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Magazin der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi

In dIeser AusgAbe

Titelgeschichte Der erste Schritt f端r eine bessere Welt Aus dem Kinderdorf 20 erfolgreiche emPower-Studierende El Salvador Eine Kultur des Friedens schaffen

02/2012


MAgAzIn 02/2012

tItelgesCHICHte

A u s d e M K I n d e r d o r F P e s tA l o z z I

«Als wär’s ein Stück von mir» Claudia Corti, die Tochter des Kinderdorf-Gründers, hat auf Einladung des Theaters Winterthur und zum 40-jährigen Bestehen ihres Kindertanztheaters eine kleine Ausstellung mit dem Titel «Als wär’s ein Stück von mir» gestaltet. Nadine Knecht

Mit Bühnenbildelementen, Requisiten und Kostümen, aber auch mit Konzepten, Plakaten, Entwürfen, Skizzen, Fotografien und Medienstimmen sowie Musikbeispielen hat sie die Erinnerungen des Publikums an so manche Vorstellung wachgerufen und gleichzeitig Einblick in ihre Arbeit gegeben. Auch diesen Herbst brachte das Kindertanztheater Claudia Corti das Musical «Alice im Wunderland» auf die Bühne. Und am 16. November 2011 fand dann die Benefizauktion zuguns-

ten der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi statt. Rund 100 Personen folgten der Einladung. Die Versteigerung der Theaterrequisiten brachte dem Kinderdorf Pestalozzi Fr. 5 840.– ein. Mit diesem Betrag werden Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche im In- und Ausland finanziert. Wir bedanken uns herzlich bei Claudia Corti, Marc Baumann (Leiter Theater Winterthur) und allen, die fleissig mitgeboten und erfolgreich ersteigert haben Weitere Neuigkeiten in unserem Blog

v.l.n.r. Ying lwi (rara) aus Myanmar, bernard aus tansania und Andrea aus el salvador haben im interkulturellen Ausbildungsprogramm emPower während neun Monaten selber erlebt, wie man friedlich mit unterschiedlichen Kulturen zusammenleben kann.

Frieden auf der Welt schaffen Frieden ist ein grosses Wort. Wir hören es oft, brauchen es regelmässig und doch beschäftigen sich die wenigsten damit. Wie ist es, in Frieden zu leben? Oder was bedeutet es, wenn Krieg herrscht? Urs Karl Egger

Frieden bedeutet Ruhe und Stille. Frieden umschreibt den Zustand zwischen Menschen, in dem Konflikte auch ohne Gewalt gelöst werden. In der Schweiz ist er selbstverständlich geworden. Doch Konflikte gibt es auch hier. Nur hat man früh gelernt, sie zu erkennen, deren Ursachen zu reflektieren und eine für alle akzeptable Lösung zu finden. Meistens. Sobald dies nicht gelingt, wird auf schmerzhafte Weise klar, wie Vorurteile, Wut, Hass, Diskriminierungen und unkontrollierte Ausbrüche verletzen

können. Jeder Mensch ist vermutlich schon auf beiden Seiten gestanden und weiss, wie sich dies anfühlt.

«Friedliches Zusammenleben muss früh gelernt werden.» Deshalb ist es wichtig, dass Kinder und Jugendliche von klein auf lernen, mit negativen Gefühlen umzugehen und sie in positive Bahnen zu lenken.

Miteinander reden, einander zuhören und akzeptieren – das sind die Grundvoraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben. Aus Büchern kann dies nicht erlernt werden, es muss vorgelebt und selbst erfahren werden. Die Praxis ist da effektiver als die Theorie. Deshalb engagieren wir uns täglich dafür, den Kindern und Jugendlichen diese Werte zu vermitteln und sie erleben zu lassen – damit es in der Schweiz bleibt, wie es ist, und überall wird: nämlich friedlich

v.l.n.r. Marc bauman (leiter theater winterthur), Claudia Corti (gründerin des Kindertanztheaters) und urs Karl egger (vorsitzender der geschäftsleitung der stiftung Kinderdorf Pestalozzi) freuten sich über die zahlreichen besucher.


A u s d e r w e I t e n w e lt | e l s A lv A d o r

ihrer Arbeit. Mit dem Projekt HOPE werden diese Ziele mithilfe von Berufsberatung, Werkstätten, Lehrstellen und Arbeitsvermittlung erreicht. Ein weiterer Schwerpunkt dieses Projekts ist die Vermittlung einer «Kultur des Friedens».

stolz und überglücklich – die erfolgreichen emPower-AbsolventInnen

Liebe Spenderin, lieber Spender Liebe Leserin, lieber Leser

Mit viel Wissen zurück ins Heimatland Stolz und überglücklich haben die Studierenden der interkulturellen Ausbildung emPower Ende 2011 ihre Diplome entgegen genommen. «You can make the difference – ihr könnt etwas verändern!», betonten die LaudatorInnen bei ihren Reden an der Diplomfeier. Djulijana Zekic

Kurz darauf sind die 20 jungen Erwachsenen in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Dort werden sie das während der neunmonatigen Ausbildung erworbene Wissen und die gemachten Erfahrungen an die Kinder und Jugendlichen ihrer Projekte weitergeben. Seit Februar 2012 läuft das fünfte interkulturelle Ausbildungsprogramm. Die Studierenden kommen wiederum aus Ländern und Regionen, in denen die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi tätig ist – aus Zentralamerika, Ostafrika, Südostasien und Südosteuropa. Sie werden in den Bereichen Interkulturalität, Entwicklungszusammenarbeit und Bildung unterrichtet, gefördert und weitergebildet. Das Gelernte tragen die Studierenden nach der Rückkehr in ihr Land weiter

die neue version des Computerkriegsspiels «Call of duty: Modern warfare 3» hat kürzlich einen umsatzrekord erzielt. Innerhalb von 17 tagen wurden spiele im wert von einer Milliarde dollar verkauft. Amerikanische Medienforscher haben herausgefunden, dass College-studenten in ihrem leben bereits etwa 10 000 stunden videogames spielen und 20 000 stunden fernsehen. das sind insgesamt drei Mal mehr stunden, als die ganze schulzeit an lektionen umfasst. Kriege und Konflikte finden aber nicht nur im Fernsehen und im Computer statt, sie sind eine traurige realität. ganze bevölkerungsgruppen müssen sich ihre rechte erkämpfen, um ihr leben bangen oder verlieren bei einem Krieg Familienangehörige. so wurde das Kinderdorf nach dem zweiten weltkrieg gegründet, um Kriegswaisen ein zuhause zu bieten. In der schweiz hat man sich an Frieden und friedliches zusammenleben gewöhnt. doch Frieden ist nicht selbstverständlich und muss stets von neuem erarbeitet und erlernt werden. Ich bin überzeugt, dass der Friedensgedanke bereits im Kindesalter erlernt und von erwachsenen vorgelebt werden muss. Im Kinderdorf können Kinder und Jugendliche erleben und erfahren, wie ein friedliches zusammenleben möglich ist – ganz konkret –, damit positive bilder des Friedens in den Herzen und im Kopf verankert bleiben. Freundliche grüsse

urs Karl egger vorsitzender der geschäftsleitung Marlen rutz (emPower-verantwortliche) übergibt Ying lwi (rara) das ersehnte zertifikat.

Interkulturelles Ausbildungsprogramm

In Ausbildungszentren wird den Kindern und Jugendlichen eine andere Art von wissen vermittelt und Alternativen für eine gewaltlose gesellschaft aufgezeigt.

Mit Bildung die Zukunft sichern Claudia macht sich nach dem offiziellen Schulunterricht gleich auf den Weg zum ausserordentlichen Englisch- und Computerunterricht. Sie freut sich schon den ganzen Tag darauf. Auch an der Schulung über eine «Kultur des Friedens» darf sie teilnehmen. Tausende Kinder und Jugendliche aus El Salvador können wie die 15-jährige Claudia von diesem Programm profitieren. Auf welche Weise sie so ihre Zukunft sichern können und damit sogar der Friedensgedanke gefördert wird, erklärt Ihnen Gisela Wattendorf, Programmverantwortliche Zentralamerika.

«680 000 Menschen konnten im 2009 weder lesen noch schreiben.» In Ausbildungs- und Lernzentren werden die Jugendlichen gefordert und gefördert. Ihnen wird eine andere Art von Wissen vermittelt, zu der sie sonst keinen Zugang hätten. Sie erhalten Informationen zur Berufs- und Persönlichkeitsbildung. Alternativen für eine friedliche Gesellschaft werden aufgezeigt. Auch Claudia hat in diesen Kursen viel gelernt: «In ganz praktischen Workshops lernen wir, andere und auch uns selber zu respektieren. Wir hören von Werten, von Toleranz, vom Umgang mit Gewalt.» Nun fühlt sie sich sicherer im Umgang mit Gewalt und lernt Schritt für Schritt dazu. Sie ist sich über ihren Beitrag zu einem friedlichen Zusammenleben bewusst und blickt selbstbewusst und optimistisch in die Zukunft. Unser Länderprogramm El Salvador wird von der Jacobs Foundation und der Medicor Foundation finanziert Unsere Projekte in El Salvador

In El Salvador ist Frieden nicht selbstverständlich. Von 1980 bis 1992 herrschte dort ein blutiger Bürgerkrieg, der das Land erschütterte und 75 000 Menschenleben forderte. Jahrzehntelang waren rechte bis rechtsextreme Regierungen an der Macht. 2009 übernahm dann eine sozialistische Partei die Regierung. Diese möchte sich für die Demokratie, den Rechtsstaat und die 35 Prozent Armen des Landes einsetzen. Die Situation in El Salvador ist immer noch prekär: Drogenhandel, Gewalt, Mord und eine hohe Gewaltbereitschaft prägen den Alltag der Bewohner. Kriminelle Jugendbanden, so genannte Maras, handeln mit Drogen, erpressen Schutzgeld und bekämpfen sich sogar gegenseitig. Viele arbeitslose Jugendliche stehen ohne oder nur mit einem ungenügenden Schulabschluss da und treten aus Langeweile und Geldnot immer mehr solchen Banden bei. Erschütternd ist die Tatsache, dass im Jahr 2009 mehr als 680 000 Menschen nicht lesen und schreiben konnten. Dank Freiwilligenarbeit lernten es nach einem Jahr über 50 000. In der Stadt besuchen

Kinder im Durchschnitt weniger als sieben Jahre die Schule und in den ländlichen Gebieten weniger als vier. Das Ziel der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi ist es, den Jugendlichen eine berufliche Perspektive und einen sinnvollen Lebensinhalt anzubieten. Zugang zu Bildung und die Förderung einer qualitativ hoch stehenden Grundschulbildung für Kinder und Jugendliche ist wichtiger Bestandteil

Fakten und Zahlen teilnehmende Kinder/Jugendliche: 10 179 teilnehmende lehrpersonen: 150 Investitionen pro Jahr: rund CHF 400 000 Partnerorganisationen: Agape, Fusalmo und sKP el salvador

Claudia (15) kennt nun ihre werte und weiss, wie sie zu einem friedlichen zusammenleben beiträgt.


MAgAzIn 02/2012

Kurz geMeldet

Vom Dorf in die Zirkus-Welt

Veranstaltungen im Besucherzentrum

Langjährige Tradition und gelebte kulturelle Vielfalt verbindet die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi und den Zirkus KNIE. Grund genug, die Nachmittagsvorstellungen mit einem Spiel aus dem Kinderdorf zu beleben. Ab jetzt bis Mitte November 2012 ist der Zirkus Knie zusammen mit der Stiftung

Öffentliche Führungen Jeweils am 1. Sonntag im Monat, 14.00 – 15.00 Uhr Nächste Daten: 1. April, 6. Mai, 3. Juni, 1. Juli 2012 Familiensonntag «Entdeckungsreise nach Zentralamerika» Sorgenpüppchen basteln, Geschichten und Spannendes aus Guatemala, für Kinder ab 5 Jahren. 25. März 2012, 10.00 – 17.00 Uhr Museumstag «Museums and Memory» 20. Mai 2012, 10.00 – 17.00 Uhr Weitere Informationen Telefon 071 343 73 12 besucherzentrum@pestalozzi.ch www.pestalozzi.ch/besucherzentrum Eintrittspreise Eintritt Erwachsene Fr. 8.– AHV / Studenten / Lernende Fr. 6.– Kinder ab 8 Jahren Fr. 3.– Familien Fr. 20.– Mit Museumspass / Raiffeisenkarte gratis, Führung inbegriffen

Marco Isenring Projektleiter Absturzsicherung

Herausgeberin: Stiftung Kinderdorf Pestalozzi Kinderdorfstrasse 20, 9043 Trogen Tel. 071 343 73 29, info@pestalozzi.ch Redaktion: Djulijana Zekic Bildnachweis: Elin Anderegg, Christian Kuhn, Tobias Siebrecht, Sandra Sutter Archiv Stiftung Kinderdorf Pestalozzi Gestaltung: Agentur am Flughafen, Altenrhein Satz: heussercrea ag, St.Gallen Druck: Hautle Druck AG, St.Gallen Ausgabe: 02/ 2012 Erscheint: sechsmal jährlich Auflage: 175 000 (geht an alle SpenderInnen) Abo-Beitrag: Fr. 5.– (wird mit der Spende verrechnet)

www.pestalozzi.ch

Kinderdorf Pestalozzi «on Tour»! Wir laden Sie ganz herzlich zu einem Besuch ein! Weitere Informationen finden Sie auf www.knie.ch

Prominente Besuche für coole Projekte Mit einem besonderen Schultag starteten drei Schulklassen aus Böckten (BL), Regensdorf (ZH) und Amriswil (TG) in das Jahr 2012. Sie wurden im Rahmen des Kinder- und Jugendwettbewerbs go4peace von prominenten Persönlichkeiten besucht. Die Moderatorin Linda Fäh, die Sängerin und Tänzerin Zazou Mall und die Sängerin Emel diskutierten mit den Schülerinnen und Schülern über fremde Kulturen und Vorurteile. Den Kindern und Jugendlichen bot sich damit eine einmalige Chance, die Stars aus nächster Nähe kennen zu lernen, sich zum Thema respektvolles Zusammenleben Gedanken zu ma-

chen und gemeinsam Ideen für eine Wettbewerbsteilnahme bei go4peace zu entwickeln. Projekte können bis am 18. Mai 2012 eingereicht werden. Weitere Informationen finden Sie auf www.go4peace.ch

Pro Auftrag Fr. 2.– an das Kinderdorf Pestalozzi Kurz vor Weihnachten überreichte uns die Firma Repapress eine Spende von Fr. 5 000.–. Die in AmrisRepapress AG Palmensteg 4 CH-8580 Amriswil wil ansässige Firma überweist pro im Jahr 2011 Telefon 071 414 42 42 Natel 079 642 51 71 eingegangenen Auftrag Fr. 2.– an die Stiftung Telefax 071 414 42 49 marco.isenring@repapress.ch Kinderdorf Pestalozzi und möchte damit ihre soziale Verantwortung auch in der Region Ost-

schweiz wahrnehmen. Die Repapress AG ist eine Produktions- und Handelsfirma im Bereich der Absturzsicherung, Autosicherheitsgurte, Rückhaltesysteme für Behindertenfahrzeuge, Hebeund Spanngurte sowie Netze aller Art für Bau, Sport und Industrie. Wir danken der Firma Repapress herzlich für ihr Engagement Ihre Spende

Werden Sie der Wörter-Profi! Steht bald ein Familienabend oder ein Geburtstag vor der Tür? Das Würfelspiel Wörtermix können Sie mit Ihren Kindern, Freunden, Eltern oder auch Grosseltern spielen. Damit testen Sie Ihr Wissen und Ihren Wortschatz. Knifflig, lustig und lehrreich! Mit den gewürfelten Buchstaben möglichst viele und möglichst lange Wörter bilden; so können Punkte gesammelt werden. Wer die meisten Punkte sammelt, hat gewonnen. Preis: Fr. 29.00 (exkl. Porto Fr. 7.90) mit Becher und Würfeln aus Buchenholz. Nur solange Vorrat.

Bestellungen an: info@pestalozzi.ch oder Telefon 071 343 73 29 Weitere Produkte im eShop


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