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25 Jahre Kรถlner Tanz- und

Theaterpreise

B SK Stiftung Kultur


Inhalt Entstehungsgeschichte Kölner Tanz- und Theaterpreise – Ein Interview mit Prof. Hans-Georg Bögner . . . . . . . . . . 4 Schlaglichter aus 25 Jahren . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Faszination der Vielfalt – Ein Gespräch über die Kölner Theaterpreise und die Situation des Off-Theaters . . . . . . 15 1990-2014 Kölner Theaterpreis . . . . . . . . . . . . . . 18 1990-2014 Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis . . . 19 1994-2014 Kölner Tanztheaterpreis . . . . . . . . . . . . 22 1999-2014 »Puck« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 2000-2014 Kölner Ehrentheaterpreis . . . . . . . . . . . 26 2007-2014 Kurt-Hackenberg-Preis . . . . . . . . . . . . 27 2009-2014 Kölner Darstellerpreis . . . . . . . . . . . . . 30 Die Kölner Tanz- und Theaterpreise . . . . . . . . . . . . 34 Juroren und Förderer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36

Jahre

Kölner Tanz- und

Theaterpreise

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Unser Engagement für Kultur. Kunst und Kultur als Lebenselixier der Region Musik, Theater, Tanz, Literatur oder die Vielfalt der Museen: Ein breites kulturelles Angebot macht unsere Region lebendig und gibt ihr ein Gesicht. Daher unterstützen wir Highlights wie das Beethovenfest Bonn oder die lit.cologne, aber auch die vielen kleinen Theater, Bühnen und Gruppen in Köln und Bonn.

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KölnBonn


Entstehungsgeschichte

Fotos Interview: Susanne Fern

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Entstehungsgeschichte Kölner Tanz- und Theaterpreise Ein Interview mit Prof. Hans-Georg Bögner, Geschäftsführer der SK Stiftung Kultur, zu 25 Jahren Kölner Tanz- und Theaterpreise Herr Bögner, was fällt Ihnen spontan zu 25 Jahren Kölner Tanz- und Theaterpreise ein? 25 Jahre Spannung am Abend, Jubelschreie, wenn die Preisträger bekannt gegeben werden, enttäuschte Gesichter, wenn man nicht gewonnen hat, geglückte und missglückte Programmbeiträge während der Veranstaltung. Ansonsten ein Projekt, das in den 25 Jahren weder gealtert noch veraltet ist. Wie kam die Idee zustande, für die freie Kölner Tanz- und Theaterszene Preise auszuloben? Damals fragten freie Theater und Gruppen uns als Stiftung immer wieder nach Fördermöglichkeiten. Schon aufgrund unserer Satzung als operative Stiftung, die keine Bearbeitung von Förderanträgen vorsieht, war dies nicht möglich. Irgendwann hatte ich die Idee, einen Preis auszuloben, für den sich unterschiedliche Produktionen wie in einem Wettbewerb bewerben können, der dann bei einer Veranstaltung überreicht wird. Diese Veranstaltung konnte ich in den operativen Bereich der Stiftung ziehen. Die Idee habe ich anschließend mit dem einen oder anderen aus der Szene besprochen, was zu sehr unterschiedlichen Reaktionen führte. Die einen sagten, super Idee, wunderbar. Dass es aber in einen Wettbewerb gehen sollte, das heißt, dass eine Begutachtung und damit

auch eine Bewertung stattfinden sollten, das wurde teilweise sehr kritisch betrachtet. Ich bekam viele Anrufe. An einen kann ich mich besonders gut erinnern, der sagte, das sei ja eine gute Idee, dann müsse man sich einmal zusammensetzen und überlegen, wer denn den Preis bekäme. Man wollte sich nicht unbedingt einem Leistungswettbewerb stellen. Wir konnten die Bedenken aber zerstreuen, denn die Preise sollten nicht verhandelt oder ausgelost werden, sondern eine unabhängige Jury sollte nach bestimmten Qualitätskriterien auswählen, und das haben wir auch durchsetzen können. Sie sprechen die unabhängige Jury an, wie haben Sie die ersten Juroren, Renate Bach, Birgit Eckes, Anneliese Odry, Michael Harkämper und Dr. Werner Schulze-Reimpell, gefunden? Uns war vor allem wichtig, professionelle Theater- und Tanzschauer zu gewinnen. Wir haben immer versucht, Journalisten der lokalen Zeitungen einzubinden, die von Berufswegen eh schon viele Stücke in Köln anschauen und rezensieren und damit einen guten Überblick über die Szene haben. Darüber hinaus war uns anfangs der überregionale, nicht in der Kölner Kultur verhaftete Blick wichtig. Den vertrat in der ersten Jury Herr Dr. Schulze-Reimpell, der für verschiedene überregionale Medien schrieb.


Fotos: Stiftungsarchiv

Entstehungsgeschichte

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War es schwierig Geldgeber für den Preis zu finden? Das war ein weiterer Aspekt dieser Idee. Wir hätten damals als Stiftung problemlos sagen können, wir übernehmen das Preisgeld. Mir ist aber zugute gekommen, dass ich durch meine frühere Tätigkeit am Theater und später als Vorstand des Theater im Bauturm die Szene und ihre Geldknappheit, die sich ja leider auch in den 25 Jahren der Preise nicht verändert hat, sehr genau kannte. So sollte nicht die Stiftung das Füllhorn ausschütten, für die einzelnen Preise sollten sich vielmehr Preisgeldgeber aus der Kölner Wirtschaft finden, die sich an die Preise und bestenfalls damit auch an die Theater und Gruppen gebunden fühlen. Damit konnte ein erweiterter Fokus auf die ganze Szene gerichtet werden. Das hat beispielsweise beim Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis über viele Jahre sehr gut funktioniert, bei dem der Geldgeber auch Fahrzeuge für die späteren Tourneen von Stücken zur Verfügung gestellt hat. Es sind im Laufe der Jahre immer mehr Preise und damit Spezifizierungen hinzugekommen. Angefangen haben wir mit drei Preisen, dem Theaterpreis, dem Kinder- und Jugendtheaterpreis und dem nur einmalig vergebenen Mundart-Theaterpreis. Unterstützer zu finden war am Anfang nicht einfach. Das schöne ist allerdings, dass die Identifikation mit den Preisen von Beginn an sehr hoch war, dass wir Geldgeber haben, die vom ersten Tag an oder seit vielen Jahren dabei sind. Das ist im Bereich des wirtschaftlichen Engagements in der Kultur eher eine große Ausnahme und darauf können wir stolz sein. Erinnern Sie sich an die erste Preisverleihung 1990? Daran erinnere ich mich sehr gut. Zum einen hatte die Stiftung noch kein eigenes Haus. Die Preisverleihung fand deshalb in der Alten Feuerwache und nicht wie seit 1997 im MediaPark statt. Am Abend gab es dann einen unglaublichen Wintereinbruch, der Schnee lag zentimeterhoch. Es war schwer, den Veranstaltungsort zu erreichen und wir konnten

erst verspätet beginnen. Beim ersten Mal gab es auch noch keine Nominierungen und die Gewinner wurden nicht geheim gehalten, und damit fehlte der Überraschungseffekt. Die Preisträger standen vorher fest, weil wir sogar darum gebeten hatten, dass sie Ausschnitte ihrer Inszenierung auf der Bühne zeigen sollten. Das führte dann zu der absurden Situation, dass man ein totales Leistungsgefälle auf der Bühne zwischen zwei professionellen Produktionen aus den Bereichen Theater und Kinder- und Jugendtheater und ein Stück von und mit Laiendarstellern beim Mundarttheater sehen konnte. Es war dennoch eine sehr schöne Veranstaltung, aus der wir sehr viel für die Zukunft gelernt haben.

Gerhard Seidel und Inken Kautter, FWT Köln

» Jubel, Mitfiebern, Kontroversen – seit mehr als zwei Jahrzehnten versammelt die Verleihung der Tanzund Theaterpreise die Kölner Freie Szene. Wir gratulieren zum 25. Geburtstag. Auf weitere Jahrzehnte!

«

Wenn es keine Nominierungen gab, wie hat die Jury die Preisträger ermittelt? Die Nominierungen sind ja nicht als Orientierungshilfe für die Jury gedacht. Wir haben sie ab der zweiten Preisverleihung 1991 eingeführt, weil wir dachten, es sei ja zu schade, wenn in dieser qualitativ wie quantitativ reichhaltigen Szene nur einer gewinnt und die anderen guten Produktionen keine Erwähnung finden. Durch die Nominierungen, die halbjährlich in einer Jurysitzung ermittelt werden, fällt das Scheinwerferlicht auf mehrere Produktionen und nicht eine einzelne.


Jutta Maria Staerk, Künstlerische Leiterin COMEDIA Theater

» GRATULATION! – für eine gute Idee mit nachhalti-

ger Wirkung! GLÜCKWUNSCH und DANK an die Organisator_innen und Sponsoren für Ihre Entscheidung, das Freie Theater in Köln mittelbar zu fördern. GRATULATION! – all den Preisträger_innen aus 25 Jahren, deren Arbeit auf diese Weise überregional sichtbar und besonders wertgeschätzt wird! GLÜCK wünsche ich allen Akteuren beim Kampf um den Fortbestand dieses besonderen Montags jedes Jahr im Dezember.

«

Nach welchen Kriterien haben die Juroren die Stücke bewertet? Die Jury hat sich ihre Kriterien selbst erarbeitet. Ich kann mich erinnern, dass bei der ersten Jury immer alle geschlossen in den einzelnen Vorstellungen waren und anschließend direkt über das Gesehene heftig diskutiert haben, dann aber relativ schnell im Ergebnis einig waren. Man muss allerdings sagen, dass das Angebot damals nicht ganz so reichhaltig wie heute war, wo die Jury insgesamt ca. 100 Produktionen pro Jahr sichten muss und es für die Bereiche Theater, Kinderund Jugendtheater und Tanztheater einzelne Jurys gibt. Das heißt, der Aufwand für die erste Jury war noch nicht so hoch. Mich hat bei der Recherche erstaunt, dass erst seit 2005 ein schriftlich formuliertes Reglement der Preise existiert, nachdem es offenbar Proteste aus der freien Szene gab, weil eine Produktion mit Schauspielschülern nominiert worden war. Das ist richtig, die Kriterien werden ständig überarbeitet und den aktuellen Bedingungen angepasst. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Preise über die Jahre hinweg einen gewissen Stellenwert erhalten haben. Je attraktiver die Preise und je höher die Preisgelder – in diesem Jahr werden sieben Preise mit einem Gesamtpreisgeld von 37.380 € verliehen –, desto größer die Wertigkeit und der Wille zu gewinnen. Unterlegene sahen viel kritischer auf die Gewinner und wollten wissen, warum gerade diese Produktion von der Jury bevorzugt wurde. Die Kriterien wurden als Transparenz für die Szene und als Sicherheit für die Jury bei der Entscheidungsfindung fixiert.

6 Entstehungsgeschichte

Wenn sie das über die Jahre beobachten, dann ist das Prädikat »nominiert für den Kölner Tanz- und Theaterpreis« mittlerweile für die Theater ein Aushängeschild. Die Nominierungen kommen also den Theatern und freien Gruppen als zusätzliche Aufmerksamkeit und Werbemöglichkeit zugute. Wie überall gibt es natürlich auch in Köln einige Theater und Gruppen, die immer wieder nominiert wurden, aber leider nie den Preis gewonnen haben. Seit vielen Jahren veröffentlichen wir die Nominierungen in Pressemitteilungen, so dass die freie Szene damit entsprechend arbeiten kann. So haben wir die Kölner Tanz- und Theaterpreise im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt, bis sie die heutige Form angenommen haben, die sich eigentlich gut bewährt hat.


Foto: Janet Sinica

Entstehungsgeschichte

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Seit vielen Jahren moderieren Sie mit einer Ausnahme im Jahr 2004, als Sie für den Rat der Stadt Köln kandidierten, die Veranstaltung selbst, während es in den Anfangsjahren unterschiedliche Moderatoren wie etwa Rolf Bringmann oder Martin Stankowski gab. Warum ist das so? Wir hatten in den ersten Jahren immer sehr nette, eloquente Fremdmoderatoren, mussten aber feststellen, dass sie einen nicht so umfassenden Einblick in die Szene hatten. Sie haben sich unglaublich in die Materie einarbeiten müssen, die Genese der Preise, die Juryarbeit, den Stallgeruch der Szene. Dann habe ich irgendwann gesagt, bevor ich jemanden stundenlang briefen muss, mache ich das lieber selbst. Die Moderationen waren sehr gut, verstehen Sie mich da nicht falsch, aber ihnen fehlte etwas die Innensicht.

Aischa-Lina Löbbert, Schauspielerin

» Zu eurem Ehrentag ich nichts verwehren mag und sende diese Worte und schmeiße eine Torte! Ein Glück – ein Wunsch – ein Zück – ein Wisch! Prost Mahlzeit und Dank!

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Sie haben in den ersten Jahren eine Art kulturpolitische Auftaktrede gehalten. Wie viel Politik steckt hinter den Preisen? Ja, das stimmt, aber das war gar keine Idee von mir, sondern vom damaligen Vorsitzenden der Kölner Theaterkonferenz, Georg Franke. Diese Idee der kulturpolitischen Brandrede habe ich dann aufgegriffen. Das Problem war jedoch, dass man dies aufgrund der leider zu geringen kulturpolitischen Veränderungen nicht allzu oft wiederholen konnte. Erst in den letzten Jahren ist durch die Förderkonzepte etwas Bewegung in die Diskussion gekommen.

Welche Reaktionen gab es in Köln zu den Preisen? Es gibt mittlerweile Menschen, die sagen, das ist für mich der Höhepunkt des Theaterjahres. Es gibt Leute, die sagen, das ist eine schöne Veranstaltung, da kommen wir gerne hin. Dann gibt es unterschiedliche Reaktionen aus der freien Szene, je nachdem, ob man nominiert ist oder gar den Preis gewinnt, oder leer ausgeht. Bei Künstlern, die jahrelang leer ausgegangen sind, macht sich schon ein gewisser Frust breit. Aber grundsätzlich hat der Preis eine Attraktivität in der Stadtgesellschaft und wird durchaus wahrgenommen. Die Gewinnerstücke, die nach der Preisverleihung noch einmal auf den Spielplan kommen, was leider nicht immer möglich ist, haben noch einmal einen großen zusätzlichen Publikumszuspruch. Die Geheimhaltung der Preisträger war und ist nicht immer ganz einfach. Was können Sie uns darüber erzählen? Da erinnere ich mich an eine Anekdote. Das »Kölner Fenster« des WDR, die heutige Lokalzeit, war immer ganz begierig darauf, schon am Abend der Preisverleihung die Preise zu verkünden. Dann habe ich mich dazu hinreißen lassen, vor der Veranstaltung ein Interview zu geben, in dem ich die Preisträger bekannt gegeben habe. Und ich sehe es heute noch vor mir, die Veranstaltung begann um 19.30 Uhr und da kommt Clemens Dardenne, der Verwaltungsleiter der Comedia, dem damaligen Veranstaltungsort in der Löwengasse, breit grinsend auf mich zu und sagt, ich weiß schon alles, ich habe nämlich in meinem Büro Fernsehen geschaut. Daraufhin habe ich die Vorab-Interviews eingestellt und seitdem funktioniert es mit der Geheimhaltung trotz vieler Anfragen und Begehrlichkeiten sehr gut. Die nominierten Theater versuchen teilweise mit allen Tricks an eine Auskunft zu kommen. Da wird angerufen und gefragt, wir sind zurzeit auf einer Tournee, lohnt es sich denn nach Köln zu kommen? Ich antworte dann stets, es lohnt sich immer, nach Köln zu kommen.


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Hat sich die Qualität der Inszenierungen der Tanz- und Theaterstücke im Laufe der 25 Jahre Ihrer Meinung nach weiterentwickelt? Insgesamt glaube ich, dass es in der freien Szene Köln einen sehr großen Schritt hin zu einer Professionalisierung gegeben hat. Wir haben sehr interessante Regietalente in Köln hervorgebracht, die ja auch zum Teil ausgezeichnet wurden. Es heißt immer, die Kölner Szene sei international nicht so gut aufgestellt, aber qualitativ haben wir viel zu bieten. Vielleicht ist sie nicht ganz so experimentell und innovativ wie in anderen Städten. Wir haben unglaublich viele kleine Theater und Theaterräume mit meist 99 Sitzplätzen und kleinen Bühnen. Bernd Wagner von der Kulturpolitischen Gesellschaft, der im Auftrag der Stadt Köln das erste Theaterförderkonzept schrieb, nannte diesen Umstand die »Verhüttung« der Kölner Theaterszene. Die Ästhetik ist sehr stark abhängig von den räumlichen Gegebenheiten und das führt dazu, dass das große, raumgreifende Experiment selten zu sehen ist. Es gibt kein Kampnagel in Köln. Mit raum13, die eine historische Industrieanlage kulturell nutzen, haben wir jetzt beispielsweise einmal ein Konzept, das etwas anders aufgebaut ist. Es liegt aber vor allem an diesen Produktionsbedingungen, dass wir seltener das Experiment im Kölner Theater erleben. Hier leisten allerdings Netzwerke und Festivals Beachtenswertes.

Entstehungsgeschichte

Noch einmal zurück zur Jury. 1999 wurde die komplette damalige Jury ausgetauscht. Wie kam es dazu? Juror ist ja keine Beschäftigung auf Lebenszeit. Dass man Jurys alle paar Jahre wechselt, finde ich sinnvoll und gesund, weil natürlich Juroren bestimmte Vorlieben haben. Um Gerechtigkeit walten zu lassen, muss man auch immer einmal andere mit dazu nehmen. Heute erfolgt ein Wechsel häufig auf Bitten der Juroren selbst, weil sich beispielsweise die Arbeitssituation verändert hat. Mit unterschiedlicher Besetzung der Jurys sind auch die Diskussionen, die ich fast alle mitverfolgt habe, sehr unterschiedlich. Wie stark setzt sich jemand für ein bestimmtes Stück oder eine bestimmte Ästhetik ein? Das finde ich sehr spannend.

Kostas Papakostopoulos, Leiter Deutsch-Griechisches Theater

» Die Kölner Tanz- und Theaterpreise stehen sowohl für die Förderung des kreativen Nachwuchses als auch für den Erhalt der bestehenden kulturellen Vielfalt in Köln. Diese Ehrung der freien Szene gilt es, zu bewahren und zu beglückwünschen: Alles Gute zum 25jährigen Jubiläum wünscht Ihnen das DGT!

«


Fotos: Janet Sinica

Entstehungsgeschichte

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Bettina Muckenhaupt, Schauspielerin

» Als ich vor 5 Jahren zum 20. Bestehen der Preise den 1. Kölner Darstellerpreis erhielt, war das einer der glücklichsten Momente in meinem Schauspielerdasein. Ich danke nochmals und gratuliere zum Silberjubiläum.

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Mittlerweile gibt es insgesamt sieben Preise. Zum Theaterpreis und dem Kinder- und Jugendtheaterpreis, die es von Beginn an gab, kamen 1994 der Tanztheaterpreis, 1999 der Puck, 2000 der Ehrentheaterpreis, 2007 der Kurt-HackenbergPreis und 2009 der Darstellerpreis hinzu. Was ist zu den einzelnen Preisen zu sagen? Ich muss sagen, es wäre sträflich gewesen, wenn wir keinen Tanztheaterpreis ausgelobt hätten. Ich war damals noch Vorstandsvorsitzender der GZT, der Gesellschaft für zeitgenössischen Tanz NRW e.V., und habe mich sehr für den Tanz engagiert und die Stimmen aufgenommen, die sagten, wir benötigen auch einen Tanztheaterpreis. Die anderen Preise haben wiederum mit der Attraktivität der Veranstaltung und der Preise zu tun. Es kamen die beiden Besucherorganisationen auf uns zu, 1999 die Theatergemeinde Köln und später 2007 die Freie Volksbühne, die sagten, wir können uns vorstellen, uns in den Rahmen der Preise einzuklinken und einen Preis für den besten Nachwuchsdarsteller, den Puck, bzw. für politisches Theater den Kurt-Hackenberg-Preis zu vergeben. Letzterer bindet übrigens als einziger Preis auch die Stadttheater mit ein. Das haben wir gerne in die Veranstaltung integriert. Beide

Organisationen arbeiten mit eigenen, unabhängigen Jurys. Der Darstellerpreis ist aus einer damals bereits bestehenden Zusammenarbeit mit JT International Germany GmbH beim Sommer Köln entstanden, einem Projekt, bei dem die Stiftung Mitveranstalter ist. Wir haben zusammengesessen und es kam die Idee auf, einen Darstellerpreis für Schauspieler, die über einen längeren Zeitraum in mehreren Produktionen positiv aufgefallen sind, auszuloben. Der Ehrentheaterpreis geht wiederum auf eine Initiative von Edgar Franzmann zurück, der damals noch Redakteur beim Express war, dann als Pressesprecher zu NetCologne wechselte und das Thema Theater gerne weiter bearbeiten wollte und mich fragte, ob man nicht verdiente Persönlichkeiten oder Institutionen mit einem Preis ehren könne. Dann bot sich 2000 an, dass die von uns allen sehr geschätzten Machtwächter aufhörten, und das waren wunderbare erste Preisträger. Es ist ein gutes Instrument, jemandem für seine Lebensleistung zu danken. Dies ist übrigens der einzige Preis, dessen Preisträger vorher bekannt ist, weil wir ja sicher sein müssen, dass der Geehrte auch anwesend ist. Spartenübergreifende Stücke nehmen zu, Social und New Media halten Einzug in Theaterstücke, Theater findet im öffentlichen Raum teilweise ganz ohne Schauspieler statt, freie Kölner Theater kooperieren mit anderen Theatern, Städten oder gar Ländern. Innovatives Theater kann man in Köln vor allen auf den zahlreichen Festivals wie beispielsweise Globalize Cologne, Theaterszene Europa oder Africologne sehen. Wie spiegelt sich die Entwicklung in der freien Tanz- und Theaterszene in den Preisen, der Veranstaltung und dem Reglement wieder? Ich fange einmal mit den Festivals an. Da geht es ja u.a. darum, auch auswärtige Künstler und Gruppen einzuladen und vorzustellen. Die Preise waren und sind aber auch zukünftig für hauptsächlich in Köln lebende und arbeitende Künstler


gedacht, als regionale Förderung für die Kölner Szene, wie es auch unser Stiftungsauftrag ist. Die Inszenierungen müssen mehrmals vor Kölner Publikum gespielt werden. Wenn wir sie in Richtung Festivals erweitern, wird es schwierig. Wenn ein Festival über mehrere Jahre zu einer Institution geworden ist, kann man darüber nachdenken, einen Ehrentheaterpreis zu vergeben. Bei dem Verschwimmen der Genregrenzen ist es weitaus schwieriger. Jahrelang hatten wir beispielsweise mit den Produktionen von Angie Hiesl das Problem, dass wir sie gerne auszeichnen wollten, sie aber mit ihren Performances nicht in unser Preisraster passte, und so haben wir uns bei einem Jubiläum von ihr mit dem Ehrentheaterpreis beholfen. Für eine Jury, die nach Sparten aufgeteilt ist, sind genreübergreifende Stücke natürlich ein Problem, das wir nicht werden lösen können. In letzter Zeit wird in der Jury jedoch viel häufiger genreübergreifend diskutiert und flexibler entschieden. Die Kriterien für die Bewerbung eines Stückes werden immer wieder den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Hinzu kommt noch, dass der Geldgeber sich mit dem Preis und somit auch einer bestimmten Sparte oder Person identifizieren möchte. Ist es heute schwieriger neue Geldgeber zu finden? Natürlich haben wir auch Wechsel bei den Geldgebern gehabt. Es ist ganz selten, dass ein Unternehmen 25 Jahre lang den gleichen Preis unterstützt. Es gibt wirtschaftliche oder personelle Veränderungen, das muss man verstehen und darauf reagieren. In der damaligen Aufbruchstimmung war es einfacher, Menschen von der Idee zu begeistern. Um heute jemand Neues für Preise zu gewinnen, die es teilweise schon 25 Jahre gibt, braucht es schon große Überzeugungskraft, die Vorteile für das Unternehmen aufzuführen, wenn es einen Preis unterstützt. Es ist schwieriger, aber nicht unmöglich geworden, was aktuelle Beispiele belegen.

Was erwartet uns im Jubiläumsjahr bei der Veranstaltung am 1.12.2014? Wird es Veränderungen bei den Preisen oder beim Reglement geben? Ich will mich neuen Ideen nicht verschließen. Wir haben ja unterschiedliche Gesprächspartner aus der freien Szene eingeladen, mit uns über ihre Arbeitssituation, die Perspektiven der freien Szene, aber auch über die Institution der Kölner Tanz- und Theaterpreise und ihre Zukunft zu diskutieren. Der Bericht über diese Gesprächsrunde ist ebenfalls in diesem Magazin zu lesen. Veränderungen müssen aber mit dem uns zur Verfügung stehenden Budget und personellen Ressourcen in Einklang gebracht werden, denn es muss auch alles anschließend realisiert und umgesetzt werden können. Ich bin jedenfalls offen für Anregungen. In unserer Jury konnten wir auf Nachfrage keinen großen Veränderungsbedarf feststellen. Für diese Preisvergabe wird sich vermutlich nichts ändern, ich will das aber für die kommenden Jahre nicht ausschließen. Bei der Veranstaltung selbst wird es am Anfang etwas festlicher und offizieller zugehen, aber ansonsten wird nichts verändert, denn die Nominierten kommen zur Veranstaltung, um zu erfahren, ob sie gewonnen haben. Jedes verzögernde Moment macht da die Spannung und Stimmung kaputt, denn ich möchte ja wissen, ob ich gewonnen habe, und anschließend mit den Kollegen feiern. Was meinen Sie, wird es in 25 Jahren noch die Kölner Tanzund Theaterpreise geben? Das einzige, was ich dazu sagen kann, ist, ich weiß, dass ich dann nicht mehr moderieren werde. Aber ob es die Kölner Tanz- und Theaterpreise dann noch geben wird, weiß ich nicht. Ich persönlich fände es aber sehr schön, wenn es sie noch geben würde, denn es freut die Ausgezeichneten und kann an vielen Stellen auch finanziell helfen. Das Interview führte Mechthild Kremer


Schlaglichter

Foto: © Steffen Hauser

aus 25 Jahren

Kölner Theaterpreis für »Grindkopf«, Regie: Anita Ferraris, im Theater der Keller

1. Preis der Kategorie: Kölner Theaterpreis 1990: »Sindbadland« von Gerold Späth, Regie: Kurt Lambrigger, im Urania Schauspiel Ehrenfeld

Kölner Ehrentheaterpreis 2000: Die Machtwächter für ihr Lebenswerk Kurt-Hackenberg-Preis 2007: »Das Versteck«, eine alevitisch-kurdische Migrationsgeschichte von Hüseyin Michael Cirpici, Inszenierung: Hüseyin Michael Cirpici, im Theater der Keller

8 Nominierungen für Inszenierungen des Rose-Theegarten-Ensemble

Kinder- u. Jugendtheaterpreis 1990: Ömmes & Oimel für 15 Jahre Kinder- und Jugendtheater

Kölner Darstellerpreis 2009: Bettina Muckenhaupt, Mitglied des RoseTheegarten-Ensembles für ihre Rollen u.a. in »Romeo und Julia«, Regie: Rüdiger Pape im COMEDIA Theater Köln »Ein Schaf fürs Leben« und »Vor dem Ruhestand«, Regie: Volker Lippmann im Theater Tiefrot

»puck« 1999: Annette Frier

1994 Starke Theaterhäuser

8 Nominierungen für Regiearbeiten von Rüdiger Pape im COMEDIA Theater und im Theater im Bauturm

33 Nominierungen Dietmar Kobboldt & Gerhardt Haag erhielten auch den Ehrentheaterpreis 2010 als Mitherausgeber der Theaterzeitung aKT

1994 Kölner Theaterpreis für »Grindkopf«, Regie: Anita Ferraris 1996 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Acht Jahre«, Regie: Eva Hosemann 2000 Kölner Theaterpreis für »Der Freigeist« von Eric-Emmanuel Schmitt, Regie: Meinhard Zanger

1996 Kölner Theaterpreis für »Kunst«, Regie: Axel Siefer, Gerhardt Haag und Heinrich Cuipers 2004 Kölner Theaterpreis für »Nora« von Henrik Ibsen, Inszenierung: Axel Siefer 2007 Kölner Theaterpreis für »Der Kick« von Andres Veiel und Gesine Schmidt, Inszenierung: Harald Demmer, in Koproduktion mit der »GbR Kick« 2011 Kölner Theaterpreis für »Faust – Der Tragödie erster Teil«, Inszenierung: Jörg Fürst, in Koproduktion mit »GbR Faust« 2013 Kölner Ehrentheaterpreis: für Gerhardt Haag, Als einer der profiliertesten Persönlichkeiten der freien Kölner Theaterszene. Theaterleiter des Theater im Bauturm – Freies Schauspiel Köln, Vorsitzender des Vereins »Off-Cologne e.V. mit Offticket« und Vorsitzender und Sprecher der »Plattform Kölner Theater e.V«, Erfinder und künstlerischer Leiter des »africologne – Festival des afrikanischen Theaters in Köln«, Mitherausgeber und Geschäftsführer der »aKT, Die Kölner Theaterzeitung«.

10 Nominierungen für Regiearbeiten von Meinhard Zanger 2005 Ehrentheaterpreis für Ilse Schwarzhaupt für ihr langjähriges Engagement für das Theater der Keller 2007 1. Kurt-Hackenberg-Preis für »Das Versteck«, eine alevitischkurdische Migrationsgeschichte von Hüseyin Michael Cirpici, Inszenierung: Hüseyin Michael Cirpici 2013 Kölner Theaterpreis für »Waisen« von Dennis Kelly, Regie: Sandra Reitmayer 8 Nominierungen für Inszenierungen des Theaters Tiefrot

1990

1991

1992

Foto: Duhon/wikipedia.com

6 Preise Theater der Keller

32 Nominierungen

6 Preise Theater im Bauturm 1991 Kölner Theaterpreis für den Regisseur Thomas Wenzel und das Ensemble des Theaters im Bauturm für die Gesamtleistung des Jahres 1991 Thomas Wenzel erhielt auch für seine Rolle in »Ihre Version des Spiels« und viele andere Rollen den Darstellerpreis 2013

1993

1994

1995

1995

1997

1998

4 Preise studiobühneköln 1992 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Robinson lernt tanzen«, Regie: Axel Wurth 1995 Kölner Theaterpreis für »Iphigenie auf Tauris«, Regie: Dietmar Kobboldt und das Ensemble c.t. 201 2002 Kölner Theaterpreis für »Die Sinfonien des Johannes Brahms«, eine Produktion von c.t. 201, Regie: Dietmar Kobboldt 2013 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Der Lügensammler«, eine Koproduktion von studiobühneköln und AGORA, dem Theater der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Text u. Regie: Kurt Pothen

12 Nominierungen für Regiearbeiten von Dietmar Kobboldt

Kölner Theaterpreis für »Iphigenie auf Tauris«

Foto: Stiftungsarchiv

Kölner Tanztheaterpreis 1994: »lautloses echo«, Choreographie: Katharine Sehnert

1995 1999

2000

2001

20


002

Schlaglichter

12

Foto: Raimond Spekking/ wikipedia.com

Starke Schauspielschule 9 Mal ging der »puck« an Schüler des Theaters der Keller 1999 2000 2001 2003 2007 2009 2010 2011 2013

Starke Tanzszene

Annette Frier Mirco Reseg Johanna Bönninghaus Caroline Pohl Kathrin Schmieg Nagmeh Alaei Robert Oschatz Mateusz Dopieralski Alena Kolbach

2 Preise Britta Lieberknecht

2004 Kölner Tanztheaterpreis für »Isa – ultima thule«, Choreographie: Yoshie Shibahara im Rahmen von Tanzhautnah im Bürgerhaus Stollwerck 2012 Kölner Tanztheaterpreis für »EXUVIAE – eine Tanz-RauminstallationsPerformance«, Konzept und Szenographie: Yoshie Shibahara in der Orangerie, Theater im Volksgarten

2009 Kölner Tanztheaterpreis für »Berühren – Zerreissen«, Choreographie: Britta Lieberknecht in der Alten Feuerwache 2009 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Wo der Pfeffer wächst« Inszenierung und Choreographie: Andrea Lucas, Theater Monteure und Britta Lieberknecht im Bürgerhaus Stollwerck

Foto: © Bettina Stoess

2 Preise Yoshie Shibahara

Foto: © schmidtbildautor

7 Nominierungen

Katharine Sehnert

Emanuele Soavi

8 Nominierungen

Foto: © MEYER ORIGINALS

Kölner Tanztheaterpreis für »Berühren – Zerreissen«

2003

2009 2004

2005

2006

2 Preise Katharine Sehnert

3 Preise Emanuele Soavi/ Massimo Gerardi

2007

2008

2006 Kölner Tanztheaterpreis für »Pop Eye – Die 5 Sinne, Teil 5: Das Sehen«, Choreographie: Massimo Gerardi, movingtheatre.de im Kulturbunker Mülheim 2009 Kölner Tanztheaterpreis für »SITE SPECIFIC//you are not alone anyway!« von movingtheatre.de, Choreographie und Tanz: Massimo Gerardi & Emanuele Soavi, aufgeführt im Rahmen von »sommerblut« im Bürgerhaus Stollwerck 2011 Kölner Darstellerpreis für Emanuele Soavi für seine Performance in »PANcomplex«, movingtheatre.de in Koproduktion mit Dansateliers Rotterdam, Choreographie/Idee: Emanuele Soavi und »REVOLVER/ identities« und weitere Performances

2009

2010

2011

1994 1. Kölner Tanztheaterpreis für »lautloses echo«, Choreographie: Katharine Sehnert 2009 Kölner Ehrentheaterpreis für ihr Lebenswerk als Tänzerin und Choreographin

2 Preise Silke Z. 1999 Kölner Tanztheaterpreis für »Fractured«, Choreographie: Silke Zimmermann 2008 Kölner Tanztheaterpreis für »machtMut« und »private spaces (the p.s.-project)«, Choreographie: Silke Z., resistdance in der Live Music Hall

2012

2013

2014


Schlaglichter

13

Foto: © Thomas Dahl

12 Nominierungen für Inszenierungen im Kölner Künstler Theater. Davon 6 unter der Regie von Georg zum Kley.

Starke Kinderund Jugendtheater

Imke Pankauke in »HULLABALLO«

15 Nominierungen

4 Preise AGORA

4 Preise Monteure

2004 Ehrentheaterpreis für sein Engagement um »Ömmes & Oimel« 2010 Darstellerpreis für seine Rolle des Biests in »Ellis Biest«, Regie: Karin Eppler, COMEDIA Theater und weiterer Rollen im COMEDIA Theater

1993 Kölner Theaterpreis für »VW«, eine Koproduktion mit dem Theater Brausepaul, Regie: Marcel Cremer 1998 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Besuch bei Katt und Fredda«, Produktion: Ömmes & Oimel, Regie: Marcel Cremer im COMEDIA Theater 2001 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Ikarus oder der Traum vom Fliegen«, Produktion: Ömmes & Oimel, Regie: Marcel Cremer im COMEDIA Theater

1995 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Weltenspiele«, Regie und Produktion: Theater Monteure 1999 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »du und ich ohne dich« von Andrea Lucas und Joachim von der Heiden, Regie: Joachim von der Heiden, Choreographie: Andrea Lucas, Produktion: Theater Monteure 2006 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Rosige Aussichten«, Inszenierung und Buch: Andrea Lucas mit Ensemble, Theater Monteure im Bürgerhaus Stollwerck 2009 Kinder- und Jugendtheaterpreis 2009 für »Wo der Pfeffer wächst«, Inszenierung und Choreographie: Andrea Lucas, Theater Monteure und Britta Lieberknecht im Bürgerhaus Stollwerck

2 Mal gab es den Kinder und Jugendtheaterpreis für Ömmes & Oimel unter der Regie von Marcel Cremer im COMEDIA Theater

Klaus Schweizer

2 Preise COMEDIA Theater 2010 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Ellis Biest« nach Martin Karau, Regie: Karin Eppler 2012 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Emil und die Detektive« von Erich Kästner in einer Fassung für drei Spieler, Regie: Frank Hörner Rebekka Madita Hundt erhielt 2012 den Darstellerpreis für Rollen u.a. in »Schwarze Milch oder Klassenfahrt nach Auschwitz«, »Schwestern« und »Clyde und Bonnie« im COMEDIA Theater Köln

2013 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Der Lügensammler«, eine Koproduktion mit der studiobühneköln, Text und Regie: Kurt Pothen

3 Preise Theaterpädagogisches Zentrum e.V. Köln

1991

1992

2005 Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Wünschewald, Regie: Matthias Weiland 2007 Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Die Tochter des Sargmachers«, Text: Ensemble, Regie: Matthias Weiland Matthias Weiland war 2013 Darsteller des prämierten Stücks »Der Lügensammler«

4 Nominierungen für Regiearbeiten von Svetlana Fourer

18 Nominierungen

2 Preise Horizont Theater 1997 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Abzweigung« Regie: Volker Hein 2002 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Kugel und Schachtel«, und »Heinrich der Fünfte«, Inszenierung: Nelli Ayukhanova

1993 Kinder- und Jugentheaterpreis für »Kinderjahre« Regie: Arno Kleinofen 2008 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Die zweite Prinzessin« von Gertrud Pigor, Regie: Angelika Pohlert, Darstellerin: Imke Pankauke 2011 Kinder- und Jugendtheaterpreis für »HULLABALOO«, von Angelika Pohlert und Imke Pankauke, Regie: Angelika Pohlert

11 Nominierungen für Regiearbeiten von Catharina Fillers im COMEDIA Theater

1990

2 Preise teAtmo Ensemble/ Casamax Theater/ Matthias Weiland

2013

Foto: © Willi Filz

Foto: © MEYER ORIGINALS

2 Preise Klaus Schweizer

10 Nominierungen

Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis für »Der Lügensammler« eine Koproduktion von AGORA und der studiobühneköln

1993

1994

1995

1995

1997

1998

1999

2000

2001

20


002

Starke Auftritte Preisdoppelung Im selben Jahr ging der Kölner Theaterpreis und der KurtHackenberg-Preis an: 2010 »Petersberg I«, Futur3 in Zusammenarbeit mit der Freihandelszone, Künstlerische Leitung: André Erlen und Stefan H. Kraft 2012 »V wie Verfassungsschutz«, nö theater, Inszenierung: Janosch Roloff

2013 ging der Kölner Theaterpreis zu gleichen Teilen an:

»Waisen« von Dennis Kelly, Regie: Sandra Reitmayer im Theater der Keller, traditionelles Kammertheater

Foto: © Pauline Fabry

»Haus Nummer Null«, eine Zeit- und Rauminstallation von Mona el Gammal und Juri Padel in der Lichtstraße 28, Köln Ehrenfeld, performative Installation Kölner Theaterpreis für »Haus Nummer Null«

Foto: © MEYER ORIGINALS

2013

Teilung des Preises

und »Waisen«

14 Nominierungen und ein Preis für das Freie Werkstatt Theater: Theaterpreis 2008 »Das Wüten der ganzen Welt«, Inszenierung: Johannes Kaetzler

Politisches Theater

Der KHP für »Das Versteck«

(bereitgestellt von NetCologne) ging 2010 an die aKT gGmbh für ihr Projekt der Kölner Theaterzeitung aKT – erste unabhängige Kölner Theaterzeitung

Der KHP für »KriegsBlicke«

2008 »Kurz nachdem ich tot war. Von Häusern und Menschen«, matthaei & konsorten, Inszenierung: Jörg Lukas Matthaei (Kölner Beitrag im Festival »Echt«) 2009 »Die Kontrakte des Kaufmanns« von Elfriede Jelinek, Inszenierung: Nicolas Stemann im Schauspiel Köln Bisher einziger KHP für städtische Bühne

Foto: Janet Sinica

Kölner Ehrentheaterpreis dotiert mit 2.600 €

2007 »Das Versteck«, eine alevitischkurdische Migrationsgeschichte von Hüseyin Michael Cirpici, Inszenierung: Hüseyin Michael Cirpici im Theater der Keller

2013 »KriegsBlicke« von raum13 Kolacek & Leßle, Inszenierung: Anja Kolacek, Bühnenbild: Marc Leßle

Foto: © MEYER ORIGINALS

2010

aKT-Team

Foto: © MEYER ORIGINALS

Durch den KHP erhalten Theaterstücke mit Fokus auf Politik mehr Aufmerksamkeit

2007

Besonderer Ort mit neuem Konzept: Deutzer Zentralwerk der schönen Künste

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014


Fotos: Susanne Fern

Die Faszination der Vielfalt Ein Gespräch über die Kölner Theaterpreise und die Situation des Off-Theaters Keim: Sind Sie mit den Kölner Theaterpreisen in der derzeitigen Form zufrieden? Schweizer: Naja, früher waren Eintritt und Getränke umsonst 1. Es war eindeutig lustiger, es wurde auch mehr getrunken. Deshalb wird das Ganze kürzer, und die Leute gehen eher nach Hause. Es war ein wichtiger Termin, wo man sich oft nach langer Zeit mal wieder getroffen und geredet hat. Kobboldt: Die Nominierungen für den Kölner Theaterpreis konnten wir gut für die Werbung benutzen. Das war schon eine externe Auszeichnung. Ich hab das nicht statistisch evaluiert, aber ich gehe davon aus, dass es mehr Zuschauer gebracht hat. Keim: Sind denn die Preise so dotiert, dass man damit wirklich etwas anfangen kann? Schweizer: Schon, denn in den Häusern werden damit ja keine neuen Stücke produziert, sondern das Geld wird verteilt. Das ist auch bitter notwendig, weil die Gagen salopp ausgedrückt verheerend sind. Jeder Euro, der über den Theaterpreis verteilt werden kann, ist wichtig. In den freien Gruppen ist das manchmal anders. Die können manchmal mit dem Preis eine neue Produktion anschieben.

Keim: Entsprechen denn die Kriterien dem gegenwärtigen Stand des Theaters? Oder wären offene Preise besser, die gar nicht an Schauspieler oder ganze Produktionen gehen müssen? Kobboldt: Die Jurys scheinen da in ihrer Entscheidung sehr frei zu sein. Und wenn man sich den letzten geteilten Theaterpreis anschaut, da haben wir ja ganz augenfällig, dass eine traditionelle, gute Theaterproduktion ausgezeichnet wurde und eine eher performative Installation bei einer weitgehenden Abwesenheit von Darstellern. Die wurde auch nicht aus dem städtischen Theateretat, sondern aus dem der bildenden Kunst finanziert. So etwas ist also durchaus möglich, wenn die Jury es für richtig hält. Vielleicht muss man eine Grenze ziehen zwischen performativer Kunst und Theater. Aber diese Grenze muss man mittlerweile immer wieder neu ziehen. Die Überschneidungen zwischen den Künsten sind mittlerweile so vielfältig. Dem muss der Theaterpreis Rechnung tragen. Zumindest bei den Entscheidungen der letzten Jahre hat er es getan.

1

Der Eintritt für Nominierte und geladene Gäste ist nach wie vor frei. Von Freigetränken musste sich die SK Stiftung Kultur leider verabschieden, nachdem es wiederholt zu unangemessenem Verhalten und Sachbeschädigungen gekommen war.


» Kann man einem Preis gratulieren? Ich versuch‘s. Wäre der Preis mein Sohn, der gerade erst vier Wochen alt ist und natürlich ein Wunder, dann wird er mit 25 ein junger Mann sein, der sein Leben noch vor sich hat. Statistisch gesehen wird er 100. Dieses Alter wünsche ich auch dir, lieber Kölner Tanz- und Theaterpreis. Mindestens. Und das wird hoffentlich kein Wunder. Auf dass du wächst und gedeihst. Immer in gute Hände gerätst. Und hoffentlich auch Mal in meine. Happy Birthday, Theaterpreis der Zukunft.

«

Teilnehmer: in der Reihenfolge der Fotos von links nach rechts

Thomas Linden Juror Kinder- und Tanzjury, Journalist, Kurator

Gisela Deckart Referentin für Tanz und Theater, Kulturamt Köln

Christina-Maria Purkert Tanzjournalistin, Rundfunkmoderatorin

Gerhardt Haag Leiter des Theaters im Bauturm, africologne Festival

Norbert Reiche Geschäftsführer der Theatergemeinde Köln e.V.

Andrea Hoßfeld Freie Volksbühne Köln e. V.

Janosch Roloff Schauspieler, Regisseur, nö theater, Kurator Testsignalgenerator im FWT

Dietmar Kobboldt Leiter der studiobühneköln, Vorsitzender der Kölner Theaterkonferenz Mechthild Kremer SK Stiftung Kultur

Klaus Schweizer Geschäftsführer COMEDIA Theater Moderation und Protokoll: Stefan Keim Kulturjournalist, Kabarett

16 Die Faszination der Vielfalt

Philine Velhagen, Regisseurin, künstlerische Leiterin Drama Köln

Purkert: Das kann ich für den Tanz nur bestätigen. Der Tanz ist die Kunstform, die sich am stärksten den anderen Formen gegenüber öffnet. Der eine Choreograph arbeitet mit Architektur, der nächste mit Videokunst, der dritte bezieht sich auf zeitgenössische Musik, der vierte befindet sich auf der Grenze zum Theater. Das ist Ermessenssache der Jury und auch eine Frage, wo die Künstler sich verorten. Ob einer sagt, ich gehe als Choreograph auch an andere Ausdrucksformen ran. Oder ob er sagt, ich mach Theater und hol mir Bewegung in meine Inszenierung. Man kann das nur von Produktion zu Produktion entscheiden. Deckart: Ich finde schon, es ist ein Problem des Theaterpreises, dass es eine ziemlich differenzierte Szene gibt, viele, verschiedene Produktionsformen. Man kann den Besten nur schwer herausfinden. Die Kriterien sind nicht immer ganz transparent. Wonach sucht man eigentlich, wenn man den Theaterpreis vergibt? Innovation oder Erfolg? Es ist ein Riesenunterschied, ob ich an einem Haus etwas produziere oder als freie Gruppe ein Projekt mache, das nach einigen Vorstellungen abgeschlossen ist. Wie bewertet man das?

Linden: Das Kriterium Erfolg spielt keine Rolle. Das kann ich eindeutig sagen. Das ist ganz weit weg von dem, wie die Jury arbeitet. Haag: Aber ist Erfolg denn ein Ausschlusskriterium? Linden: Soll ich darauf antworten? Haag: Natürlich. Linden: Natürlich ist es kein Ausschlusskriterium. Es geht um ästhetische Fragen. Keim: Die Vergleichbarkeit scheint mir ein wichtiger Punkt zu sein. Solche Entscheidungen haben immer auch ein hohes Maß an Subjektivität. Wenn der Kölner Theaterpreis aber auch ökonomisch eine große Bedeutung hat, um die permanente Selbstausbeutung ein bisschen zu kompensieren, liegt auch eine hohe Verantwortung auf den Schultern der Jury, oder?


17 Die Faszination der Vielfalt

jüngere Kollegen gibt, die nicht damit einverstanden sind, wenn viele traditionelle Theaterstücke Preise gewinnen. Da gab es schon mal Kritik, ein Aufbegehren der Jugend, dass immer wieder die »alten Säcke die Preise absahnen«. Es ist natürlich die Tendenz da, dass eher gestandene Schauspieler und Produktionshäuser nominiert sind als Newcomer aus den freien Gruppen. Haag: Das kann ich so nicht bestätigen. Die Jurys sind natürlich völlig frei in ihren Entscheidungen. Die muss man akzeptieren, und ich habe mich schon sehr über Preise von anderen gefreut, wenn ich sie richtig finde. Ich habe mich auch schon wahnsinnig geärgert. Ich habe mal an die Jury des Kurt-Hackenberg-Preises einen offenen Brief geschrieben. Ich finde, Jurys müssen auch kritisierbar sein. Nicht um ihre Freiheit einzuschränken, das ist damals falsch verstanden worden, aber eine Jury muss auch Kritik aushalten können. Theatermacher haben auch das Recht, eine Jury anzugreifen.

Stefan Keim: Moderation und Protokoll

Schweizer: Wenn ich mal vom Kindertheater reden darf: Selbst wenn da ein Stück sehr erfolgreich ist, kann man damit überhaupt kein Geld verdienen. Es ist ein Irrtum zu glauben, ein erfolgreiches Stück bedeutet, dass ein Haus oder eine Gruppe viel Geld bekommt. Das kann also nie ein Kriterium sein.

Keim: Aber das klingt nicht nach einem strukturellen Problem. Wenn man auf die überregionalen Festivals für OffTheater blickt – Impulse, Favoriten und andere – wird ja doch eine bestimmte ästhetische Richtung favorisiert. Da sagen viele Regisseure, die Texte mit Schauspielern machen, sie hätten ja ohnehin keine Chance. So etwas gibt es bei den Theaterpreisen nicht? Linden: Preise für junge Gruppen hat es immer gegeben. 2013 war es so, im Jahr davor war es das nö theater. Das ist in anderen Sparten auch so. Immer wieder gibt es junge Künstler, die schnell einen Preis bekommen.

Keim: Was sind denn die richtigen Kriterien? Purkert: Das sind die gleichen, die ich auch als Kritikerin habe. Womit arbeiten die Künstler? Wie gut beherrschen sie ihre Theatermittel? Und wie stimmig ist das, was sie dann damit auf die Bühne bringen?

» Das Kölner Künstler Theater gratuliert ganz herzlich

Linden: Es gibt natürlich Kriterien wie Innovation, Handwerk, ästhetische Fragen, Dramaturgie, Musik. Wie wird ein Thema aufgenommen? Wo entwickelt sich etwas Neues?

zu ›25 Jahre Kölner Tanz- und Theaterpreise‹. Ein Vierteljahrhundert Unterstützung für die freie Szene, das ist toll! Herzlichen Dank.

Ruth und Georg zum Kley, Kölner Künstler Theater

«

Hoßfeld: Beim Kurt-Hackenberg-Preis, dem Preis für politisches Theater, gibt es ein ganzes Papier. So etwas müsste es doch auch für den Theaterpreis geben. Kremer: Gibt es auch, und die Kriterien werden auch immer wieder neu diskutiert. Das Reglement ist überall nachlesbar, es fungiert auch als Hilfestellung für die Jury. Wenn die Juroren sagen, ein bestimmter Punkt wird immer wichtiger oder einer fehlt, dann wird das angeglichen. Es sind jeweils drei Juroren pro Sparte, das spielt auch eine Rolle. Die Diskussionen sind immer anders, je nachdem, wie sich die Jurys zusammensetzen. Keim: Seid ihr denn mit den Entscheidungen der vergangenen Jahre zufrieden? Schweizer: Es wird immer jemand unglücklich sein, wenn er den Preis nicht selbst gewinnt. Das ist eine normale menschliche Regung. Ich kann mir gut vorstellen, dass es viele

Keim: Wird nicht sogar mancherorts zu sehr auf die Jungen geschaut? Frische Leute werden gern gefördert, aber die Älteren können mit Mitte 50 ja auch noch nicht in Rente gehen, ist ja auch Quatsch, die haben Erfahrung und machen oft gute Arbeit, bekommen aber nicht mehr so viel Aufmerksamkeit. Ist das in Köln auch ein Problem? Haag: Ein Preis darf niemals aus sozialen Gründen vergeben werden. Aber die Förderstrukturen sind so getaktet, dass man immer etwas Neues erfinden muss. Kontinuität ist nicht so gefragt, wird eher mitgeschleppt. Das ist eine Sicht, die in der Entscheider-Szene eine Rolle spielt. Einerseits ist das gut, neue Impulse haben eine Chance. Die Balance zu finden ist aber sehr schwierig. Überregional hört man wirklich oft, Sie müssen mit Neuem kommen.


18

And the winner is … Theaterpreis 1990-2014

Kölner

2000

»Der Freigeist« von EricEmmanuel Schmitt, Regie: Meinhard Zanger, im Theater der Keller

2001 »Die Schneekönigin«, Regie: Sven Lange, Theater Tiefblau

2002 »Die Sinfonien des Johannes Brahms«, Regie: Dietmar Kobboldt, eine Produktion von c.t. 201 in der studiobühneköln

2003 »Das Fest« von Thomas VinFoto: © MEYER ORIGINALS

terberg und Mogens Rukov, Inszenierung: Joe Knipp im Theater am Sachsenring

Anita Ferraris im Theater der Keller

Foto: Susanne Fern

von Martin McDonagh, Regie: Andreas Robertz, ARTheater in Kooperation mit movingtheatre.de

und Gesine Schmidt, Inszenierung: Harald Demmer, Theater im Bauturm in Koproduktion mit der »GbR Kick»

2008

2008 »Das Wüten der ganzen Welt« von Johannes Kaetzler nach dem Roman von Maarten ‘t Hart, Inszenierung: Johannes Kaetzler im Freien Werkstatt Theater

2009 »noch nicht. Desinformati-

Regie: Dietmar Kobboldt und das Ensemble c.t. 201, Urania Theater Köln

onsabend für inoffizielle Mitarbeiter«, Konzept, Text und Regie: Hofmann & Lindholm, Koproduktion von Schauspiel Köln und Hofmann & Lindholm in der Schlosserei

1996 »Kunst«, Regie: Axel Siefer, Gerhardt Haag und Heinrich Cuipers im Theater im Bauturm

1997 »Rindviecher sollen nicht lachen« und »In seinem Garten liebt Don Perlimplin Belisa«, Regie: Inka Neubert

1998 »Totentanz« und »Das

Foto: Ilya Pusenkoff

1995 »Iphigenie auf Tauris«,

häßliche Entlein«, Regie: Sven Lange mit dem Ensemble des Theaters Tiefblau

1999 »Die ewige Maria« von Roland Schimmelpfennig, Ensemble Inka Neubert, Regie: Inka Neubert

2009

Foto: © Klaudius Dziuk

2007 »Der Kick« von Andres Veiel

Bearbeitung des Healing Theatre, Regie: Michael Dick

Foto: © Willi Filz

deutsches Requiem« von Marc Becker, Regie: Jörg Fürst, eine Produktion von a.tonal.theater im Theaterhaus Köln

2006 »Der Kissenmann«

1992 »Das Schloß«, Kafka-

Theater Brausepaul und Agora, Regie: Marcel Cremer

2012

2005 »Wir im Finale – ein 1994 »Grindkopf«, Regie:

1993 »VW«, Koproduktion von

Teil«, Inszenierung: Jörg Fürst, eine Produktion von Theater im Bauturm und »GbR Faust«

Inszenierung: Axel Siefer im Theater im Bauturm

Gerold Späth, Regie: Kurt Lambrigger im Urania Schauspiel Ehrenfeld

und das Ensemble des Theaters im Bauturm für die Gesamtleistung des Jahres 1991

2011»Faust – Der Tragödie erster

2004 »Nora« von Henrik Ibsen,

1990 »Sindbadland« von 1991 Regisseur Thomas Wenzel

2010

»Petersberg I«, Künstlerische Leitung: André Erlen und Stefan H. Kraft, Futur3 in Zusammenarbeit mit der Freihandelszone

2012 »V wie Verfassungsschutz«, Inszenierung: Janosch Roloff, Produktion: nö theater in der Orangerie, Theater im Volksgarten

2013

»Haus Nummer Null« – eine Zeit – und Rauminstallation von Mona el Gammal und Juri Padel, in der Lichtstraße 28, Köln Ehrenfeld, und »Waisen« von Dennis Kelly, Regie: Sandra Reitmayer im Theater der Keller

2014

»Der Freund krank«, von Nis-Momme Stockmann, eine Produktion der Acting Accomplices, Regie: Thomas Ulrich in der Orangerie, Theater im Volksgarten


19

And the winner is … Kinder- und Jugendtheaterpreis Kölner

1990-2014 15 Jahre Kinder- und Jugendtheater

1991 »Träume schäumen über«, Theater Brausepaul, Ina Beimbauer und Martin Lürwer im Theater Bel-Air

2012

Foto: © MEYER ORIGINALS

1990 Ömmes & Oimel für

2009

»Wo der Pfeffer wächst«, Inszenierung und Choreographie: Andrea Lucas, Theater Monteure und Britta Lieberknecht im Bürgerhaus Stollwerck

1992 »Robinson lernt tanzen«, Regie: Axel Wurth, studiobühneköln

1993 »Kinderjahre«, Regie: Arno

2010 »Ellis Biest« nach Martin Karau,

Kleinofen, Theaterpädagogisches Zentrum

Regie: Karin Eppler, COMEDIA Theater

1994 »Pinselprinz und Brötchen-

2011 »HULLABALOO« von

braut«, Jugendtheater N.N.chen, Regie: George Isherwood

Angelika Pohlert und Imke Pankauke, Regie: Angelika Pohlert im Theaterpädagogischen Zentrum

1995 »Weltenspiele«, Regie und Produktion: Theater Monteure

2012 »Emil und die Detektive«

1996 »Acht Jahre«, Regie:

von Erich Kästner in einer Fassung für drei Spieler, Regie: Frank Hörner, COMEDIA Theater

Eva Hosemann im Theater der Keller

2001

2000 »Nicht mit uns!«, Text und Regie: Georg zum Kley im Kölner Künstler Theater

2013

2013 »Der Lügensammler« eine Koproduktion von studiobühneköln und AGORA, dem Theater der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Text und Regie: Kurt Pothen

Fliegen«, Regie: Marcel Cremer, Produktion: Ömmes & Oimel in der Comedia

2014

2002 Regisseurin Nelli Ayukhano-

Foto: Janet Sinica

Foto: © Heinz-Dieter Falkenstein

2001 »Ikarus oder der Traum vom

va für ihre Inszenierungen: »Kugel und Schachtel« und »Heinrich der Fünfte« im Horizont-Theater

»Wir alle für immer zusammen« von Guus Kujier, in der Fassung des Comedia Theaters, Regie: Rüdiger Pape im COMEDIA Theater Köln

2003 »Oma – Fuchs – Kuh« von

1998 »Besuch bei Katt und Fredda«, Ömmes & Oimel, Regie: Marcel Cremer in der Comedia

1999 »du und ich ohne dich« von Andi Lucas und Joachim von der Heiden, Regie: Joachim von der Heiden, Choreographie: Andrea Lucas, Produktion: Theater Monteure

2005 »Wünschewald«,

2004 »Warum trägt John Lennon

Regie: Matthias Weiland, teAtmo Ensemble im Casamax Theater

einen Rock?« von Claire Dowie, Regie: Britta Weyers, Produktion: ZENO im Theater im Bürgerzentrum Ehrenfeld

2006 »Rosige Aussichten«, Inszenierung und Buch: Andrea Lucas mit Ensemble, Theater Monteure im Bürgerhaus Stollwerck

2007 »Die Tochter des Sargmachers«, Text: Ensemble, Regie: Matthias Weiland, teAtmo Ensemble im Casamax Theater

2008 »Die zweite Prinzessin« von Gertrud Pigor, Regie: Angelika Pohlert im Theaterpädagogischen Zentrum

2008

Foto: © MEYER ORIGINALS

Volker Hein, im Horizont Theater

Necati Sahin, Regie: Rainer Hannemann im Arkadas Theater

Foto: Susanne Fern

1997 »Abzweigung«, Regie:

2006


Die Faszination der Vielfalt

20

Ute Kossmann, N.N. Theater Neue Volksbühne Köln

» Wir gratulieren zum Jubiläum ›25 Jahre Kölner Tanz- und Theaterpreise‹, danken herzlich für die langjährige Unterstützung und zitieren an dieser Stelle Konrad Adenauer: ›Ehrungen, das ist, wenn die Gerechtigkeit ihren liebenswürdigen Tag hat.‹

«

Deckart: Zum Beispiel. Man kann ja mal differenzieren, zum Beispiel in Produktionen aus den Häusern und Produktionen von Gruppen. Linden: Es sind Äpfel und Birnen. Aber es werden immer Äpfel und Birnen bleiben, weil es Kunst ist. Da wird man nie mit der Waage der Gerechtigkeit drangehen können.

Linden: Das ist ein Problem unserer politischen Strukturen. Freie Kultur wird zu wenig strukturell gefördert, und sie wird immer aus den Nottöpfen finanziert. Die Förderung läuft immer nur zwei bis fünf Jahre. Und wenn eine Sache gut läuft, muss man oft wieder aussteigen. Das ist eine kulturpolitische Diskussion, die man im gesellschaftlichen Umfeld führen muss. Damit hat die Theaterjury erst einmal nichts zu tun. Deckart: Es gibt aber schon das strukturelle Problem, dass im Theaterbereich Äpfel mit Birnen verglichen werden. Die Produktionen entstehen unter völlig unterschiedlichen materiellen Bedingungen. Und man soll am Ende einen aussuchen, den man auszeichnet. Ich hab nun zwar gehört, dass Sie Kriterien haben. Aber die werden nicht sichtbar. Linden: Der Darstellerpreis geht – und das ist eine Richtlinie – an Künstler, die mit Kontinuität in der Szene gearbeitet haben. Der ist noch an keinen gegangen, der wie eine Sternschnuppe die eine tolle Inszenierung gemacht hat. Bisher waren es immer Leute, die über etliche Jahre starke Leistungen gebracht haben. Keim: Frau Deckart, wäre denn Ihre Kritik eine Anregung, zum Beispiel einen Blockbusterpreis und einen Low-BudgetPreis zu vergeben?

Purkert: Die Differenzierung wäre für den Tanz nicht möglich, weil hier niemand ein richtiges Haus hat. Der Tanz arbeitet immer mit nichts. Und dann bekommt er auch noch den niedrigsten Preis.2 Kobboldt: Warum sind die Preise überhaupt unterschiedlich dotiert? Ist Tanz weniger wert, oder Kindertheater weniger wert als Erwachsenentheater? Aber ich würde gern einen Schritt zurückgehen. Ich persönlich mache einen großen Unterschied zwischen einem Theaterpreis und der Förderung eines Projektes durch die öffentliche Hand. Ich finde, dass Kommunen oder auch Stiftungen eine Transparenz haben müssen, nach welchen Kriterien sie Fördermittel vergeben. Und wenn da drin steht, wir fördern nur Innovationen – oder die Kunststiftung NRW hat sich gerade deutlich die Nachwuchsförderung auf die Fahnen geschrieben –, dann darf ein alteingesessenes, klassisches Theaterprojekt sich nicht wundern, keine Mittel von diesen Stiftungen zu kriegen. Das ist ein klares Kriterium. Ein Preis ist eine vollkommen freiwillige

2

Das Preisgeld hängt vom Geldgeber ab. Der Tanzpreis erhält wie der Kinderund Jungendtheaterpreis 5.000,– €. Der Theaterpreis, der drei unterschiedliche Geldgeber hat, ist mit 10.000,– € dotiert. Der Puck für den besten Nachwuchsschauspieler mit 2.500,– €.


21 Die Faszination der Vielfalt

Keim: Ist es denn auch andersherum: Wenn ich nicht nominiert bin, falle ich aus der Aufmerksamkeit heraus? Haag: Nein. Keim: Da gibt es andere Wege? Haag: Ja. Keim: Dietmar Kobboldt, Sie haben doch in einer Stellungnahme in der Theaterzeitung aKT. Anfang des Jahres vorgeschlagen, ob man den Theaterpreis nicht auf die städtischen Bühnen erweitern soll … Kobboldt: Ja. Da geht es mir vor allem um die Darstellerpreise, auch was den Nachwuchs betrifft. Weil ich der Meinung bin, dass das Primat des Schauspiels längst nicht mehr so groß ist wie früher. Und ich wage die Behauptung, dass man das auf das Stadttheater erweitern kann. Der Kurt-Hackenberg-Preis macht als einziger keinen Unterschied zwischen freier Szene und Stadttheater. Wie lange gibt es denn jetzt? Hoßfeld: Seit 2007. Dietmar Kobboldt (vorne) und Thomas Linden

Leistung, in diesem Fall von der SK Stiftung Kultur. Für mich ist es das alleinige Recht der Stiftung, über die Zusammensetzung der Jury zu entscheiden und den Preis zu vergeben. Ich widerspreche Gerhardt Haag ausdrücklich: Wenn eine Entscheidung einer Jury keine strukturellen Fehler aufweist, ist sie nicht anzugreifen. Das ist einfach so. Wer dumm genug ist, mit dem Gewinn eines Preises seine nächste Produktion zu kalkulieren, ist selbst schuld. Das ist eine freiwillige Zusatzleistung. Keim: Herr Roloff, wie sehen Sie denn diese Debatte als preisgekrönter junger Sack? Roloff: Ich fühle mich gar nicht so jung. Wenn man zehn Jahre in Köln Theater macht, fühlt man sich nicht mehr als Nachwuchskünstler. Theater ist so etwas Fragiles. Ich sehe zwei Abende und zwei völlig verschiedene Stücke. Da wird es immer verschiedene Meinungen geben. Der Theaterpreis ist für uns sehr schön. 2009 waren wir zum ersten Mal für den Kurt-Hackenberg-Preis nominiert, mit einem Stück, das wir unter schwierigen Verhältnissen gemacht haben. Damit sind wir dann wahrgenommen worden, obwohl wir nicht gewonnen haben. Ich weiß nicht, wie das gewesen wäre, wenn das nicht passiert wäre. Von daher war das für uns eine sehr gute Fördermöglichkeit, weil uns die Szene auch ernster nimmt. Denn es ist nicht einfach, in Köln anzufangen, Theater zu machen. Keim: Apropos Wahrnehmung: Ich bin ja kein Kölner und habe von außen das Problem, mich in dieser Theaterszene zu orientieren, weil ihr einfach so viele seid. In Düsseldorf schaut man auf das FFT und das Tanzhaus, dann weiß man, was dort läuft. Das ist in Köln nicht so. Soll der Theaterpreis auch Orientierung schaffen, was die Außenwirkung angeht? Haag: Klar.

Georg Franke, langjähriger Vorsitzender der Theaterkonferenz und Mitglied des Theaterbeirats der Stadt Köln

» Ich gratuliere aus voller Überzeugung den Tanzund Theaterpreisen und danke allen Förderern: Die besonders gut gelungene Konzeption der Kölner Tanz- und Theaterpreise beglückt nicht nur immer wieder die Preisgewinner, sondern hilft der ganzen Szene allein durch die positiven Effekte der Nominierungen. Die SK Stiftung Kultur und die anderen Förderer leisten damit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt und zur Qualitätssteigerung der Kölner Theaterlandschaft. Bitte weiter so!

«

Kobboldt: Und in diesen sechs Jahren hat das Stadttheater diesen Preis genau einmal gewonnen. Ansonsten hat die Jury sich immer für Produktionen der freien Szene entschieden. Keine Frage: Vor 24 Jahren, als der Kölner Theaterpreis gegründet wurde, war es eine sinnvolle Entscheidung, ihn für die freie Szene auszuloben. Aber ich frage mich ernsthaft, ob wir, die wir freies Theater machen, die Konkurrenz von den städtischen Bühnen fürchten müssen. Natürlich haben die einen größeren Etat für Ausstattung. Aber meine Erfahrung mit sehr vielen Preisen und Preisträgern ist, dass die Jurys sehr danach geschaut haben, was zur Verfügung stand, und was daraus gemacht wurde. Gerade im Kindertheater wurden oft freie Produktionen oder Stücke von kleinen Häusern ausgezeichnet, die aus gar nichts etwas gemacht haben. Und die Comedia hat den Preis im Verhältnis eher selten gewonnen.


22

And the winner is … Tanztheaterpreis 1994-2014

Kölner

2010

1998 »Fiber« Choreographie und Tanz: Jennifer Hoernemann

1999 »Fractured«, Choreographie:

Foto: © MEYER ORIGINALS

2000

Silke Zimmermann

2000 »Fuoco Lento«, ChoreograSolo »scarred« und Vera Sander für ihre Choreographie »State of Transition«

2002 »Vitruvian Complex«,

phie: Katharine Sehnert

Choreographie: Gabrielle Staiger, Arazzo Tanztheater

1995 »Sources of Sleeplessness«,

2003 »Tausendhertz«,

Choreographie: Vera Sander

3. Teil des Zyklus Sinnesverschiebung, Choreographie: Ilona Pászthy

1996 Tanzprojekte Köln für das Lebenswerk von James Saunders

1997 »Bayerwald Passion«, Tanztheater Zwiefach, Choreographie: Josef Eder

1997

2004

»Isa – ultima thule«, Choreographie: Yoshie Shibahara im Rahmen von Tanzhautnah im Bürgerhaus Stollwerck und »tanztat«, Choreographie: Barbara Fuchs im Rahmen von Tanzhautnah im Bürgerhaus Stollwerck

2005 »Under Green Ground«, Choreographie: Stephanie Thiersch, Mouvoir in der Orangerie, Theater im Volksgarten

2006 »Pop Eye – Die 5 Sinne, Teil 5: Das Sehen«, Choreographie: Massimo Gerardi, movingtheatre.de im Kulturbunker Mülheim

2007 »sex I.D.«, Choreographie:

Foto: © MEYER ORIGINALS

Foto: © Jürgen Laubhold

Gerda König, DIN A 13 tanzcompany in Kooperation mit Sommerblut Kulturfestival e.V. im Bürgerhaus Stollwerck

2012 »EXUVIAE – eine TanzRauminstallations-Performance«, Konzept und Szenographie: Yoshie Shibahara in der Orangerie, Theater im Volksgarten

2013 »Golden Trash« eine Produk-

2008

2008

»machtMut« und »private spaces (the p.s.-project)«, Choreographie: Silke Z., resistdance in der Live Music Hall

tion des MichaelDouglas Kollektiv in Kooperation mit der Orangerie – Theater im Volksgarten e.V. und dem Rautenstrauch-Joest-Museum Choreographie: Georg Reischl

2014

»JEWROPE«, TanzTheater mit Live-Musik von Yoshiko Waki und Rolf Baumgart, eine Koproduktion von bodytalk mit dem Polnischen Tanztheater PTT in Pozna´n

2013

2009 »SITE SPECIFIC//you are not alone anyway!« von movingtheatre. de, Choreographie und Tanz: Massimo Gerardi & Emanuele Soavi, aufgeführt im Rahmen von Sommerblut im Bürgerhaus Stollwerck und »Berühren – Zerreißen« Choreographie: Britta Lieberknecht in der Alten Feuerwache

2010

»andropolaroid«, theater51grad.com, Konzept, Choreographie und Tanz: Yui Kawaguchi, in der Alten Feuerwache

2011 »LOSS OF CONTROL / Café Jolles«, 687performance, Idee / Konzept / Regie: André Jolles, Yoshiko Waki und Tuong Phuong in der Orangerie, Theater im Volksgarten

Foto: © Almut Elhardt

1994 »lautloses echo«, Choreogra-

2001 Tamara Stuart-Ewing für ihr

Foto: © MEYER ORIGINALS

Foto: © Arazzo

phie: Gabrielle Staiger, Arazzo Tanztheater


23

Kölner Nachwuchspreis

»PUCK« 1999-2014

2007

Foto: unbekannt

Foto: © Klaus Lefebvre

Nicoline Schubert

2002

2004

Sandra Kouba

2005

Ivana Langmajer

2006

Daniel Mutlu

2008

Nagmeh Alaei

2009

Robert Oschatz

2010

Mateusz Dopieralski

2011

2012

Aischa-Lina Löbbert

Alena Kolbach

2013

Lucia Schulz

2014

Alle nicht beschrifteten Fotos sind von © MEYER ORIGINALS

Katrin Schmieg

Evelyn Tzortzakis

2001

Foto: © Simon Howar

2003

Johanna Bönninghaus Foto: © Jan Niklas Berg

Anja Carolin Pohl

2000

Mirco Reseg

Foto: © Stephan Walzl

1999

Foto: © Thomas Hof

Annette Frier

Foto: © Barbara Kerbusk

Foto: © Thomas Rodrigues

Foto: © Klaus Lefebvre

And the winner is …


Keim: Bleiben wir beim Thema: Sollen sich die Kölner Theaterpreise für das Stadttheater öffnen? Schweizer: Ich habe damit kein Problem. Wir müssen vor der Konkurrenz Stadttheater wirklich keine Angst haben. Im Gegenteil, die Öffnung würde den Preis wertvoller machen. Linden: Ich würde sagen, wenn es jetzt schon Äpfel und Birnen sind, die verglichen werden, dann sind es dann Äpfel und LKWs. Oder so. Wenn man alleine die Situation eines Schauspielers sieht. Im Schauspielhaus spielt ein Darsteller drei Stunden auf der Bühne. Das ist unvergleichbar mit den Produktionen der freien Szene. Da kommt man in ganz andere Produktionsverhältnisse. Das Spektrum würde gesprengt. Kobboldt: Ich widerspreche massiv. Ich habe auch im Schauspielhaus ganz tolle Schauspieler ganz schlecht gesehen. Das ist nicht eine Frage der Ausbildung, sondern was mit ihnen gemacht wird. Was du gesagt hast, klingt ein bisschen so, als ob die Schauspieler in der freien Szene keine Ausbildung haben. Das ist doch Quatsch. Die allermeisten Leute, die in Köln in der freien Szene auftreten, haben eine abgeschlossene Schauspielausbildung, in aller Regel bei den Kölner Schauspielschulen, teilweise auch woanders. Es ist ja nicht so, dass in Köln keine Schauspieler ausgebildet werden. Linden: Aber wir haben doch in den letzten Jahren gesehen, dass die Fluktuation in der Szene sehr groß ist, gerade bei den Leuten, die große Leistungen bringen. Es gibt viele, die nach zwei, drei Inszenierungen in einer anderen Stadt sind. Während die Schauspieler bei den städtischen Bühnen fest engagiert sind. Kobboldt: Dass viele Leute nicht so lange in Köln bleiben, liegt einfach daran, dass sie kein Geld für ihre Kunst kriegen.

SCHAUSPIEL

Linden: Natürlich. Das ist die Realität. Ich will das nicht bestreiten, dass sie ausgebildet sind. Keim: Viele interessante Künstler bleiben nicht in Köln. Frau Deckart, da müssten Ihnen doch die Ohren klingeln. Deckart: Naja. Schweizer: Wir werden einfach in Köln miserabel finanziert. Wir können gute Leute in Köln nicht halten, weil wir sie nicht bezahlen können. Wir haben aktuell wahrscheinlich alle das gleiche Problem. Die Zuschüsse für die freien Kölner Theater sind einfach furchtbar. Haag: Wir haben aber nicht nur »schlechte« Leute, weil die »guten« abwandern. Wir können gute Leute in Köln halten, weil sie viel spielen können. Sie müssen sich aber den Hintern wund spielen. Sie können drehen, sie können Funk machen. Wir haben schon sehr gute Schauspielerinnen und Schauspieler auch in der freien Szene. Aber das Problem ist, sie müssen sehr viel mehr machen als sie eigentlich verkraften können. Und irgendwann sind sie erschöpft. Ein Schauspieler kann einfach nicht sechs Produktionen im Jahr machen. Das geht einfach nicht, von der Kapazität her. Das ist nicht zu verantworten. Das müssen sie aber, um ihre Familie zu ernähren und die Miete zu bezahlen. Das ist ein strukturelles Problem. Deshalb fordern wir ja, zehn Prozent des Geldes, das für die städtischen Bühnen verwendet wird, für die freie Szene zu geben. Das ist bescheiden, wäre aber für uns ein Quantensprung. Bald kommt der Mindestlohn, das nehmen wir ernst. Wir sind natürlich alle dafür, dass die Ausbeuterverhältnisse etwas weniger gravierend sind. Aber das bringt uns an den Rand des Ruins. Das kann man wirtschaftlich gar nicht verantworten. Da ist strukturell nichts wirklich passiert. Ich bin seit 1981 in Köln aktiv. Das ist jetzt die sechste Kulturdezernentin, mit der ich zu tun habe. Der Theaterpreis ist eine schöne Werbemaßnahme, hilft auch in einzelnen Fällen, ganz klar. Aber letztendlich ist die Situation der freien Szene in Köln katastrophal.

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24 Die Faszination der Vielfalt

Schweizer: Ach, wir sind ganz zufrieden.


Die Faszination der Vielfalt

25

Keim: Mir hat mal ein Intendant erzählt, wenn ein Schauspieler einen Dreh bekommt und es sind Vorstellungen disponiert, dann müssen die Vorstellungen ausfallen. Ich kann das nicht verhindern. Haag: Das ist so. Probentermine werden sowieso um Drehtage herum gelegt, auch um Unterrichtsstunden, die Schauspieler geben. Das muss man machen. Schweizer: Wir haben jetzt zwei junge, sehr begabte Schauspielerinnen verloren. Die sind ins Festengagement nach Stuttgart gegangen. Die haben bei uns viel gespielt. Aber in dem Moment, wenn ein Festengagement winkt, sind die weg, und wir besetzen um. Das ist die Regel. Wir besetzen mindestens zweimal im Jahr um, weil wir Leute nicht halten können. Deckart: In der Stadt hat sich eine ganze Menge getan. Die Förderung der freien Szene ist in der Regel eine Projektförderung. Da werden inhaltliche Entscheidungen getroffen mit Beiräten. Seitdem ich im Theaterreferat tätig bin, ist das Budget für die freie Szene kontinuierlich gewachsen. Was nicht heißt, dass die freie Szene genug Geld hat und jede Produktion auskömmlich ist. Es ist schwieriger geworden, Komplementärförderung zu bekommen. Das hat mit dem Gedanken der Projektförderung zu tun, dass die Projekte sich aus mehreren Töpfen finanzieren. Da gibt es die Stadt, das Land, Stiftungen und vieles mehr. Die Stiftungen sind nicht mehr so aktiv in Köln. Das Land ist konstant aber auf der Höhe von ungefähr 20 Prozent der Produktionen. Die Stadt hat aber die Mittel sukzessive hochgefahren.

Haag: Immer noch deutlich zu gering, das muss man einfach sagen. Deckart: Ja, das findet ja auch Sympathie in der Verwaltung. Aber die Stadt kann auch nicht 50, 60 Theater auskömmlich finanzieren. Sondern sie ist daran interessiert, bestimmte Projekte zu realisieren. Und sie hat Häuser, die sie seit 30 Jahren mitträgt. Dazu gehören die Comedia, das FWT, der Bauturm. Da sind die Strukturen bestehen geblieben. Haag: Das ist richtig. Alle Theater strengen sich wahnsinnig an, Drittmittel einzuwerben. Das wird einerseits schwerer, andererseits ist das richtig Arbeit. Das unterschätzt man. Da müssen sich Leute hinsetzen, Projekte entwickeln, Anträge schreiben, Verwendungsnachweise machen. Das macht sich nicht von alleine. Eigentlich bräuchte man dafür eine Extra-Person mit einer halben Stelle. Was sich dann wiederum die Theater nicht leisten können. Die Stiftungen haben nicht mehr so viel Geld, die Zinslage wirkt sich aus. Es ist unser Job, kann man sagen, klar. Aber man hat ja auch nur 24 Stunden am Tag. Das wird von der künstlerischen Arbeit abgezogen. Es sind ja dieselben Leute, die das machen. Keim: Ist das im Tanz eigentlich ähnlich? Purkert: Das variiert von Fall zu Fall. Es gibt ja im Moment einige ganz frische Initiativen. Tanzfaktur zum Beispiel, da gibt es eine private Initiative, die unterstützt. Und Quartier am Hafen, da gibt es Versuche, neue Modelle zu finden. Aber die Impulse sind alle so neu, dass man sie noch nicht bewerten kann. Es kann sein, dass es hier noch mehr kleine, ganz toll angelegte Projekte gibt, die aber Pflänzchen bleiben und nicht richtig Wurzeln schlagen können. Es ist im Moment schwer abzusehen, weil der Fokus derzeit nicht mehr so ausgeprägt ist, dass mal ein zentrales Tanzhaus kommt. Dafür gibt es viele Einzelinitiativen. Gut finanziert sind die alle nicht. Deckart: Im Prinzip arbeiten die Tänzer nicht anders als die Theaterleute. Sie haben Schwierigkeiten gehabt, Räume zu finden. Nun gibt es einige Gruppen, die ihre eigenen Räume schaffen und damit arbeiten. Das ist ein Spezifikum von Köln, dass es sehr viele kleine Strukturen gibt. Ich möchte noch einmal auf die vorhin an mich gestellte Frage zurückkommen, was die Stadt attraktiver für Künstler macht, damit sie auch bleiben. Das wäre natürlich eine klarere Struktur, ein Ort, an dem sich vieles bündelt. Das würde für die Wahrnehmung der freien Szene einen großen Sprung bedeuten. Keim: Das wurde ja schon häufiger diskutiert, ein Theaterhaus für Köln, Kampnagel für Köln. Deckart: Die neue Dezernentin, die ein gutes Jahr im Amt ist, hat ja schon bevor sie ihren Schreibtisch gesehen hat, gesagt, Köln braucht so einen zentralen Ort. Purkert: Es gibt für den Tanz in Köln einfach keinen Raum, der einmal eine raumgreifende Bewegung erlaubt. Die Räume sind so klein, dass nur filigran gearbeitet werden kann. Es fehlt eine Bühne, auf der auch mal drei Leute ohne Unfallgefahr nebeneinander auftreten können.


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And the winner is … Ehrentheaterpreis 2000-2014 Kölner

2003 Alexandra Kassen für ihr Foto: © MEYER ORIGINALS

Lebenswerk als Senftöpchen-Prinzipalin

2004 Klaus Schweizer für sein Engagement um Ömmes & Oimel

2005 Ilse Schwarzhaupt für ihr langjähriges Engagement für das Theater der Keller

2006 Jürgen Nordt für seine

für ihr Lebenswerk

2001 Angie Hiesl für über fünf-

Foto: Susanne Fern

2012

2010

aKT. gGmbh für ihr Projekt der Kölner Theaterzeitung aKT.

2011

Christiane Bruhn, Schauspielerin, Regisseurin, Theaterpädagogin und ehemalige Leiterin des Theaters der Keller und Ralf Harster, Tänzer und Schauspieler, für ihre besonderen Verdienste um die Kölner Tanz- und Theaterszene

zehn Jahre Kölner Aushängeschild in der Sparte Tanz- und Theaterperformance

2002

In diesem Jahr wurde kein Ehrentheaterpreis verliehen.

Foto: © MEYER ORIGINALS

2001 Lebenswerk als Mitbegründer und jahrzenhntelanger künstlerischer Leiter und Schauspieler des FWT

Foto: zweifotografinnen

dienste um die freie Kölner Theaterszene

2009

Foto: © MEYER ORIGINALS

2007

Katharine Sehnert für ihr Lebenswerk als Tänzerin und Choreographin

2014

Die Mitarbeiter/-innen der beiden Kölner Besucherorganisationen Andrea Hoßfeld (Freie Volksbühne Köln e.V.), Marina Reinartz, (Theatergemeinde Köln) und Volker Hein (Jugendreferent der Theatergemeinde Köln) erhalten den Preis für ihr langjähriges Engagement und ihre Arbeit als Vermittler zwischen den Theatern, Theaterbesuchern und ihren Besucherorganisationen.

2007 Dieter Scholz für sein

2008 Georg Franke für seine Ver-

2013

Gerhardt Haag, als einer der profiliertesten Persönlichkeiten der freien Kölner Theaterszene. Theaterleiter des Theater im Bauturm, Vorsitzender des Vereins »Off-Cologne e.V. mit Offticket« und Vorsitzender und Sprecher der »Plattform Kölner Theater e.V«, Erfinder und künstlerischer Leiter »africologne«

2011

2012 N. N. Theater – Neue Volks-

Foto: © Stephen Petrat

2000 Die Machtwächter

Foto: © MEYER ORIGINALS

2005

langjährigen Verdienste um die Belange der freien Szene innerhalb der Kölner Verwaltung

bühne Köln, Straßen- und Tourneetheater, als Botschafter Kölns für ein Vierteljahrhundert volksnahes, witziges Theater, das breite Bevölkerungsschichten begeistert

2013 2008


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And the winner is … Kurt-Hackenberg-Preis 2007-2014

2008 »Kurz nachdem ich tot war.

Foto: Susanne Fern

Von Häusern und Menschen«, matthaei & konsorten, Inszenierung: Jörg Lukas Matthaei

manns« von Elfriede Jelinek, Schauspiel Köln, Inszenierung: Nicolas Stemann

2010 »Petersberg I«, Futur3 in Zusammenarbeit mit der Freihandelszone, Künstlerische Leitung: André Erlen und Stefan H. Kraft

2009

2011 »Der Schmerz« nach einer Erzählung von Marguerite Duras, eine Produktion von Theater BlackBox mit dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln, Regie: Heinz Simon Keller im EL DE-Haus

2010 2008

raum13 Kolacek & Leßle, Inszenierung: Anja Kolacek, Bühnenbild: Marc Leßle im Deutzer Zentralwerk der schönen Künste

2014

»Die Lücke« von Nuran David Calis, Produktion: Schauspiel Köln, Inszenierung: Nuran David Calis, mit Schauspielern sowie Anwohnern und Geschäftsleuten der Keupstraße.

Foto: Susanne Fern

2012 »V wie Verfassungsschutz«, nö theater, Inszenierung: Janosch Roloff, in der Orangerie, Theater im Volksgarten

2013

2013 »KriegsBlicke« von

Foto: © David Baltzer

tisch-kurdische Migrationsgeschichte von Hüseyin Michael Cirpici, Inszenierung: Hüseyin Michael Cirpici im Theater der Keller

2011

Foto: © Eberhard Weible

Foto: © MEYER ORIGINALS

2007»Das Versteck«, eine alevi-

2012

2009 »Die Kontrakte des Kauf-

Foto: Ilya Pusenkoff

2007

Foto: zweifotografinnen

Foto: © Thomas Schäkel

Kölner


Reiche: Das würde ich so nicht sehen. Es ist schon ein enormer Reiz für die Zuschauer, so viel Auswahl zu haben. Wir liegen im Theaterbereich locker bei 200 Inszenierungen pro Jahr. Das ist schon enorm viel. Unsere Zuschauer nutzen auch einen Großteil dieser Szene. Das geht dann ein bisschen auch zu Lasten der städtischen Bühnen. Weil die Leute nur ein gewisses Budget haben, insofern verteilt sich das. Vielleicht wird der Trend wieder rückläufig sein, wenn das Schauspiel wieder am Offenbachplatz ist. Aber es verteilt sich enorm. Es gibt also nicht zu viele Bühnen. Wir müssen nur schauen, wie es mit der Finanzierung aussieht und wie man die strukturellen Probleme in den Griff kriegt. Linden: Es ist eine Qualität der Stadt, dass es sehr viele Leute gibt, die mit Kreativität und einem Riesenengagement sowie winzigen finanziellen Mitteln Kunst machen. Und das über die ganze Stadt, zumindest den linksrheinischen Teil, breit verteilt. Wenn ich die Theater abfahre, lerne ich die Stadt kennen. Es sind immer andere Viertel. Das ist ein Teil der Kölner Struktur. Und das ist ein Teil der Attraktivität der Stadt und der Szene. Haag: Das, was hier in den letzten 50 Jahren entstanden ist, ist ein Alleinstellungsmerkmal. Aber wir müssen doch sehen, dass die Stadt es nicht verstanden hat, dieses Pfund zu erhalten. Alle Indikatoren weisen darauf hin, dass Lebensqualität, kreative Atmosphäre das Zukunftsthema ist, auch um Wirtschaftsunternehmen herzulocken. Die produzieren ja nicht mehr in Hallen mit Riesenmaschinen, sondern in Neubauten wie Microsoft im Hafen. Das sind die Menschen und Firmen, die hierher geholt werden müssen. Dass dafür das pulsierende kreative Leben der entscheidende Faktor sein wird, das ist nicht verstanden worden hier in Köln. Sonst müsste

etwas passieren, und zwar bei der Ausstattung und Ermöglichung des kreativen Lebens. Mit der Vielfältigkeit der freien Szene wird geworben. Aber auf unsere Kosten, und das geht nicht. Unsere größten Sponsoren bei uns im Theater sind die Schauspieler, die Künstler, die Mitarbeiter übrigens auch, die für einen Hungerlohn arbeiten. Das sind unsere Sponsoren. Kobboldt: Und dann kommen die Zuschauer. Haag: Zuschauer sind keine Sponsoren. Kobboldt: Aber das sind die nächsten, die uns fördern. Haag: Nein, die fördern uns nicht. Die kommen nicht aus Mitleid oder weil sie uns fördern wollen. Die wollen doch die Kunst sehen. Die Stadt muss aus Erkenntnis fördern. Sie muss begreifen, was das für ein Pfund ist, mit dem sie wuchern könnte. Hoßfeld: Das ist ein Punkt, den ich nicht verstehe. Damals, als ich auch am Bauturm gearbeitet habe, habe ich mich schon gefragt: Warum ist es eigentlich nicht möglich, dass sich die Szene mal verabredet und in den Streik tritt. An einem wunderbaren Wochenende, wo die Häuser voll sind. Eine konzertierte Aktion zu machen und der Stadt mal zu zeigen, was hier läuft oder was nicht läuft, wenn sich die Theater einig sind. Kobboldt: Wir haben das mehrfach versucht. Es sprechen deutliche rechtliche Gründe dagegen, und es macht keinen Sinn, wenn man nur den größten Teil der freien Szene bestreikt. Denn die städtischen Bühnen könnten nicht so ohne Weiteres mitmachen, weil die ein ganz anderes Rechtskonstrukt haben. Schweizer: Das Problem eines Streiks in der freien Szene ist, dass Sie dann auch keine Einnahmen erzielen. Da schneiden wir uns ins eigene Fleisch.

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28 Die Faszination der Vielfalt

Keim: Viele Initiativen, eine Menge Gruppen und Projekte, viele kleine Bühnen – Köln hat eine völlig unübersichtliche Szene. Ist das eine Qualität? Oder gibt es zu viele freie Theater in Köln?


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Haag: Das muss man sich leisten können.

Die Faszination der Vielfalt

Schweizer: Wir erwirtschaften 60 Prozent unseres Etats über die Einnahmen an der Kasse. Brechen die weg, stehen wir von heute auf morgen Unterkante Oberlippe im Wasser. Keim: Wo verläuft eigentlich die Trennlinie zwischen freien Bühnen und Privattheater. Als ich anfing, mich mit Theater zu beschäftigen, war die noch ziemlich scharf. Heute wirkt sie ziemlich perforiert. Gibt es noch eine Wahrnehmung, was Privattheater und was Off-Theater ist? Oder ist das inzwischen alles eins? Hoßfeld: Für die Zuschauer ist das sowieso egal. Und für uns als Volksbühne, die wir die Karten anbieten, eigentlich auch. Die Unterscheidung kommt ja aus einer Zeit, als die freie Szene noch ein Gegenpol war zu den städtischen Bühnen. Und mittlerweile gibt es auch bestimmte Theater, die ein sehr gefälliges Programm machen wie das Theater am Dom. Da würde ich nicht von einem freien Theater sprechen. Aber das Theater im Bauturm ist auch ein Privattheater, ein freies aber auch ein Privattheater. Das ist tatsächlich eine künstliche Trennung. Keim: Grenzen Sie sich ab gegenüber Bühnen, die ein kommerzielles Programm anbieten? Haag: Eine Abgrenzung macht für mich überhaupt keinen Sinn. Ich glaube, freies Theater definiert sich durch die Arbeitsstrukturen. Und nicht durch das Ergebnis oder die Themen. Wir machen Klassiker, Uraufführungen, Projekte. Auch das Theater am Dom lässt Stücke schreiben und macht Uraufführungen. Der Unterschied liegt in den inneren Strukturen und in der Selbstdefinition. Keim: Sitzt ihr denn in einem Boot? Deckart: Das Förderkonzept der Stadt Köln differenziert nicht zwischen Privattheatern und freien Theatern. Privattheater bespielen ihren Raum unter wirtschaftlichen

Gesichtspunkten. Das Theater im Bauturm ist eine hybride Form. Es wurde gegründet als freies Theater, das sich eine Spielstätte erschlossen hat, die aber nicht so groß ist, dass sie euch finanzieren könnte. Der Gedanke der Wirtschaftlichkeit steht da nicht im Vordergrund. Kobboldt: Damit würde man doch eine Form zementieren, die wir seit Jahrzehnten auflösen wollen. Die Grenzen zwischen den Theaterformen sind doch ebenso durchlässig wie die zwischen den Künsten. Die Comedia hat doch auch eine Doppelsäule, den Kabarettbetrieb, der ganz bestimmt nicht zuschussbedürftig ist, sondern Geld erwirtschaften müsste für den anderen Teil, das Jugendtheater. Schweizer: Wir subventionieren uns selbst quer. Kobboldt: Wenn der Bauturm schon ein Zwitter ist, dann ist es die Comedia noch mehr. Warum diese Unterscheidungen? Das Theater am Dom ist an der freien Szene selbstverständlich beteiligt, weil Oliver Durek einer meiner Stellvertreter im Vorstand der Theaterkonferenz ist. Seine Mutter war das vorher auch schon. Das ist allerdings kein Erbamt. Aber wir haben diesen Unterschied nie gesehen. Er muss eine andere Zuschauerklientel befriedigen und hat ein anderes AboSystem. Das ist es dann aber auch. Keim: Reden wir noch einmal über den Bauturm. Mit eurem Spielplan, der auf Literatur, auf Theatertexten beruht, macht ihr ja etwas, das viele Protagonisten der überregionalen Off-Szene nicht mehr zeitgemäß finden, ein alternatives Stadttheater. Ist das ein Modell für die Zukunft? Haag: Daran arbeiten wir. Auch am Stadttheater sind ja Impulse aus der freien Szene angekommen, und es entwickeln sich neue Formen. Das ist alles nicht mehr zu trennen. Die freie Szene macht nicht mehr nur selbst entwickelte Stücke, und sobald man Literatur inszeniert, ist man Stadttheater. Nein, die Art und Weise, wie man arbeitet, die Strukturen, das sind für mich die entscheidenden Unterschiede. Keim: Es stört dich nicht, dass die Macherinnen und Macher der großen Festivals, von Impulse, Favoriten und so weiter, dieses Theater für out halten?

Der TÜV Rheinland gr at ulier t dem Kölner Tanz- und Theat er pr eis zu seinem 25-jährigen Best ehen. Der TÜV Rheinland för der t gesellschaf t liches Engagement welt weit . Besonder s wicht ig ist dabei auch die Unt er st üt zung von Bildungsund Kult urinit iat iven vor Or t . Das Unt ernehmen unt er st üt z t daher mit Fr eude den Kölner Tanz- und Theat er pr eis – insbesonder e als St if t er des Tanz t heat er pr eises – und fr eut sich, dadur ch einen Beit r ag zur Wür digung der Kölner Kult urlandschaf t leist en zu können. Ihr Kontakt bei Fragen zum gesellschaftlichen Engagement bei TÜV Rheinland: Katharina Riese · +49 221-806-4568 · csr@de.tuv.com

Haag: Wir werden in dieser Spielzeit ein experimentelles Projekt mit Musik, Tanz, Geräuschen und Texten und eine Tanz-Koproduktion mit Kampnagel machen. Da sind wir überhaupt nicht abgeneigt. Wir können aber nicht nur solche Produktionen machen. Das Publikum muss sich erst mal damit beschäftigen. Experimentelle Stücke kriegen wir nicht 40 Mal ausverkauft. Das ist so. Wir spielen etwa 52 Prozent unseres Etats an der Kasse ein. Wir müssen solche Projekte quersubventionieren mit Stücken, bei denen das Publikum quasi »von alleine« kommt. Angenehmerweise können wir Stücke wie »KUNST« oder »Der Kontrabass« über Jahrzehnte spielen. Ich wehre mich dagegen, dass das überholt sein soll. Es hat immer schon verschiedene Theaterformen nebeneinander gegeben, die sich gegenseitig befruchtet haben. Wir haben im letzten Jahr so viel Publikum gehabt wie nie zuvor in der Geschichte des Bauturms. Natürlich zählt nicht nur das Quotenargument, aber wir arbeiten so, dass es die Menschen interessiert.


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And the winner is … Darstellerpreis 2009-2014 Kölner

2011

Foto: © schmidtbildautor

Foto: Ilya Pusenkoff

2009

2009 Bettina Muckenhaupt, Mitglied des Rose-Theegarten-Ensembles für ihre Rollen u.a. in »Romeo und Julia«, Regie: Rüdiger Pape, »Ein Schaf fürs Leben« im COMEDIA Theater Köln und »Vor dem Ruhestand«, Regie: Volker Lippmann im Theater Tiefrot

2010

Klaus Schweizer für seine Rolle des Biests in »Ellis Biest«, Regie: Karin Eppler, COMEDIA Theater und viele weitere Rollen im COMEDIA Theater

Foto: © MEYER ORIGINALS

Foto: © MEYER ORIGINALS

2011 Emanuele Soavi für seine Performance in »PANcomplex«, movingtheatre.de in Koproduktion mit Dansateliers Rotterdam, Choreographie/ Idee: Emanuele Soavi und »REVOLVER / identities« eine Koproduktion mit CONTRAPUNCTUSdanceport, Barcelona und weitere Performances

2012 Rebekka Madita Hundt für ihre Rollen in »Der goldene Drache«, »Schwarze Milch oder: Klassenfahrt nach Auschwitz«, »Schwestern«, und »Clyde und Bonnie«, u.v. a.

2013 Thomas Wenzel für seine

2013 Foto: © MEYER ORIGINALS

2010

Rolle in »Ihre Version des Spiels« und viele andere Rollen

2012

2014 Jean Paul und Jonas Baeck für ihre Rollen in »Der Freund krank« und Caroline Simon für ihre Performance in »Subtexten«


Die Faszination der Vielfalt

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ANALOGTHEATER

» Lieber Kölner Theaterpreis, alles Liebe zu Deinem Keim: Die Studiobühne ist ja noch am ehesten in Köln an das nationale Netzwerk der führenden Produktionshäuser angebunden. Wie wichtig ist das? Kobboldt: Das ist die Ausrichtung unseres Theaters. Andere Theater definieren sich anders in Köln. In diesem Punkt möchte ich Gerhardt Haag vollkommen Recht geben. Es gibt hier eine ganz große Vielfalt an Theater. Ich hab seit Jahren viel mit den Impulse-Leuten zu tun. Ich weigere mich trotzdem, dass deren Leiter Florian Malzacher bestimmt, was gutes freies Theater ist. Er kann sich auch nur anschauen, was schon gelaufen ist. Das Theater von morgen ist das bestimmt nicht. Man kann die Studiobühne nicht mit der Comedia vergleichen. Wir haben einen anderen Auftrag und andere Möglichkeiten. Wir haben keine so hohe Einspielquote wie Bauturm und Comedia, weil wir das auch nicht brauchen. Wir haben eine andere Absicherung durch unsere besondere Struktur. Ich finde das, was wir machen, eine wichtige Form von Theater. Ich finde das, was der Bauturm macht, genauso wichtig. Man muss sich nicht gegenseitig nachmachen. Einfach nur viele Theater zu haben, wäre für mich auch kein Qualitätsmerkmal. Aber eine Vielfalt an Theatern zu haben schon. Du hast gesagt, wenn du nach Düsseldorf fährst, gehst du ins FFT oder ins Tanzhaus. Das ist auch gut so. Aber du wirst dort niemals auch nur ansatzweise die Vielfalt von Theaterformen und -ästhetiken erleben können wie in Köln. Das schafft das FFT nicht. Ganz abgesehen davon, dass es eine künstlerische Leitung mit einer bestimmten Richtung hat. Bei uns hat jedes Theater eine künstlerische Leitung. Und jede hat eine Richtung. Das muss man ausprobieren dürfen. Man muss auch scheitern dürfen. Denn wer nichts ausprobiert, kommt auch nicht weiter. Ich mache mich stark für den Erhalt dieser Vielfalt, die wir in Köln haben. Das kennzeichnet diese Stadt maßgeblich. Alles, was wir mehr wollen – sei es ein Theaterhaus oder ein Tanzhaus –, kann bestenfalls ein reines Zusatzding sein. Ich habe gar nichts dagegen. Aber das kann nicht zu Las-

25. Geburtstag wünscht Dir das ANALOGTHEATER. 25 Jahre Theaterpreis heißt nicht nur 25 würdige Preisträger unterschiedlichster Theaterformen, sondern, neben der Wertschätzung für die Künstlerinnen und Künstler, auch eine massive Förderung ihrer Arbeit und der darstellenden Künste generell. Darum wünschen wir Euch von Herzen ein Bestehen für die nächsten 25 Jahre – mit herausragenden Inszenierungen und streitbaren Entscheidungen!

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ten dessen gehen, was sich teilweise ohne städtische Unterstützung in den letzten 20, 30 Jahren in Köln etabliert hat. Keim: Wenn du sagst, dass du nichts gegen ein Theaterhaus hast, ist das nicht gerade ein leidenschaftliches Plädoyer dafür. Gibt es hier am Tisch keine deutlichen Befürworter? Schweizer: Doch! Schon sehr lange. Es gibt natürlich eine Debatte zwischen Gegnern und Befürwortern in der Szene. Ich denke, ein Theaterhaus macht vor allem für die Gruppen Sinn, weil sie zu wenige Auftrittsmöglichkeiten in den bestehenden Häusern haben. Das ist so. Es gibt wirklich interessante Gruppen, die hier zu wenig spielen können, wie die Freihandelszone, das Deutsch-Griechische Theater. Haag: Stephanie Thiersch kann in Köln nicht arbeiten, kann nicht auftreten. Schweizer: Der Tanz hat das gleiche Problem. Vielleicht wäre eine Kombination von Theater und Tanz eine sinnvolle Sache. Die war schon mal im Gespräch und ist gescheitert. Vielleicht könnte man da mit der neuen Dezernentin einen neuen Anlauf nehmen. Zumindest wäre es einen Versuch wert.


Haag: Und wie muss es aussehen? Das ist ja eine entscheidende Frage. Deckart: Genau. Ich habe auch kulturpolitisch den Eindruck, dass das Verständnis gewachsen ist. Da sagt niemand, die brauchen wir gar nicht. Da ist eher die Frage, wie finanziert man das? Keim: So ein Haus ist natürlich auch verbunden mit der Frage, wie weit man über Köln hinaus schauen und Anschluss kriegen will. Hier sind ja auch sehr viele Festivals entstanden, besonders in den letzten Jahren, auch international. Sollen die auch überregional mehr Aufmerksamkeit auf Köln lenken? Haag: Bei uns war das der Effekt, aber sicher nicht der Grund. Die Vorarbeiten liefen über viele Jahre. Da ging es um die Kenntnis vor allem der westafrikanischen Theaterszene. Dann gab es Anstöße von außen und auch Glück, dass der Antrag bei der Kulturstiftung des Bundes, an dem wir monatelang gesessen haben, auch positiv entschieden worden ist. Das sind viele Faktoren. Aber der Impuls war unsere eigene Beschäftigung mit den Arbeiten der dortigen Theaterkollegen.

André Jolles, Tänzer und Choreograph

» Glückwunsch dem Kölner Tanz- und Theaterpreis zum 25. Mal! Glückwunsch den gewesenen und den kommenden Tanz- und Theaterschaffenden zu diesem Preis! Glückwunsch Köln, für dieses Engagement in deiner Stadt, und das zum 25. Mal! Chapeau!

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Linden: Die Attraktivität der Stadt wird bei Festivals sichtbar, denn es kommen ja fremde Gruppen nach Köln. Das ist ja eine für das Publikum sehr interessante Sache, ein enorm belebendes Element. Kobboldt: Wir machen unser Festival auch nicht, damit die Stadt Köln woanders glänzt. Sondern wir holen die Leute nach Köln, damit Köln eine Bereicherung erfährt und die Leute, die wir einladen, untereinander in einen guten Kontakt kommen. Ich möchte nicht viel Geld von der Stadt Köln für eine Werbemaßnahme nach außen verbraten, sondern um das Denken in dieser Stadt zu befördern. Keim: Wie kriegt man es denn hin, dass die Premiere eines Kölner Off-Theaters mal annähernd so viel Resonanz bekommt wie ein neues Stück von She She Pop? Roloff: Wir sind ja in den letzten zwei Jahren auf vielen Festivals gewesen, nicht bei den Impulsen, aber eine Liga darunter. Man muss einfach ein gutes Stück machen. Keim: Aber für den Erfolg muss man doch auch Netzwerke bedienen, eine Marketingmaschine anwerfen … Roloff: Bei uns ging es nach dem ersten Stück los. Da macht man die Runde. Die sehen das, und man wird zum nächsten Festival eingeladen. Das lag auch an dem Thema Verfassungsschutz. Wir sind zumindest im Gespräch. Das ist wie bei der Theaterförderung. Es ist schwer, da rein zu kommen, aber wenn mal erst einmal drin ist, geht es meistens weiter. Keim: Aber so ein bisschen ist das die klassische Position eines Künstlers: Ich bin gut. Entdeckt mich! Funktioniert das noch? Roloff: Ich denke in erster Linie daran, Theater für Menschen zu machen, die das sehen.

32 Die Faszination der Vielfalt

Deckart: Das Thema hat sie mitgebracht, sie sagt, es fehlt so eine Struktur. Die Vorgeschichte kennt sie natürlich auch. Aber es gibt einen Prüfauftrag, das nochmal anzugehen. Natürlich wird das im Dialog mit der Szene passieren und die Frage stellen: Wer braucht es, und wer stützt es?


Die Faszination der Vielfalt

33

Keim: Wäre das eine Forderung, die wir für eine Verbesserung der Kölner Theatersituation festhalten sollten? Freie Volksbühne Köln e.V.

» Stimmung wie beim Klassentreffen: Du auch hier? Was machst du gerade? – Sportliche Konkurrenz im überfüllten Saal – Lampenfieber – Hollywood in Köln: ›And the winner is …‹ – Wer wird ausgezeichnet? … Seit 25 Jahren immer im Dezember die Krönung eines anstrengenden Jahres der freien und privaten Kölner Theater: Danke dafür und mehr davon!

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Deckart: Um außerhalb der eigenen Stadt erfolgreich zu sein, muss man mehr haben als ein gutes Stück. Man muss viel PR machen, Kommunikation leisten, damit das funktioniert. Schweizer: Und man muss jahrzehntelang in Europa unterwegs sein, um wahrgenommen zu werden, Dadurch bilden sich dann Netzwerke, Beziehungsgeflechte. Das geht nur mit einem sehr langen Atem. Kobboldt: Natürlich dauert das. Aber in Köln gibt es keine einzige Institution, die Leute ausbildet, solche Dinge zu machen. Wenn man sich mal die Leute anguckt, die in diesem Netzwerk drin sind, haben die immer zwei Hintergründe. Entweder kommen die von der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen. Oder die kommen von der Uni Hildesheim, wo auch eine angewandte Theaterwissenschaft betrieben wird. Und die lernen das einfach. Die lernen Management, die lernen, sich zu verkaufen, Dramaturgie, Produktion. Die lernen auch Regie und Ästhetik, aber das ist einfach ein Ausbildungsgang. Wir bilden in Köln zwar Schauspieler aus, aber weder in den privaten Schauspielschulen noch an der Universität lernen Leute, wie man so etwas tut. Das ist der Unterschied zwischen She She Pop, typische Gießener Schule, und Janosch Roloff, typisch Theaterakademie Köln, auch viel gelernt, aber eben was anderes. Aber dass Theater auch für die freien Gruppen ein Geschäft ist, wird in Köln niemandem beigebracht, nur über learning by doing, und das dauert lange.

Deckart: Das muss auf der Landesebene kulturpolitisch geregelt werden. Andere Bundesländer sind da weiter und haben Möglichkeiten geschaffen. Es sind so viele neue Studiengänge entstanden, auch im Kultur- und Medienbereich, die darauf abzielen, dass man diese Fähigkeiten lernt. Warum soll das für die darstellende Kunst nicht auch möglich sein? Keim: Was bleibt denn sonst an Impulsen festzuhalten? Mit den Theaterpreisen seid ihr grundsätzlich zufrieden. Allerdings sollte man Tanz sowie Kinder- und Jugendtheater genau so dotieren wie die anderen Preise. Schweizer: Man kann Kinder- und Jugendtheater nicht in einen Topf werfen. Das kann nicht ein Preis sein. Das ist eine weitere Differenzierung, und ich weiß, wie kompliziert es ist, Sponsoren zu finden. Da muss man der SK Stiftung Kultur auch ein großes Kompliment machen. Aber vielleicht gibt es ja noch Möglichkeiten. Keim: Gibt es Anregungen, die noch nicht gesagt worden sind? Schweizer: Freibier. Deckart: Hatten wir doch am Anfang. Kobboldt: Vielleicht doch noch eine Idee für die Theatergemeinde, dass man den Puck, also den typischen Nachwuchspreis, nicht nur an junge Schauspielerinnen und Schauspieler verleiht, sondern damit ganz bewusst Nachwuchstalente aus der ganzen Bandbreite des Theaters auszeichnen kann. Ich glaube, Theater hat in der Gesamtwahrnehmung nicht mehr das Primat des Schauspielers, wie es im Augenblick durch die Theaterpreise gespiegelt wird. Haag: Ich finde es super, dass die Darsteller immer noch im Zentrum stehen. Das ist vielleicht konservativ, aber ich finde das wichtig. Denn die energetische Aufladung eines Abends geschieht vor allem durch Menschen, durch Schauspielerinnen und Schauspieler und nicht durch Technik und Video. Das kann dazu kommen, aber entscheidend sind die Künstlerinnen und Künstler im Raum.


Kölner Tanz- und Theaterpreise Was sind die Kölner Tanz- und Theaterpreise? Die Kölner Tanz- und Theaterpreise zeichnen seit 1990 alljährlich die besten Inszenierungen der freien Kölner Szene aus. Gleichzeitig lenken sie überregional die Aufmerksamkeit auf die Vielfalt dieser Szene, die in Deutschland einmalig ist. Durchschnittlich werden 25 Produktionen aus circa 120 Inszenierungen nominiert. Bewerben können sich alle professionellen Tanz-, Kinder- und Jugendtheaterensembles sowie alle anderen freien Theatergruppen aus Köln, die ihr Stück mindestens drei Mal in Köln gespielt haben. Ausgenommen sind Produktionen der Bühnen der Stadt Köln, es sei denn die städtischen Bühnen treten als reiner Spielort oder Kooperationspartner auf. Jeder der mittlerweile sieben Preise hat eine Fachjury, ein Reglement und eigene Geldgeber.

Zielsetzung und Wirkungsweise Der Kölner Theaterpreis wollte in seiner Entstehungsgeschichte Scheinwerfer einschalten, diese aber nicht auf ein bestimmtes Stück richten, sondern auf die gesamte Palette des Schaffens der freien Theater- und Tanzszene. Aus dieser Idee, gedacht als flankierende Maßnahme im Kampf ums Überleben im Bewusstsein der Stadtöffentlichkeit und der städtischen Etatansätze, ist weit mehr geworden. Nominierungen und Preise wurden zu Gütesiegeln, halfen in der Publikumsgunst und der Akquisition von Geldern und Gastspielen und führen alljährlich die gesamte Szene zu der Festveranstaltung Preisverleihung zusammen. Die Theaterhäuser und Ensembles weisen in ihren Spielstätten und Druckmedien dauerhaft auf ihre Preise und Nominierungen hin, was dem Kölner Theaterpreis im Laufe der Jahre einen »Prädikatsstatus« und damit eine hohe Nachhaltigkeit verliehen hat.

Preise 2014 Kölner Theaterpreis für die beste Inszenierung der freien Szene, dotiert mit 10.000 Euro, bereitgestellt von der Sparkasse KölnBonn, dem Kulturamt der Stadt Köln und Herrn Prof. Hon. Dr. med. Manuel E. Cornely. Jury: Dorothea Marcus, Ulrike Westhoff, Henriette Westphal

Kölner Ehrentheaterpreis für herausragende künstlerische Leistung, dotiert mit 3.000 Euro, bereitgestellt von NetCologne. Jury: ehemalige Preisträger

Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis für die beste Produktion aus dem Segment Kinder- und Jugendtheater der freien Szene, dotiert mit 5.000 Euro, bereitgestellt von der GAG Immobilen AG. Jury: Christian Bos, Thomas Linden, Ulli Türk

Puck ist ein Nachwuchspreis für junge Schauspielerinnen oder Schauspieler, ausgelobt von der Theatergemeinde Köln. Dotiert mit 2.500 Euro, gefördert von der RheinEnergie AG. Jury: Nora Friedrich, Katharina Gorez-Düring, Wolfgang Hardenacke, Anke Holgersson, Tanja Krischer, Dr. Gerd Lauten, Dr. Bernhard Paffrath (Vorsitz), Dr. Gabriele von Siegroth-Nellessen, Annette Weitzmann, Patricia Wolf Der Kölner »puck« ist das Sprungbrett für Nachwuchsschauspieler aus Köln.

Kölner Tanztheaterpreis für die beste Tanztheaterinszenierung der freien Szene, dotiert mit 5.000 Euro, bereitgestellt vom TÜV Rheinland Berlin Brandenburg Pfalz e. V. Jury: Dr. Rita Kramp, Thomas Linden, Melanie Suchy Kölner Darstellerpreis für eine herausragende schauspielerische oder tänzerische Leistung in einer aktuellen Produktion und eine kontinuierliche Leistung über die letzten Jahre. Dotiert mit 6.880 Euro, bereitgestellt von JT International Germany GmbH. Jury: alle Juroren

Preise der Besucherorganisationen

Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater, ausgelobt von der Freien Volksbühne Köln e.V. Dotiert mit 5.000 Euro, gefördert von der Freien Volksbühne Köln e.V. Jury bis 2014: Anna Dünnebier, Alexander Haas, Beatrix Klein, Hans-Georg Lützenkirchen und Hans-Christoph-Zimmermann Prämiert werden Kölner Inszenierungen der freien Szene und der städtischen Bühnen.

Weitere Informationen zu den Preisen und zum Reglement: www.sk-kultur.de

Die Kölner Tanz- und Theaterpreise

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Juroren und Förderer

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Wir danken allen Juroren von 1990 bis heute Kölner Tanztheaterpreis: Ulrike Böcking, Basil Nikitakis, Birgit Hauska, Klaus Keil, Henrike Kollmar, Dr. Rita Kramp, Christina-Maria Purkert, Beate Sokoll, Isabell Steinböck, Nicole Strecker, Melanie Suchy, Simone Thielmann,

Kölner Theaterpreis: Renate Bach, Gisela Deckart, Jessica Düster, Birgit Eckes, Rolf Finkelmeier, Susanne Finken, Michael Harkämper, Rainer Hartmann, Günther Hennecke, Klaus Keil, Thomas Linden,

Josef Schloßmacher, Thomas Linden

Dorothea Marucs, Michael Meiger, Josef Schloßmacher, Brigitte Schmitz-Kunkel, Dr. Werner Schulze-Reimpell, Ulrike Westhoff, Henriette Westphal, Hans-Christoph Zimmermann

Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis: Christian Bos, Dr. Oliver Cech, Thomas Linden, Anneliese Odry, Christine Post, Renate Reimers-Jungehülsing, Hannah Schneider, Ulli Türk

Aktuelle Jury

Wir danken allen Förderern von 1990 bis heute Kölner Theaterpreis Kulturamt der Stadt Köln | seit 1990 Sparkasse KölnBonn | seit 1990 Kölner Stadtanzeiger / Verlag DuMont Schauberg | 1990-1993 R.J. Reynold Tobacco GmbH | 1990-1993 Gilden Kölsch, Bergische Löwenbrauerei | 1990-1995 EMI Electrola GmbH | 1990-1995 Allianz Versicherungs-AG | 1991 Leonardo Gesellschaft für innovative Medien mbH | 1996 BioFactory | 2002-2009 Prof. Hon. Dr. med. Manuel Cornely | seit 2010 Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis Citroën Deutschland GmbH | 1990-2010 SK Stiftung Kultur | 2011 GAG Immobilien AG | seit 2012

Kölner Tanztheaterpreis Kölner Stadtanzeiger / Verlag DuMont Schauberg | 1994-2010 tanzsociety society des Kunstsalon e.V. | 2011-2012 TÜV Rheinland Berlin Brandenburg Pfalz e.V. | seit 2013 Puck RheinEnergie AG | seit 1999 Kölner Ehrentheaterpreis NetCologne | seit 2000 Kurt-Hackenberg-Preis BauData Projektentwicklungs- und Beratungsgesellschaft mbH | 2007-2008 (Beteiligung am Preis) Freie Volksbühne Köln e.V. | seit 2007, ab 2009 komplettes Preisgeld Kölner Darstellerpreis JT International Germany GmbH | seit 2009


Impressum Herausgeber: SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn Geschäftsführer: Prof. Hans-Georg Bögner Im Mediapark 7 · 50670 Köln www.sk-kultur.de Redaktion: Mechthild Kremer Titel: Thomas Hilbig Layout und Satz: MWK Zimmermann & Hähnel GmbH www.mwk-koeln.de Druck: VD Vereinte Druckwerke GmbH www.vereinte-druckwerke.de

WIR VERNETZEN KÖLN UND KULTUR UND FEIERN GEMEINSAM MIT DEM KÖLNER TANZ- UND THEATERPREIS JUBILÄUM!

Wir freuen uns, seit vielen Jahren Partner des Kölner Tanz- und Theaterpreises zu sein. Dieses Jahr können wir gemeinsam Jubiläum feiern: 25 Jahre Tanz- und Theaterpreis und 20 Jahre NetCologne! Wir gratulieren!

Infos: www.netcologne.de


Wir sind überall da, wo was läuft. Kulturelles Engagement für die Region.

Förderer 2014:

Kulturamt

25 Jahre Kölner Tanz- und Theaterpreise (2014)  

Festschrift zum Jubiläum und ein Rückblick auf 25 Jahre Kölner Tanz- und Theaterpreise (35 Seiten)

25 Jahre Kölner Tanz- und Theaterpreise (2014)  

Festschrift zum Jubiläum und ein Rückblick auf 25 Jahre Kölner Tanz- und Theaterpreise (35 Seiten)

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