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SLEAZE Jan / Feb 2009

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SLEAZE

Spacejunk

Trash mit SubstanZ

Board Culture Art Centers

INTRO

Da ist es nun also, das neue Jahr. Rezession kommt, Bush

geht, Obama kommt, irgendwas anderes geht. 2009 wird nicht nur für uns ein spannendes Jahr. Aber trotz der vielen warnenden Worte der großen Medien – Angst haben wir irgendwie keine. Kommen wir also zu den Sachen, die Spaß machen.

Reg MOMBASSA

Da ist es nun also, das neue SLEAZE. Zwischen den

Ozzy WRIGHT

Doug BARTLETT

Nicolas THOMAS

Caia KOOPMAN

Geburtstagsgeschenken für SLEAZE und den Weihnachtsgeschenken für die restliche Familie blieb nicht viel Zeit. Trotzdem haben wir uns für die Zeit der Modemessen mal wieder etwas Besonderes ausgedacht: Eine Modestrecke in der guten, alten Mad-Max-Welt. Dazu unterstützen wir diesmal so unterschiedliche Sachen wie den Brand New Award, die 17 Hippies, die Spacejunk Gallery und die monatlichen Gigs von Tiger HiFi. Diese Ausgabe nun geht wie gewohnt über zwei Monate, damit wir endlich auch mal boarden gehen können. Das ist zwar nicht der Grund, klingt aber lässig, oder? In Wirklichkeit wollen wir die ätzende Après-Ski-Zeit überbrücken, indem wir uns neuen Blödsinn für 2009 ausdenken. Wir haben beschlossen, SLEAZE nicht so langweilig eintönig wie bisher zu gestalten, sondern uns ein Beispiel an den ganzen anderen innovativen Magazinen genommen, um dann total crazy, gewagt und von cutting bis straight ätsch der heterogähnen Zielgruppe zwischen ¾ und Plusquamperfekt alles zu geben, was ihr gefällt. Das Einzige, was uns dann noch bleibt, ist unsere Ironie – und unser gutes Aussehen. Willkommen im Neuen Jahr

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04 Dadidelum... der Datenklau geht um 06 „Haut zeigen war schon immer eine Frage des Stils“ 08 Post an Wagner 11 Frag‘ Tante Noah 12 SLEAZE on Tour 14 Alvaro Misterio 18 Dokumente einer vergangenen Ära 20 The Pop Down Project 22 Die alljährlichen Innova-Tiefen und Höhen 24 Kunstschulschlampen 26 Lieblingsschuhe 28 Mode 44 Comic 46 Luxuriöse Gruselsammlung 50 Mit XBOX und SLEAZE zum Fern(seh)-Studium 52 Games 54 Mirror‘s Edge 55 Left 4 Dead: Sie kommen immer wieder 60 Gefilmtes 62 Videoraiders 64 Videoraiders Filmreview 65 DVD 66 Mand Diao: Wir haben vom Leben gelernt 68 Downhill für die Ohren 69: Tagesschau vom 12.5.2009 70 Fat Freddys Drop 72 Tapete Records: neue Farben von der Alster 73 2009 - alles wird neu 74 Musik 78 Worldweite Stickerkunst 81 Die SLEAZE-meine-Güte-schon-wiederein-Jahr-um-wo-bleibt-nur-die-Zeit Verlosung 82 Outro 82 Korrekturen 82 Impressum

danilo & SLEAZE …scheiß Rest-Alkohol…

4 days of exhibitions & live painting

Represented or invited artists: Nicolas THOMAS (France) – Caia KOOPMAN (USA) – Ozzy WRIGHT (Australia) – NIKODEM (France) – Reg MOMBASSA (Australia) – Nick MORRIS and Dave BOWERS solo and collaborative artworks aka Doug BARTLETT (Australia) – Mathias FENNETAUX (France) – VINZ (France)

ispo - Messe München GmbH Messegelände 81823 München Germany www.ispo-winter.com

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1 - 4 February 2009

ispo trade show – Hall A2 – Munich – Germany Vernissage on Sunday February 1st at 5 PM

Spacejunk

Board Culture Art Centers + 33 (0)6 19 21 01 84 www.spacejunk.tv SLEAZE Jan / Feb 2009

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Das ungute Gefühl beim Klopfen an die Bürotür der Chefin ist mir inzwischen von anderen Terminen meiner SLEAZEMeetings nach ähnlich traumaktiver Nachtruhe bekannt. Doch was bedingt was? Träume ich wirr, weil ich zur Chefin muss? Oder bin ich immer dann – ganz transzendental – in besonders heikle Berichterstattungen verwickelt, wenn ich nachts zuvor dummes Zeug geträumt habe? Die Probe aufs Exempel naht. Geträumt habe ich von Rollstuhlrennen, bei denen ich erfahrene Konkurrenten auf die Plätze verwiesen habe. Klopfen, vorsichtig ins Zimmer gehen und die Vorgaben fürs neue PromiMeeting wenigstens versuchen wie ein Mann zu ertragen. Thematisch beweist mein Unterbewusstsein eine erstaunliche Treffsicherheit. Ich werde Innenminister Wolfgang Schäuble visa-vis an seinem Arbeitsplatz gegenüber sitzen. „Sei vorsichtig, der Mann ist schnell!“, gibt man mir zusammen mit der großzügigen BVG-Tageskarte mit auf den Weg. Schnell? Bergab mit Rückenwind vielleicht, durchzuckt es mich. Ich lasse mich überraschen, was auch sonst. Die Anreise verläuft reibungslos, abgesehen von den üblichen VerbalAttacken einiger Taxifahrer, denen ich gedankenversunken vor die Kühlergrills laufe. Im Ministerium heißt man mich herzlich willkommen. Man drückt hier,

begrapscht mich dort. Beeindruckend sind die Sicherheitsvorkehrungen schon, aber mindestens genauso beängstigend. Es verwundert kaum, dass das Ministerbüro, in das ich geführt werde, abgedunkelt ist und etwas steril wirkt. Der Feind sieht und hört mit! Klingt ein bisschen nach dem neuen GEZ-Slogan. Ein paar Minuten warte ich auf meinen Gastgeber. Die Zeit vertreibe ich mir mit dem Durchstöbern herumliegender Unterlagen. Journalisten wittern ja überall ihren großen Scoop. Doch es gibt kaum etwas zu sehen. Wenn ich doch etwas Interessantes gefunden zu haben glaube, ertönt aus der Gegensprechanlage auf Ministers Schreibtisch ein laut vernehmliches Räuspern. Dann öffnet sich die Tür, ein Windzug durchströmt kühl den Raum. Der Politiker lächelt freundlich. Hoffnung! Ich will ihn begrüßen. „Psst“, flüstert er mir zu. „Aber Herr Minister ...“ „Psst!“ – „Aber ich wollte doch nur ...“ – wieder dieses Pssten. „Denken Sie an die Anderen, junger Mann!“. Welche Anderen genau? Verfolgungswahn im Ministerium. Ich nicke, setze mich auf meinen Ledersessel. Ich klappe mein Notebook auf, um meine Unterlagen zu sichten. Aber was ist das! Ganz unverblümt schielt mir Schäuble über die Schulter, als ich mein Passwort eingeben will. Mein Zögern wird mit einem flapsigen „wenn ich will, komme ich schneller an Ihre Daten, als Ihnen lieb ist“ quittiert. Ob ich noch nichts von seinen Online-

Durchsuchungen gehört habe. Er platziert sein Gefährt ein paar Meter weg von mir. Während ich brav meine Fragen stelle, gelingt ihm sogar aus den unmöglichsten Winkeln immer wieder der Blick auf meinen Rechner. Er macht sich Notizen! „Würden Sie sich als guten, redlichen Bundesbürger bezeichnen?“ Prima, jetzt stellt er also die Fragen. Die Erkundigungen werden privater. Ob ich häufig online sei und bei welchem Anbieter. Aus rein finanziellen Gründen frage er. Das BKA, also vielmehr er selbst suche für daheim derzeit eine günstige Wechselgelegenheit. Mir wird übel. Ob ich noch in meiner alten Studi-Bude wohne und in diese linken Clubs gehe. Hier weiß jemand fies bescheid. Ich beschließe, dass ich genug Material habe und gehe lieber. Die Heimreise kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Als ich in der Wohnung meinen Rechner öffne, ist mein alter Bildschirmschoner verschwunden. Dafür steht an der gleichen Stelle nun auf schwarz-rot-goldenem Grund zu lesen: Danke für das aufschlussreiche Gespräch. Ihr Wolfgang „Big Brother“ Schäuble. Das meinten sie also mit schnell. Kurzfristig disponiere ich um – aus Gründen der eigenen inneren Sicherheit, sozusagen. Die Headline des Artikels lautet mit sofortiger Wirkung: Ein Politiker fürs Volk – Innenminister Schäuble hat ein Ohr und Augen für die Bürger. So kann man es eben auch sehen.

Dadideldum ... der Datenklau geht um

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„Haut zeigen war schon immer eine Frage des Stils“

Eine Liebeserklärung von SLEAZE an die vermeintlich Hässlichen unter uns. Katzen sind niedlich, kuschlig, vooooooooooll süß. Wer das nicht so empfindet, gilt als hartherzig. Aber hat eigentlich mal jemand die Katzen selbst gefragt? Natürlich nicht. Typisch Dominanzkultur (das hier ist ein Insider, passt aber so gut). Eine kleine Gruppe von Katzen widersetzt sich dem Kuschelmuschel-Mainstream. Die Sphynx‘ boykottieren das durch komplette Haarlosigkeit, selbst Schnurrhaare fehlen häufig. Da wird wohl selbst Dragqueen RuPaul neidisch, die mal 1000 Dollar gewettet haben soll, dass man an ihrem Körper kein einziges Haar findet. Aufgrund ihres provokanten Äußeren werden sie häufig für Kampflesben oder aalgleite Arschlöcher gehalten – und liegen – wie so oft von Unwissenden falsch gelabelt – so richtig schön daneben. Doch seht selbst.

Was ist denn nu mit den inneren Werten?

Kurz etwas zu meiner Person: Ich bin eine treue, romantisch veranlagte Schmusekatze, die lange Abende vor dem Kamin oder stundenlanges Brutzeln in der Sonne genießt. Ich weiß, dass ist nicht gut für die Haut, aber die warmen Sonnenstrahlen kribbeln so schön, hihi. Ich setze mich für Gerechtigkeit und Freiheit aller Tiere ein, Gleichberechtigung ist mir sehr wichtig. Darum arbeite ich viel mit armen Menschen, versuche ihnen aus schwierigen Lebenslagen in eine bessere Zukunft zu helfen. Mein Traum ist eine kleine Familie mit 4 – 6 Kindern, mit der ich auf einem Bauernhof im Süden lebe. Ach ja… …und dann habe ich da noch eine andere Seite. Wenn der Mensch in mir erstmal erwacht ist, werde ich zügellos und bin wie ein Vulkan (dessen Krallen dann schwer zu stoppen sind wenn du weißt, was ich meine ;). Richtig, das beziehe ich durchaus und fast ausschließlich auf Sex. Ob auf dem Kratzbaum oder im Kleiderschrank, auf dem Kamin oder im Apfelbaum – manchmal kann ich mich einfach nicht beherrschen.

Nick: Haut Couture Name: Sphynx Geschlecht: weiblich, Sex pur Beruf / Beschäftigung: Masseurin Wohnort: ursprünglich aus Kanada, jetzt nicht mehr zu stoppen Größe: 39,7 cm, die nicht zu stoppen sind ;) Hobbys: Filmklassiker wie E.T. oder Gremlins und alles von Russ Meyer Motto: Die Haut ist das größte (Sex)Organ

Wen ich suche: Ich mag kuscheln sehr gern – manchmal, selten – aber vor allem musst du insgesamt wissen, wie du mich zu nehmen hast. Das Ambivalente in mir hat schon manch einen aufgerieben. Manchmal habe ich ihn auch anders aufgerieben, hihi. Puh! Um mal wieder runterzukommen: Du solltest unbedingt eine soziale Ader und multikulturelle Einstellung haben und mit allen vier Pfoten im Leben stehen. Den Nacktmull in der SLEAZE 6 fand ich zum Beispiel ganz schnucklig. Weiß jemand, ob der noch zu haben ist? Bei Interesse kannst du Kontakt aufnehmen unter der Chiffre „Hautist“ mit einer Mail an danilo@sleazemag.de.

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POSTANWAGNER

Für den Journalisten Franz Josef Wagner wurde beim Axel-Springer-Verlag extra die Position des Chefkolumnisten geschaffen. In seiner BILD-Kolumne „Post von Wagner“ schreibt er über alles, was ihm vor die Flinte läuft: Menschen, Gegenstände oder auch Farben. inFemme schießt zurück. In ihrem Weblog antwortet sie Wagner auf seine Post. Dies und weitere Wutanfälle oder Beobachtungen gibt es unter www.infemme.twoday.net.

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Wagner schreibt an den Mundharmonikaspieler. inFemme schreibt an Wagner

Wagner schreibt an Hoffenheim. inFemme schreibt an Wagner

Lieber Wagner,

Lieber Wagner,

Sie sind doch der, der immer auf Hoffnung und so rumreitet, richtig? Da frage ich mich ernsthaft, warum sie dem Mundharmonikaspieler von diesem Supertalent gleich nach seinem Sieg jegliche Illusionen nehmen. Sie schreiben ihm, er sei erstens überhaupt kein Supertalent und habe zweitens kein Zuhause mehr. Denn jetzt da er reich ist, kann seine Heimat nicht mehr die Fußgängerzone sein. Jetzt mal ganz verrückt gedacht, lieber Wagner: Vielleicht hatte der Mann mit der Mundharmonika ja schon vor den 100.000 Euro keine Lust, in der Fussgängerzone zu wohnen und von dem Geld aus dem vor ihm liegenden Hut zu leben. Könnte man zumindest mal drüber nachdenken. Und jetzt, da der Hut frei ist, frage ich mich, ob du ihn nicht nehmen willst, lieber Wagner. Könnte man zumindest mal drüber nachdenken.

in deinem Brief an die Mannschaft des TSG 1899 Hoffenheim vergleichst du die Provinz mit der Superstadt München. Für dich spielt nicht nur Hoffenheim gegen den FC Bayern, für dich ist das ein Duell von BILD gegen Kraichgau-Stimme oder P1 gegen Alte Mühle. Du wünschst dir, dass die Provinz über Kaviar, Champagner und Überheblichkeit siegt. Deshalb wettest du dein ganzes Weihnachtsgehalt darauf, dass Hoffenheim Deutscher Meister wird — für kranke Babys. Warum wettest du das? Ich vermute verschiedenes: 1) Du bekommst gar kein Weihnachtsgeld 2) Du hältst die Worte „Ich spende für Kinder in Afrika“ für eine Redewendung, die so ernst zu nehmen ist wie: „Dann fress ich einen Besen.“ 3) Du glaubst, dass es in Afrika keine kranken Babys mehr gibt, wenn der Deutsche Meister feststeht.

Herzlichst, inFemme

Herzlichst, inFemme

Wagner schreibt an Gandhi. inFemme schreibt an Wagner

Lahm schreibt an Wagner. inFemme schreibt an Wagner

Lieber Wagner,

Lieber Wagner,

du schreibst an Mahatma Gandhi mit einer wichtigen Botschaft: Gewalt sollte doch mit Gegengewalt bekämpft werden. Auf diesen Trichter kommst du wegen der Versace-Terroristen, die Bombay unsicher gemacht haben. Du findest, die Terroristen von Heute verstehen die Sprache der Liebe nicht mehr. Wagner, jetzt mal Butter bei die Fische: Deinen Brief an Gandhi hast du doch in der Werbepause von „Die Auswanderer XXL“ geschrieben, aber erst nachdem du dir ein Brot geschmiert und kurz mit Udo Walz telefoniert hast, oder? Wann haben denn Terroristen jemals die Sprache der Liebe, von Jesus oder Gandhi verstanden? Noch nie, lautet die Antwort, denn sonst wären sie ja Hufschmied oder Chorleiter geworden. Wie zum Beispiel auch der Mann, der — und jetzt Obacht — Gandhi erschossen hat. Du verstehst, worauf ich hinaus will? Sehr gut.

Herzlichst, inFemme

erst habe ich gedacht, Weihnachten und Ostern fällt auf einen Tag, als ich den Brief an dich las. Ich habe nämlich gedacht, du gehst endlich offensiv mit deinem Wahnsinn um und schreibst dir selbst. Ich habe wirklich gedacht, dein zweites Ich meldet sich, um eben nicht auf Hoffenheim, sondern auf den FC Bayern zu wetten, was die Deutsche Meisterschaft angeht. Meine Antwort an dich und dich war schon fast fertig, erst da bemerkte ich enttäuscht: der Brief war gar nicht von dir, sondern von Bayern-Kicker Lahm. Dieser zahlt die gleiche Summe, die du kranken Kindern in Afrika gibst, wenn Bayern Deutscher Meister wird. Wagner, Wagner, Wagner. Du kassierst ein Gehalt, das noch verrückter ist als du, schreibst deine Briefe normalerweise schneller, als Usain Bolt 100 Meter läuft und lässt jetzt auch noch die wenige Arbeit, die du hast, einen kleinen Fußballer machen. Da wäre es doch nur gerecht, wenn du jetzt dem Lahm auch ein bisschen Arbeit abnimmst. Dreh doch einen Nutella-Spot. Dein Text: „Wegen dir gibt es Brot. Pur holen glitzernde Löffel dich aus dem Glas. Die Armut nimmt den Zeigefinger. Süßes Glück. Braunes Gold. Gott schütze dich.“

Wohl bekomms, inFemme SLEAZE Jan / Feb 2009

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Meine Fresse. Tante Noah ist inzwischen in den Zwinger umgezogen. Eure dummen Fragen könnt Ihr gern weiterhin einsenden: info@sleazemag.de Die Opfer diesen Monat haben wir allerdings wieder mal aus dem Internet gezogen und ihre Tippfehler selbstverständlich beibehalten. Dass wir uns ausschließlich in Fetischforen für Anfänger bewegen, soll uns bitte nachgesehen werden.

Darauf reagiere ich schon seit über 20 Jahren stark, sowie ich eine Frau sehe die ihre Uhr so trägt, tut sich bei mir was... Bin ich da der einzigste, oder gibt es hier sonst noch welche denen es so geht, oder Frauen die ihre Uhr so tragen?

schon lang niemand mehr zuhause. Aber du hast dann wenigstens ein neues Hobby. aberklardoch, N

Mutter UND Tochter?! hallo an euch.

Wow. meine freundin hat eine ziemlich gut aussehende mutter, die 39 jahre alt ist. sie hatte mich vorgestern zu einem badminton-match eingeladen. sie meinte, dass mir das gefallen würde, da sie das schon seit 4 jahren spiele. meine freundin war mit ihren freundinen unterwegs. nunja, auf dem rückweg (ich bin mit meinem passat kombi gefahren) fing sie an, sich unter einem vorwand den pullover auszuziehen und fing an mir mein hemd aufzuknöpfen. sie bat mich von der autobahn ab auf einen parkplatz zu fahren. DORT HATTEN WIR DANN SEX. wirklich sehr,sehr guten sex. sie bat mich, dass alles für mich zu behalten und solle auch weiter mit ihrer tochter schlafen. gerne würde sie das aber trotzdem mit mir wiederholen.

TANTE NOAH Glibbermasse und Hosen voll heyho,

hab mal ein paar fragen zum thema wetlook und messy(wurde ja bisher glaube hier noch nicht behandelt ...) undzwar wollte ich wissen, ob es überhaupt ein fetisch ist, wenn man von bildern und videos von frauen in nassen anziesachen und/oder schlammigen/schleimigen/mit essen voll und überfüllten anziesachen sehr erregt wird und dazu häufig masturbiert ...? Meine Lieblingsvorstellung ist es, mit dem partner angezogen in die badewanne oder dusche zu steigen oder uns mit pudding oder irgendeiner anderen „glibber-masse“ überziehen und die hosen volllaufen zu lassen. lg, Hugo

Lieber Christoph Schlingensief Hugo,

Dein Sexleben geht mir am sorgfältig frischgewaschenen Arsch vorbei. Wichtig finde ich aber einen Aspekt, auf den du noch gar nicht eingegangen bist: deine ökologische Verantwortung. Sind die Produkte, mit denen du planst, dir „die Hosen vollaufen“ zu lassen, biologisch abbaubar? Wurden für den Pudding Tiere in Massentierhaltung gequält? Meine Idee: Steig lieber um auf s/m, denn dann kannst du dich selbst quälen lassen und die Tiere, die ihr Lebtag keine einzige ihrer versauten (sic) Phantasien verwirklicht bekommen, haben kurz Pause. Achte aber auf Kunstleder-Klamotten und -Accessoires. Falls dir das alles zu „öko“ vorkommt, kannst du auch einfach deine Adresse einsenden und wir kommen dann vorbei und machen deinen Traum wahr. Du hast doch eine Badewanne? Den Fön im Gepäck, Tante Noah

Frau mit Uhr nach unten Mein Fetisch ist wohl sehr selten, ich stehe darauf wenn die Frau eine Uhr trägt, und vorallem wenn sie die „nach unten“ trägt, sprich die Uhr da liegt wo sonst der Verschluß ist, und andersrum. 10

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Meine Einschätzung: Du bist konservativer Schweizer, daher ist es für dich schon voll crazy, sozusagen der Gipfel der crazy Kaputtness, der crazy Crazyness, wenn mal eine so voll gegen den Strom schwimmt und die Uhr nach unten trägt. Ich denke, dass das eigentlich Anziehende für dich bei der ganzen Sache ist, dass die Frau was falsch macht. Und gleichzeitig einen starken bürgerlichen Schein nach außen wahrt. Daher empfehle ich dir, einen Kalender mit den schönsten Snapshots von Eva Herman herauszugeben. Dann wirst du auch schnell sehen, wer alles sonst noch so darauf steht, wenn bei Frauen einiges falsch läuft. bittegern, Tante N

Speed-haarausfall???

kann mir jemand sagen, ob es bei übermäßigem speed-konsum zu haarausfall kommen kann? meine freundin konsumiert mittlerweile leider wieder sehr viel von dem zeug. und seit einigen wochen gehen ihr vermehrt die haare aus. so daß man nun wirklich schon krass nen unterschied kennt. sie hatte vorher nämlich sehr volles haar. kann mir jemand was dazu sagen? danke....

Okay.

Mal von vorne: Deine Freundin ist auf Dauer-Speed und du bist noch mit ihr zusammen, kannst aber gleichzeitig weit genug gucken um ihre Haarpracht einschätzen zu können? Ich rate dir dringend zum Selbstversuch. Dann weißt du es am besten. Fang bei drei Gramm pro Tag an und arbeite dich sorgfältig nach oben. Neben einem Job bei der nächsten Love Parade wirst du dann auch Gewissheit erreichen. Die kannst du dann deiner coolen Freundin mitteilen. Damit... ja — was eigentlich? „Du Schatz, ich glaub des kommt vom vielen Speed, ich bin da ganz sicher“ klingt wie eine nette Konversationseröffnung, aber was versprichst du dir davon? Wahrscheinlich ist es ihr scheißegal, ob Speed neben Löcher ins Hirn auch noch eine lahme Frise macht. Wahrscheinlich lacht sie dich aus, wenn du ihr mit Haarsorgen kommst. Wahrscheinlich ist da sowieso

WAS SOLL ICH JETZT TUN? so tun, als ob nicht passiert ist ??? wieder sex mit ihr haben, und weiter mit der tochter? das ist echt alles mist...... hiiiiiiilfe.

Mannomann,

ich gehe hier mal davon aus, dass du ein Typ bist. Rein vom ortografischen Gespür her... Also: Dass du 13 bist und gerade zum ersten mal den Film „the graduate“ gesehen hast, heißt nicht, dass wir alle den Film nicht kennen. Wenn dein post wahr wäre, wärst du jetzt schon viel zu sehr mit Sex und Antibiotika beschäftigt, um dich dauernd in Internetforen rumzutreiben. Deine Frage wird bei uns archiviert zwischen „meiner ist viel zu groß“ und „hilfe, Pamela Anderson hört nicht auf, mich zu bedrängen“. Mein tantenhafter Rat: Spiel Lotto, dann kaufst du dir vom Gewinn einen Porsche, und dann lernst du Frauen kennen, die Tennis spielen ...und so abfahren .. ach ja,... eine Zeitmaschine zurück in die 80er wäre dafür auch nicht schlecht. Und natürlich eine Filmproduktionsfirma. viel Spaß weiterhin im Traumland, Onkel Sow

Tante Noah bloggt auf www.noahsow.de

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Alvaro Misterio

Alvaro Misterio Wenn man das Wort „Mythologie“ in Verbindung mit Illustration hört, denkt man als erstes an verschnörkelte Zeichnungen von vor hunderttausend Jahren. Seit aber klar ist, das 2012 der Inka-Kalender endet und wir alle sterben werden, machen esoterische Weisheiten vor keinem Kaffeekränzchen mehr Halt. Und so besinnen sich auch viele Künstler wieder auf Dinge, die uns wirklich bewegen. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Kann ich meinen Hund auch mit Reiki-Energie heilen? Religion ist ja so was von 2007, damit gewinnt man jetzt auch kein Land mehr. Der Normalbürger setzt neuerdings wieder vermehrt auf die heidnischen Kulturen. Hier haben wir das Exemplar eines überaus sympathischen spanischen Künstlers, der in 14

seinen Illustrationen die pulsierende Gewalt der Mythologie mit der kühlen Aufgeräumtheit des Graphikdesigns verbindet. Er erzählt, dass er aus Madrid kommt, wo er in verschiedenen Bereichen als Grafikdesigner tätig war, hauptsächlich aber für Mode und Werbung. Er war nicht zufrieden gewesen damals, weder mit seinem Job, noch mit dem Lifestyle, den er damals hatte, und somit beschloss er nach London zu ziehen. Dort verbrachte er zwei Jahre damit, Visuals zu produzieren und mit dem Medium Video zu arbeiten. Dort war ihm das Leben aber zu stressig und verwirrend, und bis er nach Berlin zog, hatte er noch nicht den Weg gefunden, wie er in Balance mit sich selbst am besten schaffen kann.

Nachdem er Jahrelang hinterm Rechner und hinter Maschinen zugebracht hatte, entdeckte er, dass er mit einem Bleistift mehr ausdrücken konnte als je zuvor. In Berlin malte er also hauptsächlich. Seine Werke erschienen in einigen Publikationen, es gab einige Ausstellungen. Grade beendete er seine Arbeit für „ The Lost Children of London“ des Autors Javier Calvo, für die er 50 Illustrationen anfertigte. Schön, dich kennenzulernen. Glaubst du an Gott? Ich glaube an die Idee von Gott, ob das jetzt ein wirkliches Wesen ist oder einfach eine psychische Projektion unseres tieferen Inneren. Eigentlich finde ich die zweite Möglichkeit wesentlich interessanter, denn falls „Gott“ SLEAZE Jan / Feb 2009

ein Symbol unseres Selbst ist, gibt es einen riesigen, tiefen Ozean zu erkunden. Und ich glaube daran dass, was auch immer die Natur dessen ist, was du letztendlich finden würdest, es real und heilig ist.

The difficult thing is not doing it but creating it“

Auf deiner Internet-Seite steht: „Das Schwierige ist nicht, es zu machen, sondern es zu kreieren.“ Kannst du dieses Phänomen erklären? Mit diesen Worten wollte ich zwei Fakten des Kunstschaffens differenzieren. Eine Sache ist es, die Fähigkeit zu besitzen, eine Arbeit zu produzieren. Und eine andere Sache ist es, was du mit der Arbeit meinst. SLEAZE Jan / Feb 2009

Es ist eine sehr reichhaltige Erfahrung, Kunst mit deinen Händen zu erschaffen. Aber ich glaube nicht, dass du es schaffst, irgendwas mit deiner Kunst auszudrücken, wenn du dich nicht vorher mit deiner Person auseinandergesetzt hast. Man könnte einer meiner Zeichnungen innerhalb weniger Stunden kopieren, aber es würde ein ganzes Leben dauern, eines zu kreieren. Was hast du letzte Nacht geträumt? Ich erinnere mich nicht, deswegen war es wahrscheinlich ein Albtraum. Woher kommt deine Faszination für Mythen? Weil Mythen uns die Antwort auf die Frage geben, was wir sind. Sie symbolisieren die Fülle unseres Gedächtnisses in Form von Geschichten, und diese Geschichten sind universell.

Seit Jahrhunderten haben Menschen ihre Fantasien real werden lassen, und ich glaube, dass Fantasie das Ding ist, was wir wirklich sind. Wenn du die Faszination für dich selbst verlierst, bist du einfach nichts mehr. Und Mythen halten meine Faszination am Leben. Was ist dein Lieblingsmythos? Mein Lieblingsmythos ist der Mythos der Schöpfung. Jede Kultur hat ihre eigene, und wenn du sie liest, findest du heraus, wie sehr sie einander ähneln. Ich glaube irgendwie, dass der Mensch eine Art Schicksals-Bewusstsein darüber hat, wie wir entstanden sind oder wenigstens, wie wir Bewusstsein über unser Leben erlangt haben. Und es ist faszinierend zu sehen, auf welche Art und Weise wir versucht haben, diese Erinnerungen wieder herzustellen. 15


Alvaro Misterio Dein liebstes Songtext-Zitat. The twig-smashed landscape / Is rolling and waving / Wolf wild wide wind walking / Soft smoke star space stalking / This is the comic book end Current 93. „All this World makes Great Blood“ Was magst du an Spanien nicht? Wahrscheinlich dasselbe, das jeder Eingeborene jedes Landes fühlt. Irgendwie bist du gekettet an diese durchschnittliche und homogene Mentalität des Ortes, an dem du so lange gelebt hast. Um meine individuelle Denkweise und Ausdruck anzureichern, musste ich einfach gehen. Ein Ausländer zu sein gibt dir eine seltsame Art von illusorischer Freiheit. Es ist nicht einfach in einem anderen Land zu leben. 16

Aber um ehrlich zu sein, ist es schwieriger, ein „bisschen anders“ in deinem eigenen Land zu sein. Was ist das Seltsamste an Deutschen? Ihre Unergründlichkeit. Wenn du kein Künstler wärst, was wärst du dann? Ein Zuschauer. Wenn ich ein Buch lesen müsste und danach wäre ich tot, was müsste ich dann lesen? „Story of the Eye“ von George Bataille.

Alvaro Misterios Werke sind in den „Lamono Gallery“ in Madrid / Barcelona in Spanien zu besichtigen oder im Internet unter alvarobarcala.blogspot.com oder myspace/alvaromisterio

Lene

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Dokumente einer vergangenen Ära

Warum gibt es Flyer und Poster? Klar, um viele Leute kostengünstig mit der eigenen Botschaft zu erreichen – wie bei jedem Massenmedium. Dazu kann man die kleinen und großen Werbe(flug)blätter gezielt dorthin packen, wo man die Interessenten vermutet. Das Schöne insbesondere an Flyern ist, dass man sie mitnehmen (selbst wenn einen nur die Grafik und gar nicht die Botschaft interessiert) und als Andenken behalten kann. Viele Wohnungen werden ausschließlich mit Flyer und Poster geschmückt.

Man schrieb das Jahr 1998. Der Herr auf der Bühne nannte sich Common. Der Herr aus Chi-Town musste aus rechtlichen Gründen seinen Nachnamen „Sense“ (nicht die für das Heu) streichen. Kurz danach war er in Deutschland und auch ohne Nachnamen toll. Danach habe ich an irgendeiner Wand das Plakat gefunden. Ich habe mir nie welche gekauft so war es authentischer. Durch den Regen war es leicht abzuziehen, dafür hatte ich überall Kleister an den Sachen. Und ein weiteres Andenken, das mehrere Jahre voller Stolz und Erinnerungen in meiner Wohnung hing.

Wie lang gibt es Flyer noch? Auch wenn in den Sommermonaten der Konkurrenzkampf noch groß ist unter den wilden Plakatierern, wird das Internet die visuelle Präsenz in den Straßen und den Flyer-Ständern verringern. Ähnlich der Plattencover, die iTunes-geschulte Käufer heute kaum noch kennen, werden die elektronischen Mailings in Zukunft dominieren. Wir können über MySpace unsere aktuell 2.539 „Freunde“ mit wenig Aufwand erreichen – auch wenn nicht jedes Party-Animal die Filterfunktionen nutzt und man so öfter mal auf Gästelisten in Baltimore und Shanghai steht. Nun ja, nix ist perfekt.

Wir haben nun alte Party-Flyer und -Poster von Anfang der 80er Jahre ausgegraben, die eine gute Dokumentation der Party-Anfänge von New Yorks Hip-Hop-Szene sind. Oft textüberladen, mit selbstgemaltem Figuren (unter anderem mit dem schönen Thema Fremdknutschen) und Starschnittmäßig eingebauten Fotos, zeigen sie, wie die Szene vor dem Personal Computer kommunizierte. Afrika Bambaataa und die Cold Crush Brothers waren die Platzhirsche, Eintritt bewegte sich schon damals zwischen drei und 15 Dollar, und es gab Geld zu gewinnen für das beste Outfit.

Ähnlich der Zeiten, als Buch, Radio oder Fernsehen sich etablierten, wird das Internet eine Erweiterung sein. Ganz verschwinden werden die klassischen Party-Medien in nächster Zeit zum Glück nicht. Urlauber, aber auch vergessliche Menschen wie ich brauchen haptische Erinnerungen – jenseits des elektronischen Daten-Smogs. Frohes Fest.

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THE POP DOWN PROJECT Wenn ihr vor dem Computer sitzt und auf schweinischen Seiten herumlungert, kann es schon mal passieren, dass ca. 10 - 20 Pop-ups euer Treiben erschweren. Trotzdem ist es eine relativ leichte Angelegenheit, die ungebetenen Gäste zu schließen. Im richtigen Leben sieht die ganze Sache schon komplizierter aus. Wer dort versucht, unschöne Werbung zu „schließen“, hat wahrscheinlich kurze Zeit später ein Problem mit unseren Freunden und Helfern. Filipe Vilas-Boas hat auch keine Idee, wie ihr die Werbung von der Straße verschwinden lassen könnt. Durch seine Aktionen macht er aber darauf aufmerksam, wie intensiv unsere Umwelt schon von Reklame verschmutzt ist, ohne dass es uns noch auffällt. Er sagt auch liebevoll VISUAL DEPOLLUTION dazu.

THE POP DOWN PROJECT

Überall wo er steht und geht, hinterlässt er den „Close Windows“- Button auf den Werbeplakaten und macht sie dadurch schon wieder zu kleinen urbanen Kunstwerken — oder gibt sie einfach der Lächerlichkeit preis, ganz wie man es sehen will. Er hat allein angefangen und bis jetzt gibt es ca. 600 Pop Downers weltweit, hoffentlich auch bald in Berlin. Mehr unter: http://pop-down.blogspot.com/

Closing the Window on Real Life Pop-Ups

Yanah 20

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Ein Porträt

Unsäglich. Das P-Thema. Man fühlt sich ertappt, erwischt, die Festplatte liegt wie ein offenes Buch auf dem Küchentisch. Man hat das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Weil man Pornos guckt. Warum? Hochglanz, irreal makellose Darsteller und ihre gebleichten und operierten Körperöffnungen lassen den Betrachter eintauchen in seine Träume. Bedürfnisse, die von Altgestrigen als nieder eingestuft würden. Ebendiese Bedürfnisse werden durch die Produkte des Industriezweigs, der größtenteils aus Chatsworth, Kalifornien, stammt, befriedigt. Die Welt wird mit Sequenzen überschwemmt, denen es an Authentizität mangelt, dass es wehtut. Hinsichtlich dieses qualitativen Mankos scheint es nur rechtens, dass sich der Partner darüber echauffiert und einen Streit vom Zaun bricht. Die Eifersucht über die Zufriedenstellung an einem anderen Ort als dem gemeinsamen Bett gibt’s gratis dazu. Eon McKai, der Stern am Regiehimmel der Pornoindustrie und bekennender Internet-Geek, wird diesem Dilemma ein Ende bereiten. Geboren 1979 und Absolvent der California Institute of Arts, Mitbegründer, Grundstein und Zugpferd der Alternative-Porn-Szene. Ein Zweig, der abseits von GonzoPornostreifen und seinem MultiMillionen-Konzernen dem Hardcore ein besseres, authentisches Gesicht gibt. Nachdem er einige Sets für Websites wie SuicideGirls.com schoss, kam er im Rahmen eines Vortrages in einer Galerie in Kontakt mit Veronica Hart, dem HQSternchen des 1980er Porno. Sie brachte ihn bei VCA unter, einem filmischen Arm der Krake Larry „Hustler“ Flynt. VCA nahm McKai 2004 als Regisseur unter Vertrag, im selben Jahr erschien sein Debüt „Art School Sluts“. Es folgten „Kill Girl Kill 1-3“ und ein Remake des Klassikers „New Wave Hooker“ von 1985 mit Peter North und einer zu jungen Traci Lords. 2006 wurde Eon McKai von der Vivid Entertainment Group abgeworben, um, einer logischen Entwicklung folgend, das neue Label VividAlt zu leiten.

‚Hey, two weeks ago I was at a party here. I drank beer here, and now we‘re shooting.’ McKai hält sich in seinen Filmen an Emo, Goth, Punk und Rave. Er castet Freunde für seine Filme, kann sich kaum retten vor jungen Frauen, die sich bereitwillig ablichten lassen wollen. Je nachdem, wo er sich aufhält, macht er Filme für Menschen, die knapp unter dem legalen Alkoholkonsumalter sind oder knapp drüber. Und das mit Akteuren, die genauso alt sind wie die Konsumenten. Sein Cast besteht nicht aus verkleideten Starlets, die Menschen kommen aus der Subkultur, die im Film abgebildet ist. Das Setting wird auch dort platziert, wo das Leben stattfindet.

‚This is what I do. My art is porn.’

KUNSTSCHULSCHLAMPEN 22

Er hat einen Warhol-Anspruch, wirft den Cast mit den Skripts ins kalte Wasser, hält drauf und wartet mit der Klappe bis zum Gipfel der Stimmung, sich unwohl in der eigenen Haut zu fühlen. Er hält nichts von Silikon, außer im Bad, überspannt das SLEAZE Jan / Feb 2009

Setting, indem er zwei junge Frauen ein Hetero-Pärchen spielen lässt und die ihren aus dem Mainstreambereich adaptierten Text ablesen. McKai hat sich eine Nische in der Nische geschaffen und baut diese stetig aus. Letztendlich, mag man sagen, dreht er Porno wie so viele andere. Der Ablauf ist derselbe: Vorspiel-Akt-Höhepunkt-schwarze Ausblende. Für Zyniker scheint der Rest alles nur Hülle und Fassade zu sein. McKai dagegen lebt Alt-Porn.

‚I really want to see alt-porn happen. If I can create that shelf and keep making good movies and the company is happy with me and I‘m supporting myself, then I‘d be cool with that.’ Aber jeder hat es schon mal aus dem Mund einer Frau gehört, dass sie sich auch mal einen Porno anschaut, wenn er gut gemacht ist. Der mengenmäßige Anteil Derjenigen, die diese Aussage ernst meinen und Denjenigen, die sich nicht das Prädikat der rostigen Jungfer aufdrücken lassen wollen, sei dahingestellt. Und Hoffnung haben darf mann, eines Tages mit einem Porno zum Feierabend überrascht zu werden.

‚It just reminds me, carrying this name, that I have to stick to my guns, much like Ian did.’ Seinen Namen hat er sich vom Dischord-Labelgründer Ian McKaye geholt, dem straight-edge Punk-Pionier. Zu der Auswahl befragt, meint er nur, es erinnere ihn daran, dranzubleiben. Filmografie: 2004: Art School Sluts 2005: Kill Girl Kill 1-3 2005: Neu Wave Hookers 2006: Girls Lie 2007: Debbie Loves Dallas 2008: Doll Underground eonmckai.com vividalt.com 23


Daniel B.: Meine braunen Chucks habe ich gekauft als ein Zeichen meiner neu gewonnenen Freiheit oder auch einfach nur, weil ich Schuhe brauchte. Ich hab sie gern und, wie man sieht, sehr oft getragen. Vorher konnte ich diesem Format nicht all zu viel abgewinnen. Aber einmal an den Füßen und man schläft darin. Ich bin Chuck-Fan.

Jero:

Die Quantum Force wurden bis jetzt nicht wieder aufgelegt wie die anderen „Retros“, was den Schuh natürlich zu etwas Besonderem macht. Baujahr ist 1989, ich hab ihn 95 in Brooklyn gekauft. Die Farbkombination ist ziemlich selten und passt auch eigentlich zu nix. trotzdem dreh ich mit denen gern ‚ne Runde, ab und an, bei schönem Wetter, und ich bin immer wieder erstaunt, dass dieser Schuh bis jetzt noch nicht kaputt gegangen ist. In der Regel wird die Sohle nach ca. 17-20 Jahren porös und löst sich nach und nach in ihre Bestandteile auf. Lange werd ich mit diesen Sneaks also nicht mehr angeben können. :)

➡ Daniel A.: Den Adidas Rifle habe ich mir sogar zweimal gekauft, weil mein Schwager ihn unbedingt haben wollte (und ich ihm so den RUN-D.M.C.-Pullover abschwatzen konnte). 1990 hatte ich den Schuh zum ersten Mal auf einer legendären Hip-Hop-Party in der Berlin Stromstraße gesehen. Danach habe ich ihn jahrelang verpasst oder er war nur in der falschen Größe verfügbar. 2001 habe ich ihn dann endlich bekommen.Und seinen Verwandten Recif auch noch. Wen den noch jemand neu in Grün in US 8,5 oder 9 abzugeben hat, bitte bei der Redaktion melden.

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Sven: Die Court Force Low Gimme 5 habe ich 2006 bei Solebox gekauft. Ich kannte Gimme 5 noch aus alten Zeiten, weil ich in London mal coole Shirts von denen gekauft hab. Ich mag das Label, das Design der Schuhe: die Gelegenheit musste ich nutzen.

danilo: Sie sind schon völlig kaputt, ich kann sie nicht mehr tragen, aber trotzdem. Was soll ich sagen: Ich liebe sie. 1998 in San Francisco nach vielen Wochen reiflicher Überlegung (Fake oder nicht?) gekauft. Viele Erinnerungen an meine ersten zehn Wochen USA hängen daran. Viele der Ewings waren sehr klobig, was bei einem 2,13Mann vielleicht nicht so sehr ins Gewicht fällt wie bei mir 1,74-Männchen. Bis heute keine Ahnung, wie das Modell heißt. Falls einer der Leser das ändern kann… Ewings Art zu spielen fand ich immer unästhetisch und langweilig, seine Schuhe aber habe ich geliebt. Also, die der eigenen Schuhmarke, nicht so sehr die Signature-Modelle von Adidas. Ich mochte die Marke auch deshalb so, weil alle auf die Jordans abgefahren sind. Und als pubertierender Rebell musste ich auch dem coolen Mainstream widerstehen blablabla. Waren auch schon in der ersten Ausgabe des Lace Mag. Weiß gar nicht mehr, ob es das noch gibt. Sascha, falls du das liest: What up?

Gelare: Bei diesen formschönen Schuhen handelt es sich um das Model Nike Blazer Mid. Das sind meiner Meinung nach die bequemsten Schuhe von Nike, vom Style-Faktor ganz abgesehen. Dazu gefällt mir die Farbkombination. Ich hab sie gesehen und mich sofort verliebt. Diese Schuhe rocken. Genauso wie ich. ;)

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SLEAZE unterstützt

BRANDNEW AWARD

Die alljährlichen Innova-Tiefen und Höhen

ispo 1. - 4. Februar 2009 Messe München www.ispo.de www.ispo-brandnew.com

Der BRANDNEW AWARD feiert Jubiläum. Wir gratulieren. Im Rahmen der Sportmesse ispo wird seit zehn Jahren der brandnew Award verliehen. Der Preis soll helfen, intelligente Erfindungen aus dem Sport-Bereich zu fördern. Der Vorteil: Auch einzelne Designer oder kleine Firmen ohne großes finanzielles Polster erhalten die Chance, Aufmerksamkeit für ihre Produkte, Ideen, Erfindungen und Technologien zu erhalten. Die Branche profitiert durch die Innovationen. Das Ergebnis ist nicht nur mehr Spaß und Sicherheit sowie größerer Komfort: Nischen- und Spezialprodukte, die nicht unbedingt für die Massenproduktion taugen, bekommen so die Möglichkeit, sich zu bewähren. Inzwischen ist der Award schon einen Schritt weiter und honoriert sogar soziale Sportprojekte in Krisengebieten. Da wir aus eigener Erfahrung wissen, wie schwer es ist, sich ohne große Hilfe durchzubeißen, unterstützen wir solche Innovationszünder natürlich gern. Erst recht, wenn dann so richtig schön schräge Sachen rauskommen wie der Bergmönch, ein mit speziellem Faltmechanismus ausgestatteter Rucksack inklusive vollgefedertem Downhill-Bike. Gut geeignet für Bergsteiger, die 26

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dann entspannt die Rückfahrt antreten können. Ob Recycling-Surfboards mit Alt-Styropor-Kern aus Kaffeebechern oder die Beer-Jeans von Magnet-Clothing mit der Extra-Tasche für die Flasche – manchmal reichen kleine Details, um vorhandene Produkte zu optimieren. Neben den nützlichen Anwendungen gibt es die stylishen. Seit ich mir vor zehn Jahren mein erstes Snowboard gekauft habe, kotze ich über die hässlichen Motiven und krebserregenden Farben einiger cooler Boards ab. Ähnlich wie bei Berlintapete oder Nike ID ist auch bei Boards Customizing schon lange ersehnt. Kaorigin hat nun die Gebete erhört. Ob eigene oder angebotene Designs – nach einer Woche hat man sie wie bei handelsüblichen Boards auf dem Board. Ich hoffe, dass macht Schule – und ich kann bald ein Blanko-Board in ein SLEAZE-Board verwandeln. Die hier vorgestellten Produkte sind im Finale des diesjährigen ispo brandnew Awards, der während der ispo verliehen wird.

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Fotograf: Stylistin: Models:

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.. Mad Max in Beelitz HeilstAtten

Mark Mattingly -> www.markmattingly.com Jana Kowalik Conny, Gelare, Zeynel, Sascha, Robert

Seite 28: Zeynel trägt: Hose von Firetrap Hoody von Ripcurl

Seite 29: Robert trägt: Jacke von Gio-Goi Shirt von Forvert Schuhe von Lacoste Conny trägt: Shirt von Gio-Goi Jacke von Lipsy

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Sascha trägt: Schuhe von Creative Recreation Jackett von Adidas Hose von Ben Sherman Pulli von Rip Curl

3 Euro retten seine Welt. Retten Sie mit:

wwf.de

Seite 36: Conny trägt Jacke von Blutsgeschwister Mütze von Naketano

Seite 37: Conny trägt Top von Lipsy Shirt von Zweitracht

Seite 30: Gelare trägt Mütze von EK By New Era

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Gelare trägt: Hoody von Naketano Lederjacke von Forvert Schuhe von Goly by eBoy

Seite 35: Gelare trägt: Mütze und Poncho von Blutsgeschwister Schuhe: Fly London

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Conny trägt Mütze von Blutsgeschwister Top von Lipsy

Seite 32: Conny trägt: Stiefel von Fly London Kleid von Firetrap Lederjacke von Lipsy

Sascha trägt: Shirt von KUYICHI Gürtel von Rip Curl Schuhe von Gola by eBoy Hoody von Rip Curl

Seite 34: Robert trägt Mütze von EK By New Era Zeynel trägt Mütze von Danilo

Seite 38: Conny trägt: Schuhe von Lacoste Shirt von Forvert Jacke von Gio-Goi Schal von Zweitracht

Seite 40: Zeynel trägt: Hoody von Ripcurl Hose von Ben Sherman

Robert trägt: Jacket von Ben Sherman Shirt von Burton

Gelare trägt: Lederjacke von Lipsy Rolli von Blutsgeschwister Hose von Firetrap

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Werden Sie Teil des WWF-Rettungsplans. Schon mit 3 Euro im Monat schützen Sie den Lebensraum der westlichen Flachlandgorillas im Kongobecken. Retten Sie mit. Unterstützen Sie den WWF!

� 069 / 7 91 44 - 111 oder wwf.de

Ja, ich rette mit! Bitte senden Sie mir kostenlos und unverbindlich mehr Informationen, wie ich dem westlichen Flachlandgorilla helfen kann. Name, Vorname

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Bitte schicken Sie diesen SLEAZE Jan / Feb 2009 Coupon ausgefüllt an: WWF Deutschland, Rebstöcker Straße 55, 60326 Frankfurt a. M. Oder faxen Sie ihn an: 0 69/7 91 44-112 43


[mit freundlicher Unterstützung von www.comicgate.de]

[COMIC] [

Comic ist der gängige Begriff für eine Form der sequenziellen Kunst, die in einer Folge von Bildern einen Vorgang beschreibt oder eine Geschichte erzählt. In der Regel sind die Bilder gezeichnet und werden mit erzählendem Text und/oder wörtlicher Rede kombiniert.

Hardboiled CrossCult

Mann, Mann, Mann da wird einem von Cross Cult ja keine Chance gelassen. Eines meiner absoluten Lieblingscomics auf Deutsch? Dieser Comic ist bald 20 Jahre alt, aber ich denke er hält sich wirklich wacker. Er wirkt kein Stück altbacken - immer noch nicht. Hardboiled von Frank Miller und Geof Darrow ist einfach wie eine Faust ins Gesicht. Man holt sich eine blutige Nase, aber wenn das Adrenalin dann durch’s Blut peitscht will man noch mehr davon. Frank Miller dürfte den Nichtcomiclesern spätestens seit den Filmen Sin City oder 300 ein Begriff sein, Comicleser kennen ihn sowieso. Geof Darrow dürfte da allseits (wieder) unbekannter (geworden) sein, ist dafür aber ein ganz besonderes Exemplar seiner Gattung. Mittlerweile werden Comics ja nur noch selten am Fließband runtergerissen, man gibt die Geschichten lieber in die Hände eines einzelnen Zeichners der

http://de.wikipedia.org/wiki/Comic

sie mit Samthandschuhen anfasst und das dauert und dauert und dauert bis der dann fertig ist. Und wenn man es dann selber in der Hand hält, fragt man sich wozu braucht der solange? Darrow hingegen zeichnet eigentlich nicht so sehr Comics, es sind vielmehr Wimmelbilder, welche vor Details fast platzen. 130 Seiten hat er davon hinbekommen, damit wären andere heute noch beschäftigt. Ein grandioser Spaß also, zumal es hier um mordende Roboter geht und nicht Knuddelviecher, welche ja sonst Wimmelbilder bevölkern. Hier liegt für mich allerdings auch ein bisschen der Hund begraben bei der vorliegenden deutschen Neuausgabe. Das Format. Es ist zu klein.

Darrow kommt nicht so richtig zur Geltung und das ist bei dem minimalistischen Ansatz von Millers Story schon ein Nachteil, denn die Bilder vermitteln erst die Urgewalt der Handlung so richtig. Statt normales Comicformat mit Hardcover, wäre ein leichtes Überformat im Softcover angebrachter gewesen. Natürlich ist so ein Druckerzeugnis immer ein Kompromiss aus Kosten, Material und Anforderungen des Verkaufs. Bringst du ein unhandliches Format, dann kann es sein das du im Buchhandel Probleme bekommst et cetera. Allerdings - wer die amerikanische übergroße Softcoverausgabe nicht kennt, den wird das vielleicht auch gar nicht interessieren und den Comic so

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schätzen lernen, denn dieser Band ist wieder mal wunderschön gedruckt. Unterm Strich ist Hardboiled wirklich hardboiled. Die Übersetzung ist sehr gelungen und der Comic eine wohlstrukturierte, keineswegs flache Gewaltphantasie welche man als Comicleser einmal im Leben gesehen haben sollte. Meine Lieblingsstelle? Auf Seite sieben, der Protagonist ist in die Ecke gedrängt, steht vor einer Wand und sagt “na los... komm her... Drei Kugeln hab ich noch...” nur um sie in der nächsten Sekunde hirnlos zu verballern. DAS ist echte Action!

erzählt werden können. Hier vom Inhalt überhaupt etwas zu verraten wäre ein Verbrechen am Leser, dennoch kann man genug darüber erzählen.

Sascha

Ich bin Legion CrossCult

Ein guter Comic ist eine harmonische Komposition aus Wort und Bild und tausend anderen Kleinigkeiten, welche die meisten Leser nicht bewusst bemerken werden. Wie mit allen guten Dingen, findet man so etwas recht selten. Wenn man es aber findet sollte man es festhalten. Ganz fest. Das schon mal vorab. Okkultismus, 2. Weltkrieg, ein geheimes Nazi Experiment - mit diesen Zutaten wurden schon viele Geschichten zusammen gebraut, die meisten davon sind unsere Lebenszeit nicht wert. “Ich bin Legion” ist da anders. “Ich bin Legion” ist eine spannende Geschichte auf dem höchsten Level erzählt, auf dem Comics überhaupt

Der französische Autor Fabien Nury hat sich hier wirklich Zeit genommen seine Geschichte darzubieten. Das ist beachtenswert, denn “Zeit” ist im Comic eine “Seite” und dieser Platz ist immer Mangelware, weswegen sehr viele Comics etwas gehetzt wirken. Langsam, wie Blut welches sich auf dem Boden ausbreitet, werden wir nach und nach mit Figuren und Orten bekannt gemacht, welche sich schlussendlich zu einem großen Ganzen verweben. Dabei wird, ganz kinematographisch, mit kleinen Zwischenbildern und gekonnten Gegenschnitten gearbeitet. Das alles wäre gar nichts wert, würde John Cassaday nicht das Geschriebene in meisterhafte Bildkompositionen umsetzen. Cassaday, bekannt geworden durch die US amerikanische Comicserie Planetary (geschrieben von Warren Ellis), hat einen ruhigen, fast zeitlupenartigen Zeichenstil, welcher mithilft z.B. die Actionsequenzen gekonnt zu pointieren. Statt Explosionen im Dutzend, wie es auch möglich wäre, bekommt man exakt, en Detail, dargestellt was passiert. Somit wird der Betrachter nicht überflutet, sondern die Bildsprache trifft, zielgenau wie eine Kugel, zwischen die Augen ins Hirn. Der Hintergrund ist tatsächlich der 2. Weltkrieg vermischt mit Okkultismus und einem Nazi Experiment, allerdings SLEAZE Jan / Feb 2009

wird man hier nicht mit Unglaublichkeiten gelangweilt, vielmehr taucht man ein in eine wirklich gut arrangierte Phantasterei, welche einen Spannungsbogen hat der einen von der ersten bis zur letzten Seite fieberhaft umblättern lässt. Zu erwähnen ist auch, dass dies die erste amerikanisch-französische Zusammenarbeit zweier Verlage ist. Nämlich von DC Comics, der Hausverlag von Batman und Superman und Humanoids, Herausgeber von Metal Hurlant, die französische Version von Heavy Metal. Wenn das Ergebnis immer so gut ausgeht, dann bitte mehr davon. Die deutsche Bearbeitung ist, wie gewohnt von Cross Cult, auf höchstem Niveau. Für knapp 20 Euro bekommt man ein edles Hardcover mit Fadenbindung, was den kleinen Verleger in uns allen mit der Zunge schnalzen läßt. Hintendran hat man noch einen kleinen Exkurs über die französische und amerikanische Comicgeschichte gepackt. Nette Sache und auf jeden Fall interessant, reißt einen dann aber doch aus der Dichte dieses Comicbandes. Passender wäre eine Abhandlung über die im Comic auftretenden historischen Figuren oder etwas über Fabien Nury oder John Cassaday zu lesen gewesen. Am Ende aber Pillepalle, denn dies ist ein fantastischer Comic der jeden Cent wert ist. Um’s nochmal auf den Punkt zu bringen: Im Fernsehen läuft eh nur Scheiße, im Kino auch nicht immer das Beste, was gibt’s da besseres als das neue Jahr mit einem exzellenten Comic zu beginnen? “Ich bin Legende” ist schon jetzt ein Klassiker. Also: ganz feste Festhalten, bitte.

Der Schimpansenkomplex. Der zweite Band setzt nahtlos die Geschichte um Helen Freeman fort, eine Astronautin, die im Jahr 2035 als erste Frau den Mars betreten soll, nachdem sie bereits seltsame Vorkommnisse auf dem Mond untersucht hat. Die Story wird hier nochmals um einige Ecken mysteriöser als bislang schon, denn wie es scheint, war auch die vor rund 70 Jahren gestartete russische Marsmission unter Juri Gagarins Leitung von unerklärlichen Vorkommnissen geprägt, die seitdem von Regierungsseite unter Verschluss gehalten werden.

Sascha

DER SCHIMPANSENKOMPLEX 2: DIE SÖHNE VON ARES Splitter

Als Helen und ihre Crew auf dem roten Planeten eintreffen, entdecken sie Unglaubliches. Obwohl die Handlung von Richard Marazano sich sehr an einem klassischen Raumfahrtabenteuer orientiert, verbirgt sich dahinter vielmehr eine Mischung aus Drama und Mysterythriller. In Verbindung mit den wundervollen Bildern von Jean-Michel Ponzio bleibt diese Albenreihe auch weiterhin ein absoluter Kauftipp. Nur dass man jetzt tatsächlich ein halbes Jahr auf Band 3 warten muss, grenzt angesichts des Cliffhangers an wahre Folter. Ansonsten aber: Chapeau für die Veröffentlichung dieser tollen Serie.

Benjamin Vogt

DER PUBLIKUMSHIT AUF DEM HAMBURGER FILMFESTIVAL! MIT DEM FRANZÖSISCHEN SUPERSTAR TECHEKY KARYO! „Eine quirlige Horror-Komödie mit hochkarätiger Besetzung.“ Filmfest Hamburg „Horrorfans werden viel finden, um ihre Zähne darin zu versenken, ganz besonders auf DVD.“ Variety

ab 12.2.2009 überall im Handel erhältlich Weitere Informationen erhalten Sie unter: www.eurovideo.de

Um es gleich vorwegzunehmen: Selten war ich auf die Fortsetzung einer Comicserie so gespannt wie bei SLEAZE Jan / Feb 2009

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Luxuriöse Grusel-Sammlung

Der Taschen Verlag ist bekannt für hochwertige Geek-Bücher zu den unterschiedlichsten Themen. Gemeinsam ist ihnen allen ein hohes Maß an Qualität und exklusivem InsiderMaterial – für jeden Geldbeutel. Passend zur Weihnachtsstimmung kommen dieses Mal Horrorfilm-Freunde auf ihre Kosten. Für gerade einmal 19,99 Euro erhalten Schlachtplattenfilm-Fans mit Horror Cinema 192 Seiten geballte „Schocker“-Infos und -Fotos zum beliebtesten Genre der Filmgeschichte. Dabei kommt keiner der Klassiker zu kurz. Von

„Alien“ über „Das Schweigen der Lämmer“ und „Psycho“ bis hin zu „Dracula“ werden alle Monster, Hobby-Nihilisten und psychopathischen Killer vom kranken Hirn bis zur Klinge durchleuchtet. Neben den blutrünstigen Stars dieser Streifen widmet sich das Buch auch den kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten und Zutaten eines Gruselfilms. Es erklärt, wie gut gemachte HorrorSchocker unsere archetypischen Ur-Ängste benutzen, um uns auf perverse Weise zu faszinieren. Zum Preis einer DVD erhält man also das perfekte Geschenk für jeden Freund der „morbiden Unterhaltung“. Pascal

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Horror Cinema SLEAZE Jan / Feb 2009

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S t ) u h d e i u s ( m n r e F m u z E Z A E L S d n u x o b X t Mi Theorie

SLEAZE steht auf Filme. Punkt. Die erstklassigen (und durchgeknallten) Videoraiders schmeißen mit Anekdoten und Hintergrund-Wissen um sich, wir unterstützen Projekte wie das Trash Kurzfilmfest oder legen selbst Hand an – und filmen zum Beispiel Shops, in denen SLEAZE zu finden ist. Damit wir auch weiterhin mit Trash und Substanz versorgt werden, rufen Xbox und SLEAZE zu einem Filmstudium auf. Gerade in Zeiten von Studiengebühren und Rezession ist die folgende Variante unschlagbar: Sie ist günstig, du kannst sie von zuhause erledigen – und sie macht durchweg Spaß. Mal sehen, ob du das Zeug zum „Master of sleazey Kinokünste“ hast. Die beiden Xbox-Spiele „Scene it?“ (Theorie, Anwesenheitspflicht ohne überfüllte Säle) und „You’re in the Movies“ (symbolisiert das dank Metamorphose der Diplom-/ Magister-Studiengänge durch trendige Bachelor/Master-Klone leider verlorene Praxissemester) bilden die Grundlage für das hochkomplexe und didaktisch auf dem neusten Stand befindliche Studium.

Scene it? ist eine klassisches Projektarbeitsmodul in Form eines Filmquiz‘. Am besten drei andere Kommilitonen suchen (können auch welche im Auslandssemester sein; dafür gibt‘s ja schließlich Xbox Live) und spielend Zusammenhänge, Filmgeschichte(n) und andere Fakten lernen.

Eines der großen Highlights ist eindeutig „Pixel Flix“. Hier wird in wundervoll naiver 8-Bit-Videospieloptik eine charakteristische Filmszene nachgestellt. Wer als Erster erkennt, um welchen Film es sich handelt, kassiert Punkte.

Oder „Child‘s Play“, bei dem die Spieler anhand untalentierter Kinderbilder erkennen müssen, welcher Film gemeint ist. Die Bilder werden langsam vervollständigt, während im Hintergrund ein Zähler herunterläuft.

Welches Duo hat kein Problem im US-Bundesstaat Texas? a. Clarence & Alabama b. Mickey & Mallory c. Thelma & Louise d. Bonnie & Clyde

Praxis

Kommen wir zum praktischen Teil. Die meisten werden ja nicht nur als theoretische Experten arbeiten, sondern mit viel Körpereinsatz ihr Leben (und hoffentlich auch ihre Mitmenschen) unterhalten. Damit ist natürlich der berufliche, schauspielerische Einsatz gemeint. Das andere ist (hoffentlich) privat. Bei dem Spiel musst du dich in Hauptund Nebenrollen in verschiedenen Genres bewähren. Die Kamera nimmt dich auf und baut dich sofort in das Spielgeschehen ein. Der Bildschirm funktioniert also wie eine Blue Box. Zum Schluss werden die Sequenzen zu einem Gesamtkunstwerk vereint.

Welcher Regisseur gilt als der „Godfather of Gore“? a. George A. Romero b. Herschell Gordon Lewis c. Sam Raimi d. Jess Franco

Du willst dich

MASTER OF SLEAZY KINOKÜNSTE nennen? Das geht nicht ohne Ausbildung! Mach den Eignungstest, stell dich den Fragen und gewinne vielleicht ein Paket voller wunderbarer Kinokunstausbildungsmaterialien. Schick die Antworten an geschenke@sleazemag.de und eventuell bekommst du bald eine Zulassung zum Studium.

Also, selbst wenn du „Freunde“ haben solltest wie wohl viele der DSDSBewerber, die denen irgendwas von Talent vorgeschwindelt haben müssen – spätestens der finale Film bringt dich auf dem Boden der Tatsachen. Andererseits, wenn du dich bewährst – Deutschland könnte mal wieder ein paar gute Schauspieler gebrauchen.

In welchen Film isst Jeff Bridges oftmals Erdbeeren? a. Fearless - Jenseits der Angst b. Die fabelhaften Baker Boys c. Der König der Fischer d. The Big Lebowski Das berühmte Zitat „Sie kommen und holen dich, Barbara!“ stammt aus welchen Film… a. Barbara‘s Baby - Omen 3 b. Tanz der Teufel c. Die Nacht der lebenden Toten d. Poltergeist Ab welchen Teil der „Freitag der 13.“-Serie trägt Jason seine berühmte Hockeymaske? a. Teil 1 b. Teil 2 c. Teil 3 d. Teil 4 Wer ist kein „Ghostbuster“? a. Dr. Egon Spengler b. Dr. Werner Klopek c. Dr. Raymond Stantz d. Dr. Peter Venkman Mit welchen Song wird Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ geweckt? a. When tomorrow comes (The Eurythmics) b. I got you Babe (Sonny & Cher) c. In Dreams (Roy Orbison) d. Time is on my side (The Rolling Stones) Wer passt nicht dazu? a. Der Koch b. Seine Frau c. Der Dieb d. Der Richter

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Games-Ausblick für Januar 2009

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Der Herr der Ringe: Die Eroberung

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Velvet Assassin

Action-Adventure | Xbox 360, PlayStation 3, PC | SouthPeak Games | Februar 2009 Inhalt: Wir waren schon in so ziemlich jeder erdenklichen Situation und Ort im Zweiten Weltkrieg zu Werke. Das Szenario könnte ausgelutschter nicht sein. Dennoch kam es noch nicht so oft vor, dass der Held im digitalen Nazifeld eine Frau ist. Zumindest damit kann Entwickler Replay Studios überraschen. Der Spieler schlüpft also in die Haut der Spionin Violette Summer, die ebenso sexy wie tödlich ist, und erledigt SpionageAufträge auf Nazi-Besetztem Boden. Dabei kommt es vor allem auf taktisches Vorgehen an, um die Feinde lautlos und kreativ auszuschalten. Fazit: Wenn Sam Fisher um 1900 geboren wäre und sich einer Geschlechts-OP unterzogen hätte, könnte Velvet Assassin durchaus der neuste „Splinter Cell“-Teil sein.

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Der Pate 2

Sandbox-Game | Xbox 360, PlayStation 3, PC | Electronic Arts | Februar 2009 Inhalt: Der erste Teil des Paten-Videospiels sollte das große Vorbild GTA in die Schranken verweisen. Von der Thematik her klang das Unterfangen auch sehr vielversprechend und spannend. Jedoch war die Spielmechanik unausgereift und die Grafik bestenfalls Mittelmaß. Beim Nachfolger soll nun alles besser werden und wenn man die ersten Screenshots und Videos

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Wheelman feat. Vin Diesel

Rennspiel | Xbox 360, PlayStation 3, PC | Midway | Februar 2009 Inhalt: Midway steht finanziell derzeit alles andere als liquide da. Der gute Vin Diesel wird sich hoffentlich schon ausbezahlt haben lassen, bevor er seinen zugkräftigen Namen inklusive original-getreues Körpermodell für „Wheelman“ hergab. Das Projekt war ja sehr lange in Entwicklung und wurde mehrfach verschoben

Halo Wars

erwachsene Zocker ist – die auf derben satirischen Humor stehen, und vor allem: verstehen! Pascal

Skate 2

Strategie | Xbox 360 | Microsoft Game Studios | 27. Februar 2009 Inhalt: Die Trilogie um den Master Chief ist (vorerst) abgeschlossen. Jedoch generiert keine zweite Spielereihe für Microsoft so viel Umsatz wie „Halo“. Und da Microsoft immer Lust auf Kohle hat, kommt nun ein Echtzeit-Strategiespiel im Halo-Universum in die Läden. Und trotz des Geldschneiderei-Beigeschmacks muss man sagen, dass die Halo-Spiele immer eine ganz besondere Atmosphäre hatten. Dies scheint auch auf Halo Wars zu zutreffen. Der Spieler kommandiert wie in Command & Conquer seine Truppen aus der IsoAnsicht. Man baut seine Basis auf, sichert sie, sorgt für den Abbau von Ressourcen und bereitet sich für Vernichtungsschläge auf den Feind vor. Da das Spiel exklusiv für die Xbox 360 ist die Steuerung speziell auf den Controller zugeschnitten. Fazit: Auch ohne den Master Chief kann man sehr viel Spaß dabei haben, nervigen Grunts in den Arsch zu treten. Halo-Fans und Hobby-Strategen sollten hier auf ihre Kosten kommen – und Microsoft durch das „harte“ Wirtschaftskrisen-Jahr helfen.

Skateboard-Sim | Xbox 360, PlayStation 3 | Electronic Arts | Februar 2009 Inhalt: Mit Skate hat EA 2007 gezeigt, wie man eine richtige Skateboard-Simulation macht. Wem bis dahin noch nicht klar war, dass „Tony Hawk’s Skateboarding“ nur ein überzeichneter Fun-Skater ist, der seinen Zenit schon längst überschritten hat, wusste es spätestens mit Erscheinen von Skate. Der Nachfolger wird allem Anschein nach, EA-typisch, auf dezente Modifizierungen des erfolgreich erprobten Konzepts setzen. Die Kontrolle über das Board scheint noch direkter und flüssiger zu sein und auch grafisch wurde nochmals an der Qualitätsschraube gedreht. Aber ansonsten hat man einfach wieder nur massig Spaß beim skaten durch die Stadt und Vollführen von coolen Tricks. Fazit: Der junge Skateboard-König bekommt einen zweiten Teil und alles wirkt noch authentischer und hübscher. Activision sollte sich für das nächste „Tony Hawk“-Spiel besser etwas wirklich Frisches einfallen lassen!

>GAMES

Action | Xbox 360, PlayStation 3, Nintendo DS, PC | Electronic Arts | 15. Januar 2009 Inhalt: Spiele im „Herr der Ringe“-Universum gibt es ja mittlerweile zuhauf. Und auch wenn der ganz große Hype, als die Kinofilme noch frisch in den Köpfen der Fans waren, langsam abflacht, lassen sich immer noch massig Fans um einige Euros erleichtern. Im Action-Spiel „Der Herr der Ringe: Die Eroberung“ hat man zumindest mal die Möglichkeit, auf Seiten Saurons die gutherzigen Strahlemänner und -frauen abzuschlachten. Im Vordergrund stehen dabei natürlich epische Massen-Schlachten. Das actionreiche Spielprinzip inklusive Grafikengine orientiert sich stark an „Star Wars Battlefront“, welches ebenfalls von Pandemic Studios entwickelt wurde. Fazit: Die epische Schlacht um Mittelerde kann gar nicht oft genug geschlagen werden. Endlich hat man die Chance für Bad Guy Sauron in die Schlacht zu ziehen und dafür zu sorgen, dass der Ring zu seinem rechtmäßigen Besitzer gelangt.

und böse Zungen könnten behaupten, dass das Game jetzt nur auf den Markt geworfen wird, weil die Kassen leer sind. Doch ganz so schlimm sieht es zum Glück nicht aus. Das Spiel um den glatzköpfigen Fleischberg orientiert sich stark an Fluchtwagenfahrer-Streifen wie „The Transporter“ und entpuppt sich als actionreiches „Rennspiel“. Waghalsige Fahrmanöver durch den dichten Stadtverkehr, immer gejagt von Verfolgern und Zeitdruck, gehören also zur Tagesordnung. Grafisch scheint das Game nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein, auch wenn Digitalo-Vinnie 1:1 dem Original gleicht. Fazit: Vin Diesel geht neue Unterhaltungs-Wege. Wobei von „gehen“ bei dem rasanten FluchtwagenRennspiel-Cocktail absolut nicht die Rede sein kann. Bleibt für Midway zu hoffen, dass sich die dicke Gage für den Hollywood-Star gelohnt hat, sonst geht der Kult-Spieleschmiede bald der Sprit aus. Wir drücken die Daumen – und das Gaspedal!

>GAMES

Auch in diesem Monat gibt es wieder jede Menge spannende elektronisch-interaktive Unterhaltung. Diese Rubrik dient ausschließlich der Vorschau, da die Test-Exemplare erst sehr spät geschickt werden. Jegliche Angaben hier sind somit ohne Gewähr und spiegeln ausschließlich unsere eigene Einschätzung wider! Wer wissen will, wie gut oder schlecht ein Game wirklich ist, bevor er seine knappen Euro in den Sand setzt, schaut einfach regelmäßig auf www.sleazemag.de und der Spiele-Sektion vorbei.

Pascal

Dead Rising: Chop Till You Drop

Survival-Action-Adventure | Wii | Capcom | 27. Februar 2009 Inhalt: Zombies und Kaufhäuser gehören einfach zusammen! Ob nun in der FantasieWelt des Horrors oder im alltäglichen Leben eines Konsumenten. Nachdem ein Ableger der Reihe 2006 erfolgreich auf der Xbox 360 von den Toten wieder auferstanden ist (und kurz danach in Deutschland verboten und ins Totenreich zurück geschickt wurde), kommen nun auch Anhänger der familientauglichen Zappel-Konsole Wii in den Zombie-MetzelGenuss. Grafisch kann die Version natürlich nicht mit der Xbox-360-Ausgabe mithalten, aber macht dennoch einen fantastischen Eindruck. Neben neuer Grafikengine bekommt das sehr blutige, aber stets satirische Game natürlich auch ein frisches Steuerungs-Interface, passend auf den Wii-Controller zugeschnitten. Fazit: Zombies im Kaufhaus zum selber mitfuchteln. Ausgerechnet auf der sonst so kinderfreundlichen Wii kommt mit „Dead Rising: Chop Till You Drop“ ein Spiel, das definitiv nur für

SOCOM: Confrontation

Online-Taktik-Shooter | PlayStation 3 | Sony | Februar 2009 Inhalt: „SOCOM“ war damals auf der PlayStation 2 einer der aller-ersten (zu Beginn recht holprigen) Online-Ausflüge überhaupt in Sonys Konsolen-Ära. Nun, über 5 Jahre später, klappt die Onlineanbindung mit der PlayStation 3 ein wenig besser und somit ist die Zeit mehr als reif für einen Next-Gen-Ableger des Taktik-Shooters. Wobei die Grafik, allen voran die matschigen Texturen, eher an die PlayStation 2 erinnern, aber mit dem „Feature“ haben ja alle PlayStation 3-Titel zu kämpfen. Jedoch geht es bei einem solchen Spiel mehr um die präzise Steuerung und lag-freie Serververbindung, und das scheint wieder mal zu stimmen. Jede Menge authentisches Schießgerät, bis zu 32 Spieler gleichzeitig und eine teilweise zerstörbare Umwelt klingen jedenfalls stark nach Shooter-Spaß. Fazit: Taktik-Shooter-Action, der auf bewährte Konzepte setzt. Technisch zwar eher angestaubt, jedoch scheinen TeamworkFeeling und Clan-Features zu überzeugen. Pascal

Sacred 2: Fallen Angel

Rollenspiel | Xbox 360, PlayStation 3, PC | Koch Media | Februar 2009 Inhalt: Action-Rollenspiele aus der Third-Person-Perspektive im Stile von „Diablo“ sind selten geworden. Gerade in der Konsolenlandschaft findet man so gut wie keinen nennenswerten Titel. „Sacred 2: Fallen Angel“ schickt sich an, diese Lücke zu schließen. Eine riesige mittelalterliche Spielewelt, 200 Dungeons und 600 Nebenquests zeigen deutlich, dass viele Stunden Spielspaß dem Spieler winken können. Diese machen natürlich besonders viel Spaß, wenn ein Freund zur Stelle ist, der einfach mit in die Party einsteigt. Bis zu vier Helden sollen zusammen auf die Jagd nach Monstern, Gold und Erfahrungspunkte gehen können. Fazit: Action-Rollenspiel für Fans des Klassikers „Diablo 2“. Eine große Spielewelt voller Dungeons und der 4-Spieler-Co-Op-Modus versprechen jede Menge Fantasy-Spaß. Pascal

Race Pro

Racingsim | Xbox 360 | Koch Media | Februar 2009 Inhalt: Ich gestehe: ich bin Racingsim-Fan. Ein Genre, was auf Konsolen unterrepräsentiert ist, wenn man vom PC her kommt. Denn dort ist die Simulation wirklich gnadenlos genau, was es gleichzeitig gnadenlos schwer macht, aber eben auch total befriedigend, wenn man die Autos endlich unter Kontrolle bringt. SimBin hat sich einen Namen mit hochqualitativen RacingSims gemacht, vor allem die GTR-Reihe dürfte noch einigen Fans bekannt sein. Glücklicherweise hat man allerdings mitgedacht und für die Leute, die nicht das volle Brett wünschen, sehr intelligente visuelle Fahrhilfen eingebaut. So ist z.B. die Ideallinie auf dem Asphalt zu sehen, außerdem die Brems- und Beschleunigungspunkte — so man es denn wünscht. Fazit: Lange war es überhaupt nicht sicher, dass dieses Spiel jemals das Licht der Verkaufsregale erblickt, bis sich Atari erbarmte. Abseits von einem Augenschmaus wie Gran Turismo oder einem ‘schnell mal ne Runde gedreht’-Spiel wie bei Grid, hat RacePro seine Daseinsberechtigung als harte Nuss, die es zu knacken gilt. Mit dem Handling hat sich SimBin am meisten beschäftigt und das macht verdammt viel Spaß, auch wenn es eine steile Lernkurve ist! Am Ende gibt es nur noch dich, diese wahnsinnig vielen PS unter deinem Arsch und den satten Klang vom letzten Benzin dieser Welt, welches durch den Auspuff rausgeblasen wird. Zumindest fühlt man sich so. Sascha

Deadly Creatures

Action| Nintendo Wii | THQ Entertainment | Februar 2009 Inhalt: Für die Wii gibt es ja meist die etwas anderen Games. Das hier ist jedenfalls nichts für Spinnenphobiker. Man steuert in diesem Spiel abwechselnd eine Tarantel oder einen Skorpion. Die Geschichte spielt 24 Stunden, bevor eine Tankstelle explodiert und ist wie ein Krimi aufgebaut. Wie diese Insekten zu all dem beitragen wird nicht verraten: Wir sagen nur das es ein Spiel in dieser Art noch nicht gab. Die Steuerung ist jedenfalls klasse an die Wiimote angepasst. Fazit: Wer schon immer Angst vor dieser Art Insekten hatte, wird noch mehr bekommen, alle anderen kriegen noch mehr Respekt. Wer wollte nicht schon immer mal eine Spinne mit seinem tödlichen Skorpionsstachel alle machen? Endlich, endlich mal was anderes als ein Spacemarine, der sich durchs Leben ballern muss. Spinnert gut! Sascha

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Vollversion

Mirror‘s Edge ist ein Spiel, das sich komplett um Freerunning und Parcours dreht, also diese urbane Sportart, wo junge gelenkige Menschen Häuserwände hochlaufen und Saltos über Geländer machen. In diesem Zusammenhang mag es etwas lächerlich klingen, das Mirror‘s Edge das erste Spiel ist, welches in der Egoperspektive spielt und man einen Purzelbaum machen kann. Das Ergebnis ist allerdings alles andere als lahm.

Vollversion

Dieses Spiel brilliert vor allem dann, wenn man auf der Flucht ist. Man rennt mit voller Geschwindigkeit auf einem Häuserdach zur Kante, springt ins Nichts, rollt sich auf einem anderen Dach ab, läuft dann an der Wand entlang um den nächsten Abgrund zu überwinden, nur um sich dann an der Ecke abzudrücken und sich um eine Stange zu drehen. Wenn man das geschafft hat, atmet nicht nur die Spielfigur schwer vor Anstrengung. Etwas unterwentickelt ist leider der Nahkampf. Ganz klar, es sollte kein Ballerspiel sein, also muss man waffenstrotzende Gegner am besten umgehen und entwaffnen. Das funktioniert so, dass man einen Knopfdruck richtig timen muß, was zwischendurch ziemlich frustrierend sein kann. Download Content

Jedoch haben DICE, die schwedischen Entwickler von Mirror‘s Edge, ein klare Vorstellung davon wo sie nachbessern müßen. Neben der Möglichkeit, in der Vollversion Speedruns oder Timeruns ohne Gegner zu machen, wird es bald zusätzliche Levels zum Download geben. Man hat sich von der Großstadt verabschiedet und schwenkt ganz klar auf das um, was das Spiel am besten kann: rennen, springen, hangeln! Und die neuen Levels sehen wirklich fantastisch aus. Wer Mirror‘s Edge jetzt noch skeptisch gegenübersteht sollte sich jetzt ein Herz nehmen, das Spiel hat es verdient.

.. sie kommen IMMER zuruck

Sascha .. .. Mirror‘s Edge ist erhaltlich fur PC, XBox 360 und PlayStation 3 Der Download Content erscheint Anfang 2009 www.mirrorsedge.com

Download Content

...bis man ihnen eine Kugel durch den Kopf jagt. Ende letzten Jahres erschien Left 4 Dead für PC und Xbox 360. Geschaffen haben dieses Meisterwerk des Online-Coop keine geringeren als Valve Software (bekannt durch Half Life 1+2). Valve sind sowas wie die Nintendo des Westens für Ballerspiele. Sie geben sich unglaublich Mühe mit ihrem Gamedesign und überraschen so manches Mal durch simple Originalität. So gibt es z.B. keine platzierten Zombies in den Level, sondern eine Art virtuellen Regisseur, welcher die Spieler unter Druck setzt oder mal etwas Luft holen lässt. Nie passiert bei einem Spiel zweimal dasselbe am gleichen Ort. Left 4 Dead entstand in mühevoller Kleinarbeit in drei Jahren. Jede der vier Kampagnen (bestehend aus fünf Level) ist wie ein Film aufgebaut und dazu gibt es wunderschöne Plakate. Welche man jetzt auch zum Supersonderpreis von 15 Dollar im Valvestore bestellen kann.

Sascha

www,valvesoftware.com 54

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GEFILMTE S Neue Filme im Januar und Februar

Die dünnen Mädchen

Dokumentation | Deutschland 2008 Deutschlandstart: 15.01.2009 Regie: Maria Teresa Camoglio Die dünnen Mädchen, das sind acht junge Frauen zwischen 18 und 29 Jahren, die seit vielen Jahren an Essstörungen leiden und versuchen, diese zu bekämpfen. Die Begegnung beginnt in einer Klinik, einige der Mädchen sind erst seit kurzem dort, andere länger. In Gruppengesprächen und Workshops analysieren sie die Krankheit, lernen sich selbst kennen und wieder eine Beziehung zu ihren Körpern herzustellen. Der Film lässt sie zu Wort kommen und erklären, wie es zu der Krankheit kam und warum sie nicht so einfach aus dieser ausbrechen können. Manche werden die Therapie abbrechen, manche werden entlassen, viele werden immer wieder kommen. Alle wird die Krankheit ein Leben lang begleiten.

The Spirit

Action | USA 2008 Deutschlandstart: 29.01.2009 Regie: Frank Miller Basierend auf dem legendären Comicstrip ist „The Spirit“: Es ist die Geschichte eines jungen Cops, der auf mysteriöse Weise als Spirit (Gabriel Macht), von den Toten aufersteht, um aus der Schattenwelt heraus das Verbrechen von Central City zu bekämpfen. Sein Erzfeind Octopus (Samuel L. Jackson) ist auf einer ganz anderen Mission: Er plant, Spirits geliebte Stadt auszulöschen, während er nach seiner eigenen Version von Unsterblichkeit strebt. Spirit verfolgt den kaltherzigen Killer quer durch Central Citys heruntergekommene Lagerhäuser, feuchte Katakomben bis in das windgepeitschte Hafenviertel ... und dabei begegnet er einem Schwarm exotischer Schönheiten, die den maskierten Kreuzritter entweder verführen, lieben oder töten wollen. Und dann ist da natürlich noch Sand Sareff (Eva Mendes), die Juwelendiebin mit den gefährlichen Kurven. Sie, die Liebe seines Lebens, hat sich jedoch dem Bösen verschrieben. Wird Spirit sie retten können oder wird sie ihn am Ende töten?

Strange Culture

Der seltsame Fall des Benjamin Button

Dokumentation | USA 2007 Deutschlandstart: 15.01.2009 Regie: Lynn Hershman-Leeson

Drama, Fantasy, Mystery, Romanze | USA 2008 Deutschlandstart: 29.01.2009 Regie: David Fincher

Steve Kurtz ist Performance-Künstler, seine Arbeit dreht sich um das Thema Biotechnologie. Seine Arbeitsmittel – harmlose Bakterienkulturen – erregen in der Terrorfurcht nach dem 11. September die Aufmerksamkeit des FBI. Agenten in Schutzanzügen durchsuchen seine Wohnung. Der Vorwurf: Bio-Terrorismus. Unvermittelt sieht Kurtz sich von einem übermächtigen Staat bedroht, der offenbar um jeden Preis eine Verurteilung erzielen will. Ihm drohen 20 Jahre Haft für den Besitz von Bakterien, die jeder frei über das Internet bestellen kann. Dieser Film ist Teil einer internationalen Aktion, mit der sich bekannte Künstler wie Tilda Swinton und die Residents mit Kurtz solidarisieren.

Die Grundlage des Films, die Novelle The Curious Case of Benjamin Button, wurde 1922 von Francis Scott Fitzgerald veröffentlicht. Sie erzählt die Geschichte von Benjamin Button, der mit der Erscheinung und dem Körper eines 80-jährigen geboren wurde. Nachdem sein Vater ihn in ein Altenpflegeheim gebracht hat, beginnt dieser rückwärts zu altern. Im Heim lernt Benjamin Daisy kennen, eine ehrgeizige Ballerina. Im Verlauf der Geschichte verlieben sich die beiden und müssen mit dem Problem zurechtkommen, dass der eine altert, und der andere sich verjüngt.

Der Fremde Sohn

Thriller | USA 2008 Deutschlandstart: 22.01.2009 Regie: Clint Eastwood Los Angeles, 1928. An einem Samstagmorgen verabschiedet sich Christine Collins von ihrem Sohn

Walter und geht zur Arbeit. Als sie wieder nach Hause kommt, ist er verschwunden. Entführt! Die Suche der Polizei bleibt ergebnislos und ihre Gebete bleiben unbeantwortet, bis man ihr nach fünf verzweifelten Monaten mitteilt, man habe ihren Sohn gefunden. Anstelle ihn aber bei seiner Rückkehr in die Arme zu schließen, bezweifelt Christine, dass er wirklich Walter ist - auch wenn er selbst es behauptet und alle anderen davon überzeugt sind. Mit ihrer Forderung, die Suche nach Walter nicht aufzugeben, gerät sie in die gefährlichen Mühlen einer korrupten und frauenfeindlichen Welt. Von der Polizei als unfähige Hysterikerin mit Wahnvorstellungen abgestempelt und von der Bevölkerung skeptisch beäugt, bekommt sie nur von dem engagierten Pfarrer Briegleb echte Unterstützung.

Er steht einfach nicht auf Dich!

Komödie | USA 2009 Deutschlandstart: 12.02.2009 Regie: Ken Kwapis

Der Film basiert auf dem Bestseller von Greg Behrendt und Liz Tuccillo und handelt von den Beziehungen zwischen

Männern und Frauen in Los Angeles. Männer und Frauen - das geht nur schwer zusammen. Wenn ER aber nicht auf SIE steht, dann ist das nicht immer offensichtlich. Ein Film über Beziehungen und Freundschaft.

Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected

Drama | Deutschland / Israel / USA 2007 Deutschlandstart: 19.02.2009 Regie: Paul Schrader Adam Stein war in den 20ern als Varietéclown ein gefeierter Star. Doch er war Jude, kam ins KZ – und musste dort für den Kommandanten Klein den Hund geben. Zu seiner Belustigung ließ Klein Stein auf allen Vieren laufen, bellen, um sein Leben betteln… Anfang der 60er ist Stein Insasse eines Sanatoriums in Israel und ein gebrochener Mann, der mit bösen Scherzen seiner Weltverachtung Ausdruck verleiht. Er lässt nichts an sich ran – doch dann begegnet er einem Zwölfjährigen, der sich für einen Hund hält…

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VIDEORAIDERS

Es geschah 1999 in einer niedersächsischen Kleinstadt: Eine Clique nerdiger Schulfreunde sah sich gezwungen, die Zeit zwischen LAN-Party und Metal-Festival mit etwas Sinnvollem zu verbringen. Da man zu dieser Zeit noch an Dosenbier kam und es an jeder Ecke eine Videothek gab, pilgerte man an einem durchschnittlichen Wochenende vom „Edeka-Markt Hugo“ zum „Videocenter Jürgens“. Nach etwas Smalltalk mit schnauzbärtigen Videoverleihern blieb man schnell am „FSK 18“-Regal hängen. „Ator – Herr des Feuers“, „Grube des Grauens“ oder „Invasion der Zombies“ waren nur der Anfang. Bald war die erste Videothek leergeglotzt. An einem von zerstörten HansaPils-Paletten geprägten Abend stellte man dann schnell fest: „Jan-Michael kann HTML!“. Und so war VideoRaiders.net geboren, ein Sammelbecken für abseitige Reviews über abseitige Filme. Früher hätte man so etwas wohl Fanzine genannt, aber egal, welchen Namen man dafür finden mag, es gilt: „To me, bad taste is what entertainment is all about.“

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Die zehn wichtigsten Telefonzellen der Filmgeschichte! Man möge sich erinnern: es gab eine Zeit, in der ein Handy so schwer war, wie ein Stapel Backsteine und dessen Benutzung aus finanzieller Sicht nur den Oberen Zehntausend vorbehalten war. Der Otto-Normalbürger sah sich deswegen gezwungen über Jahrzehnte hinweg die einstmals gelben, verdreckten, nach Urin stinkenden, vollgetagten und dank deutscher Baukunst extrem schwer zu öffnenden Telefonzellen zu benutzen. Aber auch HollywoodStars kamen nicht drum herum ins Telefonhäuschen zu steigen. Und so erkoren Drehbuchautoren und Regisseure die beliebte Zelle mal zum Lebensretter, mal zur Notrufzentrale oder aber auch zur tödlichen Falle. Hier sind die zehn wichtigsten Telefonzellen der Filmgeschichte! 10. „Hackers“ (1995) Als Angelina Jolie noch lediglich die Tochter von Jon Voight war, spielte sie in diesem zwar vollkommen absurden, aber aufgrund haufenweiser 90er-Pop-Trashkultur unterhaltsamen Werk eine gewiefte Hackerin mit Kurzhaarfrisur, die sich nicht nur im Kampf gegen das ominöse System (hier: US-Regierung) befindet, sondern auch noch gegen Superhacker Eugene Belford (Fisher Stevens! FTW!). Glücklicherweise kann man sich mit einer noch so schnöden Telefonzelle in jeden noch so unglaublichen Supercomputer reinhacken - sonst würde die Welt heute am Abgrund stehen. Oder auch nicht... Wohl eher nicht. 9. „The Matrix“ (1999) Wat machste wenn ComputerProgramme im CDU-Parteitag-Look dich innerhalb einer künstlichen Computer-Welt jagen, um dir die Bits and Bytes aus dem Scheitel zu prügeln? Tja, wat machste? Ganz einfach: ab zum nächsten Telefon, Operator anrufen und den eigenen Datensalat per futuristischem USB-Stick ins reale Genick jagen. Somit entzieht man seinen Geist aus den Fängen der Matrix. Das man nicht immer ein Handy dabei

(geschweige denn Empfang) hat und auch die handelsüblichen Wählscheiben-Telefone nicht immer einsatzbereit sind, dürfte klar sein. Also, muss eine Telefonzelle spektakulär herhalten. Dumm nur, dass dankt mobiler Funktechnik die meisten Zellen bereits abgeschafft wurden. In letzter Sekunde (und mit einem Spannungsbogen, der bis zum Maximum gespannt ist) schafft es Trinity in die rettende Zelle. Man gut, dass wir uns im 1999 befinden. 2008 dürfte die rettende Zelle schwieriger zu finden sein... oder wir befinden uns doch in der Matrix und der schleichende Tod der Telefonzelle ist beabsichtigt... um...jetzt ergibt alles einen Sinn! Oh, my god! Deutsche Telekom is MATRIX spelled backwards! 8. „Phantom Kommando“ (1985) Im Action-Kracher „Phantom Kommando“ von 1987, in dem immerhin 107 Schurken in weniger als 80 Minuten (ohne Vor- und Abspann) ihr Leben lassen müssen, setzt die steirische Akschn-Eiche Arnold ALLES ein, um seine Tochter aus den Fängen des kettenhemd-tragenden Benett zu befreien. Von der Kreissäge über ein Abflussrohr bis eben zur Telefonzelle - Schwarzenegger weiß jeden noch so alltäglichen Gegenstand in Kriegsgerät umzuwandeln, und so wird eben auch eine Telefonzelle von ihm aus dem Boden gerissen und weggeworfen - inklusive Schurken. Und dabei wollte der doch nur telefonieren... 7. „Superman - Der Film“ (1976) Das Clark Kent sein hautenges Spandex-Kostüm, welches als perfekte Tarnung und signifikantes Merkmal seines wahren Egos Superman (aka. Kal-El) dient, unter seinen Alltagsklamotten trägt, dürfte hinreichend bekannt sein. Doch auch Superman kennt nicht nur Schamesröte, sondern muss selbstredend seine menschliche Identität geheim halten und wenn Tod und Terror in der Öffentlichkeit regiert, so kann es mitunter vorkommen, dass er nicht den richtigen Ort findet, um sich seiner Klamotten zu entledigen. Zum Glück gibt es leerstehende Autos, SLEAZE Jan / Feb 2009

verdreckte Seitengassen, und eben Telefonzellen. So konnte er in seinem ersten Leinwand-Auftritt anno 1976 inkognito sein Gewand umhängen und undgehindert Louis Lane aus der Lebensgefahr retten. Einige Jahre später rettete er übrigens in „Superman III - Der stählerne Blitz“ einen Mann vor dem Ertrinken in einer Telefonzelle. Dies ist allerdings eine andere Geschichte...

6. „Nicht auflegen!“ (2002) Der Inbegriff des TelefonzellenThrillers. Falls es dieses Subgenre vorher noch nicht gab, so wurde es mit diesem geradlinigen Thriller aus dem Jahre 2002 erfunden. Zugegebenermaßen kam diese Idee recht spät - als die Zelle bereits zu den vor dem Aussterben bedrohten Kommunikationsmitteln gehörte. Nichtsdestotrotz gelang Regisseur Joel Schumacher einer der Überraschungshits 2002 und brachte Colin Farrell den Durchbruch in Hollywood. Aber auch für Kiefer Sutherland, den wahnsinnigen Terror-Anrufer, war es die Rückkehr in die schauspielerische Bedeutung. 5. „Dirty Harry“ (1971) Okay, ihr habt mich erwischt - ich hab gelogen. In tiefer Schande muss ich eingestehen, dass „Nicht auflegen!“ wohl doch nicht der erste Telefonzellen-Thriller der Filmgeschichte war. Zwar hockt der dreckige Harry in seinem ersten filmischen Auftritt nicht 90 Minuten auf 1m²-Raum, allerdings gehört die Verfolgungsjagd von Fernsprecher zu Fernsprecher im ersten „Dirty Harry“-Film zu eine der bekanntesten Szenen des 70er-Action-Kinos. Vom wahnsinnigen Killer Scorpio wird Eastwood von Telefonzelle zu Telefonzelle durch halb San Francisco gejagt. Dafür hat Harry nur wenige Minuten Zeit. Sollte er je nach dem vierten Klingeln den Hörer nicht abnehmen, stirbt ein 14-jähriges Mädchen in der Gewalt Scorpios. Eine ähnliche Szenerie erdachte sich Drehbuchautor für sein Skript zu „Simon says“ - aus dem später „Stirb Langsam - Jetzt erst recht!“ wurde. 4. „Jumpin’ Jack Flash“ (1986) Geheimdienste kennen keine Gnade. Und so wird selbst Whoopie SLEAZE Jan / Feb 2009

Goldberg am helllichten Tage in New York City in einer Telefonzelle durch die Stadt geschleift. Grund: als Chat-Freund des CIA-Agenten Jack tut sie ihm einen Gefallen und überbringt eine geheime Nachricht an die britische Botschaft - und gerät somit zwischen die Fronten des Kalten Krieges. Ergebnis ist eine der wohl lustigsten Filmszenen der 80er-Jahre: Whoopi als hysterisches KGB-Ziel, das in einer Telefonzelle durch New York gezogen wird. 3. „Die Vögel“ (1963) In einer der berühmtesten Szenen des Films, bricht mordlustiges Gefieder per Rückprojektion und Blue-Screen in einem Kamikaze-Angriff über Hauptdarstellerin Tippi Hedren und das Küstenstädtchen Bodega Bay herein. Einziger Schutz und somit Lebensretter: eine schlichte Telefonzelle. Sonst wäre schon nach 30 Minuten Schluss. Während draußen Menschen die Augen ausgepickt werden, Tankstellen brennen und Autos zusammenstoßen, kann sich Tippi mehr oder weniger in Sicherheit wiegen. Bevor allerdings auch die Scheiben der Telefonzelle durch gezielte Sturzflug-Attacke zu Bruch gehen, schaut schnell noch der Real American Hero Rod Taylor vorbei, der Jahre zuvor übrigens mit H.G. Wells „Zeitmaschine“ durch die Jahrhunderte surfte.

über die Sülznasen“ Preston und Ted „Das Nashorn“ Logan ihre Geschichtsprüfung nicht bestehen, muss Ted auf eine Militärakademie nach Alaska - und ihre Band „Wyld Stallyns“ wird zerbrechen. Damit würden sie weltweit keine Erfolge einheimsen und die Erde in Frieden und Freiheit vereinen. Rufus, Bote aus der Zukunft, übergibt ihnen eine Telefonzelle als Zeitmaschine, um nicht nur die Geschichte selbst zu erleben, sondern mithilfe von Sokrates, Napoleon, Ludwig van Beethoven und vielen mehr das exzellenteste Referat aller Zeiten hinzulegen! Im zweiten Abenteuer werden Bill und Ted vom Tyrannen Chuck De Nomolos gar ermordet und durch Roboter ersetzt – doch auch diesmal wieder lassen Rufus und seine Telefonzelle sie nicht im Stich. Aus der Hölle nehmen sie mitsamt des Sensenmanns Kurs in Richtung Zukunft. Dank der Telefonzellen steht uns nun allen ein buntes und granatenstarkes Dasein bevor. In diesem Sinne: „Volle Kanne, Hoschis!“ 1. Die unbekannte Telefonzelle Platz 1 soll hier ausnahmsweise mal keinem Film gewidmet werden, sondern der unbekannten Telefonzelle, welche in unzähligen filmischen Werken jungfräulichen Damen vermeintlichen Schutz vor schmierigen Übeltätern bot. Die für unzählige Slapstick-Filme (mitsamt Benutzer) umkippen musste oder namenlosen Detectives als Notrufzentrale diente. Sie wurde bei Verfolgungsjagden durch die Straßen von San Francisco als billiger Eyecatcher umgefahren, in ihr verbrachten philosophierende Obdachlose die kalten Wintermonate in New York und diente aufstrebenden FilmPolitikern in Florida als Büro. Mit ihr starb ein Teil Film-Geschichte. Sie ist wie die Eisenbahn ein Relikt aus vergangenen Tagen. Ruhe in Frieden.

2. „Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit“ (1988), „Bill & Teds verrückte Reise in die Zukunft“ (1991) Apropos Zeitmaschine (wenn das jetzt mal kein Übergang war...). Ihr habt es wahrscheinlich schon geahnt: eine Telefonzelle, die durch die Zeit reist und somit das exzellente Leben aller Hoschis auf diesem Planeten retten wird, muss auf Platz Zwei der wichtigsten Telefonzellen der Filmgeschichte kommen. Zumal sie nicht nur einmal, sondern gleich zweimal die Geschichte der Erde beeinflusst. Im Jahre 1988 steht das Schicksal der Menschheit auf dem Spiel: wenn Bill „Herrscher 63


Review

ELMER das grauen hat einen neuen namen Dieser Mensch namens Hennenlotter, der uns die unersetzbare „Basket Case“-Filmreihe bescherte, überreicht uns hiermit eine weitere Kreation seiner urban-lebenden, mordenden und bemitleidenswert unglaubwürdigen Latexmonster in Größenkategorie B. Diesmal ELMER, den GEHIRNFRESSER, dunkelgrün und wurmförmig, der singend-grinsen (oder grinsend singen) kann, bevorzugt in einer Badewanne haust und Jahrtausende alt ist (diente hohen Tiere der Geschichte – von Dschingis Kahn bis – ach, hör doch auf...). New York City anno 1988: dampfende Gullideckel, schlechtgelaunte Taxifahrer, Prostituierte am Times Square, Graffiti am Madison Square Garden. Dazwischen: der leicht depressive Brian, dessen Leben irgendwann in die vollkommene Belanglosigkeit führte. Glücklicherweise beißt sich der dunkelblaue Wurm Elmer, Untermieter eines älteren Ehepaares, an sein Gehirn fest und injiziert ihm eine blaue, euphorisierende Flüssigkeit (Eigenproduktion). Süchtig danach, verlangt Brian nach mehr – doch Elmer ist nicht dumm: als Gegenleistung verlangt er Nahrung. In Form von menschlichen GEHIRNEN! Brian kann dies nicht abschlagen. Abhängig von Elmers zähflüssigen Euphoron, schleicht er nun unter flackernden Neonlichtern durch die Straßen New York Citys – auf der Suche nach potentiellen Opfern... Zugegeben: die Story liest sich wie Charles B. Griffiths „Little Shop of Horrors“. Streicht man die Musicaleinlagen (obwohl Elmer auch gerne Operetten anklingeln lässt), tauscht man Elmer mit Audry II, und benutzt man die Drogensucht Brians als Synonym für Seymours Sucht nach Erfolg, dann dürfte klar sein, aus welcher Kiste Frank Hennenlotter Elmer

ausgemottet hat – ABER zum Glück bietet der Streifen genug Wahnsinn, um alleine existieren zu können. Frank Hennenlotter, bekannt für seine absurden Werke UND Charaktere, schuf mit Elmer einen kleinen KultKlassiker des 80er-Horrors, der vor allem aufgrund seiner schrägen Ideen und Figuren unterhält. Wie es immer bei Herrn Hennenlotter so ist, kann er es sich nicht verkneifen seine fragwürdige Vorliebe für sexuelle Absurditäten und überzogen-gewaltsame Exzesse zu unterdrücken – und so schwebt Elmer zwischen gewalttätigen Klamauk und Groschenheft-Sex. Pulp, eben. Seltsam. Grotesk. Bizarr. Die englische Werbezeile beschreibt es am besten:„It‘s A Headache From Hell!“ Es gibt übrigens einen Gastauftritt zu bestaunen (namhafte Charaktere aus „Basket Case“), was den Streifen in bestimmten Kreisen allein schon zum Kultstatus erhebt. Wem das nicht reicht, bekommt nach Belial und Frankenhooker ein weiteres Monster aus Hennenlotters skurrilen Universum der filmischen Horror-Groteske serviert - einen dicken Wurm, der sich in die Gehirne seiner Opfer - und des Zuschauers - beißt. Dankenswerterweise bietet uns das DVD-Schlachtschiff des abseitigen Films, Anolis Entertainment, in Zusammenarbeit mit Fear Express den Streifen in einem formschönen Pappschuber seit geraumer Zeit auf DVD an. Am 29.Januar wird eine Neuauflage in die Regale bundesdeutscher Kaufhäuser gefeuert. Diesmal sogar FSK-geprüft – was fast schon ein Unikum unter Hennenlotters Polterfilmen ist. Wer sehen möchte wie ein Wurm mit Wohnsitz Badewanne Macht über den menschlichen Verstand nimmt, der möge zugreifen.

DVD DVD Neuheiten im Januar und Februar

My Name Is Earl - Season 1

Serie |USA | 2005 Veröffentlichung: 20.02.2009 [Kauf-DVD] Jason Lee spielt Earl Hickey, einen Kleinkriminellen, der mit einem Rubbellos 100.000 Dollar gewinnt, diese jedoch verliert, als er von einem Auto angefahren wird. Earl beginnt an Karma zu glauben, als er im Krankenhaus nach dem Unfall unter Morphiumeinfluss Carson Daly im Fernsehen davon reden hört: „Karma! Da war es passiert. Das Geheimnis des Lebens wanderte direkt aus Carson Dalys Mund in meine morphiumvernebelte Birne.“ Er entscheidet sich, sein Leben radikal zu ändern und schreibt eine Liste mit allen schlechten Dingen, die er in seinem Leben getan hat und will sie wiedergutmachen. Als er Müll aufsammelt um den ersten Punkt der Liste (Nr. 136) abzuhaken, fliegt ihm sein Rubbellos auf den Schuh. Dies überzeugt ihn gänzlich vom Konzept des Karmas und das gewonnene Geld hilft ihm dabei, nach und nach jeden Punkt auf seiner Liste abzuhaken. Fazit: Absolut empfehlenswert, gehört schon seit langem zur Lieblingsserie von SLEAZE! Bonus: Audiokommentare „Schlechtes Karma“ (13-minütige exklusive Kurzepisode) mit Audiokommentar Entfallene Szenen „Karma ist `ne lustige Sache“ – Verpatzte Szenen Hinter den Kulissen von „My Name Is Earl“ Soundtrack Promo

True Romance - Special Edition |USA | 1993 Veröffentlichung: 15.01.2009 [Kauf-DVD]

VIDEORAIDERS

Clarence Worley liebt Elvis, King-Fu- und auf den ersten Blick Alabama. Nach einer heißen Nacht und einer Blitzhochzeit muss er aber noch mit ihrem Ex-Callgirl-Leben aufräumen. Der Besuch bei ihrem Zuhälter wird zu einer blutigen Schießerei, und statt Alabamas Habseligkeiten, trägt Clarence einen Koffer voll Kokain nach Hause. Sie beschließen, den Stoff zu Geld zu machen und fliehen vor den geprellten Gangstern Richtung Los Angeles. Aber nicht nur die Polizei, sondern auch die Mafia heften sich an ihre Stoßstange. Eine nervenaufreibende Hetzjagd auf Leben und Tod beginnt. Der blutige Showdown in L.A. klärt endgültig die Besitzverhältnisse.

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Bonus: Audiokommentare Storyboard - Filmvergleich 30 Minuten Delete Scenes (OmU) Alternatives Ende (OmU) Vier Nebendarsteller kommentieren alle ihre Szenen (OmU) Fotogalerien

Vampire Party - Freiblut für alle Belgien / Frankreich / Luxemburg | 2008 Veröffentlichung: 12.02.2009 [Kauf-DVD]

Ein prächtiges Schloss, weit außerhalb von Paris – hier steigen die heißesten Partys der Stadt. Normalsterbliche kommen eigentlich gar nicht rein, sondern nur handverlesene VIPs. Den Freunden Sam, Alice und Prune gelingt es jedoch Karten zu ergattern. Und die Location ist einfach großartig: der Alkohol fließt in Strömen, die Hemmungen der Feiernden fallen, die Party ist zum Sterben schön. Nur hätte niemand gedacht, dass ihr Gastgeber Le Duc de Journiac und seine Freunde, alles waschechte Blutsauger, das gleich so wörtlich meinen. Die Vampire fiebern dem Höhepunkt der Party entgegen, denn dann wird das Buffet endlich eröffnet.

The Zombie Diaries

Horror |Großbritannien | 2006 Veröffentlichung: 27.02.2009 [Kauf-DVD] Ein unbekannter Vogelgrippe-Virus verbreitet sich rasend schnell in der Bevölkerung. Innerhalb weniger Wochen vereinnahmt er von der kleinsten ländlichen Dorfgemeinschaft bis zur großen Weltmetropole den gesamten Planeten. Schon bald sieht sich die Bevölkerung in einer völlig neuen Situation und auf einmal sehr realen Bedrohung gegenüber: den Untoten Eine Dokumentarfilmcrew reist ins ländliche Umland, um die ausgebrochene Epidemie auf Video festzuhalten und Interviews mit der Bevölkerung zu führen. Erst jetzt bemerkt das Team, wie weit der Virus bereits um sich gegriffen hat… Ein frisch verheiratetes Ehepaar will ein paar Tage außerhalb Londons verbringen, als es inmitten ausgestorbener Dörfer in die dort lauernde Gefahr stolpert… Eine Gruppe Überlebender sucht verzweifelt Zuflucht auf einem verlassenen Bauernhof, um sich dort zu verbarrikadieren

Fazit: Einer der schönsten Liebesfilme, die ich kenne.

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„Wir haben vom Leben gelernt!“ Mando Diao im SLEAZE Interview

Das Schweden der Hort der trauten Indie Welt war ist nun auch schon eine Weile her. Mando Diao waren die Vertreter der ersten Stunde. Nach Hype und Hits im Sekundentakt kommt die Band um Sänger Björn Dixgård Mitte Januar mit ihrem fünften Album Give Me Fire (siehe Rezension in dieser Ausgabe) an den Start. Zwei Jahre nachdem ihr vorletztes Album Ode To Ochrasy in Deutschland auf Platz 3 chartete wollen die fünf Schweden, erneut angreifen. Wir nehmen das zur Kenntnis. Und jetzt Schluss mit Promo. Fragen wir die Jungs mal nach was anderem als Musik. Das erledigen andere für Euch. Wir wollen mehr. Die Reife des alten Schweden spüren. Gesteht, dass ihr abgewichste Medienprofis seid, die den eigentlichen Antrieb Musik zu machen -saufen, ficken, saufen- nicht mehr bereit sind zu gehen. Ist ja nicht so schlimm. Passiert jedem Mal. Groupies, depressive Künstler, die neuen Diaos und deutsches Bier. Mando Diao im SLEAZE Interview. Raus mit den intimen Details. Was gibt es von der Groupie Front zu berichten? Teilt Eure Erfahrungen mit uns. Wir gehen zumindest davon aus, dass ihr welche in dieser Richtung gemacht habt.

Samuel: (lacht) Als wir noch nicht in ernsthaften Beziehungen steckten schon. Aber das ist doch auch nichts anderes, als würde man in eine Bar gehen und danach einen One-Night-Stand haben. Genau diese One-Night-Stands sind selten besonders gut. Es macht in dem Moment Spaß, aber wenn man dann am nächsten Morgen aufwacht… Björn: Es kommt natürlich darauf an, neben wem du aufwachst! Die Leute reden sich immer ein, es sei etwas ganz magisches dabei, aber so ist das nicht. Völlig überbewertet alles. Moment. Was soll das heißen. Seid ihr jetzt alle ganz brave Typen?

Björn: Was heißt brav? Mats ist Single und ich glaube, das wird er auch immer bleiben. Mittlerweile wandelt er schon seit 5 oder 6 Jahren solo durch die Welt. Aber er hat unglaublich viele Dates! Mats ist ein total netter Typ und redet die ganze Zeit mit irgendwelchen Mädels. An manchen Tagen schreibt er nur SMS mit seinen neuesten Bekanntschaften. Vor ein paar Monaten dann das Horrorszenario: Zwei dieser Mädels waren auf dem Konzert und danach in unserer Garderobe. Natürlich wussten 66

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sie nichts voneinander. Im Endeffekt musste ich mich dann mit einer beschäftigen. Furchtbar. Na das klingt ja richtig derbe. Ich dachte da kommt jetzt mehr. Auf Fanseiten kann man seitenweise Beiträge über eure Ärsche, Augen und eure wunderbaren Haare finden. Ihr habt die freie Wahl. Das Tier kann raus gelassen werden. Kommt Euch da gar nichts hoch?

Björn: Wenn man Mando Diao als Sexobjekte betrachten will, kein Problem. Mir ist es egal, aus welchen Gründen uns die Leute mögen. Samuel: Es hilft uns natürlich, wenn die Leute uns gut finden. Sie mögen unsere Musik, unser Aussehen, die Art wie wir reden. Wir denken aber gar nicht so viel darüber nach, dass uns die Mädels auch aufgrund unserer Optik verehren. Das ist einfach Glück! Mittlerweile können wir damit auch besser umgehen, als damals in der Schule. Wie war sah das damals aus. Habt ihr von der großen Rocker Karriere geträumt?

Samuel: Wir hätten nie damit gerechnet, irgendwann so erfolgreich zu sein, auch wenn die Musik damals schon so ein wichtiger Teil unseres Lebens war. Björn: Ich meine, klar, wir haben schon darauf gehofft und konnte es einfach nicht verstehen, warum wir nicht schon mit 17 einen Plattenvertrag hatten. Alles schien so weit weg. Im Endeffekt denke ich, dass es besser ist, nicht zu früh unter Vertrag genommen zu werden. Man muss sich als Band erst einmal entwickeln und vom Leben lernen, ansonsten wird es schnell zu einer Bandauflösung kommen. Die besten Songs stammen von deprimierten Künstlern. Könnt ihr das unterschreiben?

Samuel: Ich denke nicht, dass das stimmt. Man kann in jeder Verfassung Musik machen. Klar, meist hat eine gewisse Frustration zur Folge, dass man daran etwas ändern will und so fängt man an, darüber zum Beispiel Songs zu schreiben. So hat es doch auch bei uns angefangen. Abgesehen von unserer Liebe zur Musik wollten wir vor allem was an unserem Leben ändern. Björn: Es wäre doch auch gefährlich, die ganze Zeit in einem depressiven Zustand zu sein. Ich finde gerade gut, dass es diese Achterbahn der Gefühle gibt. Gerade das lässt mich kreativ werden und Songs schreiben.

Ich dachte, weil es in der aktuellen Single um eine Frau und ihren deprimierenden Arbeitsalltag geht. Hätte ja eine Familiengeschichte sein können. Die Geschichte deiner Mutter zum Beispiel?

Björn: (lacht) Nein, ich wollte nur einen Song über diese Perspektivlosigkeit schreiben, die vielen Menschen ins Gesicht geschrieben steht. Es hätte auch genauso gut ein Typ sein können, der bei der Post arbeitet. Eigentlich geht es ja am Ende darum, dass sich die Leute ihre eigenen kleinen Inseln suchen um ihren trostlosen Alltag zu vergessen. Musik hilft da eigentlich immer. Und Tanzen ist ein ganz gutes Mittel, die Traurigkeit abzuschütteln. Wie sieht es denn mir euren Talenten auf der Tanzfläche aus?

Samuel: Wenn wir gute Musik hören, dann zieht es uns auch auf die Tanzfläche. Björn: Wir sind echt nicht die besten Tänzer. Wir haben so einen hässlichen Tanzstil. Irgendwie wirkt es so, als wären unsere Knochen aus Holz, vor allem ich bin wirklich unbeweglich. Ein Blick in die Zukunft: Wer hat Zeug dazu die neuen Mando Diao zu werden?

Björn: Ich hoffe, dass Johnossis es schaffen. Das sind Freunde von uns, mit denen wir auch schon auf Tour waren. Die sind echt richtig gut! Lykke Li aber auch. Ich muss zugeben, dass ich ihr Album nicht kenne, aber in Amerika und England ist sie sehr erfolgreich. Vor allem ist sie noch jung und das ist wirklich gut. Man braucht schließlich auch so eine gewisse Balance und kann nicht nur so alte Typen auf der Bühne haben. Letzte Frage: Was ist für Euch typisch Deutsch?

Beide: BIER trinken! Samuel: Weißbier ist wirklich gut, auch wenn man nach ein paar Gläsern Kopfschmerzen davon bekommt. SLEAZE dankt Euch für das Gespräch. Interview: Frauke Schoenfelder Text: Tim Schäfer Das Album “Give Me Fire” erscheint am 20.02.09 bei Universal Music www.myspace.com/mandodiao

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SLEAZE Soundtrack

DOWNHILL FÜR DIE OHREN

Wer es zur Weihnachtszeit noch nicht geschafft hat den Bergen seine Aufwartung zu machen, der sollte spätestens im Januar durchstarten um sich dem wilden Pistenleben hinzugeben. Damit sich die Abfahrt auch musikalisch lohnt, haben wir Euch den SLEAZE Soundtrack für den Winter `09 zusammen gestellt. Unsere Downhill Knaller. Für eventuelle Folgeschäden übernehmen wir keine Haftung. Wer hinfällt ist selber Schuld.

Ironischer Beitrag zur Lage der Musikkultur

Tagesschau vom 12.5.2009

Text: Noah & Tim

Queens of the Stone Age - (You think I ain‘t worth a dollar, but I feel like a) Millionaire Der perfekte Track wenn du oben stehst und bereit bist. Die erste Minute des Liedes passiert nichts. In dieser Zeit rückst du diel Alka Seltzer in deiner Tasche zu Recht und bereitest dich mental auf deine unmittelbar bevorstehende Mutation in einen Speed Demon vor. Ab 1‘‘ bist du dann der Kondensstreifen, der die Statisten am Rand in ein Testbild verwandelt. Alternativ-Spaß: dem Hansi am Anfang des Liedes die Kopfhörer aufsetzen, laut stellen, eine Minute warten, Hansis Gesicht fotografieren. RATM – Take The Power Back Nichts ist mit zurücknehmen oder was auch immer. Es gibt nur Geradeaus. Der Erde entgegen. Das Tal vor Augen. Damit der Sturzflug mit dem nötigen Flow über die Bühne gebracht werden kann, ist der Basslauf von RATM`s Tim Commerford von Nöten. Das Beste was man gegen steife Knie und Stock im Arsch tun kann. Alkaline Trio - The Poison Kosmopolitischer als Ischgl. Sentimentaler als der besoffene Australier gestern neben dir beim Jagertee. Lauter als das rostige Knirschen der Gondelstation. Katapultiert dich nach Brooklyn und London, während du die Schweiz reitest... Now t h a t‘s magic! Pantera – Walk Mehr Antrieb kann ein Lied nicht verschaffen. Wenn Phil Anselmo seinen Hardcoremotor ins Rollen bringt, gibt es kein Halten mehr. Das waren Zeiten. Heute treibt sich Anselmo als Junkie rum. Der Vulgar Display Of Power ist tot. Ebenso wie Ex-Pantera Gitarrist Dimebag Darrell. Er wurde während eines Konzerts auf der Bühne erschossen. Der Täter, hieß es später, wäre sauer gewesen dass sich Pantera getrennt haben. Rock `n Roll. Mattafix – Stranger Forever Die Sonne ist fast untergegangen. Du bist erschöpft und ausgepowert. Hast da oben alles gegeben. Dann ist dieser Song genau richtig um beschwingt hinab zu steigen aus deiner Adrenalin geschwängerten Welt. Kurz bevor Du unten angekommen bist, schaust Du dich nochmal um. Der Berg liegt hinter Dir. Feuerrot glänzend. Was für ein perfekter Tag. 24-7 Spyz - Dude U knew Wollen doch mal sehen, ob wir diesen in Michelinmännchen verwandelten Eurohaufen nicht funky kriegen! 7/8 downhill swaying ist für Fortgeschrittene. Wenn du es schaffst, hast du die Piste erleuchtet und damit perfektes Karma solange der Skipass gilt.

Silverchair - Steam Will Rise Morgens als erste da sein. Im Sonnenaufgang einen verbotenen Weg schüren. Über die Bäume nachdenken. PMS haben. Bemerken, dass man lebt. Du darfst weinen. Suicidal Tendencies – You Can`t Bring Me Down Und ich werde diesen Hügel doch bezwingen. Scheiß auf die Lawinenwarnung. Ich bin sowieso schneller. Wenn Mike Muir ansetzt gegen Gott und die Welt zu zetern, hält es keinen mehr auf den Brettern. Zumindest keines dieser Ski fahrenden Weicheier. Frank Black - Headache Das geht am besten verkatert. So schief wie dein Lächeln nach einem zweifelhaften Kompliment. So freundlich wie ein Skilehrer nach Feierabend. So gemütlich wie dorthin zurückkommen, von wo man aus gutem Grund weggegangen ist, und es mögen obwohl man es hasst. Gruselige Heimat in 3MB.

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Smockin Suckers With Logic – Mutha Made `Em Prolliger geht es fast gar nicht. Aber wen interessiert das auf 2000m Höhe. Da ist ja keiner. Und endlich kann man ohne Scham den Refrain mitsingen. Wie damals, vor einer Ewigkeit. Bevor der Alltag Arbeit hieß. Scheiße, das waren noch Zeiten. Mother made `em, mother fuck `em.

Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Berlin. Die deutsche Tonträgerindustrie hat den Freitod gewählt. Wie in den frühen Abendstunden bekannt wurde, hat sie sich bereits gestern Abend in ihrem Neubau in Berlin im Waschbecken ertränkt. Hinterbliebene kondolieren in diesen Momenten und legen Blumen und Kränze nieder. Unter den Menschen, die ihre Trauer zum Ausdruck bringen, befinden sich auch viele Prominente und ehemalige Weggefährten. O-Ton Herbert Grönemeyer: „ja klar, man hat schon gemerkt in letzter Zeit, dass es ihr nicht mehr so gut ging.. manchmal hatte ich so einen Eindruck.. sie war alt und traurig. Aber das bin ich schließlich auch. Das macht einen ganz nachdenklich.“ O-Ton Thomas Gottschalk: „Gottseidank ist Chris De Burgh finanziell abgesichert.“ O-Ton Harald Schmidt: „Was mich beeindruckt, ist, dass sie anscheinend nicht wusste, wann es Zeit ist, in Würde abzutreten. Das ist jetzt das Resultat. Warum grinsen Sie mich jetzt so an?“ O-Ton Udo Lindenberg: „scheiße, Alter“ Kritiker mahnen indes dazu, das oft als zwiespältig wahrgenommene Schaffen der Verstorbenen nicht posthum zu glorifizieren. O-Ton unbekannte Nachwuchskünstlerin: „bei Franz Josef Strauß hab ich gefeiert, bei Haider gelacht, und jetzt.. fühl ich mich irgendwie besser als gestern. Obwohl.. fack, die schulden mir noch 10000 Euro! Die kann ich jetzt vergessen.“ O-Ton Monrose „Ich fand sowieso ehrlich gesagt, dass die in letzter Zeit komisch gerochen hat. Vielleicht haben wir ihr viel zu verdanken, aber so richtig stylish war sie am Schluss nicht mehr.“ Das Gebäude von MTV wurde vor wenigen Minuten von Singer-Songwritern gestürmt. In Hamburg, Frankfurt am Main und München entstanden spontane Demonstrationen in den Innenstädten, bei denen Passanten mit Jimi Blue- und US5-CDs beworfen wurden. Weitere Ausschreitungen werden derzeit nicht befürchtet, so eine Sprecherin der Polizei.

Zur Börse. Die Aktien zum Börsenschluss in Frankfurt: Logic Audio plus 400 - Ritalin minus 650 - Sennheiser plus 80 - LiveClubs plus 6000 - Mannheim minus 4 - Amazon minus 320 - Koks hat Konkurs angemeldet - Myspace plus 1370 - Nutten minus 12. Die Gitarrenbauer-Industrie erwartet für die kommenden Tage ein Umsatzplus von 280%.

Noah Sow

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33 Neuseeländer Neuseeländer und und eine eine im im Nachhinein Nachhinein enttäuschte enttäuschte Bulgarin. Bulgarin.

Am 24. November, einen Tag vor dem Fat Freddys Drop Konzert, hatte ich die einmalige Gelegenheit, einen Teil von der großen neuseeländischen Band kennenzulernen. In der Küche einer leicht abgenutzten Wohnung saß ich zusammen mit dem Gitarristen Jetlag Johnson aka Tehi Kerr und einem taiwanischneuseeländischen Roadie, dessen Namen ich mir aufgrund seines guten Aussehens nicht richtig merken konnte. Daneben hatte sich eine Frau aus der Fat Freddys Crew dem Abwaschen gewidmet. Ich fand sie toll, aber hab sie am nächsten Tag richtig gehasst. Denn sie hat mich belogen, als sie gesagt hat, das Konzert würde am 25. erst um 23.00 Uhr anfangen und nicht wie angesagt um 21 Uhr. Und so machten wir uns mit meiner Mitbewohnerin auf den Weg zur Columbiahalle, nur um vor Ort festzustellen, dass das Konzert fast vorbei war. Wo ich mich monatelang darauf gefreut hatte. Und das Konzert war laut Anwesenden richtig Klasse! Liebe neuseeländische Frau, you suck! Doch davor: Hi Leute! Ich freu mich sehr, euch kennenzulernen und hoffe, ihr habt euch gut für das Konzert morgen erholt. Welche Städte habt ihr bislang innerhalb der Tournee besucht? JJ: Unsere erste Show war in Lissabon, Portugal. Dann waren wir in Kopenhagen, dann Paris und Marseille und noch in anderen Städten in Frankreich. Und nun sind wir hier. Unser Busfahrer ist 20 Stunden von Frankreich bis nach Berlin gefahren, krass oder? Habt ihr manchmal Heimweh? Denn Neuseeland ist ja am anderen Ende der Welt und ihr seid so oft unterwegs? JJ: Oh ja. Auf jeden Fall. Neuseeland ist weit weg von hier. Wo habt ihr bis jetzt am meisten Spaß während einer Tournee gehabt? JJ: Wir haben ganz viel Spaß in Berlin. Nein, wirklich! Berlin war die erste Stadt, in der wir unsere Verbindungen hergestellt haben. Wie oft wart ihr in Berlin? JJ: Ganz oft. Seit 2001 waren wir schon vier- bis fünfmal hier und mögen es sehr. Leider ist das Wetter diesmal nicht so freundlich. Erzählt mir mehr über euer Land. JJ: Neuseeland? Aotearoa, der Maori Name für „Land der langen weißen Wolke“. Was auch wahr ist, es ist versteckt unter den weißen flockigen Wolken. Es ist ein sehr schönes Land.

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Wo performt ihr am liebsten? Zuhause oder woanders? JJ: Ich glaube, wir haben mehr in anderen Ländern gespielt als daheim. Ich würde sagen, es ist sehr schön, zuhause aufzutreten. Aber es ist auch ein ganz anderes Feeling, vor einem unbekannten Publikum zu spielen und andere Menschen kennenzulernen. Aber wir stehen auf jeden Fall auf unsere Konzerte in Neuseeland. 20 Leute im Publikum und Schafe. Viele Schafe. (Lacht) Was ist das Lustigste, was euch auf Tour passiert ist? Böse Frau: Der Tehi hier, er ist der Badboy der Band. Ein waschechter Badboy. Er verschwindet oft. Wir hatten einmal diese Show, nach der er mit zwei Mädels verschwunden ist. JJ: Es war an der Südküste Englands. Es war gerade nach der Show, wir tranken ein paar Shots zu viel und versuchten, den Weg zum Tourbus zu finden, der eigentlich nur eine Straße von uns entfernt war. Aber wir haben die falsche Richtung genommen und uns komplett verlaufen. Böse Frau: Irgendwann beschlossen wir, nur noch eine Stunde zu warten, bevor wir weiterfahren wollten. 5 Minuten, 4 Minuten, 1 Minute… Und er tauchte plötzlich mit drei Frauen in den Armen auf! Wir haben uns totgelacht. Aber er ist jetzt anders. Ist nämlich verliebt. Habt ihr eine Live-DVD oder Tour-Videos für eure Fans veröffentlicht? JJ: Wir haben ganz viele Live und Behind The Scenes Videos auf YouTube hochgeladen. Sie sind wie ein Videotagebuch über unser Tourleben. Streitet ihr oft, während ihr Musik macht? Ihr seid ja so viele und jeder hat bestimmt seine Vorlieben. JJ: Ja, wir streiten sehr oft. Jeder von

uns hat einen individuellen Sound. Aber es funktioniert: Einer macht den Beat, der Andere schlägt eine Melodie vor. Am Ende haben wir mehrere Bass Lines oder Brass Melodien. Das baut sich auf, bis der Song fertig ist. Ich zum Beispiel, bin ein Rock-Gitarrist und liebe Skanking. Die Jungs von der Horn Section haben alle eine Jazz-Schule abgeschlossen und spielen jazziger, Joe hat eine sehr soulige Stimme. Und genau weil wir so viele verschiedene Ideen haben, machen wir auch mehrere Versionen von einem Track. FFD und Metallica sind die einzigen Bands, auf die ich kommen kann, deren Songs länger als sechs Minuten sind. Warum habt ihr entschieden, so lange Stücke zu machen? JJ: Wir können keinen 3-Minuten-Track machen, weil es für uns eine Musikreise ist vom Intro über die Kulmination bis zum Outro. Es ist eine Geschichte, für deren Erzählen wir mehr Zeit brauchen. Die letzten Fragen. Warum heißt ihr eigentlich Fat Freddys Drop? JJ: Der Name kommt aus einem Comicbuch aus den späten 60ern. Fat Freddy ist einer der drei Charaktere, sie haben einen sehr verrückten Lifestyle, sind ja Hippies. Und was symbolisiert die Krake, die überall auf euren Logos erscheint? Ist sie euer Maskottchen? JJ: Sie heißt Noodles und ja, sie ist unser Maskottchen. Sie ist eigentlich ein sehr wichtiges Wesen in der Maori-Mythologie. Sie ist enorm und lebt im Ozean in der Nähe von Wellington, wo wir herkommen. Danke für eure Zeit! Ich wünsch euch viel Spaß beim Konzert!

Katya

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Neue Farben von der Alster

Tapete Records

Mitte der 1980er Jahre war es Dirk Darmstaedter, der mit seiner Band The Jemery Days maßgeblich – wenn auch in englischer Sprache – die Frühphase der Hamburger Schule in Sachen intelligenter und dennoch eingängiger Popmusik einläutete. Die Band gibt es längst nicht mehr. Seit einigen Jahren ist Darmstaedter nun seinerseits nach verschiedenen Projekten auf Solopfaden unterwegs. Vor allem aber macht er sich mit seinem Gunther Buskies mit seinem Label Tapete Records schon seit inzwischen über sechs Jahren um die Förderung hochwertiger Musik aus den unterschiedlichsten Genres verdient, das im Grunde gar nicht hoch genug bewertet werden kann. Der Volksmund nennt es Independent. Mit der denkbar größten Betonung auf dem Wörtchen „unabhängig“, denn bei den Hamburgern spürt man, es wird getan, was selbst gefällt und Spaß macht. Und das ist auch für die Fans der Produktionen Programm: Schon legendär sind inzwischen die Sampler aus der „Müssen alle mit“-Reihe, die in der fünften Runde in regelmäßigen Abständen eine Art musikalischen Status Quo vermitteln und zeigen, wie Musik aus deutschen Landes heute klingen kann, auch wenn kritische Stimmen noch so gerne betonen, wie kantig die deutsche Sprache doch in Wirklichkeit ist. Dieser Tage sind es Tapete-Künstler wie die rockenden 1000 Robota (vom Label selbst als „Hamburgs heißeste Band“ tituliert) mit ihrem Longplayer „Du nicht Er nicht Sie nicht“ oder die wortgewandten Presse-Lieblinge von Anajo, die im Handumdrehen das exakte Gegenteil beweisen. Anfangs waren es vor allem die im vergangenen Jahr durch ihr „Nr. 1“-Album mit verdientem Charts-Erfolg einem größeren Publikum hierzulande bekannt gewordenen Erdmöbel, die bei Tapete ein Zuhause gefunden hatten und bis heute treue Tapete-Familienmitglieder geblieben sind.

sagen für den ordentlichen Einschlag Country verantwortlich und ist der Beweis, dass die Verbundenheit zu Hamburg nicht bedeuten muss, auswärtigen Talenten keine Chance zu geben. Obwohl das Label vorrangig noch immer mit Attributen wie smart und zu unrecht elitär-poppig assoziiert wird, findet sich dieser Tage mit „Ultimate Trasher“ eine Kollektion von Trash-Beiträgen erster Güte beim Label verlegt, auf der namentlich wohl die „Travemünde Assis“ den namentlichen Vogel abgeschossen haben. „Trash as trash can“ mag mancher denken.

2009

alles wird neu

Dies und das Signing von Künstlern wie Montag (frisch auf dem Label mit ihrem gleichnamigen neuen Album vertreten), EZIO und dem großartigen Niels Frevert sind nur drei weitere Belege dafür, dass zeitgemäßen popkulturellen Strömungen ebenso mit mindestens ebenso offenen Armen begegnet wie den eigenen Wurzeln, aus denen das Label vor Jahren überhaupt erst hervorgehen konnte.

Was ist 2008 im Musikzirkus nicht alles geschehen. Britney Spears kehrt wie einst Rocky Balboa mit neuem Erfolgsalbum zurück, lässt AlltimeKonkurrentin X-Tina weit hinter sich und belohnt sich dafür mit einem gewohnt stilunsicheren Auftritt bei der Bambi -Verleihung. Pünktlich zum Jahresende läuft im Hintergrund das ebenso langweilige wie lang-ersehnte Album der Guns ’n Roses. „Chinese Democracy“: Die Platte des ehemaligen Rockstars, dessen Initialen früher Krieg bedeuten sollten. Heute steht das Akronym aus William Axl Rose eher für „what about rock?“. Denn außer im zensurfreudigen Reich der Mitte interessiert sich so recht niemand für die Platte, die kaum mehr als eine Mixtur oller Kamellen und schlechter Coverversionen ohnehin schlechter Nu-Metal Stücke ist. Aus Konzerten wird jedenfalls schon deswegen vorerst nichts, weil Rose sich schon seit Monaten vor Presse, Fans und vor allem der eigenen Plattenfirma versteckt hält. Zum Glück ist es Zeit, sich auf das kommende und bestimmt wieder einmal viel bessere neue Jahr zu konzentrieren, schon allein der knappen Überschrift wegen.

Bis dato haben mehr als drei Dutzend hochkarätige Bands, Projekte und Solokünstler den Weg nach Hamburg gefunden. Das Tapete-Team um den natürlich auf dem eigenen Label beheimateten Dirk Darmstaedter (alles andere wäre verwunderlich) hat in den vergangenen Jahren immer wieder einen ausgezeichneten Riecher für echte musikalische Kleinode unter Beweis gestellt. Hoffen wir zum eigenen Wohl auf viele weitere Tapete(n)-Muster, um die heimischen Plattenregale mal poppig und tanzbar, mal rockig und geistreich, vor allem aber immer sympathisch und mit Pioniergeist gesegnet auszubauen. Matthias

2009 startet gewissermaßen mit einem TVkulturellen Knall. Und einer Reihe von X- bis Z-Prominenter, die besagten Knall nicht gehört haben. Das neue Dschungelcamp wird aller Wahrscheinlichkeit nach das Land erneut in musikalische Extreme versetzen. Dabei wäre ein „Ich bin der König von Australien“ eines Kandidaten Jürgen Drews wenigstens metrisch noch die harmloseste akustische Darmreinigung. Sollte tatsächlich der ehemalige DSDS- und Promi-Almabtrieb-Teilnehmer Lorenzo (aktueller Name samt Geschlecht derzeit unbekannt) ins Camp einziehen, wünscht man sich schon jetzt ein frühzeitiges Einschreiten der Behörden gegen geschmacksgefährdende Tonträger. Auch wenn tierische Fette der körperlichen Entwicklung zuträglich sind. Selbst Köstlichkeiten aus den Untiefen eines Känguru-Unterleibes werden bei stimmlicher Unfähigkeit kaum Besserung herbeiführen.

Mittlerweile steht das Prädikat „Tapete Records“ nicht mehr ausschließlich für deutsche Musik, nachdem das Label seit einigen Jahren auch im Hohen Norden und den Vereinigten Staaten nach spannenden neuen Projekten gesucht hat und fündig geworden ist. Einer dieser Acts sind beispielweise die Schweden von The Horror The Horror, die man sozusagen direkt aus einer Stockholmer Bar heraus gesignt hat – auch das ein Zeichen dafür, dass man im Hamburg gerne auf Bauchgefühl und den eigenen zuverlässigen Geschmack vertraut als auf bloße Trends. Mit auf dem Schiff namens Tapete reist inzwischen auch Tess Wiley. Die junge Giessenerin zeichnet sozu-

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SLEAZE Jan / Feb 2009

Doch es gibt auch positive Signale für 2009. Ein Meilenstein wird höchstwahrscheinlich das angekündigte neue Album von Fettes Brot sein. Die Fanta 4 belohnen sich und ihre Fans ihrerseits mit einer Tour samt neuem kreativen Output zum 20-jährigen Bandgeburtstag. Live wird es im Frühjahr 2009 unter anderen die vermeintliche Rockrebellin Pink auf deutsche Bühnen führen. Welche Figur die zuletzt nicht immer ganz „sober“ wirkende Sängerin machen wird? Musikalische Nachwehen aus der 2008er „Supertalent“-Show unseres Lieblings-Privatsenders RTL werden unvermeidbar sein. Der inzwischen ehemalige Hartz IV-Empfänger Michael Hirte wird weiterhin unter Anleitung seines Proteges Bohlen durch die Medien geistern. Etwas Erfolg sei dem schicksalsgebeutelten Mann gegönnt. Dass es nun ausgerechnet mit dem Ost-Rockern Puhdys auf Tour gehen könnte, löst bei vielen sicher die bekannte Faszination des Grauens aus. Das Gerücht, man habe sich auf den Behördenfluren kennen gelernt, bleibt unbestätigt. Apropos Gerüchte: Die Gesichtsältesten von den Babyshambles um Frontmann Pete Doherty wollen im neuen Jahr angeblich mit einem neuen Studioalbum aufwarten. Da heißt es Daumen drücken, dass nicht zufällig wieder irgendwo ein paar Kilo weißes Pulver und ein paar Flaschen Hochprozentiges herumliegen, von denen sich die Herren nur allzu gerne ablenken lassen. Ein Hauch von Ghetto wird allen Vermutungen nach 2009 ebenfalls aufkommen. Sowohl Eminem als auch sein alter Spezi 50 Cent stehen bisher ohne festen Veröffentlichungstermin in den Startlöchern. In beiden Fällen mit passenden Albumtiteln. Während Ems „Relapse“ seine angeblich körperliche Verfettung und seinen zunehmenden Medikamentenkonsum auf den Punkt bringt, wünscht sich mancher, 50 Cents Plattentitel wäre längst in die Tat umgesetzt. „Before I Self Destruct“. Kollegen aus der Branche übernehmen den Job aber sicher gerne. Zumindest eins wird 2009 also bringen: Reichlich Raum für Spekulationen und die sind bekanntlich oft spannender als die Musik selbst. Noah Sow

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m u s i k

m u s i k

Acoustic Poprock

Josh Tillman

Electronica Pop Rock

Gypsy Folk

Alternative Rock

Rock

Rock

Indie Rock

Rock

Animal Collective

17 Hippies –

5Bugs –

Starsailor –

Sky Larkin

Klez.E –

Mando Diao –

Vacilando Territory Blues

Merriweather Post Pavilion

(VÖ: 16.01.2009/ Bella Union)

(VÖ: 09.01.2008/Domino)

Auch wenn das Album “Vacilando Territory Blues“ heißt, mit Blues hat das Werk des Musikers Josh Tillman aus Vashon Island nicht allzu vieles gemeinsam. Vielmehr erwarten den Hörer hier dreizehn sphärische Singer/SongwriterNummern, bei denen Tillman sich vor allem auf seine Stimme und seine einfühlsame Gitarrenarbeit verlässt. Aus gutem Grund: Je spartanischer die Songs instrumentiert sind, desto bewegender wirkt die unverwechselbare Stimme des Sängers. Ein stilechter Blues ist mit Steelguitar und Streichern hat dann mit „Barter Blues“ doch den Weg aufs Album geschafft, der den Blues nicht nur im Titel trägt. Anders als viele seiner Kollegen versucht Tillman, sich in verschiedenen Bereichen zu betätigen. Etwas weniger Hall auf der Stimme hätte den Aufnahmen vielleicht etwas besser gestanden. Seine Texte aus der Mitte des Lebens kommen aber auch in dieser Form gut zu Gehör. Anspieltipp ist in jedem Fall die Rocknummer“ New Imperial Grand Blues“.

Stellenweise klingt das Album „Merriweather Post Pavilion“ des Quartetts Animal Collective aus Baltimore im schönen Maryland wie eine Mischung aus den mehrstimmigen Gesangspassagen der Beach Boys und den Klanggerüsten der späten Velvet Underground. Vor allem bei „Also Frightened“ kann einen dieses merkwürdige Gefühl beschleichen. In vielen Momenten wirken die Stücke auf dem Silberling wie der Soundtrack zu einem experimentellen B-Movie aus den späten 1970ern. Dann wiederum sind die Soundtüftelein bei „Guys Eyes“ etwa erstaunlich zeitlos, doch nicht minder strapaziös. Wirklich einstufen lässt sich das, was die Herren mit ihren Klangfacetten entwickeln, nicht. Vielmehr geht der Hörer auf vielfältige Sound-Spurensuche quer durch die Jahrzehnte der Elektro- und Popmusik, in deren Verlauf so manch bekannte Melodie auftaucht, die im nächsten Augenblick wieder vollkommen ungehört wirkt. Gewagt, aber durchaus spannend, wenn Brian Wilson und Co. auf Tetris-Melodien treffen.

El Dorado

Best Off

All The Plans

The Golden Spyke Vom Feuer der Gaben

Give Me Fire

Hipster Records/Soulfood)

(VÖ: 23.01.2009/Rockhit Records)

(VÖ: 29.02./EMI)

(VÖ: 23.01.2008/Wichita)

(VÖ: 30.01.2009/Loob Music)

(VÖ: 20.02./Universal)

Es gibt Künstler, bei denen der Ausspruch „wie erwartet“ durchweg als Kompliment ohne den kleinsten vorwurfsvollen Unterton zu verstehen ist. Die Berliner-Künstlergemeinschaft 17 Hippies hat mit „El Dorado“ erneut ein verspieltes Album geschaffen, das den Ruf der Band als internationale Weltmusik-Größe untermauert. Neben den bewährten traurig-schön von Sängerin Kiki Sauer vorgetragenen Balladen wie „Adieu“ findet sich mit „Welcome To My World“ ein fast waschechter MariachiSong auf dem Album, dessen Bläser-Satz frisch dem Winter Paroli bieten kann. Auch im in vierzehnten Lebensjahr der Band ist eines Programm: Die dreizehn Musiker der 17 Hippies wagen sich mit Bravour an jeden Stil, der ihnen bei Gastspielen auf den bekannten Festivals in aller Welt begegnet. Unprätentiös und experimentell kommt auch das zweite Hippies-Album auf Hipster Records daher, das seine Hörer zwischen Klezmer, Chanson und Folk mit auf eine Reise um die Welt nimmt, ohne das Haus verlassen zu müssen.

An wen erinnert Sänger Chris Dumhard der Berliner 5Bugs nur? Manchmal klingt er auf „Best Off“ ein wenig wie der erkältete Jochen Distelmeyer. Alles in allem ist der dritte Longplayer der fleißig tourenden Rocker nicht ganz leicht zu durchschauen. Insbesondere die Reihenfolge der Tracks ist nicht ganz glücklich vonstatten gegangen. Zu keyboardlastig und weichgespült rockig wirken die ersten drei Nummern, bevor es mit „Make Tomorrow“ endlich in die Vollen geht, mit denen sich 5Bugs eindeutig besser auskennen als mit Midtempo-Stücken, die zu sehr nach Altbekanntem aus den Indiecharts klingen. Ein bisschen Billy Talent („In Between“), ein paar Spuren Linkin Park und eine Ballade wie „A Secret Left To Find“ an der richtigen Stelle: Fertig ist das Album für die neue Generation der Emo-Kids. „Best Off“ tut niemanden weh, doch das kann genau das Problem sein, wenn man in einer Stilrichtung beheimatet ist, an der es genau darum geht. „We Stop At Nothing“ zeigt aber: Es geht auch anders.

Einen guten Zeitpunkt haben sich die Herrn von Starsailor für die Veröffentlichung ihres vierten Albums mit dem verheißungsvollen Titel „All The Plans“ gesucht. Gewohnt charismatisch präsentiert Sänger und Gitarrist James Walsh die gerne als Britpop bezeichneten Songs, die eigentlich gut auf die Vorsilbe „Brit“ verzichten könnten, wäre da nicht die prägnante Stimme des Frontmanns. Hierzulande war es die Single „Four To The Floor“, die der Band aus Manchester große Beachtung einbringt. Verstecken muss man sich hinter den Erfolgen der Vergangenheit nicht, denn „Listen Up“, „Neon Sky“ und „Stars and Stripes“ sind mal bluesig-emotional, mal politisch-kritisch angehauchte Songs, die noch mehr Eigenständigkeit durchblicken lassen. Und sie zeigen, dass Starsailor sich einem Grundsatz verschrieben haben: Was immer du machst, Hauptsache, du entwickelst dich weiter und bleibst du selbst. Und mit „Tell Me Ist Not Over“ ist der erste Radio-Hit fürs 2009 ebenfalls schon gefunden.

Nun hat es die Leedser Band endlich geschafft: Nach den Erfolgen, die das aus Katie Harkin, Nestor Matthews und ihrem Bassist Douglas Adams bestehende Trio bereits via Myspace feiern konnte, haben sie ihr Versprechen an ihre Fans nun wahrgemacht. „The Golden Spyke“ knüpft nahtlos an den Punkten an, deretwegen es die Band zurecht als Support auf die gleichen Bühnen wie Conor Oberst gebracht hat. Musikalisch sind denn die Songs eindeutig verwandt mit kleinen Starts wie den Campesinos, mit denen Sky Larkin-Produzent John Goodmanson ebenfalls bereits arbeitete. Das auf Wichita veröffentlichte Album ist im Grunde Gitarrenpop bekannter Bauweise. Doch die weniger sterilen Nummern wie „Beeline“ oder „Matador“ verleihen der Platte gerade die nötige Prise Independent-Charme, die es braucht, um sich von den genannten Einflüssen abzuheben. Sky Larkin vertrauen auf das, was sie wirklich können: Tolle Popsongs schreiben, an deren Kanten man sich ab und an in den Finger schneidet.

Am Mut zur großen Geste samt ausgetüftelter Lyrics und Breitband-Arrangements sind schon andere gescheitert. Verkopfung und zu dicken Pathos kann man Klez.E aber trotz Tiefgang auf Album Nummer drei nicht vorwerfen. Sänger Tobias Siebert lässt spüren, dass er seine Texte auch so meint, brüchig und theatralisch: Die einen nervt die Art der Interpretation, die anderen nennen es Wiedererkennungswert. Klez.E liefern mit „Vom Feuer der Gaben“ einen gekonnten Spagat zwischen Pop und Indie-Konzeptwerk vor, das der Band in jedem Fall für das neue Jahr zahlreiche neue Fans bescheren wird. Gekonnt setzt man hier Stile zusammen, angenehm zurückhalten der Elektrofaktor zugunsten von Songdienlichkeit. Ihrem musikalischem Talent und dem Hang zur Multiinstrumentalität geben sich die Musiker bei Titelstück des Albums hin. „Hier, wo du strahlst“: Das ist 2009 mit Sicherheit für viele Hörer jeder Ort, an dem dieses Album läuft.

Inzwischen nehmen die nicht gerade für ihre Zurückhaltung bekannten Schweden im eigenen Studio auf, das merkt man den Stücken durchaus an. Es wirkt alles ein wenig entspannter als auf dem Vörgänger-Album „Never Seen The Light Of Day“. Erste Eindrücke der Vorab-Single „Dance With Somebody“ durften die begeisterten Fans bereits erleben. Als Produzenten haben sich die Rockstars einen Helden der schwedischen HipHopper „Latin Kings“ an Bord geholt. Gewohnt rockig und mit reichlich Pathos in der Stimme arrangiert die Band „Give Me Fire“, mehr als bisher erweist man den 70er Jahren Ehrerbietung. Die Zusammenarbeit zahlt sich aus, denn was die Fans da ab Ende Februar erwartet, zeigt die Band Mando Diao aus stilistischer Sicht offener als bisher. Man wagt sich bei den Track „Gloria“ und „High Heels“ gar an Elemente aus Funk und Motown, die bisher eher versteckt vorhanden waren. Ob das allen Fans gefallen wird, ist den Herren ihrem Image entsprechend vermutlich relativ egal.

(VÖ: 30.01.2008/

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m u s i k

m u s i k

Deutscher Pop/Rock

Elektronica

Click Click Decker –

Brian Cares –

Den Umständen entsprechend

Fingerprints

www.myspace.com/clickclickdecker

www.myspace.com/briancares

Electronic Dance

Metal

Elektronic Singer/Songwriter

Hip Hop

Alternative Pop/Rock

FlowOne & Reatsch

Diplo

Sepultura –

James Yuill –

Grandmaster Flash –

Mike Doughty –

Elec-Thron

Decent Work For Decent

A-Lex

Turning Down Water for Air

The Bridge

Introduction

www.myspace.com/sepultura

www.myspace.com/jamesyuill

www.myspace.com/grandmas-

www.myspace.com/mikedoughty

Pay: Collected Works Vol.1

www.myspace.com/diplo

terflashandthefuriousfive

(VÖ: 30.01.09/Audiolith Records)

(VÖ: 23.02.09/ Bar25 Records)

(V : 26.12.2008/ Guidelines Music

(VÖ: 23.01.09 / Big Dada/RTD)

(VÖ: 23.01.09 /Steamhammer/SPV)

(VÖ: 09.01.09/Moshi Moshi Rec.)

(VÖ: 20.02.09/Strut/!K7)

(VÖ:20.02.09 / Noisolution)

Das Album des Musikers Click Click Decker erinnert an Kettcar & Co. CCD möchte manchmal unbedingt nach seiner Mutterstadt Hamburg klingen („Einbahnstraße“), gefällt sich selbst mittlerweile aber – siehe Tomte – in Berlin besser. Das Album hat Momente, wo der Hörer hineingezogen wird in die sensible Welt des Click Click Decker („Kümmern wir uns durch die Jahre“). Hier trifft man auf fragile Soundgerüste, die uns an die großen Hoffnungen erinnern, die der Berliner mit seinem ersten Album „Ich hab keine Angst vor…“ schürte. Fernab des larmoyanten Alster-Gedudels kam hier einer, der sich der Rohheit der Wendestadt bediente und dennoch mehr zu sagen hatte als der wortkarge Berliner allgemein. Mit dem Stück „Im Halogen“ gelingt ihm das auch wieder. Da erinnert er mit seinem Gesang ein wenig an den jungen Rio Reiser. Mit „Weil sie uns siezen“ folgt ein weiteres Glanzstück. Das macht diese Platte wertvoller als alle Hamburger Veröffentlichungen der letzten Zeit. Bisschen mehr Berlin hätte der Platte nicht geschadet.

Während die legendäre Bar 25 am Berliner Spree Ufer der Media Spree und ihren Heuschrecken weichen muss, entfaltet sich das hauseigene Label zu wahrer Blüte. Hierfür wird Brian Cares mit seinem Debüt „ Fingerprints“ ins Rennen geschickt. Der 30jährige steht seit knapp 11 Jahren an den Plattentellern, hat bereits auf dem Berliner Blaou und Sportclub 07 Labeln veröffentlicht und begeistert nun zusammen mit seinen Gästen Howard Katz, Justine Electra, Jake The Rapper und Get Physical Mann Raz O`Hara auf Bar 25 Records. „Fingerprint“ ist aufgrund seiner unterschiedlichen Protagonisten und vokalen Ausrichtungen ein wunderbar abwechslungsreiches Album geworden, dass neben seiner minimal, verspielten Sounds, eben durch den Gesang überzeugt. Speziell Raz O`Hara und Justine Electra verleihen den synthetischen, produzierten Stücken eine emotionale Tiefe, die auch nicht Elektroniker für dieses Album begeistern sollte. Rein hören lohnt sich.

Mit „Elec- Thron“ veröffentlichen FlowOne und Reatsch ihr zweites Album, welches wieder von Qing Maras produziert wurde. Im Vergleich zu „R.E.F.- Attentat“ rappen sie diesmal auf rein elektronischen Beats. Das Konzept ist nicht neu, die Umsetzung hingegen schon. Die Berliner bieten nicht nur Spaßtracks à la Deichkind, sondern auch Songs mit tiefen Inhalten wie „Frei sein“ oder „Eckige Räder“. Bei „Machet anders“ steuern sie den gängigen Songstrukturen entgegen und beweisen, dass ein guter Track nicht unbedingt eine Hook benötigt oder sich dem 16Zeilen-Schema beugen muss, um im Ohr haften zu bleiben. Mitunter ist der eine oder andere Track zu anstrengend, da manche Beats sehr technolastig sind. Hätte man auf ein oder zwei Songs verzichtet, wäre „Elec-Thron“ sicherlich um einiges runder und knackiger geworden, aber nichtsdestotrotz haben die Jungs ein Album kreiert, das unterhaltsam ist und sich eindeutig vom Standardrap abhebt.

Wer sich fleißig in der Blogszene rumtreibt wird jedes der hier kompilierten Stücke bereits in verschiedensten Facetten sein Eigen nennen können. Mad Decent Host, Soundnerd und Produzent Diplo veröffentlicht auf „Decent Work For…“ einen Querschnitt seiner Remixer Arbeiten. Die Liste der bearbeiteten Künstler liest sich dabei nicht weniger hip, als Diplos Versionen klingen. Daft Punk, Bloc Party, Hot Chip, CSS und M.I.A. finden sich hier wieder. Ihnen allen ist gemein, dass sie sich den Ideen des angesagten Produzenten nicht verschlossen. Der Man ist am Zahn der Zeit. Zusammen mit DJ Kollegen Switch und Acts wie Radioclit wirbelt der Herr die Musikszene auf und bringt Einflüsse afrikanischer Musik auf die europäische Clubmusiklandkarte. Das tut das gut. Oft klingen seine Songopfer nach der Bearbeitung durch den Mann aus Philadelphia erst richtig hot. Diplo hat es drauf. Wer wissen will was in der musikalischen Zukunft alles geht, sollte sich unbedingt mal auf Diplos Blog www.maddecent.com/blog umschauen. Da werden sie geholfen.

Jetzt geht es los. Dieses Gefühl beschleicht mich, während ich auf die ersten Töne des neuen Sepultura Albums warte. Werde ich die Härte der brasilianischen Kult Metaller aushallten? Kann ich dem Double Bass Gewitter vor dem ersten Kaffee folgen? Kommt mir einer bei den gebellten Vocals des Frontmannes Derrick Leon Green, der 1998 das schwere Erbe des legendären Max Cavalera antrat? Auch wenn die Band, die sich 1984 gründete heute auf keiner Position mehr seinen Anfängen gleicht, haben es die heutigen Mitglieder – Gitarrist Alex Kisser ist der Oldie und bereits seit 1987 dabei - nicht verlernt ordentliche MetalSchellen auszuteilen. Die neue Scheibe „A-Lex“ ist trotz seiner Trash Metal Ausrichtung – alteingesessene Fans werden wohl eher von Verweichlichung sprechen – angenehm hörbar und zugänglich. Wer sich den früheren Ergüssen des Quartetts nur schwerlich annähernd konnte, hat hier eine neue Chance. Bisschen Metal hat noch niemanden geschadet. Für Sympathisanten: Ein gelungenes Werk. Für Fans: Endlich wieder ein Lebenszeichen ihrer Lieblingsband. Für alle anderen: Weicheier.

Der Engländer James Yuill legt mit ‚Turning Down‘ auf dem Moshi Moshi Label, dass Anfang Januar sein 10jähriges Bestehen feiert sein Debüt vor. Klassischen Singer/Songwriter Attitüden im elektronischen Gewand. Handgezupfte, zurückhaltende balladeske Songs („How could I Loose“) treffen auf mitreißende Electronic Einlagen („No Pins Allowed“). Es gelingt Yuill einen Erstling vorzulegen, der in seiner Hörbarkeit auf ganzer Linie überzeugt. Trotz der unterschiedlichen Stilansätze schafft es der Brite eine Linie zu halten, die dem Hörer ein Gefühl des intimen Miteinanders vermittelt, fernab des zu befürchtenden Chaos, das sich leicht ergibt, wenn Künstler experimentierfreudiger zu Werke gehen. Das trifft hier nicht zu. Im konsequentesten Sinne ist ‚Turning Down‘ ein elektronisches Album mit Singer/Songwriter Einflüssen. Ein wirklich richtig Gutes und jetzt schon eines meiner Lieblinge 2009.

Es gilt Brücken zu schlagen. Von der Vergangenheit in die Zukunft. Zehn Jahre nach seinem letzten Studioalbum „Flash is Back“ und bereits über ein Vierteljahrhundert nach dem Hip Hop Meilenstein „The Message“, dem ersten sozialpolitischen Rap Song, steht Joseph Saddler aka Grandmaster Flash in den Startlöchern um seine unbestrittene Klasse zu beweisen. Doch was den heute 50jährigen zu seiner Zeit zusammen zum Erfinder des Turntablelism werden ließ, ist heute Handwerk eines jeden Hip Hop DJs. Da wären wir dann auch schon bei dem Tonträger. Alles was Rang und Namen hat und „hatte“ ist auf „The Bridge“ vertreten. Snoop Dogg, Busta Rhymes, KRS One um nur einige zu nennen. Die Songs sind funkig produziert und haben weniger futuristisch, elektronische Facetten, wie die Produktionen von Gegenwartsproduzenten The Neptunes oder Timbaland. Grandmaster Flash präsentiert Old School im Weitesten Sinne. Das klingt alles recht nett, dürfte aber nur Nostalgiker, die sich nach mehr Realness im Hip Hop sehnen aus der Baggy Pant hauen. Anderseits: Für einen 50jährigen gar nicht so schlecht.

Wenn sich ehemalige Sänger erfolgreicher Bands musikalisch emanzipieren wollen, um nicht ständig von der Vergangenheit eingeholt zu werden, kann das zur heiklen Angelegenheit werden. Denken wir an Chris Cornell, ehemals Soundgarden, der Solo nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Eine ehemalige Rock Koryphäe im Poprocker Gewand. Schrecklich. Mike Doughty – ehemals Sänger der Texaner Combo Soul Coughins, die sich Ende der Neunziger Eingeweihten als Halbpopulär präsentierten – kann dieses extreme Gefälle zwischen Vergangenheit und Gegenwart nicht wirklich etwas anhaben. Erstens war er nie da wo Chris mit Soundgarden stand, und zweitens ist der musikalische Unterschied von Gestern und Heute nicht allzu groß. Leicht beschwingten Wohlfühl-Poprock im Alternativen Klangewand. Jack Johnson lässt grüßen. Das hört sich ganz nett an. Tut vor allem nicht weh und stört auch nicht beim Aufräumen. Für Menschen die sehnsüchtiges Schmachten mit positivem Ausgang suchen, genau das richtige.

Tim Gelare

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Sepultura Live: 14.02.09 Hellraiser (Leipzig) 1502.09 Backstage (München)

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James Yuill live: 10.01. Scala (Berlin) 17.01. Gebäude 9 (Köln) 18.01. Übel & Gefährlich (Hamburg) 19.01. Lido Berlin)

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Worldweite

Stickerkunst

Stickerkunst ist eine Form von Streetart, bei der Aufkleber im รถffentlichen Raum angebracht werden. (Wikipedia) Zum kieken und lesen: www.hatchkingdom.com www.stickeraward.info german-street-art.blogspot.com

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Karma, Hy Crabman und Kult

Paar-Skispringen, Kourismäki-Brüder und das “Bermuda-Ereignis”

1 x My Name Is Earl - Season 1 DVD

1x DVD „Ski Jumping Pairs“

Mac, Musik und Mutanten 1x iPod Nano 1x PC-Spiel 1x T-Shirt Live, Hippies und Musik 5 x 2 Freikarten für die 17 Hippies Konzerte

Die SLEAZE-meine-Güte-schonwieder-ein-Jahr-um-wo-bleibt-nurdie-Zeit-Verlosung Ihr wollt gewinnen? Das ist verständlich. Wer ist schon gern ein Verlierer? Einfach eine Mail mit Stichwort und eventuellen Auswahlkriterien an geschenke@sleazemag.de schicken und darauf warten, dass SLEAZE / Fortuna eure feuchte Hand schütteln will. Einsendeschluss ist der 28.02.2009

Autos, Männer und Tattoos 1x Hod-Rod-Buch Speedseekers 80

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Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das ist zwar Blödsinn, weil so ein kleiner Satz nicht unser gutes Rechtssystem aushebelt. Aber wir könnten sonst belangt werden, weil wir keinen Notar eingesetzt haben. Den können wir uns nicht leisten – ebenso wie eine schicke Gerichtsverhandlung. In diesem Sinne: Immer schön links 81 bleiben.


SLEAZE Trash mit SubstanZ

“El Dorado” 2009 live

Impressum The Infamous Jester Sitz der Redaktion / editorial office: SLEAZE magazin Mainzer Str. 25 ~ 10247 Berlin-Germany Telefon: +49 / 030 / 325 34 730 Fax: +49 / 030 / 325 34 731 Herausgeber / publisher: danilo Opitz danilo@bfs-verlag.de Chefredakteure /chief editors: Yanah Hölig (V. i. S. d. P.) danilo The Bloodstained Crone of the Insane Room“ Opitz “

Ausgeschrieben Ich bin mit diesen Zeilen am Ende der jetzigen Ausgabe. Gradlinig wie unsere Leazer sind, habt ihr noch den ein oder anderen Artikel vor euch. Wir wünschen weiterhin gute Unterhaltung und versprechen euch auch dieses Jahr bunte Seiten voller Ironie und unangepasstem Trash mit Substanz. Wir sehen uns auf den Messen, in den Bergen, auf den Partys – und spätestens im März mit Ausgabe 10. danilo & die unglaublichen SLEAZELS

Layout und Grafik: Sascha “The Gigolo of Despair and Glory“ Thau Yanah Duchess Notoriety of Fear and Beauty“ Hölig “ Redaktion / editorial staff: Tim “Unknown Duke with Lips of Diamond“ Schäfer (Musik) Pascal The Hateful Decrepit Monk of Perfection “ and Blasphemy“ Scheib (Games) Daniel “The Drunken Forgotten Axe of Blood“ Boy Matthias The Insane Steel Marquis with an Eye of Fire“ Nemack “ Lene “Chaotic Princess of Tears“ Vollhardt David The Czar with Locks of Aquamarine“ Jank “ Noah The Haunted Marquessa of Vision and Writings“ Sow “ Rike Queen, with Lips of Jet and the Ice Mace“ Drust “ Katya The Benevolent Queen of Uniqueness“ Tasheva “ Farina The Ruthless Terrible Queen“ Büns “ Franzi “Twisted Darkness“ Pahl Gelare “Handsomeness of the Forbidden Arena“ Sarfaras Jero “Hammer of the Living Caves“ Kuck Katharina The Single Warped Sultana with a Heart of Malachite“ Försch “ Martin “The Frozen Youth of the Jade Gauntlet“ Haim Markus “The Inquisitor of Beginning and Seriousness“ Haage Helena “Bloody Blasphemy“ Mark

26.02.2009 L - Dudelange 12.02.2009 Rostock 27.02.2009 Karlsruhe 13.02.2009 Hamburg 28.02.2009 Tübingen 14.02.2009 Bochum 01.03.2009 Freiburg 15.02.2009 Bielefeld 03.03.2009 München 18.02.2009 Berlin 04.03.2009 Erlangen 19.02.2009 Erfurt 05.03.2009 Aschaffenburg 20.02.2009 Leipzig 06.03.2009 Köln 21.02.2009 Dresden 07.03.2009 Krefeld 23.02.2009 Bremen 08.03.2009 Fulda 24.02.2009 Hannover 25.02.2009 Wiesbaden Neues Album “El Dorado” VÖ 30.01.2009 (Hipster Records)

"Almost Alone Again" Tour 2009 with Helgi Jonsson and Dennis Ahlgren

www.bfs-verlag.de www.sleazemag.de www.myspace.com/sleaze_magazin

13.05.2009 14.05.2009 16.05.2009 17.05.2009 18.05.2009 19.05.2009

Köln Hamburg München Mainz Berlin Stuttgart

w Tickets gibt es hier: www.eventim.de 01805-570 060 (14 ct/min.)*

*Mobilfunkpreise können abweichen

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27.03.2009 28.03.2009 31.03.2009 01.04.2009 02.04.2009 03.04.2009 04.04.2009

Bremen Ulm München Köln Weinheim Stuttgart Münster

Aktuelles Album "Phantomschmerz" (Starwatch / Warner)

Live 2009

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Aufnahme in Online-Dienste und Internet und Vervielfältigung auf Datenträgern dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlags erfolgen. Der Verlag haftet nicht für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos.

Wenn ihr eineN INhaltlichen Fehler findet, meldet diesen an yanah@sleazemag.de und ihr bekommt ein kostenloses Jahresabo von SLEAZE.

Hamburg Berlin Leipzig Wuppertal Mainz Karlsruhe Hannover

Cover / editorial: Fotograf: Skwidinc Model: Inga Kaboom

SLEAZE erscheint im bfs. Verlag.

Unsere achte Ausgabe war anscheinend inhaltlich fehlerfrei. Damit wir diese kleine Rubrik trotzdem füllen können, haben wir ein Geschenk für euch:

03.02.2009 04.02.2009 05.02.2009 06.02.2009 24.03.2009 25.03.2009 26.03.2009

NOBLESSE OBLIGE

Anzeigen / advertising: danilo Opitz

Korrekturen

"Zurück zur Na" Tour 2009

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Neues Album " A Beginning, A Detour, An Open Ending" VÖ 03.April 2009 (Finest Gramophone / Indigo)

12.03.2009 13.03.2009 14.03.2009 15.03.2009 20.03.2009 21.03.2009 26.03.2009 27.03.2009

Köln Hamburg Münster Krefeld CZ - Plzen CZ - Brno Stuttgart Frankfurt

Weitere Termine in Vorbereitung Aktuelles Album "In Exile" (Repo Records) Weitere Infos: www.ass-concerts.de A.S.S. Concert & Promotion GmbH Rahlstedter Str. 92a . 22149 Hamburg phone +49.(0)40.675.699.0 fax +49.(0)40.675.699.30 email: info@ass-concerts.de

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www.thewrestler.kinowelt.de

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