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gratis

z n a t bs u S t i m Trash

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SLEAZE

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E D I T O R I A L

Geliebtes Leservolk, laut den Mayas geht die Welt in etwa einem Jahr unter. Das kommende Weihnachten ist also wahrscheinlich unser letztes. Bitte übertreibt also, zu viel Essen, zu viele Geschenke, zu viel Alkohol, zu viel Sex, zu viel Liebe, zu viel Nettigkeiten, zu viel Drama und ach ihr wisst schon selber, was euch gut tut… Reißt euch also einmal nicht zusammen und überlegt, ob der gezuckerte Tee euren Diätplan komplett über den Haufen wirft oder was die Nachbarn denken, wenn ihr im Schlafanzug in die Papiertonne reihert. Ist egal! Wirklich! Ihr habt noch genau ein Jahr, um genau das zu machen, was ihr immer wolltet. Und jetzt erzählt uns nicht, dass ihr gerne in deprimierenden Beziehungen seid und euch immer noch von der Mutti vorschreiben lasst, welche Frisur ihr zu Omas Geburtstag tragen sollt. Folgender Vorschlag: Zuerst trennt ihr euch von eurem öden Partner, dann nehmt ihr Tiere aus dem Tierheim auf, dann macht ihr euch genau die Frisur, die ihr als Kind gern wolltet und dann sagt ihr eurer Mutter, dass sie euch mal kräftig am Arsch lecken kann… und dann betrinkt ihr euch und esst zu viel und lacht die Hipster aus. Denn im Grunde genommen wollt ihr gar nicht zu denen gehören, einfach weil sie wie debile Idioten mit schlechter Frisur aussehen. Dann plündert ihr euer Konto, verkauft die Familienjuwelen und habt einfach mal Spaß. Und wenn dann am 21. 12. 2012 die Welt untergeht, habt ihr ein Jahr lang das gemacht, was ihr wolltet. Und sollte die Welt nicht untergehen, werdet ihr ja wohl nicht so kleinlich sein und uns das vorwerfen. Frohe letzte Weihnachten und ein glückliches (wehe nicht) Jahr wünschen euch Yanah und die SLEAZELS

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INHALT ab Seite ab Seite ab Seite

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MAGAZIN

MODE

MEDIEN

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„Das hässliche Tier“

8

Mit Sperma, Schweiß und Tränen

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Raths Versammlung

22 I ♥ my sneakers 29

Kino

32

The Black Power Mixtape 1967 - 1975

34

Neue Serien im alten Jahr

38

Sex und Videogames

40

Game Previews

41

Games Geflüster

42 Comic

ab Seite ab Seite

ab Seite

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LEBENSKUNST

MUSIK

72

UNTERWEGS

43

Tattoos aus‘m Schmalz

44

Bike Art

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Pussy auf Schmusekurs

48

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

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Grafikerplatz

54 Blooom 56

Band plus Schall und Rauch

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Ein Leben für den Rock‘n‘Roll

61

Servus Telekommander

62

Coco trifft...

66

Ein Herz für Haie

68

Musik

73

Jubel-äh-um-SLEAZE, Teil 4

76

Art of Motion

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Beasilianische Brezeln und die Straße des Todes

80 Verlosungsaktion 82 Impressum


LEAZ n i z a g a M

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„Das hässliche Tier“

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Mit Sperma, Schweiß und Tränen

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D A S

H Ä S S L I C H E

T I E R

STECKBRIEF

„ICH BIN NICHT SÜSSSSSS!!!!!!“

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Nick: Anti-Flocke Name: Angorakaninchen Geschlecht: weiblich Beruf/Beschäftigung: Fregattenkapitän Wohnort: aktuell vor Istanbul Größe: 13 cm (mit Fell 33 cm) Hobbys/Interessen: Die Kulturen dieser Welt Motto: Die Seele ist das Schiff, Vernunft das Steuer und Wahrheit der Hafen.


Wir haben die Rubrik ins Leben gerufen, weil Ungerechtigkeit herrscht – wieder einmal. Die süßen, niedlichen, ach so knuffigen Tiere werden häufiger erforscht als die Einäugigen, Zweinasigen, Dreibrüstigen, kurz – die Freaks unter uns. Wusstet ihr das? Gut, das muss nichts Schlechtes sein. So landet man auch seltener im Tierlabor. Ungerecht ist es trotzdem. Eher Euthanasie als Darwin. Und außerdem: Frauen dürfen inzwischen auch ganz emanzipiert dumme „männliche“ Sachen machen wie Krieg führen. Also fordern wir endlich auch bei der Forschung Gleichberechtigung. Menschen sollten in Versuchslabors zu gleichen Bedingungen wie Affen zugelassen werden, hässliche Tiere genauso erforscht wie süße. Da das allerdings noch in weiter Ferne liegt, sind die Tiere gefährdet. Wir steuern hiermit entgegen. Mit der ersten Kontaktsuchseite für die VERMEINTLICH HÄSSLICHEN UNTER UNS.

Liebe Klopfer, Flauschels und Langhaar(aus)ohren, mitten in die Vorbereitungen zu unserem jährlichen Tanztee platzt die Nachricht von Anti-Flocke. Sie halte die Spackos, die ihr immer nur ans Fell wollen, einfach im Kopf nicht mehr aus. Mit plumpen Sprüchen auf RTL2-Niveau à la „Soll ich dir mal meine Möhrensammlung zeigen?“ versuchen offenbar Langohrdeppen, eine hochrangige Mitarbeiterin der Marine in ihren Bau zu locken. Da kann ich nur sagen, Ziel(gruppe) verfehlt. Das Schrägste dabei ist: Anti-Flocke will rammeln. Nur nicht mit Prolls. Wer also auf sanfteren Pfoten unterwegs ist, hat gute Chancen auf das Gesamt-Paket. Ein genaues Durchlesen des Steckbriefes ist natürlich ratsam. Ihr werdet so vielleicht ein in jeder Lage interessantes Kaninchen mit exzellentem Fell kennen lernen.

danilo

Kurz etwas zu meiner Person: Da ich es eh nicht verstecken kann und ich schon während der Unizeit als Aggokaninchen bezeichnet wurde – ich bin schnell auf 180. Ich rege mich aber auch gern über mich selbst auf. Zum Beispiel darüber, dass ich mich für diesen beschissenen Job entschieden habe, immer nasses Fell und in einem absoluten Kurzhaar-Milieu. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass das auch im positiven Sinne zutrifft. Bist du cool, dann mag ich dich sofort. Und ich hoffe doch, dass mir nur coole Pfoten und charmant-intelligente Schlitzlangohren schreiben. Ach ja, und welche, die nicht nur dumm quatschen, sondern auch intelligent vögeln können. Wen ich suche: Einen Frisör? Naja, nicht wirklich. Beruf ist fast egal, solang meiner akzeptiert wird. Auf jeden Fall einen, der mich nicht süß findet. Dem schieß ich sonst eh gleich was vor den Bug. Süß ist so zum Kotzen. Und immer das Angrapschen von Nicht-Angoras, weil das „Fell so schön aussieht.“ Würg. Fazit: jemand, der mich vor diesen Idioten bewahrt. Der darf mich denn auch mal scharf abschießen.

Bei Interesse kannst du Kontakt aufnehmen unter der Chiffre „Nicht süß!!!“ mit einer Mail an danilo@sleazemag.de.

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Mit Sperma, Schweiß und Tränen P o r n o

Im Porno-Chat mit Birger

In einer Sexausgabe darf das Thema Porno natürlich nicht fehlen. Wir haben alle schon mal einen gesehen, ob teure Highend-Produktion oder pixeliger Amateurfilm, ob Orgien oder Solo, hetro, bi, homo, einfach, zweifach, dreifach penetriert. Ob man zugibt, dass es einen geil macht, anderen Menschen beim Ficken zuzusehen, bleibt jedem selbst überlassen, wobei die Dunkelziffer vermutlich ins Gigantische reicht. 

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Ich hatte das Glück mit Birger sprechen, beziehungsweise chatten zu dürfen (meine Reisephobie verhinderte ein Treffen von Angesicht zu Angesicht). Er arbeitet seit über zehn Jahren als Produzent im BeateUhse-Konzern. Wir haben über seine Arbeit gesprochen, während ich mir parallel seine Filme angeschaut habe. Was dabei rumkommt, wenn eine Redakteurin während eines Interviews von Pink Shots, Stöhnerei und spritzendem Sperma abgelenkt wird, könnt ihr jetzt lesen.

Während die eine Tauschmutti einen bläst und er versucht, ihr den Finger in den Arsch zu stecken, stelle ich mir vor, dass drum herum mindestens fünf Leute stehen und total seriös sind...

Birger und Gwen

Anna Motz: Ich weiß nicht mehr,

Anna Motz: Wie sieht das mit Bud-

als dass du Pornos bei Beate Uhse produzierst. Welche Filme machst du genau?

get aus? Kümmerst du dich auch darum?

Anna Motz: Und wie war dann der direkte Kontakt mit dem Business? Es sagen ja immer alle, es wäre superprofessionell und wenig antörnend, was ich auch glaube. Aber trotzdem isses doch ein anderes Arbeitsambiente als im Büro einer Versicherungsgesellschaft.

Anna Motz: Gibt es dann auch richtige Plotschreiber, oder schaut man mehr Folge für Folge, was sich wohin entwickeln könnte?

Er hat den Eingang in ihr Hintertürchen gefunden und sie fängt an, ekstatischen Alarm zu schlagen und zu röcheln wie kurz vor dem Ersticken.

Monats-Budget für Content und müssen damit dann versuchen, alle Inhalte zu gestalten.

Birger: Das kommt drauf an. Es

Anna Motz: Sind die Budgets sehr

Ich habe mich entschieden, mir mal ein paar Folgen Pärchentausch im Schnelldurchlauf anzusehen

Birger: Stimmt, es ist schon professionell an einem Porno-Set, aber trotzdem ist es etwas Besonderes. Die ersten Produktionen waren schon seltsam für mich, grad weil es so professionell ist. Die Leute am Set verhalten sich ganz normal, obwohl da grad gebumst wird. Das ist die ersten paar Male echt bissl schräg gewesen. Mittlerweile steht man da am Set und findet‘s selbst total normal.

Birger: Ja, wir haben ein gewisses Birger: Huhu, aaalso bei Beate Uhse

New Media bin ich zuständig für die Eigenproduktionen für unsere Internetdienste. Ich beschreibe das mal etwas...Wir produzieren kleine Serien für unser online Club System. Wenn du möchtest, schick ich dir einen Zugang, damit du dir das ansehen kannst. Ja, immer her damit! Anna Motz: Was darf ich mir kon-

kret unter Produktion vorstellen? Du konzipierst den Inhalt der Serien mit? Bist Du auch während des Drehs vor Ort? Er hat mir währenddessen einen Zugang geschickt und ich klicke mich auf der Webseite durch die Riesenauswahl an Muschis, rasierten Riesenschwänzen und Frauengesichtern, die sich den Finger in den Mund stecken. Ich brauche eine Weile, bis ich mich sortiert habe. Besonders ins Auge springen mir die RealitySerien mit Namen wie Superhupen, JJ‘s Modelschmiede und Cumming Soon. Anna Motz: Machst du die exklusi-

ven Reality Serien?

knapp bemessen? Vor allem, seit der Amateur-Markt im Internet so boomt? Hat sich das bei Beate Uhse bemerkbar gemacht? Birger: Ja,

der Amateur-Boom hat sich natürlich auch bei Beate Uhse sehr bemerkbar gemacht. Wir haben auch ein Amateur-Portal entwickelt, www.homepornon.com.

Anna Motz: So, ich bin dann mal eben kurz beschäftigt. So lang eine Frage zur Karriere. Wie bist du überhaupt zu diesem Job gekommen? Warst du schon immer ein PornoBegeisterter? Birger: :) Also, ich bin vor elf Jahren

Mein Interesse an den Veränderungen des Pornobiz durch das Web 2.0 schwindet, denn ich bin fasziniert von dem Phänomen Porno als Serie. Die Sendungen erinnern alle an gängige TV-Formate einschlägiger Privatsender...nur dass es eben ums Ficken geht.

durch einen Bekannten, der damals Abteilungsleiter der MultimediaAbteilung bei Beate Uhse war, zu dem Job gekommen. War also weniger das Thema Porno, sondern die Materie Multimedia, Filmschnitt, filmen, Kameratechnik etc., was mich interessiert hat.

Anna Motz: Was ich mich bei

Pornofilmen aber jetzt vor allem bei einer Serie frage: Wollen die Leute tatsächlich Storys drumrum hören? Ergibt sich dann der Effekt wie bei einer üblichen Serie, dass man unbedingt wissen will was als nächstes passiert?

Birger: Ja genau! Wir machen uns

Gedanken, wie man pornografische Inhalte in eine Serie verpacken kann, damit wir ein interessantes Programm anbieten können. Wenn die Idee dann fertig ist, überlegen wir uns, ob wir die Produktion komplett selber machen oder sie einem Produktionsteam geben.

gibt ein paar Serien, da müssen wir schon eine kleine Story basteln.

Birger: Ich glaube nicht, dass

unsere Kunden wirklich eine Story wollen, aber es macht es für uns natürlich leichter, wenn wir die einzelnen Porno-Szenen bündeln können, indem wir sie quasi mit einer Marke versehen.

Anna Motz (leicht abgelenkt und verwirrt von Pärchentausch, dem Penetrations-Pendant zu Frauentausch): Ah...jaja...befreundete Cutter schwärmen auch immer davon, wie gut man bei Pornos den exakten Schnitt auf Bewegung (bämbämbäm) lernen kann, und es im Gegensatz zu künstlerisch-Kultur-ambitionierten Projekten gutes Geld gibt...

Anna Motz: Glaub ich! Wahrscheinlich einfacher, als sich an die Arbeit im Schlachthaus zu gewöhnen. Wie darf man sich die Beiden, Drei, Viele beim Bumsen vorstellen? Unterbricht da auch mal der Regisseur, machen die mittendrin Pause und lassen sich ein Wasser kommen? Birger: Das kommt wirklich auf

das Thema an. Es gibt Szenen, grad mit Amateuren (SwingerclubReportagen oder unsere Frauentausch-Kopie), wo man die Darsteller lieber nicht zu oft unterbrechen sollte. Anna Motz: Liegt dann an der Unerfahrenheit der Darsteller? Stört wahrscheinlich auch die Authentizität... Birger: Jupp,

Birger: Hm, also der Schnitt eines

und die Standfestigkeit der Herren.

Pornos ist nicht wirklich so aufwändig. Es gibt nicht sooo viele KameraEinstellungen ;)

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Anna Motz: Wie lang dauert die Produktion

von so einer Folge? Und sind das Amateure, die sich bei euch bewerben? Welche Serie is denn mit „Profis“? Mal so zum Vergleich. Birger: Die Superhupen werden mit Profis

gedreht. Ein Dreh für den Pärchentausch dauert beispielsweise so ein bis zwei Tage, je nach Aufwand. Die Amateure bewerben sich bei uns oder wir schreiben auch mal Leute direkt an.

eine sehr schöne oder eine ausgefallene oder auch eine besonders geile Szene immer noch sehr freuen. Ne gute, geile Amateur-Szene ist genau so viel wert wie ne fette Glossy-Szene. Wenn die Szene „echte“ Emotionen hat, ist es auch wurst, wie aufwendig der Dreh oder die Postproduktion war.

Anna Motz: Das ist wahr. Hast du eigentlich

auch so einen geilen Künstlernamen wie der Regisseur „Nougat Baron“? Birger: Ja, na klar! Den Nougat Baron habe ich

sogar erfunden! Anna Motz: Props dafür!

Im Vokabeltrainer vermerkt: Glossy = Highend-Porno Birger: Der Nougat Baron ist mein Chef. Anna Motz: Ich persönlich kann diesem Glossy

Anna Motz: Och, das geht ja an Zeitaufwand. Ist

es denn schwieriger, mit Profis oder mit Amateuren zu arbeiten?

ja auch nicht viel abgewinnen. Das ist, als würden sich Barbiepuppen unter viel Rumgeschreie und Yeahfuckmeharder-Gestöhne begatten. Hast du denn mal selbst vor der Kamera gestanden?

Birger: Ja, time is money. ;) Auf jeden Fall ist es

viel schwieriger mit Amateuren. 

Birger: Nein, und kann ich mir auch nicht

vorstellen. Bilder von aufgelösten Pärchen, die sich nichts mehr als einmal in einem richtigen Porno mitzuspielen gewünscht haben, ploppen in meinem Kopf hoch. Vor lauter Leistungsdruck würde ich vermutlich weinend zusammenbrechen.

Natürlich stelle ich mir Birger sofort in einem Porno vor. Klappt ganz gut. Anna Motz: Gehst du mit deinem Beruf eigent-

lich offen hausieren? Anna Motz: Musst du da als Produzent auch mal

seelische Hilfeleistung bringen, motivieren oder die Hemmung nehmen? Birger: Ja das kommt schon vor. Also, dass es mit

dem Mann nicht so klappt. Da muss man dann auch mal sagen: „Hey is alles cool, ganz normal, wenn das vor der Kamera nicht so klappt“ :) Bei Birger wären ich und meine Versagensängste in guten Händen, da bin ich mir sicher.

Birger: Abgebrochen wird schon eher selten.

Man kann dann ja auch bissl faken. Und es gibt viele, die sich bewerben und sich sehr sicher sind, und dann funktioniert es doch nicht so gut, wenn die Kamera an ist. Anna Motz: Jetzt muss ich doch mal privat werden. Stumpft man eigentlich ab, wenn man den ganzen Tag von Gestöhne, Titten, riesigen Schwänzen und Muschis umgeben ist? Birger: Ja na klar, man stumpft Jobmäßig ab,

aber das hat mit dem Privaten nicht viel zu tun.  Anna Motz: Schaust du dir privat überhaupt noch Filme zum eigenen Vergnügen an? Ich stell mir das vor wie beim Theater und Film, irgendwann kann man den professionellen Blick nur noch schwer abschalten und das reine emotionale Vergnügen leidet darunter... Birger: Nein, ich schaue mir privat keine Pornos

mehr an. Ich kann mich aber auf der Arbeit über

Birger: Bronco Johansen. Wenn wir fürs TV mit

produzieren, brauchen die halt alle möglichen Angaben wie z.B. Regie, Kamera, Ton, etc. Da lässt man sich dann n guten Namen einfallen. Sich Namen und Titel ausdenken ist ein wichtiger und lustiger Teil der Arbeit :) Welchen Namen ich mir wohl geben würde? Mir fällt nichts ein, ich schiebe es mal darauf, dass mein Hirn grade mit Besserem als Wortfindung beschäftigt ist. Für Vorschläge bin ich dennoch sehr dankbar. Man weiß ja nie, wann man es mal braucht!

Birger: Ich mag meinen Job sehr :) Und mach da

auch kein Geheimnis draus. Man muss ja nicht jedem ständig detailliert beschreiben, was man da macht.

Birger: Oh, es ist gerade Pizza gekommen. Lange

kann ich nicht mehr. Anna Motz: Nur noch die eine Frage nach dem

Anna Motz: Diplomatische Antwort. :D Heißt,

die Schwiegereltern wissen Bescheid, aber ihr sprecht am Kaffeetisch nicht über Doppelpenetration und Umschnall-Dildos? Birger: Genau, manche Menschen wollen nicht

Anna Motz: Wurde auch schon mal abgebrochen, weil jemand gemerkt hat, er kann das doch nicht? Oder bewerben sich nur Leute, die da recht sicher sind?

Anna Motz: Ahahahah. Und wie ist dein Name?

alles wissen ;) Anna Motz: Hat dieser Beruf denn auch Nach-

teile? Ich denke an unangenehme Gerüche, stressige Arbeitszeiten und schlechte Luft am Set…so von wegen schwitzen in geschlossenen Räumen und so. Birger: Miese Luft am Set, definitiv :) Die

Arbeitszeiten im Büro sind ganz normal. Und auf Produktion ist klar, da muss man dann auch mal ein Wochenende durcharbeiten. Das kann dann auch mal sehr anstrengend sein. Ha!Strike! Anna Motz: Nochmal zu nem anderen Thema... herrscht Gummipflicht bei den Filmen, nee, oder? Gibt‘s da mittlerweile Richtlinien, Gesetze oder ähnliches, oder kann da jeder machen, wie er lustig ist?

krassesten oder dem rührendsten Moment, den dir dein Job beschert hat. Birger: Da was rauszuheben ist schwer. Und so

ne Anekdote braucht ja auch Zeit :) Aber: Auf einem meiner ersten Drehs stand ich nach der Szene in der Küche und der Darsteller (immer noch n Ständer wegen der Medikamente) stand da und erzählte mir, wie geil er die Concorde findet. „Hammergeiles Flugzeug, oder nicht?“ Das war echt richtig schräg. Ich weiß bis heute nicht wie er darauf kam. Anna Motz: Geschichten dieser Art könnte ich mir den ganzen Tag anhören! Aber dein Essen ist da, das ist ein Zeichen zum Ende zu kommen. Ich danke dir vielmals für das Gespräch. Ich habe neue Vokabeln gelernt, mir Porno-Serien angeschaut, und mal von jemanden aus der Branche bestätigt bekommen, was ich bereits vermutete: Alles halb so wild und verdorben, wie man sich das vorstellt.

Wer also demnächst eine Bronco-JohansenProduktion zu sehen bekommt, kann sich sicher sein, dass er Qualitätsware bekommt!

Birger: Also, es gibt keine Pflicht, Gummi zu

tragen. Alle Darsteller haben Tests, die nicht älter als zwei Wochen sein dürfen. Die Darsteller kontrollieren ihre Tests gegenseitig. Bei Pärchen im Amateur-Bereich, die sowieso zusammen sind, ist es ja wurst.

Anna Motz www.njoyon.com www.homepornon.com

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Raths Versammlung

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Raths Versammlung Credits Fotograf: Oliver Rath WWW.RATH-PHOTOGRAFIE.DE Assistentin des Fotografen: Olly Wood, Sebastian Margraf, Chantal Chayen     Visagistin: Maria Buhse

WWW.FACEBOOK.COM/MARIA.BUHSE

Styling: Henning Schulz & Josefine Marie Miram Bondage: Amalion WWW.AMALION.DE     Konzept, Planung, Organisation: Anna Lederle, Josefine Marie Miram Assistenz: Frankie Chauffeur: Pascal Scheib Models: Temper Anthracite, Caro Clash (satory management) Angie Bendame Peter Max Karl Uwe Anna Josi Katharina Olly

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Katharina: Schuhe Dr. Martens, Rock Motel, Korsage Beate Uhse, Maske Vintage Max: Frischhaltefolie Aromata

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Peter: Tuch Vintage, Weste Vintage, Schlüpfer Orion Angie: Ganzkörperoverall Vintage, Lackrock Vintage

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Peter: Shorts Orion, Stiefel Vintage, Leder Harness Vintage, Maske Vintage Max: Pferdemaske Vintage, Shorts Orion, Schuhe Dr. Martens Caro Clash: Miederslip Triumph, Gummistiefel Capelli, Netzmaske Orion, Maske Vintage

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KATHARINA: Body & Str端mpfe & Bolero Orion, Maske Needless Things WWW.NEEDLESS-THINGS-BERLIN.COM, Schuhe Buffalo Temper Anthracite: Per端cke Orion, Maske Vintage, Kleid Temper Anthracite WWW.ANTHRACITE.DE, Schuhe Dr. Martens Angie: Hundemaske Orion, Nyloncatsuit Vintage, Rock Vintage, Schuhe Dr. Martens

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Peter: Latexschl체pfer Orion, Stiefel Vintage, Weste Vintage, Raketenwerfer von Celine GEPERSTPAPIER.WORDPRESS.COM Max: Schl체pfer Triumph, Umschnalldildo Orion, Schuhe Jumex, Hosentr채ger Vintage Caro Clash: Kappe Vintage, Jacke Vintage, Stiefel Vintage

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OllY: Maske Orion, Latexanzug Orion, Schuhe Jumex Schrittmodel:Schuhe Vintage, Slip Triumph

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Anna: Tuch Vintage Max: Samtweste Vintage, Hose Cheap Monday Peter: Windel Molicare Mobil von Hartmann, Puder Babysmile von Schlecker

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www.facebook.com/sleazemag.de

Trash mit Substanz

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I ♥ my sneakers Fotograf: Christoph Wehrer Visagistik & Styling: CoCo Meurer Idee & Umsetzung: CoCo Meurer

Adidas „Adi Court Super Mid W“

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Adidas „Forum Mid OT Tech“

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Adidas „Decade Hi“

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Honeycomb NIKE Air Max 1

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Nike „WMNS Air Max 1“

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Globe x Cleptomanicx „Lighthouse Clepto Shoes“

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Kino

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The Black Power Mixtape 1967 - 1975

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Neue Serien im alten Jahr

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Sex und Videogames

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Game Previews

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Games Geflüster

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Tattoos aus‘m Schmalz

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Bike Art

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Pussy auf Schmusekurs

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Mit einem lachenden und einem weinenden Auge


Perfect Sense Kitsch mal ganz unkitschig Die Apokalypse ist nicht wie üblicherweise mit Aliens und Invasion verbunden, sondern zeigt sich schlicht im Ausbruch einer Epidemie. Nach und nach verlieren alle Menschen auf der ganzen Welt ihre Sinne. Vor jedem dieser Verluste hat jeder extreme Gefühlsschwankungen. Als erstes geht der Geruchssinn abhanden, davor ist man extrem depressiv. Während dieser ersten Eskalation der Krankheit lernen sich der Chefkoch Michael (Ewan McGregor) und die Forscherin Susan (Eva Green) in Glasgow kennen. Beide sind von der Liebe enttäuscht geworden und haben in der Regel nur One-Night-Stands. Das gemeinsame Erlebnis von tiefer Traurigkeit mit dem anschliessenden Verlust des Geruchssinn verbindet die beiden. Natürlich verlieben sie sich. Auch hier könnte der Film ins Melodramatische abrutschen. Tut er aber nicht, dank der schauspielerischen Leistung der beiden Hauptdarsteller Ewan McGregor und Eva Green. Nie sind Susan und Michael unecht emotional, sondern bleiben stets verletzlich und vorsichtig, wie man sie auch am Anfang erlebt. So bleiben die Charaktere immer glaubhaft, selbst als sie zum Schluss doch auch mal ziemlich hysterisch werden.

Das liegt unter anderem an dem guten Drehbuch von Autor Kim Fupz Aakeson, der die Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer untergehenden Welt so einfach wie auch genial umsetzt. Nach anfänglicher Panik unter den Menschen gewöhnen sie sich doch wieder an ihre Situation und ein neuer Alltag entsteht. In den Küchenszenen mit dem Sous-Chef James (Ewen Bremner) wird deutlich, wie dieser sich ändert, aber trotzdem immer noch Platz für Späße und die kleinen Sorgen bleibt. Auch Kochen bekommt eine andere Bedeutung nach Verlust von Geschmack und Geruch. Es wird entscheidend, wie sich das Essen anfühlt. So probieren Michael und Susan in der Badewanne Seife und Rasierschaum. Es ist unerwartet, dass es so gut möglich ist, Sinnesverluste im Kino darzustellen. Man hat das Gefühl, hier die Grenzbereiche des Kinos kennen zu lernen. Selbst wenn der Regisseur David Mackenzie euch nicht schon seit Young Adam ein Begriff ist, dann spätesten nach Perfect Sense. Er kreiert mit diesem Film eine Vision, die man nur schwer wieder abschütteln kann.

Frankie

In Justin Time Timberlake rennt der Zeit hinterher

Du bist 25 und bäm – entweder wirst du noch hundert weitere Jahre leben können oder du stirbst schon während den nächsten 24 Stunden. Das ist nur davon abhängig, wie wohlhabend du an Zeit bist. Zeit kann man sich verdienen, man kann sie stehlen oder erben. Auf dem linken Arm sieht jeder permanent, wie viele Stunden ihm noch bleiben. Wenn ein Mittagessen 30 Minuten kostet, man aber nur noch einen Tag hat, dann kann das schon mal auf die Nerven schlagen. Deshalb rennen auch die Armen überall hin, während die Reichen gemütlich durchs Leben schlendern. So zumindest sieht die Welt in Zukunft für Drehbuchautor und Regisseur Andrew Niccol aus, der auch schon für die Truman Show das Drehbuch schrieb. Auch bei In Time ist die Welt, die er erschafft, durchdacht bis ins kleinste Detail. Will Salas (Justin Timberlake) kommt aus dem Ghetto und hat selten länger als einen Tag zu leben. Per Zufall landet er in der Welt der Reichen. Das typische Töchterchen Sylvia Weis (Amanda Seyfried) ist fasziniert von Will. Sie tun sich zusammen und kämpfen gemeinsam gegen das korrupte System.

Hört sich ein bisschen an wie eine Mischung aus Bonnie und Clyde und Robin Hood. Ist es auch. Das könnte unglaublich langweilig und öde enden. Dank Andrew Niccol und den Schauspielern tut es dies aber nicht. Ja, wer hätte es erwartet, aber Justin Timberlake beweist erneut, dass er das mit dem Schauspielern nicht schlecht hinbekommt. Auch Amanda Seyfried macht ihre Sache ganz gut. Natürlich sehen beide unglaublich gut aus in ihren Kostümen. Viele Miniröcke und viele Anzüge – eigentlich auch logisch. Denn für immer 25 bedeutet in dem Film auch, dass man für immer gut aussieht. Aber wer hat nicht Modelmaße mit 25? Viel beunruhigender finde ich den Gedanken, meinen Kontostand die ganze Zeit auf meinem Arm zu sehen. Die Zigarette eben hat mich fünf Cent gekostet. Das Bier bringt mich ins Minus. 50 Euro nach acht Stunden Arbeit. Diesen Gedanken vergesse ich aber schnell wieder, denn dank der Kameraführung von Roger Deakins bekommt der Film unglaublich Tempo. Deshalb macht es einfach nur Spaß, den Film zu gucken.

Frankie

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Kino

von Frankie

Straw Dogs - Wer Gewalt sät Thriller | 1.12.2011 | Rod Lurie David Sumner und Ehefrau Amy ziehen in die Nähe ihrer Heimatstadt im Süden der USA. Zunächst sind die Einheimischen äußerst freundlich. Es wäre aber kein Thriller, wenn sich diese Situation nicht langsam aber sicher ändern würde. Die Bewohner des Dorfes werden noch feindseliger gegenüber dem jungen Ehepaar, als David Niles bei sich aufnimmt. Niles hat im Affekt einen Mord begangen und ist auch sonst ziemlich zurückgeblieben. Deshalb sind alle im Dorf hinter Niles her. Logisch, dass nun auch das Leben für Amy und David immer gefährlicher wird. Straw Dogs ist ein Remake des gleichnamigen Films von 1971. Da war Dustin Hoffman in der Hauptrolle und spielte einen konfliktscheuen amerikanischen Mathematiker, der in ein kleines englisches Dorf zieht. Der Film hatte damals für einen Skandal gesorgt und konnte erst 2002 auf Video veröffentlicht werden. Hört sich doch ziemlich unterhaltend an. Auch wenn David Sumner nur Drehbuchautor und kein nerdiger Mathematiker ist.

Jane Eyre Romanze | 1.12.2011 | Cary Fukunga Jane Eyre hatte keine schöne Kindheit. Mit 18 möchte sie hinaus in die weite Welt. Die glaubt sie zu finden auf dem Anwesen Thornfield Hall, denn das ist ziemlich fett. Hier arbeitet sie nun als Gouvernante. Das scheint auch alles ganz gut zu gehen, bis sie ihren Arbeitgeber Edward Rochester kennengelernt. Der ist zwar ziemlich gefühlskalt, trotzdem fühlt Jane sich sehr zu ihm hingezogen. Und Edward auch zu ihr. Es wäre aber keine gute Geschichte, wenn nicht mindestens ein Haken an der Sache wär. Der edle Herr umwirbt nämlich zuerst mal eine andere, bis er dann seine Liebe zu Jane gesteht. Es könnte alles so einfach sein. Ist es aber nicht. Deshalb kommt auch noch ein dunkles Geheimnis ans Licht. Charlotte Bronte hat sich die Geschichte im 19.Jahrhundert ausgedacht und zu Papier gebracht. Das Buch Jane Eyre avancierte zum Klassiker dieser Zeit. Es gibt unzählige Theater- und Filmproduktionen, die von Cary Fukunga soll aber zu den besten gehören. Nicht zuletzt wegen Mia Wasikowska (Alice im Wunderland) in der Hauptrolle.

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Darkest Hour Science Fiction | 29.12.2011 | Chris Gorak Die Menschheit ist mal wieder von Außerirdischen bedroht. Diesmal ist die Schlacht nicht in Washington D.C., sondern in Moskau. Fünf Freunde machen gerade Urlaub in der russischen Metropole, als plötzlich überall der Strom ausfällt. Außerdem sind am Himmel merkwürdige Erscheinungen. Die Situation ist also sehr mysteriös. Es stellt sich dann heraus, dass es sich dabei um eine Alien-Invasion handelt. Schon nach ein paar Tagen ist die Einwohnerzahl der Millionenstadt um ein Vielfaches reduziert. Trotzdem hat die Menschheit noch eine Chance: Der Strom geht wieder, ausgelöst durch die Nähe der Außerirdischen. Die Gruppe wackerer Partyfreunde fasst den Entschluss, den Kampf anzutreten. Und das Ganze ist auch noch in 3D! Panik in 3D. Action in 3D. Stromprobleme in 3D. Moskau in 3D... Ich könnte so für immer weiter machen. Die Liste der Argumente, die für den Film sprechen, ist endlos.

The Help Drama | 08.12.2011 | Tate Taylor Jackson, Mississippi Anfang der 60er Jahre: Als die junge Skeeter (Emma Stone) nach dem College in ihre Heimatstadt zurückkehrt, träumt sie davon Schriftstellerin zu werden. So fasst sie den Entschluss, afro-amerikanische Frauen zu interviewen, die ihr Leben damit verbracht haben, sich als Hausmädchen um die Kinder der weißen Oberschicht zu kümmern. Doch damit verstößt Skeeter nicht nur gegen den guten Ton, sondern auch gegen das Gesetz, womit sie sich und alle, die ihr geheimes Projekt unterstützen, in Gefahr bringt. Dabei werden Skeeters Freundschaften aus Kindheitstagen auf eine harte Probe gestellt und auch die schwarze Gemeinde steht dem Projekt zunächst mehr als skeptisch gegenüber.

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The Black Power Mixtape 1967 - 1975

Die Schwarzen Mächte

Die 60er hatten es in sich. Vor allem die Themen in den USA klingen von Hollywood erdacht: Vietnamkrieg, Mondlandung, Woodstock, dazu die Ermordung von Malcom X, John F. Kennedy, Martin Luther King und anderen politisch wichtigen Personen. Nicht zu vergessen der Kalte Krieg mit der Kubakrise und der Berliner Mauer. Dagegen ist die heutige Immo- und Finanzkrise (noch) nur Kalter Kaffee. Nun erscheint die schwedische Dokumentation „The Black Power Mixtape 1967 - 1975“ in unseren Kinos. Die Doku hat alles, was eine anständige Geschichtsaufbereitung braucht: altes, authentisches Filmmaterial mit historischen Personen, eine große Anzahl bekannter Sprecher wie Talib Kweli, Erykah Badu, Harry Belafonte und Questlove, die sich an die Vergangenheit erinnern und wie sie erlebt haben oder dadurch beeinflusst wurden. Und das Beste: ein Thema, das nichts an Aktualität verloren hat. Passend zum Film ist gerade auch die Zeit, wo sich das Anwerbeabkommen zwischen

Deutschland und der Türkei zum 50. Mal jährt. Bei dem Abkommen ging es darum, Arbeitskräfte für einen limitierten Zeitraum nach Deutschland zu holen, was sich ja dann bekanntlich anders entwickelt hat.

schon Amerikaner. Die Abstammung muss aber noch dabei sein. Dass der Großteil der weißen Amerikaner aus Europa einwanderten und somit Euroamerikaner heißen müssten, ist aus weißer Sicht, völlig absurd.

Deutschtürken und Afroamerikaner. Vor einigen Jahren grübelte ich mit Freunden schon einmal, ob ein Vergleich zwischen den beiden Gruppen möglich ist. Semantisch sind beide Worte ein Traum. Der Deutsche, dessen Vorfahren aus der Türkei stammen, bleibt auch in dritter Generation Türke. Ob er jemals den „Status“ Deutscher schafft – ungewiss. Der Afroamerikaner ist immerhin

Gleich? Aber kann man die beiden Gruppen überhaupt vergleichen? Die Vorfahren der einen wurden vor über 400 Jahren gegen ihren Willen auf den amerikanischen Kontinent gebracht, die anderen kamen vor nicht mal 50 Jahren freiwillig nach Deutschland. Ich glaube, man kann. Ältere Generationen nicht, aber bei einem großen Teil der Jugend gibt es seit Jahren deutliche Parallelen. Und das an vielen Orten: in den Favelas, den Banlieues und unseren Ghetto Lights in Berlin, Frankfurt und Hamburg. Der wichtigste Faktor der Ähnlichkeiten ist wohl die Musik und der sie umgebende Lifestyle. Schaut man sich Hip-Hop-Videos von 50 Cent, Fler, Ying Yang Twins oder Bushido an, die Key Visuals sind gleich: dicke Autos, mindestens zwei Kampfhunde, der menschliche hat, wenn er obenrum etwas trägt, ein weißes Unterhemd an, und seine restlichen „Dogs“ hängen an irgendeiner Ecke oder Frau (aka Bitch). Muskeln und Tattoos dürfen genauso wenig fehlen wie die Gesichtseinstellung, geparkt zwischen Aggressivität und Arroganz. Aber Rap hat sich auch so lang gehalten, weil er flexibel ist. Von den Native Tongues bis zum Dreckigen Süden und Grime ist er schon einen weiten Weg gegangen. Das Wichtigste jedoch: Hat die Sparte auch als Partymusik begonnen, ist es doch seit Public Enemy zu einem mal mehr, mal weniger ernstzunehmenden Sprachrohr geworden. Die Frage,

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ob die anderen Länder den US-Rap einfach nur nachäffen, ist dabei nebensächlich. Wichtiger ist, wer sich damit identifiziert und warum. Viele US-Rapper sprechen die eigene Ausgrenzung an, die „Türken“* droschen, aber immer noch können Deutsche, die optisch nicht dem Bild der Deutsch-Deutschen entsprechen, andere Deutsche verblüffen, wenn sie auf ihren Satz „Du kannst aber gut deutsch“ die Antwort bekommen: „Du aber auch.“ Damit kommen wir zu einem wunden Punkt. Schwarze US-Bürger werden als Amerikaner gesehen. Nicht unbedingt gleichgestellt, aber immerhin als Bürger ihres Landes. Davon ist man in Deutschland noch mindestens 300 Jahre entfernt, bleibt man bei der US-Zeitrechnung. Umgekehrt sind schwarze US-Amerikaner oft stolz, US-Amerikaner zu sein. Das ist bei den heutigen „Türken“ nicht der Fall. Ich kann das besser nachvollziehen als den Patriotismus vieler Afroamerikaner. Wenn zwei Generationen vor dir das Eingliedern erfolglos versucht haben und du irgendwie immer noch als Gastarbeiter, nicht als Gast und schon gar nicht als gleichgestellter Bürger gesehen wirst – warum sollten dir die „die Deutschen“ wichtig sein? Dabei geht es nicht um Kriminalität, auch wenn das natürlich eine Folge ist. Es geht darum, dass man unter sich bleibt, eine eigene Sprache und insgesamt Subkultur entwickelt. Ghetto und Kiezsprache lassen grüßen.

Das größte Problem ist, dass Deutschland sich als gastfreundlich sieht. Diese Freundlichkeit definiert Deutschland aber anders als viele Staaten. Deutschland hat eine technokratische Gastfreundschaftlichkeit, keine herzliche. Soll heißen, der Staat nimmt Ausländer aus Krisenstaaten auf, es wird Geld gegeben, aber alles auf dem Papier, sehr anonym. Der private Bürger hat ansonsten mit Ausländern nur zu tun,

wenn man essen geht oder in ihr Land fährt. Kann man das überhaupt gastfreundlich nennen? Würde man so privat seine Gäste behandeln, würden sie wohl nicht häufig vorbeikommen. Lächerliche Beispiele sind die ewige Debatte, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist

www.tagblatt.de auf den Punkt: „Deutschland fehlt eine Willkommenskultur.“ Was als Fazit der Black-Power-Doku bleibt: Vergleicht man die heutigen USA mit den Verhältnissen von früher, sieht man eine große Entwicklung in der amerikanischen Gesellschaft.

„Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kamen Menschen.“ Max Frisch oder der Intellektuellen-Witz: Du darfst hier kostenlos gut ausgebildet werden, aber dann bloß nicht hier arbeiten und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Du bist ein Ausländer! Noch schlimmer ist es, wenn du auch noch woanders ausgebildet wurdest. Da hast du der deutschen Gesellschaft ja vorher nicht mal etwas gekostet. Faruk Ceran, Geschäftsführer eines deutsch-türkischen Selbständigenverbandes, brachte es bei

Natürlich ist es traurig, dass es überhaupt Fremdenangst, Unterdrückung usw. gibt, aber das Mittelalter haben wir in vielen Teilen unserer Welt hinter uns gelassen. Jetzt warte ich voller Hoffnung auf eine Doku über die Entwicklung der Türken und ihrer Nachkommen in Deutschland.

danilo *Die Anführungszeichen nutze ich ab jetzt für Deutsche,   deren Opi nun mal aus z.B. Anatolien kommt.

de.wikipedia.org/wiki/Anwerbeabkommen The Black Power Mixtape 1967 – 1975 Ein Dokumentarfilm von Göran Hugo Olsson Schweden / USA / Deutschland - 92 Minuten Kinostart: 14.12.2011 WWW.BLACKPOWERMIXTAPE.DE

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Neue Serien im alten Jahr Oktober und November sind eine große Freude für Serienliebhaber. Viele Sender werfen in dieser TV-freundlichen Zeit neue Produktionen auf den Markt und hoffen das Beste. Hier eine kleine Übersicht: von Von Yanah (Fazit), Frankie und Ronja

Terra Nova

Genre: Science-Fiction, Abenteuer, Dinosaurier-Drama TV-Sender: FOX Guckt sich wie: Primeval Wir schreiben das Jahr 2149. Die Menschen haben sich zügellos und ungebremst vermehrt. Umweltverschmutzung und verpestete Luft bedrohen die Menschheit. Die Erde steht vor dem Kollaps. Da entdecken ein paar findige Wissenschaftler einen Riss in der Zeit und ein paar Siedler, unter ihnen die Familie Shannon, werden 85 Mio. Jahre in der Zeit zurück geschickt. Die neu gegründete Kolonie Terra Nova soll die Menschheit vor ihrem Untergang retten. Dumm nur, dass im Urwald Dinosaurier leben und nicht alle Siedler Gutmenschen sind. In Deutschland hat ProSieben die Rechte an „Terra Nova“ erworben und die wird 2012 ausgestrahlt. Fazit: Popcorn-TV für die ganze Familie. Gut geeignet für einen kalten Winterabend, wenn man schon mehrere Glühweine intus hat und nicht mehr der Schlauste ist. Durchschnittliche Science-Fiction zum Gucken und danach wieder vergessen.

Last Man Standing

Genre: Sitcom TV-Sender: ABC Guckt sich wie: Hör mal, wer da hämmert Tim Allen („Hör mal, wer da hämmert“) kehrt zurück. In seiner neuen Serie spielt er wieder einen Familienvater. Diesmal ist er allerdings umzingelt von Frauen. Als Marketingchef einer Sportartikelfirma ist er ein harter Kerl. Zuhause muss er gegen seine Töchter und seine Frau die Männlichkeit behaupten und kämpft dabei gegen Windmühlen und Fettnäpfchen. In alter „Hör mal, wer da hämmert“-Manier greift „Last Man Standing“ ganz tief in die Klischee-Tüte. Fazit: Erinnert sehr stark an „Hör mal, wer da hämmert“. Reaktionäres Spaß-TV, welches nicht an sein „Vorbild“ heranreicht. Abwarten, wie es sich entwickelt.

Web-Therapy

Genre: Comedy TV-Sender: Showtime Guckt sich: am besten gar nicht Wozu eine Praxis eröffnen, wenn die Leute eh die ganze Zeit vorm Computer hängen? Dann lieber Psychotherapie per Chat. Das dachte sich wahrscheinlich Fiona Wallace (gespielt von Lisa Kudrow, die Phoebe/ Fiebi aus der Serie „Friends“), als sie Therapiestunden per Web-Cam anbot. Leider therapiert sie eher sich selbst und nicht Patienten. Die Serie wird seit 2008 auf der Videoplattform von L/Studios ausgestrahlt. Zu den Stargästen, die bisher auftraten, gehören beispielsweise Maryl Streep und Courtney Cox. Fazit: Soll angeblich lustig sein. Wir finden es schrecklich öde und haben nach 15 Minuten aufgegeben. Die Serie wird aber sicher ihre Fans finden, nur wir sind aus dem Spiel.

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The Secret Circle

Genre: Mystery, Fantasy TV-Sender: The CW Guckt sich wie: Vampire Diaries, Pretty Little Liars Nach dem tragischen Tod ihrer Mutter zieht Cassie Blake zu ihrer Oma in die Kleinstadt. Sie lebt sich schnell ein und findet Freunde. Doch dann erfährt sie, dass sie eine Hexe ist und mit ihrem Eintreffen der Hexen-Zirkel endlich komplett ist. Großes Gezauber steht an und das Enthüllen eines 16 Jahre alten Geheimnisses. Die Serie basiert auf der gleichnamigen Buchserie von L.J.Smith und stammt von den gleichen Regisseuren von „Vampire Diaries“ und „Angel-Jäger der Finsternis“. Fazit: Einfaches Teenierezept. Gutaussehende Jugendliche mit Zauberkräften kämpfen in knappen Klamotten gegen das – auch gutaussehende – Böse. Die blonde Schauspielerin wurde nicht wirklich gut gecastet, ihre Rolle ist komplett unglaubwürdig. Sie hat aber immer weitausgeschnittene Tops an und manchmal rennt sie sogar. Das überzeugt dann auch mich.

American Horror Story

TV-Sender: FX Guckt sich wie: Twin Peaks

Genre: Horror, Drama, Psycho-Thriller

Die Familie Harmon zieht von Boston nach LA, um ihr Leben neu zu ordnen. Doch auf dem wunderschönen, alten Haus lastet ein Fluch. Es spukt. Halluzinationen und Alpträume treiben die Familienmitglieder an den Rand des Wahnsinns. Ryan Murphy und Brad Falchuk („Glee“) beschreiben ihre neue Serie als absolutes Kontrastprogramm zu ihren bisherigen Arbeiten. Inspiriert von Filmen wie „The Shining“ und „Der Exorzist“ nimmt uns „American Horror Story“ mit in die menschlichen Abgründe. Fazit: Überdurchschnittlicher Serienstart inklusive arschgutem Intro! Testschauerin Yanah gruselte sich an manchen Stellen wirklich ernsthaft und sie ist manches gewohnt. Hin und wieder hatte man das Gefühl, die Macher der Serie meinten es zu gut mit Ideen und übertrieben es etwas mit den Effekten und den vielen Schnitten. Wahrscheinlich wird diese Serie aber trotzdem nicht der Quotenhit werden, da der gemeine Serienschauer eher gediegene Kost bevorzugt.

Grimm

Genre: Fantasy-Krimi, Cop-Serie TV-Sender: NBC Guckt sich wie: Fringe meets Buffy Polizist Nick Burkhardt ist ein direkter Nachfahre der Gebrüder Grimm. Und er sieht – nein, keine toten Menschen – er sieht Zwerge, Drachen, den bösen Wolf und all die fiesen Fabelwesen aus den bekannten Märchen. Glaubt es oder nicht, es gibt eine Parallelwelt, und einige ihre Bewohner wollen uns Menschen töten. Zum Glück gibt es Nick Burkhardt und seine Kumpels, die uns retten. Eine Serie von den Machern von „Buffy-im Bann der Dämonen“. Fazit: Die erste halbe Stunde war spannend und überraschend, leider endete der Spaß so weichgespült wie die Haare unserer Chefredakteurin. Keine Ahnung, warum das Ende vieler Dinge immer so scheiße ist, aber genug der Philosophie, denn die Macher von Buffy hatten ihre Hände im Spiel, also erwarte ich gefälligst noch etwas mehr.

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Once upon a time

Genre: Drama, Fiction, Mystery TV-Sender: ABC Studios Guckt sich wie: LOST Diese Serie soll das neue Lost sein. Der Vergleich kommt nicht von irgendwoher. Schließlich haben die Erfinder der Serie Adam Horowitz und Edward Kitsis jahrelang für Lost geschrieben. Auch der Plot von Once upon a time ist sehr fantasievoll. Emma Swan war 18, als sie ihren Sohn Henry zur Adoption freigegeben hat. Nach zehn Jahren sucht dieser sie auf und erklärt ihr, dass sie von einer anderen Welt stamme. Angeblich sei sie die Tochter von Schneewittchen und Prince Charming. Außerdem gibt es in seiner Heimatstadt Storybrooke kein Happy Ending, weil eine böse Hexe alle Märchenfiguren hat. Als Emma Swan den Jungen zurück nach Storybrooke begleitet, beginnt sie die Geschichte zu glauben und muss nun für eine bessere Zukunft für beide Welten kämpfen. Fazit: Bunt, skurril und liebevoll. Der Pilot macht Lust auf viel mehr. Die Story ist interessant anders als die ewig ausgelutschten Mysterieschinken. Ich freu mich auf die zweite Episode und bescheinige hiermit eine spannende Staffel. Vielleicht.

Hart of Dixie

Genre: Romantik TV-Sender: The CW Guckt sich wie: Gilmore Girls meets Grey‘s Anatomy Die junge New Yorker Ärztin Zoe Hart erbt in Alabama eine Praxis für Allgemeinmedizin. Eigentlich will sie natürlich die Großstadt nicht verlassen, bleibt dann aber doch im Süden. Rachel Bilson kennen die meisten noch aus O.C. California, wo sie die verwöhnte Summer spielte. Jetzt versucht die Schauspielerin sich also als Ärztin und muss sich wieder mit komplizierten Beziehungsproblemen auseinandersetzen. Die Macher der Gilmore Girls setzen hier wieder auf Altbewährtes. Fazit: Wer Summer in O.C. California mochte, wird auch diese Serie mögen. Nicht wirklich intellektuell, nicht richtig lustig, auch kein Drama und politisch erst recht nicht. Trotzdem eine schöne Mädchenserie, wenn es draußen kalt ist und man genug Wein und Kekse hat. Hart of Dixie gibt nichts vor, was es nicht ist und deshalb auch empfehlenswert.

The Fades

Genre: Fantasy/Horror TV-Sender: BBC 3 Guckt sich wie: Sanctuary, Torchwood Fades sind die Geister der Untoten, die eigentlich kein Mensch hören, riechen und sehen kann. Unerklärlicherweise kann das aber der 17-jährige Paul, der auch von apokalyptischen Träumen verfolgt wird. Weder sein bester Freund Mac noch seine Therapeutin können ihm dabei helfen, die los zu werden. Wenn das nicht schon genug wäre, muss er nun auch noch die Welt retten, als der Fade Polus einen Weg findet, wieder ein Mensch zu werden. Pauls Aufgabe ist es, Polus und alle anderen Untote zu stoppen. Die Serie wurde von Jack Thorne kreiert. Der ist auch schon für Skins und This is England ’86 verantwortlich gewesen. Fazit: Hach, immer diese britischen Serien… Ich kann mich nicht richtig mit ihnen anfreunden. Alles sieht immer etwas grau und hässlich aus. Andererseits liebe ich das britische Englisch sehr, vor allen Dingen die verschiedenen Arbeiterdialekte. The Fades ist nicht wirklich richtig spannend aber auch nicht richtig doof. Ich kann es nicht genauer erklären. Es lohnt sich auf jeden Fall, den Piloten anzuschauen und sich eine eigene Meinung zu bilden.

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Sex und Videogames

Die beiden schönsten Sachen der Welt vereint:

In den Neunzigern waren die beiden Lieblingshobbys von uns noch weitestgehend strikt getrennt. Ständig mussten wir uns entscheiden, ob wir lieber Sex haben oder uns auf die Couch setzen und eine Runde zocken. Oft eine sehr schwere Entscheidung. Heute ist das zum Glück anders, wir können einfach virtuell Sex haben, beziehungsweise unser Held hat ihn. Videospielemacher werden dabei immer mutiger, und immer mehr Hüllen fallen. Im folgenden Videospiele-Sexratgeber nennen wir euch die Titel, in denen es am meisten knistert und ihr die schönsten digitalen Brüste und Penisse sehen könnt. Phantasmagoria (1995)

Eher unbekannt ist der Titel Phantasmagoria, ein Spiel, welches für PC und MAC, aber auch für den Sega Saturn erschien. Damals dachte man, dass Interactive-Movie-Games die Zukunft der Videospiele wären. Das Prinzip ist, dass der Spieler eigentlich nur Videosequenzen präsentiert bekommt, welche von echten Schauspielern gespielt wurden. An bestimmten Stellen konnte man dann eingreifen und mitentscheiden, in welche Richtung der Film weitergeht. Das Resultat waren stinklangweilige Spiele, die talentfreies Schauspielern enthielten. Der grottenschlechte Trash hatte mit Phantasmagoria zumindest ein kleines Highlight in Form einer Sexszene. Wobei man auch hier keine Brüste sieht und der Sex nur angedeutet wird. Da der Mann der Hauptdarstellerin von einem Dämon besessen ist, entwickelt sich während des „Kleidung aneinander Reibens“ eine waschechte Vergewaltigung. Zumindest theoretisch, in der Praxis stellt sich das lediglich so dar, dass die beiden sich etwas wilder aneinander reiben. Heutzutage entlockt uns das nicht mal mehr ein müdes Lächeln, aber damals war das ein Schocker!

Fallout 2 (1998) Eine der wenigen Games-Perlen mit sexuellem Inhalt der Neunziger war Fallout 2 – zumindest was kommerzielle Videospiele angeht. In Fallout 2 konnte man mit so ziemlich allem Geschlechtsverkehr haben, Tiere mit eingeschlossen. Wählte man in dem Rollenspiel eine Frau als Charakter, durfte man sich sogar als Prostituierte ein paar Credits zum Heldendasein dazu verdienen. Bevor ihr jetzt aber sofort loszieht und versucht, das Spiel zu kaufen, sei angemerkt, dass ihr in der pixeligen Bitmap-Grafik nichts an Geschlechtsteilen präsentiert bekommt. Ihr könnt die Hose also wieder zu machen – zumindest vorerst, denn es kommen noch zünftigere Kaliber.

The Witcher 2 (2011) Monsterjäger Geralt ist nicht nur äußerst erfolgreich beim Erlegen von Ungetümen, auch Frauen legt er reihenweise flach. Zu seinen sexuellen Errungenschaften zählen leidenschaftliche Vampire ebenso wie unschuldige Mägde. Für manchen sexuellen Austausch müssen wir lediglich ein paar Münzen auf den Tisch legen, bei anspruchsvolleren Damen sogar diverse Quests meistern. Während im ersten Teil vor allem euer Kopfkino gefragt war, da ständig die besten Szenen von diversen Gegenständen im Bild verdeckt wurden, geht es im zweiten Teil schon deutlich expliziter zu.

Max Payne 2 (2003) Rockstar steht nicht nur für GTA und GTA-ähnliche Spiele wie Red Dead Redemption, 2001 veröffentlichten sie mit Max Payne einen der düstersten Charaktere der Videospielgeschichte überhaupt. Max Payne trat als Polizist des Drogendezernats den falschen Leuten auf die Füße und fand eines Abends seine Frau und sein Baby ermordet zuhause vor. Die Story brilliert durch eine sehr dichte Atmosphäre, die kein Tabus kennt. Getrieben von Rache erschießen wir jeden, der sich ins uns in den Weg stellt. Das heißt: fast jeden. Die Auftragskillerin Mona Sax erregt nicht nur Max‘ Aufmerksamkeit, von Beginn an kann man die knisternde Erotik zwischen den beiden spüren. Höhepunkt im zweiten Teil ist eine kleine Sexszene, leider unterbrochen von bösen Buben. Der unfreiwillige Coitus Interruptus wird in einer Comiczeichnung präsentiert, wir sehen kaum nackte Haut. Dennoch ist die Szene durch Stöhn-Geräusche ansprechend untermalt.

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Max Payne 2

Mass Effect 2

The Witcher 2

Fable 2 (2008) In Fable 2 könnt ihr euch nicht nur entscheiden, ob ihr lieber gut oder böse spielen wollt, sondern auch, ob ihr lieber hetero- oder homosexuell aktiv sein wollt. Oder wenn euch das noch zu konservativ ist, könnt ihr auch bisexuell alles mitnehmen, was sich anbietet. Treibt es mit so vielen Männern oder Frauen, wie ihr wollt, allerdings solltet ihr an die Verhütung denken. Wie im echten Leben können eure Partner schwanger werden, was aber noch schlimmer ist, ihr könnt euch auch üble Krankheiten einfangen. Die Folge ist dann, dass unzählige Fliegen um euch herumschwirren. Wenn dann noch jede Menge Bälger zu versorgen sind, fällt das Heldentum besonders schwer.

Mass Effect (2007) Mass Effect macht euch zur letzten Hoffnung der Galaxis. In dem Rollenspiel seid ihr der Anführer einer Spezialeinheit, bestehend aus verschiedenen Rassen. Ganz klar, dass das eine Menge erotisches Potential birgt, welches ihr nicht ungenutzt lassen solltet. Hier steht euch nicht nur die Möglichkeit offen, mit einem anderen menschlichen Crewmitglied zu pimpern, sondern endlich auch mit einem Alien Sex zu haben. Leider gibt sich Mass Effect noch ein wenig zugeknöpft, homosexuelle Interaktionen stehen nur dann offen, wenn ihr euch zu Beginn des Spiels für einen weiblichen Helden entscheidet. Die Sexszenen sind allerdings – wie der Rest des Spiels – sehr authentisch in Szene gesetzt. So sehr, dass beim ersten Teil der Reihe ein Aufschrei durch die Medien in den USA ging. Beim zweiten Teil war die Protestwelle schon gleich weniger hoch, obwohl die Szenen nicht weniger heiß sind als im Vorgänger.

Grand Theft Auto IV: The Lost and Damned (2009) In GTA-Spielen gibt es seit jeher Sex. Was nahe liegt, denn ihr übernehmt immer wieder die Kontrolle über einen smarten Ganoven, der auf dem Weg zur Nummer Eins der Gangsterwelt ist. Klar, dass diese Coolness Auswirkungen auf die Frauenwelt hat. Ihr erlebt den Sex dabei stets akustisch, da die Kamera nicht auf die Action schwenkt. Zumindest normalerweise nicht, denn der sogenannte „Hot Coffee“Modus in GTA: San Andreas ermöglichte euch, direkt Einfluss auf die Bewegungen eures Helden beim Sex zu nehmen. Wohlgemerkt, ihr seht dabei keine nackte Haut. Allerdings erhitzte dieser Modus (den man nur durch einen Cheatcode aktivieren konnte) damals sehr die Gemüter bei den prüden Amerikanern. Ein viel spannenderes Tabu wurde allerdings erst in GTA IV: The Lost and Damned gebrochen: In einer Szene sieht man einen Penis. Brüste sind mittlerweile selbst in Videospielen keine Seltenheit mehr, aber einen Penis komplett zu sehen, ohne das eine Vase oder sonstiges davor steht, das ist schon eine deutlicher Schritt nach vorne. Chapeau, Rockstar!

Heavy Rain (2010) Heavy Rain ist quasi die moderne Form der Interactive-Movies. Zum Glück spielt sich das Geschehen bei weitem nicht mehr so passiv ab wie damals in Phantasmagoria, allerdings reihen sich in dem Adventure nach wie vor viele vorgefertigte Cutscenes aneinander. In den spannenden Szenen müsst ihr aber immer wieder selbst zum Pad greifen und die richtigen Knöpfe zur richtigen Zeit drücken, heute nennt man das Quick Time Events. Das zieht euch mitten hinein ins Geschehen und lässt euch bei der Sexszene selbst den BH der Frau öffnen und für die Stimulation sorgen. Wie in echt, solltet ihr hier gefühlvoll vorgehen, sonst verscherzt ihr es euch nur allzu schnell mit der Lady. Ohne Zweifel kommt Heavy Rain in dieser Szene dem digitalen Sex sehr nah, allerdings erreicht es nicht die Intensität seines inoffiziellen Vorgängers.

Fahrenheit (2005) Das Adventure Fahrenheit wurde von Quantic Dream entwickelt, ebenso wie später Heavy Rain. Die Spielmechanik ähnelt sich in den beiden Games, allerdings schafft es Fahrenheit, eine sehr intensive Atmosphäre aufzubauen. Das gelingt Heavy Rain zwar auch, allerdings fühlt sich Fahrenheit noch ein gutes Stück dichter an. Wie später auch Heavy Rain, besteht Fahrenheit aus vielen Quick Time Events, in denen wir die Bewegungen der Spielfiguren mit den richtigen Tasten und Bewegungen situationsabhängig ausführen müssen. Erotischer Videospielhöhepunkt – im doppelten Sinne – ist eine leidenschaftliche Sexszene, in der ihr durch sanftes Hin- und Herschieben des Steuersticks dafür sorgt, dass eure virtuelle Freundin auf ihre Kosten kommt. Kein anderes Spiel vermittelt euch so sehr das Gefühl, digital Sex zu haben!

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Game Previews

von Pascal

Mario Kart 7 Rennspiel | 3DS | Nintendo | Dezember 2011 Zeit, dass die rasende Nintendo-Familie auch auf dem neuen Handheld der Japaner vorbeischaut beziehungsweise vorbeifährt. Mario Kart ist ein echter Klassiker und darf natürlich auf keiner Nintendo-Plattform fehlen. Einen echten Kracher kann die 3DS-Konsole auch gut gebrauchen, denn bislang ist der erfolgsverwöhnte Videospielehersteller alles andere als zufrieden mit den verkauften Einheiten. Erst kürzlich musste Nintendo den Preis des 3DS senken. Mario Kart 7 nutzt selbstverständlich die 3D-Fähigkeiten des 3DS und setzt auf das altbewährte Rezept aus Rennspaß und leicht zugänglichem Handling. Im Fun-Racer geben sich unzählige bekannte Nintendo-Charaktere die Ehre, mit dabei sind der dicke Klempner selbst, sein Bruder Luigi, Donkey Kong, Yoshi und viele mehr. Auf den 32 Rundkursen sammelt ihr verschiedene Power-Ups und setzt sie gegen eure Gegner ein, um diese von der Fahrbahn zu kegeln und euch den Sieg zu sichern. Das macht natürlich besonders viel Laune, wenn ihr gegen eure Freunde Rennen fahrt. Der Multiplayer-Modus ist wieder einmal das Highlight in Mario Kart.

Resident Evil Revelations Action-Adventure | 3DS | Capcom | Januar 2012 Und wenn wir gerade von Klassikern sprechen: Resident Evil ist der Dauerbrenner aus dem Hause Capcom. Die Horror-Action kann man quasi blind kaufen, und gerade die Teil Vier und Fünf waren genial inszenierte Games. Revelations setzt kurz nach den Ereignissen aus Resident Evil 5 an und schlägt geschichtlich die Brücke zum sicherlich bald angekündigten Resident Evil 6, welches wohl auf den Flaggschiff-Konsolen Xbox 360 und PlayStation 3 erscheinen wird. Resident Evil Revelations kommt exklusiv für den Nintendo 3DS auf den Markt und bislang gezeigtes Material macht einen überraschend guten Eindruck. Besonders in grafischer Hinsicht steht es dem großen Resident Evil 4 kaum nach. In der Haut von Jill Valentine kämpft ihr auf einem Schiff gegen unzählige Monster. Aus der Third-Person-Perspektive erlebt ihr eine weitere Geschichte voller Verschwörungstheorien um machtgeile, gewissenlose Unternehmen.

Resident Evil: Raccoon City Shooter | Xbox 360, PlayStation 3 | Capcom | Januar 2012 Und für alle, die von Resident Evil einfach nicht genug bekommen können, veröffentlicht Capcom auch gleich noch einen Teil für die Heimkonsolen. In Raccoon City geht es ein wenig serienuntypischer zu, denn anstatt einem Action-Adventure erwartet euch hier ein Shooter – der aber nicht weniger actiongeladen ist. Ihr werdet zurück in die Stadt geschickt, in der die Grusel-Reihe damals ihren Ursprung hatte. In Raccoon City gibt es noch echte Zombies, keine intelligent agierende Menschen, die von Parasiten manipuliert werden. Mit den Monstertypen aus den ersten Resident-Evil-Teilen hören die Retro-Gefühle aber auch schon auf, denn in den Gameplay-Videos, die bisher gezeigt wurden, erinnert das Spielgeschehen eher an Gears of War als Resident Evil. Der nervenaufreibende Grusel-Faktor ist einer schnellen BallerOrgie gewichen. Man darf gespannt sein, wie gut das in das Resident-Evil-Universum passt.

UFC Undisputed 3 Beat ‚em Up | Xbox 360, PlayStation 3 | THQ | Januar 2012 Männer, die sich raufen, auf dem Boden wälzen und dabei meist nur eine kurze Hose tragen, sind nicht mehr nur der Traum unserer homosexuellen Leserschaft. Nicht mehr, seit es UFC Undisputed gibt. Bereits zum dritten Mal schickt THQ die prügelfreudigen Kämpfer in den Ring, um sich gegenseitig die Fresse zu polieren. Am beliebten Spielprinzip ändert sich nicht allzu viel, ihr übernehmt die Kontrolle über einen professionellen Kickboxer und könnt auf ein großes Repertoire an Schlägen und Tritten zurückgreifen. Blindes Draufkloppen auf die Knöpfe führt dabei nur selten zum Erfolg, denn UFC Undisputed 3 setzt auf Realismus. Wenn ihr planlos drauf losstürmt, geht zuerst eure Ausdauer in die Knie, und kurz darauf ihr. Danach könnt ihr nur noch hilflos mitansehen, wie euch ein athletischer, nackter Bursche zu Boden drückt und sich stürmisch über euch beugt – um euch K.O. zu schlagen.

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Games Geflüster Neuigkeiten, Gerüchte und Fundstücke aus der Welt der Videospiele von Pascal

Call of Duty packt einen …manchmal auch an der Kehle Der Multiplayer-Modus ist ganz klar das Herzstück der aktuellen Call-of-Duty-Teile. In so manchem Match raubt einem die Action auf dem Bildschirm den Atem. In einem sich kürzlich zugetragenen Fall in England sogar nicht nur im übertragenen Sinne. Mark Bradford, ein 46 Jahre alter Familienvater widerfuhr das, was jeder Online-Shooter-Zocker kennt: er wurde ein ums andere Mal aufs Korn genommen. Mark starb unzählige virtuelle Tod. Offenbar hatte es ein Teenager besonders auf ihn abgesehen, der es sichtlich genoss, ihn abzuknallen, denn bei jedem Kill verhöhnte er den 46-jährigen. Was daraufhin geschah, war zunächst ebenso nicht ungewöhnlich: Mark tobte und verfluchte den halbstarken Bengel. Der Knabe muss es mit seinem Spott übertrieben haben, denn Mark war bald so sehr gereizt, dass er sich seinen Wagen setzte und zum Haus des Jungens fuhr. Dort angekommen, gelang es ihm sogar, sich Zutritt zu verschaffen und den talentierten Call-of-Duty-Zocker an der Gurgel zu packen. Zum Glück ging die Sache glimpflich aus und die Polizei nahm den Vater von drei Kindern vorübergehend fest. Er leidet wohl seit jeher an einer psychischen Erkrankung und hat deswegen derart überreagiert. Dieser Umstand dürfte sich strafmildernd im anstehenden Strafverfahren auswirken.

Wegen Nennung des Alters: Amazon auf eine Million Dollar verklagt Die Internet Movie Database (kurz: IMDb) ist die erste Anlaufstelle für Filmfreunde, die sich über die kleinen und großen Details zu ihren Lieblingsfilmen und -schauspielern informieren wollen. Dazu gehören Filmfehler, einprägsame Zitate, aber auch Infos zu den Schauspielern. Eigentlich ist es naheliegend, dass das ebenso Name und Geburtsdatum des Schauspielers umfasst. Eine amerikanische Darstellerin sah das wohl ein wenig anders und verklagte nun den Internetversandhändler Amazon als Eigentümer von IMDb auf rund eine Million Dollar, weil in der Datenbank ihr echter Name samt Alter zu finden ist. Durch Wissen ihres echten Alters könnten Produzenten sie von vornherein als Schauspielerin ablehnen, außerdem sei ihr asiatischer Name schwer für Amerikaner auszusprechen. Alles sehr plausible Gründe, warum ihr Amazon nun die Million bezahlen sollte, keine Frage. Da die gute Frau aber bislang durch absolute Unbekanntheit glänzte, darf man natürlich auch vermuten, dass die Klage nur ihr verzweifelter Versuch

ist, über diese „Abkürzung“ mit der Schauspielerei doch noch zu Ruhm und Geld zu kommen. Wir von SLEAZE respektieren natürlich die Privatsphäre von unwichtigen Menschen und nennen an dieser Stelle weder den Namen noch das Alter der Dame.

Zwei zum Preis von einem: Neuer Kopierschutz von EA hat Spyware-Qualitäten Auf ganz dünnem Eis (zumindest rechtlich) bewegt sich derzeit Electronic Arts. Der neue Kopierschutz mit dem coolen Namen Origin, der auf aktuellen PC-Titeln des Hauses werkelt, schaut sich die Umgebung, auf die er installiert wird, gerne mal ein wenig näher an. Findet er auf dem Rechner dann möglicherweise sogar illegale Software, kann er nach Hause Bericht erstatten – mitsamt gesammelten Daten über den Computer. Damit hat Electronic Arts ganze Arbeit geleistet und eine Spyware geschaffen, für die man sogar noch ordentlich Geld hinlegen muss. Die Schnüffeleigenschaften von Software sind heutzutage ja nichts Besonderes mehr, allerdings ist es schon dreist, wie offen EA in den AGB auf die Datenschutzrechte von Spieler scheißt. Diese Info macht in der Community jedenfalls gerade die Runde. Schlechtes Timing, gerade in Bezug auf den Shooter Battlefield 3. Als einer der ersten PC-Titel mit dem Origin-Kopierschutz bekommt der Shooter gerade die volle Packung Hass ab. So wird es wohl auch in diesem Jahr schwer, endlich den großen Konkurrenten Call of Duty zu schlagen.

PlayStation Vita: Launch am 22. Februar 2012 Sony hat das Datum bekannt gegeben, wann es den PSPNachfolger auch hierzulande zu kaufen gibt. Am 22. Februar 2012 dürfen sich Zocker die Hosentaschen-Konsole für 249 Euro zulegen. Dafür bekommt man allerdings nur die Wifi-Variante. Möchte man auch per UMTS immer und überall online gehen, werden 299 Euro fällig. Stolzer Preis, keine Frage. Allerdings sollen die Games durch eine außerordentlich starke Grafik brillieren, nahezu auf PlayStation-3-Niveau soll die Power des Handheld sein. Das ermöglicht zum Beispiel einen Ableger der ActionAdventure-Reihe Uncharted. Zum Japan-Launch, der schon am 17. Dezember 2011 erfolgt, sollen insgesamt 26 Titel verfügbar sein. Neben Uncharted: Golden Abyss unter anderem auch ein neuer Teil des Rennspiel-Klassikers Ridge Racer.

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in Zusammenarbeit mit

Die Abenteuer von Tim und Struppi von Daniel Wüllner

Der letzte Film, bei dem Steven Spielberg selbst Regie geführt hat, war Indiana Jones 4: Das Königreich des Kristallschädels. Zu gewollt, zu überdreht, zu shialabeouf war die Fortsetzung, mit der Spielberg versuchte, an seine Erfolge anzuknüpfen. Heute, fünf Jahre später, hat Spielberg einen neuen Indiana Jones gedreht, der ganz ohne Indy auskommt: Mit Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn entdeckt Spielberg seine Lust am Actionkino wieder und überträgt Hergés Figuren unbeschadet in die dritte Dimension. Bereits der Vorspann zeigt, warum sich das Warten gelohnt hat. Obwohl dieser Raum eigentlich nur für die Opening Credits, die Namen der Mitwirkenden, gedacht ist, nutzt Spielberg ihn gleichzeitig als Einführung in seinen Kosmos. Ebenso wie die Regisseure der James Bond-Filme in ihrem Intro nackte Frauen, Agenten und Pistolen in LSD-Farben vorbeiziehen lassen, spiegelt der Vorspann die Essenz des Filmes wider: Wir sehen einen animierten Tim, wie er den zweidimensionalen Raum verlässt, sich an der Original-Schrift aus den Comics vorbeischlängelt, plötzlich abbiegt und sich in der dritten Dimension wiederfindet. Dabei nimmt die Handlung keinen Schaden: Tim recherchiert, verfolgt und bringt den Bösewicht selbstverständlich hinter Schloss und Riegel. Die Handlung des Films haben Edgar Wright (Shaun of the Dead und Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt) und Joe Cornish (Attack the Block) aus drei verschiedenen Tim und Struppi-Alben zusammengebastelt: „Das Geheimnis der Einhorn“, „Der Schatz Rackhams des Roten“ und „Die Krabben mit den goldenen Scheren“. Wer eine werkgetreue

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Umsetzung erwartet, wird hier sicherlich enttäuscht, da Spielbergs Filme andere Anforderungen an die Geschwindigkeit der Handlung stellen als Hergés Comics. Die Entscheidung für eben diese Ausgaben hat Spielberg gemeinsam mit Produzent Peter Jackson (der im Falle eines Kassenerfolgs von Tim und Struppi beim zweiten Film Regie führen soll) getroffen, da den beiden Tintin-Fans das erste Zusammentreffen von Tim und Kapitän Haddock sehr am Herzen lag. Ein Entschluss, der bei aller Liebe zur neuesten 3D-Technik die Charaktere und ihre Beziehung zueinander nicht vernachlässigt. Es sind Tim und Struppi, die, mit dem Kapitän im Schlepptau, auf den Spuren des haddock‘schen Familiengeheimnis wandern. Dafür schwimmen sie im Ozean, verdursten beinahe in der Wüste und hetzen atemlos durch alle Gassen. Auch wenn aus den zweidimensionalen slapstickhaften Episoden eine dreidimensionale Verfolgungsjagd geworden ist, so bleiben Spielberg und Jackson der Entdeckerlust ihres Idols Hergé doch treu. Die Lust am Entdecken – die den Archäologen Dr. Jones so interessant machte – durchdringt jede Pore dieses Films. Angefangen bei der Haut der Schauspieler selbst: Der erste Trailer des Filmes ließ vermuten, dass die Figuren sich irgendwo zwischen Schauspieler und Animation bewegen. Die Angst, weder den Akteuren noch den Charakteren aus den Comics gerecht zu werden und aus der Fantasiewelt Hergés ein lebloses 3D-Gebilde zu erzeugen, war groß. Doch zum Glück bewegen sich die Figuren irgendwo zwischen Schauspieler und Animation. Mittels Performance-Capture-Technologie wurden ihre Bewegungen und auch ihre Mimik aufgezeichnet. Wir sehen zwar immer noch Jamie Bells (Billy Elliot- I Will Dance) Schauspielerei, doch auf seinem Gesicht liegt die computergenerierte Maske von Tim. Jeder Zuschauer und Tim und Struppi-Fan muss sich selbst die Frage stellen, ob er lieber Bells Gesicht anstelle von Tims gesehen

hätte, ob das Digitale die Fantasie zerstört oder ihr unter die Arme greift. Auch wenn es befremdlich wirkt, vergisst man diese Tatsache nach wenigen Minuten, und spätestens, als Kapitän Haddock auftaucht, denkt man gar nicht mehr daran, dass mit Andy Serkis auch Gollum und King Kong vor uns stehen. Dank der Technik und Serkis‘ schauspielerisch-akrobatischem Talent sieht man einen echten Haddock, mit all seinen Flüchen gewappnet und mit seiner Trinklust ausgerüstet. Die Beschimpfungssalven, die er abfeuert, sind genauso liebevoll inszeniert wie jede kleine Slapstickeinlage von Schulze und Schultze (Simon Pegg und Nick Frost), die den Comics direkt entliehen ist. Wie zwei neugierige Kinder entdecken Spielberg und Jackson die Möglichkeiten der dritten Dimension. Die Technik ist das entscheidene Bindeglied zwischen den beiden. Hat sich doch Spielberg für Jacksons oscarprämierten SpecialEffects-Experten Joe Letteri und dessen neuseeländische Firma Weta Digital entschieden. Dabei lobt Spielberg vor allem die Möglichkeit, neben der normalen Regisseur/ Schauspieler-Interaktion auch noch die Möglichkeit der virtuellen Kamera zu haben: So konnte er sich durch den „Green Room“ bewegen und die Figuren bereits während des Drehs aus der dritten Dimension beobachten. Dieses Verfahren merkt man dem Film an: Jede Tür, die aufgestoßen wird, jede Whiskyfahne, die ausgestoßen wird, schreibt sich glaubhaft in die dreidimensionale Leinwandwelt ein. Wie Tobias Kniebe zu Recht in der Süddeutschen Zeitung schreibt, ist das Digitale „die vorerst letzte Grenze des Kinos“. Es stellt sich aber nicht die Frage, wann die Computer endgültig die Macht übernehmen, da man vor dieser Grenze nicht einfach verharren kann. Es gilt sie auszuloten und zu übertreten. Den ersten Schritt haben Spielberg und Jackson getan.

Tritt man einen Schritt von der Leinwand zurück und betrachtet die Comics von Hergé, so steht der Gedanke des Auf- und Entdeckens im Zentrum aller Geschichten. Andere Länder gilt es zu erkunden und fremde Kulturen zu erleben. Auch wenn Hergés Ausflüge in die Ferne nicht immer ganz politisch korrekt gewesen sein mögen, so hat sich der Autor äußerst genau in die Ferne eingearbeitet. Deutlich wird das auch im Film: Die fiktive marokkanische Stadt Bagghar erblüht in all ihrer orientalischen Pracht. Die Tatsache, dass ihr arabischer Herrscher nicht unbedingt eine gute Figur abgibt, ist wohl eher ein unglücklicher Hinweis darauf, wie treu Spielberg Hergés Comics wirklich bleibt. Beinahe versöhnend tritt rettend die musikalische Untermalung von John Williams ein. In sein Noir-Universum, das nicht historisch bestimmt sein soll, setzt Spielberg die Figuren Hergés, damit sie sich austoben können. Die Charaktere leben ihre neu gefundene dreidimensionale Freiheit voll aus: Warum sollten sie nicht mit einem Motorrad durch ein Haus fahren, um dem Falken die Schatzkarte aus den Klauen zu entreißen? Warum sollte Ritter von Haddock nicht im Spektakel der Seeschlacht seinen kunstvollen Umgang mit der Klinge in alle Himmelsrichtungen verteilen? Genau an dieser Stelle paart sich die Comicverfilmung mit Spielbergs Faible für die atemlose Verfolgungsjagd – umgesetzt mit Hilfe seines langjährigen Cutters Michael Kahn (Jäger des verlorenen Schatzes, Der Soldat James Ryan) – zu einem hervorragenden Stück Actionkino. Im Gegensatz zu Shia LaBeouf nimmt man dem digitalen Bell/Tim jeden einzelnen Sprung ab und hält wie bei den „alten“ Indiana Jones-Filmen den Atem an, wenn Harrison Ford nur noch mit einer Hand an seiner Peitsche über dem Abgrund hängt. Auch wenn diese Peitsche heutzutage digital ist. Gelungener Transfer von Hergeś Figuren in die dritte Dimension – einfach gute Unterhaltung


Endlich! Tattoos aus‘m Schmalz als Buch! Vor fast einem Jahr haben wir schon mal die Foto-Reportage des Wiener Fotografen Klaus Pichler vorgestellt. Allerdings gab es sie zu diesem Zeitpunkt nur ausgestellt oder im Internet zu sehen. Die Fotohof edition hat die Großartigkeit dieser Arbeit erkannt und sie nun endlich als Buch herausgebracht. Über sieben Jahre hat Klaus Pichler sich mit dem Phänomen Gefängnistätowierung auseinandergesetzt. Eingesperrt und jede Bewegungsfreiheit verloren, sind ihre Tätowierungen für viele Insassen Versuch, Zeichen und Beweis dafür, weiter über sich und ihren Körper verfügen zu können, etwas, das ihnen niemand mehr nehmen kann. Erinnerungen in die eigene Haut geschrieben. Außerhalb der Mauern wurden die Hautbilder bis in die späten 80er verachtet und verurteilt und ihre Träger ein Leben lang als Kriminelle gebrandmarkt. Und machen wir uns nichts vor, auch wenn durch den Hype und die massenhafte Verbreitung von Tattoos in allen gesellschaftlichen Schichten die Grenzen schwimmender als noch vor 20 Jahren sind, Knast-Tattoos als gesellschaftlich anerkannt zu bezeichnen ist mehr als nur naiv. Unter diesem Umstand wird noch viel bemerkenswerter,

was für eine Recherche-Arbeit, aber vor allem wie viel Fingerspitzengefühl Klaus Pichler im Kontakt mit ehemaligen Häftlingen bewiesen haben muss. Um die 150 ehemaligen Insassen hat er porträtiert und viele von ihnen zu ihren Tätowierungen zu Wort kommen lassen. Mal mit einem Schmunzeln, mal tief berührt blättert man sich durch „Fürs Leben gezeichnet. Gefängnistätowierungen und ihre Träger“ und sieht nicht nur die Tätowierungen mit all den Wünschen, Hoffnungen und Schicksalen die in die Haut eingeschrieben wurden, sondern zumindest einen kleinen Einblick in den Menschen, den sie bis an ihr Lebensende begleiten werden. Zusätzlich erfährt man Wissenswertes über das Leben im Gefängnis und die speziellen Bedingungen, unter denen tätowiert wird.

Anna Motz

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„Fürs Leben gezeichnet. Gefängnistätowierungen und ihre Träger“ Oktober 2011, Fotohof edition, Salzburg. 184 Seiten, 149 Abbildungen. Fotos von Klaus Pichler, Texte von Klaus Pichler, Michael Grimmvund, Eva Brunner, Grafische Gestaltung von Peter Hochpöchler. Preis: € 29,-

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BUCHNEUHEITEN VON PANINI

32-23 ISBN 978-3-83

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Der erste Roman zum VideogameBestseller präsentiert exklusiv die Vorgeschichte.

© 2002–2010 Take-Two Interactive Software, Inc. BioShock and the BioShock logo are trademarks of Take-Two Interactive Software, Inc. All rights reserved.

Das Blut der Nibelungen Magie, Drachen, schöne Frauen ... und Zombies. Die größte Deutsche Heldensage wie sie wirklich war.

Von Bernd Frenz (S.T.A.L.K.E.R., Die Blutork-Trilogie) Das Blut der Nibelungen 320 Seiten, w 12,95 ISBN 978-3-8332-2255-9

Die Abenteuer von

Mark Twains JugendbuchKlassiker in einer erfrischenden Neuinterpretation Tot, aber endlich frei! Huck Finn und sein bester Freund, der Zombie Jim, haben den Anker gelichtet und sind auf dem Weg in neue Abenteuer! Die Abenteuer von Huckleberry Finn und Zombie Jim 288 Seiten, w12,95, ISBN 978-3-8332-2331-0

Im Buchhandel erhältlich! Weitere Titel und Infos auf www.paninicomics.de 44

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Bike Art Fahrräder sind die wohl angesagtesten Fortbewegungsmittel zurzeit. Kein Wunder, dass sich jetzt auch Bildbände mit dem Zweirad beschäftigen. Das Buch Bike Art ist eines davon. Ja, wir wissen es alle. Der Klimawandel ist in vollem Gange und wir müssen die Welt retten. Spätestens seit Leonardo DiCaprio und George Clooney sich für unsere Mutter Erde einsetzen und möglichst auf ein Auto verzichten, ist das Fahrrad wieder schwer am kommen. Wer sich für einen bewusst lebenden und intelligenten Menschen hält, der wird wohl schon seit einiger Zeit das Auto in der Garage lassen und sich jeden Morgen gepflegt auf den Sattel schwingen, um ins Büro zu radeln. Kein Wunder also, dass das Fahrrad als Designobjekt Einzug in unser Leben findet. Aber ein Radfahrer ist nicht zwingend der Ökofreak auf zwei Rädern. Ob Fixiebike, klappriges Damenrad von Oma oder BMX – Fahrräder sind mittlerweile oft eine weitere Möglichkeit geworden, seiner eigenen Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen. Hier können wir ziemlich einfach mit unserem fahrbaren Untersatz unsere persönliche Lebensweise und Einstellung bekunden. Da ist es nicht weit hergeholt, dass die Fahrräder ebenfalls Einzug in die Kunst haben. Auf Stadtwänden, Plakaten und Fotos sind sie nicht mehr weg zu denken. In Bike Art werden verschiedene Künstler und ihre Werke vorgestellt. Die Künstler sind meist noch sehr jung und zeigen Fahrräder beziehungsweise Fahrradfahrer aus der ganzen Welt. Das machen sie auch ziemlich gut, denn die Werke sind nicht nur in der Szene bekannt. Selbst Kunstbanausen begegnet häufiger ein Bild im Buch, das man doch schon irgendwo gesehen hat. Willst du Mitreden können über Fahrradkunst, dann ist Bike Art definitiv ziemlich hilfreich. Aber auch sonst macht es Spaß, durch das Buch zu blättern und die verschiedenen Stile der Künstler zu betrachten und zu bestaunen.


Pussy auf Schmusekurs

Nach den Big Books der Brüste, Ärsche, Beine und Penisse nun endlich die Kirsche auf der Sahnetorte der Geschlechtsteile und erogenen Zonen. The Big Book of Pussy zeigt, was bis heute für Scham (ahahaha), Erröten und peinlich berührte Abneigungsbekundungen sorgt. Bislang überwiegend in der Pornobranche und in ganz seltenen Fällen auch mal in der Kunst so offen gezeigt, ist das Thema dank des Taschen Verlags zumindest ein bisschen dem Image des Ungezogenen, Dreckigen, Anstößigen entstiegen. Der Damen bestes Stück wird mit einer fröhlichen Lässigkeit gezeigt, die man für gewöhnlich vermisst, sobald es um das Thema Mumu, Pflaume, Möse, etc. geht. Und auch bei uns in der Redaktion waren die Reaktionen, trotz der großen Aufregung und Hysterie im Vorfeld, verhalten. Das sei eklig, und schön fände man das nicht, waren die üblichen Aussagen. Wie viel von uns sich dann doch wünschten, mal mit dem 372 Seiten starken Werk mit über 400 Fotos allein zu sein, oder wer es sich nach der Betrachtung dann doch auf einer unserer Bürotoiletten besorgt hat – wir werden es nie erfahren. Allerdings bleibt The Big Book of Pussy nicht auf dem Niveau einer Blitz Illu stehen, sondern versucht vielmehr die Geschichte und Bedeutung weiblicher Muschis in den verschiedenen Kulturen dieser Welt zu vermitteln. Ohne dabei zu einer kulturwissenschaftlichen Analyse im Rahmen einer Feminismus-Theorie zu werden. So zeigt uns unter anderem Terry Richardson sein Lieblings-Pussy-Bild, es gibt ein Interview mit dem legendären Autorenfilmer Pussyman und der Vaginakünstlerin (Ich habe mein Berufsfeld offensichtlich verfehlt) Mouse zu lesen. Also doch eher ein pornografischer Bildband auf der Basis einer historisch und soziokulturell fundierten Recherche zum Thema Vulva. Heißt: Du kannst was lernen dabei, musst aber nicht. The Big Book of Pussy Taschen Verlag Hardcover, 30 x 30 cm, 372 Seiten, € 39,99

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B 端 c h e r

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Mit einem lachenden und einem weinenden Auge Das Künstlerduo Herakut besticht bereits seit 2004 mit inspirierenden Bildern. Mittlerweile sind ihre Werke nicht mehr nur auf Fassaden zu sehen, sondern auch in internationalen Galerien und Auktionshäusern. AFTER THE LAUGHTER – The 2nd Book Of Herakut zeigt ihre Geschichte von 2009 - 2011. Herakut, das sind die zwei Künstler Hera und Akut. Beide kommen aus Deutschland und sind seit 2004 gemeinsam unterwegs. Dass die beiden sich zusammen getan haben ist ein Glück für die gesamte Kunstwelt und wohl auch für die beiden. Denn mittlerweile sind internationale Auktionshäuser und Galerien auf die beiden aufmerksam geworden und verkaufen ihre Werke bestimmt für eine fette Stange Geld. Es ist also nur ein logischer Schritt, dass auch Bücher zu ihrem Werk erscheinen. AFTER THE LAUGHER ist bereits das zweite Buch von ihnen. Der Titel hört sich im ersten Moment positiv an, doch wer

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das Lied von Wendy Rene (oder zumindest die gesampelte Version vom Wu-Tang Clan) kennt, weiß, die Tränen sind nicht fern. Und so sind die Illustrationen meist sehr bedrückend und melancholisch. Sie wirken fast schon verletzlich und ziemlich realistisch. Das liegt nicht zuletzt an der speziellen Technik, wie Herakut arbeiten. Es ist ein Zusammenwirken aus dem detaillierten Realismus und den skizzenartigen Figuren, die eine zusätzliche Spannung in die Illustrationen bringen. Mittlerweile machen Herakut nicht nur Graffitis und Gemälde, sondern versuchen sich auch in Skulpturen

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und Analogfotografie. Auch hier kommt immer wieder ihr Talent zum Ausdruck, Melancholie und Zerbrechlichkeit auf eine sehr ästhetische Art und Weise einzufangen. Das Buch AFTER THE LAUGHTER lebt von der Stimmung, die Herakut in ihren Werken erzeugt. So wurde auch das gesamte Layout von den Künstlern von Hand gemacht. Man merkt, dass Herakut auch in dieses Buch sehr viel Liebe gesteckt haben. Es ist zwar kein Buch, bei dem man laut loslacht. Aber definitiv eines, dass uns wieder zeigt, dass nichts perfekt sein muss um zu gefallen.

Zeiten!


Promotion

Dieses Jahr zu Weihnachten: Digitalsüßes statt Analogkäse Weihnachtskalender mit ihrem Schokosüßkram sind nicht wirklich etwas für gestandene Mannsbilder. Da waren sich die Kerle unserer Redaktion einig. AXE erbarmte sich der Männerwelt und schickt Sarah Brandner als Adventsengel in die Weihnachtszeit. Die Blondine versteckt sich hinter 24 Türen und macht private Dinge. Was genau sie da tut…sie wartet darauf, beschenkt zu werden. Auf www.axe.de kann man Ideen vorschlagen, was sie anstellen soll, wenn die Türen geöffnet werden. Wir sind uns sicher, dass den Herren der Schöpfung da etwas Kreatives einfällt. Der männliche Teil der SLEAZE-Redaktion hat sich jedenfalls überschlagen mit, sagen wir, interessanten Vorschlägen. Es fielen Begriffe wie Schlagsahne, Polizeiuniform, Perücke und Spaß in Tüten. Ob die Vorschläge alle so jugendfrei werden, nun…es ist Weihnachten. Wünschen darf man sich eine Menge. Und ob der Weihnachtsmann errötet, fällt bei seiner Kutte eh nicht mehr auf. Was letztendlich von Sarah umgesetzt wird, das entscheidet die Community mit ihren Likes. Seit dem 27. November kann man seine Ideen posten und zur Abstimmung geben. Die Idee des Tages wird dann filmisch umgesetzt und hinter einem der Kalendertürchen platziert. Der Name des Advent-Mitarbeiters des Tages wird in den Clip eingebaut. Es heißt also, nicht nur kreativ zu sein, sondern auch einen Vorschlag zu finden, der mehrheitsfähig ist – und zu dem man mit seinem Namen stehen kann.

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nst u k s n Lebe

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Grafikerplatz

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S N E B E L NST KU st n u k s Leben


Grafikerplatz Die Medienlandschaft verändert sich und kurzlebige Wohnungs-, Auto- und Party-Dates wandern in das flexiblere Internet ab. Anders sieht es bei hochwertigen Grafiken und Layouts aus. Daran wird – vorerst – selbst Apples Tablet-Version nichts ändern. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich die Haptik (und vielleicht sogar das Material) der technischen Spielzeuge dem jeweiligen Inhalt anpassen, sind Grafiker auf analoge Flächen angewiesen, um ihre Kunst angemessen zu präsentieren. Wir stellen deshalb immer wieder einem Künstler unserer Wahl eine Doppelseite auf dem Grafiker-Platz zur Verfügung. Bis auf kleine Einschränkungen wie z. B. rechte Dummheitsbekundungen ist der Künstler völlig frei. Bei Interesse können weitere Künstler über danilo@sleazemag.de gern mit uns Kontakt aufnehmen.

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Grafikerplatz

Erdacht & kuratiert von: Alain Bieber, rebelart.net Gestaltet & gedruckt von: Andreas Ullrich & Matthias M端ller, wildsmile.de

Mr Talion, Deutschland: www.flickr.com/photos/31192713@N03

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Various & Gould, Deutschland: www.grobgrafik.de


OX, Frankreich: postertime.blogspot.com

Harmen de Hoop, Niederlande: www.harmendehoop.com

aus: lolstreetart #1: PORN 2012 Kalender - limited edition (666 pcs.) Preis ist 19,90 Euro inkl. Versand! (Format: 29,7 x 42 cm) www.stickermag.com/lolstreetart-1-porn-2012/

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K u n s t p r e i s

Interdisziplinarität ist nicht nur ein schwer auszusprechendes Wort, sondern auch eine gute Sache. Alles sinnvoll verzahnt, um aus 1 + 1 mindestens 3 zu machen. Auch in die Kunst zieht diese Weisheit immer mehr ein und in Köln ist man mit der Kunstmesse BLOOOM auf einem guten Weg, diese als Plattform mit interdisziplinärem Ansatz zu etablieren. Zum zweiten Mal bewies der BLOOOM Award vom 29.10. – 1.11.2011, dass sich Kunst nicht auf eine Ausdrucksform beschränken muss. SLEAZE unterstützte wieder mit Begeisterung die „Creative Industries Art Show“. Mit rund 60 internationalen Ausstellern aus den Bereichen Kunst, Design,

Musik, Mode, Literatur, Film, Rundfunk, Architektur, Presse, Werbung, Software und Games zeigten Galerien, die nicht älter als fünf Jahre existieren, Werke von Künstlern, die die Schnittstelle zwischen bildender und darstellender Kunst neu definieren. Höhepunkt war die Verleihung des BLOOOM Award by Warsteiner, für den sich jeder ab 18 Jahre mit einer Arbeit und einem Medium seiner Wahl bewerben konnte. Zusätzlich gab es dieses Mal bereits eine Erweiterung über die Landesgrenzen hinaus mit dem „Dutch Winner“.

alle Fotos © Warsteiner

BLOOOM Award by Warsteiner 2011. Wir waren dabei.

WWW.BLOOOM.DE

1.

2.

Einen verdienten 1. Platz konnte Lukas Franciszkiewicz mit nach Hause nehmen. In „beta“ wird ein Runterbrechen unserer Social-Media-Aktionen stilisiert. Auf Platz 2 schaffte es Katrin Rodegast mit „Soft Cover“. Ihre Arbeit verknüpft im wahrsten Sinne des Wortes Computertechnologie mit Quiltkunst.

3.

Benedict Braun gewann mit seiner Arbeit „Jackpot“ den 3. Platz. Zwei Schuttförderbänder transportieren 50.000 Münzen in einem ewigen Zyklus. Das sprichwörtliche „Zerrinnen des Geldes zwischen den Fingern“ kann der Betrachter damit live miterleben.

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Dutch Winner

Unter 130 niederländischen Einsendungen wurde Alex Winters mit „Ride the Drawing Utensil“ ausgewählt. Er präsentierte ein Fahrrad mit Reifen aus Graphit, das beim Fahren Grafiken hinterlässt.


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Band plus Schall und Rauch

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Ein Leben für den Rock‘n‘Roll

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Servus Telekommander

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Coco trifft...

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Ein Herz für Haie

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Musik

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Band plus Schall und Rausch zu ersteigern!

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Stefan Krogmann, Sänger der Band Krogmann, gibt sich inklusive Band zum zweiten Mal zur Auktion frei. Am 6.12. gehen die Herren bei Ebay online, am 15.12. ist Auktionsende und am 17.12. gibt es dann „Schall und Rausch“ bei X zuhause, im Schlafzimmer, im Club oder wo auch immer. SLEAZE hat vorab mit dem Musiker gesprochen... Was hatte es mit der Ebay-Auktion „Wir mit BIER bei DIR“ auf sich und was steht als Nächstes an?

Wenn du eure Musik in einem Satz beschreiben müsstest...

Vor etwa acht Jahren gab es eine Auktion bei Ebay, wo sich sechs Mädels mit einem Kasten Bier versteigert haben, was dann total durch die Medien ging. Die Überlegung, nur die Band bei Ebay zu versteigern fanden wir langweilig, genau wie Bier für sich allein. Daher die Frage: Warum das nicht zusammenpacken und dem Gewinner der Auktion einen fulminanten Abend bescheren mit Livemusik und dem entsprechenden Gerstensaft-Getränk. Da braucht man nicht viel mehr als seine Freunde einzuladen und seine Wohnung oder einen Club bereitzustellen. Am 6.12., also pünktlich zu Nikolaus, startet dann die nächste Auktion namens „Schall und Rausch“, wieder mit Support von BIER-Bier...Alle Infos dazu gibt‘s unter www.einfachkrogmann.de.

...da gibt es einen markanten Satz auf der Homepage: Melodien und Texte voller Zuversicht mit einem Hauch Melancholie. Im Prinzip drehen sich die Texte um die eigene Wahrnehmung gepaart mit der Einstellung, dass alles im Leben Sinn macht und zur richtigen Zeit passiert.

Auf eurer Homepage heißt es, dass du früher mal Drum & Bass aufgelegt hast und bei verschiedenen Elektronika-Projekten mitgewirkt hast. Wie kam es zu dem (musikalischen) Sinneswandel? Das ist eigentlich ganz simpel zu erklären: Musik hat mich schon immer im Ganzen interessiert und dass ich Drum & Bass aufgelegt habe, ist schon über zehn Jahre her. Aber das Herz schlägt nach wie vor für elektronische Musik, ich mache ja auch mit ein paar Freunden zusammen ein Musiklabel. Meine Stimme habe ich schon ganz früh benutzt und zwar im Chor in der Grundschule, das habe ich dann ad acta gepackt, aber irgendwann bei den elektronischen Projekten wieder gesungen – unter anderem bei einem Elektropop-Projekt namens Spontin Sisters. Unser Label Voltage Musique gibt es seit fast zehn Jahren und mit einem der Mitgründer, Andreas Henneberg, der auch ein relativ bekannter Produzent ist, habe ich immer mal wieder im Studio gesessen und Tracks aufgenommen. Dann habe ich angefangen, nebenbei Gedichte zu schreiben und mal eines mit ins Studio gebracht und Andreas gefragt, ob er nicht ein Arrangement dazu bauen könne. Das hat er gemacht und das hat eins zu eins zusammengepasst und war dann auch der Startschuss für Krogmann. Daraus ist dann nach und nach das erste Album entstanden. Siehst du dich als Kopf der Band? Das ist schon richtig. Krogmann ist der Mädchenname meiner Mutter, den ich für dieses Projekt als Alter Ego gewählt habe, da ich einen persönlichen Bezug zu dem Namen haben wollte. Unsere Texte sind deutsch und wir sind ein deutschsprachiges Musikprojekt, daher sollte der Name auch deutsch klingen.

Was findest du momentan spannend speziell auf dem elektronischen Musikmarkt? Was ich spannend finde, ist, dass die Melodie in die elektronische Musik zurückkehrt. Es war ja alles sehr reduziert auf diesem Minimal-Level, aber man merkt, dass Deep House wieder im Kommen ist und dass die Leute die Melodie zurück auf dem Dancefloor wollen – und das finde ich gut. Was ich außerdem ganz interessant finde momentan, ist diese Bewegung, wenn du jetzt Casper nimmst oder Cäthe, was vordergründig deutschsprachiger Hip Hop bzw. Pop ist, aber im Hintergrund dreckig produziert. Du hast die klassische Bandformation, aber merkst, dass da doch viel im Hintergrund passiert. Einflüsse wie von Robot Koch, der zurzeit sehr viele Remixe produziert, was dann in die Richtung Dubstep oder auch „Glitch Hop“ geht. Momentan bastelt ihr an eurem neuen Album, was pünktlich zum Weltkindertag am 1.6.2012 erscheinen soll. Was gab es davor schon und wie geht es weiter? Bei dem ersten Album „Weltmusik“, gab es die Band noch nicht, das ist in Eigenregie passiert, nur mit dem Produzenten und mir. Dann gab es die Akustik-EP, die auf dem Hintergrund basiert, dass ich zu diesem Zeitpunkt Klixx, den Gitarristen, kennengelernt habe. Zusammen haben wir Butsch, den Schlagzeuger, und Steffen am Bass dazu gewonnen und in der Formation gibt es uns seit etwa einem Jahr. Der Anspruch fürs neue Album besteht darin, sich nicht auf einer Stilrichtung festzubeißen, sondern eine breite Range zu produzieren, je nach Gemütslage. Auf dem neuen Album wird es daher jazzige Nummern geben genau wie rockige und auch Elektronika-Einflüsse. Der Arbeitstitel lautet erstmal schlicht und einfach „Kind mit Bart“. (lacht) „Billig Will Ich“ – an wen richtet sich dieses Lied? („Billig will ich, und das zum halben Preis 20 Prozent auf alles – was soll der Geiz? Ich bin doch nicht blöd. Wir hassen teuer. Konsum für fast nichts – runter mit der Märchensteuer“)

Das Lied konkret richtet sich an jeden einzelnen Menschen, der Teil unserer Konsumgesellschaft ist, also auch an mich selbst. Ich gehe da jetzt nicht mit dem Zeigefinger her und deute auf die anderen, sondern bin mir schon dessen bewusst, dass ich auch Teil dessen bin. Man muss dazu sagen, dass ich das Lied unmittelbar in einer Zeit geschrieben habe, in der ich das Fach Mikroökonomie an der Uni hatte. Das war meine direkte Inspiration und ich habe die ganzen Fachbegriffe zum Anlass genommen und in einen lustigen, aber dennoch konsumkritischen Kontext gepackt. Du bist einer der Geschäftsführer von Voltage Musique Records, euer Motto lautet „Fantastique Musique For Fantastique People“. Was muss ein Künstler besitzen, um euch zu begeistern? Er sollte Musik machen, die die Leute berührt, die einen gewissen Groove hat für den Floor, denn es ist ja hauptsächlich Clubmusik, die bei uns veröffentlicht wird. Idealerweise sollten die Acts auch persönlich zu uns passen und aus dem engeren Umfeld kommen. Wir sind vier Leute, die das Label machen und haben einen kleinen Artist Pool und machen alle auch selber Musik mit verschiedenen Projekten. Bewerbungen sind immer gerne gesehen. In einem eurer Songs heißt es: „Entschleunige dich und lass dir etwas Zeit. Ein paar Dinge können warten. Die Anderen wissen Bescheid. Du brauchst jetzt mal ne Pause. Denn eins ist klar. Wenn Du so weiter machst, dann geht’s bald ab ins Grab.“ Was tust du für deine eigene „Entschleunigung“? Ich reduziere mich mittlerweile mehr auf das kreative Dasein. Eine ganze Zeit lang hatte ich ein echt straffes Programm, sprich einen regulären Vollzeitjob, nebenbei habe ich studiert und dazu kam noch das Musikprojekt und die Labelkoordination. Jetzt arbeite ich nur noch vier Tage die Woche und genieße die Zeit, die ich habe, um mit der Band Musik zu machen oder die anderen Projekte voranzutreiben. Von dem Song gibt es auch zwei Versionen, zum einen die auf dem Album, die mit einem 2-stepBeat unterlegt ist und dann gibt es noch eine aktuellere Version, die auf dem neuen Album drauf sein wird und die konträr zu dem Thema des „Herunterfahrens“ ganz stark nach vorne geht.

Katharina www.einfachkrogmann.de

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Ein Leben für den Rock‘n‘Roll

Auf seinem ersten Konzert war er mit 15 Jahren. Mittlerweile fotografiert er alle großen Musiker und im Speziellen deren Schuhwerk. Für Beth Dito von The Gossip ist er seitdem „Mr. Dancing Shoes“. Außerdem besitzt er – so formuliert es der Spiegel – ein „Herz für Nackte“. Er liebt es, Fußballfans zu fotografieren, hat aber bundesweit Stadionverbot. Die Rede ist von dem Fotografen Gerrit Starczewski. Seine Ausstellung „Es ist alles Rock’N’Roll“ in der GIM Galerie im Medienhaven, Bremen, läuft noch bis zum 31.1.2012. Gerrit, wann hast du die Leidenschaft für Fotografie entdeckt? Ich wollte schon als kleines Kind Fotograf werden und habe schon ganz früh für mich erkannt, dass ich in der Fotografie aufblühe und dass es die Fotografie ist, die mich erfüllt und glücklich macht. In erster Linie habe ich immer für mich fotografiert und das mache ich heute immer noch. Wenn meine Erinnerungen und meine Momente anderen gefallen, dann ist das etwas sehr Schönes. Mit 25 Jahren genauso wie vor 15 Jahren, als ich angefangen habe zu fotografieren. Dass ich die Leidenschaft für die Fotografie in mir habe und lebe, ist Fluch und Segen zugleich.

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Gab es da eine Art Schlüsselerlebnis? Meine allererste Kamera habe ich mit sieben Jahren bekommen, die besitze ich auch heute noch. Es ist eine ganz einfache Pocketkamera, die mir meine Mutter geschenkt hat. Grund dafür war ein Besuch beim Augenarzt, da ich schon in jungen Jahren eine Brille tragen musste, weil ich schiele. Der Augenarzt meinte damals zu meiner Mutter: „Ihr Junge hat nicht nur einen Knick in der Pupille, sondern bei dem ist auch oben nicht alles so ganz in Ordnung.“ Darüber hat sich meine Mutter total echauffiert und kam dann auf die Idee, mir besagte Kamera zu kaufen. Ich sollte mich ausleben und zeigen, was wirklich in mir stecken würde. Du sagst von dir, dass du dich nicht als Künstler siehst? Weshalb ist das so? Wir leben heute in einem Zeitalter, in dem jeder hip, schrill und „Wannabe“ sein will, d.h. jeder Zweite legt Platten auf oder fotografiert und sieht sich selber dann gleich als ach so kreativen Menschen. Daher bezeichne ich mich bewusst

nicht als Künstler. Ich bin einfach Gerrit. Gerrit, der gerne fotografiert. Wenn man etwas mit Herz und Seele macht, eine Leidenschaft besitzt, für das, was man tut, dann hat man damit auch Erfolg. Da bin ich ganz fest davon überzeugt. „Es ist alles Rock’N’Roll“, so der Titel deiner aktuellen Ausstellung. Rock’n’Roll– was bedeutet das für dich? Schon als kleines Kind hieß das für mich, dass ich viel von der Welt sehen und vielen Menschen begegnen möchte – was insgeheim jeder gerne machen würde. Aber viele Leute trauen sich nicht, weil ihnen einfach der Mut fehlt. Egal ob Fußballbilder, Landschaften oder Menschen – ich bin viel unterwegs, fotografiere gerne, bin neugierig. Das ist alles Rock’n’Roll. Bekannt geworden bist du mit den „Dancing Shoes“, dein Nachfolgeprojekt heißt nakedHEART. Was hat dich dazu inspiriert, nackte Menschen auf Festivals fotografieren zu wollen?


Während eines Auftritts von Polarkreis 18 beim Melt! Festival hat sich ein junger Engländer ausgezogen. Die Menge hat gegrölt und die Leute waren euphorisiert. Mein Gedanke war: „Wenn es nur ein einzelner Typ schafft, mit so einer Aktion die Leute zum Schmunzeln zu bringen, warum dann nicht dieses Gefühl gemeinsam erleben?“ So wurde die Idee zum nakedHeart geboren.

den Moment seinen Alltag. Es ist scheißegal was man für Klamotten trägt, wenn man tiefer denkt. Nackt sind wir alle irgendwo gleich. Der eine hat ‘nen größeren Schwanz, die andere dickere Titten, scheißegal. Ein Körper ist bloß ein Körper und es geht immer um die Seele. Im Herzen sind wir alle nackt. Und was für Leute ziehen sich für das Projekt aus?

Alle Leute die damit ein Problem haben, sind entweder zu schüchtern oder haben zu starke Selbstzweifel. Wenn ich keine Selbstzweifel habe, kann ich mich auch nackt zeigen. Das sage ich bewusst so und daran glaube ich auch. Mir ist es lieber, wenn 50 Leute, die wirklich dahinter stehen, beim nakedHEART mitmachen, als 5000 Leute, die nur mitmachen, weil es gerade cool und angesagt ist.

Was ist die Intention des nakedHEARTs? Festivals haben alle ihren Ursprung in der Woodstock-Ära. Die ist vorbei. Aber was Woodstock überdauert hat, ist dieses starke Gemeinschaftsgefühl, dieser „Love, Peace & Harmony“-Gedanke. Daran möchte ich mit dem nakedHeart-Projekt erinnern und wünsche mir, dass diese Form von Rebellion und Protest wiederkommt. Mir Sicherheit haben die Leute beim Woodstock auch Drogen genommen, aber heute geht es bei vielen Festivalbesuchern leider nur noch um das kollektive Abschießen. Das Projekt soll an die alten Werte anlehnen, die uns aus den 60ern übermittelt worden sind. Gerade heute in dieser schnellen und mitunter oberflächlichen Zeit, in der wir leben, wird es immer wichtiger, sich bewusst zu machen, wer man ist und was man eigentlich möchte. Jeder beim nakedHEART fühlt sich wohl und ist am Lachen und vergisst für

Das Interessante ist, dass genau die Leute, die im Vorfeld begeistert getan haben, letztendlich dann doch nicht mitgemacht haben. Mitgemacht haben tatsächlich immer Leute, die ich vorher weder gesehen noch angesprochen habe. Die vermeintlichen Hippie-Mädels sind die, die in Wahrheit die Verklemmtesten sind. Ziehst du dich selber auch aus? Ich bin jetzt nicht gerade der Dünnste und es gibt mit Sicherheit Leute, die einen durchtrainierteren Körper haben als ich. Trotzdem zeige ich mich ebenfalls nackt beim nakedHEART, weil ich mit mir selbst im Reinen bin und mich so liebe, wie ich nun mal bin. Das ist wohl auch die größte Hürde im Leben: Lernen, sich selber zu lieben. Wenn man sich selber liebt, hat man auch keine Probleme damit, sich irgendwo nackt zu zeigen.

Willst du mit nakedHEART provozieren? Natürlich provoziert es und natürlich stößt es an. Das Interessante daran ist die Frage, warum das Projekt an sich überhaupt provoziert. Es sind ja nur nackte Leute wie du und ich. Nackt sind wir ja auch, wenn wir morgens unter die Dusche gehen. Man konfrontiert die Leute einfach an einem sehr sensiblen Punkt, an dem sie sich selber reflektieren müssen. Du trinkst keinen Alkohol. Gibt es dafür einen Grund? Ich bin ein Mensch, der kein Problem damit hat, seine Emotionen zu zeigen. Egal ob in positiver oder in negativer Hinsicht. Heutzutage haben die meisten Menschen damit Schwierigkeiten, weil es von unserer Gesellschaft als Schwäche

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angesehen wird und schaffen es nur emotional und losgelöst zu sein, wenn sie Alkohol trinken. Ich für meinen Teil berausche mich lieber an natürlichen Dingen. Gibt es Dinge, die du prinzipiell nicht fotografieren würdest? Ich bin ein Mensch, der sich für viele Dinge begeistern lassen kann. Alles hat irgendwo seinen Reiz und ist spannend. Ich inszeniere nichts, sondern fotografiere das, was ich sehe. Und wenn ich an irgendwelche Orte komme, an denen auch grausame Dinge passiere, schrecke ich auch nicht davor zurück, sie zu fotografieren. Warum sollte ich nicht das auf Bildern festhalten, was ich sehe? Was ich prinzipiell nicht fotografiere, sind Hochzeiten. Das hat etwas Gezwungenes und Affektiertes. Hast du irgendwelche Vorbilder? Habe und hatte ich nie. Auch wenn es arrogant klingt – mich haben andere Fotografen nie interessiert. Es gibt sicherlich tolle Fotografen, aber ich mache mein Ding. Als Fotograf bist du einerseits Außenseiter und andererseits viel mehr im Geschehen als manch Anderer. Wichtig ist, dass man sich nicht beeinflussen oder verunsichern lässt.

Du bist bekennender Fußballfan, hast aber Stadionverbot. Wie kam es dazu? In jungen Jahren habe ich ein Fußballheft gemacht, ein selbstkopiertes DIN A4-Heft, wo ich meine Stadion-Erlebnisse niedergeschrieben und mit Fotos von mir ergänzt habe. Dafür habe ich einige Preise gewonnen und bin in die Musikszene reingekommen. Was mich schon immer am Fußball fasziniert hat, sind die Emotionen, die ungehindert ausgelebt werden. Nirgendwo sonst sind die Menschen so emotional. Seit eineinhalb Jahren habe ich ein bundesweites Stadionverbot. Mein Lieblingsverein ist Bochum, der hat letzte Saison gegen Hannover gespielt. Die Ausgangssituation war die, dass der Verlierer absteigt. Letztendlich hat Bochum verloren. Viele Fans haben daraufhin randaliert und ihren Frust gelebt, aber die Polizei hat total überreagiert und Pfefferspray eingesetzt. Und das auch in dem Bereich der Behinderten und Rollstuhlfahrer. Dann bin ich zu den Polizisten und habe mich beschwert, woraufhin sie mich mit auf die Wache genommen haben. Das Lustige an der Geschichte war, dass ich meine goldenen Schuhe anhatte und als ich meine Taschen auslehren musste, kam ein goldenes Kondom zum Vorschein. Dann war ich mehrere Stunden in Gewahrsam und habe Stadionverbot verhängt

bekommen. Kurz darauf habe ich genau für ein Fußballbild einen Preis für den besten deutschen Jungsportfotograf, der mit 5000 Euro dotiert war, gewonnen. So gesehen gibt es tatsächlich etwas, was ich im Leben tatsächlich nicht mag: Polizisten im Stadion und den DFB. Der ist für mich eine Fußballmafia. Stefan Raab hat dich mal gefragt: „Wie pervers muss man sein, um Schuhe zu seinen Lieblingsobjekten zu küren?“ Wie lautet deine Antwort darauf? Wie pervers muss man sein, um eine Metzgerlehre gemacht zu haben? Hast du einen Schuh-Fetisch? Was heißt Fetisch. Es sind die kleinen Dinge, die glücklich machen und es sind die kleinen Dinge, die viel über jemand verraten. Schuhe trägt jeder von uns und wenn Schuhe abgenutzt sind, steckt da immer etwas dahinter. Und mein Tick oder meinetwegen auch mein Fetisch ist, dass ich den Leuten zu allererst immer auf die Schuhe schaue.

Katharina

ATTENTION PLEASE: Das Buch zur Ausstellung „Es ist alles Rock’N’Roll“ kostet 25 Euro und ist nur unter gerrit.starczewski@googlemail.de zu erwerben. WWW.STAR-PHOTO.DE

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e n d e

g e l ä n d e

Zum Abschied heißt es leise: Servus Telekommander!

Nach vier Alben und zehn Jahren war es für Florian Zwietnig und Gerald Mandl an der Zeit Abschied nehmen. Abschied von ihrem Projekt Mediengruppe Telekommander. Das letzte Album trägt den verheißungsvollen Namen „Die Elite der Nächstenliebe“. Das letzte Konzert auf ihrer elitären Abschiedstour war am 29. Oktober im Hamburger Hafenklang. SLEAZE hat es sich nicht nehmen lassen, noch ein letztes Mal mit einem Part der Telekommandanten zu sprechen. Sleaze: Man soll aufhören wenn‘s man schönsten ist – trifft dieser Satz auch auf das Ende der Mediengruppe zu? Gerald Mandl: Teils, teils. Das war rückblickend auf jeden Fall eine großartige Zeit und wir können uns nur glücklich schätzen, dass das alles so gut geklappt hat; dass wir mit diesem Gemecker und Geschrei überhaupt unser Leben finanzieren konnten. Wer hätte das gedacht? Das war auch für uns eine große Überraschung. Was das Aufhören betrifft, so hatten wir jedenfalls schon länger große Lust auf eine neue musikalische Ausrichtung und neue Projekte. Diese bewusste Entscheidung zu treffen, war für uns extrem wichtig. Wie geht’s bei euch weiter? Macht ihr weiterhin solo Musik oder habt ihr die Schnauze voll vom Musikbusiness? Wir machen beide weiterhin Musik. Allerdings unter anderen Pseudonymen und mit etwas anderer musikalischer Ausrichtung. Flo arbeitet mit der Musikerin Jools Hunter zusammen, und ich arbeite im Moment gemeinsam mit dem Musiker Thomas Mahmoud – mit dem ich schon länger das Projekt Tannhäuser Sterben & das Tod betreibe – und dem experimentellen Filmemacher Markus Wambsganss an einem Film bzw. dem Soundtrack dazu, der 2012 erscheinen wird und auch live zu sehen sein wird. Weitere Konzerte und Projekte mit Räuberhöhle, bei der ich auch immer wieder kleine Rollen übernehme, sind ebenfalls in Planung. Zehn Jahre Mediengruppe: Was hat euch als Band ausgemacht? Über die Fremdwahrnehmung kann ich nur wenig sagen. Das waren mit Sicherheit die Inhalte, die wir in eben dieser speziellen Form zum Ausdruck gebracht haben. Was die Eigenwahrnehmung betrifft, so wurde diese Band stets von einer gemeinsamen Vision geprägt. In ökonomischer

Hinsicht war die Band über diesen Zeitraum nur als Duo machbar. Als fünfköpfige Rockband z.B. hätte das nicht funktioniert. 2001: Euer erster Track trägt den verheißungsvollen Namen „Frauen sind besser“. Seid ihr immer noch dieser Meinung? Definitiv. Machismen prägen unseren Alltag, Wirtschaft und Politik. Die Errungenschaften des Feminismus scheinen in der Medienwelt wie weggeblasen zu sein. In der Unterhaltungsindustrie ist der weibliche Körper mehr Ware denn je. Aber unter dem Deckmantel der Ironie ist ja heute nach wie vor alles machbar. Beschreib, wie „Die Elite der Nächstenliebe“ auszusehen hat. Die sieht man doch täglich in den Medien. Dieses Geheuchel, diese aufgesetzte Hilfsbereitschaft für die Quote. Dieses Gutmenschentum. Das laute Geschrei, wenn „in der Ferne“ Demonstrationen und Revolten von Despoten und deren Schergen niedergeschlagen und hinten rum dann Kriegsmittel an eben diese verkauft werden. Genau das hat uns daran interessiert: Das Wegschauen und Mitmachen. Euer Debütalbum aus dem Jahr 2004 heißt „Die ganze Kraft einer Kultur“. Wie definiert sich die Kraft einer bzw. unserer Kultur? Wir hatten gerade das Stück „Panzer“ geschrieben, waren auf dem Weg zu unserem damaligen Produzenten Christian Harder in Hamburg und sahen am Straßenrand ein überdimensional aufgeblasenes Werbeplakat für die Luxuslimousine einer bekannten Automarke, auf dem stand: Die ganze Kraft einer Kultur. Dieser Spruch hat uns in seiner Absurdität zugleich schockiert und amüsiert, es für uns auf den Punkt gebracht: Der Wohlstand des einen bedeutet oftmals das Leiden des anderen. Das ist die Kraft „unserer“ Kultur. An welches Konzert habt ihr die schönsten Erinnerungen? Eine der schönsten Erinnerungen verbinden wir mit dem Frequency Festival in Salzburg, 2004. Wir hatten gerade den Videodreh in Las Vegas abgeschlossen und sind total gejetlagged nachts mit dem Mietwagen vom Flughafen Frankfurt

ins Salzburger Land gefahren, wo wir dann am späten Nachmittag mit unseren gerade noch im Touri-Shop in Vegas erworbenen Elvis Kostümen auf der bis dahin größten Bühne unser erstes großes Festival gespielt haben. Das war ein richtiger Flash. Wo war‘s am Allerschlimmsten und warum? Es gab eine Phase, in der die Art von Musik, die wir eben machen, plötzlich auch Leute angesprochen hat, die man eher dem Ballermann oder dem Bierzelt zuordnen würde: vollgepumpt mit Testosteron, die Deutschlandfahne umgehängt und alle anderen wegboxend. Das war schlimm. Daraufhin haben wir sofort unser Set geändert und die eher funkigen Stücke gespielt. Ein abschließender Satz an eure Fans: Der Markt zwingt uns zu reagieren. Ein abschließender Satz an eure Kritiker: Bussi. Nicht nur ihr verabschiedet euch, auch das Musikmagazin unclesally*s sagt Tschüss, wenn auch im Gegensatz zu euch, nicht ganz freiwillig. Was sagt ihr dazu? Wird es weitergehen mit dem Mediensterben oder wie schaut eure persönliche Prognose aus? Die Medienlandschaft wird sich immer weiter verändern, so wie sich auch die technologischen Voraussetzungen ändern. Das liegt in der Natur der Sache. Die Möglichkeiten haben sich im Grunde genommen ja auch zum Positiven verändert. Auch wenn man sich ökonomisch erst einmal total umstellen muss und sowohl als Kritiker als auch als Musiker erst mal mit den neuen Strukturen klar kommen muss und das Geld über andere Kanäle fließen wird als den Plattenverkauf. Es lebe die Vielfalt! Dem bleibt nichts hinzuzufügen! SLEAZE wünscht Gerald und Florian alles Gute und ist gespannt auf die neuen Projekte der beiden! Unvergessen bleibt unser MTK-Lieblingssongzitat: „Loft oder Liebe, das Leben ist wie eine Baustelle und so are we.“

Katharina www.mediengruppe-telekommander.de

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CoCo trifft....

den Typ mit AURA

Kool Savas lud am 4.Oktober 2011 zu einer sehr exklusiven Live-Präsentation seines neuen Albums AURA, das am 11.11.2011 erschienen ist. Wirklich alle, die im Musikjournalismus was zu melden haben, waren da. Da können wir selbstverständlich nicht weit sein. Also her mit den großen goldenen Kreolen, weg mit den High Heels und rein in die Air Max 1! Ja okay zugegeben, High Heels hatte ich am Ende trotzdem an. Das würde ich später noch bereuen. Die Erwartung, dass die Presse sitzen darf, vor allem ich mit meinen hohen Hacken, konnte ich mir schön abschminken. Das war spätestens klar, als ich in den sehr edlen Raum im Berliner Hotel Sofitel am Gendarmenmarkt gewackelt kam, der wie ein kleiner Konzertraum hergerichtet war. Jetzt irritierte nur noch das Rednerpult, das auf der Bühne stand. Steht KING Kool jetzt gleich allen Ernstes am Pult und predigt das neue Album zum Volk herunter?! So hört sich das wirklich komisch an, aber der Gedanke war dermaßen absurd, dass es schon wieder gut wäre. Selbstverständlich kam das nicht so. Das Pult nutze Visa Vie, um eine Laudatio auf den King of Rap zu halten. Schon allein die Zeitspanne, die sie über Kool Savas redete zeigte, dass ich mich nach dem Konzert in die Notaufnahme bringen lassen müsste, um mir die verdammten Schuhe operativ entfernen zu lassen. Endlich kam Kool Savas auf die Bühne und präsentierte Teile seines dritten Soloalbums. Ein gut gehütetes Geheimnis, das bis zu besagtem Abend nicht mal die Ohren der Pressemeute berühren durfte. Aber dann war’s so weit. Ich würde euch ja gerne wiedergeben, in welcher Reihenfolge er die verschiedenen Tracks des neuen Albums spielte, aber Aufnahmegeräte und Fotokameras waren strikt 62

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verboten. Und meinen Notizblock konnte ich nicht mit Infos füllen, weil ich beschäftigt war mit dancen, klatschen und ausrasten. Bei aller Coolness musste ich spätestens zu diesem Zeitpunkt eingestehen, dass ich schon seit ewig und drei Tagen Kool-Savas-Fan bin. Ein paar Tage nach dem kleinen exklusiven Pressekonzert waren die Interviewtermine angesetzt. Ebenfalls im Sofitel am Gendarmenmarkt, wo uns Savas empfangen würde. Bevor ich mit meinem Termin an der Reihe war, war es möglich, in das neue Album reinzuhören. Was glaubt ihr wohl, wie ich es fand? Genau. Es ist der Knaller! Nicht, dass es mich nicht noch nervöser machte, AURA auch noch gut zu finden. Ich möchte wetten, sowohl David, der mich zu Savas brachte, und auch Savas selbst konnten just in diesem Moment mein Herz durch das T-Shirt schlagen sehen. Bloß NICHT stolpern. Geschafft. Ich sitze auf dem Sofa. Selbstverständlich nach einer sehr höflichen Begrüßung. Also seinerseits. Was ich getan habe, ist an mir vorbeigegangen, ich war schließlich damit beschäftigt, sicher zum Sofa zu gelangen. Unser Interviewtermin war am zweiten Tag der beiden Promo-Tage. Das bedeutet, der King of Rap beantwortet zum 100sten Mal die gleichen Fragen über das neue Album AURA, das am 11.11.2011 erscheint. Um den Mann nicht zu Tode zu langweilen, verwerfe ich kurzer Hand meine Fragen und eröffne ihm mit folgendem Satz, was in der nächsten halbe Stunde passieren wird: „Wir zwei reden jetzt nicht über Hip Hop und das neue Album. Ich möchte wetten, dass die anderen, die heute und gestern schon da waren, all wichtigen Details berichten und veröffentlichen werden. Ich


bin eigentlich nur hier, um dich zu fragen, ob du mit mir mal bei Nacht durch die Stadt cruisen möchtest. Ich bin nämlich der Meinung, dass Musik erst richtig cool ist, wenn man sie laut im Auto hört.“ Ja, genau so habe ich das zu dem King of Rap gesagt. Falls er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, wo und wann man am besten Musik hört, wusste er es jetzt. SLEAZE erklärt allen Unwissenden gerne die Welt. „So machen wir das.“ Gesagt, getan. Die restliche Zeit unseres Interviewtermins verbrachten wir damit, über Gott und die Welt zu plaudern. Aber eben nicht über sein neues Album. Das Cruisen Nicht selten versprechen Menschen Dinge, die dann leider nicht in Erfüllung gehen. Aber dazu gehört Savas nicht. Ungefähr eine Woche später haben wir uns zum Cruisen getroffen. Selbstverständlich wäre ich davon ausgegangen, das wir uns mit meiner bescheidenen Mühle durch den Feierabendverkehr Berlins petzen. Aber es kam anders. Trotz Erkältung rollt Savas in seinem beeindruckenden Gefährt heran. Wir steigen ein. Nicht, dass ich wüsste, in was ich da gesessen habe, aber eins weiß ich ganz sicher: Wenn ich groß bin, möchte ich das auch haben! Allein die Anlage in dem Auto hat wahrscheinlich mehr Bums als mein gesamtes Auto. Also hoch die Lautstärke und die Fotos: Christoph Wehrer www.christophwehrer.de

Massagefunktion in meinem Beifahrersitz! CoCo: „Und dann kam Essah“. Wie treffend, mit dem Track anzufangen. Also erklär bitte mal, um was es geht. Savas: In dem Track erwähne ich ein paar Menschen, die in meinem Leben präsent waren und Dinge, die passiert sind. Vor meiner Zeit klang Deutsch-Rap ganz anders...und dann kam Essah. Quasi der Wendepunkt zum Guten. Den Track könnte man zum Beispiel mit „Previously on Breaking Bad“ vergleichen. Ein Rückblick, der zeigt, was bis hier her passiert ist in der Serie. Ich erkläre einfach, was bis heute wichtig war in meiner Karriere. Außer der Tracklist haben die Fans noch nichts von dem Album mitbekommen. Bis zum 11.11.2011 bleibt alles unter Verschluss, bis auf die Presse die kurz ins Album hören durfte und an dem Pressekonzert teilnehmen durften. Dort hast du auch den Track AURA performt, bei dem Xavier Naidoo dabei ist. Den könnten wir kurz hören. In dem Track singt Xavier relativ wenig, aber ich mag ihn sehr gern. Wenn er so wenig singt, hättest du das nicht kurz selbst einsingen können?

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Singen kann ich so was von gar nicht. In dem Track „Die Stimme“ geht’s zum Beispiel darum, dass ich mit meiner Stimme früher überhaupt nicht klar kam! Viel zu hell. Die Mädels fanden das zwar süß, aber wer will denn immer süß sein? Der Track AURA steht und fällt mit den Streichern. Wie kam das zustande? Das hat mein Engineer und DJ Sir Jai gemacht. Wäre es nicht cool gewesen, wenn das ein echtes Orchester eingespielt hätte? Ja, auf jeden Fall. Da haben wir auch drüber nachgedacht. Aber dafür müsstest du richtig Geld in die Hand nehmen. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Xavier? Glaubst du, dass der Kool Savas vor fünf Jahren auch Xavier Naidoo für eine Zusammenarbeit dazu geholt hätte? Ob Xavier früher hätte dabei sein können? Keine Ahnung, aber es ist gut, dass er es jetzt ist. Wir haben angefangen, an unserem gemeinsamen Album zu arbeiten. Ein Track davon ist schlussendlich auch auf AURA gelandet. Die Hälfte des Albums ist schon fertig. „Nichts bleibt mehr“ ist ein sehr persönlicher Song. Erklär bitte, was wir jetzt gerade hören. Das Gedicht, mit dem der Track anfängt, ist von meinem Vater. Er spricht es auch selbst auf der Platte. Er hat es mir damals geschrieben, als er in der Türkei in Gefangenschaft war. Das, was er schrieb, wurde selbstverständlich immer kontrolliert, deshalb hat er mir mit diesem Gedicht quasi eine geheime Botschaft geschickt. Und das ist der Track, auf dem der Scala Chor mit dabei ist. Das hast du bei dem Konzert im Sofitel auch ein paarmal erwähnt. Siehst du das als Highlight? Natürlich ist das ein Highlight. Das ist was ganz Besonderes. Diese Zusammenarbeit gab es in der Art noch nie. Ich feier’ diesen Chor schon seit 2 bis 3 Jahren und ich hätte nicht erwartet, dass wir es hinbekommen, dass der Chor tatsächlich auf dem Track ist. 64

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Lass mal bitte den Track hören, in dem der Chorus „The Message“ von Grandmaster Flash zu hören ist. „King of Rap“ meinst du. Das ist der absolute Spaßtrack und ich nehm’ ziemlich viel auf die Schippe. Ein Partysong. Mit dem Song hab ich einen Track, der gut für Live-Auftritte ist und den jeder kennt und auch eine Hommage an Hip Hop.

Ok, bei dem Track gerade hättest du hören müssen, dass das die totale Skill-Attacke war. Konntest du das nachvollziehen? Skill-Attacke? (Auf diese Frage herrschte langes Schweigen. Sehr langes Schweigen......Schweigen.)

Wenn du die Möglichkeit hättest ein Album zu produzieren, das völlig frei davon ist, was die Leute hören möchten, erwarten oder die Verkaufszahlen steigern würde, würde es sich dann sehr von AURA unterscheiden?

Das war ein Angriff auf höchst technischem Niveau.

AURA ist genau das, was ich machen würde, wenn ich Bock habe, Mucke zu machen. Darüber nachgedacht, ob sich das Album nun verkauft oder nicht, habe ich keine Sekunde. Kommerzieller Erfolg war oder ist nicht mein Ziel mit AURA. Der Song King of Rap ist der einzige, der diesen Vibe hat. Alle anderen habe ich in einer leicht aggressiven, melancholischen Stimmung geschrieben. In dem Moment, in dem du einen ansatzweise melodiösen Beat nimmst und irgendetwas in dem Song ist, das in den Köpfen hängen bleibt, dann hast du eigentlich schon einen massentauglichen Song. Wenn der Beat dann auch noch tanzbar ist, klingt die Mucke eher Plastik.

Es geht nicht darum, schnell zu reden. Du hörst die Reime, die gezielt gesetzten Wörter, was ich damit sage und dass ich Lines und gute Sprüche habe... du verstehst das nicht.

Plastik? Na, dann klingt die Mucke so Black-Eyed-Peasmäßig. Weißte? Ah ja, ok! Und warum rappst du da über einen Penis? (Hihihihihihihihi ich hab tatsächlich vor Kool Savas Penis gesagt) „Weiber zittern, als hätten sie King Kongs Schwanz gesehen.“ Das ist ne ganz allgemeine Aussage und nicht auf mich bezogen. Ist doch witzig. Und jetzt hören wir einen Rap Song. Der heißt „Stampf“. Man hört ja ständig, dass du der beste Rapper überhaupt bist. Ist „Stampf“ ein Beweis dafür? Wo hört man das denn? Na überall. Die Juice widmet dir mit Sicherheit nicht eine ganze Ausgabe, weil du gutes Mittelmaß bist. Und ganz nebenbei ist es ja auch nicht so, dass wir uns mit jedem dahergelaufenen Rapper zum Cruisen treffen.

Was zeichnet denn eine Skill-Attacke aus? Sehr schnelles Reden? Dann wäre ich der übertrieben krasseste Rapper der ganzen Welt.

Belassen wir es einfach dabei, dass ich mit Sicherheit ein genauso guter Rapper oder „Rapöse“ wäre wie du. Da wir also das schon gemeinsam haben, würde es mich auch interessieren, ob du so außergewöhnlich gut schreiben kannst wie......äh ich. Du schreibst schließlich Hits. Hast du generell Talent zum Schreiben? Texte über einen Beat zu schreiben ist was völlig anderes als einen Artikel zu schreiben. Ich habe ein paar Mal Reviews für Magazine geschrieben. Ich war damit nie super zufrieden. Manche mochten das, was ich schreibe, aber ich hatte das Gefühl, dass es aufgesetzt wirkt. Voll geschwollen. Gehen wir jetzt was essen? Klar. Also gehen wir was essen! Abschließend würde ich wirklich gerne das über Savas schreiben, was ein richtiger Hip Hopper über sich lesen und hören möchte. Den Gefallen kann ich seinem Management und Kool Savas leider nicht tun. Er erfüllt nicht im Ansatz das, was ich erwartet hätte. Aber was erwartet man denn eigentlich von einem Mann, der im Jahr 2000 „Lutsch meinen Schwanz“ rausgebracht hat und heute von King Kongs Schwanz rappt?! Ist völlig egal, was du oder ich von dem King of Rap erwarten. Getroffen haben wir auf jeden Fall einen unfassbar sympathischen Mann, der vor Energie und Leidenschaft für die Musik keine Sekunde still sitzen kann. Wenn er irgendwann sein Talent fürs Schreiben doch für Artikel gebrauchen möchte, ist bei uns ein Redaktionsstuhl für ihn frei. Danke Savas! Danke David! Danke Christoph! Derbes Ding.....! Sagt man doch so oder? SLEAZE

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i n t e r v i e w

Ein Herz für Haie

Dancing Pigeons, Panda People, Wilhelm tell me, Beat! Beat! Beat! – eine neue Welle hipper deutscher Indiegitarrenundirgendwieauchelektrobands, die verwurzelt in den 80ern sind und dabei so angenehm undeutsch klingen, flutet seit ein paar Jahren die Konzertbühnen – und mittendrin schwimmen I HEART SHARKS aus Berlin.

Fleißig haben die drei Raubtiere in den letzten Jahren zahlreiche Konzerte und Festivals gespielt, um schließlich diesen Herbst die im letzten Winter aufgenommene Platte „Summer“ zu veröffentlichen. Simon und Pierre nahmen sich die Zeit einige Fragen für uns zu beantworten.

Pierre: Beim ersten Konzert. Es war im Keller eines besetzten Hauses in der Brunnenstraße. Diese Dinger sind normalerweise immer leer und kalt, und bei uns war es irgendwie komplett voll und es gab Funken in der Luft – das Gefühl, dass etwas Neues angekommen ist. 

Georg, ein Franke, Pierre, ein Engländer, Simon ein … ja, woher kommt Simon eigentlich? Jedenfalls weder aus Nürnberg noch aus London. Wie und wann habt ihr euch dennoch kennen gelernt? Culture clash?

Eines ist mir aufgefallen: In den letzten Jahren habt ihr sowohl COBRA STARSHIP als auch jetzt NATALIA KILLS supportet. Beides große internationale Künstler, aber auch beides Künstler, die ich so musikalisch nicht mit euch in Verbindung bringen würde, eher mit THE DOME oder BRAVO HITS. Pop eben. Wie war das für euch? Welche Reaktionen kamen aus dem Publikum?

Simon: Stimmt. Meine Herkunft lässt sich etwas schwerer bestimmen. Ich bin in Deutschland geboren, aber in New York aufgewachsen. In Dresden habe ich das Abitur gemacht und bin danach nach Berlin gekommen, wo wir uns kennengelernt haben. Wir wollten alle drei Musik machen und zögerten nicht lange, uns einen Proberaum zu mieten. Und da standen wir ganz plötzlich zusammen und haben Lieder geschrieben. Unsere verschiedenen Wurzeln waren äußerst offensichtlich, aber auf keinen Fall gegensätzlich. Je mehr sich die drei Elemente vermischt und vereint haben, umso deutlicher wurde der Sound, den man heute von uns kennt. Und wann gab es den Punkt, wo ihr merktet: „Das ist es. Wir drei. I HEART SHARKS. Das wird was.“?

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P: Uns alle verbindet, dass wir Popmusik machen. Wir machen es nur viel vertrackter. Support-Sachen machen uns immer nervös, weil man sich in einer halben Stunde beweisen muss und das auch vor einem Publikum, das nicht wegen uns da ist. Viele unsere Fans haben uns so kennengelernt. Der Rest stand nur mit offenem Mund da, so „WTF? Das ist nicht Natalia Kills“. Daneben gab es natürlich auch die eben erst abgeschlossene Tour mit FRIENDLY FIRES. Ging da ein Traum in Erfüllung? Gab es Unterschiede zu den anderen beiden Support-Tours? Wer steht noch auf eurer Wunschliste?


S: Im Unterschied zu Cobra Starship und Natalia Kills kannten wir die Musik von Friendly Fires vorher schon in- und auswendig. Wir würden niemals leugnen, dass wir große Fans sind! Deswegen war es für uns ein besonderer Moment, als diese Band die wir seit Jahren hören, plötzlich aus ihrem Nightliner aussteigt und uns mit Handschlag begrüßt. P: Bei FF fühlten wir uns total willkommen. Es war sehr schwierigb einfach mal die Klappe zu halten, statt Ed zum 1000sten Mal zu sagen, wie toll wir beide Platten fanden. All dies und auch euer umjubelter und überfüllter Auftritt beim Dockville Festival zeigen doch, dass sich das viele Touren der letzten Jahre auszahlt. Was ist die schönste Erinnerung aus den letzten Monaten Bandgeschichte? S: Als neulich der Postbote geklingelt und zwei große Kartons mit unserem Album hochgebracht hat, da ist die ganze Arbeit, die da drin steckt, noch mal über mich hergefegt. Die gesamte Musik, die wir seit unserer Gründung geschrieben haben, gipfelt vorerst in diesem Produkt. Da wir es selber produziert haben, wussten wir ja tatsächlich schon vorher, wie es klingen und wie es aussehen würde, aber die Realisierung, dass es nun absolut fertig ist und physisch existiert, hat mich in dem Moment noch mal ganz schön umgehauen.

Wo du jetzt das Album schon erwähnst: Ihr hattet die Idee, euer Debut-Album über PLEDGE von euren Fans vorzufinanzieren lassen. Erzählt mal davon! Habt ihr mit dem Ergebnis gerechnet? Und wie kam eure neue Labelheimat „Auf die Plätze“ ins Spiel? P: Das Wort „Fans“ passt nicht so gut zu unseren Unterstützern. Es ist eher wie eine Familie, und die Familie fördert und versteht uns. Aber mit so einem guten Ergebnis hatten wir nie gerechnet. Die Familie überrascht uns. Wir haben Dadajugend Polyform in Würzburg bei einem gemeinsamen Auftritt kennengelernt, und die sind „Protegés“ von AdP. Vor vier Monaten setzte bei uns die Panik ein und wir hatten Angst, die Platte finanziell niemals auf die Beine gestellt zu kriegen. In dieser Zeit kamen die Leute von AdP wie Superhelden auf uns zu und meinten, sie wollen mit uns zusammen arbeiten.  Superhelden, die Haie unterstützen… das wäre doch mal was für Hollywood.

Frank www.iheartsharks.net

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Ragga / Dub / Hip Hop CHINESE MAN Racing With The Sun Chinese Man / Groove Attack VÖ: 20.01.‘12

Electronic ESPERANZA Esperanza Gomma VÖ: 2.12.‘11

Indie, Alternativ, Rock’n’Roll THE FAST FORWARDS Lost In The Light rockhit records VÖ: 02.12.‘11

Hip Hop THE ROOTS undun Island Def Jam VÖ: 02.12.‘11

Klingt wie: Kid Koala, Invisibl Skratch Piklz

Klingt wie: Trentemoller, Tosca, Cafe Del Mar

Klingt wie: Mando Diao, Editors, Interpol

Klingt wie: Bahamadia, Buckshot Lefonque

Das wurde aber auch Zeit. Erstens, dass dieses erstklassige Album auch bei uns offiziell rauskommt. Und zweitens, weil es eh schon längst mehr Dub-Elemente verdient hätten, in den Hip Hop integriert zu werden. Aber selbst auf die City des Crossovers, London, war da kein Verlass. Nun kommt endlich etwas Dickes – und zwar aus Marseille. Die Stadt hat IAM Frankreich soll inzwischen das zweitgrößte Hip-Hop-Land sein, daher vielleicht nicht sooo verwunderlich. Die trotzdem relativ ungewöhnliche Dub-HopKonstellation wird ergänzt durch chinesische Einflüsse und verpackt in einen amerikanischen Italo-Western-Stil. Klingt gewöhnungsbedürftig – bis man es gehört hat. Einmal „Miss Chang“ oder den Titeltrack im Ohr, weiß man zwar nicht wie, aber dass es funktioniert. Chinese Man verflechten auf merkwürdige stimmige Art (vielleicht mit Feng Shui oder Akupunktur?) alle greifbaren Stilrichtungen mit der Handfertigkeit eines Lucky Luke und der Eleganz und Leichtigkeit eines Jackie Chans. „Racing With The Sun“ rockt durch seine Musik und die virtuos eingesetzten Musik- und Wortfetzen aus aller Welt, nicht durch seine – ebenfalls exzellent umgesetzte – Technik.

Seit über zehn Jahren gilt Gomma als solide Quelle für tanzbare, moderne Discosounds und Acts wie Munk, WhoMadeWho, The Glimmers oder Telonius untermauern diese Tradition mit jeder Veröffentlichung. Da klingt Esperanza, der aktuelle Neuzugang des Labels aus München, eher untypisch. Natürlich gibt es auch hier funky Basslines, Handclaps und dergleichen zu hören, jedoch mit deutlich psychedelischerem Anstrich als man von Gomma gewohnt ist. Chillout und Downbeat sind da Orientierungspunkte, die mir als erstes in den Sinn kommen. Ein Großteil der Songs auf dem Album nutzt weniger als 80 BPM und die harmonischen Melodien der drei Italiener, die seit Jahren für unterschiedliche Projekte ihre Instrumente spielen und Musik produzieren, lassen das Ganze eher nach Vormittag am Strand als nach Club bei Nacht klingen. Ich fühle mich tatsächlich zehn Jahre in der Zeit zurückversetzt, als der Markt von Chillout- und Lounge-Samplern überflutet wurde. Aber wer weiß, vielleicht ist die Zeit ja schon wieder reif für ein Revival.

Aus dem kühlen Norden kommt eine neue Platte, die die Seele wärmt, wenn schon die Füße abfrieren. Mit treibenden Basslines und Gitarrenriffs haben sich THE FAST FORWARDS in mein Herz gespielt. Abwechslungsreich und energiegeladen bietet ihr Debütalbum für jede Stimmung das passende Lied und sorgt bei mir für gute Laune. Der Einfluss von Mando Diao ist nicht zu überhören. Auch erinnert der Gesang zwischenzeitlich an The Strokes oder Incubus, trotzdem schaffen es THE FAST FORWARDS, ihren eigenen Klang und eine eigene Stimmung zu erzeugen. Durchhalten, weitermachen, schaut nach vorn und nicht zurück, scheinen sie uns entgegenzuschreien. Also genau das Richtige, um in der nächsten Winterdepression wieder auf die Beine zu kommen. Für alle Freunde von GitarrenGeschrammel und hausgemachten Rock’n’Roll ist dieses Album unbedingt empfehlenswert. Und nebenbei gesagt – auch wenn es die echten Kerle unter euch nicht interessieren wird – so ganz unschnuckelig sehen sie auch nicht aus. Bleibt zu wünschen, dass diesem Album noch viele weitere folgen werden.

Kurz vor Weihnachten veröffentlichen The Roots ihr sage und schreibe 13. Studioalbum. Zugegebenermaßen bin ich jetzt nicht der allergrößte Fan. Nennt mich ruhig Banause, aber bei älteren Alben dachte ich meist nach dem dritten oder vierten Lied: „Ja, ist ganz cool. Aber jetzt ist auch genug.“ Ganz anders geht es mir da mit „undun“: absolut und so was von gar nicht monoton, unverkennbar The Roots, Schlagzeug, Hip Hop, Jazz, Groove und jede Menge Soul. 14 Songs und jeder Song ein Knaller. Das Album ist ein absolut gelungenes Album mit der richtigen Mischung aus nachdenklichen KopfnickerSoul-Nummern und funky Hip-Hop-Beats. Fast möchte ich sagen, hier haben The Roots den Klang und Sound der besten Lieder ihrer vergangenen Alben neu gemischt und auf dem neuen Album zusammengefasst. Gefeatured werden sie unter anderem von Big K.R.I.T, Dice Raw und Bilal. Bei „undun“ handelt es sich um ein Konzeptalbum. Die Songs erzählen die Geschichte des verstorbenen Redford Stephens. Ein Typ, der in die Kriminalität abrutscht, weil ihn die Umstände dazu zwingen und zu früh verstirbt. Behandelt wird die Frage, wie viel jeder Mensch selbst in der Hand hat und wie sehr er äußeren Zwängen unterliegt. Somit hat „undun“ nicht nur musikalischen, sondern auch geistigen Tiefgang.

danilo

Jero

Ronja

Ronja

* = nich‘ so supi * * * * *= super supi **,***,****=dazwischen 68

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Folk, Pop, Elektro LAL LAL Label: Public Transit Recordings (PTR) VÖ: 13.01.‘12

Elektro, Space Disco MICKEY MOONLIGHT And The Time Axis Manipulation Label: Ed Banger 25.11.‘11

Elektro MR. OIZO Stade 2 Ed Banger VÖ: 18.11.‘11

Alternative PEAKING LIGHTS 936 Label: Domino Records VÖ: 18.11.‘11

Klingt wie: High Places, Tegan and Sara

Klingt wie: Carte Blanche, Twin Shadow

Klingt wie: ZZT, Arnaud Rebotini, Boys Noize

Klingt wie: Chromatics, Lali Puna

„Wir mögen keine Schubladen“, behaupten ja ziemlich viele Bands von sich. Meistens denkt man sich dann: „Alter, mach dir nichts vor, das hört sich an wie Pop / Rock / Hip Hop.“ Meistens sträuben sich dann die Musiker dagegen. Ist dann aber so und wohl auch Berufsrisiko. Bei LAL ist es tatsächlich schwierig, das Trio aus Toronto zu kategorisieren. Die Einflüsse von Hip Hop, Elektro, Jazz, Pop und World Music hört man sehr gut heraus. Bei vielen Bands geht dieses wilde Mischen von Stilrichtungen krass daneben. Nicht aber bei LAL, denn der Gesang von Kazi zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. In ihre Stimme legt sie viel Gefühl, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Das mag sicher auch daran liegen, dass sie als Dichterin hauptsächlich für die Songtexte zuständig ist. Diese drehen sich oft um politische Themen. Denn LAL ist in Kanada sehr aktiv, um eine bessere Welt zu kreieren. So ist es kein Wunder, dass das selbstbetitelte Album als Projekt entstanden ist, das die Reflektion einer besseren und helleren Welt sein soll.

ED BANGER (mit Ausnahme von Justice und Uffie) war noch nie ein Album-Label. Meist wartet man Jahre auf Longplayer der Künstler, die dann wenig begeistern, veraltet wirken und im schlimmsten Fall maßlos enttäuschen – wie erst kürzlich die lieblose Zusammenstellung von Sebastian. Auch Mickey Moonlight aus England ließ mehrere Jahre auf sein erstes Album warten. Auch er recycelt altes Material, z.B. seine aus dem Jahr 2008 stammende erste und das Album eröffnende Single „Interplanetary music“. Um aber trotzdem zeitgemäß zu klingen, hat er für seine 14 Songs auch 14 hippe Gäste ins Studio geladen – Twin Shadow, Bonde de Role, Cocknbullkid oder New Young Pony Club seien hier stellvertretend genannt. Ungewohnt entspannt und betont rhythmisch nimmt einen das Album in Empfang, verbreitet karibisches Feeling und Urlaubsträume, transportiert den Hörer ab „Close to everything“ in eine 70erJahre-Housedisco in New York, lässt einen ab „a big ship passing“ in entrückte Sphären schweben, um den Gast über die Umwege Zukunft und Nachtclub der 60er wieder im Hier abzusetzen. Das Intro der Platte, das eine (Zeit-) Reise ankündigte, hat also wahrlich nicht zu viel versprochen. Dass bei all diesem Wandel das Album trotzdem wie aus einem Stück klingt, ist wohl der größte Verdienst von Mickey.

Quentin Dupieux ist ein vielbeschäftigter Mann, auch wenn der Eindruck täuscht, da sein letztes Album als Mr. Oizo schon wieder drei Jahre auf dem Buckel hat. Doch in dieser Zeit hat er zwei Filme gedreht, „Rubber“ (zu dem er mit Gaspard Augé von Justice auch den Soundtrack produziert hat) und „Wrong“ (erscheint 2012), und etliche Liveauftritte absolviert. Das Erste, was mir zu seiner neuen Platte einfällt: It‘s complicated. Oizo wütet sich durch 13 Tracks voller quietschender Synthies, verrückter Samples und komplexer Beats, irgendwo zwischen Techno und Elektro, und man braucht nicht lange um zu erkennen, dass dieses Album nicht für den durchschnittlichen Musikkonsumenten gemacht ist. Bis auf Ausnahmen, wie „France7“ und das Titelstück, ist der Rest wohl für Soundbastler interessant, meine Begeisterung hält sich aber auch nach mehrmaligem Durchhören eher in Grenzen. Nach 32 Minuten ist die wilde Fahrt vorbei und ich denke mir, es wäre keine so schlechte Idee, seine kreative Energie in Zukunft mehr aufs Filmemachen zu konzentrieren.

Frankie Depunkt

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Dass mich nicht das typische Indie-Geplänkel erwartet, habe ich mir schon beim Cover gedacht. Das deutet nämlich auf verquere und abgefahrene Musik. Ist es auch! Die Klänge der Synthesizer und der Stimme von Indra, der Sängerin, katapultieren dich direkt zurück in die späten 60er. Spätestens nach dem zweiten Lied hat man das Gefühl, dass nur Pilze oder LSD dich noch in diesen Zustand bringen können. Bei „Amazing and Wonderful“ ist offensichtlich, mit welchen relativ simplen Mitteln Peaking Lights diesen Effekt erzielen. Beat, dann eine Bassline auf Dauerschleife. Irgendwann setzt die Gitarre ein. Und eben die Stimme. Die Band beweist, dass das Gute manchmal in der Einfachheit liegt. Dass Tiefgang nicht automatisch mit depressiver und trauriger Musik zu tun hat. Für jeden ist Peaking Lights bestimmt nichts. Und bestimmt werden viele beim Reinhören sagen: „Hör mir auf mit dem psychedelischen Scheiß“. Geiler psychedelischer Scheiß beschreibt die Platte „936“ auch ganz gut. Nach dem Hören hat man keinen Ohrwurm, aber viele Fragmente im Kopf und irgendwas nicht so ganz Fassbares ist auch hängen geblieben. Macht aber nichts, weil man sich trotzdem gut fühlt. So wie ein guter Trip eben sein sollte. Frankie Depunkt

Frank

SLEAZE

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Indie / Rap / Rock KRAFTKLUB Mit K Label: Universal Domestic Rock / Vertigo VÖ: 20. Januar 2012

Funk Rock REBUBLIC OF LOOSE Mutant Soul Label: Loaded Dice Records VÖ: 17.12.‘11

Techno, House SVEN VÄTH Sound oft he 12th Season Label: Cocoon Recordings VÖ: 18.11.‘11

Soul, Funk, Jazz THE SOUL SESSION One Label: Agogo Records VÖ: 20.01.2012

Klingt wie: 1000 Robota, K.I.Z., Turbostaat

Klingt wie: Delorentos, Flight of the Conchords, La Roux

Klingt wie: Sven Väth

Klingt wie: Massive Attack, James Brown, Bilal

„Wir sind nicht Tocotronic und wir sind auch nicht die Sterne. Wir sind nicht kredibil, wir machen Popmusik. Wir sind nicht wie die anderen Jungs. Doch eure Mädchen tanzen mit uns.“ – So singen Kraftklub auf ihrem Debüt-Opener „Eure Mädchen“ und bringen es damit auf den Punkt: Sie erfinden kein Genre neu, aber sie rocken und werden zurzeit zu Recht als DER heiße Scheiß gehandelt. 2010 haben „die schönsten Söhne aus Karl-Marx-Stadt“ den „New Music Award“ gewonnen, waren Support für die Beatsteaks, Fettes Brot​und Casper und sind Fünfte beim Bundesvision Song Contest​ geworden. Wer sie bisher noch nicht live gesehen hat, sollte das a) entweder dringend nachholen oder b) sich zumindest das Album holen.

Rebublic of Loose hat schon vorher drei Alben veröffentlicht. Das blieb aber mehrheitlich unbemerkt, weil die nur in Großbritannien auf den Markt kamen. Da und in den USA bekam die Band auch gute Kritiken. Das Gleiche soll jetzt in anderen Ländern passieren. Unter anderem in Deutschland, wo das vierte Werk der Iren ebenfalls veröffentlicht wird. „Mutant Soul“ ist eine Compilation aus allen drei vorherigen Alben und das hört man dem Werk auch an. Von funkigen und direkt aus den 70ern wirkenden Liedern bis hin zu rockigeren und von Hip Hop inspirierten Liedern ist alles dabei. Die einzelnen Songs hören sich auch alle ganz nett an. Aber als Platte funktioniert das irgendwie nicht. Deshalb fühle ich mich beim Hören auch an englische und neuseeländische Serien wie Flight of the Conchords und The Mighty Boosh erinnert. In diesen Serien ist die Musik auch gut und vielseitig. Sie unterstreicht aber nur die Geschichte und Witze und muss nicht für sich selbst stehen. Das müssen sie aber auf Mutant Soul, weil die Reihenfolge der Lieder zu durchmischt und willkürlich wirken. Dadurch verlieren sie an Kraft. Die drei einzelnen Alben sind bestimmt wirklich gut. Die Compilation ist es auch, man weiß nur eben nicht, was das Album im Kern zusammen hält.

Da ist sie also. Bereits zum zwölften Mal veröffentlicht Sven Väth seine ganz persönliche musikalische Ibiza-Retrospektive im Anschluss an die abgelaufene Saison im Amnesia. Wie mittlerweile gewohnt werden auf zwei CDs Väths persönliche Highlights des Sommers geschmeidig ineinander gemixt, wobei Magier Väth zum Glück wenig auf unnötige Effekthascherei und schnelles Mixing hält. Stattdessen gibt es einen grandiosen Set-Aufbau, der den einzelnen Tracks viel Platz zum Atmen lässt. Während die dreizehn Tracks auf der ersten CD sicherlich meist zur Peak im Mainfloor gespielt wurden, überzeugt CD zwei mit wunderbar groovenden und melodiösen House-Tracks, zu denen man sich verstrahlt-glückliche Raver auf einer der unzähligen CocoonAfterhours vorstellen mag. Für Leute, die Väth dieses Jahr noch nicht gehört haben oder sich das Ibiza-Feeling nochmals ins Gedächtnis rufen wollen, ist diese CD ein sicherer Griff und dank der vielen Tracks, die bereits den Sommer überall hoch und runter gespielt wurden, sind Déjà-vus garantiert. Fazit: Die Compilation ist eine äußerst runde Geschichte mit überwiegend grandioser Musik.

Katharina

Frankie Depunkt

* = nich‘ so supi * * * * *= super supi **,***,****=dazwischen 70

SLEAZE

Kilian

The Soul Session ist eine, wie der Name schon vermuten lässt, wirklich hübsche Funk’n’Soul Auskopplung. Ziemlich abwechslungsreich und genau das richtige für entspannte Sonntagnachmittage und lange Fahrten im Zug. Die einzelnen Songs gehen fließend ineinander über und bevor man es so richtig merkt, wippt der Fuß und nickt der Kopf. Funk und Soul Rhythmen der `70er Jahre vermischen sich mit Jazzklängen, die allerdings nicht allzu aufdringlich sind. Elektronische Klänge zeigen eindeutig, dass wir uns im Hier und Jetzt befinden und eben nicht mehr in den `70ern. Der Pianist, Bandleader, Studiomusiker und Arrangeur Ralph Kiefer hat sich zur Verwirklichung seines ersten Solo-Projekts Leute ins Studio geholt, wie Bajka oder De-PhazzSänger Karl Frierson. Mit The Soul Session hat er sich selbst seine eigene Musizierplattform gezimmert, auf der er sich fleißig ausprobiert. Wenn man sich das Album anhört ist es kaum zu glauben, dass der kein Ammi ist, sondern aus München stammt. Reinlegen, anlegen und auf Repeat gestellt.

Ronja


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Jubel-äh-um-SLEAZE, Teil 4

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Beasilianische Brezeln und die Straße des Todes

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SLEAZE wünscht frohe und ein schönes, neues Jahr

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Jubel-äh-um-SLEAZE, Teil 4 Wenn sich Glitter und Volkstrauertag zu einem Likörchen treffen. Mottopartys sind spießig. Und langweilig. Und überhaupt total scheiße. Alles Vorurteile! Und wir lieben Vorurteile, genau genommen sind sie unsere besten Freunde. Zusammen mit diesen besten Freunden haben wir am 12.11.2011 unscheißigste Mottoparty des Jahres, nein, des ganzen Jahrhunderts in allen Universumsen der gesamten ähm Galaxien gefeiert. Unser geliebtes Feierpublikum kam im Look der goldenen Zwanziger Jahre, ganz im Stil unseres Businessvorbilds Al Capone. Die Zeiten der Prohibition wurden natürlich nur modisch verarbeitet, denn Alkohol gab es bei uns genug. Angestoßen und wild gefeiert wurde dann auch, bis die Polizei dem Rausch ein (unverdientes) Ende setzte. Nein, das war kein Partygag. Wir kamen uns kurzzeitig wie in der bayrischen Provinz vor, aber als SLEAZEL Yanah die Polizei beschimpfte, wurde das Bild wieder geradegerückt – und die Lichter ausgemacht... Jameson Whiskey unterstützte uns nicht nur mit guten Getränken sondern mit hübschheißem Personal. Das Barpersonal befand sich allerdings in einem ständigen Attraktivitätswettstreit mit den Mädels von Sugarbabes, die mit einem unermüdlichen Zuckerlächeln frische Muffins for free verteilten. So gut hat es nicht mal der Pate gehabt, der musste nämlich auch noch komplett auf Schwarze Dose verzichten. Wir nicht! Bei der Musik konnten wir zu unserem Bedauern leider kein stilechtes Grammophon benutzen, auch wenn darüber kurzzeitig diskutiert wurde. Zum Wohle der Party durften Trickski und TM SNDMST hinter den Plattentellern auflegen, was dann zu zuckenden Tanzbeinen und einigen interessanten Performances geführt hat. Nichts geht uns über den Charme abgerockter Gebäude, vor allem, wenn sie nicht schon durch den gesamten Hipster-Eventkalender gereicht wurden. In den Fabrikgebäuden der Alten Münze kamen wir uns dann tatsächlich leicht illegal und somit fast schon richtig prohibitionsmäßig vor. Nochmals vielen Dank an alle, die mit uns an diesem Abend feierten und dafür sorgten, dass wir mit einem Lächeln und viel Glitter im Haar einschliefen.

Sämtliche Bilder von Karsten Adebahr www.karstenadebahr.de

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ART OF MOTION Großstadtsport mal ohne Board Hat Parkour das Zeug, Skateboarding als urbanste Jugendsportart den Rang im wahrsten Sinne abzulaufen? Bei Red Bull Art of Motion sprachen wir mit dem englischen Dr. Dreh, Ryan Doyle, über die fließende Körperertüchtigung. Es kracht so laut, dass man zusammenzuckt. Dann klatscht es. Das zweite Geräusch klingt vertrauter und nicht nur deshalb beruhigender. Der Sound kommt von Händen, die offenbar dem Krach-Erzeuger applaudieren. Wir befinden uns in Detroit, genauer hinter einem Obstacle der Art of Motion, einer von Red Bull initiierten und von MINI weltweit unterstützten Parkour/ Freerunning-Serie. Mich sprechen Drehungen in der Luft immer an: Turmspringen, Kitesurfen, Bodenturnen, Snowboarden oder Trampolin, natürlich auch Capoeira und sein bekannterer Nachfolger Breakdance. Parkour oder auch Free Running ist wiederum ein Nachfolger, sozusagen Breakdance im Laufen. Ästhetischer und athletischer geht es also kaum.

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Der französische Sport hat einige Zeit gebraucht, bis er seine Coolheit voll ausspielen konnte. Als David Belle Ende der 80er anfing, seinen Hürdenlauf auf Pariser Vorort-Beton auszuweiten, wirkte das alles noch sehr nach Nordic Walking – uncool. Die Showelemente waren noch nicht eingebaut, es ging mehr um einen sportlichgeschmeidigen Weg des Joggens auf Basis der Méthode Naturelle. Ein wichtiger Aspekt des Ganzen war die Philosophie: Nicht das Ziel ist wichtig, sondern der Weg. Nicht irgendwas gewinnen, sondern Ästhetik. Inzwischen führt der Weg oft über fremden Besitz. Wie bei der Street Art ist der rechtliche Aspekt natürlich ein Thema. Das Gesetz interessiert sich mehr für Sachbeschädigung als für Kunst. Aber wie es in der Kunst so oft ist: Darum darf man sich nicht zu sehr kümmern. Bleibt man in dem starren Gerüst der Gesetze, entwickelt sich nichts Neues.

Hochtrabene Gedanken, jaja, aber das interessiert die Mehrheit der Teilnehmer von Red Bull Art of Motion nicht. Sie sind jung, fit und lieben Jackie Chan. Der Kopf ist nicht belastet mit schweren Dingen, die einen am Boden halten. So, wie es sein muss in der Jugend. Gefahren? Schmerzen? Tod? Ach das wird schon! Sky is the limit, und in diesem Sky bewegen sie sich mit Eleganz. Ryan Doyle ist sozusagen Head of Elegance. Er wurde viermal „National Tricking Champion“ und gewann das erste Art of Motion 2007 in Wien. Seitdem fungiert er als eine Art ParkourBotschafter. Und obwohl der Sport so populär geworden ist, ist Ryan einer der wenigen, die sich ernsthaft damit beschäftigen. Wen sonst kann man also befragen, wenn es um Parkour geht?


SLEAZE: Ryan, stell dich am besten erstmal vor. Ryan: Ich bin Ryan Doyle, internationaler Parkour-Champion und Botschafter für Parkour, gesponsort von Red Bull. Seit einiger Zeit versuchen sie, mehr Athleten zu finden, da ich seit drei Jahren der einzige unterstützte Parkour-Sportler bin. Gerade haben sie einen zweiten in Deutschland gefunden. Als ich Art of Motion gewann, nahm mich Red Bull unter Vertrag. Vor acht Jahren entwickelte sich aus dem Sport eine Karriere, seit drei Jahren als Athlet für Red Bull. Seitdem reise ich um die Welt dafür, eine Menge Judging und Hosting. Da sehe ich dann all die jungen 18- bis 20jährigen Kids – ich bin 27 Jahre alt jetzt... …du bist also ein alter Kerl? Ja, ich bin die erste Generation. Ich hatte keinen Lehrer. Darum hatte ich so viele Verletzungen. Mein gebrochenes Titanium-Bein, die vielen Schrauben in meiner Schulter. Es gab niemanden, der mich die Sachen lehrte, ich musste das alles selbst herausfinden. Nun lehre ich das meinen Schülern und dadurch lernen sie so viel schneller, viel flüssiger und sauberer. Sie lernen sozusagen von meinen Fehlern. Erzähl uns etwas über den deutschen Sportler. Jason Paul ist der neue Athlet. Ich bin mir nicht sicher, ob er schon den Vertrag unterschrieben hat, aber er ist definitiv mit an Bord. Japan sucht

grad noch jemanden. Ich weiß auch nicht, warum die USA noch keinen gefunden haben. Warst du auch bei der Art of Motion in Sao Paulo dabei? Ja, war ich. Und…ich habe gewonnen. Ich bin aktuell der amtierende Champion so gesehen. Siehst du irgendwelche Einflüsse von Japan oder Brasilien, vielleicht Capoeira-Einflüsse oder so? Nicht wirklich. Es gab schon immer einen starken Einfluss von Martial Arts in Parkour, durch Wushu, Karate und Kung-Fu. Ich wuchs als Martial Artist auf und wurde durch die östliche Kampfkunst beeinflusst. Das wirkte sich auch auf meinen Style aus. Das ist auch der Grund, warum jeder einen anderen Stil hat. Jeder bringt seine Vergangenheit mit ein. Tim (Shieff ) ist ein Breakdancer, das sieht man in seinem Style. Andere kommen vom Turnen usw. Irgendwann wird sich vielleicht alles vereinen und es wird einen übergeordneten Parkour-Stil geben und dann gibt es den ultimativen Master. Erzähl uns etwas über die Punktvergabe bei der Art of Motion. Der Schwerpunkt liegt sehr auf der „Kunst“ der Bewegung, kein klassischer Sport im Moment. Also gibt es kein richtig oder falsch, sondern andere Kriterien wie Style. Jeder macht so, wie er und sein Körper es Wollen und Können. Wird

Parkour ein Sport, wird der Körper sich den Kriterien anpassen müssen. Dann sehen die Sportler irgendwann alle gleich aus. Gleiche Größe, gleiche Breite usw. Schau dir die Silhouette eines Turners an. Sie sehen alle gleich aus. Beim Freerunning kannst du – noch – an seinem Körper erkennen, was für ein Athlet er ist, allein aufgrund seines Körpers und seines Styles. Und so judgen wir auch. Es ist schwierig, ähnlich wie das beste Lied der Welt zu finden. Der eine mag Jazz, der andere Rock. Am schwierigsten ist es für die Judges, wenn alle alles richtig machen. Wie findest du als Freerunner deine Spots? Wenn du z.B. zum ersten Mal vor einer großen Lücke stehst, ist es doch ein gewisses Risiko, oder? Zum Grundverständnis: Wir machen das ja unser Leben lang und können das dadurch schon ganz gut einschätzen. Ein Baby fängt ja auch mit dem Krabbeln an und nicht gleich mit dem Gehen. Irgendwann geht es dann natürlich darum, sich weiterzuentwickeln. Noch etwas weiter, noch höher, noch spektakulärer. Und du suchst dir Obstacles nach deinem Style. Ich bin nicht der große Springer. Ich drehe mich lieber und suche Sachen, die präzise Technik verlangen. Wie Jackie Chan. Ihm danke ich. Er ist der „Godfather of Parkour“.

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Brasilianische Brezeln und die Straße des Todes

Ein Leben für ein Ideal in Dreizehnlinden

Deutsches Mittagessen im Restaurant Siedlertal

Das Oktoberfestgelände von Blumenau

Was erwartet man als deutscher Urlauber von Brasilien? Das Übliche: braungebrannte Körper wie handgemacht von Gott. Traumstrände, die als Bühne den von Gott gemeißelten Körpern dienen. Und natürlich erwartet man heiße SambaKlänge, süffige Caipirinhas und Fußballspielende, von Gott höchstpersönlich trainierte Jugendliche an jeder Ecke. Die Brasilianer selbst hingegen schaukeln lieber seit fast dreißig Jahren auf dem Oktoberfest in Blumenau, der größten Biersause außerhalb Deutschlands. Umgeben von Fachwerkhäusern, Trachten, Brezeln, Volksmusik und selbstgebrautem Bier wird in der südbrasilianischen Stadt gefeiert, als wäre man mitten in Bayern.

man in SAMPA (wie die Einwohner ihre Stadt nennen) nicht flanieren gehen. Auch sonst ist es eine Stadt, in der man sich eher auf Rädern oder in der Luft bewegt. In Taxen, in überfüllten Bussen, in gepanzerten Limousinen oder gleich in Helikoptern. Genüsslich spazieren ist hier einfach nicht en Vogue.

Die Brasilianer selbst hingegen schaukeln lieber seit fast dreißig Jahren auf dem Oktoberfest in Blumenau Wer hinter die touristische Fassade Brasiliens schauen will, der braucht einfach nur in São Paulo absteigen und erlebt eine fast schon surreale, endlose Betonlandschaft, die sich hervorragend als Kulisse für Endzeitdramen eignet. Und tatsächlich spielt sich die düstere Verfilmung der Buchvorlage „Die Stadt der Blinden“ aus dem Jahr 2008 zu großen Teilen in den Straßen von São Paulo ab. Die 11-Millionen-Metropole ist für Südamerika von ähnlicher Bedeutung wie New York für den Norden des Kontinents. Nicht umsonst wird dieser Vergleich oft bemüht, denn es gibt viele Parallelen, die man ziehen kann: Sie sind beide teuer, laut, hektisch, extrem geschäftig und auch gefährlich. Vor allem abends und nachts sollte

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Die einzige Möglichkeit, mit dem Stress der Stadt fertig zu werden, ist zu feiern. Schon Freitagnachmittag gehen die Paulistas, wie sich die Einwohner São Paulos gerne nennen, direkt von der Arbeit in die nächste Bar gleich um die Ecke, um das Wochenende kollektiv zu begießen. Oft endet das entspannte Reinfeiern am Samstagmorgen. Für Reisende heißt es, unbedingt ein Wochenende in der Stadt einplanen und feiern. Am besten kann man das in angesagten Clubs wie D.Edge, Vegas, Lions Nightclub und Clube Alberta #3. Oder man zieht einfach durch die Bars der Bohemiens an der Praça Roosevelt und die unzähligen Clubs der angrenzenden Rua Augusta. Wer urlauben und nicht nur feiern will, der ist in São Paulo falsch. Hierzu eine kleine Anekdote.

Hotels können nett sein, aber das wahre Leben vor Ort lernt man erst kennen, wenn man sich mitten in der Stadt eine Wohnung nimmt. Glücklicherweise fand sich eine Freundin, die mir und meinem brasilianischen Freund Giuliano ein wirklich schnuckeliges Zwei-ZimmerApartment für eine Woche zur Verfügung stellte. Unglücklicherweise ging einen Tag vor unserem Bezug die Dusche kaputt. Genauer gesagt das Heizelement für das Warmwasser im Duschkopf, da die meisten Häuser kein Fließendwarmwasser haben, geschweige denn eine Zentralheizung. Und da wäre schon das zweite Problem. Es ist August, also Winterzeit in Brasilien. Oft sind es frische 5 - 10 Grad Außentemperatur. Da es im Sommer bis zu 40 Grad heiß wird, haben die meisten Häuser keine Wandisolierung und auch keine Heizung. Die Wanddicke beträgt demnach semipermeable zehn Zentimeter. Wir halten fest: Kein Warmwasser (für gut zwei Tage), keine Heizung, keine Wandisolierung. Und nun das Sahnehäubchen: Das Haus mit den Schlafzimmerfenstern zur Straße hin steht etwa 20 Meter von einer achtspurigen! Stadtautobahn entfernt. Da half auch das Fensterschließen wenig, insbesondere weil es sich hierbei um süße Einscheiben-Schiebefensterchen handelte. Ab Mitternacht wurde der Verkehr zum Glück sporadischer und auch das permanente Hupen


alle Fotos © Martin Lewicki

Das Oktoberfest in Blumenau findet noch im Oktober statt

der etwa 200.000 lautstarken Mofa-Kuriere der Stadt verschwand am Horizont. Bis zu jener Nacht, an der das Stadtautobahnstück vor dem Schlafzimmerfenster neu asphaltiert wurde. Tagsüber war das Verkehraufkommen einfach zu groß, also musste der Asphalt nachts aufgerissen und neu verlegt werden. Das geschah in der siebten und finalen São-Paulo-Nacht. Erlösend war da nur der Gedanke, dass wir die Stadt am nächsten Morgen mit einem gemieteten Auto gen Süden verlassen würden. Blöd nur, dass uns eine vierzehnstündige, 1.000 Kilometer lange Autofahrt über die „Straße des Todes“ bevorstand. Endlich, die lang erträumte Autotour durch Brasilien kann losgehen! Nach vorheriger Recherche fanden wir das beste Angebot bei Hertz für etwa 35 Euro pro Tag, inklusive Versicherung und ohne Kilometerbegrenzung. Wir entschieden uns für das günstigste Modell, einen Fiat Palio 1.0, ohne Klimaanlage, dafür aber mit Radio und USB-Stick-Anschluss. Das Auto sah absolut neuwertig aus und hatte gerade mal 10.000 Kilometer runter. Eine Servolenkung hatte es dennoch nicht, ebenso wenig wie ABS und ESP. Was mich als Mitteleuropäer aber doch überraschte war die fehlende Heizung, die ich eigentlich bei jedem Auto voraussetze. Braucht man hier auch kaum, außer ab und zu im Winter. Blöderweise hatten wir Winter, es war relativ kalt und völlig verregnet. Das bedeutete ständig beschlagene Scheiben. Da half nur Fenster auf. Und das wiederum hatte kalten Fahrtwind im Nacken zur Folge. Aber eigentlich war es egal,

Nationalpark São Joaquim

weil Giuliano Kettenraucher ist und sowieso alle 20 - 30 Minuten das Fenster zum Rauchen öffnete. Das Auto und seine fehlende Heizung wurden schnell zur Marginalie in Anbetracht der Straßen, die wir vor uns hatten. Nach dem Gewusel São Paulos, ohne dabei einen der Millimeter entfernt rasenden Mofa-Kuriere umgenietet zu haben, begaben wir uns auf die so genannte „Straße des Todes“. Die BR-116 verläuft 4.385 Kilometer von Nord- nach Südbrasilien und zeichnet sich durch ihren lebensgefährlichen LKW-Verkehr aus. Unser kleines Teilstück von São Paulo nach Curitiba führte über kurvighügelige und schwer zum Überholen geeigneten Straßen mitten durch den Tropischen Wald „Mata Atlântica“. Hier wandert Tag und Nacht eine unendliche Lastwagenkolonne über hunderte von Kilometern durch. Es hatte schon etwas Comic-Haftes, sich mit einem Fiat Palio 1.0 (ohne Airbags) in strömendem Regen mit beschlagenen Scheiben und bei Nacht mit völlig verzerrter Sicht über Serpentinen zwischen den Lastwägen zu schlängeln. Von Curitiba ging es weiter südlich in den Bundesstatt Santa Catarina und die dortige Kleinstadt Joaçaba. Es ist die Heimatstadt von Giuliano. Völlig kaukasisch-europäisch aussehend, stammen die Vorfahren der meisten Einwohner hier aus Italien, Deutschland oder Österreich ab. Das Highlight von Santa Catarina sind die Städtchen Dreizehnlinden, Blumenau und Pomerode. Dreizehnlinden sieht nicht nur aus

Einer von 40 Traumstränden von Florianópolis

wie ein Kurort in Österreich, es ist auch eins mit Thermalwasser sogar, nur eben 12.000 Kilometer entfernt von Sissis Heimat. Am Ortseingang wird man begrüßt vom Hotel Schneider und einer Holzbrücke mit der fragwürdigen deutschen Aufschrift „Ein Leben für ein Ideal“. Etwas weiter Richtung Atlantikküste findet man dann Blumenau und Pomerode. Zwei Städtchen, die bewusst mit ihren deutschen Wurzeln spielen. Wer zum Beispiel in Pomerode in das Restaurant Siedlertal essen geht, bekommt sein Essen von bayerisch sprechenden, in Trachten gekleideten Männern serviert – untermalt von deutschen Schlagern. Den Höhepunkt der deutschen Kultur in Brasilien erlebt man aber in Blumenau. Mitten in der 1850 von deutschen Einsiedlern gegründeten Stadt befindet sich ein Oktoberfestgelände, das mit seinen malerischen Fachwerkhäusern und der daraus ertönenden Volksmusik fast schon Disneylandartig wirkt. Zum selbstgebrauten „Wunder Bier“ feiern hier im Oktober mehr als eine halbe Million Brasilianer deutsche Volkskultur. Wem das zu viel Deutschland in Brasilien ist, der sollte unbedingt 100 Kilometer weiter reisen nach Florianópolis an der Atlantikküste. Hier, in einer der schönsten Städte Brasiliens, auf einer vorgelagerten Insel, findet man an einem der 40 Strände doch noch die Erfüllung seiner brasilianischen Urlaubsträume.

Martin

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Die riesengroße SLEAZE-brrrrrrris-das-kalt-hierVerlosungsaktion E-Mails an geschenke@sleazemag.de Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen, das reine Glück entscheidet.

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So dicht war ein Telefon noch nie Und zwar haargenau so wasserdicht. Für all die Körperkläuse unter uns, die ständig mit der Schwerkraft kämpfen oder vergessen, beim Schwimmen das Handy aus der Hosentasche zu nehmen, hat Samsung das Galaxy Xcover auf den Markt geschickt. Dieses Handy hält nicht nur die Schusseligkeiten des Alltag aus, nein, es hat auch noch eine 3,2-Megapixel-Kamera mit LED-Fotolicht, welches ihr in der Not auch als Taschenlampe nutzen könnt. Das Xcover hat ein kratzresistentes TouchscreenDisplay, ist mit Android 2.3 voll internetfähig und die HSDPA-Verbindung mit einer Übertragungsrate von 7,2 MBit/s sorgt auch noch für eine schnelle Konnektivität. Wir könnten jetzt noch die vielen tollen technischen Einzelheiten aufzählen, die dieses Smartphone zu bietet hat, aber wir möchten euch ja nichts verkaufen, sondern wir möchten euch reich beschenken und verlosen ein niegel-nagel-neues Samsung Galaxy Xcover. Mehr Infos unter www.samsung.de. Wenn also dein altes, klappriges Handy jetzt endgültig in den letzten Zügen liegt oder es an der Zeit ist, endlich in das Smartphone-Zeitalter einzusteigen, du dir aber bisher keins leisten konntest, dann schick eine Mail an geschenke@sleazemag.de mit dem Stichwort: Handyhorst.

Dauerlistener. Der eine braucht Musik nur so am Rande, der andere würde ohne Musik in Depressionen verfallen. Für alle, denen es ähnlich geht und die auch unterwegs nicht auf Musik verzichten können, haben wir eine gute Nachricht. Wir haben keine Mühen gescheut, grandiose In-Ear-Ohrhörer für euch aufzutreiben. Diese sind nicht nur exzellent zu tragen, sondern bestechen noch dazu durch einen wirklich guten Klang. Die SE215 Sound Isolating Ohrhörer von Shure übertreffen die Standard-Hörer um ein Vielfaches. 90% der nervigen Umgebungsgeräusche werden abgeschirmt. Sie sind super geeignet für den MP3-Player und somit für unterwegs. Die Band-Menschen unter euch können diese Ohr-Stöpsel auch für’s In-Ear Montoring nutzen und den Gehörgang schonen. Beiliegende Silikon-Ohrpassstücke garantieren einen Sitz wie angegossen. Also, wenn ihr euer Gehör nicht schon mit zarten 30 Jahren verlieren möchtet, sind diese Ohrhörer genau das Richtige für euch. Wir verlosen zwei Stück an jeweils einen glücklichen Gewinner. Schickt dazu eine Mail an geschenke@sleazemag.de mit dem Stichwort: Hörgerät.

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Tolle Prei se Let it snow! Wer kennt das nicht? Ski-Saison, Piste stürmen, man kramt die Klamotten vom letzten Jahr aus dem Schrank und muss dabei feststellen: irgendwie sehe ich in diesem Jahr aus wie das Michelin-Männchen höchstpersönlich. Wir sorgen jetzt – ganz aus Eigeninteresse (Augenkrebs und so) für Abhilfe und verlosen ein komplettes Snowboard-Outfit aus der Gretchen-Beiler-Kollektion von Oakley. Von außen dezent und modern gehalten, zeigt sich das Outfit mit seinem bunten Futter als etwas ganz Besonderes. Aber nicht nur rein optisch machen die Sachen was her. Mit EcoStorm verwendet Oakley ein nachhaltiges Material, das die Umwelt nicht belastet und noch dazu mit einer hohen Wassersäule und Atmungsaktivität überzeugen kann. Reißverschlüsse, die unter den Armen angebracht sind, sorgen für Abkühlung. Wortwörtlich oben drauf bekommt ihr noch eine spitzenklasse Goggle. (Für alle SkiEinsteiger, das ist kein Tippfehler, gemeint ist eine fancy Ski-Brille.) Das Ganze stellt Oakley für die Frauen unter uns in Größe S zur Verfügung, denn es sind Samples. Ja genau, was zum Angeben. Alles was ihr braucht, ist ein Internetzugang, eine funktionsfähige Mail-Adresse, wenigstens einen Finger und etwas Glück. Um teilzunehmen, schickt eine Mail an geschenke@sleazemag.de und um Himmelswillen vergesst das Stichwort nicht, das da lautet: Snowtorpedow.

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Kannst du nicht einfach mal die Klappe halten? Wer auch immer da vorne redet, es interessiert dich nicht? Ob Lehrer, Eltern oder Lebensabschnittsgefährte, das Nokia X7 rettet dich vor allen nervigen Bedrohungen des Alltags. Einfach auf den Schoß legen, Kopf Richtung Tischplatte und losgezockt. Mit dem äußerst intelligenten Smartphone kannst du nämlich nicht nur filmen (HD Quality), fotografieren (8 Megapixel) oder per Twitter Hilferufe aussenden, sondern Gamen, bis dein Gegenüber heiser ist. Bring deine Mitmenschen zum Schweigen (zumindest in deiner Wahrnehmung) und schicke eine Email an geschenke@sleazemag.de, Kennwort: „Nervtötende Mitmenschen“ und gewinn das Smartphone inklusive Zockergames „Galaxy on fire“ und „Asphalt 5“.

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Pascal „Bro“ Scheib David „Was gibt’s noch zu tun?“ Jank Jero „hammerüberragend“ Kuck Anna „endlich wieder rot“ Lederle CoCo „ich koche“ Meurer Dominik „Knie” Lösch Celine van de Velde Katharina Försch Frankie „voll gut” Dittrich Ronja Hinz Lisa Kober Josefine „Geschirrtuch” Miram Frank Salvasohn Kilian Schneider Redaktionshund 1 Lena „Korb, Kohorb“ Hölig Boy Redaktionshund 2 Betty „Hundini“ Lederle

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COVER FOTOGRAF: Oliver Rath www.rath-photografie.de

SLEAZE erscheint im bfs. Verlag.

Heft #29 erscheint im FEBRUAR SLEAZE

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Pro Rider Series : Lava Jacket x Lava Pant

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UND DU WILLST WIRKLICH DEIN LEBEN

ENTSCHLEUNIGEN?

Fahrzeugdarstellung zeigt Sonderausstattung.

DAS NEUE MINI COUPÉ. ANOTHER DAY. ANOTHER ADVENTURE. Starten Sie mit dem neuen MINI Cooper SD Coupé voll durch! Ob sportlicher Antritt, begeisternde Agilität beim Zwischenspurt oder effizienter Kraftstoffverbrauch: das erste zweisitzige Coupé von MINI verfügt über echte Rennsportgene. Lassen auch Sie Alltag und Langeweile hinter sich! Mehr Infos unter www.MINI.de, der MINI Kundenbetreuung 0180 2 64 64 66* oder direkt bei Ihrem MINI Partner. * 0,06 EUR/Anruf aus dem deutschen Festnetz, höchstens 0,42 EUR/Min. aus deutschen Mobilfunknetzen.

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 4,3 [5,3] l/100 km, außerorts: 3,9 [4,3] l/100 km, innerorts: 5,1 [6,9] l/100 km, kombiniert: 114 [139] g/km. Werte in [ ] gelten für Fahrzeuge mit 6-Gang-Automatikgetriebe Steptronic. CO2-Emission 84 SLEAZE


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