandsgesellschaft präsent. Und hat alle Hände voll zu tun, um die Energieversorgung mit Photovoltaik populärer zu machen. Denn bislang bestand in Australien nur wenig Anreiz, sich regenerativen Energien zuzuwenden. Der Grund: traditionell große Vorkommen an Stein- und Braunkohle. Der kostengünstige Rohstoff deckt bislang zirka 80 Prozent der Energieversorgung Australiens. Mit Folgen: Australien gehört im Hinblick auf den Pro-KopfCO2-Ausstoß weltweit zu den Spitzenreitern. „Das Ziel ist, den Ausstoß bis 2050 um 60 Prozent zu reduzieren. Dazu sollen unter anderem 20 Prozent des australischen Energieverbrauchs bis 2020 aus Erneuerbaren kommen“, erklärt Zygmunt Nejman, General Manager SMA Australia. Daher rücken zunehmend die erneuerbaren Energien in den Fokus der Öffentlichkeit, schließlich hat Australien ein riesiges Potenzial für erneuerbare Energien und nutzt sie bislang nur zu einem geringen Teil. Photovoltaik auf einem guten Weg Doch es tut sich was in Australien: Inzwischen sind unterschiedliche Programme und Initiativen zur Förderung der Photovoltaik aufgelegt. Das National Solar Schools Program, das vor rund drei Jahren startete, war die erste große Solarinitiative des Landes. Das Förderprogramm für Australische Schulen soll Lehrer und Schüler gleichermaßen für die Energieversorgung mit Photovoltaik begeistern. Auch SMA ist von Anfang an dabei: „Im Rahmen des Programms bieten wir eine Produktlösung speziell für den Einsatz in Schulen“, erzählt Zygmunt Nejman. Über eine nationale Einspeisevergütung wird zwar diskutiert, es gibt aber bislang eine Vielzahl an Programmen und Regelungen, die von Bundesstaat zu Bundesstaat variieren. SMA von Anfang an dabei „Generell werden bislang eher kleine PV-Installationen gefördert. Auch durch Förderung mit dem sogenannten ‚Renewable Energy Certifica「 36 」 SMA MAGAZINE


Auf dem Weg in ein solares Zeitalter: Die 380-kW-Anlage, ausgestattet mit SMA Technik auf dem Dach der Sydney Theatre Company, fügt sich perfekt in Sydneys Skyline ein. 「 」

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「 」 „Down Under” zuverlässig im Einsatz: der Sunny Tower von SMA.

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「 」 Strom auch ohne Netz: weiterhin gute Aussichten für Insellösungen zum Aufbau netzunabhängiger Stromversorgungen in Australien.

tes‘, das Anreize überwiegend für die Installation kleiner PV-Systeme schafft“, erklärt Nejman. Der Markt für kleine Solarstromanlagen spielt in Australien damit eine besondere Rolle. Mittlerweile sind rund 500 MW an netzgekoppelter Leistung installiert. Und SMA ist als Anbieter innovativer Produkte und Serviceleistungen der Marktführer in Australien. „Mit SMA waren wir als erster Wechselrichter-Hersteller überhaupt hier präsent und konnten uns dadurch gut positionieren“, erklärt Nejman den Erfolg. Off-grid fürs Outback Das gilt auch für den Bereich Off-grid, der als Thema in Australien stark präsent ist. Aus gutem Grund: Zugang zu öffentlichen Stromnetzen gibt es oft weder im Outback noch auf den hunderten von kleinen Inseln vor Australiens Küsten. Sonne ist dagegen im Überfluss vorhanden, sodass es nahe liegt, mit Inselanlagen seinen eigenen Solarstrom zu produzieren. Mit dem SMA Batterie-Wechselrichter Sunny Island kann man genau das: In abgelegenen, netzfernen Regionen ein eigenes Standard-Wechselspannungsnetz aufbauen. Einer der sich damit auskennt, ist Wilhelm van Butselaar. Der Nordhesse unterstützt als Sales Manager das Team von SMA Australia seit 2008 vor Ort in Sydney. „Im pazifischen Raum kommt mehr und mehr der Wille nach erneuerbaren Energien durch, da es hier vermehrt noch große Abhängigkeiten vom Öl gibt. In diesen Gebieten liegt in Zukunft der Markt für Off-grid-Anlagen, hier stehen wir aber noch am Anfang der Markterschließung.“ Die Zukunft ist ... groß

「 」 Gut gelaunt: Zygmunt Nejman war mit seiner Niederlassung der erste Wechselrichter-Hersteller in Australien.

Auch erste Großprojekte im Megawattbereich sind in Planung. Das sogenannte Solar Flagship Program ist Teil der Clean Energy Initiative und bildet den Auftakt für Solarstromproduktion „im großen Stil“. Mit einer Größe von 150 Megawatt in nur einem System ist hier die größte geplante PV-Installation der Welt in Planung. Ziel ist die Installation von Solar-Kraftwerken mit insgesamt 400 Megawatt Leistung. Weitere Projekte im Megawattbereich werden außerdem auf den Weg gebracht – gute Chancen also für SMA und seine Zentral-Wechselrichter Sunny Central. Und wo sieht Nejman SMA Australia in Zukunft? „SMA Australia ist ein nationales Zentrum für Know-how und technische Lösungen, wenn es um die Planung und Implementierung von PV-Systemen und Off-grid-Lösungen geht.“ SMA MAGAZINE 「 39 」


Griechenland – mit dem Windpark Kythnos fängt alles an In der SMA Geschichte spielt Griechenland eine besondere Rolle. Und zwar lange bevor in Athen 2007 die griechische SMA Auslandsniederlassung eröffnet. Denn bereits 1981 wird SMA beauftragt, Regelungstechnik für den ersten Windpark Europas auf der griechischen Insel Kythnos zu entwickeln – einer der ersten Aufträge für die damals noch junge SMA. Gestern – ein Regelungssystem für den Windpark Kythnos „Ich war beeindruckt von den drei Jungingenieuren und von der technischen Lösung, die sie damals präsentiert haben“, erinnert sich John Chadjivassiliadis an das erste Zusammentreffen. Der griechische Ingenieur ist damals Projektmanager beim Aufbau des Windparks Kythnos, an dem die Unternehmen MAN und SMA sowie die Universität Kassel beteiligt sind. Der Auftrag für SMA lautet, ein zuverlässiges Regelungssystem für den Betrieb des Windparks zu entwickeln. Nach einer erfolgreichen Testphase geht der Windpark im Frühjahr 1982 in Betrieb – eine Ära der Energieversorgung mit Windkraft beginnt. „Der Betrieb des Windparks verlief von Anfang an reibungslos. Im Laufe der Zeit wurde das gesamte System mithilfe von SMA optimiert. Etwa durch ein von SMA entwickeltes computergestütztes Mess- und Analysesystem“, erzählt Chadjivassiliadis. Und woran erinnert er sich besonders bei den drei SMA Gründern? „Für mich war schnell klar: Hier bekomme ich gerade einen Ausblick, wie die Zukunft modernster Systemtechnik in ein paar Jahren aussehen wird. Es ist schön zu sehen, dass sich im Laufe der Jahre daran nichts verändert hat: Technologien von SMA setzen weiterhin Standards für die Solarbranche.“ Heute – Nummer 1 in Griechenland Die hohen Einstrahlungswerte und attraktive Förderprogramme für Solarstrom machen die Energie-Erzeugung mit Photovoltaik wirtschaftlich attraktiv, der griechische Markt wächst kontinuierlich. General Manager Haris Christidis und sein Team haben SMA in Griechenland zu einer starken Marke gemacht. „Man kann ohne Übertreibung sagen, dass Produkte von SMA auf die griechische PV-Branche eine hohe Anziehungskraft ausüben. Sie repräsentieren Techno「 40 」 SMA MAGAZINE

「 」 Oben: Photovoltaik für die Zukunft: Der Markt für kleine Solarstromanlagen wächst. 「 」 Rechts: Mit einer Leistung von mehr als 8 MW ist der PV-Park am Athener Flughafen der größte seiner Art.


「 」 Trotz Wirtschaftskrise voller Zuversicht: General Manager Haris Christidis ist von der Zukunft der Energieversorgung mit Photovoltaik überzeugt.

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logie und Innovation ‘made in Germany’ und sie stehen für Verlässlichkeit“, sagt Christidis. Nicht zu vergessen das breite Produktspektrum und umfassende Serviceleistungen. Viel Potenzial im Bereich kleine und große PV-Systeme Das Bewusstsein für Solarstrom in der griechischen Gesellschaft wächst. Rund 60 Prozent der Griechen wünschen sich eine Energieversorgung verstärkt aus erneuerbaren Energien. Der Markt für PV wandelt sich von einem Markt für mittelgroße Systeme zunehmend zum Markt auch für kleine PV-Anlagen. Vicky Zervoudi, Marketing Director SMA Hellas, bestätigt: „Anfangs hatte die PV und auch die Unternehmen, die damit zu tun hatten etwas Exotisches. Dann kam eine Phase, in der PV als interessant galt und nun wird die Stromproduktion mit PV-Anlagen zunehmend auch als eine sinnvolle Investition für die Zukunft betrachtet.“ Mit der Einführung eines Förderprogramms speziell für Hausdachanlagen schafft die Regierung weitere Anreize für Hausbesitzer, in kleine Hausdachanlagen zu investieren. In diesem Marktsegment sowie im Segment der großen Solarparks sieht Haris Christidis große Chancen für SMA. Erfolg trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen Dabei ist die Marktsituation in Griechenland aufgrund der wirtschaftlich angespannten Situation alles andere als einfach. „Der Solarsektor ist einer der wenigen Branchen mit Marktwachstum“, erklärt Christidis. Wie sich jedoch der Markt langfristig entwickelt, vermag derzeit niemand vorauszusagen. „Viele Politiker sind der Meinung, dass gerade die Energieindustrie das Potenzial hat, Griechenland aus seiner schwierigen wirtschaftlichen Lage zu helfen. Was auch immer die Zukunft für die griechische Wirtschaft bringt, wir sind zuversichtlich, dass die positive Entwicklung der Photovoltaik und der PV-Branche anhält. Wir bei SMA sind in jedem Fall gut gerüstet.“ USA – auf dem Weg zum weltweit größten Markt für Photovoltaik Bestens vorbereitet ist auch die älteste SMA Niederlassung: Die USA haben das Potenzial, Deutschland in absehbarer Zeit als größten PVMarkt abzulösen. Damit wird auch die Bedeu「 42 」 SMA MAGAZINE

tung der amerikanischen Auslandsgesellschaft weiter zunehmen. Einer, der die Anfänge in Kalifornien hautnah miterlebt hat, ist Jeffrey Philpott. Der Marketing Director arbeitet seit 2003 bei SMA. Angefangen hat er in einem kleinen Büro mit zwölf Kollegen. „Schon damals waren die Sunny Boy-Wechselrichter am Markt bekannt und wir hatten einen geschätzten Marktanteil von mehr als 80 Prozent. Das war nicht schlecht für eine kleine Niederlassung, die in einem Container angefangen hat“, erinnert sich Philpott mit einem Augenzwinkern. Inzwischen hat sich einiges verändert: SMA America ist gewachsen. Und mit dem Start der ersten Auslandsproduktion in Denver, Colorado, im vergangenen Jahr hat sich das Unternehmen gut positioniert, um in allen Segmenten am weiteren Wachstum dieses riesigen Marktes in Zukunft teilzuhaben. Erste Anzeichen für Wandel Veränderungen finden aber auch innerhalb der amerikanischen Gesellschaft statt. Das Bewusstsein für Energie an sich wandelt sich, das Thema globale Erwärmung und der Anteil der USA an dieser Entwicklung werden diskutiert. Die Ereignisse in Japan im Frühjahr dieses Jahres rücken zudem die Gefahren der Kernenergie deutlich ins Bewusstsein. Noch ist zwar in den USA kein landesweit einheitliches Förderprogramm für Solarstrom aufgelegt. Entsprechend bietet besonders der Bereich kleinerer und mittlerer Anlagen im US-Markt noch viel „Luft nach oben”. Dynamik im Industriesegment Viel Dynamik gibt es auch bei der Entstehung von großen Solar-Kraftwerken: durch sogenannte „Renewable Portfolio Standards“, also Erneuerbare Energie-Anteile. Mit diesem Instrument verpflichten US-Bundesstaaten die Energieversorger dazu, einen Anteil des von ihnen produzierten Stroms bereits heute oder zu einem festen Datum in der Zukunft aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Die Anforderungen unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. Um ihnen gerecht zu werden, ist eine Vielzahl industrieller PV-Projekte mit einer Leistung von zehn bis zu mehreren hundert Megawatt geplant. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Viel Potenzial also im Markt für große und mittelgroße PV-Anlagen. Und damit weitere Absatzchancen für SMA, die sich als starker Anbieter im Bereich „Power Plants“ etablieren kann und schon heute hier ein umfassendes Produktportfolio bietet.


SMA Hellas ist Teil eines weltweiten Service-Netzwerkes. 「 」

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Bewegung durch regionale PV-Initiativen Auch wenn der amerikanische PV-Markt im Vergleich zu seinen Möglichkeiten noch in den Kinderschuhen steckt, kommt aktuell viel Bewegung in das Thema Solarstrom. Viele Bundesstaaten haben eigene Initiativen ins Leben gerufen und übertrumpfen sich geradezu bei den PV-Zubauraten, wie Philpott zu berichten weiß: „Kalifornien, Nevada und New Jersey sind führend mit der höchsten installierten PV-Leistung pro Kopf. Aber Staaten wie Arizona, Colorado und New Mexiko holen auf. In New Mexiko ist der Solarmarkt 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 1700 Prozent gewachsen. 1700 Prozent!“ Solartechnik sei dabei, für jeden ein Begriff zu werden. So rückten auch alle damit verbundenen Themen auf die Agenda wie Netzmanagement, 「 44 」 SMA MAGAZINE

Smart Homes und Smart Grids. „Grün zu sein war noch nie wichtiger oder populärer als heute.“ Jeffrey Philpott und sein Team leisten dazu ihren Beitrag. Vier Kontinente, vier unterschiedliche Auslandsgesellschaften und eine Gemeinsamkeit: der wachsende weltweite Erfolg der Photovoltaik. Durch diesen Erfolg ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Photovoltaik eine wesentliche Rolle hin zu 100 Prozent Energieversorgung aus erneuerbaren Ressourcen übernehmen wird – ob in Indien, in Australien, in Griechenland, in den USA oder in den anderen internationalen Solarmärkten. SMA wird auch künftig Trends in der Photovoltaik setzen – dafür ist das Unternehmen schließlich seit 30 Jahren bekannt.


「 」 Oben: Die unendlichen Weiten der Sierra Nevada bieten viel Platz für Energie-Erzeugung mit Photovoltaik. 「 」 Rechts oben: Made in USA: Wechselrichter für den amerikanischen Markt werden in Denver, Colorado gefertigt. 「 」 Rechts unten: Mitarbeiter der ersten Stunde: Von einem kleinen Container aus hat Jeffrey Philpott die amerikanische Niederlassung mitaufgebaut.

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JOBS 3.0 // VOR 30 JAHREN WAR NORDHESSEN EIN STRUKTURSCHWACHES RANDGEBIET AN DER DEUTSCH-DEUTSCHEN GRENZE. HEUTE LIEGT DIE REGION IN DER MITTE DEUTSCHLANDS UND IST HEIMAT EINES DER ERFOLGREICHSTEN SOLARUNTERNEHMEN DER WELT. DIE AUSSICHTEN SIND SONNIG: BIS 2020 SOLL NORDHESSEN DAS KOMPETENZZENTRUM FÜR ERNEUERBARE ENERGIEN WERDEN, INKLUSIVE 20 000 ARBEITSPLÄTZE. EINER, DER HIER MASSGEBLICH MITGESTALTET, IST DR. MARTIN HOPPE-KILPPER.

「 」 Dr. Martin Hoppe-Kilpper ist überzeugt vom Standort Nordhessen als Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien.

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Für den Technologiestandort Nordhessen engagieren sich 120 Unternehmen und Forschungseinrichtungen in einem Netzwerk. 20 000 Arbeitsplätze im Bereich der dezentralen Energie- und Effizienztechnik sollen hier bis 2020 entstehen. Auch SMA bekennt sich klar zum Standort und macht sich stark für das Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien. Wir haben mit Dr. Martin Hoppe-Kilpper, Geschäftsführer des Kompetenznetzwerks Dezentrale Energietechnologien e.V. (deENet), über die Initiative, die Bedeutung von SMA und die Zukunft der Region gesprochen.

Warum liegt Nordhessens Zukunft in den erneuerbaren Energien?

fünf Jahre sollen an dem Institut 70 bis 80 Vollzeitstellen entstehen.

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wird die Energiewende hin zu den Erneuerbaren immer mehr an Fahrt gewinnen. Das bedeutet auch einen Wachstumsschub für die zahlreichen Unternehmen, die in Nordhessen in diesem Bereich tätig sind. Die Branche wird der wesentliche Wachstumstreiber in der Region sein. In der Studie „Nordhessen 2020: Dezentrale Energie und Arbeit“ haben wir bereits 2007 aufgezeigt, dass in Nordhessen bis zum Jahr 2020 über 20 000 Menschen im Bereich dezentraler Energie- und Effizienztechnik beschäftigt sein können. Und wir sind hier schon sehr weit gekommen: Innerhalb der letzten vier Jahre entstanden 11 000 neue Stellen, insgesamt arbeiten heute in Nordhessen bereits über 14 000 Menschen in der Branche, davon allein 6 500 bei SMA.

Welche Bedeutung hat SMA für Sie persönlich?

Herr Dr. Hoppe-Kilpper, SMA war 2003 einer der Mitinitiatoren des Kompetenznetzwerks Dezentrale Energietechnologien e.V. Welche Ziele verfolgt das Netzwerk?

Und wie wird die Energieversorgung der Region im Jahr 2020 aussehen?

Unser Ziel ist es, die Entwicklung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz in der Region voranzutreiben. Wir fördern die Kooperationen zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Kommunen, stoßen gemeinsame Projekte an, die wir dann über den gesamten Verlauf betreuen. Und welche Rolle spielt SMA dabei? Man kann ohne zu übertreiben sagen, dass es die Entwicklung im Bereich erneuerbare Energien in Nordhessen ohne SMA nicht gegeben hätte. SMA war an der Gründung von deENet schon ganz intensiv beteiligt und ist es auch heute noch. Und natürlich hängt die öffentliche Wahrnehmung der erneuerbaren Energien als bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region auch eng zusammen mit dem rasanten Wachstum von SMA. In der internationalen Wahrnehmung von Nordhessen als Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien kommt SMA ebenfalls eine besondere Bedeutung zu. Als ich beispielsweise im letzten Jahr deENet bei einem Energiesymposium in Seoul vorstellte, ging bei der Nennung des Mitgliedsunternehmens SMA ein anerkennendes Raunen durchs Publikum. Das strahlt dann selbstverständlich auch positiv auf Nordhessen aus. 「 48 」 SMA MAGAZINE

Die Energieversorgung der Zukunft ist dezentral und bezieht die Bürger mit ein. In Nordhessen haben wir den Vorteil, dass die erneuerbaren Energien, auch dank SMA, auf eine hohe Akzeptanz stoßen und wir sehr eng mit den Kommunen zusammenarbeiten. Das sind beste Voraussetzungen für den weiteren Ausbau der regenerativen Energieversorgung. In der erwähnten Studie haben wir sogar ein Szenario entworfen, in dem Nordhessen im Jahr 2020 vollständig aus erneuerbaren Energien versorgt wird. Technisch ist dies ohne weiteres möglich und wir arbeiten daran, dieses Ziel zumindest im Strombereich tatsächlich zu erreichen und die Energieeffizienz massiv zu erhöhen.

SMA war für mich immer das sichtbare Zeichen dafür, dass die Vision einer anderen Energieversorgung Wirklichkeit werden kann. Als ich Mitte der 1980er Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Kleinkauf und dann später im ISET damit begann, mich mit erneuerbaren Energien zu beschäftigen, wurde das Thema in der Öffentlichkeit kaum ernst genommen. Doch da gab es parallel zur Wissenschaft hier in der Region dieses innovative Unternehmen SMA, das als Ausgründung der Uni Systemtechnik für die regenerative Energiegewinnung entwickelte. Und das Unternehmen wuchs und wurde wirtschaftlich erfolgreich. Das war für uns Wissenschaftler der praktische Beweis dafür, dass unsere Ideen auch gesellschaftlich tragfähig wurden. Dass sie nicht nur in unseren Köpfen und auf dem Papier funktionierten, sondern von Unternehmen erfolgreich in marktfähige Produkte überführt werden konnten. Und ich denke, so ist es dann schließlich der ganzen Region ergangen. Sie hat zunehmend erkannt, welch großes wirtschaftliche Potenzial von dieser Entwicklung ausgehen kann. Herr Dr. Hoppe-Kilpper, vielen Dank für das Gespräch!

Auch bei der Trägerschaft des neuen Instituts für dezentrale Energietechnologien an der Universität Kassel arbeiten Sie eng mit den Kommunen zusammen – und mit SMA ... Universität, deENet, Stadt Kassel, SMA und weitere große Unternehmen aus der Region haben das IdE im Februar 2011 gegründet, um den Wissenstransfer zwischen Forschung und Wirtschaft weiter zu intensivieren. Als international konkurrenzfähiges wissenschaftliches Anwendungszentrum wird das IdE gleichzeitig auch die Position der Region Nordhessen als Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien und Energieeffizienz stärken. Innerhalb der kommenden

「 」 Alles da: Auch in Nordhessen stößt das Thema Energieversorgung aus erneuerbaren Ressourcen auf breite Akzeptanz.


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NACH DEM ZIEL IST VOR DEM ZIEL // GESTERN EIN KLEINES INGENIEURBÜRO. HEUTE EIN GLOBAL PLAYER DER SOLARBRANCHE. UND MORGEN? VERÄNDERUNG IST DIE DNA VON SMA. SOBALD EIN ZIEL ERREICHT IST, KOMMT DAS NÄCHSTE SCHON IN SICHT. ÜBER DEN UMGANG MIT VERÄNDERUNGEN UND DIE ENERGIE, DEN WANDEL ZU GESTALTEN.

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Vom kleinen Ingenieurbüro für Regelsysteme ...

Wer sich weiterentwickeln will, muss sich verändern. Jede Veränderung ist daher zugleich eine Chance, Dinge zu verbessern. Klar ist: Über den künftigen Erfolg von SMA entscheiden innovative Technologien und anwenderfreundliche Produkte. Vor allem aber qualifizierte und motivierte Menschen, die aus Überzeugung bei SMA arbeiten. Um seine Attraktivität weiter zu steigern, setzt das Unternehmen nicht nur auf eine kooperative Unternehmenskultur, sondern auch auf ganz neue Konzepte. Und entwickelt beides intensiv weiter.

Wovon hängt es ab, ob eine Kultur sich erfolgreich weiterentwickelt? Vor allem von der Fähigkeit, auf kommende Herausforderungen angemessen zu reagieren und die passenden Antworten zu haben. So die These des britischen Kulturtheoretikers Arnold J. Toynbee. Was bedeutet das für eine Organisation wie SMA? Auch Unternehmen lassen sich als ein Kulturkreis definieren, der Herausforderungen meistern muss, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Aus Sicht der SMA Personalarbeit gehört zu diesen Herausforderungen sicherlich das enorme Wachstum des Unternehmens. Allein 2010 hat SMA mehr als 1 500 Arbeitsplätze geschaffen. Das bedeutet: Vieles, was gestern noch reibungslos funktionierte, muss heute überdacht, angepasst und morgen womöglich verworfen und neu entwickelt werden. Neue Prozesse, Handlungskorridore und Richtlinien müssen sich etablieren. Es gilt, eine Vielzahl neuer Kollegen gleichzeitig einzuarbeiten, zu integrieren und mit der Unternehmenskultur vertraut zu machen – ohne dabei die bestehenden Mitarbeiter außer Acht zu lassen. Zu den Herausforderungen gehören auch externe Faktoren wie der demo-

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grafische Wandel oder der Mangel an Fachkräften. In 15 Jahren werden alleine in Deutschland rund 6,5 Millionen Erwerbstätige fehlen, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales berechnet. „Viele Unternehmen haben immer noch nicht begriffen, was das für die Zukunft des Technologiestandortes Deutschland bedeutet“, sagt SMA Personalvorstand Jürgen Dolle. „Dabei sind wir mitten im Wandel.“ Die Unternehmenskultur macht den Unterschied Am Arbeitsmarkt findet gerade aufgrund des Fach- und Führungskräftemangels eine Verschiebung vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmermarkt statt. „Künftig werden wir uns als Unternehmen bei den Fachkräften bewerben“, bringt Dolle die Entwicklung auf den Punkt. „Eine besondere Unternehmenskultur kann hier zum Unterscheidungsmerkmal eines Unternehmens werden“, sagt Dolle. Sind Geld, die eigentlichen Aufgaben und die Branche also doch noch nicht alles? „Diese harten Faktoren machen ein Unternehmen noch nicht einzigartig – und alleine ziehen schon gar keine Fach- und Führungskräfte an, zumindest nicht dauerhaft und nachhaltig“, sagt Jörg Lanzendörfer, der für das Thema Führungskräfteentwicklung verantwortlich ist. Es ist auch die Unternehmenskultur, mit der SMA seit 30 Jahren punktet und auch künftig punkten kann. Ihr Fundament haben die drei Unternehmensgründer gelegt, denen es damals darum ging, anders zu arbeiten als in einem anonymen Großkonzern – also flexibel, selbstbestimmt und partnerschaftlich. „Wir orientieren uns immer noch an diesen Werten. Und das wird auch in Zukunft so sein, weil unsere Kultur kein künstliches Konstrukt, sondern authentisch ist“, sagt Stefan Brinck, Bereichsleiter im Personalressort. Zusammen mit Stephan Piwanski, Bereichsleiter Corporate Human SMA MAGAZINE 「 51 」


Resources, Lanzendörfer und weiteren Kollegen setzt Brinck seine Energie dafür ein, dass diese Unternehmenswerte auch in der Zukunft gelten. Auf Bewährtes setzen – sich Neuem öffnen Die Aussichten, dass das klappen könnte, sind nicht schlecht: Nach einem zweiten Platz 2010 ist SMA 2011 Sieger beim renommierten Great Place to Work®-Wettbewerb in der Kategorie Unternehmen mit mehr als 5 000 Mitarbeitern. Die Unternehmenskultur ist bei SMA messbare Realität: „Mit dem ersten Platz sind wir schon ganz weit vorne und wir haben genug Basis, um das fortzuschreiben, was seit 30 Jahren im Unternehmen gelebt wird“, findet Brinck. Und dennoch: Qualität verpflichtet. Und die Messlatte hängt hoch – gerade für die Zukunft. Wer die Nummer eins ist, der will‘s auch bleiben. Doch in Zeiten des Wachstums kann Unternehmenskultur verwässern. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, konzipieren Piwanski, Brinck, Lanzendörfer und Kollegen Maßnahmen und Führungsinstrumente, um die Unternehmenskultur zu erhalten und weiterzuentwickeln. „Unsere Führungskräftekampagne ist hier ein Beispiel von vielen. Ihr Ziel ist, eine gemeinsame Basis für ein gemeinsames Führungsverständnis zu entwickeln. Nur wer weiß, was kooperatives Führen im Alltag bedeutet, ist in der Lage, die SMA Werte tatsächlich an die Mitarbeiter von heute und morgen zu vermitteln“, erklärt Lanzendörfer. Mehr Struktur für mehr Ordnung Hineintragen und Vorleben der Werte ist das eine. Beides funktioniert aber nicht, wenn man organisatorische Strukturen hat, die das nicht befördern. 「 52 」 SMA MAGAZINE

„Als Unternehmer muss ich das Bestreben haben, kleinere und übersichtlichere Einheiten zu schaffen, die trotzdem den Blick aufs Ganze haben. So kann der Mitarbeiter besser sehen, wo seine Einflussmöglichkeiten liegen und erkennen, dass es auf ihn ankommt“, ergänzt Jürgen Dolle. Die neue divisionale Unternehmensstruktur mit kleineren Geschäftsbereichen bringe damit nicht nur Vorteile für den SMA Kunden, sondern eindeutig auch für die Mitarbeiter. Vorteile sieht Personalfachmann Brinck auch in den sich neu etablierenden Strukturen und neuen Prozessen. „Früher sind wir natürlich mit weniger Strukturen ausgekommen, haben eher generalistisch gearbeitet und waren damit oft freier in der Gestaltung. Bei rund 6 500 Mitarbeitern, die wir heute haben, geht das aber nicht mehr“, sagt Brinck. Für die Zukunft gilt auch hier: Strukturen werden wichtiger, die Rahmenbedingungen der Arbeit einzelner überschaubarer und die Aufgabenverteilung klarer. Nie aufhören, besser werden zu wollen Doch selbst die beste Unternehmenskultur und Organisation können die demografische Entwicklung und den Fachkräftemangel in Deutschland und Europa nicht aufhalten. „Wir müssen genau bei diesen Herausforderungen noch stärker ansetzen“, sagt der Personalvorstand. „Das Thema Berufstätigkeit ändert sich generell und wird sich in Zukunft weiter verändern.“ Antworten auf die demografische Entwicklung und den Fachkräftemangel liegen für Dolle auf der Hand: „Wir müssen schon Absolventen auf uns aufmerksam machen und für uns gewinnen – 75 Ingenieure pro Jahr holen wir allein über das Hochschulmarketing ins Unternehmen. Wir müssen aber auf der anderen Seite auch an allen Themen arbeiten, mit denen wir attraktiv für erfahrene Fachkräfte sind.“ Ob Weiterbildungsmöglichkeiten, marktge-


... zur modernsten CO2-neutralen Wechselrichter-Produktion der Welt. 「 」

rechte Entlohnung, flexible Arbeitszeitmodelle für weibliche und männliche Mitarbeiter, Kinderbetreuung, finanzielle Beteiligung, Gesundheitsmanagement oder Work-Life-Balance – ähnlich wie andere Unternehmen auch, hat SMA bei diesen Themen eine Vielzahl an Konzepten und Maßnahmen erarbeitet. Worin unterscheidet sich SMA von anderen? „Ich kenne keine einzelne Maßnahme, kein einzelnes Instrument unserer Personalarbeit, das nicht ein anderes Unternehmen auch im Einsatz hat. Aber die Vielfalt der Instrumente, ihr ganzheitliches Zusammenwirken, der Drang, uns ständig zu verbessern und die Tatsache, dass wir seit 30 Jahren so akribisch und konsequent am Thema Unternehmenskultur arbeiten, machen uns zu einem ganz besonderen Unternehmen“, erläutert Jürgen Dolle. Internationaler denken – und handeln Den ganzheitlichen Blick braucht man erst recht, wenn man international arbeitet. Dabei wird sich in Zukunft der Trend zu vernetztem, internationalem Denken weiter verstärken – gerade bei SMA. „Die steigende Wahrnehmung der Photovoltaik als eine zukunftsträchtige Form der Energieversorgung bedeutet auch eine weitere internationale Nachfrage nach unseren Produkten. Das führt dazu, dass wir international noch präsenter werden.“ Das sagt einer, der den internationalen Gedanken lebt: Stephan Piwanski ist für die Personalarbeit der derzeit 20 SMA Auslandsgesellschaften zuständig. Wo immer auf der Welt das Unternehmen die Eröffnung einer internationalen Dependance plant und nach Mitarbeitern sucht, ist auch das Know-how von Piwanski und seinen Kollegen gefragt. „Der International Human Resources Support beschäftigt sich intensiv mit dem personalseitigen Aufbau neuer Niederlassungen. Immer unter Berücksichtigung der

individuellen und kulturellen Besonderheiten des jeweiligen Landes.“ Sein Bereich betreut sie so lange bei Personalthemen auch nach dem Start, bis ein eigenes Personalwesen vor Ort etabliert ist und autark funktioniert. „Darüber hinaus ist die Notwendigkeit eines kontinuierlichen, globalen Austauschs in der Zukunft noch wichtiger“, ergänzt Piwanski. Projektteams arbeiten dann etwa nicht nur disziplinübergreifend, sondern regelmäßig global-international, um den Herausforderungen einer stärkeren Internationalisierung zu entsprechen. „Job-Swapping“, also der Arbeitsplatztausch mit einem Kollegen aus einer SMA Auslandsgesellschaft wird keine Ausnahme sein, sondern regelmäßig zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit beitragen. „Und wer weiß, vielleicht ist in ein paar Jahren Englisch die offizielle Unternehmenssprache. Das würde unser internationales Denken sicherlich weiter fördern“, fügt Stephan Piwanski dazu. Was auch immer die Zukunft bringt, eines sollte man laut Personalvorstand Jürgen Dolle nie aus den Augen verlieren: „Wir sind gut gerüstet, müssen aber weiter dran bleiben, uns nicht ausruhen und nicht überheblich werden.” Schließlich sei die Personalarbeit wie eine Baustelle. „Oh nein, kein guter Vergleich”, korrigiert sich Dolle schnell. „Na sagen wir mal, sie ist wie ein Garten. Man muss ihn pflegen, regelmäßig düngen, was Neues pflanzen und Altes auch mal beschneiden. Dann wird eine Pracht daraus.”

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ZUKUNFTSMACHER // WAR ES VOR 30 JAHREN VORAUSZUSEHEN, WELCHEN WEG DIE ERNEUERBAREN ENERGIEN IM 21. JAHRHUNDERT EINSCHLAGEN WÜRDEN? UND KANN MAN HEUTE PROPHEZEIEN, WO SIE MORGEN STEHEN WERDEN? NEIN, SAGT DER TREND- UND ZUKUNFTSFORSCHER PETER WIPPERMANN. DIE ZUKUNFT LÄSST SICH NICHT VORHERSAGEN. ABER GESTALTEN.

「 」 Prof. Peter Wippermann sagt der Photovoltaik eine glänzende Zukunft voraus.

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「 」 Prof. Wippermann forscht heute an den Trends von morgen.

Trend- und Zukunftsforschung könnte man als Seismographen der Gesellschaft beschreiben. Ihre Aufgabe sieht der Trendforscher Peter Wippermann vor allem darin, die Zukunft zu gestalten und positiv zu beschreiben. Indem man Trends beobachtet, Chancenfelder erkennt, Wahrscheinlichkeiten kalkuliert und im richtigen Moment handelt. Wir haben mit ihm gesprochen: über die Energie- und Klimatrends nach Fukushima, die Entwicklung der Gesellschaft und die Rolle der Kommunikation für die Gestaltung der Zukunft.

Zukunft reichen. Das sind dann schon sehr groß angelegte Szenarien. Wenn wir zurückgehen in das Jahr 2000, den Jahrtausendwechsel, da ist man in den USA davon ausgegangen, dass die Rechnernetze zusammenbrechen, man hat Notstromaggregate verteilt und eine Bürgerwehr vorgesehen – und nichts ist passiert. Das ist ein Kennzeichen dafür, dass diese weit gefassten Szenarien zwar spannend sind, aber immer weniger mit einer faktischen Realität in Verbindung gebracht werden können. Wie muss sich der Laie das vorstellen? Wie gehen Sie vor, wenn Sie Zukunftsszenarien entwickeln?

Herr Prof. Wippermann, beginnen wir mit einer Frage, die Ihnen natürlich häufiger gestellt wird: Kann Zukunftsforschung Trends und künftige Entwicklungen tatsächlich einigermaßen treffsicher voraussagen? Ich würde zunächst einen Unterschied machen zwischen Trend- und Zukunftsforschung. Trendforschung hat sich selber einen Rahmen von fünf bis sieben Jahren gesetzt und ist sehr anwendungsorientiert. Zukunftsforschung beschreibt eher Zeiträume, die 30, 40, 50 Jahre in die 「 56 」 SMA MAGAZINE

Das Entscheidende ist, dass man Beobachtungskonstanten hat, also dass man ein System als Grundlage hat, das sich nicht verändert. Wir arbeiten mit vier Suchfeldern, das ist einmal der soziale Wandel, also die Frage „Wie verändert sich die Grundgesamtheit der Menschen im Land oder in der Welt?“, zum anderen geht es um die daraus folgenden technischen Innovationen, drittens fragen wir, wie die ökonomischen Systeme darauf reagieren und viertens schauen wir auf die Kultur. Man kann sagen, je mehr Un-

ruhe und Unberechenbarkeit für den Einzelnen erfahrbar ist, desto eher dreht sich die Kultur in eine konservative Richtung. In dem Moment, wo eine Gesellschaft ruhiger wird, wird die Kultur lebendiger und geht wieder nach vorne. Und was ist Ihre Aufgabe? Da die Zukunft offen ist und da sie Chancen und Gefahren bietet, ist es eine Aufgabe oder eine Grundidee der Trend- und Zukunftsforschung, Chancen zu erkennen, zu versuchen, Chancenfelder zu beschreiben und Wahrscheinlichkeiten zu kalkulieren. Das heißt, die Trend- und Zukunftsforschung ist eher geneigt, die Welt positiv und gestaltbar zu beschreiben, im Gegensatz zum Beispiel zur Soziologieforschung, die immer eher die Bedrohungsszenarien hervorhebt. Dann frage ich Sie jetzt: Welche Rolle werden erneuerbare Energien künftig spielen? In der medialen Öffentlichkeit ist ein klarer Konsens zu beobachten. Man will alternative Energien stark forcieren. In dem Moment wo man genauer hinschaut, gibt es natürlich Interessengruppen, die entweder die klassischen Energien


möglichst lange favorisieren, respektive unterschiedliche neue Energiekonzepte vorantreiben wollen. Heute zu sagen, erneuerbare Energien werden sich bis zum Jahr XY durchgesetzt haben, wäre nicht seriös, obwohl die Tendenz dahin zu beobachten ist. Also stehen konventionelle und erneuerbare Energieträger weiterhin in Konkurrenz zueinander? Letztlich hat sich doch das Umweltbewusstsein vieler Menschen in den letzten Jahren verändert. Sogar in der Politik wird die Energiewende forciert, zumindest in Deutschland ... Wenn Sie Deutschland oder Europa nehmen, dann gibt es eine starke Übereinstimmung, die regenerativen Energien zu nutzen. Aber je weiter Sie nach Osten schauen, ist die Realität eine ganz andere als in Deutschland. Auch in den USA ist das Bewusstsein ein anderes als in Deutschland. Es kommt darauf an, welche Länder sich bewegen, welche Länder in ihrem Technologieansatz führend sind. Auch Japan macht eine bemerkenswerte Entwicklung durch. Ja, zum Beispiel soll auf jedem neuen Einfamilienhaus eine Solaranlage gebaut werden ... Fukushima führt sicherlich dazu, dass die Auseinandersetzung mit der Umwelt deutlich zunehmen wird. Man muss sich nur diesen Sommer vorstellen, den wird man logischerweise auf den Klimawandel zurückführen, ob das richtig ist oder nicht. Das heißt, dass es ganz offensichtlich ein starkes Bedürfnis gibt, irgendwie handeln zu können. Reicht das, um in erneuerbare Energien zu investieren? Um sich für die Investition in eine Solaranlage zu entscheiden, muss noch etwas dazu kommen, denke ich. Solaranlagen werden dann interessant, wenn man sagt, ich mache mich ökonomisch unabhängig vom Stromlieferanten, weil ich deren Politik nicht mehr durchschaue. Diese Sehnsucht nach der Kontrolle des eigenen Umfeldes nimmt rapide zu, dort werden auch neue Gemeinschaften und Geschäftsmodelle entstehen. Gerade Technik muss sich emotional verständlich machen, damit sie überhaupt akzeptiert werden kann.

Das wäre dann ein Kommunikationsthema. Technologie muss verständlich sein, als Anwender muss ich Nutzen verstehen können. Genau. Wenn man sich Technikkommunikation heute anschaut, dann vergleichen sich Techniker mit Technikern. Man versucht sozusagen, der bessere Techniker oder die bessere Technikerin zu sein. Das interessiert den Endverbraucher aber nicht. Der Endverbraucher reduziert sozusagen die Komplexität und fragt „Was habe ich davon und was tue ich damit Gutes für mich?“ Mit welcher Geschwindigkeit gehen denn eigentlich Veränderungen vonstatten? Gibt es da eine Art von Regel? Und beschleunigen Ereignisse wie Fukushima nicht auch gesellschaftliche Veränderungsprozesse? Es gab z. B. einen Wissenschaftsmathematiker, der von schwarzen Schwänen gesprochen hat als Metapher für unwahrscheinlich eintretende Ereignisse, die aber großen Einfluss haben auf die Zukunft. Ich glaube, dass Sie da zwei Sachen im Auge behalten müssen. Das eine ist das, was wir Anpassungsträgheit nennen. Also wie schnell oder wie langsam gewöhnt sich eine Gesellschaft an neue Technologien. Wenn man mal zurückgeht, 1981 als Sie gegründet worden sind, hat Helmut Kohl auf die Frage, was er von der Datenautobahn hält, gesagt „Fragen Sie meinen Verkehrsminister“. Das Web 2.0 gibt es seit 2003. Aber nur ein Prozent der deutschen Personalmanager sind bereit, dieses Medium heute zu nutzen, nach immerhin sieben oder acht Jahren. Das ist das eine. Schwarze Schwäne sind wiederum Ereignisse, die niemand kalkulieren kann, die eintreten und die Szenarien verändern. Die meisten verändern in der Tat gleichzeitig auch die Beschleunigung von neuen Technologien.

enorm zugenommen. Das erhöht natürlich auch die Veränderungsgeschwindigkeit. Dann nimmt die Kommunikation hier eine Schlüsselfunktion ein? Ganz sicher. Wenn Sie Zukunft denken, dann müssen Sie sich eine Skala verschiedener Geschwindigkeiten vorstellen, von schneller Akzeptanz bis hin zu großem Widerstand. Und Sie sehen, dass in diesem Szenario der unterschiedlichen Geschwindigkeiten eins eine ganz zentrale Rolle spielt, nämlich die Kommunikation: Also wie schnell verbreiten sich Informationen, wer verbreitet sie, wie plausibel sind diese Informationen? Und wenn Sie an das Atomunglück in Japan denken, dann ist es sicher so, dass sich Informationen heute anders verbreiten, als noch vor 10, 20 oder 30 Jahren. Eine letzte Frage habe ich noch. Wie oft lagen Sie schon mit Ihren Prognosen daneben? Bei den Finanzmärkten immer. Da sind Trendforscher nicht erfolgreicher als jeder andere (lacht). Also man kann sie sich praktisch sparen. Herr Prof. Wippermann, vielen Dank für das Interview!

Peter Wippermann gründete 1992 das Trendbüro in Hamburg und ist Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität in Essen. Er etablierte zudem den „Trendtag“, eine Tagung, die jährlich mehrere hundert Wirtschaftsvertreter aller Branchen besuchen.

Welche Rolle spielt das Web 2.0 beim Thema „Veränderung“? Der Kommunikationsaustausch hat sich eindeutig demokratisiert. Gerade bei Atomunglücken ist es so, dass die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen und zu überlegen, was bedeutet das für die eigene Alterskultur, enorm gewachsen ist durch das Internet. Natürlich hat die Möglichkeit, unterschiedliche Informationsquellen zu nutzen, unabhängig von den klassischen Medienkanälen, in den letzten 30 Jahren

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VORREITER // FÜNF PERSÖNLICHKEITEN, FÜNF RESSORTS, EINE VISION: DIE ZUVERLÄSSIGE UND DEZENTRALE ENERGIEVERSORGUNG AUS 100 PROZENT ERNEUERBAREN RESSOURCEN. BEI SMA ARBEITEN MEHR ALS 6 500 MENSCHEN AN NEUEN TECHNOLOGIEN, DAMIT DIESE VISION BALD WIRKLICHKEIT WIRD. UND AUCH BEI STRATEGISCHEN THEMEN WIE NETZ- UND ENERGIEMANAGEMENT ODER DER SYSTEMKOSTENREDUKTION WILL SMA WEITERHIN TRENDSETTER SEIN.

ROLAND GREBE VORSTAND ENTWICKLUNG „Damit die Photovoltaik wachsen kann, müssen wir den zunehmenden Anteil von Solarstrom an der Energiegewinnung problemlos ins Netz integrieren. Vor diesem Hintergrund liegt unser Entwicklungsschwerpunkt auf dem Thema ‚Netzmanagement‘. Mittel- bis langfristig wollen wir sicherstellen, dass die Einspeisung von Solarstrom mit hoher Netzstabilität einhergeht. Hier sind innovative Lösungen von SMA gefragt. Mit unseren Technologien tragen wir zum Beispiel entscheidend dazu bei, den Eigenverbrauch von Solarstrom zu optimieren und so das Netz zu entlasten. Für die Photovoltaik bedeutet das nochmals einen deutlichen Innovationssprung.“

MARKO WERNER VORSTAND VERTRIEB UND MARKETING „Mit der Energiewende verändern sich die Marktanforderungen und der Wettbewerb nimmt zu. Darauf sind wir vorbereitet. Neben dem Ausbau unserer Technologieführerschaft spielt zum Beispiel unser weltweites Vertriebsund Servicenetzwerk eine entscheidende Rolle. SMA ist international präsent und verfügt über einen weltweiten Marktanteil von über 40 Prozent. Mit dieser Positionierung können wir deshalb von der globalen Marktentwicklung profitieren – vor allem in den Wachstumsmärkten Japan, Indien und den USA. Zudem bieten wir ein komplettes Produktspektrum an und damit für jede Leistungsklasse, Anwendung und jede Netzanforderung den passenden Wechselrichter. Kein anderer Hersteller im Markt hat eine vergleichbare Positionierung.“ 「 58 」 SMA MAGAZINE


UWE HERTEL VORSTAND OPERATIVES GESCHÄFT

JÜRGEN DOLLE VORSTAND PERSONAL

„Wir haben uns das ehrgeizige Ziel gesetzt, die spezifischen Kosten unserer Wechselrichter in den kommenden Jahren noch einmal um 50 Prozent zu reduzieren. Dabei spielen nicht nur Technologie, Materialkosten und die Logistik eine entscheidende Rolle, sondern auch schlanke Produktionsprozesse. Nur, wenn unsere Produktion hoch flexibel und skalierbar ist, können wir jederzeit schnell auf Kundenwünsche reagieren und Produktinnovationen zeitnah realisieren. Dieses Prinzip wenden wir in allen unseren Fertigungsstätten konsequent an.“

„SMA steht für Werte wie offene Kommunikation, einen respektvollen Umgang miteinander, Entwicklungsmöglichkeiten und Beteiligung am Unternehmenserfolg. Das ist unser Versprechen an die Mitarbeiter, das sie verinnerlicht haben. Dafür erwarten wir von ihnen eigenverantwortliches und lösungsorientiertes Handeln, Veränderungsbereitschaft und Engagement. Nur so gelingt uns die Gratwanderung zwischen ständiger Veränderung und einer Konstanz der Werte, die uns wichtig sind.“

PIERRE-PASCAL URBON VORSTANDSSPRECHER UND VORSTAND FINANZEN „Die Energiewende ist nicht umkehrbar und die Energieversorgung der Zukunft wird dezentral sein. Was SMA auszeichnet und uns auch in Zukunft erfolgreich sein lässt, ist unsere Technologie. Sie ist der Schlüssel für die Zukunft der Photovoltaik. Denn unsere Wechselrichter wandeln nicht nur Gleich- in Wechselstrom, sondern übernehmen heute schon zentrale Aufgaben im Netzmanagement. SMA ist der weltweit führende Anbieter für Wechselrichter. Diesen Erfahrungsvorsprung werden wir nutzen und in andere Länder exportieren. Wir sind hervorragend positioniert für die Zukunft.“

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IMPRESSUM

Herausgeber SMA Solar Technology AG // Chefredaktion Anja Jasper // Redaktion Margarete Glowka / Aylin Orak (Ass.) // Artdirection Jessica Krastev // Autoren Susanne Henkel / Felix Kever // Fotos Stefan Daub / Sven Alexander Heine / Frank Reinhold // Illustrationen Milen Krastev // Auflage 20.000 (deutsch) / 5.000 (englisch) // Erscheinungsweise zweimal jährlich // Redaktionsadresse SMA Solar Technology AG / Sonnenallee 1 / 34266 Niestetal / Germany / Tel.: +49 561 9522-2805 / Fax: +49 561 9522-2929 / E-Mail: Anja.Jasper@SMA.de / www.SMA.de / Bestellung: Sie möchten zusätzliche Exemplare des SMA Magazines bestellen? Dann schreiben Sie per Post oder E-Mail an die Redaktion. Wir senden Ihnen bis zu 50 Exemplare kostenfrei zu. Text und Abbildungen entsprechen dem technischen Stand bei Drucklegung. Alle Angaben ohne Gewähr. Technische Änderungen vorbehalten. Keine Haftung für Druckfehler. Gedruckt auf chlorfrei hergestelltem Papier. Alle Warenzeichen werden anerkannt, auch wenn sie nicht gesondert gekennzeichnet sind. Fehlende Kennzeichnung bedeutet nicht, eine Ware oder ein Zeichen seien frei. Nachdrucke, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. © Copyright 2011, SMA Solar Technology AG Alle Rechte vorbehalten.


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