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Inhalt

ICH SEH DAS ANDERS.

S L E A

ARTIKEL 19:

Jeder Mensch darf frei seine Meinung äußern – egal welche, wie und wo auch immer.

Z

60 JAHRE MENSCHENRECHTE ICH SCHÜTZE SIE – SIE SCHÜTZEN MICH

E

Mehr zu den 30 Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und weitere Informationen unter www.amnesty.de

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SLEAZE Dezember / Januar 2010

04

Editorial

06

„Ey Tod, ist das alles?“

08

Liberal geht die Welt zugrunde

11

Mutti Juju weiß Rat

12

Wissenserweiterung mit SLEAZE

13

Im Colaraffenland

16

Jahresrückblick 2009: Oh Gott, wir waren dabei!

17

Unansehnliche filmische Ergüsse

30

Die Kunst des Kommerziellen

32

Schuhting

34

Die Besatzung der SLEAZE-O-WEEN

36

SLEAZE on tour: Sleaze-o-ween / Zweijahresfeier

38

Der coolste Held aller Zeiten ist zurück

40

Game Previews

42

SLEAZE-Ausklapp-Poster

44

Casual Networking

46

70 Jahre Marvel Comics!

49

Comics

52

Videoraiders: Nebel, Mettgut, Dauerwellen

55

Videoraiders: Filmkritik

56

Kino

58

DVD

60

Tocotronic

62

Hörspiel Spezial

64

Musik-Rezensionen

67

Johnny Cash vs Falco

68

Black Tattoo Art

69

ruedione‘s Backflashes

70

Bücher

72

Trashy Weihnachten

80

SLEAZE on tour: Speziale

81

Gewinnspiel

82

Impressum

SLEAZE Dezember / Januar 2010

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EDITORIAL

reingeSLEAZEt. Mit Erschrecken muss ich feststellen, dass in einschlägigen Konsumtempeln Winterund Weihnachtsmusik gespielt wird. Bei 15 Grad Celsius Außentemperatur und strahlendem Herbstsonnenschein! Ist es schon wieder soweit? Muss ich nun täglich den verordneten Liter Glühwein zum Frühstück nehmen, die Stolle als Brotsurrogat und die einschlägige Musiksammlung zur Jahreszeit hervorkramen? Ist nun jeder angehalten, regelmäßig ins Schwitzen zu kommen, wenn er an die vorzubereitenden Geschenke denkt und wie teuer das alles wieder wird? Ach ja, da gibt es ja noch die Puristen aus der Wir-schenken-uns-nichts-Fraktion, deren besinnlicher FamilienWeihnachtsplan regelmäßig von der Tante torpediert wird, die dann doch eine „kleine Aufmerksamkeit“ anschleppt und den Rest dumm ausschauen lässt. Weihnachten ist, was ihr daraus macht! Ich hatte schon im September Lebkuchen zum Kaffee und den einen oder anderen Zimtstern. Wer es schafft, bei sommerlichen Temperaturen besinnlich zu werden, der soll das machen. SLEAZE wird euch dabei unter die Arme greifen. Das Cover für Muffel, Mode und Verlosung für die Kinder in euch und die vielen kleinen Sachen am Baum für alle anderen, die mittendrin stecken, sich entweder nicht scheren oder ihr Lager noch nicht gefunden haben.

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SLEAZE Oktober SLEAZE Dezember / November / Januar 2009 2010

SLEAZE Dezember / Januar 2010

Frohes Neues! Daniel

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Der Text musste letzes Mal aus aktuellem Anlass (wegen diesem super-hässlichen Nazi-Glatzen-Spacko) geändert werden, der hat aber

„Ey Tod, ist das alles?“

nicht EINE Nachricht bekommen HAHAHA. Kommen wir zum Wesentlichen: Unser vermeintlich hässliches Tier bekommt immer großes Feedback. Als es einmal in Ausgabe 7 aus technischen Gründen (= danilo war mal wieder dumm) nicht erschien, gab es Vermisstenanzeigen und eins aufs dicke Haupt. Wir haben die Rubrik ins Leben gerufen, weil Ungerechtigkeit herrscht – wieder einmal. Die süßen, niedlichen, ach so knuffigen Tiere werden mehr erforscht als die Einäugigen, Zweinasigen, Dreibrüstigen, kurz – die Freaks unter uns. Wusstet ihr das? Gut, das muss nichts Schlechtes sein. So landet man auch seltener im Tierlabor. Ungerecht ist es trotzdem. Eher Euthanasie als Darwin. Und außerdem: Frauen dürfen inzwischen auch ganz emanzipiert dumme „männliche“ Sachen machen wie Krieg führen. Also fordern wir endlich Gleichberechtigung auch bei der Forschung. Menschen sollten in Versuchslabors zu gleichen Bedingungen wie Affen zugelassen werden, hässliche Tiere genauso erforscht wie süße. Da das allerdings noch in weiter Ferne liegt, sind die Tiere gefährdet. Wir steuern hiermit entgegen. Mit der ersten Kontaktsuchseite für die VERMEINTLICH HÄSSLICHEN UNTER UNS. Nick: Schräger Vogel Name: Marabu Geschlecht: männlich Beruf / Beschäftigung: Chef der NGO „Federn lassen“ Wohnort: südlich der Sahara Größe: 140 cm Hobbys: Forensik Motto: Hab ich Liebe und Tod, ist alles im Lot. Kurz etwas zu meiner Person: Ich bin bereits zwölf Ermordungen entgangen. Alles wegen unserer bescheuerten Federn, die die Polizei für Kriminalermittlungen einsetzt. Das prägt. Soll heißen, ich bin kein einfacher Zweiflügler. Um unser Volk zu schützen, gründete ich daraufhin eine NGO, um diesem Wahnsinn etwas entgegen zu setzen. Diese Arbeit fordert viel von mir. Ich bin jeden Tag bis zu 16 Stunden auf den Flügeln. Privat träume ich deshalb von der optimalen Entspannung. Stundenlang meinen Kehlkopf kraulen lassen oder deinen Schnabel von Aas säubern, gemeinsame Flüge über unsere Heimat oder einfach auch nur den Sonnenuntergang auf einer Sahara-Düne bei einem lukullischen Leichenschmaus genießen. Wen ich suche: Ein tolerantes Weibchen, welches meine Situation versteht, vielleicht sogar meinen Einsatz für unser Volk versteht. Die schätzt, was ich tue, mich vielleicht sogar unterstützt. Die ihr eigenes Leben lebt und trotzdem für mich da ist, wenn ich sie brauche. Die das nicht als Macho-Gehabe versteht, sondern weiß, dass ich für sie genauso da bin. Die den Romantiker in mir erkennt, ihn aber nicht zu oft erwartet. Bei Interesse kannst du Kontakt aufnehmen unter der Chiffre „Café del Mar Abu “ mit einer Mail an danilo@sleazemag.de.

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SLEAZE Dezember / Januar 2010

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SLEAZE trifft Politprominenz oder Liberal geht die Welt zugrunde Manchmal schlägt einem der eigene Terminkalender ein Schnippchen. Zugegeben, das klingt zunächst einmal etwas kryptisch. Zutreffender als im Falle unserer aktuellsten Folge unter dem Motto „SLEAZE-Außenberichterstatter trifft Promi XY“ könnte die Aussage dennoch kaum sein. Denn im Spätsommer begab es sich, dass ich endlich einmal einen Politiker von Format treffen sollte. FDP-Chef Guido Westerwelle sollte es für die aktuelle Ausgabe unseres kleinen, aber feinen Magazins sein. Und ausgerechnet dieses Mal musste der Termin unbedingt frühzeitig über die Bühne gebracht werden, denn dem Spitzenkandidaten der Liberalen fehlt es chronisch an Zeit. Hätte ich gewusst, welche politische Wendung dieses Land Ende September erleben würde, was hätte es für ein Interview werden können! Doch was nützt alles Wenn, Hätte und Wäre... es kam wie es kommen musste, nämlich wieder einmal alles völlig anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Mein Treffen mit dem damaligen Generalsekretär sollte erwartungsgemäß in der Bundesgeschäftsstelle in der Hauptstadt stattfinden. Dass ich noch nie ein großer Fan der Farbe Gelb war, sollte in den wenigen Stunden an der Seite Westerwelles mein kleinstes Problem sein. Die Begrüßung „Da sind Sie ja endlich, ich habe mir schon viele lustige Antworten überlegt!“ lag mir noch schwer im Magen, da setzt

der Generalsekretär mit einer nächsten beinahe lustigen Ergänzung nach: „Ich habe Sie schon erwartet, schließlich müssen wir Kleinen ja zusammenhalten.“ Wirklich subtile Anspielung auf die Bekanntheit des SLEAZE, Herr Dr. W.! Chapeau, Monsieur! Aber dankenswerterweise lässt die Ablenkung von diesen ersten rhetorischen Bugschüssen nicht allzu lange auf sich warten. Ich werde zwischen Tür und Angel Ohrenzeuge, wie Westerwelle ebenso widerborstig und widerwillig einige Fragen ausländischer Reporter abfertigt und die Gespräche bewusst kurz hält. Als die Kollegen außer Sichtweite sind, macht der zielstrebige Politiker mit dem klaren Ziel Außenministerium (wie einst Gerhard Schröder: Ich will hier rein!) seinem Unmut Luft: „Eine Unverschämtheit sind diese fremdsprachigen Anfragen der Journaille. Wenn ich die (SIC! – der Autor) daheim anrufe, melde ich mich doch auch nicht auf Plattdeutsch...“ Gut, so kann man das natürlich sehen – muss man aber nicht. Meine kleine, vorsichtige Bemerkung, es sei schließlich eine Anfrage in englischer Sprache und nicht in Kisuaheli gewesen, wird mit einer lapidaren Handbewegung abgetan. Man sei hier schließlich zuhause, also könne man auch deutschsprachige Korrespondenten verlangen. Das solle mal einer im befreundeten Frankreich versuchen.

dass... mittlerweile fühle ich mich bei unserem Rundgang durchs Refugium der regierungshungrigen Partei in Mitte so wie Terence Hill seinerzeit im Film „Der Supercop“. Mit dem einzigen Unterschied, dass bei mir statt der Farbe Rot im Trash-Film eher das allgegenwärtige liberale Gelb mit der Zeit zu völliger Arbeitsunfähigkeit und geistiger Leere führt. Alles, wozu ich noch fähig bin, sind Stammeleien, dumme Zwischenfragen und morbides Kopfnicken. Herzlichen Glückwunsch. Es hat mal wieder alles geklappt.

Be part of the 10th

for Streetwear, Fashion, Sneaker and Skateboarding January 16 and 17, 2010 Frankfurt/Germany

Kein Wunder, dass „uns Guido“ mir zum Abschied unseres konstruktiven Gesprächs (er nennt es wirklich so, weil „ihn lange kein Journalist mehr so analytisch exakt“ verstanden habe) herzlich verabschiedet. Er drückt mir ein FDP-Package in die Hand und fragt im Abgang, ob ich schon bei den Jungen Liberalen im Boot sei. Auf dem Nachhauseweg male ich mir aus, was es für das Ansehen Deutschlands im Ausland bedeuten würde, wenn dieser Mann uns in der Fremde repräsentieren müsste oder dürfte. Zum Glück würde es dazu ja wahrscheinlich ohnehin nicht kommen. Abgesehen davon: Wer würde schon auf meine Warnungen hören? Das alles liegt jetzt fast ein Vierteljahr zurück. Albträume werden eben doch wahr. What a pity.

www.brighttradeshow.com

Matthias

Angesichts seiner englischen Aussprache in den Telefonaten bestätigte ich, allerdings nur im Geiste, dass der FDP-Mann sinnvollerweise seiner Muttersprache treu bleiben sollte. Wie konnte ich denn zu diesem Zeitpunkt ahnen,

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SLEAZE Dezember / Januar 2010

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MUTTI JUJU WEISS RAT

An Bravo-Dr. Sommer stellten viele junge Menschen skurrile Fragen. Dottore wird aber langsam durch das Internet ersetzt. Was uns aber schon bei der Bravo gestört hat: Der richtige Hau-druff-Ton. Unsere liebe Mutti Juju ist deshalb genau die Richtige, frei aus dem Netz gewählte Fragen – inklusive O-(Schreib)-Ton – kompetent und mit zukunftsfestigendem „Wording“ zu beantworten. Wer braucht da schon einen Fake-Doktor?

Hallo an alle,

mich würde interessieren, ob es jemanden gib, der eine Deipnophobie, also die Angst mit anderen Leuten am Esstisch zu sitzen und zu essen, hat.
Ich hatte diese Phobie seit etwa 2 Jahren und irgendwie denke ich, das ich die einzigste Person bin, die so etwas hat. 
Kennt jemand diese Phobie oder hat im Bekanntenkreis Erfahrungen damit gemacht?

Ich freue mich über jede Antwort .

lung erregt mich irgendwie sehr. Huhu du Opfer, Ich hab da leider nur Erfahrung im Austeilen, auch weniger mit nackten Füßen, eher mit Stahlkappen-Moonboots. Aber für einen Unkostenbeitrag von 200 Euro tret ich dir auch gerne unbeschuht in deine Fresse! Bedenke dann bitte aber trotzdem, dass ein „Klatschgeräusch“ eher durch Kieferbruchknacken ersetzt werden müsste. Aber das kann auch sehr erregend sein!

für ein Vor-Vorspiel? Nö, ne. Nun ja. Ach so, um auf deine Frage zurückzukommen: Deine Erektionsprobleme liegen wahrscheinlich daran, dass du einfach nich‘ so der Bringer in der Kiste bist. Macht nix, wird schon. Es gibt übrigens auch eine Gemeinde namens Petting! Leider nicht in Deutschland, sondern in Bayern, trotzdem viele Grüße an die Einwohner. PETTING! Yeah!

Äh hallo...

Liebe Grüße mit Roundhousekick

Schmusi, Mutti

So ganz kann ich deine Phobie nicht nachvollziehen, es sei denn, ich müsste mit Michel Friedman, Michael Jacksons Vater und dem Terminator dinieren. Ich denke, du kannst dich glücklich schätzen. Du hast immer eine Ausrede, um diesen schlimmen Familienessen aus dem Weg zu gehen. Ich werde mir diese Phobie auch aneignen, ist ja bald Weihnachten, dann renne ich einfach kreischend davon, wenn ich ins Antlitz des gedeckten Tisches blicke. Schlimmer wär‘s, wenn du an Euphobie (Angst vor guten Nachrichten) leiden würdest: „Gute Nachricht, wir haben ein Mittel gegen Ihre Euphobie!“ Also, setz dich halt immer fein mit deinem Teller aufs Klo oder sieh zu, dass du zusätzlich noch Phagophobie (Angst vorm Schlucken) bekommst, dann hat sich das mit dem Essen eh erstmal erledigt. Herrgott, und es heißt „EINZIGE“ nicht „EINZIGSTE“...verdammt nochmal, merkt euch das alle, sonst bekomme ich noch Easiophobie (Angst vorm Schreiben).

Deine Mutti Juju

Guten Appetit Mutti

Fußohrfeigen Hallo zusammen.
Hat jemand schon mal Erfahrungen mit Ohrfeigen von nackten Frauenfußsohlen gemacht? So richtig mit Klatschgeräusch? Die Vorstel-

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SLEAZE Dezember / Januar 2010

Erektionsprobleme beim Petting Ich habe mit meiner Freundin am Samstag das erste mal Petting gehabt. Zuerst hab ich es ihr gemacht, was sie total toll fand.
Dann hat sie versucht mir es durch die boxershorts zu machen. Es war alles total erregend, was sie gemacht hat. Die Errektion hatte auch schon bekommen, doch dann ist sie einfach wieder weggegangen. Das war ein paar Mal so. Als ich es ihr allerdings gemacht hab, war die Errektion sofort da.
Woran kann das liegen? Hach... Ist es nicht schön, das Wort „Petting“ mal wieder zu hören? Der Wohlklang, die Poesie der zusammenhängenden Buchstaben...Sofort fühle ich mich in die 90er zurückversetzt, im mentalen Hintergrund läuft Dr. Alban, ich schnüre meine Buffalo-Plateauschuhe und flechte mir Sonnenblumen ins Haar. Petting ist schön! Petting darf nicht untergehen. Warum sagt das keiner mehr? Ich habe wirklich seit Jahren nicht mehr gehört, dass jemand erwähnte: „Und dann haben wir Softpetting gemacht.“ Eine Freundin hat mir auch geflüstert, dass die Bravo damals versucht hat, einen Begriff für das, was vor dem Petting passiert, zu kreieren: „Necking“. Hat sich zu Recht nicht durchgesetzt, klingt scheiße und braucht man ein Wort

„Anti-aging ab 30“ für eine 27-jährige geeignet? Liebe Leute,

also der Titel sagt schon alles.
Ich liebe NK über alles und habe letztens bei DM eine Tages- und Nachtcreme von Alverde entdeckt.
ES ist Anti-aging für Haut ab 30!
Habe mir Sie gekauft und benutze diese seit paar Tagen. Ich liebe es und die Creme fühlt sich gut an, riecht gut und meine Haut mag ich auch wieder .
Meint ihr das eine Creme ab 30 für mich, eine 27-Jährige überhaupt geeignet ist? Kann ich meiner Haut womöglich schaden?
Würd mich über Antwort freuen.
lg OH MEIN GOTT! Lass bloß die Finger davon und warte lieber noch drei Jahre, sonst kommt Robocop und schießt dir dein Krähenfüßiges Gesichtchen weg! Ich habe mal eine Bodylotion für „reife Haut“ gehabt. Nachdem ich diese benutzt habe, bin ich beinahe krepiert, weil sich Satan aus der Hölle emporgehoben hat, mich in den Schwitzkasten nahm und meinte, meine Haut sei nicht reif genug! Ich hoffe es ist noch nicht zu spät. Ich werde dich in meine Gebete einschließen. Botoxisches Winke-Winke die besorgte Faltenmutti

Foto: Maria Kapek

Deipnophobie

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Wissenserweiterung mit

SLEAZE

Im Colaraffenland

Der süSSe Koffein-Klassiker im Test Ohne Cola geht nix. Als Erfri-

Amelie: Ein Begriff in der Pathologie, der das Fehlen von Armen und Beinen bezeichnet. Ganz nebenbei noch einer der häufigsten Mädchennamen der letzten Jahre. SLEAZE bezweifelt aber, dass viele Pathologenkinder Amelie heißen.

schungsgetränk tagsüber oder für

Canophobie: Ist schlicht und einfach die Angst vor Hunden. Fertig!

jung oder alt, an fast allen Orten

die Drinks nachts an der Bar, ob

und zu fast allen Anlässen – das Das Cotard-Syndrom: Bei dieser Krankheit sind die BetroffeSprudelwasser ist dabei. Da stört

nen davon überzeugt, dass sie tot sind, nicht existieren, verwesen oder ihr Blut oder innere Organe verloren haben.

weder die Phosphorsäure, die Dhat-Syndrom: Ist eine kulturell bedingte SexualneuroNägel entrostet, noch die große Zu-

se des indischen Subkontinents. Die Betroffenen befürchten, Samen über Urin zu verlieren oder – noch schlimmer – durch Pollution (s.u.). Umgekehrt bedeutet das Zurückhalten der Ejakulation ein langes Leben in Gesundheit.

ckermenge, die Zähne verkleinert. In Deutschland liegt seit Jahren der Pro-KopfVerbrauch von Cola (inkl. Light und ColaMischgetränke, Quelle: wasg.de) bei ca. 40 Litern/Jahr. Nur Wasser wird mehr verbraucht. Eine 0,7-Flasche pro Woche und Person ist bei 82 Millionen Einwohnern ordentlich.

Graphomanie: Ist das krankhafte Bestreben zu schreiben. Viele Graphomanen findet man in Internetforen oder sie haben einen eigenen Blog bzw. Homepage.

Nutzlosbranche: Ein ironischer Oberbegriff für Firmen und Geschäftsleute, die durch Internetseiten mit versteckten Kosten (Bsp.: Abofallen) und anschließendem Inkasso-Stalking versuchen, Verbraucher um ihr Geld zu betrügen. Bekannte Beispiele: www.marions-kochbuch.de, Freiherr von Gravenreuth.

wet foot / dry foot: Ein geschlossenes Abkommen zwischen der Clinton- und der Castro-Regierung. Alle Kubaner, die in die USA flüchten wollen und auf dem Meer gefangen werden, müssen zurück nach Kuba. Flüchtlinge, die das Festland erreichen, erhalten hingegen Asyl.

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Pow e

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C ol a Hon ey

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la k Co Bl ac

la z-Ko

C lu b

Apropos Red Bull: Neue Gerüchte gehen bereits um, dass es ein Red Bull Energy mit ColaGeschmack (ähnlich dem hier getesteten Power Horse) geben soll. Mehr Gerüchte später, denn der Tisch ist gedeckt. Bitte umblättern.

now

Streisand-Effekt: Ist ein Internetphänomen. Der Versuch, bestimmte Informationen zu entfernen, kann dazu führen, dass diese noch stärker verbreitet werden. Dieser Effekt entsteht aber nicht automatisch, sondern ist eine gezielte Aktion vieler Personen, entweder aus Neugier, Überzeugung, gegen Zensur etc. Barbra Streisand verklagte den Fotografen Adelman und Pictopia.com, weil dort eine Luftaufnahme ihres Hauses zwischen 12.000 anderen Fotos zu finden war. Erst nach dieser Aufregung wurde das Bild von Streisands Haus im Internet sehr bekannt.

F r it

Pollution: Feuchter Traum.

a

In den letzten Jahren – also relativ spät – haben nun auch andere gemerkt, dass der Markt lukrativ ist und der Mut sich lohnen könnte. Alte Marken wurden wieder belebt oder aufgekauft, neue wurden gegründet: Afri, fritz, Sinalco, Club, Mekka, Premium, Vita, Red Bull usw.

- C ol

Orphan-Arzneimittel: So werden Arzneimittel bezeichnet, die für die Behandlung sehr seltener Krankheiten eingesetzt werden.

Summe

48

47,5

44,5

40,5

41

37,5

39,5

34

39

28,5

29,5

28,5

Durchschnitt

8

7,92

7,41

6,75

6,83

6,25

6,58

5,66

6,5

4,75

4,91

4,75

Af r i

Onychophagie: Ihr kaut Nägel oder esst diese auch noch auf? Das nennt sich dann Onychophagie. Solltet ihr nicht in Yanahs Gegenwart tun, sie wird dann aggressiv. Ganz nebenbei kommt man davon auch noch vulgäre („Ey Puppe, willste ficken?“) Warzen.

la

Ein schnell vergängliches Produkt, was so gut angenommen wird, weckt natürlich Begehrlichkeiten. Jahrelang haben deshalb die „Großen“ Coke und Pepsi kriegsähnlich gleich um ganze Länder gekämpft. Auch die US-Werbeschlacht in der 80ern war legendär und hatte vielleicht sogar die Mannesmann- / Vodafone-Strategen bei ihren Übernahme-Spielchen inspiriert.

Geschmack

Aussehen Summe

54,5

52,5

39,5

42,5

41

38,7

34,5

38,3

31,5

38

34,5

29,5

Durchschnitt

9,08

8,75

6,58

7,08

6,83

6,45

5,75

6,38

6,25

6,33

5,75

4,91

Gesamtergeb.

8,34

8,54

7

6,92

6,83

6,35

6,15

6,02

5,86

5,54

5,33

4,83

Platzierung

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

Gewertet wurde mit einer Skala von 1 (schlechtestes Ergebnis) bis 10 (bestes Ergebnis), es nahmen 6 Personen am Test teil (Namen der Redaktion bekannt) ;)

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afri-cola

fritz-kola

now Black Cola

Club-Mate Cola

Mojo Cola

Premium-Cola

Layout / Geschmack: Mit der Höchstnote bei Aussehen und Geschmack kann man nur auf dem ersten Platz landen. Unverständlich, dass die Flaschen-Designer der Konkurrenz in all den Jahren nichts von afri gelernt haben. Selbst schuld.

Layout / Geschmack: Mit dem neuen Gastro-Gebinde hat fritz unser Herz noch mehr erobert und damit lässig den zweiten Platz eingenommen. Eine gewisse Ähnlichkeit in Image, Design und Geschmack ist afri vorhanden.

Layout / Geschmack: Individuelles Design, guter Ansatz, der Inhalt schmeckt. Das alles kann man auch noch reinen Gewissens genießen. Was will man mehr?

Layout / Geschmack: Mate ist für viele nicht lecker. Auch für uns nicht. Aber durch den Cola-Geschmack wird das Ganze wenigstens etwas kaschiert. Ohne die annehmbare Optik wär die Mate aber trotzdem nicht so weit oben gelandet.

Layout / Geschmack: Wäre Aussehen und vor allem der Geschmack so cool wie der Club damals, müsste sich die Cola nicht mit Platz 5 begnügen.

Layout / Geschmack: Der Name halt leider nicht, was er verspricht. Der Anspruch (basisdemokratisch, ehrlich, kein Marketing-Blah) der Firma ist wirklich edel, das Getränk leider nur durchschnittlich.

Fazit: Verrückt! Eine Bio-Cola, die lecker ist. Fazit: fritz steigert unsere Liebe zu Hamburg noch mehr.

Fazit: Schönheit zahlt sich aus.

Fazit: Ansatz einer eigenen Cola ist super, der Rest hinkt hinterher.

Fazit: Getränk sollte an den Rest angepasst werden.

Fazit: Ist und bleibt ‘ne Mate.

3.

4.

6.

1.

2.

Jolt Cola

Cola Rebell Max

Sinalco Cola

Red Bull Cola

Honey Saps Cola

Power Horse

Layout / Geschmack: Macht auf amerikanischen Superhelden, mit 2x-Koffein-Versprechen und Superpower-Blitz. Hat aber alles nüscht gebracht. Ergebnis unterdurchschnittlich.

Layout / Geschmack: Eine Cola mit Chili-Nachgeschmack. Ja genau, so ist es und so schmeckt es. Grausam, widerlich, die Aufmachung überladen. Dafür ist der Platz eigentlich richtig gut.

Layout / Geschmack: Für Sinalco tut es uns fast ein bisschen leid. Sie ist ok, wirklich. Zumindest was den Geschmack angeht. Aber wie das Design ist die ganze Marke irgendwie fad.

Layout / Geschmack: Der Geschmack kam nicht gut an. Honig ist auch süß, aber trotzdem muss das nicht funktionieren. So richtig die Brauerei das mit now gemacht hat, so daneben liegen sie mit Saps.

Layout / Geschmack: Als einziges Energy-Getränk fällt das hier etwas aus dem Rahmen. Kommt aus Österreich, Power Horse wird in Deutschland nicht mehr angeboten. Irgendwie kein Wunder.

Fazit: Was bringt ein Blitz, wenn nix einschlägt?

Fazit: Wer was Gutschmeckendes will, muss woanders hin.

Fazit: Wie beim Mauerblümchen – sie könnte mehr, würde sie sich nur trauen.

Layout / Geschmack: Wir sind von Red Bull als Marke wohl zu verwöhnt. Weil die Marke normalerweise klotzt und nicht kleckert. Bei dem Geschmack der Cola wünscht man sich allerdings das Verkleckern eher. Der Zimt-Nachgeschmack ist wirklich störend. Besonders in Mixgetränke wie Longdrinks.

Fazit: Nicht alles Logische macht Sinn.

Fazit: Power Horse sollte weiterhin die Pferde ruhig halten.

7.

8.

Yanah: „Schmeckt nach Süßstoff, aber macht trotzdem fett.“

9.

5.

danilo: „Stinkt voll, aber schmeckt schlecht.“

Fazit: Wir hoffen einfach mal auf das Red Bull Energy mit Cola-Geschmack.

10.

11. 12.

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! GOTT 09 Jahresrückblick 2009

Oh Gott, wir waren dabei! Wie in jedem Jahr gehört auch

zum hinter uns liegenden Jahr

ein kleiner Jahresrückblick, der dabei helfen soll, die Ereignisse der vergangenen zwölf Monate

Revue passieren zu lassen. Un-

ser Autor Matthias hat sich dem

Thema angenommen und ist auf

einige seltsame Fragen gestoßen.

Beginnen wir mit der ungemein wichtigen PFrage. Du hast keine Ahnung was die P-Frage ist? Gott, wie uninformiert. Es geht natürlich darum, ob die erfolgreichste Solokünstlerin des Jahres 2009, ob eben diese jene, Freunde nennen sie Lady Gaga, nun mit einem männlichen Geschlechtsteil gesegnet ist oder doch eben nicht. Hermaphrodit oder nicht. Teil des dritten Geschlechts, welches sie praktisch direkt in die Rechtlosigkeit stürzen würde. Zumindest in Deutschland, denn hier muss man sich entscheiden, ob man Manni oder Frauchen ist. Dazwischen geht nicht. Steht im Grundgesetz. Dass wir überhaupt solch lebenswichtigen Fragen hinterher jagen ist dem Hirn der nicht unbedingt an Hochbegabung erinnernden Viva-Moderatorin Collien Fernandez entsprungenen. Bild berichtete. Wir beenden das an dieser Stelle. Auch sonst wäre dieses Jahr aus musikalischer Sicht relativ gewöhnlich einzustufen, ja wäre da nicht der Tod des Mannes gewesen, der uns mit seinem Mundschutz schon vor Jahren vor der herbeieilenden Schweinegrippe gewarnt zu haben scheint. Sankt Michael. R.I.P. Der King of Pop hat das Zeitliche gesegnet. Eine Welt lag in Trauer und wurde sich bewusst über die musikalischen Leistungen des Mannes, der mit Thriller das erfolgreichste Album aller Zeiten erschaffen hatte und mit dem legendären Video die Musikvideos in neue Dimensionen führte. Pünktlich zum Beginn seines geplanten Konzertmarathons wurde Jacko von seinem behandelnden Arzt eingeschläfert. Bubbles lässt grüßen. SLEAZE zeigt Herz und bedauert an dieser Stelle die Kinder des Kings. In den Fängen des Jacko-Clans ist bis heute noch jeder zerbrochen. Amen.

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Und sonst? Der vermeintlich „größte Entertainer Europas“ ist zurück. Genau das ist Robbie Williams für viele Fans. Debile Medienexperten sehen in dem ehemaligen Take That Rude Boy noch immer den legitimen Nachfolger von Sinatra und Co. Erste Auftritte im Rahmen seiner neuen Platte „Reality killed the Video Star“ lassen vermuten, dass Robbie im kommenden Jahr eventuell erneut Rekorde aufstellen wird, wenn es um den Ticketverkauf für eine etwaige Tournee geht. Zumindest in China, falls er dort zum ersten Mal auftritt. In England hat es seine Single „Bodies“ nicht über den zweiten Platz hinaus geschafft. Ein Flop? Das Comeback des Jahres in Perfektion eher nicht. War nicht anders zu erwarten. Die Erwartungen waren zu hoch. Der Zug ist womöglich abgefahren. Charity-Auftritte mit Take That sind bereits absolviert. Scheiß drauf. Der Mann nagt ja nicht am Hungertuch.

Apropos du bist der Star. Überraschend meldete sich Anfang des Jahres ein weiterer – in Würdigung seiner vergangenen Erfolge – ganz Großer zurück auf der Showbühne: David Hasselhoff. Ein Mann. Seine Sucht. Und die vielen Eskapaden, die eine solche hervorrufen kann. Hasselhoff machte mit einer historischen Rückbesinnung auf sich aufmerksam. Essen wie zu Kaisers Zeiten – bei Hasselhoffs Zuhause legt man sich – ganz altrömisch – danieder. Kurzum, der sturzbetrunkene ehemalige Bademeister lag stramm wie ein Amtmann vor dem heimischen Kühlschrank, gelobte Entzugs-Besserung und ließ sich dabei von der eigenen Tochter filmen. Missbrauch mal anders. Wenigstens war Mister Hasselhoff selbst im Vollsuff noch ganz der professionelle Schauspieler, der weiß, wie man sich in Szene setzt. Frei nach Dean-Martin-Motto: Solange man auf dem Boden liegen kann ohne sich festzuhalten, kann von einem Vollrausch keine Rede sein.

OH

Apropos Hunger. Auch Deutschland darf endlich wieder echte Weltstars sein Eigen nennen. Tokio Hotel erobern die Welt von Frankreich bis Israel, von Asien bis in die USA. Überall sind der lustig singende Hungerhaken und seine Mitmusiker auf dem Vormarsch. Skandale die aus Kindern Rockstars machen inklusive. Drogeneskapaden hat es nach eigener Aussage ja bereits im Vorschulalter gegeben. Immer raus damit. Bild schneidet mit. Wir schneiden ab. Was stört das die eigene Vorbildfunktion, wenn man mit den eigenen Jugendsünden öffentlich den dicken Max machen und auf die Zahl der vielen vernaschten Groupies hinweisen kann, die man sich – Verzeihung – aufs Kerbholz nageln kann. Schön ist die Jugend, sagt man wohl nicht ohne Grund in älteren Generationen. Und Unüberlegtheit ist dann wohl die kleine Schwester von Coolness. Apropos Alter. Rekorde hat in diesem Jahr wieder mal die größte Rockband aller Zeiten gebrochen. U2 konnten mit ihrer 360°-Tour neue Maßstäbe setzen. Besucherzahlen beweisen das. Qualität hält ewig. Auch die Dimensionen der Bühne schlug alles vorher da gewesene. Laut Weltverbesserer Bono wollte man eines erreichen: Das Publikum sollte zum wichtigsten Teil der Show werden. Mittendrin statt nur dabei. Hört, hört. Wieso die Besucher jedoch Eintrittspreise in Höhe eines Kleinwagens zahlen mussten, dazu äußerte sich die irische Band leider nicht.

Unansehnliche filmische Ergüsse Plakate zu Filmen können ähnlich kultig werden wie die Werke, die sie anpreisen. Ein gutes Filmplakat zeigt einen oder mehrere kleine Schauplätze des Streifens und weckt die

Apropos Vollrausch. Promis wären keine echten Weltstars, wenn sie sich nicht wenigstens ab und zu mit kleinen Extravaganzen und mehr oder minder peinlichen Kapriolen zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen würden. In guter alter SLEAZE-Tradition sei zum Schluss noch unserem Promi-Liebling Tribut gezollt. Die Rede ist von der lieben Britney Spears. Sie darf inzwischen ihre Kinder wieder regelmäßig sehen und hat – darum geht es in diesem Rückblick schließlich vorrangig – ein passables Jahr hinter sich mit einigen Höhen und vorzeigbaren Leistungen, wenigstens im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Playback inklusive.

passenden Emotionen. Es repräsentiert sofort die Atmosphäre und den Flair der Geschichte.

Selbiges gilt auch für miese Trashfilme! Hier eine kleine Auswahl:

Dass sich nicht jeder gleich alle Texte seiner Karriere merken kann. Wer mag es einem verübeln wollen? Das eigene Kurzzeitgedächtnis hat im Laufe der Jahre doch auch ganz schön gelitten. Natürlich könnte sich Frau Spears auch weiterhin eine Scheibe von ihrer, innerlich mit allen Flüssigkeiten und Chemikalien gewaschenen, Kollegin Amy Winehouse abschneiden. Aber warum sollte sie? Das hat unsere Britney hinter sich. Genauso wie wir in Kürze das Jahr 2009. Herzlichst.

Euer Matthias.

SLEAZE Dezember / Januar 2010

SLEAZE Dezember / Januar 2010

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The Way of the Dragon (1972)

Plan 9 from Outer Space (1959)

Bruce Lee reist nach Italien, um einem Gangsterclan das Fürchten zu lehren. Es folgen viele fliegende Fäuste und zerbrochene Tische und Stühle. Als keiner der Schergen ihn aufhalten kann, stellt sich ihm am Ende sogar Chuck Norris höchstpersönlich in den Weg. Aber sogar dieser zieht im Kolosseum letztlich den Kürzeren.

Ed Woods legendäres Sci-Fi-Machwerk ist laut vieler Experten der schlechteste Film aller Zeiten. Und so krude und billig, wie der Film wirkt, kann man da nur zustimmen. Aliens wollen die Menschheit vernichten, weil sie fürchten, dass die Menschen irgendwann das komplette Weltall vernichten könnten. Dazu beleben sie Tote eines Friedhofs wieder, um wiederum andere Menschen zu töten, anschließend wiederzubeleben und auch diese zu Werkzeugen der Aliens zu machen. Eine Gruppe Menschen verschafft sich jedoch Zugang zum Mutterschiff der Aliens und kann dieses vernichten.

Das Plakat glänzt durch Schlichtheit. Bruce Lee sieht aus, als wäre er von einem Fünfjährigen gemalt worden und auch der Rest wirkt sehr dilettantisch hingerotzt. Der Hinweis „color“ ist hingegen sinnvoll, denn aufgrund des limitierten Farbspektrums des Bildes könnte man anderes erwarten.

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Das Plakat wirkt nicht ganz so billig wie die filmische Produktion. Zu sehen ist ein Mann im roten Weltraumanzug, der auch eine Ken-Puppe sein könnte. Im Hintergrund werden Leichen ausgebuddelt und rechts steht eine Dame mit sehr markanten Gesichtszügen und einem Kleid im passenden Rot zu „Astronauten-Ken“.

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Evils of the Night (1985)

Black Tiger (OT: Good Guys Wear Black , 1978)

Alien-Vampire kommen auf die Erde, um sich durch Jungfrauenblut für weitere Jahrhunderte das Überleben zu sichern. Praktischerweise landen die Weltall-Blutsauger in Big USA und eine Gruppe junger College-Girls wartet nur darauf vernascht zu werden.

Überraschung! Chuck Norris mischt in diesem Film einen Haufen böser Buben auf. Zusammen mit einer Spezial-Einheit wird er in ein Krisengebiet geschickt und dort dann vom C.I.A. verraten und fallen gelassen. Einen Fehler, den die Drahtzieher noch bereuen werden. Leider ist das Ganze weder besonders actionreich noch spannend dargeboten und sicherlich einer der schwächsten Norris-Filme.

Das Plakat zeigt uns zum einen ein Raumschiff, das verdächtig dem „Rasenden Falken“ aus Star Wars ähnelt. Des Weiteren sehen wir einen panisch wirkenden Teenie mit steifen Nippeln, welcher von Zombiehänden begrapscht wird. Außerdem führt eine Art „Nabelschnur“ hoch gen Himmel zu einer „Fruchtblase“, in der einige Aliens sitzen, die auf eine gehörige Ladung Jungfrauenblut hoffen. Mehr gibt es zu dem Streifen auch nicht zu sagen.

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Passend dazu ist auch das Plakat einfach nur grässlich und stilfrei. So sehen wir Chucks hässliche Fratze, mitsamt 80er-Jahre-Porno-Sonnenbrille und Schnauzer, riesengroß auf dem Plakat. Ähnlich uninspiriert sind unten noch die Visagen einiger anderer Protagonisten zu sehen. Die Szene in Chucks Sonnenbrille verspricht mehr Action, als das Trash-Machwerk halten kann.

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Horrors of Spider Island (1960)

Isle of the Damned (1980)

Eine Gruppe strandet nach einem Flugzeugabsturz auf einer unbekannten Insel. Einer von ihnen wird von einer riesigen Spinne gebissen und wird zum Spiderman. Jedoch zu einer haarigen und mordlustigen Version von Spiderman. Die Jagd ist eröffnet!

Die Aussicht auf einen Schatz lockt einen Detektiv, seinen Sohn und einen Schatzjäger auf eine unbekannte Insel. Dort wimmelt es jedoch nur so vor Kannibalen. Zudem geht Schatzjäger Thompson Sohnemann Billy ständig an die Wäsche. Der Film ist wirklich Trash pur! Die Story ist einfach krude und sicherlich nicht zuletzt wegen der homosexuellen Elemente und expliziten Darstellung in vielen Ländern auf dem Index gelandet.

Das Plakat wirkt wie eine Art Comic und überladen hässlich. Wir sehen den Spinnenmann auf der Jagd nach einem Opfer und im Hintergrund eine böse rotäugige Spinne, welche auch eine Zecke sein könnte, inklusive Netz. Am witzigsten ist jedoch die Frau mit offener Bluse, unten links. Herrlich trashig!

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Passend zum Film sehen wir auf dem Plakat im überzeichneten Comicstil alle wichtigen Protagonisten inklusiver einer Horde Kannibalen. Selbstredend darf auch ein Pfahl in Form eines Penis nicht fehlen.

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Lady Dracula (1978)

Meatcleaver Massacre (1977)

Der Ober-Vampir Dracula biss mal wieder um sich und verwandelte eine junge Frau in eine Blutsaugerin. Einige Hundert Jahre später erwacht die Lady wieder und hat selbst einen Höllen-Durst. Zu dumm, dass sie sich auf der Jagd nach Hälsen selbst Hals über Kopf in den Good Guy Kommissar Harris verguckt.

Vier mordlustige Psychopathen dringen in ein Haus ein und schlachten eine Familie ab. Der Vater überlebt schwer verletzt. Noch im Krankenhaus ruft er okkulte Mächte an, ihm den letzten Wunsch zu erfüllen – nämlich Rache nehmen zu können. Nun, dieser Wunsch wird natürlich erhört und die Killer bezahlen der Reihe nach für ihr Verbrechen mit ihrem Blut.

Das Filmposter ist ähnlich trashig-komisch wie der ganze Vampire-Girl-Streifen. Oben sehen wir Draculas Konterfei, der auf einen gezeichneten Fledermauskörper montiert wurde. Unten sind zwei Damen in einer Fotomontage zu bewundern, die auch das Cover eines x-beliebigen Schmuddel-Soft-Pornos in gleicher Pose zieren könnten.

Das Plakat zeigt die blutigen Köpfe der vier bösen Buben aufgespießt auf einer riesigen Hand. Verknüpft ist diese über einen Lichtnebel mit dem rachsüchtigen Daddy im Krankenbett. Damit ist die Geschichte des Films komplett in einem Bild erzählt. Unten links grinst uns noch ein „junger“ Christopher Lee an, der dem Streifen seine Stimme als Erzähler lieh.

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Rabid – Der brüllende Tod (1977)

Redneck Zombies (1987)

Auch in diesem Machwerk stehen Blutgier und Penisse im Mittelpunkt. Nach einem missglückten Not-OP-Experiment wächst einer Frau eine Art Penis aus der Achselhöhle. Dieser saugt Opfern Blut ab und überträgt einen Virus auf den Gebissenen. Bald wachsen auch den Opfern blutgeile „Schwänze“ aus der Achselhöhle. Fertig ist der abgedrehte Horror-Trash-Mix.

Ein Fässchen mit radioaktivem Abfall fällt vom Laster und landet in den Armen von Rednecks. Diese haben die glorreiche Idee, daraus einen tollen Schnaps zu brennen. Das grüne Gebräu wird in der Siedlung und Umland zum Kassenschlager, bis kurze Zeit später die Konsumenten zu Zombies mutieren. Der Hunger nach Fleisch treibt die Meute zu einem Lager von campierenden Studenten. Das Einzige, was die Monster jetzt noch aufhalten kann, ist ein Deodorant. Alles also sehr schräg, sehr blutig und irgendwie witzig.

Das Plakat hat nicht wirklich etwas mit dem Film zu tun, ist aber angemessen krude. Anstatt „Blut-Penisse“ sehen wir hier einige größere Kaliber in Form von Presslufthämmern. Unten links ist noch eine junge Frau zu sehen, die völlig zugedröhnt wirkt und sich offenbar gerade einen Schuss gesetzt hat.

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Auf dem Poster sehen wir drei Rednecks mit typischer Holzfäller-Kluft und blasser Hautfarbe (abgesehen von dem Knaben in der Mitte). Dazu gesellt sich ein schlankes Mädchen in engen Hotpants und kurzem Oberteil. Besonders hervorzuheben ist die total deplatzierte Hand auf der linken Seite (die auf der rechten wirkt ja noch halbwegs Zombie-like und nachvollziehbar)!

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The Terrornauts (1967)

Spook Warfare (1967)

Ein Forscherteam empfängt ein mysteriöses Funksignal aus den Tiefen des Alls. Die Quelle ist eine Alien-Station auf einem Asteroiden. Als das Team dort eintrifft, wird es von Robotern empfangen und muss sich einer Reihe von Intelligenztests stellen. Beinahe zu spät erkennt die Truppe, dass Aliens planen die Erde zu überrennen.

Ein Vampir-Streifen auf Japanisch? Da dürfen skurrile Dämonen und Monster natürlich nicht fehlen! Und zwar auf beiden Seiten, bei gut als auch böse. Um zu verhindern, dass der böse Vampir-Dämon immer mehr Leute aussaugt und zu seiner Armee rekrutiert, stellen sich ihm die einheimischen Yokai-Monster rund um Samurai Mayama in den Weg. Der Kampf der Monster ist wirklich extrem abgedreht und aberwitzig und in der Form nur in Japan möglich!

Im Stile eines alten Horror-Groschenromans sehen wir einen Alien, der einem grünen Mönch mit lila Kutte und einem „T“-Sektenabzeichen als Gürtelschnalle ähnelt. Unter ihm liegt eine schwarzhaarige Schönheit mit offener Bluse, die darauf wartet, dass der Knabe sie erdolcht. Im Hintergrund gibt es noch mehr Mönche mit Hightech-Speeren und Menschen als Gefangene. Oben rechts wird übrigens gerade eine Raumstation gesprengt.

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Passend zum verrückten Film ist auch das Plakat vollgepackt mit durchgeknallten Figuren. Besonders zu erwähnen sei hier die langhalsige Frau und das einäugige Etwas auf dem Boden im Vordergrund. Aber das Foto platzt förmlich vor hässlichen Wesen!

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Die Kunst des Kommerziellen Jeder hat eine eigene Meinung, wenn es um Kunst und Kommerz geht. Wir befragten den Berliner Künstler SuperBlast zu seiner.

Du hast mit einer großen Bandbreite an Firmen als Werbeträger zusammengearbeitet, wie jetzt zum Beispiel mit Veltins. Musst du dich mit der Marke identifizieren können oder was für Grundvoraussetzungen müssen erfüllt sein? Grundsätzlich muss ich mich auf irgendeine Weise mit dem Produkt identifizieren können. Ansonsten macht diese Art der Zusammenarbeit keinen Sinn und wirkt aufgesetzt. Wenn ich dabei meinen Namen verwende, muss ich auch das Gefühl haben, dass die Kollaboration etwas Positives ausstrahlt. Der Großteil der Firmen lässt mir dabei weitgehend freie Hand. In einem gewissen Rahmen natürlich.

Du weist etliche Kooperationen mit großen und meist global vertretenen Unternehmen auf (Ecko, Nokia, Sony). Geht es dir in deiner Kunst nach so viel kommerziellen Erfolg trotzdem noch um den Spaß an der Ausdrucksform an sich? Bei diesen Kooperationen handelt es sich um kommerzielle Arbeiten, die ich als Grafik-Designer umsetze. Das sehe ich als Illustration und weniger als Kunst. Da wird schließlich etwas auf den Kunden zugeschnitten kreiert. Kunst kann nur bedingt in so einem Rahmen funktionieren. Da gibt es für mich auch kopfmäßig eine Trennung. Aber Spaß habe ich eigentlich immer an meiner Arbeit, ob sie jetzt kommerziell oder mehr frei ausgerichtet ist.

Hat klassisches Graffiti und Street Art immer noch einen Reiz für dich? Graffiti-Writing ist für mich immer noch ein großes Thema, nach 20 Jahren, auch wenn ich kein klassischer aktiver Writer mehr bin. Ich bekomme bei Style-Burnern immer noch Herzklopfen alleine nur vom Anschauen. Street Art war nie wirklich ein Thema für mich, ich habe mich auch nie zu dieser Szene gezählt. Hast du durch eigene Promo, wie zum Beispiel Blogs, deine Popularität erreicht und somit gezielt darauf hingearbeitet oder wurdest du mehr oder weniger entdeckt? Meiner Meinung kommt man nirgends an, indem man seine Sachen auf Blogs posted und auch nicht, wenn man darauf wartet entdeckt

Marc Hype und Falk sind im Hip Hop zwei bekannte Namen. Ihr habt zusammen in der Partyreihe Soulclap gearbeitet. Legst

zu werden. Für mich war es immer wichtiger, an meinem Style zu arbeiten und für mich interessante Arbeiten zu schaffen. Mit welcher Kunstrichtung kannst du am wenigsten anfangen? Da fällt mir jetzt auf Anhieb keine ein. Man muss die Richtungen ja auch immer im Kontext zur Zeit oder dem Ort des Entstehens sehen. Schon aus diesem Blickwinkel finde ich die meisten Kunstrichtungen interessant. Gibt es eine Geschichte zu deinem Künstler namen? Der Name war eher als Spaß und für meine Grafik oder kommerziellen Projekte gedacht. Das war so etwa vor mehr als zehn Jahren und hat sich dann verselbständigt. Der Name selbst sollte eine Referenz zu den OldschoolGraffiti-Namen aus den 70ern wie SuperKool etc. sein. Es kommt aus einer Mentalität, die sich selbst nicht so ernst nimmt. Jule

Veltins hat eine neue, sehr schicke Flasche kreiert. Zur Einführungskampagne designte SuperBlast zwölf Unikate im DIN-A0-Format. Ähnlich der Lucky-Strike-Werbung steht das Produkt im Mittelpunkt, SuperBlast kümmerte sich dezent um das Drumherum auf mit Acryl beschichteten Alu Dibond.

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Banksy bezieht in seinen Arbeiten teil weise Stellung gegen gesellschaftliche Missstände, die durch den ausbeutenden Kapitalismus auftreten. Hast du nie die Absicht, politisch Stellung zu beziehen in deiner Kunst? Aus meiner Sicht macht Banksy einen großartigen Job. Warum sollte ich das dann auch machen? Jeder sucht doch nach seinen eigenen

du auf jenen Events auch auf wie die anderen zwei oder präsentierst du dort „nur“ deine Kunst? Für die SoulClap-Party Serie habe ich die visuelle Identität gestaltet. Logo, Flyer und Poster. Da ich lange schon mit Marc zusammen arbeite, war das ein natürlicher Prozess.

persönlichen Themen. Für mich sind eher die universalen, inneren Vorgänge des Menschen interessant. Da muss ich dann nicht das Aktuelle kommentieren.

Ed Brubaker (DAREDEVIL, CAPTAIN AMERICA) und Sean Phillips (MARVEL ZOMBIES) sind ein Comic-Dream-Team. Nach Sleeper und CRIMINAL kommt nun INCOGNITO. Hier erschaffen die beiden Ausnahmekünstler eine Welt auf der Basis klassischer Comic- und Pulp-Stoffe: Die Superschurken gibt es wirklich, und hinter den Kulissen gehört ihnen die Welt. Was fehlt… sind wahre Helden. “Wenn Sie diesen Monat nur einen Comic kaufen können, sollte es dieser sein.” Los Angeles Times

© 2009 Basement Gang, Inc.

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IN LIEBE

SCHUHTING Magazin: SLEAZE

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Foto: Yanah Hรถlig Schuhe: danilo

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Pat The Wild Wolfmother Aufgewachsen ist sie bei einem Rudel wilder Wölfe und somit voll von bösartigen animalischen Instinkten. Ist man ihr Feind, wird man zerfleischt. Über ihre Verbündeten wacht sie ohnegleichen und umsorgt sie mit bestem Bohnenmus. Kostüm: Werwolf grau

Leader In Leather Pascal Nach einer einsamen Jugend in den Straßen Gossweilers beschloss er, sich seiner grausamen Kindheit an der Gesellschaft zu rächen. Seitdem schleicht er Nacht für Nacht durch die Gassen und erschreckt schlafende Kinder, teilweise zu Tode. Auf der SLEAZE lebt er seine sanfte Seite aus und versorgt uns mit Lyrik. Kostüm: Schattenläufer

The Bloody Little Red Riding Hood Seitdem ein Mann ihr die Liebe aussog, tut sie selbiges mit seinen Nachfolgern. Mit Charme und Stil bekommt sie von ihnen alles, macht sie zu ihren Sklaven solange, bis sie die Lust daran verliert. Dann werden die Knaben gefoltert, als Erinnerung behält sie ein Körperteil ihrer Wahl. Nur mit Herzen kann sie nichts anfangen. Kostüm: Rotkäppchen

Michelle The Creepy Japanese Housewife Nach dem sie ihrem Mann auf brutale Art und Weise die Kehle durchbiss, weil er mit einer schmalschulterigen Chinesin durchbrannte, wusch sie sich nie wieder ihr Gesicht. Seitdem SLEAZE sie aus der Psychiatrie befreite, lebt sie auf der Flucht. Zur Tarnung plant sie für ihre Samariter-Events und simuliert ein normales Leben. Doch man nehme sich in Acht, wenn sie den Kimono umschwingt.

Commander Bad Boy Er agiert im Verborgenen. Ist Hilfe gefragt auf dem SLEAZE-Deck, erledigt er es meist schneller als sein Schatten. Seine Herkunft ist ein Mysterium. Er ist halb Mensch und halb Übernatur, hat Kontakte zu den Mächtigen in Gut und Böse. Man kennt ihn als den stillen Rächer. Kostüm: Star Trek Next Generation Uniform

The Cutie Cuddly Zombie Als Tochter des Commanders bekam sie ihre Zukunft als Beschützerin der geheimen SLEAZE-Aktivitäten in die Wiege gelegt. Momentan kommt ihre dunkle Seite nur in ihren Träumen zu Tage, beim Schlafwandeln hat sie sogar schon eine Ratte zerfleischt. An Bord wird sie bewacht wie ein rohes Ei. Kostüm: privat

Danilo The Sea Gigolo Er ist der Kapitän der SLEAZE, seinem Frachtschiff, welches für Erfolg und Eigensinn steht. Sie ist die einzig wahre Frau für ihn. Bei Nacht lockt er seine Gespielinnen, um sie seiner Geschäftspartnerin „Yanah The Hoochy Mama Killer“, zum Frass vorzuwerfen. Am Tag beherrscht er die Koordination an Deck. Kostüm: Freibeuter

The Genuine and wicked Snow White Sie schlägt sich allein durchs Leben und ist kühl, gediegen und der stille Beobachter aus der Ferne. Möchte jemand ihr Inneres erklimmen, wird sie zum Biest und räumt ihn aus dem Weg. Psychischer Terror ist ihr Spezialgebiet, doch in der Not greift sie auch gern zu roher Gewalt. An Deck ist sie Vermittler zwischen den Besatzungsmitgliedern. Kostüm: Sexy Schneewittchen Haut Couture

Kostüm: Sexy Lotusblüte schwarz

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SLEAZE ON TOUR

SLEAZE-O-WEEN / Zweijahresfeier

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Level 3: Indiana Jones Nachdem zwei coole Actionhelden schon den Kürzeren gegen Nathan gezogen haben, lassen wir ihn doch mal gegen einen waschechten Schatzjäger antreten. Indiana Jones ist dabei nicht nur irgendein Schatzjäger, sondern der Urvater und Vertreter der „aggressiv-offensiven Archäologie“ schlechthin! Man kann Nathan auch durchaus als den Zieh-Sohn von Indy ansehen. Die Liebe zum Abenteuer, der Reiz an geschichtsträchtigen Schätzen oder auch das Talent, immer in Schwierigkeiten und Faustkämpfe zu geraten… der Mann mit der Hut- und Peitschen-Liebe weist erstaunliche Ähnlichkeiten im Lebenslauf auf. Nathans Jagd nach Schätzen führt aber definitiv zu den malerischsten Schauplätzen, wie zum Beispiel die idyllische Dorf- und Bergwelt Nepals. Zudem hat Nathan die besten Jahre noch vor sich und keine Phobie vor Schlangen!

Level 4: Chuck Norris

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Infos zum Game:

In Uncharted 2: Among Thieves schlüpft man in die Haut von Nathan Drake, einem Schatzsucher mit Leib und Seele. Auf der Suche nach dem legendären Schatz von Marco Polos gesunkener Flotte bereist der Spieler unter anderem Borneo, Nepal, Istanbul und viele andere Schauplätze der Welt. An der Seite der hübschen Reporterin Elena, der charmanten Chloe und seines alten Freundes Sully warten jede Menge Action und Abenteuer. Grafisch sind die sechsundzwanzig Kapitel ein echter Augenschmaus. Neben dem EinzelspielerModus, sorgt in Uncharted 2 auch der brandneue Multiplayer-Part für Abwechslung und Langzeitspaß. Obendrein ist das Abenteuer exklusiv für PlayStation 3 erschienen. Insgesamt ein wahrlicher Action-Adventure-Meilenstein mit vielen cineastischen Höhepunkten, der sich einfach nur perfekt für unter den Weihnachtsbaum eignet!

Rambo hat ganze Armeen im Alleingang ausgeschaltet. Eine wahre Kriegsmaschine, jedoch auch nicht mehr als das! Mit Frauen konnte er noch nie etwas anfangen – und die Frauen wohl auch nichts mit ihm. Wirklich eloquent scheint John nur dann zu sein, wenn er die Waffen sprechen lassen kann. Nathan hingegen hat auch schon etliche Widersacher ausgeknipst und dabei zu jeder Zeit eine gute Figur gemacht. Außerdem hat er ein Gespür für Kunst, Kultur und nicht zuletzt Frauen. Diese weiß er durch coole Sprüche zu beeindrucken oder zumindest zu necken. Gerade Letzteres ist im Umgang mit einer toughen Lady wie Elena sehr wichtig und das Salz in der Suppe. Und natürlich sticht Nathan Rambo locker in Sachen Frisur aus.

Level 2: John J. Rambo

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Am Ende wartet wieder einmal Chuck Norris auf einen Kontrahenten. Doch leichte Beute gibt es für den Action-Gott mit Nathan nicht! Denn wenn Chuck schon in so mancher Filmgurke mitgewirkt hat, hält es Nathan eher mit der Devise „Klotzen, nicht kleckern“! Klar ist Chuck der Mann, der zweimal bis Unendlich gezählt hat und bei Liegenstützen die Erde nach unten drückt. Er kennt die letzte Nachkommastelle von Pi, kann erfolgreich einen Big Mac bei Burger King bestellen. Aber Nathan trägt dafür kein Brusthaartoupet und zu enge Jeans! Und selbst wenn es darum geht, Handkantenschläge auszuteilen, sieht Nathan präziser, agiler und geschmeidiger aus – ist ja auch einige Jahre jünger! Obendrein klingen die Sprüche von Nathan nicht halb so abgegriffen wie Chuck-Norris-Witze.

Verlosung Sony PlayStation verlost eine wunderbare PlayStation 3. Sie geht mit der Zeit, ist schlanker und noch energiesparender. 120 GB Festplattenlaufwerk, Bluray-Disc-Laufwerk und Breitband-Internetverbindung gehören unter anderem zu ihren guten Charaktereigenschaften. Damit das Schmuckstück gleich getestet werden kann, gibt es noch die Collector’s Edition von Uncharted 2.

Eine schnieke Metallbox und viele Extras stimmen auf abenteuerliche Weihnachten ein. Wer gewinnen will, schickt eine Mail an: geschenke@sleazemag.de Kennwort: Ich will ein Kind von Nathan Drake

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Überblick für Dezember 2009 bis Januar 2010

Game PREVIEWS

von Pascal

Mass Effect 2 Rollenspiel | Xbox 360, PC | Electronic Arts | Januar 2010

Für das Weihnachtsgeschäft ‘09 hat es nicht mehr ganz gereicht. Jedoch kann eine der besten Rollenspiel-Serien der letzten Jahre sicher sein, dass auch im Januar Fanboys und -girls in aller Welt bereitstehen werden, um das zweite Abenteuer von Commander Shepard und Crew aus den Regalen zu reißen. Von Beginn an wurde der RollenspielShooter-Mix als Trilogie angekündigt und laut Entwickler BioWare wird der zweite Teil der düstere Part ähnlich von „Das Imperium schlägt zurück“ werden. Was man bislang sehen durfte, macht auf jeden Fall einen guten Eindruck! Die Grafik wirkt besser und vor allem runder, denn im Vorgänger gab es deutliche Kontraste zwischen den sehr detaillierten Köpfen und den texturarmen Körpern der Spielfiguren. Abzuwarten bleibt, ob die Nebenmissionen in Mass Effect 2 abwechslungsreicher gestaltet werden und die vermeintlich riesige Galaxis voller Bewegungsfreiheit auch interessant und individuell genug ist, um sie bereisen zu wollen. Science-Fiction-Rollenspiel-Fans dürfen sich jedenfalls auf spannende Fortführung der Saga und auf massig Dialoge und Entscheidungsfreiheiten freuen.

The Saboteur Action | Xbox 360, PlayStation 3, PC | Electronic Arts | Dezember 2009

In Saboteur schlüpft man in die Haut eines französischen Widerstandskämpfers in einem von Nazis besetztem Frankreich während des Zweiten Weltkriegs. Das Thema wurde zwar schon viel zu oft in Games verwurstet, jedoch klingt ein Stealth-Action-Spiel à la Splinter Cell zumindest ein wenig spannender als der 500. Shooter. Man schleicht sich durch die Gassen, sabotiert feindliche Anlagen und murkst einen Nazi-Hundesohn nach dem anderen ab, um dazu beizutragen, dass Frankreich befreit wird. Technisch macht das Spiel im bislang gezeigten Material einen soliden Eindruck, wenn auch grafisch nicht übermäßig beeindruckend. Dafür scheinen die Schauplätze sehr abwechslungsreich und authentisch zu werden und spannende Missionen auf den Zocker zu warten.

Resident Evil Zero Action-Adventure | Wii | Capcom | Januar 2010

Capcom brachte in der Vergangenheit schon des Öfteren Remakes zu alten Games auf den Markt. Gerade die ResidentEvil-Serie hat einige Portierungen und Neuauflagen auf aktuelle Konsolengenerationen spendiert bekommen. Resident Evil Zero ist wieder mal eines dieser Remakes. Das Original erschien auf dem GameCube. Grafisch aufgebohrt und mit angepasstem Steuerungsinterface kommt es nun auch für den Wii in die Läden. Am Spiel ändert sich sonst nicht viel: Ihr schlüpft in die Haut von Rebecca Chambers und Bill Coen und untersucht eine mysteriöse Mord-Serie in Raccoon City. Die Story spielt zeitlich vor dem ersten Resident-Evil-Teil und bietet Einblicke auf die Hintergründe und Zusammenhänge der Geschehnisse rund um die Bio-Experimente der Umbrella Corporation. Das Besondere an der Zombie-Ballerei ist, dass man auf Knopfdruck immer zwischen beiden Charakteren wechseln kann, egal wo die sich gerade befinden. Das macht das Spiel strategisch und spielerisch anspruchsvoller als andere Teile der Reihe.

Army of Two: The 40th Day Action | Xbox 360, PlayStation 3, PC | Electronic Arts | Januar 2010

Beim ersten Anlauf haben sich die beiden Söldner Rios und Salem nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Vor allem technisch war das Gezeigte sehr zwiespältig und nur phasenweise hübsch anzusehen. In Teil zwei soll das nun deutlich besser gelingen. Gerade auch was Story und Charakterdesign angeht, will EA diesmal tiefer in die Trickkiste greifen. Und die bisherigen Infos und das Material klingen durchaus vielversprechend. Die Interaktion zwischen den beiden Buddys soll verstärkt werden, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit geboten werden, sich auch mal aufzuteilen und unterschiedliche Routen zu wählen. Dadurch ergeben sich unter anderem mehr taktische Möglichkeiten. Die Reise führt euch in „The 40th Day“ in ein Krisengebiet nach Shanghai. Vorzugsweise zusammen mit einem Kumpel ballert man sich im Team durch Gegnerhorden und verhandelt mit diversen Auftraggebern über die Bezahlung für die gefährlichen Einsätze. Das verdiente Geld investiert man in dickere Wummen und Rüstungen.

Darksiders: Wrath of War Action | Xbox 360, PlayStation 3 | THQ | Januar 2010

Die Welt steht in Darksiders nicht einen Schritt vor dem Abgrund, sie ist schon hineingestolpert! Ein sehr ungewöhnliches und überraschendes Szenario, vor allem auch für den „Helden“ des Spiels. Denn ihr schlüpft in die Haut des apokalyptischen Reiters „Krieg“ höchstpersönlich. Nur, bevor ihr überhaupt beim Untergang der Menschheit mitmischen konntet, hat irgendwer die Apokalypse zu früh gezündet. Damit nicht genug: Ihr verliert auch noch eure Kräfte und müsst sie mühsam nach und nach wieder zurückerlangen. Auf der Suche nach den Verrätern wandert ihr frei durch die Ruinen der Welt und kämpft gegen riesige Dämonen und anderlei höllischer Monster. Die Story verspricht episch zu werden und spielerisch scheint sich THQ ein wenig von Sonys God of War inspiriert haben zu lassen. Darüber hinaus sehen die bisher gezeigten Spielszenen sehr endzeitlich und stimmungsvoll aus.

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Marie-No, www.myspace.com/c_shoo Facebook: Marino ShoO 42

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Zuerst war MySpace. Dann kam Facebook und krempelte das soziale Kontaktverhalten der „Generation Online“ komplett um. Jetzt vernetzt Xbox 360 als erste Konsole die Spieler mit Social Media.

Mittlerweile gibt es etliche Ableger von Facebook und darunter auch Spezialisten wie zum Beispiel last.fm, das soziale Netzwerke mit Musik verbindet. Alles Repräsentanten des „Neuen Internets“, abseits von statischen Datenbanken und Webshops. Heutzutage stehen der Austausch und das Zusammenkommen von Menschen weltweit im Vordergrund – und das gemütlich aus dem eigenen Wohnzimmer. Der ausgelutschte Begriff „Web 2.0“ wurde unlängst durch „Social Network“ ersetzt. Microsoft hat diese Entwicklung frühzeitig erkannt und beschreitet mit der Xbox 360 ähnlich „Grenzen sprengende“ Wege. Mit dem neuen XboxLive-Update, das den Zugriff auf Facebook, Twitter und bald auch last.fm erlaubt, nimmt sich Microsoft die Zukunft vor. Seit dem Launch der Xbox 360 im Dezember 2005 hat sich sehr viel getan unter der Oberfläche der Microsoft-Konsole. Das so genannte Dashboard wurde durch kontinuierliche Updates immer mehr verändert und erweitert. Neue Funktionen kamen regelmä-

Downloadcontent: Musik, Games, Videos

ßig hinzu und Microsoft hat von Beginn an deutlich gemacht, dass die Zeiten, in denen nur pubertierende Nerds (zwar ohne Freunde, dafür aber mit fettigen Haaren) alleine 24/7 vor Konsolen rumhängen und zocken, vorbei sind. Das liegt vor allem daran, dass man heutzutage längst nicht mehr „nur“ damit zockt – vor allem nicht alleine!

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Lips, Guitar Hero, Rock Band und Konsorten – die so genannten „Casual Games“ – sind DIE Zugpferde der Branche und Hauptgrund, dass immer mehr Leute vor die Konsole gelockt werden, die früher Videospieler nicht einmal belächelt haben. Endlich ist es nicht mehr nur ein Tagtraum, mit seiner Freundin einen Abend zockend zu verbringen! Die Xbox 360 bietet noch mehr an Entertainment: Man kann Videos, Bilder und Musik von seinen PCs direkt ins Wohnzimmer streamen. Letzte Updates des Online-Services Xbox Live brachten schon die Möglichkeit, aktuelle Filme und Klassiker direkt über die Internetverbindung runterzuladen und zu leihen.

Zune Videomarktplatz

Games kann man mittlerweile auch bequem von der Couch aus sofort kaufen und runterladen. Es ist sogar per Knopfdruck möglich, sich in seinen Account beim Live Messenger einzuloggen und einfach über die Xbox 360 mit seinen Buddys zu chatten. Doch damit nicht genug! Microsoft plant, die Xbox 360 noch viel mehr zum medialen Zentrum des Wohnzimmers zu machen und brachte deswegen am 17. November ein weiteres Update heraus.

Fotoalben

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Twitter auf der Xbox 360

Von nun an sind Facebook, Twitter, Zune HD und in Kürze auch last.fm von der Xbox 360 aus erreichbar. Alle wesentlichen Funktionen sind dabei wie gewohnt durchführbar: Nachrichten (respektive „Tweets“) lesen und schreiben, Fotoalben auf Facebook durchstöbern (in überraschend flüssiger Anbindung!), die neusten Status-Meldungen von Freunden brühwarm serviert bekommen – und natürlich kann man auch neue Freunde finden. Das ist besonders clever verbunden, denn man kann sehen, welche Xbox-LiveFreunde einen Facebook-Account haben und möglicherweise zum ersten Mal erblicken, welche Gesichter hinter den Gamertags stehen. Oder auch umgekehrt: Wer von den Facebook-Kontakten zockt auch gerne mal eine Runde? Per Knopfdruck be-

Facebook auf der Xbox 360

Freundeslisten

bislang bekannt war, jedoch genießt man diese in Full-HD-Auflösung (1080p) und in 5.1 Surround Sound. Soweit hat das noch nichts mit „Social Media“ zu tun, aber das Besondere ist, dass man die Filme mit bis zu sieben Freunden über Xbox Live und Headset-Chat zusammen schauen kann. Quasi ein gemeinsamer DVD-Abend schön gemütlich vor dem Fernseher und völlig egal, wie weit die Freunde auch weg wohnen. Pascal

in Kürze

kommt man diese angezeigt und kann vielleicht bald mal zusammen spielen. Natürlich sollte man zum Schreiben von Nachrichten entweder eine USB-Tastatur oder das Xbox360-Messenger-Kit angeschlossen haben, sonst dauert das mit dem Eintippen über Controller doch ein wenig länger. Hinter dem Punkt „Zune Video“ verstecken sich Filme zum Herunterladen, ähnlich wie es

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70 Jahre Marvel Comics!

God save Stan Lee und hab Jack Kirby selig!

70 Jahre sind eine lange Zeit und natürlich könnte man erzählen,

Timely wurde erstmal zu Atlas und verzettelte sich in unglaublich viele Unterverlage die jegliche existierenden Genres abdeckten. Man kopierte, wo man nur konnte. Es ging bergab.

markt, was dazu führte, das der Inhalt gekürzt und der Preis erhöht wurde. Eine Kombination, welche die Leser nicht honorierten und somit – und auch wegen dem gewaltigen Ausstoß an Heftserien – war man Ende der 70er wieder so gut wie bankrott.

wie alles begann und wie es dann weiter ging, aber um mal einen anderen Ansatz zu präsentieren, beschäftigt sich dieser Artikel mit den für Marvel wichtigen Menschen in dieser langen Zeit.

Martin Goodman Der Vollständigkeit halber anfangen muss man da natürlich bei Martin Goodman. Der gründete 1939 den Verlag Timely Publications, welcher später in Marvel umbenannt werden sollte. Damals waren Comichefte noch ziemlich neu. Davor gab es Comics nämlich hauptsächlich in Form von Comicstrips in der Zeitung. Superman war nicht nur der erste Superheld, in der Art, wie wir sie heute kennen, er war auch Vorreiter in der Form der Publikation: Clark Kent ebnete den Weg für die Hefte. Weil die USA gerade Helden brauchten, startete man bei Timely auch gleich voll durch mit dem blonden Supersoldaten namens Captain America. Gezeichnet von Jack Kirby und geschrieben von Joe Simon (der zwischendurch auch mal zum Zeichenstift griff). Das bescherte Marvel die ersten großen Verkaufszahlen.

Stan Lee & Jack Kirby Nach dem 2.Weltkrieg erhielten die „comic books“ ihren ersten Dämpfer. Die Helden hatten nicht mehr die ihnen zugeschriebene Brisanz vor dem ernsten Background des echten Krieges, außerdem trat das Fernsehen seinen Siegeszug an. Nie wieder würden die Millionenauflagen aus dieser Zeit erreicht werden. 46

Doch Anfang der 60er schaffte es Konkurrent DC Comics mit dem „Flash“, einen neuen Superhelden-Boom einzuläuten. Etwas, das man in den 50ern bei Atlas auch versucht hatte, aber zu nichts führte. Die Zukunft war ungewiss und so gab man Stanley Lieber (viel besser bekannt unter seinem Pseudonym Stan Lee) freie Hand. Man hatte sowieso nichts mehr zu verlieren. Dem noch jungen Stan war aufgefallen, dass die damaligen Helden durch die Bank perfekt waren. Sie waren den normalen Menschen entrückt und das nicht nur durch ihre Kräfte. Seine Idee war „der Held mit Makel“.

Und das wurde sogleich umgesetzt. Die Fantastischen Vier waren die ersten dieser neuen Helden. Ihre Entstehung war ein Unfall in Zusammenhang mit gefährlicher Strahlung (DAS Wunderelixier der Marvel-Helden, später abgelöst durch Genveränderung). Kurzum: Eine Gruppe von vier Menschen flog ins All und wurde kosmischer Strahlung ausgesetzt, dadurch veränderten sich ihre Körper. Die Gruppe besteht aus Johnny „die Fackel“ Storm, der jugendlich naive Halbstarke, dessen Temperament leicht entzündlich ist, Susan „die Unsichtbare“ Storm, die eher unscheinbare Frau von Dr. Reed Richards, dem Lenker und Denker der Gruppe, welcher sich verantwortlich fühlt für die Verwandlung von Benjamin Grimm, der als orangener Klumpen aus dem All zurück kam und nur noch „Das Ding“ genannt wird. Die beiden Köpfe dahinter waren Jack Kirby und Stan Lee. Wer genau für was verantwortlich war, lässt sich heutzutage nicht mehr ermitteln, denn im Laufe der Jahre haben beide wiederholt widersprüchliche Aussagen zur Entstehung der „Fantastic Four“ getroffen. Fest steht, dass beide sich ungefähr so kongenial ergänzt haben wie Werner Herzog und

Stan Lee

Klaus Kinski. Einer ohne den anderen war zwar auch ein toller Künstler, aber erst beide zusammen ergaben ein Ganzes. Das Verständnis unter dem Zeitdruck der Produktion war quasi blind, denn Stan Lee schrieb oftmals lediglich eine drei Absätze lange Zusammenfassung der Geschichte, welche Kirby dann auf 24 Seiten Comic ausbreitete. Später kam Lee wieder hinzu und füllte die Textblasen. Eine Arbeitsweise, die als „Marvel-Methode“ berühmt wurde. Stan Lees „Gebrochener Held“-Methode kulminierte in der Figur von Spider-Man. Ein junger, unsicherer Heranwachsender, welcher heimlich verliebt ist und ständig Geldprobleme hat – welcher hormongeplagte TeenagerJunge konnte sich nicht damit identifizieren? Okay, zusätzlich prügelte sich Peter Parker auch noch mit Superschurken, bekam dafür aber keinen Dank und öfters eins auf die Fresse, aber das machte ihn nur noch sympathischer.

Jim Shooter Goodman ging 1972 in den Ruhestand und Stan Lee wurde der Herausgeber von Marvel Comics, die somit auch endlich so hießen, wie man sie heute kennt. Zwischenzeitlich sah sich Marvel sogar einem Gerichtsverfahren als Monopolist ausgesetzt, denn man hatte in den 60ern einen Zeitungsvertrieb aufgekauft und war damit in der Lage, auch über die Verbreitung der Konkurrenzverlage mit zu bestimmen. Das Verfahren zerschlug sich, denn zum einen ließ man DC Comics dann doch wieder mitmachen und zum anderen begann wieder eine Abwärtsspirale für den SuperheldenSLEAZE Dezember / Januar 2010

Jim Shooter

Der Verlag hing am Tropf und wurde gerade so von den zuvor eingekauften Star-WarsLizenzen am Leben erhalten. „A New Hope“ war 1977 in die Kinos gekommen und ein unglaublicher Erfolg – auch als Comicserie. Ein Jahr später wurde Jim Shooter Chefredakteur, vielleicht der kontroverseste Chefredakteur, den Marvel je hatte. Der Erfolg der Star-WarsComics gab ihm etwas Spielraum, um den Verlag umzugestalten. Der „Direktmarkt“ kam auf, das heißt, die Comics waren nicht mehr nur am Kiosk zu bekommen, sondern wurden jetzt auch in Spezialitätengeschäften, genannt Comic Shops, verkauft. Auch das sicherte Einnahmen, denn die Comichändler in den USA müssen drei Monate vor Publikation den Comic „einkaufen“. Ob sie dann auf den Heften sitzen bleiben oder nicht ist ihr Problem. Ein System, das bis heute Bestand hat und es den Verlagen ermöglicht, eine Vorfinanzierung für ihre Produktion zu bekommen. Glaubt man seinen Mitarbeitern, dann war Shooter so cholerisch wie genial. Er war unter anderem davon besessen, die gesamten Serien einer „Continuity“ zu unterwerfen, was nichts anderes bedeutet, als das man so tut, als ob alle Geschichten zur gleichen Zeit in der gleichen Welt spielen. Wenn der Hulk also im Hulk-Oktoberheft in GuateSLEAZE Dezember / Januar 2010

Panini feiert mit In Deutschland werden die Marvel-Serien von Panini Comics herausgebracht und die haben sich wahrlich nicht lumpen lassen. Neben Postern gibt es auch schöne Sonderbände zum runden Jubiläum. Da wäre zum einen das große, mächtige, bunte und wundertolle Monstergerät namens „Die Marvel Chronik - 70 Jahre Heldentum“, welches die Marvel Geschichte von vorne bis hinten erzählt und wirklich nichts dabei auslässt. Vom Apache Kid bis zum schwarzen Anzug von Spider-Man wird alles erwähnt und aufgezählt. Zusätzlich wird das Ganze noch in Relation zum echten Zeitgeschehen gesetzt. Eine runde Sache also und absolut Weihnachtstauglich. Noch besonderer wird es, wenn man weiß, dass die Auflage dieses 352-Seiten-Klotzes zudem auf 999 Stück limitiert ist. Auch eine Wiederauflage des Klassikers „Marvels“ hat man aus der Druckerpresse kommen lassen. Der Comic, der die Karrieren von Kurt Busiek und Alex Ross so erst möglich gemacht hat. Diese zwei garantieren in diesem Band das absolut Wichtigste an Comics: eine geniale Story und wunderschöne Zeichnungen und das ausgemala unterwegs war, dann konnte er nicht im selben Monat im Avengers-Heft in Frankreich auftauchen. Außerdem schaffte Shooter es, das endlich wieder die Deadlines eingehalten wurden, was in den letzten Jahren stark vernachlässigt worden war. Er hatte ein Händchen für junge Talente und führte John Byrne und Chris Claremont zusammen, welche die „New“ X-Men erfanden. Im Prinzip also die XMänner erschufen, welche wir heute kennen. Sein größtes Projekt waren aber die „Secret Wars“. Ein riesiges Crossover, das alle MarvelSuperhelden gegen alle Marvel-Superschurken kämpfen ließ. Eine Sonderserie, die Fans heute noch mit der Zunge schnalzen lässt, so etwas gab es bis dato nicht. Der Grund für das Projekt war trivial: Mattel wollte die Lizenzen

dehnt auf 212 Seiten. „Marvels“ ist ein Blick von außen auf die Superhelden. Die Story wird durch einen Fotografen erzählt, der eben nicht weiß, dass Peter Parker Spider-Man ist und so weiter. Superhelden sind also nur ein bunter Fleck in der grauen, realen Stadt. Wunderschön! Ebenfalls wunderschön ist „Mythos“. Ein aktuellere Comicreihe geschrieben von Altmeister Paul Jenkins und welche von Paolo Rivera malerisch umgesetzt wurde. Hier werden die Entstehungsgeschichten der Marvel-Helden auf 156 Seiten noch einmal frisch verpackt. (Mehr dazu in den Comic-Reviews auf den folgenden Seiten). Las but not least noch ein modernerer Comic mit Namen „Spider-Man und die X-Men“ aus der Reihe «100% Marvel». Hier geht es um die beliebteste Heldengruppe und den beliebtesten Helden aus dem Marvel-Universum und ihre Aufeinandertreffen über die Jahre. Anstatt einfach alles nachzudrucken, haben sich Christo Gage und Mario Alberti hingesetzt und alles frisch und fröhlich neu erzählt. Das Ergebnis sind 100 Seiten, die viel Spaß machen.

für Marvel-Figuren kaufen, hatte aber Angst, dass Superhelden nicht attraktiv genug seien, also bat man Marvel, mit einer großen Story das Ganze zu pushen. Ein voller Erfolg für beide Seiten. Das alles war aber nicht das Einzige, was Shooter änderte. Er orientierte sich auch ganz nah am Zeitgeist, wahrscheinlich inspiriert vom Erfolg der Star-Wars-Comics und probierte neue Wege. So gab es dann auch einen Disco-Comic mit der Hauptfigur „Dazzler“, basierend auf einem nie veröffentlichten Bo-Derek-Film. Das besondere an Dazzler war, dass es ausschließlich in den Comic Shops verkauft wurde. Das war neu. Zusammenfassend kann man sagen, dass die neun Jahre unter Shooter eines der 47


COMIC REVIEWS

te, aber es täuschte lediglich über die fehlende Substanz hinweg und wurde zudem von den Lesern bald als sinnentleerte Geldmacherei angesehen. Das kombiniert mit einigen Fehlentscheidungen im Management führte dazu, das Marvel in die Insolvenz musste.

Weihnachten ist beschlossene Sache, sagt der Kalender, darum hier ein kleiner Überblick um mal auf andere Gedanken zu kommen!

Avi Arad

erfolgreichsten Jahrzehnte in der späteren Marvel-Geschichte waren. Aufgrund seines sperrigen Charakters und seiner starken Eingriffe in die Geschichten der Autoren, kombiniert mit der rigiden Umsetzung von Deadlines ist Jim Shooter allerdings nicht allen damals Beteiligten in guter Erinnerung geblieben.

Todd McFarlane Mister McFarlane war eigentlich nur ein kleiner, zugegeben ziemlich erfolgreicher, Angestellter bei Marvel, der Spider-Man zeichnete, aber er sollte eine breite Spur der Verwüstung im Haus der Ideen hinterlassen. Er war nämlich 1992 dafür verantwortlich, dass einige der beliebtesten und besten Zeichner von Marvel dem Verlag Adieu sagten, um Image Comics

Mythos

Marvel hatte seine Händchen auch immer nebenher im TV-Markt, kam aber nie so recht vom Fleck – was sich letztendlich ändern sollte. Denn als 1994 Insolvenz angemeldet wurde, überwarf sich Avi Arad mit Carl Icahn und Ron Perelman, den Managern von Marvel. Infolgedessen ging Arad zu Toy Biz und kaufte Marvel Comics einfach auf. Auch eine Art, Probleme zu lösen.

Wie eine Geschichte interessant erzählen, die der Zuhörer vielleicht schon Hundertmal gehört hat? Keine leichte Sache, aber Paul Jenkins hat es trotzdem probiert und ich bin froh, dass diese Serie hierzulande als Sammelband erscheint, denn erst so entfaltet sich die Wucht der puren Ideen. In Mythos werden sämtliche Entstehungsgeschichten der beliebtesten Marvel-Superhelden neu erzählt, allerdings nicht wortreich oder blumig, sondern auf das Nötigste reduziert. Das kommt einem erstmal komisch vor, doch Paolo Rivera beflügelt das

Im Laufe der folgenden Jahre schaffte er es ,unter dem Label „Marvel Studios“ in Hollywood zahlreiche Filmlizenzen zu verkaufen. Deren erfolgreiche filmiAvi Arad schen Umsetzungen, man denke an Blade oder die Men in Black und später Spider-Man, die X-Men, der Hulk, Daredevil und viele mehr, zogen Marvel nach und nach aus dem Bankrott.

Joe Quesada

Todd McFarlane

zu gründen. Der Grund war simpel: Sie wollten mehr Geld mit ihren Ideen verdienen. In den USA ist es generell so, das wenn du als freier Mitarbeiter einen Auftrag bekommst, alle Rechte an deinen Figuren abgeben musst. McFarlane wollte mitverdienen beim Ausverkauf seiner Ideen, was ihm verwehrt wurde, also nahm er Jim Lee, Chris Claremont, Rob Liefeld, Marc Silvestri, Erik Larsen, Jim Valentino und Whilce Portatio mit und zog Image Comics auf. Bis heute ist Image die Nummer Eins in den USA, wenn es um „creator owned“ Comics geht, also um Comic-Serien, bei denen alle Rechte bei den Kreativen bleiben. Soviel Erfolg die Jungs von Image auch hatten, so schlecht erging es Marvel Mitte der 90er und dem Comicmarkt allgemein. Denn auch der Hype um den neuen Konkurrenzverlag konnte nicht darüber hinwegtäuschen: die nächste Krise war da. Man blähte noch einmal künstlich das Volumen auf, indem man Hefte mit Variant-Covern ausstatte48

Parallel zu Arads erfolgreichen Aktivitäten im Filmgeschäft,kam der ehemalige MarvelZeichner Joe Quesada im Jahre 2000 völlig überraschend auf den Posten des Chefredakteurs (und blieb es bis heute). Er beendete damit einen Reigen ziemlich blasser redaktioneller Cheflenker, welche seit Jim Shooter das Sagen hatten. Unter seiner Leitung öffnete

Joe Quesada

sich dieser große Verlag dann auch Künstlern, die nur Kennern der Szene bekannt waren, und sorgte so für frischen Wind. Weiterhin wurden unter ihm neue Linien eingeführt, namentlich „MAX“ für ältere Leser und „Marvel Age“ für jüngere Leser. Zudem wurden die größten Helden auch noch einmal neu erzählt in der „Ultimate“-Linie (siehe auch den Kasten auf Seite 47) So ausgerichtet und mit dem Geldsegen der Verfilmungen sieht Marvel rosigen Zeiten entgegen.

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Sascha

Hier noch einige Partyargumente zum 70jährigen Bestehen von Marvel: Wusstet ihr, ...dass im Oktober diesen Jahres Walt Disney Marvel Entertainment für 4 Milliarden Dollar aufgekauft hat? ...dass Marvel sich eigentlich als Spielzeuglizenzfirma sieht und Marvel Comics nur etwa 6 - 10% zum Umsatz von Marvel Entertainment beiträgt?

Ganze ungemein mit seinen gemalten Panels. Ich würde sogar sagen, dass pro Geschichte ein Panel dabei ist, dass das definitive Abbild der Helden in einer einzigen Szene zusammenfasst. So zum Beispiel beim Spider-Man Origin, als er den Kleinganoven stellt, der seinen Onkel umgebracht hat. Links eine Pistole, rechts Spider-Man an die Wand gedrückt mit einem bösartigen Blick. Der Ausdruck, die Körpersprache – brillant. Ein gelungenes Experiment und sogar noch ultimativer als viele Marvel-Comics, die das Ultimativ im Titel tragen, denn hier bekommt man die Essenz der Helden serviert. Das Ultimative vom Ultimativen sozusagen. Sascha

erschienen bei Panini Comics, 16,95 Euro ...dass seit den 50er Jahren die Auflagen von US-Comics zurückgehen, von mehreren Millionen auf heutzutage teils nur einige Zehntausend? ...dass die Comics eigentlich nur produziert werden, um die Lizenzrechte an den Figuren zu halten? ...dass Stan Lee in den 60ern ohne Erfolg versuchte, Marvel zu einem Multimedia-Konzern wie Disney zu machen?

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The Surrogates Der Wecker reißt dich an einem dunklen, nasskalten Arbeitstag früh morgens aus dem Schlaf, du wälzt dich aus dem Bett, schlurfst gähnend in die Küche, um dir ein heißes Getränk zu machen. Dann lässt du dich damit in einem bequemen Sessel nieder, kuschelst dich in eine Wolldecke, während der Regen ans Fenster prasselt, und setzt dein Headset auf. Weiter musst du nicht. Zur Arbeit geht näm -lich dein Surrogat, eine perfekte


in Zusammenarbeit mit

technische Kopie. Die physische Idealausgabe von dir, die nicht müde oder krank wird, deren Muskeln nicht erschlaffen und deren Bauchumfang nie wächst. Und du steuerst diesen Fleisch gewordenen (bzw. fleischlich wirkenden) Avatar mittels deiner Gedanken, erlebst die Welt durch seine Augen und Ohren. Als ob du dabei wärst – und irgendwie bist du es ja auch. Nur ersparst du dir all die Unannehmlichkeiten des Alltags… Klingt verlockend, nicht wahr? Genau dies ist die Grundlage für das Zukunftsszenario, das Autor Robert Venditti ersonnen hat. Im Jahr 2054 hat man es mit einem real gewordenen Second Life zu tun, die Menschen aalen sich in ihren gemütlichen vier Wänden und lassen ihre Surrogate die Drecksarbeit machen. Die somit entstandene Gesellschaft hat durchaus utopische Züge: Die Verbrechensrate ist stark zurückgegangen, mitunter lebensgefährdende Berufe wie Feuerwehrmann oder Polizist haben ihren Schrecken verloren und die Diskriminierung von Minderheiten ist kaum noch ein Thema – denn niemand ist verpflichtet, einen Surrogaten zu betreiben, der seinem wirklichen Aussehen, seiner Ethnizität, seinem Geschlecht oder Alter entspricht.

Doch bei genauerem Hinsehen ist nicht alles so rosig: Teilhaben an der neuen Lebensart kann natürlich nur, wer es sich finanziell leisten kann. Dann gibt es auch noch Menschen, welche die Surrogaten-Geschichte aus religiösen Prinzipien ablehnen. Darunter fallen die meisten Mitglieder der Dreads, eine Gruppe von Surrogaten-Gegnern, denen nach einem gewaltsamen Aufstand ein Reservat zugestanden wurde, wo sie nun unter der Führung des „Propheten“ auf göttliche Intervention gegen den Frevel warten. Und schließlich muss man akzeptieren, dass man in einer Welt des Scheins agiert, in der nie ganz klar ist, wer einem wirklich gegenübersteht. Letzteres macht vor allem Lieutenant Harvey Greer zu schaffen, der mit seinem Partner eine geheimnisvolle Mord- bzw. Zerstörungsserie unter Surrogaten im urbanen Moloch von Central Georgia Metropolis aufklären muss. Der Polizeiveteran wittert schnell, dass hinter den Vorkommnissen mehr als mutwilliger Zerstörungswille steckt. Als sein eigener Surrogat bei den Ermittlungen geschrottet wird, wagt er sich persönlich auf die Straße, was ungeahnte Auswirkungen auf den Verlauf der Ereignisse hat. Es ist eine schrecklich schöne neue Welt, die Venditti für die (zuerst als Einzelhefte erschienenen) fünf Kapitel seiner Geschichte entworfen hat, die nah genug an der Realität grenzt, um sich

auf sie einzulassen. Dabei spielt auch der Hauptprotagonist eine nicht unwichtige Rolle: Harvey Greer ist eine schön runde Figur, auf den ersten Blick ein abgebrühter Cop, der jedoch durch die Eheprobleme mit seiner Surrogaten-abhängigen Frau und seine stetig wachsenden Zweifel an sich und der Welt, in der er lebt, durch und durch menschlich und verletzlich wirkt. Für die grafische Umsetzung von The Surrogates hat man sich beim US-Verlag Top Shelf gegen einen sauber gestylten Zukunftslook entschieden und stattdessen mit Brett Weldele einen Künstler engagiert, der eher in der Tradition von Bill Sinkiewicz und Ashley Wood zeichnet (und nebenbei auch selbst tuscht und koloriert). Und die Paarung Venditti / Weldele funktioniert äußerst gut. So sind die teils skizzenhaft wirkenden und in überwiegend erdigen Farben kolorierten Bilder rau und kantig und verleihen dem Science-Fiction-Krimi eine schmutzige Noir-Atmosphäre. Weldeles Stil, seine gelungenen Seitenlayouts und atmosphärisch starken Bilder komplementieren Vendittis Skript hervorragend. Einen nicht unwichtigen Anteil an der gelungenen Kreation einer lebendigen Zukunftsvision haben auch die am Ende jedes Kapitels eingefügten und liebevoll detailliert ausgearbeiteten Dokumente wie eine Surrogaten-Werbebroschüre, Zeitungsartikel und gar ein wissenschaftlicher Aufsatz über „Möglichkeit und Erfüllung im Zeitalter des Surrogaten“. Die Krimihandlung selbst ist nicht nobelpreisverdächtig, aber durchaus solide. Und natürlich bietet sie nur die erzählerische Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem menschlichen Selbst im Zeitalter der Technokratie, der Digitalisierung und des Jugendwahns. Und hier gelingt dem Autor der nicht einfache Balanceakt zwischen sozialkritischer Science Fiction in der Tradition von Bradbury oder Asimov und unterhaltsamer Mörderhatz. Dies ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass es sich bei The Surrogates um sein Erstlingswerk handelt. Ein zweiter Band, der 15 Jahre vor der hier vorgestellten Handlung spielt, erschien in den USA vor einigen Monaten. Insgesamt sind fünf Surrogates-Bände geplant.

Der ultimative Wolverine vs Hulk

Project Superheroes - Band 2

Als der Film Aliens vs Predator angekündigt wurde, sagte eine Freundin von mir: „Das wird ja bestimmt beschissen.“ Daraufhin erwiderte ein anderer Freund: „Beschissen oder genial. Eins von beidem.“ Dieser Comic fällt definitiv in die Kategorie genial. Dass sich Superhelden prügeln ist ja nichts Neues. Gerne tun sie das auch untereinander, meistens wegen irgendeinem Missverständnis, z.B. weil dem einen die Farbe der Unterhose nicht passt, die der andere über der Hose trägt. Das ist natürlich blöder Quatsch. Diesen Quatsch kann man aber auch lockerleicht erzählen, so dass es richtig Spaß bringt. Und das ist David Lindelof hier gelungen. Ich meine was soll man sagen, wenn auf den ersten drei Seiten

Alex Ross ist bekannt für seine gemalten, vor Pathos strotzenden, fotorealistischen Superhelden-Bilder – und als großer Fan der alten Helden des Golden Age. Die einen lieben ihn dafür, andere machen einen großen Bogen um seine Werke. Mit Project Superpowers bekam Ross bei Dynamite Entertainment die Gelegenheit, eine Golden-Age-Geschichte nach eigenem Gusto zu erzählen, in der zahlreiche alte Helden der 40er Jahre vorkommen, deren Coypright mittlerweile ausgelaufen ist. Ross entwickelte die Grundzüge des Plots, malte die Cover und fungierte als Art Director, gezeichnet und geskriptet wurde von anderen Kollegen. Heraus gekommen ist eine sehr fein gezeichnete Superheldenorgie, die strahlend koloriert wurde. Für Neueinsteiger ist es allerdings besser, mit Band 1 anzufangen. Comicgate/Sascha

erschienen bei Panini Comics, 16,95 Euro

Wolverine vom Hulk in der Mitte auseinander gerissen wird und sich dann auf die Suche nach seinen Beinen macht?! Lindelof ist übrigens kein Comicautor, so war er z.B. an Lost und dem letzten Star-Trek-Film beim Drehbuchschreiben beteiligt, löst aber die alberne Aufgabenstellung Superheld vs Superheld mit einer Gewitztheit, die einem vor lauter Jubelschreien die Sprache verheisert. Spezialist für Wolverine ist sowieso Zeichner Francis Leinil You, der die Wolverine-Serie lange Jahre zeichnete und wieder einmal beweist, dass die Philippinen eine Comic-Großmacht sind. Seine Bildsprache lässt das Auge genüsslich über die Seiten fliegen. Leider ist die Geschichte viel zu schnell gelesen, weil sie so gut ist. Dafür war sie dann drei Jahre in der Produktion – wie das eben so passieren kann beim Comic machen. Fazit: jeden einzelnen Cent wert, wenn nicht sogar doppelt soviel. So herrlich kann blöder Quatsch sein! Sascha

erschienen bei Panini Comics, 16,95 Euro

Die mit Bruce Willis besetzte Verfilmung, die sich in der Handlung mitunter deutlich vom Comic unterscheidet, startet in Deutschland am 21.01.2010. Andreas Völlinger

erschienen bei Cross Cult, 26 Euro

Resistance - Team Alpha Der Lizenzcomic zum High-Budget-PlayStation-3-Spiel. „1944“. US-Soldat Nathan Hale kämpft gegen die monsterähnlichen Auswirkungen des bösartigen Chimera-Virus. Schöne Sache das, vor allem ist man irgendwie beruhigt, dass auch normale Kampfflugzeuge gegen die Untertassen bestehen können. Der Comic knüpft an die Handlung des Spiels an, gibt Einleitungen zu bestimmten Levels, ist aber gleichzeitig für Leser, welche das Spiel nicht kennen, ebenso verständlich wie spannend zu lesen. Die größte Gefahr beim Durchlesen ist sicherlich die, dass man danach zum nächsten Elektronikfachmarkt rennt und noch eine PlayStation 3 samt Resistance-Computerspiel kauft. Es macht nämlich echt Laune, den Comic zu lesen und wenn man dran denkt, dass man da auch selbst mitspielen könnte... “uiuiui, Tiffy“ würde Samson sagen. Sascha

erschienen bei Panini Comics, 16,95 Euro

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Nebel, Mettgut, Dauerwellen! Ach, ja. Die 80er. Sie gaben uns so einiges. Vieles möchten wir gerne wieder vergessen (Schulterpolster, Dauerwellen, Tschernobyl...), manches allerdings hat noch bis heute Bestand. Und so gelten die 80s als das letzte Jahrzehnt, in dem noch der gute, alte, handgemachte Grusel auf die Leinwand projeziert wurde – während die 90er für den Hor-

ein Film schafft dieses so gut wie „Blutiger Valentinstag“, erstaunlicherweise bis zum 3D-Remake 2009 größtenteils unbekannt. Klar, jeder kennt Jason Vorhees, Michael Myers oder Freddy Krueger – aber Harry Warden gehört zu den Schmuddelkindern unter den Meuchelmördern. Vollkommen unverständlich. Der gerade einmal 28-jährige Regisseur George Mihalka schusterte einen der besten Slasherfilme aller Zeiten zusammen. Hart, gemein, (äußerst) brutal, kreativ, düster. Mit einem fantastischen Soundtrack, hervorragenden Darstellern, einer beeindruckenden Kameraarbeit. Grund genug selbst für Quentin Tarantino, „Blutiger Valentinstag“ zum besten Slasher aller Zeiten zu küren. Soweit würde ich nicht gehen, denn es gibt ja immer noch den Alptraum von der Elmstraße, aber zu den besten 80er-Horrorfilmen gehört er allemal.

9. „Hellbound: Hellraiser II“ (1988)

rorfilm ein recht ernüchterndes Jahrzehnt darstellte und CGI-Gedärme als auch Monstren den Zuschauer begangen zu nerven anstatt zu gruseln.

Also wird es Zeit, mal wieder eine dieser unsäglichen Top-Ten-Listen zu verfassen. Diesmal Bühne frei für Nebel, Mettgut, Dauerwellen! Die zehn besten Horrorschinken der 80er Jahre!

10. „Blutiger Valentinstag“ „Es hat vor 20 Jahren angefangen. Es war die Nach t des ValentinBalls in der Gewerkschaftshalle. Das größte Ereignis des Jahres. Eine alte Tradition seit über 100 Jahren. Alle waren da, außer den sieben Bergleuten, die in der Heninger-Mine Spätschicht hatten. Fünf von ihnen waren noch unten. Zwei Aufseher warteten auf ihren Ausstieg. In Gedanken schon auf dem Ball, verließen sie ihre Posten, bevor die anderen sicher oben waren, und vergaßen den Metan-Gasdruck in den Stollen zu überprüfen. Die fünf Mann wurden lebendig begraben, während die ganze Stadt weiterfeierte.“ Zu jedem guten Slasherfilm gehört eine düstere Hintergrundgeschichte, die die Motivation des Schlitzermeisters liefert, um (mehr oder weniger) unschuldige Teenager zur Hölle zu jagen. Und kaum 52

Erfolgreiche Fortsetzungen zu kreieren ist schwer. Viele FilmFranchises scheiterten daran und so ist die Liste der guten – oder gar im Vergleich zum Vorgänger besseren – Fortsetzungen recht kurz. „Der Pate 2“, „Terminator 2“, „Das Imperium schlägt zurück“. Danach wird’s schon schwierig. Im Horrorgenre erst recht. Umso überraschender war es, als Tony Randel „Hellraiser II“ 1988 auf die Menschheit losließ. Man erwartete nicht viel von der Fortsetzung, auch wenn der erste Teil ein respektierter Genreerfolg wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen Fortsetzungen versuchte Randall nicht einfach nur das Erfolgsrezept des ersten Teil zu wiederholen, sondern drang regelrecht in neue Welten vor. Nachdem im Vorgänger die Hölle auf Erden kam, geht’s nun direkt in die Hölle, die Welt der Cenobiten. Hier bietet Randall alles auf, was das phantastische Kino der 80er zur Verfügung hatte: Animatronics, Matte-Paintings, Kunstnebel, einen epischen Score – und nicht zu vergessen eine grandiose Story, von Altmeister Clive Barker persönlich geschrieben.

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8. „Shining“ (1980) Stephen-King-Verfilmungen haben es ja noch nie leicht gehabt. Als Hollywood in den 70er Jahren sich seiner Stoffe annahm und dadurch auch seinen eigenen Erfolg verzehnfachte, liefen die Zuschauer in Scharen ins Kino, um an Kings Visionen teilzuhaben. Doch schnell stellte die Leserschaft fest, dass seine recht komplexen Werke auf der Leinwand schwer umzusetzen waren. Dies gipfelte in den 90er Jahren in zahlreichen unterbudgetierten TVVerfilmungen und recht unnötigen Direct-toVideo-Fortsetzungen, die mit Kings eigentlichen Werken nicht mehr viel zu tun hatten. Ironischerweise gehört dazu auch „The Shining“, der gemeinhin als einer der besten Horrorfilme und damit auch zu den besten King-Verfilmungen zählt. Regisseur Stanley Kubrick nahm sich zahlreiche Freiheiten, King war vom Ergebnis nicht besonders angetan und hasste diesen sogar. So sehr, dass er über Jahre hinweg eine Neuverfilmung forderte. Diese bekam er 1997 in Form einer mehrteiligen TV-Miniserie. Betrachtet man den Film aber nicht aus den Augen seines ursprünglichen Schöpfers, so kommt man nicht darum, Herrn Kubrick einen der besten Horrorfilme aller Zeiten zu attestieren, der auch für die Crew ein Psychotrip wurde. Die berühmte Szene, in der Jack Nicholson mit einer Axt die Tür aufbricht, musste für Perfektionist Kubrick 127 Mal gedreht werden – noch heute ein Rekord. Hauptdarstellerin Shelly Long erlitt mehrere Nervenzusammenbrüche am Set, u.a. weil Kubrick sich weigerte, sie zu beachten oder überhaupt mit ihr zu sprechen. Psychospielchen, wie er sagte, um sie in die richtige Stimmung zu bringen. Der Aufwand hat sich gelohnt. „The Shining“ ist Legende.

7. „Die Fliege“ (1986) Teleportation! Wohl oder Übel? Entscheiden sie selbst! Objektiv betrachtet war es aber wohl eher ein Übel. Jedenfalls für Seth Brundle, zurückgezogenes Wissenschafts-Genie mit Fabrik-Apartment

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am Stadtrand. In einem Ansturm von Selbstüberschätzung lässt er sich durch die Gegend teleportieren – übersieht dabei aber, dass sich eine kleine Fliege in seinem Teleporter befand. Das zusammenteleportierte Ergebnis ist ein wilder Mix aus menschlichen und insektioden Genen, letztere werden wie ein Krebsgeschwür aus der Haut hervorplustern – bis vom Herrn Brundle nicht mehr als ein kruder Mix aus Mensch und Fliege übrigbleibt. David Cronenbergs Remake aus dem Jahre 1987 ist eine wahre Tour-de-Force des Horrors. Zu keinem Zeitpunkt gönnt der Film sich eine Pause und schlägt vollkommen neue, unerwartete Wege ein. Innovativstes Remake aller Zeiten? Zumindest sehr dicht dran.

6. „Day of the Dead“ (1985) Als „Day of the Dead“, hierzulande auch als „Zombie 2 - Das letzte Kapitel“ bekannt, veröffentlicht wurde, hagelte es scharfe Kritiken. Nach „Dawn of the Dead“, der mittlerweile bereits Einzug ins New Yorker Museum of Modern Art hielt, waren die Erwartungen an George A. Romero dermaßen hoch, dass dieser sie überhaupt nicht erfüllen konnte. Weder künstlerisch noch finanziell. Denn sein ursprüngliches Drehbuch war von solch epischen Ausmaß, dass kein Studio bereit war die Produktionskosten zu stemmen – zumal Romero die kreative Freiheit eines Unrated-Cut nicht aufgeben wollte. Vom ursprünglichen Budget blieben noch 3,5 Millionen Dollar übrig, das Drehbuch musste komplett überarbeitet werden – und das Ergebnis ist ein Zombie-Horror, der von Kritiker und Fans anfänglich abgelehnt wurde, aber seine Fangemeide über die Jahre via Video fand. Heutzutage gilt er als Meisterwerk und besonders in Bezug auf das ZombieDesign als wegweisend für das Genre.

5. „American Werewolf“ (1981) So hatte sich David seinen Europa-Trip nicht vorgestellt: Mitten im winterlichen London wacht er mit blutverschmierten Mund nackt im Hyde Park

auf. Er weiß nicht genau, was vorgefallen ist, hat aber eine böse Ahnung. Tief im schottischen Moor wurde sein bester Freund von einem Wolf zerfleischt, er wurde nur leicht verletzt und, von einer schottischen Bürgerwehr mit Silberkugeln bewaffnet, gerettet. Nun in London angekommen, wird er nicht nur von einer hübschen Krankenschwester gepflegt, sondern regelmäßig von seinem (un)toten Freund besucht. Er streift es als Wahnvorstellungen ab. Doch die Tatsache, dass er nach jeder Vollmondnacht nackt im Laub aufwacht, unterstützt zumindest die These, das der Moorbesuch wohl größere Konsequenzen mit sich brachte als gedacht. 1981 schuf John Landis mit „American Werewolf“ eine der brutalsten und bissigsten Horror-Satiren seit Roman Polanski „Tanz der Vampire“ – die perfekte Mischung aus Hommage, Komödie und Horrorfilm, dem wichtigsten Latex-Smackdown der 80er Jahre (wofür Rick Baker auch den Oscar erhielt) und nach „Blues Brothers“, Michael Jacksons „Thriller“ und „Kentucky Fried Movie“ wohl den wichtigsten Streifen seiner Karriere. In den 90ern versuchte man sich an einer Fortsetzung. Anstatt animatronischer Effekte und tonnenweise Latex setzte man nun auf CGI und verlagerte die Geschichte nach Paris. Die Fortsetzung ging baden, das Original bleibt Kult.

4. „Tanz der Teufel“ (1981) 1979 drehte der 19jährige Sam Raimi mit seinen Kumpels Burce Campbell und Scott Spiegel in den Wäldern Virginias den Film „Within the Woods“ – ein 8-MilimeterGrusler bestehend aus wackligen Kameraaufnahmen, schreienden Schulmädchen, sehr viel Laub und Unmengen an Ketchup. Mit 8.000 Dollar Budget, zwei Nachwuchsschauspielerinnen im Gepäck und seinem Bruder als universellen Stunteinsatz sollte aus dem wilden Amateurfilm vier Jahre später der wichtigste Independent-Horror der 80er Jahre werden: „Tanz der Teufel“. In Neuseeland inspirierte dieser Film den jungen Peter Jackson, seinen eigenen kleinen Kult-Horror namens „Bad Taste“ zu realisieren, in den USA avancierte der Streifen besonders auf Filmfestivals sehr schnell zu einem Kult-Phänonem, das zwei Fortsetzungen und ein Musical 53


Review:

nachsichzog. Und in Deutschland, nun, in Deutschland war das Amtsgericht Tiergarten mit freundlicher Unterstützung der BPjM der Überzeugung, den Film beschlagnahmen zu müssen, womit die öffentliche Aufführung, der Vertrieb sowie die Bewerbung in Deutschland unter Strafe fiel. Rechteinhaber VCL bäumte sich dagegen auf – nach einem jahrelangen Rechtsstreit durfte eine um fast 50 Sekunden geschnittene Fassung freigegeben werden – abermals ab 18 und indiziert. Die Beschlagnahmung des wohl wichtigsten Amateurhorrors der Filmgeschichte wurde 2002 bestätigt. Glücklicherweise hören deutsche Gesetze an der Bundesgrenze auf.

3. „Nightmare on Elm Street“ (1984) 1984 erschuf Wes Craven einer der größten und einflußreichsten Ikonen des modernen Horrorfilms: Freddy Krueger, untoter Schlitzer mit vernarbten Gesicht, in den 60er Jahren von in der Elm Street lebenden Eltern in einem Heizungskeller bei lebendigem Leibe verbrannt. Grund: Über Jahre entführte und ermorderte er unschuldige Kinder und ging aufgrund eines Verfahrensfehler straffrei aus. Nun kehrt er zurück – in den Träumen der Kinder und Jugendlichen der Elm Street. Wes Craven kam die Idee eines übernatürlichen Killers, der seine Opfer in ihren Träumen heimsucht, als er beim Mittagessen mehrere Zeitungsartikel las über Menschen, die als kerngesund galten und aus unerklärlichen Gründen während ihrer Schlafes verstarben. Zwischen den einzelnen Todesopfern gab es keinerlei Zusammenhang, ihre Todesursache gilt bis heute als ungeklärt. Craven hatte sich bereits mit „Hügel der blutigen Augen“ und „Mondo Brutale“ als damals recht kompromissloser Independet-HorrorRegisseur etabliert, das Budget für seinen „Nightmare“ wurde schnell freigegeben. Damals konnte noch niemand wissen, was Craven damit lostrat. Insgesamt sechs Fortsetzungen, ein Crossover, eine Comicsowie TV-Seri als auch ein Remake (2010) entstanden in den letzten 25 Jahren, wobei der erste „Nightmare“ mit Abstand noch der düsterste und beste Film der Reihe war.

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2. „Poltergeist“ (1982) Wer hat nun diesen Film gedreht? War es Tobe Hopper oder Steven Spielberg? Noch heute wird diese Frage unter Filmfans heiß diskutiert. Spielberg wollte ursprünglich die Regie übernehmen, konnte dies aber aus rechtlichen Gründen nicht. Also beschränkte er sich auf den Produzentenposten – offiziell zumindest. Tobe Hooper, der bereits das „Kettensägenmassaker“ inszenierte, wurde berufen, Spielbergs Aufgabe zu übernehmen. Doch wie es sich im Nachhinein herausstellte, schien Speilbergs kreatives Engagement weitaus größer gewesen zu sein. So inszenierte er komplette Szenen, sprach sich mit den Schauspielern ab, wachte über die gesamten SFX. Spielberg ging sogar so weit, seinen Namen über den Filmtitel zu setzen („Steven Spielberg presents...“) – sehr zum Ärgernis der Gewerkschaft Director’s Guild of America, weswegen er schnell zurückrudern musste. Wer auch immer für den Film verantwortlich ist – er hat ganze Arbeit geleistet. Mit „Poltergeist“ zieht der altmodische Spukhaus-Grusel in das moderne Suburbia Amerikas – der Fernseher wird zum übernatürlichen Kommunikationsmittel und der Wandschrank zum Eingang ins Jenseits. Zwei Fortsetzungen sowie ein geplantes Remake, zog der Streifen nach sich – die Sequals konnten allerdings den Suspense des Originals nicht halten.

Fangemeinde. Heute gilt der Film als Klassiker des modernen SciFi-Horrors. Ein Meilenstein – besonders der SFX-Kunst und unter Filmfans unangefochten das beste Werk Carpenters. Klar, „Christine“, „Halloween“, „Die Klapperschlange“ - alles Meisterwerke. Aber wie in kaum einem seiner anderen Filme schafft es Carpenter, die Apokalypse im Kleinen so eindringlich darzustellen. Man weiß, was passieren wird, wenn das Forscherteam versagt. Man weiß, dass sie auf kleinsten Raum fernab jeglicher Zivilisation einen Kampf um die gesamte Menschheit auszutragen haben. Man weiß aber nicht, wer in diesem Kreise der Verteidiger überhaupt einer ist. Gerade dieses Unbekannte ist es, was den Film in Sachen Suspense in die Champions League befördert. Dieses Unbekannte spiegelt Carpenter brilliant in der Optik des Films wider. Langsame Schnitte und eine ruhige Kameraführung, die die gähnende Langeweile, aber auch die völlige Isolation des Forscherteams wiederspiegeln, bestimmen den Film. Unterstützt wird dies von einem minimalistischen Soundtrack, der zwar nicht, wie üblich, von Carpenter selber stammt (sondern von Altmeister Ennio Moriccone, auch wenn Carpenter nacharbeitete), aber in bester Tradiotion zu ihm steht. „Das Ding“ ist heute, fast 30 Jahre nach seiner Entstehung einer der wichtigsten Horrorfilme aller Zeiten. Carpenters Opus Magnum.

Mit Baseballcap und Sidekicks gegen atomare Make-Up-Monster

Endzeit as usual: Die Welt wie wir sie kennen ist untergegangen. Die Zivilisationen der Erde existieren nicht mehr, die Gesellschaft ist degeneriert, die einst so prächtigen Großstädte haben sich in verlassene Industrieanlagen verwandelt, die Menschen rennen in Lumpen umher, Gangs regieren die Straßen, Mutanten poltern übern Bordstein – und nur einer kann das ganze Elend stoppen. Sein Name: Karate Cop. Seine Waffe: Sein Bein. Sein Ziel: Gerechtigkeit. Ein harter Einzelkämpfer (Marke: Potenzdealer), der so ziemlich alle Martial-Arts-Tricks drauf hat, die man in „Karate Tiger 1 - 9“

1. „Das Ding“ (1982)

bestaunen durfte – hier aber kompri-

Antarktis-Außenposten 31 hat ein Problem. Nicht nur, dass draußen der schlimmste Schneesturm seit Jahren tobt, drinnen macht sich ein extraterrestrischer Virus breit, der die Gene seines jeweiligen Wirtskörpers transformiert. Doch bis es soweit ist, weiß niemand, wer von dem Virus betroffen ist. Das Forscherteam um Kurt Russell weiß nur eins: Wenn das Virus es schafft, vom antarktischen Kontinent zu fliehen, ist die Menschheit dem Ende geweiht. John Carpenters Verfilmung der Novelle „Who goes there?“ wurde bei seiner Veröffentlichung von den Genrefans als auch Kritikern nur müde belächelt. Gegen den netten Außerirdischen E.T. hatte das böse Ding keine Chance und ging gnadenlos unter. Erst durch zahlreiche TV-Ausstrahlungen und dem boomenden Videomarkt fand er seine

miert auf weniger als 80 Minuten.

Als einsamer Held wird man immer in Konflikte hineingezogen, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun haben will. War bereits im Wilden Westen so, warum sollte es in den ausgedienten Werkshallen General Motors in der Endzeit anders sein...? Und so kann der Karate-Cop nicht einfach wegsehen, wenn eine Horde Fieslinge einer holden Maid an den Unterrock wollen. Wie sich schnell herausstellt, ist sie aber keine einfache Dame – sondern trägt eine Brille. Anzeichen für Intelligenz in der einfachen und maskulinen Welt des Trashfilms. Somit ist sie hier eine hyperintelligente Wissenschaftlerin und wer Frauen kennt, der weiß, das wenn man eines ihrer Probleme gelöst hat, bereits ein ganzer Rattenschwanz weiterer an der Backe klebt. Und so wird der Karate-Cop darum gebeten, einen mysteriösen Kristall (is’ Plastik) aus den Fängen des fiesen Mutanten-Bandenchefs Lincoln zurückzuholen. Dieser wird benötigt, um eine Horde Kinder, genannt die Freebies, aus dem Endzeit-Ghetto heraus zu teleportieren (Tür, anyone?). Natürlich geht dies einher mit minutenlangen Raufereien, in denen den Mutanten die Latexteile aus dem Gesicht fliegen könnten – wenn sie welche hätten (Mutanten sind hier blaugeschminkt mit Lumpen umme Omme gewickelt). Keine Frage, als Einzelkämpfer kommt der Karate-Cop hier mehrmals mächtig in die Bredouille. Da muss ein Sidekick her. Und was wäre ein echter 90er-Jahre-Directto-Video-Endzeit-Trasher ohne David Carradine (Gott hab’ ihn selig)? Richtig: nicht viel wert. Also darf er auch noch einmal kurz in die Kamera lächeln. Seine Existenzberechtigung: Als Retter in der Not muss er den Helden supporten, damit dieser sein Snatch- LoveInterest (die Dame mit Brille) aus den Fängen Lincolns retten kann (wurde inzwischen entführt, irgendwie muss der Plot ja auf eine abendfüllende Länge gestreckt werden). „Karate Cop“ ist eines dieser merkwürdigen Filmexemplare, wie sie nur Anfang der 90er produziert – und vor allem – in Deutschland vermarktet werden konnten. Denn mit viel Trara schmissen hiesige Videofirmen den Kram auf den boomenden Videomarkt – in der Hoffnung, dass 14-Jährige (oder Erwachsene mit den Verstand von 14-Jährigen) diesen zwischen

SLEAZE Dezember / Januar 2010

SLEAZE Dezember / Januar 2010

den Martial-Arts-Krachern der Wendezeit ausfindig machten. Und glaubt mir, zum damaligen Zeitpunkt bestand das Actionregal gut sortierter Videotheken hauptsächlich aus schnittigen B-Actionern, die mit muskulösen No-Names auf den Covern versuchten, den Kunden zum Auseihen zu überreden. In der Regel hat’s geklappt. So wundert es auch nicht, das „Karate Cop“ kein eigenständiger Film ist, sondern genaugenommen eine Fortsetzung darstellt. Vorgänger war „Omega Cop“ – ebenfalls Endzeit, ebenfalls Gekloppe, ebenfalls Mutanten. Natürlich muss man den ersten Teil der Duologie nicht gesehen haben, um die raffinierte Storyline des zweiten Teils zu verstehen. Wer glaubt, dass „Karate Cop“ der Höhepunkt in Ronald L. Marchinis (Hauptdarsteller, Drehbuchautor, Produzent, Kaffetante) Karriere war, der irrt sich. Seine Filmographie umfasst noch weitere heitere Klopper-Streifen. Als da wären „Karate Raider“, „Karate Commando“, „Jungle Wolf“, „Ninja Warriors“ oder auch „Death Machines“. Aber keiner seiner Filme sorgt für soviel Heiterkeit vor dem Bildschirm wie „Karate Cop“. Ein Pflichtfilm? Nein. Ein Amusement für regnerische Sonntagnachmittage? Auf jeden Fall.

Auch bekannt als: Dragon Cop France (video title) / USA (working title)

Karate Cop France (DVD title) / Greece (video title)

Omega Cop II USA (working title)

Omega Cop II: The Challenge USA (working title)

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Überblick für Dezember 2009 bis Januar 2010

KINO

Das Kabinett des Dr. Parnassus

Zombieland

Kinostart: 07.01.2010

Kinostart: 10.12.2009

Das wahrhaft letzte Stückchen Zelluloid, auf dem Heath Ledger zu sehen sein wird. Dieser Makel wird diesem Film von Terry Gilliam immer anhängen. Ledger starb noch während der Dreharbeiten, Gilliam schrieb das Drehbuch um und prominente Freunde, wie Colin Farrell, Johnny Depp und Jude Law halfen dem Regisseur aus. Alle Vier spielen den mysteriösen Helfer Tony. Der Plot: Dr. Parnassus bezaubert mit seinem Wandertheater das Publikum, hat selbst aber ein dunkles Geheimnis. Er verkaufte seine vom Teufel Mr. Nick (Tom Waits) gewonnene Unsterblichkeit für ein Leben ewiger Jugend. Der Preis hierfür ist das Leben von Dr. Parnassus´ erstem Kind, sobald es das 16. Lebensjahr erreicht. Tony will nun das Leben des Mädchens retten.

Zombies sind die neuen Vampire!

Fulminantes Fantasie-Kino, opulente Traumwelten, die an Gilliams alte Werke der MontyPython-Reihe erinnern, ebenso der Humor, der wichtiger Bestandteil des Werkes ist. Darüber hinaus machen die schauspielerischen Leistungen der vier genannten Musketiere den Film zum Hingucker.

Ein Road-Movie mit einem harten Woody Harrelson und dem jungen Jesse Eisenberg in den Hauptrollen. Die Vereinigten Staaten sind einer Zombie-Apokalypse anheim gefallen und es gibt nur noch wenige Überlebende. Die beiden Genannten treffen sich und ziehen gemeinsam weiter. Man trifft zwei Schwestern, die sich ebenfalls allein durchschlagen. Gemeinsam geht es nach Kalifornien, dort gibt es einen lustigen Auftritt von Bill Murray, der sich ungehindert zwischen den Zombies bewegt, weil er sich so hübsch zurechtgemacht hat. Was weiter passier,t wird nicht gesagt. Nur so viel: Es gibt einen Showdown in einem Freizeitpark unter Einbeziehung sämtlicher Fahrgeschäfte. Und eine Menge Blut und irrsinnig witzige Szenen beim Abschlachten der Untoten. Sehenswert.

Fame – der Film

Adam

Kinostart: 24.12.2009

Kinostart: 10.12.2009

Den Lebensälteren unter euch wird der Titel etwas sagen. 1980 kam der Film das erste Mal heraus. Eine Schule in New York sucht junge Leute, die Schauspiel, Musik und Tanz erlernen. In den folgenden vier Jahren werden Freud und Leid, Erfolg und Niederlagen, Liebe und Missgunst schön verteilt. Die beste Szene ist, wo aus dem Taxi eines Vaters von einem der Schüler dessen selbst komponierte Musik ertönt und alle auf die Straße laufen und tanzen. Ich glaube, da waren knappe Oberteile und eine Menge Wasser im Spiel.

New York 2005. Adam ist nach dem Tod seines Vaters auf sich allein gestellt und leidet unter dem Asperger-Syndrom, welches sich bei ihm in ungeschicktem Sozialverhalten und leichten Verhaltensstörungen äußert. Seine Inselbegabung liegt in der Astronomie. Er liebt die Sterne. Die junge Lehrerin und Kinderbuchautorin Beth zieht in ein Apartment im selben Haus. Sie lernt Adam kennen und verliebt sich den merkwürdigen Nachbarn. Man kommt sich näher, verschiedene Situationen entbehren dabei nicht der unfreiwilligen Komik, die aufgrund seiner Störung und der gemeinsamen Unsicherheit entstehen. Sie lässt ihn die Romantik entdecken.

Nun kommt das Remake in die Lichtspielhäuser. Alles auf Anfang. Die jungen Menschen kämpfen mit den gleichen Dämonen, nur wird die Musik etwas aktueller sein. Man verspricht sich einen tollen Tanzfilm mit noch tollerem Soundtrack.

Happy End.

Wen es dennoch interessiert, auf www.fame-derfilm.de bekommt man detaillierte Angaben zu den Hauptfiguren, Trailer und den restlichen Kram zu Gesicht. Viel Spaß damit.

New York, I Love You

Surrogates – mein zweites Ich

Kinostart: 28.01.2010

Kinostart: 21.01.2010

Eine Kurzfilmkompilation, welche sich an Paris, Je t´aime orientiert. In beiden haben sich Filmemacher zusammen gefunden, um den Metropolen des Kinos zu huldigen.

Eine weitere düstere Zukunftsprophezeiung des Machers von Terminator 3, Jonathan Mostow. Die Menschen leben nicht mehr ihr eigenes Leben, sie lassen sich einen Roboter bauen, der ihnen absolut identisch ist. Dieser lebt ihr Leben, während sie daheim in Sicherheit mit ihrem Ebenbild über ein Interface verbunden sind. Sie sehen, was sie sehen, und so weiter.

Hier werden elf Kurzfilme gezeigt, welche sich um die zwischenmenschlichen Beziehungen drehen. New York ist weniger Protagonist denn mehr ständiger Schauplatz. Aber dass alle Szenen in New York gedreht wurden, darunter auch Central Park, Soho, Greenwich Village, ist Huldigung genug.

Nachdem einer der Erfinder dieses Systems ermordet wird, muss sich FBI-Agent Greer (natürlich: Bruce Willis) nach Jahren von seinem Surrogat trennen und in fleischlicher Gegenwart seines Körpers die Ermittlungen aufnehmen. Action, Action, miese Zukunftsängste.

Für die New Yorker Kurzfilmreihe haben sich nicht nur unbekannte Regisseure und Akteure ins Zeug gelegt, Fatih Akin, Orlando Bloom, Christina Ricci und Nathalie Portman sind klanghafte Namen, die dieser besonderen Romanze weiteren Auftrieb geben.

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Schenk deiner Oma ein Lächeln!

Überblick für Dezember 2009 bis Januar 2010

DVD

Jackass – The Lost DVD-Veröffentlichung am 03.12.2009

Bald ist Weihnachten. Das weiß man, wenn man in den Kalender schaut. Man erkennt es auch daran, was es für grandiose Neuigkeiten im Home-Entertainment-Bereich gibt: keine! Also schweißen wir z. B. alte Sachen neu ein, pressen all die grenzdebilen aber ungeheuer lustigen Gags, die kein TV-Sender ausstrahlen wollte, auf eine DVD, packen die beliebten „Hi, I‘m Johnny Knoxville...“-Anfangssequenzen und die Abspänner mit drauf – und fertig. Auf einen Abend mit schmerzverzerrtem Gesicht und angewidert wegsehenden Freundinnen.

Delictum – Im Namen des Herrn DVD-Veröffentlichung am 03.12.2009

Eine Familie mit ihrem neugeborenen Jungen zieht in ein altes Landhaus, außerhalb von Madrid. Zehn Jahre zuvor ist die gemeinsame Tochter durch einen Unfall ums Leben gekommen. Die Mutter hat nun Angst um ihr Neugeborenes und nimmt von Tag zu Tag immer mehr seltsame Dinge im Haus wahr. Sie will herausfinden, was es mit den Gestalten und Geräuschen, die sie neben der Erscheinung ihrer längst verstorbenen Tochter noch hört und sieht, auf sich hat. Sie bekommt Hilfe von zwei Leuten: Branka, einer Frau, die nach 60 Jahren aus dem Koma erwacht ist und aus einem christlichen Sanatorium geworfen wurde. Und von einem hohen Geistlichen namens Miguel, der sich um den Beweis oder das Widerlegen von Marienerscheinungen und ähnlichen Wundern im Namen der Kirche kümmert. Miguel hat ein dunkles Geheimnis, welches sich im Laufe des Films immer mehr offenbart und er am Ende den einzigen Weg wählt, den das Schicksal für ihn vorgesehen hat. Im Haus selbst wurden vor 50 Jahren Experimente mit Menschen durchgeführt, die Wunder und Erscheinungen sehen konnten, nur dass es sich hier um schlechte Wunder handelte. Pilger, die um Heilung von Krankheiten baten, erlitten neue Qualen. Schlussendlich versuchte man, mittels Mantel des Stillschweigens und der angedrohten Exkommunikation die Fehler des Heiligen Stuhls auszumerzen.

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Ein Film, der nicht mit Seitenhieben auf die katholische Kirche spart und auch Francisco Francos Terrorregime thematisiert. Der Originaltitel NO-DO (übersetzt: Abk. für Nachrichten und Dokumentationen) weist auf die damals übliche und propagandistische Nachrichtenerstattung im Sinne der „Wochenschau“ hin.

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This is Spinal Tap DVD Veröffentlichung am 04.12.2009

Zum 25. Jubiläum des satirischen Musikfilm von Rob Reiner hat man das Achiv ausgefegt und dem eigentlich nur 80 Minuten andauernden Film über vier Stunden Boni, Outtakes und andere Dinge angehängt, die dem Fan der ersten Stunde gefallen könnten.

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Zur Erinnerung: Spinal Tap wurde als Band 1978 von ein paar Komikern für eine Fernsehshow des ABC gegründet, anschließend tat man sich mit Reiner zusammen und bastelte an einem Film, der die Klischees einer Rockband und deren Fans ordentlich auf die Schippe nimmt. Der Film wurde erst nach Erscheinen auf Video zum Kult.

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(*exkl. Versand & Bearbeitung – gültig bis 31.01.2009) SLEAZE Dezember / Januar 2010

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Tocotronic

„Ich möchte nicht ständig wissen, was die Leute über mich denken.“

Am 22. Januar erscheint das

Ihr seid bei einem Major-Label unter Vertrag. Bekommt bei Veröffentlichung einer neuen Platte die geballte mediale Aufmerksamkeit. Woran macht ihr persönlich euren Erfolg fest? Grundsätzlich denken wir nicht so stark in Kategorien wie Erfolg oder so. Wir sind immer froh, wenn wir es geschafft haben, ein neues Album zu machen. Das macht uns immer sehr glücklich. Das ist vielleicht auch der größte Erfolg. Man versucht sich selbst und das was man macht, halbwegs spannend zu halten. Nicht in Routine verfallen, die überall lauert. Speziell im Genre Rockmusik, das viele als Routine betreiben. Ich würde uns als recht glücklich bezeichnen. Natürlich gibt es verschiedene Ausprägungen von Glück, das einem widerfährt. Wenn Menschen zu unseren Konzerten kommen und man das Gefühl hat, nicht ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattzufinden. Pauschal ist die Frage aber schwer zu beantworten.

neue Tocotronic-Album „Schall & Rauch“. Ein guter Anlass, um mit Tocotronic-Frontmann Dirk von Lowtzow über die Definition des eigenen Erfolges, die neurotisierende Macht digitaler Selbstreflexion und seine gefühlte Anonymität im Berliner U-Bahnverkehr zu sprechen. Noch knapp zwei Monate bis zum Erscheinungstermin eurer

Ihr hadert jedenfalls nicht mit eurem Schicksal? Nein, aber Erfolg ist ja auch immer relativ. Ich meine, es gibt Bands in Deutschland, und das muss auch mal gesagt werden, die sind zehn bis zwanzigmal erfolgreicher als wir. Wir sind aber in der ganz glücklichen Situation, das wir alles so machen können wie wir das wollen. Und zwar genau so! Wir müssen keine Kompromisse eingehen. Diese Freiheit haben wir seit relativ langer Zeit. Wir können zwar keine Reichtümer anhäufen, aber ganz gut davon leben. Aber es ist ja nicht so, dass wir in Deutschland einer der Acts sind, die mit Preisen, Geld und goldenen Schallplatten überschüttet werden.

neuen Platte „Schall & Wahn“. Gestern sprang die Promomaschine an. Der InterviewMarathon hat begonnen.

In welcher Phase befinden wir uns heute? Dirk von Lowtzow: Wir befinden uns gerade mittendrin, sind aber noch recht guter Dinge. Ihr seid noch nicht völlig entnervt wegen der immer gleichen Fragen und Antworten? Nein. Es kommt natürlich immer auch auf das Gegenüber an. Man ist oft auch überrascht und es kommt tatsächlich etwas Gutes dabei raus. Aber grundsätzlich ist Promotion eines der Gebiete unserer Arbeit, die wir nicht so wahnsinnig gerne beackern.

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Foto: Sabina Reitmeier

Weil es weniger um die Musik als vielmehr um euch als Person geht? Weil einfach vieles was man sagen kann, völlig wertlos ist. Am Ende ist man fast schon ein wenig angeekelt von seinen Ausführungen, weil man Sachen oft nur schlechter machen kann als sie tatsächlich sind. Man denkt ja oft, dass das, was man musikalisch gemacht oder mit der Band gemacht hat – das hat, ich sag das wertungsfrei, so wie wir es gemacht haben, seine bestmögliche Form gefunden. Alles darüber hinaus an Erklärungen oder Erläuterungen macht es eigentlich nur langweiliger. Das ist das Dilemma, in dem man sich befindet. Aber das geht jetzt fast in Richtung Jammerei und jammernde Musiker sind das Schlimmste.

Woran liegt dieses Missverhältnis zwischen gefühlter und tatsächlicher Popularität eurer Band? Es ist kein Geheimnis. Das Radio ist ein Medium, in dem wir nicht bis zum Exzess rauf- und runtergenudelt werden. Das liegt sicherlich einerseits an der Art, unsere Musik zu komponieren und letztendlich auch an der Art, wie wir produzieren. Und andererseits natürlich an der extrem biederen Mentalität deutscher Radiosender. War das zu Beginn eurer Karriere auch schon der Fall? Damals nicht und heute auch nicht. Ich glaube, die Sachen die wir gemacht haben, die waren immer eher eigentümlich in ihrer Art. Ich sage das aber bewusst wertungsfrei, denn ich weiß ja nicht, ob das eine Qualität der Sachen ist. Es ist offensichtlich, um eine ganz breite Masse anzusprechen, dafür besitzen unsere Stücke nicht genug.....(überlegt).....Ja.

SLEAZE Dezember / Januar 2010

Was ihr besitzt, sind treue Fans, die jeden Fitzel von euch begierig aufsaugen. Gönnst du dir manchmal einen Blick auf die diversen Tocotronic-Fanseiten und -Foren? Nein, ich lese das nicht. Man darf das nicht lesen. Ich glaube, alle in der Band lesen grundsätzlich keine Interneteinträge über uns. Zumindest versuchen wir das zu vermeiden, weil es eine der neurotisierendsten Sachen ist, die es gibt. Weil man irgendwann anfängt, mit seinem Spiegelbild zu flirten? Weil auch Leute wie wir, die grundsätzlich vom Alter her nicht mit dem Internet sozialisiert worden sind, dem zu viel Bedeutung beimessen. Das kann einen mitunter Tage lang verfolgen, was irgendein Typ – und im Internet blüht ja geradezu die unqualifizierte Meinung, jeder kann alles schreiben – über uns denkt. Für uns, die wir nicht damit aufgewachsen sind, ist es sehr schwer, einen Umgang damit zu erlernen, dass man es eben nicht wie ein gedrucktes Wort auffasst. Deshalb müssen Leute wie wir, die sowieso immer auf etwas dünnem Eis gehen, so etwas meiden. Wie der Teufel das Weihwasser. Die spontane Form des Internet entspricht nicht eurer Form der Kommunikation? Nein. Man möchte doch auch nicht immer wissen, was die Leute von einem denken. Das Schlimme ist doch, dass jeder permanent im Spiegel von allen anderen ist. Das produziert doch auch so einen gewissen Geständnis- und Ehrlichkeitszwang. Ich möchte das alles gar nicht wissen. Abgesehen von den geistigen Ergüssen einiger mitteilungsfreudiger Mitmenschen, wie verhält es sich mit deinem Alltag? Als Tocotronic-Frontmann gehst du doch sicherlich nicht unerkannt durch die Stadt? Das passiert mir eigentlich sehr, sehr selten. Wir sind in der glücklichen Situation, respektiert zu werden. Ich finde es ganz toll, dass wir so viele Leute haben, die uns folgen und das toll finden, was wir machen. Und gleichzeitig genießen wir die größtmögliche Anonymität. Es passiert vielleicht einmal im Jahr, dass mich jemand anspricht. Ich glaube gerade von Journalisten wird die Popularität von Musikern gerne überschätzt. Es ist natürlich für jemanden wie Peter Fox mittlerweile fast unmöglich, in Berlin noch U-Bahn zu fahren, aber bei uns ist es, und das kann ich dir versichern, noch sehr gut möglich. Dirk, danke dir für das Gespräch.

Tocotronic wurde 1993 von den Studenten Dirk von Lowtzow (Gesang, Gitarre), Jan Müller (Bass) und Arne Zank (Schlagzeug) in Hamburg gegründet. Ihre erste selbstvertriebene Single „Meine Freundin und ihr Freund“ erschien 1994. Das Debüt-Album „Digital ist besser“ mit Stücken wie „Drüben auf dem Hügel“, „Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk“ und „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“ machte die junge Band über die Hamburger Stadtgrenzen hinaus bekannt. Fortan galten sie als Teil der Hamburger Schule um Bands wie Blumfeld und Die Sterne. Seit 2004 ist der Amerikaner Rick McPhail (Gitarre) festes Bandmitglied. Mit dem kommenden Album „Schall & Rauch“ beenden Tocotronic ihre Berlin-Trilogie, die zusammen mit dem Berliner Produzenten Moses Schneider entstanden ist. Das Record-Release-Konzert zur Platte findet am 22.01. im Hamburger Übel & Gefährlich statt. Eine Tour ist für März und April 2010 ebenfalls geplant. Diskografie: 1995: Digital ist besser 1995: Nach der verlorenen Zeit 1996: Wir kommen um uns zu beschweren 1997: Es ist egal, aber 1999: K.O.O.K. 1999: K.O.O.K. - englische Fassung 2002: Tocotronic 2005: Pure Vernunft darf niemals siegen 2007: Kapitulation 2010: Schall und Wahn (VÖ: 22.01. / siehe Rezensionen)

Tim

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Hörspiel Spezial

Qualität setzt sich durch! Wer hat sich nicht als Kind mit TKKG, den drei ???, den Funk-Füchsen oder der Pizza-Bande die Freizeit vertrieben? Kassette in den Rekorder und weg waren wir. In fernen Welten, die sich den Erwachsenen nur selten erschließen. Schade eigentlich. Volker Sassenberg will das ändern. Er ist Hörspielmacher. Als Regisseur und Produzent verantwortlich für die Serien Point Whitmark und Gabriel Burns, setzt er auf Erwachsene als Zielgruppe. Seine Geschichten sind tiefgründig, fahren mehrspurig und bewegen sich fern der heilen EUROPA-Welt. SLEAZE sprach mit ihm über TKKG, Fernsehserien-Fehlbesetzungen, ignorante Verlagsangestellte und die Chance, mit Hörspielen reich zu werden.

Hallo Volker, wir wollen uns mit dir natürlich über Hörspiele unterhalten. Als Erfinder der Serien Point Whitmark und Gabriel Burns dürften wir damit ja den passenden Gesprächspartner gefunden haben. Volker Sassenberg: (lacht) Auf alle Fälle. Ich bin euer Mann. Aber zuerst würde ich gerne wissen, was du für Hörspiele hörst. Sag jetzt nichts Falsches. (lacht) Oh, jetzt muss ich punkten. H.G. Francis wäre einer, mit dem ich Eindruck schinden könnte. Der Meister des Hörspielhorrors, der anfangs als Autor von Perry-Rhodan-Romanen fungierte, bevor er Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger mit Commander Perkins und der legendären 18teiligen Gruselserie („Draculas Insel, Kerker des Grauens“; Die Nacht der Todesratte“) in Erscheinung trat, gilt als der deutsche Hörspielautor schlechthin. Er schrieb die ersten Folgen der Jan-Tenner-Serie, verlieh den drei ??? ihre Allwissenheit, den Fünf Freunden die naive Kindlichkeit, He-Man seine Macht von Grayskull und nicht zuletzt TKKG ihren altklugen Pennälercharme. Mit H.G. Francis kann ich also nicht falsch machen. Als Kind habe ich TKKG gehört inklusive Clubmitgliedschaft. Ich war Vorsitzender. Das Clubheim war in der Abstellkammer neben dem Kinderzimmer eines Freundes. Wir flogen auf, als wir ein Loch in die Wand schlugen um zu beobachten, ob die Mutter heimlich in dessen Sachen wühlt. Die drei ??? waren in meinen Augen Klugscheißer. Heute ertrage ich TKKG allerdings auch nicht mehr. Biederer geht‘s nicht mehr. Die WDR-Krimis sind ganz spannend. Leider schlafe ich aber immer ein, bevor der Täter entlarvt wird. Ärgerlich. Die WDR-Hörspiele sind natürlich zusammen mit uns Weltelite. (lacht) Hört, hört, ein selbstbewusster Regisseur. Eigenlob schadet nicht, oder? Okay, streichen. Aber besser als bei denen geht es ja fast gar nicht mehr. Bei uns kann man wenigstens sagen, dass wir sehr akribisch sind. Ob man das Ergebnis dann mag oder nicht. Man kann aber nicht sagen, dass das scheiße ist, was wir machen. Ist es nämlich nicht. (lacht) Und TKKG! Ich kann dich beruhigen. Du warst jung. Es sei dir verziehen. Die waren aber auch schon mal besser. Allerdings weiß ich nicht mehr ganz genau, wann das war. (lacht) In den Achtzigern wurde TKKG als TV-Serie verfilmt. Fabian Harloff als Tarzan. Da begann für mich der emotionale Abstieg. Ein Blick auf ein TKKG-Cover hätte genügt. Tarzan ist braungebrannt. Dunkelhaarig, schlank und smart. Harloff war klein, blond und pummelig. Wie kann man so daneben liegen? Das frage ich mich auch manchmal. Ob diese Entscheidungen überhaupt von Menschen getroffen werden oder einfach nur von völlig grenzdebilen Schwachmaten.

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Dabei würde man vermuten, dass Marketing-Aspekte in den naiven Achtziger Jahren noch überhaupt keine so große Rolle gespielt haben wie heute. Zumindest nicht in Bezug auf Hörspielverfilmungen für das ZDF. Gerade zu der Zeit war das doch besonders schlimm. Da saßen Leute, die definitiv die Produkte gar nicht kannten. Heute wird man viel eher auf alle möglichen Sachen gestoßen. Damals war das ja noch nicht so. Da grenzte es doch an richtigen Aufwand, um sich Informationen zu verschaffen. Heute googelt man und fertig ist. Auch der Austausch mit den Fans, deren Anliegen und Wünsche sind heute über Foren wesentlich schneller zu erfassen als damals. Wahrscheinlich war Papa Harloff mit einem der Produzenten bekannt und so kam der Sohn ins Spiel. Ob das dann passt, war den grauen Herren vom ZDF dann ziemlich egal. Das sind doch Ignoranten. Die glauben die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Ich muss heute auch manchmal Gespräche mit Verlagen führen, da kann man sich echt nur noch an den Kopf hauen. Herr Sassenberg, ein Beispiel bitte. Sehr gerne. Ich war vor ein paar Jahren bei einem großen Verlag in Stuttgart wegen der Buchrechte für Point Whitmark. Da war eine unglaublich tolle und schlaue Chefredakteurin, die sagte zu mir: Wir wissen ja, dass Jungen nicht lesen und deshalb spielen jetzt auch noch drei Mädchen mit und den Schriftzug oben machen wir so ein bisschen mit Glitzer. Da ist mir wirklich der Verstand stehen geblieben. Fühlt du dich beleidigt, wenn der eigenen Arbeit soviel Ignoranz entgegenschlägt? Das lassen wir mal so stehen. In deinen Serien Point Whitmark und Gabriel Burns bekommt es der Hörer mit komplexen Geschichten zu tun. Die Musik wird live von einem Orchester eingespielt. Aufwändige Effekte und nur professionelle Sprecher kommen bei euch ans Mikrofon. Ein Aufwand, der den Verdacht nahelegt, das die Produktion von Hörspielen ein lohnenswertes Geschäft zu sein scheint. Ist dem so? Anderes Thema (lacht). Wir haben heutzutage die bizarre Situation, dass es inzwischen Hörspielproduktionen gibt, die vom Aufwand her vergleichbar sind mit der einer professionellen Musikproduktion. Wenn man sich dann aber die Preisgestaltung anschaut, tut das schon weh. (stöhnt) Das tut richtig weh. SLEAZE Dezember / Januar 2010

Ein heikles Thema, denn wie der geschulte SLEAZE-Leser weiß, gibt es etliche illegale Möglichkeiten im Netz, der Arbeit von Volker Sassenberg und seiner Kollegen habhaft zu werden. Ein Umstand, der sich zuallererst bei den unabhängigen Produzenten niederschlägt, die zumeist mit eigenen finanziellen Risiken in eine Produktion gehen und nicht in der Stückzahl veröffentlichen können, wie das große Hörspielriesen wie Europa tun. Alternative Angebote wie Hörspieldownloads in den einschlägigen Shops sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Endeffekt heißt es immer: weniger Einnahmen, weniger Qualität. Aber vielleicht sind es ja gar nicht die potentiellen Käufer, die sich im Netz for free bedienen. War man als Kind nicht erst zufrieden, wenn man die zuvor geliehene und auf Kassette überspielte Folge als Original in seiner Schrankwand stehen hatte? Das wirft die Frage auf: Gibt es einen typischen Hörspielhörer und was macht den für dich aus? Ich glaube, man muss zu allererst einfach völlig angekotzt sein von den ganzen Werbeunterbrechungen im Fernsehen und den zunehmend schlechter werdenden Spielfilmen, die uns rund um die Uhr präsentiert werden. Das sind schon mal die besten Voraussetzungen, um sich einem guten Hörspiel zuzuwenden. (lacht) Das ist alles? Man muss natürlich auch Spaß daran haben, sich in andere Welten entführen zu lassen. Seiner eigenen Phantasie, die bei Hörspielen viel mehr angeregt wird als beim Film, freien Lauf zu lassen. Beherrschte Menschen werden es da bestimmt schwieriger haben, einfach loszulassen. Aber gerade die sollten das unbedingt mal versuchen. Das kann einigen Leuten auf jeden Fall nicht schaden. (lacht)

In der Hörspielserie Point Whitmark geht es um die drei Jungen Tom Cole, Derek Ashby und Jay Lawrence, die in ihren Heimatstadt New Hampshire den Radiosender „Point Whitmark“ betreiben und immer wieder in mysteriöse Abenteuer verwickelt werden. Anders als bei den drei ??? baut Point Whitmark auf mehrere Handlungsstränge auf. Seit der ersten Folge ist die Serie fester Anwärter auf den jährlichen Hörspiel-Award als Bestes Hörspiel.

Gabriel Burns ist eine Hörspielserie speziell für Erwachsene. Wie bei Point Whitmark ist auch hier Volker Sassenberg verantwortlich für Regie und Produktion. Hauptperson ist der Taxifahrer Steven Burns, der eines Tages von einem geheimnisvollen Fremden dazu gebracht, wird sich als Detektiv eines mysteriösen Falles anzunehmen. Der Anfang einer langen Odyssee, denn alle Burns-Folgen sind Teil einer fortlaufenden Geschichte. Wegen der düsteren Atmosphäre ist das Hörspiel für Kinder kaum geeignet. Einen besonderen Reiz bieten zahlreiche Gastauftritte diverser Stars: Smudo, Bela B oder Flo von den Sportfreunden Stiller gaben sich bereits die Ehre. Aktuell ist Folge 33 „Schmerz“ bei Folgenreich/ Universal erschienen.

Volker, wir danken dir für das Gespräch. Tim

Weitere Hörspiel-Tipps: +++ Mark Brandis – Abenteuer in der Welt von Morgen +++ Richard Diamond – Privatdetektiv +++ Larry Brent +++ Geisterjäger John Sinclair +++ Cain +++ Geisterjäger Jac Longdong +++ G-Man Jerry Cotton +++ Gänsehaut +++ die PSI Akten +++ Dan Shocker +++ Gruselkabinett +++ Dorian Hunter – Dämonekiller +++ Flüche Geister und Dämonen +++ Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen oder Die Denkmaschine +++ Der letzte Detektiv +++ Don Harris – Psycho Cop +++ Jack Slaughter – Tochter des Lichts+++

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m u s i k

m u s i k

Soul-Pop

Hip Hop

Electronica

Rockpop

Electronica

Songwriter Poprock

Hip Hop

Hip Funk Soul Beat

Beverly Knight

Curse Ov Dialect

Danton Eeprom

Elliot Minor

Hot Chip

Jenny Owens Young

Le Peuple de L’Herbe

100%

Crisis Tales

Yes is More

Solaris

One Life Stand

Transmitter Failure

Kinderzimmer Productions

Over & Out (Live)

Tilt

(VÖ: 04.12. / Warner Music)

(VÖ: 04.12. / Staubgold)

(VÖ: Jan. 2010 / Infiné Music)

(VÖ: 27.11. / Repression Records)

(VÖ: 08.02. / EMI)

(VÖ: 27.11. / Nettwerk)

(VÖ: 04.12. / Kinderzimmer

(VÖ:29.01. / Discograph)

Productions / Rough Trade)

Weihnachten nähert sich mit großen Schritten, wir werden generös und dann findet auch so eine Platte einen Platz in SLEAZE. Englands Soul Diva Beverly Knight betritt unsere Rezensionsbühne. Ihr Label verspricht 100% Soul, 100% Talent und 100% Hingabe an die Musik. Das ist eine Ansage. Doch ob die 100% reichen werden in unserer Leistungsgesellschaft, die es ungern unter 1000% macht? Wir werden hören. Dass sich die 36jährige Britin stimmlich absetzt von all den Casting-Sternchen, verwundert beim ersten Hinhören nicht. Die Dame hat ihr Mundwerk gelernt. Support-Shows für Prince sprechen für sie. Kooperationen mit Chaka Khan, dem Bee Gee Robin Gibb und Robin Williams‘ Songschreiber Guy Chambers unterstreichen ihre Qualitäten und wecken Begehrlichkeiten. Was lässt sich über das Album sagen? Man bekommt, was man erwartet. Dreizehn solide Soulpop-Songs, die sich wunderbar beim Bügeln hören lassen. Bisschen mit der Speckrollen-Hüfte wackeln. In Erinnerungen schwelgen. Verpasste Chancen der Vergangenheit betrauern. Dabei eine Tafel Schokolade verdrücken und einen dicken Seufzer ins Taschentuch stoßen. Beverly schenkt Hoffnung für das Hausfräuchen von gestern. Solides Handwerk. 100% Pop. Mehr aber auch nicht.

Wer denkt, im Hip Hop gibt es keine Innovationen mehr und alles klingt wie der Bling-Bling-Scheiß aus den Staaten, dem muss an dieser Stelle leider gesagt werden: Du hast absolut keine Ahnung! Bestes Beispiel für den Abwechslungsreichtum der Szene liefert das Berliner Label Staubgold mit ihrer neuesten Errungenschaft Curse Ov Dialect. Deren Album „Crisis Tales“ beschränkt nicht nur auf die aktuell gängigen Soundcluster, sondern bedient sich, wie es in den Anfängen des Hip Hop Gang und Gebe war, aus einer musikalischen Artenvielfalt, die man zuletzt in dem Bereich gehörig vermisst hat. In Falle der fünfköpfigen Crew aus Melbourne finden sich neben traditionellen australischen Heimatklängen allerlei Stile, die man im Vergleich zu aktuellen Hip-Hop-Songs als extrem hyperaktiv bezeichnen kann. Eine kurze Eingewöhnungszeit muss man der Platte zugestehen, denn die eigenen Hörgewohnheiten sind durch den Mainstream-Brei, der einem an jeder Ecke entgegen geblasen wird, doch recht verklebt. Löst sich dieser, packt einen alsbald ein fiebriges Gefühl und man verliert sich schüttelnd in den fünfzehn abwechslungsreichen Soundhybriden. Langeweile ade.

Julien Brambillas musikalische Sozialisation hat ihn vom klassischem Teenie-Garagenrock, dem Anfang allen Übels, bis in die Tiefen der elektronischen Klangkunst geführt. Gott sei Dank, denn dort gefällt der Franzose am besten und verzückt mit düster dubbigen House-Produktionen. Auf seinem LP-Debüt „Yes is More“ widmet sich Danton Eeprom, so Brambillas Künstlername, elektropoppigeren Gefilden als auch den von ihm gewohnten, düsteren Kellersounds, die seine Popularität in Berlin und der internationalen Clubwelt begründeten. Doch das Werk ist kein reines Clubalbum, das lediglich als Turner für einen exzessiven Abend dient. Eeprom balanciert seine Tracks zwischen anstachelnden, spannungsgeladenen Momenten und zurückgenommenen, entspannten Augenblicken. Man wird hin und her gerissen von den unterschiedlichsten Stimmungen und Sounds. Lässt man sich darauf ein, steht eine unterhaltsame Reise bevor, an dessen Ende wir uns freuen, dass sich der Herr endlich auf Langspielplatte verewigt hat.

Fünf junge Briten in den Zwanzigern. Das sind Elliot Minor. Mit ihrem letzten Album gelang der Band in ihrer Heimat der Sprung auf Platz 6 der Albumcharts und auch die Single-Auskopplungen durchbrachen die 100.000er-Grenze. Klingt nach Erfolg. Beim ersten Hören dann die Ernüchterung: Mein Gott, mag der Grünkohlliebende Deutsche denken: Fußball spielen die Briten um Leben und Tod, doch bei der Musik braucht es ordentlich Genöhle, um zu begeistern. Sicherlich, Elliot Minor liefern gut produzierten Poprock, der sich Gefühlen nicht verschließt und mit einer schmissigen Attitüde um die Ecke kommt. Das klingt dann in den stärkeren Momenten ein bisschen nach Green Day. Nur eben nicht auf Dauer und nicht in der Qualität der amerikanischen Vorbilder. So muss man feststellen, dass sich die musikalischen Auswüchse Elliot Minors auf Dauer gänzlich uninspirierend und langweilig geben. Für junge Musiker eigentlich ein Armutszeugnis. Da haben die alten Herren von Green Day wesentlich mehr Schmiss.

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Kurz vor Redaktionsschluss hat uns noch dieses Album als Stream erreicht. Und obwohl wir uns noch eine Weile danach verzehren müssen, geben wir bereits jetzt einen kleinen Ausblick auf das vierte Studioalbum der englischen FullTime-Nerds Hot Chip, die zuletzt mit ihrem „Made in the Dark“ (2007) für kollektive Begeisterung sorgten. Die Leidenschaft der Londoner Band, aus ihrem umfangreichen musikalischen Wissensschatz eine Einheit herauszubilden, die ähnlich neuartig und aufregend klingt wie die Vorgänger, lebt die Band auch auf „One Life Stand“ wieder klangvoll aus. Dabei kommt bereits das erste Stück „Thieves In The Night“ ganz unverblümt mit Anleihen des Visage-Klassikers „Fade to Grey“ daher und dennoch klingt es frisch und unverbraucht, eben wie Hot Chip. Das Folgelied „Hand Me Down Your Love“ legt aufgrund der samtweichen Stimme den Verdacht nahe legt, Frontmann Alexis Taylor ist in Wahrheit Modern Talkings Thomas Anders. Zieht Frank „Milli Vanilli“ Farian hier die Fäden? Es darf spekuliert werden. Trotz der Dichte an erstklassigen Songs, die sich über das ganze Album strecken, kommt man nicht umhin festzustellen, dass sich die Band auf ihrem Neuwerk abgeklärter, poppiger und gelackter anhört als auf den Vorgängern. Das Label spricht von dem rundesten Werk der Band. Hot Chip sind also in der sauberen Popwelt angekommen. Es wird abgerechnet. Doch ein wenig dreckiger hätte der Platte sicherlich auch nicht geschadet.

Nachdem der Rotschopf aus dem US Staate New Jersey vor zwei Jahren sein Debüt „Batten the Hatches“ vorlegte und sich durch kleine Konzertreisen auch dem bundesdeutschen Publikum stellte, erscheint zu Jahresende endlich das Folgewerk. Mit „Transmitter Failure“ knüpft die 28jährige Songwriterin nahtlos an vorherige Produktionen an. Mit ihren eindringlichen Stimme und ihrer verspielten, zu Teilen recht tieftonigen Instrumentierung, passen die dreizehn Songs perfekt in den Zeitraum zwischen Herbst und Frühling. Wie ein wärmender Mantel mit Wohlfühlgarantie schmiegen sich Jennys klangvolle Geschichten an den Hörer, nimmt ihn oder sie gefangen und lässt bis zum Ende nicht mehr los. Als Gast der Ausnahmekünstlerin Regina Spector ist Jenny Owen Young am 14.12. im Berliner Huxleys zu erleben. Für alle anderen bleibt zu hoffen, dass sie sich bald mit eigener Tour dem deutschen Publikum präsentiert, denn besser als mit ihrer Musik kann man den Winter nicht verbringen. Tim

Eigentlich sind Textor und Quasi Modo bereits 2008 dem heimischen Kinderzimmer entlaufen, um fortan getrennte Wege zu gehen. Eine traurige Nachricht für die deutsche Hip-Hop-Gemeinde, galt der Humor und die Doppeldeutigkeit der beiden Musiker doch als eines der letzten Tiefgründigkeiten im hiesigen Hip-Hop-Geschäft. Damit der Abschied, der bereits 2007 angekündigt wurde, aber nicht unter der Rubrik sangund klanglos verbucht wird, gaben die Ulmer Hip Hopper ein letztes, in der Nachbetrachtung legendäres Konzert im Dortmunder Konzerthaus. Zusammen mit fünf Gastmusikern begaben sich Henrik von Holtum aka Textor, Sascha Klammt alias Quasi Modo und ihr Live-Schlagzeuger Jürgen Schlachter das Tier auf die Bühne des ehrwürdigen Saales, um sich dem eigenen Werke so unplugged wie möglich zu stellen. Ein Zeitdokument, das eineinhalb Jahre nach dem Ende der Band aufzeigt, wie schmerzlich wir die geistreichen Auswüchse der Kinderzimmer Productions vermissen. Zu ihren aktiven Zeiten ist deren Bedeutung in den letzten Jahren leider ein wenig untergegangen. Deshalb müssen wir mit deren Konsequenz sich aufzulösen leider leben. „Over & Out“ hilft dabei. Tim

In Frankreich sind sie Stars. In Deutschland fast gänzlich unbekannt. Liegt das vielleicht an der musikalischen Ausrichtung? Während hierzulande die Elektro-Punks um Ed Banger und Co. auf allgemeine Begeisterung treffen, findet sich Le Peuple de L‘Herbe trotz vier Alben starken Backkatalogs in den wenigsten Plattenregalen wieder. Diese Tatsache, wie es der Infozettel zur neuen Platte weismachen will, soll aufgrund mangelnder medialer Aufmerksamkeit zu Stande gekommen sein. Dies wiederum sei begründet in der Vielschichtigkeit der Band, die sich von klassisch beatlastiger Musik über Funk Tunes hin zu Punk- und Dub-Einflüssen jedweder musikalischer Freiheit hingibt. Hm, denkt der Rezensent. Ist dem so? Liegt es daran, dass wir keine Worte finden für das kleine französische Biest? Erobern wir uns doch jetzt mal die Definitionshoheit. Wer den Gesang der Smoking Suckerz with Logic mochte, inklusive funky drückender Bassläufe, wem jazzige Blasinstrumente am Herzen liegen, der findet auf „Tilt“ seine musikalische Erfüllung. Allen anderen sei geraten, sich die sechsköpfige Band live anzuschauen, denn in Puncto Dynamik und Vielseitigkeit ist Le Peuple de L‘Herbe nur schwer zu toppen. Fat Freddy‘s Drop mal ausgenommen. Tim

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m u s i k Legenden im Büchercheck

vs

Johnny Cash vs Falco Clubsounds

Kopfrock

Hip Hop Elektro Soul

American Indie

Thomas Hamman & Gerd Janson –

Tocotronic –

Tettorybad –

White Rabbits –

Live at Robert John- Schall & Wahn son

Unite

It‘s Frightening Im Tode vereint. Mehr scheint diesen beiden Herren offen-

(VÖ: 25.01. / Kompakt)

(VÖ:22.01. / Universal)

(VÖ: 22.01. / Sunshine Enterprises)

(VÖ: 22.01. / EMI)

Willkommen zum vierten Teil der Clubreihe „Live at...“. Nachdem sich bereits Prins Thomas, Chloe und Ivan Smagghe an der Serie abarbeiten konnten, gesellen sich mit Thomas Hamman, einem Darmstädter Plattenladen-Besitzer, und Gerd Janson, Indie-Labelbetreiber und Musikschreiberling, zwei vermeintlich weniger prominente Gäste hinzu. Wenn man sich da mal nicht täuscht, denn beiden Herren ist eine jahrelange Residency im Robert Johnson gemein und das sollte als Visitenkarte doch genügen, um sich auf der hauseigenen Mixserie zu verewigen. Wenn nicht die Residents, wer ist es dann, die den Sound des Offenbacher Clubs seit Jahren prägen? Mit Teil Vier der Mixserie liefern Hamman und Janson einen Einblick in die Prä- und Postphase des dortigen Clubssounds, fern der Star-DJ fordernden Peaktime. Entspannter House trifft auf filigrane Electronica, die sich auch ohne treibenden Dauerbeat angenehm schwungvoll und mitreißend gibt. Speziell für die After Hour eine gelungene Alternative.

Weitläufiger. Uferlos. Das sind Begriffe, mit denen man das neue Album der ehemaligen Hamburger Schulband recht passend beschreiben kann. Hielt sich der äußerst erfolgreiche Vorgänger „Kapitulation“ musikalisch und sprachlich im revoltierenden Duktus Parolen-artiger Aufrufe („Sag alles ab“), nehmen sich die vier Musiker auf „Schall und Wahn“ wesentlich mehr Zeit, ihrem Innenleben musikalischen Ausdruck zu verleihen. Mit dem dritten Teil ihrer, laut Label-Infotext „BerlinTrilogie“, die nach „Pure Vernunft darf niemals siegen“ (2005) und „Kapitulation“ (2007) mit dem vorliegenden „Schall und Wahn“ ihr Ende findet, verlässt die Band den zuvor gegangen Weg der Einfachheit. Titel wie „Keine Meisterwerke mehr“, „Stürmt das Schloss“ oder „Gesang des Tyrannen“ zeugen von der Losgelöstheit aktueller Trends und Geschehnisse. Die Band schert sich wenig um das Drumherum, vielmehr gilt es den eigenen Gedanken und Assoziationen freien Lauf zu lassen. Für Fans der Band ein Werk, dem man sich in stundenlanger Akribie widmen kann, um die eigenen Gedankenläufe mit denen von Frontmann Dirk von Lowtzows zu synchronisieren. Für alle anderen ein schönes Stück musikalischer Zeitlosigkeit, die sich wohltuend von jeglicher Deutschrock-Kategorisierung abhebt.

Smoother Downbeat trifft experimentellen Hip Hop, versetzt mit einer Prise Electronica. „Unite“ heißt das Ergebnis. Ein überaus Hörbares wohlgemerkt. Was die drei Mitglieder Grooveman Spot, Masaya Fantasista und Simbad aus dem Produzenten-Ärmel schütteln, lässt Ohren schlackern und Herzen höher schlagen. Spontan möchte man sofort wieder mit dem Kiffen anfangen, um sich der spacig entspannten Atmosphäre angemessen zu nähern. Mit eigenen Conscious-Rap-Wurzeln beschlagen, hat sich das anglo-asiatische Trio eine Reihe namhafter Gastmusiker ins Studio geholt, denen Tiefgang nicht abgesprochen werden kann. Unter ihnen der Londoner Rapper Ty, der dem Song „Don‘t Push Me“ mit seiner markanten Stimme den nötigen Druck verleiht. Insgesamt liefert die Truppe mit diesem Album ein groovendes Beat-Monster ab, dessen Chancen im Veröffentlichungsarmen Januar nicht schlecht stehen, von vielen gehört zu werden. Zu wünschen wäre es.

Eigentlich handelt es sich bei White Rabbit um einen Song-Klassiker aus dem Jahre 1967, in dem die Hippie-Truppe Jeffersons Airplane ihre Drogenerfahrungen verarbeiteten. Witzig, dachten sich sechs Musiker aus New York, nennen wir doch unsere Band so. Gesagt getan, White Rabbits ward geboren. Das war 2004. Drei Jahre später folgte das Debüt des Sextetts, dass sich einiges Lob einheimste. Mit ausgiebigen Touren und publikumswirksamen TV-Auftritten spielte sich die Band in den Kreis der Hottest Newcomer Bands. Mitte 2009 wurde über das amerikanische Label TBD Records, auf dem zuletzt auch „In Rainbows“ von Radiohead erschienen ist, ihr vorliegender Zweitling veröffentlicht, der nun Ende Januar auch hierzulande über EMI erscheint. Wir befinden uns also mitten in den Vorbereitungen für den kommenden Hype, der sich über die weißen Hasen ergießen wird. Warum auch nicht. Die Jungs kommen aus Brooklyn, sehen gut aus und ihre Musik ist nicht nur zart genug um Frauen zu kitzeln, sondern auch so lässig, dass sich die Herren der Schöpfung nicht als Weicheier beschimpfen lassen müssen, wenn sie beim Kauf dieser Platte erwischt werden. Passt!

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sichtlich nicht gemein. Während Johnny Cash als Man in Black die goldjacketierte Welt des King of Rock‘n‘Roll Elvis Presley bereits in den Fünfziger Jahren mit seiner düster-morbiden Art unterwanderte, stieg der österreichische Dandy erst Anfang der Achtziger in den Ring, um die Neue Deutsche Welle zu internationaler Bekanntheit zu führen. Mit „Rock Me Amadeus“ eroberte Falco, was Johnny Cash über ein Dutzend Mal in seiner Karriere gelang: die

nischen Billboard Charts. Dieser Tage erscheinen zwei Bücher, die sich den Künstlern auf unter-

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Den würdevollen Weg beschreitet der Bildband „Johnny Cash“ des Fotografen Andy Earl. Dieser hatte sich im Rahmen der berühmten American Recordings Sessions zwischen 1994 und 1996 mit dem todgeweihten Country-Star zu mehreren Foto-Sessions getroffen. Cash begann damals zusammen mit dem Rock-Produzenten Rick Rubin, Klassiker der amerikanischen Musikgeschichte neu zu interpretieren. In seiner unnachahmlich morbiden Art galt es, das eigene Andenken ins neue Jahrtausend zu führen. Dabei entstanden im Laufe von acht Jahren, die Reihe endete 2002 mit Teil IV, solch wunderbare Coverversionen wie „Hurt“ (Original: Nine Inch Nails) oder „One“ (Original: U2), deren Zerbrechlichkeit, trotz der Klasse der Originale, in Cashs Versionen eine noch intensivere Wirkung entfaltet. Wer sich in dem Video zu „Hurt“ an den am Klavier kauernden, verlebten Johnny Cash erinnert, der den Schmerz seiner erst kürzlich verstorbenen Frau so würdevoll ertrug, bereit ihr zu folgen, bekommt eine Ahnung von den intensiven Einblicken, die der Musiker dem Fotografen Earl als einem unter wenigen gewährte. Ein Blick in Cashs Augen offenbart die Höhen und Tiefen seines ereignisreichen Lebens. Ein letzter Blick auf einen der bedeutendsten Musiker des vergangenen Jahrhunderts, der am 12. September 2003 in Nashville, Tennessee, mit 71 Jahren verstarb.

wahrscheinlich an der mangelnden Qualität des Gebotenen. Kling Glöckchen, Klingeling trifft Oli P auf Acid. Angeblich passte dem Label der singende Falco nicht und deshalb sei das Werk in der Versenkung verschwunden, heißt es. Wollen wir‘s mal glauben. Passend zur Wiederentdeckung dieses österreichischen Liedguts hielt es auch der ehemalige Falco-Manager Horst Bork nicht länger in der Trauerreserve aus. 351 Seiten schenkt uns der organisierende Schatten des Künstlers (von 1981 - 1993; danach Guter Freund), um Einblick in die Seele des Hans Hölzels zu erlangen. Elf Jahre nach dem Tod des Mannes, dem es als Einzigen gelang, mit einem deutschsprachigen Song („Rock Me Amadeus“?!) den amerikanischen Musikmarkt zu erobern, werden wir also erfahren, wie er zu dem wurde, was er war. Abgesehen vom Koks natürlich. Bleiben wir bei den Fakten: Insgesamt 60 Millionen Platten verkaufte Falco in seiner Karriere. Manch einer denkt, dass müsste für mehrere Leben reichen. Doch scheinbar haben exzessiver Drogenkonsum und Vielvöllerei ihren Tribut gezollt. Die Reserven scheinen aufgebraucht. Oder wurden die Hinterbliebenen von vornerein in finanzielle Engpässe geführt? Wir sind uns sicher: Host Bork weiß Genaueres. SLEAZE kann nur vermuten: WIEDER EINER LEER AUSGEGANGEN! In der nächsten Folge: Joe Jackson vs Michael Jackson.

Spitzenposition in den amerika-

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schiedlichste Weise nähern.

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Ein anderes Szenario im Umgang mit den Toten erleben wir, wenn es um den 1998 verstorbenen, österreichischen Lebemann Hans Hölzel alias Falco geht. Wie sein schnelles, exzessives Leben findet sich der sendebewusste Falco auch im Tode auf der boulevardesken Resterampe wieder. Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung des Buches „Falco - Die Wahrheit“, ergänzt durch den aufklärenden Untertitel: „Wie es wirklich war, sein Manager erzählt“, finden sich alte Masterbänder in einem Studiokeller wieder, die den dritten Teil seines womöglich besten Songs „Jeanny“ ans Licht der Nachwelt zerren. Aufgepimpt auf heutiges Soundniveau bahnt sich „Where are you now?“ schon bald den Weg in die Posthum-Charts. (Bild berichtet). Dem Hörer wird eines schnell klar: Das der Song nicht bereits zu Lebzeiten veröffentlicht wurde, lag höchst-

JOHNNY CASH FOTOGRAFIEN VON ANDY EARL 152 Seiten, ca. 100 Abbildungen, Premium-Hardcover im Riesenformat 31 x 37 cm, Fadenheftung, 200 g schweres Bilderdruckpapier, durchgehend in Quadrotone gedruckt ISBN 978-3-89602-922-5 49,90 Euro

Horst Bork FALCO: DIE WAHRHEIT Wie es wirklich war – sein Manager erzählt 352 Seiten plus separaten Bildteil Hardcover mit Schutzumschlag ISBN 978-3-89602-921-8 19,90 Euro Tim

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ruedione‘s Backflashes

Black Tattoo Art:

Während Street Art sich mittlerweile zu einer Kunstform erhoben hat, wird Graffiti zum Großteil noch als Straftat und zusätzliche Belastung der Steuerzahler gesehen. Die Wenigsten wird man davon begeistern können, aber diese Kultur zu verstehen, wird durch dieses Buch vielleicht etwas leichter. Backflashes zeigt das Sprühen aus einer ganz anderen Sichtweise. Im Vordergrund stehen hier nicht die Bombings, Wholetrains, Tags oder was auch immer, sondern die Writer selbst.

Modern Expressions of the Tribal

Großformat 24,5 x 31,5 cm

Schwarze Tattoos interessierten mich nie sonderlich. Dank dem Buch habe ich gelernt, dass es nicht daran lag, dass es nur eine Farbe ist oder ich ein Rassist bin, sondern dass mich mein Tattoo-visuelles Umfeld geprägt hat. Die meisten Hautbilder sind schlicht langweilig bis hässlich gewesen. Das Monsterwerk korrigiert diese einseitige Sicht eindrucksvoll auf 500 – übrigens farbigen – Seiten und zeigt auf, was mit einer Farbe und unendlicher Kreativität möglich ist.

536 Seiten Texte in Deutsch und Englisch 98,00 Euro

Thematisch befasst sich der Band ausschließlich mit der Entwicklung der schwarzen Tattoos seit den 60er Jahren, als eine Neuinterpretierung und Rückbesinnung auf die Kulturen der indigenen Völker einsetzte. Unter den fünf Kapiteln Neotribal, Dotwork, Art Brut, Traditional Revival und Thai / Buddhist werden die jeweiligen Ikonen und ihre Kunst vorgestellt. Black Tattoo Art ist ein Werk, was einen immer wieder über die kreative Leistung der Menschen staunen lässt. Was einen immer wieder hineinzieht, blättern und öfter auch mal den Kopf schütteln lässt. Was einen immer wieder berühren wird. Und was einen immer wieder zu dem Band greifen lässt.

Sechs Jahre lang hat ruedione, der selbst aus der Szene stammt, namhafte Sprüher wie DAZE, JEPSY, DARE, ANGER und viele mehr begleitet und zu Wort kommen lassen. Kurze Statements geben einen Abriss ihrer Mentalität. Entstanden ist ein Fotoband mit über 200 Seiten, der genau die Momente abbildet, die man als Writer wohl ewig festhalten möchte. Jene, die Graffiti zu einem Lebensgefühl machen: Adrenalin, ständige Anspannung, die automatische Arbeit des Körpers unter voller Konzentration, Millionen Endorphine, besser als Sex.

danilo

Delictum Anz.Sleaze15,8x21,8:Delictum Anz.Sleaze15,8x21,8 10.11.09 15:25 Seite 1

NACH „PANS LABYRINTH“ UND „DAS WAISENHAUS“ EIN NEUER SPANISCHER MYSTERYKNALLER DER SPITZENKLASSE VOM GENRE-EXPERTEN ELIO QUIROGA (THE DARK HOUR)

Die großartigen Schwarz-WeißAufnahmen geben diese Emotionen wieder, durch einen ständigen Wechsel von Dynamik und Ruhe im Bild, durch Aufnahmen von Flucht und der rohen „Leinwand“, eben, weil die Kamera direkt bei der Aktion dabei war. Daraus folgt, dass ruedione nur bei relativ „leichten“ Ausflügen vor Ort sein konnte. Somit ging leider ein wichtiger Aspekt verloren, der das Malen wohl endgültig zur Sucht macht. Nämlich dass es darum geht, immer besser zu sein als der Andere, immer größer, eindrucksvoller und gefährlicher. Es geht um Fame, um nichts Anderes.

ruedione‘s Backflashes Veröffentlichung: 11 / 2009 Sprachen: Englisch Hardcover, 28 x 28, 240 Seiten, ca. 220 Bilder, 34,90 €

Boy Omega

L:

TITE INAL

ORIG

The Ghost That Broke In Half

BASIERT AUF WAHREN EREIGNISSEN Hervorragende Optik und erstklassige Effekte – ein atemberaubender Thrill im Stil von „The Others“ und „Pans Labyrinth“ DEUTSCHLANDPREMIERE AUF DEM 16. INTERNATIONALEN FILMFEST OLDENBURG 2009

LP/CD/Download

AB

03.12.2009

ÜBERALL L IM HANDE H IC L T ERHÄL

„'Delictum' glänzt als überzeugender Genre-Mix aus Horror, Mystery und Supernatural.“ El Mundo „Auch 'Delictum' zeigt einmal mehr die internationale Klasse des spanischen Films.“ El País

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SLEAZE Dezember / Januar 2010 Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.eurovideo.de

ings.de ptiderecord www.ri mega.com www.boyo SLEAZE Dezember / Januar 2010

OUT

N OW

Alles ist besser in Schweden, so erzählt man mir ... Mit Boy Omega steht ein neuer Superheld bereit diese Theorie zu unterfüttern ... (SPEX) HOT: STILL Frittenbude - Nachtigall LP Bratze - Kraft LP Lukestar - Lake toba LP/CD CD Torpedo - In the assembly line 69


Überblick für Dezember 2009 bis Januar 2010

BÜCHER Craig Damrauer

Neue Weltformeln - Das Leben ist eine Gleichung Verlag: Lübbe

Der New Yorker Komiker und Autor hat eine Fortsetzung seiner Weltformeln von 2007 herausgebracht. Das Leben laut Damrauer scheint nicht hohe Mathematik zu sein. Mit Grundrechenarten werden hier alltägliche Gegenstände und Zustände des Menschen erläutert. Dies geschieht teilweise erstaunlich einleuchtend, manchmal ist es quer gedacht und erschließt sich dem Leser nicht sofort. Als Beispiel nehmen wir hier folgende Gleichung: einfach = kompliziert kompliziert. Schon klar. Weiter geht’s: Wutausbruch = sich beherrschen - sich. Hmm?! Am Ende muss sich jeder damit selbst auseinandersetzen, welche Gleichung einsichtig erscheint und auf das eigene Leben anzuwenden ist. Ein nettes Geschenk, mit der Betonung auf „nett“! Mein Liebling aus den alten Formeln: Brunch = Frühstück + Mittagessen + Melone. Daniel

Simon Tofield

Simons Katze Verlag: Goldmann VÖ: Oktober 2009

Das perfekte und ultimative Weihnachtsgeschenk für jeden Katzenliebhaber. Eigentlich wollte Simon Tofield nur ein Zeichenprogramm testen und stellte das Ergebnis für Freunde ins Netz. Ergebnis: Fast jeder kennt jetzt Simons Katze. Jeder Katzenbesitzer wird in dieser Katze seine eigene erkennen. Simons Katze ist subtil aufdringlich, sehr dreist, wenn sie Hunger hat und einen Igel und Gartenzwerg im Freundeskreis. Die Redaktion liebt diese Katze und dankt Simon Tofield für dieses wunderbare Buch.

Pieter Hugo

Nollywood (Bildband) Verlag: Prestel

Wer sich für Fotografie interessiert, wird vermutlich im letzten Jahr über Pieter Hugos Foto-Tagebuch The Hyena & Other Men gestolpert sein. Darin fotografiert er nigerianische Männer, die als Schausteller durch das Land ziehen und Heilpflanzen und Medizin verkaufen. Dass besondere Spektakel dabei: Sie führen Hyänen und Paviane als Haustiere an der Leine. Dieser Anblick ist weniger Angst einflößend als schräg, mehr Mad Max als Horror. Nun hat Hugo mit seinem neuen Fotoband ein weiteres Kapitel der erstaunlichen Kultur Nigerias aufgeschlagen. Dort wächst eine Filmindustrie heran, die mittlerweile die drittgrößte der Welt ist; nach den USA und Indien. Die Filme dort sind allesamt Low-Budget und kosten jeweils ca. 15.000 Dollar. Im Kasten sind die Streifen nach drei Wochen und kommen anschließend selten ins Kino, stattdessen werden sie hunderttausendfach auf CD gepresst. Die Story der Streifen ist meist dünn, man braucht lediglich einen schweren Autounfall, Vampire und etwas schwarze Magie. Hugo bat nun einige Darsteller, Filmszenen nachzustellen. Das Ergebnis ist ein Werk, welches in erster Linie fiktive Szenen zeigt, die dem Betrachter surreal erscheinen und doch beklemmend wirken. Eine faszinierende Traumwelt, dem Film entrissen und doch alltäglich wirkend. Daniel

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Trashy Weihnachten

Fotograf: Dave Coba Haare & Makeup: Annika Niessen Styling: SLEAZE Models: Juju Prasse, Nicole Hellrung, Sascha Opitz, Marcel Bornschein Idee: Jule Haug

Nicole: Hose Levi’s, Schuhe Fossil, Hemd Fenchurch Juju: Kleid Levi’s, Stiefel Harlot, Gürtel H&M Marcel: Hemd WESC , Schuhe Vagabond, Hose WESC Baum: Schuhe Emu, Uhr Casio, Hut Stetson, Schmuck design3000 72

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Sascha: Shirt Fenchurch, Hose Dickies, Schuhe Norbrand Juju: Jacke Quiksilver, Kleid WESC, M端tze Maloja, Schuhe Emu Nicole: Kleid H&M, Schuhe Fornarina Tisch: Snowboot von Vans, Adventskranz von design3000

Nicole: Oberteil Fenchurch, Hose WESC, Schuhe H&M Juju: Kleid Yackfou, Schuhe H&M, Uhr Casio Backblech: Airwalk 74

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Juju: Schlafanzug Amos, Schuhe flip*flop Nicole: Bademantel flip*flop, Hose Think pink

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Marcel: Shirt Levi’s, Hose Quiksilver, Mütze Lacoste Sascha: Hoody WESC, Headphones WESC, Hose own, Schuhe Nike

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Juju: Kleid Yackfou, Schuhe H&M Nicole: Jacke Vero Moda, Hose WESC, Schuhe Harlot

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Juju: Jacke Think Pink, Shirt Yackfou, Schuhe Emu, Hose Ben Sherman, M端tze Lacoste Marcel: Jacke Ben Sherman, Hose Fenchurch, Schuhe Quiksilver

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Die groSSe Was-schon-wieder-ein-Jahr-vorbei-wo-ist-nur-die-Zeit-geblieben-SLEAZE-Verlosung

Nokia

SLEAZE ON TOUR Speziale

Fortschritt. Großes Thema heutzutage. Ständig auf dem neusten Stand zu sein ist allerdings teuer, deswegen wird SLEAZE zu eurem besinnlich guten Samariter und verlost ein Nokia 5730 Xpress Music. Wieder ein Mufuge (Multifunktionsgerät): Telefonieren, Musik hören, Fotografieren, ins Weltall beamen und so weiter. Wenn ihr es nicht lassen könnt, ständig up to date zu sein schreibt eine Mail mit viel Glück an geschenke@sleazemag.de mit dem Betreff „Musikexpress“.

Uppercase Es wird kalt, die Welt wird grau und die Mode auch. Wir finden das doof und unsere Leser mit Sicherheit auch. Deshalb verlost euer Lieblingsmagazin drei edle UppercaseSchals aus 100% italienischer Schurwolle. Schickt eine Mail mit „Scarf-ace“ an geschenke@sleazemag.de und ihr habt die Chance, bunt durch den Winter zu kommen.

TSG-Helme In der Jugend hat wohl jeder seine Mutter verflucht, wenn sie einem mit dem Spruch „Sicherheit geht vor!“ den gruselig bunten Helm für die erste Fahrt auf dem neuen BMX aufsetzen wollte. Heute sind wir älter, machen Extremsport und Mutti hat nich‘ mehr das Sagen. Sicherheit ist aber immer noch wichtig, deshalb könnt ihr jetzt ihr zuliebe einen stylischen Helm von TSG tragen. Vielleicht auch ohne Sport zu machen. Wir verlosen drei der Kopfschützer unter der Mailadresse geschenke@sleazemag.de und dem Betreff „Kopfkino“.

Sueños Schlafen ist ein Geschenk des Himmels. Somit sollte es auch mehr zelebriert werden als auf einer Couch in eine Wolldecke mit Pferdemuster eingerollt. Die zwei Gründer von Sueños verpassen ihren Bettwäschesets Designs von Graffiti- und Tattoo-Artists und sorgen für Stil im Schlafzimmer. SLEAZE verlost drei Bettwäschesets und zwei ultimative Kuscheldecken. Sendet einfach eine Mail mit euren Daten an geschenke@sleazemag.de und Betreff „Bettzeuch“.

Pussy Deluxe Normalerweise ist man von dem Label mit der Katze nur Unterwäsche gewohnt. Mit Regenschirm und Wärmflasche in Comicstripe-Optik bieten sie jetzt die perfekten Jahreszeitenbegleiter. Wenn euch also ständig kalt ist oder es nur noch über euren Köpfen regnet, hat SLEAZE mit sechs Sets von Pussy Deluxe die Lösung euer Probleme. Um eines davon zu ergattern, schickt eine Mail mit dem Betreff „Regenflasche“ an geschenke@sleazemag.de

Einsendeschluss ist der 15.01.2010. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das ist zwar Blödsinn, weil so ein kleiner Satz nicht unser gutes Rechtssystem aushebelt. Aber wir könnten sonst belangt werden, weil wir keinen Notar eingesetzt haben. Den können wir uns nicht leisten – ebenso wie eine schicke Gerichtsverhandlung. In diesem Sinne: Immer schön links bleiben.

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Impressum

Marcel Breuer

The Living Grandmother

Spacejunk

Hommage

Board Culture Art Centers

Sitz der Redaktion / editorial office: SLEAZE magazin Mainzer Str. 25 ~ 10247 Berlin-Germany Telefon: +49 / 030 / 325 34 730 Fax: +49 / 030 / 325 34 731

Board Culture Art Centers

Odö

STF

Vinz

Nikodem

Will Barras

Herausgeber / publisher: danilo Opitz danilo@sleazemag.de

Nick Morris

AD Koa Vinz Odö Alexone Squindo Nikodem Rose kipik Travis Parr Jeff Raglus Will Barras Nick Morris Ozzy Wright Boris Labbé Andy Howell Dave Bowers Doug Bartlett Caia Koopman Carole Bielicki Reg Mombassa Jérémie Cortial Nicolas Thomas Aurélien Desbois Andrew Pommier

Dave Bowers

Chefredakteure /chief editors: Yanah „Foul Destruction“ Hölig (V. i. S. d. P.) danilo „The Decrepit King“ Opitz

Doug Bartlett

Caia Koopman

Carole Bielicki

Layout und Grafik: Sascha „The Cunning Singer“ Thau

Reg Mombassa

Nicolas Thomas

Sofia Maldonado

Redaktion / editorial staff: Tim „The Wicked Monk“ Schäfer (Musik) Pascal „Stiletto of Thunder“ Scheib Daniel „Hammer of Chaos“ Boy Matthias „Fiery Death“ Nemack David „The Despicable Librarian“ Jank Markus „Unknowable Hell“ Haage Gelare „Queen in Despair“ Sarfaras Jero „Actor in the Terror“ Kuck Juju „Flask of Pestilence“ Prasse Jule „Slimy Crack Smoka“ Haug Michelle „The Infernal Nun“ Schulz Maik „Mace of Need“ Fischer Kevin „The Insane Jailer“ Witte Bea „Living Knife“ Kunath Frank „The Titanic Teacher“ Jaenicke-RöSSler Redaktionshund Lena „Living Attire“ Hölig Boy Andreas “Comicgate” Völlinger

Spacejunk ART IS STICK

A Spacejunk collective exhibition

Andrew Pommier Will Barras

SLEAZE #15 erscheint im februar

+

David Turakiewicz

Gil Le Bon Delapointe

Spacejunk

Board Culture Art Centers

Entrée libre www.spacejunk.tv

Spacejunk

Supported by

Supported by

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Scott Bourne

Odo:

Poems & Photography

Anzeigen / advertising: danilo Opitz danilo@sleazemag.de Bea Kunath bea@sleazemag.de Marketing: danilo Opitz Maik Fischer marketing@sleazemag.de Cover und Weihnachtsbilder: Fabian Blaschke Ausstattung: Kreativampel www.kreativampel.de

Spacejunk

Board Culture Art Centers

SLEAZE erscheint im bfs. Verlag. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Aufnahme in Online-Dienste und Internet und Vervielfältigung auf Datenträgern dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlags erfolgen. Der Verlag haftet nicht für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos.

4 days of exhibitions & live painting

www.sleazemag.de www.sleazemag.de/facebook www.sleazemag.de/issuu www.sleazemag.de/myspace www.sleazemag.de/twitter

ispo - Messe München GmbH

Entrée libre www.spacejunk.tv

Entrée libre www.spacejunk.tv

Represented or invited artists: Odö (France) – Scott Bourne (USA) Art is Stick (24 artists) – Mathias FENNETAUX (France) – Nicolas THOMAS (France) – NIKODEM (France) – Travis PARR (USA) – VINZ (France)

Messegelände 81823 München Germany www.ispo-winter.com

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7 - 10 February 2010

ispo trade show – Hall A2 – Munich – Germany Vernissage on Sunday February 7th at 5 PM

Spacejunk

Board Culture Art Centers + 33 (0)6 19 21 01 84 www.spacejunk.tv 83


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SLEAZE 14  

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