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S L U P M ULS P IM PULS iMPULS IM entschleunigungsmagazin no 10


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editorial | impuls

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as Leben besteht aus vielen Impulsen. Impulse können ein Leben verändern. Auch dieses Entschleunigungsmagazin slowmag ist durch einen Impuls entstanden - vor fünf Jahren. Seit dieser Zeit hat sich mein Leben verändert, ich betrachte die Dinge anders. Sehe, wie ein kleiner Impuls, eine alltägliche Entscheidung, auf lange Sicht Auswirkungen zeigt. Wie ein kleiner Schneeball, den man ins Rollen bringt, und der immer größer und schneller wird. Das Leben ist im ständigen Wandel - unsere Zukunft beginnt im Moment. Dank der vielen Unterstützung, den wunderbaren Beiträgen sowie der tollen grafischen Gestaltung kann auch diese zehnte Ausgabe des slowmag in den Druck gehen … Thema dieser Ausgabe: »Impuls(e)«. In einem Interview mit Preben Maegaard geht es um die Möglichkeiten von alternativen Energien, zwei verschiedene Künstler werden präsentiert, deren Medium Papier ist, es werden Musiker vorgestellt, die wieder nach den Ursprüngen suchen, ähnlich dem Stadtmenschen auf der Suche nach der Natur. Es spiegelt Gedanken über den Lebensrhythmus und die Schönheit der einfachen Dinge. Das Leben besteht eben aus vielen Impulsen - so auch das slowmag. Viel Freude damit.


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slowmag – entschleunigungsmagazin

moss&moss GbR Libauerstrasse 16 10245 Berlin

chefredakteur Melchior Moss melchior@slowmag.eu

grafik & layout Ion Jonas | quasigrafik

impressum

herausgeber

textbeiträge

lich geschützt. Jede Nutzung oder Verwertung bedarf der schriftlichen Genehmigung der Herausgeber und/oder Autoren.

typographie TitiliumMaps  Chucura Text ChunkFive Matrix Complex NC

druck Druckerei Lokay | www.lokay.de

Ingmar Dobberstein

Dieses slowmag wurde mit Druckfarben aus

Silvia Follmann

nachwachsenden Rohstoffen auf Papier aus

Ion Jonas

vorbildlicher Forstwirtschaft (sowie auf Recyc-

Felicia Kraus

lingpapier) gedruckt. Lokay Druck arbeitet

Melchior Moss

klimaneutral, verwendet ausschließlich um-

Thomas Ramge

weltfreundliche Materialien und ist EMAS-

Jan Wehn

zertifiziert (D-115-0036).

bildbeiträge

anzeigen

Basti Arlt | www.bastiarlt.de

Kim Kapischke | kim@slowmag.eu

Peter Callesen

Melchior Moss | melchior@slowmag.eu

Matthew Cusick Nora Gielke

dank

Robert Hampicke

Ein großer Dank geht an Gerrit, der das »slow-

Jay Hilgert | www.bittbox.com

mag« vor 10 Ausgaben mit mir begonnen hat.

Ion Jonas

An alle Sponsoren (Dr. Hauschka, GLS-Bank,

internet www.slowmag.eu

fashion

investinlife, Lokay Druck, Rapunzel, slowmo, clydemoss coaching, LemonAid), die dazu beitragen, dass das slowmag weiterhin kostenlos sein kann. Den Autoren und Künstlern, die das slowmag immer mit Leben füllen. Den vielen

slowmo »impuls«

Helfern, die das slowmag verteilen und ausle-

fall | winter 11|12

gen. An Julia (Malzfabrik) für die tolle Location

www.slowmo.eu

(slowmo fotoshooting). Petra Mark für die Bil-

copyright | schutzfaktor

der von den Walkwollstoffen in der letzten Ausgabe. Vielen Lieben Dank auch für die viele Un-

Das slowmag und alle darin veröffentlichten

terstützung: Felicia, Kim, Hanna, Alina, Eike,

Beiträge und Abbildungen sind urheberrecht-

Ion und allen, die sich über das slowmag freuen.

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Unser Versprechen: One for One! F端r jedes gekaufte Produkt spendet Caleb's Hill ein gleichwertiges Produkt an hilfsbed端rftige Menschen. Shop und weitere Infos auf

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matthew cusick Von Melchior Moss

Der K체nstler Matthew Cusick benutzt Gegenst채nde, die wir t채glich verwenden (Zeitungen, B체cher, Artikel, Tinte etc.) und erstellt daraus seine eigene Sammlung faszinierender Collagen und Bilder.

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atthew Cusick wurde 1970 in New York City geboren und schloss 1993 an der Cooper Union mit dem Bachelor of Fine Arts ab. Cusick ist ein einzigartiger Künstler, der es versteht, Leben in seine Kunstwerke zu bringen. Wir hatten die Möglichkeit, ihm einige Fragen zu stellen. Kannst du uns etwas über die Entstehung deiner ersten Collage erzählen? Wenn ihr meine erste Landkarten-Collage meint, müsste das etwa 2002 gewesen sein. Ich arbeitete an einem Porträt von Bonnie Parker, aus Bonnie und Clyde. Kurz bevor das Porträt fertig zu werden schien, war ich sehr frustriert über das Ergebnis. Es gab so viel Geschichte und Erzähltes, das in der Übersetzung in das Bild verloren gegangen war. Stattdessen war es ikonographisch und fühlte sich unpersönlich an. Ich fand einige Landkarten im Studio, die meine Großmutter mir hinterlassen hat, als sie starb. Darunter war auch eine Karte von Texas, die ich zerschnitt und aufklebte. Das war der Anfang. Von diesem Moment an wusste ich, was ich tun wollte. Also begann ich ein neues Stück, ein Bild von einem 1970er Cadillac, wobei ich die Landkarten nur zum Umrahmen verwendete. Danach brauchte es einige Zeit, bis ich die richtigen Karten gefunden hatte, um ein neues Porträt von Bonnie zu beginnen. Diesmal aber viel größer!

Hat sich deine Herangehensweise geändert von damals bis heute? Nun, ich habe die Einschränkungen, die ich mir am Anfang selbst gesetzt hatte, etwas gelockert. Statt nur mit Landkarten zu arbeiten, verwende ich jetzt auch andere Drucksachen, und seit kurzem bringe ich auch Tinte und andere Färbemittel in die Collagen ein. Abgesehen davon hat sich meine Arbeitsweise nicht sehr verändert. Da die Fertigstellung der Bilder sehr lange braucht, komme ich teilweise erst jetzt dazu, einige der Ideen umzusetzen, die ich bereits seit acht Jahren habe. Zwischenzeitlich habe ich aber auch an anderen Projekten gearbeitet, wie zum Beispiel den »Verunstaltungen« und einigen Videos. Wie wählst Du deine Motive aus? Ich denke immer über neue Ideen und Kreationen nach. Normalerweise kommen meine besten Ideen bei der Arbeit an etwas anderem, oder wenn ich im Studio beschäftigt bin. Sobald ich eine gute Idee habe, halte ich sie in meinem Notizbuch fest, und wenn ich bereit bin, etwas Neues zu beginnen, gucke ich meine gesammelten Aufzeichnungen durch. Zudem gibt es Fristen und Aufträge und manchmal kann das auch zu den besten Ergebnissen führen, aber mein kreativer Prozess ist ziemlich unberechenbar. Meine Themen sind Plätze und Personen, die mich beeindrucken und meine Weltansicht geprägt haben. Sie alle sind Teil meines persönlichen Pantheons, einer Mythologie, die meinem Leben Bedeutung gibt.

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An welchem Projekt arbeitest du im Moment? Ich habe gerade erst ein neues Bild beendet, mit dem ich beschäftigt war, seit ich begonnen habe, mit Landkarten zu arbeiten. Es ist das Porträt eines Jungen und eines Mannes, die verantwortlich für die Beltway Sniper Angriffe im Jahr 2002 waren. Der Junge, Lee Malvo, hat ein breites Lächeln, schaut sanftmütig, unschuldig und freundlich. Um seine Schulter ist der Arm des Mannes, John Muhammad, der vor ein paar Jahren zum Tode verurteilt wurde. Sein Gesicht ist nicht im Bild, man sieht nur seinen Arm, der um den Nacken des Jungen gelegt ist und seine Hand baumelt markant im Vordergrund. Den Hintergrund bildet ein dekoratives islamisches Muster, das aus Zielscheiben von Scharfschützen zusammengesetzt ist. Ich war gerade in der Nachbarschaft, um das Haus meiner verstorbenen Großmutter auszuräumen, als das alles passierte. Gibt es Pläne/ Träume für die Zukunft? Ich würde mir gerne einen Assistenten leisten können und ein größeres Studio. Zur Zeit bin ich meistens den ganzen Tag alleine in meinem Studio, das ungefähr die Größe einer Garage hat. Außerdem würde ich gerne an die Westküste ziehen. Mein Leben begann in New York, als junger Erwachsener bin ich dann nach Texas gezogen, und sobald meine Tochter in die »Junior High School« kommt, würde ich gerne in Kalifornien angekommen sein. Was interessiert dich neben deiner künstlerischen Arbeit? Ich liebe es zu lesen, Musik zu spielen und Filme zu schauen. Ich arbeite gerne mit Holz und mag das Restaurieren von Antiquitäten. Zeit mit Freunden und Familie, ein gutes Fußballspiel. Ziemlich normale Sachen, schätze ich. Gibt es eine Möglichkeit, deine Arbeiten zu sehen und zu kaufen? Meine Collagen habe ich noch nicht in Deutschland gezeigt. Bisher fanden alle meine Ausstellungen in den USA statt. Ich würde meine Arbeiten sehr gerne in anderen Städten und Ländern präsentieren, diese Möglichkeit hat sich jedoch noch nicht ergeben. Sollte jemand interessiert sein, eine solche Ausstellung zu organisieren, würde ich mich über den Kontakt freuen. Wer Interesse hat, ein Bild zu kaufen, kann sich an die Pavel Zoubok Gallery in New York City wenden. www.pavelzoubok.com Vielen Dank für deine Zeit und und hoffentlich sehen und hören wir sehr bald mehr von dir!

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Geronimo kunst | impuls

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Chasing The Dragon kunst | impuls

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Weitere Informationen und Arbeiten finden sich unter: www.matthewcusick.com Alle Bilder: Copyright Matthew Cusick 2011

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wir können uns nicht zentralistisch ändern Von Melchior Moss

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reben Maegaard, 1935 in Dänemark geboren, ist ein Pionier in Sachen erneuerbare Energien. Seit über 30 Jahren engagiert er sich unermüdlich für einen Übergang von fossilen Brennstoffen zu regenerativen Ressourcen. Slowmag hatte die Chance, mit ihm zu sprechen und ihm einige Fragen zu stellen. Begonnen habe alles mit der Ölkrise 1974, welche auch in Dänemark stark zu spüren war, erzählt uns Preben Maegaard. Wie viele andere Länder war Dänemark in Energiefragen zu 100% vom Erdöl abhängig. Importiert wurde es aus arabischen Ländern. Regionen im Übrigen, fügte er bei, die auch momentan von politischer Instabilität geprägt sind. Seither habe er seine »ganze Zeit und Anstrengungen diesem Bereich gewidmet.« In Dänemark habe die Entwicklung nach der Krise zwei Wege genommen. Neben der Atomenergie entwickelte sich eine Bewegung hin zu erneuerbaren Energien. Preben Maegaard ist seither lokal, national und international tätig. Er arbeitet sowohl politisch als auch technisch für diesen Übergang. Er übernahm die Führung diverser Organisationen, hat kleine und mittel16 | slowmag no 10

große Unternehmen unterstützt und viele Schriften veröffentlicht. Der Impuls für sein Engagement liege in seinem Tun an sich, sagt Preben Maegaard. Für ihn sei es wichtig, dass sein Schaffen sowohl interessant als auch relevant sei. Dass sich der Schwerpunkt dabei manchmal verändere, beschreibt er wie folgt: »Am Anfang ging es darum, die Energieversorgung sicherzustellen. Später drehte es sich um Fragen des Umweltschutzes und das Schaffen neuer Arbeitsplätze. Mittlerweile liegt das Augenmerk sehr stark auf dem globalen Klima. Aber wenn wir zurückblicken auf diese Zeit, dann war es alles. Es ist nicht nur ein Teil, es ist all das zusammen.« Die tragische Atomkatastrophe in Japan brachte weltweit einen Impuls im Bereich der erneuerbaren Energien. Wir wollten wissen, wie Herr Maegaard die aktuelle Lage sieht. Fukushima habe die Situation sehr verändert. Schon wenige Jahre nach dem Unfall in Tschernobyl habe sich eine Art Renaissance der Kernenergie angebahnt. Viele seien davon ausgegangen, dass Tschernobyl


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»Es geht darum, was wir persönlich tun können, regional und lokal. Das muss der Anfang sein. Und wenn es gelingt diese Botschaft zu verbreiten, dann ist mein Leben in Ordnung.« Preben Maegaard  www.4-Revolution. de

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eine vernachlässigte Anlage der Sowjetunion war und dass wir in den Industrieländern nicht mit einem Unfall zu rechnen bräuchten. Nun sei Japan aber zweifellos ein Land mit hohen Sicherheitsstandards. Fukushima sei ein »Weckruf« für die Welt gewesen, das Ende des nuklearen Traums. »Es gibt keine menschengemachte Technologie, die nicht ausfallen kann. Sie wird scheitern. Niemand weiß wann, aber eines Tages wird sie versagen.« Viele Länder hätten daraus die logischen Konsequenzen gezogen, freut sich Preben Maegaard. Momentan gäbe es soviel Zuspruch, dass ein positiver Blick auf die derzeitige Entwicklung erlaubt sei. Als Beispiel nennt Preben Maegaard Deutschland. Der Rückschritt durch den Ausstieg aus dem Atomausstieg vergangenes Jahr sei glücklicherweise wieder behoben. Die Entwicklung könnte aber natürlich viel schneller gehen. In den letzten 30 Jahren habe es viele technische Erneuerungen in so vielen Ländern gegeben. Um dies zu verdeutlichen, zählt Preben Maegaard auf: »Es gibt Hochgeschwindigkeitszüge, Mobiltelefone für jeden, Computer in jedem Haushalt, ein Kaffeeautomat in jedem Büro, Langstreckenflüge zu niedrigen Preisen. In der gleichen Zeit hätte auch der Umstieg auf erneuerbare Energien stattfinden können.« Was muß seiner Meinung nach politisch passieren, damit dieser Wandel möglich ist? Im Prinzip ginge es um eine Demokratisierung der Energie. Denn im Gegensatz zu konventioneller Energie aus Kohle, Erdgas,

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Öl oder Uran, die zu zentralisierten Lösungen und/oder Monopolstellungen großer Organisationen führe, seien erneuerbare Energien von Natur aus dezentralisiert. »Sie sind gut verfügbar, funktionstüchtig und ebenso wirtschaftlich, aber jetzt müssen sie in einem sehr großen Maßstab eingesetzt werden. Es darf nicht nur von ein paar gutmeinenden Leuten kommen, denn es handelt sich um eine Verpflichtung für unsere Gesellschaft.« Genauso, wie wir es geschafft hätten, das Eisenbahnnetz in jeden Winkel unserer Gesellschaft auszulegen, wie wir später Krankenhäuser für jedermann zugänglich machten, wie wir uns um Abwässer kümmern, gute Straßen und Schulen für jedes Kind haben – genauso können wir einen Weg finden, Energie zu beziehen, die zu 100% auf erneuerbaren Ressourcen basiert. Es müsse die richtige Strategie und die richtige Art von Organisation gefunden werden, um Wind-, Solar-, Biomasse und manchmal auch Wasserkraft-Energie zu verbinden. Dies alles müsse aber auf lokaler Ebene stattfinden, denn der Wandel sei nicht auf zentraler Ebene durchzuführen. Was kann jeder Einzelne tun? Zum einen die richtige Politik unterstützen, antwortet Preben Maegaard, zum anderen die richtige Ausrüstung kaufen bzw. den richtigen Stromanbieter wählen – und ganz wichtig: Energie sparen! Denn »erneuerbare Enerie und Energieeinsparung gehen Hand in Hand.« Preben Maegaard lebt in einer Gemeinde im nordwestlichen Teil von Dänemark in


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»Eines Tages wird jede Technologie versagen.«

einer Gegend, die dank seiner Arbeit die größte energieautonome Region der Welt ist. 50.000 Menschen beziehen ihren Strom hier zu 100% aus regenerativen Quellen.

nachhaltigen Entwicklung, für die er bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Seit 2006 ist Preben Maegaard Präsident des »World Wind Energy Institute« (WWEI).

Preben Maegaard ist Direktor des »Nordic Folke Center for Renewable Energy«. Schon 1984 war er verantwortlich für die technologische Innovation von Windmühlen, einschließlich Design, Konstruktion und Umsetzung sowie für Biogas-Anlagen und integrierte Energiesysteme.

Das Buch »Continuous Headwind« (»Beständiger Gegenwind«) von Joern Uz Ruby, (erschienen im »Forlaget Hovedland«-Verlag), beschreibt seine Aktivitäten. Momentan arbeitet er an einem Buch über die Geschichte von Windenergie. Es soll spätestens Ende nächsten Jahres erscheinen. Darin kommen ca. 40 Menschen aus der ganzen Welt zu Wort, einer der Co-Autoren ist Wolfgang Pelz.

In den vergangenen drei Jahrzehnten war Preben Maegaard Konferenzleiter, Organisator, Redner und/oder Teilnehmer etlicher nationaler und internationaler Seminare, Workshops und Konferenzen. Er war Vorsitzender der »World Wind Energy Conference« (WWEC 2003 in Cape Town, WWEC 2004 in Peking und in WWEC 2005 in Melbourne) sowie Autor und Co-Autor zahlreicher Berichte, Bücher, Artikel und Magazine auf Dänisch, Englisch, Deutsch und Japanisch im Bereich der erneuerbaren Energien und

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Preben Maegaard für seine Zeit, für so viel Pioniergeist und Engagement, für so viele Visionen! Weiterführende Informationen: www.maegaard.net … und in seinen veröffentlichten Arbeiten und Büchern. //

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ich

das! Von Ion Jonas

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achmal sagt unsere Tochter: »Ich will das!

Es ist schön, wenn jemand weiß, was er will. Viele wissen das nicht. Sie ist drei Jahre alt und wenn sie etwas will, dann will sie es impulsiv. Sie denkt nicht näher darüber nach, sondern hat Lust darauf. Sie hat Lust auf Süßigkeiten, durch die Pfütze zu rennen, Pippi Langstrumpf zu gucken, mit Fingerfarben zu malen. Wir Gewachsenen (um in der Sprache der Tochter zu bleiben) folgen nicht mehr so oft unserem Impuls. Wir haben gelernt, uns zurückzuhalten. Wir geben nicht sofort unserem Bedürfnis nach, ohne Gummistiefel durch die Schlammpfütze zu gehen. Vielleicht wissen wir nicht mal mehr, dass wir dieses Bedürfnis haben. Dieser erste Impuls entsteht sofort, wenn wir die Pfütze sehen. In ihm drückt sich eine Art Instinkt oder Urgefühl oder Ur-Wollen aus, noch unbeeinflusst von Regeln, Moral oder Glaubenssätzen. Erst danach greifen die Filter der »Vernunft« (die ja nicht immer zwangsläufig vernünftig sein muss). Wir spüren dann gleich das Korsett der Erziehung – »das darf ich nicht«, »was würden die anderen über mich denken«, usw. Nur deshalb konnten wir eine Zivilisation entwickeln, aber auch genau darum werden wir manchmal sehr unglücklich. Jeder Mensch will auch mal seinem Impuls folgen dürfen. Wenn er das niemals darf, staut sich was auf. Soll man also immer dem ersten Impuls folgen? Bevor ich jetzt impulsiv mit JA antworte, überlege ich erst. Dann entschließe ich mich wieder für ein JA. Obwohl man es eigentlich so pauschal nicht sagen kann. Aber ich erinnere mich an Situationen, in

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denen ich es gegen meinen ersten Impuls mit Leuten versucht habe, mit denen ich dann doch negative Erfahrungen machte. Recht hatte ich. Und doch: Es lohnt sich auch manchmal, seinen ersten Impuls zu ignorieren. Nämlich dann, wenn man sich nicht festfahren will in der eingeschlagenen Spur. Ich erinnere mich genauso an Leute, die ich zuerst merkwürdig fand, später doch aber dauerhaft gut. Jetzt bin ich froh, dass ich die kenne. Ich tue etwas impulsiv, weil ich es will. Aber was heißt WOLLEN hier? Es ist nicht immer das Richtige oder Gute. Es lebt im Augenblick. Es ist mein inneres Kind. Das lässt sich also sagen: Es achtet nicht darauf, ob etwas langfristig GUT ist. Es will etwas Angenehmes jetzt sofort, in diesem Augenblick, ohne an die Folgen zu denken. Denn baldige Belohnungen erscheinen meist lohnender als eventuelle Anerkennung in der ferneren Zukunft. Wohin leiten wir Erwachsenen also unsere Impulsivität? In den westlichen Ländern kaufen wir uns »jetzt mal was«. Eine schnelle Belohnung, die die Wirtschaft antreibt, aber leider starke Nebenwirkungen hat. Wir produzieren und horten immer mehr, weil wir keinen anderen Weg wissen, uns zu belohnen.

Die Kinder lassen erst gar keinen inneren Stau entstehen. Vielleicht mache ich das jetzt auch mal so wie die Tochter. Ich komme in die Küche und rufe: »Ey Lampe! Ey Stuhl! Ey Tisch!«. Nur weil ich gerade Lust dazu habe. Oder ich mache es wie der Sohn einer Freundin, 5 Jahre alt. Beim Imbiss drängelt er vor, wirft das Geld auf den Tisch und ruft aus: »Ich will Fleisch.«

Auch im Internet bieten Facebook und Twitter enormes Belohnungspotenzial. Sich abends vor die Glotze schmeißen – auch das sehen viele als Belohnung für die Mühen des Tages. Der Akteur will endlich passiv sein dürfen, und die Welt defilieren lassen. Ich verstehe das. Nur habe ich manchmal das Gefühl, wir könnten uns besser belohnen, und wir wüssten nur nicht, wie das geht.

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ohne kompromisse Oder: Wie man das Leben in der Stadt für sich entscheidet.

Von Silvia Follmann

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iele, die sich ihr Leben heutzutage nicht mehr außerhalb der Komfortzone Stadt vorstellen können, haben ihre Kindheit in ländlichen Gefilden verbracht. Dort zählten Wiesen, Landluft, weite Wege und ein Garten hinter dem Haus zur täglichen Erfahrung. Aber auch weite Wege können einengen, und so verließ man die Heimat aus dem innigsten Wunsch der Freiheit heraus in die Stadt. Doch da steht man nun in seinem vermeintlichen Freiraum und ist umgeben von durchstrukturierten Grünanlagen und Verbotsschildern. Denn die Stadt ist ein Lebensraum, der für die Bedürfnissen von Massen gestaltet worden ist und schon alleine deshalb dem Wunsch der individuellen Entfaltung in vielen Punkten widerspricht. Doch mit etwas Eigeninitiative kann man dem urbanen Raum ein neues Gesicht geben, die starren Regeln des Stadtraumes aufweichen, nach eigenen Ideen formen und so zu einem Ort machen, an dem es

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sich wesentlich kompromissloser leben lässt. Ganz neu ist dieser Gedanke nicht – schon seit einiger Zeit treibt in vielen Städten eine grüne Bewegung im Kleinen ihre Blüten, die sich auf die Fahne geschrieben hat, dem Grau-in-Grau zu trotzen und kräftig umzupflügen. Zarte Blüten und rankendes Grün recken sich einem manchmal von den ungewöhnlichsten Orten entgegen. Immer öfter entdeckt man in tristen Straßenzeilen bunte Flecken Erde, die so zweifellos nicht von offizieller Seite geplant wurden. Dahinter verbirgt sich nicht selten guerilla gardening, eine Bewegung, die ihren Ursprung in Großbritannien hat, die breite Aufmerksamkeit vor allem durch außergewöhnliche Aktionen wie groß angelegte Blumenfelder im Herzen Londons oder New Yorks gewann und nun auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet. Betonfassaden werden gerne großflächig mit Moos überzogen und damit mit einfachsten Mitteln Steinschluchten wirkungsvoll in saftige


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Grünteppiche verwandelt. Kleiner geht es auch mit im Vorbeigehen ausgeworfenen »Samenbomben«, getrocknete Erdkugeln mit Pflanzensamen, die mit etwas Glück das kahle Straßenpflaster und öden Wegesrand mit Blumenzierde bereichern. War guerilla gardening einst ein sanftes Mittel des politischen Protests, ist es heute oftmals zur ästhetischen Bewegung geworden. Viele »Gärtner« treibt die Idee an, sich ein Stück Natur bewahren oder zurückzuerobern und letztendlich etwas Schönes innerhalb der Stadtgrenzen zu schaffen, dass Macher und Betrachter ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Neben der illegalen Begrünung hat sich auch der Gartenbau klammheimlich wieder zum Freizeit-Favoriten des gemeinen Städters gemausert. In vielen Städten entstehen Gärten, in denen gemeinschaftlich an den Beeten gearbeitet wird. In Berlin ist so ein Ort der Prinzessinengarten in Kreuzberg. Hier sprießen Biogemüse sowie alte und seltene Gemüsesorten, welche im Kollektiv angelegt und gepflegt werden. Urban gardening lebt von dem Wunsch, sich autark ernähren zu können, frei von Supermarkt-Gemüse und Spritzgift zu sein. Vielleicht auch davon, seinen Kindern zu zeigen, dass Gurken nicht immer Flaschen-

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grün, geruchsneutral und schnurgerade sind. Auch der Gedanke des gemeinschaftlichen Arbeitens steht im Fokus des Unterfangens, ein Aspekt, der bei den von der Allgegenwärtigkeit der Anonymität gebeutelte Städtern sicherlich besonders gut angenommen wird. Mittlerweile gibt es zudem groß angelegte Projekte wie etwa Meine Ernte, die deutschlandweit Beete am Rande der Stadt vermieten. Wer sich für ein solches Beet entscheidet, bekommt dieses in verschiedenen Größen und fertig bestückt mit Samen verschiedenster Gemüsesorten. Bei entsprechender Pflege soll die Ernte den Besitzer ein Jahr lang mit frischem Gemüse versorgen. Wer aus dem Gärtnern rausgekommen oder auch noch nie in der Materie dringewesen ist, kann sich in sogenannten »Gärtnersprechstunden« von Fachkräften mit Tipps und Tricks versorgen lassen. Die Idee des eigenen Beetes in der Nähe der Stadt kommt an. Laut der Macher von Meine Ernte sind die Wartelisten für das nächste Jahr in fast allen Städten lang und wer einmal ein Beet angemietet hat, wird meist zum Wiederholungstäter. Der fade Beigeschmack von Kleingartenanlagen scheint sich mittlerweile verflüchtigt zu haben. Oder aber, der Wunsch nach qualitativ hochwertigem und ökologisch


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angebauten Lebensmitteln sowie die Möglichkeit, sich frei vom Kaufangebot zu machen, wiegen einfach schwerer.

einer Subkultur, doch die Lehrkurse sind so hoch ausgelastet, dass sich dies in den nächsten Jahren schnell ändern könnte.

Die sentimentalen Erinnerungen an vergangene Kindheitstage, in denen man bei Muttern im Garten stand und Erdbeeren aß, an denen noch etwas Erde klebte, trägt jedoch noch ganz andere Früchte. Viele Städte haben es neuerdings mit Stadt-Imkern zu tun, die Bienenzüchtungen auf dem eigenen Balkon anlegen, um hinterher in Eigenregie den süßen Saft des Insekts zu ernten. Gelernt werden kann das Handwerk des Imkers in Wochenendkursen, die beispielsweise in Berlin angeboten werden. Um es sich mit den Nachbarn nicht zu verscherzen, bietet es sich an, das summende Völkchen (klammheimlich) auf dem Dach zu züchten. Das Stadtgebiet eignet sich sogar recht gut für das sogenannte urban beekeeping, da es es dort durchschnittlich wärmer als auf dem Land ist. Noch zählt der Stadt-Imker zwar eher zu

Die Idee von Urbanität und einem Leben in diesem System sieht sich derzeit einer Umwälzung ausgesetzt. Welches Motiv der Einzelne verfolgt, ob politisches Engagement oder das Bewusstsein für den eigenen Lebensraum und den Willen, diesen nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten, ist letztlich nicht mehr interessant. Der Mehrwert liegt darin, sich nicht mehr den engen Grenzen des betonierten Pflasters zu fügen, sondern sich mit eigenen Mitteln in die Erhaltung und Gestaltung des eigenen Umfelds einzubringen. Die Grenzen und Vorgaben die der urbane Raum einst mit sich brachte, werden nun von einer Gesellschaft durchbrochen, welche die individuelle Entfaltung als unbedingtes Qualitätsmerkmal für das eigene Leben bewertet. Damit ist der Impuls aus einem ODER ein UND zu machen, längst gegeben. //

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Von Ion Jonas

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er »Fortschritt« wohnt in den Städten, wird in Städten geboren und vorangetrieben. Doch in Städten ist auch die Verwahrlosung zu Hause, und zwar die soziale (kurioserweise die Vereinsamung innerhalb der Menschenmasse), und die der Sitten (die wiederum dem Fortschritt dienen kann). All das ließe sich auch über viele Kriege sagen.

Die Zusammenballung von Menschen in hoher Dichte an einem Ort wie der Stadt ergibt kreative Energie. Dort entsteht aber auch destruktive Energie: die Gewalt, das Verbrechen. Es zucken die Blitze zwischen den Menschen. Die Stadt treibt das Wollen voran, macht die Menschen leichter vergleichbar und auf eine Weise, dass sie sich auch wirklich mehr vergleichen. Der Ehrgeiz steigt, der Darstellungsdrang, die Penibilität in der äußeren Erscheinung wird verstärkt. Man will anders sein, individuell, aber gleichzeitig entstehen durch Nachahmung Mode und Trends. Die stadtplanerische Frage, wie man in einer richtigen Stadt, z.B. im Zentrum, mehr Grün, mehr Luft und Licht einführen kann, führt in ein Paradoxon: Dieses Bestreben ist zu begrüßen – aber gibt es zuviel davon, verliert die Großstadt ihre extreme Dichte, die sie erst ausmacht. Die Wege werden länger und die Energie aus der menschlichen Kompression verliert die entscheidende, extreme Note. Eine Wanderung auf schmalem Grat. Vielleicht gar nicht planbar. //

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die stadt ist der ursprung

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»mehr als verkoofe« Mund-zu-Mund-Marketing ist eine impulsgetriebene Kettenreaktion. Wir hören von einem Freund von einem tollen Produkt. Impuls 1. Wir finden es ebenfalls toll. Und sagen es weiter. Impuls 2. Der macht es ebenso. Impuls 3. Und so weiter. Kleine Marken können so groß werden. Davon ist zumindest der deutsche Pionier des Word-of-Mouth-Marketing fest überzeugt. Wir haben mit Marting Ötting von trnd gesprochen. Von Thomas Ramge

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Hi Martin. Hi Thomas. Heute ist »Solar Impulse« in Brüssel gelandet! Oh wie aufregend! Ich konnte die Sache leider wegen meines Urlaubs nicht so richtig verfolgen - wie ist es gelaufen? Problemlos. In 13 Stunden von der Schweiz nach Belgien. So schnell wie ne Vespa ;). Aber ist doch interessant, dass Konstrukteure eines Solarzellenflugzeug ihr Gerät »Impuls« nennen. Naja, letztlich ist das ja ein Selbstvermarktungsname: »Wir erzeugen einen Impuls, indem wir zeigen, dass das geht. Wir stoßen die Tür auf zu neuen Vorstellungen davon, was mit regenerativer Energie möglich ist.« Oder so ähnlich. Du bist Marketeer. Gute Strategie? Gut daran ist sicherlich, dass es gelungen ist, einen erstaunlichen Durchbruch zu zeigen. Wer so ein Projekt initiiert, der macht das, weil er »Earned Media«, also Presse und Mundpropaganda für sein Projekt bekommen möchte. Etwas zugespitzt könnte man sagen, dass das letztlich nicht nur ein Ingenieurs-, sondern auch ein PR-Projekt ist. Insofern also auf jeden Fall eine gute Strategie. Allerdings weiß ich zu wenig davon, wer hinter der Sache steckt - kann also nur schlecht beurteilen, welche Ziele die Macher wirklich hatten. Offiziell: »Mit diesem Flug wollen wir die politischen Entscheidungsträger ermutigen, eine ehrgeizigere Energiepolitik zu betreiben. Es ist verrückt, dass die Menschheit pro Stunde eine Milliarde Tonnen Erdöl verbraucht.« So sagt es zumindest der Entwickler Bertrand Picard. Wenn es also ein wirklich idealistisches Projekt ist, welches für Phantasie und Begeisterung in Bezug auf Solarenergie sorgen soll, dann ist es eine gute Strategie. Was ist denn im Kontext Deiner Arbeit, Word-of-Mouth-Marketing, ein Impuls? Das ist beim Word-of-Mouth Marketing nicht ganz so einfach zu beschreiben wie in der klassischen Kommunikation. Bei der herkömmlichen Werbung ist das mit dem Impuls einfach: Da wird ein Plakat aufgehängt oder ein Werbespot ausgestrahlt, das ist der Impuls. Wenn man dagegen aktiv mit Mundpropaganda arbeiten will, dann ist der slowmag no 10 | 59


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Impuls, der dafür entsteht, zweigeteilt - Kommunikation entsteht meistens durch die Initiative eines Unternehmens (es stellt ein bestimmtes Produkt her, oder unternimmt eine bestimmte MarketingAktion). Aber zugleich ist eine Aktivität, ein Impuls auch und gerade von Seiten des oder der Konsumenten gefragt. Denn nur durch sie entsteht ja die eigentlich erwünschte Kommunikation. Beim klassischer Werbung soll der Impuls direkt den Buy-Button drücken, bei WOM erst einmal für Kommunikation sorgen? Sagen wir so: bei WOM geht man davon aus, dass in der Kommunikation ein sehr starker Buy-Button drin steckt - denn es ist Kommunikation von einer sehr glaubwürdigen Quelle über ein Produkt oder eine Marke, die überzeugend funktioniert. Die Aktivitäten des Unternehmens laufen dabei sozusagen über Bande. Das Unternehmen interagiert mit Kunden/Käufern/Konsumenten. Diese verbreiten die Botschaft bzw. den Impuls an andere. Bei klassischer Werbung geht die Kommunikation direkt an den Empfänger - und oft soll sie Kaufimpulse auslösen, häufig aber auch erst einmal Einstellungen verändern helfen. Mundpropaganda ist ja traditionell ein Werbemittel der kleinen Unternehmen. Ich weiß, ihr helft auch großen Markenartiklern, diese Kommunikationsform aktiv zu nutzen und ihr habt da ausgefeilte Methoden für die Fläche. Aber wie intensivieren die Kleinen eigentlich Freund-zu-Freund-Empfehlungen als Kaufimpulse? Es gibt zwei grundsätzliche Ansätze, mit Mundpropaganda zu arbeiten: 1.) Das Produkt oder das Angebot, das man hat, wird so ausgestaltet, dass es Mundpropaganda anregt. 2.) Die Art der Kommunikation mit bestimmten Mitgliedern der Zielgruppe wird so organisiert, dass diese zu Kommunikatoren oder Multiplikatoren für mein Geschäft werden. Ersteres kennen wir alle - besonders auffällige Produkte, beispielsweise, haben den Mundpropaganda-Effekt eingebaut. Da sie auffallen, kommunizieren sie sich selbst bei der Benutzung. Jeder, der mit einem auffälligen Auto vorfährt oder ein verrückt bedrucktes T-Shirt trägt, kennt das. Andere Möglichkeiten entstehen, wenn man sogenannte externe Netzwerkeffekte nutzt. Sie entstehen dann, wenn das Produkt für Kunden

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hen Kaufargumenten »Ich würde also nicht von moralisc likatoren ganz deutlich sprechen, sondern lieber die Multip men davon beseelt spüren lassen, dass da ein Unterneh d zu verbessern.« ist, wirklich Dinge zu verändern un

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nützlicher wird, wenn sie andere Kunden dazu holen. Beispiel: wenn keiner meiner Freunde bei Facebook ist, dann ist Facebook für mich nur halb so interessant. Ich werde die anderen also einladen, auch mitzumachen. Dann kann ich ihnen dort meine Urlaubsbilder zeigen. Der zweite Ansatz dreht sich nicht um das, was ich anzubieten habe, sondern um die Art und Weise, wie ich mit (potenziellen) Multiplikatoren umgehe: Binde ich sie in meine Aktivitäten ein, lasse ich sie zu Insidern werden, gebe ich ihnen die Möglichkeit mitzureden, mache ich sie zu meinen VIPs? Letzte Frage: Eignen sich moralische Kaufargumente eigentlich besonders gut, um per WOM einem Produkt einen Schubs zu geben? Indirekt ja – nicht, weil man mit der Moralkeule den Leuten sagen sollte »Kauft gefälligst hier, dann wird die Welt besser.« Aber wenn man die ethischen Standards und die Gründe dafür, dass der Kauf bei dem eigenen Unternehmen ein guter Kauf ist (im moralischen Sinne) an die Multiplikatoren gekonnt vermittelt, dann wird ihre Bereitschaft zur Unterstützung noch deutlich höher sein als bei den Unternehmen, denen diese Komponenten fehlt. Die Bereitschaft, sich aktiv am Marketingprozess zu beteiligen, hängt auch davon ab, ob die potenziell Aktiven einen Sinn darin sehen, eine Bedeutung, die über reine »Verkoofe« hinausgeht. Ich würde also nicht von moralischen Kaufargumenten sprechen, sondern lieber die Multiplikatoren ganz deutlich spüren lassen, dass da ein Unternehmen davon beseelt ist, wirklich Dinge zu verändern und zu verbessern. Wenn das von innen kommt und spürbar ist, dann pflanzt sich das auf die Multiplikatoren fort und sie brennen noch heller in ihrer Kommunikation.

Kurzbio Dr. Martin Oetting leitet als Gesellschafter und Director Research gemeinsam mit Rob Nikowitsch (CVO), Torsten Wohlrab (CEO) und Karsten Hoffmann (COO) die trnd AG - den »europäischen Word-of-Mouth-Marketing-Pionier«, mit Kunden wie Philips, Henkel, Nestlé, Unilever oder Procter & Gamble. Seine Doktorarbeit zu Word-of-MouthMarketing ist im Herbst 2009 unter dem Titel »Ripple Effect« erscheinen. Er ist regelmäßig im In- und Ausland als Referent zu diesem Thema tätig. // www.trnd.com

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style   con struction Von Felicia Kraus

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tilvoll konstruiert, individuell und in liebevoller Handarbeit gefertigt präsentiert sich die erste Kollektion »New Denim Construction« des Schmucklabels Style con Struction. Jedes Teil ist ein Unikat und erzählt die Geschichte einer Jeans, die nicht weggeworfen werden wollte. Für die Macherinnen Anna Joelle Hachtmann und Lea-Helen Lindstedt spielt die Wiederverwertung eine wichtige Rolle. Nach dem Prinzip des upcyclings möchten sie in unserer Wegwerfgesellschaft kleine modische Statements setzen. Entstanden ist die Idee durch den Drang der beiden Modedesignerinnen, sich neben ihrer kommerziellen Arbeit in der Modeindustrie kreativ und handwerklich weiter zu entwickeln und zu entfalten. Inspirieren lassen sich die Beiden durch moderne Architektur und die Schönheit der Natur. Unser Geheimtip! Mehr unter www.style-con-struction.com oder direkt über die E-Mail: info@ style-con-struction.com

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Von Silvia Follmann

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an steht und staunt: große Augen, glühende Wangen. Vom Protagonisten zum Betrachter geworden, legt der Blick sich mit einem Male auf das, was sonst verborgen bleibt im bunten Strudel des Tages. Auf das, was sonst nur einen Wimpernschlag lang Teil der eigenen Realität ist und sortiert aus, was die Welt zu sein schien. Scheinbare Nichtigkeiten wachsen in den Himmel und türmen sich zum Befreiungsschlag aus Lethargie oder bloßer Gleichgültigkeit auf. Die helfende Hand in der letzten Woche, das unerwartet strahlende Lächeln an einem fürchterlichen Tag, genau die richtigen Worte, die das Leben retten, das erste goldene Blatt im Herbst, der sauer-süße Geruch von einer reifen Orange und die bunten Farbflecken, nachdem man zu lange in die Sonne geschaut hat. Wenn man Glück hat und es zulässt, dann gibt es Zeiten, in denen die Schönheit des Einfachen mit voller Wucht zuschlägt, das Gesicht in tiefe Lachfalten legt, das Herz wieder frei macht und den Atmen zurückgibt. Diese scheinbar selbstverständlichen Kostbarkeiten sammeln sich, jeden Tag, jede Nacht, jede freie Minute. In der Regeln sind sie unauffällige Begleiter, ziehen stoisch mit uns durch Raum und Zeit. Bis sie hier und da aus dem Schattendasein auftauchen, uns an der Hand nehmen, Schatten spenden, Wärme schenken. Die Zeit heilt keine Wunden, sondern das, was die Zeit uns gibt. Was selbstverständlich scheint, aber es nicht ist. Das, was begleitet, ohne zu müssen. Die Puzzleteile, aus denen sich unsere Tage zusammensetzen. Jene, die man immer am schwersten finden kann, weil man sie genau vor Augen hat. Das was da ist, wenn uns die Puste ausgeht und wir nicht mehr können. Es ist das, was uns in dunklen Nächten doch noch schlafen lässt. Einfach so. Immer und immer: sind es die einfachen Dinge, die glücklich machen. //

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: Hallo,

auch wenn auf folgender Website ein sehr düsteres Bild gezeichnet wird, mit dem ich so nicht übereinstimme (und das auch nur so gilt, wenn man ALLES über Apple macht), so ist der Abschnitt über die Apple ID wirklich interessant: https://sites.google.com/site/apfelsud/ Wie machst Du das mit dem anonymen Einkaufen bei Apple mit iTunes-Gutscheinen? Gruß und Gute Nacht, S. *** K: Sehr interessant! Aber immer wieder der Hinweis auf die schlechten Arbeitsbedingungen – das kann ich nicht mehr hören. Es ist wirklich schlimm, aber nicht besser bei anderen Unternehmen. Würde gern wissen, auf welchem Gerät der Schreiber das verfasst hat. Wahrscheinlich auf nem Mac :)) In jedem Fall hat er mit dem Mac zu tun, sonst wäre ihm ja das ganze Prozedere nicht klar. Einkaufen bei Apple: Du mußt eine Apple ID angeben. Die kann ja sonstwas sein. Dann gibst Du bei Kreditkarteninformationen gar nichts ein und kannst einfach irgendwo nen Gutschein kaufen, freirubbeln und einlösen. Schon hast Du keine persönlichen Angaben gemacht. Gruß, K.

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S: Ich habe es gerade probiert: Wenn ich eine neue Apple ID anlege, kann ich zwar kein Zahlungsmittel angeben, aber ich muss trotzdem eine Adresse angeben, und das wollte ich ja gerade verhindern... hab jetzt zumindest für den Mac App Store eine neue Apple ID angelegt mit falschem Namen und Adresse, damit sie das nicht mit meiner Musik- und iOS-App-Infos zusammenbringen können. Ich versuche immer (auch bei Google und so), den Firmen möglichst kein zusammenhängendes Bild meiner Aktivitäten zu geben (obwohl ich eigentlich »nichts zu verbergen« hätte). Ob das hier klappt, weiß ich aber nicht, weil mein Mac wahrscheinlich ohnehin durch eine einzigartige ID identifizierbar ist, die immer mitgesendet wird. Naja, wenigsten ein bisschen Sand ins Getriebe streuen... *** K: Ich hab eine falsche Adresse eingegeben. Die Straße heißt sogar Musterstraße. Mein Rechner ist auch nicht mit der richtigen Adresse registriert. Auf der anderen Seite würde ich mich nun wirklich nicht daran stören, dass die die


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eine stinknormale firma Ein abgehörtes E-Mail-Gespräch von Apple-Kunden über ihre Daten – und am Ende um weit mehr.

richtige Adresse haben. Alle, bei denen ich online bestelle, haben meine Anschrift. Was macht das für einen Unterschied? Mein Benutzerverhalten sollen die ruhig analysieren, dann bekomm ich wenigstens nur noch Werbung für Sachen, die mich interessieren. Das mag vielleicht mein Konsumverhalten beeinflussen, aber bevor ich wirklich was kaufe, erkundige ich mich eh ausgiebig. Wie frei ich von all den Einflüssen bin, entscheide ich immer selbst. Und dieser ganze CIA-/FBI-Verschwörungskram, naja... Man kann auch hinter jeder

Ecke das Böse sehen. Mein Schatz sagt immer: »Denk an das Gesetz der Anziehung!« Wenn ich mir also ständig

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Gedanken darüber mache, wer hinter mir her ist, dann zieh ich das womöglich noch an. Wenn Leute so eine Abhandlung schreiben, dann hab ich manchmal ein bisschen das Gefühl, sie lenken sich (und andere) nur von sich selbst ab (und ihrer eigenen Verantwortung). Die Welt wird durch seinen Text nicht besser, er kann sie nur besser machen, in dem er sich selbst verändert... Das wird er aber nicht, wenn er ständig damit abgelenkt ist, andere zu verteufeln. Ich versuche mich weiter von der Negativität zu lösen, denn je mehr wir ihr Raum geben, desto mehr wird sie sich manifestieren, um’s mal metaphysisch auszudrücken. Vielleicht machen wir ja durch unsere Wahnvorstellungen Apple zu einer Art Scientology, quasi als selbsterfüllende Prophezeihung. Apple ist für mich eine stinknormale Firma, die Produkte verkauft, die ich gern nutze. So wie Ableton für Musik, DM für Duschbad etc. Steve war mir schon immer egal, war nie der Guru für mich, wie für an-

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dere. Die Keynotes haben mich nie wirklich interessiert. Ich hab von der angeblichen kompletten Datensammlung noch nichts mitbekommen, nach Jahren der Nutzung. Außer, dass ich auf fast jeder Seite Native Instruments-Banner sehe ;) Aber das ist wohl eher Google. Gab bisher keine Probleme. Und ich wette, die wird’s in Zukunft auch nicht geben. Es sei denn, ich entscheide mich dafür, mich bedroht zu fühlen. Dann ist das aber ein hausgemachtes Problem. Aber dennoch ist der »Wirtschafts-Krimi« auf der Seite sehr spannend zu lesen. Liebe Grüße, K. *** S: Ich sehe das Böse nicht überall, aber eine derartige Datenhäufung bei einer privaten Firma will ich persönlich nicht, ganz einfach. Egal, bei welcher Firma. Und beim Staat natürlich auch nicht. Nirgendwo ! Im Buch »Payback« wird ja beschrieben,


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wie die Leute hinter Google und Facebook sich geradezu eine Ideologie daraus gebastelt haben, wie die Auswertung gesammelter Daten eine bessere Welt erschaffen kann. Ein Superhirn im Dienste der Bedürfnisse der Menschen soll entstehen. Dass personalisierte Werbung so angenehm ist, ist sozusagen der Grundstein davon. Komischerweise entspricht diese Ideologie genau dem Geschäftsprinzip, wie diese Firmen ihr Geld verdienen… Und wenn das alles nur zu unserem Guten ist, dann frage ich mich, warum die Sammlung dieser Daten und vor allem deren Verknüpfung so heimlich geschieht! Das hat nichts mit Verschwörungen zu tun (der Begriff wird übrigens immer so benutzt, als wären sie nur Hirngespinste, dabei sind sie ein Grundbaustein der Evolution und ganz alltäglich, z.B. im Privatleben). Die etwa 16 bis 1271 Geheimdienste der USA (!) haben Zugriff auf all die gesammelten Daten, und sie sind nicht unbedingt demokratisch kontrolliert (http://www.welt.de/ politik/ausland/article8539356/AmerikasGeheimdienste-sind-unkontrollierbar.html).

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Illustration: Robert Hampicke o

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Bitte steig nicht auch noch auf die dämliche Verdammung der »Verschwörungstheoretiker« ein ... Ich bin nicht paranoid, ich lasse nur mit möglichst wenig Aufwand ein wenig Vorsicht walten. Und Apple könnten die Daten ja auch geklaut werden... Ich beschäftige mich damit nicht übermäßig lange, aber ein bisschen Zeit kann man dafür schon aufwenden. Doch, die richtige Adresse ist der fehlende Puzzle-Stein, denn sie haben sonst alles von mir: 1. Musik 2. Was ich bereits an Musik habe, auch aus anderen Quellen. 2. Podcasts (z.B. über politische Themen) 3. Apps auf meinem iPhone 4. Wie, wann und wo ich diese Apps benutze. 4. Programme für den Mac 5. Was ich bereits an Programmen habe, auch aus anderen Quellen. 6. Mein Aufenthaltsort zu jeder Zeit, wenn das iPhone nicht im Flugmodus ist. Das alles kann miteinander verknüpft werden. Wenn Du davon noch nichts mitbekommen hast, so ist das kein Argument dagegen, dass die uns tatsächlich schlimmer als die Stasi ausforschen. Selbst wenn sie nichts »Schlimmes« damit machen sollten, sollten sie diese Daten nicht haben.

Es ist sicher richtig, dass Du Dich von Negativität freimachen willst, aber bitte schalte deswegen nicht Deinen gesunden Menschenverstand ab. ;) Liebe Grüße, S. *** K: Es ist mir dennoch schnurz, was die mit meinen Daten machen, viel können sie damit nicht anfangen, es sei denn, sie lesen unsere (Deine und meine) Mails. { AHNEN DIE WAS ? }

Ich bin übrigens der erste, der sich auf Verschwörungstheorien einlässt, allein aus dem Grund, weil ich mega-neugierig bin. Es ist nur die Frage, wie man damit umgeht. Ich hatte schon solche Angstphasen, wo ich dachte, alles ist ein Komplott - damals ging’s mir wirklich beschissen - und das war ein eindeutig hausgemachtes Problem. Ich gehe dennoch damit selbst auch kritisch um, aber ich fühle mich nicht bedrohter, als durch das BKA - und das sitzt hier in Deutschland nun mal am längeren Hebel. Ich sollte für Fischer und Schröder auf ’nem Mittagessen mit hochrangigen Politkern auflegen, nach dem BKA-Scan hab ich nichts mehr von denen gehört... so, und nu? Zu Deiner Aufzählung: Was das angeht, dann fühl ich mich erst recht nicht gefährdet. Was wollen die damit? Verstoße ich neuerdings gegen den Partriot Act, weil ich James Blake höre? Die haben außerdem sicher nicht die Zeit, meine Musik und meine Podcasts zu analysieren { HAHA, DAS MACHT DER COMPUTER GANZ AUTOMATISCH }. Menschenrechte werden ganz

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offensichtlich an ganz anderer Stelle verletzt, da mach ich mir bei Apple keine Sorgen. Ich glaub, den geht’s viel mehr um Kohle machen und weniger um Politik. Bei Apple wird nach meinem Gefühl etwas aufgebauscht. Du hast recht, sie könnten uns tatsächlich ausforschen, wie die Stasi, das machen sie aber nicht, davon bin ich überzeugt... *** S: Mag ja alles sein, aber wegen James Blake kriegen sie Dich dran! ;) Es stimmt, Apple macht auch nur, was alle machen, und zu Google und Facebook habe ich weniger Vertrauen. Aber Apple ist eben - wie Du schon sagtest - auch nur eine stinknormale Firma, die auf Verlangen die Daten rausgeben muss an jeden, der in den USA an der Macht ist… Wenn es so weitergeht, sieht er die Demokratie am Abgrund: »Unsere rechtsstaatlichen Errungenschaften gehen Schritt für Schritt verloren. (...) Seit zwei Jahrzehnten also beschäftigt er sich damit, welche Gefahren der Privatsphäre drohen. »Und ich bin noch immer nicht paranoid«, sagt Schaar. Das ist schon ein Erfolg für sich. Ziemlich heftige Aussagen für einen Bundesdatenschutz-Beauftragten. Der auch das Buch Das Ende der Privatsphäre geschrieben hat … Na dann: Jute Nacht! *** K: Ich habe damals beim G8-Protest gemerkt, dass die Demokratie am Abgrund ist, als Polizisten nach minutenlangem Kreisen direkt über den Köpfen der Pro-

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testler, aus den Hubschraubern gestiegen sind, wie im Vietnamkrieg. Das hat mich echt fertig gemacht. Da muß man nicht nach Amerika rübergucken, das geschieht direkt vor der Haustür. Ich hab außerdem die Erfahrung gemacht, dass es mir aber eben nur schlechter geht, wenn ich mich damit weiter in dem Maße auseinandersetze. Ich habe mit einer für mich persönlich noch viel dramatischeren Verschwörung zu tun - ich sag nur Pharmalobby. Das bedroht mich persönlich jederzeit und ganz akut. Ich könnte Dir Links z.B. über Krebs schicken, da wird Dir ganz anders zumute... Das Problem ist, dass Du kaum die Macht hast, was dagegen zu tun. Also besser sich auf sich selbst konzentrieren und die Dinge nur so weit wie nötig an sich ranlassen. Seit ich regelmäßige Nachrichtensperren einhalte und filtere, fühle ich mich wohler. Und das ist keinesfalls Egoismus, á la »was interessiert mich fremdes Elend«. Ich konzentriere mich eben mit meinen Idealen und Prinzipien auf den Teil, bei dem ich mitwirken kann, und das ist nun mal nur mein direkter Dunstkreis, der aber vielleicht auch größere Anstöße geben kann. Ich bin dann einfach ausgeglichener und gesellschaftsfähiger und nütze so meinem Umfeld mehr. Je mehr ich mich mit einem Thema auseinander setze, egal ob in positiver oder negativer Art und Weise, gebe ich diesem Thema Energie und nähre es damit. Das ist ein komplett gedrehtes Weltbild, aber es funktioniert, davon bin ich überzeugt. Das meine ich mit der eigenen Verantwortung. Man kann natürlich Apple boykottieren und kein Google benutzen oder Facebook, aber auch das führt dem Ganzen Energie


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Wir übernehmen Verantwortung für uns, wir nutzen das System und schaffen als Ausgleich gute Energie im Kleinen. Das kann man mit unseren Daten in Amerika nicht messen. Unsere kleine Privatverschwörung... Daten sind eben nur Daten, mit denen sich in unserem Fall nichts anfangen lässt. Mit besten Grüßen und Dank für die kurze Ablenkung :) *** S: Schön geschrieben! Und auch eine Art, die Dinge zu sehen, die was für sich hat. Wobei man aufpassen muss, sich es nicht zu gemütlich in dieser Ecke einzurichten, also diese Sichtweise nicht als Rechtfertigung für ein totales gesellschaftliches Raushalten zu nehmen. Und bei der Nutzung dieser Dienste würde ich nicht so Schwarz/Weiß sehen: Ich muss Apple, Facebook und Google nicht komplett boykottieren, um ihnen ein bisschen Sand ins Getriebe zu streuen und ihnen nicht freiwillig alles in den Rachen zu werfen. Ich versuche genau das, wo der Aufwand und die Nachteile für mich über-

schaubar bleiben. Ich kann Dir bei Interesse ’ne Liste schicken, wie genau das aussieht bei mir. Das wirkt dann zwar schon wieder wie viel Aufwand, aber ich habe das alles ja über die Jahre gemacht und immer nur, wenn ich mich ohnehin irgendwo angemeldet habe. Also alles in vertretbarem Rahmen... und ich bin auch bei Facebook, wie Du weißt. ;) Liebe Grüß, S. *** K: Richtig angestellt bedeutet es das Gegenteil von Raushalten - also wenn man sich seiner Verantwortung bewusst ist und die Welt direkt um sich herum mit Respekt und Mitgefühl behandelt. Gruß, K.

ENDE DES PROTOKOLLS ANMERKUNG: DIE LISTE VON S. LIEGT UNS VOR, VON DEN MASSNAHMEN DARAUF GEHT JEDOCH KEINE GEFAHR FUER DAS DATA MINING AUS. //

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was gesagt wird | impuls

Zusammengestellt von

Ion Jonas

Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts. Hermann Scheer

Klug durch Beobachten! Britta Zwarg

Reich mir Dein Glas, es könnte voller sein! Peter Fox

Seltsamerweise ist gerade das in der Kunst konventionell-gekünstelt, was zweifelsohne zu unserer ganz gewöhnlichen, alltäglichen Wahrnehmung gehört. Das erklärt sich daraus, daß das Leben eben erheblich poetischer organisiert ist, als sich das die Anhänger eines absoluten Naturalismus zuweilen vorstellen. So prägt sich vieles beispielsweise unseren Herzen und Gehirnen lediglich als bloßer Impuls ein. Und da in den besagten gutgemeinten, lebensnahen Filmen nicht nur eine Zugang hierzu fehlt, sondern dieser auch noch von deutlich vorgegaukelten Darstellungen verstellt wird, kommt eben statt Authenzität lediglich – milde gesagt – Gekünsteltes heraus. . Andrej Tarkowski

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was gesagt wird | impuls

Ihr folget dem Brauche, den ihr bei euren V채tern schauet? Aber wenn nun eure V채ter unvern체nftig waren und auf Irrwegen wandelten? Mohammed

Mein Feind ist die Langeweile und nicht irgendein abstraktes Scheitern. Timothy Ferriss

Dagegen sehe ich hierzulande Anzeichen f체r eine skeptische Grundhaltung, die sich breitmacht. Das kann so nicht weitergehen... Guido Westerwelle

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im puls der zeit? Von Ingmar Dobberstein

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ein Herz schlägt 72 mal pro Minute. Ich gebe zu, wenn ich mich über ein Thema erhitze, etwas Aufregendes erlebe oder bei meiner Liebsten bin, schlägt es auch gerne etwas schneller. Aber im Normalfall liegt mein Puls so ungefähr zwischen 70 und 80. Andere Lebewesen ticken da anders. Bei den verschiedenen Tierarten variiert die Herzfrequenz sehr stark. So schlägt das Herz der Teichmuschel nur vier- bis sechsmal in der Minute, das eines Wals im Durchschnitt 15 mal und beim Pferd 28 bis 40 mal pro Minute. Eine Spitzmaus dagegen hat eine Herzfrequenz von 800 bis 1200 Schlägen pro Minute (ähnlich dem Kolibri), während das Herz eines Meerschweinchens »nur« 200 bis 300 mal in der Minute schlägt. Interessant ist dabei der Fakt, dass Säugetiere offensichtlich über eine Gesamtmenge von einer Milliarde Herzschlägen im Leben verfügen. Das bedeutet, die Arbeitsleistung des Herzens ist begrenzt. Das menschliche Herz bildet mit maximal vier Milliarden Herzschlägen im Leben eine Ausnahme von dieser Regel. Die Herzfrequenz wird allgemein in bpm (beats per minute) angegeben, der Vergleichbarkeit halber möchte ich dies allerdings in die physikalische Größe Hertz (Hz) übertragen, die im allgemeinen die Menge an Schwingungen oder aber regelmäßig wiederholten Vorgängen pro Sekunde angibt. Mein Herz schlägt umgerechnet also mit einer Frequenz von durchschnittlich 1,2 Hertz.

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Meine Gehirnschwingungen sind da bereits etwas schneller. Im Wachzustand, also mit normaler Aufnahmefähigkeit und dem Reaktionsvermögen des Alltages, befinden sie sich im sogenannten Betawellen-Zustand und schwingen mit einer Frequenz von 14 bis 20 Hertz. Während des Schlafes und in Entspannungsphasen treten Alpha-, Theta- und Deltawellen-Zustände ein, die sich allesamt durch geringere Frequenzen auszeichnen (Thetawellen: 4 bis 7 Hz, Deltawellen: 0,5 bis 4 Hz). In der optimalen Verarbeitungsphase des Gehirns schwingt es im AlphawellenZustand mit 8 bis 13 Hertz und hat dabei seine höchste Verarbeitungskapazität für Informationen. Im Gegensatz dazu schwingt das Hirn im Falle großer emotionaler Aufregung und Stress in den Betawellen-Bereichen über 21 Hertz, die als Dauerzustand zu Blockaden und Lernund Denkstörungen führen. Mein Facebook-Account erhält am Tag ca. 1200 bis 1500 neue Kurzmeldungen von meinen Kontakten, für deren Erfassung ich zwischen 2 und 30 Sekunden benötige. Wobei es natürlich Ausnahmen gibt, die eine längere Zeit meiner Aufmerksamkeit beanspruchen. Die Facebook-Nachrichten alleine haben damit eine Frequenz von ca. 0,02 Hertz. Die tatsächliche Zahl der auf mich und andere Menschen einströmenden Informationen sind weitaus höher. Dazu rechnen nicht nur Nachrichten über die zur Verfügung stehenden Medienkanäle wie Inter-


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net, Fernsehen, Radio, Telefon und Printmedien, sondern vor allem Informationen, die im Alltag zur Orientierung, Fortbewegung und Lösung der uns aufgetragenen Aufgaben gebraucht werden, aber auch alles zufällig Wahrgenommene. Ein Glück, dass die meisten dieser Informationen unbewusst verarbeitet werden und kein Wunder, wenn man sich bei dieser Flut von Informationen am Ende eines Tages erschöpft fühlen würde. Im Allgemeinen sagt man, dass 99% der wahrgenommenen Informationen unbewusst verarbeitet werden und nur 1% unser Bewusstsein erreicht. Seit längerem wird von einer schnelllebigen Zeit gesprochen, wenn man über die Geschwindigkeit von Ereignissen und den Wandel in der heutigen modernen westlichen Gesellschaft diskutiert. Nachhaltigkeit ist eine Forderung der Neuzeit, um dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen, Stabilität ein immer häufigeres Bedürfnis, damit der »normale« Mensch

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sich auf die rasant ändernden Umstände einstellen kann, sich an sie adaptieren kann. Und doch wird es nur als zeitgemäß angesehen, ja fast schon vorausgesetzt, wenn man sich dem Puls der Zeit anpasst und sich mit ihm bewegt. Besser noch sollte man seiner Zeit voraus sein, also noch schneller ticken, um erfolgreich sein zu können und zum Beispiel eine vielversprechende Karriere hinzulegen. Zumindest wird es immer wieder so vermittelt, von Marketingspezialisten, Zeitmanagern oder sonstwie gearteten Coaching-Experten. Dabei drängt sich mir schon beim Schreiben dieses Artikels die Frage auf, wann man noch Zeit haben soll, all diese Informationen zu verarbeiten, auf seine innere Stimme zu hören bzw. dieser auch zu folgen. Und ob man dies überhaupt noch braucht, in einer Zeit, in der so viele Reize und Informationen von außen kommen, dass es eigentlich keiner eigenen Gedanken mehr bedarf. Wozu nach innen horchen, wenn draußen schon soviel passiert?

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Was ist der Puls der Zeit? Und was hat er mit mir zu tun? Was hier mit »Zeit« gemeint ist, beschreibt den Zeitgeist, die Normalität der gegenwärtigen Gesellschaft, das, was wir zum Großteil als gegeben akzeptieren, ohne es im Grundsatz zu hinterfragen. Klar, ich habe nichts gegen Computer, schnelle Autos, Züge und Flugzeuge oder all die anderen Dinge, die mein Alltagsleben erleichtern. Ich finde es gut, dass mein Computer Rechenprozesse in einer Taktfrequenz von 2,3 Gigahertz absolviert, ich könnte es mit meinem 20-Hertz-Hirn ja nicht mal mit viel Übung in diese Regionen schaffen. Aber bedeutet dies auch unweigerlich, dass mein Leben immer schneller werden muss, dass ich immer mehr Aufgaben pro Zeiteinheit bewältigen können muss? Die Zeitrechnung selbst wurde von Menschen erfunden. Genauer gesagt, geht sie auf die Beobachtung natürlicher Rhythmen von Sonne, Mond und Jahreszeiten, dem Tag und Nachtwechsel sowie den Sternenkonstellationen zurück und sollte in erster Linie der Vorhersagbarkeit von Naturereignissen gelten. Mit zunehmendem Organisationsgrad der menschlichen Gesellschaft wurden mehr und mehr verbindliche Datierungen und Terminierungen vonnöten, was von den ersten Kalendern um 3000 v. Ch. zu immer genaueren Zeiteinteilungen führte. Über Sonnenuhren, Sanduhren und andere Zeitmesser, die sich bereits sehr früh in den sonnenreichen südlichen Regionen etablierten, entwickelten die Menschen immer genauere Instrumente, bis schließlich 1946 die erste Atomuhr entwickelt wurde, die mit Hilfe ihrer Orientierung an den Schwingungen von Atomen eine bisher nicht gekannte

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Genauigkeit ermöglichte (Abweichung 1 s in 30 Millionen Jahren). Die Notwendigkeit einer genauen Zeitrechnung soll hierbei grundsätzlich nicht in Frage gestellt werden, allerdings sehr wohl das, was in unserer modernen Gesellschaft daraus gemacht wurde. Diente jegliche Zeiteinteilung ursprünglich dazu, Rhythmen der Natur besser darzustellen um eine Anpassung des Menschen an diese Rhythmik zu erleichtern, möchte ich behaupten, dass wir diese Instrumente mittlerweile dazu missbrauchen, unserem Lebensalltag menschengemachte Rhythmen aufzudrängen, die in Wirklichkeit gar keine sind. Ob dies ein Acht-Stunden-Tag bzw. dessen Termingestaltung, der Beginn und das Ende der Arbeitszeit, die modernen Partyzeiten oder andere gesellschaftlich festgelegten Termine sind, ist dabei nebensächlich. Wichtig ist die Frage, in wie weit sie meinem ganz persönlichen Rhythmus entsprechen oder nicht. Werden wir mittlerweile von unserer eigenen Erfindung, der Zeitmessung, beherrscht, anstatt sie als Mittel zum Zweck zu nutzen, unser Leben so angenehm wie möglich zu gestalten? Viele dieser willkürlich gesellschaftlich erfundenen Rhythmen dienen in erster Linie ökonomischen und organisatorischen Bedürfnissen, die rein gar nichts mit einer Ausrichtung auf menschliche, gesundheitliche oder einer der Natur angepassten Rhythmik zu tun haben. War der Spruch »Schneller, höher, weiter!« zu Zeiten der ersten Eroberung des Weltraums vielleicht noch mit der Romantik eines menschlichen Aufstrebens zu besseren Lebensbedingungen verbunden, ist er heute nur noch Inbegriff einer profitgierigen, durch


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wirtschaftliche Interessen geprägten Gesellschaft geworden. Die Wandlung unseres Wertesystems und die Erhebung des einstigen Tauschmittels Geld zum höchsten Wert der Gesellschaft ist eine vergleichbare Perversion der modernen Gesellschaft zum Umgang mit der Zeit. Allein der sehr geläufige Ausspruch Zeit wäre Geld drückt aus, wie weit wir unsere Wahrnehmung von natürlichen aber vor allem auch unseren persönlichen Rhythmen entfernt haben. Wie störend oder aber auch beruhigend, dass man über haupt noch schlafen muss, wenn man nachts müde wird, dass die Periode der Frauen immer dann kommt, wenn man sie gerade gar nicht benötigt oder schon wieder Winter ist, wo man doch den ganzen Sommer mit irgendwelchen Projekten beschäftigt war. Die Konsequenzen dieses Missbrauchs der uns zur Verfügung stehenden Hilfsmittel wie Zeitmessung oder Kalender wird mehr und mehr spürbar. Burn-Outs werden zur Alltagserscheinung und treten bereits bei Teenagern auf. Nach aktuellen Studien hat jeder sechste Arbeitnehmer in Deutschland psychische Probleme im Zusammenhang mit seinem Job. Stressphänomene, Ungeduld, Reizbarkeit und viele andere Dinge haben wir längst als normal akzeptiert und in unseren Alltag integriert. Die Ausmaße dessen werden sichtbar, wenn es uns plötzlich schwer fällt, im Urlaub zu entspannen, wenn der Körper mal für kurze Zeit die Möglich-

keit hat, nach seinen Rhythmen zu funktionieren. Die stark zunehmende Zahl der Yoga-Anhänger, Selbsthilfegruppen, Meditationskurse und Psychoseminare wird häufig noch von den termingejagten und vermeintlichen Stressbeherrschern belächelt, beweist jedoch das Bedürfnis der Menschen nach Veränderung dieser gegenwärtigen Normalität der Gesellschaft. Ob eine Entschleunigung, die Rückbesinnung auf »vergessene« Werte oder Entspannungsübungen im Einzelfall eine Lösung darstellen, vermag ich hier nicht zu sagen. Wie die Tiere ticken auch verschiedene Menschen in verschiedenen Rhythmen und dies ist nicht zuletzt der großen Vielfältigkeit der Natur geschuldet. Und dennoch scheint dieses Ticken, der eigene Puls, begrenzt zu sein, dass heißt, er ist ungeachtet vieler anderer Faktoren sehr wohl davon abhängig, mit wie viel Stress und emotionaler Aufregung wir unser Leben verbringen. Diesen eigenen Rhythmus zu erkennen und ihm auch konsequent Raum zu geben ist am Ende eine ganz persönliche Herausforderung, für die sich keine Gesellschaft dieser Welt interessiert. Man wird ihn nur wahrnehmen können, wenn man sich selbst genau zuhört – egal wie schnell die Uhr, der Zeitgeist oder mein Nachbar tickt. //

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Von Jan Wehn

von b채umen und beardos

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Folkmusiker wie die Fleet Foxes oder William Fitzsimmons gehen mit ihrer Musik wieder zurück auf das Land.

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igentlich kommt dieser Artikel ein wenig spät. Waren die neuen Folkbands doch schon im letzten Jahr in aller Munde. Aber wenn man ehrlich ist, hat sich an der Begeisterung für die Musik der Bärtigen und Naturverbundenen nicht viel getan, besser noch: Die Idee, Attitüde und Passion hinter den Songs von Bands und Künstlern wie den Fleet Foxes, William Fitzsimmons oder William Elliot Whitmore ist aktueller denn je. In den letzten zwei Jahren hat sich in der folkloristisch angehauchten Popmusik der Trend zur Stadtflucht eingeschlichen. Nicht offensichtlich und plakativ, sondern eher subtil, unterschwellig und ganz sanft – genau so, wie die Musik eben klingt. Aber nicht nur die, sich konträr zum immer lauteren und bunteren Treiben in der Popmusik bewegenden Töne drücken eine vermeintlichen Sehnsucht nach Ruhe und Langsamkeit aus. Auch die Texte, durchzogen von romantischen Motiven und sehnsüchtigen Bildern, machen klar: die Beardos sprechen dem Stadtmenschen aus der Seele. Dabei ist es letztendlich egal, ob man Schnäuzer und das ironisierte Kassengestell aus Hipness gegen Holzfällerhemd und Vollbartwuchs getauscht hat oder sich tatsächlich ohne trendige Beweggründe (ja, auch das soll es noch geben) für die Musik begeistern kann. Nur, was ist das überhaupt: der neue Folk? Die neue Folkmusik, das ist schwebende, wispernde und angenehm unaufdringliche Klangkunst gleichermaßen. Entschleunigtes Akustikgitarrenpicking, nur selten von verhaltenen Drumsets zusammengehal-

ten. New Folk, Freak Folk – die Genre-Auswüchse gehen hin bis zu Unterklassifizierungen wie New Weird America, welches den Psychedelic Folk noch in weitere, durch Avantgardeansätze verfremdete Untergruppen unterteilt. Und ein Bon Iver dreht den neuen Folk noch etwas weiter in die avantgardistische Richtung. Spricht man über all diese Genres und ihre Vertreter, bleiben Querverweise und ein Rekurrieren auf die Vorgänger und Weg-Ebner wie Crosby, Stills, Nash & Young oder Simon & Garfunkel nicht aus - aber egal ob damals oder heute: Es ist Musik zum Insich-Gehen, zum Hektik-Vergessen und Fokussieren auf das, was unmittelbar um einen Herum geschieht. Damit werden mit Sicherheit auch die Sehnsüchte des schnelllebigen Stadtmenschen bedient. Denn der sympathische Lo-Fi passt dank Banjo, Dobro und Akustikgitarre schon mal eher ans Lagerfeuer und in die kamingeheizte Holzhütte, als in den ketaminverseuchten Tanztempel deines Vertrauens oder den scheinbar naturverbundenen Open Air-Rave am Rand der Stadt. Hinzu kommen die Texte, mit denen die FolkKünstler des neuen Jahrtausends romantische Bilder schaffen. Verwachsene Landschaften, endlose Weiten, durch Täler mäandernde Flüsse. Nach einem langen Tag in den Wäldern am Abend vor der Holzhütte, die dreckigen Wildledertreter von den erdigen Brocken befreien. Die vom Herbstregen nasse Jacke über den Stuhl in der Stube legen und die kalten Finger und Füße am Kaminfeuer wieder wärmen. Das sind Bilder, die einem beim Hören der Songs unweigerlich vor Augen kommen. Eine Reduktion der äußeren Reize, die auch wieder die großen Gefühle zulässt. Es klingt banal: aber in der Welt, in die

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uns die Folkmusik mitnimmt, haben Smartphones keinen Platz. Vergessen scheinen die ständige Erreichbarkeit, der Druck des Jobs und die Oberflächlichkeit des Zwischenmenschlichen. Mit Worten und Klängen wird hier ein Setting geschaffen, welches sich fernab vom hektischen Treiben in den Städten unterscheidet. Überhaupt: Die Stadt ist kein Thema in den Texten der Folkbands. Wenn, dann ist man nur kurz dort (siehe etwa »Blue Spotted Tail« von den Fleet Foxes) um rasch wieder in der Einöde zu verschwinden. Überhaupt werden die Fleet Foxes gerne als Vorreiter der neuen Folkmusik gesehen. Keine Lagerfeuermusik wimmernder Waldschrate, sondern Musikalisches, Mehrstimmiges und Mantra-Melodien für den melancholischen Spaziergang durch den Morgendunst. Das selbstbetitelte Debüt erschien über den Indie-Riesen Sub Pop und sorgte sogleich für Begeisterung. Um neue Bandmitglieder und folglich auch neue Instrumente angereichert, erschien im Frühjahr der Nachfolger »Helplessness Blues«. Darauf zu hören: folkloristischer Indierock in Perfektion. Steel-Gitarren, Zithern, und Choralgesänge aus dem Nordwesten der USA – barock und bärtig gleichermaßen, naturverbunden und romantisch. Auch die Metaphorisierung der Gefühlswelt durch das Zeichnen von Bildern mit Hilfe der Natur - Schnee, Regen, Sonne, Wind – ist charakteristisch für die neue Folkmusik. Musik, die einer Wanderung gleichkommt. Einer, der dies besonders gut schafft, ist Williem Elliott Whitmore, dessen neues Album »Field Songs« gerade eben erschienen ist. Zwar ist Whitmores Musik mitunter eher dem Blues zuzuordnen,

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was die Thematik angeht, gibt der Albumname hier aber definitiv die Marschrichtung vor. Hier wird das Acker bestellt, die Tiere versorgt, das Heu gekämmt und nach einem langen Arbeitstag auf dem Feld über das Leben sinniert. Das ist nur konsequent, wurde Whitmore doch auf einer Farm am Mississipi River groß und lässt das landwirtschaftliche Treiben seit jeher in seine Alben einfließen. Bei William Fitzsimmons geht es zwar nicht unbedingt um das Pflügen und Melken, dafür aber ebenfalls um Kindheitsund Jugenderfahrungen, die der Musik einen uniquen Charakter verleihen und vielleicht gerade deshalb so viele Menschen ansprechen. Fitzsimmons ist ein hagerer Mann, dessen wuchtiger Rauschebart dem von Cat Stevens, pardon: Yusuf Islam, zu seinen besten Zeiten Konkurrenz macht. Fitzsimmons wächst in Pittsburgh auf. Seine Eltern sind blind und so baut der Junge bereits in frühen Jahren eine besondere Beziehung zu akustischen Reizen jeder Art, besonders zur Musik auf. Doch statt auf die Bühne geht Fitzsimmons, gerade flügge geworden, erst mal an die Uni und studiert brav Psychologie. Auf seinem dritten Album »The Sparrow

and the Crow«, mit welchem er 2009 den Durchbruch schafft, wechselt Fitzsimmons die Seiten. Jetzt ist er nicht mehr derjenige, der zuhört, sondern derjenige, der spricht und singt und den ganzen Seelenschrott ablässt - eine musikalische Therapiestunde, in der er die Trennung von seiner Frau verarbeitet. Und auch sein 2011er-Album »Gold in the Shadow« ist ein persönliches, tiefgehendes und feingeistiges Meisterwerk. Mitunter überkreuzt Fitzsimmons die puristischen Folkstrukturen auch mit elektronischen Ansätzen. Folktronica-Musik, welche im letzten Jahr auch schon dank Sufjan Stevens und seinem grandiosen »The Age of Adz« wunderbar funktionierte. Ganz ohne Synthetik, Einsen und Nullen geht es dann auch im neuen Folk nicht. Natürlich wollen wir am Wochenende die 50-Stunden-Woche wegtanzen, alles um uns vergessen und um 8 Uhr in der Früh barfuß in die Morgensonne blinzelnd nach Hause torkeln, um dann den ganzen Sonntag mit einem Auge auf der gestreamten Serie und dem anderen Auge auf der Facebook-Timeline im Bett verbringen – aber die Beliebtheit der neuen Folkmusik und das Bedürfnis nach derart ruhigen und echten Klängen zeigt, dass da noch andere Bedürfnisse sind. //

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Cowboy, 2006 A4, säurefreies Papier 115 g, Acrylfarbe und Eichenrahmen 53 x 40,5 x 7 cm

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peter callesen Von Melchior Moss

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eter Callesen wurde 1967 in Herning, Dänemark geboren. Nach seinem Architekturstudium wechselte er an die Jutland Art Academy, später dann nach Großbritannien an das Goldsmiths College. Seine künsterlische Laufbahn begann mit Bildern, Filmen und Performances. Mittlerweile arbeitet er hauptsächlich mit Papier und Karton, speziell aber mit DIN-A4-Papier. Peter Callesen schneidet Silhouetten aus dem Papier aus, woraus anschließend 3D-Figuren und Formen entstehen. Dabei spielt der Kontrast zwischen Positivem und Negativem eine wichtige Rolle. Er lebt und arbeitet in Kopenhagen. Mehr Informationen zu seiner Person und seinen Arbeiten finden sich auch unter: www.petercallesen.com

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Fall säurefreies Papier 140 g 210 x 240 x 70 cm

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Impenetrable Castle II, 2005 säurefreies Papier 80 g, Kleber.

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The Core of Everything III, 2008

nächste Doppelseite:

säurefreies Papier 115 g, Acrylfarbe und Eichenrahmen

Gennemsigtig Gud / Transparent God, 2009

47 x 37 x 7 cm

säurefreies Papier 140 g, Kleber.

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28.06.2011 9:58:24 Uhr

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Was Wasmacht machtIhr Ihr Geld Geldininerneuerbaren erneuerbaren Energien? Energien? Sinn. Sinn. Die GLS wurde 19741974 als erste sozial-ökologische UniversalDie Bank GLS Bank wurde als erste sozial-ökologische Universalbankbank der Welt mit einer klaren Aufgabe gegründet: GeldGeld soll für der Welt mit einer klaren Aufgabe gegründet: solldie für die Menschen da sein. Deshalb fließt es bei uns ausschließlich in Menschen da sein. Deshalb fließt es bei uns ausschließlichsozial, in sozial, ökologisch und und ökonomisch sinnvolle Vorhaben. Als erste BankBank ökologisch ökonomisch sinnvolle Vorhaben. Als erste haben wir dazu transparent gemacht, wo und was wir finanzieren. haben wir dazu transparent gemacht, wo und was wir finanzieren. VomVom Girokonto bis zur – informieren Sie sich nochnoch Girokonto bisVermögensanlage zur Vermögensanlage – informieren Sie sich heute überüber unsere zukunftsweisenden Angebote unterunter www.gls.de heute unsere zukunftsweisenden Angebote www.gls.de

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