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W O C H E N K A L E N D E R

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Z U S A M M E N

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Zusammen, miteinander, verbunden, Ich möchte ganz normal mit anderen „Einsam bist du klein“ Hand in Hand, unzertrennlich ... wäre das etwas für mich? Eigentlich ist mir eine solch enge Verbundenheit eher ein Graus. Ich halte mich lieber an einen kurzen Satz des Psychiaters Klaus Dörner: „In der Begegnung begegnen sich Gegner.“ Ich möchte den anderen als jemanden wahrnehmen, der mir gegenüber ist, mir entgegensteht und mich durch seine Andersartigkeit in

Menschen „draußen“ zusammenleben können. Dafür wünsche ich mir, dass sie mir das, was ich getan habe, vergeben und mir wieder einen Platz in der Gesellschaft ermöglichen. Eine Wohnung und ein Arbeitsplatz gehören auch dazu. Ich würde gerne meine Erfahrungen weitergeben und vor allem junge Menschen davon abhalten, den geraden Weg im Leben zu verlassen. Die wirklich wichtigen

Z U S A M M E N G E H E N Frage stellt. Und dann möchte ich entdecken: Gegnerschaft führt nicht zum Streit, sondern ist bereichernd und verpflichtet mich, für den anderen da zu sein. Begegnung ist so für mich spannungsvoll und in der Spannung lebendig. Pfr. Thomas Feld, Theologischer Vorstand des Diakonischen Werkes Oldenburg

Dinge sind ja nicht Reichtum und Macht, sondern Liebe, Glauben und ein Miteinander. Das erkenne ich jetzt. Und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass das gelingt. Aber alleine wird das nicht zusammengehen - ob mir die Gesellschaft dabei eine Chance gibt? Manfred Hartfil, Maschinenschlosser z.Z. im Offenen Vollzug

– diese Erfahrung aus einem Lied stimmt. Ich erlebe Inhaftierte, die erfahren, wie ihre Familie in die Brüche geht, die nur schwer mit ihrer Schuld weiterleben können oder die nichts aus ihrem Handeln gelernt haben. Als Seelsorger und Seelsorgerinnen begleiten wir Inhaftierte, manchmal sehr lange. Wir Menschen brauchen dieses Miteinander – beiderseits der Gitter, darum gilt unser Angebot auch den Angehörigen oder Bediensteten. „Einsam bist du klein – aber gemeinsam werden wir Anwalt des Lebendigen sein“, so geht der Vers weiter. Gemeinsam, zusammen mit Ehrenamtlichen, können wir Wegbegleiter sein und von dem Gott erzählen, der das Leben für uns alle will, der sagt: „Ich bin (für dich) da“. Nicht immer ist es leicht, miteinander ein Stück (Lebens-) Weg zu gehen, aber gemeinsam ist es zu schaffen. Ulli Schönrock, Ev. Gefängnisseelsorger in Meppen Vorsitzender der Ev. Konferenz für Gefängnisseelsorge in Deutschland


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Photos: E. Klinkebiel und Photocase.com (view7, bamberg-guide, Mr. Nico, Jenzig71, miss.sophie, Quang, JoeEsco, Wickelbär, milesdeelite)

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IMPRESSUM HERAUSGEBER

Christliche Straffälligenhilfe e.V. Jägerstraße 25a, 29221 Celle Telefon 05141 94616-0 info@schwarzes-kreuz.de www.schwarzes-kreuz.de Spendenkonto des Schwarzen Kreuzes: EKK Hannover BLZ: 520 604 10 Konto-Nr: 60 02 02

in Zusammenarbeit mit:

!"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8 Herrenhäuser Straße 12, 30419 Hannover Tel: 0511 2796403, ekgsid@t-online.de

Diakonisches Werk der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg e.V. Kastanienallee 9-11, 26121 Oldenburg Tel: 0441 21001-0, LV@diakonie-ol.de

REDAKTION Irmtraud Meifert und Otfried Junk, Schwarzes Kreuz Henning Buchhagen DESIGN/KONZEPT KLINKEBIEL Kommunikations-Design, Köln www.klinkebiel.com, info@klinkebiel.com DRUCK H.-J. Rießelmann GmbH, Lohne BILDNACHWEIS Archiv KLINKEBIEL Andreas Sixdorf istockphoto.com Fotolia.de Photocase.com


Mo 03

Januar

01. Woche 2011

Di 04

Mi 05

Do 06

Heilige Drei Kรถnige

Fr 07

So 09

Photo: Stefan Lechleitner / photocase.com

Sa 08

Jesus sagt: Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, bringt reiche Frucht. Denn ohne mich kรถnnt ihr nichts ausrichten. Johannes 15, 5 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 17

Januar

03. Woche 2011

Di 18

Mi 19

Do 20

Sa 22

So 23

Photo: complize / photocase.com

Fr 21

Gott sagt: Ich werde ihnen ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Dann werden sie nach meinen Weisungen leben und meine Gebote befolgen. Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein. Hesekiel 11, 19 + 20 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 31

Januar/Februar

05. Woche 2011

Di 01

Mi 02

Do 03

Sa 05

So 06

Gott, der Geduld und Mut schenkt, gebe euch, dass ihr alle in der gleichen Gesinnung miteinander verbunden seid, so dass ihr dem Beispiel folgt, das Jesus Christus gegeben hat.

Photo: nailiaschwarz / photocase.com

Fr 04

Rรถmer 15, 5 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 07

Februar

06. Woche 2011

Di 08

Mi 09

Fr 11

Sa 12

So 13

Brüder und Schwestern, im Namen von Jesus Christus, unserem Herrn, rufe ich euch auf: Seid einig! Bildet keine Gruppen, die sich gegenseitig bekämpfen! Haltet in gleicher Gesinnung und Überzeugung zusammen!

Photo: sto.E / photocase.com

Do 10

1. Korinther 1, 10 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 14

Valentinstag

Februar

07. Woche 2011

Di 15

Mi 16

Do 17

Sa 19

So 20

Photo: mi.la / photocase.com

Fr 18

Überhaupt sollt ihr einander eure Verfehlungen bekennen und füreinander beten, damit ihr geheilt werdet. Das inständige Gebet eines Menschen, der so lebt, wie Gott es verlangt, kann viel bewirken. Jakobus 5, 16 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 07

Rosenmontag

März

10. Woche 2011

Di 08

Fastnacht

Mi 09

Aschermittwoch

Do 10

Sa 12

So 13

Wenn wir aber Gottes Kinder sind, dann wird Gott uns auch schenken, was er seinen Kindern versprochen hat. Er will uns das Leben in Herrlichkeit schenken.

Photo: Juttaschnecke / photocase.com

Fr 11

RĂśmer 8, 17 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 04

April

14. Woche 2011

Di 05

Mi 06

Do 07

Fr 08

So 10

Photo: LMDB / photocase.com

Sa 09

Jesus fragte: Was ist leichter – diesem Gelähmten zu sagen: „Deine Schuld ist dir vergeben“, oder „Steh auf, nimm deine Matte und geh“? Markus 2, 9 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 11

April

15. Woche 2011

Di 12

Mi 13

Do 14

Sa 16

So 17

Palmsonntag

Photo: gordon bussiek / photocase.com

Fr 15

Da fragte Petrus: „Herr, wenn mein Bruder an mir schuldig wird, wie oft muss ich ihm verzeihen? Ist siebenmal genug?“ „Nein, nicht siebenmal“, antwortete Jesus, „sondern siebzigmal siebenmal!“ Matthäus 18, 21+22 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 02

Mai

18. Woche 2011

Di 03

Mi 04

Do 05

Fr 06

So 08

Muttertag

Wenn wir nun mit Christus gestorben sind, werden wir auch zusammen mit ihm leben; das ist unser Glaube.

Photo: es.war.einmal.. / photocase.com

Sa 07

Rรถmer 6,8 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 23

Mai

21. Woche 2011

Di 24

Mi 25

Do 26

Fr 27

So 29

Vor dem Gericht Gottes gibt es keine Verurteilung mehr fĂźr die, die mit Jesus Christus verbunden sind.

Photo: Pavel Losevsky / Fotolia.com

Sa 28

RĂśmer 8, 1 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 06

Juni

23. Woche 2011

Di 07

Mi 08

Do 09

Fr 10

So 12

Pfingstsonntag

Photo: Ninochina / photocase.com

Sa 11 Jesus sagt: Geht mit mir! Ich mache euch zu Menschenfischern. Markus 1, 17 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 13

Pfingstmontag

Juni

24. Woche 2011

Di 14

Mi 15

Do 16

Fr 17

So 19

Photo: seraph / photocase.com

Sa 18 Jesus sagt: Wenn ihr einander liebt, werden alle erkennen, dass ihr meine J端nger seid. Johannes 13, 35 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 20

Juni

25. Woche 2011

Di 21

Sommeranfang

Mi 22

Do 23

Fronleichnam

Fr 24

So 26

Hilf mir, Gott! Wo finde ich noch Menschen, die zu dir halten? Auf keinen kann man sich mehr verlassen.

Photo: complize / photocase.com

Sa 25

Psalm 12, 2 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 01

August

31. Woche 2011

Di 02

Mi 03

Do 04

Fr 05

So 07

Photo: koco / photocase.com

Sa 06

Ich gehรถre zu dir, Gott. Hilf mir. Psalm 119, 94 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 22

August

34. Woche 2011

Di 23

Mi 24

Do 25

Fr 26

So 28

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Photo: JockScott / photocase.com

Sa 27

2. Korinther 13, 13 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 17

Oktober

42. Woche 2011

Di 18

Mi 19

Do 20

Fr 21

So 23

Photo: koco / photocase.com

Sa 22

In herzlicher Liebe sollt ihr miteinander verbunden sein, und gegenseitige Achtung soll euer Zusammenleben bestimmen. Rรถmer 12, 10 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 31

Reformationstag

Oktober/November

44. Woche 2011

Di 01

Allerheiligen

Mi 02

Do 03

Sa 05

So 06

Photo: Petra Kohlst채dt / Fotolia.com

Fr 04

Wir wollen nicht voreinander prahlen, nicht miteinander streiten und einander nichts nachtragen. Galater 5, 26 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 28

November/Dezember

48. Woche 2011

Di 29

Mi 30

Do 01

Fr 02

So 04

2. Advent

Ich mรถchte, dass ihr alle durch Gottes Geist verbunden seid und der Guten Nachricht von Jesus Ehre macht.

Photo: Miss X / photocase.com

Sa 03

Philipper 1, 27 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 05

Dezember

49. Woche 2011

Di 06

Nikolaus

Mi 07

Do 08

Fr 09

So 11

3. Advent

Freuen d체rfen sich alle, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder sein.

Photo: tilla eulenspiegel / photocase.com

Sa 10

Matth채us 5, 9 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


Mo 12

Dezember

50. Woche 2011

Di 13

Mi 14

Do 15

Fr 16

So 18

4. Advent

Photo: MMchen / photocase.com

Sa 17 Wenn euch jemand Unrecht tut, dann zahlt es ihm nicht mit gleicher MĂźnze heim. RĂśmer 12, 17 !"#$%&'()*+&,-.$/&0&$1 /20,3&/4$%$())&&').0%& ($,5&67)*+'#$8


53. Woche 2010

ZUSAMMENGEHEN Für jeden neuen Tag einen guten Gedanken für dich und von dir – Für jeden neuen Tag ein gutes Wort für dich und von dir –

ZUSAMMENGEHEN

Für jeden neuen Tag ein fröhliches Lachen für dich und von dir – An jedem neuen Tag das Wissen geborgen zu sein in dem, der dich liebt – das schenke dir Gott Wilma Klevinghaus © bei der Autorin


02. Woche 2011 IMPULSGEBER

ZUSAMMENGEHEN!? von Juliane Schaer, Lehrerin

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Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt… Was macht diese Beziehung so einzigartig? Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Schultag. In meinem schönsten Kleidchen hielt ich mich an meiner rosafarbenen Schultüte fest. Natürlich freute ich mich darauf, endlich auf dieselbe Schule gehen zu dürfen wie mein großer Bruder. Trotzdem blickte ich schüchtern, nervös und etwas ängstlich auf das, was nun auf mich zukommen sollte. Ja, daran erinnere ich mich gut, aber ich erinnere mich auch noch genau daran, dass ich nicht alleine war. Da stand sie, meine beste Freundin. Ebenso hübsch zurechtgemacht lächelte sie neben mir in die Kamera. Ich wusste, dass wir in dieselbe Klasse gehen würden. Mit dieser Gewissheit bewältigte ich den ersten Schultag, bis die neu entstandene Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt wurde und meine Freundin und ich uns unerwartet trennen mussten. Eine kleine Welt brach zusammen. Die Vorstellung, alleine zwischen den anderen, mir unbekannten Kindern zu sitzen, schnürte mir die Kehle zu... Schon damals konnte ich erleben, dass Freundschaft für mich Nähe und Vertrauen bedeutet, Sicherheit und Geborgenheit. Wie die Geschichte ausging? Ich durfte die Gruppe wechseln. Was für ein Glück, denke ich auch jetzt nach gut 20 Jahren und betrachte ein Foto meines letzten Schultages. Dort umarme ich die Freundin, die mir seit meinem ersten Schultag immer zur Seite stand und ich strahle.


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03. Woche 2011

ZUSAMMENGEHEN In seinem zweiten Brief an Timotheus, den er in einem römischen Gefängnis schreibt, bittet der Apostel Paulus seinen Freund: „Bring den Mantel mit, den ich in Troas bei Karpus gelassen habe, auch die Bücher, vor allem die Pergamente“ (2. Tim. 4, 13). Das legt nahe, dass der Dienst im Gefängnis sich für Paulus nicht auf das Predigen beschränkte, sondern auch praktische Hilfe einschloss, wie Kleidung, Material für die Weiterbildung und vielleicht sogar Essen und medizinische Versorgung. Stellen Sie sich nun einmal vor: Sie besuchen einen Häftling und dieser bittet Sie um Geld, um Seife kaufen zu können. Würde Ihnen das als ein unnötiger Luxus ohne spirituellen oder religiösen Wert erscheinen? Oder könnte es nicht sein, dass sogar ein einfaches Stück duftender Seife in einer Welt voller Schmutz und Ekel ein Symbol der Hoffnung darstellt, eine Erinnerung daran, dass man trotz allem noch ein menschliches Wesen ist? Jens Söring Aus: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet – Barmherzigkeit und Strafvollzug © Echter Verlag Würzburg 2008, S. 179/180


05. Woche 2011

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Ein ruhiges Haus, sagen Sie?

Ja, jetzt ist es ein ruhiges Haus. Aber noch vor kurzem war es die Hölle. Über uns und unter uns Familien mit kleinen Kindern, stellen Sie sich das vor. Das Geheul und Geschrei, die Streitereien, das Trampeln und Scharren der kleinen, zornigen Füße. Zuerst haben wir nur den Besenstiel gegen den Fußboden und gegen die Decke gestoßen. Als das nichts half, hat mein Mann telefoniert. Ja, entschuldigen Sie, haben die Eltern gesagt, die Kleine zahnt, oder die Zwillinge lernen gerade laufen. Natürlich haben wir uns mit solchen Ausreden nicht zufrieden gegeben. Mein Mann hat sich beim Hausmeister beschwert, jede Woche einmal, dann war das Maß voll. Der Hauswirt hat den Leuten oben und den Leuten unten Briefe geschrieben und ihnen mit der fristlosen Kündigung gedroht. Danach ist es gleich besser geworden. Die Wohnungen hier sind nicht allzu teuer, und diese jungen Ehepaare haben gar nicht das Geld, umzuziehen. Wie sie die Kinder zum Schweigen gebracht haben? Ja, genau weiß ich das auch nicht. Ich glaube, sie binden die jetzt an den Bettpfosten fest, so dass sie nur kriechen können. Das macht weniger Lärm. Wahrscheinlich bekommen sie starke Beruhigungsmittel. Sie schreien und juchzen nicht mehr, sondern plappern nur noch vor sich hin, ganz leise, wie im Schlaf. Jetzt grüßen wir die Eltern wieder, wenn wir ihnen auf der Treppe begegnen. Wie geht es den Kindern, fragen wir sogar. Gut, sagen die Eltern. Warum sie dabei Tränen in den Augen haben, weiß ich nicht. Marie Luise Kaschnitz Aus: Marie Luise Kaschnitz, Steht noch dahin © Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1972 Abdruck mit frdl. Genehmigung des Suhrkamp Verlag Berlin


08. Woche 2011

T R A U DICH! Probleme ansprechen

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Wie oft tragen wir ungelöste Probleme länger mit uns herum als notwendig. Wir müssten sie nur einmal ansprechen. Klar, das fällt uns schwer. Aber noch schwerer werden die Sorgen, wenn wir sie zu lange bei uns behalten. Erst wenn wir sie ins Gespräch bringen, kann sich eine Lösung zeigen. Damit dienen wir dem Nächsten, der erst durch unseren Mut erkennt, wo er uns belastet. Wir werden dann erfahren: Gemeinsam finden wir eine Lösung, auf die jeder für sich nie gekommen wäre.

Trau dich, deinen Teil der Lösung beizutragen. Bruder Paulus Terwitte, Marcus C. Leitschuh Aus: Trau dich, einfach zu entspannen, S. 90 Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2009

Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. Matthäus 7, 12


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12. Woche 2011

ZUSAMMENGEHEN Als ich in die Malstunde gegangen bin, hat Herr H. mich dann ganz persönlich angesprochen. Es waren nur Bruchstücke meines Lebens, aber es hatte zur Folge, dass ich in der Zelle mal nach Jahren endlich ein paar Tränen weinen konnte. Es wäre mehr geworden, aber ich wollte meine Mitbewohnerin nicht mitreißen und zum Fragenstellen bringen. Es fällt mir ja auch sehr schwer, mich gehen zu lassen. Zu tief bin ich in der Angst: was sollen die Leute sagen. Aber ich weiß auch aus langer Erfahrung, dass es eigentlich so sein soll – sich gehen lassen in solchen Momenten... Herr H. sagte mir, ich müsse lernen mich zu lieben. Dabei weiß ich, glaube ich, gar nicht, wie das gehen soll. Ich werde es mir öfter ins Gedächtnis rufen. Aber bis jetzt konnte ich stets nur anderen gute Ratschläge geben und fand immer Worte und Verständnis für sie, zu mir war ich immer schon hart und mache mir Vorwürfe, warum ich Fehler gemacht habe und noch mache. Bin ich dazu geboren, das Opferlamm zu sein und zu spielen? Wenn ich jedoch über das Gespräch mit Herrn H. nachdenke, so spüre ich, dass auch noch nie jemand in meinem Leben da war, der mit mir über mich sprach, und mit dem ich offen über mich reden konnte oder mich traute, es zu tun. Obwohl ich immer eine große starke Schulter brauchte… Aus: Frauen im Gefängnis Texte von Inhaftierten, S. 110 (gekürzt) Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln


16. Woche 2011

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Was halten Sie von Ostern? Ich weiß genau: Ohne Ostern gäbe es keinen Glauben an Jesus, keine Christenheit und keine Kirche. Für mich persönlich ist das Osterfest allerdings erst im Älterwerden zum wichtigsten Fest in meinem Glauben geworden. Weil Jesus Christus auferstanden ist, gibt es eine lebendige Hoffnung. Deshalb ist sein schönstes Wort für mich: „Ich lebe und Ihr sollt auch leben.“ Heute, morgen und alle Tage. Deshalb singe ich nicht nur zu Ostern mit Begeisterung die frohen Osterlieder der Christenheit. Da jeder Sonntag eine Erinnerung an das erste Osterfest ist, spiegelt jeder Gottesdienst etwas von der Osterfreude wider. Eine wichtige Erfahrung habe ich gemacht: Ich kann nicht allein Ostern feiern, ich brauche die Gemeinschaft mit anderen Menschen. So ist es in unserer Gemeinde zur Gewohnheit geworden, dass wir uns nach dem Gottesdienst oder beim Osterfrühstück gegenseitig zurufen: „Der Herr ist auferstanden!“ Der Angerufene antwortet darauf, wie es in der russischen Kirche üblich ist: „Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Das tut mir gut. Das macht mich froh. Helmuth Reske Pastor i.R.


19. Woche 2011

HERAUSGEBER Briefe sind Brücken von draußen nach drinnen.

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Eine Inhaftierung geht meistens einher mit dem Abbruch von Beziehungen zu Familie, Freunden und Bekannten. Viele wenden sich aufgrund von Enttäuschungen oder Ächtungen wegen der begangenen Taten ab. Für die Inhaftierten bleiben Einsamkeit, Langeweile und ein Drehen um sich selbst. Ein Briefkontakt bietet Austausch und hilft, neue Sichtweisen und Denkstrukturen für ein Leben ohne neue Straftaten zu entwickeln. Das Schwarze Kreuz vermittelt Briefkontakte zwischen Inhaftierten und Menschen, die sich ehrenamtlich in der Straffälligenhilfe engagieren möchten. Denn: Menschen brauchen Beziehungen. Gute Beziehungen helfen, Denkweise und Lebensstil zu korrigieren. Beziehungen fordern heraus, sind Stütze und Hilfe in schwierigen Situationen, spenden Trost oder vermitteln das Gefühl, angenommen zu sein - trotz Fehler und Risse im Leben.

Ihr Ansprechpartner: Manuel Diener Schwarzes Kreuz Christliche Straffälligenhilfe e.V. Jägerstraße 25A, 29221 Celle Telefon: 05141 946160 Fax: 05141 94616-26 E-Mail: beratung@schwarzes-kreuz.de www.schwarzes-kreuz.de


20. Woche 2011

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Irgendwas bleibt Wie ein Liebeslied klingt der Song: „Gib mir einfach nur’n bisschen Halt. Und wieg mich einfach nur in Sicherheit...“ Wochenlang war das Lied ganz oben in den Charts. Vielleicht deshalb, weil hier unsere Sehnsucht, unsere Gefühle angesprochen werden. Und zugleich beschreibt die Gruppe Silbermond, wie die Welt ist, in der wir leben. Auf dem Video zu diesem Lied ist die Sängerin Stefanie Kloß zu sehen, wie sie singend durch eine Straßenschlacht zwischen Demonstranten und bewaffneter Polizei hindurchgeht, wo Molotowcocktails geworfen und Demonstranten verprügelt und festgenommen werden. „Gib mir’n kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas, das bleibt...“ Das Lied von Silbermond kann man auch noch ganz anders hören: Wie ein Gebet, ein Wunsch, gerichtet an die oberste Stelle, eine Bitte an Gott nach Halt und Sicherheit. Und das Schöne ist: Noch bevor Silbermond diesen Text geschrieben hat, hat Gott schon geantwortet. In Jesus Christus hat Gott selbst es gewagt, Mensch zu werden. Um uns nahe zu sein in dem Dunkel dieser Welt. Aus: Glaub an mich. Anregungen für die Gemeindearbeit zur Woche der Diakonie 2010. Diakonie in Niedersachsen S. 13


22. Woche 2011

ZUSAMMENGEHEN Aufbrechen

trotz aller Bedenken trotz aller Schwierigkeiten trotz aller Barrieren trotz aller Drohungen trotz aller Gefahren

Trotz allem

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unseren Weg gehen miteinander planen fĂźreinander da sein glauben, dass Neues mĂśglich wird

Max Feigenwinter


25. Woche 2011

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Knackis Liebste: Die eierlose Knoblauchmayonnaise, die jeden Bissen zum Erlebnis macht Mayonnaise macht man normalerweise mit Ei. Das Problem ist nur, dass Ei schnell verdirbt, besonders in der warmen Jahreszeit, und man dann alle paar Tage neue Mayonnaise herstellen muss, wenn man sie so gerne mag. Und man mag sie im Knast sehr, sehr gern. Sie gibt schön viel Geschmack für wenig Geld und macht auch das langweiligste Stück Brot, das man noch im Schrank hat, zu einem kleinen Leckerbissen. Und wenn man das Brot dann vorher noch röstet... hmmm... Zutaten: 3 Eierbecher Milch, 2 Prisen Salz, 1 bis 5 Knoblauchzehen (je nach Geschmack), Pflanzenöl Zubereitung: Milch in eine Tasse geben, Knoblauch pressen und dazu geben, das Ganze durchrühren (Rührgerät auf höchste Stufe) und dabei langsam Öl dazu träufeln lassen. Die Mayonnaise ist fertig, wenn die gewünschte Festigkeit erreicht ist. Aus: Huhn in Handschellen. Das Knast-Kochbuch. Mit Original-Rezepten, die auch in Freiheit schmecken. Bremen 2008, s.a. www.santa-fu.de


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29. Woche 2011

ZUSAMMENGEHEN Sie leben in einer Wohnung, die Mutter und ihre drei heranwachsenden Kinder. Die Beziehung der Mutter und ihres Freundes ist zerbrochen, ein Beziehungsabbruch für die Kinder. Schon geraume Zeit hatte die Mutter den Blick auf die Kinder verloren. Sie selbst hatte sich kraftlos und resigniert zurückgezogen, in ihr Zimmer, war im Bett geblieben. Gelegentlich trafen sie sich in der Küche, wenn jeder sich etwas zu essen holte. Schulbesuche fanden nicht mehr statt, Kontakte zu Freunden unterblieben. Die Aufmerksamkeit für den anderen, auch die geschwisterliche Verbundenheit, waren verschüttet... In der Arbeit mit Familien geht es mir darum, Menschen mit ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten wieder in eine aufeinander abgestimmte „Bewegung“ zu bringen. Hier braucht es erst einmal einen gemeinsamen Ort, ein gemeinsames Zimmer und einen Platz für alle, damit wieder Begegnung stattfinden kann: ein Tisch und Stühle, sich zu treffen, zu sitzen, sich zu sehen, ins Gespräch zu kommen. ZusammenGehen bedeutet in diesem Fall, sich dort zu treffen, eine verbindliche Zeit einzuhalten, sich wieder in Augenschein zu nehmen. Meine Hilfe „von außen“ verstand ich am Anfang in einer mitbeteiligten Initiative. Eine Zeit für mein Kommen zu vereinbaren, verbindlich mit jedem diese Absprache zu treffen, Brötchen mitzubringen, mit ihnen zu sein, das ZusammenGehen zu fördern und mich dann aber auch wieder überflüssig zu machen. Jede noch so kleine Fähigkeit der Mutter und ihrer Kinder aufzunehmen. „Wenn Sie das geschafft haben, wenn Ihr das erreicht, wie könnte dann ein nächster Schritt aussehen?“ Ein mühsamer Prozess ist eingeleitet, er braucht Begleitung, vermittelt Hoffnung und Verbundenheit mit diesen Menschen. Bernd Rüter Systemischer Familientherapeut


31. Woche 2011

ZUSAMMENGEHEN Was ich dir wünsche: Einen Mund, ein gutes Wort zu sagen, zwei Hände, die zärtlich sind beim Handeln, zwei Ohren, die offen sind für Leises, ein Herz, das Platz hat für die Liebe, zwei Augen, die sehen gut und böse, zwei Füße, den Weg nach Haus zu finden, einen Menschen, der dir wird zur Heimat, und Vertrauen, dass du geborgen bist.

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Alter Segenswunsch


35. Woche 2011

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Vom Hausarbeiter, der meine Topfblume wieder aufgepäppelt hat Bürstenhaarschnitt, Goldring im Ohr, hohe Stirn, schmale energische Lippen, breites Kinn... trotz seiner 60 Jahre wirkt er immer noch kraftvoll und athletisch. Wenn er mein Büro in der JVA betritt, begegnet mir sein abschätzender Blick durch die Goldrandbrille. „Na, Herr Kühne, was haben Sie denn?“ Klingt da Ironie mit? Er sondiert den Raum, hebt einen Schnipsel vom Boden. Er ist mein Hausarbeiter, der für die Ordnung auf dem Zellengang und in den Mitarbeiterbüros zu sorgen hat. Wir reden nicht viel miteinander. Dass er vor etwa 2 Jahren den Job des Hausarbeiters für die Station annehmen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Wir waren nämlich gleich nach seiner Ankunft in der JVA aneinander geraten. Jetzt ist unser Umgang höflich distanziert, aber durch die täglichen Begegnungen auf dem Zellengang kommen wir uns menschlich auch etwas näher. Einmal sagt er nach einem langen Arbeitstag zu mir: „Nun machen Sie mal endlich Feierabend, Herr Kühne, morgen ist auch noch ein Tag“, und dann wieder erhalte ich an einem anderen Tag ein bitterböses Schreiben von ihm, dass wir Bediensteten der Anstalt nur willfährige Büttel des Unrechtssystems seien... Er ist ein Mensch mit vielen Widersprüchen, aber kein eiskaltes Monster, als welche viele oft in den Boulevardmedien hingestellt werden. Als ich vor kurzem in mein Büro kam, war ich erstaunt, ein üppig blühendes Usambaraveilchen auf meiner Fensterbank vorzufinden. Meine Nachfrage ergab: der Hausarbeiter hatte es mir hingestellt. Er sagte: „Das ist doch der Blumentopf, den Sie vor einiger Zeit in Ihren Mülleimer geworfen haben. Ich habe die Blume einfach wieder aufgepäppelt...“ Christfried Kühne Vollzugsabteilungsleiter in der JVA Celle


37. Woche 2011

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Ich brauche dich „Ich brauche dich“ – wann haben Sie das zuletzt gesagt? Oder umgekehrt: Wann hat jemand zu Ihnen gesagt: „Ich brauche dich“? „Ich brauche dich“ ist ein ganz starker Satz. Aber diese drei Worte, diese deutliche Bitte um Hilfe, die werden wohl nicht so oft ausgesprochen. Wenn ich zu einem anderen Menschen sage „Ich brauche dich“, hat das nicht etwas Bedrängendes? Und überhaupt: Warum soll ich zu jemandem sagen „Ich brauche dich“ – ich kann doch (fast) alles allein. Ich komme klar. Und ich brauche keinen, der mir sagt, wo’s lang geht... Zu sagen „Ich brauche dich“ ist eigentlich ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche. Wer das sagen kann, der setzt auf das Miteinander. Der kann zugeben, dass er nicht alles alleine kann. Freuen wir uns, wenn jemand zu uns sagt: „Ich brauche dich“. Haben wir selbst keine Angst, diese Bitte deutlich auszusprechen. Wir können darauf vertrauen, dass einer mit uns geht, der weiß, was wir brauchen, der weiß, was uns gut tut, und der uns befähigt, selbst Gutes zu tun. Aus: Glaub an mich. Anregungen für die Gemeindearbeit zur Woche der Diakonie 2010. Diakonie in Niedersachsen S. 29/30


38. Woche 2011 IMPULSGEBER

ZUSAMMENGEHEN!? von Astrid Eichler, Gefängnisseelsorgerin

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Es ist nicht gut, wenn der Mensch allein ist... Wie findet man eigentlich Freunde? Als ich noch Gemeindepfarrerin war, bekamen wir Besuch von einer Gemeindegruppe aus Süddeutschland. Sonntagmittag wurden die Gäste zum Essen in verschiedene Häuser verteilt. Ein Ehepaar war Gast im Pfarrhaus. Es war ein Essen mit nachhaltigen Folgen: Liebe auf den ersten Blick – oder wie soll ich es nennen? In den Jahren danach gab es trotz der 800 km ein munteres Hin und Her mit Besuchen, mit Telefonaten. Wir lernten uns immer besser kennen und teilten viel miteinander. In einer Zeit, die für mich sehr schwierig war, konnte ich mich, auch ohne dass wir es je verabredet hatten, darauf verlassen, dass meine Freundin Ute einmal in der Woche bei mir anrief – einfach so. Die Krönung in diesem schwierigen Jahr war mein Geburtstag: Zwei Frauen hatten den Auftrag, mich zu „entführen“, an einen unbekannten Ort. Sie machten es meisterlich – mit chicem Auto, schwarzer Augenbinde, viel Getuschel bei nötigen Absprachen mit den Kellnern... und plötzlich standen zum Mittagessen Ute und eine andere Freundin aus Süddeutschland vor mir, die meinen Geburtstag mit mir feiern wollten. Extra angeflogen. Ich war sprachlos. Das ist Freundschaft für mich: einander beistehen, einander überraschen, etwas wagen.


40. Woche 2011

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Meine Gefühle Mir geht es nicht so gut. Jetzt, wo ich hier bin, kriege ich keine Briefe von meinen Freunden, aber so merke ich, dass es gar keine richtigen Freunde sind. Denen ist es scheißegal, ob ich hier bin oder nicht. Mir tut das irgendwie weh, da, wo ich Freunde brauche, sind sie nicht für mich da, da lassen sie mich im Stich. Damals, bevor ich hier hingekommen bin, war ich die Beste, ich hatte Geld, ich bin für die klauen gegangen und war immer da, wenn jemand Probleme hatte. Ich habe den Streit mit meiner Familie wegen meinen Freunden in Kauf genommen, aber jetzt bin ich ja nutzlos, jetzt bin ich für jeden scheißegal. Außer für meine Mutter. Meiner Mutter geht es selber schlecht und kommt mich noch besuchen. Ich habe ihr so wehgetan, aber sie lässt mich nicht im Stich. Es tut mir weh, wenn ich daran denke, wie ich sie nächtelang habe weinen lassen, ich habe sie beschimpft, habe sie geschlagen, es war mir egal, aber heute, wo ich Zeit habe zum Nachdenken, ist es mir nicht egal. Ich werde mich ändern und meine Mutter, hoffe ich mal, hilft mir und gibt mir das, was ich brauche. Sie konnte mir nie geben, was andere Mütter ihren Kindern gegeben haben, aber ich weiß trotzdem, dass sie mich liebt. Ich fühle mich einfach so komisch, ich habe meine Mutter beleidigt, geschlagen, und jetzt hält sie zu mir, das lässt mein Herz aufglühen und ich fange an, sie zu schätzen. Aus: Frauen im Gefängnis Texte von Inhaftierten, S. 91 (gekürzt) Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln


41. Woche 2011

HERAUSGEBER Jesus Christus spricht: „Ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen“

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(Matthäusevangelium 25, 36)

Im Auftrag Jesu gehen wir ins Gefängnis. Wir hören zu, denken und fühlen mit, beraten und beten, feiern Gottesdienste und bieten Gruppen an. In Krisen, bei der schwierigen Auseinandersetzung mit so manch einer Tat, bei familiären Problemen, in Trauerfällen, bei allen religiösen Fragen genauso wie bei Alltagssorgen sind wir Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen. Dabei sind wir für alle da: für Gefangene, Angehörige und für die Mitarbeiter in den Gefängnissen. Unsere seelsorgerlichen Gespräche stehen unter dem Schutz des Seelsorge- und Beichtgeheimnisses.

Wir leben aus dem Glauben, dass... • Gott jedem Menschen eine unverlierbare Würde verliehen hat. • Gott sich jedem Menschen zuwendet und dass wir uns jederzeit an ihn wenden können. • Mit Gott Umkehr, Vergebung und Versöhnung möglich sind. • Gott uns Gemeinschaft mit ihm und untereinander schenkt. Und aus der Hoffnung auf Gottes Frieden und Gerechtigkeit. Birgit Braun Ev. Gefängnisseelsorgerin auf dem Hohenasperg


44. Woche 2011

HERAUSGEBER Weihnachtsfreude im Gefängnis

29232 Celle

Menschen, die den Advent und Weihnachten im Gefängnis verbringen müssen, sind davon nicht ausgenommen. Nur: Was ist, wenn da "draußen" niemand ist, der auf einen Gruß von "drinnen" wartet? Was ist, wenn ein Gefangener niemanden hat, der an ihn denkt und ihm eine Freude machen kann?

Datum/Unterschrift

E-Mail-Adresse

PLZ/Ort

Straße

Sie könnten das ändern! Mit ca. 30 EUR und ein wenig Zeit zum Einkaufen, Packen und Versenden können Sie einem Gefangenen mit einem Weihnachtspaket eine große Überraschung machen.

Name, Vorname

Ich unterstütze die Paketaktion „Weihnachtsfreude im Gefängnis“ mit einer Spende und überweise ________ Euro auf das Konto 60 02 02 bei der EKK Hannover, BLZ 520 604 10.

Ich bin bereit_______(Anzahl) Gefangenen ein Weihnachtspaket zu schicken. (Sie erhalten von uns dafür im Dezember die nötigen Unterlagen.)

Bitte senden Sie uns diesen Coupon zu oder machen Sie mit im Internet unter www.Schwarzes-Kreuz.de

Mitmach-Coupon

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Schwarzes Kreuz Christliche Straffälligenhilfe e.V. Postfach 3233

Weihnachten ist das herausragendste Fest des Jahres. Große Erwartungen sind damit verbunden, kaum jemand kann sich davon freimachen. Wünsche werden wach und Überlegungen, anderen Freude zu machen.

Machen Sie mit! Beteiligen Sie sich mit nebenstehender Karte, unter www.schwarzes-kreuz.de oder rufen Sie an: Telefon 05141 94616-0. Sie erhalten von uns dann alle erforderlichen Informationen.


49. Woche 2011

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Ich bin da. In die Lichtblicke deiner Hoffnung und in die Schatten deiner Angst, in die Enttäuschungen deines Lebens und in das Geschenk deines Zutrauens lege ich meine Zusage: Ich bin da. In das Dunkel deiner Vergangenheit und in das Ungewisse deiner Zukunft, in den Segen deines Wohlwollens und in das Elend deiner Ohnmacht lege ich meine Zusage: Ich bin da. In das Spiel deiner Gefühle und in den Ernst deiner Gedanken, in den Reichtum deines Schweigens und in die Armut deiner Sprache lege ich meine Zusage: Ich bin da. In die Fülle deiner Aufgaben und in deine leere Geschäftigkeit, in die Vielzahl deiner Fähigkeiten und in die Grenzen deiner Begabung lege ich meine Zusage: Ich bin da. In das Gelingen deiner Gespräche und in die Langeweile deines Betens, in die Freude deines Erfolgs und in den Schmerz deines Versagens lege ich meine Zusage: Ich bin da. In das Glück deiner Begegnungen und in die Wunden deiner Sehnsucht, in das Wunder deiner Zuneigung und in das Leid deiner Ablehnung lege ich meine Zusage: Ich bin da. In die Enge deines Alltags und in die Weite deiner Träume und in die Kräfte deines Herzens lege ich meine Zusage: Ich bin da. Paul Weismantel, aus „In der Stille der Nacht. Gedanken und Gebete zu Advent und Weihnachten“, Verlag Ludwig Auer, Donauwörth, 1991


ZUSAMMEN - KALENDER 2011