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SLEAZE Trash mit SubstanZ

INTRO So, können wir? Herr Sommer, bitte ziehen Sie durch! Jeder packt derzeit seinen Rucksack, wir sind on Tour. Es wird Zeit, unseren Lesern die Hände zu schütteln, ihnen Abos anzudrehen und ihre Leichen aus dem Keller zu holen. Man will den Lieben zuhause was erzählen können. Wir freuen uns, raus zu kommen, der Epidermis eine gesunde Farbe zu verpassen und dämliche Sachen wie Frisbee oder Faustball (?) zu spielen. Das Grillen lehnen wir aufgrund des Acrylamid-Skandals der letzten Jahre ab, Bier trinken wir noch mit Bunte-Früchte-Geschmack und das Rauchen haben wir uns bereits vor dem endgültigen Hassverbot abgewöhnt und prahlen damit in unserer Selbsthilfegruppe. Mach euch auf die Suche, dort wo wir sind ist vorne. Es gibt Würstchen und Kugelschreiber, Keyholder, Buttons und andere tolle Dinge, wofür wir kein Geld ausgeben werden. Da werden wir eher auf Kommunikationsseminare geschickt, damit wir unseren Gossen-Slang ablegen und Ihr uns auch versteht. Das eine oder andere Brettspiel haben wir auch im Gepäck. Für gesellige Kurzweil´ ist gesorgt. Wir freuen uns auf euch. Welche Veranstaltungen wir beehren werden, seht ihr auf den folgenden Seiten.

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04 Kolumne 06 Der letzte Röhrenzähner 08 Echte Meinungsumfragen 10 Kochen für One-Night-Stands 11 Die besten Weltreligionen für alle mit Sündenbock 14 Frag Tante Noah 16 Smalltalkkompatible Themen 18 Global Playaz & Gangsta Wannabes 20 Post an Wagner 22 Let‘s go to war 24 Das Leck im Dach der Welt oder Möbelrücken in Nepal 26 Schächten ohne Betäubung 29 Mutter Theresa 30 Nordkorea: Im Norden nichts Neues (?) 32 Mode: Rumble 59 38 Bücher 40 Comics 42 Geeks 44 Illustration: Sandra Moskova 45 Schwarze Schafe 46 Gefilmtes 48 DVD Rezensionen 50 Trashzombies 54 Games 56 Der Liberty City Reiseführer 57 Wii Fit - Für eine stärkere Familienbande 58 Sebastian Tellier 62 Claus Grabke - Skater-Idol & Rockstar 64 Musikbusiness 2.0 - Dein Netzwerk zum Erfolg 66 Musik 72 Die grüner Sommer-Galerie 76 Das SLEAZE-TOURnament 78 SLEAZE on tour 81 Die große „Sind wir bald da?“ Gewinnverlosungsaktion 82 Outro 82 Impressum

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Kolumne Wer kennt das nicht, man wacht auf, schlägt die Bettdecke ein Stück zurück, gähnt laut und streckt schlaftrunken die Arme aus. Spätestens jetzt wundert man sich über jene dreiste Menschenmenge die einen so penetrant anstarrt und stellt nach einer kurzen Überprüfung der Umgebung fest, dass man schon wieder betrunken im Schlafzimmerland von IKEA weggedöst ist. Auf den ersten Blick sehen diese Ausstellungsräume ja auch wahnsinnig echt aus und nach drei Litern Bier sind sie es dann auch. Dennoch brauchen Menschen Möbel denn eine fehlende Möblierung wirkt sich nicht gerade positiv auf den Wohnkomfort aus. Wer sich ungern in Möbelhäusern verläuft oder ein Lebenslanges Hausverbot erhalten hat (so ein Poeng brennt schneller als man denkt), dem bleibt nichts weiter übrig als selbst den Hammer zu schwingen. Beim versierten Fernsehzuschauer kommt dabei zunächst erst einmal die Frage auf, ob es überhaupt möglich ist in den eigenen vier Wänden handwerklich tätig zu werden ohne einen Moderator der die Umbauaktion fürs breite Massenpublikum aufbereitet. Denn durch die unzähligen Heimwerker- und Lebenshilfedokumentationen haben wir gelernt, dass wir ohne Hilfe des Fernsehens zu blöd zum Renovieren, Gärtnern, Einrichten, Reparieren des Autos, Auswandern, Umziehen, Kochen, Haustierhalten und Leben an sich sind.

In der Regel haben Frauen wenig Verständnis dafür, dass man(n) sich an einem für sie so schönen Ort voll gemütlicher Wohnideen so unschön in Szene setzt. Dabei ist das Innere des blauen Schwedenwürfels für die meisten Männer weder gemütlich noch schön, sondern einfach nur langweilig und verwirrend. Erst das ein oder andere alkoholische Getränk reaktiviert das Kind im Manne, etwa wenn man auf die Idee kommt den guten alten Poeng Sessel auf seine Feuerfestigkeit hin zu testen.

Angesichtes einer derartigen medialen Beeinflussung, ist der angehende Heimwerker kurz davor die Flinte ins Korn zu werfen, gäbe es nicht die Werbemaßnahmen unzähliger Baumärkte, die den Kunden in dem Glauben lassen, dass alles möglich wäre wenn man nur das richtige Werkzeug zur Hand hat. ‚We will Rock You @ OBI!’

Bei der Arbeit in den eigenen vier Wänden stellt man dann ernüchtert fest, dass der Bau eigener Möbel sehr viel Schweiß, Blut und Tränen kostet. Aber nach unzähligen Arbeitsstunden, Rückschlägen und Nervenzusammenbrüchen ist es dann endlich soweit und man kann voller Stolz das selbstgebaute Gewürzregal an die Wand hängen. Dann weiß man, dass es die ganze Mühe wert war, obwohl man eigentlich einen Tisch bauen wollte. Es ist handgemacht und vor allem ist es klimaneutral. Die einzigen Emissionen werden bei der Fahrt zum Krankenhaus frei gesetzt, wo man dem Unfallchirurgen stolz die zwölf Zentimeter lange Schnittwunde präsentiert, die man sich mit dem Fuchsschwanz beim Bau eines Gewürzregals zugezogen hat.

In diesem Sinne, seid kreativ – auch Unfallchirurgen haben hübsche Krankenschwestern! Euer Damo

98./99./20. JULI 2008 FERROPOLIS Alter Ego | Tomas Andersson | Battles | Björk | Blackmail | Blood Red Shoes | Bonde do Role | Booka Shade | Gui Boratto Boys Noize | Steve Bug | Burger/Voigt | Caspa | Cobblestone Jazz | The Cheapers | Commix | The Count & Sinden live | Crookers dEUS | Dillon | DJ Supermarkt | Doc Scott | Does It Offend You, Yeah? | Dúné | Editors | Edu K | Efdemin | Ellen Allien | Empro Len Faki | Fotos | Franz Ferdinand | Friendly Fires | Fujiya & Miyagi | Sascha Funke | Get Well Soon | Goldie | Adam Green Gus Gus live | Daniel Haaksman | Hercules And Love Affair | Hot Chip | The (International) Noise Conspiracy | Jape Mathew Jonson | Mathias Kaden | Markus Kavka | Kissy Sell Out live | Klee | Oliver Koletzki | Ladyhawke | Late Of The Pier Lightspeed Champion | Los Campensinos | Luna City Express | Lützenkirchen | M.A.N.D.Y. | Philipp Maiburg | Alexander Marcus MC Gringo | MC Lowqui | MEN Le Tigre DJs | The Mitchell Brothers | Miss Platnum | Miss Kittin & The Hacker | Modeselektor Møenster | Mr. Oizo | Róisín Murphy | Kate Nash | Navel | Neon Neon | The Notwist | Operator Please | PeterLicht | Robyn Rummelsnuff | Henrik Schwarz | Shir Khan | Sick Girls | Skream | Stereo MCs | Storm | Supermayer | Superpunk | The Teenagers Tobias Thomas | Turbostaat | Die Türen | Uffie & Feadz feat. Technotronic | Markus Welby | The Whitest Boy Alive | Why? Zoot Woman | und viele andere The Notwist | Franz Ferdinand | Hot Chip Editors | Zoot Woman | dEUS | Kate Nash Blackmail | Robyn | und viele andere

COMPILATION 2008 | VOL. IV

Der Melt!-Sound 2008: 18 Hits für die Ewigkeit. Mit Non-Album-Tracks von u. a. Franz Ferdinand, Editors, Zoot Woman, Hot Chip, The Mitchell Brothers! Ab 04.07. im Handel, auf dem Melt! Festival und unter www.meltfestival.de/shop

WWW.MELTFESTIVAL.DE 4

myspace.com/bad_h EIN FEST VON

EMPFOHLEN VON

UNTERSTÜTZT VON

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Eine Liebeserklärung von SLEAZE an die vermeintlich Hässlichen unter uns. Einleitung Hier nun der zweite Teil unseres Bemühens, den „besonders“ attraktiven Tieren dieser Welt (sorry, Menschen weiterhin ausgenommen) eine Möglichkeit der Selbstdarstellung zum Arterhalt zu geben. Das Erdferkel hat es besonders schwer. Kein anderes Säugetier ist mit ihm verwandt. Kein Wunder, dass es unsere Hilfe bei der Partnersuche braucht. Also, wenn ihr zufällig ein attraktives, männliches Erdferkel (ein Erdeber??) kennt… Steckbrief Nick: Erdferkel Name: Orycteropus afer Geschlecht: weiblich Beruf / Beschäftigung: Geologin Wohnort: Afrika, südlich der Sahara Größe: 156 cm Hobbys: Blitzableiter erden, Sammeln von Wörtern, die „erd“ enthalten (wie Erdal, Pferd und werden) und nachts um die Häuser ziehen Motto: Auch ein Ferkel muss mal die Sau rauslassen

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Kurz etwas zu meiner Person: Ich habe die lange Nase gestrichen voll von Afrika. Mein größter Traum ist es, auszuwandern.*verträumt guck* Am liebsten nach Südamerika. Dort gäbe es für mich jederzeit Arbeit. Und das Freizeit- und Gastronomie-Angebot soll sehr abwechslungsreich sein. Als Vollblut-Röhrenzähner würde ich somit mehrere Termiten auf einen Schlag treffen. Ein gaaaaanz wichtiger weiterer Punkt: Mir ist meine Privatsphäre sehr wichtig. Einen Mann, der dauernd seinen Rüssel in meine Angelegenheiten steckt, kann ich nicht gebrauchen. Ansonsten bin ich gern zu Haus und verschönere meine Tunnels. Meist zu meinem Lieblingslied „Die Würde des Schweins ist unantastbar“ von Reinhard Mey (unter den Menschen mein Traummann) – wenn ich nicht gerade mit Kochen beschäftigt bin. Mit meinem Termitenauflauf habe ich bereits einen Preis gewonnen. Wen ich suche: Ich suche ein gestandenes Erdferkel, das mich als Person ernst nimmt. Natürlich darfst du mich gern auch ab und zu auf Pfoten tragen (grins). Du solltest auf dein Äußeres achten, kulturell aufgeschlossen sein und nichts gegen eine abendliche Flasche Rotwein haben. Bei Interesse kannst du Kontakt aufnehmen unter der Chiffre „eFerkel“ mit einer Mail an: danilo@sleazemag.de.

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65%

88%

10%

der Wähler von 1993 glauben, dass der Spielfilm Forrest Gump ein Dokumentarfilm war.

aller Amerikaner sind der Meinung, dass tiefgefrorene Pizza nie etwas taugen wird und die Wissenschaft ändernkann. kann daran nicht sändern aller Amerikaner würden fünf Dollar bezahlen, um Senator Orrin Hatch (aus Utah) im Bezahl-Fernsehen mit einem großen bissigen Hund kämpfen zu sehen.

86% 100 45%

aller Zuschauer wären für den Hund.

% aller Zuschauerinnen wären für den Hund.

aller Amerikaner sind der Ansicht, dass im Regen zu stehen im wirklichen Leben nicht so angenehm ist wie es im Film dargestellt wird.

16%

der damaligen Wähler des unabhängigen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten glauben, dass „Delfine aus diesen Netzen wieder rauskommen würden, wenn sie wirklich klug wären“.

der Bush-Wähler „haben keine Ahnung, wovon Rapper reden“.

34%

60%

der Amerikaner sagen, wenn sie einen Knopf drücken könnten, damit der Talkmaster Larry King verschwindet, würden sie „ihn drücken und nicht mehr damit aufhören“.

26%

12%

29%

der befragten Amerikaner glauben, dass der Erfolg des Schauspielers David Hasselhoff als Star der Fernsehserie Baywatch wenigstens zum Teil „auf Absprachen mit dem Teufel“ beruht.

45%

17%

*Durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Widgery und Associates, telefonische Umfrage im Auftrag von „TV Nation“. Es wurden jeweils 204 Amerikaner im ganzen Land befragt. 8

der Amerikaner sind der Ansicht, dass wir großen Ärger bekommen würden, wenn Jesus wiederkehrt und erkennt, dass der fundamentalistische Fernsehprediger Pat Robertson sein Sprecher ist.

der amerikanischen College-Absolventen sind der Ansicht, dass es praktisch keine weiblichen Serienkiller gibt, weil Frauen „einfach nicht aggressiv genug sind“.

36%

39%

15%

46%

der Amerikaner, die eine Feuerwaffe besitzen, sind der Ansicht, dass der zweite Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung das Recht garantiert, hochexplosiven Kunstdünger zu kaufen.

der Amerikaner glauben, dass Außerirdische, wenn sie C-Span (ist ein aller amerikanischen US-amerikanischer Fernsehsender, Frauen haben noch nie eine befriedigende Beziehung der ausschließlich über die Regierung und den Regierungsprozess mit einem Republikaner gehabt. in den USA berichtet) empfangen der Amerikaner glau- und eine Rede von Sonny Bono im ben, dass Waffen nicht Kongress gehört hätten, nie die „so gefährlich sind, wie behauptet Erde besuchen würden. wird.“ der amerikanischen College-Absolventen der Amerikaner würden sich für 50 Dollar richtig wünschen sich, dass hart mit der Faust ins Gesicht Dennis Hopper wieder Drogen schlagen. nimmt.

70%

28%

derjenigen, die sich selbst als „normale Amerikaner“ bezeichnen, wären gern König von Großbritannien, aber nur, wenn sie nicht die Queen heiraten müssten.

Swiss made – www.swatch.de

Echte Meinungsumfragen* für echte Menschen von echten Menschen

der Amerikaner sind der Ansicht, dass der Kerl, der als erster das Adjektiv „Groß“ vor „Britannien“ setzte, wahrscheinlich einen Witz machen wollte.

16%

der Amerikaner glauben, dass der Rest der Welt ihnen Böses will.

46% Ein

dieser Gruppe sind Waffenbesitzer.

Drittel der amerikanischen Frauen teilt die Ansicht, dass Baseball aufregender war, als die Baseballsaison 1994/95 durch einen Spielerstreik ausfiel.

Von

denen, die sagten, dass sie in den vergangenen sechs Monaten einmal so richtig geweint hätten, waren 42% Demokraten, 27% Republikaner, und 54% glaubten an die Existenz von UFOs. 9


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SLEAZE weiß:

Nicht alle fünf lassen auch fünfe gerade sein.

Manche Menschen finden Morden sexuell anregend. Andere fühlen sich schon schuldig, wenn sie solchen Mördern eine Neurodermitis an den Hals wünschen. Manche Menschen klatschen freuen sich, wenn sie mit ihrem geklauten Fernseher das erste Mal GZSZ gucken. Andere andere haben ein schlechtes Gewissen, weil sie keine GEZ bezahlen. Was eine Sünde ist, hängt vom Menschen ab. Aber wie man diese Sünde wieder gut machen kann, hängt von der (Welt)Religion ab. Das erklärt SLEAZE. Und damit sich die Religionen dabei nicht ungerecht behandelt fühlen, sind sie weder historisch noch sympathisch aufgereiht, sondern alphabetisch.

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DIE BESTEN WELTRELIGIONEN FÜR ALLE MIT SÜNDENBOCK.

Eine Extrarunde für Buddhisten.

Gott macht alles gut im Christentum.

Das A und O der Buddhisten fängt mit K an. K wie Karma. Buddhisten sammeln Karma wie Playboys Schlüpfer. Karma gibt‘s immer automatisch, wenn ein Buddhist etwas denkt, macht oder fühlt, egal ob man sein Kind doch nicht haut (gutes Karma) oder ein Feuer auspinkelt (hängt vom Feuer ab). Und wer auf der fiktiven Karmabilanz ein ausgeglichenes Konto vorweisen kann, wird aus dem elenden Kreislauf der Reinkarnation befreit und gelangt ins Nirvana (bitte Band-Witz selber machen). Da das aber die wenigsten schaffen, geht es den meisten normalsterblichen Buddhisten eher darum, so viel positives Karma wie möglich zu sammeln, damit sie bei der nächsten Wiedergeburt in ein möglichst schönes Leben kommen. Dieses Karussell der Wiedergeburten heißt Samsara und die nächste Runde geht auf jeden Fall rückwärts, wenn man zu viel negatives Karma gesammelt hat. Will heißen: Für Sünden gibt es unter Umständen mehr als lebenslänglich. Und sündigen fängt bei den Buddhisten früh an: Einer Fliege langsam Flügel und Beine ausreißen gehört genauso dazu wie der Gedanke, dass die Deutsche Telekom ein Scheißverein ist.

Die christlichen Regeln zum Thema „Sünden“ sind komplizierter als die der Kleingartenverordnung. Es ist alles geregelt, unterteilt, noch mal geplant und so durchchoreografiert, dass Rihanna gleich beim ersten Paragraphen anfangen würde zu tanzen. Oder so: Für jeden Theologen ist die Vereinfachung in diesem Artikel wahrscheinlich schon eine Sünde, aber wegen Konfessionslosigkeit können sie keine Buße erwarten. Christen sind mit Sünde aufgewachsen. Gleich mit der ersten Geschichte aus der Bibel, Adam & Eva, hatten die Christen den Salat. Gott war voll sauer und hat sich von den Menschen distanziert. Ab da haben dann alle versucht, getreu der 10 Gebote zu leben, was aber auch nicht immer gelang (Sodom, Gomorrha). Viel später hat Jesus sich für die Sünden der Menschen ans Kreuz nageln lassen. Das war schon mal ein ziemlicher Freifahrtsschein für die Christen, weil ja quasi schon jemand anders gebüßt hat. Danach hat dann noch Martin Luther in einer Art Kampagne Gottes böses Arschloch-Image durch ein verständnisvolles, liebendes abgelöst. Will heißen: Seitdem nimmt Gott so ziemlich jede Entschuldigung an, vor allem von der Kirche selbst. Trotzdem heißt es immer noch, dass nach dem Tod das Jüngste Gericht aussortiert und die Bösen in die Hölle kommen. Aber keine Angst, es gibt jede Menge einfache Möglichkeiten, sich von diesen Sünden zu befreien. Der katholische Sünder geht zur Beichte. Dort wird

Fazit: Für Leute mit ganz viel Zeit ok. Ansonsten für die Karmabilanz bei jeder Sünde etwas Nettes machen.

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nach strenger Choreografie erst über praktizierten Gruppensex, Pädophilie oder Mord geplaudert und dann durch die Absolution mit Kopftätscheln vergeben. Da kann sich der Sünder schon mal sagen: „Puh, der erste Teil ist geschafft. In den Himmel komm ich schon mal.“ Aber trotzdem müsste er noch, zumindest für einen der Sünde entsprechenden Zeitraum im Höllenfeuer schmoren. Wäre da nicht der Ablass*! Was wir noch aus dem Geschichtsunterricht kennen, weil im Mittelalter die Kirche den Armen die letzte Kohle aus der Tasche gezogen hat („Gib mal, dann ist es hier auf Erden zwar ein bisschen scheiße, aber dafür gibt‘s im Himmel „All inclusive“ mit zweimal täglich warmem Essen), ist heute eine kleine Aufgabe für die reuigen

Sünder. Sie müssen was Gutes machen (beten, Homosexuelle beschimpfen), und schon ist der direkte Weg ins Paradies geebnet. Manchmal geht es sogar noch einfacher: Denn zum Beispiel an runden Geburtstagen wie im Jubiläumsjahr 2000 lassen die Kirchen-Chefs Fünfe gerade sein und geben einen Universalerlass für die gesamte Kirche bekannt. Und auch, wer Ratzes Urbi et Orbi hört, hat gerade einen vollkommenen Ablass empfangen. Neuerdings gehen die Ablass-Schwingungen sogar durchs Radio (1967), Fernsehen (seit 1985) und seit 1995 auch durchs Internet. Ach ja, evangelische Sünder können auch beichten. Wird aber nicht so oft gemacht. Wer also nicht so viel mit sich selbst ausmachen kann, sollte schnell katholisch werden. * gilt nur für getaufte Katholiken. Fazit: Evangelen müssen sich mit ihrer Tat ziemlich auseinander setzen, deshalb ist die beste Konfession zum Sündigen eindeutig der Katholizismus. Keine Reflektion! Keine Konfrontation!

Im Islam ist Sünder bestrafen gutes Recht. Wer als Moslem sündigt, sollte sicher gehen, dass er nicht in einem Land wohnt, in dem die Scharia staatliches Gesetz ist. Dann kann einem nämlich nach einem Diebstahl genau die Hand fehlen, mit der man den Radiergummi im Schreibwarenladen eingesteckt hat. Und „Achtung, Steinschlag!“ heißt es gerne mal für Frauen, die sich des Ehebruchs verdächtig gemacht haben. Wer in einem Land sündigt, in dem die Scharia nicht gilt, der kann mit einem blauen Auge davon kommen (meistens von Bruder oder Vater). Genug der Polemik, kommen wir zum religiösen Teil: Kleinere Vergehen können die Sünder schon durch die Erfüllung ihrer religiösen Pflichten (z.B. Beten gen Mekka) tilgen. Mittlere bis mittelschwere Sünden können durch Reue und Buße vergeben werden. Aber wehe dem, dessen Sünde im weitesten Sinne was mit Unglauben zu tun hat. Wer auch andere Götter gut findet oder sogar sein Moslemsein aufgibt, dem wird nämlich nie verziehen. Wenn er dann z.B. im Iran wohnt, wird er erst nach staatlichem Recht tödlich bestraft – und dann noch mal nach seinem Tod mit ewigem Hölleschmoren. Wenn er z.B. in Deutschland wohnt und sich gut verstecken kann, erwischt es ihn erst nach seinem Tod.

Büßen im Judentum? Aber auch machen! Sünde heißt auf hebräisch aveira und gibt es in drei verschiedenen Formen: Pesha oder Mered sind die Sünden, die man absichtlich gemacht, mit der man sich bewusst gegen Gott aufgelehnt hat. Dann gibt‘s noch Ovon, eine emotional begangene Sünde, ohne dass Gott etwas damit zu tun hat und Cheit, die Ups-Sünde, die man nicht mit Absicht gemacht hat. Allgemeines Leitmotto bei allein drei Arten ist „Nobody is perfect“ Und wenn dann mal etwas nicht so perfekt war, ist das eben meistens auch nicht so schlimm, denn es gibt kaum etwas, das nicht zu vergeben ist. Wichtig ist nur, dass etwas getan wird. Beten ist gut, aus der Welt schaffen noch besser. Für die ultimative Versöhnung gibt es Jom Kippur. Das ist nicht der Schwager von Trapper John, M.D., sondern ein ganz spezieller Tag im Jahr, an dem die Juden zur Vergebung ihrer Sünden zusammenkommen. Im jüdischen Kalender geht dieser Versöhnungstag vom Sonnenuntergang vor dem 10. Tischri bis zum nächsten Sonnenuntergang. Für alle, die nicht mit Madonna befreundet sind: 2008 ist das Fest vom Abend des 8. Oktobers

bis zum nächsten Abend, das ändert sich aber von Jahr zu Jahr. Die zehn Tage vor diesem Tag haben Juden Zeit, für ihre Sünden zu büßen. Und im Gegensatz zu den Katholiken, die alles in der Kirche abladen, müssen die Juden richtig was tun. Sie müssen Streitigkeiten beilegen. Sie müssen sich entschuldigen, sie müssen wieder gutmachen. Beten und Almosen geben ist auch nicht verkehrt. Nach diesen ereignisreichen zehn Tagen ist also Jom Kippur. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder (einschließlich Lederschuhen) und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten. Könnte also etwas langweilig werden, aber danach können die Sünder hoffen, vom lieben Gott in seiner Jahresbilanz mit einem guten weiteren Schicksal belohnt zu werden. Und dass das für jeden Juden wichtig ist, wissen wir nicht erst seit gestern. Fazit: Schönen Dank auch, Adolf Hitler! Wegen dir ist es immer noch unmöglich, Witze über Juden zu machen.

Für Hinduisten geht‘s in die Verlängerung. Ja, in der indischen Mythologie gibt es eine Hölle (Hölle! Hölle! Hölle! Hölle!). Allerdings spielt die keine große Rolle, weil darin ja nicht ewig geschmort wird, sondern eben nur so lange geblieben, bis das Karma aufgebraucht ist. Im Hinduismus ist es nämlich so ähnlich wie im Buddhismus. Wer doofe Sachen macht, zum Beispiel der Heiligen Kuh ein Bein stellen, häuft schlechtes Karma an. Das kommt mit auf die Liste und beim Tod wird aufgerechnet, wie viel Gutes und wie viel Schlechtes der Mensch gemacht hat. Davon hängt ab, ob man als was Gutes (Marihuana, Guru) oder was Schlechtes (Efeu, Fußpfleger) wiedergeboren wird. Man wird immer wiedergeboren. Immer wieder. Und nochmal. Ganz wenige können diesen Kreislauf aufbrechen und zur Erleuchtung gelangen. Das schaffen aber wirklich nur Leute, die völlig asketisch leben, z.B. nackt, ohne festen Wohnsitz oder die sich seit 1973 auferlegt haben, den Arm hochzuhalten und seitdem nicht ein einziges Mal mehr geklatscht haben. Fazit: siehe Buddhismus.

Fazit: Entweder beim Sündigen verkleiden (Kopftuch, Schnurrbart) oder es besser gleich lassen.

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Liebe Tante Noah,

jetzt, wo man sich wieder an Dich wenden kann, will ich die Gelegenheit ergreifen: Wie komme ich in die Medien? Ich wäre bestimmt ein guter Reporter, weil ich keine Scheu vor Menschen hab, sehr aufgeschlossen bin und gern auf Leute zugehe. Ich kann auch singen und produzieren (Beats, Demos) und mehrere Instrumente, aber eher so lustige. Am besten wäre etwas, bei dem ich das alles zusammen machen könnte. Meine Eltern glauben leider gar nicht an mich, mein Vater findet Künstler werden oder in den Medien arbeiten, das schafft man sowieso nicht, ich soll mir nichts vormachen. Er denkt, dass ich nur meine Zeit verschwende und von einer „richtigen“ Arbeit abgehalten werde. Wo ich die finden soll, weiß er aber auch nicht. Meiner Mutter ist das alles peinlich, weil sie der Meinung ist, dass ich „wie ein Teenager“ Späße mache und auch auf Kosten der Leute. Das sehe ich zwar nicht so, aber sie hilft mir jedenfalls auch nicht. Da ich nicht so viele Freunde habe, eigentlich gar keine, erhoffe ich mir auch, dass sich das bessern würde, wenn ich im Fernsehen wäre und dadurch vielleicht beliebt. Was ist Deine Einschätzung, „Tante“ Noah? H. aus B. (auf Wunsch anonym) Lieber „H. aus B.“, hier ist meine Einschätzung: Du bist Stefan Raab. Mach einfach weiter so. 14

Hallo Noah,

Warum fahren Frauen auf Typen mit dicken Karren ab, geben es aber nie zu? Viel Spaß, dein O. aus B. (auf Tante Noahs Wunsch anonym) Lieber O.

Frauen fahren auf Männer ab, die sie nach Möglichkeit höchstens sexuell auslaugen, aber nicht finanziell („Duhu, Mutt- äh, Marion?“), emotional („Wenn du wirklich mit Karlheinz an den Wannsee fährst, weine ich das ganze Wochenende!“) oder verbal („…und dann hab ich zu ihm gesagt, DIETER, hab ich gesagt, deine PERFORMANCE ist 50% unter meinem Rating, sobald wir die neue Facility haben, ist das Projekt recoupt! Da hat er vielleicht doof geschaut, der Loser...“). Weil die Chancen eines Fangs ohne diese Defizite in etwa so hoch sind wie die Absätze der Cowboystiefel von DOG, dem Bountyhunter, versuchen wir zumindest das finanzielle Anzecken in Grenzen zu halten. Warum wir es nicht zugeben? Um Euch zu schonen. Einige Frauen stehen auch nur deswegen auf Typen mit großen Autos, weil sie glauben, dass Typen auf große Autos stehen und sie dadurch mehr Chancen haben, wenn sie vorgeben, auch auf große Autos zu stehen (der „Ich interessier mich jetzt auch für finnischen Hardcore“-Faktor). Dabei stehen Typen ja eigentlich nur auf große Autos, weil in Wirklichkeit die Frauen auf große Autos stehen. Äh, ja. Kein Problem, Deine Tante Noah

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Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Ich sehe meine Zukunft in Welche Hobbies hast du? Ich liebe Gold. Ringe aus Gold, der Armee. Alle sagen mir Gabeln aus Gold, Miniatur- immer, wie süß meine Stimme hündchen aus Gold, Haupt- klingt. Die Funkzentrale der sache Gold. Ich sehne mich Armee – das wäre genau mein nach einem Mann, der meine Ding. Außerdem könnte ich so goldenen Träume erfüllen kann. jede Menge total männliche In meinem Leben soll alles Soldaten treffen und bei aus Gold sein. Sogar meine heißen Explosionen zusehen. Unterwäsche.

grenzenloses Verlangen, sie so richtig schmutzig zu machen.

Hast du ein Lieblingsbuch? Im Moment lese ich gerade “Der Einsame Soldat“. Ein Soldat verliebt sich mitten im Krieg in eine Stripperin aus einem fernen Land. Wegen des Krieges verbietet ihre Familie ihr jeden Kontakt zu ihm.

Fotostrecke in der nächsten Ausgabe von B.C.

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sprenge natürlich nicht. Aber ich sehe gerne Männern zu, die Sachen in die Luft jagen. Das ist einfach heiß. Es ist so, als Auf welchen Männertyp würde der Mann zu dir sagen stehst du? „BÄM, Lady, ich zerstöre dich Ich liebe Soldaten. Wenn mit meiner explosiven Liebe!“ Männer eine Uniform und Da schmelze ich dahin. richtig große Waffen tragen, ist das wahnsinnig heiß. Wenn Was kannst du gar nicht ab? ich so eine schicke Uniform Männer, die nicht gerne Sachen sehe, überkommt mich ein in die Luft sprengen.

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Age: 26 Beruf: Busfahrerin Wohnort: Köln

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WILLKOMMEN IN SCHLECHTER GESELLSCHAFT Spiele nach deinen eigenen Regeln. Nutze taktische Zerstörung und sprenge fast alles in die Luft. Nimm dir, was du brauchst - mit drei deiner engsten und unmoralischsten Freunde.

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© 2008 EA Digital Illusions CE AB. All rights reserved. Battlefield: Bad Company and the DICE logo are trademarks or registered trademarks of EA Digital Illusions CE AB in the U.S. and/or other countries. EA and the EA logo are trademarks or registered trademarks of Electronic Arts Inc. in the U.S. and/or other countries. “PlayStation”, “PLAYSTATION” and the “PS” Family logo are registered trademarks of Sony Computer Entertainment Inc. All other trademarks are the property of their respective owners.

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In Deutschland gibt es jede Menge Asis, messerstechende Vollproleten und Schlägertruppen mit Männlichkeitskomplexen – auf ostdeutschen Dorffesten, in Kreuzberger U-Bahnen und immer wieder auch auf den vorderen Plätzen der Charts. Die Hitparaden-Homeboys nennen sich „Gangsta“ und machen jede Menge Kohle, indem sie in einem der reichsten Länder der Welt von „Ghettos“ und Straßenkrieg jammern. Na gut, einige von ihnen leben tatsächlich so gefährlich wie der Durchschnittsbürger bei der Morgenrasur. Kürzlich ohrfeigten Bushido und seine Homies sogar den Manager der Ochsenknecht-Blagen. So geschehen auf einer VIPParty der Hood-Postille BRAVO. Krass. Einige Wochen zuvor wurde bereits ein Neuköllner Kantstein angeschossen. Ein Querschläger streifte den Arm eines straight outta Pirmasens stammenden Rappers kurz vor Erscheinen seines neuen Albums. Die PR-Abteilung freut ́s.

Jahren Millionen. Besonders in Los Angeles gibt es aber immerhin schon seit fast 100 Jahren das, wovon Berlin so gerne rappt: Gangs und echte Gangsta. Die Geburtsstunde der Gangkultur war in den 20er Jahren, als sich europäische Einwanderer zu ethnischen Banden zusammenschlossen. Weltweit bekannt sind seit Jahren vor allem die„Crips“ und „Bloods“ – nicht zuletzt dank Hollywood und prominenter US-Rapper wie Snoop Dogg und The Game. In jüngster Zeit macht aber vor allem eine Gang Schlagzeilen: Die MS-13. Das FBI hält die Latinos für die „gefährlichste Gang der Welt“ und warnt vor einer globalen Bedrohung. Vom Bürgerkrieg in den Bandenkrieg

In den 80er Jahren gründeten Bürgerkriegsflüchtlinge aus El Salvador in Los Angeles ihre eigene Gang: Die „Mara Salvatrucha“; kurz „MS-13“. „Mara“ ist spanischer Slang für MS-13: „Die gefährlichste Gang „Gang“, „Salvatrucha“ setzt sich aus salvadoreño (Salvadorianer) der Welt“ und trucho (klug, clever) zusammen und die 13 bezieht sich In den USA verdienen Manager, Labels und Boulevard-Medien auf die „13th Street“ in LA. Ursprünglich wollte sich die an der Ghetto-Kultur seit

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MS-13 gegen bereits existierende Gangs verteidigen, sie ging jedoch schon bald in die Offensive. Wie alle Gangs vertreibt sie sich die Zeit mit Mord, Vergewaltigung, Erpressung, Drogen-, Waffen- und Menschenhandel. Ihre Lieblingswaffe ist die Machete, womit sie ihren Opfern gerne mal wahllos Körperteile abtrennt. Die Angst der ärmlichen Nachbarschaft vor ungebetenen Amputationen lässt die Schutzgeldkassen der MS-13 bis heute klingeln. Längst nicht mehr nur in den USA. Exportschlager Gang-Crime Wenn auch der Demokratieexport der USA noch nicht ganz ausgereift ist, der Export der Gangkultur ist ein Riesenerfolg. Seit den 90er Jahren schieben die USA im Rahmen ihrer „Zero Tolerance“-Strategie ausländische Kriminelle einfach in ihre Herkunftsländer ab. Die deportierten Gangster bleiben der Mara jedoch treu. Während Justiz und Polizei von den importierten Gang-Strukturen völlig überfordert sind, rekrutieren die Gangster kriegserfahrene Guerillakämpfer und expandieren in El Salvador, Honduras und Guatemala wesentlich schneller als in den USA. Mittlerweile leben 90% der geschätzten 100.000

MS-13-Mitglieder außerhalb der USA. In Mittelamerika ist die MS-13 ein ernstzunehmendes politisches Problem. In Honduras wurde 1997 sogar der Sohn des Präsidenten von der MS-13 entführt und ermordet. Hier gibt es Gefängnisse, in denen ausschließlich MS-13-Mitglieder einsitzen. Allein für ein MS-13Tattoo wandert man für bis zu fünf Jahre in den Knast. Und Tattoos hat fast jedes der Mitglieder. Je hässlicher und offensichtlicher, desto größer der Respekt der Homies. Ein großflächiges „MS“ auf der Brust ist Standard. Viele tragen ihre Tattoos aber auch im Gesicht: „MS-13“, Teufelshörner, Tränen oder Handgranaten sind ein Renner. Ein Gangtattoo im Gesicht verhindert die Reintegration in die Gesellschaft für immer. Re-Export über illegale Immigration Viele MS-13-Mitglieder fliehen vor der rigorosen Strafverfolgung in Mittelamerika illegal zurück in die USA. Oft siedeln sie sich in Gebieten an, in denen es zuvor keinerlei Probleme mit Gangs gab. Laut FBI sind die in den USA geschätzten 10.000 Mitglieder der Latinogang auf fast alle Bundesstaaten verteilt. Obwohl das MS-13-Problem in Mittelamerika noch deutlich größer ist als in den USA, gründete das FBI vor einigen Jahren eine „MS-13 National Gang Task Force“ (NGTF). Seitdem beherrscht die Mara Salvatrucha die US-Medien überproportional. Immerhin haben die Crips und die Bloods zusammen etwa

achtmal so viele Mitglieder. Allerdings konzentrieren diese sich auf Viertel, die die Polizei schon lange aufgegeben hat.

oder Schacht-Audorf ein MS13-Ableger gegründet wird. Solange die Hitparaden Homeboys sich regelmäßig bei Stefan Raab auf dem Sofa als nette Jungs ouLatino-Gangster als Spielball ten, braucht man ihre Rhetorik der Politik nicht allzu ernst zu nehmen. Die wollen nur spielen. Und Platten Die illegalen Einwanderer aus verkaufen. Mexiko und Mittelamerika sind George W. Bush, unabhängig von der Gang-Problematik, ein Dorn im Auge. Seit Jahren beMalte Banser müht er sich um eine drastische Verschärfung der Einwanderungspolitik. So wirkt es, als ob die MS-13 unabhängig von ihrer unbestrittenen Brutalität und großen Mitgliederzahl von der Politik instrumentalisiert wird. Der umstrittene neue Grenzzaun zu Mexiko findet doch viel mehr Unterstützung in der US-Bevölkerung, wenn man ein paar zweifelsfrei böse Latino-Gangster präsentieren kann. Auch die Zahlen des FBI werden von Kritikern in Zweifel gezogen. Sie werfen der Behörde vor, jeden Mitläufer, der Style und Corporate Identity der MS13 kopiert, in die Statistik der potentiellen Schwerverbrecher aufzunehmen. Schließlich hat die MS-13 keine übergeordnete Führung, so dass sich jeder MS13 nennen kann. Je berüchtigter eine Gang, desto anziehender für jugendliche Mitläufer. Gangkultur als Kommerz-Motor Je mehr der Gang-Lifestyle verehrt und nachgeahmt wird, umso mehr Geld können verschiedene Industrien damit verdienen. In den USA genauso wie in Deutschland. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, dass in irgendeiner Sandkiste in Berlin, Pirmasens 19


Post an Wagner:

...für den Journalisten Franz Josef Wagner wurde beim AxelSpringer-Verlag extra die Position des Chefkolumnisten geschaffen. In seiner BILD-Zeitungskolumne „Post von Wagner“ schreibt er über alles, was ihn begeistert oder ärgert. Das können auch Gegenstände sein. In ihm kämpft das Genie gegen den Wahnsinn, wobei es für den Wahnsinn besser aussieht...

Lieber Franz Josef Wagner, du bist ein alter Hase. Du hast eine große Zahnlücke, Ecken und Kanten. Du machst dir seit einer halben Ewigkeit Luft, wenn in der Welt etwas Ungerechtes, ja, Gemeines passiert. Und wer hätte das gedacht: Als Kind zwitscherste du als Regensburger Domspatz unschuldig fröhliche Melodien. Tschilp! Fidirallala! Inzwischen weiß die ganze Nation, dass du fast alle duzt, ganz rigoros verurteilst und Strafen, Entschuldigungen bzw. wirres Zeug forderst. Deine dünnen Haare wehen, du zitterst aufgebracht. Du machst kurzen Prozess mit Lehrern, Marsmenschen oder Chinesen. Hältst du dich für eine politische Bewegung? Du bist nicht ganz richtig. Das finden wir manchmal falsch und manchmal lustig. Wir werden dich im Auge behalten. Wir werden dir schreiben. Wir tanzen für dein Sweatshirt einen Derwischtanz. Wir stecken dein Alphabet in Brand. Warum? Wir können nur sagen: Darum.

Sleaze

Herzlichst

...zum Thema Charlotte Roche und ihr Buch „Feuchtgebiete“...

Lieber Franz Josef Wagner, du bist immer für eine Überraschung gut. Du duzt sogar die Merkel, aber Charlotte Roche siezt du plötzlich. Warum? Weil sie nicht nach Efeu riecht. Weil sie ein ekliges Buch geschrieben hat. Sie hat dir gesagt, dass Frauen Stuhlgang haben. Dabei legst du doch Mozart auf, damit du die Frauen nicht pupsen hörst. In deiner perfekten Welt sind weibliche Polöcher nämlich kleine niedliche Aufkleber, die nach Erdbeere riechen. Uns hat das Buch auch nicht so gepasst, weil es am

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Feminismus vorbeifotzt und dessen Ekligkeit so berechnend wirkt. Roche furzt mit der Achselhöhle, quasi. Aber wenn es dich dazu bringt, eineFrau als echtes Wesen mit Gasen und so weiter wahrzunehmen, mögen wir es vielleicht doch ein bisschen. Du denkst, Frauen wollen als stinkende Wesen wahrgenommen werden und nennst es eine „postmoderne Fiktion des Feminismus“. Für uns ist es ein „inhärenter Chauvinismus im Präsens“, wenn du Roches Ausführungen mit Absicht falsch verstehst. Sieh es doch einmal so: Frauen wollen den Gestank der Männer nicht länger mit liebem Efeu-Geruch übertünchen. Der Chauvinismus soll verduften. Es riecht nach Ärger. Verstecke schnell deinen Darm!

inFemme

Herzlichst,

...zum Thema Anstetten...

Lieber Oberweltenmensch Wagner, du bist ein wirklich guter Mensch. Fröhlich heißt du die Kellerkinder von Anstetten willkommen in der Oberwelt. Fröhlich beschreibst du ihre ersten Erfahrungen im echten Leben. Die Sonne wird ihnen in den Näschen kitzeln, sie werden neugierig fragen, was ein Sparmenü ist und sie werden, hübsch aufgereiht, auf einer Bank in einem Park sitzend, zur Melodie von Kuschel wippen. Selig werden sie sein. Ach, wie herrlich ist es doch in unserer Oberwelt. Wenn man das schreckliche Leben dieser Familie anguckt, da werden die Bäche noch einmal so klar und die Berge noch einmal so schön. Ach, es ist doch vortrefflich, dass das Schicksal anderer das Unsere auf einen Schlag so viel besser machen kann. Wir sind die Oberwelt! Es glitzert! Nimm die Sterne Huckepack und spiele Fangen mit dem Regenbogen!

inFemme

Herzlichst,

...Zum Thema Angela Merkel in der Umkleide der Nationalmannschaft...

Lieber Wagner, Frauen, die nicht die Mama sind, haben also beim Fußball in Umkleiden nichts zu suchen. Da sollten Fußballerinnen wohl lieber große Autos, am besten Wohnmobile, fahren, damit sie sich nach dem Spiel auch gleich duschen können. Damit sie nach dieser degenerierten, unpassenden Aktivität schnell wieder nach Rosen oder Vanille duften. Damit ihre Haare nicht verschwitzt am Kopf kleben, sondern fröhlich im Wind fliegen. Die wichtigste Aufgabe einer Mama im Fußball ist deiner Meinung nach, Trikots zu waschen, bei Niederlagen den Kopf zu tätscheln oder Fußballschuhe zu putzen. Was wäre das für eine Welt, wenn Mama selbst Fußballerin wäre? Wenn Mama selbst auf dem Rasen rennt und foult? Ihr Blick kämpferisch, ihre Brüste im weiten Trikot kaum zu erahnen? Dann ist sie keine Frau mehr. Keine Mama. Dann würden Trikots in Fußballtaschen vor sich hinstinken, die die kleinen Racker vor sich achtlos auf den Boden geworfen haben. Dann würden Knöchel ungekühlt anschwellen und dicke Niederlage-Tränen unbeachtet auf den Boden tropfen. Wie gut, dass wir Mama Deutschland haben. Sie wird die Nationalmannschaft nicht im Stich lassen, wenn sie verliert. Sicher wird sie wieder in die Kabine gehen, alle in den Arm nehmen und eine warme Melodie summen, während sie Poldi und Co. beruhigend wiegt. Sie wird sich alle Zeit der Welt nehmen und Klimakatastrophe Klimakatastrophe sein lassen. Denn wenn deutsche Jungen traurig sind, dann brauchen sie eine Mama.

Ihre inFemme

Herzlichst,

P.S.: Deine Mailbox ist voll. Sonst hätten wir dir das auch per Mail geschickt.

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Das Leck im Dach der Welt oder Möbelrücken in Nepal Das Leck im Dach der Welt oder Möbelrücken in Nepal Das Leck im Dach der Welt oder Möbelrücken in Nepal Regelmäßige SLEAZE-Leser wissen es: Alle paar Wochen verbannt die Redaktion mich, den armen NRW-Außenreporter, zu einem Meeting mit lebenden oder bereits verstorbenen Promis; liebevoll auch Sonderauftrag genannt. Bei diesen Spezialeinsätzen lernte ich bis dato die Trinkgewohnheiten von Britney Spears ebenso kennen wie per Zeitmaschine den Führer höchst selbst, was mir einen bleibenden Hörschaden einbrachte. Nun stand für Ausgabe Nummer 5 wieder ein Ausflug in der Gegenwart an. Zum Glück, denn dieses Zeitreisen macht unreine Haut. Meine Reise führte mich ganz in die Nähe des Dachs der Welt, genauer gesagt: Nach Nepal. Und da ich schon längst mal im Himalaja eine Zigarette rauchen wollte, war ich vom Plan meiner Chefin durchaus angetan. Die Planungen liefen also auf Hochtouren. Mein Gesprächspartner sollte niemand anderer als Nepals König Gyanendra sein, der es sich nicht nehmen lassen wollte, die Auslandspresse persönlich willkommen zu heißen. So gut mein Eindruck von den Reisevorkehrungen war. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, immer mit dem Schlimmsten zu rechnen. Und so kam es denn auch einmal mehr... Diese Reise ins Land verlief ohne weitere Zwischenfälle. Eigentlich schon verwunderlich. Ich konnte beim besten Willen nicht ahnen, dass die Luft auf dem Himalaja, die mich umwehen sollte, nicht ansatzweise so dick war wie die, die dem König um die Nase blies. Ich sage seit Ewigkeiten, wie wichtig eine funktio24

nierende Politredaktion ist. Aber mir hört ja niemand zu. Und so wusste ich denn auch nicht, dass ich just zu einem Zeitpunkt ankommen würde, in dem gerade die Wahl die Absetzung des Königs einläuten sollte. Der Empfang am Flughafen war dementsprechend kläglich. Der „König“ hieß mich mit einem Fahrrad willkommen. Die Begründung, dass sei besser als jedes Taxi, weil „die Deppen mal wieder streiken“, war noch ein-

leuchtend. Man weiß ja, wie gerne in diesem Teil der Welt alles und jeder bestreikt wird. Da ist eine Ähnlichkeit zu den Franzosen und Italienern nicht von der Hand zu weisen. Die Frage, ob ich schon mal einen Möbelwagen gefahren hätte, kam mir aber doch eigenartig vor. Der Weg zum Palast gestaltete sich etwas schwieriger als gedacht. Das Bewerfen von Reisenden mit alten Lebensmitteln sei angeblich nepalesische Tradition. Gut, manches nimmt man einfach hin. Im Vorbeifahren konnte ich sehen, wie überall die Bilder von meinem Reisebegleiter abgenommen wurden. Gyanendras Kommentar dazu: „Kommen neue Bilder, alte nicht mehr gut!“ Im Palast angekommen, bekam ich als erstes einen dicken Karton in die Hand gedrückt, den ich

doch bitte in den großen Transportwagen im Hof bringen sollte. Langsam kam mir (kein Wunder bei diesem religiösen Umfeld!) die Erleuchtung. Spätestens als mich der König bat, doch bitte unauffällig das goldene Service aus dem Palast zu schaffen, wusste ich, dass hier etwas nicht stimmte. Unter Tränen gestand mir mein Interviewpartner, er habe da wohl ein wenig die Selbstständigkeit der Untertanen unterschätzt. Und nun sei er sozusagen im Vorruhestand. Nur eben ohne Ruhe. Eigentlich müsste er sogar schleunigst sehen, dass er Land gewinnt, weil sein ehemaliges Volk, die neuerdings lieber Maoisten als Politiker haben, nicht so gut auf ihn zu sprechen sei. Und so kam es dann, dass ich mitten in Kathmandu einem früheren Monarchen beim Möbelpacken zur Hand gehen durfte, bevor die Dynastie ihr jähes Ende finden sollte. Kaum drei Stunden später sitze ich neben einem in die Flagge der Königsfamilie gewickelten Kerlchen mit dicker Sonnenbrille Richtung Berlin. Höflichkeit ist nicht immer eine Tugend. Die Frage, ob Deutschland eigentlich schön sei und ich für einen guten Freund eine Bleibe hätte für ein paar Tage ... ich hätte nicht so voreilig antworten sollen. Aber nun habe ich endlich Verwendung für das leere Zimmer hinten links. Hoffentlich dauert es nicht so lange, bis ich ihm das Bimmeln mit dem Glöckchen abgewöhnt habe. Das nervt nämlich jetzt schon. Matthias

Habt ihr es nicht satt,

ständig auf der Suche nach eurem NummerEins-Magazin zu sein? Friseurläden abzuklappern, sich

ne neue Frisur machen zu lassen, in der Hoffnung, SLEAZE irgendwo im unsäglich abgegriffenen Zeitschriftenstapel zu erspähen und mit ins traute Heim zu nehmen, wo man es endlich wohlig betten kann, mit ihm reden und

spielen oder einfach nur, um drin zu lesen. Wir machen es euch einfach, auch wenn sich diese Zeilen für Eingefleischte wie ein Déjà-vu lesen mögen. Werdet Abonnenten! Nehmt euch selbst in den Kreis der Sendungsempfänger auf! Jungfräulich werdet ihr in Zukunft euer Blättchen in den Händen halten und die Frische zwischen den Seiten erschnuppern können. Ehrlich, wer hat das nicht gern, ein ungeknicktes Erzeugnis sein Eigen zu nennen. Keine kryptischen Bemalungen früherer Leser, keine Eselsohren, nur ihr und SLEAZE. Eine Mail an abo@sleazemag.de mit euren Angaben. Alles weitere folgt. Ihr werdet lediglich aufgefordert, den schützenden Mantel und den Postzoll zu blechen. Traut euch!

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DIE METHODE: Positioniert in Richtung Mekka nimmt der moslemische Schächter ein langes, glattes und schartenfreies Messer in die Hand. Den Namen Gottes ausrufend macht er einen einzigen präzisen Halsschnitt, wodurch Speise- und Luftröhre samt der Halsnerven und Halsschlagadern, die die Blutzufuhr zum Gehirn erlauben, durchtrennt werden. Nicht durchtrennt bleiben die Wirbelsäule, das Rückenmark und die inneren Gefäße des Wirbelkanals. Der ganze Aufschlitzprozess dauert nicht länger als vier Sekunden, woraufhin ein schlagartiger Abfall des Blutdrucks folgt, das Tier aufgrund mangelnder Sauerstoffversorgung des Gehirns in Ohnmacht fällt und sich vermutlich schmerzlos von seinem warmen, aus dem Schlitz herausströmenden Blut verabschiedet. Ob alles wirklich schmerzensfrei abläuft, ist trotz hochentwickelter Technologien der Messung der Nervenimpulse leider zweifelhaft. Der folgende und für die nichts vermutenden Halal-Googler wahrscheinlich grausamste Teil wird „Ruhe nach dem Schnitt“ genannt, wo das Lebewesen, entweder liegend oder an den Hufen hängend, komplett ausblutet. Erst nach der vollen Ausblutung und Nachbereitung (Waschen und Salzen) darf sein Fleisch laut Qu´ran und Kaschrut (die jüdischen Speisevorschriften) genossen werden. Tierschutz? Schächten ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Das Tierschutzgesetz untersagt das Schlachten von Wirbeltieren ohne Betäubung. Bis eine Ausnahme (siehe Zitat), die auf das Recht der Religions- und Glaubensfreiheit beruht. Laut dem sog. Schächturteil vom 15. Januar 2002 ist keine Betäubung zwingend, sofern sich die Religionsgemeinschaften an die zwingenden Vorschriften gegen den Genuss von Fleisch zu halten haben. Dennoch muss das Schächten

Bisher war die Sache klar: Tiere waren Sachen, Dinge, Gegenstände, die man kaufen, tauschen und zurückgeben konnte – oder eben umbringen. Glauben war etwas Höheres, Edles. Und wenn irgendwo etwas von Opfern stand, musste man sich dem fügen. Gott und so, ihr wisst schon. Doch die Zeiten ändern sich. Jungfrauen, das hat sich jetzt bei vielen Gläubigen rumgesprochen, sind inzwischen heikel. Tiere dagegen gehen immer noch recht gut. Natürlich, es wird schwieriger, vor allem, seit Tierschutz im Grundgesetz steht. Aber hey, in Hessen gibt es auch noch die Todesstrafe, was heißt das also schon. Und zum Glück gibt es gute deutsche Firmen, die den Markt entdeckt haben, und nun neben dem klassischen auch Schlachten ohne Betäubung durchführen. WIESENHOF ❤ Halal-Wurst KNORR ❤ Chorba Marocaine ALDI ❤ türkische Pizza Lahmacun TROLLI ❤ Halal- Gummibonbons

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Fakten:

Halal Das arabische Wort „halal“ bedeutet linguistisch betrachtet „zulässig“, „erlaubt“ oder „gestattet“. Das Antonym von „halal“ ist „haram“, „unzulässig“, „verboten“, „nicht gestattet“. Ähnlich wie die in der jüdischen Torah enthaltenen Koscher-Vorschriften enthält auch der arabische Qu´ran einen Kodex, wie ein vernünftiger, verantwortungsvoller Mensch zu leben, handeln und natürlich zu essen hat. In diesem Sinne bedeutet „halal“ alles Gestattete, Zulässige und Islam-konforme und „haram“ alles Verbotene. Zwischen den beiden Gegensätzen gibt es auch eine neutrale Zone, „makruh“ (unerwünscht, verpönt), die alles umfasst, was nicht ausdrücklich verboten, aber auf jeden Fall zu meiden ist. Somit umfassen diese drei kurzen Worte die drei Richtlinien von Allah, die jeder Gläubige beachten muss. Jetzt zurück zum Hauptthema und zwar was am HALAL und konkret an den moslemischen

Fleischgenussregeln die deutschen Tierschutzvereine so aufgeregt hat?

HOT (HALAL): geschächtete (geschlachtene) und

nicht verendete Tiere.

NOT (HARAM):Genuss von Alkohol und Blut.

Essen von Tieren, die selbst Fleischesser sind (Schweine, Hunde, Katzen, etc.), Opfertiere fremder Religionen.

von einer ausgebildeten Person im registrierten Schlachtbetrieb in der Anwesenheit eines Veterinärarztes durchgeführt werden. Die deutschen Tierschutzvereine sind trotzdem nicht begeistert. Zwar respektieren sie das menschliche Recht, die eigene Religion zu praktizieren. Sie können auch nicht gegen die fleischessende Natur des Menschen kämpfen. Sie können aber den gesetzlichen Widerspruch nicht nachvollziehen, dass diese blutige Praxis gerade in Deutschland legitim stattfinden darf, wo es ein aktuelles Tierschutzgesetz gibt, das das Zufügen von Schmerzen verbietet. Für sie sind die Argumente der HalalExperten nicht genügend, die behaupten, die Blutversorgung des Gehirns wäre durch die durchtrennten Schlagadern unterbrochen, was zur augenblicklichen Unempfindlichkeit des Tieres führe. Die Tierschützer berufen sich auf einige Video-Aufnahmen, wo die frisch geschächteten Tiere einen mehrminütigen schmerzvollen Todeskampf erleben, da die sofortige Bewusstlosigkeit nicht bei jeder Schlachtung erfolgt. Sie weisen auf die Elektrokurzzeitbetäubung hin, die den Lebewesen viele Schmerzen ersparen könnte. Durch diese Methode wird das Tier effektiv betäubt, dennoch werden keine chemischen Anästhetiker in seinen Körper eingespritzt, wodurch das Fleisch „rein“ und halal bleibt. Dabei schlägt das Herz nicht anders als bei einem unbetäubten Tier und das Blut wird normal ausgepumpt. Laut Statistiken wird diese Betäubung aber trotz ihres islamfreundlichen Charakters nicht immer benutzt. Diskussion

wurden, hatten die Menschen keine so vielfältige Futterpalette. Gemüsearten wie Tomaten, Gurken, Kartoffeln, Mais, Reis, Kürbisse und Zucchini, wurden erst ab dem 15. Jahrhundert in Europa und den Nahen Osten eingeführt. Bis dahin hatten die armen Leute mehr oder weniger nur Brot, Käse und Fleisch auf der kryptischen Speisekarte. Es ist also kein Wunder, dass der Genuss von Tierprodukten so begehrt war und ein geräumiges Plätzchen in die Heiligsten Bücher gefunden hat. Die Population des Morgenlands wusste die Speise- und Hygienevorschriften der Götter gut zu schätzen. Die mündlich überlieferten Weisheiten waren in der Zeit, wo die Ansteckungsgefahr an gruseligen Krankheiten wortwörtlich in der Luft lag, besonders hilfreich. Es ist nicht zu unterschätzen, dass Blut die Quelle vieler Krankheiten ist, sowohl damals als auch heute. Deswegen ist das Verbot des Genusses von unausgebluteten Tieren immer noch grauenvoll, aber – zumindest zu damaliger Zeit – doch nachvollziehbar. Wie gesagt ist die Fleischfressernatur der Menschen nicht zu verleugnen. Tatsache ist aber auch, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben. Der technische Fortschritt erlaubt uns zahlreiche Methoden der Betäubung, die den Tieren viel Leiden und uns eventuelle Schuldgefühle ersparen könnten und der Ausführung der religiösen Praxis nicht verhindern wird. Zurzeit ist die Realität die: Die gläubigen Moslems halten sich an ihre Speisegesetze und die Industrie füllt Marktlücken mit Halal-Bio-Cheeseburgern, während die Tierschutzvereine und ihre PaarhuferSchutzengel gegen politische und gläubige Windmühlen kämpfen.

Als die allgegenwärtigen Weisheiten der Götter vor laaanger, langer Zeit niedergeschrieben

Text: Katya Einleitung/Flapsiges: danilo

weidgerechter Ausübung der Jagd oder

erteilen, als es erforderlich ist, den

auf Grund anderer Rechtsvorschriften zulässig

Bedürfnissen von Angehörigen bestimmter

oder erfolgt sie im Rahmen zulässiger

Religionsgemeinschaften im Geltungsbereich

Deutsches Tierschutzgesetz

Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen, so darf die

dieses Gesetzes zu entsprechen, denen

(Ausfertigungsdatum 24.07.1972)

Tötung nur vorgenommen werden, wenn hierbei

zwingende Vorschriften ihrer

nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen

Religionsgemeinschaft das Schächten

Erster Abschnitt, Grundsatz:

entstehen. Ein Wirbeltier töten darf nur, wer

vorschreiben oder

§1

die dazu notwendigen Kenntnisse und

den Genuss von Fleisch nicht geschächteter

Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der

Fähigkeiten hat.

Tiere untersagen oder

KNOW YOUR LAW!

Schächten

Verantwortung des Menschen für das Tier als

WESEN: Schächten ist der Begriff für das rituelle Schlachten von Wirbeltieren (Groß- und Kleinvieh, als auch Geflügel), das vor allem in moslemischen und jüdischen Gesellschaften verbreitet ist. Da in den beiden Religionen der Verzehr von Blut ähnlicherweise streng verboten ist, wird das möglichst volle Ausbluten des Tieres bezweckt. Im Judentum ist die vorherige Betäubung ausgeschlossen, und im Islam nur unter Umständen zulässig (z.B. bei der elektrischen Betäubung, wodurch der Körper an sich nicht „verschmutzt“ wird und verzehrtauglich bleibt).

3. dies als Ausnahme durch Rechtsverordnung nach § 4b Nr. 3 bestimmt ist.

Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden

§ 4a

zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne

(1) Ein warmblütiges Tier darf nur

vernünftigen Grund Schmerzen, Leider oder

geschlachtet werden, wenn es vor Beginn des

Qu‘ran

Schäden zufügen.

Blutentzugs betäubt worden ist.

Sure 5, Vers 3: Verboten ist euch das von selbst

(2) Abweichend von Absatz 1 bedarf es keiner Dritter Abschnitt

Betäubung, wenn

Töten von Tieren

1. sie bei Notschlachtungen nach den gegebenen

§4

Umständen nicht möglich ist,

(1) Ein Wirbeltier darf nur unter Betäubung

2. die zuständige Behörde eine

oder sonst, soweit nach den gegebenen

Ausnahmegenehmigung für ein Schlachten ohne

Umständen zumutbar, nur unter Vermeidung

Betäubung (Schächten) erteilt hat; sie darf die

von Schmerzen getötet werden. Ist die Tötung

Ausnahmegenehmigung nur insoweit

eines Wirbeltieres ohne Betäubung im Rahmen

Verendete sowie Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer Name angerufen ward als Allahs; das Erdrosselte; das zu Tode Geschlagene; das zu Tode Gestürzte oder Gestoßene und das, was reißende Tiere angefressen haben, außer dem, was ihr geschlachtet habt; und das, was auf einem Altar (als Götzenopfer) geschlachtet worden ist. (..)

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Mutter Teresa Heilige zwischen Nächstenliebe und Spendensumpf

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Ihre Anhänger nannten Agnes Gonxha Bojaxhiu, so der bürgerliche Name der späteren „Heiligen“ Mutter Teresa, dem Engel der Armen. Die Gerüchteküche um die christliche Wohltäterin brodelte bereits zu Lebzeiten gehörig. Immer wieder gab es Spekulationen, sie sei vor allem daran interessiert, das Kapital der Katholischen Kirche rasant zu mehren. Dafür spricht die Tatsache, dass nie eine präzise Offenlegung stattfand, wohin die Millionen Spendengelder in Einzelnen geflossen sind. Die Lebensgeschichte der Frau, die im Alter von 87 Jahren das Zeitliche segnete, liest sich wie eine religiöse Bilderbuchkarriere. Mit zwölf war für die Tochter eines wohlhabenden Bauunternehmers klar, wohin die Reise gehen sollte. Kaum 18 Jahre alt, trat sie dem LorettoOrden bei und war zunächst als Lehrerin tätig. Von dort an widmete sie ihr Leben der Kirche. Parallelen zur Mafia sind deutlich. Auch dort tritt man erst durch Ableben aus. Passenderweise werden diese Ähnlichkeiten auch an anderer Stelle gern bemüht. Den Recherchen der wenigen Journalisten zufolge, die um Objektivität bemüht waren, ist noch immer unklar, ob und in welchem Umfang Spendengelder direkt über den Vatikan auf dubiosen Mafia-Konten landeten. Die brisanten Geschichten um Kontakte des Kirchenstaates zum Organisierten Verbrechen halten sich bis heute. Fast noch umstrittener sind jedoch die Berichte über die Umstände, unter denen Kranke, Waisenkinder und Todkranke in den zahlreichen Einrichtungen der Frau aus Skopje und ihren Helferinnen untergebracht sind. Nach eigener Aussage hatte Mutter Teresa ihr Leben den „Ärmsten der Armen“ verschrieben. Beobachter waren immer wieder erzürnt, weil sich der Engel Teresa bei der Betreuung Sterbender wenig nächstenliebend die Vorsilbe „Erz“ verdiene. Die Organisation selbst sprach von einem würdevollen Ende für die Leidenden. Die Realität soll anders ausgesehen haben. Lepra- und Tuberkulose-Kranke sollen in den mittlerweile über 700 Pflegestationen der seliggesprochenen Teresa regelmäßig gleich neben anderen Patienten gelegen haben ohne Schutz vor Ansteckungen. Besonders harte Kritiker sprachen gar von KZ-ähnlichen Zuständen, unter denen die schwerstkranken Bewohner

vegetieren mussten. Außer Liegen seien vielfach keine Möbel vorhanden, Heizungen würden nicht genutzt. Geld genug wäre vorhanden, um regelrechte Luxus-Kliniken zu errichten, denn Mutter Teresa war eine eifrige Spendensammlerin. Diese Statements waren und sind bis heute Öl im Feuer derer, die Spenden des Ordens auf Mafia-Konten wähnen. Gerne genutzt wird das Geld wohl auch für die (übrigens vom aktuellen Papst wieder als äußert wichtig angesehene!) Missionierung. Irrwitzigerweise war der Grundgedanke, die Sterbenden müssten wie jeder andere Mensch vor dem Tode für ihre Sünden büßen, ein grundkatholischer. Fegefeuer? Dann wenigstens für alle! So gibt es Augenzeugen, die behaupten, den Patienten sei selbst die Erleichterung mit Medikamenten in den letzten Stunden verwehrt worden. Selbst wenn dieser Standpunkt für Hardliner religiös vertretbar sein mag – mit Menschlichkeit der Moderne hat dies nicht viel gemein. Zum Glück wurden die Patienten denn wenigstens – ohne ihr Wissen freilich – angeblich rechtzeitig vor dem Ableben von den Schwestern getauft. Dann wird ja alles gut, Glück gehabt. Katholisch rabiat positionierte sich die gebürtige Albanerin in der Abtreibungsdiskussion. Ohne Wenn und Aber war sie zeitlebens eine Verfechterin eines grundsätzlichen Verbotes, die Abtreibungen öffentlich konsequent als Mord anprangerte. Ganz gleich, wie elend die jeweiligen Umstände auch sein mögen. Und als sei dies nicht genug, berichten immer wieder ehemalige Schwestern der von Mutter Teresa gegründeten „Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe“ von Zuständen, die es mit bekannten Sekten durchaus aufnehmen können. Redeverbot und Unterdrückung samt schlechter Absicherung stellen eine ausgesprochen lebenswerte Arbeit in Aussicht. Für Buße ist so jedenfalls vor dem eigenen Tod zuhauf gesorgt. Dennoch hat der Orden auf der ganzen Welt vielen Menschen in ein anderes, durchaus auch besseres Leben verholfen. Wieder einmal liegen Gut und Böse – mit nicht unbeträchtlicher Schnittmenge – nah beisammen. Gott hab sie selig. Matthias

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IM NORDEN NICHTS NEUES (?) Vor einigen Jahren noch ein belächelter, technisch veralteter Kommunistenstaat und heute schon eine Spitzenposition auf der heißbegehrten „Achse des Bösen“. Respekt, Mister Kim Jong-il! Sie haben aus Nordkorea nicht erst seit der Wiederaufnahme von Atomraketen-Tests einen reizvollen Ort für gelangweilte US-Army-Generäle gemacht. Die Chancen ständen wahrlich nicht übel, wenn die nordkoreanischen Militärs nun endlich mal auf eine Ölquelle stoßen würden. Atombomben bauen und testen ist schon ein klasse Grund, um irgendwo einzumarschieren und böse Menschen abzuschlach... ähmm, das Handwerk zu legen. Aber was ist ein „Grund“ ohne „Nutzen“?! Aber vielleicht haben die Nordkoreaner schon unlängst die größte Ölquelle der Welt unter ihrem Boden entdeckt, wer weiß das schon?! Nordkorea ist weitgehend immer noch ein schwarzer Fleck auf der Landkarte.

Zudem gibt es außer den obligatorischen öffentlichen Hinrichtungen eh kaum Aufregendes im Leben eines jungen Mannes. Das erste nordkoreanische Mobilfunknetz wurde nach kurzer Zeit Mitte 2004 wieder abgeschaltet. Internet ist nur für einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung erlaubt und selbstredend weitgehend von bösem, ausländischem, kapitalistischem Gedankengut abgeschottet. Journalismus wird nur geduldet, wenn er massiv Propaganda betreibt. Alles in allem also vermutlich sehr öde, das Leben dort. Da kommt der harte Militärdrill genau richtig.

NK

Eigentlich also eine spannende Aufgabe für SLEAZE, sofort in den nächsten Flieger zu springen und sich selbst vor Ort ein Bild zu machen. Jede noch so kleine Ferkelei aufzudecken und bis zum Exzess zu recherchieren. Blöderweise wird Pressefreiheit in Nordkorea am wenigsten geschätzt, dicht gefolgt von den Allgemeinen Menschenrechten. Und die Todesstrafe winkt einem für gewöhnlich bereits, wenn man lediglich den Namen „Kim Jongil“ falsch ausspricht. Und haben wir schon die nordkoreanische Vorliebe für öffentliche Exekutionen erwähnt?? Natürlich schrecken uns diese Tatsachen nicht ab! Allerdings würde so ein Flug nach Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas, die Redaktionskasse sprengen. Ganz zu schweigen von den benötigten Kevlarwesten. Aber selbst diese würden recht wenig nützen, denn schließlich verfügt das Land über die immerhin viertgrößte Militärmacht weltweit. Weshalb die Kinder da drüben lieber von Soldat anstatt Feuerwehrmann sein träumen, liegt schlicht einfach daran, dass der „Geliebte Führer“ (so der bescheidene offizielle Titel von Oberguru Kim Jong-il) ein großer Militärfan ist. Anhänger der KVA (Koreanische Volksarmee) genießen folglich gesellschaftliche Privilegien.

Interessant ist natürlich der für uns Deutsche wohlbekannte Kontrast zum Süden Koreas. Südkorea hat, wie einst der Westen Deutschlands, sich mehr oder weniger freiwillig gerne den Stempel von Uncle Sam und seinem Kapitalismus aufdrücken lassen. Ob jedoch in nächster Zeit große Wiedervereinigung gefeiert wird und wir koreanische „Nordis und Südis“-Witze lernen dürfen ist mehr als fraglich. Denn im Gegensatz zur DDR damals macht Nordkorea keine Anzeichen, dass es gewillt wäre, sich aufkaufen zu lassen. Aber vielleicht hat auch nur Südkorea keine Lust, einen Solidaritätsbeitrag zu bezahlen, wer weiß?!

Denn wie eingangs schon erwähnt: Die größte Schwierigkeit beim Thema Nordkorea ist, dass nur sehr wenig wirklich bekannt und belegt ist, was im Innern dieses Landes abgeht. Die Bevölkerung wird quasi hermetisch vom restlichen Planeten abgeschirmt. Touristen (Tourismus in Nordkorea boomt!) werden zu jeder Zeit von Reiseleitern geführt und man bekommt nur bestimmte Bereiche und Orte zu Gesicht. Kontakt und Austausch mit Einheimischen ist unerwünscht. Selbst Google Earth bringt da in den „schwarzen Fleck“ auf der Landkarte nur oberflächlich Struktur rein.

North Korean Posters“ erschienen im Prestel Verlag (Herausgeber David Heather)

NORDKOREA: ✪★

Pascal

P.S.: Auf einer Sondersitzung des Verlag-Vorstands* wurde heute einstimmig** beschlossen, eine spezielle Version von SLEAZE auf dem nordkoreanischen Markt zu etablieren. Hier ein exklusives Preview auf die erste Ausgabe! *Wie es sich für einen Vorstand nach nordkoreanischem Vorbild gehört, besteht dieser aus genau einer Person: Chef-SLEAZEL und Hobby-Diktatorin Yanah. ** Wahlbeteiligung: 100%

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Lesenswertes im Juli und August

WELTQUELL DES GELEBTEN WAHNSINNS: SKURRILITÄTEN AUS DER WELT DER WISSENSCHAFT AUTOR: HENRY GLASS VERLAG: KEIN & ABER VÖ: AUGUST 2008

Im tiefsten Herzen sind Wissenschaftler eigentlich Rocker (siehe auch GEEK TATTOOS): „Born to wild research“ sozusagen. Dem Spiegel-Redakteur Henry Glass war das schon lange klar und deshalb berichtete er 20 Jahre lang über verblüffende Entdeckungen und Erkenntnisse sowie andere Torheiten aus der Geschichte der Menschheit. Warum eigentlich bellen Hunde? Sind Exzentriker glücklicher? Was lässt sich über die FlatusFrequenz von asiatischen Wasserbüffeln sagen? Mit seiner Spürnase für Absurditäten, und einer ordentlichen Portion Schalk und britischem Humor, widmete sich Henry Glass allerlei Querschlägern der Forschung. Glass vergleicht die Zeichensprachen der europäischen Völker und präsentiert neue Ergebnisse zum Thema „Frau am Steuer“. Er porträtiert die Träger des Ig-Nobelpreises, dem wichtigsten Preis für nutzlose Forschung. Er berichtet von den dümmsten Feldherren der Geschichte, wie dem Griechen Hajianestis, der seinen Krieg gegen die Türken vom Bett aus führte, oder dem englischen Lord Raglan, der sich nie merken konnte, wer Freund und wer Feind war. Ei der Daus, was sind Menschen possierlich.

Das streng geheime „Bündnis für sicheres Reisen“ hat sich hier zusammengetan und unter Einsatz des eigenen Lebens einen Leitfaden verfasst, der unser aller Leben auf unvermeidbaren Auslandsreisen schützen soll. Vermutlich seid ihr bisher völlig unvorbereitet verreist. Sicher, ihr habt die Reiseapotheke auf abgelaufene Haltbarkeitsdaten überprüft. Aber habt ihr euch auch mit den alltäglichen Gefahren eures Urlaubslandes beschäftigt? Wie reagiert ihr, wenn ihr in Schweden von einem Elch verfolgt werdet, in Süditalien ins Fadenkreuz der Mafia geratet oder eine Notamputation vornehmen müsst? Greift zu der mächtigsten Waffe der Welt: dem Wort. Mit über 200 lebensrettenden Sätzen in mehr als 20 Sprachen, z. B. „Tsche schsschipzä kleschtscha nadayong chä dla patientuff sss pokschifkong?“ (polnisch für „Ist diese Zeckenzange auch für Nesselsuchtpatienten geeignet?)

AUSLÄNDISCH FÜR NOTFÄLLE (CD)

HERAUSGEBER: BÜNDNIS FÜR SICHERES REISEN SPRECHER: ÜBERRASCHUNGSGAST VERLAG: LÜBBE AUDIO VÖ: AUGUST 2008

ICH BRING MICH UM DIE ECKE Julie, 18 Jahre alt, Tochter aus bestem Osloer Hause (der Pool wird gerade neu gefliest, in der Garage steht der BMW neben dem Jaguar) ist plötzlich auf sich allein gestellt: Vater, Mutter und Bruder sind bei einem Flugzeugabsturz über Afrika ums Leben gekommen. Als ein halbes Jahr nach dem Unfall Silvester vor der Tür steht, hat sie nur einen Vorsatz für das neue Jahr: selbst zu sterben.

DR.SIRI UND SEINE TOTEN AUTOR: COLLIN COTTERILL VERLAG: MANHATTAN VÖ: JULI 2008

DÄMLICHE DÄMONEN AUTOR: ROYCE BUCKINGHAM VERLAG: PENHALIGON VÖ: AUGUST 2008

MÄRCHENPRINZ

AUTOR: MARIAN KEYES VERLAG: HEYNE VÖ: AUGUST 2008

WARUM AFFEN FÜR DIE

LIEBE ZAHLEN AUTOR: JÖRG ZITTLAU VERLAG: ULLSTEIN VÖ: AUGUST 2008

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Gerichtsmediziner scheint ein neuer Traumjob zu sein. Überall sind sie auf einmal im Fernsehen zu finden, zig erfolgreiche Krimiserien handeln von ihnen (Kay Scarpetta…). Gerichtsmediziner sind perfekt ausgebildet und arbeiten mit den modernsten Methoden an der Aufklärung von Todesfällen. Dr. Siri ist da etwas anders. Nach der Revolution ist Dr. Siri zum neuen Gerichtsmediziner (dem einzigen in ganz Laos) ernannt worden. In der noch jungen Demokratischen Volksrepublik Laos hat er den Posten bekommen, weil er der Einzige ist, der wenigstens fast geeignet wäre. Gut, er ist Arzt, kein Pathologe. Als dieses Thema im Studium behandelt wurde, hatte Dr. Siri nur Augen für Mädchen. Die neue kommunistische Regierung findet er zudem auch nicht so prickelnd. Er ist nur Kommunist geworden, damit er bei (s)einer Frau landen konnte. Nichtsdestotrotz ist er jetzt der einzige Pathologe in Laos und seine Ausrüstung besteht aus zwei französischen Lehrbüchern von 1948. Und als wäre die Lage nicht schon schwierig genug, gibt es Vorgesetzte, die gern sähen, wenn jeder Todesfall eine natürliche Ursache hätte – denn im Kommunismus kann es keine Verbrechen geben.

AUTOR: ERLEND LOE VERLAG: KIEPENHEUER & WITSCH VÖ: AUGUST 2008

Julies größte Schwierigkeit bei ihrem Vorhaben ist jedoch ihr Standesdünkel, der sie davon abhält, irgendeinen gewöhnlichen Selbstmord zu begehen. Nachdem ihre Versuche in Oslo scheitern, verlässt sie die Stadt und begibt sich auf eine wirre Reise, immer auf der Suche nach dem exklusiven Tod. So versucht sie, sich von einem Lustmörder umbringen zu lassen, der leider völlig harmlos ist, versteckt sich auf einer Geflügelfarm in Rumänien, um die Vogelgrippe zu bekommen, und denkt darüber nach, Mohammed-Karikaturen anzufertigen. Erst als sie tatsächlich kurz vor dem Ziel steht, überlegt sie es sich anders. Zu spät?

Nathan Grimlock hat von seinem Pflegevater eine undankbare Aufgabe geerbt: Er muss ein Haus voller Dämonen hüten und verhindern, dass seine nervtötenden Schützlinge überall Chaos verbreiten. Vor allem das TIER, das tief unten im Keller haust, darf auf keinen Fall entkommen! Eines Tages jedoch geschieht die Katastrophe: Das TIER bricht aus. Und es hat großen Hunger auf Menschenfleisch. Zur Krönung halten es ein paar der Dämonen für Ehrensache, Nathan zu helfen, das Monster wieder einzufangen – ob ihr Hüter es nun will oder nicht.

Gleich zu Anfang: Ja, es ist ein Frauenroman. Aber keine Sorge, es geht NICHT um eine gutverdienende PR-Tante, die einen charmanten, aber widerborstigen Chef hat, auch den Klempner knorke findet und nicht weiß, ob ihre Gucci-Handtasche zu den Pumps passen. Nein, nein, nein! Marian Keyes schreibt wunderbar komisch und herzerwärmend über irische Frauen, die vom Leben so richtig gebeutelt werden. In diesem Fall ist wieder ein Mann schuld. Anstatt Lola das Frühstück ans Bett zu bringen, heiratet der lieber eine andere. Lola zieht sich in ein irisches Minidorf zurück und heilt ihre Wunden mit blutrünstigen Filmen à la Kill Bill. Und weil Rache ziemlich Spaß macht, kümmert sie sich in liebevoller Weise um den stinkigen Herzensbrecher.

Ganz ehrlich: Tiere sind auch nur Menschen. Anders lässt sich dieses Buch nicht erklären. Jörg Zittlau hat mal wieder nachgewiesen, dass unsere Tierwelt alles andere als vollkommen ist und präsentiert uns Verhaltensweisen, die dem Fortleben in der Evolution nicht gerade förderlich sind. So kann sich der Ziesel nach dem Winterschlaf an nichts mehr erinnern, was in seinem Leben zuvor geschah, während der Regenwurm sich ausgerechnet beim Sex zum willfährigen Opfer von Vögeln macht. Männliche Krähen stoßen beim Schauflug für die Angebetete tollpatschig mit Rivalen zusammen und die Meerechse ignoriert vor lauter Coolness selbst den Feind in unmittelbarer Nähe – bis es zu spät ist. Ein großer Trost für die menschlichen Tiere: Offensichtlich kann man selbst mit haarsträubenden Schwächen prima durchs Leben kommen.

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[COMIC] [

Comic ist der gängige Begriff für eine Form der sequenziellen Kunst, die in einer Folge von Bildern einen Vorgang beschreibt oder eine Geschichte erzählt. In der Regel sind die Bilder gezeichnet und werden mit erzählendem Text und/oder wörtlicher Rede kombiniert.

Die Sache mit Sorge Geschrieben von Thomas Kögel

Richard Sorge gehört eher zu den Randfiguren der deutschen Geschichte. Obwohl er als KGBSpion in Japan durchaus Einfluss auf den Verlauf des Zweiten Weltkriegs hatte, ist sein Name nicht sonderlich bekannt. Im Geschichtsunterricht kommt Sorge praktisch nicht vor (zumindest im Westen, in der DDR mag das anders gewesen sein), seine Vita bietet jedoch genug interessanten Stoff für biographische Literatur. Isabel Kreitz hat sich dieses Stoffes angenommen und ihn in Form eines umfangreichen, 240 Seiten starken Comic-Romans aufbereitet. Sorge war überzeugter Kommunist und Gegner des Nazi-Regimes. Seit 1929 lebte er, offizell als Journalist, in China und später in Japan, wo er das Vertrauen des deutschen Botschafters genoss und Zugang zum engsten Zirkel der Botschaft und zu geheimen Informationen aus Deutschland hatte. Mit Hilfe mehrerer Mittelsmänner übermittelte er diese Informationen nach Moskau. Unter anderem erfuhr er vom bevorstehenden deutschen Überraschungsangriff auf die Sowjetunion ( Unternehmen “ - eine InformaBarbarossa”, 1941) tion, der Stalin jedoch nicht

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http://de.wikipedia.org/wiki/Comic

ausreichend Glauben schenkte, was Sorge zutiefst verbitterte. Später gelang es ihm doch noch, mit einer Information kriegsentscheidenen Einfluss zu nehmen. Moskau erfuhr von Sorge, dass Japan die UdSSR nicht angreifen würde und konnte deshalb seine Truppen von Sibirien an die Westfront schicken, wo es ihnen gelang, den Vorstoß von Hitlers Wehrmacht auf Moskau zu stoppen. Diese politischen Fakten behandelt Isabel Kreitz eher am Rande. Sie konzentriert sich auf die Person Richard Sorge und seinen Charakter. Dieser war ein einnehmender Mensch, der viele Freunde und etliche Affären hatte, Autos und Motorräder liebte und gerne dem Alkohol zusprach, der aber auch cholerisch und überheblich sein konnte - keine besonders sympathische Figur. Die Sache mit Sorge beginnt Anfang der 30er Jahre in China und behandelt dann vor allem Sorges Zeit in Japan während des Zweiten Weltkriegs. Dabei wird die Handlung nicht direkt aus der Sicht Sorges geschildert, sondern aus der seines Umfelds. Zwischendurch wird die Geschichte immer wieder unterbrochen - wir sehen dann alte

Menschen, die damals mit Sorge zu tun hatten und sich rückblickend an diese Zeit erinnern (ähnlich wie bei Zeiteugen-Interviews in Geschichtsdokus im Fernsehen). Die wichtigste dieser Figuren ist die Pianistin Eta Harich-Schneider, die längere Zeit in Tokio lebte und ein Verhältnis mit Sorge hatte. Ihre Autobiographie gehörte zu den Quellen, die Isabel Kreitz bei der Recherche benutzt hat. Der Spion Sorge wird also aus unterschiedlichen Perspektiven gezeigt und dadurch quasi eingekreist. Bis auf die kurzen Statements der Zeitzeugen gibt es keinerlei Erklärtext im Comic. Isabel Kreitz verzichtet auf einen allwissenden Erzähler aus dem Off genauso wie auf Captions mit Zeit- und Ortsangaben und verlässt sich ganz auf Bilder und Dialoge. Dies erfordert vom Leser viel Aufmerksamkeit, funktioniert aber hervorragend. Die schwarz-weißen, annähernd fotorealistischen Bleistiftzeichnungen sind sehr detailreich, auch was die Hintergründe angeht. Kreitz’ Bilder transportieren Stimmungen, das wird vor allem in den mehrfach eingestreuten stummen” Passagen “ Szenen über deutlich: wortlose

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mehrere Seiten, wie man sie sonst eher aus fernöstlichen Comics kennt. Wenn Richard Sorge am Ende des Comics von den Japanern verhaftet wird und spurlos verschwindet, hat man ihn und seine Motivation zwar kennengelernt, hat aber nicht wie in klassischen Spionagestories mit dem Helden mitgefiebert. Zwischen der Hauptfigur und dem Leser bleibt eine gewisse Distanz - Die Sache mit Sorge ist eben gerade kein Spannungsroman, sondern semi-dokumentarisch. Im Fernsehen würde man es wohl Doku-Drama nennen. Besonders gelungen sind die Szenen, die vom alltäglichen Leben an der Deutschen Botschaft in Tokio erzählen. Weit weg von Deutschland, aber auch nicht direkt in Japan, eingeschlossen in einer eigenartigen Seifenblase, in der man sich wenig um das Gastland und dessen Bewohner kümmert. Stattdessen feiert man zahlreiche Dinnerparties, intrigiert ein bisschen und lässt ansonsten das Leben eher gleichgültig an sich vorbeiziehen. Man kann verstehen, wie dieses Leben einen überzeugten Kommunisten wie Richard Sorge angewidert haben muss. Ein Comic über ein Thema der deutschen Geschichte, das in keiner Weise dröge, trocken oder verkrampft didaktisch wirkt, wie es bei solchen Projekten leider oft der Fall ist. Die Sache mit Sorge will eine Geschichte erzählen, nicht belehren oder dozieren. Dies gelingt Isabel Kreitz vortrefflich, und wenn man bei der Lektüre auch noch etwas lernt (nicht zuletzt auch durch den informativen Anhang), hat sie sicher nichts dagegen. Die Sache mit Sorge Carlsen Verlag, März 2008 Text und Zeichnungen: Isabel Kreitz Hardcover; s/w; 256 Seiten; 19,90 Euro ISBN: 978-3551787439

[MONA von Christopher Tauber www.piwimonium.de]

Exterminators 1: Käferkiller Geschrieben von Christopher Bünte

Kakerlaken sind eklig. Aber auch interessant. Das Cover von Exterminators ist jedenfalls ein Blickfang. Zu sehen ist eine Kakerlake in voller Pracht, wie sie Beine und Fühler ausstreckt. Sowas möchte niemand in seiner Küche haben. Zum Glück gibt es die tapfere Truppe von Bug-Bee-Gone”. Die Kammerjäger “ziehen jeden Tag aufs Neue aus, um die Zivilisation vor dem Untergang zu bewahren. Denn das Chaos ist auf dem Vormarsch. Und es ist hungrig.

den Vertilgungsmitteln und den Atemmasken schlummert die geistige Haltung, mehr zu sein als ein Team von Kammerjägern. Die Jungs von Bug-Bee-Gone sind die Elite im Überlebenskampf der Menschheit. Ihre Gegner: Ratten, Kakerlaken und Waschbären. Mensch gegen Natur, Ordnung gegen Chaos. Nicht

Der erste Band von Exterminators fühlt sich an wie der Auftakt zu einer großen, wirklich guten Geschichte. Der Plot setzt sich aus verschiedenen kleinen Handlungen zusammen, bedächtig verbunden durch originelle Details wie einen Skarabäus oder eine Schatulle mit

Henry fährt mit einem gelben Pick-Up durch die Gegend und vernichtet Ungeziefer. Nicht gerade ein Traumjob. Der gelbe Pick-Up gehört seinem Stiefvater Nils, der Chef eines kleinen Ladens namens BugBee-Gone ist ( Excellence in Ter“ minating”). Bug-Bee-Gone ist ein Sammelbecken für alle möglichen Sorten von Sonderlingen. AJ, der neben Henry im Pick-Up sitzt, ist ein sexistisches Schwein und jagd sich gerne blaues Vertilgungsmittel in die Venen. Stretch trägt einen Cowboyhut und glaubt an Karma und die Wiedergeburt. Und Kevin, naja - ist eben Kevin ... Henry passt da gut rein, obwohl er es noch nicht so richtig wahrhaben will. Er ist ein Ex-Knacki -auf Bewährung draußen -, der versucht, mit dem Job sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Irgendwie glaubt der Leser von der ersten Seite an nicht, dass daraus tatsächlich etwas wird. Denn BugBee-Gone ist nicht einfach nur ein Sammelbecken für soziale Außenseiter. Hinter den gelben Pick-Ups,

anderes gehen. Bemerkenswert ist, dass das Ungeziefer immer dort auf dem Vormarsch ist, wo der sozialen Verantwortung die Puste ausgeht: in verfallenen Mietshäusern, in den Ghettos oder in einer halb vergessenen Nervenklinik. Es ist eine liebevolle Geschichte über Außenseiter, folgerichtig ist der einzige wirkliche Bösewicht – neben den Kakerlaken – ein gewissenloser Großkonzern. Und dazu stimmt die Optik. Zeichner Tony Moore ist bekannt dafür, sich viel Zeit für seine Panels zu nehmen. Für die Zombies in The Walking Dead studierte er eigens den Verfallsprozess von menschlichen Leichen. Dieses Mal hat er bestimmt Käfer und Kakerlaken observiert. Exterminators beeindruckt durch eine witzige Idee, gut ausgearbeitete Figuren und tolles Artwork. Die recht ungewöhnliche und unterhaltsame Geschichte über Kakerlaken und ihre Jäger geht hoffentlich bald weiter. Denn noch ist die Menschheit nicht aus dem Schneider. Der Kampf gegen das Chaos geht weiter. Exterminators 1 - Käferkiller Panini Comics, Mai 2008 Text: Simon Oliver Zeichnungen: Tony Moore Übersetzung: Bernd Kronsbein Originalausgabe: The Exterminators #1-5 (DC Vertigo 2006) 132 Seiten, vierfarbig, Softcover; 14,95 Euro ISBN 9783866075931

grundlos wird gleich zu Beginn der Untergang des Römischen Reiches beschworen. Alles, was von dem Weltreich blieb, waren Ratten, denen die Pest im Fell saß.

vier Schlüssellöchern. Immer wieder hat man das Gefühl, den ganz normalen Alltag von Kämmerjägern mitzuerleben, immer wieder das Gefühl, als würde es um etwas ganz

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[mit freundlicher Unterstützung von Comicgate]

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Geeks Geeks.Jetzt neu mit Tattoos.

4. Geek-Poser:

Tinte für die dicke Hose

Das wurde auch höchste Zeit! Nerds, Programmierer, Geeks und Konsorten verlassen LAN-Parties, Versuchslabore und Konsolen. Mit

Stolz geschwellter Hühnerbrust entern sie Tätowierstuben, um dort ihre blasse Haut verschönern zu lassen.

Nerds zeigen Eier, Computerfreaks Megaherz, Wissenschaftler ihre Glücksformel, Spielejunkies ihren Lebensbalken.

Obwohl man die Geeks alle in einen Topf wirft, sind ihre Tattoos ganz verschieden. Manchmal sind sie ein bisschen peinlich, manchmal sind sie lustig, manchmal schlau, und manchmal auch so schlau, dass kein Mensch sie versteht. SLEAZE begrüßt Geek-Tattoos mit einer Vorstellung der wichtigsten Gruppen.

2. MattscheibenJunkies: Fans für die Ewigkeit

1. Gamer:

Bonusleben für Credibility

Im Land der flinken Daumen gilt: je oldschooler, je cooler. Deshalb sind Motive wie das Atari-Logo, der allererste Gameboy oder Pacman auch besonders beliebt. Aber auch Spielecharaktere aus World of Warcraft oder Mario, Sonic und Zelda finden sich auf dünnen Ärmchen oder Arschbäckchen. Und auch für die Mädchen gibt‘s was auf die Haut. Das Lieblingstattoo von Gamer-Girls ist der total süße Mario-Pilz. SLEAZE fordert Superkräfte für tätowierte Gamer auch im echten Leben. Zumindest dienstags und samstags.

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Auf eines können die Mattscheiben-Junkies beim Tätowieren auf keinen Fall verzichten: dass jemand ihnen ihre Sendung aufnimmt, während sie nicht zu Hause sind. Ganz vorn mit dabei in dieser bunten Flimmerwelt sind Tätowierungen aus Star Wars / Trek. Viele Yodas es gibt. Raumschiffe, Klingonen-Symbole, Waffen – you name it. Aber die Kraft ist auch mit dem ganzen Rest: Von den neuesten Cartoons bis zu ganz alten Kamellen gibt es nichts, das es nicht gibt. Und vermutlich guckt der Nicholson als Jack Torrance von mehr Körpern durch die Tür als alle Staubsaugervertreter zusammen. SLEAZE fordert für jeden Junkie eine Stunde exklusiv mit seinem Helden. Anreise von Tatooine, Melmac, Cirque Lodge o.ä. auf eigene Kosten.

3. Computerfreaks: Codes für schlaue Köpfe

Manche Computerfreaks gehen mit Tattoos genauso kreativ um wie Günter Netzer seit 40 Jahren mit seiner Frisur. Das Ergebnis sind dann zum Beispiel Appleoder Linux-Logos. Wer seinen Namen oder anderen Botschaften wie Liebeserklärungen im binären Code auf dem Arm trägt, ist da schon um einiges lässiger. Aber am arschcoolsten sind die Geeks mit Programmiercodes auf ihrer Haut. Das zeugt von Fachwissen und Humor, ist aber auch ein bisschen gefährlich: Bugs durch planlose Tätowierer sind nur schwer auszulöschen. SLEAZE fordert für jeden dieser kreativen Super-Geeks mindestens 200 Terabyte freien Speicherplatz (halt irgendwas, worüber sie sich freuen).

Früher waren Geeks so verklemmt, dass sie schon rot geworden sind, wenn sie ihren eigenen Pimmel gesehen haben. Heute lassen ihn, bildlich gesprochen, viele von ihnen aus der Hose hängen. Sie sind die stolzesten von allen und haben deshalb von den ganz stolzen Rockern und Gangstern Motive und Körperstellen adaptiert. Auf Fingern und auf milchigen, weichen Plautzen stehen nun also Statements wie Geek Pride. Das zeugt von Selbstbewusstsein und auch -ironie – die oben genannten echt bösen Jungs hoffentlich richtig verstehen. SLEAZE fordert Zahnersatz und Selbstverteidigungskurse gratis für alle tätowierten dünnen Dickhosen!

5. Wissenschafter:

Die Freakness-Formel Der Wahnsinn! Inzwischen gibt es sogar Blogs, in denen Wissenschaftler ihre Tattoos hochladen. Netterweise gibt es zu ihrem Foto meistens eine kurze „Erklärung“, bei der man häufig nicht mal Bahnhof versteht. Da muss man sich doch gleich folgenden Dialog vorstellen: „Ey geil, 391.65 GDS, was ist das denn für ein Tattoo?“ „Das ist die Dewey-Dezimalklassifikation aus dem Bibliothekswesen für Tätowierungen und Body Modifications. Und was hast du da?“ „Ein Cowgirl, das sich an einem Hotdog reibt.“ „?!?“ Zu verstehen sind Wissenschaftler-Tätowierungen vom Periodensystem der Elemente, von Molekularstrukturen (Koffein, Diazepam, Adrenalin) oder auch diverse Formeln. Getarnt als Ausdruck persönlicher Vorlieben und Forschungsfelder der Wissenschaftler, ist aber fraglich, ob diese Tätowierungen nicht schlicht und einfach Spickzettel (Spickarm, Spickbauch, etc.) sind. SLEAZE fordert Overalls (beige, hellrot) für alle tätowierten Wissenschaftler in Prüfungssituationen.

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DVD

Schwarze Schafe Authentischer geht nicht

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Schwarze Schafe

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Alle reden von Berlin. Das ist bestimmt irgendwie gut. Aber für jemanden, der nicht auf Pop und Mainstream steht, auch sehr nervend. Erst recht, wenn er in dieser Stadt lebt und sie sehr mag. Wer Berlin mal abseits von Hackescher Markt und Potsdamer Platz anders – also wirklich – erleben möchte, dem sei „Schwarze Schafe“ empfohlen.

Die Überschrift ist so richtig, ich muss sie noch mal wiederholen: Authentischer geht nicht. Die Schauspieler, die Charaktere, die Vorurteile, die Accessoires. Mit viel Liebe zum Detail und einem unglaublich scharfen Sinn für die zwischenmenschlichen Nuancen erzählt Regisseur Oliver Riehs fünf Geschichten, die in all ihrer Schrägheit tagtäglich in Berlin zu finden sind – und dann bis an die Schmerzgrenze überzogen werden. Bis zu einem absolut harten Ende. Ein Beispiel: Sehr schön wird der unterschwellige Ost-West-Konflikt gezeichnet, bei dem zwei ehemalige Kommilitoninnen sich auf einer Stadtrundfahrt wiedertreffen. Die eine, die in das von Berlinern oft ungeliebte München ging und den Grund auch dabei hat: Einen schmierigen Münchner mit typischen, leichtem Dialekt und keck-sportlichem, um die Schultern gehängten Pullover (falls es zum Abend hin kühl wird). Die andere arbeitet auf dem Rundfahrt-Schiff, hat es also nicht geschafft (wie auch in Berlin, haha), da kannste noch so schlau sein). Auf die Frage des Münchners, ob sie eine Ostlerin ist: „Natürlich. Siehst du doch.“ Herzlich Willkommen in der Hauptstadt. Die restlichen Geschichten der Satanisten, Türken, Nach-dem-Abi-Rumhänger und Hochstapler ticken ähnlich subtil bis zu viel. Dieser Film ist ein absolutes Muss für Leute, die SLEAZE gut finden – obwohl er das sonst eher abschreckende „Prädikat wertvoll“ erhalten hat. Mäh! danilo

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GEFILMTE S Neue Filme von Juli bis August

Hancock

Action, Fantasy | USA 2008 Start: 03.07.2008 Regie: Peter Berg Inhalt: John Hancock ist ein Superheld, der mit übermenschlichen Kräften ausgestattet ist. Kugeln können ihm nichts anhaben und herumfliegen kann er auch. Leider ist er auch faul, unfreundlich und verursacht Chaos, wohin er kommt. Und wenn der Ruf im Arsch ist, ruft man einen PR-Berater. Dieser soll Hancocks Image wieder aufbessern. Ob es da so clever ist, mit der Ehefrau des PR-Beraters zu schlafen?

Balls of Fury

Action, Komödie | USA 2007 Start: 10.07.2008 Regie: Robert Ben Garant Inhalt: Ping Pong ist ein gefährlicher Sport. Dass wird dem abgehalfterten Ex-Tischtennismeister Randy Daytona recht schnell klar, als er vom FBI für einen Undercover-Einsatz rekrutiert wird. Er soll die verbrecherische Organisation des feudalen Pingpongschurken Feng infiltrieren, indem er sich Match für Match in einem UndergroundTischtennisturier immer weiter an die Spitze kämpft. Trainiert wird er vom blinden Master Wong und dessen Tochter Maggie, bevor er sich in ein wildes Ping-Pong-Gemetzel stürzt und gegen siamesische Zwillinge, eine Nonne mit mörderischer Vorhand und seinen selbstverliebten Erzfeind Karl Wolfschtagg im DDR-Turndress antreten muss. Und natürlich darf auch der Showdown gegen Großmeister Feng nicht fehlen. Der großartige Christopher Walken spielt Feng und deshalb kann dieser Film einfach nicht schlecht sein.

Young@Heart

Musik, Drama, Dokumentation | USA 2007 Start: 10.07.2008 Regie: Stephen Walker Inhalt: Der typische Rentner sitzt im Ohrensessel und schunkelt zu Marianne & Michael. Der ideale Rentner gehört zum Chor Young at Heart und singt Songs von THE CLASH, den RAMONES oder COLDPLAY. Stephen Walker hat mit YOUNG@HEART einen mitreißenden und bewegenden Dokumentarfilm geschaffen, der uns pure Lebensfreude im Alter zeigt, aber auch ein leidenschaftliches Für- und Miteinander. YOUNG@HEART wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Publikumspreis beim Los Angeles Film Festival 2007 und der Goldenen Rose für den besten Dokumentarfilm beim Rose d‘Or Film Festival in Luzern 2007.

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Animals in Love

Akte X 2: Jenseits der Wahrheit

Dokumentation | Frankreich 2007 Start: 31.07.2008 Regie: Laurent Charbonnier Inhalt: Auch im Tierreich ist die Suche nach einem geeigneten Partner nicht immer leicht. Es wird geschnäbelt, gehoppelt, gerammelt oder geruht. Löwen betatschen sich, tollen und turteln; Giraffen verdrehen die Hälse, als wären sie verliebt (und sind es wohl auch); Kängurus hoppeln und knutschen; Hirsche, die Machos des Waldes, röhren aus Leibeskräften, um der Hirschkuh zu imponieren. Frösche, Vögel, Enten oder Störche, Affen, Zebras, Elefanten, Gazellen oder Gnus, Zwergtaucher oder Wale – sie alle haben ihre kleineren oder größeren Auftritte in diesem Liebesreigen. Zum Schluss wünscht man sich fast, man wäre einer von ihnen.

Thriller, Mystery | USA 2008 Start: 24.07.2008 Regie: Chris Carter Inhalt: Als in Virginia einige Frauen verschwinden, sieht alles nach einem Massenmörder aus. Beweise oder eine Spur fehlen jedoch. So bringt ein durchgedrehter Geistlicher die Polizei auf die Fährte von eine Reihe mysteriöser medizinischer Experimente, die mit dem Verschwinden der Frauen in Zusammenhang stehen könnten. Das FBI kommt nicht sehr weit. Deshalb braucht man die Unterstützung von zwei Ex-Agenten, die sich in paranormalen Ereignissen bestens auskennen: Mulder und Scully. Sie leben hoch!

Underdogs

Drama | Deutschland 2007 Start: 24.07.2008 Regie: Jan-Hinrik Drevs Inhalt: Er ist introvertiert, hat einen beeindruckenden Brustkorb und fragt nicht zweimal nach, bevor er zuschlägt: Häftling Mosk trainiert verbissen für die gefängnisinternen Meisterschaften im Gewichtheben. Dass die neue Gefängnisdirektorin ein Programm etablieren möchte, bei dem ausgewählte Häftlinge kleine Hundewelpen zu Blindenhunden ausbilden, ist ihm schnurz. Dennoch bewohnt plötzlich ein niedliches Hundebaby seine Zelle, und er muss sein Bestes tun, um dem piepsenden und pinkelnden Welpen die nötigen Befehle beizubringen. Mosks Strenge und Ablehnung dem Hündchen gegenüber lassen das Ausbildungsziel in weite Ferne rücken. Seine Mitinsassen sind ziemlich sauer auf ihn, da seine Verweigerungshaltung das ganze Projekt gefährdet, denn im Gegensatz zu Mosk finden die anderen Jungs die kleinen Pelzlinge ganz schnuffig-puffig.

Komödie | Deutschland 2008 Start: 7.8.2008 Regie: Oliver Jahn Inhalt: Toms Mutter wurde genau zu Tschernobyl mit ihm schwanger. Seit seiner Geburt sorgt sich Familie Schuhmann-Weil um Toms Gesundheit. Die Schuhmann-Weils sind radikale Verfechter von Umweltschutz, Naturkost und viel Bewegung. Kein Wunder, dass Tom ein Regenphobiker und großartiger Neurotiker ist. Als ein stinkender 30 Kilogramm schwerer Eisklotz in das Einfamilienhaus einschlägt, evakuieren sich die Schuhmann-Weils generalstabsmäßig in ihren Luftschutzbunker. Tom nutzt die Gelegenheit zur Flucht. Trotz Zipperlein, Wehwehchen, Neurosen und Nervositäten kämpft Tom um seine Freiheit. Aber Mutti Schuhmann-Weil gibt nicht so schnell auf.

Die Eisbombe

Leg dich nicht mit Zohan an

39,90

Komödie | Frankreich 2007 Start: 31.07.2008 Regie: Jan Kounen Inhalt: Octave Parango ist ein Medienfuzzi. Er sieht gut aus, ist talentiert, reich und erfolgreich. Seine Welt ist die Werbebranche. Seine Devise: „Alles ist käuflich: die Liebe, die Kunst, der Planet Erde, Sie, ich…“ Er vögelt schöne Models und feiert die „berauschendsten“ Partys. Erst als er seine große Liebe Sophie trifft und wieder verliert, gerät seine Leben auf der Überholspur ins Wanken. Octave erkennt, dass er selbst ein Opfer des Systems ist und beginnt an sich und seiner Scheinwelt zu zweifeln. Er will Sophie um jeden Preis zurückerobern und der oberflächlichen Werbewelt einen Denkzettel verpassen, die sie so schnell nicht vergessen wird.

39,90

Die Eisbombe

Komödie | USA 2008 Start: 14.8.2008 Regie: Dennis Dugan Inhalt: Ein Mossad-Agent täuscht seinen Tod vor, damit er endlich das tun kann, was er schon immer wollte: nach New York ziehen und Hair-Stylist werden. Nach kurzer Zeit stehen die frisierwilligen Mädels Schlange. Aber wie sollte es anders sein, Zohans Vergangenheit holt ihn ein und diese kann er nicht mit einer Kopfmassage und einem Prosecco beruhigen.

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DVD DVD Neuheiten Juli bis August 2008

Drama | Großbritannien 1971 VÖ: 04.07.2008 Regie: Stanley Kubrick Inhalt: Im London der Zukunft sorgt der junge Alex mit seiner Gang nachts für Randale. Er landet im Gefängnis und muß als Versuchskaninchen für eine neue, wissenschaftliche Methode herhalten, bei der man ihm im Schockverfahren den Agressionstrieb nimmt. Wieder in Freiheit fällt der jetzt wehrlose Alex einem seiner früheren Opfer in die Hände. Nach einem Selbstmordversuch wird Alex‘ „Heilung“ wieder rückgängig gemacht Bonusmaterial: Audiokommentar von Malcolm McDowell und Filmhistoriker Nick Redman US-Kinotrailer

Akte X Essentials Mystery, Serie, TV | USA 1993 – 1998 VÖ: 11.07.2008 Regie: David Duchovny, David Nutter, Kim Manners, R. W. Goodwin, Rob Bowman Inhalt: Das 2er Disc-Set „Akte X Essentials“ erscheint gerade rechtzeitig zum Start des „Akte X“-Kinofilms, „I Want To Believe“ am 24. Juli. Vom Schöpfer der Serie Chris Carter, persönlich zusammengestellt, enthält das Set acht Episoden der Kultserie. Jede davon mit einer Einleitung, in der Chris Carter und Produzent Frank Spotnitz erläutern, warum die Episode ausgewählt wurde und in welcher Beziehung sie zum neuen Kinofilm steht. Bonusmaterial: Gruppendiskussion mit Carter, Spotnitz, Duchovny (Mulder) und Anderson (Scully) Trailer der Serie und der WonderCon.

Leergut Komödie | Tschechien 2007 VÖ: 18.07.2008 Regie: Jan Sverak Inhalt: Josef hat die aufmüpfigen Kids von heute satt und macht Schluss mit dem Lehrerdasein. Aber immer nur daheim bei seiner besseren Hälfte Trübsal blasen - das geht nicht. Schließlich träumt der rüstige Graubart noch von jungen Dingern in Strapsen. Und einer Aufgabe. Also sucht er einen Job - und landet nach allerlei Pleiten an der Leergutannahme eines Supermarkts. Dort fängt der Schwerenöter an, sich sachte kuppelnd für das Glück seiner Mitmenschen zu interessieren: der Rentnerin von nebenan, schüchterner Kollegen, seiner sitzengelassenen Tochter und zuletzt

sogar das seiner Frau, die sein Treiben mit dem gebotenen Argwohn verfolgt. Bonusmaterial: Original-Trailer Trailershow

The Cottage Horror, Komödie | Großbritannien 2008 VÖ: 24.07.2008 Regie: Paul Andrew Williams Inhalt: Nachdem ihr Entführungskomplott gescheitert ist, verstecken sich die ungleichen Brüder David und Peter in einem einsamen Haus auf dem Land – wo ihre Nerven auf eine harte Probe gestellt werden. Mit einer Geisel im Schlepptau, die sich standhaft weigert, den Mund zu halten oder sich fesseln zu lassen, werden die beiden schnell zu Gefangenen ihres eigenen Opfers. Richtig ernst wird die Lage allerdings, als die drei die Bekanntschaft ihres psychotischen, Axt schwingenden Nachbarn machen. Bonusmaterial: Entfallene Szenen Die besten Versprecher Storyboards

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Uhrwerk Orange

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There will be Blood Drama, Western | USA 2007 VÖ: 07.08.2008 Regie: Paul Thomas Anderson Inhalt: Kalifornien, zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Clever, gerissen und skrupellos setzt sich Daniel Plainview an die Spitze des gerade einsetzenden Erdölbooms. Durch einen Tipp erfährt er von einem riesigen, nicht erschlossenen Ölfeld, das sich unter der Farm der Familie Sunday in der Kleinstadt Little Boston befindet. Wie immer will er den Farmern das Land billig abkaufen, das Öl fördern und weiterziehen. Doch dieses Ölfeld wird zu seinem Schicksal. Denn obwohl sie seinem Vorhaben erst zustimmen, stellen sich die Sundays Plainview im Laufe der Zeit immer mehr in den Weg, allen voran Sohn Eli, der fanatische Laienprediger der Gemeinde. Der Öl-Multi Standard Oil treibt Plainview in die Enge, Unglücksfälle überschatten die Bohrarbeiten. Schließlich sind es zwei Katastrophen in Plainviews eigener Familie, die den Einzelgänger selbst, seine engsten Mitstreiter und die ganze Stadt mehr und mehr in den Untergang treiben.

© Foto Tim McKenna

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Es geschah 1999 in einer niedersächsischen Kleinstadt: Eine Clique nerdiger Schulfreunde sah sich gezwungen, die Zeit zwischen LANParty und Metal-Festival mit etwas Sinnvollem zu verbringen. Da man zu dieser Zeit noch an Dosenbier kam und es an jeder Ecke eine Videothek gab, pilgerte man an einem durchschnittlichen Wochenende vom „Edeka-Markt Hugo“ zum „Videocenter Jürgens“. Nach etwas Smalltalk mit schnauzbärtigen Videoverleihern blieb man schnell am „FSK 18“-Regal hängen. „Ator – Herr des Feuers“, „Grube des Grauens“ oder „Invasion der Zombies“ waren nur der Anfang. Bald war die erste Videothek leergeglotzt. An einem von zerstörten Hansa-Pils-Paletten geprägten Abend stellte man dann schnell fest: „Jan-Michael kann HTML!“. Und so war TrashZombies.net (jetzt unter VideoRaiders.net) geboren, ein Sammelbecken für abseitige Reviews über abseitige Filme. Früher hätte man so etwas wohl Fanzine genannt, aber egal, welchen Namen man dafür finden mag, es gilt: „To me, bad taste is what entertainment is all about.“

Als John Travolta noch ein Zombie war... Oder: Lehrjahre sind keine Herrenjahre!

„Beast Creatures“ – Review Nord-Atlantik, 1920 Anno Domini: Vor der handgemalten Kulisse eines sinkenden Schiffs (soll sein: Luxusschiff, sieht aus wie: Banana-Joes Amazonas-Kutter) gerät eine Horde Laiendarsteller vor die unscharfen Kameralinsen einer C-Produktion – und in Seenot. Hoffnungslos und verloren sind sie auf einem Rettungsboot namens „Obelisk“ dem Willen Poseidons ausgesetzt und stranden, zusammen mit dem übermüdeten Regisseur und dem unterbezahlten Kameramann, auf einer Insel des grotesken Puppen-Horrors. Einer TROPISCHEN Insel des grotesken Puppen-Horrors. Im Nord-Atlantik, wohlgemerkt. Hier laufen sie umher. Und laufen. Und laufen. Unaufhaltsam. Wie der Duracell-Hase. Doch dann: SÄURESEE! Einer der Darsteller entdeckt einen SÄURESEE und schmilzt mit schmerzverzehrten Gesicht vor sich hin. Dann Langeweile. Sie laufen wieder. Und laufen. Und laufen. 50

Unaufhaltsam. Wie der Duracell-Hase. Wer bis dahin schon abgeschaltet hat und sich selbst durch die krude SchmelzAttacke nicht begeistern konnte, ist selber schuld – und verpasst einen der wildesten Trash-Hammer in der Geschichte der Menschheit. Denn jetzt werden unsere schiffbrüchigen Laiendarsteller von den BEAST CREATURES angegriffen!!! Erinnert ihr euch an die tschechischen Märchenpuppen-Imitate aus dem DDR-Fernsehen? Ihr habt euch als Kinder gefragt: „Die sind so hässlich, wer spielt damit? Was passiert mit denen?“ Hier ist die Antwort: Sie werden als geistesgestörte Zwerg-Kannibalen wiederverwendet. Man steckt sie auf einen schwarzen Stock und haut sie auf die Schauspieler. Fertig ist der Kannibalen-Horror. Die Herstellung dieses Filmes dürfte nicht länger als ein Wochenende im Stadtpark gedauert haben. Requisitentechnisch gibt es nichts, aber auch wirklich GAR NICHTS, was man auch nur annähernd als Requisite im eigentlichen Sinne bezeichnen könnte, ohne dabei die Definition des Wortes „Requisite“ nicht völlig ad absurdum führen zu müssen. Die „Beast Creatures“ sind eine Horde Handpuppen, die starr an Stöcken durch das Bild geschleudert werden. Sämtliche Gore-Effekte bestehen aus drei Tage alten Schnitzeln (unpaniert) und madriger Erdbeer-Marmelade. Fuck – nicht einmal ein wirkliches Inselgefühl kommt auf, da der Film wohl

irgendwo im Herzen der Floridanischen Pampa heruntergekurbelt wurde. Aber all dies ist gar nicht mal die Krone der SFXSchöpfung, sondern vielmehr die Skelette aus dem Biologie-Unterricht (gut zu erkennen: die aufklappbare Schädeldecke), die halbverweste Leichen darstellen sollen... eigentlich. „Beast Creatures“ ist Hardcore in 90 Minuten und umfasst ALLE Höhen und Tiefen des inflationären Trashfilms: Wahnsinnige Dialoge, kaputte Darsteller (die allesamt laut IMDB-Listing nie wieder in irgendeinen Film mitspielten), absurde Effekte, krude Musik und gähnende Langeweile. Einfach nur noch debil. Zwischen Lachattacke und kalte Füße. Wer auf richtig harten Trash steht, sollte sich schleunigst auf die Suche nach den „Beast Creatures“ machen, denn dieses Wunderwerk des abseitigen Films wurde (zumindest in Deutschland) nie auf einen digitalen Silberling gepresst und erschien lediglich auf Video – anno 1984. Herausgebracht von einer Hinterhof-Firma namens „Rebell-Video“, die es längst nicht mehr gibt (warum wohl?) und von den deutschen Behörden noch im gleichen Jahr auf den Index gesetzt wurde. Wer den Streifen gesehen hat, darf wahrlich von sich behaupten, in die tiefsten Ecken des Trash-Universums vorgedrungen zu sein.

Der aufmerksame Leser wird sich nun wundern: „Moment mal! An dieser Stelle sollte doch eigentlich ein formschöner Artikel über absurde Video-Cover und die filmische Realität sein!“. Ja, das ist richtig. Leider liegen mir aufgrund des Alters viele Cover nicht als Original vor und so hätte ich zwangsweise auf JPG-Grafiken, die von irgendwelchen Trafficlimit-besessenen Webmastern aufs Übelste komprimiert wurden, zurückgreifen müssen. Für den Leser ohne Lupe nicht zu verkraften. Ich werde allerdings versuchen, dies nachzuholen und so schnell wie möglich die Fortsetzung präsentieren. Dafür gibt es heute aber eine nicht minder schlechte Reise – in eine Zeit, als John Travolta noch ein Zombie war. Aller Anfang ist schwer und viele Schauspieler, die heutzutage von Hochglanzblättern mit perlweißen Zähnen strahlen und jährlich ihren Standard-Sommer-Blockbuster durch die Kinos schieben, mussten sich in ihrer Anfangszeit durch die fiesesten Nebenrollen kämpfen, um ihr Gesicht bekannt zu machen. Hier sind die ohne Frage besten Leinwand-Einstände von Hollywoods Elite. 1960 zwang sich der damals noch 23jährige Jack Nicholson als masochistisch veranlagter Zahnarzt-Patient durch Roger Cormans Kultklassiker „Little Shop of Horrors“. Der wurde in weniger als DREI Drehtagen und mit einem Budget von

$30.000 heruntergekurbelt (noch heute ein Rekord!). An dessen Erfolg zweifelte selbst Roger Corman, weswegen er sich nicht einmal das Urheberrecht sicherte und der Film nun offiziell als „Public Domain“ im Internet zu finden ist. Nicholsons Auftritt beschränkt sich auf wenige Minuten und ist vollends improvisiert, da der junge Jack den, seiner Meinung nach, merkwürdigen Dialog vergaß und der Regisseur sich weigerte, Szenen zu wiederholen oder mehrmals zu drehen (immerhin kostensparend). Zum Glück verfügt Nicholson über eine gehörige Portion Humor und blickt heute selbstironisch auf die Premiere zurück: „The audience laughed so hard I could barely hear the dialogue. I didn‘t quite register it right. It was as if I had forgotten it was a comedy since the shoot. I got all embarrassed because I‘d never really had such a positive response before.“ Bevor John Travolta Carrie die Hölle heiß oder Samstagabends die Frauen auf der Tanzfläche wild machte, schmolz er (zumindest nach dem deutschen Filmtitel) als Zombie im Regen vor sich hin. „Nachts wenn die Zombies schreien“ (OT: „The Devil‘s Rain“) hieß der Low-Budget-Horror, der Travolta seine erste große (hust, hust) Filmrolle einbrachte – als Gefolgsmann einer amerikanischen Satanisten-Gruppierung mit roter Kapuze (und ohne Augen), die Menschen opferte. Schauspielerisch gibt’s keine Höhepunkte – bis auf die Szene, in der Travolta bei heftigem Niederschlag vor sich hin modert. Sylvester Stallone gelang mit „Rocky“ 1976 der Durchbruch. Er wurde sogar von der Academy mit zwei Oscar-Nominierungen bedacht („Bester Schauspieler“ und „Bestes Drehbuch“). Davor allerdings knüppelte es sich durch Softpornos und unzählige B-Movies. Die bekannteste Produktion davon ist ohne Frage „Frankensteins Todesrennen“ (auch bekannt unter dem Titel „Herrscher der Straße“). Hier musste er als „Machine Gun“ Joe Viterbo in einem futuristischen Amerika ein Autorennen auf Leben und Tod fahren – in dem das Überfahren von Kindern und Rentnern Extrapunkte brachte. „Frankensteins Todesrennen“ gilt heute als TrashKlassiker. Es ist bereits ein Remake mit Jason Statham in der Mache und Stallone blickt heute mit einem Lächeln auf seine ersten schauspielerischen Erfahrungen zurück – auch wenn er sich mit dem Film und seiner Rolle nicht mehr identifizieren kann: „I have to admit I enjoyed watching

it, only because it was completely carefree and devoid of any movie-star acting tricks, simply because I didn’t know any. So it’s fun to watch a natural performance without any ego attached.“ Wenn heutzutage George Clooney charmant von der Leinwand lächelt, gehen alle Frauen in die Begattungsstarre. Verständlich. Doch auch der Clooney-Schorsch hat seine filmischen Leichen im Keller. Und nein – ich rede nicht von „Batman und Robin“ und auch nicht von seinen Serienauftritten in „Roseanne“. Sondern von „Die Rückkehr der Killertomaten“! Als Matt Stevens muss er sich hier gegen die Killer aus dem Obst-Reich wehren. Das Tomatenmark spritzte, die Welt wurde gerettet – und nicht weniger cool als in „Ocean‘s Eleven“ ist unser Schorsch der lässige Held des Tages (siehe Bild). Anstatt von ihren „Friends“ wurde Jennifer Aniston 1992 als pausbäckiger Backfisch vom irischen Randale-Kobold „Leprechaun“ geplagt. Zum Glück wusste sie, wie man eine Schrotflinte abfeuert und konnte dem „Leprechaun“ Einhalt gebieten. Da hatte ihr „Friend“ Courtney Cox es schon besser und durfte sich in ihrem Leinwanddebüt immerhin Schutz in HeMans eingeölten Muskeln suchen. James Dean, Leinwand-Ikone vom Dienst und durch drei Meisterwerke unsterblich geworden, hatte es anfangs trotz gutem Aussehens und massig Talent nicht leicht in der Traumfabrik Hollywood. Auch er musste sich durch unzählige Werbespots, Serials und Nebenrollen kämpfen, bevor ihm der Durchbruch gelang. 1953 spielte James Dean Frankensteins Monster in „Goon with the Wind“, für das er das gesamte Kostüm selber anfertigte. Die in ihrer schauspielerischen Jugend als legitime Nachfolger James Deans gehandelten Kevin Bacon und Johnny Depp hatten vor ihrem Durchbruch ebenfalls versucht, im Horrorgenre auf sich aufmerksam zu machen. Nun, der Erfolg ließ bei beiden dann noch etwas länger auf sich warten. Nichtsdestotrotz können sie sich zumindest geehrt fühlen, dass sie in den ersten Teilen zweier mittlerweile klassischer und international erfolgreicher Horrorfilmreihen als Opfer des jeweiligen Schlitzers herhalten durften. Kevin Bacon wurde anno 1980 in „Freitag der 13.“ von einem Pfeil durchbohrt, während Johnny Depp in „A Nightmare on Elmstreet“ in sein 51


Bett gezogen wurde – und nichts außer eine Blutfontäne von ihm übrig blieb. Natürlich gibt es noch unzählige andere Stars und Sternchen, die sich ihr Brot in mehr oder weniger ruhmreichen Produktionen verdienen mussten. Leonardo DiCaprio flüchtete 1992 vor dem dritten Ansturm der „Critters“, Arnold Schwarzenegger schaute sich 1970 als Zeus‘ Sohn „Herkules in New York“ um, Kevin Costner sonnte sich am „Sizzle Beach, U.S.A.“ und Brad Pitt schmiss den zweiten Aufguss der „Todesparty“. Also beim nächsten Mal, wenn ihr ein fragwürdiges Filmchen in den Händen haltet und im Hintergrund ein unbekanntes Gesicht in die Kamera gröhlt, dann gebt Acht – denn der merkwürdig dreinblickende Nebendarsteller könnte ein zukünftiger Hollywood-Star sein…könnte. Diabolische Dialoge Heute: „Das Todeschwert der Ninja“ (1986) Es gibt Kung Fu, Karate, Ninjutsu – alles Firlefanz. Dank deutschem Synchronwahnsinn kennt der Ninja von Welt eine noch viel tödlichere Kampfkunst. Lehrmeister: „David, hör zu. Also, offen gesagt, unter all den Ninja dieser Schule bist du wirklich einer der Besten und der Auftrag, den ich für dich habe, ist sehr kompliziert. Dabei brauchst du mehr als Jiujitso und mehr als Ninjutsu. Deine Gegner sind chinesische Kämpfer und die beherrschen die große Magie, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde und zwar: HOKUS POKUS!“ David: „Hokus Pokus?“ Lehrmeister: „Richtig, David. Die Magie des Hokus Pokus.“

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Kreaturen und Konsorten

Transsilvanische Grafen, kannibalistische Horden, humpelnde Untote, kybernetische Kampfkolosse, außerirdische Monster. Hier sind sie: die wildesten Kreaturen der Filmgeschichte! Name: Killertomate Art: Obst Filme: „Angriff der Killertomaten!“ (1978), „Die Rückkehr der Killertomaten“ (1988), „Die Killertomaten schlagen zurück!“ (1990), „Killer Tomatoes Eat France!“ (1992; nicht in Deutschland veröffentlicht), „Angriff der Killertomaten“ (1990; Zeichentrick-Serie) Allgemein: Der Ursprung der Killertomaten ist ungewiss. Fest steht nur: Killertomaten sind tödlich. Verdammt tödlich. Ihr Ziel: die Weltherrschaft. Anfänglich besitzen sie nur eine passive Aggressivität. Jeder, der sich ihnen in den Weg stellt, wird niedergewalzt. Hinter den Tomaten steht als Oberbefehlshaber der Pressesprecher des US-Präsidenten. Später jedoch nimmt sich Professor Gangreen ihrer Spezies an – und verbessert sie! Zusammen mit den Killertomaten will er sich zum Herrscher der Welt aufschwingen. Und seine fruchtige Armada des Schreckens tut ihren Dienst. Nur durch die heroischen Taten längst vergessener Nachwuchsschauspieler konnte dem Ansturm der Killertomaten Einhalt geboten werden. Klimax der perfiden Pläne des Professors: Im Jahre 1992 sollten die Killertomaten in Frankreich eine zweite Revolution auslösen, doch dank der Rückkehr von Ludwig XVI. konnte dies verhindert werden. Besonderheiten: - Killertomaten sprechen ihre eigene Sprache (hört sich ungefähr so an: „Brüüüblebrüüüble.“), im vierten Film haben sie allerdings die englische Sprache erlernt. - Killertomatensaft ist tödlich. - Im ersten Tomaten-Krieg konnten die Killertomaten nur durch den schlechtesten Liebessong aller Zeiten (namens „Puberty Love“) gestoppt werden. - Durch die wahnsinnigen Experimente des berüchtigten Professors Gangreen können Menschen über eine Transformationskammer in Killertomaten, Killertomaten dahingegen in Menschen verwandelt werden (so geschehen im zweiten Teil, indem sich eine weibliche Killertomate bei den Klängen von Beethovens fünfter Symphonie in eine Frau verwandelt). - Killertomaten sind Obst, kein Gemüse. 53


Games-Neuheiten Juli bis August 2008

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Beat ‘em up | Xbox 360, PlayStation 3 | Ubisoft | August 2008

Robert Ludlum‘s Das Bourne Komplott Action-Adventure | Xbox 360, PlayStation 3 | Vivendi | Juli 2008 Inhalt: Gleich vorweg, beim Bourne Komplott handelt es sich nicht um ein Videospiel zu der bekannten ActionTrilogie mit Anti-Schauspieler Matt Damon. Das Spiel basiert auf den Romanen (auf denen wiederum die Filme basieren)! Das bedeutet jedoch leider nicht, dass das Spiel nicht dennoch Schrott ist. Es hat in erster Linie nur zur Folge, dass wir zumindest von Matts virtueller Fresse verschont bleiben (obwohl die authentische Darstellung seiner Mimik sicher die eine oder andere Animationsphase eingespart hätte). Das Game entpuppt sich als eines der konzeptlosesten Spiele, das mir jemals untergekommen ist. Ständig muss man in hektischen Szenen auf den Buttons wild herum hämmern und nicht selten sieht man dabei den Game-Over-Bildschirm.

Too Human Action-Adventure | Xbox 360 | Microsoft Game Studios | August 2008 Inhalt: Was lange währt wird ja bekanntlich endlich gut. Und bei Too Human hat es ja dann doch ein wenig länger gedauert als es ursprünglich geplant war. Es gab unter anderem technische Schwierigkeiten mit der Unreal Engine. Gerüchten zufolge wollte Entwickler Silicon Knights sogar zeitweise eine eigene Grafikengine auf die Beine stellen. Das Projekt verschob sich kurzer Hand auf 2007 und erscheint nun „pünktlich“ Mitte 2008 – ja, so ist die Videospielebranche. Das Warten auf den Fantasy-Actiontitel hat sich zum Glück gelohnt, auch wenn Multiplayer-Freunde ein wenig darüber enttäuscht sein dürften, dass man „nur“ zu zweit in die Schlacht gegen Dämonen ziehen darf. Zumindest wurden die technischen Probleme zufriedenstellend gelöst und man darf sich auf grafisch opulente Monster-Schlitzereien freuen. Fazit: Too Human ist ein solider und spaßiger Actionkracher. Gerade im Co-Op-Multiplayer-Modus macht das Spiel sehr viel Spaß. Dass letztlich jedoch nur zwei anstatt vier Freunde zusammen los ziehen dürfen ist nicht „too good“.

Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian Action-Adventure | Xbox 360, PlayStation 2 und 3, Wii, DS, PC | Disney Interactive Studios | August 2008 Inhalt: Kleine-Kinder-retten-die-Welt-Alarm im Kino und (natürlich) auch parallel auf allen (auch nur halbwegs) aktuellen Konsolen. Die Umsetzung ist dabei, wie es sich für eine Filmversoftung „gehört“, miserabel. Angefangen bei der technisch schwachen Präsentation (platter Textur-Brei überall) bis hin zur hakeligen Steuerung der Spielfiguren (von den Animationen ganz zu schweigen) merkt man dem Spiel wieder mal an, dass es so kostengünstig wie möglich produziert wurde. Vermutlich werden leider dennoch genug Fans des Fantasy-Schmachtfetzens dafür sorgen, dass bei Disney die Kassen ordentlich klingeln. Fazit: Hach, wie schön war es doch damals noch, als einfach nur massig Sammelfiguren, Tassen, Socken und Bettwäsche zu horrenden Preisen angeboten wurden, um den geneigten Filmfan abzuzocken. Diese waren zumindest ein wenig augen- und nervenschonender.

Guitar Hero: On Tour

Partygame | DS | Activision | Juli 2008 Inhalt: Guitar Hero unterwegs? Ohne auf das (Luft-)Gitarrenfeeling verzichten zu müssen?? Unmöglich oder??? Mitnichten, Guitar Hero ist nun „On Tour“ mit dem Nintendo DS immer dabei! Möglich wird das Ganze durch ein Extra-Modul, welches in den Schacht für die Game-Boy-Advance-Spiele gesteckt wird. Dadurch hat man vier „Gitarren“-Knöpfe (bzw. -Saiten) an der Seite des DS (man hält ihn zum Spielen aufgeklappt wie ein Buch), die Saiten werden durch Tippen auf den Touchscreen angeschlagen. Mit über 20 Songs hat man von nun an immer etwas dabe,i um seine Guitar-Hero-Sucht zu stillen. Die (verständnislosen) Blicke der anderen Fahrgäste in Bus und Bahn sollten euch somit gewiss sein. Fazit: Rocken für die Hosentasche funktioniert sogar überraschend gut. Klar gibt es dabei in ALLEN Punkten, die Guitar Hero ausmachen, Abstriche: weniger Knöpfe/Saiten, weniger Songs, weniger Sound, dafür aber auch weniger Lärm und damit weniger Stress mit Nachbarn/Polizei/Anwälten. Rock On (Tour)!

Action-Adventure | PlayStation 2, Wii | Sierra | August 2008 Inhalt: In Hollywood macht der FortsetzungsWahn scheinbar vor keiner Film-Franchise halt und putziger weise kommt die Mumie 3 nur wenige Wochen nach Indiana Jones 4 in die Kinos. Noch witziger ist der Zufall, dass auch in der Mumie 3 ein Vater-Sohn-Buddy-Abenteuer auf uns wartet. Jedoch hatten wir bei Indiana Jones 4 bislang das „Glück“, von einem Videospiel verschont geblieben worden zu sein (wobei es in der Vergangenheit sehr geniale Indy-Spiele gab!). Zumindest sieht Sierra ein, dass die Grafikengine nicht wirklich up-to-date ist und bringt das Abenteuer-Spiel für den Oldie unter den aktuellen Konsolen, die PS2 und der technisch schwächsten Next-Gen-Konsole heraus (Wii). Das ganze spielt sich dann ein wenig wie Tomb Raider, auch wenn es sich bei weitem nicht so sauber und präzise steuern lässt. Dennoch ist die Mumie als Videospiel weniger „angestaubt“ als befürchtet und macht durchaus für einige Stunden Spaß. Fazit: Springen, rennen und ballern durch staubige und grafisch altbackene Landschaften. Die Mumie ist ein solides Action-Adventure und Fans des dritten Kinofilms oder ausgehungerte Lara-Croft-Anhänger dürfen zumindest einen Blick riskieren.

>GAMES

Inhalt: 30 Kämpfer, ein magisches Schwert und jede Menge fliegender Fäuste respektive Klingen. Soul Calibur ist seit jeher die Prügelspiel-Reihe, die auf scharfen Stahl statt auf Handkantenschläge setzt. Eine andere Besonderheit bei Soul Calibur war und ist, dass der Prügler sogar etwas erzählerischen „Tiefgang“ im Storymodus bietet. Dazu kommt eine blitzsaubere Grafik und butterweiche Körperanimationen (vor allem die Anatomie der weiblichen Charaktere ist sehr gut in Szene gesetzt). Star-Wars-Fans sollten Soul Calibur 4 auf dem Radar behalten, denn Darth Vader und der süße grüne Jedi-Zwerg Yoda sind mit von der Partie. Leider wird ein direktes Duell der Beiden kaum möglich sein, da Darth Vader nur in der PlayStation 3-Fassung und Yoda auf der Xbox 360 als Special Guest am Start sein werden. Fazit: Soul Calibur 4 ist sicher eines der Beatem-Up-Highlights des Jahres. Die Idee, zwei der beliebtesten Star-Wars-Charaktere einzubauen, ist brillant. Dass diese jedoch getrennt, jeweils exklusiv für eine Konsole erscheinen ist wiederum ein Wermutstropfen. Wohl dem, der beide Next Gen-Konsolen sein Eigen nennt.

Die Mumie: Grabmal des Drachenkaisers

>GAMES

Soul Calibur 4

Intuitives Gameplay war gestern, willkommen im Trial-and-Error-Frustparadies! Matt Damon wollte übrigens angeblich weder Pracht-Adonis noch -Konterfei für die Digitalisierung freigeben, weil ihm das Spielkonzept zu „actionlastig“ war. Er wollte ein Bourne-Spiel im Stile eines klassischen Adventures – komplett ohne Action. Uns ist nicht bekannt, von welchem „Bourne“-Film er genau sprach, auf dem dieses Spiel hätte basieren sollen, aber man darf auf eine „Damon‘s Cut“-Fassung der Filme hoffen. Komplett ohne Action sollten alle drei Teile (und die kommenden 27 Folgen) auf eine Gesamtlänge von ca. 8 Minuten kommen (In- und Outro inklusive). Fazit: Das Spiel ist wirklich mies! Ich musste dennoch einige Male laut lachen, weil einfach alles so krude und konfus wirkt, dass es schon fast Trash ist. Jedoch leider Trash OHNE Substanz. Deswegen: Macht es dieses Mal ausnahmsweise wie Matt Damon und lasst die Finger weg!

Farm Life Simulation | DS | Ubisoft | Juli 2008 Inhalt: Pünktlich zur Streikwut deutscher Milchbauern kommt von Ubisoft ein Spiel, welches euch selbst in die Haut eines armen, unterbezahlten Landwirts schlüpfen lässt. Natürlich muss so ein emsiger Bauer nicht nur Kühe melken und die Milch an böse Discounter zu Spottpreisen abgeben, sondern sich auch um die Hühner und die lieben Schweine und Ziegen kümmern. Dazu will Gemüse angebaut, mit dem Traktor übers Feld geheizt werden usw. Kurzum, das Spiel zeigt heranwachsenden Jungen und Mädchen, warum sie besser schön brav in der Schule aufpassen und was Vernünftiges erlernen sollten. Fazit: Farm Life ist eine klassische Aufbau-Simulation im Stile von Harvest Moon. Für Fans von Sim City und Konsorten mit Vorliebe zu Bio-Produkten und frischer (ungefilterter) Landluft genau das richtige Spiel.

Sam & Max: Season One

Adventure | Wii | JoWood | Juli 2008 Inhalt: Der Wii ist die Alternativ-Konsole schlechthin! Menschen kaufen sich die Konsole, weil sie einfach nur Spaß daran haben ein wenig rumzuzappeln und auf Partys besonders affig vor Freunden auszusehen. Oder eben, um klassische Point&Click-Adventure zu zocken. Ja, genau richtig gehört. Was bislang auf Konsolen Mangelware war („Point“en und „Click“en geht halt mit einer PC-Maus sooo viel besser), ist durch die Wiimote-Steuerung quasi dafür prädestiniert. Nach „Die Geheimakte Tunguska“ kommt mit „Sam & Max: Season One“ ein ganz besonders gelungenes Abenteuer auf die Fuchtelkonsole. Die Story ist spannend, die Charaktere sind liebevoll designt und zum Brüllen komisch und die Rätsel fordernd aber logisch. Fazit: So müssen moderne Point&Click-Adventure aussehen! Die Hardware des Wii ist nun mal grafisch den anderen beiden Next Gen-Konsolen weit unterlegen. Spannende Abenteuerspiele wie Sam & Max jedoch sind möglicherweise genau die Argumente, die bislang gefehlt haben, um auch Hardcore-Gamer von den unbestreitbaren Qualitäten der NintendoKonsole zu überzeugen.

Pokémon Mystery Dungeon: Erkundungsteam Zeit/Dunkelheit Action-Adventure | DS | Nintendo | Juli 2008 Inhalt: Die quietschbunte Gelddruck-Maschinerie aus dem fernen Osten ist wieder mal da. Mit dem DS im Gepäck werden wir alle diesen Sommer immer und überall selbst zu Pokémons und schlagen uns durch unzählige zufallsgenerierte Dungeons. Dabei werden in erster Linie wie gehabt fleißig andere Pokémon herausgefordert, besiegt und danach in die eigene Gruppe eingegliedert. Jede Menge Schätze und natürlich vor allem Erfahrungspunkte winken dabei. Wir werden immer stärker und optisch imposanter durch diverse Mutationsschübe. Wer auch im Real Life ein paar Freunde hat, kann mit diesen übrigens gemeinsam in die Schlacht ziehen und versuchen herauszufinden, weshalb zur Hölle man sich überhaupt in ein lärmendes, fettes Pokémon verwandelt hat. Fazit: Tja, was soll man zu Pokémon noch groß sagen. Es gibt sicher jede Menge Leute da draußen, die sich darauf freuen auch zum 4598. Mal mit Pikachu & Friends durch die Gegend zu torkeln. Das Spiel ist

wie immer gut bedienbar und bietet genau das, was es schon x-mal zuvor geboten hat. In diesem Sinne: Frohes Sammeln! *gähn*

World in Conflict Strategie | Xbox 360, PC | Vivendi | Juli 2008 (PC-Version bereits erhältlich) Inhalt: Und da wir gerade davon sprachen, dass der Wii immer mehr zur Adventure-Konsole mutiert, muss man an der Stelle ganz klar sagen, dass Microsofts Flaggschiff die ultimative Shooter- und eben auch Strategie-Maschine ist. Das ist von dem her auch sehr erstaunlich, da man solche Spiele eigentlich immer mit Maus- und Tastatur-Steuerung in Verbindung gebracht hat. Überraschenderweise spielt sich auch World in Conflict (nach einiger Einarbeitungszeit) sehr flüssig und intuitiv mit dem Controller. Zu jeder Zeit hat man seine Armee unter Kontrolle (dabei sind sogar Befehle via Headset und Sprachsteuerung möglich). Apropos Armee, natürlich kämpfen in diesem fiktiven 3. Weltkriegsszenario wieder einmal die Wodka-Liebhaber aus Russland gegen die braven rechtschaffenden Buddys aus Big USA. Grafisch bekommen wir die Scharmützel dabei so detailliert serviert wie selten zuvor in einem Echtzeitstrategie-Spiel. Fazit: Hobby-Kriegsstrategen aufgepasst! Mit World in Conflict kommt eine wahre Echtzeitstrategie-Granate (im wahrsten Sinne des Wortes) in die Wohnzimmer. Wer braucht da schon die Europameisterschaft im Fußball, wenn es hier um nichts Geringeres als die Weltherrschaft geht?!

Star Wars: The Force Unleashed Action-Adventure | Xbox 360, PlayStation 2 und 3, Nintendo Wii, Sony PSP | LucasArts | August 2008 Inhalt: LucasArts hat sich etwas Zeit gelassen die aktuellen Heimkonsolen mit neuem Lichtschwertfutter zu versorgen. Dieses mal darf man als Schüler von Darth Vader gefährliche Aufträge für den Meister persönlich ausführen. Das Spiel selbst bietet neben Lichtschwertkampftechniken, natürlich wieder zahlreiche „Macht“fertigkeiten und das typische „Es war einmal“-Feeling. Juhuu. Fazit: Endlich wieder „ich bin dein Vater Luke“Geröchel aus dem Lautsprecher. Mithilfe neuer Technologien, kommen die Physikspielereien noch realistischer rüber. Diese gibt es bei der Wii nur in schwächerer Form, dafür darf man dort exklusiv das Lichtschwert wirklich schwingen und im sogenannten Duelmode gegeneinander antreten.

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Der Liberty CITY FREMDENFÜHRER Wir alle haben lange gewartet auf das Spiel, viel gelesen über das Spiel und inzwischen nun auch endlich viel gespielt. GTA 4 ist ein sogenanntes Sandbox-Spiel. Das heißt, die Programmierer geben nur einen Rahmen vor. Der Spieler bastelt sich mit den vorhandenen Elementen sein Spielerlebnis selbst. Es gibt Missionen, aber auch deren Bewältigung kann auf x-verschiedene Weisen angegangen werden. Ich wollte mal sehen, wie weit man das ausreizen kann und bin als Niko Bellic auf Tour gegangen. Auswandern ist in – scheiß auf dumpfes Malochen in Deutschland. Ein Bekannter hat eine Möglichkeit für mich nach Liberty City. Ein paar Tage Teller waschen, das Schiffsdeck schrubben und voilà – man ist in der Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Angekommen in Liberty City, wird mir eines ziemlich schnell klar: Hier wird einem nichts geschenkt. Entweder man arbeitet hart und kommt zu nichts oder man nimmt den Aufzug. Diese Stadt ist ein Haifischbecken. Man ist erstmal Fischfutter, bevor man zum Fisch wird. Als Fisch darf man dann kleine Jobs verrichten und je besser man das macht, desto mehr Kontakte knüpft man und desto mehr und größere Jobs bekommt man, bis man irgendwann ein Hecht wird usw. usf. Aber von Anfang an: Ich werde an der ersten Straßenecke überfallen. Ein Mittzwanziger streckt mir eine Pistole entgegen und verlangt mein Geld. Guter Scherz, schließlich suche ich hier gerade selber mein Glück. Ich strecke ihn nieder und stecke mir das Geld und die Knarre ein. Endlich angekommen! Gekümmert hat das kleine Intermezzo niemanden. Auch wenn man sich ein Auto klaut (ob vom Straßenrand oder mit lebendem Inhalt an der Ampel), regt sich niemand künstlich auf. Alltag eben. Genau mein Ding.

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Nur wenn ein so eine Nervensäge von Streifenpolizist in der Nähe ist, gibt es Ärger. Aber mit der Zeit fahre ich die wackeligen Karren so geschickt, dass die Bullen keine Chance haben. Wird es zu knapp, gibt es immer noch enge (mit Geld zu bezahlende) „Freunde“, die den Wagen umlackieren; was alle Probleme stante pede löst. Vorsicht beim Fliehen ist jedoch angebracht – vor allem, wenn man „aus Versehen“ eine kleine Imbissbude auf dem Gehweg über den Haufen fährt. In diesen befinden sich Gasflaschen, welche bei Aufprall explodieren. Angeschlagene Autos nehmen diese Aufforderung, sich in einen Feuerball zu verwandeln, sehr ernst. Manchmal muss man aber auch einfach auf die heiße Herdplatte langen, um zu wissen, dass sie heiß ist. Autowracks pflastern meinen Weg. Zum Entspannen schnapp ich mir ein Yellow Cab und genieße die Aussicht beim Cruisen. Ich war nie zuvor in New York oder einer anderen Stadt mit Wolkenkratzern, aber es absolut beeindruckend. Ebenso wunderschön sind die Sonnenuntergänge, wenn ich über eine der Brücken in die City fahre. Diese Stadt ist ein Augenschmaus. Ein Taxi ist auch angebracht, wenn man mal richtig einen gebechert hat. Nicht selten kriegt man vom Alkohol soviel Schwung in die Beine, dass geradeaus laufen verdammt schwer wird, geschweige denn autofahren. Man kann es versuchen, aber erwischt einen die Polizei, wird das Entkommen recht kompliziert. Geldtechnisch läuft’s generell gut in Liberty City. Schnell bin ich Kurier für einen kleinen Drogendealer mit stark jamaikanischem Akzent. Wir verstehen uns prächtig und nach kurzer Zeit kann ich von ihm als Gegenleistung Waffen kaufen. Baseballschläger, Pistolen, automatische Waffen, kugelsichere Westen – der Typ hat wirklich alles im Angebot. Wenn es hart auf hart kommt, hilft er auch mal bei einer Schießerei aus. Freunde sind Gold wert in dieser Stadt.

Kontakte sind halt immer noch das A und O, wenn man es zu etwas bringen will. Mir wird schnell klar: Nicht meine Knarre, sondern das Handy ist meine wichtigste Waffe, um nach oben zu kommen. Billard spielen, Bowling, einen Saufen gehen, Stripclubs – jeder hat andere Vorlieben. Mein Jamaikakumpel will nicht mehr mit mir Dart spielen gehen, seit ich ihn letztes Mal ziemlich abgezockt hab. Was soll’s, rufe ich eben jemand anders an. Ein völlig anderes, aber genauso wichtiges Thema sind die Damen der Stadt. Jede hat so ihre speziellen Vorlieben und je mehr Zeit ich mit ihnen verbringe, desto mehr weiß ich, wie ich sie rumkriege. Als desensibilisierte Bürger dieser Stadt schweigen sie, wenn auf der Motorhaube meines gestohlenen Wagens noch Blut klebt oder ich beim Abbiegen die Kurve nicht ganz erwische und zwei drei Personen über den Haufen fahre. Erfüllt man hingegen ihr Anforderungsprofil nicht, werden sie grantig. Das Wichtigste: Termine sind absolut einzuhalten. Kleine Anekdote gefällig? An einem Tag entdeckte ich 20 - 30 Meter hohe Aufbauten in einem Park. Neugierig kletterte ich die Stiegen hoch, bis mir ganz oben angekommen einfiel, dass ich in 15 Minuten eine Verabredung hatte. Leider erwischte ich den Griff der Leiter nicht so ganz und stürzte in die Tiefe. Alles halb so wild, die Jungs im Krankenhaus flickten mich wieder zusammen. Leider dauerte das seine Zeit, woraufhin meine Herzensdame erstmal eine Kontaktsperre erhob. Dass ich nicht kommen konnte, weil ich 30 Meter in die Tiefe gestürzt war, interessierte sie nicht großartig. Hier wird einem wirklich nichts geschenkt. Ich sag’s euch, diese Stadt ist knallhart und wenn du ihr nicht in die Eier trittst, dann wird sie dir in die Eier treten. Also zieht euch warm an, wenn ihr hierher kommt! Aus Liberty City berichtete Sascha Thau

Wii Fit

Für eine stärkere Familienbande Nintendo hat einen Standard gesetzt mit der Spielkonsole Wii. In Buckelhaltung Knöppken drücken ist out, man steht jetzt auf zum Spielen und bewegt sich. Nun wurde nicht nur an den Zocker-Körperumfang gedacht, sondern noch einen Schritt weiter – die Körper von Familie und Freunden (soweit vorhanden). Hier nun endlich eine Möglichkeit, mal was Cooles mit der Familie zu machen: eine sprechende Waage namens WiiFit Balanceboard. Mit einer Software, die als Personal Trainer fungiert, könnt ihr von nun an zuschauen, wie Tante Irmgard Übungen wie „Ball wegköpfen“ umsetzt und Uropa Konrad Aerobic-, Fitnessund Yogaübungen macht. Es sei ein Update des Erste-Hilfe-Kurses empfohlen, dann kann’s losgehen. Ich bin die vollen hundert Meter gegangen und habe gleich mal meine Familie auf die intelligente Waage gestellt. Testobjekt Nr.1: Meine Mutter, Alter: 61, BMI: ideal Zu allererst muss man sagen, dass das Board doch schwerer ist, als man vorher annimmt. Zum anderen ist es wahnsinnig elegant und dabei meine ich nicht nur das Gerät, sondern vor allem auch das Konzept. Meine Mutter konnte ich nie dazu überreden, mal eine Runde Bowling auf der Nintendo Wii mit mir zu spielen, aber als ich ihr vom „Fitnessbrett“ erzählte, war sie sofort dabei. Irritiert wird meine Mutter zum ersten Mal, als ein kleines Männchen auftaucht und in hoher Stimme flötet: „Ich messe, ich messe.“ Na gut, ist auch nicht einfach, ein Produkt für

alle Altersklassen zu herzustellen. Mutti lässt sich nicht lang aufhalten und geht engagiert an die Yogaübungen, die sie gut außer Puste bringen. Am besten gefällt ihr jedoch das Hula Hoop, bei dem sie mittlerweile den Rekord in unserer Familie hält. Testobjekt Nr.2: meine Nichte, Alter: 4, BMI: ideal Ich habe jetzt zwar keine Altersangabe auf der Packung gefunden, aber ich schätze, vier Jahre ist eigentlich etwas zu jung. Als das kleine „Ich messe, ich messe“-Männchen dieses Mal spricht, finden das Nichte und Schwester total süß – es geht also auch anders. Mit etwas Hilfe von mir (an den Schultern gepackt und in die richtige Richtung gequetscht) schneidet dieser kleine (Test-)Mensch sogar richtig gut ab, z.B. beim Fußball köpfen und beim Murmeln ins Loch balancieren. Skispringen ist noch etwas zu schwer. Auch wenn das WiiFitboard behauptet, dass meine Nichte nur eine mäßige Balance habe, der Spielplatz verrät anderes. Testobjekt Nr.3: meine Schwester, Alter: 27, BMI: ideal Zeit war nicht viel, weil der neun Monate alte Nachwuchs forsch an allem zerrte, was ging – vor allem an meiner Schwester. Eine „Mutter mit Kind“-Übung gab es leider nicht, das Extragewicht wäre uns vom Balanceboard wohl übel genommen worden.

Wenn man WiiSports Tennis spielt oder mit dem WiiFit Board übt, dann merkt man eines: Man muss sich immer bewusst sein, dass dies Eingabegeräte sind, so genau sie auch im Prinzip sind. Im Endeffekt muss man sich daher eben etwas umstellen, das man sich so bewegt, dass die Bewegung als solche erkannt wird. Alles in allem haben die Übungen uns allen großen Spaß gemacht. Es gibt eine gute Bandbreite und das mit dem BMI funktioniert hervorragend. Nachteil ist, dass man im Endeffekt eine Nintendo Wii und ein WiiFit Board braucht, was den Spaß nicht gerade günstig macht. Fürs Gewissen reicht aber eine kurze Kalkulation, wie lang man schon für den Fitnessclub zahlt und wie wenig man da war. Dazu kommen der höhere Spaßfaktor (außer das eventuelle Treffen/Anglotzen von potentiellen Sexualpartnern) und die familien- und freundebindende Wirkung. Eigentlich sollte die Wii vom Bundesamt für Familie und Co unterstützt werden – schön als Präventivschlag gegen den sozialen Verfall der Großstadt oder was ähnlich Schlagwortreiches. Sascha

Testobjekt Nr.4: ich selbst, Alter 34, BMI: an der Grenze zum Übergewicht Ich war natürlich sehr gespannt, was Nintendo sich da wieder ausgedacht hat und muss sagen: Es funktioniert. Dank dem Board weiß ich jetzt, dass ich an der Grenze zum dick sein bin (hatte ich dank Spiegelbild und Badezimmerwaage aber schon fast vermutet). Das einzige Problem mit den ganzen NintendoGeräten ist dann auch ein natürliches: Es ist künstlich.

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Sébastien Tellier

SLEAZE im Gespräch mit dem französischen Musiker und Grand Prix Teilnehmer Sébastien Tellier. Nachdem wir in Clärchens Ballhaus, einer Ostberliner Institution für gepflegten Paartanz, mitten im Sommer in den Wintergarten vorgedrungen sind, führt kein Blick mehr an diesem Mann vorbei. Es ist nicht der BradPitt-Effekt, der den Blick des Betrachters nicht weichen lässt. Nein, es ist etwas anderes. Sébastien Tellier ist einfach eine imposante, verwilderte Erscheinung. Der Mann muss an die zwei Meter messen und mit seiner riesigen Sonnenbrille wäre er der direkt gewählte Kandidat für das Remake der „Fliege“-Klassiker. Sein haariges Wesen, dazu die gelbe Hose kombiniert mit rosa Socken, leisten ein Übriges. Man kommt nicht umhin, an Guildo Horn zu denken. Behaarter, versteht sich. Man stellt sich vor. Ein sanfter Händedruck heißt uns willkommen und gibt die Gewissheit, kein überhebliches Arschloch vor sich sitzen zu haben. Aber das ahnte man bereits. Zu charmant und lieblich spielte sich seine Musik in unsere Ohren, als das man ernsthafte Zweifel an der Aufrichtigkeit dieser Person gehabt hätte. Wer so aussieht, muss einfach nett sein. Wir beginnen unser Gespräch und der Eindruck bestätigt sich. In französisch-englischem Kauderwelsch sprudelt es aus Sébastien heraus. Obschon er leicht angeschlagen wirkt, erzählt uns der gebürtige Pariser gut gelaunt von seinem Leben als französischer GrandPrix-Star, politischen Machenschaften im Wettbewerb und seinem großen Traum: Nein, nicht den Gewinn des Eurovision Song Contests 2009. Es geht um den Sébastien Tellier Themenpark für Erwachsene. Das ist sein Ziel. Dafür macht er doch den ganzen Scheiß. Also hereinspaziert. Hier wird Euch geholfen. Sébastien, du warst Frankreichs popkultureller Beitrag für den Grand Prix 2008. Eine ungewöhnliche Entscheidung. Erzähl uns doch bitte, wie es dazu kam?

Nach einem Auftritt in Paris kamen zwei Typen vom französischen Fernsehen auf mich zu und fragten: „Sébastien, möchtest du beim Eurovision Song Contest dabei sein?“ Ich sagte: „Ja!“ Das ging dir ganz einfach über die Lippen?

Weißt du, ich habe das für meine Familie getan. Um ihnen eine Freude zu machen. Die haben soviel unter mir zu leiden gehabt. Und mit dem Eurovision Contest haben sie endlich mal etwas, worauf sie stolz sein können. Außerdem war es cool, in den Clubs in denen ich auftrat, ansagen zu können, dass ich für Frankreich zum Grand Prix fahre. In Deutschland gibt es einen richtigen Ausscheidungswettbewerb. Das war in Frankreich nicht der Fall?

Nein, da gab es nur mich.

Und die Aussicht auf eine Karriere als europäischer Popstar?

Soweit hatte ich da noch gar nicht gedacht. Als ich anfing, das Ganze vorab zu reflektieren, kam ich natürlich nicht umhin, meine Entscheidung ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Ich mein, eigentlich ist der Grand Prix eine richtig schlechte Veranstaltung. Aber so nach und nach sah ich darin immer mehr Sinn, denn letztendlich konnte es meiner Musik ja nicht schaden, sondern im Gegenteil, es hat sie ja eher beflügelt. Dein Song „Divine“ steht seitdem ganz oben in den iTunes Charts.

Ja, das stimmt. Und dennoch muss ich natürlich versuchen, eine gewisse Distanz zwischen meinem künstlerischen Schaffen und diesem Lied einzuhalten. Ich möchte natürlich nicht nur darüber definiert werden und womöglich Jahre später immer nur auf dieses Ereignis angesprochen werden. Siehst du da denn eine ernsthafte Gefahr? Deine Performance fiel ja eher aus dem Grand-Prix-Rahmen, was natürlich auch an deinen bärtigen Backgroundsängerinnen gelegen haben könnte?

(Lacht) Ja, auf diese Art war es natürlich unmöglich, den Wettbewerb zu gewinnen. Die ganze Veranstaltung ist ja aber auch eine einzige Verarschung. Ich mein, beim Grand Prix entscheidet ja nicht das Publikum über den Gewinner, sondern das ist eine rein politische Entscheidung.

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Das musst du uns erklären.

Ist doch klar. Russland braucht unbedingt ein besseres Image und Serbien scheint mir im Rest der Welt auch nicht so richtig beliebt zu sein. Also versuchen sie über die Anziehungskraft des Grand Prix ein bisschen an ihrer Außendarstellung zu basteln. Du meinst, vermeintlich unsympathische Staaten versuchen sich einzuschleimen? Wäre es dann aber nicht besser, uns Westeuropäer einfach mal gewinnen zu lassen?

(Lacht) Ja, definitiv. Aber soweit denken die ja leider nicht. Was hat es dir denn gebracht dort, zwischen all den Schlagersängern dein Lied zu präsentieren? Mal abgesehen davon, dass es wirklich eine total beschissene Show ist, war es für mich natürlich schon ein tolles Erlebnis auf dieser riesigen Bühne. Und dann diese ganze VIP-Behandlung mit Bodyguards und Party ohne Ende. Das ist auf jeden Fall eine ganz komische Welt. Da hast du teilweise das Gefühl, als wärst du bei den Olympischen Spielen. Der magische Geist der fünf Ringe oder so was in der Art. Das lag wahrscheinlich an dem russischen Beitrag. Die hatten sich ja für ihren Beitrag den Olympia-Sieger im Eiskunstlauf herangeholt.

Genau. Der fuhr die ganze Zeit im Kreis. Immer um den Sänger rum. War richtig dramatisch. Ich glaube so was hat mir gefehlt.

Wann ist dir das denn eingefallen?

Ich bin ein Kind des LSD. Das kommt von ganz alleine.

Wie wurdest du eigentlich von den anderen Teilnehmern empfangen?

Dann hast du ja mit Guy-Manuel de Homem-Christo von Daft Punk den richtigen Produzenten an deiner Seite. Der führt dich bestimmt zum Schotter?

Die hatten sicherheitshalber die Tür zu ihren sonst so offenen Herzen fest verriegelt, so dass ich da eigentlich komplett außen vor war. Mal abgesehen von meinen treuen Anhängern. (lacht)

Zumindest weiß er, wie man spezielle Musik auf eine Ebene bringt, die sich weltweit verkauft, ohne dass man seine Ideale als Künstler verkauft.

Das mag an deiner Einzigartigkeit liegen.

Deshalb die langen Haare und der Rauschebart. Alles nur Tarnung?

Da hast du wahrscheinlich Recht. Also musikalisch war das auf jeden Fall so. Ich meine, alle anderen haben ja im Prinzip immer nur denselben scheiß Song gesungen.

(Lacht) Genau. Abends nehme ich den ab und keiner auf der Straße erkennt mich. Aber im Ernst. Ich bin da relativ schmerzfrei, wenn es um die Plattform geht, auf der ich mich und meine Musik präsentiere. Ob Eurovision Song Contest oder eine dämliche französische Talkshow. Wenn ich die Möglichkeit bekomme, meine Musik irgendwo ins Rampenlicht zu zerren, um auf mich aufmerksam zu machen, dann tue ich das.

Hört sich an wie Divine. Er hört auf zu trommeln. Schaut entsetzt und beginnt zu lachen.

Für deine Musik und den Sebastién Tellier Themenpark?

Sébastien beginnt einen monotonen Beat auf dem Tisch zu trommeln und singt dazu im Rhythmus mit theatralischer Stimme: „Oho Freedom. Ahhhhh. It’s all about Love.“

Weißt du, mein Song kommt vom Herzen, nicht wie dieser Retortenmüll.

Das werden die anderen Künstler sicher auch behaupten. Erkläre uns, was dein Lied besonders macht?

Genau. Dafür brauche ich ganz viel Erfolg und noch mehr Geld. Sébastien, wir danken dir für das kostenlose Gespräch. Text, Foto & Interview: Tim Schäfer

Es ist sicherlich auch ein fröhlicher Song, der gute Laune macht, aber er trägt meinen künstlerischen Geist in sich und ist keine hohle Popphrase. Das habe ich auch versucht, während meines Auftrittes rüberzubringen. Das schien nicht ganz rüber gekommen zu sein. Du wurdest 19.

Das ist egal. Wichtig ist, dass man meinen Geist in dem Song gespürt hat. Das ist mein Werk und kein anderer hat mir das so und so zurechtgeschnitten. So eine Fake-Show wie bei den andere Acts. Das könnte ich nicht ertragen. Keine Vision zu haben und nicht wirklich mit dem Herzen dabei zu sein, wäre für mich undenkbar. Apropos Vision. Ich habe gehört, dein großes Ziel sei der Bau eines Erlebnisparks für Erwachsene. Das kommt dem Grand Prix doch recht nahe.

Nicht ganz. Pass auf: In meinen Park kannst du Autos zu Schrott fahren. Supermärkte niederbrennen. Du kannst zu Prostituierten gehen und musst nicht befürchten, dass dir danach dein Ding abfällt. Ganz einfach, weil es dort keine ansteckenden Krankheiten gibt. Außerdem kann man in Apotheken einbrechen, um sich alle möglichen Drogen zu besorgen.

Sébastien Tellier = Singer/Songwriter (Frankreich) Sein facettenreicher Sound ist eine Mischung aus instrumentaler Musik und gefühlvoll gesungenen Liedern. Einflüsse der synthetischen Sounds der 70er Jahre lassen sich ebenso finden wie klassische Klavierläufe und zurückhaltend gezupfte Gitarrenparts. Versetzt mit einem Schuss Disko drängen sich dem männlichen Autor unweigerlich Assoziationen an Siebziger-Jahre-Softpornos auf. Tellier singt auf Französisch und Englisch. Schon zu Beginn seiner Karriere gelang dem gebürtigen Pariser der Anschluss an die elektronische Musikszene der Metropole. Obwohl musikalisch nicht unbedingt auf den Dancefloor ausgerichtet, übernahm der erfolgreiche French-House-Produzent Quentin Dupieux alias Mr. Oizo, Kopf hinter der Flat-Eric-Puppe, auf Telliers Debütalbum „L‘incroyable Vérité“ (deutsch: Die unglaubliche Wahrheit) die Aufgabe des finalen Mixes und verpasste Sébastians Ideen den letzten Feinschliff. Das Album wurde 2000 in Frankreich auf dem Label Record Makers des französischen Duos Air veröffentlicht. Daraufhin begleitete Sébastian die Band als Support auf ihrer Welttournee. Nachdem 2004 und 2006 seine Alben zwei und drei erschienen, die ihn auch hierzulande bekannt machten, scheint 2008 sein erfolgreichstes Jahr zu werden. Der groß gewachsene Vollbartträger mit Hang zu bewusstseinserweiternden Mitteln trat im Mai dieses Jahres als französischer Beitrag bei dem Eurovision Song Contest in Belgrad an. Als erster Franzose überhaupt sang er seinen Titel größtenteils auf Englisch. „Es war aber nicht so, dass ich das entschieden hätte. Die Leute vom französischen Fernsehen hatten sich von meiner Platte „Divine“ ausgesucht. Da es mein Song war, hatte ich mit dem Titel natürlich kein Problem. Es war aber jetzt eben auch keine zwanghaft rebellische Endscheidung meinerseits“, so Tellier im SLEAZE-Interview. Er belegte den 19. Platz und war damit im Gegensatz zu den meisten westeuropäischen Teilnehmerländern relativ weit vorne. Sein neues Album „Sexuality“, das von Daft Punks Guy-Manuel de Homem-Christo produziert wurde, ist ebenfalls auf Record Makers erschienen. www.myspace.com/telliersebastien www.recordmakers.com Diskographie 2001 L‘incroyable Vérité 2004 Politics 2006 Sessions 2006 Universe 2008 Sexuality

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ROBERT STADLOBER TOM SCHILLING JULE BÖWE MILAN PESCHL MARC HOSEMANN OKTAY ÖZDEMIR ERALP UZUN BRUNO CATHOMAS

lles a t i M f? Scha d n u

„Unzensiert, frech, dreckig, finster, aber auch sehr witzig und schräg“ Arte

r a t s k c o R & l o d I r e t a k S u! oole Sa

rabke Claus G

ine c e r ü f s Wa

Wer sich mit Claus Grabkes Vergangenheit auseinandersetzt, wird nach der Überwindung des Grinsens aufgrund dieses doch recht eigenwilligen Namens unweigerlich auf einzigartige sportliche Verdienste stoßen, welche die eigene Biografie mal schnell auf Vollspacken stutzen. Mehr als ein dutzend Mal hat der Mann in den Achtzigern und Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts die deutsche Skateboardmeisterkrone auf sein Haupt setzen können. Mit Kickflip und Boneless bretterte der heute 44jährige alles in Grund und Boden, was ihm in die Halfpipe kam. Ein Talent, das förmlich nach dem Einmarsch in das westamerikanische Mutterland des Rollbrettes schrie. Claus wurde seine Heimat zu klein. Er machte rüber. Checkte die Lage. Setzte sich durch und räumte auch dort ab. Als einziger Deutscher überhaupt konnte er sich als Skate Pro in den Staaten durchsetzten. Während hierzulande Skater von spießigen Provinzpolizisten verfolgt wurden, wenn sie im Winter in der Tiefgarage des örtlichen Kaufhauses skateten, konnte man in den Staaten in alten Betonanlagen und leeren Pools bei sommerlichen Temperaturen seiner Leidenschaft frönen und die neuesten Tricks stehen, ohne ständig anzuecken. Gerade diese außerdeutschen Erfahrungen vom KleinstadtSkateboarder zum erfolgreichen Pro waren prägend für den jungen Grabke. Auf der Suche 62

nach neuen Herausforderungen und Wegen, seine Energien sinnvoll zu kompensieren, begann der gelernte Tontechniker, mit der Musik einen zweiten erfolgreichen Pfad einzuschlagen. Ein Weg, der ihn vom anführenden Mitglied der SkatePunk-Combos Eight Dayz, Alternative Allstarz und Thumb über den Produzentenstuhl der CrossoverBand Dog Eat Dog schließlich zum Anführer der Claus Grabke Band führte. Als Frontmann und Produzent in Personalunion veröffentlichte er Anfang letzten Jahres ein erstes Doppelalbum als allgemeinen Weckruf. „Dead Hippies/Sad Robots“ präsentierte auf der einen Seite einen vielschichtigen, opulent ausproduzierten Sound, auf der anderen Seite ein urgewaltiges Rockmonster, das in seiner reinsten Form nur so vor tollwütiger Lust übersprudelte. Diese Seite an sich scheint Claus Grabke besonders zu mögen, denn mit dem gerade erschienenden Album „Deadly Bossanova“ greift er genau diese Facette wieder auf. Noch intensiver schreit er uns seine Freude an der Musik entgegen. Ein Genuss, diese mit ihm zu teilen. Dass sich sein Talent dabei nicht nur auf fußgesteuerte Kicks und Flips beschränkt, beweist auf dieser Platte sein Händchen für die besonders mitreißende Melodie. Ungefiltert und roh stellt er sie uns entgegen. Keine Tricks. Claus Grabke. Skater und Rockstar. Was für eine coole Sau! Tim Schäfer

ORGINELL, KOMISCH, ANARCHISTISCH ... ATEMBERAUBEND!

Dieser Festivalhit hat rund um den Erdball von sich reden gemacht. Von der internationalen Presse wurde er als neuer deutscher Kultfilm gehandelt und gewann etliche Preise. Ein Mustsee für jeden, der kontroverse Filme mag.

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Dein Netzwerk zum Erfolg MySpace, Flickr, oder Last.fm: Die Welt spricht eine neue Sprache. Sie nennt sich 2.0. Wer sie nicht beherrscht, ist ziemlich schnell out. Der Sinn und Zweck der interaktiven und netzwerkenden Anwendungen für den Einzelnen ist derweil unüberschaubar und reicht von Freundespflege bis hin zum Finden von Geschäftskontakten. Gerade für die Musikbranche bieten sich hier ganz spezielle Möglichkeiten. Dass sich der Nutzer und Musikkonsument als solcher schon lange die Applikationen der neuen Internetgeneration zu Nutze macht, beweist der Erfolg von Portalen wie Myspace, Last.fm oder Youtube. Personalisierte Playlisten, gleich gesinnte Freunde oder das passende Video sind auf einen Klick erreichbar. Radioaufnahmen, das oft stundenlange Zusammenkopieren von eigenen Tapes oder der mitternächtliche Mitschnitt begehrter Konzertaufnahmen gehören der Vergangenheit an. Auch die Musiker selbst profitieren inzwischen; eröffnen sich ihnen doch völlig neue Marketingstrategien und ein örtlich unbegrenztes, weltweit verfügbares und schnell zu kontaktierendes Publikum. Ein Account bei einem Netzwerk, drei Demotracks und ein Video hochgeladen, eine hinreichende Menge an Freunden gesucht und Ruckzuck kann man sich innerhalb kürzester Zeit das aufbauen, wofür früher monatelanges Touren in verranzten Dorfclubs inklusive selbst gekritzelter Flyer nötig war. Seit einigen Monaten tauchen nun Anwendungen auf, die neben dem Marketing auch andere Aspekte der Musikindustrie verzwonullen. Drei unterschiedliche Ansätze wollen wir im Folgenden vorstellen. Fan Funding – Modernes Mäzenatentum in der Musikbranche ->www.sellaband.com Auf dem Internetportal laden Künstler ihre Musik und Videos hoch und promoten ihr Material unter den Nutzern. Während bei weit besucherstärkeren Geschwisterseiten das Konzept hier aufhört, fängt es bei Sellaband erst an. Jeder Nutzer, der Gefallen an bestimmten Bands findet, kann diese mit einer Spende von 10 Dollar unterstützen. Hat eine Band ein Kapital von 50.000 Dollar angesammelt, wird damit eine professionelle Studioproduktion bezahlt. Die Spender können sich dann das entstandene Album kostenlos herunterladen. Der Geschäftsführer der Mannheimer Popakademie zeigt sich im Interview mit einem Hamburger Nachrichtenmagazin von diesem Modell überzeugt: Das Entdecken und Fördern neuer Künstler sei ein riskantes Geschäft und Sellaband sei eines der wenigen Modelle, „die genau das kompensieren“.

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-> www.artistshare.com Eine etwas andere Strategie verfolgt diese amerikanische Seite. Dort wird als Gegenleistung für eine Spende der Zugang zum „kreativen Prozess des Albums“ versprochen. Ob der großzügige Spender im Falle einer Aufnahme selber in die Saiten greifen darf oder ob er nur mal durch die Scheibe des Aufnahmeraumes schielen darf, ist unklar. Klar ist jedoch, dass auch dieses Konzept zu greifen scheint, wurden doch seit der Gründung der Seite im Jahr 2001 schon vier der dort geförderten Alben mit dem begehrten Grammy ausgezeichnet. A&R 2.0 – Fachkompetenz trifft Nutzergeschmack ->www.scoutr.co.uk Eine der größeren Plattenfirmen, die sich bereits dem vermeintlichen Zeitgeist untergeordnet haben, ist die britische EMI. Bereits im September des vergangenen Jahres kündigte deren Label „Angel Music“ seine A&R-Plattform „ScoutR“ an. Auf dem Portal können nicht nur Musiker ihre Demos hochladen und sich gegenseitig in Netzwerken organisieren, sondern die Seite richtet sich auch an professionelles A&RPersonal. Während der Nutzer die Musik mittels profaner Bewertung in den portaleigenen Charts platzieren kann und die A&Rs sich gezielt anhand dieser Listen orientieren können, verspricht der labeleigene A&R-Director, jeden Track, der es in die Top 10 der genannten Charts schafft, zu hören und zu bewerten. Mike Dowuona, Digital Media Manager bei der Angel Music Group, schildert den Zweck des Portals: „Das Ziel ist, auf die traditionelle Labelseite durch das Hinzufügen von interaktiven Elementen aufzubauen. Fans soll die Möglichkeit des Feedbacks und der Einflussnahme gegeben werden.“ -> www.c-tube.com Ähnlich funktioniert eine deutsche Variante des A&R 2.0. Auf dem Portal c-tube.com stellen Bands ihre Videos bereit und können sie zum einen von einer Jury aus deutschen Musikern, A&R-Managern und Produzenten und zum anderen durch das Publikum beurteilen lassen. Augenscheinlich hat dabei das Juryurteil das gleiche Gewicht wie die Meinung des Ottonormalsurfers. Unterschiede finden sich nur in der Kommentierung. Während die Jurymitglieder ihre Urteile mit gut gemeinten

und konstruktiven Vorschlägen untermauern, wird bei den Fans auch gern mal unter die Gürtellinie geschossen. Als Preis winkt den Gewinnern der Charts-Wettbewerbe eine komplette Studioproduktion in den Hamburger Hansastudios. Ob sich von der Tatsache, das Nutzer und Jury gleichermaßen verteiltes Stimmgewicht haben, auf die Qualität der Gewinnerbands oder mehr auf das Können in Sachen Klickgewinnung schließen lässt, oder ob es sich tatsächlich um eine Art Demokratie handelt, sei dahingestellt. Das digitale Label – Plattenvertrag ohne Tonträger ->www.bloomstreet.net Dass sich Musik inzwischen einfach aus dem Netz herunterladen lässt, ermöglicht die Umsetzung von Geschäftsmodellen, die sich genau dafür bezahlen lassen. Der Erfolg kommerzieller Downloadanbieter wie iTunes oder musicload zeigt, dass sich keineswegs hinter jedem Rechner ein potentieller Tauschbörsennutzer sitzt. Denkt man dieses Konzept weiter, fällt der physische Tonträger, ob CD oder Vinyl, irgendwann weg. Die externe Festplatte im Terrybytebereich lässt sich schneller durchsuchen und nimmt weniger Platz weg. Bloomstreet.net, ein Portal der Bertelsmann-Gruppe, greift diesen Gedanken auf. Bei seinem Launch noch als MySpace-Klon verschrien und in seiner Funktionalität auch fast identisch aufgebaut, ging das Portal kürzlich einen Schritt weiter und nahm eine der Bands, die sich unter den Nutzern der Seite inzwischen einen Namen gemacht hatten, unter Vertrag. Digital, versteht sich. Oliver Franke, Pressesprecher bei bloomstreet.net, schildert den Sinn eines digitalen Plattenvertrages: „Die digitale Veröffentlichung ist kostengünstiger und risikoärmer und man kann die Akzeptanz testen.“ Die Marketingmaßnahmen seien allerdings dieselben und der Vertrieb ist sogar mehr als das bloße Bereitstellen der Songs auf der Seite: „Wir kümmern uns auch um die Verbreitung in kommerziellen Downloadportalen wie iTunes oder Musicload. Gerade bei Portalen wie iTunes hat eine Band ohne Vertrag kaum Chancen, reinzukommen“, so Franke. -> www.rcrdlbl.com Eine andere Strategie unter demselben Ansatz verfolgt das digitale Label rcrdlbl.com. Im Gegensatz zu bloomstreet oder iTunes, wird hier die Musik kostenlos zum Download angeboten. Allerdings soll das Angebot fast ausschließlich durch Werbung finanziert werden. Verträge wurden bisher unter anderem mit Zugpferden wie Gnarls Barkley und Cold War Kids geschlossen. Julia

Illustration: Lafkonn/creative commons

Musikbusiness 2.0

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MUSIK

Punkpop

Alternative Rock

Singer / Songwriter

Alternative Singer/Songwriter

Pop

Nekro-Pop

Singer Songwriter Folk

Experimenteller Pop

Alkaline Trio

Port O’Brien

My Sister Grenadine

Hellsongs

Bang Gang

Sister Flo

Paul Bryan

78Plus

Agony & Irony (27.06. / V2/Coop Music)

All we could do was sing (VÖ: 04.07. / City Slang)

Shine in the dark (18.7. / Solaris Empire)

Hymns In The Key Of 666 (VÖ: 27.06. / Bodog Music)

Ghosts from the past (VÖ: 25.7. / Discograph)

The Healer (VÖ: 04.07 / Fullsteam Records)

„Listen Of ...“ (VÖ: 14.07.2008/ Sonar Kollektiv)

Wanderwelt (20.06. / Broken Silence)

Wenn man sich jemals gefragt hat, was dabei herauskommt, wenn ein paar gelangweilte und uninspirierte Jungs aus Chicago Musik machen, so bekommt man mit dem sechsten Album des Alkaline Trios endlich die Antwort. Wirklich schlecht ist „Agony and Irony“ dabei eigentlich nicht. Zielsicher wandelt man auf Midtempo-Pfaden, die Texte baden in gewohnt düsteren Gewässern und die Produktion ist glatt wie ein Babypopo. Nur die echte Innovation sucht man vergeblich. Daran ändern auch die Einflüsse des Britpop, wie man sie zum Beispiel bei „In Vein“ sehr deutlich hören kann, nicht sehr viel. Selbst „Over And Out“, dessen Anfang durch einen warmen, mitreißenden Basslauf besticht, wird mit der pathetisch oft wiederholten Zeile „Run For Cover“ schnell wieder in die Belanglosigkeit geschickt. Die großen Zeiten waren spätestens mit ihrem vierten Album „Good Mourning“ vorbei. Aber mit diesem Album haben sie sich endgültig ihr künstlerisches Grab geschaufelt. Hoffentlich reicht es zumindest für die Charts.

Naheliegend ist beim Titel des Erstlingswerks der Band Port O’Brien aus Alaska die Frage, was man zwischen Einöde und allzu viel Natur im ewigkalten Land auch sonst anstellen soll. Für ein Debüt klingt die Platte ausgesprochen strukturiert und dennoch verspielt beim Tanz durch die unterschiedlichsten Stilrichtungen. Dass der PortO’Brien-Frontmann und Sohn eines Lachsfischers, Van Pierszalowski, eine Band wie Bright Eyes zu seinen musikalischen Einflüssen zählt, ist kaum zu überhören. Nicht nur gesanglich lassen sich deutliche Parallelen ziehen. Ein Remake ist die Band dennoch nicht. Für seine zarten 24 Jahre sprudeln aus dem jungen Sänger und Gitarristen erstaunlich facettenreiche Lieder. Der Titel des Albums ist Programm. Schon beim ersten Song „I woke up today“ zitiert man sich im wilden Chorgesang heiter durch die Musikhistorie. Zu überzeugen weiß die Band vor allem durch die Experimentierfreude bei der kreativen Instrumentierung und dem Mut zu Noise-Attacken.

Ist ja eigentlich boogie, ob Vincenz Kokot wirklich eine Schwester namens Grenadine hat, nach der er sein Ein-MannProjekt benannt hat. Und ob sie ihm die Ukulele geschenkt hat oder nicht – ja gut, in Hamburg fällt eine Schaufel um, sagte neulich ein Topmodel im Fernsehen. Fakt ist einfach mal, dass Kokots Debütalbum „Shine in the Dark“ genau das ist, was der Titel verspricht: ein Licht im Dunkel. Ein karg instrumentiertes freilich, mit Ukulele, Gitarre und Stimme. Aber das ist bei dem ganzen Krach, den man in Kokots Wohnort Berlin so um sich herum hat, ja auch nur allzu verständlich. Man bettet sich weich mit der Schwester Grenadine.

Schweden ist einer der aktivsten europäischen Musik-Schmelztiegel, das weiß man nicht erst seit den unzähligen erstklassigen Alternative-Bands aus dem hohen Norden. Was das junge Projekt „Hellsongs“ mit der zauberhaften Frontfrau Harriet Ohlsson seit 2004 mit den Großen des Metal und Hardrocks anstellt, ist die Entschleunigung des Rock. Klar, Cover-Songs sind für jeden Geschmack das Wahre. Dennoch sind die „Hymns In The Key Of 666“ ein launiges Stück Musik geworden, ohne dabei die Genialität der Originale zu beleidigen. Genau genommen werden Klassiker von Black Sabbath und Megadeath in völlig neuem Gewand präsentiert, so dass selbst eingefleischte Fans zweimal hinhören müssen, um mit einem Grinsen die ursprünglichen Versionen zu erkennen. So wird aus AC/DCs „Thunderstruck“ ein fast meditatives Stück, das nichts von seinem Reiz verliert. Twisted Sisters „We’re Not Gonna Take” wird mit Ohlssons Stimme eine verträumte Ballade im Streicherund Piano-Gewand. Absolut hörenswert.

Die Frage ist doch: Wann hat man genug von dünnen Männerstimmen? Aus Island? Im PopKleid, etwas belanglos im Raum herumlümmelnd? Die Antwort ist doch: Jetzt. Gang Bang ist nicht nur ein selten unlustiger Bandname, sondern dem Mann hinter dem Namen, Bardi Johannsson, fehlt zu allem Überfluss leider auch noch das Zeug, Pop mit einer anständigen Halbwertszeit zu schreiben. Klingt wie Snow Patrol, nachdem diese den Weg ins Formatradio gefunden haben. Die besten Songs auf der Platte sind ausgerechnet der seicht plätschernde Opener „The world is gray“, der sich aber genau deswegen im Ohr verfängt und bleibt. Und das schön arrangierte Instrumental „Lost in Wonderland“, das ab Minute 1 schön an Fahrt aufnimmt und einen bis zum Ende der Platte begleitet, hilft über das dünne Gesinge hinweg.

Ob es nur an angedeuteten Selbstmordaufforderungen in Titeln wie „C’mon And Die With Me“ liegt, dass für Sister Flo schon eine passende Schublade, Nekro-Pop, markiert worden ist, sei dahingestellt. Fakt ist, dass sich die finnische Band auf ihrem dritten Album intensiv mit Themen wie Verlust, Herzschmerz und Tod auseinander setzt. Fakt ist aber auch, dass sie es keineswegs mit düster dahin wabernder Heulerei, sondern mit teilweise überraschend fröhlicher Popattitüde vorträgt. Stücke wie „Hyvinkää“ oder „My Weakness“ wirken geradezu eingängig und fröhlich. Problemlos tanzbare Rhythmen, vorwiegend Dur-Akkorde und immer wieder hier und da vorbeihüpfende Flötensoli oder Glöckchengebimmel werden munter mit psychedelischen Elementen jedweder Art gemischt und lassen eine Platte entstehen, die wunderbar zu Weltschmerz jeglicher Art passt. Die Schmerzen sind so zwar nicht weg, aber man fühlt sich irgendwie besser damit.

Die neue Generation der Singer Songwriter scheint sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen. Zumindest gilt das für Paul Bryans neues Album „Listen Of ...“. Fast wirken der Titelsong „Listen“ und die folgenden Tracks wie eine Zeitreise durch die letzten vier Jahrzehnte der Popmusik. Hier ein paar Streicher wie im cremig-zarten „Thais“, die an Soundtracks der 60er Jahre erinnern, dort südamerikanisches Flair mit sorgsam eingesetzten Percussion- und Xylophon-Sounds, als befände man sich irgendwo an der Copacabana. Auf „Listen Of“ finden sich eingängige Songs über die großen Themen des Lebens, die nicht wehtun, aber jedem etwas sagen. Unprätentiös bedächtig arrangiert der Mann aus Los Angeles seine oft fast altmodischen Popperlen und legt dabei größten Wert auf die gesangliche Stimmigkeit. Manchmal hangeln sich Lieder wie „Window“ nahe an der Grenze zur übertriebenen Seichtigkeit. Überschritten wird sie zum Glück selten. So entpuppt sich die Platte als Geheimtipp für romantische Stunden.

Marcel

Mathias

Immer wenn ich an Wien denke, kommt mir automatisch das Hundertwasserhaus mit seinen bunten Toiletten in den Sinn. Darüber hinaus hat die Stadt viele wunderlichere Kreaturen ins Leben gerufen. Das Album „Wanderwelt“ der Band 78Plus ist so ein Beispiel. Der prosaische Name der Band soll nicht in etwa über das Ergebnis hinwegtäuschen. Die Jungs haben viel anzubieten. Eine interessante Mischung aus akustischer und elektronischer Musik, unterlegt mit spannenden Jazz- und BrassSamples. Darüber hinaus sind die Texte sarkastisch und ungewöhnlich. Der an Rammstein erinnernde Gesang des Frontmannes Günther Berger erledigt ein Übriges. Hier erklingt Musik, die so recht in keine Schublade passt. Live bestimmt ein Erlebnis. Ob man im klassischen Billboard-Chart-Sinne ein Dauerfan der Österreicher wird und „Wanderwelt“ als Album of the Century proklamiert, ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Mich aber haben die Jungs mit dieser Platte überzeugt, dass sie nicht eine von den Bands sind, die sich zwecks massenkompatibler Verkaufsargumente ernsthaft von ihrem Weg abbringen lassen.

Dominik

Dominik

Julia Mathias

Mathias

Katya

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MUSIK

Folk Pop

PopRock

Electronica/Noise

Experimenteller Rock/Electronica

Folk

Beats and Bites

Martina Topley Bird

Dr. Dog

Leila

Band: Pivot

Fate (VÖ: 25.07. / Park The Van)

Blood Looms and Blooms (VÖ: 04.07. / WARP)

O Soundtrack My Heart (15.8. / Warp)

Fleet Foxes

The Bug

The Blue God (VÖ: 18.07. / Pias Germany)

Das Prädikat „Folk“ hatte für viele Hörer lange Zeit einen recht faden Beigeschmack, der erst durch die posthume Popularität eines Johnny Cash zum Mainstream steuern konnte. Mit dem Klischee von Folk hat das Album „The Blue God“ denn auch nur insofern etwas gemeinsam, als dass hier erfolgversprechende traditionelle Muster auf moderne Pop-Beats und -Hooklines treffen. Martina Topley Bird ist kein Neuling im britischen Musik-Business. Bereits im Jahr 1995 machte die Künstlerin unter anderem mit Trip-Hop-Ausnahmekünstler Tricky und später den Gorillaz gemeinsame Sache. Diese Richtung schlägt Martina Topley Bird auch mit dem aktuellen Album ein. Gefühlvoll und mit einem Hauch Melancholie vermischt sie in Songs wie dem an Amy Winehouse erinnernden „Baby Blue“ Elemente aus Pop, Soul und einer ordentlichen Prise Easy Listening, was in diesem Fall nicht im Geringsten ein negatives Attribut ist. Getragen wird dieser Mix von der verletzlichen Stimme einer wunderbaren Sängerin.

Retrosounds sind wieder schwer angesagt. Dafür spricht auch das aktuelle Dr. Dog-Album „Tafe“, das vom Label Park The Van ins Rennen um die Hörergunst geschickt wird. Es gibt bekanntlich Platten, bei denen man erst nach einigen Durchläufen weiß, ob das Gehörte positiv oder negativ hängen bleibt. Zu dieser Spezies gehört auch das vorliegende Stück Musik, das vor 60sEinflüssen nur so strotzt. Das hart tourende Quintett aus der Region um Philadelphia schafft – soviel muss den Musikern zugestanden werden – Diskussionsbedarf. Am Ende ist die Mehrzahl der Songs aber eine hörenswerte Mischung aus molllastigen Beat- und Slowrock-Nummern mit einigem Tanzpotenzial. Der einzig wirklich wunde Punkt ist „Hang On“. Hier sind der krächzende Gesang und der Piano-Loop einfach zuviel des Guten. Da rettet auch die Auflösung zum Ragtime und Uptempo-Stück in der Mitte nicht mehr. Ein bisschen weniger Retro hätte der Platte in jedem Fall gut getan. Angenehm dagegen das lockere „My Friend“.

Nun ist die Iranerin Leila mit Wohnsitz in der Kunst- und Kulturmetropole nach sieben Jahren Plattenabstinenz also im Hause Warp angekommen. Wie richtig das Signing gewesen ist, bestätigt das neue Album „Blood Looms and Blooms”, das Leila Arab im gewohnt experimentellen Outfit zeigt. Zur Seite standen ihr beim neuen Werk etliche bekannte Größen der britischen Musikszene. Neben Terry Hall (stimmlich vertreten auch auf der Vorab-Veröffentlichung „Mettle“) durften viele Kollegen dem sphärischen, kreativen Output der Elektro-Pionierin ihren Stempel aufdrücken. „Blood Looms and Blooms” beweist erneut, warum Leila eine der meist geschätzten Musikerinnen auf dem Sektor der elektronischen Popmusik ist. Mit Stücken wie „Daisies, Cats & Spacemen“ werden erneut weiträumig Untiefen des musikalisch Machbaren ausgelotet. Das dritte LeilaAlbum stellt klar, warum sie mit Größen wie Björk in einem Atemzug genannt wird.

Eine EP wie ein ComputerAction-Spiel. Da zischt das Laserschwert links am Kopf vorbei, der Stoßtrupp des bösen Bass stampft mit Verve über dich hinweg und beinahe sekündlich legt ein technoides Raumschiff am Hörnerv an. Baldrian für die Musikerseele klingt anders. Pivot ist eher wie ein gut dosiertes Aufputschmittel, irgendwo zwischen Kaffee und Koks. Hibbelig wie FourTet zuweilen und dann doch auch ganz schnell wieder mit dem Fuß auf der Klang- und Frickelbremse wie Sigur Rós. Schade eigentlich, dass „O Soundtrack My Heart“ nur eine EP ist.

Mathias Mathias

Mathias

Dominik

Ragged Wood (VÖ: 08.08.2008 / Subterranean Pop / Bella Union)

London Zoo (VÖ: 04.07./ Ninja Tune)

Schon bei den Anfangsakkorden des ersten Song „Bob Valaas“ hat mich meine Fantasie mit abertausenden bunten Bildern bombardiert. So als würden die lang verstaubten Screenshots aller Landschaften, Straßen und Gesichter, die ich auf Lager habe, auf einen Befehl aus meinem Gedächtnis hervorquellen. Die Musik von Fleet Foxes ruft solche bildhaften Assoziationen hervor, dass man der Band raten möchte, ihren Lebensunterhalt fortan nur durch Soundtracks für IndieFilme zu verdienen. Hunger und Armut wäre dann kein Thema mehr. Was an diesem Album ganz besonders erfreut ist, dass zwar der spezifische Fleet-Foxes-Stil aus jedem Song herauszuhören ist, trotzdem aber jedes Lied abwechslungsreich und einmalig klingt. Mal fröhlich, mal verträumt. Die Stimmung ist immer ergreifend. Gelingen tut das den Fleet Foxes durch ihre hippiesken Gitarrenmelodien, oldschooligen Beats und die einzigartigen mehrstimmigen Gesänge. Für mich das unvergleichliche Markenzeichen der Band. Wer Devendra Banhart und das New Weird America mag, wird dieses Album sicherlich lieben.

Wer in dieses Album reinhört, kriegt mit den langsamen, transartigen Dancehall-Beats und den darauf singenden MCs gleich mal ordentlich was von der Londoner UndergroundAtmosphäre mit. Keine andere Stadtkultur schafft es so erfolgreich, derart viele Musikgenres zu kombinieren und zu „elektrisieren“ wie die königliche Hauptstadt. Von Hip Hop, Dancehall und Grime über (broken) Techno, Broken Beats und Dubstep bringen die Beats der Bugs den Kopf zum rhytmischen Hin- und Herwanken. Die Reime der unglaublichen Warrior Queen und der zahlreichen anderen Gast-MCs zaubern dem Hörer ein zufriedenes Grinsen aufs Gesicht. Dennoch: Einige Songs auf „London Zoo“ fehlt es noch am notwendigen melodischen Etwas. Und so wird die zu Beginn gestartete Artenvielfalt mit zunehmender Laufzeit zu einem langweiligen Flohzirkus, der den Hörer auf Dauer nicht vom Einschlafen abhalten kann.

Oppenheimer

Asio Kids

Take The Whole Midrange And Boost It

Aero (VÖ: 18.7. / Buback Tonträger)

(Bereits erschienen / Pias UK /Rough Trade)

Katya

Ich bewundere ja Leute, die mehr als ein Instrument beherrschen, auch noch gut singen können und das am besten gleichzeitig; so der Fall bei Shaun Robinson und Rock O‘Reilly von der Band Oppenheimer. Die Band hat sich übrigens nicht nach dem Physiker Robert Oppenheimer benannt („Vater der Atombombe“). Man hatte sich für diesen Namen entschieden weil er einfach gut klingt. Gerade ist das zweite Album der beiden Iren mit Vorliebe für Kraut-Rock und Synthesizer erschienen, welches deutlich knackiger ausgefallen ist als das Debüt. Kaum zu glauben, dass dieser opulente elektronische Indie-Pop mit ordentlichem Gitarreneinschlag von nur zwei Leuten hergestellt wurde. Funktioniert aber hervorragend – und die Tatsache, dass es die zwölf Songs auf dem Album gerademal auf 30 Minuten Spielzeit bringen, könnte als Kaufargument für Menschen mit geringer Aufmerksamkeitsspanne dienen.

Voll erwischt. Mist. Dabei habe ich doch gar keine Vorurteile… Dem Cover nach ist „Aero“ für hippe Szene-Jungs in engen lila Leggins und riesigen Reebok Pump. Sobald nach dem Intro „Spacek“ beginnt, schäme ich mich wegen meiner Spießigkeit – und entschuldige mich 1000x bei den beiden Asio Kids für diese Zielgruppenbeleidigung. „Spacek“ ist bester Hip Hop, entspannt, völlig unbedarft und mit viel Seele, wie ich ihn sonst nur von wenigen UndergroundSingles way, way back aus der 90er Westcoast-Blütezeit kenne. Dazu trägt zum Teil der Rapper S.U.P.R.E.M.E. mit seinen drei Gasteinlagen bei. Aber auch die vielen „echten“ Instrumente, unter anderem gespielt von Notwist-Sänger Markus Acher und Console-Schlagzeuger Markus Brandner, geben dieser Platte auch den vielen Liedern ohne Vocals Herz.

danilo

Jero

Katya

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MUSIK

Copyright Voices and Visions (Bereits erschienen / Defected Records)

Cecile

Digitalism

Bad Gyal (VÖ: 20.6. / Kingstone Records)

Kitsune Tabloid (VÖ: 20.06. / Kitsune)

Nachdem Cecile im Laufe der Jahre zig Preise abgeräumte, erscheint in Europa nun – mit einiger Verspätung – ihr Debütalbum. Gerüchten zufolge sorgten ihre deutlichen Texte für die Verzögerung. Europa prüder als der Rest der Welt? Klingt ungewohnt – im Gegensatz zu Ceciles Inhalten. Cecile ist die Lil Kim des Dancehalls. Das sagt eigentlich alles. Es geht u.a. um Männerverarschung und deutlich formulierte sexuelle Bedürfnisse der Frau, dazu zeigt sie selbstbewusst und verkaufsfördernd ihre BH – Boobs und Haut. So leicht (und plump) kann eine Männerdomäne wackeln und die Themenvielfalt abseits von Schwulenklatschen und Frauendemütigungen erweitert werden. „Bad Gyal“ ist mit seinen Popeinflüssen kein reines Dancehall-Album. Stilistisch ist von relaxt bis Party alles dabei. Cecile will in die danilo Charts. Das ist deutlich und der Wermutstropfen bei einem ansonsten gelungenen Debüt.

Da issa wieder. Der DefectedSound. Unverkennbar und wie immer auf hohem Niveau. Ich muss gestehen, ich bin schon lange „infected by Defected“. Sie killen genau das, was mich bei Tekkno und klassischem House so oft langweilig: die Monotonie. Schlichte, eingängige Vocals, ein paar Latino-Einflüsse dazu, fertig. So auch bei Copyright, die jetzt endlich mit ihrem Debüt rausrücken. Ihre MixCD „Miami In The House“ letztes Jahr hatte bereits einige Hoffnungen geweckt. Und, wir werden nicht enttäuscht. Wie gehabt wird auf Qualität Wert gelegt, auf den großen Pool an Defected-Künstlern (Dennis Ferrer, Mr V) und deren bereits veröffentlichtes Material zurückgegriffen, neu aufbereitet, und mit „Externen“ wie Jazzy B veredelt. Auch mit der DefectedScheibe kann man wieder nix falsch machen. Frohes bouncen.

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon zu spät? Was habe ich erwartet? Das Digitalism auch auf Platte halten, was sie live versprechen? Das sie sich neu erfinden und unterscheidbar bleiben? Klare Sache, wenn Jence und Isi mit ihren eigenen Stücken am Plattenherd köcheln, ziehen sie jedem den Löffel aus der Suppe. Der bombastische Sound transportiert deinen nackten verschwitzen Körper in ungekannte Weiten, bis du deine Füße nicht mehr spürst. So passiert, Ehrenwort! Kein Wunder also, dass die französische Hippsterschmiede Kitsune ihr deutsches Erfolgsduo nun für ihre Tabloid Kompilation zwangsverpflichtet hat. Aber was ist das? Pommes ohne Schranke? Die Jungs prügeln leidenschaftslos auf alles ein und scheren sich einen Dreck, ob das auch alles zusammenpasst. Die Reise führt ins erschreckende Nirgendwo. Auch hartgesottene Hands-UpIn-The -Air-Kandidaten haben nach dieser unspektakulären danilo Auswahl von Hot Chip, Who Made Who und The Presets einfach nur die Nase voll. Leider wahr. Das ist ganz schlechter Stil.

Sabrina

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Experimental Pop

Rock

Jazz / Swing

Bedroom Walls

Wilson Jr

Jazzkantine

All Good Dreamers Pass This Way (VÖ: 20.06. / Senator Musik/MOS)

Messer Seele Liebe Licht (VÖ: 15.08. / Consolidate Records)

Hell’s Kitchen (VÖ: 4. Juli 2008 / Sashimi Rec / Rough Trade)

Was als experimentelle Popmusik angepriesen wird, stellt sich bei genauerer Betrachtung als normales Popalbum mit verhältnismäßig wenig wirklich experimentellen Momenten dar. „All Good Dreamer Pass This Way“ von den Bedroom Walls ist trotz aller Normalität dennoch kein langweiliges Album geworden. Die Kalifornier verstehen ihr Handwerk und interpretieren den Begriff der melancholischen Popmusik angenehm zurückhaltend. Die Ballade „Six Weeks In The Imperial Gardens” und das epische „Then The Narrator Smiles” zeigen die Bandbreite der präzisen und songdienlichen Kompositionen der Band um das Duo Adam Goldman und Melissa Thorne. Eine Spur mehr Waghalsigkeit jedoch hätte die Platte aus der Menge der Genreähnlichen Veröffentlichungen herausragen lassen. So sind die prickelnden Augenblicke des Albums zu selten, um dauerhaft in Erinnerung zu bleiben. Schönster Moment eindeutig das Stück „Kathy In Her Bedroom“.

Wilson Jr ist eine der Bands, die es eigentlich schon ewig gibt, nur der Name und die Besetzung wechseln häufiger. Seit ihrem Debütalbum „Introinvasion“ vor zwei Jahren scheint sich die Band aus Würzburg jedoch festgelegt zu haben. Musikalisch hat man sich bei der zweiten Platte „Messer, Seele, Liebe, Licht“ in keine völlig neue Richtung begeben. Stattdessen arbeitet das Trio weiter und streckenweise auch konsequenter am Grundkonzept. Breite, emogeschwängerte Gitarrenriffs, nur hin und wieder von leisen Tönen durchbrochen, treffen auf Hamburger Schule. Sänger Carsten Wegener bewegt sich dabei stimmlich bisweilen schon arg auf einem Grat zwischen Peter Brugger von den Sportfreunden und Dirk von Lowtzow. Das kann nerven, kann aber auch beiseite geschoben werden durch dier Konsequenz und Energie, die man hier mit einer Dreimannbesetzung an den Tag legt. Eine Entscheidung zwischen gefühlsduseligem Indie und krachendem WeststaatenEmo wollen Wilson Jr scheinbar nicht treffen. Wozu auch?

Als ungeschriebene Regel gilt, dass das Original immer besser ist als jedes Cover. Und ehrlich gesagt ist es auch so, vor allem was Jazz-Covers von Rock, Metal oder Hip-HopSongs angeht. Bislang sind alle Musiker bei der heldenhaften Betätigung gescheitert. Ausnahme sind die, die es fast ohne Anstrengung schafften, jedes Stück so umzuformen, dass es sich wie ein komplett anderes Lied anhört – wobei die Stimmung des Originals trotzdem erkennbar bleibt. Richard Cheese hat es in seiner lustigen Art und Weise perfekt geschafft, und jetzt kommt auch die Jazzkantine ins Spiel. Die Braunschweiger Jazz-Macher und ihre Interpretationen von Rockmeisterwerken der 70er und 80er Jahre sind nicht zu verpassen! Vor allem Gastsänger wie Tom Gaebel, Sam Leigh Brown (Frank Popp Ensemble) oder Pat Appleton (DePhazz) tragen zum tollen Sound bei. Besonders sticht Xavier Naidoo heraus, der mich mit „Nothing Else Matters“ umgehauen hat. Den größten Verweis, den ich mir hier erlauben würde, ist, dass sich einige Songs (nach meiner bescheidenen Meinung) mehr rockig als jazzig angehört haben, was aber für Hörer, die keine unglaublichen Jazz-Fans sind, kein großes Problem sein wird.

Mathias

Julia

Cazals

Sam Sparro

What Of Our Future (VÖ: 26.5. (Import-Date) / Kitsunè)

(hat keinen Titel) (VÖ: 11.7. / Island)

Als ich im Sommer 2005 zum ersten Mal auf die Cazals stieß, hatten die gerade ihre zweite Single „Poor Innocent Boys“ veröffentlicht und waren durchaus auf Augenhöhe mit vergleichbaren britischen IndieBands dieser Zeit. Ein Jahr später dann die nächste Single „Comfortable Silence“, nicht mehr ganz so spannend, aber immer noch gut. Wieder ging ein Jahr ins Land und während die ganzen MaximoFerdinandKaiser Monkeys munter ihre Longplayer auf dem Markt warfen, begnügte man sich mit den MyspaceDemos der fünf Jungs aus London, die alle, mit flotten Gitarren fürs Tanzbein, ziemlich vielversprechend klangen. Einige dieser Songs haben es nun auf das Album geschafft, wurden aber komplett neu eingespielt und mit viel Elektronik und Synthesizern aufgepimpt. Ist erstmal etwas gewöhnungsbedürftig und sicher auch Geschmackssache. Vielleicht liegt es am Plattenvertrag mit dem französischen Elektro-Label Kitsunè (die u.a. Künstler wie Digitalism, Bitchee Bitchee Ya Ya Ya und autoKratz veröffentlichen) oder der Tatsache, dass zwischen Debütsingle und Debütalbum drei Jahre lagen und man dementsprechend lange an der Musik rumgeschraubt hat. Nichtsdestotrotz sind die elf Katya Songs noch voller Energie und es lässt sich nicht abstreiten, dass das Ganze nach mehrmaligem Hören dazugewinnt.

Jero

Alter Falter, was ist das? Carly Simon? Depeche Mode? Kylie Minogue? Cameo? Irgendwie ist es mir ein wenig peinlich, wenn mein Körper zu dem Album anfängt abzugehen. Das ist so überzogener Pop, dass es schon wieder Richtung cool geht. Sam ist auf jeden Fall schmerzfrei. Wer in den letzten Jahrzehnten mal Pop, Hip Hop oder Elektronik gehört hat, findet irgendwo Anleihen. Dabei wirkt trotzdem alles harmonisch und so leichtfüßig, als ob Sam Sparro rein intuitiv arbeitet. Absolutes Partyalbum. Wenn man Pop als Partymucke anerkennen kann.

danilo

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SLEAZE Gr端ner Sommer-Galerie Fotos: Sascha Thau Modell: Sabrina Schmalisch

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Foto: aboutpixel.de / neoleo

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Um mal etwas persönlicher zu werden, verrät SLEAZE, wo wir unsere nächste Nabelschau machen. Offiziell heißt das: Wir präsentieren hier Projekte, die uns am Herzen liegen und wir mit Kooperationen unterstützen.

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Was:

BRIGHT Tradeshow, Messe (nur für Fachbesucher) Wo: Friedrich-Ebert-Anlage 11, 60327 Frankfurt am Main Wann: 11. - 13.07.2008 Wer nur irgendetwas beruflich mit Streetwear, Skaten oder Sneakers zu tun hat, muss dabei sein. SLEAZE lädt ein zum kostenlosen Umtrunk grande in unseren Messeraum im dritten Stock. www.brighttradeshow.com

Was: Wo:

Melt, Festival Ferropolisstraße 1, 06773 Gräfenhainichen Wann: 18.07. - 20.07.2008 Musik-Veranstaltung der Superlative, von Björk über Miss Platnum bis The Notwist alle dabei. Genaueres findet ihr bei uns im Musikteil. www.meltfestival.de

Was: Bangarang, Festival Wo: Berzdorfer See, Görlitz Wann: 18.07. - 20.07.2008 Riesen-Hip-Hop- und Reggae-Festival, die ein erstklassiges Debüt-Lineup, u.a. mit Wu-Tang Clan, Busy Signal, Daddy Freddy, Jeru the Damaja und unseren Lieblingen Mono & Nikitaman, hinlegen. Könnte eine ernsthafte Alternative/ Ergänzung zum Splash werden. www.bangarang-live.de

Was:

Judith Joy Ross, Living With War, Ausstellung Wo: c/o Berlin, Wann: 19.07. - 05.10.2008 Krieg ist schlecht. Das bejahen auch viele, die sehr gern Camo-Sachen tragen. Judith Joy Ross dokumentiert, wie schlecht Krieg wirklich ist und welche Auswirkungen er auf die Gesellschaft haben kann. Anhand der Portraits von Veteranen, Eltern, Opfern, Kriegsgegnern und Demonstranten der Kriege in Vietnam, am Golf und im Irak hält die Kamera fest, was eine der dümmsten absichtlichen Wiederholungen der Menschen dem menschlichen Individuum antut. www.co-berlin.info

Was: Wo:

Rock My Ass, Festival Stadthalle Lichtenfels, Schützenplatz 10, 96215 Lichtenfels Wann: 28. - 30.08.2008 Zum dritten Mal gibt es nun das Rock-My-AssFestival und ist immer noch ein Geheimtipp. Mit Headliner BossHoss wird sich das wohl ändern. Wer auf Rock’n’Roll, Punk, Ska und Psychobilly steht, der soll gefälligst seinen Arsch da hinbewegen und rocken. www.rockmyass.de

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PEKING 2008 – WIR FORDERN

GOLD FÜR MENSCHENRECHTE WERDEN SIE AKTIV: PETITION UNTERSCHREIBEN. GOLDBAND TRAGEN.

Die große „Sind wir bald da?“-SLEAZE-Gewinnverlosungssommeraktion

Achtung: Wehe, ihr verpasst das Suzuki BMXMasters 2008. Der Spaß findet vom 04.-06. Juli im Kölner Jugendpark statt. Ganz nebenbei ist das der weltweit größte BMX Freestyle Contest und dieses Jahr wird es wieder richtig krachen. Hervorragend!

Für Radologen 5x Suzuki BMXMasters-Schuh von BK Mehr unter www.bmxmasters.com Stichwort: Wir sind mit dem Rad’l da.

Für den Namen der Rose 3x PC Game „The Abbey“ von Crimson Cow Mehr unter www.theabbey-game.de Stichwort: Fegefeuer

WWW.GOLDFUERMENSCHENRECHTE.DE

AMNESTY INTERNATIONAL

Für den künstlerischen Gaumen 5x limitierte 250g-Espressodose (samt lecker Inhalt) von Sebastião Salgado entworfen Mehr unter www.illy.de Stichwort: Gaumenfreude

Pressemitteilung Espressodosen als Kunstobjekt: Sebastião Salgado entwirft limitierte Kollektion für illycaffè München, 12. Juni 2008 – illy, die führende Marke im Premiumkaffeebereich, präsentiert eine limitierte Sonderedition der klassischen 250g-Espressodose. Eine Schwarz-Weiß-Fotografie des brasilianischen Künstlers Sebastião Salgado ziert das Sammlerobjekt. Das Motiv der Dose zeigt Kaffeebauern bei der Ernte auf einer brasilianischen Kaffeeplantage. Wird die durchsichtige Banderole entfernt, erhalten Kaffeeliebhaber ein originelles Kunstobjekt. Entstanden ist die Fotografie im Rahmen des Projektes „In Principio“ (deutsch: „Am Anfang“), das von illycaffè im Jahr 2002 zusammen mit Salgado ins Leben gerufen wurde. Ziel dieser fotografischen Reise durch Brasilien, Indien, Äthiopien, Guatemala und Kolumbien ist es, auf die Geschichte, Kultur und Gewohnheiten der Kaffeebauern aufmerksam zu machen. Die erste Station der Reise führte nach Brasilien, der Nummer eins der weltweiten Kaffeeproduktion. illycaffè setzt sich seit vielen Jahren für Nachhaltigkeit im Kaffeeanbau ein. Langfristige Partnerschaften mit den Kaffeebauern in den Anbauländern stehen dabei im Mittelpunkt der Bemühungen. Die Kaffeebauern erhalten für ihren Qualitätskaffee einen nachhaltigen Premiumpreis, der Gewinne sicherstellt.

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Für Beuteltiere 5x die Umhängetasche Graphic – TG Messenger von Columbia Mehr unter www.columbia.com Stichwort: Alles dabei

Im Rahmen der diesjährigen Feierlichkeiten zum 75-jährigen Firmenjubiläum von illycaffè findet die bisher größte Salgado-Ausstellung in Deutschland statt: Vom 6. September bis 5. Oktober 2008 werden ausgewählte Schwarz-Weiß-Fotografien des „In Principio“-Projektes in den Ausstellungsräumen des C/O Berlin (Postfuhramt) zu sehen sein. Die 250g-Dosen mit gemahlenem Espresso (normale Röstung) sind in Deutschland im gehobenen Einzelhandel für ca. 7,49 Euro erhältlich.

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Sebastião Salgado wurde 1944 in Brasilien geboren. Nach einem Master im Fach Wirtschaft an den Universitäten von São Paolo und Paris war er für die International Coffee Organisation in London tätig. Seit den 1970er Jahren arbeitet Salgado als Fotograf für unterschiedliche Agenturen, darunter Magnum Photos. Er hat weltweit Foto-Essays aus Angola bis hin zu Geschichten aus Lateinamerika veröffentlicht. Zusammen mit seiner Frau Lélia Wanick gründete Sebastião Salgado 1994 die Agentur Amazonas Images, die sich exklusiv um seine Werke kümmert. Seit 1999 engagiert sich der Brasilianer für ein Umweltprojekt (Instituto Terra), das sich um die Aufforstung an der brasilianischen Atlantikküste sowie die ökologische Ausbildung der Landwirte kümmert. Der Fotograf wurde mit zahlreichen Fotopreisen ausgezeichnet, darunter der Eugene Smith-, der Hasselblad- und der Oskar Barnack-Preis.

Für Vetter Itt 5x 1 Set Dove Haarbruch Therapy (Shampoo, Spülung, Haarkur) Mehr unter www.dove.de Stichwort: Haarnester

Pressemitteilung: Limitierte Dosenkollektion von Sebastião Salgado � Seite 1 von 2

Zum Tanzbein schwingen 1x den neuen 3 Kanal Mixer PS-626USB mit USB Anschluss von Gemini Mehr unter www.geminidj.com Stichwort: Schwoofen

Für Eiszeiten 5 Shirts von Langnese-Shirts aus der Flavour Edition 2008-06-22 Mehr unter www.langnese.de Stichwort: Summer Inside

Fürs Väterchen Frost 5x 1 Set Wodka Gorbatschow ( klassischer Wodka und Wodka Gorbatschow Citron) Mehr unter www.wodka-gorbatschow.de Stichwort: Hoch die Tassen Achtung: Diese Sets werden nur an 18 jährige oder älter verlost.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das ist zwar Blödsinn, weil so ein kleiner Satz nicht unser gutes Rechtssystem aushebelt. Aber wir könnten sonst belangt werden, weil wir keinen Notar eingesetzt haben. Den können wir uns nicht leisten – ebenso wie eine schicke Gerichtsverhandlung. In diesem Sinne: Immer schön links bleiben.

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SLEAZE Trash mit SubstanZ

Impressum Sitz der Redaktion / editorial office: SLEAZE magazin Mainzer Str. 25 ~ 10247 Berlin-Germany Telefon: +49 / 030 / 325 34 730 Fax: +49 / 030 / 325 34 731 Herausgeber / publisher: danilo “Yeah, that’s me” Opitz danilo@bfs-verlag.de

OUTRO: SCHLUSS MIT DER 5. HER MIT DEN FAZITS. Gedacht bzw. notiert, während SLEAZE Nr. 5 entstand. Feministin ist jetzt also, wer ohne rot zu werden dreimal hintereinander Fotzenschleim sagen kann und immer noch 15% weniger verdient als Männer. Viele Rentner sind vermutlich nur noch nicht gestorben, weil sie mit Meckern nicht aufhören können. Bauarbeiter machen morgens mit Absicht genau so lange Krach, bis der eigene Wecker klingelt. Baustellen sind die Hollywoodschaukeln des Satans. Katja Kessler verbietet ihrem Kind, Spongebob zu gucken, lässt ihren Mann Kai Dieckmann aber jeden Tag zur BILD-Zeitung arbeiten gehen. Hallo? Schwangere, die durch das Wunder in ihrem Körper hysterisch, beseelt und besserwisserisch werden, haben sich die Schmerzen bei der Geburt mehr als verdient.

Chefredakteure /chief editors: Yanah “Wir werden alle sterben“ Hölig (V. i. S. d. P.) yanah@sleazemag.de danilo Opitz danilo@sleazemag.de Layout und Grafik: Sascha “nichtS überstürzen“ Thau grafik@bfs-verlag.de, Christian Reuther, Katya TAsheva, Paul “ich hab einen eigenen Axel“ Rentzel Redaktion: Tim “Das hab ich ganz sanft gesagt“ Schäfer (Musik) tim@sleazemag.de Pascal Da brauchst du noch folgende Hardware dazu” Scheib “ (Games) pascal@sleazemag.de Daniel “So viele Baustellen” Boy, Matthias “Wo bleibt mein Board“ Nemack, Lene “Tarantino“ Vollhardt, Marcel Arentz, David Machen wir, ist gar kein Problem“ Jank, “ Sabrina Storm, Felix Kollender, Noah “Schaumkelle“ Sow, Rike Ich brauch wohl ein Lebensmotto” Drust, “ Katya Stets ein Lied auf den Lippen“ Tasheva, “ Sven Abraham, Markus “Schon wieder die Polizei“ Haage Martin “Hauptsache kurz“ Haim, Jero “Überragend!!!“ Kuck, Dominik Schottner, Julia Hoffmann, Sascha Thau Thomas KögEl & Christopher Bünte (www.comicgate.de) Eventplanung: Cynthia meine Faschings sind die besten“ Geyer “ Cover / editorial: Fotograf: Jan wir sind kein tattoomagazin“ Mielke “ Model: Tina “Die isses“ Sawallich

Ich habe noch keinen SLEAZEL lebend gesehen, aber ich habe sie menschlich schon so ins Herz geschlossen, als hätten sie mir mit 13 das erste Mal die Smiths

Anzeigen / advertising: Hung “Ich werde gemobbt“ Lien hung@bfs-verlag.de

vorgespielt.

Druck: DRUCKHAUS HUMBURG GmbH & Co. KG Am Hilgeskamp 51-57 28325 Bremen

Rike

Korrekturen Unsere vierte Ausgabe war anscheinend fehlerfrei. Damit wir diese kleine Rubrik trotzdem füllen können, haben wir ein Geschenk für euch:

SLEAZE erscheint im bfs. Verlag. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, Aufnahme in OnlineDienste und Internet und Vervielfältigung auf Datenträgern dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlags erfolgen. Der Verlag haftet nicht für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos. www.bfs-verlag.de www.sleazemag.de www.myspace.com/sleaze_magazin

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Wenn ihr einen inhaltlichen Fehler findet, meldet diesen an yanah@sleazemag.de und ihr bekommt ein kostenloses Jahresabo von SLEAZE. 82

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SLEAZE 05