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Weiter wirken

Erbschaften und Legate


Eine Schweizer Antwort auf den Krieg

Als Walter Robert Corti im Jahr 1944 seine Ideen formulierte, die zwei Jahre später zur Gründung des Kinderdorfs Pestalozzi in Trogen führten, tobte rings um die neutrale Schweiz ein Krieg, wie ihn die Welt vorher noch nie gesehen hatte. 65 Millionen Tote, Soldaten und unzählige Zivilisten, lautete die schreckliche Bilanz des sechs Jahre andauernden Kampfes. Über 60 Staaten waren beteiligt. Millionen von Kindern machte der Krieg zu Waisen. Wenigstens einige von ihnen sollten die Chance erhalten, im idyllischen Appenzell aufzuwachsen und eine an den Ideen Johann Heinrich Pestalozzis orientierte, ganzheitliche Bildung zu erhalten. Zentral war dabei von Anfang an der Gedanke der Völkerverständigung: Die Kinder, die aus fast allen kriegsbeteiligten Ländern Europas ins Kinderdorf kamen, sollten ihre eigene kulturelle Identität bewahren können und zugleich andere Kulturen kennenlernen. Dadurch begegneten die Kinder den Fremden nicht mit Vorbehalten oder gar ängstlich, sondern offen, interessiert und selbstbewusst.

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Gruppe tibetischer Flüchtlingskinder und ihre Betreuenden, die 1960 ins Kinderdorf kamen.


Die Vision einer

friedlichen Welt leben Cortis Vision einer friedlichen Welt ging von einer bestechend einfachen Diagnose der Ursache für die Feindseligkeiten aus, die Kriegen zu Grunde liegen: «In den rasenden Entschiedenheiten der Erwachsenen wird am Eigenen nicht mehr gerüttelt, das Andere aber bis zur Vernichtung bekämpft.» Wenn es einen Zeitpunkt gibt, zu dem der Mensch Friedfertigkeit erlernen kann, dann sah der Gründungskreis des Kinderdorfs diesen in der Kindheit. Denn nur dann besitzt der Mensch die nötige Neugier und Lernfähigkeit, wenn sich Vorurteile noch nicht zu unverrückbaren Überzeugungen verfestigt haben. So entstand im Kinderdorf Pestalozzi eine Friedenspädagogik der Begegnung und des Austauschs der Kulturen. Wer im Kinderdorf das friedliche Zusammenleben der Völker, Nationen, Kulturen und Religionen gelernt hatte, sollte als Friedensbotschafter in seine Heimat zurückkehren.

«Bauen wir eine Welt, in welcher die Kinder leben können.» Walter Robert Corti, 1944 in seinem Aufruf zur Gründung des Kinderdorfs

Junge Mitarbeitende ausländischer Partnerorganisationen bilden sich im Rahmen des achtmonatigen Lehrgangs emPower in Trogen weiter.

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Friedensdorf auf Spenden gebaut Das Kinderdorf Pestalozzi durfte von Anfang an auf eine breite Unterstützung aus der Schweizer Bevölkerung zählen. Die Solidarität mit den Kindern in Trogen war enorm. Architekten, Handwerker und Freiwillige aus der ganzen Schweiz reisten nach Trogen und halfen, das Dorf in Fronarbeit zu errichten. Das Baumaterial wurde dem Kinderdorf zu grossen Teilen geschenkt. Der Betrieb des Kinderdorfs, die Löhne der Hauseltern, Pädagogen sowie des technischen und hauswirtschaftlichen Personals konnten nur dank der finanziellen Unterstützung aus allen Teilen der Schweiz bezahlt werden. Freunde und Freundinnen des Kinderdorfs Pestalozzi haben der Stiftung auch immer wieder Erbschaften und Legate vermacht und so Kindern eine Zukunft geschenkt. Bau, Erhalt und die Weiterentwicklung des einzigartigen Bildungs- und Begegnungsortes sind so überhaupt erst möglich geworden. Allen diesen grossherzigen Menschen gilt der besondere Dank der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi.

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Ab 1946 kamen Kriegswaisen aus England, Frankreich, Finnland, Griechenland, Polen, Ungarn, Deutschland, Italien und Österreich nach Trogen.


Aus dem Dorf in die Welt Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden neue kriegerische Konflikte, die immer wieder Flüchtlingskinder ins Kinderdorf trieben – zuletzt 1992 Kinder aus Bosnien, die 1994 wieder in ihre Heimat zurückkehren konnten. Von 1994 bis 2014 diente das Kinderdorf als Schul- und Wohnort für Kinder aus der Schweiz. Bereits Ende der 70er-Jahre entstand der Gedanke, die Reichweite der Stiftung auszudehnen. Daraus ist ab 1982 die Entwicklungszusammenarbeit im Bildungsbereich entstanden. Was das Engagement im Ausland besonders macht, ist nicht zuletzt die Erfahrung aus sieben Jahrzehnten pädagogischer Friedensarbeit im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen, die in die weltweiten Projekte mit einfliesst. Heute ist die Stiftung in den folgenden zwei Bereichen aktiv: - Seit 1982 führt die Stiftung weltweit mit lokalen Partnerorganisationen Entwicklungsprojekte im Bildungsbereich durch und verschafft so benachteiligten Kindern einen Zugang zu qualitativ guter Bildung. - Seit 2001 realisiert die Stiftung interkulturelle Austauschprojekte mit Schweizer Schulklassen sowie Kindern und Jugendlichen aus dem europäischen Ausland. Heute profitieren Kinder in der Schweiz und in elf Ländern weltweit von den Bildungs- und Austauschprojekten der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi.

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Mit dem letzten Willen weiter wirken Die eigene Vergänglichkeit ist ein schwer fassbares Thema. Vielleicht versäumen es auch deshalb viele Menschen, ein Testament zu verfassen. Ein Testament bietet jedoch die Chance, eine letzte, fortdauernde Geste der Wertschätzung oder des Dankes zu hinterlassen.

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Cortis Aufruf zum Bau des Kinderdorfs 1944 erscheint in der Zeitschrift «Du».

1946

Ihr Testament – auch letzter Wille genannt – gibt Ihnen die Möglichkeit, ein Zeichen für Menschen und Werte zu setzen, die Ihnen besonders am Herzen liegen. So wirken Sie über das eigene Leben hinaus weiter. Dort, wo es Ihnen wichtig und richtig erscheint.

Baustart: Erste Kinder kommen ins Kinderdorf Pestalozzi nach Trogen.

Erstmals Kinder aus einem ausser1960 europäischen Land im Kinderdorf.


Es ist üblich, dabei nahestehende Menschen zu bedenken. Aber auch die Unterstützung einer Ihnen vertrauten Organisation, die sich für das einsetzt, was Ihnen im Speziellen sinn- und wertvoll erscheint, kann Ihnen ein gutes Gefühl geben.

1983

Erste Hilfsprojekte in Äthiopien, Bangladesch, Indien und im Libanon.

1994

Wenn Sie die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi in Ihrem Testament bedenken, schenken Sie damit Kindern durch ganzheitliche Bildung bessere Zukunftschancen. Sie helfen, Zivilcourage zu fördern, Vorurteile abzubauen sowie Rassismus und Diskriminierung vorzubeugen.

Sozialpädagogisches Schul- und Wohnangebot für Kinder aus der Schweiz.

2001

Austauschprojekte Schweizer Schulklassen und Kinder aus dem Ausland.

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Wichtige Schritte zum Testament

Ohne Testament und gesetzliche Erben fällt Ihr Erbe zur freien Verfügung an Ihren Wohnkanton oder allenfalls an die Wohngemeinde. Nutzen Sie die Möglichkeit, selber über Ihren Nachlass zu bestimmen. Denken Sie in Ruhe darüber nach, welche Menschen und Organisationen Sie unterstützen möchten. Besprechen Sie bei Unsicherheiten Ihre Fragen mit einer Person Ihres Vertrauens oder wenden Sie sich an eine Fachpersonen. Bestimmen Sie, welche Beträge oder Wertobjekte Sie wem zuweisen möchten. Hinterlegen Sie Ihr Testament an einem sicheren Ort – z.B. bei der zuständigen Behörde oder in Ihrem Banksafe.

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Unschuldige Opfer des Krieges: Von 1946 bis 1994 lebten 1300 Kriegswaisen und Flüchtlingskinder in Trogen.


Worauf Sie achten müssen Ihr Testament können Sie von einem Notar ausstellen lassen oder auch selber verfassen. Damit das Dokument Gültigkeit erlangt, müssen Sie folgende Punkte berücksichtigen: -S  chreiben Sie Ihr Testament vollständig von Hand. - Vermerken Sie auf dem Testament das genaue Datum der Erstellung. - Unterschreiben Sie Ihr Testament handschriftlich. Liegt eine komplexere finanzielle oder familiäre Situation vor, empfiehlt es sich, für die Erstellung des Testaments eine Fachperson beizuziehen.

Seit 1982 verschafft die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi unzähligen Kindern in aller Welt Zugang zu qualitativ guter Bildung.

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Ein Vermächtnis/Legat Mit einem Vermächtnis – auch Legat genannt – können Sie der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi einen fixen Betrag, einen Anteil Ihres Vermögens oder bestimmte Sachwerte hinterlassen (Immobilien, Wertpapiere, Kunstwerke oder andere Wertsachen).

Im Kinderdorf Pestalozzi lernen sich Kinder aus unterschiedlichen Kulturen in einer einzigartigen Atmosphäre kennen und besser verstehen.

tament Dies ist mein Tes , Bürgerin boren am 18.04.1946 ge n, an hm Le dia 1 in Ich, Ly ft am Lebensweg ha hn wo eit rz zu , von Luzern letztwillige , treffe folgende 5600 Lenzburg AG Verfügung: auf. te hebe ich hiermit en am st Te en er üh Alle fr ichtteil. , erhalten den Pfl ig dw Lu d un na Le Meine Kinder n. hält 100 000 Franke er X ion at nis ga or Die Menschenrechts enfalls stalozzi erhält eb Pe f or rd de Kin ng Die Stif tu 100 000 Franken. nbach, wohnhaft in Freie n, an eim Fr ka zis Meine Freundin Fran mten Schmuck. erhält meinen gesa Lauter e ich Rechtsanwalt tz se r ke ec tr ls ol Als Willensv in Lenzburg ein.

2012 Lenzburg, den 22.11. Lydia Lehmann

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Eine Erbschaft Sie können die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi neben anderen Erben (z.B. Ehepartner oder Kinder) zur Miterbin machen. Gibt es keine Pflichterben, können Sie über Ihr Vermögen frei verfügen und die Stiftung zur Alleinerbin machen.

Etwa 2500 junge Gäste jährlich lernen im Austausch mit anderen, die eigenen Verhaltensmuster zu reflektieren und Vorurteile zu hinterfragen.

Mein letzter W ille Ich, Hansueli S immen, geboren am Bürger von Bern, 25.11.1937, zurzeit wohnhaf t am Thalweg 3 in 2502 Biel, verf üge letztwillig w ie folgt: Alle früheren Ve rfügungen hebe ich auf. Ich setze meine Schwester Lara Lehmann, geb. Simmen, woh nhaft in Biel, Kant die Stiftung Kind on Bern, und erdorf Pestaloz zi in Trogen zu gleichen Teile n als meine Erbe n ein. Sollte meine Sch wester vor mir st erben, soll die ganze Hinterl assenschaft an die Stiftung Kinderdorf Pestal ozzi in Trogen ge hen.

Biel, den 18.04.20 13 Hansueli Simmen

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Wichtige Fragen Kann ich über mein Erbe frei verfügen? Je nach familiärer Situation erhalten nahe Verwandte einen Pflichtteil des Erbes. Über den Rest, die sogenannte freie Quote, dürfen Sie frei verfügen. Kann ich ein bestehendes Testament wieder ändern? Ja, Sie können Ihr Testament jederzeit ändern oder aufheben. Ergänzungen müssen von Hand geschrieben und mit dem Datum der Änderung sowie Ihrer Unterschrift versehen sein. Wenn Sie ein neues Testament verfassen, erklären Sie darin, dass frühere Testamente ungültig sind, und vernichten Sie das bisherige Testament. Wo kann ich mein Testament hinterlegen? Sie können Ihr Testament zu Hause aufbewahren. Damit das Testament aber sicher gefunden wird, empfehlen wir, es bei der zuständigen Gemeindebehörde zu hinterlegen.

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Das Kinderdorf Pestalozzi bietet Unterbringung, Raum für Bildung und Begegnung sowie Freizeitaktivitäten im idyllischen Appenzellerland.


Kann ich bestimmen, wie mein Vermächtnis eingesetzt werden soll? Ja, es steht Ihnen frei, einen Verwendungszweck festzulegen. Bitte sprechen Sie dies mit uns ab. Wenn Sie der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi die freie Verwendung überlassen, kann Ihr Vermächtnis dort eingesetzt werden, wo es am nötigsten ist. Entfällt auf meinen Nachlass eine Erbschaftssteuer? Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi ist als gemeinnützige Institution in den meisten Kantonen von der Erbschaftssteuer befreit. Ihr Nachlass geht somit nicht an den Staat, sondern kommt in vollem Umfang der Arbeit zugute, die Ihnen wichtig ist. Wo kann ich weitere Beratung einholen? Eine professionelle Beratung erhalten Sie bei Ihrem Notar oder Anwalt. Wenn Sie keine Fachperson kennen, können wir bewährte Fachleute empfehlen.

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Weiter informieren Wir freuen uns sehr über Ihr Interesse, uns auch über Ihre eigene Lebenszeit hinaus zu unterstützen und so weiter zu wirken. Dafür danken wir Ihnen sehr herzlich, ganz besonders im Namen der Kinder, denen Sie so zu besseren Zukunftschancen verhelfen. Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi ist Mitglied im Verein MyHappyEnd, der die Schweizer Bevölkerung für die Möglichkeit sensibilisieren möchte, einen Teil ihres Nachlassvermögens an gemeinnützige Organisationen zu spenden. Der Verein bietet eine Orientierungshilfe für alle, die in ihrem Nachlass gemeinnützige Organisationen berücksichtigen wollen. Mehr unter: www.myhappyend.ch Wenn Sie sich vertieft zum Thema Erbschaften und Legate informieren möchten, empfehlen wir Ihnen eine Beratung durch unabhängige Fachleute. Bei der Suche können Ihnen die Websites des Schweizerischen Anwaltsverbandes und des Schweizerischen Notarenverbandes helfen: www.sav-fsa.ch www.schweizernotare.ch

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Danke, dass Sie uns dabei unterstützen, Kindern zu ihrem Recht auf Bildung zu verhelfen.


Weiter wirken Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi erfreut sich seit sieben Jahrzehnten einer breiten Unterstützung durch die Schweizer Bevölkerung. Immer wieder dürfen wir auch Legate und Erbschaften von Menschen entgegennehmen, die ihr Engagement für Kinder, Bildung und das friedliche Zusammenleben weiter wirken lassen wollen. Das Vertrauen, das aus diesen Zuwendungen spricht, ist für uns Ansporn und Verpflichtung zugleich. Wir setzen alles daran, Ihren Willen Wirklichkeit werden zu lassen. Wir setzen die Mittel dort ein, wo es gewünscht wird und wo sie am dringendsten nötig sind. Damit das Kinderdorf Pestalozzi in Trogen als einzigartiger Ort der Friedensbildung auch für die nächsten Generationen erhalten bleibt. Und damit für Kinder in aller Welt das Recht auf Bildung kein leeres Versprechen bleibt. Bitte zögern Sie nicht, uns mit Ihren Wünschen, Fragen und Anregungen zu kontaktieren. > Unsere detaillierten Kontaktinformationen finden Sie auf der Rückseite dieser Broschüre.

Das powerup-radio der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi fördert die interkulturelle Kompetenz von Kindern und Jugendlichen.

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Das Kinderdorf ist auf Spenden gebaut — von Anfang an.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: Stiftung Kinderdorf Pestalozzi Erbschaften und Legate Kinderdorfstrasse 20 CH-9043 Trogen info@pestalozzi.ch www.pestalozzi.ch Telefon +41 (0)71 343 73 29 Fax +41 (0)71 343 73 00

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Erbschaften und Legate


Erbschaft und Legat | Stiftung Kinderdorf Pestalozzi