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TRASH MIT SUBSTANZ

e z a e l S

SLEAZE #38

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Desperados Fuego – Tequila flavoured Beer. Aufregend feurig und einzigartig im Geschmack, aromatisiert mit goldenem Tequila. SLEAZE #38

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SLEAZE

pr채sentiert:


i n t r o

Atomkrieg kommt... ...und keiner geht hin. Bevor uns der kleine, dicke Koreaner nämlich den nuklearen Winter beschert, genießen wir die wunderbare Frühlingssonne. Die zwölf Sonnenstunden dieses Jahr haben uns schon einen krassen Sonnenbrand beschert und uns zum Cocktail schlürfen auf dem Redaktionsbalkon verleitet. Dabei ist uns zu viel Sonne aufs Hirn geknallt, weshalb das gemütliche Beisammensein in eine Grundsatzdiskussion über Terrassen und deren luftige Gegenstücke ausuferte. Da sich Terrasse ja bekanntlich von „Terra‟ (lateinisch für Erde) herleitet, müssten wir uns – da im fünften Stock - demnach auf einer „Aeroasse‟ befinden. Oder etwa nicht? Um den Frieden wieder herzustellen und dem Wirrkopf den argumentativen Wind aus den Segeln zu nehmen, bittet die SLEAZE-Redaktion um ihre Mithilfe und hofft auf sachdienliche Hinweise. Diese gehen an info@sleazemag.de oder jede andere Polizeidienststelle. Unser Arbeitseifer ist jedoch nach wie vor ungebrochen, weshalb der REDAKTIONSSCHLUSS ganz oben auf unserer Agenda steht, um noch einmal vor Ausbruch des Dritten Weltkrieges unsere Mitmenschen mit unseren geistigen Ergüssen zu versorgen, bevor die Weltgemeinschaft in Zwietracht auseinander bricht. Bis dahin wünschen wir euch einen schönen Frühling und viel Spaß an der Front, wenn eure faulen Ärsche eingezogen werden. Fred

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INHALT

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MAGAZIN

MODE

MEDIEN

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„Mädels: Werdet lustig!“

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Erste Sahne, blaue Lippen

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GEDRUCKTE EXOTIKotz!!!

15

Kitsuné x Aigle: Der kollektive Widerstand gegen Wetterkapriolen

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First Class Flights

18

Familienunternehmen 2.0

20

Broken Circle Breakdown

21

Belgisches Bluegrass Melodram ohne Schwelgen in gewohnten Sentimentalitäten

22 Film 24 DVD

ab Seite ab Seite

ab Seite

51 60 68

28 Comics 30 Bücher LEBENSKUNST

MUSIK

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America Swings

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Kleines Intermezzo mit SP-38

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Aushöhlen, Säubern, Ausstopfen - kann ja nicht so schwer sein!

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Das Kunststück STROKE

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Der Hirsch kommt aus dem Röhren nicht mehr raus.

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Poserrock im Catsuit

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Brasstronaut, wo das gute Wortspiel Programm ist

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Wieso lacht denn hier keiner?

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Keine Angst vor Pop.

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Rock’n’Roll in Perfektion!

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Lalala, Hochzeitsmarsch und Nervosität

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Wovon lebt eigentlich Peter?

66 Musik UNTERWEGS

71 Rock‘n‘Ink 72

Rock am Ring

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Bärte, Bier und Riffgewitter!

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Der SLEAZE Frühlingsball

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Der Nicht-Snowboard-Bericht

78 Verlosung 82 Impressum

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d a s

h ä s s l i c h e

t i e r

STECKBRIEF

„Mädels: Werdet lustig!“

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Nick: Scherzflosse Name: Koboldhai / Mitsukurina owstoni Geschlecht: weiblich Beruf / Beschäftigung: auf den Sack gehen – oft auch mir Wohnort: Wie mein Humor: Überall Größe: 3,64 m Hobbys / Interessen: Zynismus Motto: Verstehst du meine Ironie nicht, versuch’ meinen Sarkasmus.

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Wir haben die Rubrik ins Leben gerufen, weil Ungerechtigkeit herrscht – wieder einmal. Die süßen, niedlichen, ach so knuffigen Tiere werden häufiger erforscht als die Einäugigen, Zweinasigen, Dreibrüstigen, kurz – die Freaks unter uns. Wusstet ihr das? Gut, das muss nichts Schlechtes sein. So landet man auch seltener im Tierlabor. Ungerecht ist es trotzdem. Eher Euthanasie als Darwin. Und außerdem: Frauen dürfen inzwischen auch ganz emanzipiert dumme „männliche“ Sachen machen wie Krieg führen. Also fordern wir endlich auch bei der Forschung Gleichberechtigung. Menschen sollten in Versuchslabors zu gleichen Bedingungen wie Affen zugelassen werden, hässliche Tiere genauso erforscht wie süße. Da das allerdings noch in weiter Ferne liegt, sind die Tiere gefährdet. Wir steuern hiermit entgegen. Mit der ersten Kontaktsuchseite für die VERMEINTLICH HÄSSLICHEN UNTER UNS.

Auserwählte, Edle, Gefährliche! Willkommen auch diesmal bei unserer Dating-Hotline für die vermeintlich Hässlichen unter uns. Endlich haben wir eine meiner absoluten Top-Arten zu Gast. Und nicht nur das: Wir haben eine Charakterfrau, die so einmalig ist, dass man teilweise mit offenem Mund einfach dasteht und nicht weiß, was einem geschieht. Meine Herren, das solltet ihr euch nicht entgehen lassen – wenn ihr tough genug seid. Viel Erfolg, hainilo P.S.: Fuck Japan, Singapur und die anderen Drecksländer, die Haifische so misshandeln. Lernt endlich Zivilisation, ihr Honks!

Kurz etwas zu meiner Person: Um das alte Klischee gleichmal beiseite zu räumen. Ich suche einen Mann. Ja, ich bin voll lustig, habe eine harte Friese und überhaupt eine große Fresse. Und? Ich bin trotzdem keine Lesbe. Sorry Girls. Ich brauch einen Schwanz, nicht nur eine Schwanzflosse.

Wen ich suche: Zu den Männern: Wenn ihr bis hierher durchgehalten habt: Chapeau! Es scheint echtes Interesse zu bestehen. Danke schon mal dafür und herzlichen Glückwunsch für diesen exquisiten Geschmack. Möchte euch trotzdem vorwarnen: Es wird noch schlimmer. Ihr solltet also keine Muddis sein. Und ihr solltet vor allem eine Frau verkraften, die lustiger ist als ihr. Jaaa, das bin ich. Ich weiß, Frauen sind grottig als Spaßvögel, aber ich bin dafür Spaß in geballter Form. Also, auf geht’s, es wird lustig. Ich freu mich auf eure Anmache.

Bei Interesse kannst du Kontakt aufnehmen unter der Chiffre „wehe du schreibst wirklich“ mit einer Mail an danilo@sleazemag.de.

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D r o g e n t e s t

Erste Sahne, blaue Lippen Unser Rehchen auf Lachgas

Rausch und zwar billigen! Ein Glück haben wir ja das Internet und Freaks, die alles verkaufen. So gab’s ganz einfach, relativ preiswert, aber irgendwie nicht so schnell, einen Kapsler. Klein, orange, zylindrisch und zum aufschrauben mit Stachel. Denn die nette Empfehlung mit dem Nagel und dem Gummihammer erschien auch uns nicht besonders intelligent. Das Zeug ist nämlich so schnell und kalt, dass es böse Verbrennungen geben kann. Ja, Verbrennungen. Nicht Fragen, hinnehmen. Aus diesem Grund auch sollte man die Nummer nicht direkt aus dem Kapsler atmen, sondern erstmal in einem Luftballon unterbringen. SLEAZE nimmt seinen journalistischen Auftrag sehr ernst und möchte seine Leser rundum informieren. Diesmal geht es um Lachgas, auch bekannt als Sahnegas. Weil wir nicht nur theoretische Berichterstattung leisten wollen, sondern von dort informieren, wo es wehtut, musste wieder ein SLEAZEL das Zeugs testen. Eigentlich sollte ja unsere kleine Eventschlampe Taher dran glauben, der hatte aber “zu tun”. Weichei! Dafür sprang unser altes, neues Bambi in die Bresche und stellte sich den teuflischen Luftballons. Doch bevor es dazu kommen sollte, sahen wir uns mit einer semi-schweren Odyssee konfrontiert.

Weil wir nicht nur theoretische Berichterstattung leisten wollen, sondern von dort informieren, wo es wehtut, musste wieder ein SLEAZEL das Zeugs testen

Was braucht man denn überhaupt alles so zum Lachgaskonsum?

Wie zur Hölle kriegt man denn den Scheiß da jetzt raus?

Lachgaskapseln:

Da gibt’s mehrere Möglichkeiten. Unsere erste Idee einen stinkig normalen Sahnespender zu erwerben, wurde relativ schnell von einer netten Realmitarbeiterin mit den Worten: „Das ist jetzt gerade nicht die Saison dafür.“ und dem Preis von mindestens 20 bis 30 Euro zunichte gemacht. Wir wollen doch keinen Obstkuchen, wir wollen

Kein Ding. Die gibt’s in fast jedem gut sortierten Supermarkt. Real, Rewe oder in unserem Fall Edeka. Mit ’nem Fünfer ist man dabei und mit zehn Sahnekapseln á acht Gramm Distickstoffmonoxid (ja, so heißt das Zeug für Nerds) versorgt.

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Luftballons: Ihr wisst schon. Die bunten Dinger aus der Ecke mit den Partyhüten. Haben wir netterweise vom Versender des Kapslers (was für ein Scheißwort eigentlich) dazubekommen, obwohl er sich

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strengstens vom Konsum des Gases als Droge distanziert. Naaaa klar! Es konnte also losgehen. Moment mal. Was eigentlich? Ganz entgegen unserer Gewohnheit haben wir dann doch nochmal gegoogelt, was Lachgas eigentlich so macht.

Wirkung Lachgas ist ein farbloses Gas aus der Gruppe der Stickoxide und soll sich angeblich nicht aufs Denken auswirken. Von größten Glücksgefühlen ist hingegen die Rede. Ein Wärmegefühl, so heißt es, durchströmt den Körper, Taubheit der Extremitäten und Schwindel werden erwähnt und eine Wahrnehmung wie ein verschneites Fernsehbild wird prophezeit. Abhängig soll die Nummer nicht machen, kann aber wie alles auf dieser Welt in Verbindung mit Dummheit zum Tod führen. Zu viel birgt Erstickungsgefahr und außerdem brennt es gut. Zum Glück ist Bambi nicht dumm. Wir hatten also keinen Großbrand zu erwarten und haben uns den Spaß mal angeschaut.

Wirkung... Mal abgesehen davon, dass ich jetzt eine doppelt so große Matratze aufgeblasen haben müsste, ist mir ein bisschen schwindelig. Kapsel drei leere ich mittlerweile wie ein absoluter Lachgas Profi-Junk, trotz der Information, dass ich blaue Lippen bekomme und umkippen könnte, wenn ich zu viel inhaliere. Das Gefühl, welches ich jetzt verspüre, gleicht einer Hyperventilation. Meine Hände und meine Lippen kribbeln, was wegfällt, sind die beängstigende Hundepfötchenstellung, unbewegliche Gliedmaßen und die gelähmte Zunge, die einem das Gefühl gibt als würde man seine ersten Worte sprechen.

Fazit: An sich verleiht das Lachgas einem ein ganz nettes Gefühl. Das Kribbeln und der verwirrende Schwindel sind zwar ganz nett, aber der Aufwand für diesen kurzen Flash ist es nicht Wert. Das lange Organisieren des Kapslers und das nervige Warten darauf, kann der 10 Sekunden Rausch einfach nicht wett machen.

Bambi

Kirsten

Aus der Sicht des Druffis: Wir starten mit dem Test... Weil ich selbst noch nie Lachgas konsumiert habe, steht mir mein Redaktions-Homie Fred für Fragen und konstruktive Tipps zu Verfügung. Nachdem wir die erste Kapsel in dem Kapsler verstaut haben, drehe ich das Teil vorerst provisorisch zu, um anschließend noch einen Luftballon über die Öffnung zu stülpen. Anschließend gebe ich mir außerordentliche Mühe diesen Behälter zuzudrehen... und ich drehe und drehe. Irgendwann nimmt mir, der auf diesem Terrain sehr bewanderte Mann von Welt, Fred, den Kapsler aus der Hand und sorgt äußerst seriös dafür, dass sich das kalte Gas in dem Luftballon sammelt. Er drückt mir den mit Gas gefüllten Luftballon in die Hand und fordert mich auf das Lachgas zu inhalieren, wieder in den Luftballon zu pusten und es erneut zu inhalieren. Mir wird ein bisschen schummrig. Als hätte ich eine 1x2 m Luftmatratze aufgeblasen. Lächerliche Wirkung irgendwie, mal abgesehen davon, dass sie nach wenigen Sekunden verebbt. Das kann nicht alles gewesen sein. Kapsel zwei. Mir kommt das alles jetzt auch nicht mehr so fremd vor, also kann ich kräftiger und mehr inhalieren. Das zeigt dann auch direkt

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k o l u m n e

GEDRUCKTE EXOTIKotz!!! So! Heute kann ich mal die Chance wahrnehmen, mich über die Kleinigkeiten des Lebens aufzuregen. Und wer eine Weile wachen Auges auf der Erde wandelt, findet ausreichend Material. Let’s kotz! Frauen. (Keine Sorge, das hier wird kein Gesülze wie in der NEON.) Frauen sind jedenfalls oft ein Quell großer Freude. Besonders, wenn sie wild sind. Und – tief in ihrem Innersten ist jede Frau wild. Das versteckt sie hinter Diddl-Mäusen, goldenen Schmuck, aufgeklebten Fingernägeln, Zahn-Diamanten, Bling Bling und anderem verspielten, oft pinkfarbenen Scheiß. Dazu noch – Oh Gott – der gesellschaftliche Alltag. Mit ungemachten Haaren rausgehen, wo der süße Nachbar sie sehen könnte? Allein bei der Vorstellung baut sich ein unangenehmes Gefühl auf, oder, meine Damen? Zurück zum Thema: Die Frau ist wild, das Tier will heraus. Was also tun? Findige Ästheten wie Christian Dior wussten schon vor Jahrzehnten Abhilfe: Raubkatzen-Motive in der Mode. Eine Katze will schmusen, eine Raubkatze ist wild. Logische Konsequenz: Ein eleganter Seidenschal mit Leomuster, und schon ist man stilvoll wild. BÄM! Ist das nicht clever? Egal, ob du 1,60 hoch und 1,70 breit bist: Du hast den Leoprintschal und bist damit offiziell WILD. Grrrrr! Liebe Frauen, jetzt mal ehrlich. Glaubt ihr ernsthaft, ihr kommt wilder rüber, wenn ihr eure Lidl-Tüten mit einem Raubtier-Print tragt? Natürlich, ihr tragt das nur für euch. Ihr findet das schön. Um Wildheit soll es gar nicht gehen. Tut mir leid, aber: Ich glaube euch nicht. Das ist wie tätowierte chinesische Schriftzeichen. Es geht um die „Exotik“. Allen Mode- und Accessoires-Firmen, die an schnellem Geld interessiert sind, möchte ich deshalb empfehlen, alle weiblichen Produkte in Pink oder Leoprint anzubieten. Gut gemacht kann man das toppen, indem man Leopink entstehen lässt. Sozusagen das Gipfeltreffen aller Weiblichkeit. Das Pendant bei den Typen ist Camouflage. Selbst der ordentliche Zivi von einst ließ sich seine Camo-Hose nicht nehmen. Für die Damen gab es denn auch logischerweise irgendwann pinkrosa Camouflage-Teile, sozusagen der Armee-Boyfriend-Look. Das Gute bei den Produkten: Es ist dabei komplett egal, ob es passt. Es muss nur drauf sein. Ein Spiegel im Leo-Look? RRRRR, geil! Also ehrlich: Wenn ich eine Frau sehe, und die packt in der U-Bahn ihr Kosmetik-Set aus und macht sich bei dem Geschaukel die Augen vor dem Leo-Spiegel, denk ich: Die ist bestimmt eine geile Sau im Bett! (Übersetzt: Puh. Oberflächliche Volltussi, die einen an der Leoprint-Waffel hat – und bei dem Gewackel gleich ein Auge weniger.) Der Leo hat seine Tatzen dabei weit vorn. Wer avantgardistisch ist, bietet noch Tiger, Giraffe oder Zebra an. Da fühlen sich Frauen richtig wild. Gerade bei Zebra ist das ja auch verständlich. Was ist wilder als Zebra? Ah ja, Giraffe. Gibt es auch, kein Scheiß. Schön sind auch die Teile, meist Blusen (Superwort schon das allein), die alle Tiere vereinen. Mit so einem „Arche Noah der wilden Tiere“-Oberteil kann frau erst richtig zeigen, was sie sonst immer in unserer Stock-im-Arsch-Gesellschaft verstecken muss. Und wahrscheinlich träumen Frauen tief unterbewusst in ihrem archaischen Speicher von einem wilden Tarzan (der sie animalisch verführt, aber natürlich komplett nicht-artengerecht treu bleibt und den Müll runterbringt). WHAT THE FUCKING FUCK FUCK? Da lobe ich mir doch die kleine, rundliche Frau, die ich vor ein paar Jahren in Marokko traf. Die hatte endlich mal einen passenden Print. Das gesamte Kleid war mit Basketbällen bedruckt. In diesem Sinne.

danilo

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So verhüllt man „erotisches Haar“ am besten: mit einem Leo-Tuch.

„Allen Mode- und AccessoiresFirmen, die an schnellem Geld interessiert sind, möchte ich deshalb empfehlen, alle weiblichen Produkte in Pink oder Leoprint anzubieten. Gut gemacht kann man das toppen, indem man Leopink entstehen lässt.“

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Mode Mode Mode Mode Mode Mode

LEA

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Mode:

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Kitsuné x Aigle: Der kollektive Widerstand gegen Wetterkapriolen

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First Class Flights

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k o l l a b o r a t i o n

Kitsuné x Aigle:

Der kollektive Widerstand gegen Wetterkapriolen

Dass die französischen Füchse von Kitsuné ihr Sortiment nicht nur ausschließlich auf Musik beschränken, sondern sich auch am modischen Schaffen beteiligen, ist ja allseits bekannt.

Dass sie dabei nicht wie der einsame Wolf an ihrer Kollektion arbeiten, sondern sich schon öfter zu einer Kollaboration haben hinreißen lassen auch. So wurde es auch eigentlich mal Zeit, dass sie mit den Experten in Sachen witterungsbeständige Kleidung von „Aigle“ die Verschmelzung von Outdoor und Musik in einer eigens entwickelten Festivalkollektion feiern. Wer sich über die Sommermonate schon mal ins Festivalgetümmel gestürzt hat, der weiß umso mehr, dass isolierte Kleidung unverzichtbar ist, denn unter unsere nordeuropäischen Sonne schieben sich die Regenschauer schon mal schneller als man gucken

kann. Optisch nur an den Größen zu unterscheiden, bestehen die Unisexmodelle aus einem marineblauen Poncho sowie einem gleichfarbigen Paar Gummistiefel. Das Kitsuné x Aigle Festivaloutfit ist im gewohnten Basic Stil der beiden Labels gehalten. Dafür sind mit den Naturkautschukgummistiefeln und dem Gore-Tex Poncho der Fokus auf die Funktionalität der Mode gelegt und zusammen lassen sie aufkommenden Schlamm und herunterprasselnde Tropfen an dir abperlen, wie der Morgentau an Blättern heruntertropft. Das Festival Kit ist ab dem 1. April im Handel erhältlich.

Clarisse

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n i k e

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f l i g h t

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First Class Flights Vergesst Dunks, AF1s, Jordans und die unsäglichen Air Max. Hier kommt ein Retro der Extraklasse. Endlich. Sie sind zurück. Alle möglichen Retros kamen über die Jahre raus. Die Flights waren – zumindest in Deutschland – davon stets ausgenommen. Als einer der wenigen konnte ich mich nie mit den Nike-Cash-Cows wie den Air Force Ones oder den Air Jordans anfreunden. Trotzdem nimmt Nike meiner Meinung auch weiterhin eine Vorreiterrolle ein bei den coolsten Sneakers ein. Verblüffend, wie sie es immer wieder schaffen, Sneaker-Silhouetten oder auch Farbkombinationen herauszubringen, die so cool sind – und gleichzeitig in der KarstadtRamschabteilung an den Mainstream die hässlichsten Schuhe ever zu verkaufen. Ein schönes Beispiel gefällig? Dann nehmen wir den Air Max 90. (Für den Nicht-Insider: Die „90“ markiert die Sichtbarkeit des Luftkissens. Auch wenn man beim 90 nicht unbedingt 90 Grad des Luftkissens sieht, hat Nike in Folge über den 180 bis zum 360 immer mehr „Luft“ sehen lassen. Ich muss nicht erwähnen, dass die Sneaker immer hässlicher wurden, denn so ein Luftkissen ist nun mal nicht so hübsch. Das schafft selbst Nike nicht.) Egal, ob rechte Atze, Mitteschnitte oder linker Cordsakko-Styler – alle lieben ihre Air Max in den verschiedenen Colorways. Ähnlich erfolgreich

durch alle Gesellschaftsschichten waren wohl in den letzten Jahren nur die furchtbaren (aber sooo praktischen) Schlüsselbänder. Lustig, dass die Praktikabilität inzwischen abgenomnmen zu haben scheint. Man sieht diese Schlüsselbundvergrößer jedenfalls nicht mehr so selbstverständlich. Gleiches kann ich leider von den Air Max nicht behaupten.

Prepare for landing. Doch zurück zu den sexy 89er Flights. Schon, als ich sie Anfang der 90er rumlaufen sah, war ich verliebt. Der kurze Swoosh, der gesamte Aufbau – voll geiheil. Alle haben mich mit Jordans vollgequatscht, so dass ich allein schon durch diesen Mainstream-Andrang keinen Bock auf die Dinger hatte. Da waren mir die klobigen Ewings lieber. J Inzwischen finde ich den Vierer-Jordan ok, aber hey – Flights sind weiterhin meine erste Wahl. Rund um das Jahr 2000 kamen die Flight-Retros dann in den USA raus in zig Farbvarianten. So wie es sich gehört, alle möglichen Farbmixe nur in bestimmten Regionen erhältlich. „Ist das nicht ein Cali-Colorway, mit dem der Typ durch Harlem

humpelt?“ So konnte man schon früher seine Vielreiserei subtil raushängen lassen. Ich lief zu der Zeit jeden Tag in Harlem an einem Sneaker-Laden vorbei, der den Flight in einer Traumfarbe hatte: Grau mit Babyblau-Akzenten. (Und wenn jetzt jemand das Gefühl bekommt, das klinge oberflächlich: JA MAAAN!!!! Es geht um Mode, die ist immer oberflächlich. Ich hatte kaum Geld für Essen, aber ich musste diese Sneaker haben. Hatte ich zum Glück nicht oft, diese dummen Anfälle. Erfreuen tun mich die grauen 89er aber noch heute, auch wenn inzwischen die Sohle recht doll krümelt.) Problem bei den Retros war, dass die Farben irgendwie nur aufgesprüht waren. Nach einer Weile Benutzung brach die Farbe und das weiße Gummi kam durch. Nicht so schick. Nun teste ich also die neuen Retros und hoffe, dass sie das Farb-Gummi-Problem gelöst haben – und noch ein paar spannende Farbkombis wie den pinken für die Damen mit Stil auch für die Jungs mit Stil bringen. In der Zwischenzeit warte ich weiterhin noch auf ein Revival der Escapes.

danilo

„I don’t even think I need to speed Bass-travelin‘, face-crackilin‘ huh?

frei nach Ludacris bei Ciaras „Oh“

Turn it up and make the SNEAKERS bleed“

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Film Comics Games DvdD Comic Bücher

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Filme, Games, Comics, Dvd, Bücher 18

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Belgisches Bluegrass Melodram ohne Schwelgen in gewohnten Sentimentalitäten

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Familienunternehmen 2.0 Die schwedische Spielefirma Paradox Interactive produziert seit Jahren hervorragende Geschichtssimulationen. Was allerdings wirklich hervorsticht, ist ihr Familiensimulator namens Crusader Kings II. Hier kann man seinen Hofstaat verheiraten, zur Not auch mal einen Komplott gegen die eigene Frau anführen, um sie aus dem Weg zu schaffen, und kleine unschuldige Kinder zu waschechten Tyrannen großziehen. Aber nachdem das Mittelalter nicht mehr dunkel genug ist, tritt man jetzt bei Paradoy Interactive zwei Schritte und ca. 200 Jahre zurück: Die Wikinger kommen! Für diese Spiele wurden schon immer Erweiterungen angeboten, neu ist aber, dass der DLC (Downloadable Content) modular aufgebaut ist. Das heißt, man kann sich aussuchen, was man installiert und muss nicht alles kaufen. Bei „Crusader Kings II: The Old Gods“ ist man tatsächlich in die Vollen gegangen. Man hat nicht nur das Startdatum des Spiels vom Mittelalter in die dunkle Zeit davor verlegt, sondern den Wikingerstämmen, die hiermit eingeführt werden, auch ganz eigene Spielmechaniken auf den Weg mitgegeben. Dazu muss gesagt werden, dass diese Spiele echte Sandboxspiele sind. Es gibt zwar so eine Art Rangliste, aber die Ziele steckt man sich selbst, schließlich ist es auch möglich, sich vom kleinen Grafen bis zum Kaiser empor zu arbeiten durch Krieg und Heirat. Oder man fängt gleich ganz oben an. Das Ziel kann auch die Weltherrschaft sein, aber da dies im echten Leben nicht so leicht war, ist es das auch nicht in den Spielen von Paradox Interactive. Wer das versucht, muss Macht abgeben, muss mit Rebellionen rechnen und mit Ereignissen, welche darauf ausgelegt sind, das gigantische Reich von innen heraus zu zerstören, genauso wie es in der Geschichte immer wieder vorkam. Daher ist es auch nicht leicht, Krieg gegen andere Fürsten, welche der gleichen Religion angehören zu

führen, man braucht erst einen Kriegsgrund oder wie damals gesagt, einen casus belli. Dies kann man bei den Wikingern jedoch getrost vernachlässigen, denn diese Typen sind so bärtig, besoffen und wild, die werden sogar sauer, wenn man nicht dauernd irgendwelche bewaffneten Händel anfängt. Sowieso gibt es so viele verschiedene Götter, dass da jeder seinen eigenen haben darf. Um das Ganze akkurat zu gestalten, wird man zum ersten Mal in einem dieser Spiele Flüsse befahren können (geht nur als Wikingerstamm), so dass man auch in Mitteleuropa fröhlich plündern und zerstören kann. Und weil das alleine nicht so viel Spaß macht, kann man vorher andere Stämme zur Plündertour einladen. Ob da kunstvoll auf Bärenfell geschriebene Einladungslappen verschickt wurden, ist allerdings nicht bekannt. Wer sich zusätzlich den Fürstengenerator (eine eigenständige Erweiterung) besorgt, kann sich sogar seinen eigenen Wickie zusammenbasteln, mit eigenen Attributen und selbst ausgesuchtem Gesicht. Auf große Fahrt geht es ab 28. Mai. Zur Not kann der Sommer also regnerisch werden.

Sascha Crusader Kings II: The Old Gods DLC www.crusaderkings.com Veröffentlichung 28.Mai 2013 Preis: k.A.

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I N T E R V I E W

Felix van Groeningen zu Broken Circle Breakdown

Spätestens seit er mit seiner Nackedeiaktion Cannes Straßen während des Festivals 2009 auf dem Fahrrad unsicher gemacht hat, um auf seinen Film „Die Beschissenheit der Dinge“ aufmerksam zu machen, weiß man, dass man mit ihm rechnen muss. Sein neuster Film startet am 25.4. in den deutschen Kinos. Wir haben uns die Gelegenheit nicht nehmen lassen Felix van Groeningen, anlässlich der Deutschlandpremiere seines neuen Films auf der Berlinale zu treffen. In deinem letzten Film waren Drama und Komödie sehr vermischt. Dieses Mal ist dieser letzte Aspekt weniger wichtig, aber was ist es, was diese Mischung so reizvoll macht? Weil es so viel Elend gab. Aber beim letzten Film war es auch Teil des Buches. Es war eine feine Linie zwischen den beiden. In „Broken Circle Breakdown“ war das Drama so groß, dass es mit den schönen Sachen ausgeglichen werden musste. Sonst wäre es zu deprimierend. Ich hab die Story einem Freund von mir erzählt, aber sie war zu dramatisch. Dann habe ich ein paar Sachen hinzugefügt, die es etwas aufgelockert haben. Im echten Leben gibt es das aber auch. Wenn man in einem Kinderkrankenhaus ist, sind da so viele Farben. Die Story war ja ein Theaterstück und stammt von deinem Kollegen Johan Heldenbergh, eine der Hauptpersonen im Film. Hast du sie komplett übernommen oder gibt es da Unterschiede? War z.B. diese ganze USA Ästhetik schon da? Ich habe die Story nicht großartig geändert. Das mit dem Country war von Anfang an da. Meine Aufgabe war die Story zu visualisieren. Das Stück bestand eigentlich nur aus der Band, die am Spielen war. Alle in weißen Kostümen. Eine Frau und ein Mann, die mit dem Publikum sprechen und ihnen alles erzählen, was ihnen passiert ist. Ich musste ihr ganzes Leben visualisieren. Man kann das Theaterstück auch nicht einfach kopieren. Der Film muss seine eigene Logik finden.

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Hattet ihr Uneinigkeiten was die Adaptation betraf? Ich habe ihn gefragt, ob ich das Stück adaptieren kann und er meinte, dass ich es einfach machen soll. Er hat mich unheimlich unterstützt. Ich war total überwältigt von dem Stück. Ich habe ihm meinen Entwurf gezeigt und den dann monatelang überarbeitet ohne mit irgendjemand zu sprechen. Dann haben wir es nochmal gelesen. Dieses Lesen ist sehr wichtig. Da sieht man was funktioniert und was nicht. Obwohl er natürlich

Ich musste ihr ganzes Leben visualisieren.

viel mehr Ahnung hat von dem Stück, hat er die Sicht, die ich auf die Sache hatte, gemocht. In deinem letzten Film war Alkoholismus ein großes Thema. In diesem wird es nur angeschnitten, aber was hat es für eine Bedeutung für dich und für deine Filme? Eigentlich gibt es keinen besonderen Grund. Ich trinke gerne. Ich glaube die Bedeutung kommt mehr aus Zufall. In meinem letzten Film war das in der Buchvorlage schon enthalten. Vielleicht ist da aber doch etwas. Mein nächster Film wird auch über einen Süchtigen sein. Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Es pusht die Leute. Ich bin auch in einer Bar aufgewachsen. Vielleicht ist es das.

Du meintest, dass diese USA Ästhetik schon im Stück enthalten war. Was macht sie aus? Ist deine Position in der Diksussion um die Stammzellenforschung nur eine ideologische, oder was steckt dahinter? Alles hat angefangen als ich Johan Bush im Fernsehen gesehen habe. Er meinte, dass er aus religiösen Gründen die Finanzierung der Stammzellenforschung einstellen wollte. Johan ärgerte sich sehr darüber und wollte etwas dagegen tun. Er hatte den Eindruck, dass nach dem 11. September die Leute eher Schritte zurück gingen, als nach vorne. Zur gleichen Zeit hat er die Bluegrass Musik entdeckt und so kam alles zusammen. Welche Filme haben dich bei deiner Arbeit als Regisseur am meisten beeinflusst? Die letzten Jahre kaum welche. Ich habe früher viele Filme geguckt und von ihnen „geklaut“, aber mittlerweile, wenn ich drehe oder bearbeite, gucke ich kaum Filme. Und davor? Ich hatte ihn fast ein bisschen vergessen, aber Wong Kar-Wai habe ich extrem geliebt. Alle seine Filme. Seinen neuesten „The Grandmaster“ nicht so sehr. Aber um ein paar Namen zu nennen „Y Tu Mamá Tambin“ liebe ich und der Film ist so gut gemacht. Ich bin auch ein großer Fan von Jacques Audiard.

Clarisse

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F I L M

Belgisches Bluegrass Melodram ohne Schwelgen in gewohnten Sentimentalitäten

In Broken Circle Breakdown zeigt sich Regisseur Felix van Groeningen von seiner melodramatischen Seite. Der Film gewann auf der diesjährigen Berlinale den Panorama Publikumspreis und der Zusammenschluss der Kinobetreiber European Cinemas hat ihn zum besten europäischen Film gekürt. Im Film geht es um ein leidenschaftlich verliebtes Paar, das an einem verheerenden Vorfall auseinanderbricht. Er lebt in einem runtergekommenen Wohnwagen mit Außendusche und sie leitet ihr eigenes Tattoostudio. Ein Job, der unverkennbar mit ihrem Körper verbunden ist. Didier ist auch Mitglied in einer Bluegrass-Band, die regelmäßig in den Örtlichkeiten auftritt. Die kleine Tochter von Didier, gespielt von Johan Heldenbergh, der schon in seinem letzten Film „Die Beschissenheit der Dinge“ mitgespielt hat, und Elise, gespielt von Veerle Baetens, erkrankt an Krebs. Dass das Kind nicht willentlich erzeugt wurde, spielt bei seiner Geburt keine Rolle mehr. Dennoch bleiben alle Versuche die kleine Maybelle zu heilen ohne Erfolg und letztendlich erliegt die sechsjährige ihrem Leiden. Diese gefühlvolle Art um uns mit den Launen der Existenz zu konfrontieren, streut aber nicht noch unnötig Salz

in die Wunde. Dadurch wird diese schwere Kost auch verdaulicher und es kommen keine nicht enden wollenden Heulkrämpfe, die einem das

Dass das Kind nicht willentlich erzeugt wurde, spielt bei seiner Geburt keine Rolle mehr. Trommelfell zerbersten auf einen zu. Groeningen erzählt ihre Geschichte mit Vor- und Rückblenden, sodass der Film lebendig bleibt und nicht in eine Art Schockstarre verfällt. Auch der Wechsel zwischen düsteren und helleren Farben

lockert den Film auf. Die ganze Story ist nicht zu aufdringlich und schafft es doch einem nahe zu kommen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht auch die Diskussion um Stammzellenforschung, die, wenn sie nicht so umstritten wäre, Maybelle das Leben hätte retten können. Die Pro-Life Bewegung sowie die konservative Regierung Präsident Bushs haben sich dagegen aufgelehnt und die Förderung eingestellt. Damit wird der Tod seiner Tochter eine Frage der Religion und wie sie sein Leben beeinflusst ohne gläubig zu sein. Der Einfluss der USA ist in jedem Fall kaum übersehbar, obwohl der Film in Belgien spielt. Elise ist allem was das übersinnliche betrifft nicht so dermaßen abgeneigt und es ist für sie ein Weg den Schmerz zu überwinden. Der Umgang mit der Trauer unterscheidet sich gänzlich voneinander und so trennt sich das Paar.

Clarisse

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Film Charlie Sheen als abgemilderte Form seiner selbst Roman Coppola, der Sohn des Großmeisters Francis Ford Coppola, war schon am Drehbuch für Wes Andersons „Darjeeling Limited“ und „Moonrise Kingdom“ beteiligt. Bei „Charlies Welt – Wirklich nichts ist wirklich“ führte er Regie und schrieb das Drehbuch. Es geht um eine Trennungsgeschichte mit Charlie Sheen in der Hauptrolle. Dass sie ihm wie auf den Leib geschneidert wurde, ist nach Angaben des Regisseurs unabhängig von ihm geschehen. Grund für die Trennung ist eine Schublade, in der Charlie Fotos von seinen Ex-Freundinnen aufhebt. Nach Angaben des Regisseurs eine wahre Begebenheit aus seinem Leben. Der Film versucht die Gedankenwelt des unter der Trennung leidenden humorvoll auf die Leinwand zu projizieren. Besonderen Drang sich diesen Film anzuschauen weckt der Film jedoch nicht in einem. Visuell bemüht er sich zwischen siebziger Ästhetik, plakativen Klischees aus Traumsequenzen und einem überstilisierten Los Angeles um eine Designwelt, die den Geist des gewollten aber verfehlt. Fans von Charlie Sheen wird der Film auf jeden Fall gefallen, obwohl die Eskapaden seines echten Lebens wahrscheinlich interessanter sind. Die Szenen mit den Schauspielern Bill Murray und Jason Schwartzman sind dank ihrer schauspielerischen Leistung aber gelungen. „A Glimpse Inside the Mind of Charles Swan III“, wie er im Originaltitel heißt, erscheint am 2. Mai in den deutschen Kinos.

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NEUE COMIC-HIGHLIGHTS VON PANINI

Die ersten SPAWN-Ausgaben in einer neuen, hochwertigen Sammelband-Reihe!

SPAWN: ORIGINS BAND 1 Hardcover, 336 Seiten, € 29,95 ISBN 978-3-86201-555-9

STEPHEN KING – DER DUNKLE TURM BAND 8: DIE SCHLACHT VON TULL Softcover, 136 S., € 16,95 ISBN 978-3-86201-530-6

© 2013 Stephen King. All Rights Reserved.

Die Graphic Novel-Reihe basierend auf Stephen Kings wichtigstem Werk!

Die Bestie im Menschen und der Mensch in der Bestie Wie wir als Menschen auf die Tiere blicken und die Tiere auf uns, ist eine Perspektive, dessen Einblick selbst die aufwändigsten Tierdokumentationen nicht gewährt. Abseits von der Unterhaltung, die uns die menschenähnlichen Ausdrücke in den Gesichtern der Tiere, die wir millionenmal im Internet anklicken, bieten, zeigt „Bestiaire“ eine gegenseitige Betrachtung. Gedreht wurde der Film in Kanada und verfolgt mit einer Standkamera kommentarlos einen Safaripark, einen Tierzeichenkurs und die Werkstatt eines Tierpräparators. Wie ein körperloser Beobachter nimmt sie nur die Geräusche der Umgebung auf, die von beruhigend mit beklemmend eine breite Palette an Wirkungen hervorrufen. Der erfrischend narrativlose Film schafft es durch die Montage, die Bilder der Tiere so wirken zu lassen, als betrachtete man sie wie durch die Seiten eines Bilderbuchs. Dass der Mensch in der Beziehung der Dominierende ist kommt ganz ungezwungen zur Geltung, aber wirft Fragen über Art der Beziehung auf, die wir zu Ihnen pflegen.

© 2013 Todd McFarlane Productions. All Rights Reserved.

Jede Legende hat einen Anfang!

„Bestaire“ ist ab 25. April im Kino zu sehen.

BOMB QUEEN BAND 3: BOMBSHELL – ZWEI BOMBIGE ARGUMENTE Softcover, 120 Seiten, € 14,95 ISBN 978-3-86201-549-8

Leseprobe auf SLEAZE #38

Im Buch- und Comicfachhandel erhältlich. www.paninicomics.de 23

© 2013 Jimmy Robinson. All Rights Reserved.

BUMMS! Es lebe die Königin!


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Trailer Trash unter Palmen Wenn die Erde eine Scheibe wäre, dann wäre Bombay Beach wirklich der Punkt an dem das Wasser wie ein Wasserfall an den Enden herunterläuft. Schauplatz ist der Saltonsee in Kalifornien, der sich vor hundert Jahren nach einem Dammbruch geformt hat und sich in den 1920er Jahren zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelte. Heute steht er, wie so viele Orte, symbolisch für den Untergang der übermächtigen USA. Der Film portraitiert drei verschiedene Personen, die Rund um den See ihre magere Existenz fristen. Die Eltern des siebenjährigen Bennys, der Symptome von ADHS zeigt, wurden für ihre Vorliebe für Detonationen und Schusswaffen unter Terrorverdacht gestellt und eingesperrt. CeeJay ist nach der Bandenermordung seines Cousins aus L.A. geflohen und erhofft sich durch das Training für die Football Profiliga ein besseres Leben. Der vergreiste Red wirkt wie eine Karikatur auf den amerikanischen Traum. Bei jeder Gelegenheit jagt er einem billigen Penny hinterher um sich über Wasser zu halten. Die Regisseurin Alma Har’el bedient sich der ihr bekannten Stilmittel aus Videoclips, die sie unter anderem für Beirut und Sigur Rós drehte, um damit die surreale Wirkung des Ortes zu verstärken und die soziale Realität bewusster zu vermitteln. „Bombay Beach“ erscheint ab 19. April auf DVD.

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Ob Huren- oder Hundesohn: ein Stück Scheiße, das seine Schulden nicht zahlt Wenn sich Gang-Do zwischen den Gassen des heruntergekommenen Handwerkerviertel Seouls, welches reliktartig an Überreste aus besseren Zeiten erinnert, herumtreibt, werden die Straßenzüge von bettelnden Schreien und vom verzweifelten Klopfen an heruntergelassene Garagentore erfüllt. Er ist Schuldeneintreiber, der bei Zahlungsunfähigkeit die ohnehin schon Mittellosen auf vielfältige Weise für das Versicherungsgeld verkrüppelt und beispielweise die Hände mit ihren Walzen zerquetscht, da diese kein Unterschied zwischen Mensch und Maschine machen. Bei dieser unbarmherzigen Art verwundert es nicht, dass mit dem Auftauchen einer ominösen Frau, die ihn um Verzeihung für die versäumten Jahre bittet und vorgibt seine Mutter zu sein, erst mal keine tieferen Gefühle in ihm geweckt werden. Er vergewaltigt sie, sie kocht ihm Frühstück. Nach und nach wächst jedoch die Sorge um Sie, vor allem da er mit seinem Job den Groll vieler Leute auf sich zieht sowie Rachegelüste in ihnen weckt. Die Bilder der Gewalt tragen in ihrer Bedeutung mehr als den Schrecken des Augenblicks mit sich. In den Einstellungen werden diese einem auch mit der Kälte eines Killers vermittelt. Wie der Titel „Pieta“ schon verrät spannt sich die Geschichte um die vor Mitleid trauende Mutter, nur ist nicht klar wohin sie dieser Schmerz führt. Die Sonderedition erscheint zusammen mit dem dokumentarischen Filmtagebuch „Arirang“ von Kim Ki-Duk, welches er in Zeiten filmte, als er abgeschieden in einer Bergregion Koreas in einer einfachsten Hütte einer Lebens- und Schaffenskrise ausgesetzt war, die ihn in tiefe Depressionen gestürzt hat. Seine Unfähigkeit über drei Jahre einen Film zu produzieren, lässt ihn Reflexionen über die Stellung des Films machen und zwingt ihn zu einer erbarmungslosen Analyse seines Selbst. „Pieta“ erscheint zusammen mit der Sonderedition erscheint am 23. April auf DVD.

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DvD

Kunst mit vollem Körpereinsatz Wenn eine Nation die Anstößigkeit von Lady Gagas beinah nacktem Körper im Video zu „Telephone“ beschreit, aber parallel dazu im MoMA Leute sich durch zwei nackte sich gegenüberstehende Performer durchquetschen um in einer Retrospektive, die Habilitierung der Performance in den Kreis der legitimen Kunst zu erheben, wird eine Kontroverse klar, die weitere Kreise zieht als der bloße Wille zum Schockieren. Die serbische Künstlerin Marina Abramović hat 2010 in der Ausstellung ungefähr 750.000 Besucher angelockt, die sich zum Teil nächtelang in Warteschlangen drängten um einen Augenblick der absoluten Konfrontation mit ihr zu teilen. Der Name der Retrospektive „The Artist is Present“ des gleichnamigen Films ist Programm. 600 Stunden sitzt sie regungslos auf einem Stuhl und schaut den Zuschauern in die Augen. Dabei stellt sie als leere Leinwand eine ultimative Projektionsfläche für die Betrachter des „Werks“ dar, die die Leute zu Tränen wie zum Lachen gleichermaßen rührt. Bekannt geworden ist sie auch durch ihre 12 jährige Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Lebenspartner Ulay. Zusammen liefen sie sich an den beiden Enden der chinesischen Mauer entgegen um sich nach dreimonatiger Reise 1989 bei der Zusammenkunft endgültig zu trennen. Ohne Marinas Wissen setzte er sich ihr, während der regulären Besucherzeit im MoMA, schweigend gegenüber. „Marina Abramović – The Artist is Present“ erscheint ab 17.April auf DVD.

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Poetischer Realismus mit magischer Strömung formt Hurrikan „Beasts of the Southern Wild“

erscheint ab 29.April auf DVD.

Der erste Spielfilm des USamerikanischen Regisseurs Benh Zeitlin, bewegt sich an der Schnittstelle von magischer Poesie und sozialer Realität. Diese gelungene Mischung ist es, die ihn so überzeugend macht. Die Bilder der kleinen Gemeinde, die in einem Sumpfgebiet der Südstaaten selbstversorgend lebt und sich den Naturgewalten schutzlos ausliefert, reihen sich an das Auftauchen längst ausgestorbener Urzeittiere. Die Industrieschornsteine hinter dem Staudamm sind die einzigen Poetischer Realismus Indizien für die Außenwelt, die mit magischer Strömung formt Hurrikan „Beasts of the Southern Wild“ das Erscheinen eines post-apokalyptischen Szenarios derdesZiviDer erste Spielfilm US-amerikanischen Regisseurs Benh Zeitlin, bewegt sich an der Schnittstelle von magischer Poesie und sozialer Realität. Diese gelungene Mischung ist es, die ihn so überlisation näherbringen. Protagozeugend macht. Die Bilder der kleinen Gemeinde, die in einem Sumpfgebiet der Südstaaten nistin ist die kleine Hushpuppy, selbstversorgend lebt und sich den Naturgewalten schutzlos ausliefert, reihen sich an das die als Teil dieser unabhängigen Auftauchen längst ausgestorbener Urzeittiere. Die Industrieschornsteine hinter dem Staudamm sind die Kommune, einzigen Indizien für die Außenwelt, die das Erscheinen eines post-apokalyptischen und warmherzigen der Zivilisation näherbringen. Protagonistin ist die kleine Hushpuppy, die als Teil dieser umrandet vomSzenarios Wasser, ihre unabhängigen und warmherzigen Kommune, umrandet vom Wasser, ihre Existenz nicht an mateExistenz nichtriellen an materiellen Dingen festmacht , sondern die Flüchtigkeit der Existenz verstanden hat. So stellt sie sich der Herzkrankheit ihres Vaters und der Zwangsevakuierung ohne die zu erwartende Schwermut. Dingen festmacht , sondern die Dadurch kann der Film auch über die zum Teil etwas zu pathetisch wirkende Musik hinwegtrösten. Flüchtigkeit der Existenz verstanden hat. So stellt sie sich „Beasts of the Southern Wild“ erscheint ab 29.April auf DVD. der Herzkrankheit ihres Vaters und der Zwangsevakuierung ohne die zu erwartende Schwermut. Dadurch kann der Film auch über die zum Teil etwas zu pathetisch wirkende Musik hinwegtrösten. „Beasts of the Southern Wild“

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Comics

in Kooperation mit www.comicgate.de

Cancer Woman von Andreas Fisch

Der Titel verspricht einen Superhelden-Comic über Krebs. Das mag einen schaudern oder sofort interessieren, neu ist das nicht, aber viele andere Ideen schaffen einen originellen Zugang zu diesem schwierigen Thema. Schon in Mutter hat Krebs von Brian Fies wurde das Verfremdungsmittel „Superhelden“ sinnvoll (und nur auf wenigen Seiten) eingesetzt. Erfrischend originell ist „Cancer Woman“ durch zig andere gute Einfälle, Krankheit und Krebs im Comic zu fassen: Marisa Acoella Marchetto arbeitet in New York/USA als selbständige Zeichnerin und geht in den gehobenen Kreisen der Kulturszene ein und aus.

Arsch“ (Zitat) getreten wird, denn der Kampf der CancerVixen (so der Originaltitel des Buches) richtet sich natürlich gegen die Krankheit und den damit drohenden Tod. Und manche medizinischen Zusammenhänge lassen sich mit kleinen Männchen eben besser veranschaulichen als durch Prosa, nicht umsonst ist Mutter hat Krebs in der Ärzte- und Ärztinnen-Ausbildung angekommen (wenn auch eher wegen der dort eingefangenen Perspektive der Patienten). Die widersprüchlichen und extremen Gefühle sind in Zeichnungen und Analogien besser aufgehoben als in abgegriffenen Floskeln, die dieses originelle Buch kaum kennt.

Wichtige Themen im Buch sind daher: Wie erobere ich den Mann meines Lebens angesichts der harten Konkurrenz von dünnen Models? Was brauche ich, um gut auszusehen? Welches ist mein nächstes berufliches Projekt, um mich zu profilieren? Was muss ich noch mit meiner Mutter bequatschen? Gerade diese Verquickung von Frauenthemen mit dem Todesthema „Krebs“ macht den Einbruch der Erkrankung in das glitzernde Leben so greifbar und erschreckend. Und gerade diese kluge Kombination schafft eine Unzahl von vielen humorigen, einigen romantischen und wenigen schaurigen Begebenheiten: Humorig etwa die stete Sorge, welche Schuhe Marisa zur Chemotherapie anzieht, die nur „Bad Hair Day“ heißt, ein genuin weiblicher Zugang. Romantisch, wenn der neu gewonnene Bald-Ehemann Silvano auch in dieser fundamentalen Krise („Hochzeitskrebs“) und inmitten einer Glamourwelt, für die das Äußere so wertvoll ist, zu ihr hält. Und schaurig, wenn ein konkurrierendes Model mit Arschgeweih im Kampf um die gute Partie Silvano im Lokal vor aller Augen und in Gegenwart von Marisa schonungslos ihre Gesundheit als Argument vorbringt: „Hier ist meine Karte. Ich bin nicht krank ... Ruf mich an, falls du eine gesunde Beziehung haben willst.“ Gerade diese Verknüpfung lockt meines Erachtens auch neue Zielgruppen zum Thema. Und die witzigen Einsprengsel sind nicht bloß Showeinlagen, um die schwere Materie besser verdauen zu können, sondern zeugen effektvoll von der Kraft und dem Lebensmut, der bei Marisa letztlich ungebrochen bleibt.

Cancer Woman reiht sich in eine Linie mit guten Comics, die sich mit dem Thema „Krankheit, insbesondere Krebs“ seriös und ausschließlich (auto-) biografisch auseinandersetzen. Zu denken wäre an das bereits genannte Mutter hat Krebs (Brian Fies), Our Cancer Year (Harvey Pekar/Joyce Brabner/Frank Stack) sowie zu anderen Krankheiten Blaue Pillen (HIV/AIDS) von Frederik Peeters und Der Fotograf (medizinische Versorgung in Afghanistan) von Emmanuel Guibert, Didier Lefèvre und Frédéric Lemercier. Doch Cancer Woman addiert nicht einfach einen weiteren Comic hinzu, sondern schafft einen weiteren eigenständigen Zugang zu diesem Thema, vorrangig für Frauen und die High Society. Ungewollt politisch wird es dann, wenn Marisa feststellt, dass sie – wie so viele in den USA 2004 – keine Krankenversicherung hat. Marisa Marchetto hat nach Überwindung des Krebs‘ übrigens einen Fonds ins Leben gerufen, der Mammografien finanziert; nach eigenen Erfahrungen entdecken Wohlhabende ja öfter ihr Herz für andere Betroffene ... Cancer Woman. Eine wahre Geschichte ... Atrium Verlag Text: Marisa Acocella Marchetto Zeichnungen: Marisa Acocella Marchetto Übersetzung: Janina Joffe 220 Seiten, farbig, Softcover Preis: 22,95 Euro ISBN: 978-3-85535-507-5

Die Zeichnungen sind knallbunt, großflächig gefüllt und etwas gewöhnungsbedürftig, doch in die Lebensgeschichte von Marisa findet man gut hinein. Und selbstverständlich bietet das Comicformat (wie immer!?) exzellente Möglichkeiten, Unmögliches bildlich auszudrücken, etwa wenn dem Tod „in den

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Khaal 1 - Erstes Buch von Benjamin Vogt

Einst herrschte das Reich Empyreon über die Galaxie. Doch nach dem großen Krieg haben sich die unterschiedlichen Völker nahezu selbst ausgelöscht. Einige der letzten Überlebenden befinden sich abgeschirmt von der Außenwelt in E.T.H.E.R., einem von der Außenwelt abgeriegelten Gefängnis, das ziellos durch das Weltall treibt. Dessen Insassen sind die Nachkommen der ursprünglich lebenslang eingesperrten Kriminellen. Aufgeteilt in drei Distrikte, bevölkern die Spezies der Menschen, der Psis (telepathische Echsenwesen) und der Geistigen (die durch Wände gehen können) das Gefängnis. Die drei Gruppen können sich per se nicht leiden, sind aber aufeinander angewiesen. Denn die Erbauer der Einrichtung haben diese so konstruiert, dass wichtige Maschinen, die die Selbstversorgung garantieren, nur dann funktionieren, wenn alle drei Lager miteinander kooperieren. Doch der mächtige und machthungrige Anführer der Menschen, Khaal, gefährdet den Frieden. Er bezieht seine übernatürlichen Kräfte aus geheimnisvollen Quellen und wäre damit imstande, die Kontrolle über E.T.H.E.R. ganz zu übernehmen. Auf lange Sicht möchte Khaal gar ein neues galaktisches Imperium begründen. Grund genug für Psis und Geistige also, zu versuchen, dem Übermächtigen gemeinsam Einhalt zu gebieten. Autor Stéphane Louis erweckt mit dieser neuen Sci-Fi-Serie ein stimmungsvolles Szenario zum Leben. Wie er das Gefängnis als eigenen Mikrokomos, abgeschottet von der Außenwelt, beschreibt, wie die verschiedenen Bewohnergruppen dargestellt werden, das ist schon große Klasse. Mit Khaal hat man zudem eine denkbar furchteinflössende und unsympathische Hauptfigur gewählt. Gerade das Ende des ersten Bandes ist in dieser Hinsicht sehr anschaulich geraten. Da muss man für die beiden noch folgenden Ausgaben das Schlimmste befürchten. Nicht zuletzt profitiert die Serie aber auch von den brillanten Zeichnungen von Valentin Sécher: Kalte Weltraumstimmung in den ruhigen Momenten, detailreiche und realistische Bewegungsabfolgen in den Kampfszenen. Bei der aufwändigen, fast schon gemäldeartigen Kolorierung ist man für das große Albenformat wirklich dankbar. So ist mit dem Ersten Buch von Khaal ein hervorragender Serienstart gelungen, der mit packender Story und tollen Zeichnungen aufwartet. Khaal. Chronik eines galaktischen Herrschers - Erstes Buch Splitter Verlag Text: Stéphane Louis Zeichnungen: Valentin Sécher Übersetzung: Tanja Krämling 48 Seiten, farbig, Hardcover ISBN: 978-3-86869-573-1

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Kann ich sonst noch was für dich tun?

B Ü c h e r

Super schlafen ab

30,00 Aarfz „Aaarfz“. Womöglich erschien selten ein Roman mit noch größerer Aussagekraft im Titel. Zur Erklärung: Es ist das Geräusch, welches Hauptfigur Tobias jeden Morgen macht, bevor er schlaftrunken aus dem Bett fällt. Er kann sich nicht beklagen, in seinem Traumberuf Musikredakteur kommt er ganz gut über die Runden und ansonsten passt auch alles ganz gut. Zufrieden ist er aber trotzdem nicht. Um seinem Alltagstrott zu entkommen, fasst er deshalb eines Tages den Beschluss, sich wieder seinem Kindheitstraum zu widmen. Einmal in den Weltraum fliegen! Wie er das schaffen soll? Keine Ahnung. Tro t zd e m b a u t e r s i c h s e i n e i g e n e s Astronautentrainingsprogramm. Er verabreicht seinem trägen Körper ein Sportprogramm und fühlt sich beim Joggen wie eine mit Joghurt gefüllte Matratze oder liefert sich eisenharte Duelle mit Rentnern im Schwimmbad. Seinen Essensplan stellt er auf selbstgebaute Astronautennahrung in einer Wärmflasche um und auch sonst nimmt er seine Umwelt viel genauer wahr, jetzt, wo er einmal seinen großen Traum verfolgt. Markus Herrmann hat mit „Aaarfz“ einen zeitgenössischen, sehr lustigen Roman geschrieben, der pro Buchseite ungefähr 700 lustige Begebenheiten und popkulturelle Querverweise zu bieten hat. Man folgt der sympathischen, wie unbeholfenen Hauptfigur gerne von einem Geschehnis zum nächsten und denkt dabei oft selbst über eigene Träume nach. Leseempfehlung!

Hamburch. Jetzt doppelt so gastfreundlich! Superbude St. Georg + Superbude St. Pauli

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Moabit-Fanny Mehr dazu auf www.aaarfz.de

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America Swings

Unverblümt, authentisch und sehr offenherzig sind Begriffe, die auf den neuen Bildband von Naomi Harris mehr als zutreffen. Für America Swings bereiste die Fotografin fünf Jahre die Swinger Clubs der USA. Ihre Arbeit dokumentiert gewöhnliche Menschen mit einer außergewöhnlichen Neigung - dem Gruppensex mit fremden Personen. Die Orte der Swinger Partys variieren ebenso, wie die Teilnehmer. Dabei ist egal, ob es nun Barbecues, private Clubs oder das eigene Heim sind. Ausziehen kann man sich nämlich immer und überall. Zu sehen sind Lehrer, Krankenschwestern oder Senioren. Den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten entstammend, besitzen sie die Neigung zur Nacktheit als verbindende Gemeinsamkeit. Einige Posen der Darsteller wirken durchaus belustigend und bringen hohes Fremdschämpotential mit sich. Dies liegt auch darin, dass die Mehrheit der Abgebildeten im fortgeschrittenen Alter ist und ihre körperliche Blüte schon einige Zeit hinter ihnen liegt. Selbst ein schnelles Weiterblättern zum

nächsten Motiv bringt keine enormen Verbesserungen. Dies ist allerdings auch nicht die Absicht der Fotografin. Sie möchte Personen bei der schönsten Nebensache der Welt dokumentieren. Das Hauptaugenmerk des Bildbandes liegt deutlich auf Authentizität und Natürlichkeit. Die „Swinger nehmen sich selbst an in ihrem Mangel an Perfektion“, so Naomi Harris. America Swings gibt einen Einblick in das außergewöhnliche Sexleben einiger Amerikaner und erzeugt beim Betrachter ein Gefühl von Voyeurismus.

Stefan

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Lebenskunst

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Kleines Intermezzo mit SP-38

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Aushöhlen, Säubern, Ausstopfen - kann ja nicht so schwer sein!

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Kleines Intermezzo mit SP-38

Die flinken Hände des französischen Street-Art Künstlers SP-38 haben mit Sicherheit schon die Hauswände von ganz Mitte bekleistert und die restlichen Bezirke müssen sich auf jeden Fall in Acht nehmen. Zuletzt beklebte er die Hauswand des STATTBAD Wedding. Wir haben ihn bei der Arbeit dazu besucht und zu den weltbewegenden Themen der Globalisierung, Gentrifizierung und zeitgenössischen Kunst befragt. Was hat dich dazu gebracht die STATTBAD Mauer zu bemalen? Ich hatte von Anfang an mein Atelier im STATTBAD und es gab diese Idee, dass regelmäßig jemand die Außenwand gestaltet, die eigentlich auch aus Holz besteht. Ein bisschen wie „Le M.U.R.“ in Paris. Das ist eine 8x3m lange Großfläche, auf der alle zwei Woche ein neuer Künstler interveniert. Wie hast du angefangen zu malen? Ich male ja eigentlich nicht, sondern ich klebe Plakate an. Ich male sie selbst und geh schon auf die Straße. Ich hab vor sehr langer Zeit in Paris angefangen. Da habe ich das Gleiche gemacht wie hier und seit ich hier bin mache ich weiter. Ich bin dem Slogan „Vive la Bourgeoisie“ das erste Mal begegnet als ich 2005 nach Mitte gezogen bin und mit dem Slogan „Who Kills Mitte“ hast du ja dann später auch auf die Gentrifizierung aufmerksam gemacht. Ist diese Uniformisierung nicht ein Phänomen, das du weltweit feststellen kannst? Doch ja, aber in Berlin ist es besonders stark. Würdest du sagen, dass deine Arbeit sich nicht auch in die Globalisierung einschreibt, mit deinen doch relativ einheitlichen Werken und womit du damit aufmerksam machst? Es schreibt sich eher in die GlobARTisation ein. Das ist ein bisschen das Gleiche, weil man die gleichen Produkte überall hat und mit der Kunst ist das genauso. Dadurch, dass ich ein bisschen in der ganzen Welt unterwegs sein kann, sehe ich zum Teil überall auch das Gleiche. Das ist vielleicht ein Protest dagegen. Es ist aber auch gut, dass Leute die aus Berlin zufällig in Montreal sind meine Arbeit sehen können. Passt du deine Arbeit trotzdem ein bisschen den Lokalitäten an, in denen du dich rumtreibst? Ich versuche zwar Ideen und Slogans zu entwerfen, die überall gültig sind, aber ich versuche das dann schon den Mauern und den Orten anzupassen. Bis auf „Vive La Bourgeoisie“ vielleicht, das nicht überall rüberkommt. „Escape“ zum Beispiel kommt überall an oder mein letzter Spruch „Made in Dreams“. Es ist interessant zu sehen, wie die Leute reagieren. Es gibt Leute, die verstehen es und andere nicht. „Made in Dreams“ haben die

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Leute in Deutschland sofort verstanden, in Burma musste ich es ihnen erst mal erklären. Hast du Kriterien nach denen du die Städte auswählst, in denen du arbeitest oder ist das mehr Zufall? Eigentlich mehr Zufall. Ich versuche an Ausstellungen und Festivals teilzunehmen. Das hängt davon ab, wo man mich einlädt. Ich habe nicht wirklich die Mittel für mich zu vereisen. In Burma zum Beispiel wurde ich eingeladen zu einem Performance und Ausstellungsfestival und zur gleichen Zeit habe ich Plakate in den Straßen aufgeklebt.

Ich versuche zwar Ideen und Slogans zu entwerfen, die überall gültig sind, aber ich versuche das dann schon den Mauern und den Orten anzupassen. Warum hast du dich dazu entschieden von einer Galerie repräsentiert zu werden? Es ist mehr die Galerie, die mich ausgesucht hat. Es ist ja auch keine klassische Galerie. Sie spaziert herum und die sind ja auch hier im STATTBAD. Danach wird es auch eine Frage der Freundschaft. Es ist auch nicht das erste Mal, dass ich mit einer Galerie zusammenarbeite. OPEN WALLS macht auch beides. Sachen, die drinnen und Sachen, die draußen präsentiert werden. Es ist praktisch um Sachen zu organisieren. Interessierst du dich für das künstlerische Milieu in Berlin und anderswo? Ich betrachte das eher von weitem. Ich gehe nicht wirklich in Ausstellungen. Höchstens von Leuten, die ich kenne. Ein äthiopischer Kollege hatte eine Ausstellung in der Kurfürstenstraße. Hat mir nur nicht besonders gefallen. In Mitte schaue ich mir nicht wirklich Kunst an. Wenn dann neurotitan oder hier im Stattbad.

Und Kunsttheorie generell? Nein. Ein bisschen Geschichte und was heute passiert, aber ich bevorzuge es in den Straßen und in den Städten zu gucken. Alles Zeitgenössische geht mir irgendwie gehörig auf die Nerven. Was charakterisiert Kunst für dich? Die Freiheit. Kunst heißt zu machen was man will. Etwas Schönes mit Aussage. Ist für dich das Gefühl dabei oder die Message dahinter wichtiger? Beides. Es kann ein Gemälde, ein Foto oder ein Graffiti in der Straße sein. Bist du eher von einem Gedicht oder einem Gemälde bewegt? Mehr von einem Gemälde. Ich lese nicht viele Gedichte. Liest du generell Literatur? Ich lese viel ja, aber mehr Krimis. Grade lese ich Philip Roth. Ich kannte den nicht. Er schreibt zwar keine Krimis, aber der ist echt gut. Wenn du eine Stadt bauen könntest, nach was würde die aussehen? [überlegt] Ein großer Garten. Beton mit viel Bäumen. Ein Mix aus alten antiken Sachen und sehr modernen. Ich mag Berlin weil es ist ziemlich hässlich und ziemlich lebenswert. Es ist improvisiert und chaotisch, das gefällt mir. Es gefällt mir zwar moderne Städte mit viel Beton, Glas und riesigen Türmen anzugucken, aber da wohnen will ich nicht. Ich würde etwas mit Natur bauen und wo die Leute sich wohlfühlen und mit ihrem Nachbar kommunizieren können. Eine große Stadt mit etwas Menschlichem. Wenn du Präsident wärst, was wäre dein erster Staatsakt? Ein Jahr Ferien für alle. Und weniger Sachen verbieten. Was hat dich nach Berlin geführt in den Neunzigern? Freunde. Ich gehörte zu der Hausbesetzerszene in Paris und hatte Kontakte. Berlin war damals ein El Dorado, eine Referenz für ganz Europa. Besonders Orte wie das Tacheles damals. Mitte hatte sich seit 50 Jahren nicht verändert, war ziemlich leer und

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man konnte machen, was man wollte. Mitte war wie ein einziges riesiges besetztes Haus. Es gab eine nette Mischung aus alternativen Leuten, Leute, die da schon ewig lebten und es gab eine gute Atmosphäre. Es gab eine richtige Subkultur mit den ganzen Häusern und Bars. Hattest du schon mal Probleme mit der Polizei? Nein, Probleme nicht wirklich. Ich wurde kontrolliert oder so, aber ins Gefängnis haben die mich noch nicht gesteckt. In Paris ist es eigentlich total verboten, hier sind sie echt lockerer auch wenn es dort eine große Street Art Mode gibt. Aber Graffitis sind nochmal anders. Hat es sich so schleichend entwickelt, dass du zu dem was du heute machst gekommen bist oder hast du irgendwann einfach den Entschluss gefasst?

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Eigentlich hing es auch mit einem Liebeskummer zusammen. Aber ich habe auch dumme Jobs gemacht zu dem Zeitpunkt. Was zum Beispiel? Zeitungen austragen, Umfragen machen und so was. Ich habe in Paris angefangen zu malen und irgendwann habe ich dann Leute aus der Hausbesetzerszene kennengelernt. Da habe ich gesehen, dass man auch ein anderes Leben führen kann und andere Sachen ohne Mittel machen kann. Das ist auch Teil von Kunst. Das ist auch ein bisschen meine Vision und der Grund weswegen ich nach Berlin gegangen bin.

Clarisse

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Aushöhlen, Säubern, Ausstopfen kann ja nicht so schwer sein! Hach, Tiere. Wir kennen sie nur zu gut mit ihren lieblich dreinblickenden Augen oder ihren entzückenden Reißzähnen. Und dank modernster Techniken der Tierpräparation können heutzutage perfekte Ebenbilder unserer kleinen Freunde gefertigt werden. Man kennt das ja: der ausgestopfte Hund im Wohnzimmer der Oma, der noch sehnsüchtig das gerahmte Bild des Herrchens an der Wand ansieht. Herzzerreißend! Aber auch ein bisschen gruselig. Gruselig - das dachte ich mir auch, als ich in das dümmlich grinsende Gesicht eines scheinbar verrückt gewordenen Zombie-Bären blickte. Ich denke mir nichts schlimmes und suche weiter nach ausgestopften Tieren im Internet. Aber nach und nach versinke ich in einem Strudel aus Fotos von gelangweilten Eisbären, Hunden mit glubschigen PlastikAugen und amüsiert grinsenden Haien. Irgendwann stoße ich auf eine ausgestopfte Katze mit angenähten Taubenflügeln. Mit ihrem aufgerissenem Maul sieht die hängende Mieze ein wenig gequält aus, aber vielleicht ist sie auch nur schrecklich glücklich, dass sie endlich fliegen kann. Und bei ebay für 750 Pfund angeboten wird. Diese Entdeckung erinnert mich irgendwie an den Wolperdinger, ein bayerisches Fabelwesen, das eine Kombination aus beispielsweise Hase mit Entenflügeln und Hirschgeweih ist. Wo wir einmal bei Fabelwesen sind - wie sieht es denn dann aus mit Einhörnern? Sind diese wundervollen Geschöpfe etwa auch nur das Ergebnis hinterhältiger Präparatoren, die uns in die Irre führen wollten? Wohl eher unwahrscheinlich. Wenn man sich mit dem Thema der Taxidermie bisher noch nicht weiter beschäftigt hat, ist das alles zunächst verstörend. Aber je länger man sich die Bilder misslungener Ausstopfungen ansieht, desto mehr gewöhnt man sich an die größtenteils bizarren Kreaturen, die da entstanden sind. Aber die Fotos

im Internet zu sehen ist natürlich etwas vollkommen anderes als sich die toten Tiere tatsächlich ins Wohnzimmer zu stellen. Manche Menschen fühlen sich von ausgestopften Tieren beobachtet. Es kann aber eigentlich auch eine ganz gute Lösung sein, um sich nicht immer so einsam zu fühlen. Und um das Ganze noch auszureizen: Was spricht denn gegen das Ausstopfen und an die Wand hängen des verstorbenen Ehemannes? So kann man ihn wenigstens immer noch zärtlich übers Haar streicheln. Aber da müsste man sich wohl eher an den berühmten Plastinator Gunter von Hagens wenden. So lange das Ergebnis nicht so aussieht wie die stümperhaft zusammengenähten Körper mancher Tiere wäre das ja durchaus eine Überlegung wert. Aber wenn einem die normalerweise majestetische Raubkatze auf einmal erschrocken in die Augen schaut und ihre Zähne kreuz und quer aus dem Maul ragen ist das dann alles andere als dekorativ. Wobei ich gegen eine schelmisch grinsende Ziege mit verrückten Augen, die neben dem Esstisch steht, nichts hätte, so ist man immerhin durchweg amüsiert über das blöd aus der Wäsche schauende Tier. Oder man mach es einfach wie Bart Jansen, der Künstler, der aus dem abgezogenem Fell seines verstorbenen Kater einen Helicopter gebaut hat. Halb Kater, halb Maschine kann er nun endlich mit den Vögeln fliegen, die er zu Lebzeiten so geliebt hat. Hach, Tiere. Immer für einen Spaß zu haben! Selbst nach ihrem Tod.

Fanny

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Das Kunstst端ck STROKE

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Die internationale Urban Art Messe öffnet vom 1. bis zum 5. Mai mal wieder die Tore auf der Münchner Praterinsel und SLEAZE unterstützt kräftig. Ein großes Haus, drei Freunde und ganz viel Zeit, um nur das zu tun, worauf die drei Lust haben. Nein, wir reden hier nicht von der Villa Kunterbunt, sondern von einer Künstler-WG aka Galerie aka dem Haus 75. Dort geht es zwar bestimmt auch kunterbunt zu, aber statt einem Affen, einem Pferd und einer Rotzgöre leben dort die Künstler Lion „Carne“ Fleischmann, Matthias „Mazal“ Mross and Sebastian „doubleyou“ Wandin in Eintracht und Kunstliebe zusammen. Oder so ähnlich. Wer wissen will, ob ihre Ergebnisse so schön sind, wie man sich die Arbeit dahinter vorstellt, muss ab 1. Mai zur STROKE nach München. Die bekannte Urban-Art-Messe, die einmal jährlich im Frühjahr in München und im Herbst in Berlin stattfindet, ist nämlich für Eines besonders bekannt: neue Gesichter. Interessante Street-Art-Künstler aus allen Weltwinkeln zeigen zweimal jährlich auf der STROKE, was die Farbtöpfe und ihre Fantasie so hergeben. Da kann Damien Hirst mit seinen Punkten mal schnell hinter der Graffitiwand verschwinden, denn die STROKE gehört den jungen Wilden. Und den alten Wilden. Denn wild ist hier, wer nicht mit dem Strom schwimmt und sein Werk weniger als Altersvorsorge

denn als Emotionsinvestition sieht. Und weil das ganz in unserem SLEAZE-Sinne ist, sind wir wieder Medienpartner und halten euch auf dem Laufenden. Gezeigt wird in den fünf Tagen, was aufregend ist, nicht, was auf dem internationalen Kunstmarkt das große Geld bringt. Der billigste Stuhl der Welt folgt diesem artsy Robin-Hood-Credo. Der leicht zu habende Stuhl wird im Rahmen der STROKE von seinem Designerpapa Bert Löschner vorgestellt, eine Performance dazu wird auch angekündigt. Das könnte interessant werden. Wir hoffen auf einen Drehstuhl, der sich dreihundertvierundsechzig mal in der Minute dreht. Den schenken wir dann unserem lieben Chef, der dann nach schwindeliger Benutzung noch orientierungsloser ist als sonst. Und da der Stuhl ja sehr billig ist, lohnt sich auch keine Rückgabe. Generell scheint die Kunstmesse ein guter Ort für broke Leute zu sein: Die Pressemenschen der STROKE schreiben auffällig direkt gegen den Hollywood-Kunsthandel an. Auf der STROKE ART FAIR könne man laut Pressemitteilung entgegen des Money-Mainstream eine tolle Zeit haben. Passt uns gut.

Lisa

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Musik Musik Musik Musik Musik Musik

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Musik: 45

Der Hirsch kommt aus dem Röhren nicht mehr raus.

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Poserrock im Catsuit

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Brasstronaut, wo das gute Wortspiel Programm ist

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Wieso lacht denn hier keiner?

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Keine Angst vor Pop.

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Rock’n’Roll in Perfektion!

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Lalala, Hochzeitsmarsch und Nervosität

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Wovon lebt eigentlich Peter?

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Der Hirsch kommt aus dem Röhren nicht mehr raus. Die Jägermeister Wirtshaustour lädt auch 2013 zu zünftigen Rudeltreffen ein Das Konzept ist simpel wie genial. Man setzt sich mit Freunden in eine Kneipe und genießt einen anständigen Schnaps. Doch statt Hausmannskost mit Brezeln, Weißbier und Blasmusik gibt‘s in Jägermeisters Wirtshaus den schmackhaften Kräuterlikör im Überfluss und dazu knackige Beats auf die Ohren.

Hamburg

Gefeiert wird in urigen Eckkneipen in Hamburg, Berlin und München, wo feinste Electro-DeepHouse-Sounds für musikalisches Kontrastprogramm sorgen. In jeder Stadt zeichnet je ein Label aus den beteiligten Städten für die Bereitstellung der Musikanten verantwortlich.

16. Mai 2013 // 19.00 – 01.00 Uhr Kleiner Mohr, Prinzenstraße 39, 10969 Berlin Acts: Shir Khan (Exploited, Berlin), Doctor Dru (Exploited, Berlin)

So stehen etwa Davidé (Jeudi Records, Hamburg), Shir Khan (Exploited, Berlin), Claptone (Exploited, Berlin), Cocolores (Club Autonomica, München), Chord & Der Brane (Club Autonomica, München), Rhode & Brown (Club Autonomica, München), STAAB (Club Autonomica, München), Show-B (Poker Flat, Hamburg) und Nico (Club Autonomica, München) hinter den Plattentellern, während ihr euch vor der Bar rumtreibt. Weitere DJs wie ENNIO (Exposure Music), Show-B (Pokerflat), Nico Schwind (Stil vor Talent) komplettieren die feucht fröhliche Wirtshaustour.

09. Mai 2013 // 19.00 – 01.00 Uhr Bei Peter, Schwanthaler Str. 158, 80339 München Acts: Show-B (Poker Flat, Hamburg), Nico (Club Autonomica, München)

Also liebe Waldmeister, Feen, Oger, Kobolde und was sonst noch so im Wald haust: Packt eure Lieben ein, tretet die beschwerliche Reise in die Stadt an und lasst euch in den gemütlichen Schenken nieder.

Wir freuen uns auf Schnaps, Musik und nackte Haut.

25. April 2013 // 19.00 – 01.00 Uhr Blauer Peter, Hamburger Berg 38, 20359 Berlin Acts: Davidé (Jeudi Records, Hamburg) + Claptone (Exploited, Berlin)

Berlin

München

Wenn es dann im Juni irgendwann mal warm ist, verlagert sich die Jägermeister Wirtshaustour ins Freie und feiert dort ihr fulminantes Finale. Die Wirtshausfestivals finden dann selbstverständlich in Parks anstatt in verrauchten Spelunken statt. 02. Juni 2013 - Hamburg, 09. Juni 2013 – Berlin und am 16. Juni 2013 in München.

https://www.facebook.com/jaegermeisterwirtshaustour

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Poserrock im Catsuit

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The Darkness über Deutsche, Polen und den Geruch des Erfolgs Nur wenige Bands schaffen es so gay und so unglaublich cool zugleich zu sein. The Darkness haben diesen Stil perfektioniert. Seit 2011 sind die vier 70er-Jahre-Glam-Poser-GroupietimeRocker aus Großbritannien nach ihrer Trennung in 2006 wieder gemeinsam unterwegs und beglücken langhaarige Altrocker sowie metalaffine Schönheiten gleichermaßen. Vor ihrem Gig im Berliner C-Club haben wir mal ein bisschen mit Basser Frankie Poullain geplauscht. Wir haben darüber nachgedacht in Catsuits zum Interview zu kommen. Hat leider nicht geklappt. Wir haben tatsächlich Fans, dieses eine Mädchen, das uns folgt und vielleicht zu zehn Gigs im Jahr kommt und jedes Mal kommt sie in einem Catsuit. Immer andere. Sie ist großartig. Amerikanerin. Wann wart ihr das letzte Mal in Berlin. Wir sind viel hier gewesen. Das letzte Mal mit Lady Gaga. Zwei Nächte sogar in der O2 World. Ihr wart ihr Support? Ja, wusstest du das nicht? Ich bin so froh, dass du das nicht wusstest. Ich hab die Schnauze voll von Fragen dazu. Wie gefällt dir die Stadt und die Deutschen? Wir lieben es hier. Es ist total anders. Die Deutschen sind sehr gebildet in Rockmusik. Manchmal haben die Leute einen ganz anderen Zugang zur Musik. Das Publikum aus Spanien oder Italien zum Beispiel hat einen mehr unschuldigen Zugang zu den Gigs. Aber deutsches Publikum ist ziemlich vertraut mit dieser Art Rockmusik und Rockkonzerten und die sind so im Takt. Sie tun immer das richtige mit ihren Händen. Wie synchronisiert. Da gibt es dann eine Synchronität zwischen der Menge und der Band, was ziemlich cool ist. Wann seid ihr das letzte mal richtig, richtig zu spät gekommen? (Anmerkung der Redaktion: Wir waren ’ne Stunde zu spät. hat aber keiner gemerkt. Upsi!) Das passiert eigentlich ziemlich oft. Aber wir haben gute Leute, die für uns arbeiten, Tourmanager, deren Job ist, dass wir nicht zu spät sind. Aber manchmal passieren Dinge einfach. Ich hab nämlich gehört, dass es eine deutsche Stärke ist, pünktlich zu sein. Exakt, dann sind wir wohl mit einem Deutschen unterwegs. Rockbands sind „in time“. Das ist ja auch der Unterschied zwischen einer Rockband und einer Indieband, oder nicht, das Gefühl für Timing? Was habt ihr nach der Trennung in 2006 bis zur Reunion gemacht? Das wird ne lange Antwort. Wir haben unterschiedliche Sachen mit unterschiedlichen Leuten

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gemacht. Dan hatte die Stone Gods. Ed, unser Drummer, war auch eine kurze Zeit bei den Stone Gods. Justin hatte eine Band namens Hot Leg. Ich hab geheiratet und mich scheiden lassen und bin viel gereist. So haben wir alle Verschiedenes gemacht. Und ich glaube, wir haben uns getrennt, weil wir einfach zu viel Spaß hatten und die Konsequenzen dessen tragen mussten. Und dann sind wir wieder zusammengekommen, weil wir einfach nicht genug Spaß hatten. „Lasst uns wieder zusammentun und wieder Spaß haben“

konnte, waren Menschen zu sehen. Das war echt intensiv. Und weil das Publikum so gewaltig war, hat Justin die meiste Zeit des Gigs in der Menge verbracht, ist dort rumgesprungen und hat die Verbindung zu den Leuten gesucht. Die polnischen Leute sind ziemlich anders als die Westeuropäer, dieses slavische, so „stämmisch“ und irgendwie sehr intensiv. Eine Art spielerischer Kampf. Und alle waren außerdem sehr kaputt. Ein sehr besonderer Gig. In Zahlen können wir das nicht überbieten.

Was braucht es deiner Meinung nach, um es als Musiker zu schaffen? So was wie Intuition, Instinkt. Verstehst du? Bei Tieren, wenn du dir einen Hund oder auch kleine Babies anschaust, da sind die Instinkte noch fein eingestellt. Aber bei uns sind die Instinkte verschwunden, weil wir es zu bequem haben und Wissenschaft und Technologie kontrollieren unser Leben vielleicht ein bisschen zu sehr. So glaube ich, dass irgendwie etwas Tierisches an Menschen ist, die ihre Ziele verfolgen, als würden sie so Dinge riechen. Deswegen sagt man ja auch: „The smell of success“.

Wie fühlt es sich an, vor so einer Menge zu stehen? Unglaublich. Jenseits des Beschreibbaren. Du fühlst dich, als würdest du dich nicht selbst kontrollieren, sondern die Menge kontrolliert dich. Du kanalisierst nur die Energie, die das Publikum dir gibt.

Wir lieben es hier. Es ist total anders. Die Deutschen sind sehr gebildet in Rockmusik. Was ist karrieretechnisch seit 2011 passiert? Wi e h a b e n S u p p o r t f ü r L a d y G a g a gespielt, wir haben das Album rausge bracht. Wir haben seit Rauskommen des Albums getourt und wir schreiben unterwegs gerade an einem weiteren Album. Das ist das, was wir da drüben (zeigt zum Computer in der Ecke des Raums) machen. Wir arbeiten hart dran unseren Fans etwas zurück zu geben, jetzt da wir nicht mehr die ganze Zeit berauscht sind. Dinge sind viel klarer und viel besser zu genießen. Wie seid ihr überhaupt zu einer professionellen Band geworden? Indem wir unseren Plattenvertrag unterschrieben haben. (Grinst) Was war die beste Show, die ihr je gespielt habt? Und warum die? (Laaaange Pause) Also, wenn du in Zahlen sprichst, dann das Woodstock in Polen letztes Jahr. Es ist eine riesengroße Bühne und es ist ein kostenloses Festival und sie haben eine Kapazität von 250.000 Menschen. Aber als wir letztes Jahr da waren, haben sie uns erzählt, dass sogar 400.000 Leute da waren. Wir waren um neun am Abend dran und alle haben unseren Gig angeschaut. Soweit man dort nach links, rechts oder geradeaus sehen

Ist da dann Platz für Angst? Am Anfang war ich ein bisschen ängstlich. Aber daraus wird Adrenalin und das Adrenalin hilft dir zu fokussieren. Zeit wird elastisch. Eine Stunde wirkt wie drei. Glaubst du, dass es für euch einfacher gewesen wäre, wenn ihr in den 60ern oder 70ern rausgekommen wärt? Darüber haben wir gestern schon gesprochen. Und wir haben gesagt, das dem nicht so wäre. Wenn wir in den 70ern wären, würden wir sowas wie die Glen Miller Band machen, Retro-Big-BandMusik oder klassische Musik. Weil wir ziemlich gegen den Strom schwimmen und wir genießen es nicht reinzupassen. „I believe in a thing called love“ ist ein Song, den fast jeder kennt und mit dem euch nahezu jeder verbindet. Gab’s mal eine Zeit in der ihr ironisch meintet, was ihr in eurer Musik gemacht habt? Das Video zum Song war ja sehr ironisch. Ja, das stimmt, sehr spielerisch. Aber wir meinen immer, was wir in der Musik machen, weil Justin immer alle Worte, die er singt, ernst meint. Der Song war sicher einer der mehr belanglosen, aber ich glaube, Justin war wirklich verliebt als er dieses Lied sang. Er hat es tatsächlich von Herzen gesungen. Das ist es was ihn und uns als Band anders macht, dass uns das nicht peinlich ist. Wir versuchen nicht cool zu sein. Wir könnten die Songs nicht tausende Male spielen, wenn wir nicht an sie glauben würden. Uns ist es nicht peinlich zu versuchen eine gute Zeit zu haben und zu versuchen anderen eine gute Zeit zu bescheren. Und ich glaube, dass eine gute Zeit haben eine ernsthafte Beschäftigung ist. Andernfalls machst du es schlecht und dann hast du nicht so viel Spaß.

Kirsten

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Brasstronaut, wo das gute Wortspiel Programm ist SLEAZE im Interview mit der „space-pop-orchestralen Soundorgie“ Wir Europäer tun uns immer schwer die Abneigung der US-Amerikaner gegenüber den Kanadiern zu verstehen. Wir SLEAZELS jetzt noch viel mehr, da wir Brasstronaut aus Vancouver kennen. Die sechs Jungs, deren träumerische Indie-Pop-Jazz-Mischung Lust auf mehr macht, haben 2012 mit Mean Sun ihr zweites Album veröffentlicht und beglücken uns im Frühjahr 2013 mit einer Europatour. Gitarrist Tariq hat sich vorneweg einmal unseren Fragen gestellt. Ihr spielt diesen Frühling/Sommer in Europa. Sind es eure ersten Europagigs, neben denen in Großbritannien? Ich glaube, es ist das dritte Mal, dass wir in Europa touren und ich muss sagen wir sind begeistert wieder hier zu spielen. Wir haben immer eine tolle Zeit hier und die Menschen sind überall, wo du hinkommst, toll. Es ist nett mal eine andere Autobahn als den Trans-Canada zu fahren, was wir schon viel gemacht haben. Klar ist der auch

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schön, aber neue Gebiete zu erkunden ist immer aufregend. Ihr habt 2008 angefangen zusammen Musik zu machen. Wie habt ihr euch kennengelernt und beschlossen zusammenzuarbeiten? Ich meine, drei Musiker, sie sich finden ist nicht schwer vorstellbar, aber sechs? Die Band ist allmählich zusammengekommen. Es fing mit Zweien an, dann Drei, dann Vier. Die letzten zwei – ich und Sam, der Klarinettenspieler – kamen 2009 dazu. Es stimmt, dass wir uns am Anfang nicht besonders gut kannten, aber wir kannten einander gut genug, um zu sagen: „Ich denke, wir werden Spaß dabei haben zusammen Musik zu machen.“ Und jetzt, nachdem wir fast vier Jahre zusammen spielen, fühlt es sich an als würden wir uns schon immer kennen. Es ist wie eine Familie – wenn auch hin und wieder eine dysfunktionale – aber nichtsdestotrotz eine Familie.

Was heißt „Brasstronaut“? Wie habt ihr den Namen gewählt und wessen Idee war’s? Der Name kommt von einer Ex-Freundin Edos. Der Name ist eine dieser Sachen, die einfach hängen bleiben. Es gibt eigentlich keine tiefere Bedeutung dahinter, wirklich. Es ist mehr oder weniger nur ein spaßiges Wortspiel – wenn du mal ein paar Stunden in unserem Tourbus verbracht hättest, wüsstest du, dass diese Band ein gutes Wortspiel sehr wertschätzt. Das ist, wieso wir den Namen mögen, denke ich. Ich glaube, es gab mal die Diskussion ihn zu ändern, vor langer Zeit, aber die ist dann gestorben. Und wir sind froh darüber. Wie würdest du eure Musik in einem Satz beschreiben? Eine geistschmelzende space-pop-orchestrale Soundorgie.

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Mögt ihr es, wenn man eure Musik „Indie“ nennt? Ich finde den Begriff „Indie“ okay. Ich denke, die Menschen wissen irgendwie was er meint, oder? Oder vielleicht auch nicht. Ich weiß nicht. Ich meine, auf der einen Seite hat er viel von seiner Bedeutung verloren seitdem es so viele Indiebands gibt, die im klassischen Sinne - die eigenen Shows booken und Briefumschläge zum Verschicken noch selbst anlecken - keine sind. Diese Definition von Indie bedeutet echtes DIY. Aber heute muss „Indie“ nicht mehr das bedeuten. Es bezieht sich mehr auf einen Sound, der versucht zu zeigen, dass Künstler nicht einfach nur versuchen einen Song ins kommerzielle Radio zu bringen, der ein bisschen Denken, Herz und Kunstfertigkeit demonstriert. Das ist auch, wie ich gerne darüber denke. Ich find es toll, dass ihr jemanden, Bryan, habt, der in der Band Trompete spielt. Was macht euren Sound anders als den der vielen Indiebands heute?

Ich freue mich, dass du die Trompete magst. Da bist du nicht allein – viele mögen das. Ich glaube, was diese Band interessant macht, ist die Mischung von Instrumenten, die man normalerweise nicht in einer Rockbandaufstellung findet. Ich meine, ich spiele Gitarre – das ist ziemlich „normal“. Aber diese Band ist eben dieser Kombination aller Elemente, die den vollen und kompletten Sound ausmachen. Welcher ist dein Lieblingssong auf dem Album? Ich bin ein großer Fan von „Francisco“. Ich mag es, wenn wir live spielen, diesen Gitarrenriff in Afrikastyle im Vers zu spielen. Welchen Song des Albums magst du am wenigsten? Da gibt es keinen. Ich mag sie alle. Was sind eure nächsten Pläne als Band? Wir freuen uns auf die Europatour im Frühjahr und wir konzentrieren uns gerade sehr darauf.

Wenn wir zurückkommen, werden wir darüber nachdenken an neuen Songs zu arbeiten. Da schweben schon ein paar Ideen zwischen uns herum, man könnte sagen, die Räder drehen sich langsam im Hintergrund. Dein Soundtrack für den Sommer 2013! Empfehlungen? Ich höre viel das neuste Father John Misty Album. Es heißt Fear Fun und ist definitiv eines meiner derzeitigen Lieblingsalben. Der kanadische Songwriter Leif Vollebekk hat auch gerade ein neues Album namens North Americana rausgebracht, das ich viel höre. Super klassischer Bob Dylan Style, wie in Blood On The Tracks, was ich wirklich mag. Bier oder Schnaps? Wahrscheinlich Bier, weil ich mehr Bier trinke und mehr Bier kenne. Nennt man einen „shot of schnapps“ einen „schnappsshot“?

Kirsten

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Wieso lacht denn hier keiner? Seit die sympathische Singer-Songwriterin Irma 2011 ihr Album in Frankreich veröffentlichte, ist sie (zumindest dort) keine Unbekannte mehr. Mit ihrer Single „Letter To The Lord“ hielt sich die Schönheit aus Kamerun mehrere Wochen in den französischen Charts. Nun will sie auch Deutschland und Amerika erobern. Wir nutzten die Gelegenheit und quatschten mit ihr über nie-lachende-Europäer, studieren im Tourbus und wie es ist, mit will.i.am zusammen zu arbeiten.

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Wie ist das so, wenn man sein erstes eigenes Album herausbringt? Es ist einfach so unglaublich, dieses Album ist mein Baby. Ich bin einfach so stolz drauf. Ich habe da echt viel Arbeit reingesteckt. Die Songs haben wir ja schon vor vier Jahren aufgenommen und ich habe ständig daran gearbeitet. Jetzt bin ich einfach froh, dass es fertig und so gut geworden ist. In Frankreich kam dein Album ja bereits 2011 heraus. Wieso kommt es in Deutschland erst jetzt auf den Markt? Keine Ahnung (lacht). Ich hätte es am liebsten sofort überall rausgebracht, aber es waren einfach die Umstände, die das nicht zugelassen haben. Aber was der wahre Grund war, weiß ich auch nicht. Französisch ist ja deine Muttersprache. Wieso singst du dann eigentlich auf Englisch? (Lacht) Das ist eine gute Frage. Das kommt glaub ich daher, dass die Musik, die ich als kleines Mädchen hörte, die Musik die mich wirklich berührte, immer auf Englisch war. Immer wenn ich mir meine Gitarre schnappte, sang ich dazu ganz automatisch auf Englisch. Das war einfach ganz natürlich. Deshalb hab ich das auch nie in Frage gestellt. Was hast du denn so gehört als Kind? Ich habe alles Mögliche gehört. Ich habe zum Beispiel sehr viel Folk-Musik gehört, weil mein Vater das ständig hörte. Dadurch habe ich auch mit dem Gitarre Spielen angefangen. Ich war aber auch verrückt nach Ben Harper, Lauren Hill und Queen. Die Liebe zur Musik kam also von deinen Eltern? Ja, das hab ich wirklich von ihnen. Bei uns zu Hause gab es fast keine Minute, in der meine Eltern nicht irgendwelche Musik gehört haben. Mein Vater liebt Jazz und meine Mutter ist voll vernarrt in klassische und französische Musik. Ich habe dann beschlossen Klavierunterricht zu nehmen und das war’s dann. So hat das alles begonnen. Du bist ja in Kamerun geboren und aufgewachsen. Wie hat dich das beeinflusst? Alles was ich dort sah, lernte und hörte, beeinflusste und beeinflusst mich natürlich sehr. Meine Heimat prägte aber vor allem meine Mentalität. Nichts im Leben ist selbstverständlich und alles kann dir auch sehr schnell wieder genommen werden. Ich erinnere mich, dass ich total schockiert war, als ich nach Paris kam, weil hier niemand lachte (lacht). Das klingt jetzt vielleicht total unwichtig, aber für mich war das echt krass. Da komme ich aus einem Land, in dem die Leute viel mehr Grund hätten, nicht zu lachen und tun

es trotzdem immer und in Paris, tut das niemand. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Jetzt lache ich einfach nicht mehr (lacht). Nein, das stimmt natürlich nicht, ich lache ständig. Vielleicht ist auch das der Grund, weshalb sie mich in Frankreich so lieben. Mit 15 bist du dann von Kamerun nach Paris gezogen. Wie kam’s? Meine Eltern lernten sich in Frankreich beim Medizinstudium kennen. Für sie war dann immer schon klar, dass ihre Kinder zum Studium auch nach Frankreich gehen sollten. Tja und als wir dann fünfzehn waren, schickten sie meine beiden Schwestern und mich zur Ausbildung nach Frankreich. War das nicht hart alleine nach Paris zu ziehen? Einerseits war es hart, andererseits auch nicht. Klar vermisst man manchmal sein Zuhause,

Hut zu bringen. Du musst so fokussiert und konzentriert auf das lernen sein und dich echt nicht ablenken lassen. Diese Zeit war schon ganz schön hart für mich. Wieso hast du dann genau „Letter to the Lord“ als Albumtitel gewählt? Bist du religiös? Bin ich, ja. Der Titel meines Albums war aber eigentlich gar nicht religiös gemeint. Im Nachhinein ist es ganz klar, dass mich jetzt alle danach fragen, auch wenn es nicht unbedingt meine Intention war. Mein Glaube hilft mir einfach bei allem was ich tue. In diesem Song „Letter tot he Lord“ beschreibe ich, wie ich um Inspiration bitte. Ich fand, dass der Titel ganz gut wiedergibt, wie ich mein Album komponiert habe. Wie lebt es sich nun so als Musikerin? Es ist wie ein komplett neues Leben. So als hättest du plötzlich eine zweite Familie. Du bist auf einmal ständig unterwegs, der Tourbus ist dein Zuhause und es ist viel schwieriger Leute kennen zu lernen, weil du ja nie länger als ein paar Tage an einem Ort bist. Aber ich habe immer noch meine Familie und Freunde, die mich unterstützen und hinter mir stehen. Da kann man es genießen mal hier, mal da zu sein. Ich liebe, was ich gerade tue und ich kann mich echt glücklich schätzen, dass ich von meiner Musik leben kann und das alles so gut läuft.

aber wenn man fünfzehn ist, ist alles einfach so aufregend und neu. Ich entdeckte mit meinen Schwestern die Welt, das war wirklich eine einzigartige Erfahrung. Wir waren uns sehr wohl im Klaren, dass wir sehr begünstigt waren und dass diese Chance nach Europa zu gehen, nicht viele afrikanische Kinder bekommen. Wir waren echt dankbar dafür und dann viel es auch viel leichter von zu Hause weg zu gehen. Aber natürlich vermisst man seine Eltern auch sehr. Studierst du noch? Ich habe mein Studium (Wirtschaftswissenschaften) gerade abgeschlossen. Cool, gratuliere! Danke, das war total verrückt, ich kann noch gar nicht glauben, dass ich das echt geschafft habe. Für meine Abschlussprüfungen habe ich im Tourbus gelernt. Meine Band war wirklich total rücksichtsvoll. Immer wenn sie gesehen haben, dass ich lerne, haben sie sich total bemüht, leise zu sein. Am Anfang hab ich gedacht, dass das alles ganz leicht sein wird, aber am Ende war es doch ganz schön stressig, das alles unter einen

Du hast ja auch schon mit will.i.am von den Black Eyed Peas gearbeitet. Wie war das so? Das war echt aufregend. Wir haben uns bei so einer französischen Talk-Show getroffen. Rein zufällig eigentlich. Zu der Zeit habe ich gerade an meinen Musikvideos für mein Album gearbeitet. Ich bin dann einfach zu ihm hin und habe ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, mit mir ein Video zu drehen. Seine Bodyguards meinten nur, dass ich verschwinden soll, aber er drehte sich plötzlich um und meinte, dass ich seiner kleinen Schwester ähnlich sehe und dass seine Wachhunde mich ausreden lassen sollen. Und so kamen wir dann ins Gespräch und er war total begeistert von dem, was ich da tat. Dann stand er plötzlich bei mir in der Garderobe und wir nahmen gemeinsam was auf. Das war echt ganz schön verrückt. Hast du einen Notfallplan falls das mit der Musik doch nicht so gut läuft? Eigentlich nicht. Ich meine, ich sollte wohl einen haben, oder (lacht)? Das tolle, wenn man eine Gitarre hat, ist, dass man sich einfach überall hinstellen kann und spielen kann. Sollte ich mal pleite sein, mach ich einfach das (lacht). Ich könnte mir auch vorstellen eine eigene Bäckerei aufzumachen.

Mariella

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„Ich halte den Begriff der ‚Hamburger Schule‘ ohnehin für Quatsch. Die ‚Enkel der Hamburger Schule‘ hat zumindest noch eine gewisse Ironie“ wird Drummer Rasmus über die Schublade sagen, in die er und seine Bandkollegen vom HERRENMAGAZIN gerne gesteckt werden. Aber der Reihe nach. Es gibt Kekse, Kaffee und Light-Cola. Und nebenbei auch das dritte Album der vielleicht normalsten kleinen großen Band des deutschen Gitarrenpop. Für Deniz, Rasmus, Paul und König Wilhelmsburg gab es keinen plötzlichen Urknall. Es gab keinen schillernden Durchbruch, kein Blitzlichtgewitter auf Musikpreisverleihungen oder den großen Youtube-Hype. Dass die vier Herren damit eigentlich ganz zufrieden sind, hat mehrere Gründe. Sänger Deniz öffnet sich eine Cola und schaut kurz aus dem Fenster. „Klar findet man das ab und zu ein bisschen Schade, aber andererseits ist es auch Glück. Wir sind dadurch ein bisschen freier geblieben, in dem was wir tun können. Und vielleicht begeb‘ ich mich damit jetzt auf Glatteis, aber es gibt nicht viele deutschsprachige Bands in unserer Größenordnung die drei Alben raus gebracht haben, oder?“ Er nimmt einen Schluck. „Wir sind einfach immer am Ball geblieben. Haben weiter gemacht.“ Wenn Deniz von ‚Größenordnung‘ spricht, tut er das mit einer sehr nüchternen Begeisterung – nicht übertrieben, und nicht abwertend. Im Gespräch mit Deniz, Rasmus und Paul wird schnell

zu sehen. „Wer ständig fotografiert wird, muss nicht auch noch gefilmt werden“ kommentiert Rasmus augenzwinkernd. Selbstdarstellung liegt der Band fern. Bemerkbar wird das auch auf ihren Releasekonzerten in Hamburg und Berlin kurz nach unserem Gespräch. Kraftvoll, laut und sichtlich froh wieder auf der Bühne zu stehen brennen die vier Herren in kleinem Kreise ein Feuerwerk der guten Laune ab – fast überwältigt davon, dass sich tatsächlich schon vor Veröffentlichung der Platte Menschen zusammengefunden haben, die diese auch hören wollen. Der Keksteller zwischen uns leert sich langsam. Die Jungs wirken sehr geerdet, überlegen mitunter lange was sie sagen. Alles in allem ist dieses Interview fast ein Ebenbild des neuen Albums „Am Ende wäre Stille“ - es ist bedächtig, bricht jedoch in den richtigen Momenten aus, verhandelt wichtige Fragen und gibt Ratschläge mit ehrlicher Tiefe. Man hört gerne zu. „Ich hab

weiterentwickelt haben – das respektiert man bei Herrenmagazin. „Das wäre so, als würde sich jemand empören, wenn jemand den Job wechselt“, sagt Deniz mit großen Augen, als könne er es gar nicht glauben. Auch Herrenmagazin haben sich in den letzten fünf Jahren seit ihrem Debütalbum weiterentwickelt. In kleinen aber stetigen Schritten hat man sich als Band verändert, ohne je das vor allem textlich hohe Niveau zu verlieren. Arbeitsschritte werden angepasst, alle Zahnräder laufen flüssiger. Beim neuen Album war das Aufnehmen für die vier Hamburger im Vergleich zum Vorgänger wohl relativ entspannt, man hatte alles gute vorproduziert. „Wir sind auch keine Band, die jetzt im Studio noch groß anfängt Sachen zu verändern“, erklärt Deniz. Ein paar Kleinigkeiten gäbe es da schon, aber das wäre normal, stimmen Rasmus und Paul ein. Die Proben im Vorfeld, über deren Zeitumfang ich nur spekulieren durfte, waren nach gemeinschaftlicher Aussage eher schwieriger. Es war weniger Zeit um

Keine Angst vor Pop. klar, dass sich diese Band fernab von Starträumen und falscher Selbsteinschätzung bewegt. Sie sind zu ‚groß‘ geworden um wirklich als ‚kleine‘ Band zu gelten, und sind zu ‚klein‘ um zu den ganz Großen zu gehören. Dass ihr Baby Herrenmagazin trotzdem oder gerade deswegen zu einer der unterschätztesten deutschen Bands der letzten Jahre zählt, birgt eine traurige Ironie, bedenkt man doch, dass die Indieszene hierzulande schon ihr 2008er Debüt Atzelgift hoch lobte. Zeitweise könnte man sogar meinen, dass die drei vielleicht gar nicht so recht glauben können, wie sehr ihre Musik von Fans und Kritikern gleichermaßen wertgeschätzt wird. ‚Bodenständig‘ wäre eine der abgedroschenen Bandbeschreibungen, die auf Herrenmagazin tatsächlich zutrifft. Da verwundert es kaum, dass sich die Band auch nach acht Jahren noch dem ein oder anderen ersten Mal stellen muss. „Bei uns hat es sich einfach nicht ergeben ein Video zu produzieren. VIVA und MTV waren abgemeldet und man konnte es einfach nicht platzieren – und nur für das Internet zu produzieren war damals noch nicht wichtig genug. Das lag also nicht unbedingt nur an uns, dass wir bisher keinen echten Videoclip gemacht haben“, erklärt Deniz. Seit Mitte März kann man nun das erste ‚echte‘ Video von Herrenmagazin bestaunen, ohne die Jungs darin tatsächlich länger als ein paar Sekunden

da auch keine Angst mehr vor dem Begriff Pop. Für mich gibt es in der Musik zwei Indizien: ist sie plump oder geschmackvoll? Und natürlich versuchen wir geschmackvolle Musik zu machen“ sagt Deniz und verschwindet in einer kleinen pophistorischen Reise, an deren Ende The Cardigans mit Long gone before Daylight weit geschmackvoller verortet werden als Glow. Zu recht, wie ich finde. „Pop bietet da vielleicht auch ein Stück mehr Freiraum als...Punk oder so. Da werden schnell Werte und Richtlinien mit hineinprojiziert. Und dann kommen die Leute plötzlich und finden eben, dass du gar nicht mehr so punkig bist“ findet Deniz wieder den Weg zu uns, dem Kaffee und den Keksen. Dass man als Band, die diese Erwartungen dann irgendwann nicht mehr bedient, trotzdem besser werden kann, steht für Rasmus außer Frage: „Letztens war ich auf der Fanseite von Tocotronic und war schockiert über die pubertären Kommentare der ‚alten‘ Fans, die die Band jetzt halt scheiße finden. Dann meine ich, sollen die doch auch nur noch die alten Sachen hören und sonst wo in ihrer Stagnation hängen bleiben. Man kann ja auch als Musiker nicht immer das gleiche machen, das kann man von keinem Verlangen.“ Über das neue Album der Kollegen sind sich die drei uneinig. Einigkeit besteht nur in dem Punkt, dass sich Tocotronic auf hohem Niveau

alle Bandmitglieder zum Texten und Arrangieren zusammenzubekommen. „Dadurch ist da draus aber irgendwie auch ‚ne total konzentrierte und zielgerichtete Arbeitsatmosphäre entstanden. Aus der Not heraus. Dann haben wir uns einfach auch nicht mehr aufgehalten mit irgendeinem Scheiß. Sondern haben das durchgezogen.“, rekapituliert Deniz. Vielleicht interpretiert man nach so einer Aussage auch zu viel in ein Album hinein. „Am Ende wäre Stille“ klingt jedoch genau danach – fokussiert, entschnörkelt und fast entwaffnend ehrlich. Es reiht sich ein in die große Liga der deutschsprachigen (Gitarren)Pop-Alben der letzten Jahre und es bleibt zu hoffen, dass auch ohne großen Knall die kleinste größte Band ihren Weg in den nächsten Jahren stets mit leichtem Anstieg zu gehen hat. Am Ende wagen Deniz, Rasmus und Paul doch einen vagen Zukunftstraum. Internationaler wollen sie spielen, auch mal im nicht-deutschsprachigen Ausland. Für Reisen wären sie alle zu begeistern, und für die lokale Küche, lachen sie. Da soll es hingehen, irgendwann. „Und vielleicht auch noch ein viertes Album? Oder fünftes?“, fragt Paul in die Mitte. Alle nicken. Zufrieden wirken sie, die Herren vom Herrenmagazin. Zufrieden mit dem Erreichten und bereit für Neues. Es kann also weitergehen.

Julian

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Rock’n’Roll in Perfektion!

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Nach drei Jahren melden sich Black Rebel Motorcycle Club lautstark zurück. Nach dem plötzlichen und für die ganze Band tragischen Tod von Robert Been’s Vater im Jahr 2010 ist Specter at the Feast das Ergebnis der emotionalen Aufarbeitung jener Zeit. Wir trafen Robert und Leah zum Interview in Berlin. Gratuliere zu eurem neuen Album. Ist es das Beste, was ihr je gemacht habt? Robert: (lacht) Das musst du uns sagen. Immerhin scheinen die Leute nach so langer Zeit immer noch Interesse an uns zu haben. Ich meine, du bist ja auch da...also haben wir wohl nicht alles falsch gemacht. Das Album ist in deiner (Roberts) Heimatstadt entstanden. Wieso gerade dort? Robert: Wir mussten einfach raus aus L.A. Diese Stadt kann manchmal einfach sehr anstrengend sein. Es gibt da so viel, was einen ablenkt. Wenn man zu lange am selben Ort ist, wissen die Leute, wo sie dich finden...das ist nie gut. Wir haben das auch schon bei Beat the Devils Tattoo gemacht. Es hilft dir einfach dich auf deine Arbeit zu konzentrieren. Wie funktioniert bei euch das Songwriting? Hat das was mit „wir besaufen uns bis uns was gutes einfällt“ zu tun? Leah: Nein. Aber ich denke, dass es sowieso keine fixen Regeln gibt, wenn es darum geht, Musik zu machen. Es passiert immer irgendwie anders, aber meistens sind wir alle daran beteiligt. Robert: Alkohol ist außerdem nicht unbedingt das, was einen inspiriert. Da helfen wohl eher andere Dinge (lacht). Manchmal ist es aber ganz gut, wenn man einen Song mal aus einer anderen Perspektive betrachtet. Aber im Allgemeinen hilft es deiner Musik nicht, wenn du auf irgendeinem Trip bist. Der Titel eures neuen Albums geht auf das Stück Macbeth von Shakespeare zurück. Wie kommt’s? Robert: Mhm...irgendwie war da einfach was, was uns an dem Wort „Specter“ (Geist, Gespenst) fasziniert hat. Über der Platte schwebt mit Sicherheit eine Art Schatten...Leah hat diese Überschrift Specter at the Feast in Macbeth gefunden und kurz darauf fiel mir dann eine alte Ausgabe des Stückes in die Hände. Es hatte so ein total langweiliges und nichtssagendes Cover. Irgendwie gefiel mir die Idee ein Albumcover zu machen, das so schrecklich ist, dass es die Leute gleich wieder weglegen würden. Leah: Mir gefällt an dem Titel und am Cover, dass es den Leuten nicht vorgibt, wie man unser Album hören soll. Es bleibt einfach offen, was es bedeutet. Natürlich hat es eine bestimmte Bedeutung für mich und für jeden von uns, aber ich finde es gut, dass wir das dadurch niemandem aufzwingen. Das soll jeder selbst entscheiden.

Das ist das erste Albumcover, das nicht in schwarz-weiß gehalten ist. Warum? Robert: Ich wollte es ja eigentlich rot und grün haben, aber da waren dann plötzlich alle dagegen. Sie machten dann schwarz und rot draus. Ich hab’s echt versucht, da mehr Farbe rein zu bringen, aber alle meine Versuche sie zu überzeugen, gingen leider schief. Leah: Du kennst vielleicht dieses Modelabel Red and Green. Ich glaube, das gibt es in Amerika gar nicht. Aber ich wuchs damit auf (in Dänemark) und (zu Robert) ich weiß gar nicht, ob ich dir das je erzählt habe, aber das hat mich so daran erinnert. Robert: Nein hast du nicht... Leah: Na toll jetzt plaudere ich hier alle meine Geheimnisse aus (lacht). Na jedenfalls ging das dann gar nicht als Farben für das Albumcover. Zu viele Erinnerungen. Robert: Wir versuchen einfach langsam ein bisschen mehr Farbe in unsre Band zu bringen... wirkt fast lächerlich nach fünfzehn Jahren, die es uns jetzt schon gibt. Aber gebt uns noch ein bisschen Zeit, dann kommen wir schon noch zu meinem Grün (lacht). Nicht, dass ich das wollte, aber gab es denn jemals einen Punkt in eurer Bandgeschichte, an dem ihr daran gedacht habt, aufzuhören? Robert: Ha, gute Frage. Wir sind eine Rockband, da denkt man schon immer wieder mal daran. Aber irgendwie ist das so, als hättest du mit jemandem ein Kind und wärst aber noch gar nicht bereit dazu (lacht). Das Kind ist die Musik, die du natürlich liebst. Wenn du dann realisierst, dass sie plötzlich Teil deines Lebens wird, musst du auch Verantwortung dafür übernehmen und bereit sein, sie anderen Leuten zu präsentieren. Als Band muss man sich mit der Zeit um immer mehr Babys kümmern und diese ganze Sache wird zu einer Art schrägen Ehe. Wir sind abhängig von den Leuten um uns herum und sie von uns. Man lernt diese Menschen immer besser kennen und irgendwann, egal ob das jetzt gut oder schlecht ist, kommt man da gar nicht mehr raus. Man muss und will sich um das alles kümmern. Leah: Klar gibt es Momente, in denen alles schon extrem hektisch und anstrengend ist, aber das ist es absolut wert. Vermutlich muss man das einfach echt wollen. Wie war’s denn eigentlich für dich (Leah) Mitglied der Band zu werden? Die spielten damals ja schon zehn Jahre zusammen.

Leah: Ich weiß gar nicht wieso wir das Glück hatten, dass das alles so unkompliziert abgelaufen ist. Vor allem weil es für mich ja schon eine recht seltsame Situation war. Immerhin kennen sich die beiden ja schon seit einer Ewigkeit und ich kam da ganz neu dazu. Natürlich gab es nach so langer Zeit schon gewisse Arbeitsweisen, eine bestimmte Routine und Dynamik zwischen den beiden. Als Außenstehender da neu dazuzukommen, war sicher nicht leicht, aber warum auch immer funktionierte es ohne Probleme. Wir hatten einfach extremes Glück für das wir sehr dankbar sind. Wie kam es denn eigentlich dazu, dass ihr beschlossen habt eine Band zu gründen? Robert: In der Zeit als ich begonnen habe Musik zu machen, war ich auf der Suche nach etwas mehr...ich brauchte einfach irgendwas für mein Herz und für meinen Geist, was mich aus der Situation und von dem Ort, an dem ich damals war, raus holte. Ich habe eigentlich nicht aus Spaß begonnen. Es war einfach das einzige an das ich so richtig glaubte. Das gab mir viel mehr, als alles andere. Musik hat einfach eine gewissen Kraft und Magie, die bis heute keiner so richtig erklären kann. Und wer hat den Namen Black Rebel Motorcycle Club gewählt? Robert: Am Anfang nannten wir uns noch The Elements. Wir spielten sogar ein paar Gigs mit diesem Namen, bis wir dann drauf kamen, dass das doch nicht so ein ausgefallener Bandname war (lacht). Wir mussten also irgendwas finden, was wirklich nur für uns stand. An einem Abend sahen wir dann den Film „The Wild One“ mit Marlon Brando. Da gab es diese beiden Motorradgangs namens BRMC und The Beetles, die diese Lederjacken mit dem Namen drauf trugen. Zuerst wollten wir nur einen Song so nennen, was wir dann auch taten. Irgendwie sprachen uns die Leute dann immer öfter auf den Namen an und wir überlegten ihn als Bandnamen zu nehmen. Zu dem Zeitpunkt wussten wir aber nicht mal, wofür BRMC eigentlich stand (lacht). Wir schauten uns den Film nochmal an und fanden die Beetles dann viel cooler. Der Name war aber damals leider schon vergeben (lacht). Wir nahmen dann den anderen. Jahre später fand ich raus, dass auch die Beatles ihren Namen von diesem Film haben.

Mariella

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Lalala, Hochzeitsmarsch und Nervosit채t

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Fan-SLEAZEL im Interview mit Friska Viljor Yay, woohoo und ein dreifaches Woop woop! Die Schweden von Friska Viljor machen gute Laune. Da ist völlig egal, dass der Frühlingsanfang im Schnee erstickt. Solange wir das neue Album, Remember Our Name, des Duos im Player und den kommenden Festivalsommer mit ihnen auf dem Hurricane, Southside und dem Juicy Beats vor Augen haben. Wir hatten die Ehre Daniel und Joakim in Sachen Fitness, Tourleben und Co. vor ihrem Auftritt im Berliner Huxleys mal auf den Zahn zu fühlen. Wie gefällt euch das Huxleys? Daniel: Ich habe es nur ganz kurz gesehen, aber es ist superschön, glaube ich. Dieser alte Vibe und dann hast du diese roten Vorhänge im hinteren Teil. Es sieht ein bisschen wie ein alter Zirkus aus. Und man hat mir gesagt, es wurde für Pferdeshows gebaut. Wie haltet ihr euch auf Tour fit?

Daniel: Wir versuchen zu laufen. Aber dieses Mal waren wir krank. Ich bin nur einmal gelaufen und Joakim noch gar nicht. Joakim: Aber ich finde, es ist schon körperliche Ertüchtigung die Shows zu spielen. Vorgestern haben wir in München gespielt und ich glaube ich habe noch nie so viel geschwitzt. Ich glaube nicht, dass ein Marathonläufer so viel schwitzen würde. Es ist nicht die gleiche Beanspruchung, aber es ist eine Beanspruchung. Und wenn wir auf Tour sind, essen wir ein richtiges Abendessen und der Rest des Essens sind nur so Sandwiches und Sandwiches und ein bisschen Brot und Sandwiches. Und das ist es schon so ziemlich. (Lachen) Und du bist irgendwann so gelangweilt von diesen Sandwiches. Daniel: Und wir verbieten uns auch so viel Süßes zu essen. Jeden dritten oder vierten Tag vergisst das einer und dann ist Party. Joakim: Snackparty. Süßigkeitenparty. Und wie macht ihr das quasi jeden Tag für, keine Ahnung, drei Monate zu spielen? Daniel: Machen wir nicht. (Lachen)

Joakim: Das hier ist nur eine Drei-WochenTour. Wir spielen 18 Shows an 19 Tagen. Aber das ist schon auch ziemlich hart.

Joakim: Es ist hart, ja. Aber wir haben’s hinbekommen und wir haben gute Shows gespielt. Daniel: Wir könnten natürlich bessere Shows spielen, wenn wir, zwei oder drei Shows spielen würden und dann einen Tag frei hätten, aber das ist zu teuer. Langweilt ihr euch nicht manchmal im Tourbus? Und wenn ja, was macht ihr dagegen? Joakim: Ja klar. Aber da gibt’s nicht so viel zu tun. Ein bisschen länger schlafen.

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Daniel: Schlafen und Serien schauen, für die man zu Hause keine Zeit hat. Ich hab gerade die zweite Staffel von The Walking Dead angefangen, aber ich bin eingeschlafen. Scheinbar war’s nicht so gut. Ich hab euch das erste mal beim Immergut Festival und dann im MAU in Rostock gesehen und eure Shows leben von der Energie, die ihr transportiert. Mögt ihr das Spielen in kleinen Clubs lieber als in großen Hallen? Normalerweise funktionieren die ja besser für diesen Energietransportprozess. Daniel: Das stimmt schon. Es ist leichter. Joakim: Ich glaube, wir mochten es lieber kleine Locations zu spielen. Aber wir haben an Erfahrung gewonnen und heute macht es auch Spaß in großen Hallen zu spielen. Wir sind besser darin geworden eine Verbindung mit einem größeren Publikum aufzubauen. Wie lange hat es gedauert Remember Our Name zu produzieren? Daniel: Oh, das ist eine schwere Frage. Zwei Monate, wenn du nett bist. Joakim: Sieben Jahre, wenn du...(Lachen) Daniel: Wir haben versucht Anfang 2012 einen Kickstart hinzulegen, aber wir waren so gelangweilt davon zusammen im Studio zu sein, dass wir es einfach haben sein lassen und gesagt haben: „Lass uns zurück ins Studio gehen, wenn wir die Inspiration haben und wieder Spaß dran haben“ So haben wir sechs Monate erst mal nichts gemacht. Aber ich finde, auch wenn du nicht aktiv über Dinge nachdenkst, passiert trotzdem etwas. Und einige der Songs sind aus... ich glaube, aus 2007 ist der älteste, „Boom Boom“ und „Flageoletten“. Es war ein seltsames Album in der Entstehung und wir haben auch viel getrennt gearbeitet, weil wir Probleme hatten unsere Terminpläne zusammen zu bringen, seit wir beide kleine Kinder haben. Wir haben uns ein oder zwei mal die Woche getroffen und den Rest haben wir einzeln gemacht. „Did you Ever“ ist ein super Opener für ein Album, weil es kein Intro hat. Wie denkt ihr über lange Intros? Daniel: Wenn sie gut sind (Pause) ist es gut (Lachen). Aber „Did you Ever“ hat sich wie das ultimative angefühlt, wir konnten nichts besseres finden. Ich mag es wirklich. Es ist wie „Arpeggio“, einer unserer älteren Songs, der auch so nach (klatscht in die Hände) „Lass uns loslegen“ klingt. Wir mögen es, mit starken Stimmenmelodien anzufangen. Da wir gerade bei langen Intros sind. Arne hier (Fotograf und seelisch-moralischer Beistand des Tages) und ich waren gestern beim Sigur Ros Konzert und er hat mir erzählt, dass „Hoppipolla“

irgendwann mal sein Hochzeitsmarsch werden soll... Daniel: Das sollte auch meiner werden. Ja, daran habe ich mich auch erinnert, dass du das gesagt hast, aber dass es nicht geklappt hat. Wieso nicht und was habt ihr stattdessen gespielt? Daniel: Es war ein bisschen zu schwer das alles zusammen zu bringen. Ich meine, das ist so ein gigantischer Song, mit großen Vocals und ich wollte Joakim fragen es zu singen. Aber dann haben wir festgestellt, dass er als mein ‚best man‘ mit mir einlaufen sollte und er aber auch den Song singen sollte und dann haben wir einen anderen Freund gefragt...Und so sind wir am Ende bei einem schwedischen Folk-Hochzeitsmarsch gelandet, was extrem schön war, mit Streichern und Orgel. Vor ein paar Jahren habt ihr mal gesagt, dass ihr Kindermusik mit erwachsenen Texten macht. Würdet ihr eure Musik jetzt anders beschreiben? Joakim: Ich würde nicht sagen, dass es immer noch die gleiche Musik ist. Es scheint so, als würden wir auf andere den Eindruck machen, das alles genauso klingt. Aber wir haben das Gefühl, dass es jetzt ein bisschen anders klingt und die Musik ein bisschen (Pause) reifer ist. In einigen Songs. In anderen gibt es noch immer diese Kindlichkeit. Ich hab bemerkt, dass in so ziemlich jedem Album ein Song mit einem „Lalala“ im Text ist. Macht ihr das mit Absicht? Joakim: Ähm...ich versuch gerade zusammen zu kriegen, welche Songs das sind. Ich glaube, alle „La la“-Songs sind so ziemlich zur selben Zeit entstanden und dann nach und nach in die Alben gepackt. Aber ich bin nicht ganz sicher. Daniel: Es ist der Hochzeitssong auf diesem Album und dann das Intro von „For New Beginnings“...was war das nochmal? Joakim: Das ist „Daj Daj Die“, aber das ist kein Lalala, das ist dajdajdie. Aber nein, ich weiß nicht wieso das so ist. Daniel: Das ist kein geheimer Plan. Joakim: Es ist nur eine nette Art zu singen. Leichte Texte für alle zum Mitsingen. Dann vielen Dank und viel Spaß beim Konzert heute Abend! Nervös? Daniel: Ich bin ein bisschen nervös geworden als ich die Halle gesehen hab. Arne: Dann könnt ihr ein bisschen mit Pfeffi runterkommen (Anmerkung der Redaktion: Unser Geschenk an die Jungs), das geht gut. Daniel: Den werden wir dem Support geben, die können das gebrauchen.

Kirsten

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Wovon lebt eigentlich Peter? Koks, Nutten und jeden Abend in einer anderen Stadt aufwachen. Klar, das Leben als Rockstar ist der Hammer. Ab und zu spielst du ein bisschen verträumt auf deiner Gitarre, während du nackten Ärschen beim Schwimmen zuguckst und alle deine Freunde mit dir in einer Villa wohnen. Ein bisschen seltener als ab und zu küsst dich dann die Muse, du schreibst einen Welthit und die nächste Runde Champagner geht auf dich. Drogenprobleme ignorierst du großzügig, denn wenn du irgendwann völlig umnachtet nur im Bademantel durch die Fußgängerzone rennst, „Call Me Maybe“ grölst und ungefähr halb so viel wiegst wie Kate Moss, dann hast du mit deiner Musik schon genug Kohle verdient um trotzdem keine Sorgen haben zu müssen. Träumen kann so schön sein. Die Realität – surprise, surprise – sieht bekanntlich anders aus. Das Geschäft mit der Musik ist zwar keinesfalls so tot, wie uns das alle Jahre wieder Szeneexperten und Labelbürokraten verkaufen wollen, doch der große Goldrausch ist vorbei. Oder woanders. Zumindest hat man vergessen wo er ist oder ihn verlegt. Und bis man ihn hinter irgendeiner Kiste der „Neuen Neuen Neuesten Deutschen Welle“ wiederfindet, darf sich die ganze plattenpressende Szene beschweren und jede Beschuldigung von sich weisen, anpassungsunfähig und uninnovativ, ja fast antiquarisch zu sein. Majestätsbeleidigungen wie diese werden natürlich nicht gern gehört, tun doch die großen und kleinen Labels dieses Landes eine ganze Menge, um die „Ware Musik“ wieder attraktiver zu machen. Nette Special-Box-Sets, Downloads, Collectors-Editions und letztlich ja auch noch die gute alte Schallplatte sollen Musikfans wieder zum ehrlichen Kauf animieren. Doch bis eine Band in diese schier unendlich-fantastische Trickkiste der Konsumluststeigerung greifen kann, hat sie einen langen Weg hinter sich gebracht und – so lässt sich vermuten – auf diesem Weg schon die ein oder andere Million verdient. Oder? Wir waren unterwegs und haben Bands und Künstler jeden Kalibers über ihre Erfahrung im deutschen Musikgeschäft, die verzwickte Sache mit der GEMA und ihr Leben mit der Musik befragt. SLEAZE gibt dir den Überblick, in welchem Stadium sich deine Band befindet. Lohnt sich das noch? Wie verdiene ich Geld? Wie starte ich durch? Und wovon lebt eigentlich Peter?

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Zwischen U-Bahn und Fußgängerzone

Egal ob Akkordeon, Gitarre, Saxophon oder Leierkasten – du stehst in deutschen Innenstädten wie ein Fels in der Brandung. Je weiter sich die Sonne heraus traut, desto mehr Gassenhauer und Partyhits schmetterst du durch die U-Bahnhöfe. Zugegeben störst du die meisten Passanten mir deiner Möchtegern-Gute-Laune-Grinser-Attitüde morgens um acht auf dem Weg ins Büro, aber von Zeit zu Zeit findet man dich auch auf der Straße nicht nur talentiert, sondern auch sehr geschmackvoll. Dass du dir auch die Straße mit einem breitgefächertes Spektrum an anderen Musikern teilen musst, liegt auf der Hand und im Sinn der Sache. Eines ist dir und allen anderen jedoch meist gemein: ihr braucht Kohle. Oft um über den Tag zu kommen und um dich und deine Liebsten zu ernähren. Eher selten um dich und deine Lieder einem Publikum vorzustellen und die selbstgebrannte CD zu verschleudern. Letztlich hast du jedoch wie alle anderen Musiker auf der Straße denselben Begleiter: Geldnot und die Angst vor der Polizei, denn Straßenmusik ist reglementiert. Die strahlenden Fälle von Straßenmusikern, die auf der Karriereleiter steil nach oben klettern und sich ein Leben in Saus und Braus finanzieren können, ist vergleichsweise gering und kann getrost vernachlässigt werden. Hier ist die Musik für dich ein Mittel zum Überleben, dein unterbezahltes Talent, deine letzte Rettung vor dem totalen Verlust. Sie ist dein Überlebenskampf – ganz ohne Rock‘n‘Roll-Lifestyle.

Luca Wir treffen Luca an der U8 am Berliner Alexanderplatz. Er ist im kalten Frühling einer der wenigen Straßenmusiker, die sich in die Stationen trauen und nicht in den Bahnabteilen spielen. Eigentlich ist Luca Studiomusiker. Er macht seit 25 Jahren Musik. Im Repertoire hat er unter anderem Radiohead, die Smashing Pumpkins, Oasis und Robbie Williams. „Das was die Leute hören wollen“, meint er. Vor zwanzig Jahren ist er der Liebe wegen aus Südtirol nach Berlin gekommen, spielte in einer Hardcore-Band. Die Frau ist weg, die Band auch. „Mir liegt an der Musik total viel und was ich hier mache ist Prostitution. Ich komme mir vor wie eine Nutte.“ Dreißig Euro könnte er innerhalb von zwei Stunden verdienen, kein schlechter Stundenlohn. Nur muss er immer ein Auge auf die Polizei haben – sobald die kommen, heißt es Beine in die Hand nehmen und rennen. Auf unsere Frage, wie oft er auf der Straße spielen würde, antwortet er verhalten. „So wie es kommt. Aber eigentlich immer, wenn mir das Geld ausgeht.“ Seit fünf Jahren ist er Papa. Was wie der traurige Teaser zu einem neuen Teilnehmer bei DSDS aussieht, ist hier Realität. Wenn die Aufträge nicht stimmen, muss Luca auf der Stra��e dazuverdienen. Der knallharte Nachteil eines selbstständigen Profimusikers. Eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch bei der BVG inklusive Strafe kostet um die 800 Euro – mehr als 50 Stunden Arbeit auf der Straße, bei durchschnittlichem Verdienst. Hausverbote hat er schon einige bekommen, ans aufhören kann er dennoch nicht denken. „Der Punkt ist der: wenn ich spiele, dann hören mich die Bullen aus zwei Kilometern Entfernung, weil ich will mich ja abheben. Das heißt ich muss irgendwie besser sein. Also singe ich lauter. Gib niemals irgendwelchen Leuten eine Uniform, die kein Ego haben. Ist gefährlich.“

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„Mir liegt an der Musik total viel und was ich hier mache ist Prostitution. Ich komme mir vor wie eine Nutte.“ 59


Irgendwo zwischen Bühne und Aldi

Aus deinem verrauchten Proberaumkeller dröhnt der Bass. Deine komplette Backline passt in einen Mietwagen von Robben & Wientjes. Hier schreibst du (noch) keine Musikgeschichte, aber irgendwie haben auch die Großen genau so angefangen wie du. Die Geburtsstunde deiner Band war meist ein zugedröhnter Kneipenabend oder die Langeweile auf dem Land – irgendwo in Mecklenburg,Niedersachsen oder Neukölln. Die Konzertlocation deines heutigen Auftrittes ist übersichtlich: eine kleine Bar, in der ersten Reihe deine besten Freunde und dahinter eine Schar von Sympathisanten und Gelegenheitstrinkern, Stammgästen und Zaunpublikum. Und doch steht da eine Kapelle neben dir auf der Bühne, die ordentliche Musik macht, die mit Herzblut dabei ist. Nach dem kurzen Moment während eures Auftritts gehen jedoch alle wieder ihre eigenen Wege. Als Bürohengste und Versicherungsvertreter, Einzelhandelskaufmänner und Webdesigner. Der ein oder andere arbeitet sogar in der Musikszene – aber von rücksichtsloser Selbstaufgabe für die Band seid ihr noch weit entfernt. Die Faszination des Musikmachens unter Freunden, Spaß und eine gute Zeit stehen für dich im Vordergrund. Danach kommen erste Ambitionen. Draufzahlen müssen kleine Bands ausnahmslos, auch deine. Du lebst also zwischen Bühne und Aldi, oder?

THE DUDIKOFFS Thommy, wie würdet ihr eure Musik in maximal zwei Sätzen beschreiben?
 Scheiße bis supertoll. Da kann man viel drüber debattieren.Unsere Musik löst bei den unterschiedlichsten Leuten so viele, oft auch gegensätzliche, Gefühle aus , dass wir manchmal Angst davor haben.
 Wir versuchen aber nicht mehr darüber nachzudenken. Wenn man die Augen vor einem Problem verschließt, existiert das Problem auch nicht mehr!! Wie sieht die professionelle Berliner Musikszene aus?
 Wir finden die sehen alle toll aus. Manchmal gucken wir heimlich durch die Fenster in Backstages, aber da sieht’s auch nicht anders aus als in Deutschlands Wohnzimmern: 
Außergew öhnliches, nie gesehenes Billigbier und veganes Essen steht jedenfalls an der Tagesordnung und ist ein MUSS haben wir gehört.

Joah, is’ schon alles Scheiße. Britt wird auch abgesetzt. Die Welt ist einfach nicht mehr in Ordnung.

Was braucht’s denn für den Durchbruch als deutscher Musiker?
 Durchbruch? Nie Cola und Eis zusammen!!! Nee also, vielleicht ein Auftritt im allseits beliebten Fernseher? Irgendwie so was bestimmt.
 Man muss natürlich die Leute für sich gewinnen können. Teenies zum Kreischen bringen. Immer gut drauf sein, oder so.
 Wir können das nicht. Wir hassen ja immer alle. Könnt ihr von der Musik leben? Wenn nicht, wovon bezahlt ihr euer Klopapier?
 Wir nehmen Servietten oder Tempos. Klopapier kaufen ist doch peinlich. Eure Meinung zur GEMA?!
 Joah, is’ schon alles Scheiße. Britt wird auch abgesetzt. Die Welt ist einfach nicht mehr in Ordnung.

Würdet ihr euch als Professionelle bezeichnen?
 „Grosses Gekicher“ Ihr kleinen Schweinchen. Darauf fallen wir nicht rein! Wie seid ihr zur Musik gekommen und ins Musikbiz eingestiegen? 
Wir hatten eine Küche, eine Gitarre, Drumsoftware, die Berechtigung Alkohol zu kaufen, Cola, Chips, alle Andreas Elsholz Alben, eine Videokassette mit Michael Jackson Moves, 
quasi keinen Kontakt zum anderen Geschlecht und viel Zeit sowie Motivation an der Abschaffung des Letztgenannten zu arbeiten.
 Und im Prinzip wollten wir auch nur mal was bei Myspace, dem hottesten Scheiß damals, hochladen und uns großartig fühlen. Wann hat man es eurer Meinung nach als Musiker „geschafft“?
 Wir haben immer gesagt sobald das SLEAZE mal über uns schreibt, lehnen wir uns zurück, treten kürzer und widmen uns unseren Familien.

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ALEX MOFA GANG Die Gang gibt es jetzt ein halbes Jahr. Inwieweit hilft es euch, dass ihr alle irgendwo schon vorher mit Musik zu tun hattet? Tommy: Ja total. Man probt nicht mehr so viel wie vorher. (lacht) Zumindest nicht mehr jede Woche, was bei uns ja aufgrund der Wohnungskonstellation so auch gar nicht möglich ist. Sascha: Witzigerweise muss man aber sagen, dass wir eigentlich alle wissen müssten wie das alles funktioniert, so á la Drei-Jahre-Business-Plan und wie man in Ruhe eine Band ein paar Level höher bringt, es aber komplett anders machen. Matze: Wir haben uns ja auch komplett bewusst dafür entschieden das alles ein bisschen anders zu machen, als wenn wir jetzt für irgendwen arbeiten würden. Wir hatten einfach Bock darauf und haben das dann gemacht. Irgendwie kam der Rest dann von ganz alleine. Wie groß ist der Vorteil, wenn man sich untereinander schon länger kennt, bevor man eine Band gründet? Matze: Dadurch, dass wir uns alle schon lange kennen, überspringt man einfach ein paar Schritte, die dann irgendwie einfach nicht mehr diskutabel sind. Wir haben da eine ganz andere Entscheidungsfindung. Zu erst kommt da die Freundschaft und dann kommt die Band – und das funktioniert halt ganz gut. Tommy: Wenn da einer kacke spielt, dann kann ich das sagen und keiner ist böse. Sascha: Klar, Diskussion und Streit, inhaltlich, gehört ja auch dazu. Wir handeln auch total intuitiv, wenn wir Musik machen. Auch in dem ganzen Kosmos drumherum. Wenn irgendeiner von uns Bock auf was hat und irgendeine Idee brennt, lassen sich die anderen mitreißen. Wir haben dann halt einen, der immer so ein bisschen die Finanzen im Auge hat und sehr pragmatisch ist, einen der sich um die Designs kümmert und die anderen nehmen auf und produzieren. Drei von uns sind auch klassisch musikalisch ausgebildet – können das aber auch mal ganz gut beiseite legen und vergessen. (lacht) Wie schätzt ihr die Möglichkeit ein, in Deutschland mit der Musik die man auch selbst gerne spielen will, Geld zu verdienen? Sascha: Da gibt’s zwei Modelle. Also grundsätzlich brauchst du zum Einen großen Glauben und echt viel Enthusiasmus um das durchzuziehen, Geduld und du musst sehr hartnäckig und diszipliniert sein, drauf achten was du wo und wie machst und zum Anderen die richtige Zeit und den richtigen Ort. Vermutlich ist es meistens auch eine Symbiose aus beidem. Tommy: Und ich glaube du musst auch echt gut sein. Es ist ein Irrglaube, dass eine schlechte Band erfolgreich wird. Es gibt manchmal Bands, wo man sich fragt: Wie kann der Schrott den erfolgreich werden? Aber trotzdem steckt da ganz viel Arbeit und Dampf dahinter. Eine Band die schlecht ist und nichts kann, wird auch nie erfolgreich.

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Matze: Man braucht halt auch irgendeinen speziellen Punkt der die Band ausmacht und einzigartig macht. Das muss nicht unbedingt die Musik sein. Aber klar, wenn du genug Leute hast die Geld in irgendwas reinpumpen hast du vielleicht auch irgendwann Erfolg. Als ALEX MOFA GANG zahlt ihr zurzeit noch drauf. Ist das nicht scheiße? Sascha: Ja klar zahlen wir drauf. Wir haben gerade eine EP umsonst raus gehauen. Da bleibt das nicht aus. (lacht) Matze: Wir haben aber den großen Vorteil, dass wir ja alle selbst mit Musik zu tun haben und somit zum Beispiel Aufnahmen selber realisieren

Wir bekommen auch viel Hilfe und Unterstützung von Freunden und unserem Umfeld. Ansonsten könnten wir das auch nicht stemmen.

können ohne ganz groß Geld auszugeben. Aber trotzdem sind noch genug Sachen da, die man eben bezahlen muss. Selbst wenn es eben nur um die Poster geht. Sascha: Wir bekommen auch viel Hilfe und Unterstützung von Freunden und unserem Umfeld. Ansonsten könnten wir das auch nicht stemmen. Wenn man selbstständig ist und nebenbei jobbt, dann geht das eben auch nicht alleine. Es ist nicht so, dass wir alle wahnsinnig viel Kohle haben. Führt Geld dazu, dass man künstlerisch freier arbeiten kann? Sascha: Nee, ich glaube ich würde meinen Motor verlieren, wenn ich plötzlich im Lotto gewinnen würde. Damals hab ich mir meinen ersten Titan-Verstärker gekauft, weil ich in den Ferien im Plattenladen für einen Hungerlohn gejobbt habe. Tommy: Es gibt ja auch viele Gegenbeispiele, dass man es schaffen kann, mit Geld künstlerisches Können zu vernachlässigen. Wenn man dann so denkt: Muddi hat Geld, ich kauf mir den teuersten Scheiß, kann es dann aber nicht bedienen. Sascha: Es geht sicher auch anders, aber bei uns ist es so, dass wir bei Zeitmangel oder unter Druck am effektivsten sind . Ich schreibe auch Texte nur wenn es mir scheiße geht. Also wäre die große Kohle vermutlich eher kontraproduktiv. Ich glaube, dass es generell nicht gut ist, wenn künstlerischer Output einen finanziellen Hintergedanken hat. Das sollte erst an dem Punkt relevant werden, wenn der Zeitfaktor überhand nimmt.

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Der BMW ist noch nicht bestellt

Der Tourbus steht in der Einfahrt und im Hotelzimmer wartet die Minibar. „Das Hobby zum Beruf machen“ ist einer dieser Träume, der uns allen schon mal zwischen dem Nachhausekommen aus der Kneipe und dem Kater beim Aufstehen begegnet ist. Besteht dein Hobby darin, mit ein paar Leuten auf einer Bühne zu stehen und vor dir die Halle zum Kochen zu bringen, gewinnt dieser Traum so schnell an Attraktivität, wie eine betrunkene Erasmus-Studentin auf einer eher lahmen Verbindungsparty. Umso schöner, wenn dein Traum wahr wird. Klar, du isst nicht auf der Dachterrasse deiner spanischen Finca mit goldenem Besteck und in deiner Einfahrt warten keine sieben Sportwagen. Aber Miete und GEZ sind bezahlt, du telefonierst wöchentlich mit deinem A&R-Manager und gibst den üblichen Musikmagazinen jedes Jahr vor einer Veröffentlichung oder Tour ein Interview. Im Sommer spielst du um 19 Uhr auf einem großen Festival und deine Konzerte sind auch in Hamburg ausverkauft – dabei kommen du und deine Kumpels aus dem Ruhrpott. Mit anderen Worten: deine Band hat es geschafft. Mutter Musik ernährt dich, oder?

es schon geschafft. Wenn du Musik machen willst, um davon zu leben, dann hat man es geschafft, wenn man irgendwie davon leben kann (lacht). In meinen Augen hat man es als Musiker geschafft, wenn man davon seinen Kühlschrank füllen und die Miete zahlen kann.

TURBOSTAAT Jan, was braucht’s denn für den Durchbruch als deutscher Musiker? Das ist eine schwere Frage. Hmm ... ich glaube viel Glück und Zuhörer, die gerade Bock auf dich haben. Ich kann das nicht so genau beantworten, weil wir uns damals ‘99 in Husum gegründet haben, weil uns dort einfach langweilig war. Dann haben wir angefangen zu proben und live zu spielen um ein bisschen raus zu kommen, aber das spielte sich alles in autonomen Jugendzentren und besetzten Häusern ab. Da ging es nicht um den Erfolg, sondern darum am Wochenende wegzufahren, coole Leute zu treffen, mit denen was zu trinken und Sonntags abends wieder nach Hause zu fahren. Wir waren nie eine Band, die sehr erfolgsorientiert gearbeitet hat, wir haben einfach den Scheiß gemacht, den wir so gemacht haben und glücklicherweise kam in den letzten 13 Jahren Eines zum Anderen und ein Schritt folgte dem Nächsten. Daher ist es schwierig zu beantworten, wie man den Durchbruch schafft. Wir haben uns darüber nie Gedanken gemacht. Wann hat man es deiner Meinung nach als Musiker „geschafft“?

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Das ist schon Definitionssache, je nachdem, was man mit der Musik erreichen möchte. Wenn du einen Job hast, in dem du zufrieden bist und willst einfach nebenbei ein bisschen Musik machen und deine Freunde hören dir zu, dann hat man

Grundsätzlich finde ich die GEMA uncool bzw. nicht gut gelungen. Es ist eine Organisation, die Bands wie uns nicht gerade in die Karten spielt und trotzdem ist man irgendwie daran gebunden.

Deine Meinung zur GEMA?! Grundsätzlich finde ich die GEMA uncool bzw. nicht gut gelungen. Es ist eine Organisation, die Bands wie uns nicht gerade in die Karten spielt und trotzdem ist man irgendwie daran gebunden. So fühlt es sich wenigstens an. Und ich als Musikkonsument bin natürlich durch solche Sachen wie: „Video auf Youtube nicht verfügbar“ genervt. Ist doch auch nicht geil für ne Band, wenn niemand die Videos anschauen kann. Ist ja immerhin ein Werbemittel für Musik. Aber das ist wohl auch eher eine Youtube/GEMA Geschichte und verfehlt das Thema hier gerade etwas. Dieses Konstrukt GEMA ist für mich halt total nebelig. Und vermutlich geht das nicht mir alleine so. Ich habe mich damit aber auch zu wenig beschäftigt, oder bin zu blöde, um hier genau zu sagen, was toll oder scheisse ist. Dafür gibt es ja Fachleute. Und irgendwann lerne ich bestimmt mal einen kennen. Man bekommt viel Post von denen. Gerne auch in gebundener Buchform! Wo sie quasi Werbung für sich selber machen. Und ich wurde mal zu ner „Pro Gema Demo“ von denen eingeladen. (lacht) Wie bist du zur Musik gekommen und ins professionelle Musikgeschäft eingestiegen? Nun ja, das war eigentlich ein Zufall. Man ist in den Jugendjahren immer mal Bus gefahren – von der Schule nach Hause – und dann kennt man auf seiner täglichen Route auch die ganzen Nasen, die da auch immer mitfahren und einer von denen war Marten. Und dann habe ich angefangen mit Marten Punkmusik zu machen. Zuerst noch in einer anderen Band, wie alle andern auch zu der Zeit. Oben in Husum, da ist nicht viel los und sobald du dein Abi hast oder studieren gehen willst, dann haust du da ab. So war es dann auch und die, die übriggeblieben sind, sind die, die jetzt alle bei Turbostaat spielen. Weil es ja

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bei den andern Bands aufhörte, haben wir uns gesagt: „Lass doch mal wieder ein bisschen Musik machen“. Es ist dann einfach weitergegangen und wurde immer mehr im Laufe der Jahre und mittlerweile versuchen wir davon zu leben. Sex, Drugs oder Rock’n’Roll? (lacht) Wir sind tatsächlich eine relativ langweilige Band, was genau das angeht. Das hört sich jetzt ganz ekelhaft an, aber wir sind ganz langweilig professionell. Wenn das Konzert um Zwölf vorbei ist, dann kann es auch passieren , dass der Erste schon um halb Eins im Bett liegt. Natürlich ist man gut drauf, ausgelassen und trinkt danach noch was und ich würde auch gerne interessante und wilde Geschichten erzählen können, aber die gibt es nicht wirklich. Obwohl uns wichtig ist, dass wir als Punkband gehandelt werden, ist das eher doch auf die Musik bezogen, denn den Punklifestyle hat keiner von uns. Früher war das noch so. Aber im Kopf ist man noch irgendwo Punker, denn wir können mit der Mentalität im Kopf unsere Brötchen verdienen, ohne etwas anderes arbeiten zu müssen. Denn Arbeit ist scheiße (lacht).

Eigentlich denkt man ja, dass es bei drei Leuten immer irgendwie Streit geben kann. Weil sich irgendwie ja immer eine Mehrheit bildet gegen einen. Deswegen sagt man ja auch, fahr nicht mit zwei Freunden in den Urlaub oder zieh nicht zu dritt in eine WG. Wir gehen aber viel mehr aufeinander ein, als vorher. Damals konnte man abstimmen, aber jetzt setzen wir uns damit viel intensiver auseinander. Eigentlich haben wir gar keine Streit mehr. Weil wir einfach wissen, wie der andere tickt.

Wir hatten damals halt einfach keine Ahnung. Wir waren echt blauäugig. Wir haben halt damals nur Musik gemacht, zwar schon ambitioniert aber da dachten wir vielleicht, dass es mal geil wäre einen Plattenvertrag zu haben. Ist man als Band, die sich Tag ein Tag aus mit Musik beschäftigt, dem Thema manchmal auch einfach überdrüssig? Raffi: Nee, eigentlich gar nicht. Zur Zeit ist das ein sehr zentrales Thema für uns und es geht uns einfach darum, die ganze Sache so gut und ästhetisch wie möglich zu machen. Klar muss man sich Inseln schaffen, in den Urlaub fahren oder so, aber es ist schon tägliches Thema. Moritz: Wir machen ja auch nicht den ganzen Tag nur Musik. Gerade ist es so, dass wir auch abseits der Musik viel organisieren müssen und sich dann freut, wenn man wieder Musik machen kann.

OK KID OK KID ist nicht eure erste Band. Erzählt mal kurz. Raffi: Stimmt, wir sind ja keine ganz neue Band. Wir machen das schon seit sechs Jahren und waren früher eben Jona:S. Dann sind wir alle in eine Stadt gezogen und das konnten nicht alle Bandmitglieder mitmachen. Aus Respekt den anderen gegenüber wollten wir das nicht unter dem Namen fortführen. Außerdem klang der Name Jona:S immer nach einem Soloprojekt. Moritz: Wir waren erst zu sechst, dann zu fünft und jetzt zu dritt. (lacht) Und wir haben natürlich da auch eine ganz andere Streitkultur entwickelt.

SLEAZE #38

Habt ihr nebenbei noch „richtige“ Jobs? Jonas: Natürlich ist es so, dass wir sagen: Wir haben nichts anderes, außer die Band. Irgendwie haben wir schon noch einen Job um Geld zu verdienen, aber das ist sehr, sehr nebensächlich. Dadurch, dass wir einen Vorschuss kriegen kann man eben auch kurze Zeit davon Leben. Das ist aber auch eben nicht dauerhaft sicher, deswegen arbeiten wir nebenbei. Das ist aber gerade auch wegen der Album-Veröffentlichung auf ein Minimum reduziert.

Raffi: Ich glaube ganz wichtig ist, dass wenn du dich dazu entscheidest Musik zu machen, nie davon ausgehst, dass du davon Leben kannst. Also dass man nicht darüber nachdenkt, was kann ich an meiner Musik ändern, dass ich erfolgreicher werde. Jonas: Meine Theorie ist ja, dass wir alle von der Musik werden Leben müssen. Aber es gibt ja auch da noch andere Nischen – Songwriting für andere, Beats bauen, Soloprojekte machen, das ist ja jedem offen. Und dass man dadurch genug Geld verdienen kann, dass es zum Leben reicht und das Hauptprojekt nicht darunter leidet. Sodass man da dann die Musik machen kann, die man machen will. Das ist glaube ich extrem wichtig. Moritz: Das ist vielleicht auch ein Schritt den viele Bands machen, die dann denken sie müssten popiger werden um gesigned zu werden oder um im Radio zu laufen. Und die werden dann meistens auch nicht unbedingt besser. Ich glaube das macht verkaufstechnisch oder finanziell keinen Sinn, weil dann wird die Musik irrelevant. Es ist wichtig seine eigene Band nicht so einem Finanzdruck zu unterstellen. Vielleicht sind wir da auch noch zu naiv, aber wir haben halt gesagt „der Inhalt zählt“. Irgendwann setzt sich halt Qualität durch, und wir dachten auch nicht „krass wir haben ‚nen Labeldeal“ sondern eher „Toll, wir haben endlich Geld um ein Album aufzunehmen“. Die Öffentlichkeit der Künstler wird ja viel größer wahrgenommen, als effektiv die Kohle im Geldbeutel ist. Robert Koch, unser Produzent, meinte eben auch, alles was du brauchst ist Geduld. Jonas: Richtig reich wird ja auch nur die Spitze des Eisbergs, die oberen zehn. Und du musst halt schon richtig gut sein um überhaupt wirklich nur von der Band leben zu können. War der Einstieg für euch jetzt leichter als vor sechs Jahren mit Jona:S? Raffi: Wir hatten damals halt einfach keine Ahnung. Wir waren echt blauäugig. Wir haben halt damals nur Musik gemacht, zwar schon ambitioniert aber da dachten wir vielleicht, dass es mal geil wäre einen Plattenvertrag zu haben. Du brauchst heute aber nicht mehr unbedingt einen Plattenvertrag. Ich meine wir sind schon froh, weil dadurch wird die Basisarbeit bei uns halt gemacht und das könnten wir ohne auch nicht machen. Ich würde Künstlern halt immer davon abraten nur einen Plattenvertrag zum Ziel zu haben. Schreibt lieber gute Songs, werdet in der Szene relevant, spielt für eine Fanbase und irgendwann kommt alles von alleine. Moritz: Wir geben ja auch nicht alles ab. Ein Plattenvertrag gibt dir zwar einen größeren Spielraum von Sachen die du machen kannst, aber das Meiste machen wir ja auch schon noch selber. Es gibt wenig Sachen beim Label, wo wir nicht wissen was abgeht. Wir wollen uns ja auch richtig präsentiert fühlen. Es gibt ja immer noch die naive Vorstellung: Majorlabel, zurücklehne, Kohle bekommen und der Rest kommt von allein.

Wie kann man, eurer Meinung nach, von der Musik leben?

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Gekommen um (lange) zu bleiben

Die Headline-Tour deiner Band ist ausverkauft, wenn du auflegst passt keine Model mehr in den Club, im Sommer füllst du alleine riesige Open-Airs? Glückwunsch. Anscheinend hast du es geschafft. Deine harte Arbeit hat sich gelohnt, die Jahre voller Entbehrungen und Anstrengungen zahlen sich aus – im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwie rollt der Rubel und so richtig weißt du zwar nicht warum, aber mittlerweile kannst du von dem, was du da auf dieser riesigen Bühne machst, sehr gut leben. Vorbei sind die Zeiten, als du in kleinen, feuchten, unbeheizten Punkerschuppen schales Bier genippert hast und an das elende Flyerdrucken am heimischen Rechner kannst du dich nur noch vage erinnern. Alle zwei Jahre, wenn du durch die Plattenregale vom Elektronik-Superstore schlenderst, steht dein neues Album in den Top10 und auf der Straße erkennen dich deine Fans. Letztens waren du und deine Entourage auf dem Cover von diversen Magazinen und im besten Fall wird deine neue Single der Einspieler zur diesjährigen Fussball-Weltmeisterschaft. Willkommen auf dem Musik-Olymp. Das Leben könnte schlimmer sein, oder?

oder wenn er vor Stadien spielt. Ich glaube das kommt ganz auf den eigenen Anspruch an. Das ist absolut Auslegungssache. Als Mensch hat man es geschafft, wenn man stirbt – dann hat man es nämlich hinter sich. (lacht) Und bis dahin wird man sich immer wieder mit Sachen auseinandersetzten müssen, denn sobald ein Ziel erreicht ist, steht man vor neuen Problemen und Herausforderungen. Dein Wollen wird dann weitergehen.

WESTBAM Was braucht ein Musiker in Deutschland, um den großen Durchbruch zu schaffen? Oh, das finde ich aber sehr schwierig zu beantworten. Da muss man jetzt sehr allgemein drüber sprechen. Für den Durchbruch brauchst du: Glück, irgendeine Ansage, die einerseits neu ist, wonach aber auch Nachfrage besteht und Vergrößerungsmechanismen, womit man zu seinen Leuten durchdringt. So könnte man das sagen. Wann hat man es deiner Meinung nach als Musiker „geschafft“? Das hängt davon ab, worauf man zielt. Der Eine sagt sich, er hat es geschafft, wenn er einmal im Leben seine eigene Musik auf Platte in Händen hält, eine Plattenfirma gefunden hat, oder vor ein paar hundert Leuten spielt. Ein Anderer hat es für sich geschafft, wenn er 100.000 Platten verkauft hat, wenn er eine Goldene verliehen bekommt, wenn er eine Platin hat

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Deine Meinung zur GEMA? Wenn ich hier für Musiker sprechen darf, dann sage ich: „Die GEMA, das sind wir!“ Wir, die Autoren, haben uns in einem Verein organisiert, um unsere Interessen zu wahren. Wie das mit Vereinen so ist, werden sie groß und es läuft nicht immer alles rund. Ich möchte mich aber nicht dem allgemeinen GEMA-Bashing anschließen, denn das finde ich so nicht richtig. Man kann nämlich nicht sagen, dass die Autoren in den letzten Jahren besonders geschunden worden sind. Wenn man in den 70ern, 80ern, oder auch noch gute Teile der 90er Jahre ein Musikstück geschrieben hat, dann hat man dafür einen fairen Anteil gekriegt und wenn viele Leute die Musik gehört haben, ist man damit sogar reich geworden. Heute ist es so, dass man sich – vor allem als kleiner Musiker – eigentlich nur noch durch live spielen über Wasser halten kann und als Autor schon fast gar nicht mehr. Genau da kommt die GEMA ins Spiel, die dagegen steht, dass Leute Musik klauen und sich alles umsonst besorgen. Ich weiß, die Leute sind dann immer völlig verstört, wenn die GEMA irgendwas auf Youtube sperrt, oder sonst was. Dann sagen sie: “GEMA kacken!“ und solche Sachen. Genau diese Leute haben aber auch irgendwelche Jobs und wenn denen am Ende des Monats einer sagt, dass es kein Geld gibt, wundern sie sich natürlich auch, weil sie ja gearbeitet haben. Ich finde in sofern auch voll in Ordnung, dass die Clubs und DJs jetzt etwas abdrücken müssen und auch – beispielsweise – wenn eine Disse von 10€ Eintrittspreis einen Euro an die GEMA abgeben muss. 1€ für die Musik finde ich nicht zu viel. Ich kann da den Aufschrei nicht ganz verstehen. Was ich aber noch weniger verstehe

ist, dass Diskothekenbesitzer Millionäre werden können, während Musiker am Hungertuch nagen. Es wird einfach nicht fair verteilt. Das Geld wird in einen Topf geworfen – das behält nicht die GEMA, was ja auch einige denken – und dann nach einem bestimmten Verteilungschlüssel an die Künstler ausgeschüttet. Der Schlüssel ist allerdings momentan so angelegt, dass der, der Erfolg hat, nach deren Meinung wohl auch am meisten gespielt wird in den Clubs. Am Beispiel von Techno heißt das, die Autoren und Betreiber müssen Geld abdrücken und weil die gespielte Musik nicht eindeutig zuordenbar ist, bekommt das Geld David Guetta, weil man sagt, im Berghain oder sonst wo wird schon seine Musik gelaufen sein. An der Stelle betreibt die GEMA Kulturpolitik, die die Einflussreichen einflussreicher macht und denen, die sowieso zu kämpfen haben, das Leben zusätzlich erschwert. Ich nehme an, der Verteilungsschlüssel ist einfach aus Doofheit und nicht aus Bosheit so. Das ist kein böser Verein, die Umsetzung ist nur ein wenig misslungen. Was macht einen guten Elektro-DJ aus? Das ist ein Mensch, der einerseits ein gutes Gefühl für Musik und andererseits ein gutes Gefühl für Menschen hat. Jemand der originell ist und seine originelle Persönlichkeit in Musik umzusetzen weiß und es auch versteht an die Menschen weiterzuvermitteln, die es ihm mit Begeisterung danken. (lacht)

Wenn ich hier für Musiker sprechen darf, dann sage ich: „Die GEMA, das sind wir!“

SLEAZE #38


BEATSTEAKS Torsten, du bist nun schon ein Weilchen im Geschäft. Was hat sich im Musikbusiness geändert von deinen ersten Erfahrungen im „Game“ bis hier hin? Für mich hat sich eigentlich nichts groß geändert, denn wir machen heute, wie damals immer noch fast alles selber. Natürlich waren einige Dinge anfangs sehr aufregend und man merkt schnell, dass alle auch nur mit Wasser kochen. Vielleicht war das Plattengeschäft vor 10 Jahren noch lukrativer, aber das war für eine Band wie die Beatsteaks, nie wirklich relevant. Wir haben schon immer Konzerte gespielt und T-Shirts verkauft – also nix anderes als heutzutage. Und ganz ehrlich, für Dinge wie Twitter, Facebook und so weiter bin ich fast schon eine Generation zu alt. Man spielt damit zwar rum, aber ich gehör’ noch zu der Sorte Mensch, die denkt, dass man sich eher bei einem Konzert beweisen sollte als mit 1000 Einträgen auf der Pinnwand oder ähnlichem. Was braucht’s denn heutzutage für den Durchbruch als deutscher Musiker? Diese Frage kann ich leider nicht beantworten. Hat mehrere Gründe: Halt ich mich nicht für’n Musiker.Schon gar nicht für einen, der andern Menschen sagen sollte, wie es richtig geht. Durchbruch – was ist das? Und außerdem ist es doch heute auch egal, ob man was kann oder nicht...also! Wann hast du gemerkt: „Alles klar, ab jetzt kann ich nur noch von der Musik leben.“ und inwiefern beeinflusst das die Arbeit einer Band? Ich konnte erst sehr sehr spät vom Musikmachen bei den Beatsteaks leben und hab mich deshalb auch sehr lange mit anderen Jobs über Wasser gehalten (DJ, Küchenhilfe, Stagehand, etc), so dass ich gar nicht sagen kann, dass es einen Zeitpunkt gegeben hat.

SLEAZE #38

Ich hatte schon sehr früh mein Studium hingeworfen und mich selbstständig gemacht, als die Band noch so gut wie keine Kohle gebracht hat. Aber als es so weit war, spürte man auch eine gewisse Verantwortung und das Lotterleben war ein bisschen vorbei. Das ist ja dann ein Stück weit auch der Beruf und den sollte man ernst nehmen, ganz einfach. Deine Meinung zur GEMA?! Ja, gute Errungenschaft der letzten Jahrzehnte. Nein, schlechte Entwicklung zum Teil in den letzten Jahren. Ja, gut für Menschen, die Kultur machen. Nein, schlecht für Menschen, die Kultur machen. Ich glaube, die GEMA sollte mal alles ein bisschen transparenter machen und dann labern auch nicht so viele Leute Scheiße.

Alles egal, Hauptsache machen. Blöder wird man nicht! Gibt‘s in Zeiten von Facebook und dem Web 2.1 Ratschläge die du jungen Nachwuchsmusikern ans Herz legen würdest? Ich kann immer nur sagen, dass ich Musik früher nie gemacht habe, um irgendwas zu erreichen, sondern weil’s Bock gebracht hat und man mit Kumpels abhängen konnte und seine Zeit nicht nur mit Bier saufen vergammelt hat, sondern mit Mucke und Krach machen UND Bierchen trinken sinnvoll gestaltet hat. Und ich glaube es ist total egal ob man das in einem Proberaum mit drei oder vier Kollegen macht oder zu Hause mit Laptop und MPC oder mit sonst wem oder mit sonst was. Alles egal, Hauptsache machen. Blöder wird man nicht!

Die Autoren:

Fred Westbam (westbam.de) Turbostaat (stadtderangst.de)

Clarisse Luca

Kirsten The Dudikoffs

Julian Alex Mofa Gang (alexmofagang.de) OK KID (okkidmusik.com) Beatsteaks (beatsteaks.com) Einleitung

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Gypsypunk-Royal CHUCKAMUCK Jiles Label: Staatsakt/ RTD VÖ: 19.04.2013

Rap, Grime, „Dub Hop“ Dope D.O.D. Da Roach Label: Independent VÖ: 19.04.2013

Proto-Punk, Garagenrock Iggy & The Stooges Ready To Die Label: Fat Possum Records VÖ: 26.04.2013

Indie/ Dark Pop Junip Junip Label: City Slang VÖ: 22.4.2013

Klingt wie: Superpunk, Ja, Panik

Klingt wie: Ill Bill mit Limp Biztkit und Lil Wayne zu Besuch bei Skrillex

Klingt wie: New York Dolls, The Velvet Underground auf Speed

Klingt wie: José González, Seabear

Ist das noch Punkrock? Nö. Wieso auch. Das hat was von Punkrock, das hat was von Deutschrock, das hat was von Kindergeburtstag im Zirkuszelt, von Sonnenaufgang auf dem Balkon und vom Kiffen in der Küche, während die Partygäste im Wohnzimmer einschlafen. Chuck amuck zelebrieren auf ihrem zweiten Album Jiles Musik in Reinform, aber Hauptsache Spaß soll sie machen. Zu großen Teilen gerade erst aus der Schule raus, erklären uns die Jungs die Welt mit einer gehörigen Portion Berliner Lokalkolorit in der Tradition von...niemandem. Einflüsse gibt es genug, verarbeiten kann man sie alle. Hier trifft Mitsing-Text auf Schrammel-Melodie und umgekehrt – nur langweilig wird es nicht. Der Opener „Hitchhike“ überzeugt gleich zu Beginn der Platte mit Ohrwurmpotenzial. Die bestechende Einfachheit, mit der die vier Jungs hier zwölf gypsypunk-royale Songs auf eine Scheibe gepresst haben, die trotz aller Rotzigkeit kein simpler Straßenpunk ist und dir freundlich und augenzwinkernd ein Bier anbietet, ist erfrischender als der Pseudo-Frühling vor der Haustür. Jiles ist der Soundtrack des kleinen Mannes, die Melodie von Spätis am Park, ein vertonter Coming-of-Age-Roman. Da will man nur raus und mit dem Fuchsschwanz am Fahrrad zum See eiern. Im Mai touren Chuckamuck durch die Republik – hingehen!

Vielleicht geht es nur mir so, aber wenn ich über holländische Bands nachdenke, fällt mir keine ein, die über die Landesgrenzen hinaus, in ganz Europa bekannt ist – außer Golden Earring, aber das ist jetzt auch schon wieder eine ganze Weile her. Dope D.O.D. ist wohl so eine Truppe, denn sie gewannen dieses Jahr den „European Border Breakers Award“ – und Grenzen brechen sie. Zumindest ein paar. Als erstes fällt auf, dass sie, musikalisch gesehen, sehr weit von klassischen Hip Hop Beats entfernt sind. Das ist heutzutage eigentlich nichts neues mehr, allerdings bewegen sie sich im Vokalbereich in die entgegengesetzte Richtung. Es gibt ausschließlich gerappte Strophen und gesungen wird nichtmal in den Hooks. Damit heben sie sich stark vom aktuellen Trend ab, einfach wild alles zusammenzuschmeißen, um sich so den Stempel „Innovativ, Wegweisend und Noch-nie-dagewesen“ abzuholen. Dope D.O.D setzten dabei auf Konsequenz und ziehen ihr Ding auf 18 Tracks durch, was allerdings bereits nach dem dritten anfängt zu langweilen. Der Rap ist geil und die Beats sind, wenn sie nicht gerade in den Brostep abdriften, harte UK Garage Songs. Doch leider bleibt erwartete Wirkung aus und Da Roach blubbert lediglich so dahin. Vielleicht sollten sie einfach nur ein instrumentales Two Step Album aufnehmen.

Er ist einer der letzten echten Rockstars unserer Zeit. Manch einer wird verwundert sein, dass er überhaupt noch lebt und sogar noch Musik macht. Na gut, es ist auch schon eine ganze Weile her seit dem letzten Studioalbum, aber Herr Pop erfreut sich bester Gesundheit und von den Stooges kann auch noch jedes Mitgleid stehen – zumindest die Überlebenden. Auch wenn der Rest ist, müssen sie noch lange nicht ihre Särge Probeliegen, denn musikalisch klingen sie noch genauso frisch, wie zu ihren Hochzeiten. Der Gitarrensound ist gewohnt rotzig und schlampig, die Drums poltern vor sich hin und alles ist nicht sonderlich sauber gespielt. Jedoch macht genau das Iggy & The Stooges aus – heute, genau wie vor 40 Jahren. Heute vielleicht noch etwas mehr, da es kaum noch Bands gibt, die es schaffen auf eine so unfertige Weise rund und stimmig zu klingen. Man hat Stellenweise den Eindruck – mag es an ihrem Alter, oder der musikalischen Entwicklung liegen – dass sie ein wenig abgeklärter und gesetzter unterwegs sind. Ruhig kann man zwar echt nicht sagen, aber ein wenig ruhiger zumindest schon. Und so beweist der „Godfather of Punk‟ erneut, warum er diesen Titel inne hat und auch noch lange Zeit nach der Punk-Ära standhaft ist.

Julian

Fred

Die schwedische Band Junip gibt es eigentlich schon seit einer halben Ewigkeit. Was 1998 in Göteborg begann, sollte aber erst 2010 in Form eines ersten Albums Früchte tragen. Grund für diese kleine Verzögerung war hauptsächlich José González Erfolg als Solo-Künstler. Für Fields ließen sich die Musiker ein gutes Jahr Zeit, in der sie wie verrückt an ihren Songs feilten. Das Ergebnis wurde mit internationalen Lobpreisungen überhäuft und die ehemalige Phantom-Band wurde über Nacht bekannt. Nun melden sich die drei Perfektionisten José González (Gitarre & Gesang), Elias Araya (Schlagzeug) und Tobias Winterkorn (Keys) mit ihrem zweiten Album namens Junip zurück. „In our case it’s never simple“, lässt González verlautbaren und beschreibt damit den komplexen Sound der zehn Tracks. Junip setzt da an, wo Fields aufgehört hat. Diesmal geht es auf musikalischem Wege aber noch mehr in die tiefen Abgründe der menschlichen Psyche und der Emotion. Es geht um Situationen, die dein ganzes Leben innerhalb von Sekunden auf den Kopf stellen und grundlegend verändern. Die Kombination aus dunklen und zum Teil tieftraurigen Texten, psychedelisch-hypnotischem Sound und der in Weltschmerz er trinkenden Stimme José González’ berührt auf allen Ebenen. Alles in allem ein in sich stimmiges und charakterstarkes Album, das zwar nicht durch große musikalische Innovation, dafür aber umso mehr durch seine Perfektion punktet.

Fred

Mariella

* = nich‘ so supi * * * * *= super supi **,***,****=dazwischen 66

SLEAZE #38


Hippie-Elektro Kalabrese Independet Dancer Label: Rumpelmusig VÖ: 26.04.2013

Elektro-Pop Little Boots Nocturnes Label: On Repeat Records VÖ: 10.05.2013

Raggae-Pop Makeshift Innocence Yours To Keep Label: Sony Music/DEAG Music VÖ: 26.04.2013

Progressive Rock Motorpsycho Still Life With Eggplant Label: Stickman Records/Soulfood VÖ: 12.04.2013

Klingt wie: Oliver Koletzki mit mehr Stil

Klingt wie: Hundreds und Goldfrapp nur naiver

Klingt wie: Jason Mraz, John Butler, Bedouin Soundclash

Klingt wie: Tool, Kamchatka, Yes „in härter“

Independent Dancer k lingt anfänglich nach der richtigen Musik für Studentenpack, nach genau dem Soundtrack für ein Picknick unter BWL‘ern die sich gegenseitig, hochintellektuell aus einem Werk von Goethe vorlesen. So richtig Stock im Arsch-Style. Bis dann das gleichnamige Titelstück folgt. „Independent Dancer“ ist grooviger als die Titel zuvor, funkiger. Kurz danach nimmt die Platte tempomäßig wieder ab, an und für sich bleibt der Stil aber bestehen. Allgemein erinnert mich die LP an Oliver Koletzki. Nur mit mehr Groove, mehr Stil. Independent Dancer eignet sich gut zum sommerlichen Auto fahren. Auf dem Weg zu einem Open Air macht sich die Scheibe sicher ausgezeichnet. Ich würde mich auch freuen, wenn im Wartezimmer meines Zahnarztes der Kram gespielt werden würde. Zum Tanzen allerdings eignet sich die Platte absolut nicht. Dafür fehlt dann letztendlich doch die krachende Bassline und der scheppernde Synthie.

Eines kann man ja schon mal festhalten: Von elektronischen Beats hat Victoria Hesketh, die Dame hinter der Band Little Boots, bestimmt Ahnung. Nicht umsonst ist die hübsche Britin in ihrer Funktion als DJane schon rund um den Globus und wieder zurück gereist. Nun bringt sie allerdings mit Nocturnes nach vier Jahren ihr zweites Album in Sachen Elektro-Pop heraus und hinterlässt damit gemischte Gefühle. Von Girliepop über 90erdancy-Beats und leicht minimalistischen Düsterklängen bis hin zu etwas Funk scheint bei dieser Veröffentlichung alles dabei zu sein. Und über allem schwebt Heskeths nicht unbedingt nervige, aber auch nicht für den dauerhaften Verzehr gemachte Mädchenstimme: Niedlich, seicht und irgendwie hilfsbedürftig. Liebe Victoria, wir würden dir gerne helfen, aber wie denn eigentlich und wobei überhaupt? Little Boots beschert nicht zwingend hochgerollte Fußnägel, aber die Veröffentlichung des Jahres wird es sicher auch nicht. Zu popig, zu girlie und so ohne Aussage. Darauf eine Runde Hardcore-Techno. Zum Mitnehmen, bitte!

Vielleicht liegt es am Schneetreiben, das gerade vor der Tür tobt und dem eiskalten Wind, aber irgendwie will beim Hören von Yours To Keep keine richtige Stimmung aufkommen. Sogar, wenn ich mich ganz doll anstrenge und geistig in den Sommer-Modus schalte, zündet die Platte nicht wirklich. An was genau das liegt, kann ich nicht eindeutig sagen, habe aber die Mittelmäßigkeit im Verdacht. Leider unterscheiden sich die Songs untereinander nicht allzu sehr, weshalb auch nach mehrfachen Hördurchgängen nichts wirklich hängen bleibt. Die Melodien plätschern vor sich hin und werden von seichten Gitarren und Steeldrum-Geklimper untermalt. Alles ist sehr fahrig und hintergründig. Man kann durchaus Vergleiche zu Jack Johnson oder John Butler ziehen, die allerdings ziemlich schnell zu hinken beginnen, denn im Gegensatz zu den Beiden fehlt es Makeshift Innocence an griffigen Refrains und musikalisch aussagekräftigen Strophen. Wenn man mit Bier und Bratwurst im Sommer am See chillt und das Album nebenbei laufen würde...dann liefe es eben. Keiner würde tanzen und wahrscheinlich gäbe es auch niemanden der „LAUTER“ schreit. Es würde einfach im Hintergrund durchlaufen und genau dort bleiben – im Hintergrund.

Bambi

Kirsten

Fred

Immer diese Schweden. Ein Land, dass seit ABBA einen unglaublichen künstlerischen Output vorzuweisen hat, wovon auch noch ein großer Teil echt gut ist. Muss wohl an der Luft da oben liegen. Selbige atmen nämlich auch Motorpsycho, die sich nach ihrem Mammutprojekt - The Death Defying Unicorn – wieder dem ursprünglichen Bandgeschäft zuwenden und mit Still Life With Eggplant ein Album abliefern, dass weniger Konzeptcharakter besitzt, als frühere Veröffentlichungen. Die Songs des Albums sind dennoch allesamt ziemlich verschachtelt und weit weg von klassischen Songstrukturen, was bereits beim ersten Track „Hell“ deutlich wird. Er besteht aus drei grundverschiedenen Teilen, zieht sich über neun Minuten und ist trotzdem irgendwie ein in sich geschlossener Song. Alles recht verschwurbelt, aber gleichzeitig noch sehr stimmig. Exemplarisch dafür steht „Ratcatcher“, mit seinen hektischen Drums und psychedelischen Tendenzen. So aufgedreht der Mensch hinter dem Schlagzeug auch zu sein scheint, genauso entspannt legt sich die Stimme des Sängers über die Soundgebilde und sorgt für Bodenhaftung. Manch einer wird die Musik von Motorpsycho als angstrengend empfinden, aber wer sich gerne mit Rockmusik auseinandersetzt, wird an ihnen und vor Allem auch an ihrem neusten Werk seine helle Freude haben. Fred

SLEAZE #38

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Rap, Hip Hop Prinz Pi Kompass ohne Norden Label: Keine Liebe Reords/Groove Attack VÖ: 12.04.2013

Indiepunk Love A Irgendwie Label: Rookie Records VÖ: 12.04.2013

Clash of Genres Kollektiv Barner 16 Kollektiv Barner 16 Label: 17records / Cargo VÖ: 22.03.2013

Indie-Rock The Dopes Hinterlandia Label: DevilDuck Records VÖ: 19.04.2013

Klingt wie: Casper, Maeckes, Tua

Klingt wie: Turbostaat, Frau Potz

Klingt wie: Der Kinderkanal aufm Frühlingsfest

Klingt wie: Phoenix

Kompass ohne Norden ist tatsächlich das erste von Prinz Pi‘s Alben, das ich komplett am Stück durchhöre. Deshalb kann und werde ich nichts zu seiner musikalischen Entwicklung und dem Wandel von „Porno“ zu „Pi“ sagen und auch nicht in den Kanon mit einsteigen, ob das denn jetzt überhaupt noch „true“ ist, oder nicht. Sein Leitmotiv ist die Liebe, wer aber romantisches sucht, ist hier meist an der falschen Adresse. Es werden die alltäglichen Sorgen und Probleme, die uns in unserer Jugend begleiten, genauso wie Gesellschafts- und Sozialkritik behandelt. Grundsätzlich ist das nichts Neues, jedoch fein beobachtet und auf hohem textlischen Niveau verpackt. Das ganze Album hat einen stark melancholischen Charakter. Mal ist der Himmel grau und es regnet, mal kommt die Sonne raus, aber die Grundstimmung eines trüben Herbsttages bleibt. Ab und an bewegt er sich thematisch aber auch mal weiter weg vom Standardrepertoire und rappt metapher- und symbolbeladen über globalisierungsbedingtes Outsourcing. Die Produktion ist sehr glatt, sauber und hat einen ziemlichen „Popappeal‟. Da ist es fast schwierig sich vorzustellen, dass der Mann dem Royal Bunker Umfeld entsprungen ist. Wie auch immer, die Beats sind ab und an Geschmackssache – die Texte sind Kunst.

Love A ist ja irgendwie so was wie eine Hausband in unserem dekadenten Dachgeschossbüro. Vor einem Jahr interviewten wir Jörkk & Co. in Hamburg, im Dezember stürmten wir den Backstage auf ihrem Berliner Konzert und tranken Schnaps. Und wie gute Freunde nun mal sind, ehrlich und kritisch, wollen wir nun auch ein paar Worte über das neue Album verlieren. Im Prinzip, und das ist keineswegs negativ gemeint, ist bei Love A noch alles beim Alten. Auf ihrem neuen Langspieler Irgendwie liefern die Jungs aus Trier dreizehn fette Rocksongs ab, die sich schubladentechnisch irgendwo zwischen Punk, Indie, Pop und Sprechgesang befinden. Zutiefst ehrlich, schonungslos kritisch und von Zeit zu Zeit vertrackt, aber immer eingängig folgen Love A weiterhin ihrer Bestimmung, eine der interessantesten Bands im Genre zu sein. Für die Produktion konnte der Brite Robert Whiteley gewonnen werden, der schon den Sound von Bands wie The Wombats auf höhere Level hob. Musikalisch trifft auf Irgendwie feinste Melodie auf Hysterie und Punkattitüde. Ehrlich gesagt: sehr fein.

Kollektiv Barner 16... Mir stellt sich die Frage: “Wollt ihr mich komplett verarschen?“. Eine CD die zwischen jedem noch so geschmacklosen Müll switched, wie ich im TV-Programm zur Mittagszeit. Dieses Werk besteht aus grandiosen Instrumentals (Substanz) und grottenschlechten Lyrics (Trash), die jeden noch so guten Beat wie einen Kindergeburtstag klingen lassen. Die „Künstler“, die für die Vocals zuständig waren, wurden wohl auf der Straße aufgesammelt und sind zuvor scheinbar noch nie mit einem Mikrofon in Kontakt getreten. Wobei hier nicht von Gesang die Rede sein kann, es ist wohl viel mehr unmelodisches Gequatsche und Sprachgesang, der uns das Gefühl gibt einer ziemlich schlechten Schulband in ihren Anfängen zu lauschen. Genremäßig bewegen wir uns zwischen Frühlingsfest, schlechtem Musical, Boyband, MC Fitti und Teenie Komödie. Alles in allem haben die Musiker richtig was auf dem Kasten und die Texter keinen blassen Schimmer von ihrem Job.

The Dopes Debütalbum Hinterlandia klingt nach 1A amerikanischem Indie-Rock mit der richtigen Prise Pathos und Beschwingtheit. Umso erstaunlicher ist es zu erfahren, dass die beiden (Ja, richtig eine The-Band mit nur zwei Mitgliedern und dem Sound von Fünfen) Jungs nicht aus der Sonne Kaliforniens, sondern aus der bayrischen Provinz stammen. Ihr ländlich, gemütlicher Hintergrund hält Rudi Maier (Hihi, er heißt wirklich Rudi. Dolles Ding.), Sänger mit Gitarre, und Franz Neugebauer am Schlagzeug nicht davon ab satten und eingehenden Gitarrensound zu produzieren. Mit Songs wie „Entirely Zipped“, Track drei der Platte, beweisen die beiden allerdings den Besitz einer sanften Seite und auch folkige Einflüsse lassen sich bei genauerem Hinhören („Strawberry Fields“) identifizieren. Hinterlandia ist alles in allem alles andere als (Achtung, Zungenbrecher!) hinterländisch, macht Spaß und kommt mit internationalem Indie-RockCharme daher. Netter Start.

Bambi

Kirsten

Julian

Fred

* = nich‘ so supi * * * * *= super supi **,***,****=dazwischen 68

SLEAZE #38


Indierock The Pigeon Detectives We Met At Sea Label: Cooking Vinyl/ Indigo VÖ: 26.04.2013

Indie The Veils Time Stays, We Go Label: Pitch Beast Records/ Rough Trade VÖ: 26.04.2013

Indiepop The Virgins Strike Gently Label: Cult Records/ Alive VÖ: 26.04.2013

Electronica Westbam Götterstrasse Label: Vertigo VÖ: 26.04.2013

Klingt wie: Johnossi, The Wombats, Artic Monkeys

Klingt wie: U2 mit ein bisschen weniger Pathos

Klingt wie: The Strokes, Of Montreal, Portugal. The Man

Klingt wie: Langweilig mit Vocals

„We‘re a live band. Thats where we made our name“, beschreibt Pigeon Detectives-Frontmann Matt Bowman seine Band. Recht hat er. Wer die Briten live gesehen hat, kann das ohne Einwände bestätigen. Ihr 2011er Album Up Guards, And At ‚Em ging mehr oder weniger unter, nachdem die beiden Vorgänger Wait For Me und Emergency wehende Fahnen des Indierock waren (und sind). Auf ihrem nun vierten Langspieler feiern The Pigeon Detectives die Wiederkehr zu ihren Wurzeln: ehrlichem, hausgemachten und tanzbarem Indierock, wie er seines gleichen sucht. Unverschwurbelt und gradlinig, wie in den ‚guten alten Zeiten‘ eines Genres, das seit Jahren versucht sich neu zu erfinden und dabei Auswüchse in alle Richtungen entwickelt hat. Dass das nicht sein muss, beweist We Met At Sea. In feinster Rockmanier werden hier zehn treibende, rotzfreche und unkomplizierte Songs abgefeuert – die Indiediskos sind gerettet: das lädt zum Tanzen ein. Während die meisten ihrer Mitstreiter zusammen mit der Indieblase zerplatzten, reanimieren sich The Pigeon Detectives in diesem Frühjahr selbst. „People want to go and see a rock and roll show“, weiß Bowman – und The Pigeon Detectives erfüllen diesen Wunsch mit We Met At Sea einmal mehr. Welcome back.

Also, wenn das das „Beste und Aufregendste“ ist, was die Musikredakteure der LA Times in diesem Jahr gehört haben, dann tun die mir fast ein bisschen leid. Das vierte Album der angeblich einflussreichsten neuseeländischen Indie-Band ist zurzeit wohl in aller „Ohren“. Doch auch wenn sich die hollywood’sche Traumfabrik und allen voran Kevin Costner als angeblich größter Fan um diese Band reißen, kann ich den Hype ums neue Album leider nicht ganz nachvollziehen. Die zehn Tracks, die Andrews angeblich aus einem Pool von mehreren hundert Songs ausgewählt haben soll, sind ohne Frage gut produzierte und absolut hörbare Musik. Mal klingen sie wie U2, mal wie der Mitschnitt eines Quentin Tarantino Soundtracks. An dieser Musik ist nichts falsch, aber irgendwie reißt sie einen auch nicht vom Hocker. Mag sein, dass das viele anders sehen, aber mir persönlich fehlt es diesem Album an Charakter, an dem, was es unverkennbar und einzigartig macht, um es aus dem unendlich tiefen Indie-MukkeSumpf herausstechen zu lassen. Durchschnittliche Indie Sounds, nicht mehr und nicht weniger.

Ruhiger sind sie geworden, die ‚NYC rich kids‘ von The Virgins. Ihr 2008er Release The Virgins war voller hymnischer Indiepopballaden – Erinnerungen an Ohrwurmtracks wie „Rich Girls“ und „Fernando Pando“ aus Autoradios auf glühend-heißen Autobahnen werden wach. Gute fünf Jahre später veröffentlichen sie nun ihren Zweitling auf Cult Records, dem Label von StrokesFrontlocke Julian Casablancas. Beschwingt und still zugleich ist es geworden, düsterer arrangiert mit fragilem Pathos. Der Name Strike Gently scheint Programm zu sein. Sänger Donald Cummings Stimme harmonisiert mit dem hörbaren Strokes-Einfluss, ohne sich je dem Indierock seines Labelchefs ganz unterzuordnen. Viel mehr nehmen sich The Virgins auf diesem Album die Zeit und Ruhe, Geschichten zu erzählen, Atmosphäre aufzubauen („Figure of the Ice“) und den frischen Indiepop („Impressions of You“) ihres Debütalbums zu perfektionieren, ohne die erworbene Coolness zu verlieren. Ohne Frage ist Strike Gently mal wieder eine Platte für die Autobahnen im kochenden Sommer – ob es aber die in 2008 von NME, ROLLING STONE und SPIN prophezeite goldene Zukunft der Band untermauern wird, ist mehr als fraglich.

Julian

SLEAZE #38

Mariella

Westbam. Wir reden quasi von einer lebenden Legende, Onkel Loveparade. Seit 30 Jahren im Business und der Sound ist irgendwie trotzdem ein bisschen unvollständig. Die Songs auf dem Album Götterstrasse haben den Klang von Projekten, bei denen ein Künstler immer wieder beteuert, es wäre noch nicht abgemischt, gemastert und generell noch nicht final arrangiert. Trotz einem Auflauf von großen Namen und überwiegend auch ernstzunehmenden, talentierten Künstlern, kommt bei dieser LP nicht viel rum. Da rettet auch die unverwechselbare Stimme von Inga Humpe nichts und auch ein Brian Molko trifft hier auf Granit. Generell ist der Sound von Westbam ruhiger geworden, vielleicht liegt es daran, dass auch an Westbam die Jahre nicht vorbeiziehen. Älter werden sollte allerdings nicht gleich langweilig bedeuten, doch genau das ist auf dem Scheibchen der Fall. Es fehlt einfach die Abwechslung, die Steigerung. Man bekommt den Eindruck, Westbam habe mit der Musik eigentlich schon abgeschlossen und versucht hier lediglich, mit viel Wind um nichts noch einen letzten Kassenschlager rauszuballern. Bambi

Julian

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Unterwegs

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Rock am Ring

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Bärte, Bier und Riffgewitter!

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Der SLEAZE Frühlingsball

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Der Nicht-Snowboard-Bericht

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SLEAZE SLEAZE #38 #37


ROCK‘N‘INK

Vom 24.-26.05.2012 ist es wieder soweit. Die Messe Chemnitz heißt uns wilkommen zur Rock‘n‘Ink Tattoo Convention. Was uns neben der Main- und Dynamite!-Stage erwartet, auf denen unter anderem The Bones, Meteors und Busster Shuffel auftreten, sind etliche nationale und internationale, namhafte Tattookünstler vertreten. Wer von den leitenden Komponenten der Convention jetzt nicht sooo krass angetan ist, hat die Möglichkeit sich anders zu vergnügen zum Beispiel bei der Ausstellung von US-Cars und Custom Bike‘s, einer Burlesque Show oder in den Cafés und dem Biergarten von Rock‘n‘Ink. Wenn du nicht auf Karren, leicht bekleidete Frauen und Massen von Bier stehst (bist du ein fucking Spießer), kannst du dich auf dem 200m² großen Showareal von King Kerosin bespaßen lassen.

und ist dieses Mal sogar mit ihren Kollegen am Stizzle um ihren Shop zu vertreten.

Um euch einen Eindruck davon zu verleihen, was man erwarten kann und sollte, habe ich mich ein bisschen schlau gemacht. Dazu habe ich mich mit Nancy von Moe‘s Spadetattoo aus Hamburg unterhalten. Sie war letztes Jahr bereits zu Gast

Kurz um, ich lernte meinen Mann vor ein paar Jahren auf dem With Full Force kennen, zog nach Hamburg und wir eröffneten vor einem Jahr unser eigenes Studio. Moe kennt man allerdings schon länger. Irgendwann kam dann noch die Sache

Erzähl uns mal wer du bist und was du so machst? Mein Name ist Nancy, allerdings bin ich eher bekannt unter meinem ‘’Künstlernamen’’ Red Pearl. Ich bin Co-Owner des Moe Spadetattoo Hamburg, Shopmanager, Tattooazubi und Tattoomodel. Alles in Allem jede Menge Aufgaben, aber ich liebe sie alle. Wie lange bewegst du dich schon in der TattooSzene und wie hast du überhaupt dahon gefunden?

mit dem Modeln dazu, welche ich allerdings nur so lange mache, wie ich Spaß daran habe. Als wir den Laden eröffnet haben, habe ich dann quasi parallel eine Ausbildung zur Tätowiererin begonnen. Wie kamst du auf’s Rock’n’Ink und was erwartest du? Im letzten Jahr waren wir als Besucher auf dem Rock’n’Ink um Freunde zu treffen und eine gute Zeit zu haben. Es war großartig. In diesem Jahr sind wir mit dem gesamten Shop vertreten. Wir erwarten jede Menge farbenfreudige Menschen, nette Musik und ‘nen abgefahrenes Wochenende. Ich denke Chemnitz wird uns da in keinem Fall enttäuschen. Danke Red Pearl für das Interview und vielleicht sehen wir uns ja auf der Rock’n’Ink Tattoo Convention.

Bambi SLEAZE #38

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ROCK AM RING Bald ist es wieder so weit. Der Nürburgring lädt vom 07.-09.06.2013 zu Rock am Ring ein. Auf gut Deutsch bedeutet das Ganze, es ist mal wieder Zeit für: Saufen, Feiern, Eskalieren, Pogen und, wer hätte es anders erwartet, Kollateral-Mangel an Körperhygiene. Was uns erwartet ist wie immer ein filmreifes Line-Up, das einem Augen und Ohren wegfetzt. Neben den Headlinern – 30 Seconds To Mars, The Killers, The Prodigy, Volbeat, Green Day und Seeed, erwartet uns auch dieses Jahr ein Angebot verschiedenster Genres. 2013 sorgen unter anderem Cro, Boys Noize, Ellie Goulding und A$AP Rocky für musikalische Abwechslung. Bei diesem Aufgebot wundert es doch keinen mehr, dass das Festival mal wieder 5 Monate im Voraus restlos ausverkauft ist. Wer sich vom Line-Up gelangweilt fühlen sollte, hat die Chance sich die Zeit im Warsteiner Backstage zu vertreiben. Hier findest du Spieltische für Poker und Roulette oder auch

Flipperautomaten. Und wenn du dich an der Bar wieder einmal zu sehr am eiskalten Warsteiner erfreut hast, nimmst du einfach in den jemütlichen Sitzecken Platz um die Übelkeit zu überstehen. Abgesehen von dieser grandiosen Bespaßungs-Oase stellen unsere feuchtfröhlichen Freunde noch das Warsteiner Village zu Verfügung, indem, wie auch im letzten Jahr 200 Rocker mit ein bisschen Glück mal auf die etwas andere Art und Weise das Festival miterleben können. Hier haust man jeweils zu zweit in einem Container, der eine Air Conditioning Funktion, ein Doppelbett, Hängeschränke und ein Tischchen für all den Kladderadatsch den du mit nach Hause bringst, besitzt.

Bambi

Du willst einer der glücklichen Rocker sein? Dann mach bei unserem Gewinnspiel mit. Zu verlosen die Eintrittskarte zum WARSTEINER VILLAGE (bei Rock am Ring) im Wert von 1.250,00: je für 2 Personen, 3 Tage lang + zugehörige Festivaltickets, Pool, Grillstation, Tip Top Sanitäranlagen und viele, kleine Goodies & Überraschungen. Schreib uns einfach, warum genau du es verdient hast an: geschenke@sleazemag.de

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d e s e r t

r o c k

Bärte, Bier und Riffgewitter! Trainiert eure Nackenmuskeln!

Denn vom 25. - 27. April werden sie einem Belastungstest sondergleichen ausgesetzt. Bereits zum zweiten Mal findet nämlich hier in Berlin das diesjährige Desertfest statt. Die Speerspitze des internationalen StonerPsychedelic- und Doomgeschäfts wird sich über diesen Zeitraum im Astra Kulturhaus einfinden um den Rockgöttern zu huldigen, ihr wallendes Haupthaar zu schwingen und handgemachte Musik zu zelebrieren. Das Indoor-Festival, für alle Freunde der harten Gitarrenmusik, findet in Partnerschaft mit der londoner Ausgabe am gleichen Wochenende statt und lässt Europa vor rollenden Riffs, blubberndem Bass und scheppernden Drums erzittern. Mit dabei ist die Creme de la Creme der Szene, aber auch Bands, die sich bereits ans Licht der breiten Öffentlichkeit gespielt haben. Das Programm ist

vielseitig, bunt gemischt und auf 2 Bühnen geben sich über 30 Bands die Klinke in die Hand. Die Urväter des Doom - Pentagram - teilen sich die Bühnenbretter mit den Wegbereitern des klassischen Stonerrocks, wie Yawning Man oder Unida und lassen noch genügend Platz für die bärtigen Vertreter des 70s- und Bluesrock, wie etwa Witchcraft, Lonely Kamel, Kadavar und viele mehr. Auch Anhänger psychedelischer Musik dürfen sich freuen, denn mit Naam, My Sleeping Karma und Samsara Blues Experiment sind die Voraussetzungen für einen musikalischen Trip ins All mehr als gut. Wer es noch eine Ecke härter mag, geht einfach bei Cough, Belzebong oder Witch Mountain vorbei und bekommt dort die volle Sludge-Dröhnung. Sollte es soweit kommen, dass einem irgendwann die Ohren klingeln, kann man im Biergarten ein erholsames Bierchen zischen oder sich auf dem

„Hippie Corner Market“ mit allerlei Merchandise, Schallplatten und natürlich Essbarem eindecken. Wir von SLEAZE lassen es uns natürlich nicht nehmen, unsere Matten im Takt mitzuschütteln und sind daher mit von der Partie. Wer also eine Pause von verzerrten Gitarren braucht, verbringt diese am Besten mit dem Blättern in einem unserer Magazine, die selbstverständlich vor Ort ausliegen werden. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass das berliner Aprilwetter gütig ist und auch wohlig warme Wüstenstimmung aufkommen lässt. Sollte dem nicht so sein, machen wir uns einfach nichts daraus, denn immerhin findet die Stoner-Sause drinnen statt und die angekündigten Bands verstehen es bestens dem Publikum einzuheizen. In diesem Sinne. Worship the riff!

Fred

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Der SLEAZE Frühlingsball Ob es regnet, stürmt oder schneit – wenn Frühling auf dem Kalender steht, feiern wir diesen auch. Komme was wolle. Wir haben uns aufgebrezelt, in Ballkleider und Smokings gezwängt, um den Frühling adäquat einzuleiten und feierlich zu begrüßen. Dem war das allerdings scheißegal, weshalb draußen ein Schneesturm tobte, während wir uns drinnen warm tanzten. Dank Kraak & Smaak, was nach DJ-Duo klingt, eigentlich aber aus drei Typen besteht, von denen uns jedoch nur einer beehrte, der dann aber Stimmung für fünf machte – versteh‘ einer die Holländer – musste keiner frieren. Während der Mainfloor bebte, ging es auf dem Mini-Floor bei Hip-Hop-Klassikern etwas entspannter zu und wem gar nicht der Sinn nach tanzen stand, der konnte sich mit SLEAZEAktivitäten vergnügen. Da das Cookies bekanntermaßen nicht über einen oberirdischen Dancefloor, sondern auch über unterirdische Katakomben und verwinkelte Räume verfügt, wurde abseits des normalen Party-Betriebes viel geboten. In der Hochzeitskapelle wurde alles vermählt, was dem Priester in die Finger kam, im Kino konnte Popcorn geknuspert und in nostalgischen Erinnerungen zu Mickey-Mouse- und Donald-Duck-Trickfilmen geschwelgt werden. Noch entspannter ging es im „Tempel-Wald‟ zu, der durch unsere grandiose Seifenblasenmaschine zum magischen Zauberwald aufgewertet wurde. Im Schlafzimmer fand sich ein riesiger Vorrat an schmackhaften Lollis, der uns freundlicherweise von Chupa Chups zur Verfügung gestellt wurde.

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S L E A Z E

u n t e r w e g s :

B a d

H o f g a s t e i n

u n d

S ö l d e n

Der Nicht-Snowboard-Bericht Eigentlich sollte die Reise eine Analyse werden, ob Snowboarden im Frühling noch taugt. Doch dann kam der Schnee dazwischen.

Kennt ihr das? Man will dieses Jahr wirklich früh snowboarden, am besten noch vor Weihnachten – und dann ist auf einmal März. Meinen Jungs und mir geht das jedes Jahr so. Und, ich mein, es ist keine Steuererklärung oder so etwas Nervendes, was man so lang wie möglich rausschiebt. Es geht um fucking Snowboarden. Spaß pur. Verdammt.

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sein, dass noch etwas Besseres reinkommt und dann wäre man da schon geblockt. Oh mon Dieu! Zudem kommt noch die weniger egoistische Variante: Heute sind viele nicht mehr in der Festanstellung und müssen ihren Jahresurlaub bereits im Vorjahr einreichen. Kurzfristige Jobs und Projekte (ja, bei manchen ist das nicht nur eine Ausrede für Bier trinken im Paaark) können jederzeit reingrätschen. Und weil Geld durch diese Selbständigkeit leider oft nicht mehr selbstverständlich ist, hakt es auch da mit der Planung.

Nun habe ich mich tiefenpsychologisch damit beschäftigt und weiß, warum das so ist. Es liegt – und ja, das klingt nicht zur aus Versehen wie Muddern – an der heutigen Zeit. Super Phrase, oder?

Wow, das war tiefgründig!

Durch die Flexibilität dank Handys und sozialen Netzwerken kann man auch kurzfristig noch Termine erstellen, ändern, optimieren, verschlimmbessern oder absagen. Damit wirklich alle Optionen offen sind, wartet man möglichst lang. Könnte ja

Ich überrasch mich immer wieder selbst… Aber eigentlich wollte ich ja prüfen, ob Skigebiete im Frühling etwas taugen. Das liebliche Bad Hofgastein (ja richtig, dem aufmerksamen Leser ist es nicht entgangen: Wir waren letztens erst in Gastein

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zur ARt on Snow.) hatte in der Zeit zu dem Musikfestival Snow Jazz geladen, also eine gute Gelegenheit für einen Realitycheck. Allerdings fiel in den letzten Wochen so viel Schnee, dass die Pistenbetreiber überlegen, gleich bis Mai offen zu lassen. Wie soll man denn so eine repräsentative Schneeanalyse vornehmen, hmmm? Aber egal, im Gasteinertal mit seinen 220 Pistenkilometern langweilt man sich so nicht. Zudem konnte ich so rausfinden, ob mir der oft zu anstrengende Jazz mehr liegt mit italienischen Einflüssen. Es kam raus: Manchmal. Unter dem nicht ganz kreativen Namen „Bella Italia“ begann Mitte März die zwölfte Ausgabe des Jazzfestivals. Als ich zur Eröffnung im Autohaus Schober stand mit dem unwiderstehlichen Charme eines – nun ja, Autohauses, bei der die gesamte Ortsprominenz geladen war, lag ein leichter Schatten von DorfFest über dem Ganzen.

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Dann kam Acustikè und mit einer Art Chanson-Jazz lenkten sie elegant von der „Location“ zum Dolce Vita. Wer auf leichte Kost steht, sollte sich die Band genauer ansehen. In den Folgetagen gab es dann eine Mischung aus angenehmen Swing-Jazz von Mocambo Swing und (für mich zumindest) unerträglichem Freejazz vom Roberto Gatto Quartet. In Kombination mit der ARt on Snow kann man sagen, dass im Gasteinertal einiges geht. Bin gespannt auf den nächsten Winter. Und da bin ich dann beim Opening dabei. Hundertprozentig. Vielleicht. Jungs?

danilo

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Die große Regen-istSchmegen-und-ichwill-die-Sonne-aber jetzt-SLEAZEVerlosungsaktion

Tollie e Pre s

E-Mails an geschenke@sleazemag.de / Einsendeschluss ist der 24.6.2013 Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen, das reine Glück entscheidet.

Ob geschüttelt, ob gerührt – das Sony Xperia T ist stehts zu Diensten Wer kennt das nicht? Da rennt man durch die Hitze der Wüste und jagt irgendwelche Halunken, um sich schon am nächsten Tag durch die letzten Winkel des Regenwaldes zu kämpfen, damit man daraufhin mit Ölmagnaten im feinen Zwirn Poker spielen kann. Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber mir passiert sowas regelmäßig und nicht auszudenken, was mir schon alles zugestoßen wäre, hätte ich nicht das richtige Gadget dabei. Mr. James Bond geht es ähnlich und seit neustem hat er das Sony Xperia T im Gepäck und wer kennt sich besser mit oben genannten Situation aus, als der Agent im Dienste seiner Majestät. Innerhalb von 1,5 Sekunden kann man mit der 13 Megapixel-Kamera gestochen scharfe Bilder schießen – sei es beim Observieren, oder in trauter Zweisamkeit mit einem Bond-Girl. Wenn man dann auch noch auf Motorrädern durch die Stadt heizt und durch die Gegend rennt, weil sich das Verbrecherpack selbstverständlich nicht freiwillig der Gerechtigkeit zuführen lässt, kommt es schonmal vor, dass man während einer Verfolgungsjagd über Häuserschluchten springen und sich mit dem Einen oder Anderen Muskelpaket prügeln muss. Wie gut, dass das Sony Xperia T, mit seinem kratzfesten Display, sowohl robust als auch federleicht ist. So hält es auch in Extremsituationen, was es verspricht und behindert nicht beim Roundhouse-Kick. Trotz des riesigen Displays ist es ultra flach und beult nicht die Taschen des Anzuges aus, wenn man mit Stil dinieren will. Wie schrecklich das immer aussieht.

Um in den Genuss dieses Gerätes zu kommen, dass euch ab sofort bei euren Spionagetätigkeiten unterstützen kann, müsst ihr nur noch folgende Frage richtig beantworten: Wieviele James Bond Romane schrieb Ian Fleming? Die Antworten schickt ihr an geschenke@sleazemag.de. Wir wünschen allen Teilnehmern viel Glück!

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lleise o T re P SLEAZE #38


Tolle Pre ise

Hot in Here HEINZ sucht bis Juli die GRILL-HOT-SPOTS der Nation und belohnt die Informanten wöchentlich mit dem HEINZ BBQ-Paket (mehr Infos unter: www.heinzketchup.de/grillhotspot) und weil wir den Gewinn hart feiern, wollen wir unsere Leser daran teilhaben lassen. Zu gewinnen gibt es das fetteste Grillset, das es wohl je in der großen weiten Welt gegeben hat. Heinz haut mal so richtig krass einen raus und sponsert dir so ziemlich alles, was du für eine Grillparty brauchst. Und weil wir uns auf dem steilsten Weg Richtung Sommer befinden, bezeichnen wir diese Gabe mal als „wahr gewordenen Traum“! In dem Rundum-Paket enthalten sind eine freshe Latzschürze, Steakmesser, ein Schneidebrett, auf dem du deine Klinge tanzen lassen kannst, und ein Weber Grill. Das klingt in den Ohren von dem ein oder anderen Grillfreund wahrscheinlich schon solide, aber solide allein ist HEINZ zu wenig. Deswegen bekommst du neben einer Hängematte und einer Picknickdecke, auf der du faulenzen kannst, während dein Steak brutzelt, auch noch „Turn me on“-Mini-Boxen, diverse Soßen und eine stylische Bowling-Tasche, in der du den ganzen Kladderadatsch transportieren kannst. Und weil Essen, egal ob gegrillt oder gekocht, nichts ist ohne die gewisse Prise Salz und Pfeffer, gibt es die Streuer dazu. Haste Bock? Dann sag uns wo der Sitz von Heinz ist: geschenke@sleazemag.de

T lle Pro eise

lese l Torei P

Im April bringt Sony seine neuen MDR-XB910 Kopfhörer auf den Markt. Da wir euch natürlich immer nur mit dem Besten versorgen, haben wir euch auch ein Paar sichergestellt. Mit der optimierten „Advanced Direct Vibe Structure“ Technologie werden unerreichte Tiefen der Bässe an die Oberfläche geholt und Subbässe freigesetzt. Das einschwenkbare Aluminiumgehäuse lässt sich leicht transportieren und die Inline-Fernbedienung am abnehmbaren Kabel ist optimal an die Verkopplung mit Smartphone oder Tablet angepasst. Wer sich von der Extraportion Bass dahinreiten lassen will, der schreibt die Antwort auf folgende Frage an geschenke@sleazemag.de Welche Ordnungszahl hat Aluminium?

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T lle Pro eise

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Tolle Pre ise

lese l Torei P

Wie lässt es sich am besten chilln? In einem Jogginganzug, das steht fest. Das dachten sich auch Thomas, Henrik und Knut als sie eines Tages über Bequemlichkeit und die dazu passende Robe sinnierten. Und wenige Worte später war quasi der OnePiece Jump In geboren. Groß geworden sind die Guten, wenn man es genau nimmt über das Internet. Weil diverse Blogger sich eines der lässigen Teile zugelegt hatten und darüber berichteten, nahm die Nachfrage zu und der Erfolg somit auch. Jetzt... 6 Jahre später, kommen unsere Leser in den Genuss einen der Chiller Jump In‘s zu gewinnen und glaubt uns, das lohnt sich richtig! Einer unserer Besatzung hat bereits einen OnePiece und immer wieder wird er mit Neid erfüllten Blicken begossen. Hier nun zu der Gewinnspielfrage: Woher kommen die Erfinder der OnePiece Jump In‘s ? Die Antwort schickt ihr einfach an geschenke@sleazemag.de. Na dann hoff mal, dass dein Karma dir gnädig ist. Let’s chill!

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Habt ihr es nicht satt,

ständig auf der Suche nach eurem NummerEins-Magazin zu sein? Friseurläden abzuklappern, sich ne

neue Frisur machen zu lassen, in der Hoffnung, SLEAZE irgendwo im unsäglich abgegriffenen Zeitschriftenstapel zu erspähen und mit ins traute Heim zu nehmen, wo man es endlich wohlig betten kann, mit ihm reden und

spielen oder einfach nur, um drin zu lesen. Wir machen es euch einfach, auch wenn sich diese

Zeilen für Eingefleischte wie ein Déjà-vu lesen mögen. Werdet Abonnenten! Nehmt euch selbst in den Kreis der Sendungsempfänger auf! Jungfräulich werdet ihr in Zukunft euer Blättchen in den Händen halten und die Frische zwi-

schen den Seiten erschnuppern können. Ehrlich, wer hat das nicht gern, ein ungeknicktes Erzeugnis sein Eigen zu nennen. Keine kryptischen Bemalungen früherer Leser, keine Eselsohren, nur ihr und SLEAZE. Eine Mail an abo@sleazemag.de mit euren Angaben und für nur 15 Euro kommt SLEAZE 8x im Jahr direkt zu euch nach hause .

Fuck off, das is mein Abo!

Traut euch! SLEAZE #38

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EA Heft #39 erscheint Mai

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SLEAZE erscheint im bfs. Verlag. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Aufnahme in OnlineDienste und Internet und Vervielfältigung auf Datenträgern dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlags erfolgen. Der Verlag haftet nicht für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos.

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