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#19 TRASH MIT SUBSTANZ

OKT / NOV

kostet nix


Editorial

GO SLEAZE! GO SLEAZE! GO SLEAZE! Unser drittes Jahr SLEAZE. Das soll uns erstmal jemand nachmachen. Damals vor drei Jahren wussten wir gar nicht, worauf wir uns einlassen und jetzt nach drei Jahren können wir selbst nicht glauben, was wir auf die Beine gestellt haben. Wir haben gute und schlechte Menschen kennengelernt, gute und schlechte Dinge erlebt und gute und schlechte Dinge getan und wir haben auch gute und schlechte Dinge gegessen. Zusammengefasst sind wir die Größten, wir klopfen uns seit Tagen regelmäßig auf die Schultern und brechen in Tränen aus. Trotzdem hat dieses unglaubliche Magazin nicht darunter gelitten und hat die besten Themen der 80er, der 90er und von heute im Angebot. Polen trifft auf Puma trifft auf Drogen trifft auf Tattoos trifft auf Schweine. Wir hoffen, wir treffen euch auf unserer Jubel-äh-um SLEAZE am 20.11.2010 und ihr klopft uns auch auf unsere Schulter und brecht in Tränen aus. Wir lieben euch.

Euer SLEAZE

SLEAZE Oktober/November 2010

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Inhalt

S

L

E

A

Z

E

4

6

InFemme

9

Río Tinto

10

Mugshots

14

„Auch Asseln haben ihren Stolz!“

16

i-Dose - das erste Ohr ist umsonst.

20

Feierabendathleten

30

Schuhting

33

Games News

34

Wir werden alle sterben!

36

Kino

38

Game Previews

39

Mimikry

40

Blood into Wine

41

Im Dienste Ihrer... Sherlock Holmes

42

Bücher

44

Comic

48

Grafikerplatz: til01

50

Tattoos - erst am Pranger, jetzt an jeder Haut

52

bananca

54

Bunter Schinken

57

Brooklyn‘s Best

58

Band, Baby, Banjo.

60

So laut kann Leere sein.

62

Musikrezensionen

66

Festival-Nachberichte 2010

70

Phoenix live? Nehmen wir mit.

71

Rollen auf Weltniveau

71

Thanks to Ultrnx!

72

Jubel-äh-um SLEAZE: die Party

74

Sleaze unterwegs: in Oregon und Washington

76

Sleaze unterwegs: Das Tijuana des Ostens

79

Die große Jubel-äh-um-SLEAZE-Verlosung

82

Impressum

magazin

mode

medien

lebenskunst

musik

SLEAZE Oktober/November 2010


TEILNAHMEZEITRAUM : 11.10.201022.11.2010 DU SIEHST WAS, WAS WIR NICHT SEHEN. ZEIG UNS UNSERE DESIGN-FLASCHE IN DEINEM URBANEN UMFELD. INSZENIERE SIE VOR DEINER LINSE. GEWINNE GELDPREISE IM GESAMTWERT VON 2.500 €. TEILNEHMEN UNTER:

WWW.FACEBOOK.COM/VELTINS SLEAZE Oktober/November 2010

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TEXT VON INFEMME ART VON LE GIRARD FOTO VON JENZIG71 / PHOTOCASE.COM

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n i z a g a M

ROSS

E DO NOT C

ROSS

E DO NOT C

POLICE LIN

SS O NOT CRO

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POLICE LIN

POLICE LIN

ROSS

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E DO NOT C

ROSS

E DO NOT C

POLICE LIN

ROSS

POLICE LIN

ROSS E DO NOT C POLICE LIN ROSS S S O R P E DOOLINOCET CLINE DO NOT C POLICE LIN ROSS POLICE LIN E DO NOT C RO

E DO NOT C

ROSS

E DO NOT C

POLICE LIN

9

Río Tinto

10

Mugshots

14

„Auch Asseln haben ihren Stolz!“

16

i-Dose - das erste Ohr ist umsonst.

SS

Der einschlägig in Erscheinung Getretene wurde im Rahmen eines öffentlich ausgetragenen Musikkonzertes am 1. März 1969 von Ordnungskräften dabei beobachtet, wie er eine unflätige und die Ordnung zutiefst gefährdende Handlung an der Gitarre des Zeugen Robby Krieger andeutete. Bei dieser Bewegung handelte es sich um das in einschlägigen Kreisen bekannte „Fellatio“. Die örtlich zuständige Polizeibehörde von Dade County erließ daraufhin am 5. März 1969 Haftbefehl gegen den Beschuldigten wegen des „unzüchtigen und lasziven Verhaltens“ sowie fünf weiterer Taten, dessen er im Verdacht stand, unter anderem unzüchtige Entblößung und Nutzung von vulgärer Sprache in der Öffentlichkeit.

Unten: Anna Nicole Smith

E DO NOT C

Die Person wurde am 21.09.1989 in Houston/Texas als Fahrerin eines Fahrzeuges angehalten und einer Kontrolle unterzogen. Im Verlauf der Kontrolle wurde Alkohol in ihrer Atemluft festgestellt. Es wurde eine Blutentnahme angeordnet.

Oben: Jim „Break-On-Through“ Morrison

POLICE LIN

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Río Tinto Der Fluss des (rostigen) Blutes

In Spanien, genauer gesagt in Andalusien, entspringt in Sierra Morena, im Norden der Provinz Huelva, ein Fluss, der sich auf einer Länge von 100 Kilometern weigert, ein idyllisches Blau anzunehmen. Der Río Tinto ist rot, blutrot. Gut okay, eigentlich eher rostrot, aber blutrot klingt dramatischer. Bei einem fantasievollen Blick von weit oben könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich da eine Ader des Planeten befindet, durch die sich das „Welt-Blut“ kontinuierlich zum Weltmeer, in Form des Atlantischen Ozeans, durchschlängelt und dort ergießt. Da wir aber alle dunkle, pessimistische Zeitgenossen sind, die das Okkulte lieben, sehen wir darin viel lieber unzählige permanente Menschenopfer, Hexenriten und einen dämonischen Fluss voller Blut. Was so eine kleine Erzlagerstätte alles für Auswirkungen haben kann. Im Falle des Río Tinto ist die Verwitterung von sulfidischen Schwermetallmineralien an der roten Farbe des Wassers schuld. Hohe Konzentrationen von Eisen und Kupfer sind überall im Río Tinto zu finden. Daneben gelangt durch die Oxidation bei der angesprochenen Verwitterung auch Schwefelsäure in den Fluss. All das sollte einen nicht dazu animieren, täglich im Fluss zu baden und das herrliche, rote Wasser zu konsumieren. Die Potenz steigert es jedenfalls nicht. Man sollte des Weiteren annehmen, dass auch Fische und sonstige Lebewesen diesen Säure-SchwermetallCocktail meiden würden – außer natürlich dämonische Kreaturen. Es gibt aber in der Tat possierliche säureliebende Mikroorganismen, so genannte „acidophile“ Tierchen, die diese stark saure Mischung vorziehen.

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Ebenfalls gibt es durchaus viele Menschen, die den Río Tinto lieben und daraus schon seit vielen Tausenden von Jahren Profit ziehen. Um genau zu sein haben schon die Römer (und davor sogar das iberische Königreich Tartessos, 3000 vor Christus) in der Necrópolis de la Dehesa die wertvollen Rohstoffe der Region abgebaut. Es gibt entlang des Flusses viele Minen. Neben Kupfer und Eisen wird mittlerweile auch nach den profitableren Silber- und Golderzen gebuddelt. Diese Minen zählen zu den ältesten aktiven Minen überhaupt. Geneigten Andalusien-Touristen wollen wir an dieser Stelle das Bergwerksmuseum in Minas de Ríotinto ans Herz legen. Dort kann man auch Tickets zum Besuch einer der größten Tagebau-Stätten Europas, der Corta Atalaya, kaufen oder eine Fahrt mit einer alten Bergwerkseisenbahn buchen. Kein Zweifel, der Río Tinto steht für Profit und Reichtum – trotz seiner eher lebensfeindlichen Bestandteilen und appetitlichen Farbe (seine extreme Konsistenz wird von NASAWissenschaftlern mit möglichen unterirdischen Flüssen auf dem Mars verglichen). 1873 wurde die Rio Tinto Group gegründet, welche heute mit jährlich über 40 Milliarden Dollar Umsatz zu den größten Bergbaugesellschaften der Welt zählt. Ein Multi-Milliarden-DollarKonzern mit dem Namen eines unnatürlichroten Flusses, welcher eine dämonische Aura verstrahlt – ja, das passt doch wieder einmal herrlich in unser diabolisches Weltbild! Pascal

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O NOT CRO SS

POLICE LIN E DO NOT C ROSS

POLICE LIN E DO NO

DAS QUIZ

„Sorry, aber das geht gar nicht... Dieses Licht… grässlich! Können die da nicht mal mit Photoshop rübergehen, bevor sie das in ihr Netz stellen. Jede Unreinheit sieht man da. Können wir vielleicht nochmal?! Wenn ich mich so hinstelle, kommt das besser rüber. Habt ihr nicht etwas zum Pudern? Meine Nase glänzt ja wie ein Weihnachtsstern!“

SS O R C T O N E DO N I L E C I L O P

Diesen Monolog könntet ihr führen, wenn ihr es denn wollt und euch anstrengt. Denn ein Shooting dieser Art bekommt nicht jeder und schon gar nicht alle Tage. Baut mal richtigen Scheiß, und gebt euch beim Abhauen und Vertuschen nicht so viel Mühe, dann kann es sein, dass die Polente euch in ihre Finger kriegt und tolle Bilder macht. So wie von den folgenden Prominenten. Ein toller Ratespaß, möglich gemacht durch die freundliche Polizei Nordamerikas.

Die Person wurde nach langwierigen Ermittlungen des Straßenhandels mit Heroin und Crack überführt. Aufgrund des jungen Alters der Person und des Schuldigbekennens der ihm vorgeworfenen Straftaten wurde er im Rahmen eines BootcampAufenthaltes resozialisiert.

Woody Harrelson

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Fuffzich Pfennig

OSS R C T O N O ICE LINE D

ROSS C T O N O D E POLICE LIN

Am heutigen Tage, den 12.10.1982, erhielten wir den Auftrag, einem eingegangenen Notruf bei der Leitstelle nachzugehen. Einsatzgrund hier war der Verdacht des Eingriffs in den Straßenverkehr. Am Tatort angekommen, konnte eine scheinbar angetrunkene männliche Person festgestellt werden, welche sich auf der stark befahrenen Hauptstraße befand und zu tanzen schien. Die Person wurde durch uns angesprochen und von der Straße gebeten. Nachdem die Person der Aufforderung, die Straße zu verlassen, nicht nachkam, wurde durch zwischenzeitlich eingetroffene Einsatzkräfte der betreffende Fahrstreifen gesperrt. Nachdem der H. nun erreicht wurde, wurde er dem Dienstfahrzeug zugeführt. Im Zuge des Einsteigens widersetzte sich der Beschuldigte der Festnahme und versuchte, sich dieser zu entziehen. Im Rahmen der Nacheile konnte der H. gestellt werden und sieht nun einer weiteren Anzeige wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte entgegen.

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OT CROSS

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Der einschlägig in Erscheinung Getretene wurde im Rahmen eines öffentlich ausgetragenen Musikkonzertes am 1. März 1969 von Ordnungskräften dabei beobachtet, wie er eine unflätige und die Ordnung zutiefst gefährdende Handlung an der Gitarre des Zeugen Robby Krieger andeutete. Bei dieser Bewegung handelte es sich um das in einschlägigen Kreisen bekannte „Fellatio“. Die örtlich zuständige Polizeibehörde von Dade County erließ daraufhin am 5. März 1969 Haftbefehl gegen den Beschuldigten wegen des „unzüchtigen und lasziven Verhaltens“ sowie fünf weiterer Taten, dessen er im Verdacht stand, unter anderem unzüchtige Entblößung und Nutzung von vulgärer Sprache in der Öffentlichkeit. Die Person wurde am 21.09.1989 in Houston/Texas als Fahrerin eines Fahrzeuges angehalten und einer Kontrolle unterzogen. Im Verlauf der Kontrolle wurde Alkohol in ihrer Atemluft festgestellt. Es wurde eine Blutentnahme angeordnet.

Unten: Anna Nicole Smith Oben: Jim „Break-On-Through“ Morrison

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Im Rahmen umfangreicher Ermittlungen unter Einbindung des Sittendezernates und eines Ermittlungsbeamten der Staatspolizei von New York konnten am frühen Morgen des 21. März 1976 der englische Staatsangehörige gemeinsam mit dem US-Bürger J. Osterberg in einer Drei-Zimmer-Suite im Americana Rochester Hotel in Rochester, New York, angetroffen und festgenommen werden, nachdem beiden Personen der Besitz von ca. 230 Gramm Marihuana nachgewiesen werden konnte, welches in besagtem Hotelzimmer lagerte. Die Festgenommenen wurden der Gefangenenstelle der örtlichen Polizeibehörde des Monroe County zugeführt, von wo aus sie nach Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 2000 Dollar am gleichen Tage entlassen wurden. Die Anhörung wurde auf den 25. März anberaumt.

ł David „Thin White Duke“ Bowie Am heutigen Tage versah ich meinen Dienst im Rahmen der Verkehrsüberwachung des Fließverkehrs in Anchorage/Alaska. Mir fiel ein hin und herfahrender Oldsmobile Tornado auf der 4th Avenue auf und ich entschloss mich, das Fahrzeug anzuhalten. Der Anfangsverdacht der Trunkenheit am Steuer schien mir gegeben, so dass ich die Person bat, aus dem Fahrzeug zu steigen und einen Nüchternheitstest durchführen zu lassen. Nachdem er im Rahmen des Tests eine Vorwärtsrolle absolvierte, wurde er vorläufig festgenommen und ihm wurde vorübergehend die Freiheit entzogen.

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Steve „Cincinnati Kid“ McQueen

O NOT CROSS

ROSS

POLICE LINE DO NOT C

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POLICE


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POLI

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Durch eine Anzeige des Zeugen und Geschädigten konnte der hier Beschuldigte am 27.11.1938 bei Tatbegehung festgenommen werden. Ihm wird der fortgesetzte intime Verkehr mit einer verheirateten Frau vorgeworfen. Die Anklage lautete später auf Ehebruch und konnte bis zum Beginn der Hauptverhandlung letztlich nicht mehr aufrechterhalten werden.

Ņ Frank „The Voice“ Sinatra

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Im Rahmen eines umfangreichen Verfahrens konnte am 2.10.1978 nunmehr ein Erfolg bezüglich der Festnahme eines vermutlichen Kokainhändlers vermerkt werden. Monatelange Ermittlungen führten zu dem Einsatz von verdeckten Polizeibeamten des Staates Michigan, welche den scheinbaren Willen zeigten, eine größere Menge Kokain erwerben zu wollen. So konnte am Tag der Übergabe die Person als vermeintlicher Händler festgenommen werden. Aufgrund der hier bekannten aufgefundenen Menge ist mit einer hohen Haftstrafe zu rechnen.

ł Tim „Tool Man“ Allen .. SLEAZE Februar SLEAZE Oktober/November 2010 / Marz 2010

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„Auch Asseln haben ihren Stolz!“ Wir haben die Rubrik ins Leben gerufen, weil Ungerechtigkeit herrscht – wieder einmal. Die süßen, niedlichen, ach so knuffigen Tiere werden mehr erforscht als die einäugigen, zweinasigen, dreibrüstigen. Kurz – die Freaks unter uns. Wusstet ihr das? Gut, das muss nichts Schlechtes sein. So landet man auch seltener im Tierlabor. Ungerecht ist es trotzdem. Eher Euthanasie als Darwin. Und außerdem: Frauen dürfen inzwischen auch ganz emanzipiert dumme „männliche“ Sachen machen – wie einen Krieg zu führen. Also fordern wir endlich Gleichberechtigung auch bei der Forschung. Menschen sollten in Versuchslabors zu gleichen Bedingungen wie Affen zugelassen, hässliche Tiere genauso wie süße erforscht werden. Da das allerdings noch in weiter Ferne liegt, sind die Tiere gefährdet. Wir steuern hiermit entgegen. Mit der ersten Kontaktsuchseite für die VERMEINTLICH HÄSSLICHEN UNTER UNS.

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Harte Schale, weicher Kern Liebe Hartschaligen und Weichherzigen, die Asseln sind die Araber der Krabbeltier-Szene: Sie sind unerwünscht, aber trotzdem überall. Wenn man dazu noch so ein Schwergewicht wie unser heutiges Schmusetier A.G. ist, hat man es wortwörtlich noch schwerer. Dies musste mein neuer Freund schon oft am eigenen Kalkleib erleben. Ja gut, A.G. gehört zur Gruppe der Ranzenkrebse und Asseln, und nun? Muss man deshalb gleich die Schublade für Vorurteile oder Insektenspray aufmachen? Außerdem sind Asseln sowieso Krebse und keine Insekten, ha! Und der gute A.G. lebt dazu noch in der Tiefsee. Womit wir beim Problem wären. Dort ist er zwar sicher vor ekelnden (und ekligen) Menschen, aber leider auch oft zu sicher vor attraktiven, lieben und liebenden Frauen. Darum möchte ich alle, die einen Keller besitzen oder generell gute Kontakte zu Asseln oder in die Tiefsee haben, bitten, sich für A.G. einzusetzen. Er ist die Königsassel unter den Riesenasseln. Ihr würdet mir einen großen Gefallen tun. Oberrassel d. Kurz etwas zu meiner Person: Ich komme mal gleich zum Punkt: Ich bin ruppig. Wer also mit mir klarkommen will, muss was abkönnen. Wie du siehst, bin ich aber auch sehr selbstreflektiert. Ich weiß, wie ich rüberkomme: Ein Riese, der sich wie ein Bauer benimmt. Ich hab‘ keinen Job, viel Hunger, kann aber nicht kochen. Ich esse alles, was so herumliegt. Mein Onkel war Psycho-Irgendwas und meinte, ich müsse positiver werden. Also zum Abschluss noch was Positives: Ich habe einen großen Beschützerinstinkt. Wen ich mag (und wer mich mag – auch wenn das nicht viele sind), der fühlt sich sicher und wohl bei mir. Wen ich suche: Meine persönliche Meerjungfrau. Aussehen, Alter, Beruf – ist mir alles Krebs. Du solltest einigermaßen gut mit ruppigen Meerwirten, wie ich einer bin, umgehen können. Ansonsten hätte ich einfach gern eine Nette, die ein bisschen Sonne in meine persönliche Tiefsee bringt. Du musst nichts Besonderes können, du musst mir nichts beweisen. Einfache Dinge zu zweit – wie am Wochenende mal ans Riff schwimmen oder gelegentlich Romantisches wie gemeinsames Plündern von Fischernetzen – wären schön. Ich bin schon recht lang allein. Ich würde mich freuen, wenn du dich meldest. Bei Interesse kannst du Kontakt aufnehmen unter der Chiffre „Herz- und Nierenbrecher“ mit einer Mail an danilo@sleazemag.de.

Nick: Asi Grande, kurz auch A.G. Name: Riesenassel / Bathynomus giganteus Geschlecht: männlich Beruf / Beschäftigung: Hartz-IV-Empfänger Wohnort: Tiefsee, Atlantik Größe: riesige 49 cm lang und wohlproportionierte 2,1 Kilo schwer Hobby: Fernsehen mit einer großen Schüssel Fadenwürmer und einem Träger Atlantik-Bier Motto: Wer mir an den Kalk will, kriegt mehr als Herpes.

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i-Dose

Das erste Ohr ist umsonst. In der Redaktion kann es chaotisch zugehen. Elektro-Smog und Datenstau drücken aufs Gemüt. Stress, Gliederschmerzen und Migräne sind die Folge. Im Vergleich zur Werbegesellschaft setzen wir jedoch auf Altbewährtes und Unbekanntes, nicht auf bunte Pillen von debil grinsenden Apothekerfachkräften und eineiigen Zwillingen mit Werbesprüchen gemacht von brabbelnden Kindergartenkindern. Nein, wir wollen Grenzen sprengen und Ketten erweitern. Wenigstens haben wir so etwas in der Art vor. Wir testen legale Drogen.

Um uns selbst nicht allzu sehr zu verletzen und ernsthaften gesundheitlichen Schäden aus dem Weg zu gehen, experimentierten wir an freiwilligen Opfern, die man wie selbstverständlich im Internet findet. Die legale Droge fanden wir ebenfalls online. Was? Das Ergebnis lest ihr hier. Ansehen könnt ihr euch das Gelöt im Internet unter www.sleazemag.de.

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Was ist eine i-Dose? Als i-Dose wird eine Audiodatei bezeichnet, die man mit einem speziellen Programm, dem i-Doser, am PC öffnen kann. Um die Entstehungsgeschichte der i-Dose ranken sich viele Verschwörungstheorien. Die mysteriöseste und filmreifste hat natürlich mit der US-Regierung zu tun. So soll sich eine Geheimbehörde mit dem Einfluss von verschiedenen Tönen und Klängen auf das Unterbewusstsein und die Gehirnströmungen beschäftigt haben. Wegen zu verstörender Ergebnisse soll die ExperimentReihe allerdings abgebrochen worden sein. Wie konsumiere ich eine i-Dose? Nachdem der i-Doser installiert ist und du dir im Online-Shop eine i-Dose (Kosten: 1-200 €) ausgesucht hast, kannst du fast schon loslegen. Wichtig ist, dass du dich in einem abgedunkelten, ruhigen Zimmer befindest. Keine Musik, kein Bier, keine Lebewesen, keine Ablenkung. Wichtig: Deine i-Dose genießt du am besten im Liegen und über StereoKopfhörer. Nicht über Lautsprecher. Wie wirkt die i-Dose? Die Idee ist folgende: Jede Droge beeinflusst die Strömungen in deinem Gehirn. Lappen, Zellen und Synapsen werden verklebt, blockiert, erweitert oder getäuscht. Das macht den Rausch aus, den wir beim Saufen, Kiffen und Co. verspüren. Die Langzeitfolgen sind – schon klar – nicht so fein. Die i-Dose soll durch ihre im Schnitt 30 Minuten dauernden Tonspuren diesen Rauschzustand herbeiführen, ohne Hangover und Leberzirrhose. Wabernde und komplexe Tonspuren sollen dein Gehirnfeld so stimulieren, dass du dich fühlst, als hättest du gerade mit Jack, Jim und John den Geburtstag von Captain Morgan gefeiert. Im Shop gibt’s für fast alle Drogen und Gefühle eine i-Dose, z.B. Alkohol, Heroin oder für Orgasmen. Nebenwirkungen und Gefahren Der „Hersteller“ legt Wert darauf, dass es für die iDose keine Nebenwirkungen gibt. Kurzfristig kann es zu einer Art Müdigkeit und Verwirrung kommen. Laut Factsheet dauern diese aber nur so lange an, bis sich die Gehirnströmungen wieder normalisiert haben. Wie lange das dauert, hängt von euch ab. Rechtliche Situation Die i-Dose ist vollkommen legal. Eine rechtliche Handhabe gibt es bislang nicht und wird es vermutlich auch nicht geben, warum auch? Man sollte zwar vermeiden, Sekunden nach dem Konsum Maschinen oder Auto zu bedienen. Das steht aber auch auf jeder Paracetamol-Packung. Letztendlich ist und bleibt es eine Audiodatei, DJ Bobo darf ja auch Musik machen.

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Stimmen der Probanden Josi Wie war dein Zustand vor der ohrralen Einnahme? Ich war total übermüdet und hatte einen leichten Kater, da wir am Vorabend gefeiert hatten. Ansonsten war alles in Ordnung. Beschreibe uns die für dich positiven und negativen Symptome während des Trips? Positiv war nur diese Losgelöstheit, das Negative hat überwogen. Diese unwillkürlichen Muskelkontraktionen, gegen die man sich versucht hat zu wehren, waren unangenehm. Außerdem hatte ich Atemnot. Dein Fazit. Würdest du wieder eine i-Dose schmeißen? Denkst du, die i-Dose könnte langfristig ein Ersatz für illegale Drogen sein? Ich denke nicht, dass die i-Dose eine wirkliche Alternative darstellt, nehmen würde ich sie trotzdem nochmal.

Götz Wie war dein Zustand vor der ohrralen Einnahme? Ich war nicht wirklich ausgeschlafen, noch recht müde. Körperlich also nicht allzu fit. Beschreibe uns die für dich positiven und negativen Symptome während des Trips? Negativ war diese Magenaction. Alles hat gegrummelt und war in Bewegung. Positiv war das Gefühl der Schwerelosigkeit und Losgelöstheit. Dein Fazit. Würdest du wieder eine i-Dose schmeißen. Denkst du, die i-Dose könnte langfristig ein Ersatz für illegale Drogen sein? Nehmen würde ich eine i-Dose jederzeit wieder, nur als Alternative zu normalen Drogen kann ich mir das nicht vorstellen.

Tanna Wie war dein Zustand vor der ohrralen Einnahme? Ich war sehr skeptisch ob die i-Dose wirklich funktioniert. Ich hab mich drauf gefreut und wollte wissen, ob ich wirklich etwas merke, einen Zustand wie bei illegalen Drogen zum Beispiel. Beschreibe uns die für dich positiven und negativen Symptome während des Trips? Ich kann definitiv die negativen vorne weg nehmen, weil es keine gab. An sich war es für mich eine andere Art des „Runterkommens“, da ich während der 30 Minuten entspannen konnte. Leider konnte ich mich erst nach einer Weile vollkommen auf die i-Dose einlassen. Die Wirkung war dementsprechend sehr angenehm für mich. Ich fühlte mich „breit”, konnte die Verbindung von Kopf und Körper nicht mehr richtig wahrnehmen. Dein Fazit. Würdest du wieder eine i-Dose schmeißen? Denkst du, die i-Dose könnte langfristig ein Ersatz für illegale Drogen sein? Für mich ist es auf keinen Fall eine Droge, die man zum Partymachen konsumiert. Allerdings weiß ich auch nicht, wie es im Zusammenhang mit anderen berauschenden Substanzen harmoniert. Nehmen würde ich es jederzeit wieder. DARF’S NO CH ETWAS Komplette MEHR SE In IN fatale Hint terviews, wahnwitz ? ergrundfak ige Be auf www te n zu diesem wegtbilder in Serie .sleazem Artikel fin und ag.de. dest du ab sofort

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Julian

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Feierabendathleten

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FEIERABENDATHLETEN DIE CREDITS 28

Frau: Heroes T7 Sweat Pants, Archive Heroes T7 Tee Jungs: good tee 2

Frau: Suede Classic Shoes, Archive Heroes T7 Tee & Track Jacket, move 3/4 Pants Jungs: links Archive Heroes T7 Track Jacket & Track Pants, Heroes T7 Tee rechts Heroes T7 Track Jacket II

Frau: Heroes Track Jacket, Heroes T7 Sweat Pants, Archive Heroes T7 Tee, Suede Classic Shoes Jungs: links Heroes T7 Tee, Archive Heroes T7 Track Pants, Suede Classic Shoes rechts Archive Heroes T7 Track Jacket & Tee, Suede Mid Velcro Shoes, PUMA Jeans Men‘s Regular Fit Taschen im Hintergrund: First Round Handbag, Originals Reporter

Frau: Urban Cropped Jacket & ¾ Knit Pants, Dallas Shoes Jungs: Archive Heroes T7 Track Jacket & Pants, Stencil Tee, easy Wing Mashup

Frau: Heroes T7 Windbreaker & Sweat Pants, Archive Heroes T7 Tee Jungs 1 links: Archive Heroes T7 Track Jacket, Crew Tee, PUMA Jeans Men‘s Regular Fit Jungs 2 mitte: Archive Heroes T7 Track Jacket Jungs 3 rechts: Archive Heroes T7 Track Jacket Tasche im Hintergrund: PUMA Suede Reporter Frau: Lifestyle Graphic Top Jungs: links Edition Graphic Tee, PUMA Jeans Men‘s Regular Fit, Suede Classic Shoes rechts Lifestyle Vintage Polo, Cardigan, Dallas Shoes

Frau: Archive Heroes T7 Track Jacket & Track Pants & Tee, Suede Classic Shoes Jungs: links Archive Heroes T7 Track Jacket & Pants, Suede Mid Velcro   Shoes rechts Heroes T7 Track Jacket & Pants, Easy Wing Masup Styling und Organisation: Julia Roth Organisation und Bildumsetzung: Minu (Jennifer Klein) Visagistin: Julia Heppner Fotograf: Mark Mattingly www.markmattingly.com DARF’S NO CH ETWAS Komplette MEHR SE In IN fatale Hint terviews, wahnwitz ? ergrundfak ige Be auf www te n zu diesem wegtbilder in Serie .sleazem Artikel fin und ag.de. dest du ab sofort

Models: Norwén Bodner von Indeed Models www.indeedmodels.com

Linda-Marlena Runge von Rockstar-Models www.rockstar-models.com

Björn Baasner, Lenny Funck Location: Jägerklause in Berlin / Friedrichshain Vielen Dank an alle Beteiligten für das entspannte und lustige Shooting.

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SCHUHTING: Perpedestuum mobile 30

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Linkes BIld rechtes Bild oben adidas, Nike, Converse Jimi Hendrix, Fila unten adidas, Vans Sk8-Hi The Pixies, Fila, Bape, k1x Patrick Mohr

Fila, Vans, Converse Jimi Hendrix, adidas oben adidas, Nike, Fila, Vans, Converse unten

Marie Staggat Fotograf www.marie-staggat.com Studio im Club Tresor Location Julia Roth Idee & Umsetzung

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es m a G he r c 端 B e Fi l m DVD cs i Com

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Games News

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Wir werden alle sterben!

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Game Previews

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Mimikry

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Blood into Wine

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Im Dienste Ihrer... Sherlock Holmes

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B端cher

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Comic

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Games news Dauerzocken im chilenischen Untergrund In Chile wurden 33 Minenarbeiter verschüttet. Die Bergungsarbeiten gehen schleppend voran und an eine Rückkehr ans Tageslicht ist auf lange Sicht nicht zu denken. Womöglich werden die Leute dort unten auch Weihnachten verbringen müssen. Als kleine Vorweihnachtsgeschenke gab es durch den Versorgungsschacht nun schon einmal einige PSP zur Unterhaltung. An sich keine üble Idee, allerdings sollte der Nachschub an Akkus besser nicht abreißen, denn mit einer Ladung schafft der Sony Handheld circa sechs Stunden virtuelles Vergnügen. Satte fünf Euro für jedes SchleckerDatenpannen-Opfer! Der sympathische Drogerieladen Schlecker ist wieder einmal in den Schlagzeilen. Wieder einmal negativ. Dieses Mal gab es Probleme mit dem Datenschutz. Ungefähr 150.000 Kundendaten waren im Netz frei zugänglich und wurden auch prompt veröffentlicht. Das Profil mit zugehörigen Vor- und Nachnamen, Anschrift und E-Mail-Adresse war zeitweise für jedermann sichtbar. Schuld an der Panne haben aber selbstredend andere. Die Drogeriekette lehnt jegliche Verantwortung ab. Schlecker zeigt sich allerdings wieder einmal ausgesprochen generös und schickte jedem Betroffenen per E-Mail einen Einkaufsgutschein über fünf Euro – mehr können sensible Kundendaten auch kaum wert sein. Pikantes Detail: Laut Internetberichten Betroffener war der Gutschein bis zum 31.08.2010 einzulösen und setzte einen Mindesteinkaufswert von 15 Euro voraus.

Games-Geflüster von Pascal Neuigkeiten, Gerüchte und Fundstücke aus der Welt der Videospiele

dem Chemie- und Biologie-Unterricht konkret anwenden. Neben der Wahl der Mittel sollten der Zeitpunkt und der Ort benannt werden, die den Zöglingen am effektivsten erschienen. Ebenfalls sollte die Wirkung der ausgewählten Mittel auf den menschlichen Körper im Detail aufgeführt werden. So sieht mal spannender und praxisnaher Unterricht aus! Allerdings fiel dieses Projekt bei den Behörden durch, auch Eltern waren nur wenig aufgeschlossen für so viel kontroverse Innovation. Schade! Der Duke gibt sein Comeback 2011 – diesmal wirklich wirklich! Wie oft haben Zocker in den letzten 13 Jahren schon diesen Satz gelesen: „Duke Nukem Forever erscheint!“? Unzählige Male! Und mindestens ebenso oft kamen dann Verschiebungs-Meldungen beziehungsweise überhaupt keine Rückmeldungen mehr – bis das Game einige Monate später eben wieder angekündigt wurde. Auf der diesjährigen Ausgabe der Penny Arcade Expo (PAX) war es wieder einmal so weit: Duke Nukem Forever erscheint! Und zwar 2011. Eigentlich ist diese Ankündigung keine Meldung mehr Wert, da dieser Running Gag langsam wirklich ausgelutscht ist. Allerdings ist nach der vorübergehenden Insolvenz des ursprünglichen Erfinders 3D-Realms (warum die wohl Pleite gegangen sind?!) nun Gearbox für die Entwicklung zuständig. Und diese scheinen nun Ernst zu machen und präsentierten auf der PAX eine spielbare Version des Shooters um den coolen MachoHelden. Das Spiel machte einen überraschend guten Eindruck, was nur damit erklärt werden kann, dass Gearbox mit der Entwicklung wohl nochmals komplett von vorne begonnen hat. Hail to the King, Baby!

SLEAZE Oktober/November 2010

PSP-Phone in Entwicklung? Die Gerüchte halten sich schon seit einiger Zeit hartnäckig, dass Sony – mit Unterstützung der Sony-Ericsson-Profis – an einer PSP mit Telefon-Funktionen werkelt. In Anbetracht des Erfolgs von Apple mit dem iPhone und den dazugehörigen Apps sicherlich keine so abwegige Vermutung. Erste Fotos und Fakten kursieren auch schon im Internet. So soll es einem Touchscreen-Smartphone ähneln, zusätzlich aber ein ausziehbares PSPControlpad besitzen. Als Betriebssystem soll Android 3 dienen. das Gerät selbst soll von einem 1-GHz-Prozessor angetrieben werden. Ob diese Informationen haltbar oder nur Fake sind, bleibt abzuwarten. Nach dem Mega-Flop der PSP Go wäre es vor allem spannend zu sehen, ob Sony dem PSP-Phone ein Laufwerk spendiert oder sich wieder ausschließlich auf downloadbare Inhalte verlässt.

u d t

s a „Terroranschlagsplanung“ auf dem Stundenplan einer australischen Schule Eine Lehrerin an einer australischen High School hatte eine besonders innovative Idee, ihren Zehntklässlern das Thema „Konfliktlösung“ zu vermitteln. Aufgabenstellung war die Planung eines terroristischen Anschlags mit dem Ziel, einer Botschaft das größtmögliche Gehör zu verschaffen – alles fiktiv wohlgemerkt. Um diese Beachtung in der Bevölkerung zu erreichen, sollten die „unschuldigsten Zivilisten“ durch einen chemischen oder biologischen Angriff getötet werden. Zur Lösung der kreativen Aufgabe konnten die Schüler also gleich ihr erlerntes Wissen aus

mit dem nächsten Update ihrer Konsole mehr Bandbreite zukommen zu lassen. Erschreckend ist dabei, dass die gegenwärtige mickrige Komprimierungsrate schon im Jahre 2002 festgelegt wurde! Neben dieser bestätigten Verbesserung fragen sich Fans, was möglicherweise noch an neuen Features kommt. Möglicherweise gar eine YouTubeAnbindung oder die Möglichkeit, mit der Xbox 360 E-Mails zu empfangen? Gerade YouTube wäre mit der kommenden Kinect-Kamera eine interessante Sache.

Xbox 360: Herbstupdate bringt besseren Voicechat! Und auch YouTube- und E-MailClient? Nahezu fünf Jahre lang mussten sich Xbox360-Spieler mit schwacher Sprachqualität beim gemeinsamen Zocken über Internet herumärgern. Phasenweise war eine Verständigung kaum möglich. Schwache Leistung, wenn man bedenkt, dass Microsoft für Xbox Live 60 Euro pro Jahr haben will. Nun hat der Konzern angekündigt, dem Voicechat

Portal 2: Fortsetzung des Kultspiels bekommt Co-Op-Modus spendiert Eines der kreativsten Spiele der letzten Jahre wird im kommenden Frühjahr fortgesetzt. Die Frage ist, wie man so ein geniales Spielkonzept wie das des Puzzle-Shooters noch verbessern kann? Portal 2 bietet auch wieder jede Menge Knobel-Spaß rund um die Portal-Gun und die Möglichkeit, an nahezu jeder Fläche ein Portal öffnen zu können, sowie durch Hindurchschreiten eines zweiten Portals eben exakt an dieser Stelle herauszukommen. Neben neuen Karten und Herausforderungen bietet Portal 2 vor allem die Option, das Game zusammen mit einem Freund zu lösen. Allerdings ist kein Multiplayer-Modus mit Duellen gegeneinander geplant, sondern nur das Agieren als Team. Ob allein oder zu zweit: es wird wieder Zeit „mit Portalen zu denken“!

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Wir werden alle sterben! Die zehn besten Endzeit-Romane

Postapokalyptische Szenarien sind spätestens seit der Erfindung der Atombombe und dem Kalten Krieg ausgesprochen beliebt. Egal ob in Filmen à la Mad Max, Videospielen wie Fallout oder unzähligen Romanen, die Thematik fasziniert einen immer wieder. Gerade Buchautoren haben da ausgesprochen kreative Werke geschaffen. Wir stellen euch zehn der besten Vertreter vor:

Wer länger lebt, ist später tot: Operation Zombie (OT: World War Z) (2006) Der nächste Weltkrieg wird ein Krieg gegen Zombies. Zumindest wenn es nach Max Brooks (dem Sohn des Kult-Regisseurs Mel Brooks) geht. Der Roman ist eine Ansammlung von Augenzeugenberichten und Einzelschicksalen, welche von dem gewonnenen aber verlustreichen Kampf gegen die Zombie-Epidemie erzählen. Wir erfahren in Kurzgeschichten, wie alles begann, und wie die Seuche den ganzen Planeten packte. Alles zwar fiktiv, aber sehr nüchtern und authentisch im Dokumentarstil gezeichnet. Der deutsche Buchtitel klingt dabei lustiger, als der subtile Horror-Inhalt tatsächlich ist.

Die Stadt der Blinden (OT: Ensaio sobre a cegueira) (1995) Ein Mann steht in seinem Wagen an der Ampel und wartet auf Grün, als vor seinen Augen plötzlich alles weiß wird. Unfähig, noch irgendetwas zu sehen, hilft ihm ein netter anderer Mann spontan aus und fährt ihn nach Hause. Nachdem der nette Mann den Blinden dort abgesetzt hat, beschließt dieser, den Wagen einfach zu behalten und fährt davon. Sehr fies, jedoch hat der Erblindete größere Sorgen und lässt sich schnellstens von seiner Frau in einem Taxi zu einem Arzt bringen. Dieser kann ihm nicht helfen, allerdings sind er, die Patienten im Wartezimmer, der dreiste Dieb, der Taxifahrer, die Frau des Blinden und jeder, der mit ihnen in Kontakt kommt, innerhalb eines Tages ebenfalls erblindet. Massenpanik bricht aus und die Regierung beschließt, alle Infizierten in einer leerstehenden Nervenheilanstalt einzusperren. Jeder, der zu fliehen versucht, wird sofort erschossen. Drinnen herrschen immer chaotischere Zustände, während die Zahl der Insassen rasant steigt. Unter ihnen auch die Frau des Arztes, die immun zu sein scheint und Blindheit nur vortäuscht, um bei ihrem Mann sein zu können. Die Lage spitzt sich drinnen und draußen dramatisch zu!

Die Straße (OT: The Road) (2006) Das Ende der Welt ist (leider) nicht das Ende eines Vaters und seines Sohnes. Warum die Apokalypse stattfand, erfahren wir nicht. Es ist aber auch sehr bald nicht mehr wichtig. Wichtig ist nur die verzweifelte Reise eines Vaters und seines Kindes auf dem Weg zur Küste. Dort ist der einzige Ort, an dem noch Hoffnung auf das „Gute“ existiert. Zumindest ist das die einzige Hoffnung, die ihnen noch bleibt. Ein letztes großes Ziel und Grund durchzuhalten und weiterzuleben in einer toten Welt. Auf ihrem Weg begegnen ihnen nur noch Reste von Leben in Form einer verrohten Zivilisation. Leidende, hungernde Menschen überall, die nur noch auf eigenes Überleben bedacht sind. Kannibalismus wird dabei zu etwas Natürlichem. Im Zentrum dieser Dystopie steht jedoch die Liebe zwischen Vater und Sohn wie ein letzter Fels in der düsteren Brandung.

Postman (OT: The Postman) (1985) Gordon Krantz hat sich 16 Jahre lang nach dem Atomkrieg durch ein zerfallenes Amerika durchgeschlagen – ohne Sinn und Ziel im Leben. Zufällig findet er ein altes Postauto mitsamt etlicher unausgelieferter Fracht. Er widersteht dem ersten Impuls, die Pakete und Briefe einfach zu plündern und hat plötzlich die Eingebung, diese Sendungen zuzustellen. Den verdutzten Empfängern lügt er vor, dass die Regierung die Infrastrukturen wieder aufbauen will. Auf diese Weise verdient er sich zum einen von nun an seinen Lebensunterhalt durch das Porto, welches die Leute ausgeben, um Briefe zu versenden. Zum anderen gibt er den Menschen damit vor allem wieder Hoffnung auf eine Zukunft nach der Apokalypse und animiert sie zum Wiederaufbau der Gesellschaft.

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Oryx und Crake (OT: Oryx and Crake) (2003) Der Roman liest sich wie eine düstere Prophezeiung für unsere nahe Zukunft. In einer Welt, die permanent von Naturkatastrophen bedroht wird, sind die Meeresspiegel dramatisch angestiegen und die Küstenstädte wurden hoffnungslos überschwemmt. New York wurde gar im tieferen Inland komplett neu aufgebaut. Viele Städte können allerdings nicht mehr wiederaufgebaut werden, da die finanziellen Mittel des Staates erschöpft sind. Mit der Armut und dem Verfall gehen zudem Epidemien einher. Der Forscher Crake arbeitet an einem Medikament, welches Immunisierung verspricht. Als Genie auf dem Gebiet der genetischen Manipulation hat er zudem noch ganz andere Pläne …

Z wie Zacharias (OT: Z for Zachariah) (1973) Die 16-jährige Ann hat einen Atomkrieg überlebt und streift nun – völlig auf sich allein gestellt – seit einem Jahr durch das letzte unverseuchte Fleckchen Erde. Die Einsamkeit endet, als ein Mann in einem Schutzanzug in das Tal kommt. Sie nimmt ihn bei sich auf und pflegt ihn gesund, als er krank wird. Doch schon bald bestimmen Misstrauen, Angst und Hass ihre Emotionen in einer Welt, in der nur noch das eigene Überleben zählt.

Luzifers Hammer (OT: Lucifer’s Hammer ) (1977) Ein Komet rast auf die Erde zu und wird von Astronomen als Gefahr verkannt. Ein folgenschwerer Fehler, dessen Preis die komplette Auslöschung der Zivilisation ist. Nach dem Meteoritenhagel finden sich die wenigen Überlebenden in der technologischen Steinzeit wieder. Aus dieser gilt es nun aufzustehen und neu anzufangen. Ein langer verlustreicher Weg steht den wenigen übrigen Menschen bevor.

Nach dem Ende der Welt (OT: Swan Song) (1987) Russen und Amerikaner zünden alles, was sie an Atomraketen haben und hüllen die Welt in eine riesige Pilzwolke. Es gibt nur wenige Überlebende und für diese noch weniger Hoffnung. Im Grunde bleibt ihnen nur eine einzige Hoffnung: ein Mädchen namens Swan, welches vermeintlich den Weg aus der Hölle weisen kann. Die deutsche Übersetzung ist leider ein Rohrkrepierer und wurde um ein gutes Drittel bzw. einen wichtigen Handlungsstrang gekürzt. Die englische Originalfassung ist allerdings Endzeit-Horror vom Feinsten.

Das letzte Ufer (OT: On the Beach) (1957) Ein Atomkrieg hat die Nordhalbkugel der Erde schon völlig kontaminiert und alles Leben ausgelöscht. In Australien geht das Leben normal weiter. Zumindest noch, denn die verseuchte Luft treibt immer weiter gen Süden. Für die Protagonisten wird klar: Es gibt kein Entkommen und ein langsamer, qualvoller Tod wartet auf jeden. Die Frage ist nur noch, wie man die letzten Monate noch nutzen will. Sicherlich einer der deprimierendsten Endzeit-Romane aller Zeiten!

Ich bin Legende (OT: I am Legend) (1959) Neville ist der letzte Mensch in einer Welt voller Vampire. Tagsüber macht er jagt auf sie, des Nachts kommen sie immer wieder an seine Türe und lauern darauf, dass er herauskommt. Er scheint der Einzige zu sein, der gegen das Virus immun ist. Die Einsamkeit lässt ihn immer mehr verzweifeln, bis eines Tages eine Frau seinen Weg kreuzt. Seine anfängliche Freude weicht allerdings bald Misstrauen und Zweifel. Er braucht Gewissheit, dass sie nicht auch ein Vampir ist. Es gibt nur einen Weg, die Wahrheit herauszufinden… Pascal

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KINO von Daniel

The Social Network David Fincher / 07.10.2010

Es ist so weit. Nachdem die Erfolgsgeschichte von Mark Zuckerbergs Netzwerkmärchen Facebook ihren Niederschlag in Ben Mezrichs Buch „Milliardär per Zufall“ fand, wird basierend auf dem Werk ein Film den Weg in unsere Multiplex-Kinos finden. Jesse Eisenberg spielt den hyperintelligenten, aber doch einsamen Nerd Mark, der sich eines Abends an den Rechner setzt und sich in das System seiner Universität hackt, um an Daten und Fakten der weiblichen Studenten zu kommen. Die Geister, die er damit rief, begeistern heute etwa 500 Millionen Menschen weltweit. Auf dem Weg nach oben macht sich nicht nur eine halbe Milliarde Freunde, sondern auch den einen oder anderen Feind. So ist der Weg nach oben nicht nur von den herbeigesehnten sexuellen Erfolgen gesäumt, auch Klippen in Form von Anfeindungen und Klagen gilt es zu umschiffen. Mezrich attestierte Zuckerberg in seinem Buch „sozial autistische Züge“, so dass die Hauptperson nicht alle Sympathien der Leser und Zuschauer auf seiner Seite hat.

Twelve Joel Schumacher / 14.10.2010

White Mike, ein Junge aus gutem Hause, der seine Mutter früh verloren hat und dessen Vater keinen Draht zum Sohn hat, handelt mit Drogen. Von der Schule an der Upper East Side geflogen, ist er dort immer noch sehr präsent. Er hat den Stoff, den die Schüler wollen. Twelve ist das neue Ding, irgendwas zwischen Kokain und Ecstasy. Lionel (Curtis Jackson) beliefert den 17-Jährigen. Es geht auf den Springbreak zu, man will die Feier des Jahres haben. Schon vor der Party spitzt sich die Lage zu. Mikes Cousin Charlie wird bei dem Versuch, eigenmächtig an das Twelve zu kommen, ermordet und White Mikes bester Freund Hunter geht dafür in den Bau. Dazu kommt noch, dass der junge Escobar sich seiner Gefühle zu Molly uneins ist. Und die Party wird nachhaltige Konsequenzen für alle Beteiligten haben. Ein Blick auf die Generation von Menschen, die auf der Suche nach Anerkennung und Zuneigung sind und gierig nach jedem Mittel greifen, um ihr Glück zu finden. Der Film lotet selbst bei harten Charakteren wie Lionel die emotionalen Grauzonen aus und verliert sich nicht in seiner oberflächlichen Betrachtung des jugendlichen Hedonismus.

Banksy - Exit Through the Gift Shop Banksy / 21.10.2010

Die Person des Regisseurs bedarf keiner Vorstellung. Berühmt, heimlichtuerisch oder auch einfach nur schüchtern, auf jeden Fall aber ein genialer Künstler der Jetztzeit. Dieser Banksy gibt uns einen Dokumentarfilm über Thierry, einen französischstämmigen Ladenbesitzer in Los Angeles, der seine Leidenschaft für Streetart entdeckt. Nur von dem Willen getrieben, alles aufzuzeichnen, jedoch ohne Wissen, wie man Filme dreht, begleitet Thierry alle berühmten Künstler der Branche. Als er an Banksy gerät, wendet der Film auf gerader Straße. Banksy überredet ihn, ihm das Filmmaterial zu überlassen, und gibt Thierry Tipps für das Dasein als Streetart-Künstler. Thierry ist wie besessen, hat von nichts Ahnung, kann am Ende jedoch den absoluten Ausverkauf von Streetart auf einer von ihm selbst organisierten Ausstellung für sich verbuchen.

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SLEAZE Oktober/November 2010


The Road John Hillcoat / 07.10.2010

Die Welt nach dem Tag des jüngsten Gerichts sieht nie sehr einladend aus. Ödland, wohin das Auge sieht. Menschen sind Tiere, die ihresgleichen als Nahrungsquelle sehen. Wer oder was die Welt so verändert hat, bleibt in The Road im dunklen Ascheregen des Filmes verborgen. Vater (Viggo Mortensen) und Sohn (Kodi Smit-McPhee) machen sich auf die Suche nach einem legendären Fleckchen Erde, an dem es noch intakte Natur geben soll. Dem Kleinen werden Normen und Werte beigebracht, damit er einer von den Guten wird und nicht vom Pfad der Tugend abkommt. Im Gepäck, einem Einkaufswagen mit dem Hab und Gut der beiden, befindet sich auch eine Waffe mit zwei Kugeln für den Fall, dass der Freitod zum finalen Ausweg aus der Misere wird. Auf dem Weg ins Paradies wird das Vorhaben des Vaters jedoch immer wieder durch Angriffe von Marodeuren und Kannibalen korrumpiert, so dass er sich am Ende den Fragen und Zweifeln des Sohnes stellen muss. Einen Grund für das Festhalten am Überlebenswillen vermittelt der Film nicht, auch sind die Spezialeffekte rar gesät. Was bleibt, ist ein beklemmend erzähltes Drama.

Buried – Lebend begraben

Paul (Ryan Reynolds) ist ein US-amerikanischer Auftragnehmer, der im Irak arbeitet. Nach einem Angriff, welcher ihn bewusstlos werden lässt, findet er sich in einem Holzsarg unter der Erde wieder. Als Grabbeigabe wurden ihm ein Mobiltelefon und ein Feuerzeug dazugelegt. Nun hat er 90 Minuten Zeit, das von den unbekannten Gräbern geforderte Lösegeld beizubringen. Schlechter Empfang, sinkender Sauerstoffgehalt der Atemluft und schwindende Spannung im Akku geben der Angst noch mehr Zucker. Konfrontation als Therapiemaßnahme.

© 2010 Ascot Elite Filmverleih GmbH

Rodrigo Cortés / 14.10.2010

Hot Tub Time Machine Steve Pink / 30.09.2010

Adam und Nick, zwei Männer im Grenzbereich der Midlifecrisis und gebeutelt von den Frauen, besuchen ihren Buddy Lou, der krank danieder liegt. Um ihn aufzuheitern, wird der Besuch nach Kodiak Valley, ein Wintersportziel der drei in frühen Jahren, beschlossen. Jacob, Adams Neffe, gesellt sich dazu. Das Örtchen scheint jedoch den Glanz der alten Tage abgestreift zu haben und so, nach Unmengen an Alkohol, findet man sich im heißen Pool wieder. Dort werden Reminiszenzen an alte Tage wortwörtlich wieder greifbar, denn der Hot Tub ist eine Zeitmaschine, welche die vier in das Jahr 1986 zurückwirft. Die Lebensälteren wittern ihre Chance, alte Fehler auszubügeln. Den jungen Jacob aber treibt die Angst, seine eigene Existenz durch die Veränderungen in der Vergangenheit zu beenden. Slapstick-Einlagen durch die Hightech, die Musik von damals und Bad-Taste-Ereignisse können die einfach gestrickte Geschichte zu einem kleinen Hit des Herbstes werden lassen.

SLEAZE Oktober/November 2010

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Game PREVIEWS von Pascal

Fallout: New Vegas Rollenspiel | Xbox 360, PlayStation 3, PC | Namco Bandai Games | Oktober 2010

Obsidian, die Spezialisten, wenn es um Sequels geht, übernehmen wieder mal die Aufgabe, ein erfolgreiches Game fortzusetzen. Und mit Bethesda Softworks‘ Fallout 3 gilt es, das mit Abstand beste Videospiel 2008 fortzusetzen. Wobei es sich bei New Vegas eher um einen Ableger denn um eine vollwertige Fortsetzung handelt. Und folgerichtig macht der Endzeit-Rollenspiel-Shooter bisweilen einen sehr vertrauten Eindruck. Grafik, Sounds, Kampfsystem: Die spielbare Testversion glich Fallout 3 wie ein Ei dem anderen. Dies bedeutet sicher nichts Schlechtes, allerdings sollte man die Erwartungen an Innovationen zurückschrauben und einfach das neue Vegas-Setting genießen.

Call of Duty: Black Ops First-Person-Shooter | Xbox 360, PlayStation 3, PC | Activision | November 2010

Letztes Jahr Infinity Ward mit dem gefeierten Modern Warfare 2, dieses Jahr mit Treyarch wieder zurück in den Zweiten Weltkrieg? Weit gefehlt. Diese leidige Epoche scheint nun auch im „Call of Duty“-Universum beendet zu sein. Allzu weit in Gegenwartsnähe traut sich Treyarch aber dennoch nicht und verwurstet unter anderem den Vietnamkrieg in ihrem diesjährigen Ableger der Reihe. Machte Treyarch bislang immer den uninspirierteren Eindruck von den beiden „Call of Duty“-Entwicklerteams, sieht Black Ops mal wirklich spannend aus und es könnte gut sein, dass Shooter-Fans dieses Jahr besser nicht die Kohlen anderweitig investieren und nicht auf das nächste Call of Duty von Infinity Ward warten müssen.

Assassin’s Creed: Brotherhood Action-Adventure | Xbox 360, PlayStation 3, PC | Ubisoft | November 2010

Nach einem eher enttäuschenden ersten und einem überraschend guten zweiten Teil, wie wird da wohl der dritte Part des Meuchelmörder-Abenteuers um den kraxelnden Helden in der weißen Kutte ausfallen? Wobei gleich angemerkt sei, dass Brotherhood nicht den dritten Teil der Story darstellt, sondern viel mehr ein Spin-off ist, der direkt an den zweiten Teil anknüpft. Augenscheinlichste Neuerung ist der neu hinzugekommene Multiplayer-Modus. In diesem ist man mal Gejagter und mal Jagender, um bestimmte Zielpersonen möglichst erfolgreich auszuschalten oder eben seinem potentiellen Killer zu entkommen – beide Rollen werden von realen Spielern besetzt. Dabei muss man – wie aus Assassin’s Creed gewohnt – so unauffällig wie möglich vorgehen. Im EinzelspielerModus geht es neben der gewohnten Kletter-und-Meuchel-Action darum, eine loyale Gruppe von Verbündeten um sich zu scharen und diese für diverse Missionen als Unterstützung zu nutzen.

Castlevania: Lords of Shadow Action-Adventure | Xbox 360, PlayStation 3 | Konami | Oktober 2010

Der Vampir-Werwolf-Klassiker versucht sich an einem Neustart im 3D-Gewand auf den aktuellen Konsolen. In einer mittelalterlichen Welt, getrieben vom Rachedurst nach der Ermordung an seiner Frau, macht Held Gabriel jagt auf die übermächtigen Vampire und andere Höllenkreaturen. Dabei bedient sich Castlevania der klassischen Vampir-Mythen – fernab jeglicher Twilight-Romantik! Technisch macht das bisher gezeigte Material einen soliden, wenn auch nicht überragenden Eindruck. Spielerisch wirkt es dabei wie eine weniger abgedrehte Fassung von Devil May Cry. Kleine Rollenspielelemente in Form von freischaltbaren Fähigkeiten, dürften das ihrige zur Langzeitmotivation beitragen.

Disney Epic Mickey Action-Adventure | Wii | Disney Interactive Studios | November 2010

Warren Spector, einer der bekanntesten Videospiel-Designer aller Zeiten, schraubt derzeit an einem neuen „Mickey Mouse“-Spiel für die Wii. Dass das Resultat kein niedliches Standard-Disney-Kinder-Jump-n-Run wird, dürfte beim „Deus Ex“-Erfinder klar sein. Tatsächlich wirkt Epic Mickey für einen Disney-Titel sehr düster, wenn auch noch im familientauglichen „Mickey Mouse“-Rahmen. Im Game wird Mickeys mächtigste Waffe ein magischer Farbpinsel sein, mit dem man Widersachern zusetzt oder auch mit der Umgebung interagiert. 3DAction-Adventure-Abschnitte wechseln sich dabei immer wieder mit 2D-Level im klassischen Plattform-Jump-n-Run-Stil ab. Natürlich begegnen einem sehr viele Settings und Charaktere des Disney-Universums, vor allem auch aus den Ursprungszeiten von Mickey Mouse.

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MIMIKRY Was machen Punks, wenn sie älter werden? Nix besonderes eigentlich, denn sie machen genau das, was die meisten anderen auch im Alter tun: sie reflektieren. Und damit knüpft man automatisch an die eigene Vergangenheit an. In diesem speziellen Fall geht es um Heldenverehrung. Unsere Helden prägen uns und bringen uns auch ein Stück dahin, wo wir sein wollen, abseits von aller Erziehung und von Alltagseinflüssen. Das Schöne: wir selbst suchen unsere Helden aus.

se und Abzapfung von P.M.A. (P.M.A.? Positive Energie halt). So erfährt man etwas verquer, alles über die echten Bad Brains und auch einiges über Kein Hass Da. Vincent Burmeister hat den Comic in einem sehr energiereichen Walter Simonsonesken Strich gezeichnet, die Kolorierung atmet angenehm die 90er und zwischendurch (sehr Punkfanzinelike) gibt es die bebilderten deutschen Songtexte (illustriert von verschiedenen Künstlern). Die Musik besteht aus Coverversionen der besagten Bad Brains, welche im besten Sinne, so wie Cover sein sollen, eine eigene Interpretation von Kein Hass da sind. Die Texte folgen derselben Spur, sind keine 1:1 Übertragungen, sondern atmen den Rhythmus und die Aussage der Originale. Comic und CD gibt es einzeln, es sei euch aber nahe gelegt, alles zu kaufen. Konzeptalbum und so.

Bad brainsComic 0,5

KEIN HASS DA ist eine Coverband der Bad Brains. HIRNTRAFO ist die bebilderte Geschichte zur Musik. Hinter allem: Karl Nagel. Musik und Comics. Zwei Themen, die sich wie ein roter Faden durch seine Biographie ziehen, wie man alleine schon an diesen Stichwörtern aus seinem bewegten Leben sieht: Fantastrips, Militant Mothers, APPD, Alligator Farm, Kanzlerkandidat, Die! oder Wir!, Perry Rhodan, Chaostage, PunkFotoarchiv.

Sascha

erschienen bei StudioAlligatorfarm, Preis 19,80 (ohne CD) und 24,80 (mit CD) www.keinhassda.de

Der Comic beschreibt ein hypothetisches Aufeinandertreffen von den ‚falschen‘ Bad Brains namens NICE GUYS mit den ‚richtigen‘ Bad Brains. Möglich macht das der Hirntrafo, ein geheimnisvolles Gerät zur ZeitreiComic

CD

+ Alle Babes findest Du hi

er: www.mysugarbabes.

de

Die sugarbabes sind da – süß, gut aussehend und einfach umwerfend lecker. Zu der erfolgreichen Sweets-Familie der süßen Verführer gehören miss chocoholic, cranberry schmatzbar, berry berry lady, heidi on the alm, sugardude, mrs. crumbleberry, die sugarbabies und sista amarena.

Achtung!

Die heissen Babes findest du auch in unserem Online-Shop! Die sugarbabes findest Du bei: SLEAZE Oktober/November 2010

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Blood into Wine Wein-Doku um Rockstar Maynard James Keenan „See you down in Arizona Bay“, so lautet eine Zeile des Songs Ænema der Progressive-Rock-Götter TOOL aus dem Jahre 1996. Fast schon prophetische Qualitäten die der charismatische Frontmann Maynard James Keenan an den Tag legte, denn viele Jahre später wird er in Arizona ein Weingut kaufen und dort des Öfteren anzutreffen sein – er will die Reben höchstpersönlich anbauen und ernten. Klingt wie das typische, abgedrehte Hobby eines weiteren überschätzten Rockstars. Aber wie alles, was Mister Keenan anfasst, ist auch dieses Projekt sehr ambitioniert und das Ergebnis mehr als beachtlich. Wie kommt ein Musiker, der mit seinen mittlerweile drei Bands (TOOL, A Perfect Circle, Puscifer) äußerst erfolgreich ist und eigentlich ausgelastet genug sein müsste, dazu, nicht nur jede Menge Geld, sondern auch Zeit, in ein Weingut zu investieren? Weswegen, nochmals als blutiger Anfänger starten, um überhaupt erst einmal die Kunst des Weinbaus zu erlernen? Um dies zu verstehen, muss man die gesamte künstlerische Laufbahn des Maynard James Keenan betrachten. Eigentlich muss man sogar sein gesamtes Leben betrachten – sofern dies überhaupt möglich ist, bei jemanden, der sich so ungern in die Karten schauen lässt, und noch weniger gern mit „ungezinkten Karten spielt“. Maynard war jedenfalls nie der stereotype Rockstar, der Musik nach dem Geschmack des Mainstreams macht oder auch nur irgendwelche Rücksicht auf Fan-Wünsche nimmt. Meistens machte er exakt das, was man nicht auf der Rechnung hatte – und dies stets mit vollem Engagement. Und genau deswegen passt dieses kleine Weingut in der Nähe von Jerome, Arizona (USA) perfekt ins farbenfrohe Bild, welches die kreative „Arbeitsbiene“ seit Jahrzehnten zeichnet. „Blood into Wine“ liefert einige Antworten auf die Frage „Warum MJK nun Wein anbaut?“, aber allen voran gewährt die Blu-ray/ DVD viele sehr intime Einblicke in das Schaffen des Teams um Maynard und dessen Partner und Mentor Eric Glomski. Darunter finden sich neben Tipps und Tricks rund ums Wein anbauen und genießen, auch zahlreiche Anekdoten über die natürlichen und künstlichen Probleme und Schikanen, welche sich beim gewählten Anbaugebiet ergaben und –geben. Ebenso beinhaltet die Scheibe viele Lebensphilosophien und bietet nicht zuletzt, fantastische Landschaftsaufnahmen des trockenen Valleys. Für den Soundtrack zeichnet sich selbstredend Maynard (in Form seines Soloprojekts Puscifer) selbst verantwortlich. Ganz besonders die Blu-ray wartet

mit exzellenter Bild- und Tonqualität auf und kommt im besten 1080p-Full-HD-Gewand daher. Neben Maynard kommt vor allem auch Co-„Star“ Eric Glomski ausgiebig zu Wort. Des Weiteren geben sich „Resident Evil“Schönheit Milla Jovovic, die mit Maynard schon den einen oder anderen Song für Puscifer performt hat und der Schauspieler Patton Oswalt (bekannt aus „King of Queens“) die Ehre. Komödiantische Höhepunkte sind die Auftritte des Comedy-Duos Tim Heidecker und Eric Wareheim. Hier stellt Maynard seinen schrägen Humor unter Beweis und lässt sich voller Selbstironie auf die Schippe nehmen. Solche Szenen wechseln sich immer wieder ab mit der ernsteren, nachdenklicheren Seite des Stars, z.B. wenn er voller Stolz von seiner verstorbenen Mutter, Judith Marie, erzählt, der er den ersten Wein seiner Marke „Caduceus“ gewidmet hat. Neben den 100 Minuten Laufzeit, erwarten den Zuschauer im Bonusmaterial noch einige herausgeschnittene Szenen und was vor allem ein Kaufanreiz für Puscifer-Fans sein dürfte: Live-Mitschnitte von Puscifer-Shows. Diese sind zwar ebenfalls von lupenreiner Qualität, jedoch werden nur Ausschnitte der Songs gezeigt und sind somit leider viel zu kurz geraten. Vielleicht ein kleiner Vorgeschmack auf eine kommende Live-Blu-ray/DVD von Puscifer? Interessierte Fans sollten der englischen Sprache mächtig sein, denn deutsche Untertitel sucht man vergebens (neben den englischen Untertiteln, kann man sich zumindest auch spanische anzeigen lassen). Zudem wird die Disk nur direkt über die Homepage www. bloodintowine.com verkauft, wofür man eine Kreditkarte benötigt. Zumindest hat die Blu-ray bzw. DVD keinen Regionalcode und läuft auf den entsprechenden Playern auch hierzulande. Wer übrigens wissen möchte, wie eine Flasche „Nagual del JUDITH“, „Nagual del MARZO“ oder „Sancha“ schmeckt, sollte schon einmal Tickets in die Staaten buchen, denn diese gibt es nur in der hauseigenen Probierstube in Jerome, Arizona zu erwerben. Selbst die preisgünstigsten Erzeugnisse kosten allerdings schon 40 Dollar – pro Flasche versteht sich. Dafür sind sich auch Weinkritiker einig, dass dem „Rock-Winzer“ wieder einmal etwas ganz Großes gelungen ist. Ob Maynard- oder Weinjunkie: See you down in Arizona Bay! Pascal

www.bloodintowine.com www.caduceus.org www.puscifer.com

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Im dienste ihrer... sherlock holmes Zum Leben in Frankreich gehören nicht nur starke Nerven wegen dem peinlichen WMAuftritt der Fußballnationalmannschaft, sondern auch eine entspannte Esskultur und eine lange Tradition in der Herstellung von Comics. Der francobelgische Stil ist weltweit anerkannt und in Deutschland ebenfalls sehr beliebt, man denke an Asterix oder Tim & Struppi. Ersterer verkauft sich hierzulande sogar besser als in der eigenen Heimat. Heimat ist auch das Stichwort für den Splitter Verlag, denn über diesen Verlag bekommen Comics aus Frankreich eine solche in deutscher Sprache - auch dann wenn die Namen der Macher nicht jedermann auf der Straße kennt. Autorenpflege wird hier großgeschrieben. Bei Splitter kauft man darüber hinaus auch nicht einfach die Lizenzen ein und ändert die Sprechblasen, nein, man legt größten Wert auf jeden Teil

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der Produktion und so sehen die deutschen Druckergebnisse manchmal auch besser aus als im französische Original. Der nun vorliegende Band „Die Vier von der Baker Street“ wurde von Jean-Blaise Jian und Olivier Wegrand geschrieben. Illustriert hat das Ganze David Etienne. Namen die Comiclaien nicht unbedingt geläufig sind, aber das macht nichts, denn der Inhalt enthält Spuren von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes“ und damit kann wohl jeder etwas anfangen. Die vier Jungs sind, man ahnt es schon, die Helfershelfer von Sherlock persönlich. Erinnert natürlich auch alles etwas an Oliver Twist, denn sie sind ausgebildete Straßendiebe. Das alles ist recht konform mit der Vorgabe, denn auch in den Kurzgeschichten von Arthur Conan Doyle bedient sich der Detektiv einiger Bettler und halb-

seidenen Personen als Informanten. „Black“ Toms heimliche Liebe Betty wird vor seinen Augen entführt und er kann nichts dagegen tun. Einziger Hinweis: das Tattoo auf der Hand eines der Entführer. Das ist der Auftakt zu einer klassischen Geschichte, die doch etwas erwachsener daher kommt als einem die wunderbaren Zeichnungen im Cartoon-Stil erst glauben machen. Betty ist nämlich in die Hände eines Zuhälters geraten. „Das Geheimnis des blauen Vorhangs“ ist der Auftakt einer neuen Serie, die uns ins viktorianische Zeitalter entführt - allerdings ist dieses Kidnapping ganz entspannter Natur und gänzlich zu empfehlen. erschienen beim Splitter Verlag, Preis 13,80 € Sascha

Leseproben und mehr auf: www.splitter-verlag.de

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BÜCHER “Nee, wir haben nur freilaufende Eier!”: Deutschland im O-Ton, Das Beste von belauscht.de / Heyne Verlag / 11.10.2010 www.belauscht.de

Wenn man manchen Menschen zuhört, dann kommt einem oft die Idee, dass man deren orale Ergüssen mitschreiben müsste. Vier Freunde aus Augsburg schufen aus der Idee eine Homepage, die hervorragend besucht wurde/ist/sein wird.Dort kann man deutsches Gerede und Geschrei nachlesen und sich darüber freuen/ärgern/ wundern. Falls eigenes Geschnatter lesenswert ist, kann man dies dort auch veröffentlichen. Wer also Geschichten wie diese mag, macht mit dem Buch nichts falsch. Gevelsberg. Im Praktiker. Eine ältere Dame (ca.70) geht auf eine junge Verkäuferin zu und fragt diese: “Entschuldigung Fräulein, fällt Rattengift unter Tiernahrung?!” Yanah

Comic Art Now – Künstler, Stile, Genres Dez Skinn, Mark Millar / Comic-Kompendium / Verlag: Knesebeck

Der ungelernte und unerfahrene Komik-Leser hat folgendes Bild vom Inhalt der bunten Heftchen im Kopf: glückliche Feen, knuffige Bärchen und überall Rosenblüten und gar lustige Räubergeschichten. Dem ist nicht so. Nicht einmal annähernd. Auf einen Blick merkt man das beim Durchstöbern des vorliegenden Heiligtums der Comicwelt: Comic Art Now. Neben nie veröffentlichten Eigenpublikationen und Skizzen des Who-is-Who der Comicwelt erklärt dieses Machwerk die Faszination der Comics, ihre verschiedensten Ausdrucksformen in aller romantischer, erotischer, gewalttätiger und spannender Härte. Die faszinierenden Bilder und Illustrationen überraschen selbst Alteingesessene. Für den Kenner und Könner, sowie alle Interessierten ein Schnäppchen. Julian

Black & Grey Tattoo 1-3 Marisa Kakoulas und Edgar Hoill / EDITION REUSS Das dreibändige BLACK & GREY TATTOO 1-3 ist wahrhaftig ein Buch-Monster und lässt sowohl die Herzen der Tätowierer als auch der Tätowierten ein paar Takte schneller schlagen. Auf mehr als tausend Seiten und ca. zehn kg Papier gebannt präsentieren die beiden Autoren eine extraordinäre Sammlung an Bildern und Interviews mit bekannten Tätowierern. Damit man sich nicht gleich beim Lesen und Bestaunen einen Bruch hebt, wurde BLACK & GREY TATTOO in drei Bände zerschlagen: Traditional Black & Grey, Dark/Horror und Photorealism. Eine imposante bebilderte Tattoo-Geschichtsstunde nach der wahrscheinlich so mancher Möchtegern-Tattoo-Artist was lernen kann. Wer sich also aus dem TV-Sumpf von „Miami Ink“ und „Eine Familie Sticht zu“ zu etwas anspruchsvollerer Old SchoolPapierkost aufsteigen möchte, der bezahle jetzt einen Monat lang keine Miete und kaufe sich dieses Mammut-Werk. Sehr geil – muss ich haben!!! Achtung Kalauer: Das geht unter die Haut! Lara

The Sneaker Colouring Book Daniel Jarosch, Henrik Klingel / Verlag: Laurence King Publishing / 216 Seiten /VÖ: Juli 2010 www.laurenceking.com

Die Idee ist simpel: Man nimmt die Outlines von den Lieblingssneakers und druckt sie ab. Wer nur entfernt mit Graffiti zu tun hatte, erinnert sich sofort an die gedruckten Zug-Outlines, an denen man seine Styles üben konnte. Aufgebaut als eine Art Zeitreise, malt man sich durch die Jahrzehnte. Begonnen mit dem Keds Champion im Jahr 1916, blättert man mit den 100 Modellen durch fast 100 Jahre Schuhgeschichte: bis ins Jahr 2002. Warum wird das Buch dann erst 2010 veröffentlicht? „Wir wollten eine Selektion bereits etablierter Sneakers zeigen.“ Dazu fehlen legendäre Modelle wie der Nike Flight oder der Puma Suede. Auch hier eine recht PR-mäßige Antwort der Autoren: „Die Seitenanzahl war begrenzt. Wir haben versucht, eine Balance zwischen den Marken und Jahrzehnten zu finden. Zudem werden wir niemals die Favoriten von jedem einbauen können.“ Nach dem vollständigen Colorieren des Buchs sollte man aber auch in der Lage sein, seine persönliche Lieblingssilhouette zeichnen zu können. Wer nicht so stilsicher ist, dem empfehle ich Einlagen. Nicht die Knie-schonenden, sondern durchsichtiges Papier, um es über den Sneaker-Abdruck zu legen. So kann der Lieblings-Schuh beliebig oft angemalt werden. Insgesamt eine ebenso simple wie gute Idee. danilo

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BATGIRL #1 von

Sascha

Hat jemand mitgezäht? Nach meiner Zählweise ist das mittlerweile das sechste Batgirl, welches sich das Cape umhängt. Das führt zu der paradoxen Situation, dass Batgirl schon mal Batgirl zu Hand geht. Aber wer ist die Neue? Warum und weshalb macht sie das alles? Fragen, die sich der Leser stellen mag, in Gotham City aber keine Sau interessieren. Denn der Hexenkessel brodelt wie eh und je und jeder kämpft um sein Überleben. Da bleibt keine Zeit für Diskussionen. Da kriegen ‚neue‘ Helden keine Schonfrist, und somit geht es schon gleich nach den ersten Seiten rund. DC Comics führt hier einige interessante Dinge zusammen: Beverly Hills 90210 meets psychopathische Superschurken meets klassische DC Universe-Charaktere. Den Mix muss man mögen, daher schadet ein generelles Interesse an Superhelden und der Bat-Familie im Speziellen nicht. Wer in diese Gruppe fällt und zugreift kriegt eine nette kleine Story mit einem Twist. erschienen bei Panini 12,95 Euro

SPIDER-WOMAN von

Sascha

„Spider-was?“ mögen sich jetzt einige fragen. Aber gemach gemach. Natürlich gibt es auch zum wohlbekannten Spider-Man das weibliche Pendant. Das alleine wäre nichts, was einen interessieren müsste. Allerdings wurde dieser Sammelband von Alex Maleev und Briean Michael Bendis produziert. Und die haben schon mit Daredevil vor einigen Jahren absolut Großartiges geleistet. Das große Talent von Brian Michael Bendis ist die Verknüpfung von recht obskuren Superhelden oder -schurken mit einer gesalzenen Dosis Realität. Obendrauf kommt noch sein Händchen für Dialog – und fertig sind Storys, an die man sich noch Jahre erinnert. Diese Talente kommen in den eher mainstreamigen Spider-Man Comics von ihm nicht so zum Tragen. Hier jedoch wird das Gaspedal bis zum Boden durchgedrückt. Jessica Drew hat eine bewegte Vergangenheit, die wird auf den ersten Seiten auch gleich nochmal zusammen gefasst. Ihre Eltern waren Mitglieder der geheimen verbrecherorganisation HYDRA, für die Jessica dann selbst auch gearbeitet hat, bis Nick Fury von SHIELD sie auf die Seite der Guten holte. Ihr Leben bekam einen großen Knick, als sich ein gestaltwandlerischer Skrull anfing, für sie auszugeben und ihr Leben zerstörte. Isoliert und deprimiert wird sie von SWORD angehört. SWORD ist eine geheime US-Organisation, die sich mit der Bekämpfung

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außerirdischer Bedrohungen für die Erde beschäftigt. Man merkt schon: Hier kriegt der Nerd glühende Augen und der Normalmensch denkt in großen blinken Neon-Lettern „Bahnhof“. Auf dieser Basis spinnt Brian Michael Bendis eine Story, die mehrmals die Seiten wechselt, Action im besten aller Sinne präsentiert und eine Heldin, an die man wirklich glaubt – was bei all diesem Background kaum möglich scheint, schreit doch geradezu nach Superheldenstandardkost. Das ist es aber ganz und gar nicht, wozu auch Zeichner Alex Maleev seinen Teil dazu beträgt. Dessen Fotografie meets Photoshop-Filter meets Digitalkratz-TechnikStil, kombiniert mit aquarellartiger Kolorierung ist doch ganz eine andere Geschichte als der übliche Superhelden-alles-explodiertin-Farben-Stil. Kriegt Jessica Drake ihr leben wieder in den Griff? Wird sie nicht doch von SWORD und HYDRA einfach nur benutzt und an der Nase herumgeführt? Rächt sie sich an den Skrulls? Es mag nicht so spannend klingen, aber wer anfängt, diesen Band zu lesen, wird die Fragen für überlebenswichtig halten. So gut ist dieser Comic. erschienen bei Panini 19,95 Euro

STOLZ UND VORURTEIL UND ZOMBIES von Sascha Man muß schon sagen – bei den meisten Comics welche sich an Filme, Spiele oder Bücher hängen, sollte man die Finger lassen. Denn oftmals werden dieser Comics von den Kreativ-Teams einfach nur so heruntergerissen. Story? Lachhaft. Zeichnungen? Irgendwie auf dem Klo nebenher gezeichnet. Aber dieser Monat ist ein guter Monat. Fangen wir mit „Stolz und Vorteil und Zombies“ an. Nach dem Überraschungserfolg des gleichnamigen Buches folgt nun der Comic. Wer also nicht so die Leseratte ist und den ganzen Stoff etwas visueller und lockerer aufbereitet mag, ist hier richtig. Natürlich kann ein Comic nicht 1:1 ein Buch wieder geben, daher muss irgendwo ‚geschnitten‘ werden. Dankbarer Weise ist dies sehr gekonnt gesche-

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in Zusammenarbeit mit

hen, die Story wurde also nicht so verstümmelt und verzerrt wie ein Zombie-Opfer. Die meisten Leser scheinen nicht über die Tatsache hinweg zu kommen, dass dieser Comic in schwarz-weiß erscheint. Das tut dem Spaß keinen Abbruch. Für die, die‘s nicht kennen: Die Geschichte spielt im viktorianischen Zeitalter (1840-1900) in Großbritannien. Man sieht also eine Menge Leute mit Stock im Arsch, die etwas dezidiert mit der Situation umgehen müssen, dass auf einmal alles zombifiziert ist. Hat was, oder? erschienen bei Panini 16,95 Euro

DER ZOMBIE SURVIVAL GUIDE: DOKUMENTIERTE ANGRIFFE von Sascha

Max Brooks hat vor einigen Jahren ein recht amüsantes Buch namens „Zombie Survival Guide“ verfasst. Ganz im Stile einer Mockumantery wurde dabei der Ernstfall einer Zombie-Epidemie durchgespielt. Man bekam überlebenswichtige Tipps z.B. dass Schrotflinten als Waffe nicht taugen (die Munition kann ausgehen und dann ist das Gewehr unbrauchbar) bzw. dass ein Brecheisen das ideale Werkzeug ist (man kann Zombie-Köpfe damit einschlagen, aber eben auch Türen aufbrechen). Im Anhang hatte er aus Spaß einige (vermutliche) Zombie-Epidemien im Laufe der Menschheitsgeschichte beschrieben. Diese gibt es eben nun in Comicform. Die Zeitspanne reicht von 60.000 vor Christus bis 1992, und Max Brooks hat ein absolutes Händchen für tolle Situationen (was seine Bücher berechtigter Weise zu Bestsellern gemacht hat). Insofern auch eine logische Konsequenz, dass auch mal zu visualisieren. Ebenso wie „Stolz und Vorurteil und Zombies“ ist der Comic schwarz-weiß,

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aber ebenso wie SUVUZ von sehr guter Qualität. Man kriegt also endlich Antworten darauf, wie ein Neandertaler mit Zombies umgehen würde, was die Römer sich dachten, als ihnen in Schottöland nicht nur Pikten, sondern auch „Kreaturen“ begegneten oder was ein Zombie so in Sibirien macht. Für Zombie-fans auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Denjenigen, denen Max Brooks „World War Z“ bisher kein Begriff ist, sei auch dieses sehr warm ans hoffentlich noch pochende Herz gelegt. erschienen bei Panini 16,95 Euro

MASS EFFECT: ERLÖSUNG von Sascha

Synonym zum Hollywood-Trend Comics zu verfilmen, gibt es im Comic-Bereich immer stärker die Tendenz dazu, erfolgreiche Computerspiel-Serien zu ‚comicisieren‘. Jetzt hat es auch „Mass Effect“ erwischt. „Mass Effect“ ist eine der zwei großen Serien. welche die allseits beliebte Spiele-Schmiede Bioware vor einigen Jahren angelegt hat. Eine Sache, die in der Bioware großartig ist, ist die Fähigkeit, ihre Pixelfiguren zum Leben zu erwecken. Das ist natürlich eine tolle Basis, um auf dieser Grundlage Bücher oder Comics zu produzieren. Heldin dieser Serie ist die blauhäutige Asari Dr. Liara T‘Soni. Commancer Sehphard ist einer Helden des Spiels, welcher aber wenige Wochen nach der Rettung der galaktischen Hauptstadt Citadel auf mysteriöse Weise ums Leben kam. Dr. T‘Soni und ihre Freunde machen sich daran, Spuren zu finden und seinen Tod aufzuklären. Ebenso wie die beiden hier vorgestellten Zombie-Comics macht dieser „Comic zum“ eine sehr gute Figur. Die Zeichnungen sind sehr gut, die Story trägt, das Mass Effect-Feeling wird rüber gebracht. Saubere Arbeit! erschienen bei Panini 12,95 Euro

OFFICER DOWNE (US) von Benjamin

Die erste Textbox im ersten Panel auf der ersten Seite gibt uns eine Ortsangabe: „Motherfuckin‘ L.A.“ – und setzt damit ganz nebenbei auch noch den Ton für diesen Comic. In Officer Downe drehen Autor Joe Casey und Zeichner Chris Burnham alle Regler auf 11 und präsentieren eine völlig irrsinnige Story, in der ein Über-Polizist gegen mehrere Über-Verbrecher antritt und nur ein Ziel kennt: aufräumen, aber richtig. Officer Terrence Downe ist der beste und härteste Cop, den das L.A.P.D. hat. Wenn er mal im Einsatz tödlich verletzt wird, kann er in kurzer Zeit zusammengeflickt und wiederbelebt werden (wie das funktioniert, wird auf nette Weise erklärt, tut aber eigentlich nichts zur Sache). In dieser Geschichte mit dem treffenden Titel „Tough Shit“ bekommt er es mit dem Schurken Zen Master Flash zu tun. Casey und Burnham wollen nicht viel mehr als einfach die Sau rauszulassen und – vor allem in Sachen Gewalt – alle Geschmacks- und Jugendschutzgrenzen überschreiten. Das erinnert ein bisschen an den Punisher, vor allem aber an Hard Boiled von Frank Miller und Geoff Darrow, was wohl auch zeichnerisch ein Vorbild für Chris Burnham war. Allzu originell ist das also nicht mehr – man merkt dem Projekt jedoch den Spaß an, den seine Macher damit hatten. Sie wissen, wie albern das hier ist, und nehmen sich und ihren Comic nicht ernster als nötig. Alles ist mindestens eine Nummer zu groß, total überzogen und „over the top“. Und gerade deshalb macht Officer Downe Spaß zu lesen. Das unmoralisch-pubertäre Vergnügen am Auf-die-Kacke-Hauen trägt diesen Comic, und für einen One-Shot ist das auch völlig in Ordnung. Eine längere Serie muss man aus diesem Stoff aber wirklich nicht machen, denn auf Dauer würde sich die kompromisslose Vollgas-Attitüde des Comics wohl sehr schnell abnutzen und nur noch langweilen. erschienen bei Image Comics 4,99 Dollar

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B R E NG W U L E L E B T S T S U T A E SONDER ER KREATIVW IN D E N T U S R T A S N W U Y K B D R A W A OW. BLOOOMHN WERKE RIES ART SH T S U D IN E IV REAT C ISTEN – ZE OOOM – THE L B R E D ZEHN FINAL F U STELLUNG A SONDERAUS 21 DER ART.FAIR IM RAHMEN MBER 2010 PARK, KÖLN E V IN E O H N R . M 1 A IS S RB ENHAU 28. OKTOBE UHR, STAAT 0 .3 6 1 , R E B E: 28. OKTO VERNISSAG

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nst u k s n Lebe

S N E B E L T S N KU nskunst Lebe

PROUDLY PRESENTS

How are you? Better than nothing. Could you imagine to live somewhere else? A week in Iceland would be whole life I think. How did you get your artist name? I was close to death twice and after this I was like a zombie. If you werenÕt an artist, what else would you do? I would wash whales. Where do you get your inspirations? In music and passion. Some separate sounds of random, things makes me being obsessed sometimes. Is there a movie you could watch more than ten times? Down By Law! What is on the top of your monitor? Foto of me and my "secret friend". :KLFKDUHWKHÀYHLWHPV\RXGRQҋWZDQWWR miss on a lonely island? Stockings,red lipstick,cola in glass bottle and my little scarf! :KRZHUHWKHÀUVWDUWLVWVWRLQVSLUH\RXWKH most? Do they still inspire you? Jamie Hewlett! On start of my artistic passion he was the best one inspiration. But now - not really. I do not found inspiration in visual art anymore. WhatÕs your background did you go to Art school or are you a Self learner? Self learner! Yes! What would you call your style? GRUNGE! When you are painting, whatÕs going through your mind? Sound! Again this word! Whats your favorite color? White. At last, if you want to give some shout outs to somebody or simply say something you can do it now. MŠuschen!!!!

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Grafikerplatz: til01design

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Tattoos - erst am Pranger, jetzt an jeder Haut

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bananca

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Bunter Schinken

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Thank you Bananca! www.bananca.co.uk

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Stavros Georgakopoulos aka til01 was born in a Greek village in Hungary and moved to Greece at the age of three, where he lived until now. In 2008, he joined forces with DESIGN INSANE and the INDYVISUALS design collective and they run a studio where every member is a freelance graphic designer but altogether a unique visual band. During his Highschool years, he got into graffiti and street art under the name til01, which he still uses as his design name. He still and always will enjoy street art and it is still a major influence in his graphic design. www.til01design.com www.indyvisuals.net

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Tattoos

Tätowierungen waren immer wieder verboten – manchmal mit Begründungen, die auf keine Kuhhaut gehen. „So was gehört doch verboten!“, schimpft die ältere Dame kopfschüttelnd, als sie wieder mal eine Hautbemalung entdeckt. Und reiht sich damit in die ominöse Reihe der Geschmackspolizei ein, die auch heute noch Graffiti so gern als Schmierereien abtun. Solange Leute keine Macht haben, ist ihre Intoleranz nicht weiter schädlich. Nervig bis Kulturtötend wird’s, wenn „Befugnis“ hinzukommt und Spaßbremsen wie Politiker, Ordnungsamt, Polizisten und wie ihre Gangs alle heißen, schalten und walten dürfen. Bei Graffiti wird fremdes Eigentum bemalt, da ist die Sache einfach. Bei Tattoos hingegen wird das eigene Eigentum genutzt – und trotzdem wird und wurde das Tätowieren immer wieder verboten.

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Tätowierungen sind seit Jahrtausenden Teil der menschlichen Kultur. Trotz der tahitischen Herkunft des Wortes lässt sich ein Ursprungsort aufgrund der vielen Regionen, wo Tattoo-Nachweise gefunden wurden, nicht ausmachen. Selbst Ötzi und seine Opis in Chile waren bereits tätowiert. Heißt: ungefähr 7000 - 5000 Jahre vor dem schon alten – und recht blank aussehenden – Christus. Zum Teil sind die Male Überreste einer medizinischen Behandlung, z. B. einer Art Akupunktur. Doch der Schwerpunkt hat eindeutig seinen Hintergrund in Identifikation, Zugehörigkeit bzw. Ab- und Ausgrenzung. Eingriff in die Schöpfung: Irgendein Gott hat immer was dagegen. In Europa und Umgebung ging es seit dem Erfolg der drei großen monotheistischen Religionen hauptsächlich um religiöse Aspekte bei der Körperveränderung. Dürfen wir uns tätowieren oder nicht? Was würden Gott oder Allah dazu sagen? Beschmutzen wir seine Schöpfung? Verunreinigen wir uns? Im Judentum und Islam war die Sache lange Zeit ein absolutes No-go: Gott hat geschaffen, Lebewesen muss mit klar kommen. Im Christentum war man sich nie so richtig einig, wie „Cheffe upstairs“ die Sache sieht. Viele Frühchristen drückten ihre Zugehörigkeit mit einem gestochenen oder gebrannten „X“ oder „I.N.“ aus, auch Tiere wie Lamm und Fisch waren möglich. Ging es dabei um Zeichen, welch Schmerz sie für ihren Glauben auf sich nehmen, waren sie für Kons-

tantin den Großen (lebte um 300 n. Chr.) reine Blasphemie. Im Mittelalter (6. - 15. Jahrhundert) wurde es durch die Umwälzungen von griechisch-römischer Macht zu der Zersplitterung in viele Feudalstaaten noch komplizierter. Überliefert ist, dass viele sich ein Kreuz eintätowieren ließen, um eine dementsprechende Bestattung zu bekommen. Genauso ließen sich viele Pilger an ihren Wallfahrtsorten Andenken eintätowieren. Vielleicht auch eine Idee für heutige Pilgerorte wie die Hard Rock Cafes (wenn es das nicht schon gibt). Auf dem amerikanischen Kontinent des 16. Jhd. – im Rahmen der Conquista – waren die „heidnischen“ Tätowierungen verhasst, weil sie den so viel Nächstenliebe bringenden Missionaren bei ihrer Bekehrung der „Wilden“ im Weg standen. In Bosnien wurden noch bis Ende des 19. Jahrhunderts Kreuze tätowiert, um ein Übertreten zum Islam zu verhindern. Hier war die Tätowierung wohl wieder mal das kleinere Übel. In Japan, wo es eine lange Tradition gibt, entwickelte sich notgedrungen eine neue Gruppe. Tätowierungen wurden eingesetzt, um Kriminelle zu markieren, was Tattoos für alle anderen Gesellschaftsschichten unmöglich machte. Ähnlich einer indischen Kaste züchtete sich Japan so eine „kriminelle“ Schicht – die Yakuza. Das Markieren wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgehoben, dafür aber wurden Tätowierungen komplett verboten, was wiederum erst 1949 aufgehoben wurde. Die Yakuza hat ihre Tradition an großflächigen Tattoos

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erst am Pranger, jetzt an jeder Haut aufrecht erhalten, wodurch selbst Ausländern, die stark tätowiert sind, der Zugang zu manch öffentlichem Bad verwehrt wird. Seit dem Verbot der Yakuza 1992 und dem Verbot, die Tattoos nicht öffentlich zu tragen, wurden die kriminellen Banden in ihrer Freiheit eingegrenzt. Das wiederum verbesserte über die Jahre das Image der Tätowierungen, die dadurch bei Japans Jugend immer beliebter werden. Richtig los ging’s mit den Piraten. Sie und andere Entdecker wie James Cook brachten die wunderbare und vielfarbige Hautkunst – auf manchmal recht üble Weise – nach Europa und traten damit einen Tattoo-Hype los. Proteste während der Industriellen und der Französischen Revolution förderten zusätzlich diese Art der visuellen Kommunikation, um sich abzugrenzen bzw. seine politische Gesinnung zu offenbaren. Wie heute auch wieder galten Tattoos als erotisch, wild und verwegen. Sklaven wurden ähnlich den Rinderherden gebrandmarkt, damit man sie erkennen und zuordnen konnte. Das steigerte aber das „wilde“ Flair vermutlich noch. Und machte nicht mal vor Fürstenhäusern und anderen wichtigen Leuten halt. Jenny Churchill, Mutter des recht bekannten Winston, hatte eine sich selbst in den Schwanz beißende Schlange auf dem Arm tätowiert (und erfand den Cocktail „Manhattan“; ist also recht sleazey, die Dame). Unsere heutigen Machthaber haben noch ein wenig Nachholbedarf. Angie Merkel mit einem

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stylishen Bundesadler zwischen den Schulterblättern würde ihren aktuellen Coolheits-Quotienten von Null bestimmt um einige Punkte heben. Massen junger Menschen würden zu den Wahlurnen hetzen, die Wiederwahl wäre gesichert. Aber ich schweife ab… Für Anstand und Moral sind Tattoos eine Qual. Im 20. Jahrhundert hat die Kirche als Moralinstitution in unseren Breitengraden einen großen Teil ihres Einflusses verloren. An ihre Stelle traten häufig staatliche Einrichtungen, die bis heute für „moralische Ordnung“ sorgen (sollen). Besonders den Nazis mit ihren kruden Moralvorstellungen waren solche extrovertierten Unsittlichkeiten ein Dorn im Auge. Bereits vor ihrer Zeit – nämlich im 1911 – wurde Damen verboten, sich komplett tätowieren zu lassen. Dann erschien Anfang der 30er Jahre Clemens Emil Franz Bracht und vollbrachte Großes. Zunächst haute er den wichtigen Zwickelerlass raus, der regelte, dass nicht zu viel Haut beim Baden zu sehen war. Haut beschäftigte Bracht weiterhin – natürlich nur der öffentlichen Ordnung wegen. Und so schuf er sein Meisterwerk: den Brachtschen Erlass. Der verbot den „öffentlichen Auftritt tätowierter Menschen“. Bracht schied aus dem Innenministerium aus, als Hitler Reichskanzler wurde. Sein Werk wurde weiter „optimiert“. Viele Tätowierte landeten allein wegen ihrer Bemalung in den Konzentrationslagern.

towierungen weltweit ihr schlechtes Image. In der DDR konnte man dafür ins Gefängnis kommen, selbst im liberalen New York wurden die Tattoo-Studios verboten. Sie wurden als Symbol von Gefangenen und „anderen“ zwielichtigen Gestalten und somit als Zeichen von Kriminalität gesehen. Im Schweizer Kanton Bern war es offiziell noch bis 1996 illegal, sich tätowieren zu lassen. In zwei ÚS-Bundesstaaten soll es bis heute noch verboten sein. In Südkorea dürfen nur Ärzte mit der Nadel hantieren, ist also faktisch auch verboten. In Dänemark sollen wiederum verschiedene Körperteile wie Hände, Hals und Gesicht verboten sein. 2007 verbot die USMarine ihren Soldaten neue Tattoos unterhalb der Ellenbogen – und löste damit einen Run auf Tätowier-Studios aus. So persönlich das Verzieren der eigenen Haut eigentlich ist, die Meinungen von außen werden auch in Zukunft nicht versiegen. Wer sich grundsätzlich negativ zu Tätowierungen äußert, ist höchstwahrscheinlich konservativ. Wie schön, dass sich manche Sachen nicht ändern. Für ein buntes Leben. danilo

P.S.: Die ältere Dame am Anfang des Artikels war übrigens meine Mutter, die beanstandete Haut umhüllt – weiterhin bemalt – meinen Unterarm. Ich habe sie trotzdem sehr lieb. ;)

Tätowierungen sind und bleiben kontrovers. Auch nach diesen dunklen Jahren behielten Tä-

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PROUDLY PRESENTS

How are you? Better than nothing. Could you imagine to live somewhere else? A week in Iceland would be whole life I think. How did you get your artist name? I was close to death twice and after this I was like a zombie. If you werenÕt an artist, what else would you do? I would wash whales. Where do you get your inspirations? In music and passion. Some separate sounds of random, things makes me being obsessed sometimes. Is there a movie you could watch more than ten times? Down By Law! What is on the top of your monitor? Foto of me and my "secret friend". :KLFKDUHWKHÀYHLWHPV\RXGRQҋWZDQWWR miss on a lonely island? Stockings,red lipstick,cola in glass bottle and my little scarf! :KRZHUHWKHÀUVWDUWLVWVWRLQVSLUH\RXWKH most? Do they still inspire you? Jamie Hewlett! On start of my artistic passion he was the best one inspiration. But now - not really. I do not found inspiration in visual art anymore. WhatÕs your background did you go to Art school or are you a Self learner? Self learner! Yes! What would you call your style? GRUNGE! When you are painting, whatÕs going through your mind? Sound! Again this word! Whats your favorite color? White. At last, if you want to give some shout outs to somebody or simply say something you can do it now. MŠuschen!!!! Thank you Bananca! www.bananca.co.uk 52

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Bunter Schinken

oder wie kommt die Farbe auf mein Eisbein?

Der belgische Konzeptkünstler Wim Delvoye tätowiert Schweine. Er ist ein Verdauungsfanatiker. Seine Installation Cloaca ist eine Maschine, die den menschlichen Verdauungsprozess nachahmt. Man gibt Nahrungsmittel hinein und bekommt Scheiße heraus. Keine künstliche Scheiße, sondern solche, die sich weder visuell noch taktil und ganz besonders nicht olfaktorisch von menschlichen Exkrementen unterscheidet. Probleme bekommt die Maschine – wie beim Original – auch bei Alkohol und Chili. Delvoye versucht damit, den Kunstbegriff in seiner Statik anzugreifen. Für ihn ist Kunst wie das Leben selbst in zeitlicher Bewegung. Ein natürlicher Prozess wird künstlich nachempfunden. Der Künstler nimmt Dinge aus, verarbeitet sie und scheidet dann etwas aus. Die Ausscheidung ist Kunst, da sie einem Künstler entstammt. Schweine als Objekt der Kunst heranzuziehen, ist schwierig. Sie sind Lebewesen, sie verbreiten einen gewissen Duft und in den Augen der meisten Menschen sind sie Nahrung. Sie haben Persönlichkeit. Ein Überzug mit der Patina von Tätowier-Tinte macht sie nicht automatisch zu einem Kunstwerk. In Europa ist es verboten, Schweinen etwas anderes anzutun, als es den einschlägigen Gesetzen entsprechend erlaubt ist. Die brutalen Ausnahmen sind vor allem der Nahrungsmittelindustrie vorbehalten. Man darf sie töten, aber nicht bemalen, weil sie ihr Einverständnis nicht dafür geben können. Der Mensch wiederum darf sich tätowieren lassen, sich aber die Art seines Abtretens nicht aussuchen, abgesehen von einem Freitod. Tim Steiner, Musiker aus der Schweiz, ließ sich den Rücken von ihm tätowieren und wollte diesen anschließend als Kunstwerk verkaufen. Da dies natürlich rechtlich nicht anders möglich ist, wurde dem Sammler Rin Reinking zugesichert, dass die Rückenhaut Steiners ihm oder seinen Erben nach dessen Tod übereignet wird. Wenn es sich Steiner nicht noch anders überlegt. Aber das Risiko kauft man eben mit. Delvoye verschönert Schweine im totalitären China, denn dort ist es ihm erlaubt. Auf seiner Art Farm bei Peking haben es die Paarhufer besser als mancher Zweibeiner. Es sind glückliche und noch dazu sehr schöne Schweine. Delvoye versieht sie mit Wappen, Figuren aus Disney-Filmen oder macht sie zu Werbeträgern der Kunst, die sie selbst darstellen, indem er den allseits bekannten glatzköpfigen Meister Proper für seine Kunst werben lässt. Kunst, die den unaufhörlichen Weg der Vergänglichkeit nimmt. Daniel

www.wimdelvoye.be

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K I S U

M

Rollen auf weltniveau :LHGHUHLQPDOÂżQGHWGHU:RUOG&XSLP6NDWHERDUGLQJXQGGHU,QWHUQDWLRQDOH%0;&RQWHVW 6WUHHW9HUW LQ%HUOLQVWDWW 8QGZLHGHUHLQPDOODVVHQZLUHVXQVQLFKWQHKPHQGDEHL]XVHLQ

Wie im letzten Jahr findet im Dezemb der in Berlin ein Treffen der Ăœberflieg Luftdreher statt. Extreme-Playground jahressieger Harry Main ist genauso d die Skater Axel Cruysberghs und Alex Die Skater kämpfen um 80.000 Euro FĂźr musikalisch anspruchsvollen Krac Motivationsspritze sorgen Panic! At T Zwei weitere Acts werden in den folg Wochen noch bekannt gegeben. We mehr feiern will, kann am Vorabend a Rider’s Night im Cassiopeia schon ma Zum Auskoman und Knochen hochle gen danach spendieren wir einen sch in Magenta gehaltenes Sitzkissen. Fa boy, das Original, ist schlieĂ&#x;lich der b Chill-Out-Platz nach einer langen Par nacht. Rein in den Sitzsack und den S tagnachmittag ganz entspannt genie Dazu Email mit Betreff „Extreme Knoc hochlegen“ an geschenke@sleazema

Weitere Infos und Tickets gibt’s unter www.telekom-playgrounds.de.

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Brooklyn‘s Best

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So laut kann Leere sein.

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Musikrezensionen

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Festival Nachberichte 2010

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Phoenix live? Nehmen wir mit.

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Rollen auf Weltniveau

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BROOKLYN’S BEST

Das der a-vis

Michelsberger Warschauer dem

putziges und Foyer

Straße,

U-Bahnhof,

Haus.

Allerlei

Stehlampen des

Hotel

ist

in visein

Bücher

geben

Etablissements

dem das

Flair eines Antiquitätenhandels. Rumpelnd schleppt sich draußen die Straßenbahn entlang, während

Schön, euch hier zu haben. Ihr kommt aus Brooklyn, veröffentlicht im September euer Album. Zu aller erst: Wie seid ihr als Band zusammengekommen? Jason: Ich hatte schon eine andere Band vor THE HUNDRED IN THE HANDS, wir waren für ein halbes Jahr hier in Berlin, haben ein bisschen aufgenommen. Als wir wieder zurück in die Staaten kamen, um dort auf Tour zu gehen, habe ich Eleonore über einen Freund kennengelernt. Eleonore: Ich war damals mit auf dieser Tour, wir haben eine Menge Zeit miteinander verbracht. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir dieselbe Musik hören, und wollten daraufhin etwas gemeinsam machen. Es hat nach dieser Tour zwar noch ein wenig gedauert, aber nun geht’s los.

wir zwischen Cola und Hotelalltag zwei Musiker auf der Couch zu sitzen haben. Unser Kamerateam verkabelt die letzten Mikros, bevor wir beginnen, ihnen Löcher in den Bauch fragen. Opfer sind in diesem Fall Eleonore und Jason, zusammen THE HUNDRED IN THE HANDS aus Brooklyn, New York.

Der Track „Dressed in Dresden“, eure erste Single aus dem Album, gibt es dazu eine Geschichte? Warum Dresden? Jason: Nicht direkt. Wenn ich Songtexte schreibe, müssen sie nicht unbedingt eine Geschichte erzählen. Eleonore: Das gilt allerdings nur für seine Texte. Jason: Wenn überhaupt, dann ist das vielleicht mit den Kämpfen zu vergleichen, die jede Generation führen muss. Heutzutage kämpfen die Menschen in Amerika zwei Kriege, aber es beeinflusst sie nicht. Sie sehen es nicht, müssen aber damit umgehen. Das ist vergleichbar mit dem Bombenangriff auf Dresden oder dem Kampf um Berlin, weißt du? Das ist eine

Art Kontrast. Dieses Nachtclub-Leben in den Städten der späteren Generationen. Du musst immer über die Vergangenheit nachdenken. Wenn ihr keine Musiker wärt, was würdet ihr tun? Jason: Ich könnte in einem Schuhladen arbeiten. Spaß beiseite. Die Wahrheit ist, ich bin so lange Künstler und habe auch Kunst studiert, bis ich mich vom Rock*n*Roll ablenken ließ. Ich wäre also ein Gescheiterter ohne die Musik. Eleonore: Ich habe Stadtplanung studiert. Würde also dafür sorgen, dass du immer einen netten Parkplatz hast. Das ist es auch schon. Das klingt grandios. Ich hoffe zwar, ihr könnt eure Musikkarriere so lange durchziehen, wie ihr es wollt, aber … Jason: … wir haben was in der Hinterhand. Jason setzt mit einem verschmitzten Grinsen seine Brille auf, Eleonore macht sich die Haare für das Foto zurecht. Den kompletten Videobeitrag vom Interview, plus einen live eingespielten Akustik-Song findet ihr auf www.sleazemag.de. Die vollständige Album-Rezension zum Debüt „THE HUNDRED IN THE HANDS“ ist weiter hinten im Heft nachzulesen. Julian.

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WIR SIND HELDEN. War zu Beginn der Karriere das „Wir“ im Bandnamen bezogen auf Judith, Pola, Jean und Mark, verzeichnet das wohl sympathischste Familienunternehmen Hamburgs einen Mitarbeiterzuwachs von 75 Prozent. In den letzten drei Jahren war es still geworden um Deutschlands erfolgreichste Indiepop-Punk-Band. Zum einen wegen des angesprochenen Nachwuchses: Bandpaar Judith und Pola bekamen ihr zweites Kind, Jean sein Erstes. Zum anderen um sich vom kräftezehrenden Tour- und Studio-Alltag zu erholen, welcher die Band in den vorangegangenen Jahren durch drei erfolgreiche Alben begleitet hatte. Das vierte Album „Bring mich nach Hause“ ist Ende August erschienen und hat gehalten, was von ihm erwartet wurde: nichts Altbackenes, viel Neues, immer noch WIR SIND HELDEN. Promo-Tage, Pressekonferenzen und Interview-Termine gehen nun also in die nächste Runde, und SLEAZE hatte die, Ehre Mark Tavassol zur Rede stellen zu dürfen. Im Vorfeld geht ein großer Dank an Mark selbst sowie an unsere Event-Managerin Lissy. Beide haben spontan und flexibel ein sauberes Interview geführt, während der Musikredakteur – der faule Hund – krank im Bett lag. Heldenmäßig. Mark, in den letzten drei Jahren habt ihr euch eine doch recht lange Auszeit gegönnt. Was haben die Helden getrieben, außer den Kreis der Familie zu hüten? Es ist ja tatsächlich so, dass wir seit anderthalb, vielleicht zwei Jahren schon an dieser Platte schrauben. Das heißt, unsere Pause ist kürzer gewesen, als sich das für Außenstehende anfühlt. Wir haben 18-20 Monate an dieser Platte gearbeitet: schreiben, arrangieren, Demos machen. Wir sind ja total die Demoband – teilweise klingen die Songs schon wie die Platte später und schaffen es auch auf die Platte. Danach kam dann die Studio-Zeit, dann kamen zwei Kinder dazu: das Kind von Judith und Pola und das erste Kind von Jean. Die Arbeit, die da auf die Eltern wartet, ist ja bekannt. Ich als nicht Kinderhabender hab dann in der Zeit, in der wir keine Musik mit der Band gemacht haben, Musik mit anderen Leuten gemacht. Ich glaube, ich bin schon im richtigen Beruf angekommen. Ich hab während der Auszeit auch Musik geschrieben, gespielt, produziert. Gerade in Hamburg. Das hat gut getan, auch der Band.

Inwiefern hat diese Schaffenspause Einfluss auf das neue Album gehabt? Es ist generell wichtig für eine Band, nicht immer alles schnell hinter sich zu bringen. Es macht auch Sinn, einfach mal eine Pause zu haben, auch wenn man keine Musik macht. Man braucht immer auch eine Außensicht auf das, was man macht. Auch mal auf andere Konzerte zu gehen, andere Musik zu hören, um dann wieder Lust zu verspüren auf seine eigene Arbeit, ist wichtig. Dann sagt man: Das will ich auch, da will ich wieder hin. Hunger zu bekommen auf das, was man macht, um dann eben auch frischen Wind rein zu bekommen. Mit Abstand zur Band zu sehen, was man verändern kann, anders machen kann. Wir haben entschieden, mit einem neuen Produzenten zu arbeiten, der uns nicht unbedingt kennt, der nicht aus Deutschland kommt. Der mit unseren Demos arbeiten kann, völlig unvoreingenommen. Wir haben neue Instrumente ausprobiert, die wir nicht so gut können, um zu gucken, was da passiert. Zum Beispiel mit einem Banjo oder dem Akkordeon. Wir haben die Platte live eingespielt. Solche Ideen kommen einem dann. Es ist dann schwer, im Nachhinein zu sagen, ob das sowieso passiert wäre beim vierten Album, oder ob das passiert ist, weil wir Zeit hatten darüber nachzudenken. Wo liegen deiner Meinung nach die Unterschiede zwischen dem neuen Album „Bring mich nach Hause“ und eurem Erstling „Reklamation“? Ein Unterschied, den wir gar nicht so schillernd wahrnehmen, der uns aber durch Journalisten und Medien nahegebracht wurde, ist der Fokus der Texte auf eher Menschliches, Persönliches, vielleicht Philosophisches. Bei der ersten Platte gab es diese Seite auch, gerade bei Liedern wie „Monster“, „Nacht“ oder „Außer Dir“. Das sind ja auch sehr persönliche Lieder und keine sozial- oder konsumkritischen. Aber diese Lieder sind eben bekannt geworden, sind ja auf jeden Fall ordentlich auf der Platte vertreten, wie „Müssen nur wollen“, „Guten Tag“ und „Ist das so“. Diese den Konsum und die Gesellschaft hinterfragenden Lieder wurden lange als Synonym für das wahrgenommen, was wir sind, was aber auch nur einen Teil dargestellt hat. Der große Unterschied ist, dass der Teil, der damals nicht so sehr beachtet wurde, heute einfach Schwerpunkt der Platte ist. Und wie gesagt,

eben auch der musikalische Aspekt. Wir haben die Platte live eingespielt, verschiedene neue Instrumente benutzt. Das sind ebenfalls Unterschiede zur ersten Platte. Wie hat die Existenz als „Band mit Familie“ positiven und negativen Einfluss auf euren Tour- und Band-Alltag? Also wenn man jetzt ganz streng ist, dann kann man sagen: Wenn man Kinder dabei hat, dann kann man nicht so viel machen. Das würde sich jetzt aufdrängen als negativer Punkt. Das ist die große Frage, weil in dieser Beschränktheit auch mal andere Möglichkeiten stecken. In diesem Fall ist es wirklich so, dass es sehr gut tut, sich alles nochmal zu überlegen. Jeden Termin, den wir zu- oder absagen, lassen wir uns nochmal durch den Kopf gehen, weil man sehr ausgewählt arbeiten kann. Mann ist nicht so flexibel und schnell als Familienunternehmen. Auf der Tour muss man drauf achten, dass man sich freie Tage gönnt, die freien Tage auch wirklich als Regeneration nutzt. Das tut natürlich jeder Band gut, keine Frage. Aber es ist eine Qualitätsverbesserung für uns, weil wir nicht alle Termine zusagen können. Ich als Kinderloser nutze das natürlich doppelt, wir haben eine aufgelockerte Tour, was mir sehr gefällt. Es tut allen gut. Der Musik und der Motivation. Was wünschst und erwartest du dir vom neuen Album und der Band in den kommenden Monaten? Die Frage ist immer sehr leicht zu beantworten. Wenn man so ein großer Tross ist als Band, die relativ erfolgreich ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz und eine Platte raus bringt, dann stehen die nächsten achtzehn Monate eigentlich schon fest. Das heißt für uns: Jetzt, wo die Platte raus gekommen ist, dass wir natürlich Fragen zur Platte beantworten, über Auskopplungen entscheiden müssen. Das ist so das Business im Hintergrund. Die Zeit als Live-Phase geht aber los, im Herbst eine Tour, im Frühjahr wird diese dann sicherlich weitergehen. Im nächsten Sommer werden wir Festivals spielen. Das sind die üblichen Sachen, die du als Band sehr sicher weißt. Das können wir bis 2012 jetzt schon ganz gut einschätzen. Genau wie einen Urlaubsmonat im Winter. Sehr gut. Lisi & Julian.

www.wirsindhelden.de

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So laut kann Leere sein.

Diese Band hat zwei Fehler. Erstens findet man kaum etwas, wenn man sie googelt. Zweitens sind sie noch immer keine Popstars. Aber statt sich über diese schreiende Ungerechtigkeit zu beklagen, erzählt Sänger Tom gelassen vom dritten Album ,Porzellan‘ und dem Plan, Leere hörbar zu machen. Was ist dir heute schon Schönes passiert? Dass du später kommen wolltest. Ich habe verschlafen und bin nach wirren Träumen aufgewacht. Und gerade, als ich anfing, gestresst zu sein, hast du angerufen und gesagt, dass du später da bist. Prima. Ich finde euer neues Album ,Porzellan‘ im Vergleich zu den Vorgängeralben ziemlich brachial. Wie kam das dazu? Das erste Album war ja besonders textlich eine Art Coming of Age- oder Teenage Angst-Album. Es war sehr roh und hat eine gewisse Leere thematisiert. Beim zweiten Album haben wir

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diese Leere in den Sound übernommen. Beim dritten Album sollte genau das Gegenteil passieren. Wiir wollten die Leere hörbar machen. Es klingt so voll und dicht, weil wir in riesigen Räumen aufgenommen haben, die leer und hoch waren und große Hall-Zeiten hatten. Als eine Freundin und ich neulich einen Baum sahen, dessen Blätter sich im Wind bewegten, meinte sie, dass das ja eigentlich das Negativ des Windes sei. Stelle es dir so vor: Wenn du im Album sitzt, hörst du die erzählende ich-fixierte Stimme in einem riesigen, leeren Raum. Dann ist die Stille aber ganz schön laut. Hat dich eigentlich wirklich alles beeinflusst, was im Pressetext steht (ca. 500 Bands, Mathematiker etc.)? Wahrscheinlich hat mich noch wesentlich mehr beeinflusst. Den Text hat ein Freund von mir geschrieben, der riesiger Shoegaze-Fan ist. Als wir ihn eingeladen haben, um das Album zu hören, stand noch nicht fest, dass er den Text schreibt. Aber er war so begeistert, hat sofort angefangen, alles für sich zu dechiffrieren und Eckpunkte zu markieren und hatte so einen Spaß dabei, dass ich ihn gefragt habe, ob er den Text schreiben will. Da kam dann dieser Referenztext bei raus, ob das nun richtig ist oder falsch. Ich dachte mir: Bei diesem Album machen wir alles, was wir wollen. Wir haben keine große Plattenfirma mehr, wir haben alle

Rechte, wir treffen alle Entscheidungen selbst. Und ich wollte, dass mein Freund Stefan die Presse-Info schreibt. Worum geht es auf dem Album? ,Porzellan‘ ist mein Tagebuch der letzten zwei Jahre. Es gab halt diesen Punkt vor zwei Jahren, an dem wir in Mexiko an der Flughafenschlange standen. Ich war seit Wochen krank, konnte nicht mehr essen und war vollkommen übermüdet. Es ging darum, wo wir als nächstes hinfahren und dass wir ins Studio müssen. Und da kam es wie ein lange aufgestauter Reflex aus mir raus, dass ich jetzt einfach keine Lust mehr habe. Dass wir jetzt einfach mal eine Pause machen müssen. Ich habe diese Band ins Leben gerufen, ich schreibe die meisten Sachen im Alleingang. Das permanente Touren, das wir die ersten drei Jahre durchgezogen haben, gerade weil wir ja überall auf der Welt gespielt haben, laugt halt sehr aus. In der Pause hat jeder seine eigenen Sachen gemacht. Und was ich gemacht habe, hört man auf dem Album. Wie kommt das eigentlich, dass ihr so viel im Ausland spielt? Es gab eine initiale Reise nach Zentralasien, die von sehr tollen Idealisten vom Goethe-Institut ermöglicht worden ist. Die haben vorher Bücher mit unseren Texten gedruckt, so dass die Kinder damit Deutsch lernen können. Wir haben so viele Erfahrungen gesammelt. Zum

SLEAZE Oktober/November 2010


Rezension

Fotos

Porzellan

DARF’S NO CH ETWAS Komplette MEHR SE In IN fatale Hint terviews, wahnwitz ? ergrundfak ige Beweg auf www .sleazem ten zu diesem Artik tbilder in Serie un ag.de. d el findest du ab sofo rt

10.09.2010 Den Konfirmantenanzug endlich in Gänze aufgetragen und dennoch nicht erwachsen, wenn man versucht, Erwachsensein mit Abgeklärtheit zu erklären. Nach zwei Alben, Dauertour und Trennung vom Majorlabel kratzt man das zusammen, was einem geblieben ist und macht sich daran, das dritte Kind zu gebären. Die Trackliste lehrt den Leser das Fürchten, einsilbig kommen Titel wie Angst, Feuer Raben oder Nacht daher. Tomm Hesslers düsterdiffuse Texte zu neudeutschen ShoegazeGewittern lassen den Hörer frösteln. Die ersten beiden Scheiben gefielen mehr, auch wenn hier eine Entwicklung der jungen Herren zu erkennen ist. Aber das Bild macht ihr euch! Daniel

Beispiel sind wir mit abenteuerlichen Propellermaschinen über den Hindukusch geflogen, das war der Wahnsinn. Nachdem wir das gemacht hatten, sind die ganzen anderen Institute auf uns aufmerksam geworden und dachten sich wohl: Die machen alles mit. Die wollen wir auch. Ist jetzt auch wieder was geplant? Ja, im Oktober geht es nach Indien, Indonesien, Lybien, Sri Lanka, Bangladesh und Pakistan. Ich bin gespannt, ob ich wieder Spaß daran haben werde. In „Alles schreit“ geht es ja auch darum, dass dir die eitle Glitter-Scheinwelt keinen Spaß macht. Was hat seinen Glanz verloren? Zu sagen, dass vieles seinen Glanz verloren hat, ist zu reißerisch. Es geht um den Moment, in dem ich feststelle, dass mir das alles mit dem eigentlichen Traum vom Reisen um die Welt überhaupt nichts gibt, sondern dass ich eigentlich am liebsten zu Hause sitze und Musik mache. „Alles schreit“ ist ein bisschen der laute Biedermeier-Text. Er bringt mein Slackertum zum Ausdruck. Meine Unlust, an diesen ganzen Vorgängen im Bereich der Musikindustrie teilzunehmen. Bands zahlen einen hohen Preis dafür, eventuell erfolgreich zu werden. Und wir haben zu spüren bekommen, dass wir den Erfolg nicht erreicht haben.

Ich bin ja nicht nur fürs bedingungslose Grundeinkommen, sondern auch für Mindestlohn für Musiker. Ja, es wäre super, wenn es hier so wäre wie in Skandinavien, wo Bands eine Ausgleichszahlung bekommen. Denn wenn man nicht live spielt, hat man meistens auch keine Einnahmen. Insofern wäre es schön für Musiker, die noch kein großes Label haben, wenn sie eine anteilige Ausgleichszahlung bekämen, um sich in Ruhe neuen Ideen widmen zu können. Bei uns war die zweijährige Pause auch ein echtes Problem. Die anderen meinten „wir können uns keine Pause leisten“ und haben dann andere Jobs angenommen. Im Prinzip war die Pause aber gut für uns, weil man sich irgendwann selbst korrumpiert und immer weiter macht, ohne noch dahinter zu stehen. Macht ihr denn viel zusammen? Am Anfang haben wir schon viel Zeit miteinander verbracht, aber dadurch, dass die anderen alle mit ihren Freundinnen zusammen wohnen und Jobs haben, haben wir völlig andere Freizeitzeiträume. Wir schaffen es selten, aber regelmäßig. Außerdem sehen wir uns ja auch auf Tour und im Studio ständig. Aber die Songs schreibst du meistens allein. Schreibst du eigentlich zuerst den Text und dann die Musik? Das ist unterschiedlich. „Alles schreit“ zum Bei-

spiel war ein reiner Text. „Die Nacht“ hingegen ist ein langer Stream of Consciousness und parallel zum Schreiben der Melodie entstanden. Andere Texte werden nie fertig, bei „Angst“ war das so: Es war klar, dass es um Angst gehen sollte, aber ohne dieses urdeutsche Geschmalze. Das war wahnsinnig schwierig. Auf Deutsch ist es eh schwierig, Texte zu schreiben. Da bedarf es gleich eines völlig anderen Niveaus. Auf englisch fallen platte Texte eben nicht so auf. Ich schreibe für ein Seitenprojekt gerade auf Englisch und stelle fest, wie unglaublich leer die meisten englischen Texte sind, sogar von tollen Bands wie New Order. Warst du irgendwann von einer Band schon mal richtig enttäuscht? Ich war zwischen 12 und 15 riesiger Oasis-Fan. Und als das vierte Album kam, war mir klar, dass da nichts Vernünftiges mehr bei herauskommen würde und dass das eigentlich nur noch aufgeblasene Schrottmucke ist. Abgesehen vom letzten Album, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Das ist eines der am besten tklingenden Gitarrenalben überhaupt. Wenn mich jetzt ein Album nicht so begeistert, dann höre ich einfach was anderes. Toms letzter Satz ist keine Einladung, etwas anderes zu hören als das neue Album von Fotos. Das wäre nämlich sehr dumm! Rike

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m u s i k

Avantgarde-Rock

Psychodelic-Indie

Indietronic

Techno-Hip Hop-Disco-weitere

Yann Tiersen

TUSQ

The Hundred in the Hands

Sick Girls

Dust Lane

Patience Camp

The Hundred in the Hands

Revolution No 5 www.myspace.com/sickgirlsplayit

MUTE / EMI

Indigo

Warp / Roughtrade

Bbe

04.10.2010

22.10.2010

17.09.2010

04.10.2010

Über Yann Tiersen hört man seit seinem Soundtrack zu dem Film „Die Fabelhafte Welt Der Amelie“ nur Lobeshymnen. Der bretonische Allrounder zelebriert jede Couleur der Musikwelt, testet sich aus, erschafft, verwirft, wandelt am Abgrund zwischen Elektro, Pop, Folk, orchestraler Überheblichkeit und minimalistischer Monotonie. Er begeistert seit Jahren Kollegen und Kritiker, setzt Ausrufezeichen in roter Farbe. Das neue Album „Dust Lane“ ist als Konzeptwerk zu verstehen. Mit melancholischer Tiefe und wehmütigen dunklen Kompositionen fängt es den „staubigen Weg“ zum Tod ein und versucht, ihn akustisch zu verarbeiten. Das Klavier, die Streicher, ein Akkordeon, analoge Synthesizer, Gitarren, Rasseln – diese herrlichen Arrangements aus Tiersens Kosmos nehmen einem den Atem, erzeugen Bilder. Es ist kein Album für schwache Gemüter, kein Album für einen netten Abend. „Dust Lane“ muss man hören, mit Schmerzen und Verzweiflung im Kopf, einer Flasche Wein in der Linken und der Packung Kippen in der Rechten. Es wird wehtun. Es wird dir dein Herz bluten und deinen Kopf fast zerspringen lassen. Doch am Ende der 46 Minuten geht's dir gut.

Ach hört doch auf, werdet ihr tönen. Diese Superbands um überkreative Nimmersatt-Musiker á la Jack White hängen uns zum Hals raus. Stopp, es geht anders: TUSQ. Das deutsche Allstar-Team um die Herren Uli Breitbach (D-Sailors), Paul Konopacka (Herrenmagazin), Timo Sauer (Schrottgrenze) und Holger Lüken (The Coalfield) beweist in feinster Rock ´n RollManier, wie es sich auch anhören kann. Nämlich nicht nach aufgebackenen und in den Mixer geworfenen Einflüssen grade erfolgreicher Projekte, sondern nach treibendem Indie, pulsierendem Psychodelic und Einschlägen aus ordentlichem Rock. Da bleibt kein Auge trocken, kein Bein unbewegt. Drumlines und Gitarrensoli wirken hier ebenso mitreißend wie betäubend. Zu Beginn schon präsentiert sich der Opener „Urban Spaces“ als schnelle, durchaus clubtaugliche Nummer. Das bewegungsfreudige Tempo zieht sich als roter Faden durch die komplette Platte. Keine Zeit für lange Verschnaufpausen. Die Balance aus MilchmädchenRomantik und StammkneipenMukke dürfte für eine Menge Begeisterung bei beiden Geschlechtern sorgen, die Mischung macht's. Die Mischung stimmt.

The Hundred In The Hands sind Eleanore Everdell und Jason Friedmann aus Brooklyn. Und auch wenn sie uns nicht so sympathisch bei unserem Interview aufgefallen wären, hätte ihre Platte ihren Platz hier sicher gehabt. Sie haben sich über Freunde und Freundesfreunde kennengelernt und präsentieren uns hier einen sehr melodischen und atmosphärischen Klanggenuss. Everdells klare Stimme, die sich wie Honig um die größtenteils von Friedmann eingespielten Beats und Soundspuren schmiegt, sowie ein verwobenes Netz aus Elektroeinflüssen, Indiepassagen und gitarrenlastiger Rockmusik. Manchmal wünschte man sich, dass die Band noch ein bisschen mehr nach vorn treibt, ein bisschen mehr den Höhepunkt in ihren eigenen Liedern sucht. Der eine oder andere Ohrwurm ist freilich dabei, so gehen die Tracks „Dressed in Dresden“ und „Last City“ ordentlich ins Tanzbein. Indietronic – solide dargeboten. Mit Luft nach oben aber eben auch viel Platz nach unten. Empfehlung für Freunde vom New Young Pony Club, We Have Band und den Casiokids.

Die Sick Girls rotzen auch mit ihrer neuen Mix-CD eine dreckige Mischung aus Techno-, Hip-Hop-, Disco- und zig weiteren Elementen wie Garage und Bmore auf die Tanzfläche – unterlegt mit einem satten, immer für eine Überraschung guten Basslauf. Das gleichnamige Album ihrer seit 2005 laufenden Party-Reihe „Revolution No. 5“ birgt dann auch nicht nur schöne Erinnerungen und Liebgewonnenes, sondern mit verschiedenen Edits und dem Track „V-Skank“ erstmalig Selbstproduziertes. Immer satt Energiegeladen, damit es bloß nicht langweilig oder gar zum Stil-Stillstand kommt. Die ehemaligen Booker von Tresor und WMF wissen, was sie tun, und haben das richtige Verständnis, was auf einer Party passieren sollte: Action. Ausrasten. Tanzen & abgehen. Das universelle Wundermittel gegen Party-Pooper also. All das bietet „Revolution No. 5“. Man kann damit aber auch schlicht Trommelfell, Mediaspree und den Nahostkonflikt versenken. danilo

Julian

Julian

Julian

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m u s i k

Singer –Songwriter

Elektro

Cajun

Poptronic

Pohlmann

Fritz Kalkbrenner

Féloche

Pony Pony Run Run

König der Strassen

Here today gone tomorrow

La Vie Cajun

You Need

Virgin / EMI

Roughtrade

Ya Basta Records / Naive/ Indigo

3ème bureau / Wagram Music / Edel

17.09.2010

15.10.2010

10.09.2010

15.10.2010

Ingo Pohlmann ist uns ein Begriff. Sein Hit „Wenn jetzt Sommer wär“ versüßte uns das Frühjahr 2006 und hat uns in den anschließenden lauen Sommernächten auf der Straße durch Pfützen springen und grölen lassen. Mit „König der Straßen“ hat sich der langhaarige Hamburger nun drei Jahre Zeit gelassen, um nach dem im Breitenspektrum eher unbeachteten Langspieler „Fliegende Fische“ Abstand zu bekommen; emotional und künstlerisch braucht ein Mann auch Freiräume. Was in dieser Zeit passiert ist, bleibt sagenumwoben. Fakt ist, Pohlmann hat seine Liebe zur E-Gitarre entdeckt. Seine Musik ist vielseitiger geworden: Rhythmuswechsel, variabler Gesang. Der Junge von damals scheint reifer. Sowohl musikalisch als auch inhaltlich ist die Platte ernster, immer noch augenzwinkernd emotional, nicht erwachsen, aber gewachsen. Seine Inspirationen bleiben zur Freude der Pohlmann-Fans bis auf wenige Ausnahmen dieselben: Liebe, Freundschaft, Zwischenmenschliches. Das Risiko besteht, dass seine Musik gerade für jene, die den Vorgänger kennen, rasch fad und langweilig wirken kann. Musik für Liebhaber.

Fritze und Paule. Klingt nach einer Hommage an Max und Moritz. Parallelen tun sich reichlich auf. Während der gute Paule ja schon seit Jahren an vorderster Front des Club- und Nachtlebens steht, gesellt sich nun auch Bruder Fritz dazu und holt zu einem gewaltigen Streich aus. Fritz Kalkbrenners Debüt-Platte strotzt nur so vor Selbstbewusstsein und Bewusstsein für elektrisierende Arrangements und den Hang zum Extravaganten. Schon zum Gelingen des Soundtracks zu „Berlin Calling“ war der gute Mann ja maßgeblich beteiligt. Nun beweist er mit „Here Today Gone Tomorrow“, dass er sich durchaus vorstellen könnte, an die Seite seines Bruders zu treten – ganz offiziell. Das Album greift natürlich auf altbewährte Elemente der Elektroszene zurück, schafft es aber trotzdem, zu überraschen und frisch zu klingen. Dazu kommt Kalkbrenners außergewöhnlich gute Gesangsstimme, von der wir in Zukunft noch mehr hören wollen. Ein durch und durch fesselndes Album, das sich nun noch Live bewähren muss. Der Streich ist dem Lausbuben also gelungen, und der nächste folgt zugleich?

Das französische Hauptstadt-Label Ya Basta ist dem Musik-Kenner definitiv ein Begriff. Der junge Féloche sollte in naher Zukunft ein Begriff werden. Er spielt alle Instrumente selbst ein, ist begnadeter Arrangeur und Vorreiter in Sachen popkompatiblem, Swing-behaftetem Cajun – Einflüsse aus Elektro und Punk, Reggae und Chanson. Ein Schmelztiegel, wie er in Frankreichs Musikwelt seinesgleichen sucht. Das Debüt „La Vie Cajun“ besticht durch Artenvielfalt in Ton und Text sowie mitreißende Melodien („Océan“) und ohrwurmverdächtige Gassenhauer („Darwin Avait Raison“). Ein gewagtes Projekt, das aufgrund seiner Komplexität und Wandlungsfähigkeit aus der Masse der Veröffentlichungen herausstechen könnte, dem einen oder anderen aber durchaus als zu speziell auf den Magen schlagen dürfte. Wer sich vorher nicht mit dieser Art Musik auseinandergesetzt hat, wird es schwer haben, das Album am Stück zu hören, ohne sich den einen oder anderen Beruhigungstee zu Gemüte zu führen. Es folgt Schlag auf Schlag, Féloche lässt keine Zeit verstreichen und liefert uns zwölf Gründe, den französischen Musikmarkt auch mal fern ab von Phoenix und dem Two Door Cinema Club unter die Lupe zu nehmen.

Frankreich hat einen Lauf. Nach Phoenix und Two Door Cinema Club steht ab Oktober das nächste Album einer vielversprechenden Band im Laden. Pony Pony Run Run nennen sich die Brüder Gaëtan und Amaël, sowie ihr Freund Antonin. Die Musik ist klar beeinflusst von allem, was sich in den 80ern und 90ern auf den Tanzflächen dieser Welt einen Namen gemacht hat. Scham vor PopSünden haben die drei jungen Franzosen nicht, kombiniert wird, was gefällt. Aus den Boxen der Clubs gibt das eine wunderbare Mischung aus Disko-Pop, Indietronic und Elektro ab. Von Zeit zu Zeit kann einem der 90er-Jahre-Beat („First Date Mullet“) auch Nervosität und Fluchtangst in den Kopf treiben. Tracks wie „Cherry Love Brazil“ oder „Future of a Nation“ sind allerdings geborene Tanznummern, von denen wir noch hören werden. Pony Pony Run Run können aber auch anders – auf „What I Feel“ wird’s sentimental, „1997 (She Said It’s Alright)“ klingt nach den Altmeistern von The Cure, der Closer „Girl I Know“ erinnert an Depeche Mode. Fazit also? Eine Band mit musikalischen Wurzeln, bei denen es häufig wehtut, und mit Ästen auf den Tanzflächen der 00er Jahre. Extraordinaire!

Julian

Julian

Julian

Julian

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m u s i k

Jazz-Rock

Electronic

Soul

Elektro

Absynthe Minded

Aeroplane

Aloe Blacc

ULTRNX

Abysnthe Minded

We Can’t Fly

Good Things

The Byterockin‘ EP

www.myspace.com/aloeblaccmusic

Vertigo / Universal

Wall of Sound

Stones Throw / Universal

Audiolith Records

15.10.2010

27.09.10

8.10.

01.10.2010

Die „alten Hasen“ von Absynthe Minded veröffentlichen ihr viertes Album, geben der in Belgien schon 2009 veröffentlichten LP noch ein, zwei Kracher von älteren Werken mit auf den Weg und kommen hoffentlich endlich über die Grenzen ihrer Benelux-Berühmtheit hinaus. Dabei beweist die Band aus Gent musikalisches Gespür und macht alles richtig, wenn sie ihren Sound gleich auf mehrere Schubladen verteilt: Folk-Pop. Gypsy-Swing. Jazz-Rock. Jeder Song überrascht, jedes Arrangement sitzt. Die Texte von Bert Ostyn sind ausgereifter, die Stimmung kann sekündlich kippen. Kurz: Hier spielen Komik und Tragik, Melancholie und Euphorie miteinander Fangen. Absynthe Minded klingen so, wie Mando Diao nach ihrem „Never Seen The Light Of Day“-Album hätten weitermachen sollen. Sie verbinden den Pathos und die Eleganz der frühen Jazz- und Swing-Größen mit dem romantischen Charme einer Kleinstadt-Folk-Band und der Professionalität eines Orchesters. Live verzauberten die Belgier schon die „Rock am Ring“-Gäste. Das Album ist für mich ganz klar die beste Veröffentlichung im Oktober. Absynthe – we like.

Als vor einigen Wochen die Nachricht von der Trennung des belgischen Dj/Produzenten-Duos Aeroplane, die sich seit etwa drei Jahren mit exzellenten Nu-DiscoRemixen einen Namen gemacht hatten, die Runde machte, befürchtete ich schon, dass das lang angekündigte Debütalbum niemals das Licht der Öffentlichkeit erblicken würde. Doch nun steht die Platte tatsächlich in den Läden und Vito De Luca, der nach eigenem Bekunden sowieso im Alleingang zweieinhalb Jahre daran rumgeschraubt hat, macht einfach weiter wie bisher. Der Volksmund behauptet zwar „was lange währt, wird endlich gut“,' aber in diesem Fall trifft das leider gar nicht zu. Denn ein Großteil der Songs im 80er-Disco-Synth-Pop-Gewand wirken einfallslos und unfertig. Da stellt sich die Frage, wie groß der Einfluss vom scheidenden Stephen Fasano tatsächlich war, denn das klang alles schon mal besser. Ich erinnere mich an großartige Remixes für MGMT, Sebastien Tellier, Cut Copy, Lindstrøm und natürlich an die Neuinterpretation von Friendly Fires' „Paris“ (immer noch ein Meisterwerk!). Im Vergleich dazu ist „We Can’t Fly“ eine echte Enttäuschung.

Aloe Blacc ist ein Guter. Ein smarter Typ mit einem sonnigen Gemüt, aufgewachsen im wunderschönen, recht reichen und sehr konservativen Orange County (wo es den Top-Surferspot Huntingon Beach gibt – und ungefähr sechsmal mehr deutsche als „afrikanische“ Amis), der intelligent und kritisch seine politischen Ansichten formulieren kann. Dazu eine sehr gute und saubere Stimme, die live genauso überzeugt wie digital. Herr Blacc hat offenbar alles – außer Kanten. Und genau das vermisse ich. Sein zweites Album „Good Things“ hat sozialkritische Texte, eine saubere Produktion usw. – plätschert aber oft sehr seicht vor sich hin. Die Single-Auskopplung „I Need A Dollar“ in souliger Jackie-BrownManier hat Ohrwurm-Charakter. Dem ganzen Album dagegen fehlt der Seele meiner Meinung nach die dunkle Seite. Aloe Blacc sollte etwas mehr von seinem Nachnamen in seine Songs bringen und einen die Traurigkeit über die sozialen Probleme, die er anprangert, fühlen lassen. Legt der Gentleman das ab, schafft er es vielleicht wirklich mal auf Soul-CompilationKlassiker wie dem Jackie-Soundtrack.

Aufhorchen sollte man bei der Band / dem Kollektiv / DJ Team ULTRNX nicht nur, weil sie vom derzeit wohl angesagtesten Elektround Indietronic-Label AUDIOLITH RECORDS aufgezogen werden, sondern auch, weil ihre Musik Boxen sprengt und Tanzflächen abfackelt. Ihre erste Veröffentlichung THE BYTEROCKIN‘ EP gibt auch auf Platte einen stimmungsgeladenen Einblick in das, was die beiden Braunschweiger Phil de Gap und Ahoi Boi eine Liveperformance nennen: treibende Beats, DiskoNu-Wave in alter Manier und eine Menge Bass, Bass, Bass. Nur gut, dass die beiden Jungs vor ein paar Jahren ihre Gitarren und Verstärker gegen jede Menge elektronisches Equipment ausgetauscht haben und sich nun drauf und dran machen, die Tanzflächen der europäischen Clubs zu erobern. Verzeihung, die Eroberung eures Plattenschrankens nehmen sie mit dieser EP übrigens auch in Angriff.

Julian

Julian

danilo Jero

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SLEAZE Oktober/November 2010


m u s i k Mary Fay this beautiful storm

Emo-Rock

Hip Hop

Ahornsirup-Rock

Electro-Pop

Mary Fay

Harris

Plants and Animals

We Love

This Beautiful Storm

Der Mann im Haus

La La Land

We Love

Hellfest / Roughtrade

Murderbass / Groove Attack

Secret City / Roughtrade

bPitch Control

15.10.2010

24.9.2010

17.09.2010

10.09.2010

Die Schweden langen ja, was musikalische Neuentdeckungen angeht, alle Jahre wieder in eine Kerbe, setzen sich da fest und fahren einen Haufen Bands auf, die diesem Genre dann den skandinavischen, pardon, schwedischen Stempel aufdrücken. Das mag bisher wirklich gut geklappt haben, dominieren doch die blau-gelben Fahnen jedes Festival von Indie bis Metal. Die Schiene, auf der Mary Fay Segel hissen, erinnert in ihren Bestandteilen an Bands wie HIM, 30 Seconds To Mars und – wer hätte das gedacht – Tokio Hotel. Nicht nur das Artwork, sondern eben auch der erst 18-Jährige Frontmann Theo Kassitas, Texte und Themen sowie die grobe musikalische Ausrichtung lassen dieses Vergleich durchaus atmen. Musikalisch gibt’s wenig zu meckern: Die Texte bestechen in ihrer Einfachheit in feiner Rock-Manier, die Musik ist hausgemacht, insgesamt zwar etwas „härter“ als bei Bill und Tom, dennoch gut für Jugendzimmer und Pop-Events. Was man den Jungs aus Dalarna zu Gute halten muss: Die elf Tracks sind facettenreich, das Album wird nicht langatmig. Es bleibt jedoch ein schöner Sturm, der vermutlich weiterzieht.

Nachdem Vollzeitkiffer Samy Deluxe nun das Erwachsenen-Dasein entdeckte und letztes Jahr sein seriöses (aka langweiliges) Album „Dis Wo Ich Herkomm“ auf die Plattenteller schmiss, wird auch Harris anständig – was noch mal eine Sache schräger rüberkommt, kennt man auch nur ansatzweise die Sachen der Berliner Rampensau. Das Motto bisher: Wenn ich feier, denk ich nich‘ groß nach. Und ich feier viel!!! Wie der Titel „Der Mann im Haus“ wortspielerisch andeutet, ist Party ab- und Entschleunigung angesagt. Die Familie steht – mir persönlich viel zu schmusig – bei „Dein Mann sein“, „Familie“ und „Kein Tag“ und dem Album insgesamt im Mittelpunkt. Als ngeiler Anspieltipp geht nur „Ngeiler Tag“ durch. Da passt das Berlinern, der Refrain, die Geschwindigkeit. „Stell dir mal eine Welt vor“ mit Sido hat mit seinem Popcharakter durchaus ChartsChancen. Viel mehr bleibt nicht. Ein großer Reimer war Harris nie, die Produktion ist auf dem Album auch oft naja. Und bei „Es tut so weh“ klingt Harry nicht nur mit seiner Stimme nach Samy Deluxe, sondern erinnert auch vom Flow und etwas sogar vom Thema an den Hamburger erwachsen Gewordenen. Ich hoffe, Harry bleibt dieses Schicksal verwehrt.

Fortschritt ist was Tolles. Stillstand = Rückschritt, das will keiner. Im Falle der Sandkastenfreunde Matthew und Warren, sowie ihrem dazu gestoßenen Kollegen Nicolas, braucht man sich darüber keine Sorgen zu machen. Zumindest was ihre Kreativität auf dem neuen Werk „La La Land“ angeht entwachsen die jungen Kanadier endlich ihren, Verzeihung, eher überschaulichen Wurzeln. Der Erstling „Park Avenue“ war ein passables Debüt zu einer Zeit, in der alle Bands nach etwas Neuem zu suchen schienen. „La La Land“ wirkt gereifter, musikalisch und inhaltlich anspruchsvoller. Die Aufnahmen in Montreal und Paris führten laut eigener Aussage dazu, den Horizont der Band zu erweitern und verschiedene Stile miteinander in Symbiose zu bringen. Romantisch verspielt („Undone Melody“), mit KaribikAttitüde („Kon Tiki“), im guten Lynyrd Skynyrd-Stil als SüdstaatenSchlager („American Idol“) oder als bewährtes Brett („Jeans Jeans Jeans“), das irgendwo zwischen Bon Jovi und Stoner-Rock seinen Sinn sucht. Plants and Animals machen vieles richtig mit „La La Land“, vor allem aber: sie wissen was sie können, und sie wissen Entwicklung braucht Zeit. Die Platte ist kein Jahrhundertwerk, doch der Fortschritt ist bemerkenswert. Wir sind gespannt was da noch kommen kann, aus Kanada.

Nein, bei WE LOVE handelt es sich nicht um das musikalische Nebenprojekt unausgelasteter Pro7-Moderatoren, sondern um Ellen Alliens neue Schützlinge. Das selbstbetitelte Debüt-Album des Duos aus Florenz klingt verdächtig wie The Knife in ihren besten Zeiten. Das Motto scheint „Afterhour vor der Hour“ zu sein, denn so richtig ab geht es erst zum Ende hin. Spätestens bei „Our Shapes“ allerdings bekommt man wieder Lust auf die nächste Electro-Sause. Danach bleibt das Album tanzbar und wenn der letzte Ton erlischt, hat man auf jeden Fall Lust, gleich noch einmal auf die Play-Taste zu drücken. WE LOVE präsentieren mit ihrem Erstling ein solides Electronic-Album. Sie überzeugen auch live mit ihrer Performance, bei der sie ihre selbstgemachten LOVE-Kostüme tragen und alle Instrumente direkt spielen und sampeln. Man hofft, in nächster Zeit noch viel von dem kreativen Duo zu hören und zu sehen.

Julian

danilo

Sofie

Julian

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Festival-Nachberichte 2010 Hurricane Größer, voller, weiter. Das könnte mittlerweile das Motto sein. Oder aber Indie, Rock, Elektro. Das mit 70.000 Karten ausverkaufte Hurricane im beschaulichen Scheeßel zwischen Hamburg und Bremen setzte in diesem Jahr auf eine vierte Bühne: Elektro, White Stage. Eine Ansage an alle IndietronicFestivals und eine Reaktion auf die manifestierte Ehe von Indie und Elektro. Kurz: Regen, wie jedes Jahr – man konnte sich drauf einstellen. Grandiose Auftritte, traditionell mit einer bunt gemischten Musikerschar – BEATSTEACKS, KRAFTWERK, PHOENIX, SHOUT OUT LOUDS, MASSIVE ATTACK.

len Running Order ein Indie-Fest geworden. Bereichert wurde das Wochenende durch die Auftritte von Bands wie BRATZE, die mit Elektropunk punkteten. Grandiose Gigs boten neben THE BUSTERS und DUNÈ beispielsweise auch THE PICTUREBOOKS. Abgerundet wurden die beiden Tage durch Auftritte vieler regionaler Bands. Besonders hervorzuheben sind da die Jungs von ALPHA PONY und TRIP FONTAINE. Fürs nächste Jahr bleibt das RaBFestival ein absoluter Tipp; hat gefallen, hat gerockt und war für uns in diesem Jahr ein bemerkenswertes Wohnzimmer-Festival. Fein.

Rock am Ring

baggage einrückten und uns das Spektakel mal aus der Nähe anschauten. Es kamen Kiss, Jay-Z und Rage Against The Machine, Rammstein, Muse usw., aber wer uns am meisten – weil am trashigsten – beeindruckte, war: LAZER! Eine wunderbare Band, die so fake ist, dass wir zu den quiekenden Stimmen nur bewundernd den Kopf bangen konnten. Inzwischen ist unser Wort, wenn etwas „superfett“ oder „endgeil“ ist, auch schon „LAZER!“ Weniger LAZER ist es, wenn 80.000 Menschen versuchen, sich alle den gleichen Act anzuschauen. Durchsagen, die mitteilen, dass der

Berauschende Geheimtipps, ein Markenzeichen – ALBERTA CROSS, LOCAL NATIVES, KAP BAMBINO und FM BELFAST. In diesem Jahr neu waren allerdings einige Fehlgriffe, musikalisch wie organisatorisch. Eher enttäuschende Auftritte lieferten THE STROKES sowie MANDO DIAO ab. Dass die derzeit beste Elektropunk-Kapelle FRITTENBUDE auf der White Stage spielte, war wohl der größte Missgriff des Wochenendes. Nach drei Liedern musste der Auftritt abgebrochen werden – das Zelt war überfüllt und noch immer warteten Hunderte davor. BOYS NOIZE wurde komplett gestrichen. Alles in allem lieferte das Hurricane dennoch ein Hochfest der Musikkultur und wahrte den Namen als bestes “großes” Indie-Festival Deutschlands.

Rocken am Brocken Harz, denkt man, ist nicht so weit weg. Autobahn, Landstraße, gruseliger Waldweg und zwei Stunden Autofahrt später befindet man sich im idyllischen Ort Elen. Inmitten des Teils von Deutschland, von dem ich denke, dass es hier Zwerge gibt. Nichtsdestotrotz wollen wir hier zwei Nächte schlafen – im Auto, wir sind faul. Beim RaB stellt das allerdings kein Problem dar. Die angenehme Größe des Festivals macht die Wege kurz. Keine Massenabfertigung, sondern eine familiäre Atmosphäre. Das Line-Up erschien uns interessant, wenn auch hohne Höhepunkte. Kurzfristig mussten jedoch zwei „Headliner“ absagen, für welche die fantastischen BONAPARTE und FRISKA VILJOR nachrückten. Plötzlich war aus einer passab66

Rock am Ring Wer ein paar Festivals besucht hat, kann anhand bestimmter Faktoren das Publikum sehr leicht zusammenfassen. Dazu gehören Alter, Art der Drogen, mit wem man anreist, Intelligenzquotient. Rock am Ring wurde im 25 Jahre alt. Da kann ein gerade den Windeln entwachsenes SLEAZE mit seinen mickrigen drei Jahren nur seinen ganzen Respekt zollen. Das tat es denn auch mit seinem ersten Besuch beim RaR. Marek Lieberberg, Herr des (Nürburg) Rings, und seine zur eventim AG gehörenden Konzertagentur MLK spendierten zu diesem besonderen Anlass nicht nur einen neuen, auf den ersten Blick leicht für ein Nazi-Logo zu haltenden Schriftzug, sondern auch einen Tag mehr als die üblichen drei. Klar, dass wir mit der ganzen SLEAZE.

erste, 12.000 Leute umfassende Bereich, bereits voll und somit geschlossen ist, erinnern einen immer wieder an die schlechte Qualität der eigenen Augen. Alle Fans unter 1,60 sind zudem in permanenter Nahtod-Erfahrung. Das Fazit: Etwas zu prollig, etwas zu viele Menschen, viele weite Wege stehen ein glückliches Publikum, ein für RaR übertrieben gutes Wetter, viele gute Acts für einen angemessenen Ticketpreis und eine reibungslose Logistik diese Megaspektakels. Wer sich also von den Massen nicht schrecken lässt, für den ist das Rock am Ring eine Option, die sich zu prüfen lohnt. Wir jedenfalls gratulieren RaR noch einmal – auf die nächsten 25!

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Hurricane, Rock am Ring, Rocken am Brocken, Melt! Wetter, MELT und Kartonwein Ihr wisst es alle, denn ihr wart dort! Wir waren allesamt auf einem schönen Campingausflug am Baggersee, mit unseren Freunden und uns unbekannten Menschen, die wir aber alsbald in unsere Herzen geschlossen haben und somit zu unseren neu gewonnenen Freunden zählen konnten. Gott sagte, es werde MELT! Und es ward MELT! Gefühlte 50 Millionen Tonnen Stahlschrott – euphemisiert mit drei Millionen Kabeln und

nisationsmängel auf. Das Bier war warm und auch sonst gab es in unserem selbstgebauten Kühlschrank kein Getränk, was unter gefüllten 30 Grad Celsius war. Der Kühlschrank war nur ein Loch im steinigen Boden, in den ein Kasten Bier hineinpasste. Also blieb nur der See, der unser Mütchen kühlte. Ausgestattet mit diversen Schwimmhilfen verbrachte man etwa sechs Stunden des Tages in der Mitte der Wasserfläche und wartete auf Besserung der Witterungsverhältnisse. Soll heißen: Wir warteten auf die Nacht. Bonaparte wirkte mit seiner kolossalen CatFight-Show etwas verloren auf der Main

4000 Leute zu bespassen oder einen Club zum Kochen bringen. Das ist das Verrückte.“ Der Kaiser über das neue Album: „Wenn das erste Album ein solcher Erfolg ist, ist es verdammt hart ein zweites Album zu machen. Haust du in die gleiche Kerbe oder machst du etwas komplett Neues?“ Der Kaiser über den aktuellen Sound: „Ich mag es wenn es catchy aber nicht cheesy ist, wenn es hängenbleibt.“ Der Kaiser über BONPARTE: „Bonaparte ist sehr destillierte Ware. So wie Hühnerbrühe, wo man nur Wasser drüber kippen muss.“ Der Kaiser über die Zukunft: „Wir haben eine Menge Gigs zu spielen. Enden

Melt! einskommafünf Millionen Lichteffekten – wiesen uns den Weg zum IronMan der IndieElektro-Competition. Dazu gab es Badewasser vom Feinsten, der See rundherum bot eine Klarsicht von etwa drei Metern Tiefe. Wenn man nicht gerade am Ufer planschte, dort gab es dann eher eine Fangopackung. Schon ab Donnerstag gab es volle Park- und Campingplätze. Die einzige offizielle Veranstaltung an diesem Abend war der Audiolith-Pferdemarkt im Intro-Zelt. Leider war dieser bei unserer Ankunft schon ausverkauft, diese Party kostete fünf Euro extra. Egal. So konnte man sich der Festigung der Bekanntschaften zu den neuen Zelt-Buddies widmen. Ein kleiner, aber feiner Zeltplatz-Rave tat es dann auch.

Stage, rockte dennoch. Dies stellte unseren „ point of no return“ dar. Simian Mobile Disco haben mich sehr schön ins Bett gebracht. Hervorzuheben wären die Performances von DJ Shadow, die schwer zu ertragende Show von Chris Cunningham, der unglaublich gute-laune-machende Jamie Lidell und zum Ende hin Chromeo und A-Trak. Aber das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Ein Wiedersehen mit der eigenen Zelt-Crew gab es immer wieder ab sieben Uhr auf dem Sleepless Floor. Dort ein letztes Bier und dann per Pedes ins heimische Bett. BONAPARTE

Man beschwert sich immer übers Wetter, das sollte auch hier keine Ausnahme darstellen. Die Hitze zeigte unsere OrgaSLEAZE Oktober/November 2010

Der Kaiser zum MELT!: „Ich kann dir nicht sagen was mehr oder weniger Spaß macht:

wird die Tour auf jeden Fall in Berlin.“ Das komplette Interview findet ihr auf www.sleazemag.de oder auf www.facebook.com/sleazemag.de

Weniger Hektik, bitte Ein Interview mit Foals Das Wetter meint es dieses Jahr besonders gut mit dem Melt-Festival. Und so sitze ich an diesem Abend im Juli bei strahlendem Sonnenschein auf einer leicht abfallenden Wiese mit Blick auf den Baggersee und warte voller Vorfreude auf meine 15 Minuten mit Foals. Foals ist die Band, die vor zwei Jahren mit „Antidots“ ein Debüt abgeliefert hat, auf dem Math-Rock mit Techno und Pop zu einer extrem dynamischen Melange vermengt wurde, das für mich zu den besten Platten 2008 67


Hurricane, Rock am Ring, Roc gehört. Man soll ja immer vorsichtig sein mit großen Erwartungen an das zweite Album einer Hype-Band der vorletzten Saison, doch in diesem Fall wurde man nicht enttäuscht. Die fünf Mittzwanziger aus Oxford überraschen auf „Total Life Forever“ mit wesentlich ausgefeilteren Songs, die sich Zeit lassen. Es gibt immer noch die ineinander verwobenen Gitarren und vertrackten Rhythmen, der typische Foals-Sound aber alles deutlich langsamer, erwachsener und besonders der Gesang von Yannis Philippakis erreicht eine neue Qualität. Leider stand der Yannis für dieses Interview nicht zur Verfügung, und so sitzen mir nun Edwin Congreave (Keyboard) und Walter Gervers (Bass) gegenüber und beantworten artig meine Fragen. Ihr macht einen ziemlich ausgeruhten Eindruck, wenn man bedenkt, dass ihr doch fast jeden Tag auf einem anderen Festival in Europa spielt. Ja, gestern Nacht waren wir noch in Norwegen auf dem Slottsfjell Festival, deshalb haben wir heute den halben Tag schlafend im Hotel verbracht. Das ist auf jeden Fall das Anstrengendste am Touren, man bekommt nur selten genügend Schlaf. Letztes Jahr wurde euer Auftritt beim Melt kurzfristig abgesagt. Was war da los? Wir hatten alle Grippe. Das war sehr schade, denn wir hatten nur Positives vom Melt gehört und wollten unbedingt mal hier spielen. Die Location ist schon ziemlich beeindruckend. Wir freuen uns auf nacher und das sagen wir jetzt nicht nur, weil wir gerade hier stizen. Wir hören zur Zeit verstärkt Elektronische Musik und daher spricht uns die Mischung von Electronic und Indie, die hier angeboten wird, besonders an. „Total Life Forever“ klingt ruhiger und harmonischer als eure erste Platte. In den letzten zwei Jahren ist auch eine Menge passiert. Man entwickelt sich weiter, als Mensch und auch als Band, und man will ja auch nicht immer das Gleiche machen. Wir sind zusammen in ein großes Haus in Oxford gezogen, haben uns im Keller ein Studio eingerichtet und da fast ein Jahr zusammen verbracht. Also deutlich mehr Zeit, um Songs zu schreiben und mit neuem Equipment herum zu experimentieren als bei „Antidots“. Zudem haben wir einen neuen Produzenten ins Boot geholt, der den Sound auch ziemlich gut umsetzen konnte, den wir uns vorgestellt hatten. Warum habt ihr das Album in Schweden aufgenommen? Das Grundgerüst ist schon Zuhause in Oxford entstanden aber wir wussten, dass wir das Album nicht in England aufnehmen wollten. Da ist man einfach zu sehr abgelenkt. Außerdem brauchten wir alle einen Tapetenwechsel und schließlich was es unser Produzent Luke Smith, der dieses Studio in der Nähe von Göteborg gefunden hat. War früher mal eine alte Brauerei oder so was, die in jahrelanger Handarbeit von Musikern zu einem Studio umgebaut wurde. Große, offene Räume mit Wohnbereich und allem. Sehr gemütlich.

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cken am Brocken, Melt!

BUCHER MIT

KICK!

Dort haben wir zwei Monate in Abgeschiedenheit gelebt und uns voll auf die Arbeit konzentriert. Wie es der Volksmund schon immer wusste: Gut Ding will Weile haben. Danke fürs Interview und einen entspannten Abend noch.

TURBOSTAAT Ein Interview mit Rotze ROTZE zum MELT!: „Es ist auch für uns eine Faszination, dieses Gelände. Darüber kann man auch nicht hinwegtäuschen. Andererseits: Ich persönlich tue mich immer ein bisschen schwer mit diesem Abgestyle aufm MELT!. Jeder versucht, irgendwie noch individueller, noch derber noch stylischer zu sein und das geht mir halt tierisch auf’n Keks.“ ROTZE über Festival-Auftritte: „Wir waren bei Rock am Ring dieses Jahr und haben uns auch ein paar Konzerte angeguckt. Die Bühne ist so groß wie die kompletten Läden, in denen wir sonst spielen. Du stehst da und mühst dir einen ab. Es sind zwölf Meter, bis die Leute anfangen. Das ist unvorstellbar groß. Da brauchst du 60.000 Leute, um gekickt zu werden. Bei uns waren es auch 15.000-20.000, aber das ballert null.“ ROTZE über die letzten Jahre: . Ich weiß noch, wie wir vor zwei Jahren im SO36 gespielt haben. Das war für mich abgefahren, weil ich im SO36 als kleiner Punker so ‘ne NYHC Band gesehen habe. Ich bin mit zwei Freunden und zwei Kötern im Auto nach Berlin gefahren. Der Laden kam mir hammerriesig vor. Als wir dann da waren, war`s gar nicht so groß. Und ich stand auf der Bühne, und die Leute in der ersten Reihe haben genauso geballert wie ich damals, kleine Punker mit großen Augen.“

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it seiner Persiflage von Jane Austens Literaturklassiker „Stolz und Vorurteil“ gelang dem Amerikaner Seth Grahame-Smith ein Überraschungserfolg, der ihn an die Spitze der US-VerkaufsCharts katapultierte. Er nahm den klassischen Entwicklungsroman, in dem die Engländerin ein Gesellschaftsbild des frühen 19. Jahrhunderts in eine mehrschichtige Liebesgeschichte verpackt, und bereicherte den Originaltext um Horror- und Action-Elemente wie Zombies und Ninjas. Die Klassik/ Horror-Persiflage wird derzeit bereits verfilmt und wurde zudem von Könnern der Comicbranche zu einer herrlich schrägen Graphic Novel verarbeitet. Und auch die Vorgeschichte zu Grahame-Smiths Beststeller wurde vom preisgekrönten Romanautor und Journalist Steve Hockensmith erzählt. Die Bennet-Schwestern leben ein beschauliches leben im England des frühen 19. Jahrhunderts. Sie verbringen ihre Tage mit Lesen, Gartenarbeiten und Tagträumen von zukünftigen Ehemännern. Eine Beerdigung stellt das einst friedliche Landleben auf den Kopf, denn die Toten entsteigen ihren Gräbern und machen aus der ehemals schüchternen Elizabeth Bennet eine erbarmungslose Jägerin der Untoten!

ROTZE über TURBOSTAAT: „Als wir uns `99 gegründet haben, wenn uns da jemand erzählt hätte, wir könnten mit einer Deutschpunk-Band bestehend aus fünf Idioten bei einem Major Label unterschreiben, das hätten wir nicht geglaubt.“ ROTZE über die Zukunft: „Wir machen genauso weiter mit dem, was wir immer machen. Wir spielen Konzerte. Drei Touren stehen noch an – jeweils im Oktober, November und Dezember. Das ist der Grund, warum wir Musik machen: um raus zu kommen.“ Das komplette Interview findet ihr auf www.sleazemag.de oder auf www.facebook.com/sleazemag.de danilo, Daniel, Julian, Jero

Stolz und Vorurteil und Zombies – Die Graphic Novel 176 Seiten, l 16,95, ISBN 978-3-86201-012-7

Stolz und Vorurteil und Zombies: Aufstieg der lebenden Toten – Die Vorgeschichte zu Stolz und Vorurteil und Zombies Roman, 352 Seiten, l 12,95, ISBN 978-3-8332-2148-4

Klassischer Lesestoff in makaber-modern(d)em Gewand! ..

Erhaltlich im Buch- und Comichandel.

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© 2010 Seth Grahame-Smith. All Rights Reserved.

www.paninicomics.de

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Promotion

Phoenix live? Nehmen wir mit. Gleich vorab. Wir haben euch rechtzeitig Bescheid gesagt. Jetzt habt ihr noch Zeit, Freunde um ein Stück Berliner Fußboden zum Übernachten – oder besser Übertagen – anzuschnorren. Um welchen Tag es geht? Am 6.11. lässt Beck’s sein neustes Experiment los. Die Braumeister: Phoenix, The Ting Tings, Paul Smith (ohne die restlichen Maximo-Parker) und der Beck’s European Newcomer. SLEAZE ist natürlich auch vor Ort, aber mehr aktiv in ihren Lieblingsdisziplinen: Trinken, Tanzen, Blödsinn labern (nicht immer in der Reihenfolge). Tickets für den Spaß kann man nur gewinnen unter www.becks.de Wie gesagt: Wir haben euch rechtzeitig Bescheid gesagt. Wir sehen uns. Fakten: Wann: 6.11.2010 Wo: The Station, Luckenwalder Str. 4 - 6, 10963 Berlin Einlass 19.00, Beginn 20.00

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Bambi Lovedoll lädt ein. «Willkommen in Bambiland» heisst ihr erster Bildband und der ist ein heißer Trip durch die Gedankenwelt einer tätowierten und gepiercten jungen Frau, die selbstbewusst von One-NightStands, Analsex und vollgepinkelten Betten berichtet, mal ratgebertauglich, mal augenzwinkernd und warnend, aber immer entwaffnend lustig und unterhaltsam. Hardcover, 144 Seiten in Farbe mit ca. 150 Bildern 17,95 Euro ISBN 978-3-86608-145-1

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Wellenburger Str. 1 | 86420 Diedorf |Tel: +49.8238.5089770 | info@ubooks.de |www.ubooks.de SLEAZE Oktober/November 2010


Rollen auf weltniveau :LHGHUHLQPDOÂżQGHWDXIGHQ7HOHNRP([WUHPH3OD\JURXQGVGHU:RUOG &XSLP6NDWHERDUGLQJXQGGHU,QWHUQDWLRQDOH%0;&RQWHVW 6WUHHW 9HUW LQ%HUOLQVWDWW8QGZLHGHUHLQPDOODVVHQZLUHVXQVQLFKW QHKPHQGDEHL]XVHLQ

Wie im letzten Jahr findet im Dezember wieder in Berlin ein Treffen der Ăœberflieger und Luftdreher statt. Extreme-Playgrounds-Vorjahressieger Harry Main ist genauso dabei wie die Skater Axel Cruysberghs und Alex Mizurov. Die Skater kämpfen um 80.000 Euro Preisgeld. FĂźr musikalisch anspruchsvollen Krach und Motivationsspritze sorgen Panic! At The Disco. Zwei weitere Acts werden in den folgenden Wochen noch bekannt gegeben. Wer noch mehr feiern will, kann am Vorabend auf der Rider’s Night im Cassiopeia schon mal Ăźben. Zum Auskoman und Knochen hochlegen danach spendieren wir einen schick in Magenta gehaltenes Sitzkissen. Fatboy, das Original, ist schlieĂ&#x;lich der beste Chill-Out-Platz nach einer langen Partynacht. Rein in den Sitzsack und den Sonntagnachmittag ganz entspannt genieĂ&#x;en. Dazu Email mit Betreff „Extreme Knochen hochlegen“ an geschenke@sleazemag.de. Weitere Infos und Tickets gibt’s unter www.telekom-playgrounds.de.

THANX to ULTRNX! Unter dem Namen ULTRNX, den neusten ZĂśgling des Schrammel-Labels AUDIOLITH, kreieren die beiden Braunschweiger Phil de Gap und Ahoi Boi elektronische Tanzflächenbretter irgendwo zwischen Techno-House, Elektro und Nu Wave. In der letzten Zeit avancierten sie in gleich mehreren europäischen Ländern, darunter neben Deutschland auch England und Frankreich, zum Geheimtipp der Elektro-Szene. Zuvor hat sich das Duo noch eben schnell mit aUtOdiDakT zusammengerauft, um einen 80er-Indie-Disco-Pop-Hit zu kreieren. Das Ganze wird begleitet von einem stylischen Cartoon-Video. Seite Ende September ist die die „Pimp My Life EP“ fĂźr eure Ohren zugänglich. Ihr neuster Clou: die BYTEROCKIN‘ EP, welche am 01. Oktober diesen Jahres erschienen ist (siehe unseren Rezensionen). Ein Juwel der Clubmusik, mit acht eingängigen und treibenden Tracks, darunter drei Remixe ihres Tracks „Rockstr“.

Neben der Arbeit an eigenem Material verĂśffentlichen ULTRNX hin und wieder sehr gelungene Remixe von MusikgrĂśĂ&#x;en und Vorbildern wie DIGITALISM, BOBO IN THE WHITE WOODEN HOUSES und den Labelkollegen von PLEMO & RAMPUE. Auf Tanzflächen hinterlassen ULTRNX neben einigen blauen Flecken und schweiĂ&#x;nassen Shirts strahlende Gesichter, taube Ohren und lebendige Zufriedenheit. Die Kombination aus harten Beats, treibenden Hooklines und perfekt gemischten Voiceparts machen jeden Track zu einem unvergesslichen Cluberlebnis und schweiĂ&#x;en ULTRNX tief im Plattenregal deines Kopfes fest. Wem bei lauen Clubnächten häufig der Moment fehlt, um richtig auszurasten, sich in der Menge zu verlieren und zu tanzen, als gäb es kein Morgen mehr, der fĂźhlt sich bei ULTRNX bestens aufgehoben. Julian

www.ultrnx.de

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Macht das Sinn? Eine Abrissparty im Neubau? Gegenfrage: Muss denn alles Sinn machen? Unsere Therapeuten sagten immer, wir sollen unsere Gefühle nicht länger unterdrücken. Jetzt lassen wir alles frei raus und nennen das dann SLEAZE – Trash mit Substanz. Gut, wa?

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Am 20.11. feiern wir nun unseren Therapieerfolg und die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Bye, bye, Kloppitum. Als Vorzeigeob- und -subjekte der Resozialisierung muss natürlich auch eine angemessene Feierlichkeit her. In einer angemessen Location. Mit angemessenen Musikanten. Wir packten unseren Ranzen, bekleideten uns mit widerstandsfähigem Schuhwerk und reichten unsere Patientenakte herum. Das Ergebnis war niederschmetternd. Niemand wollte uns. Location DOCH DANN (dramatische Pause) stießen wir auf die Baustelle des nhow-Hotels. Die hatten vor nicht allzu langer Zeit in einem Anflug großer Gnädigkeit einen anderen Irren beauftragt, die Inneneinrichtung für ihr neues Hotel in Berlin zu entwerfen. Sein Name: Karim Rashid. Karim „im Wunderland“ Rashid ist ein Designer mit völlig durchgeknallten Ideen und extremen Hang zu grellen Farben und organischen Formen. Wir können gar nicht erwarten, das Hotel fertig zu sehen. Bis jetzt ist der Ort noch eine großes Ansammlung von Staub und merkwürdigen Gegenständen. Und vor der offiziellen Eröffnung dürfen wir rein und schon mal irre schwofen. So eine Gelegenheit lassen wir uns natürlich nicht nehmen. Wir fragten also irre Musikanten, ob sie nicht musizierend einwirken wollen, während wir mit unseren Freuden und Ex-Betreuern aus der Anstalt angemessen abgehen.

Die Sick Girls (Violent Turd, Berlin) Nein, wir haben sie nicht nur wegen des passenden Namens genommen. Die beiden Damen wissen, wie man Musik so fusioniert, dass die Hütte einstürzt. Das beweisen sie seit sechs Jahren und haben gerade erst mit ihrer neuen Compilation „Revolution No 5“ festgehalten, wie treibend elektronische Musik mit Einflüssen von Hip Hop über D&B bis Garage sein kann. Tricus & Vitéz Wer unser Magazin kennt, wird den beiden Herren schon mal begegnet sein. Im KloppiDunstkreis von SLEAZE tauchen Ian Tricus und Atiba Vitéz immer mal wieder auf. Mitte November drehen sie die Lautstärke auf, um dem verwöhnten Berliner Publikum zu zeigen, dass man selbst sie noch begeistern kann. Geburtstagsüberraschungen Damit unsere Gäste auch etwas vom klassischen Geburtstagsgefühl haben, gibt es Überraschungen, die hier noch nicht genannt werden. Es wird auch noch einen Act geben, der nicht verraten wird – und das ein oder andere Goodie. Sponsoren Zum Abschluss möchten wir unseren treuen Sponsoren von Schwarze Dose, Veltins, Vöslauer und Finlandia danken, ohne die wir eine solche Party nicht stemmen könnten – und die wir auch persönlich und ohne ihre leckeren Getränke sehr mögen. Schön, dass es euch gibt.

WANN? Am Samstag, 20. November 2010 WO?

nhow Berlin, Stralauer Allee 3, 10245 Berlin // www.nhow-hotels.com/berlin

WAS?

JUBEL-ÄH-UM SLEAZE

www.myspace.com/sickgirlsplayit www.myspace.com/tricusundvitez Mehr Infos demnächst unter: www.sleazemag.de

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lo ni

Eigentlich war der Hauptaufhänger eine Geschichte über den Vampir-Filmerfolg Twilight. Aus unerfindlichen Gründen haben wir uns um entschieden. Na gut, das stimmt nicht ganz. Der Weißkopfadler trug eine Mitschuld. Und der Regenwald. Und der Surfspot, an dem ein Stück „Goonies“ gedreht wurde. Tut mir leid, Damenwelt, auf einmal war jedenfalls eine Menge spannender als Romantiker Edward.

a d n o v

SLE IN W AZE UN AS UNT D O HIN ERW REG GT EG ON ON S

SLEAZE UNTERWEGS

Hier ein Kurzausschnitt aus dem SLEAZE. unterwegs-Tagebuch. Mehr Bilder und Storys gibt’s auf www.sleazemag.de.

Cannon Beach Nicht nur California-Dudes gehen surfen. In Cannon Beach, wo auch ein Teil des 1985 erschienen Films „Goonies“ gedreht wurde, kann man die pazifischen Wellen genauso gut genießen. Seufz.

Seattle Seattle gewann mehrmals den Titel als „lebenswerteste Stadt“ der USA. Bei dem eher selten guten Wetter lohnt sich ein Blick von der Space Needle, dem einzig interessanten Bauwerk der etwas mickrig aussehenden Skyline. Daran konnten offenbar weder die hier geborenen Jimi Hendrix, Bill Gates und Sir Mix-A-Lot noch die großen Zentralen von Boeing, Getty Images und Starbucks etwas ändern. Im ersten Starbucks überhaupt findet sich der einzig übriggebliebene – weil für Amis offenbar zu erotische – Meerjungfrauen-Busen im Logo.

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Olympic Peninsula / Twilight Olympic Peninsula ist ein großflächiger Arm Washingtons am Rande des Pazifiks. Darauf befindet sich u.a. Forks aus Twilight, die „dunkelste Stadt der USA“ und Port Angeles mit dem Erstes-Date-Restaurant der TwilightHauptfiguren Bella und Edward (nicht nur der Name „Bella Italia“ hat wieder mal den Beigeschmack einer Filmmarketing-Lüge). Viel interessanter und sehenswerter allerdings ist die Flora und Fauna mit Olympic National Park – inklusive (gemäßigtem) Regenwald – und Lake Cresent, Weißkopfadlern und der riesigen Küste.

Portland Eine charmante Stadt, die offenbar ein Rassismus-Problem hat – siehe Sticker. Den gelben haben wir übrigens mit einem SLEAZE.sticker korrigiert. Die arme weiße Rasse, buhuuuuu, schluchz. Idioten.

Pacific Northwest - Oregon & Washington State c/o Wiechmann Tourism Service Tel: 069-255 38 240 / Fax: 069-255 38 100 www.experiencewa.com / www.traveloregon.de Mit Icelandair nach Seattle. Die zweitschnellste Verbindung nach der Lufthansa von Frankfurt aus – und meist günstiger. www.icelandair.de Twilight in Washington: www.experiencewa.com/twilight-in-washington.aspx Twilight in Forks: www.forkswa.com/twilight SLEAZE Oktober/November 2010

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Das Tijuana des Ostens Warum ihr unbedingt nach Słubice fahren solltet

Warum in die Ferne reisen, wenn das Gute doch so nah liegt, haben wir uns gedacht. Słubice ist die Partnerstadt von Tijuana (ehrlich) und lockt mit Sex, Drogen und den besten Fälschungen nördlich des Erzgebirges. Der Ausflug zum Polenmarkt sorgte in der Redaktion für Abwechslung vom Golfen oder Autos anzünden. Sämtliche Mitarbeiter in zwei Autos gestopft und Richtung Polen gefahren. Dank Navigationsgerät und riesigen Autobahnschildern haben wir uns auch nur einmal verfahren. Damit ihr in denselben Genuss kommt, gibt es hier den ausführlichen

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Anreise:

Polenmarkt

Słubice liegt ca. 100 km von Berlin entfernt. Entweder ihr schwingt euch in euer (hoffentlich nicht zu teures Auto) und fahrt gen Polen oder ihr nehmt die Bahn. Die braucht ungefähr 120 Minuten. Wieviel es genau kostet, weiß man bei der Bahn nie.

Dort treffen die hässlichsten Deutschen (ja genau, die von oben) und die unfreundlichsten Polen aufeinander und sorgen für eine unvergleichliche Stimmung. Von außen sieht der Markt wie Wellblechhütten aus den Slums aus. Von innen riecht es streng nach Essen und undefinierbarem Ekel.

Unterkünfte: Warum wollt ihr dort schlafen? Die Sehenswürdigkeiten rechtfertigen eine Nacht nicht und für Sex braucht ihr keine Ferienwohnung.

Słubice Słubice selbst scheint nur aus Zigarettenshops, Nachtclubs, Friseuren, Zahnärzten und Kaufhallen zu bestehen. Die Nachtclubs heißen vorzugsweise „Michelle“, das wirkt auf Männer anscheinend erotisierend. Einige Nutten stehen schon tagsüber am Waldrand, was wirklich Schlimmes für ihre Gesundheit vermuten lässt. Nachts treffen Nutten und Freier am Autohof zusammen. Die Stimmung gegenüber den Deutschen ist unterdurchschnittlich freundlich, was wir gut verstehen können. Die hässlichsten Deutschen, die wir je gesehen haben, sahen wir auf dem Polenmarkt.

Natur Die Oder trennt Słubice bekanntermaßen von Frankfurt/ Oder. Und deren Ufer sind wirklich wunderschön. Aber ernsthaft: Wer fährt wegen der Natur nach Słubice?

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Unbedingt solltet ihr bei den verschiedenen ParfümStänden vorbeischauen. Lasst euch nicht vom strengen Geruch abschrecken. Ihr werdet belohnt mit den besten Fälschungen des Landes. Das Parfüm Jurp steht neben dem Parfüm Fahneneid und neben Bruni Banal. Die ausgefeilten Marketingsprüche der blondierten Verkäuferinnen (Willstu riechen) verführten auch unsere Juju zum Kauf von Lacrosse. Juju sagt dazu: „Mein Lacrosse-Parfüm riecht zehn Minuten lang wie eine polnische Nutte, danach GAR NICHT mehr.“ Ganz wichtig ist auch die Tierabteilung. Viele kleine Kätzchen und Hundewelpen liegen in Pappkartons und warten auf dickliche Deutsche. Die Kleinlichen unter euch stört es vielleicht, dass die Tiere erst drei bis vier Wochen alt sind. Oder auch krank sind. Oder komplett zugekackt, halbverdurstet und halbtot. Aber Spielverderber gibt es immer. Lasst euch nicht abhalten, dort einen Vierbeiner zu kaufen. Ansonsten bricht der Schwarzmarkt der Tierzüchter zusammen. Und wo soll dann der dickliche Deutsche seinen Rassehund herbekommen.

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Ed Hardy. Dort gibt es alles von Ed Hardy. Ed HardyUhren. Ed Hardy-Schlüpfer. Ed Hardy-Wodka. Ed Hardy-Autoerfrischer. Ed Hardy-Parfüm. Ed Hardys. Machen wir uns nichts vor: Słubice – und damit auch der Polenmarkt selbst – liegen quasi mitten in Brandenburg. Die Grundsätze von Angebot und Nachfrage gelten auch dort. Das erklärt die unglaublichen Mengen an Thor (oder Tor, Dhor, Torm, Tho, usw) Steinar (oder Stein, Sten, Steine, Steina usw.) Bekleidung. Wer also etwas Schönes für einen rechtsradikalen Freund sucht, wird auf jeden Fall fündig. Es muss ja auch nicht unbedingt Kleidung sein. Eine schnittige Landser-Uhr macht im Wohnzimmer auch was her. Das waren die interessanten Dinge, die man VOR dem Ladentisch bekommt. Selbstverständlich gibt es noch einen Markt „hinter“ dem Markt. Falls ihr einigermaßen kriminell (übersetzt also vertrauenswürdig) ausseht, werdet ihr keine Probleme haben, an Medikamente, Drogen usw. zu kommen. Wir wollten nicht übertreiben und versuchten es mit Viagra und Cialis. Nachdem unser Kameramann dezent bei einem Medikamentenstand nachfragte, wurde er in dunkle Hinterräume geführt und bekam ein buntes Angebot vorgeführt. Er blieb hart (ha ha ha) und nahm nur die Cialis mit. Beim nächsten Besuch fragen wir mal nach Pferdesex und LSD-Kuchen.

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FAZIT: Als Tages-Trash-Ausflug mit mehreren Personen wirklich zu empfehlen. Seid vorsichtig, wenn ihr auf dem Polenmarkt fotografieren wollt. Das finden die Verkäufer nicht wirklich lustig und werden irgendwann grantig. Zählt immer euer Wechselgeld nach und denkt daran, nicht alles ist ein Schnäppchen. Trotzdem findet ihr dort eine Menge Kram, den kein Mensch braucht, ohne den ihr aber auf keinen Fall weiterleben wollt. Yanahs Polenausbeute (nicht nur vom Polenmarkt): 2 beleuchtete Haarreifen 2 pinkfarbene Männerschlüpfer 1 Flasche Wodka 1 Stange Zigaretten viele Dosen Energy 1 Hundebett Schmerztabletten 2 Walkie Talkies Mehrere Verwünschungen bis zum Urenkel Abnehm-Pillen Viel Spaß in Polen wünschen euch Yanah und der Rest der SLEAZELs rie und IN? MEHR SE Bewegtbilder in Se sofort CH ETWAS ige dest du ab fin DARF’S NO terviews, wahnwitz el tik In esem Ar Komplette grundfakten zu di er e. fatale Hint zemag.d ea .sl w w w auf

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Die große Jubel-äh-um-SLEAZE-Verlosung Der unglaubliche, unübertreffliche, wunderbare 1. Hauptgewinnsuperpreis in unserer Jubiläumsausgabe. Wir schicken euch mit einem Mietwagen von billiger-mietwagen.de in das Boardercamp in Laax/Flims und statten euch mit einem Snowboard samt Bindung von Völkl aus. Die einzige Gegenleistung, die wir erwarten, ist eine Karte aus Laax, auf der steht, dass das Essen gut und das Wetter noch besser ist. Also vom 26. - 28.11.2010 nichts vornehmen, sondern auf den Hauptgewinn hoffen.

Wie komme ich denn nach Laax/Flims?

Das Board unter den Füßen Ein Snowboard-Urlaub mit einem abgenudelten Leihboard oder so einer alten Gurke, die 100 Kilo wiegt, ist nicht spaßfördernd. Das wissen wir aus eigener Erfahrung. Zum Glück ist Völkl spendabel und legt unserer Verlosung ein Board inklusive Bindung bei. Je nach Wunsch und Größe könnt ihre euch das Cashew oder das Yavana inklusive Fastec-Bindung aussuchen. Angenehmer Nebeneffekt: Die Boards wurden nicht mehr wie bisher mit Plastik überzogen, sondern haben eine Oberfläche aus Hanf und Leinen. Auch an den Seiten wurden die ABS-Elemente aus Kunststoff gegen Holz eingetauscht, die toxischen Materialien minimiert und Recyceltes wie der Stahl für die Kanten genutzt. Also: Öko geht auch cool.

Deutschlands größter Mietwagenvergleich www.billiger-mietwagen.de sorgt dafür, dass ihr samt Gepäck und Poesiealbum lässig ankommt. Für euch steht ein Mietwagen (VW Golf oder vergleichbares Modell) vom 26.11.2010 9 Uhr bis 29.11.2010 9 Uhr bereit. Einsteigen, anschnallen, losfahren. Selbstverständlich hat euer Auto Winterreifen und die Fahrten in die Schweiz und nach Österreich sind inklusive. Falls ihr aus Versehen gegen eine Schneewehe fahrt, gibt es keinerlei Selbstbeteiligung. So gut würden wir es auch mal haben wollen. Bitte beachtet auch folgende Vorgaben, damit eurem Wochenende nichts im Weg steht:

• Mindestalter des Fahrers: 25 Jahre

(bei Fahrern unter 25 Jahren kann ein Aufpreis bei Abholung des Mietwagens anfallen)

• Führerschein: muss seit mindestens einem

Jahr gültig sein

• Gewinner muss bei Mietwagenabholung eine

gültige Kreditkarte vorlegen, auf der die Kaution geblockt wird

• Wenn für den Mietwagen neben dem ermittelten

Gewinner ein zusätzlicher Fahrer eingetragen werden soll, kann dafür bei Abholung des Mietwagens ein Aufpreis anfallen.

WICHTIG: Unbedingt den Namen und die Größe von Board und Bindung angeben!!! www.voelkl.com

www.billiger-mietwagen.de

Das Dach über dem Kopf Snowboarden in der Schweiz ist immer so verdammt teuer. Der Reiseanbieter Snowfun widerlegt seit Jahren dieses Vorurteil – und das in einem der besten Skigebiete Europas. Für viele Powerrider immer wieder ein Highlight: die Halbpension. Wer hat schon Bock, sich völlig ausgepowert noch groß was zu kochen? Wem jetzt das (Eis)Wasser im Munde zusammenläuft: Im Snowfun-Verlosungspaket stecken neben den zwei Übernachtungen mit Halbpension auch noch der Skipass, alles für zwei Personen natürlich. www.snowfun.de

Wer gewinnen möchte, schickt eine Mail an geschenke@sleazemag.de . Der Einsendeschluss ist der 19.10.2010. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen, das reine Glück entscheidet.

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2. Preis:

Reif für die Insel. Ohne Schiffbruch. Nachdem uns in diesem Jahr der Spätsommer ordentlich versetzt hat und wir ihn vermutlich – genau wie den sympathischen Typ von der Bar oder das nette Mädchen aus dem Club letzte Nacht – nie, nie wiedersehen werden, braucht der normale Herbstmensch erst einmal eine Packung Urlaub. Nichts wie weg. Aber eure SLEAZE wäre nicht eure SLEAZE, wenn wir da nicht schon etwas für euch geplant hätten. Anlässlich unseres 3-jährigen Geburtstages und eurer (möglichen) Regenphobie schicken wir 1x2 Personen für zwei Nächte in die Tropen: nach Tropical Islands, vor den Toren Berlins. Ihr schlaft zwischen der Bali Lagune, der Südsee und dem Dschungel in einer stilechten Lodge, könnt neben der Tropenwelt auch die überaus empfehlenswerte SaunaLandschaft nutzen: Der Elefanta Tempel, die Trimurti Kristallwelt, die Vishnu Steinsauna und jede Menge andere exotische Wellness-Leckereien warten auf euch. Jeden Morgen lasst ihr euch am Frühstücksbuffet verwöhnen, schlendert tagsüber durch die tropischen Weiten und nutzt ganz nebenbei sogar den Rutsch-Turm und den African Jungle für umme. Abends bespaßt euch dann das umfangreiche Bühnenprogramm sowie die Faszination der Tropen bei Nacht. Neben zwei Handtüchern und Hawaii-Ketten liegt selbstverständlich auch eine SLEAZE in eurer Lodge, um euch nachts beim Schlafen zuzusehen. Wir wollen anschließend nur eure Urlaubsbilder sehen, die Schwimmhäute zwischen euren Fingern bestaunen und uns über unsere eigenen verspannten Rücken ärgern, denn ihr…kommt ja aus dem Urlaub! Wer Lust auf Palmen, Sonne, heiße Temperaturen und cooles Ambiente hat, der schickt uns eine Mail mit dem Betreff „Pocahontas & Ich – Crazy in Love“ an geschenke@sleazemag.de. www.tropical-islands.de

It’s me, Mario. Da ist er wieder, der kleine knubbel-rote Italiener mit seinem grünen Bruder und seinem noch grüneren Haustier. Auch dieses Mal geht es wieder heiß her im Leben von Super Mario: Es gilt Pilze zu sammeln, Joshi einzureiten und Gegner zu besiegen. Alles in allem also eine ordentliche Packung Spannung. Vermutlich wird dir allerdings das einzelne Wii-Game New Super Mario Bros. Wii nicht allzu viel nutzen. Daher haben wir uns überlegt „was kostet die Welt“: Die Wii-Konsole gibt’s oben drauf. Schon ganz zittrig in den Fingern? Schreib uns unter dem Betreff „Ti Amo SLEAZE“ eine Mail an geschenke@sleazemag.de. www.nintendo.de

Facebook ohne Ende… … bietet das kleine rundum glückliche Handy LG Cookie 73000 LITE. Winzig klein mit riesen Touchscreen in hinreißendem Comic-Design und Dual-Tone passt es auch in die Hosentasche der engsten Jeans. Wer eine Mail mit dem Betreff „Facebook ist das halbe Leben“ an geschenke@sleazemag.de schickt, hat die Chance, eines dieser kleinen entzückenden NetworkingWunder zu ergattern. www.lg.de

Vier x Vier = Acht Freikarten Berlin, Hamburg, Köln, München: Das sind die vier Eckpfeiler der deutschen Großstadtlandschaft. Smudo, Thomas D, Michi Beck und And.Ypsilon: Das sind die vier Eckpfeiler der Fantastischen Vier. Für obere verlosen wir je Stadt zwei Freikarten, für die Jungs können alle Interessierten wohl eine Nummer ziehen. Mit den Urgesteinen des deutschen HipHop möchtest genau du gern mal eine Metropole brennen lassen? Dann schick uns eine Mail mit dem Betreff „4x4=8, Hawkins hatte Unrecht“ an geschenke@sleazemag.de.

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Jetzt wird gerockt, dass die Büste wackelt Amplified Fashion möchte die Damen unter Euch verschönern und wir helfen mit. Wie haben hier zwei zum Sterben coole Kleider mit David Bowie- (1xS, 1xM, 1xL) bzw. Rolling Stones-Motiven (1xS, 1xM, 1xL). Und weil wir so nett sind, behalten wir die nicht, sondern möchten sie euch unglaublich gerne schenken. Wer eins haben will, schickt schnell eine Mail mit „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ als Betreff und Angaben zur Kleidergröße an geschenke@sleazemag.de. www.amplified-fashion.de

Wir bestechen den Winter Man kann ja sagen, was man will, aber nach dem letzten eiszeitigen Winter sind wir bestimmt nicht die einzigen, die sich in Thermo Fleece einschweißen wollen. NITRO möchte gerne helfen, euch vor dem Erfrierungstod zu schützen und euch sowohl auf den Straßen als auch im Schnee cool aussehen zu lassen. Einer von euch wird jetzt schon vor der nächsten Kältewelle gerettet und zwar in Form der Corruption Jacket. Zu gewinnen ist das schöne Stück, indem man und mit dem Betreff „Ice, Ice Baby“ über geschenke@sleazemag.de anmailt. www.nitro.de

Pack die Badehose ein… Mit Herbst und Winter im Anmarsch sei es einem vergönnt auch mal ans Abhauen zu denken. Die Damen und Herren von Nix-wie-weg.de helfen da gerne mit. Wer eine Mail mit den Betreff „Raus, raus, raus!“ an geschenke@sleazemag.de schickt, kann mit etwas Glück einen von fünf Gutscheinen im Wert von je 50 € gewinnen. Die klassischen Gutscheinbedingungen lauten: Mindestreisepreis 500 € / Gültig für Lastminute- Pauschalreisen / Nicht anrechenbar auf Stornos & nicht auszahlbar / Einlösbar bis 31.12.2011 www.nix-wie-weg.de

Ich rocke, du rockst, wir rocken Und das ganze am besten so cool wie möglich, liebe Herren. Damit das auch klappt, wollen wir euch diese geilen T-Shirts von Rock & Rebellion überreichen.Eins mit knorke Misfits-Motiv(1xS, 1xM, 1xL), das andere im Rock & Rebellion-Design (1xS, 1xM, 1xL). Als Gegenzug wollen wir nur eure ungeteilte und bedingungslose Liebe, sonst nix. Oder doch. Eine Mail wollen wir auch noch haben und zwar mit dem Betreff: „Ich bin viel cooler als wie du!“ samt Größe an geschenke@sleazemag.de. www.rock-and-rebellion.com

Stoff weg, Leder raus War ja nett mit euch, liebe Stoffschuhe. Auch wenn der Sommer kurz war, ihr saht toll aus. Mit gar tollen, hübschen (grässlichen) Blümchen drauf oder – noch schöner – einfarbig im Farbton Kot-Grün. Schluss damit, draußen wird’s kalt. Um euch vor dem Verlust diverser Zehen in den kommenden Wochen zu bewahren, verlosen wir zum 3. Geburtstag der SLEAZE 2x1 praktischen Lederschuh der Marke EMU (Größe 38 und Größe 40). Der Clou: Lammfell-Fütterung für extra warmen und sicheren Gang. Ladies: Nicht fürs Bett geeignet! Dir sind deine Zehen lieb? Dann schnell an die Tasten und eine Mail mit dem Betreff „Mäh ist mir warm“ an geschenke@sleazemag.de samt eurer Fußgröße schicken. Wir drücken alle Zehen! www.emuaustralia.com

Immer feste druff! Baustellenkrach und Großstadtlärm. Wie gut, dass sich die Jungs und Mädels von WESC immer wieder daran machen, uns grandiosen Klang in ihren Kopfhörern zu kredenzen. Der Klang kombiniert mit den unterschiedlichsten Styles macht diese Verlosung zum absoluten Herbst-Kracher. Egal ob du ein Naturburschl bist und Vogelsingsang hören möchtest oder die Szene liebst und auf dem Weg zum Club dein Hirn auf Temperatur bringen musst: Deine Wahl fällt entweder auf 1x WESC MARACA oder 1x WESC BONGO HEADPHONES. Purer Klang, egal für wen! Bock drauf? Dann schick uns eine Mail mit dem Betreff an „BONGOBONG vs. MARACA-LAKA“ an geschenke@sleazemag.de. www.wesc.com

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Der Einsendeschluss ist der 15.11.2010. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen, das reine Glück entscheidet.

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Impressum Sitz der Redaktion / editorial office: SLEAZE magazin Mainzer Str. 25 ~ 10247 Berlin-Germany Telefon: +49 / 30 / 325 34 730 Fax: +49 / 30 / 325 34 731 Herausgeber / publisher: danilo Opitz danilo@sleazemag.de Chefredakteur / chief editor: Yanah „Borste“ Hölig (V. i. S. d. P.) yanah@sleazemag.de stellv. Chefredakteur: danilo „alte Heule“ Opitz Layout und Grafik: Sascha „Muddi“ Thau grafik@bfs-verlag.de Sofie Belka

SLEAZE #20 erscheint

im dezember

Redaktion / editorial staff: Pascal „Wo ist nochmal der Schnaps?“ Scheib Daniel „Turban“ Boy Matthias „Chefin, bist du da?“ Nemack David „Kennt den wer?“ Jank Jero „hammerüberragend“ Kuck Birk „Wo bleibt mein Heft“ Grüling Sofie “ich bin kein Nerd” Belka Rike “Africanus” Drust Julian “Schreibtischunterlage” Weicht Julia “von 1-10” Roth Minu “Putzi” Klein Lana “chrr chrr” Petersen Redaktionshund Lena „Korb, Kohorb“ Hölig Boy Benjamnin „comicgate“ Vogt Sascha „Hey, Comics Zählen auch“ Thau Videoteam: Juju Prasse & Rene Eckstein Marketing / Anzeigen / advertising: danilo Opitz danilo@sleazemag.de Anselm Beyer Cover: Kay Ruhe www.kayruhe.com SLEAZE erscheint im bfs. Verlag.

In unserer letzten SLEAZE Ausgabe haben wir leider vergessen, dass die wunderbaren Fotos von Pauls Boutique von Ender Sünni geschossen wurden. Das holen wir hiermit nach und danken ihm nochmals voller Ehrfurcht und von ganzem Herzen! Mehr von Ender seht ihr unter: www.endersuenni.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Aufnahme in Online-Dienste und Internet und Vervielfältigung auf Datenträgern dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlags erfolgen. Der Verlag haftet nicht für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos. www.sleazemag.de www.sleazemag.de/issuu www.sleazemag.de/facebook www.sleazemag.de/twitter www.sleazemag.de/myspace


Energydrinks schmecken synthetisch. Wenn sie synthetisch sind. Schwarze Dose 28 ist der erste natürliche Energydrink auf Basis der Açaí-Beere. Ohne Taurin, ohne künstliche Aroma-, Farboder Konservierungsstoffe. Er sieht nicht nur

anders aus und wirkt wesentlich länger als herkömmliche Energydrinks - er schmeckt auch anders: natürlich, erfrischend, gut. Schwarze Dose 28. Der Tag hat 28 Stunden.


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