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K. Maurer, Th. Mitschke (Hrsg.) J. Schreiber Einsatzstellen mit freigesetzten CBRN-Agenzien bergen besondere Risiken für den Rettungsdienst. Oft sind die Hilfskräfte selbst unmittelbar der Gefahr ausgesetzt, sodass die medizinische Versorgung verunglückter Personen zusätzlich erschwert wird. Der vorliegende SEGmenteBand bildet die Richtschnur für das Vorgehen bei solchen Unfällen, die häufig mit einem Massenanfall von Verletzten (MANV) einher­ gehen. Das Buch beschreibt die Raumordnung der Einsatz­stelle und die Ablauf­ steuerung eines medizinischen CBRN-Einsatzes.

Dargestellt werden die erforderlichen Einsatztaktiken und der sachgemäße Umgang mit Schutzausrüstungen. Ausführlich werden die Möglichkeiten in Bezug auf Personal, Ausbildung, Struktur, Ausstattung und Aufgabenprofil beschrieben. Mit diesem praktischen Leitfaden wird die Herausforderung bei der Versorgung Kontaminierter (SEG-VERKON) gemeistert – eine bestmög­ liche präklinische Versorgung bei einer zeitgleichen risikogerechten Eigensicherung der Helfer sowie einem umfassenden Schutz vor Kontamina­ tionsverschleppung.

SEGmente 6 MANV mit CBRNkontaminierten Verletzten 2., überarbeitete Auflage ISBN 978-3-938179-90-1 · www.skverlag.de

sichergestellter kontinuierlicher Verletztenfluss 50/Stunde bei 2 Stunden Durchhaltefähigkeit Übergangszone gelb

VERKON

Dekon-V

medizinische Soforthilfe; Vorbereitung Dekon-V

assistierte Eigen-Dekon; vollständige Fremd-Dekon

Absperrbereich grün

BHP 50

standardisierte präklinische Versorgung

K. Maurer, Th. Mitschke (Hrsg.) J. Schreiber

SEGmente 6

MANV mit CBRNkontaminierten Verletzten 2., überarbeitete Auflage


Herausgeber:

 laus Maurer K Thomas Mitschke

Mitbegründer: Hanno Peter ✝

Band 6

MANV mit CBRN-kontaminierten Verletzten Rettungs-, Sanitäts- und Betreuungsaufgaben in der medizinischen Versorgung

Jürgen Schreiber 2., überarbeitete Auflage

Verlagsgesellschaft Stumpf & Kossendey mbH, Edewecht 2011


Anmerkungen des Verlags Die Herausgeber bzw. Autoren und der Verlag haben höchste Sorgfalt hinsichtlich der Angaben von Therapie-Richtlinien, Medikamentenanwendungen und -dosierungen aufgewendet. Für versehentliche falsche Angaben übernehmen sie keine Haftung. Da die gesetzlichen Bestimmungen und wissenschaftlich begründeten Empfehlungen einer ständigen Veränderung unterworfen sind, ist der Benutzer aufgefordert, die aktuell gültigen Richtlinien anhand der Literatur und der Beipackzettel zu überprüfen und sich entsprechend zu verhalten. Die Angaben von Handelsnamen, Warenbezeichnungen etc. ohne die besondere Kennzeichnung ®/™/© bedeuten keinesfalls, dass diese im Sinne des Gesetzgebers als frei anzusehen wären und entsprechend benutzt werden könnten. Der Text und/oder das Literaturverzeichnis enthalten Links zu externen Webseiten Dritter, auf deren Inhalt der Verlag keinen Einfluss hat. Deshalb kann er für diese fremden Inhalte auch keine Gewähr übernehmen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seite verantwortlich. Aus Gründen der Lesbarkeit ist in diesem Buch meist die männliche Sprachform gewählt worden. Alle personenbezogenen Aussagen gelten jedoch stets für Frauen und Männer gleichermaßen. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks, der Entnahme von Abbildungen oder Textteilen, vorbehalten. Einspeicherung in elektronische Systeme, Funksendung, Vervielfältigung in jeder Form bedürfen der schriftlichen Zustimmung der Autoren und des Verlags. Auch Wiedergabe in Auszügen nur mit ausdrücklicher Genehmigung. © Copyright by Verlagsgesellschaft Stumpf und Kossendey mbH, Edewecht 2011 Satz: Jens Pesch, Zülpich Druck: Druckservice Lamken, Oldenburg


5

Inhalt Abkürzungen

7

Vorwort

9

1 SEG-VERKON – VERsorgung KONtaminierter Verletzter

13

1.1 Vorschlag für den Aufbau einer SEG-VERKON 1.2 Aufgabenstellung der SEG-VERKON 1.3 Struktur der SEG-VERKON 1.4 Materielle Ausstattung der SEG-VERKON 1.5 Qualifikation von Einsatzkräften der SEG-VERKON

13 15 17 18 22

2 Einsatz in Gegenwart von freigesetzten CBRN-Agenzien

26

2.1 Gefahren durch freigesetzte CBRN-Agenzien 2.2 Grundsätze der taktisch-technischen und medizinischen Gefahrenabwehr

26

2.3 Raumordnung an der CBRN-Einsatzstelle

31

3 Aufbau und Betrieb der Kontaminiertenablage im CBRN-Einsatz

33

29

3.1 Dimensionierung der Kontaminiertenablage 33 3.2 Tätigkeiten auf der SEG-VERKON-Kontaminiertenablage 36

4 Maßnahmen zur Sicherung von Einsatzkräften 46 4.1 Unfallverhütung 4.2 PSA für Einsatzkräfte im Rettungs-, Sanitäts- und Betreuungsdienst

46 47

5 Grundsätze der Dekontamination Verletzter 56


6 6 Übernahme dekontaminierter Verletzter auf den Behandlungsplatz

59

7 Besondere Verfahren bei Einsätzen mit B-Gefahr

62

Anhang

MEDITOX – Beispiele zur med. Beurteilung und Bearbeitung von GSG-Lagen

66

Glossar

69

Nützliche Links Literatur

Abbildungsnachweis

68 71 72


7

Abkürzungen AKNZ

Akademie für Krisenmanagement, Notfall­ planung und Zivilschutz

ArztTrKW Arzt-Trupp-Kraftwagen BAGUV

BBK

Berufsverband der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katas­ trophenhilfe

BGV A 1 Berufsgenossenschaftliche Vorschrift für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit BHP

Behandlungsplatz

BLS

Basic Life Support

CBRN- Gefahr

Gefahren durch Freisetzung chemischer, biologischer, radiologischer oder nuklearer Agenzien

CSA

Chemikalien-Schutz-Anzug

Dekon-P Dekontamination von Personen Dekon-G Dekontamination von Geräten und Materialien Dekon-V Dekontamination von Verletzten

FFP

Filtering Face Piece

FwDV

Feuerwehr-Dienstvorschrift

GF

Gruppenführer

GSG

Gefährliche Stoffe und Güter

GW-SAN Gerätewagen Sanitätsdienst GUV

Berufsgenossenschaft (Gemeinde-UnfallVersicherung)

H

Helfer

IfSG

Infektionsschutzgesetz

KF

Kraftfahrer

KTW

Krankentransportwagen

LNA

Leitender Notarzt (Einsatzfunktion)

MANV

Massenanfall verletzter oder erkrankter Personen

MKW

Mannschaftskraftwagen

OrgL

Organisatorischer Leiter Rettungsdienst (Einsatzfunktion)

PEG

Polyethylenglykol

PSA

Persönliche Schutzausrüstung

PSNV

Psychosoziale Notfallversorgung, z. B. im Betreuungsdienst

DGKH

Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene e. V.

DGKM

Deutsche Gesellschaft für Katastrophen-Medizin e. V.

RTW

Rettungswagen

DIN

Deutsches Institut für Normung

SB

Sammelbezeichnung

SEG

EAL-F

Einsatz-AbschnittsLeitung Feuerwehr

Schnell-Einsatz-Gruppe / Sonder-Einsatz-Gruppe

SG

Stangen-Gerüst

SKK

Ständige Konferenz für Katastrophenvorsorge und Bevölkerungsschutz

STAN

Stärke- und Ausrüstungsnachweisung

EAL-RD

Einsatz-AbschnittsLeitung Rettungsdienst

EN

Europäische Norm

Ex-Gefahr Explosionsgefahr


8

TEL

UVV

Technische Einsatzleitung (Örtliche Einsatzleitung [ÖEL], Gemeinsame Einsatzleitung Ort [GEO] u. a.) Unfall-VerhütungsVorschrift

VERKON Versorgung Kontaminierter VFDB

Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e. V.


9

Vorwort Seit dem ersten Erscheinen von »SEGmente 6« im Jahre 2003 unter dem Titel »MANV mit gefährlichen Stoffen und Gütern (GSG)« hat die Entwicklung von Konzeptionen für die medizinische Versorgung kontaminierter Verletzter rasante Fortschritte erfahren. Wissenschaftliche Arbeiten, technische Entwicklungen, organisatorische Richtlinien sowie taktische Konzeptionen wurden vorangetrieben. Selbst der hinlänglich etablierte Begriff des ABC-Einsatzes wird zunehmend durch den international gebräuchlichen Terminus CBRN-Einsatz verdrängt. Dabei stehen die Buchstaben CBRN für chemische, biologische, radiologische und nukleare Agenzien. Risiken und Gefahren durch die Freisetzung solcher Agenzien entstehen in der Regel akzidentiell, das heißt durch Unfälle im Umgang mit Gefahrstoffen oder bei deren Transport. Sie entstehen einerseits auch aufgrund von Naturkatastrophen, zum Beispiel als Folge von Sturm, Hochwasser oder extremen Wetterlagen. Andererseits werden sie herbeigeführt im Zuge menschlichen Fehlverhaltens, strafbarer Handlungen oder Gewaltverbrechen. Auch Altlasten, wie zum Beispiel Kampfmittel aus vergangenen Kriegen, oder Bedrohungen durch Seuchen haben CBRN-Lagen in den vergangenen Jahren als ernst zu nehmende Gefährdungen unserer Zeit in den Mittelpunkt von Betrachtungen zur Risikobewertung gerückt. Die Freisetzung von CBRN-Agenzien und die Kontamination von Verletzten stellt die Einsatzkräfte vor die schwierige Aufgabe, entlang der gesamten Prozesskette vom Auffinden der Verletzten bis in die klinische Behandlung hinein Kontaminationsverschleppungen zu vermeiden, Eigen- und Fremdgefährdungen zu minimieren und dabei trotzdem die bestmögliche präklinische medizinische Versorgung sicherzustellen.


10

Ereignis Notruf / Selbsthilfe

Krankenhaus Behandlung

Alarmierung

Krankenhaus Vorbereitung

Ersteinsatz

Transport Management

Maßnahmen Gefahrenbereich

Maßnahmen Übergangszone

Maßnahmen Absperrbereich

rot

gelb

grün

Abb. 1 ˘ Ablaufschritte der medizinischen Versorgung kontaminierter Verletzter Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine solche Versorgungskette nur dann funktionieren kann, wenn die Verfahren der beteiligten Organisationen, Institutionen, Behörden usw. aufeinander abgestimmt und in gemeinsamen Konzeptionen definiert sind. Ein weiterer wesentlicher Faktor für die Funktionalität ist ein ständig präsenter Informations- und Kommunikationsaustausch aller Beteiligten, sodass eine Evaluierung von Einsätzen und Übungen eine permanente Verbesserung des Systems erzielt. An dieser Stelle sei mein Hinweis angebracht, dass sich die medizinische Versorgung kontaminierter Verletzter nicht nur auf die Einsatzstellen der Gefahrenabwehr begrenzen lässt. Vielmehr sind, vor allem bei Szenarien mit ei-


11 nem MANV, auch an den Krankenhäusern vor den regulären Aufnahmebereichen entsprechende Versorgungen von Kontaminierten zu erwarten. Kliniken und Gesundheitsbehörden müssen sich im Rahmen ihres eigenen Krisenmanagements und der Alarmplanung thematisch ebenfalls hiermit auseinandersetzen. Das neue »SEGmente 6« will dazu eine gute Hilfestellung geben. Die in der ersten Auflage von »SEGmente 6« unterbreitete Idee einer SEG-GSG wurde zwischenzeitlich bundesweit vielerorts aufgenommen, sodass sie in dieser neuen Ausgabe eine Weiterentwicklung zur »SEG-VERKON« (Versorgung Kontaminierter) erfährt. Hierauf wird in dieser Neuauflage auch der Schwerpunkt gelegt. Ausführlich werden die Möglichkeiten in Bezug auf Personal, Ausbildung, Struktur, Ausstattung und Aufgabenprofil beschrieben. Natürlich sind mittlerweile einige Konzeptionen zur Dekontamination von Verletzten unter dem Oberbegriff »Dekon-V« in der Gefahrenabwehr und auch der Vorbereitung von Krankenhäusern entstanden, auf diese wird hier aber nur grundsätzlich eingegangen. »SEGmente 6« soll Einsatz- und Führungskräften ein Arbeitsmittel für die Vorbereitung auf die Versorgung einzelner oder vieler kontaminierter Verletzter sein. Natürlich ist dieses Buch mit grundsätzlichen taktischen Aussagen zur Strukturierung der Einsatzstelle und zur Ablaufsteuerung eines medizinischen CBRN-Einsatzes samt Ablaufskizzen, Checklisten und Grafiken ein Hilfsmittel im akuten Einsatz. Auf festgelegte Einsatzkonzepte wurde allerdings bewusst verzichtet, um bei den unterschiedlichen regionalen Bedingungen der Gefahrenabwehr seine Allgemeingültigkeit zu bewahren. Nach wie vor besteht die Aufforderung an die Einsatz-, Führungs- und Leitungskräfte aller in die medizinische Versorgungskette CBRN-kontaminierter Verletzter eingebundenen Einsatzorganisationen, solche Szenarien zu


12 überdenken und gemeinsam den Einsatzablauf zu konzipieren und zu organisieren. In den nachfolgenden Ausführungen habe ich mich davon leiten lassen, dass Einsatzkräfte, egal ob sie weiblich oder männlich sind und ehren-, neben- oder hauptamtlich ihren Einsatz versehen, meine allergrößte Hochachtung und Anerkennung ihrer Arbeit erfahren. Daher sei mir nachgesehen, wenn ich nicht von Helfern, sondern von Einsatzkräften spreche und der Einfachheit halber auf die parallele Nennung von weiblichen und männlichen Formen verzichte. Mein besonderer Dank gilt Herrn Thomas Plöger vom ASB Bremen-Ost für seine freundliche Unterstützung durch die Überlassung von verwendetem Bildmaterial. Jürgen Schreiber Affinghausen, im Januar 2011


33

3 Aufbau und Betrieb der Kontaminiertenablage im CBRN-Einsatz 3.1 Dimensionierung der Kontaminiertenablage Der Betrieb einer Kontaminiertenablage ist in allen Einsatz­ dimensionen erforderlich. Auch die beschriebenen Funk­ tionalitäten sind grundsätzlich die Gleichen. Folgende Fak­ toren bestimmen die Dimension der Kontaminiertenablage: Im Hinblick auf die Bereitstellung von Einsatzkräften: ˘ Wie viele Trupps sind im Gefahrenbereich der Einsatzstelle tätig? ˘ Wie gefahrenträchtig sind die dortigen Einsatz­ maßnahmen? Im Hinblick auf den Versorgungsbedarf der kontaminierten Verletzten: ˘ Welche und wie viele ungeschützte Einsatzkräfte befinden sich im Ersteinsatz im Gefahrenbereich, denn sie gelten als verletzt? ˘ Wie viele kontaminierte Verletzte sind oder kommen aus dem CBRN-Gefahrenbereich? ˘ Wie lang ist die Wartezeit bis zur Dekontaminati­ on als Voraussetzung für die standardisierte präklinische medizinische Versorgung? Grundsätzlich kann eine Not-Dekon-V-Stelle in kleinster Dimension beispielsweise mit einem RTW und einem Son­ derrohr eines Löschfahrzeugs (SB) mit einfachsten Mitteln aufgebaut und betrieben werden, sofern die Einsatzkräf­


34 te dazu befähigt sind und die für die Übergangszone erfor­ derliche PSA vorhanden ist. In dem abgebildeten Beispiel wurden Bordmittel üblicher Einsatzfahrzeuge verwendet (s. Abb. 10 und 11).

Abb. 10 ˘ Material für eine Not-Dekon-V-Stelle

Abb. 11 ˘ Not-Dekon-V-Stelle in aufgebautem Zustand


35 Sind allerdings so viele kontaminierte Verletzte zu bekla­ gen, dass eine Vor-Ort-Versorgung zum Beispiel mit einem Behandlungsplatz (BHP 50) erfolgt oder dass entsprechend viele kontaminierte Verletzte vor Krankenhäusern versorgt werden müssen, dann sind auch die Kontaminiertenab­ lagen vor den jeweiligen Dekon-V-Strecken so auszulegen, dass die Verletzten während ihrer Wartezeit vorversorgt und so vorbereitet werden, dass ihr Durchlauf durch die Dekon-V ohne Zeitverzögerung durch zusätzliche Tätigkei­ ten erfolgen kann. Für die Nass-Dekon-V eines Verletzten können sechs Minuten reine Dekon-V-Zeit angenommen werden, die sich aus einer Minute Abbrausen, drei Minuten Waschen und zwei Minuten Nachwaschen ergibt. Eine Ver­ längerung dieser Zeit kann sich ergeben, wenn immobile Verletzte gedreht werden müssen. Die von einer SEG-VER­ KON aufgebaute Kontaminiertenablage übernimmt mit ih­ ren in Kapitel 1.2 genannten Tätigkeiten alle Vorbereitun­ gen für die Dekontamination der Verletzten, um in der De­ kon-V-Strecke die Durchlaufrate liegender Verletzter zu op­ timieren. Dabei muss der Einsatzwert der Nachversorgung (z. B. BHP 50) erhalten bleiben.

sichergestellter kontinuierlicher Verletztenfluss 50/Stunde bei 2 Stunden Durchhaltefähigkeit Übergangszone gelb

VERKON

- medizinische Soforthilfe - Vorbereitung Dekon-V

Absperrbereich grün

BHP 50

Dekon-V

- assistierte Eigen-Dekon - vollständige Fremd-Dekon

standardisierte präklinische Versorgung

Abb. 12 ˘ Beispiel Versorgungskapazität beim MANV kontaminierter Verletzter


36

3.2 Tätigkeiten auf der SEG-VERKONKontaminiertenablage Um die Kontaminiertenablage zweckmäßig zu gestalten, müssen die Tätigkeiten gemäß Kapitel 1.2 mit dem Ziel der Minimierung von Kontaminationsverschleppungen nach Priorität in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht werden.

3.2.1 Einrichtung der Kontaminiertenablage Grundsätzlich ist die Kontaminiertenablage nach der Struk­ tur, Konzeption und Ausstattung der jeweiligen SEG-VERKON und den tatsächlichen einsatzbezogenen Parametern ent­ sprechend einzurichten. Ganz wesentlich ist aber an dieser Stelle festzustellen, dass sich im einsatzdynamischen Prozess bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt eine ungesteuerte Pa­ tientenablage am Rande des Gefahrenbereichs entwickeln kann, wenn die raumordnenden Einsatzmaßnahmen ihre Wirkung zeigen und erste, möglicherweise nicht angemes­ sen geschützte Rettungskräfte hier Verletzte versorgen. Diese Ablage muss dann zu einer Kontaminiertenablage fortentwi­ ckelt werden, wobei auch die erstversorgenden, ungeschütz­ ten Einsatzkräfte als verletzt gelten. Unter diesen Umstän­ den ist es gegebenenfalls erforderlich, zunächst einen Teil der VERKON-Kräfte mit PSA auszurüsten, die dann Soforthil­ fe leisten, bis andere Kräfte gemeinsam mit der verbliebenen VERKON die Kontaminiertenablage in der anschließenden Übergangszone einrichten. Diese Aufgabe kann so lange oh­ ne PSA erfolgen, wie sichergestellt ist, dass keine Kontamina­ tionsverschleppung hierher erfolgen kann. Ausgehend vom sehr schmutzigen Aufnahmebereich muss die Gefahr der Kontaminationsverschleppung gene­ rell entlang der Versorgungsrichtung abnehmen, bis sie im Bereich der Betreuung so klein ist, dass sie nur noch durch


37

Material

Material

8

6

3 4 5 7 Spineboard

Spineboard

8

8

Dekon-V

8

3 5 7 Kleidersack 2

Material

Gefahrenbereich rot

Hocker

Sitzbänke

Versorgungsrichtung

Kontaminationsverschleppung

8

Übergangsbereich gelb

2 3 4 5

Verletztenerfassung Entkleiden/Kleidungsmanagement lebensrettende Sofortmaßnahmen SPOT-Dekon

6 Dekon-Sichtung 7 Wärmeerhalt 8 Versorgung/Betreuung

Abb. 13 ˘ Tätigkeiten in der Kontaminiertenablage die Dekon-V weiter minimiert werden kann. Dadurch ergibt sich die Zuordnung der VERKON-Tätigkeiten auf zwei Raum­ zonen der Kontaminiertenablage. In Abbildung 13 ent­ sprechen diese Raumzonen je einem Sanitätszelt mit einer Grundfläche von 30 Quadratmetern (SG 30)

3.2.2 Kontaminiertenerfassung Gleich bei der Übernahme der Verletzten auf die Kontami­ niertenablage soll die Kontaminiertenerfassung erfolgen. Überall dort, wo etablierte MANV-Patientenregistrierungen nicht für die Erfassung kontaminierter Verletzter vorgese­ hen oder geeignet sind, kann eine erste vorläufige Erfassung mit so genannten Partybändern erfolgen. Diese sollten einer fortlaufenden Nummerierung folgen, wasserfest und reiß­ fest sein und können handelsüblich erworben werden. Die­ ses Verfahren wird hier favorisiert, weil einerseits die Num­


K. Maurer, Th. Mitschke (Hrsg.) J. Schreiber Einsatzstellen mit freigesetzten CBRN-Agenzien bergen besondere Risiken für den Rettungsdienst. Oft sind die Hilfskräfte selbst unmittelbar der Gefahr ausgesetzt, sodass die medizinische Versorgung verunglückter Personen zusätzlich erschwert wird. Der vorliegende SEGmenteBand bildet die Richtschnur für das Vorgehen bei solchen Unfällen, die häufig mit einem Massenanfall von Verletzten (MANV) einher­ gehen. Das Buch beschreibt die Raumordnung der Einsatz­stelle und die Ablauf­ steuerung eines medizinischen CBRN-Einsatzes.

Dargestellt werden die erforderlichen Einsatztaktiken und der sachgemäße Umgang mit Schutzausrüstungen. Ausführlich werden die Möglichkeiten in Bezug auf Personal, Ausbildung, Struktur, Ausstattung und Aufgabenprofil beschrieben. Mit diesem praktischen Leitfaden wird die Herausforderung bei der Versorgung Kontaminierter (SEG-VERKON) gemeistert – eine bestmög­ liche präklinische Versorgung bei einer zeitgleichen risikogerechten Eigensicherung der Helfer sowie einem umfassenden Schutz vor Kontamina­ tionsverschleppung.

SEGmente 6 MANV mit CBRNkontaminierten Verletzten 2., überarbeitete Auflage ISBN 978-3-938179-90-1 · www.skverlag.de

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Dekon-V

medizinische Soforthilfe; Vorbereitung Dekon-V

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Absperrbereich grün

BHP 50

standardisierte präklinische Versorgung

K. Maurer, Th. Mitschke (Hrsg.) J. Schreiber

SEGmente 6

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