Page 1

Überraschende Einsatzsituationen, unbekannte Fachbegriffe, zahlreiche Maßnahmen und Regeln stürzen zu Beginn auf den Rettungs­helfer, Rettungssanitäter und Helfer vor Ort ein. Notarzt Ralf Schnelle verschafft dem Neuling mit diesem Buch einen klaren, fachkundigen Überblick über alles, was in Rettungsdienst und Krankentransport zu beachten ist und steht ihm mit persönlichen Ratschlägen zur Seite. Unkompliziert und in frischer Sprache verrät er Tipps zum Umgang mit den Patien­ ten, erläutert bewährte Vor­gehens­ wei­sen bei typischen Notfällen,

nimmt Stellung zu Behandlungs­ techniken und erklärt die Anwen­ dung gängiger Geräte. Illustriert ist dieses etwas andere Fach­buch mit 80 witzigen OLAFCartoons des Autors und mit aussagekräftigen Fotos. Mit einem ermunternden Augen­ zwinkern macht Schnelle Lust auf Rettungsdienst. Dieses Buch vereint Basis­wissen mit Praxistipps für alle, die neu im Rettungsdienst und Kranken­trans­port sind und eines sein wollen: Startklar!

Startklar

für Rettungsdienst und Krankentransport 2., überarbeitete Auflage ISBN 978-3-938179-95-6  www.skverlag.de

  R. Schnelle  Startklar für Rettungsdienst und Krankentransport

Ralf Schnelle

Ralf Schnelle

Startklar

für Rettungsdienst und Krankentransport 2., überarbeitete Auflage


2

F端r Uschi


Startklar f端r Rettungsdienst und Krankentransport Ralf Schnelle

2., 端berarbeitete Auflage

Verlagsgesellschaft Stumpf + Kossendey mbH, Edewecht 2012 3


Anmerkungen des Verlags Autor und Verlag haben höchste Sorgfalt hinsichtlich der Angaben von Therapierichtlinien, Medikamentenanwendungen und -dosierungen aufgewendet. Für versehentliche falsche Angaben übernehmen sie keine Haftug. Da die gesetzlichen Bestimmungen und wissenschaftlich begründeten Empfehlungen einer ständigen Veränderung unterworfen sind, ist der Benutzer aufgefordert, die aktuell gültigen Richtlinien anhand der Literatur und der Beipackzettel zu überprüfen und sich entsprechend zu verhalten. Die Angaben von Handelsnamen, Warenbezeichnungen etc. ohne die besondere Kennzeichnung ®/™/© bedeuten keinesfalls, dass diese im Sinne des Gesetzgebers als frei anzusehen wären und entsprechend benutzt werden könnten. Auch für die hier genannten Ratschläge und Behandlungsmethoden kann keine Haftung übernommen werden. Der Text enthält Links zu externen Webseiten Dritter, auf deren Inhalt der Verlag keinen Einfluss hat. Deshalb kann er für diese fremden Inhalte auch keine Gewähr übernehmen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seite verantwortlich. Aus Gründen der Lesbarkeit ist in diesem Buch meist die männliche Sprachform gewählt worden. Alle personenbezogenen Aussagen gelten jedoch stets für Frauen und Männer gleichermaßen. Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, der Entnahme von Abbildungen oder Textteilen, vorbehalten. Einspeicherung in elektronische Systeme, Funksendung, Vervielfältigung in jeder Form bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors und des Verlags. Auch Wiedergabe in Auszügen nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags. Eine Liste der wichtigsten verwendeten Literatur kann beim Autor angefordert werden. Redaktionsschluss ist August 2011.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese ­Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

© Copyright by Verlagsgesellschaft Stumpf + Kossendey mbH, Edewecht 2012 Umschlaggestaltung: TypoGrafika | Anke Buschkamp, Oldenburg Umschlagfoto: Ralf Schnelle Druck: M.P. Media-Print Informationstechnologie GmbH, 33100 Paderborn ISBN 978-3-938179-95-6

4


Inhalt Wozu dieses Buch? Ein Vorwort.................................................................................. 7 1

Wer – wie – was? Die Einrichtungen des Rettungsdienstes......................... 9

2

Frage: Wer ruft?...................................................................................................23

3

Von Papier und Paragrafen – Rechtliche Aspekte.......................................31

4

Autsch! Wo Retten gefährlich wird.................................................................41

5

Jacke wie Hose – Dienstkleidung.....................................................................61

6

Lauter kleine rote Punkte – Hygiene im Rettungsdienst...........................75

7

Tagein – tagaus: Der Tagesablauf auf der Wache........................................91

8

Rettung Stück für Stück – Die Phasen eines Einsatzes................................97

9

Respekt, Respekt – Zum Umgang mit anderen Menschen.......................133

10 Diagnostik: Von »Anamnese« bis »Zwölf Ableitungen«..........................151 11 Mit Nachdruck – Reanimationen..................................................................205 12 Schläuche und Tuben – Atemwegssicherung..............................................237 13 Weitere Basismaßnahmen: Lagerung, Wärme, Sauerstoff.....................257 14 Pieksen und tropfen – Infusionen, Medikamente und mehr.................271 15 Wenn´s gekracht hat – Maßnahmen bei Verletzungen...........................303 16 Hin und her – Umlagerung und Transport ................................................323 17 Ein paar ausgewählte Krankheiten..............................................................337 18 Erster! Als Ersthelfer vor Ort...........................................................................361 19 Lesen und lernen...............................................................................................365 Über den Autor............................................................................................................367 Abbildungsnachweis ................................................................................................368 Stichwortverzeichnis . ...............................................................................................369

5


6


Wozu dieses Buch? Ein Vorwort In jedem Beruf steht man einmal am Anfang. Dieses Buch ist geschrieben für Kolleginnen und Kollegen, die sich noch am Beginn ihrer beruflichen oder ehrenamtlichen Tätigkeit in der Notfallmedizin befinden. Für »Drittleute« also, Praktikanten, engagierte Helfer aus Bereitschaften, die neben Sanitätsdiensten auch einmal Krankentransporte oder Rettungseinsätze begleiten, sowie natürlich für Helfer vor Ort. Dieses Buch sei aber auch all denen zur Lektüre empfohlen, die ihr lange eintrainiertes Können noch einmal überdenken wollen. Sie werden in einer Zusammenfassung des Basiswissens für Rettungsdienstler zahlreiche Praxistipps finden, die in vielen klassischen Lehrbüchern nicht zu lesen sind. So kann ein Venenzugang bei einem Rettungseinsatz rasch herausgezogen werden, wenn er gemäß den bekannten Lehrbuch-Empfehlungen fixiert wurde. Oder ein Einsatz kann entgleiten, wenn aus Bequemlichkeit oder gar »Tradition« auf wichtige Details verzichtet wurde. Auf der anderen Seite ist es nicht nur für den betroffenen Patienten besser, sondern gibt allen Helferinnen und Helfern auch ein Gefühl von großer Zufriedenheit, wenn man bei der Einsatznachbesprechung gegenseitig nur lobende Erwähnungen findet. Schließlich ist dies bei unserer Arbeit in der Notfallmedizin ein wichtiges Ziel: Einsätze, bei denen menschlich und medizinisch alles geklappt hat, auch unter den nicht selten widrigen Bedingungen. Die Empfehlungen und Ansichten, die ich hier zusammengefasst habe, dürfen und sollen natürlich kritisch betrachtet werden. Ich habe neben eigenen Erfahrungen selbstverständlich auch die aktuelle notfallmedizinische Literatur berücksichtigt. Dennoch kann ich nicht garantieren, dass erstens alles der Lehrmeinung entspricht und dass es zweitens vielfach nicht auch anders geht. Gerade in der Notfallmedizin gibt es oftmals mehrere Wege, die zum Ziel führen. Bekanntlich heißt es ja: »Zwei Ärzte – zwei Meinungen«. Auf alle Hinweise, Ergänzungen und Kommentare bin ich jedenfalls sehr gespannt. Dieses – an vielen Stellen subjektive – Buch ist bewusst anders formuliert als ein klassisches Lehrbuch. So möchte ich mir erlauben, allen Leserinnen und Lesern das Du anzubieten, weil das in der Retterszene vielerorts üblich ist und meines Erachtens auch erheblich zu einem vertrauensvollen und zugleich angenehmen Arbeitsumfeld beiträgt. Ich bitte außerdem um Verständnis, dass ich – um das Lesen zu vereinfachen – in der Grammatik nicht immer die weiblichen Formen mit verwendet habe. Obwohl es angesichts der begrüßenswert hohen Frauenquote mehr als angebracht wäre, werden alle Rettungsassistentinnen und Rettungsassistenten, Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter und alle Praktikantinnen und Praktikanten diese Entscheidung sicher verstehen. Ich erlaube mir außerdem, zu Eurer besseren Eingewöhnung die gängigen Abkürzungen und Kurzformen von typischen Rettungsdienst-Ausdrücken zu benutzen, die Euch im Alltag ohnehin ständig auf der Zunge liegen 7


werden, wie NEF, RettAss oder Viggo. Keine Angst – alles wird im Buch an der richtigen Stelle erklärt. Die Arbeit im Rettungsdienst ist hochspannend, packend und angefüllt mit immer neuen Eindrücken und Erfahrungen, auch noch nach vielen Jahren, aber ganz besonders zu Beginn. Man erlebt – entgegen so mancher landläufigen Ansicht – viel Angenehmes, das Ganze kann sogar richtig Spaß machen. Es stellt sich ein großes Gefühl der Befriedigung ein, wenn der zu Anfang oft enorme Stress einer Entspannung weichen kann. In den allermeisten Fällen können wir ja auch effektiv helfen. Viele Eindrücke sind allerdings nicht leicht zu ertragen: wenn man von schweren Krankheiten erfährt und sich vorstellt, was das für die Betroffenen bedeuten wird. Wenn man hautnah den Tod eines Menschen miterlebt und – noch mehr – wenn man sieht, wie ein Ehepartner nach vielen gemeinsamen Jahren allein bleibt. In diesem Job steht man mitten im Leben. Wenn es einem gelingt, das Erfahrene und Erlebte in seine eigene Biografie einzubinden, also sich aktiv damit auseinanderzusetzen, dann muss die nicht zu leugnende psychische Belas­tung keine negativen Folgen haben. Ich hoffe, allen Leserinnen und Lesern mit diesem Buch eine Unterstützung für ein erfolgreiches Arbeiten im Rettungsdienst zu geben und wünsche allzeit einen angenehmen Dienst! Ralf Schnelle

Vorwort zur 2. Auflage 2012 Ich freue mich sehr über die zahlreichen positiven Rückmeldungen zum »Startklar«-Buch, das jetzt in der zweiten Auflage vorliegt. Das Konzept ist unverändert, an vielen Stellen wurden aber Aktualisierungen des Textes vorgenommen. Viele der im Jahr 2010 aktualisierten Reanimationsempfehlungen hatte ich bereits zuvor eingearbeitet, in dieser Ausgabe sind nun auch »die exakten Zahlen« zu finden. Die vielleicht didaktisch bedeutsamste Anpassung betrifft die Strukturierung von Rettungsdienst-Einsätzen. Das langsam gewachsene Konzept, das nun auch in diesem Buch zu finden ist, hat sich in vielen Aus- und Fortbildungsveranstaltungen bewährt. Ich zeige es sehr gerne nicht nur Berufsanfängerinnen und -anfängern, sondern auch fertig studierten Ärzten. Ich freue mich auf weitere Anregungen aus dem Leserkreis! Ralf Schnelle im August 2011 8


6 Lauter kleine rote Punkte – Hygiene im Rettungsdienst Auch als »dritter Mann« oder »dritte Frau« musst Du die wichtigsten Hygieneregeln kennen, schließlich wirst Du bei jedem Einsatz damit konfrontiert: Du arbeitest ständig mit Schutzhandschuhen, bereitest Infusionen und Spritzen vor, verbindest Wunden und führst mit Deinen nicht desinfizierten Händen im Anschluss an den Einsatz vielleicht einen Apfel zum Mund ... Ansteckende Krankheiten begegnen Dir in der Notfallrettung nicht ganz so oft, im Krankentransport schon eher. Oft weißt Du allerdings gar nicht, dass Du Dich in einer infektiösen Umgebung befindest, schließlich kannst Du Keime nicht sehen. Folgendes Grundprinzip möchte ich Dir ans Herz legen: Tu immer so, als ob Keime da sind und stelle sie Dir als einen Haufen kleiner roter Punkte vor, wie in der Fernsehwerbung mit dem Zahnbelag. Jetzt gilt es, dass diese roten Punkte keine Chance haben, sich auszubreiten. Übrigens: Sterilisation bedeutet »komplett keimfrei machen« und Desinfektion ist die »weitestgehende Abtötung« solcher Organismen. Alle Hygieneregeln auswendig zu lernen, ist nicht notwendig. Heutzutage muss ein Rettungsdienst- oder Krankentransport-Unternehmen nämlich einen Hygiene- und Desinfektionsplan haben, in dem Du exakt nachlesen kannst, wann welche Maßnahmen durchzuführen sind. Ganz wichtig, allerdings auch ein wenig störanfällig, ist die Dokumentation von Desinfektionsmaßnahmen. Man vergisst das doch ganz gern. Gewöhn Dir aber gleich an, auch das Desinfektionsbuch sorgfältig auszufüllen, schützt es Euch doch vor Anschuldigungen, dass Ihr auf Eurer Rettungswache nicht sauber gearbeitet hättet. Was ich Dir hier beschreibe, kann natürlich diskutiert werden, wie bei jedem Kapitel dieses Buches. Der eine oder andere mag gewisse Details anders sehen, mancher Hygieneplan wird Dir andere Vorgehensweisen vorschreiben. Sollte Dein gesunder Menschenverstand auf solche Widersprüche stoßen, musst Du die Verantwortlichen ggf. ansprechen und um Klärung bitten. Nur ungern lasse ich Euch wissen, dass manche Regelungen in der Praxis vorgeschrieben, aber leider kaum einzuhalten sind. So sollst Du vor Betreten der Kantine Deine Schutzkleidung ausziehen. Nun ja, als einen Teil Dei75


ner Schutzkleidung könnte man die Einsatzhose betrachten, die während der Arbeit sicher den einen oder anderen Keim aufgegabelt haben könnte. Auch sind steril verpackte Hilfsmittel, beispielsweise Venenpunktionsnadeln, offiziell nur sechs Wochen haltbar, sobald sie aus dem Lagerkarton entnommen und in die Schublade Deines Fahrzeugs einsortiert werden. Keine Kostenträger ersetzen einem Rettungsdienst-Unternehmen allerdings die Kosten, die durch einen regelmäßigen Austausch in diesem Turnus entstehen. Wie diese Dinge bei Euch gehandhabt werden und inwieweit Ihr derartige schwer umsetzbare Regeln befolgt oder nicht, solltest Du Dir bewusst machen.

Die eigene Hygiene

Logisch, dass Du, was Deine eigene Körperhygiene angeht, die Regeln des zivilisierten Zusammenlebens einhältst. Zu Dienstbeginn bist Du frisch geduscht oder gewaschen, Deine Haare sind sauber. Wenn sie so lang sind, dass sie Dir die Sicht nehmen oder gar beim Herüberbeugen den Patienten erreichen können, dann stimmt etwas nicht. Nimm doch das Haarnetz Deiner Großmutter (oder binde die Haare hinten zusammen)! Gepflegte Hände mit sauberen Fingernägeln erfreuen nicht nur Patienten, Angehörige und Kollegen, sondern dienen auch Deiner eigenen Sicherheit. An rauen Händen könnten Schutzhandschuhe kaputtgehen, und kleine Hautverletzungen reichen aus, um sich eine Infektion einzufangen. Selbst kleine Wunden solltest Du grundsätzlich mit einem Pflaster abdecken. Nimm genügend Ersatz mit, denn Du musst das Pflaster häufig wechseln, auch wenn das ein wenig nervig sein kann! Bei Bedarf wirst Du Dir aus einem Handschuh einen »Fingerling« basteln, mit dem Du einen Finger wasserdicht verbinden kannst. Deine Dienstkleidung musst Du regelmäßig wechseln, das kann z. B. täglich bedeuten, bei Bedarf auch öfter. Genügend Ersatz muss also auf der Rettungswache bereitliegen. Die Reinigung und Desinfektion der Dienstkleidung muss eine für Klinik­ Was Du tun solltest zum Schutz einer Haut­ wäsche zugelassene Wäscherei überverletzung, links: richtig, rechts: falsch nehmen. Dienstsachen haben nichts im heimi­schen Wäschekorb verloren. Denke außerdem an Deine Schuhe: Auch sie solltest Du regelmäßig desinfizieren und reinigen. In bestimmten Situationen solltest Du Deine normale Schutzkleidung durch weitere Hilfsmittel ergänzen. Sobald Du eine entsprechende Kontaminationsgefahr erkennst, wirst Du beispielsweise einen Gesichtsschutz brauchen. Mache Dich gleich vertraut mit den bei Euch vorgehaltenen Hilfsmitteln. Ein normaler OP-Mundschutz ist schon mal hilfreich, um Deinen eigenen Mund vor 76


Tröpfchen zu schützen, die beim Husten, Erbrechen und beim Absaugen entstehen können. Wie man ihn mit Handschuhen anzieht, solltest Du mal geübt haben, bevor es ernst wird. Deine Augen könnten etwas abbekommen, auch wenn Du eine Brille trägst. In anderen Ländern gehört es schon lange zum Standard, das gesamte Gesicht zu schützen. Bei uns ist das leider noch nicht sehr verbreitet. Es gibt die üblichen Schutzbrillen, die aber meist nicht im Notfallkoffer mitgeführt werden. Eine feine Alternative gibt es in Form eines Mundschutzes mit Kunststoffvisier. Er kann flach im Notfallkoffer und in der Schublade gelagert werden und kostet nicht die Welt. Der allerwichtigste Punkt beim Thema Hygiene ist die Händehygi­e­ne. Bekanntermaßen gehören die Hände von medizinischem Personal zu den bedeutsamsten Quellen von »no­ so­komialen Infektionen«, wie man Krankenhausinfektionen auch gerne nennt. Denke immer an die kleinen roten Punkte: Sie sammeln sich auf Deinen Händen, sobald Du irgendetwas Schmutziges angefasst hast. Jetzt gibt es zwei Methoden, dagegen vorzugehen: Händewaschen und die sogenannte hygienische Händedesinfektion. Um es vorweg zu nehmen: Händewaschen ist um Längen schlechter als Desinfizieren. Es entfernt zwar den Schmutz, ist aber nicht in der Lage, die Keimzahl ausreichend zu reduzieren. Außerdem ist Händewaschen im Rettungsdienst oft nicht möglich, weil die Waschbecken in den Fahrzeugen aus guten Gründen deaktiviert sind. Hier ein paar Regeln zur Händehygiene. Grundregel: erst desinfizieren, dann waschen! Zuerst zu waschen würde die Keime nur verteilen, es ist besser, ihnen zuerst mit Desinfektionsmittel eins auf die Mütze zu geben. Eine einzelne Verschmutzung solltest Du zunächst mit einem Tupfer, der mit Desinfektionsmittel satt getränkt ist, abwischen. Feuchte Hände, wie Du sie nach dem Ausziehen von Einmalhandschuhen haben wirst, solltest Du zunächst mit einem Einmalhand-

Links: Hände­ desinfektions­ mittel, in der Mitte: Wasch­ lotion, rechts: Pflege­creme

77


tuch abtrocknen, sonst würde das Desinfektionsmittel zu sehr verdünnt. Du musst ausreichend Desinfektionsmittel verwenden und die Einwirkzeit beachten. Das sind je nach Produkt zum Beispiel 30 bis 60 Sekunden. Über diese gesamte Zeit müssen Deine Hände komplett feucht sein. Dann Weiter­reiben, bis alles eingetrocknet ist. Ob Du danach Deine Hände noch wäschst, musst Du selbst entscheiden, es muss nicht zwingend sein. Händewaschen erfolgt mit kaltem bis lauwarmem Wasser, nicht zu heftig, ohne Bürste. Achtung: Seifenreste immer gründlich abspülen, sie könnten eine vielleicht noch erfolgende Händedesinfektion weniger effektiv machen. Anschließend – und auch sonst immer mal wieder – musst Du an den Hautschutz denken, auch wenn es aufwendig erscheint. Entsprechende Cremes oder Lotionen sollten überall verfügbar sein. Händedesinfektionsmittel enthalten aus diesem Grund rückfettende Substanzen. Übrigens bedient man in medizinischen Einrichtungen einen Wasserhahn, einen Seifen- und einen Desinfektionsmittelspender nicht mit der Hand, sondern mit dem Ellenbogen. Der Spender sollte entsprechend gestaltet sein. Spätestens bei der Händedesinfektion merkst Du: Schmuck gehört nicht an die Hände.

Wann musst Du Deine Hände desinfizieren? • immer nach dem Ausziehen von Einmalhandschuhen • vor Eingriffen und Maßnahmen am Patienten, speziell bei Sonden und Kathetern • besonders bei abwehrgeschwächten Patienten • nach Kontakt mit Patienten oder Objekten, von denen Keime übertragen werden könnten • nach Kontakt mit Blut oder Ausscheidungen, auch z. B. wenn Du mit den Fingern in deinem Gesicht herumgedrückt hast • nach dem Naseputzen • vor Pausen, vor der Nahrungsaufnahme • nach dem Gang zur Toilette • nach Ablegen der Schutzkleidung. 78


Hygienische Händedesinfektion: so funktioniert’s

Händedesinfektionsmittel in die trockenen Hände geben, Hand­fläche gegen Handfläche reiben, inkl. Handgelenke

nacheinander beidseitig Handfläche gegen Handrücken reiben

Handfläche gegen Handfläche ­reiben, Finger verschränken

Außenseiten der Finger gegen die Handflächen reiben

beide Daumen kreisend abreiben

Fingerkuppen beidseitig in die Handflächen reiben

Jeden Schritt fünfmal durchführen, mindestens 30 Sekunden müssen dabei die Hände feucht bleiben, ggf. erneut Desinfektionsmittel aufgeben. 79


Hygiene am Patienten

Dein Patient hat einen Anspruch darauf, dass die Hygieneregeln eingehalten werden, die es in der Medizin gibt. Dass diese für die Notfallmedizin nicht bindend seien, wird zwar oft behauptet, ist aber falsch! Von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, bei denen es wirklich auf Sekunden ankommt, musst Du immer so arbeiten, dass die kleinen roten Punkte nicht in den Patienten eindringen können. Ich würde es verzeihen, wenn mir angesichts einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung das Medikament Adrenalin versehentlich etwas unsauber aufgezogen würde. Hier überwiegt der Vorteil einer raschen Injektion. In den allermeisten Fällen haben wir allerdings genügend Zeit, um sauber Desinfektion einer Einstichstelle zu arbeiten. Bedenke, dass viele Notfallpatienten ein geschwächtes Immunsystem haben und dass die Keime, die in unseren Koffern, auf unseren Händen und an unserer Kleidung haften, tendenziell eher von der gefährlichen Sorte sind. Hier ein paar Regeln: • Hygienische Händedesinfektion bzw. das Tragen sauberer Handschuhe bei entsprechenden Tätigkeiten, z. B. bei Manipulationen an einem venösen Zugang, ist absolutes Muss. • Niemals – und da gibt es keine einzige Ausnahme – wirst Du mit dem Mund arbeiten, z. B. beim Abnehmen von Schutzkappen (das ist definitiv nicht cool). • Alles, was dem Patienten noch verabreicht werden soll, muss penibel sauber bleiben. Spritzen, die noch gebraucht werden, müssen eine sterile Schutzkappe erhalten. • Eine Infusion sollte so sauber bleiben wie irgend möglich. Die Leitung darf nicht herabhängen, insbesondere wenn die Schutzkappe bereits entfernt wurde. • Beim Aufziehen eines Medikaments beobachte die Kanülenspitze. Sobald sie Kontakt mit der Ampullen-Außenseite hatte, weg damit – und zwar noch vor dem Eintunken in das Medikament. • Wunden werden grundsätzlich steril verbunden, d.h. die Wundauflage wird keinesfalls mit den Fingern berührt. • Besonders bei offenen Frakturen ist ein steriler Verband von großer Bedeutung, er muss bereits vor dem Einladen angelegt werden, wenn das möglich ist. • Übrigens muss der Rettungsdienst alles Material, das er gebraucht hat, auch wieder mitnehmen. Zwingend ist dies bei allen spitzen Ge80


genständen oder bei einer entsprechenden Infektionsgefahr. Bei unverdächtigen Kleinteilen reicht es oft aus, die Angehörigen zu fragen, ob man ihnen die Müllentsorgung überlassen darf. • Wenn Du einmal selbst einen Zugang legen solltest, beachte die im Folgenden aufgeführten Hygieneregeln.

Falls im Notfall zuerst die un­ sterilen Pflas­ ter aufgebracht werden: Die Einstichstelle bleibt frei!

Hygieneregeln für das Legen eines Zugangs (»Viggo legen«) Stark verschmutzte Haut muss vorher gereinigt werden, am besten auch mit Desinfektionsmittel. Anschließend wird das Desinfektionsmittel aus kurzer Entfernung aufgesprüht oder durch einen »satt getränkten Tupfer« aufgebracht. Übrigens: Wenn un­ sterile Tupfer verwendet werden, müssen diese erstens kontamina­ tionsgeschützt aufbewahrt wer­ den, nicht offen im Notfallkoffer, und zweitens satt getränkt sein, nicht halb trocken. Eventuelle Wischbewegungen werden im­ mer von innen nach außen durch­ geführt, damit keine Keime von außen über den Punktionsbereich gezogen wer­den. Die Einwirkzeit beginnt nach dem letzten »sat­ ten« Auf­bringen von Desinfektionsmittel. Je nach Herstellerangaben sind das ca. 30 Se­kunden. Auch unter Rettungsdienst-Bedingungen hat man fast immer genügend Zeit. Das anschließende Tasten oder Abtrocknen mit einem nicht sterilen Tupfer würde alles zunichte machen! Beim Einschieben der »Viggo« (Infusions-Verweilnadel) dürfen mit ihr kei­ ne unsterilen Strukturen berührt werden, also auch Haare und die umge­ bende Haut großzügig desinfizieren. Nach Punktion ist die Punktionsstelle als Wunde zu behandeln: Der Verband erfolgt steril. Unsterile Pflaster wer­ den in der Literatur als »meist stark bakteriell kontaminiert« beschrieben. Unter Rettungsdienst-Bedingungen kann man aber erwägen, sie zur Fixa­ tion zu verwenden, wenn ein großzügiger Abstand zur Punktionsstelle ein­ gehalten wird. Meistens klappt das Arbeiten mit Pflasterstreifen übrigens trotz angezogener Einmalhandschuhe, man kann sich allerdings auch ge­ hörig verheddern.

Finger weg! ­Unsterile Tup­ fer auch! Der Bereich der Punk­tionsstelle bleibt so sauber wie möglich!

81


Steriles Anreichen von Hilfsmitteln Verpackungen steriler Materialien werden vorsichtig an der vorgesehenen Ecke geöff­ net. Mit beiden Händen wird die Verpackung auseinandergezogen. So bleibt der Inhalt steril und wird angereicht oder auf ein steriles Tuch fallen gelassen.

Materialhygiene

Falsch: Ab­ sprühen von Instrumenten mit Hände­ desinfektions­ mittel

82

Ein Wasserhahn im Rettungswagen, das war einmal. Inzwischen weiß man, dass es kaum schlimmere Keimschleudern gibt. Die einzige Möglichkeit, Trinkwasser mitzuführen, besteht darin, fertig verpackte Flaschen mit stillem Wasser zu verwenden. Der Alternativvorschlag, dem durstigen Patienten eine Infusionslösung zu trinken zu geben, ist völlig unpraktikabel. Probier selbst einmal eine übrig gebliebene Flasche. Eine leider noch gelegentlich beobachtete Unsitte ist das Wiederauffüllen von Desinfektionsmittel-Flaschen. Das ist nicht erlaubt! Wissen solltest Du auch, dass es einen klaren Unterschied gibt zwischen Hautdesinfektionsmittel, Händedesinfektionsmittel und Flächen- bzw. Instrumentendesinfektionsmittel. Sie dürfen nur zum vorgesehenen Zweck eingesetzt werden. Mit dem Hautdesinfektionsmittel aus dem Notfallkoffer mal eben die Blutdruckmanschette absprühen – das geht nicht! Bei jeglichen Arbeiten mit gesund­ heitsschädlichen Desinfektionsmitteln musst Du dicke Handschuhe tra­gen, z. B. Haushaltshandschuhe, die entsprechend vorgehalten werden müssen. Das betrifft zum Beispiel Desinfektionsmittelkonzentrate zur Instrumentenreinigung. Einmalhandschuhe reichen da nicht, sie könnten reißen. Das soll Dich vor gesundheitsschädlichen Wirkungen schützen, zum Beispiel auch vor Allergien. Nimm diese Regel ernst, auch wenn Dir viele anderes vormachen. Eine Schürze gehört ebenfalls zu Desinfektions­ arbeiten dazu. Könnte etwas in die Augen kommen, musst Du auch eine Schutz­ brille aufsetzen.


15 Wenn´s gekracht hat – Maßnahmen bei Verletzungen Einsätze bei verletzten Patienten (Traumapatienten) sind zwar nicht so häufig wie »internistische« Notfälle, Du wirst auf Deinen ersten Unfall aber nicht lange warten müssen. Ich möchte Dir hier vorstellen, wie Du mit Verletzten umgehen wirst. Natürlich hängt das Vorgehen im Einzelfall immer von den Bedingungen vor Ort ab. So unterscheidet sich das Material von Fahrzeug zu Fahrzeug und natürlich auch der Ausbildungsstand der eingesetzten Kräfte. Zusätzlich gibt es derzeit in Fachkreisen einen Trend hin zu einer anderen Einsatzstrategie bei schwer verletzten Unfallopfern. Hat man im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahrzehnten meist empfohlen, eine intensive Versorgung vor Ort durchzuführen, so plädiert man in den letzten Jahren zunehmend dafür, das etwas differenzierter zu betrachten. Wann immer innere Blutungen vorliegen könnten, muss man den raschen Transport in eine geeignete Ziel­klinik anstreben. Solche Fragen muss sich der Teamchef stellen, Deine Aufgaben während solcher Einsätze sind natürlich andere. Zunächst gebe ich Dir einige allgemeine Informationen. Auch bei verletzten Personen gilt die Grundregel der Ersten Hilfe: eigene Sicherheit beachten. Im Straßenverkehr also zuerst absichern, dann helfen! Ist bei einem Verkehrsunfall denkbar, dass jemand noch eingeklemmt oder eingeschlossen sein könnte, dann zieh beim Aussteigen gleich Deine komplette Schutzkleidung an, auch den Helm. Sei an Unfallstellen immer sehr vorsichtig, rutschige Stellen auf dem Boden und spitze Kanten an Unfallfahrzeugen können rasch zum Problem werden. Die STUVWFragen (s. S. 106) zeigen Dir wichtige Aspekte bei Einsätzen an Unfallstellen. Wie immer kommt es ganz auf die Situation an. An jemanden, der sich beim Fußballspielen eine Knöchelfraktur zugezogen hat, trittst Du sicher anders heran als an einen verunglückten Motorradfahrer. Dein erster Gedanke gilt dem Unfallmechanismus: Könnte z. B. der Wirbelsäule etwas passiert sein? Das Risiko, dass es während unserer Hilfsmaßnahmen zu einer Verletzung des Rückenmarks kommen könnte, ist nicht zu vernachlässigen. Davon können auch Patienten betroffen sein, die anfangs ganz andere Sorgen haben als ein wenig Schmerz am Hals. Mit anderen Worten: Bei einem entsprechenden 303


HWS-Schiene

Das Beruhigungsmittel ­Midazolam und das Schmerzmittel Ketamin

304

Unfallmechanismus müssen wir immer so handeln, wie wir das bei einer verletzten Wirbelsäule tun würden. Im Einzelfall entscheidet der Teamchef und berücksichtigt dabei selbstverständlich auch die Gesamtsituation. Standardmäßig muss man eine HWS-Schiene anlegen, eine Umlagerung muss vorsichtig erfolgen, also nicht »hopplahopp« und der Einsatz von Schaufeltrage, Spineboard und/oder Vakuummatratze muss erwogen werden. Überspitzt formuliert begrüßt Du einen entsprechenden Patienten mit den Worten »Halten Sie mal den Kopf still«, während Du schon zum Festhalten desselben ansetzt, und anschließend folgt erst: »Guten Tag, mein Name ist ...«. Die Untersuchung und Versorgung beginnt mit dem ABCDE-Schema (vgl. S. 112). Nach den Atemwegen und der Belüftung der Lunge geht´s um den Kreislauf. Ein wichtiger Punkt ist, dass bedrohliche Blutungen sofort gestillt werden müssen. Die gibt es tatsächlich, auch wenn Du sie selten erlebst. Klassiker der Blutstillungsverfahren sind die lokale Kompression und der Druckverband. Alle offenen Wunden – auch nicht blutende – müssen wir natürlich steril verbinden, falls wir uns die Zeit hierfür nehmen können. Auf solche Maßnahmen wird vom Teamchef aber manchmal verzichtet, um Zeit zu sparen. Eine offene Fraktur, also eine Wunde im Zusammenhang mit einem Knochenbruch, kann schwerste Knocheninfektionen zur Folge haben. Besonders gefürchtet sind genau die Keime, die sich auf unseren Händen, möglicherweise auf unserer Trage und auf unseren Schutzkitteln befinden, sogenannte »Krankenhauskeime«. Hier ist es von großer Bedeutung, dass – wann immer möglich – schon auf der Straße ein ordentlicher steriler Verband angelegt wird. Sehr geeignet sind auch sterile durchsichtige Klebefolien, diese gibt es aber nicht überall. Der Teamchef führt im Rahmen der Versorgung in verschiedenen Schritten eine körperliche Untersuchung durch. Bei einem kritischen Patienten wird das zu Beginn nur eine orientierende Untersuchung sein. Später führt er einen kompletten Bodycheck durch. Er untersucht dabei von Kopf bis Fuß, welche Verletzungen vorliegen.


Ein schwer Verletzter: Was nun?

Sämtliche Maßnahmen müssen koordiniert und professionell erfolgen. Der Gesamtablauf hängt nicht nur vom Teamchef ab, der wissen muss, was wann zu tun und zu lassen ist. Ganz besonders wichtig ist, dass auch alle weiteren Beteiligten (auch Du) wissen, dass sie nur wirklich Wichtiges machen dürfen. Schon das Öffnen der Notfallkoffer und das Anlegen einer Blutdruckmanschette kann schädlich sein! Warum? Weil dadurch der ganze weitere Ablauf verzögert werden kann. Alles Einzelne scheint zwar wichtig und richtig zu sein, dabei verliert man aber (oft) wichtige Zeit! Ein gut trainiertes Team achtet darauf. Ein besonderes Vorgehen erfordert übrigens der MANV oder »Massenanfall von Verletzten und Erkrankten« (s. Kap. 8).

Versorgung eines schwer Verletzten

Beispiel für eine Schwer-Verletzten-Versorgung • Sicherung der Halswirbelsäule: Anlegen einer HWS-Schiene • Der Teamchef kümmert sich um die Atemwege (A), die Atmung (B) und den Kreislauf (C). Er wird ggf. entsprechende Maßnahmen anordnen, z. B. Absaugung, Beatmung usw., im Verlauf untersucht er dann D (Neurologie) und kümmert sich um E-Aspekte. • psychische Betreuung, parallel P.S.: AMPELN-Anamnese (vgl. S. 153) • Klärung, ob ein rascher Transport erfolgen soll (Zielklinik suchen und verständigen) • immer Sauerstoffgabe: keine Nasensonde, sondern Gabe über Maske mit hohem Flow (z. B. 10-12 l/min) • Komplettes Entkleiden z. B. mit einer kräftigen Kleiderschere. Achte sorg­fältig auf die Haut des Patienten sowie auf EKG-Kabel und Infusions­ schläuche! • ganz wichtig: Wärmeerhalt, z. B. Goldfolie • Bodycheck durch den Teamchef • rasche Vorbereitung einer perfekten Umlagerung, z. B. mit Schaufeltrage, Vakuummatratze oder Spineboard • steriles Abdecken offener Frakturen • Monitoring: Pulsoxymetrie, RR-Messungen, EKG-Monitoring mit Systolenton 305


• venöse Zugänge schaffen, ggf. Kreuzblut (für spätere Bluttransfusionen) und Laborblut abnehmen, ggf. Blutzuckeruntersuchung • Gabe von Infusionen, ggf. Druckinfusionen • auch unter Zeitnot: sichere Fixation sämtlicher Zugänge • Gabe von Schmerzmitteln • ggf. Vorbereiten von Narkose und Intubation, inkl. Absaugpumpe und ­Kapnometrie • ggf. Schienung von Frakturen • zügiges Herstellen der Transportfähigkeit, z. B. unaufgefordertes Anbringen der Sicherheitsgurte, Organisation der Abfahrt • Ob manche Maßnahmen während des Transports bzw. bei kurzen Transportpausen erfolgen sollen, muss entschieden werden.

Eingeschlossene und eingeklemmte Patienten

Der Unterschied liegt auf der Hand: Eingeschlossene Patienten sind nicht direkt eingeklemmt, sie können nur nicht aussteigen, weil eine Türe klemmt. Sehr wichtig ist natürlich die korrekte Rückmeldung an die Leitstelle: Technische Rettung ist erforderlich. Große Vorsicht ist im Bereich des Unfallautos geboten: Zieh Deine komplette Schutzkleidung an und setze den Schutzhelm auf. Eine Verletzungsgefahr besteht nicht nur durch scharfe Kanten. Prüfe, ob sich irgendwelche Airbags nicht geöffnet haben. Beuge Dich nicht in den Gefahrenbereich. Rechne immer damit, dass der Airbag plötzlich auslöst, wodurch Splitter weggeschleudert werden können. Eine Gefahr besteht vor allem, wenn technische Geräte eingesetzt werden. Organisiere (mehrere) Feuerlöscher, sofern die Feuerwehr noch nicht vor Ort ist. Eine sehr große Bedeutung hat die Beruhigung der Betroffenen. Oft ist das wichtiger, als sofort medizinische Maßnahmen zu ergreifen. Zeigt, dass Ihr da seid und die Sache im Griff habt. Haltet ständig Kontakt zum Betroffenen. Eingeklemmtes Unfallopfer

306


Ordnet Euren Arbeitsraum. Stellt nicht den Bereich mit Notfallkoffern zu, den gleich die Feuerwehr brauchen wird. Auch der RTW sollte weit genug entfernt stehen. Direkt am Unfallauto wird oft gar nicht viel Medizinmaterial benötigt. Vieles kann auch in der zweiten Reihe vorbereitet werden. Man unterscheidet bei der Rettung drei Phasen: Durch eine Erstöffnung wird zunächst die Möglichkeit geschaffen, die Situation zu beurteilen und zu entscheiden, ob eine notfallmäßige »Crash-Rettung« oder eine ruhigere, schonende Rettung angestrebt wird. Die Versorgungsöffnung ermöglicht anschließend weitere medizinische Maßnahmen und durch die Befreiungsöffnung wird der Patient schließlich herausgeholt. Man sollte rechtzeitig an die weiteren Arbeitsschritte gedacht haben: Wo ist die Trage? Wird die Vakuummatratze benötigt? Brauchen wir spezielle Hilfsmittel wie Rettungskorsett oder Spineboard?

Die Helmabnahme

Sehr häufig, aber nicht immer, ist ein Motorradhelm bereits abgenommen, wenn wir eintreffen. Ein Helm wird im Rahmen der professionellen Erstversorgung prinzipiell abgenommen. Dabei darf die Halswirbelsäule natürlich nicht bewegt werden. Die Helm­ abnahme macht Ihr grundsätzlich zu zweit. Die Diskussion »Zug auf die Halswirbelsäule ausüben oder nicht?« ist übrigens nicht eindeutig entschieden: »Allenfalls minimal, wenn überhaupt« ist eine Antwort, die ich Dir geben kann. Keinesfalls darf es zu einer Stauchung der Wirbelsäule kommen, auch eine Beugebewegung der Wirbelsäule, also den Kopf nach vorne in Richtung Brust zu bewegen, ist besonders gefährlich für das Rückenmark. So geht man bei der Helmabnahme vor: Kontaktaufnahme in Blickrichtung des Patienten, sofortige Aufforderung, sich nicht zu bewegen. Erläuterung aller Maßnahmen.

307


Überraschende Einsatzsituationen, unbekannte Fachbegriffe, zahlreiche Maßnahmen und Regeln stürzen zu Beginn auf den Rettungs­helfer, Rettungssanitäter und Helfer vor Ort ein. Notarzt Ralf Schnelle verschafft dem Neuling mit diesem Buch einen klaren, fachkundigen Überblick über alles, was in Rettungsdienst und Krankentransport zu beachten ist und steht ihm mit persönlichen Ratschlägen zur Seite. Unkompliziert und in frischer Sprache verrät er Tipps zum Umgang mit den Patien­ ten, erläutert bewährte Vor­gehens­ wei­sen bei typischen Notfällen,

nimmt Stellung zu Behandlungs­ techniken und erklärt die Anwen­ dung gängiger Geräte. Illustriert ist dieses etwas andere Fach­buch mit 80 witzigen OLAFCartoons des Autors und mit aussagekräftigen Fotos. Mit einem ermunternden Augen­ zwinkern macht Schnelle Lust auf Rettungsdienst. Dieses Buch vereint Basis­wissen mit Praxistipps für alle, die neu im Rettungsdienst und Kranken­trans­port sind und eines sein wollen: Startklar!

Startklar

für Rettungsdienst und Krankentransport 2., überarbeitete Auflage ISBN 978-3-938179-95-6  www.skverlag.de

  R. Schnelle  Startklar für Rettungsdienst und Krankentransport

Ralf Schnelle

Ralf Schnelle

Startklar

für Rettungsdienst und Krankentransport 2., überarbeitete Auflage

Startklar für Rettungsdienst und Krankentransport  

Das Buch leitet Neulinge im Rettungsdienst mit viel Pfiff und Know-how durch den anfangs unübersichtlichen Dienstalltag. Mit klarer Sprache...