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SMA MAGAZINE 02 LEISTUNGSTRÄGER. WECHSELRICHTER IM BELASTUNGSTEST: WER IM SMA TESTZENTRUM BESTEHT, TUT SEINEN DIENST 20 JAHRE UND LÄNGER. ZWISCHEN TECHNOLOGIEVORSPRUNG UND MARKTDYNAMIK. WENN VERÄNDERUNG DIE EINZIGE KONSTANTE IST, MUSS FLEXIBILITÄT ERSTE UNTERNEHMENSSTRATEGIE SEIN. VON REALISTEN UND VISIONÄREN. STRAFFE ORGANISATION BEI MAXIMALEN FREIRÄUMEN? BEI SMA DAS FUNDAMENT FÜR WACHSTUM UND TECHNOLOGIEFÜHRERSCHAFT.

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EDITORIAL

DER ZEIT VORAUS Wissen Sie, was einen SMA Solar-Wechselrichter so besonders macht? Er kann viel mehr, als „nur“ Gleichstrom in netzüblichen Wechselstrom umzuwandeln. Unsere Wechselrichter sind das Herz jeder Photovoltaikanlage – und werden in Zukunft z. B. mehr und mehr intelligente Netzmanagementfunktionen übernehmen. Weil die über 500 Entwickler bei SMA ihrer Zeit immer einige Jahre voraus sind, können unsere Wechselrichter viele der künftigen Aufgaben übrigens heute schon bewältigen. Kurz: Technologischer Fortschritt ist unser Antrieb. Die vorliegende Ausgabe des SMA Magazine steht daher ganz im Zeichen des Themas „Technologieführerschaft“. Wahrscheinlich haben Sie eine gewisse Vorstellung davon, worum es dabei gehen könnte – und wahrscheinlich liegen Sie damit zum Teil auch ganz richtig. Denn natürlich geht es um technische Innovationen, Ingenieurskunst und komplexes Expertenwissen. Aber es gibt auch eine ganze Reihe anderer Aspekte, die einem vielleicht nicht sofort in den Sinn kommen. Zum Beispiel Themen wie Qualität. Oder woher die Ideen für neue Produkte kommen. Vielleicht auch die Frage, wie man auf lange Sicht wettbewerbsfähig bleibt und sich den notwendigen Vorsprung sichert. Auf all das finden Sie in dieser Ausgabe Antworten, die typisch sind für das Unternehmen SMA und seine Mitarbeiter – von denen Sie einige auf den folgenden Seiten kennenlernen werden. Sie alle arbeiten mit Engagement und Kreativität daran, den Solar-Wechselrichter künftig noch stärker als „intelligenten Systemmanager“ in den Fokus zu rücken. Schließlich ist es unser Ziel, dass die Photovoltaik in nicht allzu ferner Zukunft wettbewerbsfähig wird und einen wesentlichen Beitrag zur Stromversorgung leistet. Eine der wichtigsten Strategien, um diesem Ziel kontinuierlich einen Schritt näher zu kommen, sind umfassende Kostensenkungen. Das erreichen wir vor allem über Technologieentwicklung. Unser Technologieansatz führt sowohl zu einer Reduzierung des spezifischen Preises und des Fertigungsaufwands als auch zu deutlich minimierten System- und Lebenszykluskosten. So können wir auch in Zukunft wettbewerbsfähig in Deutschland produzieren. Wenn Sie genauer erfahren möchten, wie wir das machen, blättern Sie einfach weiter. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre mit dem neuen SMA Magazine. Günther Cramer Vorstandssprecher

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INHALT

EDITORIAL // LEISTUNGSTRÄGER // WECHSELRICHTER IM BELASTUNGSTEST:WER IM SMA TESTZENTRUM BESTEHT, TUT SEINEN DIENST 20 JAHRE UND LÄNGER – AUCH UNTER HARTEN BEDINGUNGEN. ZWISCHEN TECHNOLOGIEVORSPRUNG UND MARKTDYNAMIK // WENN VERÄNDERUNG DIE EINZIGE KONSTANTE IST, MUSS FLEXIBILITÄT ERSTE UNTERNEHMENSSTRATEGIE SEIN. DAS HAT AUCH KONSEQUENZEN FÜR DIE TECHNOLOGIEENTWICKLUNG. HIGHTECH-WUNDER // WECHSELRICHTER VON SMA SIND DAS HERZSTÜCK JEDER SOLAR-ANLAGE. NICHT ZULETZT STEHEN SIE FÜR DEN TECHNOLOGISCHEN VORSPRUNG DES UNTERNEHMENS. VON REALISTEN UND VISIONÄREN // STRAFFE ORGANISATION UND MAXIMALE FREIRÄUME – BEI SMA KEIN WIDERSPRUCH. SONDERN DAS FUNDAMENT FÜR WACHSTUM UND TECHNOLOGIEFÜHRERSCHAFT. DIE SPITZE DES EISBERGS // ÜBER WACHSTUM, INGENIEURSKUNST UND WISSENSSCHÄTZE UNTER DER UNTERNEHMENSOBERFLÄCHE. REIFEPRÜFUNG // DIE ERLAUBNIS, DIE EIGENEN PRODUKTE SELBST FÜR DIE ZERTIFIZIERUNG ZU PRÜFEN, BEKOMMEN BEI UNDERWRITERS LABORATORIES NUR DIE BESTEN. SO WIE SMA. IMPRESSUM //

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「 」 Dauertest auf dem Prüffeld: SMA Wechselrichter beim letzten Check vor dem Versand in alle Welt.

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LEISTUNGSTRÄGER // WECHSELRICHTER IM BELASTUNGSTEST: WER IM SMA TESTZENTRUM BESTEHT, TUT SEINEN DIENST 20 JAHRE UND LÄNGER – AUCH UNTER HARTEN BEDINGUNGEN.

「 」 Futuristisch: Im Hightech-Testzentrum von SMA hat die Zukunft längst begonnen.

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「 」 Billy Akpebu, Chef des Testzentrums, in seinem Element: Bei ihm müssen die Wechselrichter zeigen, was sie können.

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Von ihnen wird mehr erwartet als von anderen: Solar-Wechselrichter von SMA sind anderen Geräten auf dem Markt technologisch immer einen Schritt voraus – und müssen mehr als 20 Jahre einwandfrei funktionieren. Deshalb simulieren die Experten im SMA Testzentrum ein ganzes WechselrichterLeben im Zeitraffer. Ihr Instrumentarium: pure Hightech und außergewöhnliche Methoden.

Billy Akpebu und seine 22 Kollegen haben einen interessanten Beruf: Sie machen genau das, was der normale Kunde niemals macht. Wechselrichter in den Ofen legen. Einfrieren. Oder auf eine Rüttelmaschine schnallen. Kurz: Sie arbeiten im SMA Testzentrum. Das neueste Testgerät sieht aus wie ein überdimensionierter DoppelstockBackofen. Ein leises Summen dringt aus dem mächtigen grauen Metallkasten, auf dem Bedienfeld blinkt eine Leuchtanzeige: 96 Grad Celsius. Durch das Sichtfenster aus Isolierglas fällt der Blick auf eine Platine mit diversen Elektronikbauteilen. „Der Prüfling ist erst seit zwei Stunden dort drin“, erläutert Billy Akpebu, der Leiter des SMA Testzentrums. „Er wird jetzt noch 15 Mal abwechselnd erhitzt und abgekühlt – ein sogenannter Stresstest.“ Für den promovierten Ingenieur sind derartige Tests längst Routine. In einem weitläufigen Gebäudekomplex fühlen er und seine Kollegen vielen Bauelementen, jeder Baugruppe und jedem Gerätetyp nach allen Regeln der Kunst auf den Zahn. Der Aufwand ist immens. „Das Testzentrum“, so Billy Akpebu, „ist im Grunde auch ein Qualitätszentrum. Wir arbeiten dafür, dass SMA Wechselrichter mindestens zwanzig Jahre lang funktionieren – egal in welchem Land, in welchem Klima und an welchem Stromnetz.“

Die ganze Welt im Testlabor Eine gewaltige Aufgabe: Die Geräte sind weltweit in mehr als 100 Ländern im Einsatz – in Uganda genauso wie an der Nordseeküste, in China oder in der Princess Elisabeth-Polarstation am Südpol. Fast jeder Einsatzort wartet mit anderen Umwelt- und Klimabedingungen auf. Und auch die weltweit sehr unterschiedlichen Stromnetze und Anschlussbedingungen wollen berücksichtigt werden. „Im Prinzip ist es aber ganz einfach“, sagt Billy Akpebu. „Unsere Wechselrichter gehen in die ganze Welt – also müssen wir die Welt in unsere Labore holen.“

Altern im Zeitraffer Sören Irmer ist ein geduldiger Mensch. Aber zwanzig Jahre auf ein Ergebnis warten möchte er nicht. „Wer viel Stress hat, altert schneller – das gilt zum Glück auch für technische Geräte“, bemerkt er mit einem Schmunzeln. „Für uns ist eine künstliche Alterung wichtig, wenn wir etwas über die Lebensdauer unserer Wechselrichter erfahren wollen.“ Die Zeit ist dabei der springende Punkt. „Wir können ja nicht zehn oder zwanzig Jahre abwarten, ob alles so funktioniert wie geplant“, beschreibt er die Herausforderung. „Wir müssen der Zeit nachhelfen – und das funktioniert eben am besten mit extremen Bedingungen.“ 「 10 」 SMA MAGAZINE


「 」 Von Uganda bis zum Südpol: SMA Wechselrichter kommen in über 100 Ländern zum Einsatz. Im Testlabor wird jedes Klima simuliert.

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「 」 Neueste Technologien in der EMV-Kammer: EMV steht für Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit.

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50 Grad Celsius pro Sekunde So ist der vermeintliche Doppelstockbackofen in Wirklichkeit eine Schocktestkammer. Sie ist seit Mai 2009 in Betrieb und bringt Wechselrichter oder einzelne Bauteile abwechselnd auf Temperaturen von +200 Grad und bis –70 Grad Celsius. Ein eingebauter Aufzugsmechanismus transportiert die Prüflinge in sechs Sekunden von der Hitze- in die Kältezone – das macht fast 50 Grad Temperaturänderung pro Sekunde. „Dieser schnelle Temperaturwechsel ist eine extreme Belastung für die Bauteile, denn verschiedene Materialien dehnen sich unterschiedlich stark aus“, erklärt Irmer das Prinzip. „Daher zeigt uns so ein Temperaturschock-Test im Idealfall sehr schnell, an welcher Stelle irgendwann ein Fehler auftreten könnte.“ Und liefert damit wertvolle Informationen für die Entwickler: Sind alle Bauteile den Anforderungen gewachsen? Ist ihre ideale Anordnung, das optimale Design der Baugruppen gefunden? Gibt es irgendwo noch irgendetwas zu verbessern?

Qualität kommt doch von Qual Doch auch im Testzentrum bleibt die Entwicklung nicht stehen: Neben vielen anderen Projekten plant Irmers Team eine neue Teststation für das sogenannte HALT-Verfahren. Das englische Akronym heißt übersetzt so viel wie „hoch beschleunigter Lebenszyklus-Test“. Hierbei wird der Prüfling neben den extremen Temperaturwechseln auch starken Vibrationen ausgesetzt – wohlgemerkt während des Betriebes. Das aufwändige Verfahren ist in der großindustriellen Fertigung weit verbreitet und längst auch für SMA interessant geworden. „Wir machen aber nicht nur so heftige Prüfungen“, so Irmer mit einem Augenzwinkern. „Bei den internen Feldtests sind die Betriebsbedingungen zwar ebenfalls hart, aber grundsätzlich realistisch.“ Es geht also um „normale“ Hitze und Kälte, um Regen und Feuchtigkeit – und um den reibungslosen Dauerbetrieb unter all diesen Bedingungen. Dafür steht unter anderem eine begehbare Klimakammer bereit, in die bis zu zwölf Wechselrichter gleichzeitig hineinpassen.

Dauertest bei 180 Grad Tatsächlich hat die Kammer eine beachtliche Größe, einen Smart könnte man hier problemlos parken. Die Spannweite der möglichen Temperaturen reicht von –70 bis +180 Grad Celsius – damit ist vom amerikanischen Death Valley bis zum Südpol jede Klimazone abgedeckt. Wände und Decke sind mit spiegelndem Edelstahlblech verkleidet, die schwere Tür lässt sich zum Glück auch von innen öffnen. Montiert auf rollbare Gestelle warten hier verschiedene Prototypen einer neuen Gerätegeneration auf ihren Einsatz. Jeder ist über eine Art Nabelschnur mit der Außenwelt verbunden. Sämtliche Kontrolllampen leuchten grün – die Geräte sind bereit. Draußen zeigt Sören Irmer auf mehrere mannshohe Schränke neben der Klimakammer, die ebenfalls auf Rollen stehen. „Für jeden Wechselrichter holen wir ein passendes Versorgungsmodul heran, das ihm den benötigten Gleichstrom zur Verfügung stellt – quasi Solarstrom aus der Konserve. Damit testen wir die neuen Geräte dann im laufenden Betrieb.“ Speist der Wechselrichter auch bei 50 Grad Celsius noch mit voller Leistung ein? Reagiert er SMA MAGAZINE 「 13 」


「 」 Intelligentes Herzstück jeder Solar-Anlage: Blick in das Innenleben eines Wechselrichters.

vorschriftsmäßig, wenn die Netzspannung schwankt? Und funktioniert auch die Fernabfrage der Betriebsdaten unter all diesen Bedingungen?

Schotterpiste auf Knopfdruck Szenenwechsel: Für eine Solar-Anlage in Zentralchina werden SMA Wechselrichter geliefert. Nach über 20.000 Kilometern per Seecontainer führt der letzte Teil der Reise mit dem LKW über unwegsame Straßen. Geradezu ein Spaziergang gegenüber dem, was der Shaker im Testzentrum den Wechselrichtern abverlangt. Der Shaker ist eine gigantische Rüttelmaschine. „Mechanischer Belastungstest“ liest man auf dem Türschild – das Gerät steht in einem separaten Gebäudeteil. „Damit können wir fast alle Arten von Erschütterung simulieren“, sagt Peter Thomä, der Herr über den Shaker. 「 14 」 SMA MAGAZINE

„Den LKW-Transport von Kassel nach München, aber auch 250 Kilometer Schotterpiste mit Schlaglöchern.“ Spätestens jetzt zeigt sich, ob die Wechselrichter den Strapazen des weltweiten Einsatzes gewachsen sind. „Sie sind es“, stellt Thomä trocken fest. „Jeder neue SMA Wechselrichter hat bei uns so ziemlich alles durchlaufen, was einem Solar-Wechselrichter passieren kann.“ Natürlich auch den EMV-Test.

Handyverbot im Solar-Kraftwerk? Die Abkürzung EMV steht für „elektromagnetische Verträglichkeit“. Kurz gesagt geht es um die Frage, ob man neben einem Wechselrichter mit dem Handy telefonieren darf. Und ob das Telefonat dann durch Störungen beeinträchtigt wird. „Sie kennen das bestimmt aus dem Krankenhaus oder


dem Flugzeug“, erklärt Thomä das Problem. „Grundsätzlich können elektronische Geräte durch Funkwellen anderer Geräte gestört werden. Andererseits sendet jedes Gerät auch selbst Funkwellen aus, quasi als Abfallprodukt seiner eigentlichen Funktion.“ Beide Aspekte werden in der EMV-Testkammer geprüft. Von innen wirkt sie fast etwas bedrohlich: Decke und Wände sind mit schwarzen Schaumstoffpyramiden besetzt, die in die Mitte des Raumes zeigen. „Nicht anfassen“, ruft Thomä vorsorglich durch die ebenfalls verkleidete Tür, „das ist empfindlicher Spezialschaumstoff!“

Willkommen im begehbaren Funkloch Die Kammer verfügt über speziell isolierte Wände, die nicht die kleinste Funkwelle durchlassen – weder von außen, noch von innen. Telefonieren kann man hier drinnen also nicht. In diesem hermetisch abgeschirmten Raum werden die Wechselrichter mit elektromagnetischen Wellen bestrahlt, um ihre Unempfindlichkeit zu prüfen. Die Schaumstoffpyramiden an Decke und Wänden sorgen dafür, dass keine Funkwellen reflektiert werden und sich dadurch nicht gegenseitig verstärken oder abschwächen können. Doch wie stark sind die Funkwellen, die der Wechselrichter im Betrieb selbst aussendet? Werden die entsprechenden Grenzwerte eingehalten? Die Messungen hierzu finden ebenfalls in der EMV-Kammer statt. Dazu wird der Wechselrichter mit einer empfindlichen Messantenne von allen Seiten untersucht. „Selbstverständlich erfüllen unsere Geräte alle relevanten Vorschriften“, sagt Peter Thomä. „Und dank unserer exzellenten Ausstattung dürfen wir als einer von wenigen Herstellern die Zulassungsprüfungen der Wechselrichter für die strengen amerikanischen Underwriter Laboratories (s. auch S. 46) sogar selbst durchführen.“

Wasserdicht und wüstentauglich Als Chef des Umweltlabors kümmert sich Thomä mit seinem Team aber noch um weitere Qualitätssiegel. So müssen die Gehäuse der Wechselrichter absolut staub- und wasserdicht sein, um die begehrte Schutzklasse IP65 zu erhalten. Den Beweis treten sie unter der laboreigenen Beregnungsanlage an: Nicht ein Tropfen Wasser darf durch die Dichtungen dringen – ein beschlagenes Display würde jede Undichtigkeit unweigerlich verraten. Verglichen mit den Messmethoden im Nachbarlabor eine geradezu grobschlächtige Untersuchung.

nicht nur die: Hinter den Türen verbergen sich armdicke Widerstände sowie Spulen und Kondensatoren im XXL-Format. Für bestimmte Tests nehmen sie die komplette Leistung des angeschlossenen Wechselrichters auf – das können beim Sunny Tripower bis zu 17.000 Watt sein. Drei Reihen blauer Kontrollleuchten zeigen an, welche der nach ihrer Größe sortierten Komponenten die Steuerelektronik für das aktuelle Testprogramm heranzieht. Nahezu pausenlos sind die Systeme im Einsatz, allein fünf Programmierer sind damit beschäftigt, die Software anzupassen und kontinuierlich zu erweitern. Christian Kühnel hat eine Tastaturschublade herausgezogen und gibt die Startwerte für den nächsten Testlauf ein. „Wir prüfen jetzt die Notabschaltung bei einem Stromausfall“, sagt er und schaltet den Netzsimulator auf Madagaskar.

Traumjob für Ingenieure „Wir im Testzentrum“, sinniert Billy Akpebu, „haben als Ingenieure schon einen Traumjob. Ständig sind wir am Puls der technischen Entwicklung. Jede neue Technologie, jedes neue Produkt landet bei uns, jede Norm und jede technische Richtlinie betrifft uns direkt.“ Allerdings hat das Testzentrum dadurch auch extrem viel zu tun. Die Auslastung liegt nahe der 100 ProzentMarke – und das, obwohl die Stichprobenkontrolle der laufenden Serienproduktion schon in das neu geschaffene Prüfzentrum verlagert wurde. „Genau deshalb sind wir dabei, uns noch einmal deutlich zu vergrößern“, erklärt Akpebu und öffnet die Baustellentür zu den neuen Räumlichkeiten. Der Umbau ist in vollem Gange: Stromkabel und Messleitungen hängen von der Decke, Arbeiter verlegen verschiedenfarbige Rohre für Wasser, Lüftung und Wärmerückgewinnung. Auf dem Boden zeigen Markierungen aus Klebeband, wo neue Anlagen installiert werden. Der Leiter des Testzentrums sieht bei alldem sehr zufrieden aus. „Künftig wollen wir uns noch früher in die Entwicklung einklinken. Noch mehr unserer Erfahrungen einbringen in puncto Testanforderungen und -strategien. Dafür brauchen wir neben dem zusätzlichen Test-Equipment natürlich auch weitere Kollegen.“ Bei einer Tagesproduktion von über 4.000 Wechselrichtern ist der Aufwand an Personal und Technik aber in jedem Fall angemessen. „SMA hat bald dreißig Jahre Erfahrung“, resümiert Billy Akpebu. „aber im Testzentrum sammeln wir jeden Tag neue – und zwar systematisch. Und jede einzelne hilft, die Konstruktion und die Qualität unserer Wechselrichter noch weiter zu verbessern.“

Strom unter der Zeitlupe Zweihundertausend Messungen pro Sekunde bringen die Augen von Christian Kühnel zum Leuchten: Er steht vor einem der fünf mächtigen schwarzen Schränke, die den Raum fast vollständig ausfüllen. Mit seinen Kollegen untersucht er die elektrische Funktion der SMA Wechselrichter – von den Anforderungen der deutschen Mittelspannungsrichtlinie bis zur exakten Bestimmung des europäischen Wirkungsgrades. Bei den Messungen geht es um Stromänderungen in Bruchteilen einer Tausendstelsekunde, also um allerhöchste Präzision. Man sieht ihm an, dass er sein Werkzeug liebt. Tatsächlich bilden die schwarzen Metallschränke das Herzstück der Anlage. Und jeder einzelne enthält Technik im Wert einer Oberklasselimousine. „Die Anlage hier dürfte momentan einzigartig sein“, sagt Kühnel, „so etwas hat außer uns niemand. Da steckt vor allem sehr viel Erfahrung drin.“ Doch SMA MAGAZINE 「 15 」


「 」 Optimist und kostenbewusster Stratege: Technologievorstand Roland Grebe.

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ZWISCHEN TECHNOLOGIEVORSPRUNG UND MARKTDYNAMIK // WENN VERÄNDERUNG DIE EINZIGE KONSTANTE IST, MUSS FLEXIBILITÄT ERSTE UNTERNEHMENSSTRATEGIE SEIN. DAS HAT AUCH KONSEQUENZEN FÜR DIE TECHNOLOGIEENTWICKLUNG.

Sicher ist im Photovoltaikmarkt nur eins: dass sich alles ständig ändert. Das sagt Vorstandsmitglied Roland Grebe. Auf schwankende Nachfrage und unsichere Rahmenbedingungen haben er und seine Vorstandskollegen sich eingestellt. Mit einem hochflexiblen Geschäftsmodell, ausgeklügelten Qualitätsstandards – und herausragenden Technologien, die sich konsequent an den Anforderungen der Kunden orientieren. Eine erfolgreiche Strategie: Seit fast 30 Jahren „atmet“ das Unternehmen im Rhythmus des Marktes und baut seinen Technologievorsprung weiter aus. Ein Interview mit Roland Grebe, Vorstand Technologie, und Matthias Vössing, Leiter Qualitätsmanagement.

Anlage maximal flexibel vorgehen kann und auf Besonderheiten wie Dachgauben oder ungerade Modulzahlen keine Rücksicht mehr nehmen muss. Er spart Zeit und die Qualität in der Planung wird weiter verbessert. Das ist entscheidend: Anwender müssen einen Nutzen, einen echten Mehrwert von unseren Technologien haben. Nur dann ist das Gerät auch über Jahre erfolgreich und wird entsprechend nachgefragt. Hier sind wir strategisch weit vorne und können mit unseren mehr als 500 Entwicklern eine enorme Bandbreite abdecken. Ein ganz entscheidender Faktor ist natürlich auch der Preis.

Sie wollen also Kosten senken? Herr Grebe, SMA wird für seine technologischen Innovationen immer wieder mit Preisen ausgezeichnet. Gibt es hier Neues zu berichten? Roland Grebe: Ja, zum Beispiel sind wir dieses Jahr u. a. für das innovativste Solar-Produkt 2010 ausgezeichnet worden. Genauer gesagt für den Sunny Tripower, ein Solar-Wechselrichter, mit dem wir fünf technologische Weltneuheiten in einem Gerät realisiert haben. „Optiflex“, eine der neuen Technologien, sorgt zum Beispiel dafür, dass der Installateur bei der Planung der

Roland Grebe: Richtig. Wir arbeiten in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe unternehmensweit daran, die Preise unserer Wechselrichter in den nächsten Jahren signifikant weiter zu senken. Hier geht es um schlanke Prozesse, Materialfragen, Gerätedesign, Servicefreundlichkeit und so weiter. Also um den ganzen Bereich der Total Cost of Ownership, kurz TCO. Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt wird auf der Leistungssteigerung liegen, um dadurch die Systemkosten weiter zu reduzieren. Entscheidend sind Kostensenkungen auf allen Ebenen, zum Beispiel auch in der Erschließung neuer Methoden in der Technologieentwicklung. SMA MAGAZINE 「 17 」


「 」 Qualitätsprüfung nach jedem Produktionsschritt: Der Kombination aus automatischer Kontrolle und menschlichem Auge entgeht nichts.

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Können Sie dafür ein Beispiel nennen? Roland Grebe: „Rapid Prototyping“ wäre eines der Stichworte. Ein hoch effizientes Verfahren, das schnelle Ergebnisse liefert. Man braucht nicht alle Einzeldisziplinen, um zu belegen, dass eine bestimmte Technik funktioniert. Für uns ist dabei zudem entscheidend, dass die Einteilung in Kompetenzfelder zur „Entkomplizierung“ und Reduzierung von Komplexität beiträgt. Jede einzelne Einheit ist für sich handlungsfähig und liefert Ergebnisse, die am Ende des Prozesses alle zusammenpassen. Das spart Kosten, die sich wiederum in reduzierten spezifischen Gerätepreisen niederschlagen. Matthias Vössing: … ohne dabei Zugeständnisse an die Qualität und Langlebigkeit zu machen. Für viele Unternehmen ist das ja der Weg. Man verzichtet auf das ein oder andere Prüfverfahren und nimmt Einschränkungen beim Material in Kauf, um so die Preise zu senken. SMA verfolgt da eine völlig andere Strategie. Wir erreichen Kostensenkungen durch technologischen Fortschritt, indem wir massiv in Forschung und Entwicklung investieren und weil wir unsere Produkte ständig verbessern. SMA Wechselrichter sind auf eine Lebensdauer von weit über 20 Jahren ausgelegt, das ist für ein elektronisches Produkt eine enorm lange Zeit. Die ersten von SMA 1990 in Serie gefertigten Wechselrichter, die PV-WR, sind zum Beispiel heute noch in Betrieb. Wenn man bedenkt, wie viele technologische Quantensprünge wir seitdem gemacht haben, kann man sich vorstellen, welche Lebensdauer unsere heutigen Geräte mitbringen. Bei der Optimierung unserer Prozesse orientieren wir uns ja auch ganz klar an den Bedürfnissen unserer Kunden. Und die erwarten – ganz zu Recht – langlebige und zuverlässige SolarWechselrichter.

Wie sieht Qualitätssicherung denn ganz konkret aus bei SMA? Matthias Vössing: In der Fertigung findet nach jedem einzelnen Produktionsschritt eine umfassende Qualitätsprüfung statt – elektronisch und durch erfahrene Mitarbeiter. Bevor ein Wechselrichter in die Auslieferung zum Kunden geht, wird er in einem Dauertest auf Herz und Nieren geprüft. Wir verfügen über ein komplettes Testzentrum, in dem wir schon in der Entwicklungsphase unsere Wechselrichter zahlreichen Prüfverfahren unterziehen. Wir können hier auch langjährige Feldtests durch Simulationen im Labor „ersetzen“. So erreichen wir nicht nur garantierte Sicherheits- und Qualitätsstandards und die Reproduzierbarkeit der Testergebnisse, sondern sparen auch Zeit und Kosten. Roland Grebe: Qualitätssicherung ist dabei nichts, was sich auf ein oder zwei Abteilungen beschränken würde. Den Anspruch, technologisch anspruchsvolle, qualitativ hochwertige und langlebige Wechselrichter zu bauen, findet man bei SMA in jedem Bereich, in jeder Abteilung, bei allen Mitarbeitern. Uns geht es zusätzlich aber auch darum, die Installation immer einfacher zu

machen, das komplette Leistungsspektrum abzudecken und sich von der asiatischen Konkurrenz zu differenzieren. Nur so funktioniert Technologieführerschaft dauerhaft.

Ist das überhaupt machbar? Roland Grebe: Niemand sagt, dass es einfach ist. Die Herausforderungen sind groß und die Konkurrenz wächst. Aber der Bereich der Systemtechnik ist seit vielen Jahren technologiegetrieben. Das ist ein wesentlicher Grund, warum nur sehr wenige asiatische Wechselrichter-Hersteller erfolgreich sind. Da fehlt es schlicht an Know-how. 2009 haben wir unseren weltweiten Marktanteil nach eigenen Schätzungen von ca. 38 auf über 40 Prozent gesteigert und den Abstand zu unseren Wettbewerbern nochmals vergrößert. Wir können all das, weil wir uns auf das Thema Technologie konzentriert haben.

Wodurch unterscheidet sich SMA denn von anderen Unternehmen in der Branche? Matthias Vössing: Wir sind Technologieführer im Bereich Solar-Wechselrichter und halten ein Produktportfolio für alle Anwendungen, jede Leistungsklasse und alle Modultypen vor. Zusätzlich profitieren wir von einem starken internationalen Vertriebs- und Servicenetz und reagieren mit größtmöglicher Flexibilität kurzfristig auf Schwankungen des Marktes. Kein anderes Unternehmen kann das für sich in Anspruch nehmen.

SMA bringt fünf bis sechs Innovationen pro Jahr auf den Markt. Halten Sie das auch in Zukunft durch? Roland Grebe: Ja, das haben wir uns fest vorgenommen. Und bisher ist es uns auch immer gelungen. Entscheidend für die Zukunft ist das, was alle unsere neuen Produkte auszeichnet: Sie sind noch einfacher zu installieren, ihr Wirkungsgrad wurde erneut verbessert, sie haben darüber hinaus eine erweiterte Funktionalität und sind dabei – bezogen auf den Verkaufspreis pro Watt – günstiger als die jeweilige Vorgängergeneration. Unser Technologievorsprung ist dabei ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil und stellt insbesondere für neue Mitbewerber eine bedeutende Markteintrittsbarriere dar. Deshalb bauen wir auch die Entwicklungskapazitäten weiter aus. Für 2010 planen wir eine Erhöhung des Entwicklungsbudgets um mehr als 40 Prozent auf ca. 80 Mio. Euro.

Sie gehen also ganz offensichtlich von einem weiteren Wachstum der Photovoltaik aus … Roland Grebe: Nicht nur das. Die Photovoltaik wird aus unserer Sicht eine der künftigen Schlüsselindustrien sein. Unverzichtbar für den Klimaschutz und mit dem Potenzial, den Technologiestandort Deutschland für die Zukunft zu rüsten. Deswegen sind weitere Investitionen in Forschung und Entwicklung auch so wichtig, um die Kosten weiter senken zu können. Und natürlich muss die Technik bzw. die Installation immer einfacher werden. Wir haben da schon mit der Erfindung der String- und Multistring-Technologie einen echten Meilenstein gesetzt. Erst durch die so dramatisch vereinfachte Installation konnte jeder Elektrotechnik-Fachhandwerker problemlos eine Solar-Anlage aufbauen. Das hat natürlich entscheidend zur Verbreitung der Photovoltaik beigetragen. SMA MAGAZINE 「 19 」


Matthias Vössing: Der wichtigste Schritt auf dem Weg zu einer 100-prozentigen, dezentralen, regenerativen Energieversorgung wird das Erreichen der Netzparität sein. Also der Zeitpunkt, ab dem Solarstrom zu gleichen Preisen abgegeben werden kann wie konventioneller Haushaltsstrom. Für Deutschland halten wir 2013 für realistisch.

Bis 2020 soll die Photovoltaik laut Studien* bis zu zwölf Prozent zur elektrischen Energieversorgung in Deutschland beitragen. Was hat SMA sich vorgenommen? Matthias Vössing: Eine ganze Menge. In Deutschland wird z. B. zunehmend der Eigenverbrauch von Solarstrom interessant. Hier geht es um die intelligente Steuerung der Verbraucher, aber auch um lokale, dezentrale Speicheranwendungen. Die Weiterentwicklung unserer Backup-Systeme liefert heute schon die technischen Voraussetzungen für diese neuen Anforderungen. Im Bereich der Netzintegration von großen Solar-Kraftwerken erfüllen unsere Wechselrichter ebenfalls heute schon alle Anforderungen der Mittelspannungseinspeisung. Und wir wollen die Kommunikationsfunktionen des Wechselrichters weiter ausbauen, um so den Wechselrichter noch stärker als „Systemmanager“ zu positionieren. Roland Grebe: Wir sind gut aufgestellt und werden vier strategische Schwerpunktthemen fokussieren: die systematische Reduktion der spezifischen Preise unserer Wechselrichter, die Weiterentwicklung der Systemtechnik für die Optimierung der dezentralen Energieversorgung durch Photovoltaikanlagen, also Themen wie „Smart Grids“ oder „Eigenverbrauch des Solarstroms“, den weiteren Ausbau der Technologieführerschaft und das Wachstum in den Auslandsmärkten. Wir sind davon überzeugt, dass SMA so in jeder Hinsicht zukunftsfähig ist. Herr Grebe, Herr Vössing, vielen Dank für das Gespräch! *SET 2020, EPIA

INFO // Anlagenbetreiber profitieren von der Förderung des Solarstroms auf Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Es verpflichtet den örtlichen Netzbetreiber, den Betreibern den Solarstrom zu erhöhten Vergütungssätzen abzukaufen. Diese Vergütung ist für das Jahr der Inbetriebnahme und die folgenden 20 Jahre gesetzlich garantiert. Ebenfalls gesetzlich geregelt: Die Vergütung für Solarstrom wird jedes Jahr weiter reduziert, um den sinkenden Anlagenkosten Rechnung zu tragen. Je nach Standort können Betreiber mit einer Solarstromanlage attraktive Renditen erzielen. Eine Investition also, die sich rechnet. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. lässt sich Solarstrom zudem bereits in wenigen Jahren auf deutschen Dächern zu Kosten erzeugen, die dem Niveau herkömmlicher Verbraucher-Stromtarife entsprechen. Auch die hohe Investitionsbereitschaft der Bürger trägt maßgeblich zur erfolgreichen Entwicklung der Solar-Energie und zur „Netzparität“ bei. Laut einer aktuellen FORSA-Umfrage sind 71 Prozent der Bevölkerung bereit, über ihre Stromrechnung einen signifikanten Beitrag für den Ausbau der Photovoltaik zu leisten. 「 20 」 SMA MAGAZINE

「 」 Immer besser werden und in die Forschung investieren: Matthias Vössing.


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HIGHTECH-WUNDER // WECHSELRICHTER VON SMA SIND DAS HERZSTÜCK JEDER SOLAR-ANLAGE. SIE ERLEICHTERN INSTALLATEUREN NICHT NUR DIE ARBEIT, SONDERN VERSCHAFFEN DEN BETREIBERN AUCH MAXIMALE ERTRÄGE UND HOHE INVESTITIONSSICHERHEIT. NICHT ZULETZT STEHEN SIE FÜR DEN TECHNOLOGISCHEN VORSPRUNG DES UNTERNEHMENS.

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DIE AUSGEREIFTE KONSTRUKTION DES SUNNY BOY 5000TL SPRINGT INS AUGE: MAXIMALE INTEGRATION DER KOMPONENTEN. NICHT EIN TEIL ZU VIEL. UND ALLES AM RICHTIGEN PLATZ. DAS ERGEBNIS: PERFEKTE FUNKTION – UND KOSTENGÜNSTIGE PRODUKTION.

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OBERER GEHÄUSEDECKEL

「 10 」 DATAMODUL RS485

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UNTERER GEHÄUSEDECKEL

「 11 」 DC-DROSSEL

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ESS-EINBAUBUCHSE

「 12 」 AC-DROSSEL

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DC-ANSCHLUSSPLATTE MIT SUNCLIX-STECKVERBINDERN

「 13 」 AC-FEDERZUG-KLEMMBLOCK

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ESS-GRIFF

「 14 」 ALLSTROMSENSITIVE FEHLERSTROM-ÜBERWACHUNGSEINHEIT

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ESS-BAUGRUPPE

「 15 」 LÜFTER MIT LÜFTERKÄFIG

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HALBLEITERMODUL

「 16 」 ALUMINIUM-DRUCKGUSSGEHÄUSE

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DISPLAYBAUGRUPPE

「 17 」 DICHTUNGSSTOPFEN

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AST-BAUGRUPPE

「 18 」 KLEINE UND GROSSE KABELVERSCHRAUBUNG

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Electronic Solar Switch (ESS) Diese SMA Technologie aus dem Jahr 2006 brachte mehr Sicherheit und eine vereinfachte Installation: der Electronic Solar Switch (ESS). Mit diesem Lasttrennschalter konnte SMA als erster Hersteller eine integrierte Lösung anbieten, um den Wechselrichter sicher vom Solar-Generator zu trennen. Zusätzlich entfällt jeder Installations- und Montageaufwand. Damit garantiert der ESS höchste Bediensicherheit bei allen Installations- und Wartungsarbeiten.

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Grafikdisplay Mit der kabellosen Kommunikation über den Funkstandard Bluetooth® und das moderne Grafikdisplay hat SMA noch mehr Komfort und Anwenderfreundlichkeit in seine Wechselrichter eingebaut: Bis zu 50 Wechselrichter können drahtlos miteinander kommunizieren. Zur besseren Verständlichkeit werden die aktuellen Anlagenwerte zum ersten Mal übersichtlich und schnell erfassbar als Grafik angezeigt. Über den reibungslosen Anlagenbetrieb und alle relevanten Tageswerte können sich Betreiber zudem erstmalig auch abends informieren: Auf besonderen Wunsch der Kunden ist das SMA Display auch nach Sonnenuntergang funktionstüchtig. SMA MAGAZINE 「 27 」


VON REALISTEN UND VISIONÄREN // STRAFFE ORGANISATION UND MAXIMALE FREIRÄUME – BEI SMA KEIN WIDERSPRUCH. SONDERN DAS FUNDAMENT FÜR WACHSTUM UND TECHNOLOGIEFÜHRERSCHAFT. 「 」 Gemeinsam durch dick und dünn: Günther König, Leiter der Sunny Boy-Produktion (links), und Uwe Hertel, Vorstand Operatives Geschäft.

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Wie wird ein Unternehmen zum weltweit anerkannten Technologieführer? Und wie bauen die Mitarbeiter eine solche Positionierung erfolgreich aus – in einer Branche, die jeden Tag neue Herausforderungen parat hat? Zum Beispiel durch ein breites Produktspektrum und flexible Arbeitsprozesse. Mit einer Unternehmenskultur der Transparenz und Mitarbeiterbeteiligung. Oder durch technologische Innovationen und kontinuierliche Kostensenkungen. Die Antworten sind ganz unterschiedlich, je nachdem, wen man fragt bei SMA. Am Ende stellt man fest: Erfolg ist, wenn alles zusammenpasst.

„SMA steht für das Wissen von über 500 Entwicklern. Und für eine außergewöhnliche Flexibilität. Zusammen mit unseren fast 30 Jahren Erfahrung in der Systemtechnik ist das eine ordentliche, zukunftsfähige Basis, denke ich.“ Das sagt Bernd Engel, der den Bereich Technologieentwicklung bei SMA leitet, mit Stolz. Die besondere Herausforderung sei es, das seit Jahren anhaltende Wachstum mit ständigen Innovationen und dem nötigen Aufbau von zukunftsfähigen Strukturen in Einklang zu bringen. „Als ich hier vor sieben Jahren anfing, waren wir noch keine 700 Mitarbeiter. Heute sind wir über 5000“, sagt der Entwicklungsingenieur, den vor allem die Arbeit im Bereich erneuerbarer Energien in das hessische Niestetal zog. Das hohe technische Niveau, auf dem bei SMA der Bereich Technologie schon damals gewesen sei, habe ihn beeindruckt – ebenso wie die ausgeprägte Spezialisierung und Prozessorientierung.

Kostensenkungen als Wegbereiter für „Grid-Parity“

「 」 Kostensenkungen durch „Innovationen unter der Haube“: Matthias Victor arbeitet an der Energieversorgung von morgen – und ist seiner Zeit weit voraus.

Um die Technologieführerschaft weiter auszubauen, setzt man in der Tat auf ein hoch flexibles Geschäftsmodell, straffe Prozesse und die Innovationsstärke der Mitarbeiter. Mit Erfolg: Solar-Wechselrichter von SMA sind seit fast drei Jahrzehnten weltweit die technologisch führenden Geräte im Solar-Markt. Gerade unter härter werdenden Markt- und Wettbewerbsbedingungen investiert das Unternehmen verstärkt in Forschung und Entwicklung: Über 500 Entwickler arbeiten an mindestens fünf, wenn möglich sechs Innovationen im Jahr. Hierzu gehören neue Produkte, mit denen SMA das mit Abstand breiteste Portfolio am Markt bietet und innovative Technologien, die zum Beispiel die Installation oder Planung von Solarstromanlagen erheblich vereinfachen. Ein Engagement, das sich auszahlt: Erst im März 2010 hat das Unternehmen für die weltweit neuartigen Technologien im neuen Wechselrichter „Sunny Tripower“ wieder einmal einen renommierten Innovationspreis erhalten. „Innovationen unter der Haube“ nennt das Matthias Victor. Er leitet die Technologieentwicklung und denkt bei dem Wort „Innovation“ automatisch das Thema „Kostenreduzierung“ mit. Denn marktfähige Preise sind eine Grundvoraussetzung dafür, die sogenannte „Grid-Parity“ zu erreichen: Prognosen zufolge kann Solarstrom dann schon in wenigen Jahren mit konventionellem Strom konkurrieren. „Also arbeiten wir daran, jedes Jahr die spezifischen Kosten unserer Produkte, also den Preis pro Kilowatt, weiter zu senken“, erzählt der Ingenieur. SMA MAGAZINE 「 31 」


「oben」 Technologieführerschaft als Ergebnis von Innovationsstärke und Teamarbeit: Anh Tuan Luong, Harald Drangmeister und Bernd Engel (v. l. n. r.) fühlen sich im Entwicklungslabor zu Hause. 「rechts」 Dienstleister zu Partnern machen: Günther Häckl, verantwortlich für den Einkauf und einen reibungslosen Materialfluss.

Strategische Planung und Kundennähe statt „Happy Engineering“

Technologien macht. Die Ansätze dazu kommen zum Teil aus den Vorgaben von Produktmanagement und Vertrieb, wegen der direkten Nähe zu den Kunden, und zum Teil aus den Ideen der Mitarbeiter und Ingenieure", sagt Bernd Engel.

Bernd Engel nickt. Es geht um die sogenannten Total Cost of Ownership, kurz TCO. Bei SMA ein bedeutendes Thema, vor allem im Segment Großanlagen. Für die Solar-Kraftwerke im Megawattbereich bietet das Unternehmen nicht nur die passenden Zentral-Wechselrichter an. Sondern ein ganzes Paket an zusätzlichen Leistungen und Services, die genau auf die Bedürfnisse der Kunden in diesem Segment zugeschnitten sind. Und weil es hier um gewaltige Leistungen geht, spielen die Kosten eine besonders gewichtige Rolle. Allein in der sogenannten Plattformentwicklung beschäftigen sich über 20 Projektteams mit dem Thema „Design to Cost“, also der Berücksichtigung aller Kosten schon im frühen Entwicklungsstadium einer neuen Wechselrichter-Generation.

Während sich die Technologieentwicklung auf nur einen Prototypen bezieht, an dem neue Technologien exemplarisch getestet werden, entwickelt die Vorentwicklung produktnahe Labormuster zum Nachweis von Eigenschaften und zur Minimierung von technischen Risiken. Erst die Produktentwicklung befasst sich mit der Frage, ob sich die Technik auch bei einer Vielzahl von Geräten effizient und funktionell einsetzen lässt – und schafft so die Basis für die Serienfertigung.

Die klare Teilung in unterschiedliche Kompetenzfelder und die strenge Orientierung an der Unternehmensstrategie vermeidet dabei das sogenannte „Happy Engineering“: „Ingenieure, die sich für Technik begeistern, tendieren manchmal dazu, sich eher auf die letzte Optimierung zu konzentrieren, als die Markteinführung des Produktes konsequent zu verfolgen. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass Produkte am Kunden vorbei entwickelt werden und es dann schwer auf dem Markt haben“, erklärt Matthias Victor. Bei SMA hingegen stehen die Anforderungen der Kunden im Mittelpunkt der Technologieentwicklung. Hier dreht sich alles um Themen wie Kostenoptimierung, Performancesteigerung, Netzintegration, Generatordiagnose, Qualität oder Installations- und Servicefreundlichkeit. „Alles Bausteine für die Vorentwicklung, die daraus Funktionsmuster für neue Einheiten und

SMA ist dabei weit mehr als „nur“ größter Hersteller von Solar-Wechselrichtern. Das Unternehmen ist ebenso weltweit anerkannter Technologieführer im Bereich Systemtechnik. Ob Gerät, Netz oder System: Die wichtigsten technologischen Innovationen in der Photovoltaik kamen bisher von SMA. Dabei ging und geht es nicht nur um hohe Wirkungsgrade, die sich bei SMA Wechselrichtern auf die 99 Prozent zubewegen. Die Entwickler arbeiten zudem unter Hochdruck an Lösungen, mit denen die Geräte noch schneller und einfacher installiert werden und zusätzliche Aufgaben übernehmen können. Die Zukunft, so Engel, liege darin, dass der Wechselrichter bei einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung zentrale Aufgaben wie zum Beispiel das Netzmanagement übernehmen könne. „Unsere Wechselrichter sind technologisches Herzstück einer Solar-

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Die Zukunft liegt in der Intelligenz des Wechselrichters


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Anlage und heute schon für künftige Anforderungen ausgelegt. Wir bieten intelligente Funktionen an, die unsere Mitbewerber so noch nicht abdecken können. Diesen technologischen Vorsprung wollen wir natürlich erweitern und weltweit Marktanteile dazugewinnen“, so Engel.

In Funktionalität, Qualität und Verfügbarkeit die Vorstellungen der Kunden treffen Damit das reibungslos funktioniert, arbeiten auch Produktion und Einkauf gemeinsam mit den Entwicklern daran, die führende Rolle des Unternehmens weiter auszubauen. Die Ingenieure der Produktionstechnik sind schon zu einem frühen Zeitpunkt in die Entwicklung neuer Produkte eingebunden. Von Beginn an sollen sie nicht nur die Leistungsfähigkeit des Produktes im Fokus haben, sondern auch kostengünstige Fertigungs- und Prüfbarkeitsstrategien mitentwickeln. „Nur weil wir diese Dreifachperspektive haben, entstehen Produkte, die in Funktionalität, Qualität und Verfügbarkeit die Vorstellungen unserer Kunden treffen. Würden wir hier nicht eng zusammenarbeiten, wären unsere Produkte bei weitem nicht so erfolgreich“, ist sich Uwe Hertel sicher. Er verantwortet das operative Geschäft und nimmt auch an den regelmäßigen Forecast-Runden teil. „Wir schätzen den Kundenbedarf ein und leiten daraus Informationen für unsere Lieferanten ab. Dann planen wir die kommenden beiden Wochen – wobei wir bis zu 30 Prozent der Aufträge innerhalb von einem Tag nach Auftragseingang bei unseren Kunden anliefern – wenn die Rahmenbedingungen es erlauben.“

Technologieführerschaft bedeutet auch, hohe Verantwortung zu tragen

「 」 Der Service wächst mit, die Wege werden kürzer: Service-Chef Souleymane Niang zu Besuch in seinem neuen Büro.

„Die eigentliche Herausforderung sind die extremen Schwankungen im Solar-Markt. Wir müssen einerseits sehr genau planen, aber zugleich immer flexibel genug sein, um die Schwankungen sofort abfedern zu können“, erklärt sein Kollege Günther König, der seit zwölf Jahren für die Produktion der Sunny Boy-Wechselrichter verantwortlich ist. Um Lieferengpässe bei den Komponenten zu vermeiden, arbeitet das Unternehmen intensiv mit an der Weiterentwicklung seiner Lieferanten. „Wir verstehen uns als Partner unserer Dienstleister, ganz klar. Es gibt regelmäßige Gespräche, um ganz konkrete Anhaltspunkte für Verbesserungen zu liefern. Und wir sehen zu, dass wir alle unsere Dienstleister kontinuierlich über künftige Herausforderungen informieren. So können sie sich entsprechend den Anforderungen mitentwickeln“, erläutert Günther Häckl, Bereichsleiter Einkauf und Materialwirtschaft, einen der Kernprozesse im Unternehmen. Sein Kollege Souleymane Niang, der den Bereich „Service“ bei SMA verantwortet, ergänzt: „Wir sind weltweit führend im Bereich der Systemtechnik und übernehmen damit große Verantwortung. Deswegen wächst auch unser Serviceangebot ständig mit.“ Das sind Leistungen in Beratung, Support und technischer Unterstützung, die SMA den Kunden in aller Welt anbietet. „Sobald wir eine neue Niederlassung gründen, haben wir auch den entsprechenden Service vor Ort. Einen großen Teil der Anfragen bearbeiten wir natürlich von hier aus. Dafür brauchen wir hervorragend ausgebildete Fachkräfte und die entsprechende Infrastruktur“, so Niang, dessen neues Büro in einigen Wochen bezugsfertig sein wird – zur Zeit aber noch Baustelle ist. Er ist froh, dass die weiten Wege dann der Vergangenheit angehören, denn das neue Servicecenter entsteht in unmittelbarer Nähe zur Produktion. „Von hier bis zum Solar-Werk 1 sind es zu Fuß nur drei Minuten. Dann passt auch endlich die räumliche Struktur zu unserer inhaltlichen Vernetzung.“ SMA MAGAZINE 「 35 」


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Flexibilität als entscheidender Wettbewerbsvorteil Kurze Lieferzeiten auch bei starken Schwankungen der Nachfrage – Diese Strategie geht nicht immer auf. „Seit dem ersten Quartal 2010 ist der Weltmarkt für elektronische Bauteile wie leergefegt. Zugleich haben wir eine extreme Nachfrage nach Wechselrichtern. Den Lieferengpass können wir auch durch die hohe Qualifizierung unserer Lieferanten und eine ausgeklügelte Second Source-Strategie nicht auffangen“, erzählt Häckl und ergänzt: „Ein derartiger Mangel an Komponenten ist extrem selten und das Ende eines solchen Engpasses in der Regel absehbar. Damit wir für die Zukunft gut aufgestellt sind, ist aber der nachhaltige Ausbau unserer Kapazitäten ganz entscheidend.“ Und der dürfte gesichert sein: Der Bau einer zweiten Fabrik in Deutschland und weiterer Werke in den USA sind bereits in vollem Gange. So wird das Unternehmen seine Gesamtkapazitäten mittelfristig von ca. vier auf etwa elf Gigawatt mehr als verdoppeln. Der Effekt: kurze Lieferzeiten und – dank des modularen Konzepts – weiterhin maximale Flexibilität. „Die neuen Werke können wir schrittweise einem wachsenden Bedarf anpassen. Diese Flexibilität und das erfolgreiche Generieren neuer Ideen sind aus meiner Sicht ein großer Wettbewerbsvorteil und ganz besondere Stärken, die wir uns bei allem künftigen Wachstum erhalten müssen“, so Günther König.

Innovationen bergen unverkennbar Risiken Genügend Raum für neue Ideen schaffen: eine große Herausforderung in einem schnell wachsenden Unternehmen. Denn bekanntlich haben es auch gute Ideen nicht immer leicht, sich durchzusetzen. Keiner weiß das besser als Innovationsmanager Carsten Gundlach. Seine Aufgabe ist es, Innovationen konsequent zu verfolgen und voranzutreiben. Er selbst bezeichnet sich als „Anwalt der Ideen“ und reagiert zuweilen etwas ungehalten, wenn ein Unternehmen mit Innovationen wirbt, die eigentlich keine sind: „Innovationen boomen, und sie sind eines der beherrschenden Themen in Unternehmen, der Politik und der Gesellschaft. Allerdings wird der Begriff häufig missbraucht. Mangels Masse muss dann auch mal ein Verpackungsrelaunch als „Innovation“ herhalten. Erfolgreiche Unternehmen kennzeichnen ihre Marktposition durch wirklich innovative Produkte und verschaffen sich dadurch Wettbewerbsvorteile“, sagt Gundlach. So wie SMA. Mit Innovationen seien aber auch unverkennbar Risiken und manchmal auch Fehlschläge verbunden. Oft würde ein Unternehmen mit einer Innovation absolutes Neuland betreten, wodurch die technische Realisierung neuer Produkte schwieriger werde als zu Anfang vermutet. Ebenso schwer kalkulierbar sei die Reaktion, wie der Markt bzw. die Kunden die Innovation annehmen. Dementsprechend wichtig für SMA sei ein erfolgreiches Management von Innovationen und dessen Entstehungsprozess, sagt Gundlach.

Ungewöhnliche Perspektiven helfen, strategische Innovationen frühzeitig zu erkennen

「 」 Ideen brauchen ungewöhnliche Perspektiven: Carsten Gundlach ist Spezialist in der Früherkennung potenzieller Innovationen.

Ziel ist es, strategische Innovationen frühzeitig und systematisch zu erkennen, um daraus Roadmaps für die zukünftigen Entwicklungsaktivitäten zu erstellen. „Es geht darum, immer wieder neue und ungewöhnliche Perspektiven zu entwickeln, um in einem Markt mit zunehmendem Wettbewerb bestehen zu können. Schließlich müssen sich unsere Produkte deutlich von denen der Wettbewerber abheben.“ Dass Innovation und Zuverlässigkeit dabei kein Widerspruch sein dürfen, ist für Gundlach ein wichtiger Aspekt. „Bei SMA MAGAZINE 「 37 」


SMA gibt es im Innovations- und Produktentwicklungsprozess ausgeklügelte „Quality Gates“. Erst wenn diese Zwischenschritte erfolgreich absolviert wurden, geht es weiter zur nächsten Entwicklungsphase.“ Dieses Vorgehen wendet das Unternehmen bis zur Serienfreigabe an und stellt so sicher, dass nur qualitativ hochwertige Neuerungen auf den Markt kommen. Elementar sei es, so Gundlach, einen Mehrwert zu erzielen, für den der Kunde auch bereit sei zu zahlen. „So banal das vielleicht klingt, so wichtig ist es.“ Außerdem seien gute Ideen manchmal ihrer Zeit so sehr voraus, dass sie zunächst nicht ernst genommen würden. „Aber“, so Gundlach, „nichts ist reifer als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“.

Was heute Realität ist, wurde vor 30 Jahren belächelt Wie schwer man es mit neuen Ideen zuweilen hat, das bekamen die drei Gründer Anfang der achtziger Jahre selbst zu spüren. Denn was heute Realität ist, wurde damals noch belächelt: intelligente Systemtechnik zu entwickeln, um so der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien zum Durchbruch zu verhelfen. „Wir waren überzeugt davon, dass eine dezentrale Energieversorgung durch erneuerbare Energien wie Wind- oder eben Solar-Technik nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Aber außer uns haben das 1981 bei der Gründung des Unternehmens nur wenige so gesehen“, sagt Vorstandssprecher Günther Cramer heute lächelnd. Als 1990 der erste in Serie gefertigte Solar-Wechselrichter von SMA auf den Markt kam, sei das eine wichtige Bestätigung gewesen. Das enorme Wachstum der Photovoltaik und des Unternehmens hätten sie sich zwar auch zu diesem Zeitpunkt nicht träumen lassen. Aber dass es sich lohnen würde, hier weiter zu machen, darüber seien sie sich alle einig gewesen. Wie recht sie damit hatten, zeigt sich heute. Knapp eine Milliarde Umsatz machte das Unternehmen 2009 und lieferte von der Gründung bis heute Wechselrichter mit einer Gesamtleistung von knapp acht Gigawatt aus. Zu Zeiten maximaler Sonneneinstrahlung liefern sie etwa so viel Energie wie sechs große Kernkraftwerke.

Technologiewissen zu teilen, ist gelebte Partnerschaft zum Fachhandwerk Der Erfolg ließ in den letzten Jahren auch den Bedarf an Fachseminaren gewaltig nach oben klettern: In der hauseigenen Solar-Akademie werden jedes Jahr Installateure und Solar-Interessierte aus der ganzen Welt zu neuen Produkten und Technologien aus dem Hause SMA geschult. Weil die Wartelisten immer länger wurden, beschloss man schließlich, die Kapazitäten auf mindestens 6.000 Teilnehmer pro Jahr zu erweitern und ein neues Schulungszentrum zu bauen. Wie immer bei SMA ist das kein gewöhnliches Seminargebäude, sondern ein hochmoderner Hightech-Bau, der sich völlig netzautark mit PV-Strom und anderen erneuerbaren Energien als sogenanntes „Inselsystem“ selbst versorgt. Akademieleiter Marc Clinckaert erläutert das Konzept: „Die Technikzentrale oberhalb des ersten Stockwerks steuert den Inselbetrieb – für jeden Besucher einsehbar. Je nach Ladezustand des Batteriesystems wechselt die Beleuchtung. Grün, wenn die Batterien voll geladen sind, und rot, wenn ihr Ladezustand gering ist. Wir setzen den Energiebedarf bewusst in Szene, um für einen effizienten Umgang mit Energie zu sensibilisieren.“ Vor allem aber soll Technologiewissen geteilt werden, denn die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Fachhandwerkern ist fest verwurzelt in der Firmenphilosophie. „Wir wollen genügend Raum zum Lernen und Austausch schaffen und den Fachhand「 38 」 SMA MAGAZINE

「 」 Mit über 6.000 Seminarteilnehmern im Jahr Technologie- und Produktwissen teilen: Marc Clinckaert, zufriedener Leiter der Solar-Akademie.


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werkern dadurch einen entscheidenden Wissensvorsprung im Wettbewerb ermöglichen“, so Clinckaert. Nach und nach übernehmen auch die Niederlassungen das Akademiekonzept. Denn über die neuesten SMA Technologien wollen Fachhandwerker heute rund um den Globus Bescheid wissen.

Überall auf der Welt entstehen neue Solar-Märkte 13 Niederlassungen gründete SMA in den letzten Jahren weltweit. Und dabei wird es voraussichtlich nicht bleiben. Vielversprechende neue Märkte ausfindig zu machen, ist u.a. Aufgabe von Jeanette Klockgether, die Ende 2009 zu SMA wechselte und heute den Vertriebsbereich „Overseas“ leitet. Sie war vom ersten Tag an beeindruckt von der Schnelligkeit, die bei SMA auf allen Ebenen herrscht. „Und davon, dass hier wirklich alle an einem Strang ziehen – auch und gerade, wenn es besonders hoch hergeht.“ Die studierte Elektrotechnik-Ingenieurin war jahrelang in führender Position bei einer großen Nachrichtenagentur beschäftigt, fand aber die Stellenausschreibung von SMA so spannend, dass sie sich bewarb. „Ich wollte gerne in einem internationalen Unternehmen mit technologischem Hintergrund arbeiten. Dass es bei SMA auch noch um erneuerbare Energien geht, war ein weiterer Pluspunkt“, erzählt die Bereichsleiterin, die gerne wieder globale Aufgaben wahrnehmen wollte. Die Photovoltaik habe weltweit ein enormes Potenzial, das sei ihr bei SMA schnell klar geworden. Das ErneuerbareEnergien-Gesetz diene in vielen Ländern als Vorbild und sei ein wichtiger Schritt für die weltweite Verbreitung der Photovoltaik. „Das Geschäft wird immer internationaler, und es ergeben sich exzellente Wachstumschancen. SMA agiert vorausschauend und baut weltweit neue Werke auf. Das halte ich für extrem wichtig, allein schon der Kundennähe wegen und um vor Ort Wertschöpfung zu betreiben“, so Jeanette Klockgether. „Und überall werden leistungsfähige Wechselrichter gebraucht, die an die länderspezifischen Bedingungen bestmöglich angepasst sind.“

Künftige Trends der Gesellschaft fließen in die Entwicklung neuer Produkte ein

「 」 Jeanette Klockgether, Bereichsleiterin Overseas: unterwegs, neue SolarMärkte zu erobern.

Der Druck für die Entwickler ist entsprechend groß. „Die Freiheit aber auch“, findet Matthias Victor. „Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, weil man hier in extrem langfristigen Projekten steckt. Dafür arbeite ich an Themen, die unsere künftige Energieversorgung prägen werden. Man muss eben der Typ dafür sein“, sagt er und verabschiedet sich in die Arbeitsgruppe „Szenarien“. Gemeinsam mit dem Vorstand diskutieren die Ingenieure hier künftige Trends der Gesellschaft, wie die Veränderung der Energieversorgung oder die Elektrifizierung netzferner Gebiete. Die Ergebnisse haben Einfluss auf die langfristige Unternehmensstrategie und werden in die Entwicklung neuer Produkte einfließen. Dabei geht es zum Beispiel um die Zwischenspeicherung überschüssiger Energie oder die Entwicklung sogenannter „Smart Grids“: Sie schalten die verschiedenen Stromverbraucher abhängig vom Energieangebot ein oder aus und berücksichtigen dabei sowohl den Energiebedarf der jeweiligen Geräte als auch die prognostizierte Erzeugung. So wird die Waschmaschine automatisch zur Mittagszeit eingeschaltet oder der Gefrierschrank kühlt nur tagsüber herunter, um über Nacht die niedrige Temperatur zu speichern. In nicht allzu ferner Zukunft würden diese Szenarien zum alltäglichen Leben gehören, ist sich Matthias Victor sicher. Ob Visionär oder Realist – die Entwickler bei SMA wären ihrer Zeit auch dann wieder Jahrzehnte voraus. Wie es sich gehört für einen Technologieführer. SMA MAGAZINE 「 41 」


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DIE SPITZE DES EISBERGS // ÜBER WACHSTUM, INGENIEURSKUNST UND WISSENSSCHÄTZE UNTER DER UNTERNEHMENSOBERFLÄCHE.

Die Photovoltaik ist eine sich rasant entwickelnde Technik – SMA gilt als Technologie- und Innovationsführer der Solar-Branche. Damit potenzieren sich die Herausforderungen an das Wissensmanagement. Denn Wissen vermehrt sich bekanntlich nur, wenn es geteilt wird. Sagt Mike Meinhardt. Kaum einer weiß besser, wie viel Entwicklungskompetenz hinter marktreifen SMA Technologien steckt.

Mike Meinhardt ist promovierter Ingenieur der Elektrotechnik. Wenn er von seiner Tätigkeit bei SMA erzählt, nutzt er gerne Diagramme und Kurven. Obgleich Meinhardts Kurven nicht Wirkungsverläufe oder Phasenverschiebungen dokumentieren. Sie zeigen stattdessen Verbesserungspotenziale im Beziehungsdreieck von Technik, Organisation und Mensch. Mike Meinhardt leitet die Abteilung Wissensmanagement bei SMA und ist damit per Definition verantwortlich, dem Wissen in den eigenen Reihen auf die Spur zu kommen. Wissen und Begeisterung der Mitarbeiter, so sagt er, seien schließlich das größte Kapital eines Markt- und Technologieführers wie SMA. Ein Kapital, das es zu organisieren, zu strukturieren und zu nutzen

gilt, um die Spitzenposition im Markt zu behaupten. Dabei vergleicht er Wissensmanagement gern mit einem Eisberg: „Sichtbare Technologiekompetenz ist immer das Ergebnis einer breiten Wissens- und Erfahrungsbasis und einer Vielzahl an Prozessen, die häufig im Verborgenen stattfinden.“

Wissen als Motor für Veränderung Deshalb versteht sich Mike Meinhardt auch nicht als Hüter des Wissens. Im Gegenteil. „Genau das wollen wir als Wissensmanager vermeiden. Das breite Wissen muss zielorientiert fließen, damit es sich entwickelt.“ SMA verfügt als Weltmarktführer über ein unschätzbares Gut in den Köpfen der mehr als 5.000 Mitarbeiter. Ihr Wissen ist die Basis für den Unternehmenserfolg. Doch dafür muss es im entscheidenden Moment auch verfügbar sein. Nur so kann sich das Unternehmen die ihm typische Flexibilität bewahren und schneller als jedes andere auf sich permanent verändernde Marktanforderungen reagieren. „Zudem“, ergänzt er, „sind Wissen und Begeisterung ja bekanntlich einige der wenigen Dinge, die mehr werden, wenn man sie teilt.“ Auch deshalb sei das aktuelle Wissen stets eine Momentaufnahme, müsse Wissen als kontinuierlicher Prozess begriffen werden. SMA MAGAZINE 「 43 」


Beispiel: der Wirkungsgrad der SMA Solar-Wechselrichter. „Vor rund fünf Jahren wäre unser derzeitiger Spitzenwert von mehr als 98 Prozent für Serienprodukte kaum denkbar gewesen.“ Bei der Photovoltaik handelt es sich um eine Energietechnik, die sich rasant entwickelt. Eine Entwicklung, die SMA mit umfassender Forschungs- und Entwicklungsarbeit aktiv mitgestaltet. Fast zehn Prozent des Umsatzes fließen jährlich in diesen Bereich. Die Anzahl der Entwicklungsingenieure hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt – und jedes Jahr bringt SMA fünf bis sechs neue Produkte auf den Markt. „Der Photovoltaikmarkt hat eine Dynamik, wie sie so in kaum einer Branche derzeit zu beobachten ist.“ Das sei gut so, potenziert aber die Herausforderungen an ein systematisches Wissensmanagement. Mike Meinhardt: „Da sind um so mehr das Know-how und die Begeisterung jedes Einzelnen gefragt.“ Da taucht es wieder auf, das Wort: Begeisterung.

Wissensentwicklung braucht Freiräume für Ideen Man hört Meinhardt mehr als einmal von der Begeisterung sprechen. Seine ruhige, besonnene Art legt er dann für einen kurzen Moment ab. Etwa dann, wenn er über die Unternehmenskultur bei SMA reflektiert. Die sei nämlich eine der tragenden Säulen für erfolgreiches Wissensmanagement. „Offenheit, Respekt und Toleranz im Umgang, Fairness oder auch Freiräume für eigene Ideen beschleunigen nicht nur unsere Arbeit. Wir müssen sie für eine nachhaltige Wissensvermittlung ja geradezu voraussetzen.“ Nur wenn jeder Mitarbeiter um seine Bedeutung im Unternehmen weiß und sein individuelles Handeln an einer gemeinsam getragenen Zielsetzung ausrichten kann, ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Erfahrung, Know-how und Begeisterung die Innovationskraft, die SMA auszeichnet. Dazu zählt auch eine Kultur, die offen und konstruktiv mit Fehlern umgeht. Aus Fehlern zu lernen, ist bei SMA nicht nur ein bloßes Lippenbekenntnis, sondern fest in der Unternehmenskultur verankert. Sicherlich gilt es etwa in der Produktion Fehler auszuschließen. Anders aber in der Entwicklung. Hier betreten die Ingenieure bei SMA schließlich häufig Neuland, weiten die Grenzen des technisch Machbaren weiter aus. „Da steht ihnen leider kein Navigationssystem zur Verfügung“, so Mike Meinhardt. Niemand müsse deshalb bei SMA Restriktionen fürchten. Es sind wesentliche Schritte auf dem Weg, Technik weiterzuentwickeln. „Aus Sicht eines Wissensmanagers wäre es gerade im Bereich Forschung und Entwicklung kontraproduktiv, Fehler um jeden Preis vermeiden zu wollen“ sagt er.

Engagement, Information, Vernetzung Um das Wissensmanagement bei SMA zu erfassen, haben Mike Meinhardt und seine Kollegen ein Drei-Ebenen-Modell entwickelt. Die erste Ebene beschreibt den Einzelnen und sein Engagement, sein persönliches Wissen für den Erfolg bei SMA einzusetzen. Die zweite Ebene skizziert das unmittelbare Umfeld des Einzelnen, also die Abteilung bzw. den Bereich. Hier profitiert jeder Ingenieur von zahlreichen Informationsquellen. Angefangen bei Kollegen und Vorgesetzten über technische Wissensdatenbanken, wie die SMA Knowledgebase, bis hin zu regelmäßigen Schulungen, wie sie etwa von der SMA University angeboten werden. Dort können Akademiker mit dem Schwerpunkt Technik aus derzeit mehr als 100 Schulungsangeboten wählen. Neben internen Spezialisten referieren Professoren kooperierender Universitäten sowie Fachexperten aus zuliefernden Unternehmen. 「 44 」 SMA MAGAZINE

Daneben gilt die ganze Aufmerksamkeit auf dieser Ebene der Vernetzung der Ingenieure, um größtmögliche Synergien zu schaffen. Eine dieser Aktivitäten heißt SMA Engineering. Von den Abteilungen Personal und Wissensmanagement gemeinsam entwickelt, nehmen mehrmals im Jahr bis zu 15 junge Ingenieure unterschiedlicher Abteilungen an den zweitägigen Veranstaltungen teil. Anhand von Planspielen entwickeln die Teilnehmer konkrete technische Ideen und arbeiten Lösungen aus. Und ganz nebenbei werden interdisziplinäre Beziehungen geknüpft. Erklärtes Ziel ist es, das Engagement des Einzelnen zu fördern, gemeinsame Leistung zu fordern und den erlebten Erfolg zu teilen. Erfahrene Kollegen wie Abteilungsleiter aus Forschung und Entwicklung oder Produktmanagement stehen beratend zur Seite und greifen, wenn überhaupt, nur korrigierend ein. Die dritte Ebene schließlich beschreibt die Unternehmensebene. Hier sieht sich das Wissensmanagement verortet: fördert, unterstützt und korrigiert wenn nötig. Systematisiert, organisiert und evaluiert – bereichsübergreifend, unternehmensweit.

Grenzgänger zwischen Steuerung und Kreativität Gerne bedient sich Mike Meinhardt des Beispiels SMA Engineering, um daran zu erläutern, wie wichtig es für das Wissensmanagement sei, den frischen Ideen junger Hochschulabsolventen mit dem Know-how erfahrener Experten scharfe Konturen zu verleihen. „Wir beobachten, dass durch den Austausch alle Beteiligten dauerhaft profitieren.“ Er selbst sieht sich dabei als Grenzgänger zwischen Steuerung und Kreativität, zwischen Expertenwissen und gemeinsamer, wertschöpfender Nutzung. Als Mittler zwischen Technik, Organisation und Mensch, kurz: TOM, wie Wissensmanager dieses Beziehungsdreieck auch nennen. Dabei profitiert Mike Meinhardt von seiner Expertise als langjähriger Entwicklungsverantwortlicher bei SMA ebenso wie von seiner Erfahrung als Dozent an der Universität Kassel. Aber woher bezieht ein Wissensmanager wie er eigentlich sein Wissen? „Unter anderem durch den Austausch mit Experten und Wissensmanagern anderer Unternehmen.“ Die Erkenntnis, Wissen zu systematisieren ist noch recht jung. Anfangs hauptsächlich von technischen Lösungen wie Wissensdatenbanken getragen, können Wissensmanager heute auf enorme Erfahrungen blicken. So weiß Mike Meinhardt auch, dass Wissensmanagement nur dann funktioniert, „wenn die Technik, die Organisation und der Mensch ebenbürtig mit einbezogen werden – auf allen Ebenen des SMA Modells.“ Das heißt, Wissensmanagement nicht als bloße Methode zu interpretieren. Erfolgreiches Wissensmanagement muss mit den Menschen, mit ihren Gewohnheiten harmonieren. „Ergonomisches Wissensmanagement quasi.“ Technik und Organisation dienen hauptsächlich als Beschleuniger und Richtungsgeber. Denn was nützt das ausgefeilteste System, wenn es keiner in seinen Alltag integriert? Ähnlich verhält es sich mit dem Wissen. „Nur wenn es uns gelingt, unser breites Wissen intelligent zu bündeln und gemeinsam zu nutzen, schaffen wir die Voraussetzung dafür, auch künftig Spitzentechnologien zu entwickeln, die Maßstäbe setzen“, resümiert Meinhardt. „Und das bringt uns unserer Vision, den Energiebedarf der Menschen eines Tages nachhaltig durch erneuerbare Energien zu decken, Schritt für Schritt näher.“

「 」 Er kennt das Technologiewissen unter der Oberfläche genau – und weiß, wie es für alle nutzbar wird: Mike Meinhardt, Leiter des Wissensmanagements und seit 20 Jahren dabei.


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REIFEPRÜFUNG // DIE ERLAUBNIS, DIE EIGENEN PRODUKTE SELBST FÜR DIE ZERTIFIZIERUNG ZU PRÜFEN, BEKOMMEN BEI UNDERWRITERS LABORATORIES, EINER DER GRÖSSTEN ZERTIFIZIERUNGSINSTITUTIONEN WELTWEIT, NUR DIE BESTEN. SO WIE SMA.

「 」 Die Sicherheitsnorm UL1741 für PV- und Batterie-Wechselrichter entscheidet über die erfolgreiche Zertifizierung neuer Geräte.

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Als einziges Unternehmen der Solar-Branche hat SMA von Underwriters Laboratories (UL) die begehrte Zulassung erhalten: Es darf die Produktprüfungen für die Zertifizierung seiner Solar-Wechselrichter im firmeneigenen Testzentrum selbst durchführen. Eine seltene Ehre, die nur denen zuteil wird, die den anspruchsvollen Kriterien der weltweit größten Prüforganisation lückenlos entsprechen. Wichtigste UL-Norm ist die technische Sicherheitsprüfung bei Photovoltaik- und Batterie-Wechselrichtern: die UL1741. Ein Interview mit Andreas Entzeroth, Manager Industrial Operations bei UL.

Ohne die Zertifizierungen von „Underwriters Laboratories“, kurz UL, haben es Produkte insbesondere auf dem US-Markt schwer. Die 1894 in den USA gegründete Organisation prüft Produkte und Fertigungsmethoden nach strengen Kriterien, bevor sie die Marktzulassung erteilt. Höchste Qualitätsstufe, die ein Unternehmen erreichen kann, ist die Erlaubnis von UL, seine Produkte selbst zu prüfen. So wie SMA: Im firmeneigenen Testzentrum stehen das komplette Prüf-Instrumentarium und ein speziell geschultes Expertenteam zur Verfügung. Nicht zuletzt deshalb erhielt SMA die seltene Zulassung von UL, seine Solar-Wechselrichter und Kommunikationsprodukte vor Ort eigenständig zu prüfen.

Herr Entzeroth, was genau tut Underwriters Laboratories? Ich versuche mal, das so kurz wie möglich zu erläutern. UL bietet Prüfungsund Zertifizierungslösungen für die Elektro- und Elektronikindustrie sowie für industrielle und gewerbliche Bereiche an. Unsere Dienstleistungen und Prüfzeichen unterstützen den Zugang zu den wichtigsten Märkten weltweit und die Akzeptanz auf diesen Märkten. UL ist nicht nur in den Vereinigten Staaten bekannt, wir gehören weltweit zu den anerkanntesten Produktprüfungs- und Zertifizierungsorganisationen.

Haben international agierende Unternehmen eine Chance, ohne UL-Zertifizierung Fuß zu fassen? Das wäre schon eine Herausforderung und würde den Marktzugang natürlich erschweren. UL-zertifizierte Produkte werden mittlerweile nicht nur in den USA aktiv nachgefragt, sondern auch in Kanada und zunehmend auch in Südkorea. Unsere Lösungen unterstützen die Firmen dabei während der gesamten Produktentwicklung, vom Design bis zur Produktion. Die Konformität mit allen technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen wird geprüft und der Marktzugang beschleunigt. Für ein international aufgestelltes Unternehmen wie SMA sicherlich wichtige Voraussetzungen, um weltweit erfolgreich zu agieren.

SMA lässt seine Solar-Wechselrichter jetzt schon seit über zehn Jahren von UL zertifizieren. Gibt es Besonderheiten in der Zusammenarbeit? SMA ist ein Unternehmen, das in einer enormen Geschwindigkeit Innovationen hervorbringt und sich und seine Produkte ständig weiterentwickelt. Ich glaube, dass der intensive Dialog zwischen den SMA Experten und der UL-Fachabteilung hier ganz wichtig ist. Nicht nur für die Qualität der ProzesSMA MAGAZINE 「 47 」


「 」 Versteht auch Spaß – wenn es nicht um Sicherheit geht: Matthias Entzeroth, Manager Industrial Operations bei UL.

se, sondern auch für eine hohe Effizienz in der Zusammenarbeit. Ich habe selten ein Unternehmen erlebt, bei dem hohe Dynamik und ausgeprägte Sorgfalt so gleichberechtigt nebeneinander stehen ...

Ist das nicht ein Widerspruch? Mein Eindruck ist, dass Dynamik und Sorgfalt bei SMA ganz klar zusammengehören. Das macht die Zusammenarbeit allerdings auch sehr anspruchsvoll und stellt an uns als Dienstleister hohe Anforderungen.

Inwiefern? Die Zertifizierungsexperten bei SMA legen zum Beispiel großen Wert darauf, gerade bei neuen Produktkategorien eine Vorabprüfung im Vorfeld der eigentlichen Zertifizierung durchführen zu lassen. So eine „Preliminary Investigation“ ist sinnvoll, damit es später nicht zu Überraschungen kommt. Wenn später im Entwicklungsprozess ein Fehler, zum Beispiel in der Konstruktion, korrigiert werden muss, sind damit in der Regel hohe Kosten verbunden und die Zeit bis zur Marktreife verlängert sich. Die vorzeitige Abstimmung ist einfach extrem wichtig, um die Sicherheitsanforderungen der UL-Normen 「 48 」 SMA MAGAZINE

von Anfang an im Detail bei der Entwicklung des Gerätes berücksichtigen zu können. Bei SMA kommt noch hinzu, dass die Anzahl der Prüfungen relativ hoch ist, entsprechend den neuen SMA Produkten, also etwa fünf bis sechs pro Jahr. Zwei Drittel davon sind spezielle Entwicklungen für die USA. Hinzu kommen Prüfungen für Produktvarianten wie neue Bauteile, Second Source oder die schon erwähnten Verbesserungen an den Produkten. Die spielen eine große Rolle, da sich SMA stark an den Bedürfnissen des Marktes orientiert. Den Abschluss des Prozesses bildet dann die „Notification of Certification“ bzw. die „Notification of Acceptance“. Bis dahin sind in der Regel zwischen drei und sechs Monate vergangen.

Nun ist es ja so, dass SMA Zertifizierungsprüfungen selbst durchführt. Was muss ein Unternehmen dafür tun? Dass ein Unternehmen über soviel Expertenwissen verfügt, um Zertifizierungen eigenständig durchführen zu können, ist allein schon ungewöhnlich. In aller Regel scheitert es aber spätestens an der Ausstattung. Dass UL ein solches Vorgehen gestattet, liegt entsprechend auch an den optimalen Bedingungen: SMA verfügt über ein hauseigenes Testzentrum und hält das komplette Prüfinstrumentarium vor. Hier werden die Solar-Wechselrichter und Kommu-


nikationsprodukte auf Herz und Nieren geprüft. Eine harte Reifeprüfung für die Geräte, bevor sie tatsächlich auf den Markt kommen ...

Wie würden Sie die Zusammenarbeit zwischen UL und SMA charakterisieren?

… und wahrscheinlich auch eine Reifeprüfung für das Unternehmen, bis es von UL für die Produktprüfungen vor Ort zugelassen wird, oder?

Die Zusammenarbeit würde ich als konstruktives Geben und Nehmen beschreiben. Es findet ein spannender Austausch auf hohem technischen Niveau statt. Und die gemeinsame Projektarbeit ist gekennzeichnet von großem Engagement, lösungsorientierten Arbeitsansätzen und langjähriger Erfahrung aller Beteiligten. Aus unserer Sicht sind die gewachsenen Strukturen bei SMA tragfähig und zukunftssicher. Neue Märkte wachsen zusammen und jeder kann von der Perspektive des anderen profitieren.

Der Begriff „Reifeprüfung“ ist hier tatsächlich ganz treffend, würde ich sagen. Die technische Ausstattung und die fachliche Qualifikation der SMA Mitarbeiter haben wir im Vorfeld natürlich genau unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse haben uns beeindruckt und überzeugt. Denn um die Zulassung für Prüfung im eigenen Haus zu bekommen, muss ein Unternehmen mehr mitbringen als eine überdurchschnittliche Fachkompetenz. Es muss eine hohe Prozessreife, gewachsene Strukturen und ein sehr weitgehendes Verantwortungsbewusstsein unter Beweis stellen. Transparenz auch im Umgang mit Fehlern ist ein weiteres wichtiges Stichwort. Wir sehen SMA da als zuverlässig, vertrauenswürdig und kompetent an. Und SMA arbeitet kontinuierlich daran, diese Einstufung bei jedem Zertifizierungsverfahren aufs Neue zu bestätigen.

Herr Entzeroth, vielen Dank für das Gespräch!

Und wie können Sie überprüfen, ob die Bestimmungen dauerhaft eingehalten werden? Gibt es so etwas wie Audits? Ja, natürlich gibt es das, schließlich geht es hier um Sicherheit. SMA nimmt zum Beispiel am sogenannten „Data Acceptance Programme“ (DAP) teil. Hier wird von UL sichergestellt, dass Prozesse und Instrumente von SMA den UL-Ansprüchen genügen und SMA die Prüfungen selbstständig vor Ort in Deutschland durchführen kann. Hinzu kommt das „Client Test Data Programme“ (CTDP). Hierauf basiert die UL-Zulassung, dass SMA Prüfungen nach Einweisung durch die UL-Experten selbst durchführen darf. Es gibt in diesem Zusammenhang jährliche Audits, entsprechend der Laborzertifizierungsnorm ISO17025.

「 」 Tiefgefroren und trotzdem voll funktionsfähig: Auf dem Weg zur Zertifizierung macht ein Wechselrichter im SMA Testzentrum einiges mit.

Welche Normen kommen speziell bei SMA noch zur Anwendung? Geprüft wird nach der Sicherheitsnorm UL1741 für PV- und Batterie-Wechselrichter, die natürlich entscheidend ist und ihrerseits wiederum auf andere Normen verweist, zum Beispiel auf die UL1998 für die Softwarezertifizierung bzw. die UL60950-1 für Kommunikationsprodukte. Im Einzelfall kann es sein, dass noch weitere Normen hinzugezogen werden müssen.

Um noch mal auf den Umgang mit Fehlern zurückzukommen: Findet ein wechselseitiger Lernprozess statt? Wie gesagt ist Transparenz hier ein wichtiger Faktor. Und dass man eben nicht nur davon redet, sondern tatsächlich die Dinge offen anspricht. Nur so lässt sich ja schließlich sicherstellen, dass man einen Fehler kein zweites Mal macht und etwas für die Zukunft lernt. Bei SMA gehört das zum Prozess dazu und ist Bestandteil der Unternehmenskultur. Natürlich kann SMA aufgrund seiner langjährigen Erfahrung vieles selbst übernehmen, aber die vorzeitige Abstimmung ist natürlich extrem wichtig, um die Sicherheitsanforderungen der UL-Normen von Anfang an im Detail bei der Entwicklung des Gerätes berücksichtigen zu können. Insofern lernen wir ständig voneinander. SMA MAGAZINE 「 49 」


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Herausgeber SMA Solar Technology AG // Chefredaktion Anja Jasper // Creative Direction Matthias Holzhauer // Art Direction Jessica Krastev / Autoren Anja Jasper / Felix Kever / Holger Winkelsträter // Fotos Stefan Daub / Rudolf Wichert und Andre Zelck / lucidmedia / Andreas Berthel // 3D-Grafik Glen Johnson // Auflage 20.000 (deutsch) / 5.000 (englisch) // Erscheinungsweise 2-mal jährlich Redaktionsadresse SMA Solar Technology AG / Sonnenallee 1 / 34266 Niestetal / Deutschland / Tel.: +49 561 9522 2805 / Fax: +49 561 9522 2929 / E-Mail: Anja.Jasper@SMA.de / www.SMA.de Bestellung: Sie möchten zusätzliche Exemplare des SMA Magazines bestellen? Dann schreiben Sie per Post oder E-Mail an die Redaktion. Wir senden Ihnen bis zu 50 Exemplare kostenfrei zu. Text und Abbildungen entsprechen dem technischen Stand bei Drucklegung. Alle Angaben ohne Gewähr. Technische Änderungen vorbehalten. Keine Haftung für Druckfehler. Gedruckt auf chlorfrei hergestelltem Papier. Alle Warenzeichen werden anerkannt, auch wenn sie nicht gesondert gekennzeichnet sind. Fehlende Kennzeichnung bedeutet nicht, eine Ware oder ein Zeichen seien frei. Nachdrucke, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. © Copyright 2010, SMA Solar Technology AG Alle Rechte vorbehalten.

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