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PFADFINDERINNEN UND AUSSEN. MAGAZIN ZUM ABENTEUER DES LEBENS.

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verlagspostamt 1040 wien, p.b.b., gz 05z036212 m

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IN ÖSTERREICH

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Pfadfinder

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100 Jahre

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KOCHEN IM WIPFEL

ZENTIMETER

Haubenkoch Bernie Rieder schält einen Baum, besteigt eine Eiche – und serviert Birkenrinden-Spaghetti.

GESCHICHTE DER PFADFINDERBEWEGUNG

Von den Anfängen bis zum „Ursprung 2010“.

SEA SCOUTS OF SOUTH AFRICA

¤ 3,50

Auge an Auge mit dem großen Weißen Hai.

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Wie man ein Iglu baut. Eine Anleitung, ein Selbstversuch bei –11 ̊C, eine Fotoreportage.

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SURVIVAL IM SCHNEE


TaTonka® Zelt für 2 Personen: • Zweiter Eingang auf der Rückseite zum Durchlüften • Verschließbare Lüfter an beiden Eingängen • Nahtband • Versiegelte Außenzeltnähte • Acht verstärkte Abspannpunkte aus Hypalon • Speziell vernähte Innenzelt-Aufhängepunkte


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Das Halstuch ist Teil der Pfadfinderuniform. Wozu kannst du es noch verwenden? A) Als Dreieckstuch bei Erster-Hilfe B) Als Schlafsack-Ersatz C) Als Grillanzünder Gewinnfrage beantworten und per Post an Kelly GmbH, Kennwort „Pom-BäR Pfadfinder“, Hermann Gebauer Str. 1, A-1220 Wien oder per E-mail an pombaer@kellys.at senden. Einsendeschluss ist der 30. April 2010


Inhalt Die Pfadfinderei basiert auf acht Schwerpunkten – die einen ganzheitlichen Way Of Life garantieren. Das Magazin SKILLS ist inhaltlich nach diesen acht Schwerpunkten gegliedert. 33 Unterwegs Abenteuer-Tipps für alle neun Bundesländer. Empfohlen von Pfadfindergruppen aus der Umgebung. 38 Spurenlesen im urbanen raum ob Tourist, rollstuhlfahrer, Migrantin oder Grafitti-Künstlerin – alle nehmen eine Stadt anders wahr. Stadtbild-Erforscher Markus Hanzer im Interview mit SKILLS. 42 Zelten und Lagerfeuern rechtlich Was es beim Lagern und Feuermachen zu beachten gilt. rechtliches fürs In- und Ausland.

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Survival im Schnee Wer würde nicht gerne einmal eine nacht in einem selbst aus dem Boden gestampften Iglu übernachten. ranger und rover haben es am Feuerkogel ausprobiert. Plus: so baue ich selbst ein Haus aus Schnee.

1 Bereitschaft zum Abenteuer des Lebens

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45 Special: Unser Wald Ein wenig Wissenswertes am Beginn unseres Waldund Baum-Specials.

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Lebensbaum Lärche Ganz ohne Eso: Warum die europäische Lärche hierzulande dem Flachwurzler Fichte immer öfter Konkurrenz macht. 48 Irrgarten aus Bäumen Ein Irrgarten ist, entgegen der landläufigen Meinung, kein Labyrinth. Eine Aufklärung – und eine Anleitung wie man selbst einen Irrgarten aufforsten kann. 50 Kochen im Wipfel Haubenkoch Bernie rieder besteigt eine mächtige alte Eiche, um auf ihr zu kochen. Serviert werden u.a. Birkenrinden-Spaghetti. 60 Der Wolfsmensch Mark rowland hat elf Jahre an der Seite eines Wolfs gelebt und darüber ein Buch geschrieben. Der Philosoph und Tierrechtler im Interview. 64 Vom Wert des Drecks Gatsch und Dreck gehören zum Pfadfinder-Leben. Gut so. Erdkontakt wider den Hygienewahn. 96 Winterwandern Beim Touren-Gehen und Schneeschuhwandern die winterliche naturlandschaft zu genießen gehört zum Schönsten. Was es dabei zu beachten gibt, um Fauna und Flora wenig zu stören.

2 Einfaches und naturverbundenes Leben

Survival im Schnee: Wie man ein Iglu baut, haben Wiener Pfadfinder für SKILLS amFeuerkogel ausprobiert.

12 Boy Scouts – the early years Der Pop-Journalist Jon Savage hat ein Kapitel seines epochalen Jugendkultur-readers „Teenage der Gründungsgeschichte der Pfadfinderbewegung gewidmet. 14 Das erste Sommerlager Hanns Strouhal, Leiter des Pfadfinder-Museums, über das erste Lager in Österreich, das mitten im ersten Weltkrieg stattfand. 17 Facebook-Forderung SKILLS fordert, dass in jeder der neun Landeshauptstädte eine Straße, ein Platz oder ein Pfad nach Baden-Powell benannt wird. Ein Aufruf, unserer Facebook-Gruppe beizutreten – und Hintergrundzahlen, -daten, -fakten.

3 Kritisches Auseinandersetzen mit sich und der Umwelt

8 Freiluft-Zähneputzen Was vereint – ganz ganz basic – wirkliche alle Pfadfinder? Genau, hin und wieder putzen sie sich alle unter freiem Himmel die Zähne. Eine Foto-Strecke, fotografiert von Lukas Beck.

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Sea Scouts of South Africa Sie sind allzeit bereit, dem Weißen Hai zu begegnen – und kämpfen mit der Bürokratie. Eine reportage aus Südafrika. 112 Materialwart Brauchbares, Luxuriöses, Praktisches, neues – spannende Produkte für draußen und drinnen.

4 Körperbewusstsein und körperliche Leistungsfähigkeit

König der Wildnis, seit 125 Jahren.


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50 62 Die Verweiblichung der Pädagogik Anders als im Schulsystem finden Kinder bei den Pfadfindern weibliche wie männliche Vorbilder. Dazu: Zahlen, Daten und Fakten.

Fotos: lukas püspök, karin wasner; illustration: moussa kone

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Hoch hinauf wagt sich Haubenkoch Bernie Rieder. Er bereitet Birkenrinden-Spaghetti zu – das lockt selbst Eidechsen an.

74 Das kindliche Gottesbild Welche Vorstellungen haben Kinder von Gott? Wer prägt diese und warum glaubt im Grunde jeder und jede an seinen bzw. ihren eigene Gott?

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Der Heilige Georg Üblicherweise wird der Schutzpatron der Pfadfinder als glorreicher Drachentöter dargestellt. Eine kunsthistorische Betrachtung. Außerdem: Der Künstler Moussa Kone hat sich dem Heldenmythos gewidmet – und ihn als Holy Schorsch neu gezeichnet.

5 Leben aus dem Glauben

22 Satire: Spezialabzeichen Ja, es gibt sie wirklich, die Uniform-Aufnäher, die verdiente junge Pfadfinder auszeichnen. Wer sie aber zu ernst nimmt, hat hier den Spott. Demnächst am Lagerfeuer verliehen: Aufnäher für den „Latrino Lover und die „Prinzessin . 30 Deborah Sengls „Wolf Cubs“ Für SKILLS hat die Künstlerin ein Bild gemalt: Wölflinge als Kinder mit Wolfswelpenköpfen. 32 Professor Hoot Ein Pfadfinder-Strip von Linus Volkmann und Zeichner Leowald. 130 Leopold Maurer im „Wald“ Ein Pfadfinder-Cartoon des niederösterreichischen Zeichners.

6 Schöpferisches Tun

Dabei gewesen Ehemalige Pfadis erzählen, was sie aus ihrer aktiven Zeit fürs Leben mitgenommen haben. Plus: welche Prominenten bei den Pfadfindern waren. Im Interview: Karl Merkatz. 70 Von Vorurteil und Wertschätzung Was Meinungsbildner über Pfadis wissen. SKILLS hat nachgefragt. 72 Der Sinn der Sache Wie können Gruppen verhindern, dass die Vereinsmeierei zum Selbstzweck wird? 102 Kinderarmut in Österreich Kaum jemand redet darüber. SKILLS schon. Warum es auch hierzulande arme Kinder gibt. Was gegen strukturelle Armut getan werden kann. Wie Pfadfinder helfen. 106 Digitales Taschengeld Über den richtigen Umgang mit e-Banking und HandyGuthaben. Service für ratlose Eltern. 108 Debatte Über die Auswirkungen einer möglichen Einführung der Ganztagsschule auf Ehrenamtlichkeit.

7 Verantwortungsvolles Leben in der Gemeinschaft

Zum Kopieren und Ausmalen: „Holy Schorsch“, eine Interpretation des Georgs-Mythos durch Moussa Kone. 86 Architektur in Afrika Gemeinsam mit afrikanischen Scouts bauen europäische Pfadfinder das erste Öko-Heim Afrikas. 128 Scout Dictionary In vier Sprachen um die Welt – wichtige »Fachbegriffe«, die Pfadfindern das Miteinander erleichtern. Service fürs Auslandslager. 125 Mitarbeitsplus Wer aller zum Gelingen dieses Magazins beigetragen hat. 126 Impressum

8 Weltweite Verbundenheit


2009

PFADFINDERINNEN UND AUSSEN. MAGAZIN ZUM ABENTEUER DES LEBENS.

PFADFINDERINNEN UND AUSSEN. MAGAZIN ZUM ABENTEUER DES LEBENS.

100 JAHRE

100 JAHRE

IN ÖSTERREICH

IN ÖSTERREICH

SURVIVAL IM SCHNEE

VERLAGSPOSTAMT 1040 WIEN, P.B.B., GZ 05Z036212 M

PFADFINDER

SKILLS. PFADFINDERINNEN UND AUSSEN. MAGAZIN ZUM ABENTEUER DES LEBENS.

VERLAGSPOSTAMT 1040 WIEN, P.B.B., GZ 05Z036212 M

PFADFINDER

SURVIVAL IM SCHNEE

Wie man ein Iglu baut. Eine Anleitung, ein Selbstversuch bei –11 ̊C, eine Fotoreportage.

Wie man ein Iglu baut. Eine Anleitung, ein Selbstversuch bei –11 ̊C, eine Fotoreportage.

KOCHEN IM WIPFEL

KOCHEN IM WIPFEL

Haubenkoch Bernie Rieder schält einen Baum, besteigt eine Eiche – und serviert Birkenrinden-Spaghetti.

Poster_Cover_Varianten.indd 2

19.11.2009 15:55:44 Uhr

GESCHICHTE DER PFADFINDERBEWEGUNG

Von den Anfängen bis zum „Ursprung 2010“.

SEA SCOUTS OF SOUTH AFRICA

Aug an Aug mit dem großen Weißen Hai.

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Haubenkoch Bernie Rieder schält einen Baum, besteigt eine Eiche – und serviert Birkenrinden-Spaghetti.

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SEA SCOUTS OF SOUTH AFRICA

Aug an Aug mit dem großen Weißen Hai.

¤ 3,50

Von den Anfängen bis zum „Ursprung 2010“.

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GESCHICHTE DER PFADFINDERBEWEGUNG

19.11.2009 15:55:59 Uhr

Leider nein! – Diese beiden Cover-Varianten standen bis zuletzt zur Diskussion. Intern schaffte es dann aber doch der verwegene Outbackblick von Christian Stemmer aufs Cover.

Foto: philipp pertl

Peter Reimann Präsident der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ)

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»Haydn kling Re:Haydn nict auf ein Relikt aus ht wie vergangenen längst Zeiten.« - News

Pfadfinden bedeutet, aktiv zu sein – sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und die Dinge nicht einfach auf sich beruhen zu lassen. „Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen als ihr sie vorgefunden habt.“ Dieses Credo, 1908 formuliert von Robert Baden-Powell, dem Gründer der Pfadfinderbewegung, ist als Aufforderung zeitlos aktuell und als Anspruch absolut gültig. Mit oft als naiv belächelter, weltfremder „Weltverbesserei“ ist er dennoch nicht zu verwechseln. Denn er setzt genau dort an, wo jeder einzelne von uns aktiv werden kann: unmittelbar im eigenen, direkten Umfeld. Da gibt es dann keine Ausreden: ein jeder nach seinen, eine jede nach ihren Möglichkeiten – „so gut ich kann“. Pfadfinden heißt auch, voll im Leben zu stehen – es rundum und mit allen Sinnen zu erfassen. Es geht, um einen der acht Schwerpunkte zu nennen: um die Bereitschaft zum Abenteuer des Lebens. So sind Pfadfinder für Kinder und Jugendliche gerade auch heute eine zeitgemäße, praktische „Schule des Lebens“. Überkonfessionell, politisch unabhängig, demokratisch und über den Tellerrand blickend. Anders als bei anderen, ebenfalls sinnvollen Freizeitbeschäftigungen – Aktivitäten in Musikschulen oder in Fußballvereinen etwa – geht es bei den Pfadfindern nicht primär um Leistung in einer ganz speziellen Disziplin. Vielmehr ermöglichen es die Pfadfinder, die eigenen Talente zu entdecken, Stärken und Schwächen akzeptieren zu lernen. Jedes Kind, jeder Jugendliche wird seinem Alter und seinen Fähigkeiten entsprechend gefordert und gefördert – mit dem Ziel: junge Menschen zu bewussten Staatsbürgern und eigenverantwortlichen Persönlichkeiten zu erziehen. Die Gemeinschaft und die Begeisterung für die Pfadfinderei lässt viele deshalb ihr ganzes Leben nicht mehr los. 2010 feiern die Pfadfinder als heute weltgrößte Jugendbewegung in Österreich ihr 100. Jubiläum – in Laxenburg bei Wien werden Anfang August 8.000 Boy und Girl Scouts aus aller Welt zusammentreffen. Als „Austrian Jubilee Jamboree“ wird das internationale Sommerlager „urSprung 2010“ nicht nur ein farbenprächtiges, vielfältiges Lebenszeichen sein, sondern auch ein eindrucksvoller Beleg dessen, wie viele Generationen durch die Ideen Baden-Powells geprägt und inspiriert wurden. Dieser Buntheit, Offenheit und Widersprüchlichkeit hat sich auch das nun in seiner zweiten Ausgabe vorliegende Magazin SKILLS verschrieben. Viel Vergnügen beim Lesen und Schmökern! ←

2009

»Wenn Leute wie Krazy Baldhead, Cla Moulinex ode ra Moto, Pulsinger sichr Patrick über den Wien hermacheenr,Klassiker schütteln wir,dann was wir haben.« - Nightline

Pfadfinderehrenwort

SKILLS. PFADFINDERINNEN UND AUSSEN. MAGAZIN ZUM ABENTEUER DES LEBENS.

»Der alte Meis staunen über ter würde von Techno u den Dialog - Tiroler Wochnd Klassik.« e »Eine durc durch erfrehuulind Angelegenheche it.« - Profil »Ein echt schrä Haydn-Spaß« ger - Krone »Die Produkti der Gegenwaonsmittel dann aus kla rt machen Musik Brauchssischer den Danceflobares für - Salzburger Nor.« achrichten »Neue Wege konstruktiveneiner Erinnerungsk - The Gap ultur.« »Die besten Li eder sind die ohne Gesa ngsspur.« - Vice

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Fotos: Lukas Beck

Freiluft-Zähneputzen Zum ganz alltäglichen Abenteuer im Pfadfinderleben gehört auch das Zähneputzen unter freiem Himmel. Wir brauchen eine Bürste, Pasta und kaltes klares Wasser.

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So viel Zivilisation muss sein! Auch in der freien Wildbahn, gerade erst aus dem Zelt oder Schlafsack gekrochen, führt der erste Weg entweder ins Gebüsch – oder zum Wasserholen und Zähneputzen. Ersteres eher alleine, zweiteres gerne auch im Kollektiv. Und auf einem typischen Pfadfinderlager kommt das Wasser oft auch noch von oben, wenn es wie aus Fässern schüttet. outdoor

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Nicht was Pfadfinder ausmacht, war gefragt. Sondern was Pfadfinder machen, was andere Menschen sonst eher nicht tun. Was ganz alltäglich ist, zumindest auf Pfadfinderlagern, und uns alle vereint. Ziemlich schnell war klar: Bei aller Vielfalt und Bandbreite innerhalb der Pfadfinderbewegung – wir putzen alle hin und wieder im Freien unsere Zähne. Deswegen luden wir über unsere SKILLS-Facebook-Gruppe (www.facebook. com/SkillsMagazin) an einem Freitagnachmittag zum kollektiven Freiluft-Zähneputzen und entsprechendem Fotoshooting nach Laab im Walde, am Stadtrand von Wien. 19 Pfadfinder mit Tagesfreizeit, Faible für Mundhygiene und gekleidet in teilweise noch alte, braune Pfadfinderhemden folgten unserem Ruf in die Natur – und zückten für Fotograf Lukas Beck ihre Zahnbürsten. Models: Katrin Kieser, Herbert Schneider, Stefan Dvorak, Jakob Gangl, Christian Stemmer, Lea Hajner, Anna Haberl, Beate Niederdorfer, Lukas Ladinig, Klara Kinnl, Marlene Fuchs, Valentin Bauer, Moni Sageder, Theresa Graf, Ulrike Selbman, Laurenz Hammerl-Hanak, Familie Salbaba 10

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Boy Scouts – early years Der britische Publizist und Pop­Historiker Jon Savage widmet in seinem Band „Teenage. Die Erfindung der Jugend (1875­1945)“ ein ausführliches Kapitel der Entstehungsgeschichte der Boy Scouts. Ihren Gründer, Robert Baden­Powell, schildert er darin nicht als Helden, sondern –durchaus problembewusst – als Kind seiner Zeit. Text: Thomas Weber drücke der eigenen, wenig schlagkräft igen Armee noch angeheizt. „Als sich abzeichnete, dass eine insgesamt 450.000 Mann starke britische Armee nötig war, um einen Aufstand von 40.000 holländischen Farmern niederzuschlagen, war nur allzu deutlich geworden, dass die große Masse der spätviktorianischen Männer dem Ideal eines stattlichen Christen nicht entsprach.“ Die Hauptsorge der (militaristischen) Eliten des Empires galt der Einsatzfähigkeit der britischen Jugend im Kampf. Baden-Powell war – nicht zuletzt als britischer Volksheld genau dieses Burenaufstands – die logische Persönlichkeit, um sich der davor höchstens kriminalisierten Jugend anzunehmen. Stoßrichtung: die verwahrloste, sich selbst überlassene und exzessivem Tabak- und Alkoholkonsum hin-

„Scouting for Boys war von dem imperialistischen Ethos missionierungswilliger Christen mit Elitebildung durchdrungen.“ (Jon Savage über den Bestseller Baden-Powells) gebende männliche Arbeiterjugend. BadenPowells eingedenk der britischen Klassengesellschaft geradezu revolutionären Ansatz, sein erstes Test- und Probe-Pfadfinderlager bewusst klassen- und schichtenübergreifend anzulegen, zeichnet Savage wissenschaft lich wertfrei als Versuch, der verlotterten Arbeiterjugend gewissermaßen die „Ritter-Ideale“ vorzuleben. Dass Baden-Powell sich dafür ganz pragmatisch vielerlei fremder Ideen bediente, reißt Savage an – die Einflüsse reichen von der klassischen Literatur bis zur Pädagogik Pestalozzis und Jahns. „Und er ließ sich darüber hinaus von den Spartanern, den alten Briten und den japanischen

ihnen da im Kontext einer Ent-Nazifizierung zukam, ist aber wohl Aufgabe von Wissenschaftern, nicht eines Publizisten wie Jon Savage. Dessen Buch ist in seiner Gesamtheit jedenfalls lesenswert, bietet aufschlussreiche Denkanstöße und kann bereits jetzt, obwohl im englischen Original erst 2007 erschienen, als Standardwerk über die Geschichte der Jugendkulturen und ihrer Bewegungen bezeichnet werden. Fazit: Absolute Leseempfehlung! ← Jon Savage: „Teenage. Die Erfindung der Jugend (1875-1945)“, ins Deutsche übersetzt von Conny Lösch, ist 2008 im Campus Verlag erschienen.

FoToS: PFADFInDErMUSEUM

Wer sich jemals mit der frühen Geschichte der Pfadfinderbewegung beschäft igt hat, weiß, dass es da einige aus heutiger Sicht problematische Kapitel gibt. Dass diese – militärischer Background und imperialistische Beweggründe – in den Ausführungen Jon Savages nicht en passant verdammt werden, was ein Leichtes wäre, bedingt allerdings allein schon der epochale, monumentale Anspruch des britischen Journalisten. Bekannt wurde dieser durch seine fundierten Betrachtungsweisen der Punk- und Rockkultur. Nicht weniger als die globale Geschichte der Jugend und ihrer -kultur schreibt er in seinem 500-Seiten-Kompendium. „Die Erfindung der Jugend“ als Übergangsphase, in welcher der Mensch kein Kind mehr, aber eben sicher auch noch nicht erwachsen ist, beginnt bei ihm als Prozess um 1875 – und endet mit dem Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg 1945. Mitten in dieser Zeit begründete Robert Baden-Powell, der im afrikanischen Burenkrieg durchs Halten der belagerten Stadt Mafeking zum Volkshelden aufgestiegene Soldat, im sich bedroht fühlenden British Empire die Pfadfinder. „1900 war Großbritannien ein Land mit vierzig Millionen Einwohnern auf 200.000 Quadratkilometern, das versuchte, sich weltweit insgesamt 345 Millionen Menschen auf 18,5 Millionen Quadratkilometern untertan zu machen,“ schreibt Savage. „Man fürchtete nicht nur den Verlust kolonialer Errungenschaften, sondern, dass Großbritannien selbst von einer feindlichen Macht eingenommen werden könnte“. Durch die Medien geisterten Horrorphantasien, dass schon wenige hundert feindliche Soldaten reichen würden, die Insel zu besetzen. Dieses Klima latenter Paranoia wurde durch die Ein-

Samurai inspirieren“. Dass Baden-Powell auch im Briefaustausch mit Montessori stand, erwähnt Savage allerdings nicht. Wie sein Kapitel über die Entstehungsgeschichte der Pfadfinderbewegung überhaupt um 1910 endet, also vor dem Ersten Weltkrieg. Das aus Pfadfindersicht Spannendste bleibt damit offen. Nämlich wie es gelang, dass BadenPowells Ideen sich binnen weniger Jahre nicht nur weltweit ausbreiten, sondern von einem militaristischen, britisch-kolonialistischen Impetus befreien konnten und zu jener im Grunde pazifistischen, jedenfalls der Völkerverständigung verschriebenen Bewegung wurde, die wenig später in Deutschland von den Nationalsozialisten als „internationalistisch“ abgelehnt, bekämpft und verboten wurde. Dafür lässt Savage die Boy Scouts in seinem Buch zu früh aus den Augen. Denn das erste PfadfinderJamboree, jenes – wörtlich übersetzt – friedliche Zusammentreffen aller Völker und Stämme, welches 1920 mit 8.000 Besuchern aus 34 Ländern in London abgehalten wurde, hatte Baden-Powell im unmittelbaren Eindruck der Schrecken des Ersten Weltkriegs organisiert. Auch im Kapitel „Die friedlichen Invasoren. Amerikanische Soldaten und die britische Jugend“ hätten sich die Pfadfinder einige Betrachtungen verdient. Wurden die doch, zumindest in den britischen Besatzungszonen Österreichs und Deutschlands, von der neuen Obrigkeit gefördert. Zu erkunden, welche (mögliche) Rolle

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1907

1910

Auf Brownsea lagern die ersten Pfadfi nder.

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DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

SPLIT TEr

In Österreich beginnt die pfadfi nderische Arbeit. Georg Pfl igersdorffer in Wr. Neustadt und Willy Teuber in Strass (Steiermark) führen Jugendspiele nach „pfadfi nderischen Gesichtspunkten“ durch.

1912

Fahnenweihe und erste Pfadfi nderversprechen in der Gersthofer Trinitarier Kirche.

1914

Mit der Gründung des ÖPB (Österreichischer Pfadfinderbund) wird die Pfadfinderarbeit in Österreich auf eine gesetzliche Basis gestellt.


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Das erste Pfadfinder-Lager in Österreich Neulengbach 1916 – ein Meilenstein der österreichischen Pfadfinderbewegung und, mitten im Ersten Weltkrieg, ein sommerliches Erholungslager für Jugendliche.

Endlich ein Sommerlager als Höhepunkt des Pfadfi nderjahres. Auch Baden-Powell startete mit einem Lager auf der Insel Brownsea die Bewegung. Die wirtschaft liche Situation war nicht so, dass die Gruppen Lagermaterial – Zelte, Kochgeschirr, Werkzeug – hatten. So fand der Verband einen Lagerplatz, richtete am Beginn des Sommers das Lager ein, baute Zelthütten, eine Küche, Latrinen, eine Wasserleitung und vieles mehr. Dann zogen die jungen Pfadfi nder in Turnussen ins Lager ein, verbrachten zwei unbeschwerte Wochen mit Pfadfi ndertechnik, Lagerbauten, Spielen, Sport, Gesang, Lagerfeuern und vielem mehr, ehe sie wieder in den Alltag zurück mussten. Wir schreiben das Jahr 1916, der Erste Weltkrieg war gerade im 2. Jahr und der Ort, wo das Lager aufgebaut wurde, war Neulengbach. Bei einem Ausflug zu Ostern 1915 entdeckten Pfadfi nder den Platz im Dreiföhrenwald in Neulengbach. Gespräche mit dem Besitzer Eugen Loewi zogen sich hin. Es gelang, von ihm die Genehmigung zu erhalten, ab Sommer 1916 ein Erholungslager für Pfadfi nder zu errichten. Ein Teil des Waldhügels wurde ausgeholzt, die Stämme zu Brettern verarbeitet. Damit wurden Zelthütten gebaut, 1,8 × 2,2 Meter groß, der Holzbau 80 cm hoch. Darüber wurde ein Pyramiden-Zeltdach gespannt. Jeweils 2 Buben hatten darin Platz, eine Pritsche mit Strohsack diente als Bett. Schwierig war die Versorgung. In der Kriegszeit fehlte es an allem. Zum Teil lieferte die Gemeinde Wien Mehl und Fleisch, Brot kam von einer Bäckerei aus dem Ort. Anfänglich wurde das Trinkwasser täglich mit einem Wasserwagen ins Lager gebracht, später bauten die Pfadfi nder selbst eine funktionstüchtige Wasserleitung. Bereits um 6.00 Uhr am Morgen hieß es „Aufstehen“. Nach Morgensport und Waschen am nahen Bach gab es das von der Küchenmannschaft zubereitete Frühstück. Nach der Flaggenparade war Pionierarbeit angesagt. Wege wurden repariert, Zelthütten mit Regalen ausgestattet, Tische und Bänke gebaut, Behelfsbrücken aufgestellt. Nach dem Mittagessen und

Im Dreiföhrenwald wurden Zelthütten gebaut – bestehend aus einem Holzbau mit Pyramidenzeltdach darüber. Geschlafen wurde auf Pritschen mit Strohsäcken.

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1914

Kriegserklärung ÖsterreichUngarns an Serbien, der Erste Weltkrieg beginnt.

14

SPLIT TEr

1916

In Neulengbach fi ndet das erste Sommerlager der Pfadfi nder statt. In Turnussen besuchen verschiedene Gruppen das Lagergelände.

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1917

Pfadfi nder stehen im Hilfseinsatz. Sie betreuen Verwundete, leisten Dienste als Helfer und Boten, und beteiligen sich an Kriegshilfe-Sammeldiensten.

1918

Kriegsende; Österreich wird Republik.

FoToS: PFADFInDErMUSEUM

Text: Hanns Strouhal


Oral History Eine Interview­Doppel­DVD zeichnet die Lebensgeschichten von sechs „Zeitzeugen von 1938 bis heute“ auf – allesamt von Menschen, die in Österreich Pfadfinder waren bevor diese nach dem Anschluss ans nationalsozialistische Deutsche Reich verboten wurden.

Verpflegung: Brot holte man aus der Bäckerei im Ort, die Gemeinde Wien lieferte Mehl und Fleisch auf das Lagergelände.

einer Lagerruhe war Spiel und Sport angesagt. Den Arbeitstag beendete das Einholen der Fahne, dach folgte das Abendessen. Aufbruchsstimmung & Aussprache Bei Einbruch der Dunkelheit versammelten sich alle um das Lagerfeuer. Lieder wurden gesungen, Geschichten erzählt. Vor allem einer der damaligen Pfadfi nderführer - Kara Barteis - sorgte für Spannung, wenn er mit seinen Erzählungen in das Reich des „weißen Ritters“ entführte. In diesen Momenten entstand der auch später viel gerühmte „Neulengbacher Pfadfi ndergeist“, der vor allem im Österreichischen Pfadfi nderbund weiterlebte und diesen zu seiner späteren Bedeutung führte. Er legte aber auch die Grundlage für eine immer währende Modernisierung der Pfadfi nderbewegung durch junge, aktive Pfadfi nderführer. Höhepunkt war 1919 die „Neulengbacher Aussprache“, einem Treffen von alten, traditionellen und jungen, revolutionären Pfadfi ndern, die gemeinsam versuchten, die Bewegung in sich zu modernisieren und dem damaligen Zeitgeist anzupassen. Nach anfänglichen Reformen schliefen diese leider zum Teil wieder ein, was viele engagierte Pfadfi nderführer veranlasste, eigene Gruppierungen zu gründen und die große Gemeinschaft zu verlassen. Ein besseres Nützen der Aufbruchstimmung hätte der Pfadfi nder-Bewegung schon damals viel Neues gebracht. So ist Neulengbach ein historischer Begriff geworden, als erstes Sommerlager, als Unterstützung für die durch Kriegseinflüsse darbende Jugend, aber auch durch den Pfadfi ndergeist, der durch alle Teilnehmer wehte und Neues hervorbrachte. ← Hanns Strouhal leitet das Pfadfindermuseum und Institut für Pfadfindergeschichte (Wien 15, Loeschenhohlgasse 25, 4. Stock). Engagierte Mitarbeiter sind bei ihm immer willkommen – ebenso „normale“ Besucher. Infos zu Öff nungszeiten unter www.pfadfinder-archiv.org

Gerade noch rechtzeitig ist diese wichtige, notwendige Dokumentationsarbeit passiert. Denn bald werden alle jene, die damals alt genug waren, die Vorkommnisse bewusst mitzuerleben, gestorben sein. 2008 erschienen, genau siebzig Jahre nach dem Anschluss Österreichs ans nationalsozialistische Deutsche Reich (mit dem über Nacht die Pfadfi nderarbeit verhindert und verboten wurde), liefert eine Doppel-DVD eine dokumentarische Annäherung an die Pfadfi nderbewegung in der Zwischenkriegszeit und davor. Sechs höchst unterschiedliche Lebensgeschichten von Menschen mit jüdischem und katholischem Hintergrund erzählen aus ihren persönlichen Erfahrungen. Bedrückend, erschütternd, bewegend und aufschlussreich verdeutlichen diese Erinnerungen, auch, wie schwer der Alltag und die Pfadfi nderarbeit im autoritären Ständestaat auch vor 1938 bereits gewesen war. Denn mit der Machtübernahme Adolf Hitlers in Deutschland 1933 bekämpfte die damals in Österreich verbotene, illegale Hitlerjugend (HJ) mehr und mehr die Pfadfi nder. Pfadfi nderlager und -veranstaltungen mussten damit rechnen, durch Aktionen der HJ gestört zu werden. Am 16. März 1938 schließlich, unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs, wurden die Pfadfi nder verboten. Viele Pfadfi nder und Pfadfi nderführer wurden verfolgt oder festgenommen, manche allerdings waren auch bereits illegale Nazis gewesen und wechselten über Nacht ihre Gesinnung. Viele flüchteten – allein 300 Pfadfi nderführer aus Österreich flohen ins Ausland. Erst 1945, nach der Befreiung Österreichs durch die Alliierten wurden – sofort – wieder Pfadfi ndergruppen neu gegründet. ← Die Interviews für die vorliegende DVD führte der ehemalige Radio-Journalist Philipp Pertl, herausgegeben wurde das Oral-History-Dokument vom Bundesverband der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ). Sie ist um 10,– Euro unter www.pfadfinder.at erhältlich. Unter www.skills-magazin.at steht außerdem ein PDF der Studie „PfadfinderInnen in Österreich 1938. Mitgelaufen? Angepasst? Verfolgt?“ kostenlos zum Download bereit – zum Beispiel als Grundlage für Referate und Heimstunden.

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1919

In Gilwell Park fi ndet der 1. Woodbadgekurs statt.

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1920

Das 1. Weltjamboree in London (8.000 Teilnehmer aus 43 Ländern). Der Name Jamboree bedeutet: Friedliches Zusammentreffen aller Völker und Stämme. Er leitet sich direkt aus den Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg ab.

1924

Gemeinsam mit der Frauenrechtlerin Marianne Hainisch veranstalten die Pfadfi nder die 1. Muttertagsfeier in Österreich.

1926

Die Roten Falken werden gegründet – teilweise von ehemaligen Pfadfindern.

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DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1926

Die katholischen Pfadfi ndergruppen fi nden sich im neu gegründeten ÖPKStG (Österreichisches Pfadfi nderkorps St. Georg) zusammen.

1931

In Baden bei Wien fi ndet die 6. internationale Pfadfi nderführer-Konferenz statt. Gründer Baden-Powell wird das „Große Ehrenzeichen am Band“ der Republik Österreich verliehen.


Facebook-Forderung: Eine Straße für Baden-Powell!

FoToS: AnDrEAS MArTIn, PFADFInDErMUSEUM; ILLUSTrATIon: SIG GAnHoEr

Jede Landeshauptstadt braucht ihren Baden­Powell­Pfad! Zu Ehren von Robert und Olave Baden­Powell, dem Gründer der Pfadfinderbewegung und seiner Frau, welche die Girl Scouts initiierte. SKILLS wandte sich deshalb in einem offenen Brief an alle neun österreichischen Landeshauptleute. Jeder mittelmäßig verdiente Bezirksvorsteher wird posthum mit einem Platz, einer Gasse oder zumindest einem nach ihm benannten Beserlpark bedacht. Mag er – ja, die Rede ist meistens von Ehrenmännern, nur ganz selten von Frauen – Zeit seines Wirkens auch noch so offensichtlich auf dem Holzweg gewesen sein. Über unzähligen Straßen prangen an allen Ecken und Enden des Landes Namen, die uns und der Welt heute gar nichts zu sagen haben. Manchmal zu Recht. SKILLS fordert deshalb, dass in allen neun österreichischen Landeshauptstädten jeweils ein Ort, eine Straße oder besser noch: ein Pfad nach Baden-Powell benannt wird. Ein offener Brief ging diesbezüglich Anfang Dezember 2009 an alle Landeshauptleute. Um den Rückhalt unserer Forderung in der Pfadfi nder-Community zu untermauern, wurde auch eine eigene Facebook-Gruppe (www.facebook.com/SkillsMagazin) angemeldet. Denn anders als viele Männer von einst bewegt Baden-Powell auch heute noch zigtausende Österreicherinnen und Österreicher. 85.000 aktive Pfadfi nder gibt es gegenwärtig in Österreich. Dem erweiterten Sympathisantenkreis gehören mit Eltern und ehemaligen Pfadfi ndern sogar 350.000 Menschen an. Weltweit gibt es, die Hochrechnungen gehen auseinander, zwischen 28 und 38 Millionen Menschen, die sich – überkonfessionell, weltoffen und gemeinschaftsorientiert – den Pfadfi ndern zugehörig fühlen. Damit sind die Scouts die weltgrößte Jugendbewegung aller Zeiten. Und Baden-Powell hat sich einen öffentlich zugänglichen Pfad in Wien, Bregenz, Innsbruck, St. Pölten, Eisenstadt, Linz, Graz, Klagenfurt und Salzburg (hier gibt es immerhin einen Pfadfi nderweg) verdient. Ganz bewusst reden wir weder von einem Robert Baden-Powell-Pfad, noch von einem Olave BadenPowell-Pfad. Stattdessen fordern wir, übergreifend, einen Baden-Powell-Pfad. Eine erklärende Ortstafel soll – siehe Entwurf – auf das gemeinsame Werk des ersten Pfadfi nders und der ersten Pfadfi nderin hinweisen. Das hundertste Jubiläum, welches die Pfadfi nder und Pfadfi nderinnen 2010 in Österreich feiern, ist dafür ein idealer Anlass. Unterstützt uns auf Facebook! ← www.facebook.com/SkillsMagazin

„Why the streets have their names“ – Pathfinding historisch betrachtet Text: Andreas Martin Im U2-Song „Where the Streets Have No Name“ wird der Ausbruchsversuche der Jugend aus einer als „anonym empfundenen Großstadt“ beschrieben. Im wirklichen Leben gelten Straßennamen als wichtige Orientierungshilfen. Historisch spiegeln Straßennamen auch die reiche Vergangenheit einer Stadt. Wie werden eigentlich die Bezeichnungen von Strassen vergeben – von Gott, Google oder vielleicht etwa doch von Microsoft? Das Mittelalter kannte nur wenige Namen. Meist waren es die Märkte (Holz-, Milch-, Eier-, Brodmarkt), dann Abts-, Pfaffen-, Judengasse und andere, daneben Namen von der Lage wie Kai, Gstätten, Gries, Stein, in späterer Zeit nach einem bekannten Gebäude, wie Michaelsplatz, Kollegienplatz oder Andrä-, Ursulinen-, Loretogasse. Eine Nummerierung der Häuser wurde erst später durchgeführt. War die Nummerierung zuerst willkürlich, kam mit dem sogenannten „Pariser System“ mehr Struktur – anstatt der durch die ganze Stadt laufenden Nummern wurde nun jede Straße von eins durchnummeriert. Der Ausgangspunkt hängt von der Nähe zur Stadtmitte ab. Die absichtliche Namengebung eines Weges, einer Straße oder eines Platzes ist erst eine Übung des 19. Jahrhunderts, als die Städte sich erweiterten, neue Straßenzüge planmäßig geschaffen wurden, und sich mit der Namengebung meist auch eine Ehrung für eine verdiente oder in hoher Stellung befi ndliche Persönlichkeit verbinden ließ. Es ist ein Grundsatz, dass man die historisch gewachsenen Namen in den Altstädten belassen soll, zumal ja meist die neu entstandenen Stadtteile genügend Gelegenheiten für Neubenennungen geben. Als Nachbargemeinden ihren Dorfcharakter abstreiften und praktisch zu Vorstädten wurden, wurde hier die bis dahin lediglich fortlaufende Nummerierung einzelner Gebäude aufgegeben und man wählte Straßennamen. Hier gab es neben sehr simplen Namen wie Au-, Bachstraße auch Bezeichnungen nach nahe gelegenen Bauern. Eine überwiegende Anzahl neuer Straßennamen wird heute nach verdienten Personen aus dem öffentlichen Leben vergeben. Dass dies die Orientierung erschwert, mag sein; aber das Festhalten eines Straßennamens im Gedächtnis ist auf jeden Fall eine Belastung, mag es sich nun um einen Personen- oder einen Flurnamen handeln. Oft werden an die Stadtverwaltungen viele Wünsche von Firmen, Institutionen oder Einzelpersonen zur Benennung einer Straße herangetragen. Eine Neubenennung kann natürlich nur passieren, wenn neuer Wohnraum geschaffen wird und somit neue Straßenzüge entstehen. Umbenennungen werden wegen ihrer Kostspieligkeit, besonders wenn es sich um längere Straßen handelt, und wegen der damit verbundenen Änderungen im Grundbuch in der Regel vermieden. In Wien beispielsweise wird nach dem Tod einer verstorbenen Persönlichkeit ein Jahr gewartet, bis Straßen oder Plätze nach dieser benannt werden. Alle Benennungen benötigen im Regelfall einen Beschluss des Gemeinderates. Andere Ämter, wie z.B. die städtischen Kulturämter, stehen meistens im Vorfeld bei der Auswahl einer neuen Kandidatin oder eines Kandidaten hilfreich zur Seite. Andreas Martin, 37, einst aktiv bei den Maxglaner Pfadfindern, ist Co-Autor von Franz Martins Buch „Salzburger Strassennamen“ (4. bzw. 5. ergänzte und überarbeitete Auflage).

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1932

Die ersten Woodbadgekurse werden in Österreich veranstaltet. Baden bei Wien und Gloggnitz sind die Kursorte.

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1934

Ausbruch des Bürgerkrieges in Österreich; Österreich wird Ständestaat.

1934

Die Pfadfi nderverbände werden in die österreichischen Staatsjugend eingegliedert.

1937

Das letzte Jamboree vor dem Zweiten Weltkrieg findet in Holland statt.

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Und es gibt sie doch! Etwa in der Pfadfi ndergruppe Kierling / Gugging. Kinder zwischen 5 und 7 Jahren werden hier als „Biber“ aufs Pfadfi nderleben vorbereitet.

European Year of Volunteering Die EU ruft 2011 das „Jahr der Freiwilligentätigkeit“ aus. Auch Pfadfinder können sich Projekte fördern lassen.

Es gibt sie, anerkannt werden sie dennoch nicht. Die jüngsten Pfadfinder sind gewissermaßen inoffiziell. Text: Sonja Lengauer Im Bundesverband der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ) scheinen sie nicht auf. Im Burgenland, in der Steiermark, in Oberösterreich, Vorarlberg, Tirol, Kärnten und Salzburg kennt man sie auch nicht oder nur in einzelnen Gruppen. Dennoch, im Osten Österreichs – in Niederösterreich und Wien – gibt es sie: die Biber. Die nicht wirkliche und trotzdem vorhandene Stufe bei den Pfadfindern. Also eine Vorstufe. Die Biber stellen tatsächlich eine Vorstufe der Pfadfinderbewegung dar, welche auf spielerische Art und Weise auf die Gemeinschaft der Pfadfinder vorbereiten soll. Bibern sind zwischen fünf und sieben Jahre alt. Man erkennt sie zwar an keiner Uniform (wie die anderen Stufen bei den Pfadfinder), aber an den gelben T-Shirts mit Biberaufdruck. Ziel für die Zeit, in der die Kinder bei den Bibern sind ist es, die kindliche Persönlichkeit zu entfalten, die Mädchen und Buben zur Natur und zu ersten Gruppenerlebnissen außerhalb von Schule, Kindergarten und Familie zu führen. Dabei ist es entscheidend, dass die Kinder in einer Gemeinschaft von

Gleichaltrigen – der so genannten Biberfamilie – bewusst ihre Freizeit erleben und, ihrem Alter entsprechend, gestalten. Lange Zeit wurden die Biber in den diversen Pfadfindergruppen geführt, ohne dass die Leiter eine spezifische Ausbildung hatten. Erst nach und nach wurden in Wien – und später auch in Niederösterreich – Seminare für Biberleiter angeboten, um diese für den adäquaten Umgang mit so jungen Kindern vorzubereiten. Auch auf den jährlich stattfindenden Tagungen finden sich zunehmend Arbeitskreise für den Erfahrungsaustausch zwischen den Biberleitern. In Wien und Niederösterreich gibt es inzwischen auch Landesbeauft ragte, die sich um die Belange der Biber kümmern.Nichtsdestotrotz, von Seiten des Bundesrates wurde 2007 die Entscheidung getroffen, die Biber als keine Altersstufe der PPÖ anzuerkennen und nicht in der Verbandsordnung zu verankern. Die Basis bleibt davon jedoch weitestgehend unbeeindruckt. Es gibt Kinder, die zu den Bibern wollen und es gibt Leiter, die sie auf diesem Weg zu den Pfadfindern begleiten. Verbandsordnung hin oder her. ←

Die Kommission der europäischen Gemeinschaften hat vorgeschlagen, das Jahr 2011 zum Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit auszurufen. Der Rat und das Europäische Parlament dürften diesem Vorschlag zu Beginn des nächsten Jahres zustimmen. In der Europäischen Union sind Millionen von Bürgern ehrenamtlich tätig – sie verbringen einen Teil Ihrer Freizeit bei Sportvereinen, in Krankenhäusern oder eben beispielsweise bei den Pfadfi ndern. 2011 sollen durch das „Europäische Jahr“ günstigere Rahmenbedingungen für Freiwilligentätigkeit in der EU geschaffen, Freiwilligenorganisationen gestärkt und die Qualität von Freiwilligentätigkeit verbessert werden. Überdies soll das freiwillige Engagement honoriert und anerkannt sowie die Bevölkerung für den Wert und die Bedeutung von Freiwilligentätigkeit sensibilisiert werden. ← www.eyv2011.eu

FoTo: MArKUS SEIDL, PFADFInDErMUSEUM

Was sind eigentlich … Biber?

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1938

Österreich wird an das Deutsche Reich angeschlossen.

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1938

Unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs werden alle Jugendorganisationen – so auch die Pfadfi nder – in Österreich verboten.

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1939

Der Zweite Weltkrieg beginnt.

1943

Lord Baden-Powell, der Gründer der Pfadfi nderbewegung, stirbt in Kenia.


Wie gründet man eine Pfadfindergruppe? … ohne Begeisterung geht jedenfalls gar nichts!

Text und Bild: Philipp Pertl

Marie

Ferdl

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Lalan

Drei Jugendlichen – Ferdl, Marie und Lalan – ist fad und jeder für sich beschließt auf ein Eis zu gehen.

Marie entdeckt beim Verlassen des Eissalons, dass jemand ein Buch auf einem der Tische liegen gelassen hat und setzt sich, um es zu lesen. Sie ist begeistert von den Geschichten und Erzählungen. Plötzlich steht ihr Schulfreund Ferdl mit einem Eis neben ihr. Marie lädt Ferdl ein, mit ihr das Buch zu lesen und beide vertiefen sich in die Pfadfindergeschichten.

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Kurze Zeit später kommt auch Lalan aus der nachbarklasse und trifft auf die beiden. Sie erzählen ihm von wildlebenden Tieren, von Boy Scouts und Feuerstellen mit Wasserkessel und von der Windrose. Lalan ist sehr interessiert und gesellt sich zu den beiden. So lesen sie mit großer Begeisterung das ganze Buch. Sie beschließen eine Pfadfindergruppe zu gründen.

Sie googlen nach Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs. Dann rufen sie im Bundesverband der PPÖ an und erkundigen sich, was es braucht, eine Pfadfindergruppe zu gründen. Die nette Pfadfinderin gibt gerne Auskunft: Es braucht einen Treffpunkt (ein Pfadfinderheim), ein wenig Ausrüstung, ein Halstuch (je nach Landesverband ein Halstuch nach Wahl oder es gibt ein einheitliches Halstuch im Bundesland), einen Elternrat, engagierte Pfadfinderleiter und viele begeisterte Kinder und Jugendliche.

Die drei organisieren ein Heim, montieren ein großes Schild, schneidern ein Halstuch, bestellen sich Pfadfinderuniformen und schon haben sie ihre eigene Pfadfindergruppe gegründet.

www.pfadfinder.at

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1943

Ausgewanderte Österreicher gründen in verschiedenen Ländern der Welt AuslandsPfadfi nderorganisationen.

1945

Mit der Kapitulation Japans endet der Zweite Weltkrieg.

1945

Ein Aufruf in der Tageszeitung „Neues Österreich“ fordert ehemalige Pfadfi nderführer auf, sich für den Neustart zu melden.

1946

In Salzburg erscheint die erste Pfadfinderzeitschrift nach dem Krieg.

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„Im Triumph sind wir alle gleich“ Thomas Geierspichler besuchte „Pfadfinder wie alle“. Ein Interview mit dem Paralympicsieger über Teamgeist, Ehrgeiz und seine Rolle als Vorbild. Interview: Philipp Pertl Egal wie man aussieht, welcher Gesellschaftsschicht man entstammt, welcher Religion man angehört, welche Hautfarbe man hat – jeder kann Pfadfinder oder Pfadfinderin sein. In besonderer Weise gilt das auch für Menschen, die mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen leben müssen. Jeder hat das Recht ein Pfadfinder zu sein und umgekehrt ist es für jeden Pfadfinder Pflicht, Menschen mit besonderen Bedürfnissen in die Gemeinschaft aufzunehmen und mit Engagement und Rücksichtnahme zu unterstützen. Ein Ausnahmesportler ist Paralympicsieger Thomas Geierspichler, de nie Pfadfinder war, aber zu Pfingsten 2009 ein Lager mit behinderten Burschen und Mädchen in Oberösterreich in St. Georgen im Attergau besucht hat. Was war Ihr Eindruck von der Pfadfinderei? Das Lager war richtig cool. Früher dachte ich, dass die Pfadfinder ein Spaßhaufen sind, der nichts Sinnvolles unternimmt, außer im Wald herumzurennen. Jedoch ich war ziemlich überrascht, weil die Kinder eine unglaubliche Adventure-Einstellung haben, in der Natur unterwegs sind und sehr viel dabei lernen. Und wenn ich einmal im Wald verloren gehen sollte, dann wäre ich froh, würde ich einem Pfadfinder begegnen.

Wie erlebten Sie die behinderten Pfadfinder auf dem Lager? Das war noch beeindruckender – dass es engagierte Leute gibt, die sich im Rahmen der Pfadfi nderei mit Behinderten beschäft igen und ihnen eine einmalige Freizeitgestaltung bieten. Jeder hat ein Recht zu leben und möchte auch Anteil an Gemeinschaften haben, das hat mir sehr gut gefallen.

Sind Sie eigentlich ein Vorbild? Ich will nicht für andere ein Vorbild sein, weil ich einfach auch genug Fehler gemacht habe und immer noch mache. Aber viele sehen mich als Vorbild an. Wobei ich manchmal das Gefühl habe – vor allem wenn Kids vorbei kommen und mich begeistert ansprechen, dass ich ein Vorbild für sie sei –, dass ich damit eine gesellschaft liche Verantwortung übernehme.

Einer der Schwerpunkte der Pfadfinderei ist die körperliche Leistungsfähigkeit und der Sport. Was ist Ihr persönlicher Zugang zum Sport? Jeder muss bewusst bereit sein, die eigenen körperlichen Grenzen zu erkennen, indem man sich neue Ziele steckt und nie davor zurückscheut, seinen Ehrgeiz auszubauen. Sport fördert die Gemeinschaft und im Teamsport steht auch der Sieg als Ziel im Mittelpunkt. Aber das Ziel sollte immer der Sieg sein, der sollte im Vordergrund stehen. Im Nachhinein steht sowieso die Gemeinschaft als Resultat der gemeinsamen Anstrengung im Mittelpunkt. Dies gilt für Menschen mit und ohne körperliche Einschränkungen, denn in der Niederlage und im Triumph sind wir alle gleich.

Sie haben einen Verein namens „walk’n’roll“ gegründet, was wollen Sie damit erreichen? Durch meine klare Vision Spitzensportler zu werden, hatte ich sportliche Erfolge unter anderem bei den Paralympics. Und jetzt versuche ich durch den Verein „walk’n’roll“ behinderte Menschen, die eine Vision für ihr Leben haben, zu unterstützen. Das kann in Form von finanzieller Unterstützung beim Kauf eines Rollstuhls, Prothesen oder die Bezahlung von Nenngeldern sein, aber auch Hilfe bei organisatorischen Angelegenheiten und bei praktischen Lebensfragen. ←

www.geierspichler.com

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1946

Alle ehemaligen Mitglieder des ÖPB und ÖPKStG gründen gemeinsam die PÖ (Pfadfi nder Österreichs).

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1947

In Frankreich fi ndet nach 10 Jahren das erste Jamboree nach dem Zweiten Weltkrieg statt.

1951

Österreich ist Veranstalter des 7. Weltjamboree in Bad Ischl. 12.884 Teilnehmer aus (heute) 63 Ländern nehmen teil.

1954

Um das Österreich-Bewusstsein zu stärken, veranstalten die Pfadfinder am Georgstag den „Tag der Flagge“.


Jung? Kreativ? Du brauchst das Geld?

FoToS: PPÖ, AnDrEAS WALDSCHÜTZ, CoME on, PFADFInDErMUSEUM

Die Initiative Come on! unterstützt junge Kunst­ und Kulturschaffende bei der Realisierung ihrer Projekte. Einzige Ein­ schränkung: Ein Niederösterreich­Bezug ist notwendig. Gerne gesehen sind auch Ideen aus der Pfadfinder­Community. Come on! ist eine Initiative des Landes Niederösterreich, die junge Kunst- und Kulturschaffende fördert und sie bei der Vorbereitung und Verwirklichung ihrer Ideen unterstützt. Zuletzt bemühte man sich besonders um mehr Einreichungen von Mädchen und junge Frauen. Mit Workshops ausschließlich für junge Frauen von 14 bis 29 Jahren wurde auch gezielt jungen Künstlerinnen und weiblichen Kulturschaffenden geholfen. Zu dem Programmschwerpunkt gab es im Spätherbst etwa Tontechnik- und Musikworkshops. Dezidiert nicht von Come on! gefördert werden gewinnorientierte Projekte. Darüber hinaus ist die Bandbreite bewusst groß, soll die Phantasie möglichst nicht eingeschränkt werden. Vom Kurzfi lmfestival bis zum Medienkunstlabor, vom Reggae Train über Graffiti-Workshops bis zur HipHop-Zusammenkunft wurden 2009 Projekte unterstützt. Ein Fachbeirat entscheidet darüber, was gefördert wird. Diesem gehören u.a. Nina Hofer (FM4), Andi Fränzl (Bauchklang), Uli Kühn (Verein Förderband, Waidhofen an der Ybbs) und Christoph Gausch (Jugendbeauftragter in Wiener Neustadt) an. Organisiert wird Come on! von der Kulturvernetzung Niederösterreich, die in allen vier Vierteln des Landes eigene Büros betreibt und Jugendliche gerne bei den Einreich-Formalitäten unterstützt. „Selbstverständlich sind auch Einreichungen von Pfadfi ndern oder aus deren Umfeld willkommen,“ sagt Kulturvernetzer Josef Schick, „mit Come on! wollen wir gezielt die aktive künstlerische Auseinandersetzung von jungen Menschen mit ihrem Lebensumfeld fördern. Was zählt sind Kreativität und eigenverantwortliches Handeln. An beidem sollte es bei Pfadfi ndern nicht mangeln.“ ← www.come-on.at

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1955

Österreich erhält den Staatsvertrag.

1956

Beim Ungarnaufstand sind auch Pfadfi nder an der Grenze im Hilfseinsatz zur Betreuung geflüchteter ungarischer Bürger.

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Spezialabzeichen Spezialisten gibt es bei den Pfadfindern für nahezu alles. Acht Schwerpunkte decken so gut wie alle Lebensbereiche ab. So lebt und lernt eine jede Pfadfinderin und ein jeder Pfad­ finder etwa kritsch mit sich und anderen zu sein oder auch die eigene Spiritualität zu­ entfalten. Darüber hinaus hat jeder Einzelne ganz besondere Interessen. Für einige besonders hartnäckig ausgeprägte „Eigenheiten“ haben wir uns Auszeichnungen überlegt. Text und Design: Paul Kubalek

einen Web-(was?)-Shop, der bunte Bücher verschickt, die für Kids und kaum für Erwachsene geschrieben und außerdem zu groß sind. Daher warst du auch schon mal Unterwegs zum Kopiergeschäft, um das alte, praktische Büchlein vervielfältigen (und zurechtschneiden!) zu lassen.

Nostalgiker Was dich für dieses Spezialabzeichen qualifiziert: Dein Grundsatz: Pfadfinderei ist Tradition und Tradition ist dazu da, für die Ewigkeit erhalten zu werden, was auch immer kommen mag. Jede Neuentwicklung innerhalb der Pfadis ist dir daher aus Prinzip zuerst einmal suspekt. Du hast noch ein altes, beiges Pfadfinderhemd im Kasten und trägst es auch gern hin und wieder, auch wenn die Umstellung auf die roten Hemden mittlerweile schon fast fünfzehn Jahre her ist (egal, ob du da schon Pfadi warst oder nicht) … Zur Sicherheit hast du auch noch eine grüne Uniformhose / den alten Schnürlsamtrock zur Hand. Das Bild des Gründers Lord Baden-Powell hängt über deinem Bett. Der Gründer der Pfadfinder Lord Baden-Powell hat um 1910 ein revolutionäres Konzept zusammengestellt, wie man junge Menschen in ihrer Entwicklung sinnvoll fördern kann. Dieses Programm ist dir Wort für Wort bekannt, und du verwendest es heute noch in deinen Pfadfinderheimstunden. Der gute, alte „Scout Shop“ hat noch Arbeitsbehelfe in UniformBrusttaschengröße geliefert. Jetzt gibt es nur mehr

Splitter

Du kannst durch Bestimmung der Windsituation am Lagerplatz vorhersagen, wie sich die Position der Latrine auf die Lagerstimmung auswirken wird. Du bist Häuslputz-Experte (stets glänzende Ergebnisse!) und meldest dich dazu auch regelmäßig. Wenn’s schon nicht immer eine Schlammschlacht gibt … Und Kloputzen ist zwar oft grauslich, aber meistens viel schneller getan als alle anderen, viel größeren Putzbereiche, und die anderen lieben dich obendrein, weil sie‘s nicht machen müssen. Du veranstaltest Singabende am Donnerbalken / in der Bedürfnisanstalt. Planst sorgfältig, wie bei jeder kreativen Gruppenveranstaltung Einleitung, Hauptteil und Abschluss sowie Aufteilung der Aufgaben auf die Teilnehmenden ein.

Latrino Lover Was dich für dieses Spezialabzeichen qualifiziert: Sämtliche Latrinenbauweisen sind dir im Schlaf bekannt (+ Stücklisten, Grubentiefe, Sicherheits-Benützungsvorschriften, abbauen, spurlos und umweltfreundlich hinterlassen usw.). Du hast zumindest bei 3 Latrinenbauten mitgeholfen, bei einem davon federführend. Du weißt über Hygiene und Desinfektion am und nach dem Donnerbalken / Toilette / Mobilklo bescheid. Du kannst die Komfortsituation in Latrine / Toilette / Mobilklo professionell einschätzen und entsprechende Verbesserungsmaßnahmen ergreifen (OdeurOptimierung, Toilettpapier- und Illustrierten- bzw. Buchhalterungen, Geschlechtertrennung, Sichtkorridorvermeidung in Abdeckplanen, Beleuchtung im Dunkeln zur Vermeidung peinlicher Situationen etc.)

Prinzessin (auch: Prinz) Was dich für dieses Spezialabzeichen qualifiziert: Dein Augenaufschlag ist umwerfend, das Gewicht deines Lagerrucksacks auch – für den Angebetenen / die Angebetete am Weg vom Bahnhof zum Lagerplatz … Du bist Experte in Sachen Lagerkomfort, hast dafür auch alles eingepackt und kannst andere beraten: extra Polster und / oder


WIEN MUSEUM IM KÜNSTLERHAUS Kuscheltier, Extradecke, Zeltdekoration, bevorzugte Benutzung von Schühchen-Ständer und Wäscheleinen und Anweisung an andere diese herzustellen, 2 frische T-Shirts pro Tag zur Auswahl, Porzellanteller und -häferl, … Make-Up, perfekte Rasur, 1A-Haarund Nagelpflege und ähnliches ist auch bei Pfadis (und am Lager!) selbstverständlich. In selbstgemachter Naturkosmetik bist du Experte und bietest einen Workshop für deine Freunde und Freundinnen an. Du versorgst die Lagerteilnehmer mit Hochglanz-Illustrierten und veranstaltest Lesungen der Foto-Love-Stories mit verteilten Rollen. Du bist stets von Bewunderern umgeben.

Hemdträger / Hemdträgerin Was dich für dieses Spezialabzeichen qualifiziert: Das Pfadfinderhemd ist quadratisch, praktisch, gut (– zusammengelegt und gebügelt), wenn es in deinem Kasten liegt – immer bereit für den nächsten Einsatz. Dort liegt es aber selten lange, denn pro Woche gibt es zumindest eine Heimstunde und eine zumindest kleine PfadiWochenendaktion und da muss es an den Leib. Du besitzt zumindest 3 (es gibt ja immerhin Pfadi-Aktionen, die länger als zwei Tage dauern) vollständig bestückte Uniformhemden (1 Lang- und 2 Kurzarm oder 2 Lang- und 1 Kurzarm je nach Bundesland, Seehöhe des Wohnorts und Lagervorlieben), inkl. wasserdichte Kleidungssäcke für knitterfreies Verstauen im Lagerrucksack plus Reisebügeleisen. Das Pfadi-Hemd ist für dich in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand, stets bereit für Gartenarbeiten, Lageraufbau, Hilfe beim Nachbarn und im Altenheim, zum Wandern, Kochen, Segeln, Basteln, Morsen, usw. Es ist stets mit Schreibzeug, Papier und Kompass bestückt (Mobiltelefon (lautlos, aufgeladen) und GPS als Variante). Das Pfadi-Hemd ist auch zur Repräsentation da. Deshalb sind alle Abzeichen, inkl. Funktionsabzeichen und Auszeichnungen sowie (bis zu maximal ein) Veranstaltungsabzeichen vollständig vorhanden und lückenlos an richtiger Position angenäht (siehe Verbandsordnung). Du bist perfekt im Knopf- (unter 2:30 min) und (3:30 min für 4 cm Durchmesser) Abzeichenannähen.

Was dich für dieses Spezialabzeichen qualifiziert: „Einfach leben“ ist deine Devise. Es gibt für alle Lebenslagen und Situationen einen einfacheren Weg. Im Alltag gibt es viele Abläufe und Gewohnheiten, die du analysiert und vereinfacht hast. Meistens erreichst du damit mehr als nur Vereinfachung. Beispiele sind z.B.: Nur so viel Licht / Elektrogeräte wie nötig einschalten, so sorgst du auch für eine kleinere Stromrechnung; nur unverpackte Lebensmittel kaufen, so gibt’s keinen Müll, den du wegwerfen musst; Kleidung, Bettwäsche, Handtücher nur so oft wie nötig wechseln spart Wasser und Strom der Waschmaschine; am Balkon / im Schlafsack schlafen spart Bettwäsche überhaupt und ist gesünder auch noch (wie das schon der Gründer B.P. getan hat); kalt duschen spart Warmwasser, weckt dich auf und härtet dich auch noch ab; usw. Finde gleichwertiges, nicht nur für zuhause, auch etwa für das Pfadfinderheim! Deine Kleidung ist praktisch und zweckmäßig. Du besitzt je ein Paar Schuhe für verschiedene Jahreszeiten und Terrains. Neue Modeströmungen lassen dich kalt. Du bist sehr ordnungsliebend. Chaos macht alles nur komplizierter, weil der Überblick fehlt. Listen sind daher wichtig zur Organisation: z.B. Lagerausrüstung, Einkaufslisten, Bestandslisten usw. Dein Lagerrucksack ist für 10 Tage auch nicht größer als für ein Wochenende: 20 Liter Fassungsvermögen (+ aufgeschnalltem Schlafsack) müssen reichen. Bei Sommerlagern im Ausland beneidet dich jeder, weil dein Gepäck am Flughafen nie Übergewicht hat.

Ad Personam

Paul Kubalek

Sozialisiert in der Pfadfindergruppe Baden, lebt und arbeitet als Grafik-Designer in London. Er gestaltet auch die offiziellen Abzeichen der Pfadfinder und Pfadfinderinnens Österreichs (PPÖ) für das Jamboreekontingent 2011. www.kubalek.priv.at

Und eigentlich … … sind Spezialabzeichen in den Stufen der Wichtel / Wölflinge (7 bis 10) und Guides / Späher (10 bis 13) dazu da, individuelle Interessen und Kenntnisse der Kinder zu fördern. Während der Großteil des Programms in diesen beiden Stufen für Kleinund Großgruppen konzipiert ist, können Spezialabzeichen auch Einzelne erhalten. Bei den älteren Pfadis ist diese Form der Aktivität und Anerkennung nicht üblich.

kampf um die stadt

Simplicissimus

19.11.2009 BIS 28.3.2010

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WWW.WIENMUSEUM.AT


Abenteuertag einen ersten Hauch Internationalität vermitteln. Allen älteren Lagerteilnehmern, die selbstverständlich für zehn Tage im Zelt wohnen, soll eine „challenge 100“ einhundert knifflige Aufgaben aufgeben. Beim „Park-ur“ mit viel Gatsch, Wasser und einem Urwald-Parcour wartet die reale Welt der Wildnis auf die jungen Inge Langer aus dem Programmteam.

urSprung 2010 100 Jahre Pfadfinder in Österreich werden im Rahmen eines internationalen Pfadfinderlagers gefeiert, am „urSprung 2010“ in Laxenburg bei Wien. Erwartet werden 8.000 Girl und Boy Scouts aus aller Welt.

Abenteurer. Glanzvoll wird es beim Pfadfinderball im Schloss Laxenburg, eher ernsthaft bei der Zukunftskonferenz. Im „Dorf der Weltreligionen“ sind alle Religionen vom Buddhismus über den Islam, die christlichen Kirchen bis zum Judentum vertreten und veranschaulichen einzigartig die Überkonfessionalität der Pfadfinderbewegung weltweit. Neben leisen soll es auch laute Nächte geben – und das nicht nur mit der Gitarre am Lagerfeuer. Nächtens etwa am Programm: ein Rockkonzert, ein Karaokefestival, ein Air Guitar Contest. Einer der Höhepunkte wird wohl der „Abend der langen Löffel“ sein, an welchem die Kinder und Jugendlichen ihre mit Holz befeuerten Kochstellen (klarerweise selbst aus Lehm und Steinen gebaut) besonders anheizen – um einander Köstlichkeiten aus aller Welt zu kredenzen. ←

Text: Philipp Pertl

Von jungen Jahren an Internationalität leben „Jeder hat andere Traditionen und kommt aus einer anderen Kultur und bringt diese mit aufs urSprung 2010, aber als Pfadfinder erkennt man sich wieder,“ meint Inge Langer, eine der Verantwortlichen im Programmteam über die besondere Herausforderung eine solche Zeltstadt für knapp 2 Wochen mit Leben zu erfüllen. Dafür wird in bewährter erlebnispädagogischer Pfadfinder-Manier auf alle Altersstufen besonders Rücksicht genommen. Wobei die Unter10-Jährigen – Wichtel & Wölflinge – nicht am Lagerplatz übernachten dürfen. Ihnen soll ein

Das „urSprung 2010“ findet von 2. bis 12. August 2010 in Laxenburg bei Wien statt. Nicht-Lagernteilnehmer dürfen am „Besuchertag“ (Sonntag, 8. August) das Lagergelände erkunden. www.ur-sprung.at

2007

Anfang August 2010 werden diese Möglichkeit tausende Kinder und Jugendliche aus Österreich und der ganzen Welt am „urSprung 2010“ dem österreichischen Jubiläumsjamboree, in der einzigartigen Natur des Schlossparks Laxenburg, haben. Bereits seit Ende 2007 plant ein Team von 200 ehrenamtlichen Pfadfi nderleitern dieses Großereignis. Das Programm für

die Kinder und Jugendlichen nützt natürlich die Möglichkeiten der Weltmetropole Wien und die faszinierende Naturlandschaft der Donauauen. Erwartet werden bis zu 8.000 Lagerteilnehmer aus aller Welt.

FoToS: PHILIPP PErTL, PFADFInDErMUSEUM, IDEnTUM

Freunde zu fi nden ist leicht, aber Freundschaften über Jahre oder gar Jahrzehnte aufrecht zu erhalten ist schon eine Lebenskunst und bedarf vieler Eigenschaften. Diese Fertigkeiten (im Englischen: Skills) zu erlernen, das ermöglicht einem auch die gelebte Gemeinschaft der Pfadfi nderei. Wo, wenn nicht auf internationalen Pfadfi nderlagern lassen sich schon in ganz jungen Jahren Freundschaften schließen, die um den Erdball führen.

100 JAHRE PFADFINDER. MAGAZIN ZUM ABENTEUER DES LEBENS.

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SKILLS. 100 JAHRE PFADFINDER. MAGAZIN ZUM ABENTEUER DES LEBENS.

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PFADFINDER

SURVIVAL MIT STIL

Fische fangen, Feuer machen und draußen kochen – mit Haubenkoch Bernie Rieder.

BOY SCOUTS OF SECOND LIFE

DJ Burstup erzählt, warum er im zweiten Leben Pfadfinder geworden ist.

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Verboten: Pfadfinder im Nationalsozialismus.

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WIE WAR DAS 1938?

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Abenteuer-Tipps für alle 9 Bundesländer.

DAMALS: PFADFINDER INNEN UND AUSSEN

1973

1976

Österreich veranstaltet die Weltkonferenz der IFOFSAG (Vereinigung der Gildepfad fi nder).

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Mädchen und Buben vereinigen sich zu einem gemeinsamen Verband. Die PPÖ (Pfadfi nder und Pfadfi nderinnen Österreichs) werden gegründet. SPLIT TEr

2007

In allen Bundesländern fi nden Veranstaltungen zum 100. Geburtstag der Pfadfi nderbewegung statt. Die erste Ausgabe von SKILLS erscheint.

2008

Österreich veranstaltet die Weltkonferenz der ISGF (Vereinigung der Gildepfad finder).


Survival Deluxe: Iglu-Übernachtung bei minus 25 Grad Wer gerade mal keine 5.000 m3 Schnee zur Verfügung hat um selbst ein Iglu aufzuschütten (die Nachlese dazu ab Seite 089), packt am besten seine dicksten Fäustlinge ein und nimmt die Gondel auf das 2.500 m hoch gelegene Kitzsteinhorn. Dort warten Outdoor-Whirlpool, Fass-Sauna und Schlafiglus auf unverfrorene Winterlagerer. Anmeldung zu dem vergänglichen Überlebensspektakel, das von Mitte Jänner bis Ostern die Iglu-Türen offen hält unter www.ice-camp.at ←

EyePet, you play

Sony kreuzt die hauseigene EyeToy-Technik mit dem Tamagotchi-Prinzip: »EyePet« überzeugt dabei als Spielzeug für Kinder und als technische Spielerei für Junggebliebene. Handle with care.

Grundsätzlich bietet »EyePet« für die Playstation 3 die Möglichkeit, per Bewegungen, die von der Kamera gefilmt werden, mit einem kleinen Tier auf dem Bildschirm zu interagieren. Angefangen vom Begleiten des Schlüpfens aus dem Ei bis zur Körperpflege und dem täglichen Spiel - alles passiert per Bewegung. Neben den eigenen Händen dient dabei eine Karte als Eingabegerät, die etwa als Trampolin genutzt werden kann, um das Tierchen Hüpfen zu lassen. Das ist nett für Kinder, weil es ohne Stress ermöglicht, das eigene Wirken auszuprobieren und einfach herum zu spielen. Darüber hinaus gibt es aber auch die Möglichkeit, Flugzeuge oder

Autos zu zeichnen, von der Kamera scannen zu lassen - und das Spiel baut daraus dann ein 3D-Objekt, in das die Figur einsteigt und das sich per Controller steuern lässt. Auch das funktioniert überraschend gut und so ist »EyePet« nach »LittleBigPlanet« das nächste Spiel, in das Gamer eigene Gegenstände per Kamera integrieren können. Noch sind diese Anwendungen sehr simpel, aber es ist gut möglich, dass wir auf dieser Technik basierend bald noch ganz andere Möglichkeiten zur Interaktionen mit Spielen und Programmen bekommen.  ← www.eyepet.com

Bundesverband der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs A-1050 Wien, Bräuhausgasse 3-5, 4. Stock Tel.: +43 1 523 31 95 www.pfadfinder.at www.pfadfinderinnen.at

Landesverband Tirol A-6020 Innsbruck, Salurner Straße 4/III Tel.: +43 512 582906 www.ppoe.at/tirol

Weltverband der Pfadfinder WOSM – World Organization oft he Scout Movement CH-1211 Geneva 4 Plainpalais, PO Box 91, Rue du Pré-Jerome 5 Tel.: +41 22 705 10 10 www.scout.org Weltverband der Pfadfinderinnen WAGGGS – World Association of Girl Guides and Girl Scouts GB- London, NW3 5PQ, 12c Lyndhurst Road Tel.: +44 20 7794 1181 www.wagggsworld.org Gillwell Park/Baden Powell House – London Unterkunftsmöglichkeiten & Veranstaltungen GB- London, SW7 5JS, 65-67 Queen´s Gate Tel.: +44 020 7590 6909 www.scouts.org.uk/ nationalcentres/

Landesverband Burgenland A-7000 Eisenstadt, Axerweg 24 Tel.: +43 699 120 818 58 www.scout.at/burgenland/ Landesverband Kärnten A-9500 Villach, Siedlerstraße 32A Tel.: +43 4762 377 14 www.pfadfinder-kaernten.at

Landesverband Vorarlberg A-6850 Dornbirn, Postfach 222 www.pfadis-vorarlberg.com

Landesverband Niederösterreich A-3400 Kierling, Lenaugasse 13 Tel.: +43 2243 83756 www.noe.pfadfinder.at

Landesverband Wien A-1160 Wien, Hasnerstraße 41 Tel.: +43 1 495 23 15 www.wpp.at

Landesverband Oberösterreich A-4020 Linz, Brucknerstraße 20 Tel.: +43 732 664245 www.ooe.pfadfinder.at

Pfadfinderzentren www.ppoe.at/quartiere

Landesverband Salzburg A-5020 Salzburg, Fürstenallee 45 Tel.: +43 662 823637 www.salzburger-pfadfinder.at Landesverband Steiermark A-8010 Graz, Ballhausgasse 1/III Tel.: +43 316 842176 www.cms.scout.at/lvst/

Pfadfindergruppen in Österreich www.scout.at Pfadfinder-Gilde www.ppoe.at/gilde Scout Shop www.pfadfinder.at/scoutshop/ World Scout Shop www.worldscoutshop.org

Service

Möglichkeiten, in allernächster Nähe oder in den Weiten des Webs mit den Pfadfindern und Pfadfinderinnen in Kontakt zu treten.


Verbandskastenordnung

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Das alles gehört in einen Verbandskasten – und sollte periodisch auf Vollständigkeit überprüft werden. 19

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Quelle: Inhaltsverzeichnis für Verbandkästen Typ 2 nach ÖNORM Z 1020 26

ErSTE HILFE

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FoToS: KArIn WASnEr

01 4 Mullbinden elastisch 10 × 400 cm 02 4 Mullbinden elastisch 8 × 400 cm 03 4 Mullbinden elastisch 6 × 400 cm 04 2 Fixierbinden selbsthaftend 8 × 400 cm 05 4 Verbandspäckchen Größe III, mittel 06 4 Verbandspäckchen Größe IV, groß 07 3 Verbandtücher metallisiert 40 × 60 cm 08 3 Lederfi ngerlinge 09 5 Fingerschnellverbände 10 15 Wundkompressen 10 × 10 cm 11 1 Snögg Schaumgummiverband 6 × 100 cm 12 2 Spulenpflaster 2,5 × 500 cm 13 10 Pflasterschnellverbände 10 × 6 cm 14 5 Paar Latex-Handschuhe 15 1 Verbandschere (nach ÖNORM K2121) 16 1 Splitterpinzette rostfrei 17 2 Rettungsdecken 18 1 Notfallbeatmungstuch 19 40 Pflasterstrips 72 × 19 mm 20 4 Dreieckstücher (nach ÖNORM K2122) 21 1 Erste-Hilfe-Anleitung


Lord Schaumloeffel

Wie immer Sie sich nennen: Bei uns haben Sie das freie Wort. Postings. Exklusiv auf:


in Österreich verfolgt und sogar ins Gefängnis gesperrt. In dieser Zeit entpuppte sich der Pfadfinderpfiff als besonderes Erkennungsmerkmal. Viele verwendeten ihn, um sich zum einen als Pfadfinder zu erkennen zu geben, ohne für Außenstehende erkannt zu werden, und zum anderen, um die anderen zu treffen. So passierte es des Öfteren, dass an frequentierten Orten (etwa vor der Kirche nach der Sonntagsmesse) jemand seelenruhig den Pfadfinderpfiff pfiff – und sich plötzlich einige um ihn herum versammelten.

Der Pfadfinder-Pfiff

Text: Philipp Pertl

Die Melodie ist einfach und wann genau der Pfadfindergründer diese Töne das erste Mal gepfiffen hat, ist nicht so relevant, wie die Tatsache, dass er diesen Pfiff als Verständigungsmittel zwischen Pfadfindern erfunden hat. Um alle Boy und Girl Scouts aufzufordern, sich zu versammeln, wurde der Pfiff verwendet – auch wenn man laut pfeifen musste, wenn alle sehr weit verstreut waren. Der „Scouts Call“ ist auch in Baden-Powells Buch „Scouting for boys“ in der Auflage von 1919 dokumentiert (und wurde damals auch als Pfadfindererprobung für das Versprechen eingesetzt).

Pfadfinderrufe und andere Pfiffe

Als Zeichen der Gemeinschaft und als besonderes akustisches Signal werden bei den Pfadfindern heute vor allem Rufe verwendet, die sich die Kinder und Jugendlichen selber ausdenken. Zum Anfeuern bei Abenteuern, Wettkämpfen oder sportlichen Ereignissen kommen solche Rufe ebenso zum Einsatz, wie am Lagerfeuer – um die Gemeinschaft zu stärken. Der Pfiff in seiner ursprünglichsten Form ist jedoch über die Jahrzehnte erhalten geblieben, wenngleich das Pfeifen nicht mehr ganz den Stellenwert wie früher hat.

Geheimes Zeichen in der Nazizeit

Mit dem Verbot der Pfadfinderbewegung durch die Nationalsozialisten am 16. März 1938 wurden die Jugendleiternnen, die Kinder und Jugendlichen sowie ihre Sympathisanten

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r ingtone

Kaum hatte man sich gefunden, konnte die Gruppe gemeinsam von der Menschenschar verschwinden, um sich fernab der Nazis und bösartigen Verfolgungen zu unterhalten. Auf diese Art und Weise konnten manche Pfadfindergruppen, trotz der öffentlichen Verfolgung und des Verbots, heimlich Ausflüge und Treffen organisieren. Dass das nicht immer ungefährlich war, ist jedem klar. Doch die Illegalität brachte eben das außergewöhnliche Erfindertum zum Vorschein. Erst nach 1945 konnte der Pfiff wieder in die freie Luft gepfiffen werden.

Von der Melodie zum Jamboree-Lied

Als 1951 das siebente Weltpfadfindertreffen, das alle vier Jahre in einem anderen Land abgehalten wird, in Österreich stattfand, komponierte der Österreicher Axi Stachowitsch, der damals Programmchef des Weltjamborees in Bad Ischl war, das Lagerlied. Wenige nur wissen, dass sich die ersten Zeilen des Jamboreeliedes „J A M B O R E, Jamboree, Jamboree“, die eigentlich ein Ruf sind, vom Original Pfadfinderpfiff ableiten. Somit hat das friedliche Pfadfindertreffen im Nachkriegs-Österreich mit dem Pfiff, der in der Nazizeit als geheimes akustisches Zeichen verwendet wurde, einen immerwährenden Stellenwert bekommen. Und noch heute wird der Jamboree-Ruf von Kindern und Jugendlichen mit Begeisterung gesungen und in Zukunft bleibt der Pfiff ein friedvolles, völkerverbindendes Signal. ← Als Ringtone gibt es den Pfadfinder-Pfiff auf www.pfadfinder.at (klarerweise kostenlos) zum Download. Pfadfinder-Gruppen, die ihn selbst auf ihrer Gruppen-Website zum Download bereitstellen wollen, bieten wir unter www.skills-magazin.at ein Populizer-Widget an, mit dem sich der Ringtone einfach implementieren lässt.

Fotos: pfadfindermuseum

Ursprünglich ein Gemeinschaft stiftendes und später geheimes Erkennungszeichen der im Nazi-Regime verbotenen Pfadfinder-Bewegung gibt es den „PfadfinderPfiff “ nun wieder – als Ringtone zum Download.


www.movienews.at

© Disney/Pixar.

Vorläufige Abbildung


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Foto: florian auer

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Ob gemalt oder als Skulptur und aufwändige Installation – die Wienerin Deborah Sengl (35) ist bekannt für ihre Bastarde halb Mensch, halb Tier. Für SKILLS widmete sich die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin erstmals Kindern. Modell für die diesem Gemälde zugrunde liegende Fotografie standen Wichtel und Wölflinge der Pfadfindergruppe Neunkirchen. Deborah Sengl Ohne Titel (Wölflinge), 2009 80 × 100 cm Acryl auf Leinen www.deborahsengl.com Werke von Deborah Sengl sind im Frühjahr 2010 als Einzelausstellung in der Galerie Rohde Contemporary in Kopenhagen zu sehen. wolf cubs

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cartoon


Unterwegs Anregende Aktivitäten für drinnen und draußen – empfohlen von denen, die wissen müssen, was Spaß macht: Pfadfindergruppen aus den jeweiligen Bundesländern. Aufgezeichnet von Lea Hajner

Salzburg: Drinnen

Katakomben von Salzburg

Ein zum Pfadfinder-Schwerpunkt „Leben aus dem Glauben“ passendes Ausflugziel sind die Katakomben der Stadt Salzburg. Mystisch und ein wenig ungeheuerlich zeigt sich die Stadt, wenn man sie von unten betrachtet. In den Katakomben wurden nämlich zur Römerzeit geheime, frühchristliche Messen abgehalten. Bei einer Führung durch die dunklen Gemäuer erhält man einen guten Einblick in die Entstehung des Christentums (und all die Probleme, mit denen die ersten Christen konfrontiert waren). Neu eröffnet wurden zudem vor kurzem die Domkrypta unter dem Salzburger Dom. Hier kann man die Grundmauern der ersten Dome und alter römische Bauten bestaunen. www.salzburger-dom.at (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Tennengau, Hallein, Salzburg Land)

Salzburg: Draußen

fotos: salzburg tourismus, www.hochseilpark.at, schischaukel mönichkirchen-mariensee

Im Schatten der Nacht hoch über Salzburg

Bekannt vor allem durch die Salzburger Festspiele und – international – das Musical „Sound of Music“ – gibt es gerade nächtens höchst Spannendes zu erleben. Wer Salzburg abseits der Touristenströme sehen will, dem sei ein nächtlicher Spaziergang auf die Festung Hohen Salzburg geraten. Wie das geht, verrät ein Insider: „Da die Burg am Tag von vielen Touristen besucht wird, bleibt das Tor am Abend unversperrt, damit die Touristen auch zu später Stunde noch raus kommen. Du kannst nun vor dem Tor warten bis jemand raus geht – und dann ganz schnell rein gehen. Es ist auch nicht verboten, am Abend in der Festung zu sein. Nun kann man zur Nordseite der Festung gehen und erhält einen wunderbaren Blick auf die Altstadt von Salzburg. Im Süden reicht der Blick bis weit in den Tennengau hinein“. www.hohensalzburg.com (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Tennengau, Hallein, Salzburg Land)

Niederösterreich: Draußen

Erste Rollerbahn Österreichs

Salzburg: Draußen

Europas längste Seilrutsche

Im niederösterreichischen Mönichkirchen befindet sich Österreichs erste Rollerbahn. Mit dem Sessellift oder über einen der so genannten „tut gut“-Wanderwege geht es im niederösterreichischen Mönichkirchen auf den Wechsel hinauf – zu Österreichs erster Rollerbahn. Bei der Bergstation angelangt können dann Tretroller für die Talfahrt gemietet werden. 2,5 Kilometer geht es über Wald und Wiesen rasant zurück hinunter ins Tal. Wer nach dem Downhill-Spaß einen etwas ruhigeren Ausgleich sucht, kann im Wasserpark am Fuße des Berges entspannen. Dort gibt es unter anderem einen Barfußweg, einen Lichttherapie-Raum und ein Kneippbecken. www.schischaukel.net www.tutgut.info (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Kirchberg am Wechsel)

Superman-Outfit vom Dachboden holen, Superkräfte in Erinnerung rufen, Startposition zum Abflug üben – und ab nach Saalbach. Dorthin lockt nämlich die längste Seilrutsche Europas, bei der man in Superman-Position gut gesichert auf einem Stahlseil in 120 Meter Höhe über das Tal fliegt. Spitzengeschwindigkeiten betragen sagenhafte 70 km / h auf der 700 Meter langen Strecke. Wow! www.hochseilpark.at (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Zell am See, Salzburg)

unterwegs

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Niederösterreich: Draußen

Arche Noah der Pflanzen

Vor hundert Jahren gab es in Österreich noch bis zu 5.000 Apfelsorten, heute sind es nur mehr um die 500. Im Supermarkt finden wir eine kleine Selektion von maximal 4, 5 Sorten (die das ganze Jahr über verfügbar sind). Um die Erhaltung alter Saatgutsorten und einer Vielfalt an Pflanzenarten kümmert sich der Verein Arche Noah in Schiltern im Waldviertel. Führungen für Gruppen (inklusive Verkostung) durch den Schaugarten nach Anmeldung, wer das Projekt unterstützen will findet außerdem im Shop Samen und Pflanzen. www.arche-noah.at/etomite (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Krems, Niederösterreich)

Vorarlberg: Drinnen

© S. Hofschläger/ PIXELIO

Die schwarze Kunst des Buchdrucks

Es gibt Museen die ideales Schlechtwetterprogramm bieten. Eines davon ist das Druckwerk in Dornbirn. Anstatt sich bei Regen mit einem Buch zu verkriechen, kann man dort nämlich herausfinden wie es überhaupt dazu kommt, dass wir Bücher haben. Dabei werden viele interessante Fragen beantwortet. Etwa, was es mit der sogenannten „schwarzen Kunst“ des Buchdrucks auf sich hat. Und warum Gutenberg nicht den Buchdruck sondern etwas viel Wichtigeres erfunden hat. Für Gruppen und gegen Anmeldung hält das Museum übrigens Workshops zu den Themen Papierschöpfen, Linol- und Holzschnitt sowie Typographie. www.druckwerk-dornbirn.at (Empfohlen von der Pfadfindergruppe bludenz, Vorarlberg)


Kärnten: Draußen

Goldrausch in den Tauern

Mal ganz ehrlich: Wer würde nicht gern einmal einen echten Goldschatz finden? In Heiligenblut, am Fuße des Großglockners haben bereits die Römer ihr Glück auf der Suche nach Gold versucht. Gerüstet mit einer Goldwäscher-Pfanne und einer großen Portion Geduld können heute noch Goldstückchen aus den Fluten geborgen werden. Das Goldgräber-Freilichtmuseum im Ort stellt die notwendigen Pfannen zur Verfügung und erzählt anschaulich die Geschichte der Goldgewinnung in der Region. www.goldgraeberdorf-heiligenblut.at (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Klagenfurt 4, Moosburg, Kärnten)

Kärnten: Draußen

Fotos: arche noah, druckwerk dornbirn, csaba szepfalusi, heinrich-harrer museum hüttenberg, Tourismusverband heiligenblut, canal+

Hallo auf tibetisch

Mitten in Kärnten hat dank Heinrich Harrer, einem der letzten großen Abenteurer, ein Stück tibetische Kultur Einzug gehalten. Das Museum erzählt von Harrers Leben als Bergsteiger und seinen Reisen in ferne Länder – u.a. nach Afrika, Borneo, Nepal – und besonders ausführlich von Tibet. Einzigartig in Österreich sind der tibetische Gebetsraum und Pilgerpfad an der Felswand gegenüber vom Museum, welche beide vom Dalai Lama persönlich geweiht wurden. www.huettenberg.at (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Klagenfurt 4, Mossburg, Kärnten)

Wien: Draußen Wien: Drinnen

Bouldern solange die Kraft reicht

Bouldern ist eine vom Klettern kommende Sportart, bei der man ohne Seilsicherung auf Felsblöcke (boulder, engl. = Felsblock) klettert. Der Boden bleibt dabei in Absprunghöhe und geklettert wird von Felsblock zu Felsblock. Um die speziellen Bouldertechniken näher kennen zu lernen gibt es im Edelweiss Center, der größten Boulderhalle Österreichs, Kurse für Erwachsene und Kinder. www.edelweiss-center.at (Empfohlen von der Gruppe 31 in Wien)

Die Stadt unter der Stadt

Der vor mehr als 50 Jahren in Wien gedrehte Klassiker „Der dritte Mann“ lockt heute noch Filmbegeisterte aus aller Welt nach Wien. Eine der bekanntesten Szenen aus dem Film ist eine spektakuläre Verfolgungsjagd durch die unterirdischen Kanäle Wiens. Wer auf den Spuren des Protagonisten, eines Penizillinschmugglers namens Harry Lime wandeln oder auch einfach nur mal gerne einen Blick in die scheinbar nicht enden wollenden Gänge der Wiener Unterwelt werfen will, ist hier genau richtig. Gummistiefel und Taschenlampe nicht vergessen! www.drittemanntour.at (Empfohlen von der Pfadfindergruppe 57, Wien)

unterwegs

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Tirol: Draußen

Daredevils aufgepasst! Wem übliche Rodelstrecken im Wald zu langsam sind und wer auf der Suche nach dem ultimativen Geschwindigkeitsrausch ist, hole sich in der olympischen Bobrennbahn in Innsbruck seinen Kick: 900 Meter rast der sogenannte „Gästebob“ (bestehend aus einem professioneller Lenker und zwei Gästen) über den vereisten Kanal mit bis zu 130 km/h. Wer da nicht den Atem anhält, ist entweder Astronaut oder Testpilotin. Ab 12 Jahren. www.olympiaworld.at (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Innsbruck 10, Tirol)

Steiermark: Draußen

The Ghostwalk of Grätz

So macht spazieren gehen Spaß! Seit über 8 Jahren bereits führt Josef E. Tschida durch die dunklen Gassen der Grazer Altstadt und gibt dabei Geschichten aus längst vergangenen Tagen preis. Die Geschichten handeln von Mördern, Hexen, Folter und Teufeln – und bereiten Jung wie Alt ein schaurig schönes Gruselvergnügen. Die Tour dauert in etwa eineinhalb Stunden und findet ganzjährig statt. Wirklich spannend! www.ghostwalk.at (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Graz 12, Steiermark)

Oberösterreich: Draußen

Die Spur des Falken

Im Jagdfalkenhof in St. Leonhard werden in etwa 10 verschiede Falkenarten und andere Greifvögel (u.a. Steinadler und Geier) gezüchtet. Einige der Vögel werden nicht nur zur Jagd, sondern sogar als „Schauspieler“ für Film- und Theaterproduktionen ausgebildet (z.B. für „Forsthaus Falkenau“). Besucher der Falknerei erfahren Spannendes über die Zucht und das Leben der Greifvögel, können die Vögel in Aktion bei einer Flugshow beobachten oder sogar eine Patenschaft für einen Vogel übernehmen. Ab Euro 130 für eine einjährige Patenschaft eines Buntfalken ist man dabei. www.falknerei-geiger.at www.tutgut.info (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Linz 2, Oberösterreich)

Oberösterreich: Draußen

Auffi am Berg!

Eine der landschaftlich schönsten Wanderungen Österreichs führt auf den markanten Traunstein im Salzkammergut. Mit ständiger Sicht auf den See winden sich zwei Klettersteige (Hernler und Naturfreundesteig, beide Schwierigkeitsgrad A-B) von 400 m auf 1.691 m empor. Besonders beeindruckend ist der Sonnenauf- und Untergang über den Bergen auf einer der beiden Hütten. Kinder und Unerfahrene sollten ein Klettersteigset mitnehmen. www.alpintouren.at (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Gmunden, Oberösterreich)

Burgenland: Draußen

Wandern mit Lamas

Einen Hund zum Wandern mitnehmen kann jeder, aber ein Lama? In einem kleinen Ort im Burgenland lassen sich Lamas für Spaziergänge durch die Weinberge „mieten“. Das Lama darf dabei praktischer Weise nicht nur mit Gepäck beladen, sondern auch selbst an der Leine geführt werden. Fast ungefährlich. Bloß das Revier sollte man dem Tier nicht streitig machen. Andernfalls riskiert man angespuckt zu werden … www.theresia-maria.at (Empfohlen von der Gruppe Rohonzy, Burgenland)

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unterwegs

Steiermark: Drinnen

Das modernste Planetarium Österreichs

Das Planetarium in Judenburg ist nicht nur modern, sondern dank seines ungewöhnlichen Standortes weltweit einzigartig. Die Sternwarte ist im 500 Jahre alten Stadtturm von Judenburg untergebracht und bietet seinen Besuchern so einiges an Programm. Zusätzlich zu den normalen Führungen werden täglich unterschiedliche 3D Filme in der Sternenkuppel gezeigt – vom Kosmos über Austronauten bis hin zum aufgezeichneten Pink-Floyd-Konzert ist thematisch für jeden was dabei. www.sternenturm.at (Empfohlen von der Pfadfindergruppe Graz 12, Steiermark)

Fotos: Olympia – sport und veranstaltungszentrum innsbruck, oö jagdfalkenhof, karin wasner, planetarium judenburg, silberbergwerk schwaz, steiermark tourismus / wolf

Rennbob fahren im Eiskanal


Steiermark: Draußen

Tirol: Drinnen

Die seit 1978 unter Naturdenkmalschutz gestellte Bärenschützklamm in Mixnitz ist vor allem ob ihrer ungezähmten Wasserfälle und der schroffen Felsformationen einen Besuch wert. 2.500 Holzsprossen und 164 Brücken laden zum Erforschen der Klamm und zum Beobachten des imposanten Naturschauspiels ein. Besonders schön und eindrucksvoll ist die Wanderung nach der Schneeschmelze im Frühling oder nach einem regenreichen Herbsttag. www.baerenschuetzklamm.at

Das Silberbergwerk in Schwaz in Tirol verspricht nicht nur eine Reise in den Berg, sondern auch eine Reise durch die Zeit. 800 Meter im Berg wird die Geschichte des Silber- und Kupferabbaus im Mittelalter und dem harten Leben der Bergknappen erzählt. Wer so richtig in einstige Lebensweisen und Verhältnisse im Berg eintauchen will, kann sich für eins der zwei Mal im Monat stattfindenden Knappenspiele im Bergwerk anmelden. Tiroler Dialektkenntnisse sind dabei von Vorteil. www.silberbergwerk.at

Die Bärenschützklamm

(Empfohlen von der Pfadfindergruppe Graz 12, Steiermark)

Wer KLAX hat, hat leicht reden. Keine Vertragsbindung. Volle Kostenkontrolle.

Ein Silberschatz in Schwaz

(Empfohlen von der Pfadfindergruppe Innsbruck Pradl, Tirol)

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1 Cent/Min. zu 5 Rufnummern. Alle anderen Gespräche € 0,30/Min. Zusatzgebühr von € 1,– wird im 30-Tage Rhythmus abgebucht. Bei Abmeldung oder bei Guthaben von weniger als € 1,– zum Abbuchungsstichtag Umstellung auf Tarif Klax Start. Taktung für Telefonie zu den 5 Nummern Ihrer Wahl 60/60, sonst 60/30. Alle Preise verstehen sich in € inkl. USt. Es gelten die AGB der T-Mobile Austria GmbH. Stand 02/08. Infos unter www.t-mobile.at.


Wie die Stadt Wien mit Touristen „spricht“

Nach Wien bin ich gereist, weil jenes Bild der Stadt mich neugierig gemacht hat, das mir in allen möglichen Medien immer wieder begegnet. Jetzt stehe ich hier auf der Straße und wann immer mir etwas begegnet, das ein wenig nach Kaiserzeit, nach Kaffeekultur, nach Pratervergnügungen, nach jenem leicht morbiden Charm aussieht, der sich als Wien in meinem Kopf festgesetzt hat, habe ich das Gefühl: hier ist es – Wien.“

Warum so wenige Rollstuhlfahrer das Stadtbild mitprägen

Am liebsten bleibe ich inzwischen zu Hause. Müssen wir auf den Schildern, nur weil wir nicht laufen können, so „behindert“ aussehen? Klar wurden manche Gehsteigkanten abgeschrägt, auch einzelne Lifte wurden aufgestellt – aber probieren sie doch einmal selbst mit einem Rollstuhl in der Stadt klarzukommen. Und im Falle des Falles eine passende Toilette zu finden …“

Was sich Migranten beim Weg durch die Stadt denken (könnten)

Ich weiß, sie mögen uns nicht. Keine Ahnung? Wovor haben sie Angst? Ist es, weil sie unsere Zeichen und unsere Schrift nicht lesen können? Und warum, wenn sie das Fremde nicht mögen, fahren sie dann im Urlaub rund um die Welt? In New York finden sie dann China Town cool, aber hier hat es angeblich nichts verloren.“

Urbane Spurensuche Markus Hanzer ist Autor des Buches „Krieg der Zeichen. Spurenlesen im urbanen Raum . Der Mitbegründer der PR-Agentur Mira4 erklärte SKILLS die Zeichenwelt der Stadt. Interview: Jutta Sommerbauer

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stadtleben


Welche Zeichen einen Graffiti-Künstler reizen

Jene Typen, die einfach an jede Ecke ihre Tags setzen, finde ich öd. Aber wenn mich jemand mit einem coolen Style oder auch einer ausgefallenen Location überrascht, dann bekomme ich auch wieder Lust, das Risiko einzugehen und packe meine Spraydosen zusammen und ziehe raus in die Nacht. Die Stadt gehört uns allen.“

Fotos: sammlung markus hanzer

Sie haben Ihrem Buch den Titel „Krieg der Zeichen“ gegeben. Warum so kriegerisch? Viele Designer wollen nicht die Verantwortung für ihre Produkte übernehmen, nach dem Motto: Ich entwerfe etwas, aber die Auswirkungen betreffen mich nicht mehr. Aber es ist nicht harmlos, ein Zeichen zu setzen, denn man will damit etwas bewirken. In Ihrem Buch schreiben Sie, dass wir selten bewusst die Zeichensprache der Stadt – etwa Werbung, Schilder, Graffitis, die Architektur im Allgemeinen – wahrnehmen, wenn wir durch die Straßen gehen. Das ist ein bisschen schwieriger. Wir schauen schon. Wobei es Menschen gibt, die tapsen durchs Leben und man wundert sich, wie sie so lange überleben. Und dann gibt es die Vorsichtigen, die immer schauen, ob sie bedroht werden und sensibel das Stadtbild registrieren. Aber es sind einfach zu viele Zeichen, um sie eindeutig zu dechiffrieren. Wobei: Wien ist aus meiner Sicht noch einmal eine relativ harmlose Stadt, wenn man mal von der Architektur absieht - Berlin oder New York sind da viel radikaler. Dort gibt es kaum einen Quadratzentimeter, wo nicht irgendein Zeichen steht. Also muss ich einen relativ selektiven Blick entwickeln.

Wovor sich Radfahrer fürchten müssen Würden Fahrstraßen so abrupt abbrechen wie Radwege – nicht auszudenken. Noch überraschender springen uns Radfahrern jedoch ständig Hunde oder Passanten vors Rad, abgesehen von jenen Autofahrern, die weder beim Abbiegen, noch beim Öffnen ihrer Autotüren ein Auge für uns haben. So viele Schilder, wie mögliche Gefahren auf uns lauern, lassen sich nicht montieren.“

Jeder sieht also nur bestimmte Dinge? Jeder, der durch die Stadt geht, sieht sie vollkommen anders; jede Interessenslage sucht nach ihren Zeichen. Und natürlich ärgern mich alle Zeichen, die mein Weltbild irgendwie in Frage stellen oder zeigen, dass es noch andere gibt: Ein Minarett ist für Katholiken eine Katastrophe. Worauf schauen Sie auf Reisen? Das ist natürlich krankhaft. Ich gebe die Kamera nie aus der Hand. Ich bin froh, eine Frau zu haben, die das toleriert. Außerdem gehe ich wahnsinnig viel, versuche keine U-Bahn zu nehmen. Ich habe hunderte von Kilometern in Städten zurückgelegt. Das Schöne ist ja: Man hat die Stadt vor sich mit den Menschen dazu und kann beobachten, wie die beiden interagieren. Veränderung ist ein guter Indikator: Wie lange bleibt etwas an einem Ort bestehen? Es ist wichtig, Städte immer wieder zu besuchen. Sie haben Wien angesprochen. Wodurch zeichnet sich Wien in seiner Zeichensprache aus? Wien hat trotz des Zweiten Weltkriegs das Glück, dass es eine breite architektonische Sprache spricht. Deutsche Städte sind oft viel monotoner, da wurde viel weggebombt, stadtleben

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Im Buch geht es in einem Abschnitt im engeren Sinn um Hinweisschilder. Gibt es Tafeln, die Sie ratlos zurückgelassen haben? Einen Großteil der Zeichen versteht man nicht. Oft ist nicht klar, wann was verboten ist; manche Dinge werden massenhaft angezeigt, andere überhaupt nicht. Und es kommt darauf an, ob man sich dran hält: Die Schilder gegen Hundekot in Wien sind vollkommen wirkungslos. Wie muss ein Schild aussehen, damit es wirkt? Eine Sache ist: Wie groß ist die Gefahr, die mit der Nichtbeachtung verbunden ist. Das muss gar nicht die staatliche Autorität sein – im ländlichen Amerika haben ja alle Waffen zu Hause. Auch der persönliche Ärger spielt eine Rolle: Stehe ich mit dem Auto vor einer Hauseinfahrt, dann muss man – in Wien zumindest – mit einem abgebrochenen Seitenspiegel oder einer Schramme rechnen. Gerade bei einem handgeschriebenen Zettel muss ich möglicherweise mit einem persönlichen Konflikt rechnen!

FoTo: KySELAK ProJEKT

amerikanische Städte sind sowieso nicht so alt. Wien erzählt allein durch die Architektur schon irrsinnig viel. Allerdings: Als ich nach Wien kam waren die Straßen tot, es gab keine Straßencafes, man ist wenig flaniert. Am Wochenende war es, als wäre eine Atombombe eingeschlagen. Im Allgemeinen habe ich das Gefühl, dass wir den Zustrom der Nichtwiener gut integriert haben, es gibt kaum Ausländerviertel. Und es fällt nicht mal auf, dass gegenüber vom Stephansdom das eigenartige Haas-Haus steht. Irgendwie absorbieren alle anderen Bauten das. Wien ist von der Zeichenwirklichkeit eine monarchistische Stadt.

Who the fuck was … Kyselak? Wegmarken einer Fußreise: Wie sich ein junger Wanderer 1825 mit Grafittis an besonders schönen Plätzen Österreichs, Südtirols, Sloweniens und Bayerns verewigte. Ein Buch-Tipp. Text: Jutta Sommerbauer

Eine bestimmte Zeichensprache verschwindet seit ein paar Jahren aus den Städten: Telefonzellen, Briefkästen, Kinos. Wird der öffentliche Raum ärmer? Als das Bürgertum begonnen hat, die Demokratie zu errichten, da war es wichtig, dass man allgegenwärtige Zeichen gesetzt hat – Institutionen, die allen nützen. Das waren öffentliche Verkehrsbetriebe, die Post, Telefone, Schulen. Privatisieren mag eine nette Sache sein, aber es bleiben dann irgendwann mal keine Zeichen die ausdrücken, dass es so etwas wie eine uneigennützige Gemeinschaft gibt. Wenn wir ausschließlich von leistungsorientierten, privaten Zeichen umgeben sind, dann spüren wir plötzlich, dass wir vereinzelte Menschen sind. ←

Wer heute durch die Wiener Schwarzenbergallee in der Nähe der Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 43 geht, der kann an einem der beiden Obelisken, die den Beginn des Parks kennzeichnen, eine Aufschrift sehen: Kyselak steht dort, in schwarzen Buchstaben auf den weißen Stein gemalt. Was ist das? Ein Name, ein Codewort, ein Logo, ein Tag? Es ist eine Wegmarke, die der junge Wanderer Joseph Kyselak auf seinen Streifzügen hinterließ, Fußwanderungen, die ihn im Jahre 1825 auf eine viermonatige Fußreise durch das heutige Österreich, nach Südtirol, Slowenien und Bayern führten. An besonders schönen Plätzen – bevorzugt Ruinen, Burgen und Denkmälern – pflegte der Mittzwanziger seinen Namen zu hinterlassen: In schwarzer Ölfarbe. Karikaturen seiner Zeit zeigen einen jungen Mann mit Zylinder und Frack, der sich waghalsig von einem Felsen abseilt, in der Hand Pinsel und Farbtöpfchen. 18 dieser Aufschriften sind bis heute noch erhalten. Sein 1829 erschienenes Buch, in dem er seinen Fußmarsch dokumentierte, wurde vor kurzem im Verlag Jung und Jung wiederaufgelegt: Darin beschreibt Kyselak die Stationen seiner Reise und erzählt – durchaus amüsant – von seinen abenteuerlichen Erlebnissen als „Backpacker“. Eine Einladung, sich selbst auf Spurensuche zu begeben. ←

www.stadtgespraeche.com

Kyselak: Skizzen einer Fußreise durch Österreich, 480 Seiten, Verlag Jung und Jung, 29,90 Euro.

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Zelten und Biwakieren im Alpenbogen und Skandinavien – ein Streifzug durch den Gesetzesdschungel Für viele Wanderer macht erst das Zelten ein richtiges Berg- und Naturerlebnis aus. Doch Vorsicht ist geboten: Im Gegensatz zu den skandinavischen Ländern sind die Gesetze in den Alpenländern mitunter streng, kompliziert und häufig schwer durchschaubar. Nicht selten begibt man sich deshalb auf illegale Pfade. Text: Josef Essl

„Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“ Das Sprichwort wird oft gehört – und oft nicht beachtet. Wer einen Zelturlaub in den Bergen und Wäldern plant, sollte sich jedoch im jeweiligen Land genau über die rechtliche Situation informieren. Sonst besteht die Gefahr, unweigerlich mit dem 42

OUTDOOR / RECHT

Gesetz und insbesondere mit anderen Naturnutzern (etwa Jagd, Forst, Naturschutz) in Konflikt zu geraten. Sich darauf zu verlassen, dass man beim Zelten oder Lagern schon unentdeckt bleibt, davon ist abzuraten. Illegal beim Zelten erwischt zu werden, kann zu einer Anzeige mit empfindlichen Geldstrafen führen. Folgende Gründe können für die durchwegs strenge Gesetzeslage in Betracht gezogen werden:

→ Dichtes Schutzhüttennetz, Biwakschachteln und Unterstandshütten (insbesondere in Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien) → Unterschiedliche Nutzungsinteressen (Jagd, Forst, Landwirtschaft, Naturschutz, …) → Grundeigentum → Schutzgebiete (z.B. Sonderschutzgebiete, Nationalparks, Naturschutzgebiete, Natura 2000-Gebiete, etc.) → Lärm → Waldbrandgefahr durch offenes Feuer → illegale Müllentsorgung

Insbesondere die letztgenannten Punkte stellen seit geraumer Zeit ein zunehmendes Problem dar. Eigentlich sollte man meinen, dass es selbstverständlich ist, seinen Müll wieder mit ins Tal zu nehmen und ordnungsgemäß zu entsorgen. Doch die Realität sieht mancherorts anders aus. In einigen Berggebieten fanden Aufsichtsorgane bei illegalen Zeltplätzen nicht nur vermehrt Brandstellen, sondern auch nicht verrottbaren (Sonder-)Müll wie Dosen, Batterien, Flaschen und Plastikverpackungen.

Fotos: anders gjengedal / innovation norway, thomas weber

Es ist wohl ein Traum vieler Naturbegeisterter, draußen in den Wäldern und Bergen die Nacht in einem Zelt zu verbringen und dabei einen Hauch von Wildnis und Freiheit zu spüren. Gedanklich schweift man da schnell zu den kanadischen Weiten. Und obwohl Österreich, Deutschland, Italien oder die Schweiz über ein durchaus dichtes und weit verzweigtes Schutzhüttennetz verfügen, können und wollen sich auch in den Alpenländern viele Wanderer und Bergsteiger mit einem Hüttenleben nicht anfreunden. Gerade jüngere Menschen wollen unabhängig sein, selber ihre Suppe kochen. Eine Nacht in völliger Stille und Einsamkeit zu verbringen ist reizvoller als das Bettenlager mit stickiger Luft und Geschnarche. Auch das liebe Geld spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Doch dass Wander- und Bergtouren immer häufiger mit Zelt und Biwak unternommen werden, stößt nicht überall auf Verständnis. Die Alpenländer inmitten Europas verfügen nicht über weitläufige und ausgedehnte Wildnisgebiete wie wir sie von Kanada oder auch von Skandinavien her kennen. In den allermeisten Fällen kennzeichnet diese eine Kleinräumigkeit, in denen zahlreiche unterschiedliche Nutzungen – wie etwa die Jagd-, Forst- und Landwirtschaft, der Naturschutz und der Tourismus – stattfinden. Auch das private Grundeigentum spielt in unseren Breiten eine gewichtige Rolle.


Es gibt allerdings durchaus auch gesetzlich vorgesehene – und damit legale – Möglichkeiten, sein Zelt unter freien Himmel aufzustellen. Im Folgenden ein Versuch, etwas Licht in den oft mals undurchsichtigen Gesetzesdschungel einiger mitteleuropäischer Staaten zu bringen:

Österreich Seit 2001 hält in Tirol das Tiroler Campinggesetz fest, dass außerhalb ausgewiesener Campingplätze das Campieren (= Zelten) gänzlich untersagt ist. Davon ausgenommen ist das Biwakieren im hochalpinen Gelände. In Kärnten ist in der freien Landschaft sowie außerhalb von behördlich bewilligten Campingplätzen das Zelten nach dem Kärntner Naturschutzgesetz untersagt. Davon ausgenommen ist das alpine Biwakieren. Zelten ist in Salzburg nicht grundsätzlich verboten, jedoch bedarf es nach der Landschaftsschutzverordnung 1995 in Landschaftsschutzgebieten einer naturschutzrechtlichen Genehmigung. In Niederösterreich ist nach dem Niederösterreichischen Naturschutzgesetz 2000 bzw. nach den Bestimmungen des Niederösterreichischen Campingplatzgesetzes 1999 das Zelten im Grünland außerhalb genehmigter Campingplätze untersagt. Im Burgenland wird das Zelten über das Camping- und Mobilheimplatzgesetz (1982) geregelt. Ein Zeltlager ab einer Gruppengröße von 10 Personen ist der Behörde zu melden. In Vorarlberg ist zwar nicht das Zelten, jedoch das Lagern und alpine Biwakieren im Ödland durch das Vorarlberger Straßengesetz 1969 gedeckt. Zudem kann der Bürgermeister einer Gemeinde außerhalb von Campingplätzen das Zelten nach dem Vorarlberger Campingplatzgesetz 2005 untersagen. In Oberösterreich ist nach dem Oberösterreichischen Tourismusgesetz, im Sinne der Gemeinverträglichkeit, das Lagern und Zelten im Ödland gestattet. Ähnlich auch in der Steiermark, wo nach dem Steiermärkischen Landesgesetz über die Wegefreiheit im Bergland das Lagern und Zelten im Ödland erlaubt ist. ←

© 2008 Cascade Designs, Inc.

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Österreich – Zelten und Lagern im Waldbereich

Der Waldbereich gilt nach dem Österreichischen Forstgesetz aus dem Jahre 1975 für das Zelten rechtlich als Tabuzone. Lagern bei Dunkelheit und Zelten darf ausschließlich nur mit Zustimmung des Grundeigentümers erfolgen.

Deutschland

In Deutschland ist, wie auch in Österreich, das Thema »Zelten« sehr diffizil zu behandeln. Zelten in der freien Landschaft ist zwar in keinem deutschen Bundesland verboten, dennoch ist außerhalb behördlich genehmigter Zelt- und Campingplätze die Genehmigung des Grundeigentümers einzuholen. So schreibt dies u.a. das Bayerische Naturschutzgesetz vor. Für das Zelten im Wald gilt nach dem Forst- und Waldgesetz, welches Ländersache ist, in Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ein explizites Zeltverbot.

Italien / Südtirol

Das Campieren wird in Italien von den Kommunen geregelt. In Südtirol ist das Lagern mit Zelten insbesondere in den Naturparks, Nationalparks und sonstigen Schutzgebieten verboten. Eine Ausnahme bildet dabei das hochalpine Biwakieren.

Schweiz

Wie auch in den nordischen Ländern gilt in der Schweiz grundsätzlich das Jedermannsrecht. Dies besagt, dass außerhalb von Schutzgebieten und ohne behördliche Verbote ein rücksichtsvolles Campieren oder Biwakieren im Gebirge oberhalb der Waldgrenze in der Regel unproblematisch ist, wenn es sich um eine einzige Übernachtung mit einer kleinen Anzahl von Personen handelt. In den eidgenössischen Jagdbanngebieten (= Wildschutzgebiete) sowie in den meisten Schutzgebieten ist das Campieren explizit verboten. In den Schutzgebieten weisen grüne Tafeln an den Zugangswegen auf das Zeltverbot hin.

Skandinavische Länder (Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark)

Das Jedermannsrecht gilt in den skandinavischen Ländern als eine uralte Tradition. Obwohl es nur in Norwegen seit dem Jahre 1957 gesetzlich festgeschrieben ist, hat es seine Gültigkeit auch in Finnland und Schweden. Es erlaubt jedem das Zelten für ein bis zwei Nächte auf unkultiviertem Land. Bei einem zu geringen Abstand zu den Wohnhäusern (mindestens 150 m in Norwegen) ist die Erlaubnis des Grundbesitzers einzuholen. In dünn besiedelten Regionen besteht hingegen auch die Möglichkeit, an einem Platz mehrere Nächte zu campieren. Aber auch beim Jedermannsrecht gibt es in Naturschutzgebieten und militärischen Sperrgebieten Einschränkungen, die u.a. in den Naturschutzgesetzen oder auch im Strafgesetz verankert sind. In Dänemark gibt es offiziell kein Jedermannsrecht, jedoch wurden in den letzten Jahren in einigen Regionen die Regelungen des Jedermannsrecht von den nördlichen Nachbarn übernommen.

In den Alpen verbindet man das Biwakieren zumeist mit einem bestimmten Anlassfall (z.B. Notfall), in welchem es aufgrund von Schlechtwettereinbrüchen, Dunkelheit oder Verletzungen notwendig ist, eine Nacht am Berg zu verbringen. Deshalb ist auch das (hoch)alpine Biwakieren oberhalb der Waldgrenze von den Verboten ausgenommen.

Schutzgebiete und Zelten

Schutzgebiete stehen in der Wunschliste von Zeltübernachtungen zumeist ganz oben. Kein Wunder, denn gerade diese Gebiete vermitteln ob ihrer eindrucksvollen Naturausstattung und Unerschlossenheit sehr viel an Wildnis. Doch die gesetzlichen Regelungen in den Nationalparks, Sonderschutzgebieten, Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten, Ruhegebieten, usw. sind in Bezug auf das Zelten sehr streng. Ist ein Zelturlaub in einem Schutzgebiet geplant, sollte deshalb vor Antritt in den jeweiligen Ländern / Kantonen / Kommunen die genaue gesetzliche Regelung recherchiert werden, um nicht vor Ort eine böse Überraschung zu erleben.

Resümee

Zurück zur Natur mit Zelt und Rucksack und abseits von Wanderströmen und überfüllten Schutzhütten scheint immer mehr die Devise für viele Wander- und Bergbegeisterte zu sein. Mit Ausnahme der skandinavischen Länder, wo mit dem Jedermannsrecht eine durchwegs einheitliche Regelung gilt, zeigt hingegen die durchwegs unterschiedliche und mitunter auch restriktive Gesetzeslage in den mitteleuropäischen Ländern auf, dass ein Zelturlaub in den Wäldern und Bergen einer genauen und behutsamen Planung bedarf. Ungebrochen ob dieser im Alpenbogen durchaus strengen gesetzlichen Regelung, scheint der 44

outdoor / RECHT

Trend zum Zelten von Jahr zu Jahr mehr Anhänger zu finden. Hier wäre es durchaus sinnvoll, in ausgewählten Gebirgsgruppen einige Wandermöglichkeiten mit ausgewiesenen Zeltplätzen, fix eingerichteten Feuerstellen und einem Holzlager anzubieten, die auch regelmäßig bewartet und beaufsichtigt werden. Damit könnte man das ungeordnete und ungesetzliche Zelten in geordnete Bahnen lenken und die Zelturlauber müssten sich nicht in die hintersten Winkel und damit auch in durchaus sensible Gebiete begeben, um unentdeckt zu bleiben.

Fotos: innovation norway / anders gjengedal / C.H., henrik trygg, w. koch, j. essl, martin bjornwall

Biwakieren


Ab hier: Wald. „Schrecklich sind die Phrasen vom Entwurzeltsein, als ob der Mensch eine Esche wäre. Vielmehr ist er das Wesen, das in unendlich vielen Böden Wurzeln schlagen kann. Ich blicke die Jahrzehnte entlang: ich gehörte zu vielerlei Steinen, Bäumen, Menschen und Gemeinschaften und zu manchen auch nicht. Das einzige, wozu ich ganz und gar gehöre, ist die Menschheit, weil sie per definitionem mich einschließt.“

Fotos: öfb archiv

Ludwig Marcuse, „Mein zwanzigstes Jahrhundert. Auf dem Weg zu einer Autobiographie“, München 1960 (Im Bild zu sehen ist natürlich dennoch keine Esche, sondern eine Lärche.) Mehr zu diesem Lebensbaum auf der folgenden Seite. Der 136 Seiten umfassende „Waldbericht 2008“ des Landwirtschaftsministeriums steht unter forst.lebensministerium.at als PDF zum Download bereit. Kindgerecht aufbereitetes Wissen, wie man sich im Wald richtig verhält, bietet „Der kleine Wald-Elmayer“, verfasst von Thomas Schäfer-Elmayer, illustriert von Friederike Großekettler und erschienen im Wiener Annette Betz Verlag. Euro 12,95 interview wald

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Macht in unseren Breiten dem Flachwurzler Fichte Konkurrenz: die europäische Lärche. Im Winter ist sie – als einziger Nadelbaum – komplett kahl.

Text: Jutta Sommerbauer

mehr als nur ein baum im wald Die Lärche wird in den heimischen Wäldern immer beliebter. Aus gutem Grund: Mit ihrem starken Wurzelsystem gilt sie als besonders sturmfest und mit ihrer dicken Borke schützt die Lärche außerdem vor Steinschlag. Larix decidua heißt der Baum der Zukunft. Wie bitte? Welches Gewächs? Es ist die europäische Lärche, von der hier die Rede ist. Vier Millionen Jungbäume werden dieses Jahr in den Wäldern der Österreichischen Bundesforste gepflanzt. Dabei nimmt die Lärche ein ganzes Drittel unter den verschiedenen Baumarten ein. Insbesondere beim Thema Schutzwald spielt die Lärche eine wichtige Rolle. Der Schutzwaldanteil beträgt in Österreich 776.000 Hektar, das sind 19 Prozent der gesamten Waldfläche (und immerhin 29 Prozent der Waldfläche im Besitz der Österreichischen Bundesforste). Schutzwälder sollen vor Lawinenabgängen, Muren, Erdrutschen und Bodenerosion schützen. In Schutzwäldern ist die Lärche deshalb so beliebt, weil sie als sturmfest gilt - und damit macht sie der Fichte, dem häufigsten Baum in den heimischen Wäldern, immer mehr Konkurrenz. Denn anders als der Flachwurzler Fichte hält sie mit ihrem starken Wurzelsystem extremen Windböen viel besser Stand. Nach den schweren Sturmschäden in den Jahren 2007 und 2008 durch Ereignisse wie Kyrill, Paula und Emma setzt man daher insbesondere auf die Lärche. Wegen ihrer charakteristischen schuppigen, graubraunen Borke schützt sie außerdem gut vor einer anderen Naturgefahr, dem Steinschlag. Und: Da sie in hohen Lagen wächst - sie hält Temperaturen bis unter 30 Grad Minus aus -, ist sie auch für den alpinen Raum geeignet. Bleibt vermutlich noch eine Frage: Wie sieht Larix decidua nun eigentlich aus? Die Lärche ist ein Nadelbaum und gehört zur Gattung der Kieferngewächse, und bei einem Spaziergang im Wald erkennt man sie außer an ihren kurzen, büscheligen Nadeln – welche sie im Winter als einziger Nadelbaum abwirft – auch an den charakteristischen Blüten (zwischen März und Mai): Die weiblichen sind rosabis lilafarbenen, schwefelgelb die männlichen; und beide wachsen sie nebeneinander auf einem Baum. ← 46

LärCHE


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Spaßfaktor Labyrinth Der Reiz der Spurensuche und der Nervenkitzel sich zu verirren übt seit jeher eine besondere Anziehungskraft aus. Text: Wolfgang Smejkal

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do it yourself

Die gruselige Sage vom Labyrinth des Minotaurus, in dem jeder, der nicht rechtzeitig seinen Weg hinaus fand, vom Untier verschlungen wurde, dient auch in der modernen Unterhaltungswelt als Vorlage für Spannung und Abenteuer: So muss etwa Harry Potter unheimliche Aufgaben in einem verzauberten Labyrinth lösen, PacMan Punkte in einem Labyrinth fressen, während er von Geistern verfolgt wird, und neue Action-Labyrinthe wie die Super-Mario-World mit ihren unzähligen Glas- und Spiegelkabinetten sind wieder Publikumsmagnet in den Vergnügungsparks. Auch findige Landwirte haben diesen Trend als sommerliche Einnahmequelle entdeckt: Sie schneiden aus Maisfeldern Labyrinthe mit verwinkelten Gängen, Abzweigungen und Sackgassen, in denen die Besucher mit der schaurigen Lust herumirren, nicht zu wissen, was sie hinter der nächsten Ecke erwartet. Wenn man heute von einem „Labyrinth“ spricht, meint man meist jede Art von verwirrendem Wegesystem, bei denen der Pfad hinein, hinaus oder hindurch zu einem Rätsel wird. Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Labyrinth und Irrgarten: In einem Irrgarten existiert nicht nur ein Weg zur Mitte, sondern es gibt viele Abzweigungen, bei denen man sich für links oder rechts entscheiden muss. Ein Labyrinth ist aber das genaue Gegenteil: Man geht hinein und hinaus, ohne sich überhaupt verirren zu können. Es hat keine Kreuzungen oder Sackgassen, der Weg führt spiralartig zwangsläufig ins Zentrum und von dort wieder hinaus. Um den eigentlichen Sinn eines Labyrinths zu erfahren, muss man es also begehen. Das Labyrinth ist eines der ältesten Symbole der Menschheit: Man entdeckte es auf indianischen Felszeichnungen, ägyptischen Tonkrügen, griechischen Silbermünzen und römischen Mosaikböden – die ältesten der Funde sind ca. 5.000 Jahre alt. Sein Ursprung wird im Tanz ver-


mutet. Ein Labyrinth wurde mit Sand auf den Boden gezeichnet oder aus Steinen gelegt, um dann rhythmisch durchschritten zu werden. Später, im Mittelalter, wurde das Labyrinth auf Fußböden von Kirchen dargestellt und mit Andacht zur Meditation begangen. Irrgärten mit Spaßfaktor, wie wir sie heute kennen, wurden erst ab dem 17. Jahrhundert in den europäischen Schlossgärten und Parks aus Hecken angelegt und waren in der Barock- und Rokokozeit besonders in Mode. Damals nutzte die höfische Gesellschaft die Irrgärten zur Unterhaltung, für Schnitzeljagden oder als heimlichen Treff punkt für Verliebte. Was früher dem Adel zum Lustwandeln vorbehalten war, ist heute für jedermann zugänglich. Der berühmteste und größte erhaltene HeckenIrrgarten Europas liegt im Park von Hampton Court in Südwest-England und zieht jährlich eine halbe Million Besucher an. Auch der Irrgarten im Schlosspark Schönbrunn ist seit zehn Jahren wieder geöff net: Das Original wurde um 1720 angelegt und bis 1892 schrittweise stillgelegt. Die aufwendige Pflege war ein wesentlicher Grund dafür – immerhin sind hunderte Meter Hecken mehr-

FoTo: SCHÖnBrUnn

mals pro Jahr gerade zu schneiden. 1999 wurde er nach historischem Vorbild aus blickdichten Eibenhecken auf einer Gesamtfläche von 1.700 m 2 wiedereröff net. Im Zentrum befi ndet sich eine Aussichtsplattform, von der aus man schon mal einem Verirrten einen hilfreichen Wink geben kann. Das ebenfalls nach historischen Plänen wieder hergestellte Labyrinth mit Wasserbecken und Spielelementen lädt auf weiteren 2.700 m 2 zum Entdecken ein. Ob im Labyrinth, das nur mit einem einzigen verschlungenen Weg zum Ziel führt, oder im Irrgarten, wo der Weg durch viele Abzweigungen und Kreuzwege hindurch gefunden werden muss: Spurensuche und Verfolgung waren damals wie heute ein schöner Zeitvertreib. ← Ein Besuch im Irrgarten in Schönbrunn ist 2010 von 27. März bis 2. November möglich. Öff nungszeiten: März–Juni: 9–18 Uhr; Juli–Aug: 9–19 Uhr; September 9–18 Uhr; Oktober–2. November: 9–17 Uhr

Labyrinth zum Selbstbau 01.

Größe und Form bestimmen: Wie lange soll der Weg im Labyrinth sein? Ein Labyrinth, das von mehreren Personen gleichzeitig begangen werden kann, nimmt viel Platz ein. In der Regel sind 5 bis 7 Umgänge am besten. Für jeden Umgang wird ungefähr ein Meter gebraucht, für die Mitte mindestens zwei. Ein Labyrinth mit 5 Umgängen = (5 × 1 m) + (2 m) + (5 × 1 m) = 12 m Durchmesser.

02.

Grundriß anlegen: Für alle Labyrinthe gilt: sie haben eine Mitte. Wenn man den passenden Ort gefunden hat, legt man den Mittelpunkt fest, indem man einen Stock oder Nagel einschlägt. Daran wird eine Schnur (ca. 6 m) gebunden, in die man in den geplanten Abständen der Umwege jeweils einen Knoten knüpft. Nun verwendet man die Schnur als Zirkel und geht einmal den äußersten Kreis ab, um die Ausdehnung des Labyrinths zu defi nieren. Von außen nach innen gehend werden jetzt die Knotenabstände in konzentrischen Kreisen mit einem Nagel oder Schraubenzieher am Boden markiert.

03.

Material: Um die Wege zu begrenzen, kann man sich je nach individuellen Gestaltungsplänen und Budget für verschiedene Materialien entscheiden. Will man sein Labyrinth dauerhaft anlegen, eignen sich dafür HainbuchenSetzlinge aus der Gärtnerei ebenso wie größere Steine, die man auft ürmt. Für ein Labyrinth, das nur für kurze Dauer vorgesehen ist, bieten sich kostengünstigere Möglichkeiten: Schnee ermöglicht eine einfache und billige Art, ein Labyrinth zu bauen. Alles was man dazu braucht, ist ein wenig Geschick, die Bögen und Wendungen des Labyrinths so auszutreten, dass sie einigermaßen rund sind. Bei einem Kerzenlabyrinth spielt natürlich die zur Verfügung stehende Anzahl der Kerzen eine große Rolle. Dafür eignen sich z.B. Teelichter in Joghurtbechern. Im Sommer kann man Labyrinthe aus der Grasnarbe stechen, mit Sand aufstreuen oder mit Ästen auslegen.

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Hรถchste Kochkunst Text & Rezepte: Bernie Rieder Fotos: Karin Wasner

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kochen im baum


Bodenständiges im Baum. Der Abenteurer und Haubenkoch Bernie Rieder bereitet für SKILLS im Blätterdach einer uralten Eiche ein Steinpilzgröstl zu. Außerdem erklärt er, warum die Birke nicht nur gut brennt, sondern auch als „Nudelholz taugt.

Survival mit Stil

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Steinpilzgröstl im Baum (für 2 Personen) 01.

4–6 Stück ungeschälte Erdäpfel hat man am besten schon am Vortag gekocht (Die Schale immer kontrollieren – grüne Stellen oder zu große Augen bereiten Bauchschmerzen ). Jetzt werden sie einfach geschält.

02.

Nun eine Handvoll Steinpilze putzen. Dabei gilt: Steinpilze nie waschen! Sie sind Schwammpilze und würden sich mit Wasser ansaugen. Sie zu rösten wäre dann nicht mehr möglich. Am besten putzt man sie, indem man den Stiel mit einem Messer fein abkratzt und die Kappe mit einem leicht befeuchteten Tuch abputzt.

03.

Sonst brauchen wir noch: 4 Jungzwiebel, etwas frischen Petersilie, ein wenig Majoran (oder alternativ: Thymian), 2 Eier, 2 Knoblauchzehen.

04.

Die Zubereitung ist denkbar einfach: Einen Topf heiss werden lassen, etwas Öl dazugeben, die halbierten Erdäpfel schön goldbraun rösten, die geschnittenen Steinpilze mitrösten – bis sie ebenfalls Farbe genommen haben. Die Zwiebel und der kleingeschnittene Knoblauch werden nur ganz kurz mitgeröstet.

05.

Nun kommen die gehackten Kräuter in die Pfanne.

06.

Die Eier werden in die Pfanne geschlagen. Salz und Pfeffer nach Belieben – Mahlzeit!

Tipp:

Etwas Speck rundet das Steinpilzgröstl deftig ab. Kreative verfeinern es mit ein paar Apfelspalten.

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Steinpilze werden nicht gewaschen, sondern fein säuberlich mit dem Messer geputzt. Gewaschen würden die Pilze Wasser aufnehmen und könnten nicht mehr geröstet werden.

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Wurde nicht gegessen oder verletzt und musste nicht einmal ihren Schwanz opfern: die neugierige Eidechse. Nicht im Bild: die während dem Kochen und Fotografieren in der Baumkrone angelockten Rehe, die sich über die liegen gebliebenen Steinpilzreste hermachten.

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BirkenrindenSpaghetti

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In der Not frisst der Pfadfinder Birkenrinde. Dünn in Nudelform geschnitten schmecken die Holz-Spaghetti vorzüglich. Weshalb wir diese dennoch nur ausnahmsweise servieren? Ganz einfach: wer Bäume schält, verletzt sie. Eine kulinarische Kulturgeschichte. → Der Birkenbaum ist für uns Köche ein hoch interessantes Gewächs. Die hellen Blätter kann man für einen Salat verwenden – sie schmecken leicht nussig. Verwendet werden auch die Blätter, die Blattknospen und der Birkensaft (der sich durch Anzapfen gewinnen lässt). Sammelzeit für Blattknospen ist März, für Birkensaft März bis Mai und für Blätter Mai bis Juni. → Die Birke als Symbol der Fruchtbarkeit galt früher als Helfer in Liebesnöten. Dieser Verwendungszweck ist heute fast vergessen. Ihre Zweige, Rinde und die Blätter mussten für allerlei obskure Mittel und Bräuche herhalten, von denen man sich eine Besserung in sexuellen Nöten erhoffte. → Heute hilft uns die Birke in der Naturkosmetik. Birkensaft soll gut gegen Haarausfall sein. Da der Saft zuckerhaltig ist, lässt er sich in vergorener Form als Birkenwein genießen – in Russland immer noch ein beliebter bäuerlicher Rauschtrunk. → Die Zubereitung ist denkbar einfach: Einen Topf heiss werden lassen, etwas Öl dazugeben, die halbierten Erdäpfel schön goldbraun rösten, die geschnittenen Steinpilze mitrösten – bis sie ebenfalls Farbe genommen haben. Die Zwiebel und der kleingeschnittene Knoblauch werden nur ganz kurz mitgeröstet.

Die Birkenrinde eignet sich nicht nur zum Feuermachen, sie ist auch zum Verzehr geeignet. Als „Trägermedium“ und Nudelersatz.

→ Der obere Teil der in zwei Schichten aufgebauten Rinde wird zur Herstellung von Birkenteer und Birkenöl verwendet. Der untere Teil ist essbar und kann wie Spaghetti zubereitet werden: Wenn man die Rinde vom Baum gelöst hat, lässt sich diese ganz leicht in Nudelform bringen, in Salzwasser kochen und wie Spaghetti weiterverwenden. Sehr gut schmeckt sie dann beispielsweise mit gehaltvollem Pesto oder gerösteten Steinpilzen. kochen im baum

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Ein grünes Paradies

für Kinder- und Jugendlager Drei Häuser und der 50.000 Quadratmeter große Zeltplatz sind das ideale Nest für kleine und große Gruppen – für verspielte Kinder genauso wie für unternehmungslustige Jugendliche.

Die weidenumwucherten Mäander der Dürren Ager und Wälder, in denen noch die letzten Reste der keltischen Kultur zu finden sind, machen die Ferientage zu echten Abenteuern. Ein Highlight des Lagers kann ein Tag im eigenen Hochseilgarten High Kix sein. Das Scout Camp Austria ist Treffpunkt für PfadfinderInnen aus der ganzen Welt.

www.scoutcampaustria.at office@scoutcampaustria.at ✆ 0 732 / 66 42 45

Zentrum der  Oberösterreichischen Pfadfinder und Pfadfinderinnen Eggenberg / Berg im Attergau

schueler.at

Das Scout Camp Austria liegt inmitten eines wunderschönen Naturlandstrichs vor den Bergen und Seen des Salzkammerguts. Ein echtes Abenteuerparadies, nur wenige Kilometer vom Attersee entfernt.


Zur Person Bernie Rieder, 34, Haubenkoch, Abenteurer und leidenschaftlicher Burgenländer Seine Fingerfertigkeit sorgte 2007 für Begeisterung. Mit bloßen Händen fing Bernie Rieder damals für die erste Ausgabe von SKILLS Forellen aus dem Bach. Selbst ein Fischereiaufseher schickte einen Leserbrief – in dem er 1) darauf hinwies, dass es nicht legal wäre, Fische mit Händen oder gar, wie von Rieder ebenfalls erfolgreich demonstriert, mittels Drahtschlingen aus dem Wasser zu holen und 2) zu dieser wunderbaren Fotostrecke gratulierte. Damals war Bernie bloß Feinschmeckern ein Begriff (er kochte im mittlerweile geschlossenen Restaurant Das Turm). Mittlerweile kennt man den Burgenländern auch als ORF-Fernsehkoch (einmal bekochte er im Hauptabend sogar eine Pfadfindergruppe). Wer sich nicht darauf verlassen möchte, dem „richtigen Steppenwolf“ (Selbstbeschreibung) irgendwo in freier Wildbahn über den Weg zu laufen, kann leicht ein Zusammentreffen arrangieren. Seine Kreationen serviert er derzeit erlebniskulinarisch im Süden Wiens im Cirque à la Carte.← www.cirquealacarte.at kochen im baum

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Der Philosoph, der Wolf, der Hund und die Flöhe Mark Rowlands verbrachte elf einsame wilde Jahre mit einem Wolf und machte daraus einen Bestseller. Im Interview erklärt er, was ihn das Zusammenleben mit einem Tier über Aufrichtigkeit und Moral gelehrt hat, und worauf sich seine Argumentation über Tierrechte stützt. Interview: Michael Hafner

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ark Rowlands ist in die Jahre gekommen. Aus dem einsamen Schreiber ist ein renommierter Philosophieprofessor an der Universität Miami, Ehemann und Vater geworden. Anstelle eines Wolfs begleitet ihn heute ein Schäferhund auf seinen Joggingrunden. Der Wolf hat Rowlands berühmt gemacht. „Der Philosoph und der Wolf“ oszilliert zwischen MachoMythen vom Mann mit dem wilden Tier und akademischer Philosophie, einer Autobiographie und einer Analyse von Ethik, Kommunikation und dem Sinn des Lebens, einem lehrreichen Sachbuch und einer Tiergeschichte – ergreifender als jene von Lassie, Flipper oder Black Beauty. „Der Philosoph und der Wolf“ erzählt von elf Jahren, die Rowlands als Philosophie-Lehrer und Autor in Alabama, Irland und Frankreich in ständiger Begleitung eines Wolfs verbrachte. Während all der Jahre erscheinen Menschen nur als Randfiguren in Rowlands Leben, egal ob er Dauerparty in Alabama feiert, als Einsiedler in Irland oder als fröhlicher Junggeselle in Frankreich lebt. Rowlands erklärt die grundlegenden Themen von Moral, Sterblichkeit und menschlicher Intelligenz vor dem Hintergrund von elf gemeinsamen Jahren mit einem Wolf. Seine Grundfrage: Was können wir von der Haltung eines wilden Tiers lernen?

Im „Dschungelbuch“ des Nobelpreisträgers Rudyard Kipling, das den spielerischen Rahmen für die jüngsten Pfadfinder bildet, wächst das Menschenjunge Mogli im Wolfsrudel heran. Beim Philosophen Mark Rowlands verhielt es sich vice-versa: er nahm einen jungen Wolf auf – und lebte elf Jahre an seiner Seite.

Nachdem ich „Der Philosoph und der Wolf“ zu Ende gelesen hatte, hatte ich Tränen in den Augen und habe meinen Hund gelaust – weil ich ihm etwas Gutes tun wollte. Was können Leute, die nie ein Haustier hatten, von Deinem Buch mitnehmen? Das Buch untersucht, was es bedeutet, menschlich zu sein. Es geht vor allem um drei Punkte, die uns von anderen Geschöpfen unterscheiden sollen: Intelligenz, Moral und das Verständnis unserer eigenen Sterblichkeit. Man muss also kein Haustier besitzen, um sich dafür zu interessieren. Wir sind intelligenter als andere Tiere – zumindest in mancher Hinsicht. Das rührt daher, dass unsere AffenVorfahren andere Wege beschritten haben als andere Tiere. Unsere Intelligenz beruht auf der Fähigkeit, andere

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WOLF UND MENSCH


zu täuschen. Manipulation und Täuschung sind gewissermaßen Kernkompetenzen der menschlichen Intelligenz. Dieses Motiv wiederholt sich in meiner Diskussion von Moral: Wir glauben, dass unser moralisches Empfinden uns von anderen Tieren unterscheidet. Wir verstehen richtig und falsch – sie nicht. Unsere Moral stammt aus primitiven Verträgen – Du rammst kein Messer in meinen Rücken, ich nicht in Deinen. Es macht nur Sinn, solche Verträge mit jenen zu schliessen, die dich verletzen können. Das ist die Grundlage unserer Moral: Wer keine Macht hat, hat auch keine Rechte. Wir haben keine moralische Verpflichtung gegenüber Machtlosen. Das gleiche gilt für Täuschung. Im Vertrag ist Image alles: Wer täuschen kann, bekommt alles, ohne den Preis dafür zu zahlen. Der Vertrag belohnt in seinem Wesen Täuschung. - Es geht nicht um Moral, sondern um Macht und Täuschung. Unser Sinn für Sterblichkeit ist vielleicht der deutlichste Unterschied zwischen uns und anderen Tieren. Andere Tiere verstehen den Tod wohl nur teilweise. Wir wissen, dass, wer stirbt, nie wiederkehrt. Deshalb müssen wir uns entscheiden, wie wir leben. Wir erzählen viele Geschichten, die meisten drehen sich um Hoffnung – Hoffnung ist der Gebrauchtwagenverkäufer des menschlichen Daseins: so freundlich, so plausibel, und so unzuverlässig. Hoffnung nimmt uns die Möglichkeit eine bestimmte Art von Wert in unser Leben zu bringen. In manchen Momenten verstehen wir, dass das Leben kein Spiel ist. In diesen Momenten hat uns jede Hoffnung verlassen, wir haben nichts mehr außer unserem Trotz und unserer Verachtung. Letztlich gibt genau dieser Trotz unseren Leben Sinn: Darin sehe ich den wahren Wert unseres Lebens, nicht in Zielen oder Errungenschaften. Was sagst Du Leuten, die überzeugt sind, mit ihrem Chihuahua das gleiche zu erleben wie Du mit Deinem Wolf? Gute Frage. Für mich hat es keine Bedeutung, dass Brenin ein Wolf war. Für den Zweck des Buchs macht es wirklich keinen Unterschied. Kann man das gleiche für einen Chihuahua empfinden? – Sicher.

FotoS: rogner & bernhard

Du beschreibst Dich selbst als Misanthrop – was hat Dich verändert? Oder gehst Du nur anders damit um? Ich denke, ich wollte damals ein bisschen Abstand von den Menschen. Macht mich das zum Misanthropen? Vielleicht. Dein Leben in Frankreich und Irland, allein nur mit Arbeit und dem Wolf, klingt für einen Mann nicht unattraktiv – es hat was von einem fröhlichen Junggesellenleben. Wer hat sich um Deinen Haushalt und Deine Wäsche gekümmert? Ich habe den Haushalt allein geführt. Das mit der Wäsche hat funktioniert, der Rest weniger. Wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass ich ein kleines Haus mit drei großen, meist matschigen Hunden geteilt habe. Du argumentierst, dass Rücksicht auf Schwächere ein hoher moralischer Wert ist, den andere Tiere oft deutlicher zeigen als wir. Spielt nicht auch die Absicht eine wichtige Rolle bei der Frage nach Gut und Böse?

Um bei Tieren zu bleiben: Sie können sich nicht fragen, ob sie moralisch richtig oder falsch handeln. Damit fällt die Frage der Absicht weg. Sie sind moralische Patienten – im Gegensatz zu Agenten. Das bedeutet, sie haben Rechte, aber keine Verantwortung. Das gleiche gilt für viele Menschen – kleine Kinder sind ein offensichtliches Beispiel. Manche setzen dem entgegen, man könne keine Rechte ohne Verpflichtungen haben. Wenn sie das wirklich meinen, dann bedeutet das, kleinen Kindern Rechte abzusprechen – eine Option, die ich gewiss nicht unterstütze. Mein Hund genießt, was auch immer er macht, in vollen Zügen, ich kann das immer nur zwischendurch – bevor ich weg muss, weil ich mir gerade ein paar Minuten zwischendurch nehmen kann, oder weil wir schon lange nicht mehr gemeinsam laufen waren. Ist das Teil des Unterschiedes zwischen Wölfen und Affen, den Du beschrieben hast? Und wie gehst Du damit um? Ich denke ein Grund, warum wir Menschen so unzufrieden sind, ist dass wir so über die Zeit verteilt leben und es schwer für uns ist, den Moment zu genießen. Aber wie gesagt: Nur im Moment zu leben ist nicht menschlich – und es macht keinen Sinn, wenn wir versuchen zu sein, was wir nicht sind. Zum Schluss noch einmal zu den Flöhen: Ich töte sie absichtlich und sie sind viel kleiner und schwächer als mein Hund oder ich. Ist das moralisch verwerflich? Zwei Antworten: Erstens hast du mit der Entscheidung, einen Hund zu haben, die Pflicht übernommen, dich um deinen Hund zu kümmern. Diese Pflicht hast du gegenüber Flöhen nicht. Zweitens haben Flöhe, soweit wir wissen, keine Empfindungen. Wir können uns irren, aber vor dem Hintergrund des aktuellen Wissens über die Grundlagen des Bewusstseins ist das ein ziemlich sicherer Tipp. Deshalb können wir ganz gut argumentieren, dass Flöhe aus dem Bereich der Moral fallen. Wir haben keine moralischen Verpflichtungen gegenüber Flöhen. ← „Der Philosoph und der Wolf. Was ein wildes Tier uns lehrt“ ist, aus dem Amerikanischen von Bernd Rullkötter ins Deutsche übersetzt, im Frühjahr 2009 bei Rogner und Bernhard erschienen. Mark Rowlands blogt unter rowlands.philospot.com wolf und mensch

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„Es scheint wichtig, dass Kinder und Jugendliche mit beiden Geschlechtern als Erziehungspersonen konfrontiert werden.“

männer en masse Es gibt ihn zwar noch, den „Herrn Lehrer“, von dem frühere Generationen ganz selbstverständlich sprachen. Doch er ist im 21. Jahrhundert fast schon eine Ausnahme geworden. Denn die Geschlechterverteilung im Lehrberuf ist eine asymmetrische geworden. Viel öfter ist es heute eine „Frau Lehrerin“, welche die Kinder unterrichtet. Statistiken zeigen etwa, dass im Schuljahr 2007 / 2008 österreichweit rund 80 Prozent der Lehrpersonen an allgemein bildenden Pflichtschulen weiblichen Geschlechts waren 1. Über alle Allgemeinbildenden und Berufbildenden Schulformen hinweg waren im selben Schuljahr rund 70 Prozent der Lehrpersonen Frauen. Im Schuljahr 1923 / 24 – rund 80 Jahre früher – waren in denselben Schulen lediglich 42 Prozent des Lehrkörpers Frauen. Auch eine nähere Analyse, differenziert nach den verschiedenen Schulformen (Volksschule, Hauptschule, allgemein bildende höhere Schule, Berufsbildende mittlere und höhere Schule) belegt, dass der Frauenanteil im Lehrkörper über die Jahrzehnte seit den 1920er Jahren kontinuierlich angestiegen ist. Ebenso ist laut dem Qualifi kationsbarometer des AMS der gesamte Berufsbereich „Soziales, Erziehung und Bildung“ vom weiblichen Geschlecht dominiert. 2005 waren 70,9 % aller in jenem Berufsbereich Tätigen (er umfasst alles von Kinderbetreuung über Beratung, Therapie, Schule, Weiterbildung und Hochschule bis hin zur Seelsorge) weiblich. Die pädagogischen Berufe insgesamt werden also großteils von Frauen ausgeübt 2.

Vielfalt ist gefragt Was heißt das konkret? Nun, Kinder und Jugendliche haben

in ihren ersten Jahren außerfamiliär vor allem mit Frauen als Lehr- und Erziehungspersonen zu tun – egal ob in der Krippe, im Kindergarten oder später in der Schule 3. Ausnahme: sie stellen etwas an und werden zur übergeordneten Stelle in die Direktion zitiert, denn die ist dann schon öfter einmal männlich besetzt 4. Ohne all den – eben größtenteils – weiblichen Erziehungs- und Lehrpersonen auch nur annähernd ihre Kompetenz absprechen zu wollen (viel mehr sollte ihnen für ihr Tun die größte Anerkennung und Hochachtung ausgesprochen werden), scheint es doch wichtig, dass Kinder und Jugendliche im Heranwachsen mit beiden Geschlechtern als Erziehungs- und Lehrpersonen konfrontiert werden. Dabei geht es nicht darum, dass ein Geschlecht eine bestimmte Thematik besser oder schlechter als das andere unterrichten und lehren kann. Es geht auch nicht

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PäDAGoGIK


Positiv formuliert haben Frauen in den letzten Jahrzehnten den Lehrberuf für sich erobert.Negativ betrachtet haben Männer sich aus dem schlechter bezahlten Sozial- und Bildungsbereich verabschiedet. Realistisch gesehen: Die Pfadfinder trotzen der „Verweiblichung der Pädagogik – mit weiblichen wie männlichen Bezugspersonen. Text: Sonja Lengauer darum, anhand von männlichen und weiblichen Lehrpersonen bestimmte Geschlechterrollen, wie Frauen und Männer (angeblich) so sind, vermittelt zu bekommen. Nein, es geht darum, sich mit verschiedenen Personen, mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen, Meinungen, Haltungen, Lebensweisen und Charakterzügen auseinanderzusetzen und sich so zu bilden. Für die Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen mit sich und der Umwelt braucht es eine heterogene „Umwelt“. Diese soll von Menschen ausgemacht werden, die vielfältige Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen mitbringen und diese an die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendliche weitergeben. Bewusst und absichtlich sollen sie zur Auseinandersetzung anregen, Reibungspunkte bieten, Schlüsselreize setzen und die dadurch in Gang gebrachten Lernprozesse begleiten. Es wäre wünschenswert, wenn dies in den formal organisierten Lernprozessen – in der Schule und im Unterricht – unterschiedlichste Menschen, Männern wie Frauen gleichermaßen, tun würden. Lernen findet jedoch auch in vielen nicht formalen Kontexten wie bei den Pfadfindern statt. Dort begegnen Kinder und Jugendliche Leitern und Leiterinnen, die gemeinsam nach dem Grundprinzip der Partnerschaftlichkeit arbeiten. Dieser verpflichten sich alle Pfadfinder auf dem Weg zu dem Ziel, „junge Menschen zu […] eigenverantwortlichen Persönlichkeiten zu erziehen, die aus dem Glauben ihre Aufgabe in Familie, Beruf und Gesellschaft erfüllen.“ Vielleicht sieht dadurch ja später einmal einer der Späher, Explorer oder Rover die Erfüllung seiner Aufgabe im Lehrberuf und wird zum „Herrn Lehrer“. ← 1 Quelle: Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen und privaten Schulen 1923/24 bis 2007/08. Statistik Austria. Erstellt am: 15.12.2008. 2 bis.ams.or.at/qualibarometer/gender.php?id=80# (online am 29.09.2009) 3 Die Zahl der Familien, in denen die Kinder und Jugendlichen auch innerfamiliär hauptsächlich mit Frauen zu tun haben, bleibt hier unbeachtet. 4 Laut Nationalem Bildungsbericht Österreich 2009 (Band 1. das Schulsystem im Spiegel von Daten und Indikatoren) sind rund die Hälfte aller Schulleitungsfunktionen von Männern besetzt. Hier spiegelt sich die Überrepräsentanz der Frauen im Lehrberuf also nicht wieder. Verbandsordnung der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs. www.ppoe.at/service/pdf/verbandsordnung. pdf (online am 20.10.2009), Seite 3 pädagogik


Der Begriff „Hygiene“ stammt aus dem Griechischen und ist abgeleitet von Hygieia, der griechischen Göttin der Gesundheit. Der Siegeszug der modernen Hygiene begann im 19. Jahrhundert, die Vorschriften in Städten wurden schrittweise verschärft, Abwassersysteme und Klärgruben gebaut. Forscher erkannten im sauberen Wasser einen entscheidenden Faktor, um Seuchen zu vermeiden und Mediziner identifizierten Mikroorganismen als Verursacher von Krankheiten. Anfang des 20. Jahrhunderts setzt sich der Begriff Hygiene allmählich in den Köpfen der Menschen fest. Die Vorstellung, was als schmutzig und was als sauber zu betrachten ist, hat sich über die Jahrhunderte in verschiedenen Kulturkreisen beträchtlich gewandelt und hängt in erster Linie von den geltenden Vorstellungen von Reinheit, Schmutz und Krankheiten ab. Noch heute unterscheiden sich die Sitten zwischen den Kulturen. Körperliche wie geistige Reinheit waren dem Menschen von jeher so wichtig, dass Hygienevorschriften oft als von göttlicher Instanz vorgeschrieben galten, solche Reinheitsgebote und –rituale spielen bis heute in vielen Religionen eine große Rolle.

Vom Wert des Drecks

Allerorts lauern Keime … Mehr noch als von Hygieneregeln werden wir vom Ekel geleitet. Forscher meinen, dass uns bei bestimmten Dingen ein gewisser Ekel angeboren ist, anderes lernen wir hingegen erst im Laufe unseres Lebens als unhygienisch oder abstoßend wahrzunehmen.

Nicht sauber, sondern rein. Rein in den Gatsch! Wie Kinder einen unverkrampften Zugang zum Schmutz entwickeln können. Oder: Eine kurze Geschichte der Hygiene. Text: Isabell Ginzel

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hygiene


Besonders stark von der Sozialisation beeinflusst ist unser Geruchsempfinden, vor hundert Jahren dürfte sich niemand an Körpergeruch gestoßen haben. Heute wird ästhetischen Kriterien oft mehr Bedeutung beigemessen als einer effektiven Prävention von Krankheiten. In den Industrieländern gilt: „je sauberer – umso besser“, am besten klinisch rein. Glaubt man der Werbung lauern überall gefährliche Keime, die nur darauf warten uns zu attackieren. Experten mahnen hingegen zur Vernunft. Sinnvolle Hygienemaßnahmen sollen nicht darauf abzielen, alle Keime zu beseitigen, sondern sie auf ein gesundheitsverträgliches Maß zu reduzieren. Die Entwicklungspsychologie beschreibt in der Entwicklung von Kindern mehrere aufeinander folgende Phasen, in denen wir uns mit unserem Körper und unserer Umwelt auseinander setzen. Durch den hygienischen Lebensstil werden wir von unseren Eltern angehalten, uns „sauber“ und „gesittet“ zu verhalten. Auf der einen Seite durchaus sinnvoll, auf der anderen Seite eine Gefahr. Der menschliche Organismus benötigt gewisse Mikroorganismen, um direkt nach der Geburt mit seinem Lernprozess zu beginnen. Unser Körper lernt mit Viren und Bakterien umzugehen, indem er sich an jeden Befall erinnert und einen Schutz bildet. Wenn wir Kindern verbieten im Sandkasten oder Dreck zu spielen, wird dem Körper die Chance genommen eine geeignete Immunabwehr für unseren späteren Alltag aufzubauen.

Fotos: KArin wasner, thomas weber

Daraus resultiert die Frage nach einem gesunden Maß an Sauberkeit, bzw. wo die Grenze zwischen Reinlichkeitsfimmel und Putz- oder Waschzwang verläuft. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung erkranken in ihrem Leben an einer Zwangsstörung. Die meisten beziehen sich auf Reinlichkeit, übertriebene Ordnung und Sauberkeit. Zwangsgedanken bzw. Zwangshandlungen sind Vorstellungen, Rituale oder Impulse, die weder als angenehm empfunden werden, noch nützliche Aufgaben erfüllen. Menschen, die diese Gedanken oder Handlungen immer wieder

Auf einem Pfadfinderlager ist es gar nicht möglich, alles sauber oder gar steril zu halten. Gute Voraussetzungen, um einen unverkrampften Zugang zum Schmutz zu entwickeln.

stereotyp beschäftigen, erleben sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihnen selbst Schaden bringen könnte, oder sie Selbst Unheil anrichten lässt.

Zwänge beginnen in der Kindheit Der Krankheitsbeginn liegt in der Kindheit oder im frühen Erwachsenenalter, die Ursachen sind weitgehend ungeklärt. Betroffene meiden zunehmend als bedrohlich empfundene Situationen, etwa die Benutzung einer fremden Toilette oder öffentliche Schwimmerbäder und ziehen sich allmählich vom sozialen Umfeld zurück. Kann eine Organisation wie die Pfadfinder Kinder vor einem Waschzwang schützen, oder für eine verbesserte Immunabwehr sorgen? Eher nicht! Jedoch bekommen Kinder durch die Pfadfinder die Möglichkeit, einen

In den Industrieländern gilt die Devise: „je sauberer – umso besser“. ungezwungenen Zugang zu Schmutz aufzubauen. Auf einem Pfadfinderlager ist es gar nicht möglich alles zu desinfizieren und steril zu halten. Selbst wenn Kinder in einem übertrieben reinlichen Haushalt aufwachsen, kann so ein Kontrapunkt und eine pädagogisch wertvolle Maßnahme gesetzt werden. In diesem Sinne. Kinder spielen und lernen in der Natur, werden konfrontiert mit Mikroorganismen aller Art: Basis einer natürlichen und gesunden Entwicklung. ← hygiene

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Dabei gewesen Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder. Sagt man. Mag sein. Wichtiger ist, was einst dabei Gewesene aus ihrer aktiven Zeit mit auf den Weg genommen haben. Wir haben nachgefragt. Dokumentiert von Kati Kieser und Lisa Niederdorfer

Prominente ehemalige Pfadfinder in Österreich → Leo Wallner (Ex-Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees) → Andreas Treichl (Vorstand der Erste Bank, Gründer der „Zweiten“ Bank, WU-Manager des Jahres 2007) → Karl Merkatz (Ein echter Wiener und Volksschauspieler) → Michael „Stootsie“ Steinitz (Sänger und Gitarrist von The Seesaw) → Elisabeth Gehrer (ehemalige Unterrichtsministerin) → Heinz Zemanek (Computerpionier) → Fritz Muliar (Schauspieler) → Heinrich Harrer (Naturforscher)

Sven Regener, 48, Autor und Sänger der Band Element of Crime Als junger Mann (15-18) ging ich gerne auf die Zeltlager des Bundes Deutscher Pfadfinder. Damals, ich weiß nicht, wie es heute ist, gab es zwei Pfadfindergruppen: Bund der Pfadfinder, das waren die mit den Halstüchern und Hüten und den Durchschlageübungen im Wald, und den Bund Deutscher Pfadfinder, das waren die libertären, linksradikalen Pfadfinder, bei denen (und vor allem auf deren für alle offenen Pfingstlager in der Nähe Bremens) ordentlich diskutiert, Revolution gemacht und ansonsten dem Dreiklang aus Sex, Alkohol und Rock’n’Roll gehuldigt wurde. Schlimm, aber schön. Würde ich in meiner Biographie nicht missen mögen. Was aus diesen Pfadfindern wohl geworden ist …? Das will ich lieber gar nicht so genau wissen.

Bettina Vollath, 47, steirische Landesrätin für Gesundheit und Kultur Nachdem ich selbst als Kind eine begeisterte Pfadfinderin war und auch aus meiner Wahrnehmung als ehemalige steirische Jugendlandesrätin ist mir natürlich bewusst, welch wertvolle Arbeit die Pfadfinderinnen und Pfadfinder leisten. Tolle Projekte sorgen für Wertevermittlung in einem ganz wichtigen Alter, der Gemeinschaftssinn wird gefördert und nicht zuletzt haben die jungen Menschen Gelegenheit, sich mit Gleichaltrigen auszutauschen. 66

ehemalige

Melanie Büchel, 32, Kommunikation, Kunsthaus Bregenz Ich war schon mit 7 Jahren bei den „Bienle“, der 1. Stufe der Pfadfinder Liechtensteins, und war insgesamt 13 Jahre Pfadfinderin. Am liebsten denke ich heute an die Lager und die dazugehörenden Sommerabende am knisternden Feuer zurück, die gemeinsamen Lieder, den Zusammenhalt und das Erlebnis in der Natur. Vor allem die Geselligkeit bei Treffen, aber auch das angeeignete „Pfadiwissen“ bleiben in wertvoller Erinnerung. Schade, dass heute viele Jugendliche das Pfadfindersein als altmodisch ansehen, und sie das Spiel am Computer dem Abenteuer in der Natur vorziehen.


Marina Laux, 29, Bildungsexpertin der AK Wien Am Anfang stehen die ausgesandten Signale: Im Allgemeinen haben NichtPfadfinder kaum „Echtkontakte“ mit Pfadfindern. Diese regelrechte Flaute der realen, bewusst gesetzten Rauchzeichen steht einem Meer an nicht beeinflussbaren Signalen der Hollywood-Filmindustrie gegenüber. – Zwar kennt fast jeder die Keksverkaufenden Pfadfinder, die es bei uns nicht gibt, persönlich trifft man Pfadfinder in ihrem natürlichem Lebensraum (Ist das der Wald? Ist das der Zebrastreifen?) allerdings selten. – Und wenn, erkennt man sie an ihrer auffälligen roten Uniform mit Halstuch. Dabei werden dann aber auch gleich zweifelhafte Signale mitgeschickt: Pfadfinder seien paramilitärisch, altmodisch verzopft und irgendwie seltsam. Gezielte PR-Arbeit ist bei den ehrenamtlichen Pfadfindern leider noch keine weitverbreitete Disziplin. Erfrischende Ausnahmen sind für mich z.B. die gelungene Plakatserie zu Schulstart der Gruppe Wien 21 und immer wieder die Gruppe Salzburg Maxglan mit bewusst gesetzten, durchdachten Aktivitäten im öffentlichen Raum und eigenen (Online-)Medien. Feuer haben wir genug! Es ist an der Zeit, selbst Rauchzeichen zu setzten, um weniger vom Nebel der amerikanisierten Klischees eingehüllt zu werden. Marina Laux war viele Jahre engagiert bei der Pfadfindergruppe Salzburg Maxglan, ist ehemalige Mitarbeiterin der PR-Agentur Pleon Publico und derzeit Bildungsexpertin der AK Wien. Erhard Busek, 68, Europäer und ehemaliger Vizekanzler Die Pfadfinder stehen auch für eine gewisse Symbolik: das Umgehen mit der Natur, Improvisation, Hilfsbereitschaft und Freundschaft. Das sind lauter Eigenschaften, die wir heute mehr denn je brauchen. Eine wertorientierte Erziehung ist heute ohnehin zu wenig präsent, Jugendorganisationen haben an Bedeutung verloren, die Pfadfinder haben sich aber gehalten. Der Symbolwert des Pfadfindertums ist nicht hoch genug anzusetzen, wir brauchen es als ein Zeichen ganz normalen menschlichen Verhaltens, das sich am Mitmenschen und unserer Welt orientiert. Pfadfinder ahoi! Erhard Busek, 68, ist ehemaliger Vizekanzler (ÖVP), Präsident des Europäischen Forums Alpbach und Vorstand des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa.

Global Players Diese Damen und Herren waren in jungen Jahren Boy und Girl Scouts → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → → →

Bill Gates (Gründer von Microsoft) Paul McCartney (ehemaliger Beatle, mittlerweile Sir) Cherie Blair (ehemalige First Lady Großbritanniens) Björk (Isländische Musikerin, Schauspielerin) Michael Bloomberg (Bürgermeister von New York City) Michael Moore (durchaus umstrittener US-amerikanischer Filmemacher) Emma Thompson (britische Schauspielerin und Regisseurin) Joanne K. Rowling (Kinderbuchautorin, „Harry Potter“) Königin Elizabeth II. (die Queen) Neil Armstrong (1969 als erster Mensch am Mond – stellvertretend für unzählige als Astronauten ins All geschickte Pfadfinder) Horst Köhler (Deutscher Bundespräsident) Jim Morrison (Rock-Legende) Thomas Gottschalk (Talkmaster und Haribo-Werbeträger) Günther Jauch (der bessere Armin Assinger) Harald Schmidt (Entertainer) Madeleine Albright (ehemalige US-Außenministerin) Steven Spielberg (US-Regisseur) John F. Kennedy (35. US-Präsident, der erste US-Präsident, der auch Pfadfinder war. Weitere sollten folgen) George Michael (Sänger) Branford Marsalis (Jazz-Musiker) Mariah Carey (Sängerin) Jessye Norman (Opernsängerin) Ann S. Moore (CEO von Time Inc. und Herausgeberin des People Magazines) König Karl Gustav XVI (König von Schweden) Richard Gere (Schauspieler) Richard Dean Anderson (Schauspieler, „MacGyver“) Herbert Grönemeyer (Sänger) Wallace Stegner (Pulitzer Preis Gewinner) Liz Mohn (Matriarchin des Bertelsmann Konzerns) David Beckham (Fußballer und Stilikone) Jacques Chirac (ehemaliger französischer Staatspräsident) Bill Clinton (Amtsvorgänger von George W. Bush) Sir David Attenborough (britischer Naturforscher) Harrison Ford (US-Schauspieler und „Indiana Jones“-Darsteller) Hillary Clinton (US-Außenministerin) Venus Williams (Profi-Tennisspielerin) Harrison Salisbury (Pulitzer Preis Gewinner) Stefan Raab (TV-Blödel) Tipper Gore (Ehefrau des Ex-US-Vizepräsidenten und nunmehrigen Nobelpreisträgers Al Gore) William Sessions (ehemaliger FBI-Direktor) Werner Heisenberg (Physiker, Nobelpreisträger 1932) Kate Moss (Model)

„Fritz Muliar hat einmal gesagt: 50 Prozent aller Menschen sind Arschlöcher. Ich glaube, dass der Prozentsatz bei den Pfadfindern bei maximal zwanzig oder dreißig liegt. Das ist schon was!“ (Walter Zinggl, ehemaliger Geschäftsführer der ORF Enterprise) ehemalige

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Alter Meister mit kleinen Fehlern Karl Merkatz, Volksschauspieler und „echter Wiener Neustädter , verbrachte seine Jugend bei den Pfadfindern. Im Gespräch mit SKILLS erinnert er sich an Geländespiele und Nächte im Zelt, weiß aber auch, dass die Bewegung seine Moralvorstellungen entscheidend geprägt hat. Interview: Philipp Pertl

Portrait of the Boy Scout as an old man: Karl Merkatz, 79.

Wie sind Sie eigentlich zu den Pfadfindern gekommen? 1945 / 46 bedeutete einen Neubeginn und so kam ich zu den Pfadfindern. Davor musste ich bei der Hitlerjugend dabei sein, aber dort hat es mir nie gefallen und da bin ich auch abgehauen und sie holten mich von zu Hause und drohten, wenn ich nicht zur HJ gehen würde, dann würde mein Vater ins KZ kommen, dann ging ich wieder einige Mal hin. Ende 1945 spielte ich mit drei Freunden Theater in Wiener Neustadt und die Pfadfinder spielten auch Theater, was für mich der große Traum war und so kam ich zu den Pfadfindern. Zwei Jahre später fand ein Jamboree in Frankreich statt, aber da konnte ich nicht hinfahren, weil ich in der Lehre war. Wie war die Pfadfinderzeit für Sie? Mir hat eigentlich alles bei den Pfadfindern gefallen. Ich habe angefangen Trompete-Horn zu blasen und wir musizierten gemeinsam und zogen durch Wiener Neustadt und die Leute hielten uns für Verrückte, aber es hat uns einen großen Spaß gemacht. Meine Mutter hat mir eine Pfadfinderuniform und mein Halstuch, das heute sogar noch besitze, geschneidert und genäht. Wir hatten auch Zelte, aber die waren anders als heute und das Zelten war ein schönes Naturerlebnis. Wir machten Knoten und Bünde, es gab Geländespiele in der Nacht und es war richtig aufregend.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen im Leben, die sie gemeistert haben? Nachdem ich auch gelernter Tischler bin, kann man einen wunderbaren Tisch zimmern, aber kaum ist er fertig, dann könnte der Tisch auch schon wackeln. Ähnlich ist es in meinem Beruf. Man probt wochenlang für ein Stück, dann kommt die Premiere und der Applaus brandet einem entgegen und man genießt das und denkt sich, was man Großartiges geleistet hat. Man hat gar nichts geleistet, es ist ein Arbeitsvorgang und dann sitzt man in der Garderobe und sagt zu sich selber, wie furchtbar man war und wie schrecklich man alles geschmissen hat. Zum Meisterhaften 68

karl merkatz

Foto: philipp pertl

Was von damals ist Ihnen geblieben? Bei den Pfadfindern habe ich eine bestimmte Moralvorstellung und eine Ethik gelernt, die schon allein durch das „Gut Pfad“ und das Handgeben eine besondere Bedeutung für mich hat. Bis heute habe ich mir diese Lebenseinstellung behalten.


Word Rap

Karl Merkatz assoziiert … Lagerfeuer: Man darf sich die Finger nicht verbrennen. Schlaues Buch: Wissen, hergebracht von alten Leuten. Theater: Theater bedeutet vielleicht, zu sich selber finden, wenn man betrachtet was man spielt. Wiener Neustadt: Ich habe den „Echten Wiener“ gespielt und ich werde immer gefragt, ob ich einer bin. Ja, ich bin ein Wiener … Neustädter! Bockige Kinder: Liegt an der Erziehung … Internationalität: Die Notwendigkeit, dass wir uns verstehen Zelt: Das Dach, das einen beschützen soll. Freundschaft: Man weiß, wohin man gehen kann, wenn man eine Notlage hat. Pfadfinderversprechen: Ein Zeichen, dass man glaubt, etwas halten zu können. Oft ist es schwierig, dass man glaubt, etwas halten zu können – da gehört eine richtige Meisterschaft dazu!

gehört einiges dazu und auch den großen Meistern sind Fehler passiert, wie den Kleinen auch.

2010 feiert die Pfadfinderbewegung in Österreich ihr 100jähriges Bestehen. Was wünschen Sie diesem Hundertjährigen? Das was ich meine, macht man bei den Pfadfindern sowieso und sollte auch erhalten bleiben. Oft geht man an Menschen vorbei und grüßt nicht. Und wenn man jeden grüßt, kann es sein, dass man kritisch betrachtet wird. Aber es ist doch die Notwendigkeit, anderen Menschen mit Respekt zu begegnen und ich grüße immer mit einem „Servus“. Im Lateinisch heißt das ja eigentlich „ich bin dein Diener“. Bei den Pfadfindern ist es eine Selbstverständlichkeit, die anderen mit einem Gruß und Offenheit zu begegnen. Das ist eine Notwendigkeit in unserer Gesellschaft, im Umgang miteinander. ← Das ungekürzte Interview mit Karl Merkatz findet sich unter www.skills-magazin.at

© Fabian Leineweber / PIXELIO

Wie sehen Sie das: Gibt es eigentlich Vorbilder? Also, Vorbilder gibt es schon, aber die muss man sich suchen. In der Religion haben wir ein Vorbild, das ist Christus und natürlich auch Maria. Dann haben wir Petrus und viele andere in der christlichen Kirche, im Islam ist das wiederum ganz anders. Es gibt Vorbilder, aber man muss auch kritisch sein dürfen.

Gastkommentar


Maria Vassilakou, Club-Chefin der Wiener Grünen Die Grundsätze der Pfadfinder-Bewegung sind denen der Grünen in einigen Punkten sehr ähnlich. Das Leben mit und in der Natur ist etwa wesentlicher Teil der Pfadfinder-Aktivitäten und ermutigt Kinder und Jugendliche, Verantwortung für ihre Umwelt zu übernehmen und für Umweltschutz einzutreten. Das Pfadfinder-Programm stellt ohne Frage ein wichtiges Freizeitangebot für Kinder- und Jugendliche dar – vor allem in der Stadt fördert es den Bezug zu Natur und Freizeitaktivitäten im Freien. Durch die internationale Vernetzung der Pfadfinder werden Kinder und Jugendliche verschiedener Nationen zusammengebracht und so ein besseres Verständnis füreinander und eine weltoffene, tolerante Einstellung unterstützt. Unter den Grünen finden sich übrigens einige ehemalige Pfadfinder (z.B. Nationalrats-Abgeordnete Dani Musiol).

Lena Hoschek, Mode- und Dirndl-Designerin

„Besonders viel kann ich nicht sagen zu den Pfadfindern, da ich mich nie mit ihnen befasst habe. Aber ich liebe die Uniform mit all ihren bunten Abzeichen. Der Pfadfinder-Look ist definitiv eine Inspiration für mich!“

Aussensicht Was wissen junge österreichische Meinungsbildner, die über keine eigene Pfadfinder-Geschichte verfügen, über die größte weltweite Jugendbewegung? Welche Vorurteile kursieren? Glauben sie gar, selbst etwas versäumt zu haben? Eine kleine, nicht repräsentative Umfrage. Dokumentiert von Kati Kieser und Lisa Niederdorfer Eser Akbaba, ORF-Wetter-Moderatorin bei „Wien heute“ Ich kenne Pfadfinder nur aus US-Filmen. Ehrlich gesagt weiß ich nur wenig über sie. Aber das Prinzip dahinter ist gut – junge Menschen (Kinder und Jugendliche) stehen anderen Menschen aller Glaubensrichtungen und Nationalitäten offen gegenüber.

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meinungsbildner

Stefan Kulovits, Spieler des SK Rapid Die Pfadfinder nehmen für Österreichs Jugendliche eine sehr wichtige Rolle ein. Neben dem Sport, speziell dem Fußball, ist es für Kinder eine gute Erfahrung, bereits im jungen Alter von erfahrenen Pfadfindern Fähigkeiten zu erlernen. Fähigkeiten wie Teamgeist und das gemeinsame Miteinander spielen bei den Pfadfindern eine essentielle Rolle. Beim Fußball ist es ähnlich, auch hier lernen junge von routinierten Spielern wie sie sich auf dem Platz zu verhalten haben. Eine Erfahrung, die einem ein Leben lang hilft. Aus diesen Aspekten heraus gesehen sind sich Fußballspieler und Pfadfinder sehr nahe. Daher wünsche ich allen jungen Menschen, die sich bereits jetzt bei den Pfadfindern hervortun, alles Gute und viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg.


Ernst Molden, Autor und Songwriter Als ich selbst im Pfaderer-Alter gewesen wäre, bin ich stattdessen bei der katholischen Jungschar gelandet. Das war 1980, wir Jungscharler waren friedensbewegt, trugen lila Schals und Palästinensertücher zu unseren Loderjoppen und spielten schlecht Gitarre. Die uniformierten Pfadfinder ein Haus weiter sind uns damals geradezu paramilitärisch und auch ein wenig unheimlich erschienen. Wie sehr ich im Irrtum war, fällt mir erst jetzt, fast 30 Jahre später, auf. Jetzt ist mein Sohn bei der Wiener Pfadfinder-Gruppe 7, er ist glücklich dort, und kommt jeden Dienstagnachmittag grinsend mit Dingen im Kopf nach Hause, die ihn, wie ich finde, reicher, fröhlicher und bereiter für die Welt machen. Ich bin froh für ihn, dass es diese Dienstagnachmittage gibt, und die schönen Lager dazu, und, ja, ich muss zugeben, dass ich meinen Buben ein bisschen beneide.

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„Die uniformierten Pfadfinder sind uns 1980 geradezu paramilitärisch erschienen. Wie sehr ich im Irrtum war, weiß ich erst jetzt, 30 Jahre später.“

Niko Alm, Atheist und Geschäftsführer von Super-Fi Zu frühen Volksschulzeiten wollte ich immer zu den Pfadfindern und ich gestehe, dass der Fähnlein Fieselschweif einiges dazu beigetragen hat. Irgendwie war die Entfernung zum nächst möglichen Stützpunkt Strasshof, dann doch sehr weit und so wurde nichts aus meiner Karriere im Wald. Meine Zelte schlug ich ohne fachkundige Anleitung auf – im Garten natürlich. Aber ich wäre ein guter Pfadfinder gewesen, der sich, angespornt durch die Hierarchie, nach oben durchgedient hätte. Mein falsches Bild einer paramilitärischen Organisationsstruktur hätte sich dann vermutlich, der Realität entsprechend, auch nie in meinem Kopf gebildet. Ebenso wie das Gerücht, dass Nicht-Gläubige bei den Pfadfindern nicht sehr erwünscht sind. Mittlerweile weiß ich es natürlich besser und so ist meine erste Assoziation zu den Pfadfindern eine ganz andere. Nämlich der Song: „A Bachelor for Baden Powell“ von Carter USM.

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Die Pfadfinderbewegung ist unsterblich. Theoretisch ist es daher auch jede einzelne Gruppe. Die Praxis sieht dennoch oft anders aus. Dabei gibt es ein paar einfache Fragen, die einem dabei helfen können, das Feuer neu zu entfachen. Eine Art Anleitung zum gemeinsamen Glücklichsein. Text: Jürgen Wallner

Sinn der Sache Der Tod kam auf Raten. Zuerst lief noch alles wie gewohnt: Die wöchentlichen Heimstunden fanden statt – bei stagnierender Kinderzahl. Der Gruppenausflug zum Thinking Day wurde trotz geringen Interesses nicht abgesagt – der Tradition wegen. Der Gruppenrat traf sich einmal im Monat – wobei sich viele Mitglieder regelrecht überwinden mussten, anwesend zu sein. Irgendwie köchelte das Gruppenleben so nach der Devise „nur das Nötigste“ auf kleiner Flamme dahin. Dabei hätte es gerade Pfadis bewusst sein müssen, dass das Feuer ohne Nachlegen ausgehen wird. Doch statt für Brennstoff zu sorgen, versuchten die verbliebenen „Aktiven“, wie sie oft genannt werden, das Gruppenfeuer lieber auf der kleinen Flamme zu halten. „Durchhalten“ bis zu besseren Zeiten, in denen wieder mehr Leute sich intensiver engagieren, war das Motto. Die ausfallenden Heimstunden, spärlich besuchten Aktionen und lähmenden Besprechungen trugen jedoch nicht gerade zur Motivation bei. Das Ende zeigte sich, als ein Sommerlager nicht stattfand, da zu wenige Leiter sich dafür Zeit nehmen konnten. Oder wollten. Gab es noch Chancen auf eine Reanimation der Gruppe? Solche oder ähnliche Erfahrungen haben einige Gruppen schon gemacht: Es läuft nicht gerade gut; das Gruppenfeuer glost nur mehr dahin; das Ganze ist schon ziemlich frustrierend. So schlimm eine solche Situation für die Betroffenen ist, so natürlich ist sie aus einiger Distanz beo72

gruppenentwicklung

bachtet. Gruppen haben einen Lebenszyklus, analog zu Lebewesen. Sie kommen auf die Welt, stolpern ins Leben, wachsen, pubertieren, reifen, gewinnen an Erfahrung (und hoffentlich Weisheit), pflanzen sich fort, werden alt, grübeln am Sinn ihrer Existenz, ziehen sich zurück, werden gebrechlich, unbeweglicher; und irgendwann scheint das Ende nahe. – Soweit die Analogie zu Lebewesen.

Potenziell unsterblich Gegenüber jenen haben soziale Or-

ganisationen wie eine Pfadigruppe allerdings einen entscheidenden Vorteil: sie sind potenziell unsterblich. Jedenfalls ist offensichtlich, dass manche Gruppen in Österreich schon älter sind als die ältesten Österreicherinnen und Österreicher. Und wenn wir 2007 den 100. Geburtstag der Pfadfinderbewegung weltweit und 2010 ein Jahrhundert Pfadis in Österreich feiern, dann könnte zu Recht gefragt werden: Wie machen die das, dass sie so jung bleiben? Tatsächlich gibt es so etwas wie eine Verjüngungskur oder einen Jungbrunnen für Gemeinschaften. Die Ingredienzien dieser Quelle wurden schon vielfach studiert, und es gibt zahlreiche Theorien zu ihrer Beschaffenheit. Gerade idealistische bzw. weltanschauliche Gemeinschaften wie die Pfadfinder sind auf den Jungbrunnen angewiesen. Die


wahrscheinlich größte Erfahrung damit haben religiöse Gemeinschaften, die es schon längst nicht mehr gäbe, wenn sie sich nicht geistig und strukturell verjüngt hätten. Nun, wie sieht eine solche Verjüngungskur aus? Inhaltlich steht zu Beginn die Frage Warum sind wir, als Gruppe, hier? Die Antwort auf diese Sinnfrage kann natürlich schnell und oberflächlich gefunden werden, indem auf einschlägige Zitate von Baden-Powell, Leitbilder von WOSM, WAGGGS und PPÖ oder sonstige vorgefertigte Mission Statements verwiesen wird. Alle diese institutionellen Quellen sind wertvoll und stellen eine Art größten gemeinsamen Nenner der Pfadibewegung dar. Sie speisen sich, wenn sie gut gemacht wurden, aus unzähligen Einzelgeschichten von Individuen. Diese sollten auch der Ansatzpunkt für die Beantwortung der Sinnfrage in der Gruppe sein. Es geht darum, sich zu erzählen, warum man Pfadi ist, was prägende Erfahrungen waren, welche Schätze und Abgründe man mit sich trägt. Und warum man noch immer hier ist. Ein solcher Dialog unter Leiterinnen und Leitern, mit den Kindern und Jugendlichen, mit Elternratsmitgliedern hat das Ziel, zu den Wurzeln zurückzukehren. Die einzelnen Geschichten werden sich dabei überschneiden und Erinnerungen wach rufen, werden unterschiedliche Epochen abdecken und so ein buntes Bild ergeben, dass dennoch als gemeinsame Erzählung wahrgenommen werden kann. Damit der Blick in die Vergangenheit nicht zur bloßen Nostalgie wird, sondern einen radikalen (lat. radix, die Wurzel) Neubeginn à la Jungbrunnen ermöglicht, ist die zweite Frage daran anzuschließen: „Wie sehen wir uns als Gruppe in drei Jahren?“ Diese Vision soll sich aus den (persönlichen und institutionellen) Ursprungserfahrungen speisen und ein Bild entwerfen, das nah genug ist, um es noch abschätzen zu können, aber fern genug, um es noch nicht in Griffweite zu haben, sodass man sich danach strecken, sich dafür bewegen muss. Der Dreijahres-Abstand empfiehlt sich für Pfadigruppen, da eine Gruppenleitungsperiode auf diese Länge angelegt ist.

Mythen, Abenteuer, Horrorgeschichten Das Ziel dieses

Prozesses ist es, den natürlichen Stagnations- und Absterbensprozess eines Gruppenlebens zu durchbrechen und mit Hilfe von Ursprungserfahrungen, die vergegenwärtigt werden, eine Motivationsbasis für die Zukunft zu schaffen. Erzählungen, Abenteuer, Odysseen, Mythen, Horrorgeschichten – von denen jedes Gruppenleben voll ist – sind der Stoff, aus dem der Jungbrunnen sich speist. Doch ein Inhalt ohne Form zerrinnt. Es braucht daher auch Menschen, die diese Geschichte erzählen und hören können. Damit wären wir bei der strukturellen Beschaffenheit der Verjüngungskur. Zunächst müssen überhaupt noch genügend Leute da sein. Manche Gemeinschaften übersehen die Anzeichen ihrer Stagnation. Dann ist irgendwann der Point-of-no-return überschritten, es fehlt die kritische Masse an Personen. Daher ist es wichtig, den bisher beschriebenen Prozess als kontinuierliche Aufgabe anzusehen, die einmal mehr im Hintergrund, dann wieder mehr im Vordergrund steht. Es braucht zweitens Menschen, welche aus dem Jungbrunnen schöpfen, d.h. den Prozess gestalten. Das ist eine der wich-

tigsten Aufgaben der Gruppenleitung; doch es geht nicht um sie, sondern die Gruppe. Um zum Bild des Feuers zurückzukommen: Die Gruppenleitung hat nur Holz nachzulegen oder Brennholz zu besorgen, damit es andere nachlegen. Der Verjüngungsprozess ist schließlich auch wörtlich zu verstehen: Ein Gruppenrat braucht stets junge Mitglieder – jedenfalls solche im Geiste, aber auch solche im biologischen Alter. Ideal wäre natürlich der Generationenmix, sodass die Erzählungen und Erfahrungen der Älteren an die Jüngeren weitergegeben und jene ein Stück begleitet werden können. Für diese Fragen der Strategie- und ‚Personal‘-Entwicklung haben die PPÖ gute Unterlagen und Seminare im Angebot, die Managementkursen in der Berufswelt um nichts nachstehen. Doch Strategie und Struktur können den Antworten auf die Fragen Warum sind wir hier? und Wie sehen wir uns in drei Jahren? nur folgen, da sonst die Gruppe zwar gut gemanagt aber sinnarm ist. ←

Glossar

Text: Kati Kieser

Baden-Powell Robert Stephenson Smith Baden-Powell, Lord of Gilwell (geboren am 22. Februar 1857 in London, gestorben am 8. Januar 1941 in Nyeri, Kenia), ist der Gründer der Pfadfinderbewegung. Gruppenleitung Die Gruppenleitung ist jenes Organ einer Pfadfindergruppe, dessen Aufgaben es sind, den Informationsaustausch zu fördern sowie die Kommunikation und Kooperation zwischen den Leitern und Erwachsenen einer Gruppe und der direkten Umwelt einer Gruppe weiterzuentwickeln. Gruppenrat Der Gruppenrat dient zur Kommunikation zwischen den verschiedenen Altersstufen der Gruppe und trifft einmal im Monat zusammen. Er besteht aus allen Leitern aller Altersstufen und der Gruppenleitung. Heimstunde Heimstunden werden die wöchentlichen Treffen von Pfadfindern genannt. Je nach Altersstufe gibt es natürlich unterschiedliches Programm und unterschiedliche Methoden, eben dieses umzusetzen. PPÖ Die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs sind mit 85.000 aktiven Mitgliedern der größte Pfadfinderverband in Österreich, der wiederum Mitglied in den Weltpfadfinderorganisationen WOSM und WAGGGS ist. Thinking Day Als Thinking Day wird von Pfadfindern weltweit der 22. Februar bezeichnet, an dem Robert Baden-Powell (* 1857), der Gründer der Pfadfinderbewegung, und seine Frau Olave (* 1889) Geburtstag hatten. WAGGGS Die World Association of Girl Guides and Girl Scouts ist der Zusammenschluss aller Pfadfinderinnenverbände weltweit. Auch „Mädchenverband“ genannt. WOSM Bedeutet ausgeschrieben World Organisation of Scout Movement und bezeichnet die weltweite Vereinigung aller Pfadfinder. Auch „Bubenverband“ genannt. gruppenentwicklung

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Gott sieht aus wie … Ein alter Mann mit Bart. Ein engelsgleicher Rächer. Eine liebevolle Behüterin. Die Bilder, die sich Kinder von Gott machen, sind mannigfaltig – und nur bedingt formbar.

Text: Michaela Stemmer

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gottesbild


Fotos: rowohlt, gaby von thun

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie man denn herausfinden soll, wie das Gottesbild von Kindern aussieht. Die naheliegendste Antwort ist: Lass es sie malen. Da stellen sich mehrere Probleme: → Die Kinder versuchen etwas zu malen, was Erwachsene nicht als „falsch“ bezeichnen können. → Die Kinder schauen, was die anderen Kinder zeichnen, damit sie ja nichts falsch machen. → Die Kinder überlegen sich, was sie so im Unterricht gehört haben über Gott und versuchen das dann visuell umzusetzen. Fazit: Die meisten Kinder zeichnen Gott nicht so wie sie ihn innerlich visualisieren. Wenn sie es tun, entspricht die Zeichnung nie dem was sie sich vorstellen, und sie sind unzufrieden und zornig. Ich schätze, die Schwierigkeit liegt darin, Eigenschaften zu malen. Denn Gottesbild ist immer Gottesvorstellung. Eine Gottesvorstellung enthält aber nicht nur Attribute wie alter Mann, weißer Bart oder kleines Kind, blonde Locken, Heiligenschein, sondern auch gleichzeitig Eigenschaften wie gütig und liebevoll oder bestrafend. Auch Aktivitäten können ins Gottesbild einfließen, wie er passt auf mich auf oder er sieht mich wenn ich schlafe. Kinder reduzieren Gott nicht auf ein Bild. Wenn Martin das „Vater Unser“ betet, kann er gar nicht anders, als an einen Mann auf einer Wolke zu denken, der ihm konzentriert zuhört. Vor kurzem hat er aber gehört, dass Gott in allem ist, und bekommt die Vorstellung nicht mehr aus dem Kopf, dass Gott auch in ihm ist, dass er, wenn nur das richtige Licht auf ihn fällt, doch sicher von innen heraus leuchten muss, denn wenn er im Bett liegt, und er hat wieder Angst vor der alles verändernden Dunkelheit, dann ist Gott das hellste Licht, das er jemals gesehen hat. Das Licht, das gegen die Dämonen im Dunkeln kämpft. Gott kann so viel sein für Kinder, so viel, dass er sicher nie auf ein Blatt passt, so viele Vorstellungen, die von so vielen Institutionen und Personen geformt werden, dass man Gott nie zeichnen könnte. Mama und Papa sagen das eine, der Priester was anderes, und die Freunde am Schulhof erzählen überhaupt eine eigene Geschichte. Dann gibt’s da noch die Reli-Lehrerin mit ihren Metaphern und das Relibuch, das überhaupt eine eigene (Bild)-Sprache spricht. Nicht zu vergessen die Kinderbibel zu Hause und der große Bruder, der beharrlich behauptet, es gebe das Christkind gar nicht. Also auch keinen Gott?!? Wer gerne hätte, dass sein Kind nicht an einen allmächtigen, Kinder-beobachtenden und strafenden Gott denken muss, der kann natürlich versuchen, vorzuleben wie er persönlich Gott sieht. Das positive Gottesbild der Eltern wird sich natürlich auf den Sohn oder die Tochter übertragen. Doch sollte sich keine Mutter und auch kein Vater der Illusion hingeben, dass man Gottesbilder in Kindern exakt formen kann. Alle Erlebnisse und andere Menschen, auf die man keinen Einfluss hat, prägen das berühmte Bild genauso mit. Es ist also so gut wie unmöglich zu lenken, was ein Kind sich unter Gott vorstellt. Und mindestens genauso schwierig ist es, das rauszufinden. Gott sei Dank. ← Literaturtipp: Gaby von Thun. „Der liebe Gott sieht aus wie ein Elefant, oder? Kinder machen sich ein Bild von Gott“, erschienen bei Rowohlt, 2008. gottesbild

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„Oft lassen wir uns von Vorurteilen leiten. Ein harmloses Seil am Wegrand wird bei schlechter Sicht schnell mit einer giftigen Schlange verwechselt und versetzt uns in Angst. Ein Pfadfinder ist immer bereit, Neues zu erfahren und von seiner Umgebung zu lernen. So kann er in jedem Moment selbst entscheiden, welche Fähigkeiten er einsetzt. Er muss nicht den ausgetretenen Trampelpfaden folgen, denn er findet seinen ganz eigenen Weg und überprüft ihn Schritt für Schritt!“ Der Künstler Moussa Kone über seine Zeichnung „Hl. Schorsch“, www.moussakone.com

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der heilige georg


Der heilige Georg – eine Ansichtssache Drachentöter, Schimmelreiter, Märtyrer, Wohltäter – die Darstellungsformen des Heiligen Georg, seit 1909 Schutzpatron der Pfadfinder, haben sich im Lauf der Jahrhunderte immer wieder gewandelt. Baden-Powells Vorbild kunstgeschichtlich betrachtet. Text: Dagmar Weidinger Zeichnung: Moussa Kone

g

eorgius der Ritter war geboren von Cappadocischem Geschlecht; der kam einst in das Land Lybia, in die Stadt Silena. Nahe bei der Stadt war ein See … darin wohnte ein giftiger Drache, der hatte schon oft das ganze Volk in die Flucht getrieben, wann es gewappnet wider ihn zog. Dann kam er bis unter die Mauern der Stadt und verpestete alles mit seinem Gifthauch. Also gaben ihm die Bürger täglich zwei Schafe, dass sie seinen Grimm stillten … (…) Als aber der Schafe weniger wurden …, kam man überein, dass man dem Wurm täglich opfern sollte einen Menschen und ein Schaf. (…) Als nun fast alle Söhne und Töchter der Stadt geopfert waren, geschah es, dass das Los auf des Königs einzige Tochter fiel … Da ward der König traurig und sprach: ‚Nehmt mein Gold und Silber und die Hälfte meines Königreiches, aber lasst mir meine Tochter …‘ Das erzürnte das Volk und sie sagten: ‚König, du hast das Gebot selbst gegeben; wir mussten alle unsere Kinder verlieren und du willst deine Tochter behalten?‘ (…) Da kam Sanct Georg von ungefähr dahergeritten (…) und er rief: ‚Fürchtet euch nicht, denn Gott der Herr hat mich zu euch gesandt, dass ich euch erlöse von diesem Drachen.‘“ (aus: Jacobus de Voragine, Legenda aurea, 1263–1273)

Wenige Fakten, viele Legenden Wer sich heute dem hei-

ligen Georg und seiner Geschichte nähert, stößt unweigerlich auf Jacobus de Voragines legendäre Erzählung des Drachtöters aus dem 13. Jahrhundert. Die von dem schriftgewandten Mönch zusammengetragene Sammlung von Heiligenleben („Legenda aurea“) kann rückblickend als „Bestseller“ des Mittelalters bezeichnet werden. Die zentrale Episode des Drachenkampfes, in der Georg als Ritter von Kappadozien eine Jungfrau vor der Feuer speienden Riesenschlange rettet, wurde nicht nur gerne gelesen, sondern über die Jahrhunderte immer wieder gemalt, gezeichnet oder als Plastik gestaltet. Jacobus’ spätmittelalterliche Erzählung bildet somit die Hauptquelle der meisten späteren GeorgsDarstellungen. Doch bereits im frühen Mittelalter wurde das Leben des hoch verehrten Märtyrers, dessen Kult bis ins 4. Jahrhundert zurückreicht, von Legenden überwuchert – der historische Kern zu Georgs Person bleibt bis auf einige wenige Fakten im Dunklen. Anzunehmen ist, dass Georg ein angesehener junger Soldat aus Kappadozien, der damals östlichsten Provinz des römischen Reiches, war. Durch sein Bekenntnis zum Christentum fiel er 303 der Verfolgung Kaiser Diokletians zum Opfer. Wie bei vielen frühchristlichen Märtyrern streichen die legendären Berichte über sein Sterben vor allem die Leidensfähigkeit des Heiligen heraus; hier wird nicht gespart mit ausschweifenden Worten zu Georgs erlittenen Folterqualen und seiner Enthauptung – all dies soll lebendiges Zeugnis seiner Glaubensstärke sein. Frühe Legenden berichten ebenso von acht Wundertaten des Heiligen, darunter die Auferweckung eines jungen Mannes aus dem Sarg und die Heilung von Kranken im Gefängnis. Ebenso soll er Menschen bekehrt und zur Taufe geführt haben.

Ausbreitung des Georgs-Kults in Ost und West Es dau-

erte nicht lange und Georg stürmte die „Hitliste“ sämtlicher östlicher und westlicher Heiliger. Während sich erste Kultorte an den angeblichen Stätten seines Martyriums im vorderen Orient befanden, brachten die zwischen Europa und dem heiligen Land entstehenden Pilgerstraßen seine Verehrung rasch in den Westen. Wegverzeichnisse aus dem 6. und 7. Jahrhundert weisen eine Vielzahl an Georgs-Patrozinien entlang der wichtigsten Wallfahrtsstrecken auf. So sind die der heilige georg

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Gleichzeitig breitete sich die Georgsverehrung mit rasanter Geschwindigkeit im byzantinischen Einflussbereich aus. Seit dem 10. Jahrhundert gab es hier kein größeres Gotteshaus, das auf die Darstellung Georgs verzichtete. Eingegliedert in die Reihe anderer bedeutender Heiliger wurde er hier als Fürbitter und Schutzpatron des Gebäudes auf Fresken im Eingangs- oder Wandbereich bzw. in der Kuppelzone dargestellt. Georgs Äußeres ist das eines jungen stehenden Kriegers mit Panzer, Schild und Speer – häufig zusätzlich versehen mit einem Palmzweig bzw. einem eng anliegenden Rock, wie es für Märtyrer-Heilige üblich war. Im Gegensatz zur Westkirche, die ihre Heiligen stets durch Attribute erkenntlich zu machen suchte, war hier die Namensinschrift von besonderer Bedeutung.

Der Ritter-Heilige als Schlachtenhelfer

Neue Bildtypen tauchten durch eine zweite Welle der Verbreitung des Georgs-Kults zur Zeit der Kreuzzüge auf. Besonders Richard Löwenherz’ Vision des heiligen Georgs während des Dritten Kreuzzuges (1189–93) ließ den Heiligen zum Schlachtenhelfer par excellence werden. Nicht nur der englische, sondern auch der deutsche Adel begann Georg als „Ritter-Heiligen“ für sich zu entdecken. Die politischen Eliten benannten ihre Burgberge mit ihren Adelssitzen, ihre Hofkapellen sowie ihre adeligen Stiftsgründungen und die dazugehörigen Siedlungen nach dem jungen Reitersmann. Georgs-Darstellungen passten sich nun der jeweils aktuellen „Mode“ an. Stellten ihn die Maler des 13. Jahrhunderts im Kettenpanzer unter dem Ritterrock dar, so wurde dieser im 14. Jahrhundert vom moderneren Plattenpanzer abgelöst. Georgs weitere Attribute wurden das Schild mit Kreuz, wie es die Kreuzritter kennzeichnete, die Lanze, das Handkreuz, das umgehängte Schwert sowie zuweilen Köcher und Bogen. Gleichzeitig brachten adelige Kreuzzugsritter die in Konstantinopel bereits lange vorhandene Tradition der Herrscherbildnisse zu Pferd (als Drachentöter) in den Westen und übertrugen sie auf den Heiligen. Das Bildnis des berittenen Drachentöters auf einem weißen Schimmel trat damit seinen Siegeszug an. Weiß symbolisierte die Vertreterschaft Christi auf Erden. So ritten Fürsten, Herrscher und Päpste mit Vorliebe auf weißen Tieren. Georg war zum Inbegriff des „miles Christi“ („Christi Ritter“) und Identifikationsfigur für adelige Kreuzzugsritter geworden. Dabei verschmolzen Heiligenkult und Herrscherkult in den darauf folgenden Jahrhunderten zuweilen auf eigentümliche Weise. So könnte in der Stockholmer „St. Jürgen-Gruppe“ der Nikolaikirche aus dem 15. Jahrhundert (Künstler Bernt Notke), die einen 78

der heilige georg

berittenen Krieger über einem Drachen zeigt, sowohl der Heilige als auch der adelige Auftraggeber Sten Sture gemeint sein. Vielleicht ist es gerade diese Ambivalenz, die den Reiz des Werkes schon zu seiner Entstehungszeit ausmachte.

Georg und der Drachenkampf Der Drache wurde fortan zu Georgs wichtigstem Attribut. Wo der Platz zu gering war für eine große Reitergruppe, zeigte man den Heiligen als stehenden Krieger, den Fuß auf das Untier gesetzt oder dieses in der Hand mitschleifend. Die Darstellung des Drachenkampfes blieb vom Spätmittelalter bis zum Barock ein besonders beliebtes Motiv bei den Künstlern, die so ihr Können und ihre Phantasie unter Beweis stellen konnten. Im Norden widmete sich Albrecht Dürer gleichermaßen dem kämpfenden Georg wie dem ruhig über dem Drachen triumphierenden Ritter (1504), ein Motiv, an dem besonders die Renaissance Gefallen fand. Fast zeitgleich entstand in Italien Raffaels Meisterwerk „Der heilige Georg kämpft mit dem Drachen“ (1505), ein kleines Tafelbild, das durch seine ausgewogene Farbigkeit und harmonische Komposition besticht. Viel weniger um Ausgleich, als um Dramatik und Spektakel ging es im Barock. Der Großmeister der Zeit, Peter Paul Rubens lässt seinen Ritter-Heiligen von links ins Bild preschen, die rechte Hand zum Todesstoss gegen das Ungetüm unter seinem Schimmel erhoben (1606). Die Barockzeit war es jedoch auch, die die Vielfalt der Georgs-Darstellungen langsam zum Ausklingen brachte. In der barocken Märtyrerglorie vieler Kirchen und Klöster wurde Georg wieder zu einem unter vielen Märtyrer-Heiligen, der Drachenkampf trat neuerlich in den Hintergrund. Obwohl die Tradition der Georgs-Darstellungen bis heute nicht abgerissen ist, scheint ihre Hochzeit mit Ende des Barockes überschritten. Als ideelles Vorbild vieler Gruppierungen, nicht zuletzt der Pfadfinder, bleibt der Heilige dennoch bis heute von großer Bedeutung.

Der heilige Georg und die Pfadfinder „ (…) Sanct Georg zog sein Schwert und erschlug den Drachen … Der König ließ der Jungfrau Maria zu Ehren und Sanct Georg eine schöne Kirche bauen, und auf dem Altar entsprang ein lebendiger Quell, der machte alle Kranken gesund, die daraus tranken … St. Georg bot der König unermessliche Schätze an, aber der … ließ sie unter die Armen teilen …“ (aus Jacobus de Voragine, Legenda aurea, 1263–1273)

Wer Jacobus’ Vita des Heiligen zu Ende liest, spürt schnell, welche Tugenden es gewesen sein müssen, die Baden-Powell dazu bewogen, den heiligen Georg 1909 zum Schutzpatron seiner Pfadfinder zu machen: Mut, Treue zu Gott und nicht zuletzt die Verpflichtung zur Hilfe Bedürftiger. Auch Baden-Powells Leben lässt erahnen, dass er in Georg sein ganz persönliches Vorbild eines ritterlichen und aufrechten Mannes gefunden hat und vielleicht werden es noch viele Pfadfinder und Pfadfinderinnen nach ihm tun.←

Foto: photos.com

ersten bildlichen Darstellungen Georgs in Form von Pilgerandenken (Amulette, Talismane), wie etwa eine kleine Gussform aus Smyrna (vermutlich 6. Jahrhundert.) zu finden. Auch römische Soldaten christlichen Glaubens brachten den Kult schon früh in den Norden, sodass das Patronat einiger der heute im österreichischen Raum befindlichen Georgskirchen aus dieser Zeit datiert.


Sea Scouts of South Africa Surfen, rudern, Grillerei auf hoher See: Pfadfinder-Alltag an der Küste Südafrikas. Ausgerechnet die letzten großen Weißen Haie haben den First Muizenberg Sea Scouts nun Outdoor-Bürokratie beschert. Text: Ivo Brodnik Fotos: Ian Mitchinson

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Die Gute ahoi, afrTat ika !


Im Rescue Boat auf Sea Scout Fotosafari mit Blick nach Capetown.

Freitag Abend in der winterlichen False Bay: am Surfers Corner Beach, dem Aussichtspunkt der Shark Spotter in Muizenberg versammeln sich die Pfadfinder in den Farben der Marine – Assistant Troup Scouter (in weiß), Sea Scouts (in blau).

Es ist Anfang August und immer noch Winter in der kleinen Küstenortschaft Muizenberg, zirka eine halbe Stunde südlich von Kapstadt. Hier sind nicht nur die Pfadfinder der 1st Muizenberg Sea Scouts allzeit bereit. Im wichtigsten Surfernest der Kap-Region ist das Pfadfinder-Motto das Credo für alle Einwohner, speziell wenn man im Wasser ist. Denn 11 Kilometer südöstlich entfernt liegt Seal Island: die Heimat von tausenden Seerobben und das Jagdgebiet der letzten großen Weißen Haie in Südafrika. Das hört sich nicht nur gefährlich an, das ist es auch. Jeden Freitag, um 19 Uhr 30 beginnt die Heimstunde. Pünktlichst. In alter Seemanns-Manier pfeift der Scout Trooper zum Antreten. Nur ein paar Sekunden später stehen alle 21 Buben und Mädel im Alter von 11 bis 18 Jahren in voller Montur bei der Flaggenparade. Respekt! Der 150-Quadratmeter-Raum bietet gerade genug Platz für die 3 Patroullen und jede Menge Baumaterial: haufenweise Pionierholz und leere Ölfässer, ein paar offizielle Flaggen vervollständigen die spartanische Dekoration. Nach fünf Minuten ist Schluss mit der straffen Ordnung und das gewohnte Chaos beginnt – bis auf die blaue Uniform und den •–/••••/– – –/••//– –••– –//•–/••–•/•–•/••/–•–/•–

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Fotos: ian mitchinson

exzessiven Gebrauch der Trillerpfeife unterscheidet sich der Ablauf der nächsten zwei Stunden nur wenig von dem der Gruppen in Österreich. Das Trockentraining wird primär auf einfache Patroullen-Spiele und Pionier-Aufgaben reduziert. Einige Punkte des Pfadfinder-Know-hows braucht man in Südafrika den Jugendlichen nicht extra näher bringen. Anders als in allen anderen Ländern der Welt wird hier die Geschichte der Pfadfinder in der Schule unterrichtet. Sie ist ein Teil von Südafrika, Baden Powell ein Nationalheld – zumindest für die britischen Nachkommen. Feuer machen und auf offenem Feuer kochen kann auch jedes Kleinkind. Das rituelle Kollektiv-Grillen wird hier Braai genannt – und im Leben eines Südafrikaners gibt es nichts was wichtiger sein könnte. Das überschreitet bei weitem die Dimension des europäischen Verständnisses. Der staatliche Feiertag der Abstammung – Heritage Day, gefeiert am 24. September – wurde zum nationalen Braai-Tag umfunktioniert. Und seit neuestem ist der Kapstädter Erzbischof und FriedensNobelpreisträger Desmond Tutu der offizielle Schutzpatron der Grillerei. Zum Abschluss herrscht wieder Ordnung, wird nochmals salutiert und die Fahne eingezogen, gebetet und verkündigt, was in den nächsten Wochen so ansteht. Ein paar hundert Meter nördlich, nur jenseits der Eisenbahn liegt an den Ufern der Meereszunge Zandvlei, das eigentliche Juwel der SeePfadfinder – die False Bay Sea Scout Base. Die Basis gehört dem Pfadfinderverband der westlichen Provinz und wird von zehn weiteren lokalen Sea Scout Gruppen verwaltet. Abwechselnd hat jedes Wochenende eine andere Gruppe Base Duty: die Pflicht von Freitagabend bis Sonntagmittag die Gruppeneigenen Garagen mit Material und Booten zu warten, sowie die allgemeinen Räumlichkeiten: Toiletten, Gemeinschaftsräume, Matratzenlager, Campingplatz und das Allerheiligste – die Outdoor Braai Area. Dabei wird gesegelt, geputzt und gegrillt, was das Zeug hält. Das Wassertraining für die drei großen Pfadfinder-Events der Bucht: Da wäre im Sommer das Kon-Tiki, eine Gemeinschaftsveranstaltung für Seeund Normalo-Pfadfinder. Am ersten Tag werden die Floße gebaut – schwimmende 3-Stern-Apartments mit Schlafmöglichkeit für mindestens 8 Scouts, einer Küche und separatem Klo. Während ein Teil des Trupps versucht, zwei Tage auf dem Wasser zu überleben ohne abzusaufen, läuft

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ahoi, afr ika !


Zandvlei: ein Meeresarm, dessen Kanal am Strand von Muizenberg so seicht ist, dass sich höchstens Seerobben zu den Sea Scouts verirren.

am Festland ein normaler Patroullen-Wettkampf (PWK) ab. Zusätzlich zu den PWK-Punkten werden Noten für Formschönheit, Funktionalität und Essenszubereitung am Wasser vergeben. Das Kon-Tiki ist mit 600 Teilnehmern und bis zu 2.000 Besuchern ein Riesenereignis. Drei mal im Jahr organisiert die Sea Scout Base eine Regatta – Teilnehmen können alle Pfadfinder der Provinz – solange der Vorat an selbstgebauten Saldhana-Jollen reicht. In der Regel teilen sich die Top-Platzierungen die Lokalmatadore – hart erarbeitet im Ruder- oder Segel-Bewerb. Das absolute Highlight der Sea Scouts ist der Seamanship-Wettkampf. Die Beteiligten können nur an diesem Wochenende das heißbegehrte Seefahrer-Abzeichen absolvieren. In den vier Kategorien - rudern, segeln, kochen und navigieren – zeigt sich, wer was kann, und ultimativ kann es nur einen geben. Seit ein paar Jahren fühlen sich die Sea Scouts wegen diesem Bewerb bevormundet. Früher konnte man problemlos jegliches Boot in der False Bay ins Wasser lassen und wild drauflos segeln oder rudern. Es musste nicht einmal ein richtiges Boot sein, Hauptsache es schwamm. Durch wachsende Bürokratie, auch bedingt durch den Artenschutz des Weißen Hais, gehört das unbeschwerte Wasserleben der Vergangenheit an. Heute kostet so eine Aktion eine Stange Geld. Da auf keinen Fall etwas passieren darf, müssen alle Hafenmeister der Bucht informiert werden, rückt die Wasserrettung mit Booten und Hubschraubern an, benötigt man die unterschiedlichsten Genehmigungen. Und just dieses Jahr wäre es so angebracht, sich als Sea Scout auch wirklich am Meer beweisen zu können: zur Hundert-Jahr-Feier der 1st Muizenberg Sea Scouts mit allem, was dazugehört: hohen Wellen, starken Winden, Buckelwalen und den großen Weißen Haien. Schmecks! Bleibt nichts anders übrig, als beim nächsten Braai die alten Piratengeschichten der Rover erneut aufzuwärmen: von richtigen Regatten auf hoher See in die Karibik und nach Südamerika. Mit einer Ozean-tauglichen Segelyacht – der Rotary Scout – so wie damals, im Jahr 2000, in einer Atlantiküberquerung von Kapstadt nach Rio in 12 Tagen und 17 Stunden. ← www.1stmuizenberg.co.za www.seascoutbase.co.za


Die Buren Die Geschichte der Pfadfinder ist untrennbar – und nicht ganz unproblematisch – mit der Geschichte Südafrikas verknüpft. Text: Jürgen Wallner Die Buren tauchen bei den Pfadfindern im Kontext der Lebensgeschichte Robert Baden-Powells (B.P.) auf. Weithin bekannt ist den meisten Pfadis, dass es sich bei den Buren um europäische Einwanderer ins südliche Afrika handelt und dass B.P. gegen sie kämpfte. Mafeking, die von B.P. als britischem Soldat gegen eine Belagerung durch die Buren gehaltene Stadt im heutigen Südafrika, ist in diesem Zusammenhang allen Pfadis ein Begriff und der Namensgeber für ein beliebtes Spiel. Dessen Spaß verdeckt jedoch einige düstere Details der burischbritischen Geschichte. Diese Geschichte wurde geprägt durch den europäischen Kolonialismus und Imperialismus des 19. und 20. Jahrhunderts und getrieben durch handfeste Interessen der Beteiligten an Bodenschätzen im südlichen Afrika. Im 19. Jahrhundert kam es zu ständigen Auseinandersetzungen zwischen Buren (auch ‚Afrikaaner‘ genannt), autochthoner Bevölkerung (v.a. den Zulus) und Briten. Im Zweiten Burenkrieg (1899-1902), dem Kontext für Mafeking, setzten die Briten mit einer rücksichtslosen Kriegsführung ihre Herrschaft durch. So internierten sie burische Zivilbevölkerung in concentration camps genannten Einrichtungen, wo Tausende starben, und vernichteten ganze Landstriche. Die Buren wiederum etablierten nach dem Ende des britischen Reiches ein System der Rassentrennung (Apartheid), welches die schwarzen Südafrikaner zutiefst diskriminierte und bis 1994 anhielt. Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Geschichte sollte somit den Heldenmythos des Verteidigers von Mafeking, Baden-Powell, stets begleiten. ←

www.poolbar.at/pages/wettbewerbe/style


Miritini, Kenia

Ein grünes Heim für Pfadfinder In Kenia planen europäische und afrikanische Pfadfinder gemeinsam ein „grünes Pfadfinderzentrum – und mehr …

Manchmal entstehen bahnbrechende Projekte abseits der großen Zentren. Zum Beispiel in Miritini. Miritini, das ist ein ärmlicher Vorort der kenianischen Stadt Mombasa, im äußersten Osten des Landes, am Ufer des indischen Ozean gelegen. In Miritini, das 20 Minuten Autofahrt vom Stadtzentrum Mombasas entfernt ist, soll etwas entstehen, was Kenia, ja Afrika und womöglich die ganze Welt noch nicht gesehen hat: ein nachhaltiges, auf ökologischen Prinzipien gebautes Pfadfinderhaus und Gemeindezentrum. Noch deutet auf dem Grundstück wenig darauf hin, dass hier an einem internationalen Vorzeigeprojekt gewerkt wird. Doch Christian Erxleben, Altpfadfinder und Projektmitarbeiter aus dem norddeutschen Ahrensburg, ist sicher, dass ein wichtiger Schritt schon stattgefunden hat: „Die Regierung hat den Pfadfindern das Grundstück geschenkt. Und es ist im Grundbuch eingetragen.“ Immerhin, das Grundstück ist nicht gerade klein: acht Hektar ist es groß.

Alle arbeiten ehrenamtlich Nachhaltig sein – und damit eine Vorbildfunktion für die Community haben, das ist die Idee hinter dem Projekt, das den Namen „Harambee Costa Kenya“ trägt: „Harambee“, das bedeutet auf Suaheli „zu86

mir itini

sammenarbeiten“. Die Initiatoren waren die Pfadfinder vor Ort. In ihrem Namen wandte sich die Kenia Scouts Association (KSA) vor einigen Jahren an Pfadfinder in Europa und bat um Unterstützung für die Projektidee. Im Jahr 2003 beschlossen Pfadfinder aus Deutschland, Österreich, Italien und Liechtenstein, die Kenianer bei ihrem Vorhaben zu unterstützen. Die Pläne hat man gemeinsam mit einem Architekten vor Ort erstellt, alle, „bis an die Spitze“, so Erxleben, arbeiten ehrenamtlich. „Das entspricht dem Pfadfindergedanken“, sagt er. Der Plan: ein „grünes“, ökologisch gebautes Pfadfinderhaus soll hier entstehen; ein Gebäude, das sich in einen natürlichen Kreislauf einfügt: Energiegewinnung und Verbrauch sollen sich die Waage halten; alles, was an Abfall oder Abwasser entsteht, soll wieder genutzt werden können. Und später einmal soll das Haus nicht nur die äußerst aktiven Pfadfindergruppen der Gegend beherbergen, sonder für die ganze Gemeinde von Nutzen sein – ein Pfadfinderheim inklusive Schule, Versammlungsraum, Gesundheitszentrum. Die Pfadfinderei ist in Kenia weit verbreitet, sie übernimmt wichtige soziale Funktionen, dort, wo der Staat nicht so präsent ist: „Die Pfadfinderei findet schon in der Schule

Foto: christian erxleben, taibali hamzali

Text: Jutta Sommerbauer


statt,“ sagt Erxleben, und sie gehört selbstverständlich zur Erziehung dazu. „Es gibt ja keine Sozialpädagogen dort.“ Christin Erxleben ist Architekt; er hat schon in Ghana Schulen gebaut. Er ist für die Entwürfe verantwortlich, ist selbst zwei bis dreimal im Jahr in Afrika. Und wird Kenia wohl noch öfter besuchen: Denn das Projekt hat eine Laufzeit von mindestens fünf, wenn nicht gar zehn Jahren. Warum dauert das alles so lange? Der Bau ist eben ein gemeinsamer Prozess. „Wir können jederzeit etwas hinstellen, aber das wird nur ein oder zwei Jahre stehen bleiben,“ erklärt Erxleben. Und beim Projekt in Miritini soll das anders laufen. Besser.

Pfadfinder setzen Zaunpfähle. Diese garantieren, dass das Pfadfindergelände frei bleibt.

Andernorts in Afrika kaum Thema: Umweltschutz Wich-

tiger Teil des Projekts sind deshalb auch die Workcamps: In den Camps arbeiten Jungpfadfinder und interessierte Jugendliche aus Europa gemeinsam mit Pfadfindern vor Ort drei Wochen in Miritini. Sie bilden eine Gemeinschaft, die das Projekt vorantreibt, in kleinen Schritten. Im September fand das vierte Workcamp statt, das nächste Workcamp soll im Sommer 2010 stattfinden. Zusätzlich sammeln die europäischen Pfadfinder Geld für das Projekt. Das Gebäude ist durchaus auch eine Herausforderung für die Nachbarschaft: Umweltschutz wird in Kenia noch nicht groß geschrieben, höchstens im Tourismus. „Dort wo es ums Überleben geht, steht Umweltschutz an letzter Stelle,“ sagt Erxleben. Umso wichtiger die Vorbildwirkung. Gerade etwa beim Thema Wasser und Abwasser. Trinkwasser ist oft nur über kilometerlange Transportwege erhältlich, Toiletten sind am Land oft nicht mehr als ein Loch im Boden, mit Holzpfeilern und Tüchern abgesteckt. Beim CommunityZentrum soll das mal anders werden: Die Idee ist, dass das Haus an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen wird oder einen eigenen Brunnen erhält. Und moderne Trockentoiletteanlagen. Wichtig ist den Pfadfindern die Verwendung örtlicher Materialien: Nicht nur weil das günstiger ist, die Ortsansässigen können die Baustoffe auch selber warten und ausbessern. Erxleben erklärt, worauf bei der Planung zu achten ist: Das Gebäude muss vor der Regenzeit schützen, ansonsten

muss es vor allem kühlen - die Winde werden architektonisch genutzt. Holz muss vor den zersetzenden Termiten geschützt werden, auch ein doppeltes Dach kühlt das Gebäude. Auf dem Dach wird Wasser gesammelt, man will auch eine eigene Solaranlage installieren. Traditionelle Bauweise und moderne Elemente werden vereint: Die Wände sind aus Korallensteinen, verbunden sind sie mittels Stahlbetonkonstruktion. Teilweise werden auch Schilfdächer verwendet. Das hat einen klaren Vorteil: „Das kann jeder im Dorf reparieren.« Damit das Pfadfinderhaus auch wirklich lange für die Community von Nutzen ist.“ ← Workcamp in Kenia: Pfadfinder und andere interessierte Jugendliche ab 18 Jahre können sich bei elfi.erasim@aon.at melden. www.harambee-costa-kenya.de 


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HEROLD


Tag 2: 22. MÄrZ 2009 09:39

abenteuer im eis Dass Pfadfinder oft und gerne im Freien unterwegs sind dürfte bekannt sein. Dass sie dort in Zelten oder anderen einfachen Behausungen übernachten wahrscheinlich auch. Neu ist vielleicht, dass sie mitunter auch im tiefsten Winter auf 1600 m Seehöhe versuchen eine Nacht in Schnee und Eis zu verbringen. Ranger und Rover auf Survival-Mission am oberösterreichischen Feuerkogel. Eine Fotoreportage und Iglu-Do-It-Yourself-Anleitung. Zum Nachlesen und Nachbauen. Text und Bild: Lukas Püspök

„Okay, vier Blöcke noch und dann den Schlussstein!“ hört man eine Stimme aus dem unfertigen Iglu. Das Team der Schneeblockschneider gehorcht und liefert in Rekordzeit das noch fehlende Material. Es ist bereits 17 Uhr, die Dämmerung bricht an und die fünf Pfadfinder der Pfadfindergruppe Wien 57 arbeiten mit Hochdruck daran ihr Schnee-Iglu fertigzubauen. Es ist schwere körperliche Arbeit die ihnen trotz der Minusgrade Schweißperlen auf die Stirn treibt. Aber bald ist es geschafft. Es werden gleichzeitig noch Fugen abgedichtet, der Eingang präpariert und im Inneren bereits Isomatten, Schlafsäcke und Kochgeschirr ausgepackt. In den letzten 8 Stunden blieb keine Zeit die Einsamkeit und Stille der Landschaft oder die überwältigende Aussicht auf die Berge des Salzkammerguts zu genießen. Das Projekt „5-Personen-Iglu“ hat den Tag ausgefüllt und alle Beteiligten an ihre körperlichen Grenzen gebracht. Die Übernachtung im Schnee ist die Belohnung dafür. Und ganz wie am Sommerlager im Zelt, bleibt auch in dieser kerzenbeleuchteten Unterkunft vor dem Einschlafen noch Zeit um zu reden. Über Gott, die Welt und das unvergessliche Abenteuer im Eis. ← IGLUBAUEn

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Iglu-DIYAnleitung

TAG 1 12:15

0,5 m tief mind. 1 m tief

Windrichtung

01. Vorbereitung des Bauplatzes Zu allererst muss ein günstiger Bauplatz gefunden werden. Am besten sucht man sich eine ebene, möglichst windgeschützte Stelle. Der Schnee vor Ort sollte windgepackt und dicht genug sein um kompakte Schneeblöcke schneiden zu können. Dann wird der Mittelpunkt des Iglus festgelegt und mit Hilfe einer Schnur ein Kreis gezogen um die Grundfläche zu markieren. Der Schnee innerhalb des Kreises wird ca. einen halben Meter tief abgegraben. Ein mindestens 1 Meter tiefer Eingangsgraben sollte normal zur Windrichtung ausgehoben werden.

15:02 TEMPERATUR: +6 °C

15 cm 60 cm

45 cm

02. Schneeblöcke sägen Der „Steinbruch“ aus dem die Schneeblöcke für den Bau des Iglus gewonnen werden, sollte in unmittelbarer Nähe zum Bauplatz angelegt werden. Zu Beginn wird ein Laufgraben ausgeschaufelt, der auf der einen Seite durch eine saubere, senkrechte Schneefront begrenzt ist. Aus dieser Front werden die Blöcke geschnitten. Ein Schneeblock ist in etwa 60 cm breit, 45 cm hoch und 15 cm tief und hat dann die passende Größe und Konsistenz, wenn er kaum noch zu tragen ist. 90

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Die richtige Größe haben die Schneeblöcke, wenn sie sich allein kaum noch wegtragen lassen.


17:53 SEEHÖHE: 1.633 m

14:57 17:54

Während die Sonne ihre letzten Strahlen auf die vorbeiwehenden Wolken schickt, wagen wir uns das erste Mal ins soeben fertig gewordene Iglu. Der Eingang ist nach unten versetzt. Im Freien tauchen wir ab, drinnen wieder auf.

Gefrorener Atem lässt das ungeschützt Haupthaar im Nu „ergrauen“. Warm wird einem beim Iglu-Bauen dennoch in Windeseile. iglubauen

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18:45 “… unfortunately, white men cannot make them …” Arktisforscher Sir Leopold McClintock vor 150 Jahren über die Behausung der Inuit. Aus „The friendly Arctic“ von Vilhjamur Stefansson. 1915

19:14 19:38

19:41

Draussen dunkel, drinnen Dunkel. Im Stirnlampenschein tauchen wir noch einmal hinaus in die Nacht und suchen einen stillen Ort. Das Ausstiegsloch funktioniert als „Kältefalle“ und Verschluss, denn kalte Luft ist schwerer als Warme. Drinnen wird’s deshalb bald wohlig warm. 92

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19:43

Schnur Knoten

Erste Reihe

03. Die erste Reihe setzen Der größte verfügbare Schneeblock wird über den Eingangsgraben gesetzt. Von dort weg setzt man eine Blockreihe um die Grundfläche des Iglus herum. Bereits bei der ersten Reihe sollten die Blöcke mit der 3-Punkt Methode eingepasst und dem geplanten Kugelradius entsprechend gekippt werden. (siehe: Die Kunst des Blocksetzens).

TAG 2 09:29

Spiralform schneiden

09:41 TEMPERATUR: –11 °C

04. Spirale schneiden und hochziehen

Ein traumhafter Tag und ein wunderbarer Ausblick – das Panorama vor dem Iglu, hinunter vom Feuerkogel.

Sobald die erste Reihe steht, wird die obere Fläche so geschnitten dass eine Spirale entsteht. Dabei reicht auch eine kurze Rampe über ein Drittel des Umfangs. Beginnend beim niedrigsten Punkt der Spirale, wird nun Block für Block gesetzt, bis am Ende nur noch ein Loch am höchsten Punkt offen bleibt. Da die letzten Blöcke nahezu waagrecht gesetzt werden müssen, ist hier ein besonders exaktes Arbeiten notwendig. iglubauen

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06:40 Durch die Fugen zwischen den Schneeblöcken (sie zeigen schön, wie sich das Iglu spiralförmig zuspitzt) locken die Sonnenstrahlen ins Freie.

05. Iglu schließen und Löcher stopfen Am Ende wird ein Schneeblock über das verbliebene Loch gelegt und von innen mit der Schneesäge so lange getrimmt, bis er perfekt sitzt. Das Iglu selbst ist dann fertig, wenn alle Fugen gestopft wurden.

09:33 OST: 13°43'17.3" NORD: 47°48'42.4"

06. Eingang fertigstellen Der Eingang sollte zum Abschluss noch ein Dach aus zwei aneinander gelehnten Blöcken erhalten.

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Schneesäge Die Schneesäge ist das einzige, gleichzeitig aber auch unverzichtbare Werkzeug beim Iglubauen. Mit ihr werden die Blöcke zuerst aus dem Schnee geschnitten und dann beim Setzen so angepasst dass sie sich stabil in die Konstrukt Die Länge des Schneideblattes bestimmt die maximal mögliche Größe eines Schneeblockes. Aufgrund der Steifigkeit, Schneideblattlänge und der rückseitigen Zahnung besonders zu empfehlen ist die Yang Fang SnowSaw. snowsaw.com

Die Kunst des Blocksetzens Neben dem „Abbau“ der Schneeblöcke ist deren exaktes Setzen für ein stabiles Iglu besonders wichtig. Richtig positioniert und sauber zurechtgeschnitten hat ein Block unmittelbar nach dem Setzen nur an 3 Punkten Kontakt mit der vorhandenen Konstruktion. Dazu setzt man ihn zuerst senkrecht auf und sticht mit der Säge an der unteren Fugenebene den Schnee aus. Steht der Block stabil auf den unteren zwei Ecken, wird er soweit nach innen gekippt, bis der dritte Punkt an der oberen Ecke Kontakt mit dem zuletzt gesetzten Block hat. Die korrekte Neigung jedes Blockes wird mit einer im Mittelpunkt des Iglus befestigten Markierungsschnur kontrolliert und wenn nötig angepasst.

Verrichtete Dinge: Wer viel schwitzt, muss viel trinken. Input, Output und der Ruf der Natur.

09:47

Ausgeschlafen: Alle vier Baumeister (von links nach rechts: Felix Kikuta, Katharina Grabner, Antonia Graf, Max Weigert) bevor’s wieder hinunter ins Tal geht. iglubauen

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Rücksicht auf Wald und Wild Skitouren und Schneeschuhwanderungen locken immer mehr Erholungssuchende in die alpine Winterlandschaft. Was uns entspannt und bezaubert, sollte allerdings auch beim Wild keinen Stress verursachen. Wenn die Tage kürzer werden, die Berggipfel vom ersten Schnee angezuckert sind, sich in den Tälern und Berghängen das Grün der Landschaft in ein buntes Farbenmeer von Rot-, Braun- und Gelbtönen verwandelt und sich in den bereits kalten Nächten der Reif über die Felder legt, dann ist der Winter nicht mehr weit. Diese Vorboten wecken erste Sehnsüchte für Aktivitäten in einer verzaubernden, bald tief verschneiten Winterlandschaft. Schneeschuhe und Tourenski haben, als dafür bevorzugte Hilfsmittel, einiges gemeinsam: Als Sportart gehören sie zu den sanften Winteraktivitäten, die es allein aufgrund ihrer Langsamkeit ermöglichen, den Naturraum aktiv zu erleben. Sie sind für den gesamten Bewegungsapparat gesund, stärken gleichzeitig das gesamte Kreislauf- und damit auch das Immunsystem, verbessern Fitness und Ausdauer. Dabei ist mit dem heutigen Equipment – ob sanft durch die Wälder streifen oder steil hinauf auf die höchsten Berggipfel – längst alles möglich. Außer Acht gelassen werden darf dabei freilich nicht, dass wir Freizeitsportler die Naturlandschaft mit Wildtieren teilen. Dass die kalten Wintermonate für viele Wildtiere äußerst entbehrungsreich sind. Ruhe und wenig Stress sind die wichtigsten Voraussetzungen für diese, den Winter unbeschadet zu überstehen. Der Skitourensport und das Schneeschuhwandern boomen schon seit Jahren. Auch in naher Zukunft dürfte die Kurve steil nach oben führen. Immer bessere Ausrüstung, eine gute Kondition und Ausdauer sowie die zunehmende alpine Erfahrung, ermöglicht nicht mehr bloß die Bewältigung von Standardtouren, sondern auch individuelle Touren und Schneeschuhwanderungen abseits vielbegangener Routen. Fraglos zählt das Erreichen eines Berggipfels oder das einsame Umherstreifen im Wald zu den schönsten Naturerlebnissen – um schließlich für kurze Zeit seine vergänglichen Spuren im Schnee zu verewigen. Das bedeutet aber auch, dass immer mehr Freizeitsportler flächendeckend in das Reich der Wildtiere eindringen und dadurch den gesamten Lebenszyklus durcheinander bringen können. Denn das draußen oft gefühlte elementare Alleinsein ist nur in den allerseltensten Fällen Realität. In allen Höhenstufen - vom Talboden bis in die höchsten Gebirgsregionen - sind Wildtiere beheimatet und versuchen dort unbeschadet durch den Winter zu kommen. Für Wildtiere ist der Winter eine Zeit, in welcher sie mit den Kräften sparsam umzugehen haben, sich den Energieverbrauch genau einteilen müssen und deshalb nur in den allernötigsten Fällen die Flucht ergreifen. Bei der gesamten Tourenplanung sei deshalb geraten, auch die Wildtierverträglichkeit (mittels Kartenmaterial, Wanderführerliteratur, usw.) mit einzubeziehen. Im Folgenden sollen Vorkommen und Lebensweisen jener Tierarten dargestellt werden, mit denen man als Skitourengeher und Schneeschuhwanderer häufig in Berührung kommt … ← 96

winterwandern

Fotos: w. gutmann

Text: Josef Essl


Auerhuhn Das Auerhuhn, unser

Zu Gast bei den Raufußhühnern Alpenschneehuhn Gerade Raufuß-

hühner wie das Schneehuhn verlassen sich in den Wintermonaten auf ihre perfekte schneeweiße Tarnung – sofern sie sich nicht in Schneehöhlen eingegraben haben. Kein Wunder also, dass man diesen Hochgebirgsvogel oft aus nächster Nähe beobachten kann, ergreift er doch zumeist sehr spät die Flucht. Schneehühner verbringen die Nacht in selbst gegrabenen Schneehöhlen, wo sie sich vor der Kälte schützen. Am Tag suchen sie Nahrung auf schneefreien, vom Wind abgewehten Kuppen und Kanten, wo sie sich von den kargen Zwergsträuchern ernähren. Tourengeher und Schneeschuhwanderer sollten deshalb auf Gratrücken besonders achtsam sein und diese strukturierten Naturräume umgehen oder meiden.

Birkhuhn Ein weiterer Vertreter der

Raufußhühner ist das im Bereich der Waldgrenze (also ein Stockwerk tiefer) lebende Birkhuhn, welches aufgrund seiner doch schon recht stattlichen Größe mit lautem Flügelschlag die Flucht ergreift. Im Gegensatz zum weißgefärbten Alpenschneehuhn besitzt der Birkhahn ein dunkles und die Birkhenne ein braunes Federkleid. Den Großteil der kalten Wintertage verbringen Birkhühner in selbstgegrabenen Schneehöhlen, wo sie vor allem steilere Tiefschneehänge bevorzugen. Die Gefahr, bei einer Abfahrt über die Schneehöhle zu fahren und ein Birkhuhn dabei zu verletzen, ist durchaus gegeben. Die Balzzeit des Birkhuhns findet von April bis Ende Mai statt und ist aufgrund der Hahnenkämpfe ein Erlebnis der besonderen Art. Wald- und strauchfreie Plateaus und Rücken an der Waldgrenze sind zu dieser Zeit die bevorzugten Plätze und sollten, unter dem Aspekt der alpinen Sicherheit, bei Skitouren und Schneeschuhwanderungen in den frühen Morgenstunden umgangen werden. Da die Waldgrenze generell als sensibler Wildtierlebensraum eingestuft wird, bedeutet ein Anstieg auf kürzestem Weg den geringsten Störeinfluss auf das Birkhuhn.

größtes Raufußhuhn mit bis zu 5 Kilogramm Körpergewicht, bewohnt die urigen, aber doch etwas lichten Fichten- und Lärchenwälder mit reichlich Heidelbeere als Unterwuchs. Gerade Abfahrten oder auch Schneeschuhwanderungen durch derartige Waldabschnitte, verursachen auf Dauer eine Verdrängung dieses stattlichen Vogels aus seinem angestammten Lebensraum. So verlockend insbesondere Schneeschuhwanderungen durch urige Bergwälder sind, wäre es dennoch ratsam, verstärkt ausgeschilderte Routen, ausgewiesene Schneisen oder auch vorhandene Forststraßen zu wählen. Das Auerhuhn, unser größtes Raufußhuhn mit bis zu 5 Kilogramm Körpergewicht, bewohnt die urigen, aber doch etwas lichten Fichten- und Lärchenwälder mit reichlich Heidelbeere als Unterwuchs.

Beim Tourengehen die Natur in vollen Zügen genießen und dabei die Langsamkeit entdecken. winterwandern

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Wie das Schalenwild mit der Energie haushaltet und Gamswild kann sich auf die Skitourengeher und Schneeschuhwanderer in vielfältig strukturierten Naturräumen durchaus gut einstellen, da es zumeist für den Menschen unerreichbar auf steile und schneefreie Südhänge ausweicht. Direkte Überschneidungen mit dem Lebensraum des Gamswildes lassen sich aber auch im Hochgebirge nicht vermeiden. Hier gilt es, sich ruhig zu verhalten, die Tiere nur aus der Distanz zu beobachten und falls möglich eine alternative Routenwahl zu treffen. Gerade im Frühjahr, wenn sich die wärmenden Sonnenstrahlen über die Südhänge

legen und der Firn die Tourengeher und Schneeschuhwanderer ein letztes Mal in die Berge lockt, wird man häufig in den Morgenstunden ganze Rudel von Gämsen antreffen. Diese werden von den Geißen mit ihren Kitzen gebildet, die im Gegensatz zu den einzeln lebenden Böcken äußerst sensibel auf Störungen reagieren. Bei einer panikartigen Flucht steigt ihr Energieverbrauch dann bis zum 8-12fachen an, wodurch die Fettreserven drastisch reduziert werden. Bei häufigen Störungseinflüssen durch den Menschen, führt dies zu einer Schwächung der Gämsen, was in strengen und langen Wintern auch den Tod einzelner Tiere bedeuten kann.

Das Rot- und Rehwild Das Rot- und

Rehwild lebt in Waldgebieten des gesamten Alpenbogens. Früher zog das Rotwild über die Wintermonate in die Ebenen und Aulandschaften der Täler und verbrachte dort seinen Winter. Heute ist das aufgrund der vielfachen Zerstörung dieser Landschaftsräume, des enormen Siedlungsdruckes und der laufenden Zerschneidung mit Straßen nicht mehr möglich. Dadurch wurde das Rotwild in unseren Gebirgsräumen zu einem „Standwild” und wird heute, so wie auch das Rehwild, zumeist ab Oktober bis in den Mai hinein gefüttert. Bei der Tourenplanung ist deshalb darauf zu achten, dass Fütterungsbereiche gemieden werden, da das Rot- wie auch das Rehwild in den Tagesstunden oft nur wenige Meter entfernt seine Ruhephasen einlegt. Erfolgt insbesondere beim Rotwild eine häufige Störung, verlagert es seine Äsungsaufnahme in die umliegenden Wälder und richtet dort zum Teil schwere Schälschäden an den Bäumen an, was zu einer Schwächung der Bergwälder führt und gleichzeitig für die Forstwirtschaft eine massive Holzentwertung bedeutet.

Bei häufigen Störungen schält das Rotwild die Rinde von den Bäumen und richtet dabei großen Schaden am Waldbestand an. 98

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Fotos: f. mayr, TUBBS-Snowshoes, s. moser

Stein- und Gamswild Das Stein-


Tipps – Rücksicht auf Wald und Wild 01. 02.

Respektiere Ruhezonen für Wildtiere und meide Fütterungsstellen. Vermeide Lärm.

04.

Waldgebiete möglichst auf Wegen oder Forststraßen durchqueren.

07. 08. 09. 10.

Richtige Zeitplanung: Aufenthalt auf Rücken und Graten (unter Beachtung der Sicherheit) nicht vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Die Waldgrenze ist der Lebensraum des Birkhuhns. Gehe nicht parallel zur Waldgrenze und halte Abstände zu Einzelbäumen und Baumgruppen. Verzichte bei geringer Schneelage auf Schneeschuhwanderungen und Schitouren. Die Grasnarbe wird dabei verletzt. Fahre niemals durch Aufforstungen und Jungwuchsflächen. Wirf keine Papiertaschentücher und Obstschalen weg. Bis zur Verrottung dauert es oft, Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte.

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Neben den Wildtieren gilt es aber auch Rücksicht auf unseren Bergwald zu nehmen, der uns Menschen einen wichtigen Schutz vor elementaren Naturgefahren (Lawinen, Steinschlag, Muren) bietet. Dass freie Waldschläge oder Schneisen gerade unter den SkitourengeherInnen zu einer Abfahrt einladen, ist durchaus nachvollziehbar, doch sollte hier bedacht werden, dass es sich um Aufforstungsflächen handeln kann und man bei einer Abfahrt große Schäden an den Jungbäumen anrichtet, indem man die Wipfel, die oft nur wenige Zentimeter unter der Schneedecke verborgen sind, mit den scharfen Skikanten regelrecht köpft. Die Jungbäume werden dadurch krank oder sterben ab und können damit in den Folgejahren keinen Schutz des Lebensraumes gewährleisten. Für SkitourengeherInnen und Schneeschuhwanderer gilt gleichermaßen, dass das Österreichische Forstgesetz das Betreten und Befahren von aufgeforsteten Flächen bzw. Jungbäumen bis zu einer Höhe von 3 Metern untersagt. Eingezäunte bzw. mit Tafeln ausgewiesene Aufforstungsflächen sollten ohnehin ein Tabu darstellen. In einigen vielbegangenen Gebieten Österreichs wurde in den letzten Jahren der Druck der Freizeitsportler auf die Naturräume und Wildtiere ungemein groß, sodass Maßnahmen zur Besucherlenkung notwendig waren. Ziel dieser Lenkungsprojekte ist es, den Wildtieren einen störungsfreien Rückzugsraum zu ermöglichen, um die harten Wintermonate gut zu überstehen. Für uns Freizeitsportler ist dies bloß mit ein wenig Verständnis, Rücksicht und etwas Verantwortung verbunden, ohne gleichzeitig auf grandiose und unvergessliche Naturerlebnisse verzichten zu müssen.

Erkenne die Lebensräume der Wildtiere (z.B. Fährten) und weiche ihnen nach Möglichkeit aus. Wildtiere nur aus der Distanz beobachten.

N N eu eu ! !

06.

bergwaldschutz = lebensraumschutz

Beachte bei den Schneeschuhwanderungen und Skitouren bestehende Regelungen (z.B. Jagdsperr- und Wildschutzgebiete, Aufforstungsflächen, Informationstafeln).

03. 05.

Gekappte Zirbe durch die scharfen Skikanten.

Reise (wenn möglich) umweltschonend mit öffentlichen Verkehrsmitteln an. Plane mehrtägige Aufenthalte statt Eintagestouren.

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Russel wächst mit den Herausforderungen – vom Abzeichen-Jäger zum weltgewandten Abenteurer.

Das ewige Abenteuer Statt seinen Lebensabend mit Rheuma-Wickel und Bridge-Runden im Altersheim zu verbringen, begibt sich Carl Fredericksen auf eine abenteuerliche Reise. „Oben – ein Film über das Verändern der Welt und dickliche Kinder als bessere Menschen. Text: Johanna Stögmüller Als Kind hat man noch Träume. Da ist die Welt nicht groß genug. Da ist der Himmel nicht die Grenze. Und Helden sind so, wie Helden eben sein sollen: gut gebaut und unerschrocken. Wir sehen ein Leben im Schnelldurchlauf. Carl Fredericksen ist glücklich, bleibt vom Schicksal aber nicht verschont. Am Ende ist er, inzwischen pensionierter Ballonverkäufer und grantiger Greis, müde und alt. Seit dem Tod seiner Frau Ellie ist er ganz allein. Gemeinsame Träume haben Patina angesetzt. Und schon ist die erste Träne verdrückt. Carl beschließt sein letztes Abenteuer zu wagen und tritt eine Reise ins Amazonas-Gebiet an – mit seinem Haus, an das er unzählige Luftballons befestigt hat. Diesen letzten Wunsch will er seiner großen Liebe erfüllen, das hatte er Ellie versprochen. Und nicht zuletzt ist seine Existenz durch ImmobilienHaie bedroht, die ihn samt seinen vier Wänden so schnell wie möglich entfernt sehen wollen. Auftritt des Antihelden: Russell ist Pfadfinder. Und Russell ist motiviert. Russel ist nämlich nur mehr einen kleinen Schritt vom ganz großen Glück entfernt. Um in der Pfadfinderhierarchie aufzusteigen, fehlt ihm nur noch eines: das „Hilf-einem-Älteren“-Abzeichen. 100

Oben

Gar nicht so einfach. Denn Russell klopft an die Tür von Carl Fredericksen und der braucht keine Hilfe. Vorerst nicht. Der dickliche Pfadfinder landet jedoch als blinder Passagier auf Carls Veranda, und dem schrulligen Pensionisten bleibt keine andere Wahl als ihn mit auf die große Reise zu nehmen. Kein Halt vor dritten Zähnen In der 3D-Welt von Pixars „Oben“ treffen zwei ungewöhnliche Helden aufeinander, die anfangs vor allem eines verbindet: Furchtlosigkeit. Der eine hat keine Angst, weil ihm das Leben scheinbar schon alles gelehrt hat. Der andere, weil er keine Ahnung hat, was da noch alles auf ihn zukommen wird. Kaum in Südamerika gelandet, raubt Russell dem Alten den letzten Nerv. Nach und nach nimmt diesem der kleine naive Klugscheißer aber auch die kratzige Eigenwilligkeit und verändert damit die Welt – wenn auch nur im Kleinen. Auf ihrem komischen Trip durch den Urwald trifft das Duo schließlich auf neue Freunde wie einen sprechenden Golden Retriever und einen riesigen paradiesischen Vogel. Gemeinsam treten sie gegen schlitzohrige Fieslinge an, stellen sich den Herausforderungen, welche die Natur ihnen stellt und bekämpfen den inneren Schweinehund. Die „Spirit Of Adventure“, wie Carl sein Luftschiff tauft, wird im Film zum Symbol des ewigen Abenteuers, das sich auch


nicht von der anfänglichen Abneigung, die Carl gegenüber den Reisebegleitern hat, aufhalten lässt. Gemeinsames Erleben verbindet nun mal. In der Wildnis erkennt Carl schließlich, dass die größten Abenteuer manchmal nicht diejenigen sind, nach denen man gesucht hat – und wirkliche Helden oft ganz anders aussehen, als in unserer kindlichen Fantasie. Social Skills in 3D „Oben“ erzählt nicht nur eine Geschichte, die einem hochstilisierten Heldentum die Hörner aufsetzt, sondern zeichnet auch eine charmante Karikatur der in den USA gängigen Pfadfinder-Klischees. Russell, der leicht idiotische Abzeichen-Jäger, der sein Zelt zwar schon in seinem Kinderzimmer, aber noch nie im Freien aufgeschlagen, entpuppt sich im Laufe der Geschichte als wagemutiger Draufgänger mit Prinzipien. Zwischen rasanten ActionSzenen und kleinen Gags avanciert er zum Musterbeispiel für die gelebten Grundsätze der Pfadfinderei. Russell wächst mit den Herausforderungen, die ihm das Leben stellt. Gemeinsam mit Carl entwickelt er „social Skills“ wie Vertrauen, Loyalität, Höflichkeit, Freundlichkeit und Mut. „Oben“ ist nicht das erste Filmabenteuer, in dem Pfadfinder zum Thema auf der Leinwand werden. Als Prototypen aller Pfadfinder-Charaktere gelten die Fieselschweiflinge Tick, Trick und Track, die Neffen von Donald Duck. Entenhausen und das Fähnlein Fieselschweif zeigen seit Jahrzehnten, wie subtil der Erziehungsauftrag in bunten Bildern umgesetzt werden kann. Neben der trotzdem immer wieder aufblitzenden Hochstilisierung des Pfadfinder-Alltags, die im zuckerlbunten Paralelluniversum von Disneys Entenhausen und in den luftigen Höhen von „Oben“ durchaus Legitimation erfährt, haben die drei Enten und der kleine Russell noch etwas gemeinsam: Sie sind neugierig. Sie sind allzeit bereit. Und sie sind alles andere als perfekt. Und damit wird 3D ziemlich menschlich. „Oben“ (Disney/Pixar), Regie: Pete Docter und Bob Peterson, ist ab Jänner 2010 auf DVD erhältlich. www.disney.de

Schauspieler Otto Schenk, Synchronstimme des alten Mannes in „Oben“, über seine Pfadfinder-Zeit.

Fotos: Disney / Pixar. all rights reserved, rudi Klaban

Interview: Philipp Pertl Sie sollen sich in die Hauptfigur des alten Mannes, den Sie in „Oben“ synchronisieren, verliebt haben. Wieso das? Das Verwunderliche für mich war, dass eine Kunstfigur so menschlich sein kann. Dieser Carl Fredricksen hat reagiert wie ein menschliches Wesen bis zur Erschütterung, bis zum Aufschreien, die Todesangst aber auch die Freude. Sie waren auch selbst bei den Pfadfindern. Ja, das war merkwürdig, das war in der Hitlerzeit. Eigentlich hätte ich Wölfling sein müssen, aber ein guter Freund von mir hat mir von der Pfadfinderei erzählt und so haben wir in der Illegalität der Nazizeit im Jahr 1942 eine Pfadfindergruppe gegründet, was damals lebensgefährlich war. Wir haben diskutiert, Hitlerwitze erzählt und ich habe damals von Baden-Powell gehört und von den Jamborees – wir haben davon geschwärmt! Wir waren ein bunter Haufen und die Pfadfinderei hat mir einen großen Spaß gemacht, auch wenn es nicht ungefährlich war, aber das war uns egal.


Kinderarmut in Österreich Armut ist allgegenwärtig – und Kinder trifft sie besonders. Österreich ist da keine Ausnahme. Warum Not nicht erfinderisch macht und soziale Netzwerke wie jene der Pfadfinder wichtige Werkzeuge im Kampf gegen die Armut sind, erklären Martin Schenk und Michaela Moser. rosa lyon: „Arm ist man, wenn man sich nicht aussuchen kann, ob man arm sein will“, meint der Nobelpreisträger Amartya Sen. Wie definieren Sie Armut? martin schenk: Jeder, der im Bereich von Armut arbeitet, sei es in Sozialberatungsstellen, in Frauenhäusern oder in Notschlafstellen sieht, dass Armut immer eine Kombination aus beidem ist: Die Leute haben wenig Geld, aber gleichzeitig auch einen immensen Mangel an Möglichkeiten. Sie können nicht tun, was sie gerne tun würden. Wenn sowohl die materielle Not als auch der Mangel an Möglichkeiten und Fähigkeiten gegeben ist, spricht man von manifester oder akuter Armut. michaela moser: Die Fähigkeiten sind ganz wichtig. Sehr oft werden nur die Möglichkeiten gesehen. Für „capabilities“ gibt es keine wörtliche Übersetzung ins Deutsche. Daher werden sie oft mit „Möglichkeiten“ oder mit „Verwirklichungschancen“ übersetzt. Eigentlich sind „capabilities“ aber eine Mischung aus Fähigkeiten und Möglichkeiten. Das ist sehr wichtig, denn es braucht auch die Fähigkeiten, um vorhandene Chancen ergreifen zu können. Denn sonst bleiben die Möglichkeiten leere Hülsen. martin schenk: Ich stelle mir das immer wie einen Birnenbaum auf einem Feld vor. Aus liberalistischer Sicht wäre Freiheit, dass der Birnbaum dort uneingezäunt steht und die Kinder sich die Birnen pflücken können. Manche Kinder können aber nicht gut klettern oder die Birnen hängen für viele einfach zu hoch. Es geht darum, eine Leiter für die Schwächsten zur Verfügung zu stellen – das sind die Möglichkeiten. Aber um hinaufzuklettern, braucht es auch die Fähigkeit, gut klettern zu können. Es braucht vielleicht sogar andere Hilfsmittel, etwa für Behinderte, um an die Güter des Lebens, die die Birnen symbolisieren, heranzukommen. Armutsbekämpfung heißt in Güter, Möglichkeiten und Fähigkeiten zu investieren. rosa lyon: Der Romanheld Tom Sawyer wird in der Not erfinderisch und lässt sich dafür bezahlen, dass andere den Zaun für ihn streichen.

martin schenk: Dahinter steht ein weit in der Kulturgeschichte zurückreichender Mythos: Not weckt ganz geheime Kräften und Menschen können durch Not die unentdeckten, in sich schlummernden Kräfte entdecken und dann Fähigkeiten entwickeln, die sie vorher nicht hatten. Das ist empirischer Unsinn. Das Gegenteil ist der Fall. Chronische Not schwächt Leute, lähmt sie, macht sie krank und am Schluss meistens auch depressiv. Dem Film „Slumdog Millionär“ liegt auch dieser Mythos zugrunde. Der Junge muss eigentlich schwer traumatisiert sein durch all das, was er erlebt hat. Im Film aber verleiht ihm das Elend neue Flügel. Jeder, der in Slums gearbeitet hat oder in der Entwicklungszusammenarbeit, weiß, dass das ein Mythos ist. Aber es beruhigt den Zuseher. Es wird suggeriert, dass je größer die Not ist, desto größer die Selbsthilfe. Praktisch zum Zuschauen. Das mit den Ressourcen zur Selbsthilfe liegt anders. Ein Forschungsstrang in der Kinder- und Jugendpädagogik trägt den Namen Resilienzforschung und geht der Frage nach, warum es Kinder gibt, die trotz schwieriger Lebenssituationen

„Weltgewandtheit erwirbt man sich in der Freizeit“ (Michaela Moser)

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arme kinder

Interview: Rosa Lyon Fotos: Florian Auer


Kinderarmut in Zahlen

100.000

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind manifest arm.

210.000

Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind armutsgefährdet, das Einkommen der Eltern liegt unter der Einkommensarmutsgrenze.

35.000

Kinder und Jugendliche verbringen ihre Tage unter Sozialhilfebedingungen.

61.000

armutsgefährdete Kinder wohnen in äußerst beengten Verhältnissen. In Österreich kann jedes sechste Volksschulkind nicht Sinn erfassend lesen. Deutlich weniger armutsgefährdete Kinder gehen in den Kindergarten als nicht-arme Kinder. gesund bleiben oder einen höheren Bildungsabschluss schaffen. Es gibt bestimmte Bedingungen, die widerstandfähiger, also resilienter machen. Ganz wichtig ist es, Freundschaften und soziale Netzwerke zu haben. Ein Netz, in dem man Anerkennung und Respekt erfährt und nicht Beschämung. Und in dem Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit möglich wird. Es braucht also Situationen, andere Menschen, Gemeinschaften, die solche Bedingungen schaffen. Allein geht gar nichts. rosa lyon: Es gibt Eltern, die wenig Geld haben, aber unheimlich liebevoll mit ihren Kindern umgehen. Sind deren Kinder arm? michaela moser: Natürlich ist der liebevolle Umgang mit Kindern wichtig, aber er reicht nicht aus. Mit Liebe können die Eltern die Wohnung nicht heizen und durch einen guten Umgang können sie kein Essen herbeizaubern. Kinder brauchen natürlich materielle Ressourcen, gesunde Ernährung und ein Dach über dem Kopf. Kinder brauchen außerdem gute Beziehungen zu ihren Eltern, aber auch zu einem weiteren Umfeld. Auch Kinder brauchen die Möglichkeit, sich bilden zu können, sich Vorstellungen von einem guten Leben machen zu können, sich auszutauschen, zu spielen, sich in der Natur erholen zu können, ihre eigene Umgebung mitgestalten zu können. rosa lyon: Welche Rolle spielen Jugend­organisationen wie etwa die Pfadfinder für Kinder aus armen Verhältnissen? michaela moser: Mir fällt auf, dass die Eltern in meinem Freundeskreis sehr bemüht sind, mit ihren Kindern zu reisen und ihnen etwas von der Welt zu zeigen. In

(Quellen: Armutskonferenz, Statistik Austria)­­

der Freizeit wird also auf eine ganz andere Weise ein Bildungsvorsprung entwickelt als er durch formale Bildung abgedeckt werden kann. Das macht feine Unterschiede, die dann eben sehr bedeutend werden. Viel davon ist mit materiellen Ressourcen, aber auch sehr stark mit sozialem Kapital verbunden. Tendenziell sind traditionelle Jugendorganisationen niederschwellig und haben einen sehr gemischten Zugang. Ich erinnere mich an meine Zeit bei der Jungschar, das ist bestimmt bei den Pfadfindern auch so, da waren Kinder aus allen Schichten in einer Gruppe. Es tut allen gut, Menschen aus anderen Verhältnissen kennen zu lernen. Außerdem spielen Kinder- und Jugendorganisationen eine wichtige Rolle bei der informellen Bildung, weil sie vielen Kindern zum Beispiel Ausflüge und Reisen bieten. Gerade diese zusätzlichen Erfahrungen, die man neben der Schule macht, sind ja enorm wichtig später für den Einstieg ins Berufsleben. Weltgewandtheit erwirbt man sich in der Freizeit. martin schenk: Es gibt wenige Bereiche, wo sich soziale Schichten mischen. Die Straßenbahn ist einer der verbliebenen Orte, aber dort redet man nicht viel miteinanarme kinder

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der. Möglicherweise ist der Fußballplatz für die Burschen noch ein Ort der sozialen Durchmischung. Bei der Musik diversifiziert es sich sehr stark nach Status. Ob man HipHop, Rock, FM4 oder sonst etwas hört, gibt zum Beispiel darüber Auskunft, ob man Hauptschüler oder Gymnasiast ist. Die Schulstruktur reproduziert sich auch in der Jugendarbeit. Die Freizeitgruppen in Jungschar oder Pfadfinder haben oft mit der Gruppenbildung rund um Gymnasiasten und Hauptschüler zu kämpfen. Zumindest in den Städten. Das sind Statuskonflikte. Auch Converse-Schuhe und Lacoste-Schuhe zeigen dann schon, wohin du gehörst. ConverseTräger hören „Green Day“ auf FM4, Lacoste Träger „Sido“ auf Ö3. Die einen haben Eltern mit Bildung und Geld, die anderen nicht. Eben zwei Paar Schuhe. Das sind die feinen Unterschiede, die die großen anzeigen. michaela moser: Wirklich dramatisch ist es ja dann, wenn man alleine oder nur zu zweit zu den Außenseitern gehört. Gruppenbildung scheint mir recht normal zu sein. Was auch immer der Anlass ist: die Schule, die Schuhe, die Musik. Dass aber jemand da ist, der das thematisieren kann, wie der Gruppenleiter in einer Jugendorganisation, ist enorm wichtig. rosa lyon: Warum kriegen arme Leute Kinder? michaela moser: Da sieht man, dass wir in einer Gesellschaft leben, wo man sich fragt, ob man sich Kinder leisten kann. Das sagt natürlich viel über die Verfasstheit der Gesellschaft aus, dass sich die Gesellschaft fragt, ob sich diese Menschen Kinder überhaupt leisten können. Obwohl Armut vererbt wird, kommen viele Armutsbetroffene nicht arm auf die Welt. Armutssituationen können schließlich auch auftreten, nachdem die Kinder schon da sind. Das Leben ist grundsätzlich nicht so planbar, wie oft behauptet wird. Man kann seine Karriere planen und auch Familie, aber dann passiert etwas Unvorhergesehenes. Das kann eine Krankheit sein, oder eine Trennung. Ich finde es positiv, wenn Kinderkriegen nicht irgendeinem Kalkül überlassen, sondern genau überlegt wird. Da kommen wir zurück zu den Verwirklichungschancen. Was kann und will ich einem Kind mitgeben? Der Zeitfaktor ist heute mindestens so virulent. Man kann sich auch fragen, warum Menschen Kinder bekommen, die sich dann ständig darum streiten, wer die Kinder betreut. Ich hoffe, es kommt nicht soweit, dass man armutsbetroffenen Leuten das Recht Kinder zu bekommen abspricht. rosa lyon: Die Börsenkurse steigen wieder. Ist die Wirtschaftskrise nun überstanden? martin schenk: Die Wirtschaftskrise wird abgesagt, weil sich die Börsenkurse erholt haben. Aber die soziale Krise steht gerade erst vor der Tür. Die Arbeitslosigkeit wird erst 2010 durchschlagen, auch die Kurzarbeit wird nicht ewig finanzierbar sein. Meine große Sorge ist, dass sich dahinter eine heimliche, aber große Verteilungsproblematik anbahnt: Während die Krise anfangs in aller Munde war, haben sich diejenigen Gruppen, die es konnten, aus dem Steuertopf geholt, was sie gebraucht haben. Die Banken etwa und auch die Industrie und Teile des sozialpartnerschaftlichen Systems. Wenn es jetzt darum geht, konjunkturelle Maßnahmen oder sozialpolitische Abfederungen für die untersten vier bis fünf Prozent der Bevölkerung, also für Armutsbetroffene, Pflegebedürftige, Sozialhilfeempfänger oder Kinder in Armut zu bekommen, ist plötzlich kein Geld mehr da und 104

arme kinder

Zur Person

Michaela Moser

ist Theologin und Ethikerin, arbeitet bei der www.schuldnerberatung.at, sowie für die www.armutskonferenz.at. Außerdem ist sie bei der Arbeitsgruppe www.frauenarmut.at und in der Denkwerkstatt www.gutesleben.org engagiert. Michaela Moser ist Mitautorin eines Feministischen Regierungsprogramms www.feministischerfrauenrat.at und Vizepräsidentin des Europäischen Armutsnetzwerks www.eapn.eu ←

Zur Person

Martin Schenk

ist Sozialexperte der Diakonie und Mitinitiator der Armutskonferenz. Er ist Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Studiengang Sozialarbeit Campus Wien. Seit 1989 in der Arbeit mit Jugendlichen tätig. Er ist Mitinitiator zahlreicher sozialer Initiativen: www.sosmitmensch.at, www.spendenparlament.at, www.hemayat.org, „Sichtbar Werden“ (Armutsbetroffene organisieren sich). Martin Schenk schreibt regelmäßig in der ← Wiener Straßenzeitung Augustin.

es droht der Staatsbankrott. Plötzlich gibt es einen starken Rechtfertigungsdruck gegenüber denen, die diese Ressourcen verlangen. Das ist Umverteilung von unten nach oben, die unsichtbar bleibt. In dem Moment, wo die Wirtschaftskrise abgesagt wird, kann auch leicht jede weitere sinnvolle Investition als unnötig denunziert werden. michaela moser: Kinder sind ja keine reine Privatsache, sondern in unser aller Interesse und in unser aller Verantwortung als Gesellschaft. Es wird auch ganz selten die Frage gestellt, was es wirtschaftlich bedeutet, wenn zu wenig in die Bildung investiert wird. Oft wird es so hingestellt, als wären das Ausgaben, die sich der Staat eben mit zusammengebissenen Zähnen abringen muss. Dass aber in der Gesellschaft von mehr sozialer und ökonomischer Gleichheit alle profitieren, wird leider nicht gesehen. ←


Monatsmagazin für Politik und Gesellschaft.

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QUALITÄT kann man sich leisten!

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Digitales Taschengeld Wenn man kein Geld hat, denkt man immer an Geld. Wenn man Geld hat, denkt man nur noch ans Geld. Sagte jedenfalls Jean Paul Getty, der Milliardär. Wir aber sagen: Geld ist nicht so wichtig, solange genug davon aus dem Bankomat kommt. Come mothers and fathers Throughout the land And don’t criticize What you can’t understand Your sons and your daughters Are beyond your command Your old road is Rapidly agin’. Please get out of the new one If you can’t lend your hand For the times they are a-changin’. (Bob Dylan, The Times They Are A-Changin’)

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GELD

Text: Ernst Schmiederer Im Grunde ist alles ganz einfach. Menschen brauchen Kohle. Erwachsene sowieso. Jugendliche erst recht. Und Kinder natürlich auch. Komplex wird die Sache allenfalls durch den Umstand, dass Kinder und Jugendliche das Geld im Regelfall von Erwachsenen bekommen oder es im schlechteren Fall von denen gar einfordern müssen. Wieviel sollen sie denn bekommen? Für welchen Zweck? Wie oft? Mit oder ohne Gegenleistung? Seit nun alles so schön digital ist, kommt eine Kleinigkeit dazu. Die Entscheidung nämlich, wie man den Jungen das Geld zukommen lassen soll. Bar auf die Kralle? Einmal im Monat? Per eBanking aufs eigene Konto? Wöchentlich? Als Upload auf die elektronische Brieftasche? Bei Bedarf? Wahnsinn, sagt der Redakteur des Pfadfi ndermagazins da. Das wäre doch eine Geschichte. In der heutigen Zeit. Wo alles digital und das Geld trotzdem immer zu knapp ist. Kannst Du das machen? Umgang mit digitalem Taschengeld. Kinder und e-Banking. Handy-Guthaben. Querdurch. Eh klar, kann ich. Übe mich schließlich seit gut 30 Jahren im Einsatz diverser Bankomat-, Konto- und Kreditkarten. Werde als Vater von Söhnen im taschengeldpflichtigen und markenaffinen Alter täglich mit einschlägigen Erfahrungen beschenkt. Habe als Teenager während ausgedehnter Interrail- und Autostopp-Reisen meine Geldscheine aus Sicherheitsgründen noch extrem körpernah, also an der Innenseite meiner Jeans vernäht getragen. Bin auch deshalb fortschrittsfi xiert und sehe etwa im bargeldlosen Zahlungsverkehr via Twitter mehr Zukunftspotential als im serviceund phantasiefreien Alltagsgeschäft eines Online-Unternehmens wie der Easybank. Daher: Ja, natürlich müssen Kinder in unseren Breitengraden ein Konto haben. Besser noch zwei: Erst eines zum Sparen. Und wenig später dann eines zum Geldausgeben. Zur inhaltlichen Unterfütterung dieser Behauptung konsultieren wir zwei Fachleute. Der eine, Bernd Lausecker, ist unabhängig in dem Sinne, dass er das Wohl des Kunden ganz allgemein im Auge hat. Im „Verein für Konsumenteninformation“ hält Lausecker die weite Welt der Finanz- und Bankgeschäfte im Auge: „Wir halten es für wichtig“, sagt er, „den Umgang mit digitalem Geld rechtzeitig zu erlernen und die Jugend an diese Instrumente zu gewöhnen, sonst glaubt jemand bei Berufsantritt noch immer, dass das Geld eh aus dem Automaten kommt.“


Lausecker empfiehlt daher, ein Jugend-Girokonto für das Taschengeld und ein separates Konto, auf dem Geld angespart wird: „So kommt man nicht durch ein höheres Guthaben auf dem laufenden Konto in Versuchung, das Geld einfach auszugeben.“ Das perfekte Jugendkonto gibt es nicht Entsprechend deutlich äußert sich auch Experte Nummer zwo: Philip, Gymnasiast, elf Jahre alt, also im besten Sinne parteiisch. „Der Vorteil vom digitalen Geld gemessen am Bargeld ist offensichtlich“, sagt er aus leidvoller Erfahrung: „Das Taschengeld kann überwiesen werden, ein Konto sorgt so für eine gewisse Regelmäßigkeit und erspart mir, dass ich fragen muss, wo mein Taschengeld bleibt.“ Nun denn, wenn das so klar ist, auf in den Kampf. Ein Sparbuch – einer aktuellen Jugendstudie zufolge hatte das Durchschnittskind 2008 fast 700 Euro am Konto liegen - gibt es bereits, nun geht es an die Gründung eines Giro-Kontos, mit Bankomatkarte und allem drum und dran. Hoch motiviert werden die aktuellen Angebote der Banken verglichen. Hier das „Kostenlose Jugendkonto“ der Bank A, dort das „aktivkonto“ der Bank B, das „Taschengeldkonto“ von C, die „Kids Card“ von D und soweiter und sofort. Gut, dass Herr Lausecker übertriebene Hoffnungen gleich vorweg gedämpft hat: „Ein perfektes Jugendkonto haben wir auf dem Markt noch nicht gefunden“, hatte er uns gewarnt: „Aber fast alle Banken haben Zuckerln bei den Jugendkonten und deshalb lohnt es, die Angebote zu vergleichen. Ein hipper Werbeauftritt bedeutet noch lange nicht, dass sich dahinter auch die beste Bank für den jeweiligen Kunden verbirgt.“ So eingestimmt lässt sich beim Vergleich auf den ersten Blick zunächst feststellen, dass es da wie dort dank Weltwirtschaftskrise kaum noch Zinsen gibt. Aktuell sind das etwa „0,500000% Jahreszinssatz“. Daher tun wir nun einmal mehr, was der Konsumentenschützer rät: „In den Jugendlichen sieht jede Bank die wichtigen Kunden der Zukunft. Daher macht es Sinn, zu verhandeln, um vielleicht einen kleinen Bonus zu erhalten.“ Und siehe da, Herr Lausecker hat Recht: 20 Euro legt die Bawag ohne langes Drängen bei Gründung eines „B4-19Kontos“ gleich einmal als Startkapital drauf. Ein Geschenk, wie Philip zufrieden erkennt. Innerhalb weniger Tage schickt das Institut seine Bankomatkarte und in einem eigenen Umschlag die fürs e-Banking nötigen Tan-Codes nach. Schon kann es losgehen: Der Elfjährige ist nun flüssig. Wie flüssig, das kann er mit seiner Karte ab sofort am Kontoauszugsdrucker oder via e-Banking auch online überprüfen. „So ein Konto“, erklärt er anschließend, „ist natürlich cool. Du kannst kaufen, was Du willst. Du kannst Deine Freunde beeindrucken – sagt jedenfalls die Werbung. Wirklich praktisch finde ich, dass ich ab jetzt einfach Geld dabei habe, wenn ich mir was zu Essen kaufen will – ich muss nicht mehr in der Früh nachschauen, ob ich genug Bargeld habe.“ Naja, mit kleinen Einschränkungen stimmt das: Philip kann sein Konto nicht überziehen. Da sind einmal die österreichischen Gesetze vor: bis zum 18. Lebensjahr darf ein Konto ausschließlich im Guthaben geführt werden, Kreditvergaben an Minderjährige sind tabu. Zum anderen sind wir selbstverständlich dem Rat des Experten Lausecker gefolgt:

Ob Bares oder digitales Taschengeld, wieviel soll es denn sein? Und was soll damit passieren? Erwartungsgemäß divergieren die Angaben über die Höhe der Zuwendung. Wer einer via krone.at verbreiteten Empfehlung des Sozialministeriums folgen will, soll Zehn- bis 14Jährigen Monat für Monat „6,4% des Nettoeinkommens“ überantworten. Realistischer scheinen Tabellen, wie sie etwa das oberösterreichische Jugendservice regelmäßig aufbereitet. 6–8 Jahre 8–10 Jahre 10–12 Jahre 12–14 Jahre 14–16 Jahre 16–18 Jahre 18–20 Jahre über 20 Jahre (Studenten) 

€ 0,50 bis € 2,– € 1,50 bis € 3,– € 2,– bis € 3,50 € 11,– bis € 16,– € 16,– bis € 30,– € 30,– bis € 50,– € 50,– bis € 70,– € 70,– bis € 100,–

wöchentlich wöchentlich wöchentlich monatlich monatlich monatlich monatlich monatlich (Stand: 2008)

Zu klären bleibt dann immer noch, wofür Taschengeld eigentlich gut ist. Mit einem Besuch im Cineplex inklusive Popcorn und Cola ist die Monatsrate verputzt, ein Marken-TShirt ist unter 20 Euro kaum zu haben, ein Eis kostet zwei Euro. Taschengeld im oben beschriebenen Rahmen reicht da nicht aus. Nach der Gleichung mehr Taschengeld = mehr Verantwortung empfiehlt sich daher, dass Eltern und Kinder gemeinsam die jeweils passende individuelle Lösung schneidern.

„Da Eltern eine Haftungserklärung unterschreiben müssen, ist darauf zu achten, dass die Limitgestaltung der Bankomatkarte sauber geregelt wird. Den Umgang mit Geld werden die Jugendlichen nämlich nicht von der Bank lernen.“ Damit aber zum Grundsätzlichen: the times, they are a-changin’. In Philips Worten: „Meine Großeltern haben sicher nicht soviel Geld bekommen. Für meine Eltern wäre eine eigene Bankomatkarte noch nicht einmal denkbar gewesen. Heute spart wohl keiner mehr Monate lang auf ein Brettspiel. Entweder man hat das Geld, um es zu kaufen. Oder man treibt es schnell auf, weil die Eltern vielleicht die Hälfte dazu zahlen. Oder man verzichtet einfach. Aber lange sparen ist eine sehr unbeliebte Methode.“ Wie gut also, dass es keinen Überziehungsrahmen gibt. „Schuldenfalle Handy“ Gemessen an den klaren Regeln der diversen Jugendkonten hängt am Handy-Betrieb immer noch ein Hauch Wildwest. Ganz zu Recht warnen Konsumentenschützer regelmäßig vor „der Schuldenfalle Handy“ seit immer mehr Jugendliche bei den Schuldnerberatungen auftauchen, nachdem sie unterschätzt haben, wie leicht man am Telefon zuviel Geld ausgeben kann. Auch Philip hat da seine Erfahrungen gemacht: „Das Handyguthaben ist auch eine Form von digitalem Geld. Man kann es nicht nur fürs Telefonieren ausgeben, sondern auch an vielen Getränke- und Snack-Automaten. Außerdem kann man am Handy perfekt abgezockt werden: man hängt bei einer Fernsehsendung in der Warteschleife und ist danach um vier Euro leichter. Man lädt Gratissounds aus dem Internet und zahlt dabei für die Datenübertragung. Eine Bankomatkarte ist da relativ harmlos.“ Womit wir am Ende wären: Das Leben ist zum Glück so schön komplex, dass der Umgang mit digitalem Geld rechtzeitig erlernt werden muss. An Bankomatkarte und Spar← konto führt also kein Weg vorbei. Geld

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Über mögliche Auswirkungen der Einführung einer Ganztagsschule auf Ehrenamtlichkeit – und die Freizeitaktivitäten bei freiwilliger Feuerwehr, Musikvereinen und bei den Pfadfindern. Eine Debatte.

Zerstört die Ganztagsschule die Zivilgesellschaft? Dokumentation: Andreas P. Jagersberger

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Die vieldiskutierte Ganztagsschule kann für ihre Schüler enorme Vorteile bringen. Vormittags wird normal unterrichtet, am Nachmittag bleibt Zeit für künstlerische und sportliche Aktivitäten und auch die Aufgaben werden mit Unterstützung der Lehrer noch vor dem Nach-Hause-Gehen erledigt. Dort haben sie dann wirklich freie Zeit, müssen sich nicht mit nicht-erledigten Hausübungen stressen und können sich ihren Hobbys widmen.

„Förderung außerschulischer Aktivitäten“ Katharina Cortolezis-Schlager

„Keine Gefahr für verbandliche Jugendarbeit“ Christian Morawek

Nein, unser Konzept eines freiwilligen und flächendeckenden Ganztagsbetreuungsangebots ist der Zivilgesellschaft keine Gefahr – ganz im Gegenteil. Da freiwillig und bedarfsorientiert, soll dieses Angebot zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen. In der Ganztagsbetreuung sehen wir keine bloße Aufbewahrungsstätte, sondern erwarten hochwertige Betreuung, fundiert auf einem pädagogischen Konzept, gepaart mit modernen und vielfältigen Freizeitangeboten. Enge Kooperationen mit Musikschulen und Sportvereinen sollen diese Vielfalt sichern. Mit dem Campus-Modell geht die ÖVP noch einen Schritt weiter: Auch die Bausubstanz könnten sich die unterschiedlichen Einrichtungen teilen – unterschiedliche Schultypen unter einem Dach, die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur auch für Partner wie Sportverein oder Musikschule zur Verfügung stehen. Schulen, die ein Ganztagsangebot in diesem Sinne bieten würden, könnten also Vermittler und Förderer außerschulischer Angebote werden. Unsere Forderung einer freiwilligen bedarfsorientierten Ganztagesbetreuung – und das flächendeckend – würde am Ende des Weges außerschulische Angebote näher an die Schüler bringen, und somit eine Schlüsselposition als Förderer in der Vereinbarkeit schulischer und außerschulischer Aktivitäten einnehmen. Die Regierung hat sich darauf verständigt, Nachmittagsbetreuung bedarfsgerecht umzusetzen. Nun geht es um die flächendeckende Umsetzung.

Eine gute, qualitativ hochwertige, verschränkte Unterrichtsform aus Unterrichts- und Lern-Einheiten, Freizeitangeboten und Erholungsphasen ist sicherlich einem fünf- bis sechsstündigen Frontalunterricht mit anschließendem Hausübungmachen und Pauken (meist alleine daheim) vorzuziehen. Allzu viele Kinder verbringen ihre Nachmittage mit Hausübungen, Lernen, Fernsehen und Gameboy – so gut wie unbegleitet. Allzu viele Eltern müssen Geld in Nachhilfe stecken, Geld das sie ja verdienen müssen, weil ihre Kinder mit Lerndefiziten aus der Schule kommen. Für die verbandliche Jugendarbeit sehen wir keine Gefahr, da wir aus unserer Erfahrung mit unseren Freizeitgruppen und den Best-practiceBeispielen von verschränkten Schulformen wissen, dass sich beides gut vereinbaren lässt. Kinder aus diesen Schulen kommen um 16 oder 16.30 Uhr aus der „Schule“, haben keine Aufgaben mehr zu machen, oft zusammen mit Schulkollegen bereits gelernt und konnten dazwischen noch einem Hobby nachgehen. Lehrer sind so und so große Vorbilder für Schüler. Die Kinderfreunde treten seit Jahren für die gemeinsame modulare Ausbildung aller Pädagogen auf Hochschulniveau nach dem finnischen Vorbild ein. So eine Ausbildung würde gewährleisten, dass alle Pädagogen, die mit älteren Kindern arbeiten eine fundierte psychologisch-pädagogische Ausbildung genossen haben und imstande sind, auch die sozialen Kompetenzen ihrer Schüler zu stärken.

Katharina Cortolezis-Schlager ist Nationalrätin und Wiener ÖVP-Stadträtin für Bildungs- und Wirtschaftsfragen.

Christian Morawek ist Geschäftsführer der Wiener Kinderfreunde.

Debatte


Fotos: ÖVP Wien, Plattform educare, Privat, PPÖ

Doch welche Auswirkungen hat es, wenn Kinder und Jugendliche von 8 bis 17 Uhr in der Schule stecken? Eltern müssten sich in jedem Fall nicht mehr um die Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder kümmern, wodurch beide Elternteile zwar voll berufstätig sein können, dadurch aber auch einen großen Teil Verantwortung in die Hände der Schule und der Lehrer geben. Auch ist fraglich ob die lockernden sportlichen und künstlerischen Aktivitäten während des Schultags wirklich als Freizeit betrachtet werden können. Schließlich befinden sich die Schüler immer noch in der Schule und stehen immer noch unter der Aufsicht der Lehrer. Viele Kinder und Jugendliche – die nicht in Ganztagsschulen sind – verbringen ihre Nachmittage bei freiwilligen und privaten Vereinen, wie Beispielsweise den Pfadfindern oder Musikvereinen. Dort werden sie in verschiedenen Bereichen gefördert und haben außerdem die Möglichkeit mehr soziale und Generationen übergreifende Kontakte zu knüpfen als lediglich mit Klassenkameraden und Lehrpersonal.

Nach einem acht Stunden langen Schultag ist es schwer vorstellbar, dass die Schüler nicht nach Hause gehen – weil sie eventuell auch einmal Ruhe und Zeit für sich haben wollen. Wo aber hätten (Jugend-)Vereine Platz in diesem System? Die meisten dieser auch für die Gesellschaft sinnvollen Freizeitaktivitäten finden an Nachmittagen statt. Wenn alle Kinder tagsüber in der Schule sitzen, könnten diese stark eingeschränkt werden. Das einzige was solchen Vereinen, wie auch der freiwilligen Feuerwehrjugend, übrig bleibt ist, ihre Aktivitäten auf das Wochenende zu verlegen. In einer Familie in der beide Elternteile ganztags arbeiten und auch das Kind erst am Abend nach Hause kommt, oder in ihre eigene Logistik erfordernden Patchwork-Familien ist das Wochenende allerdings auch die einzige Zeit in der Kinder wirklich etwas mit ihren Eltern unternehmen können. Welche Folgen hat es, wenn ehrenamtliche Vereine keinen Platz in der Gesellschaft mehr für ihre Aktivitäten finden? Besteht diese Gefahr überhaupt? Welche Vorraussetzungen müssen Lehrer, die den ganzen Tag mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt sind, mitbringen und welche Auswirkungen hat die Ganztagsschule auf Kinder? Könnte die Ganztagsschule letzten Endes doch schädlich für unsere ← Zivilgesellschaft sein?

„Herausforderung für Zivilgesellschaft“ Christina Pum

„Frage ist ein Widerspruch in sich“ Christoph Hofbauer

Die Naturfreundejugend steht dem Konzept Ganztagsschule positiv gegenüber. Natürlich darf es sich dabei nicht um eine reine Beaufsichtigung der Kinder am Nachmittag handeln, sondern es ist ein pädagogisches Konzept notwendig, das qualitativ hochwertige Betreuung sicherstellt. Es ist speziell auch auf die Schwächen von Schülern und benachteiligte Gruppen einzugehen. Damit wird zu mehr sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit beigetragen. Auch für die Gleichstellung von Frauen und Männern leistet die Ganztagsschule einen wichtigen Beitrag, indem sie es etwa alleinerziehenden Müttern erleichtert, berufstätig zu sein. Der Vorteil einer Ganztagsschule liegt auch darin, dass die Schüler wenn sie am Abend heimkommen wirklich Zeit für die Freizeit haben. Ein Konzept der Ganztagsschule sollte auch die Möglichkeit von Kooperationen der Schule mit Freizeitorganisationen und Vereinen beinhalten. Von besonderer Bedeutung für Vereine ist auch der arbeitsfreie Sonntag. Die Naturfreundejugend setzt sich dafür ein, dass der weitgehend arbeitsfreie Sonn- und Feiertag als „Familien- und Freundeszeit“ wie auch für Vereinsaktivitäten erhalten bleibt. Daher: Nein, die Ganztagsschule zerstört die Zivilgesellschaft nicht. Sie stellt diese nur vor neue Herausforderungen. Die Naturfreundejugend stellt sich dieser Herausforderung gerne, wenn mit der Einführung der Ganztagsschule soziale Gerechtigkeit, Integration, Chancengleichheit und eine bessere pädagogische Betreuung an den Schulen gefördert wird.

Schule – in all ihren Spielarten – war und ist die selbstreferentielle Reproduktionsanstalt jeder Gesellschaft, nur mit einiger Zeitverzögerung. Also, Schule bedient die Bedürfnisse der sie umgebenden Gesellschaft, sie wird von dieser zeitversetzt beeinflusst, gestaltet und beauftragt. Wenn nun die ganztägige Schulform flächendeckend eingeführt werden sollte, ist dies erstens eine Reaktion auf die veränderte Familien- und Berufssituation, zweitens ein Widerspiegeln der in der Erwachsenenwelt stark verschwimmenden Grenze zwischen klar getrennter Arbeits- und Freizeit (der kürzere Wechsel von Konzentration und Entspannung, von z.B. kreativen – motorischen – kognitiven Tätigkeiten ist ein Kennzeichen unserer Informationsgesellschaft), ist drittens für Kinder und Jugendliche (und deren Eltern) weit angenehmer, da Lernen – Bewegung – Kreativität in einer sinnvoll komponierten Abfolge stattfinden und die Lernleistung großteils in der Schule erbracht wird (und nicht Haus- und sonstige Übungen die Familie bzw. Nachhilfelehrer beschäftigen) und ist viertens keine Katastrophe für uns Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs: sonst wären ja alle Länder mit ganztägigem Schulsystem (von den USA über England und Skandinavien bis nach Italien) pfadfinder- und vereinsfrei! Christoph Hofbauer, 42, ist Bundesleiter der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ) und in der Pfadfindergruppe Wiener Neustadt beheimatet.

Christina Pum ist Bundesgeschäftsführerin der Naturfreundejugend Österreich. Debatte

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„Chance für unsere Internatsschule“ Johannes Karolus

„Miteinander statt gegeneinander!“ Peter Zellmann

Das Werkschulheim Felbertal in Ebenau bei Salzburg ist ein Privatgymnasium mit angeschlossenem Internat. Das besondere an dieser Schule ist, dass jeder Absolvent am Ende nicht nur ein Maturazeugnis besitzt, sondern auch eine Lehre abgeschlossen hat, wahlweise in Mechatronik, Maschinenbautechnik oder Tischlereitechnik. Für diese Doppelqualifi kation gibt es bei Schultests regelmäßig Bestnoten. Einzigartig ist dieses Konzept seit der Schulgründung vor mehr als 50 Jahren: Alexej Stachowitsch, der begeisterte Pfadfinder und Organisator des 7. Weltjamboree in Bad Ischl, gründete 1951 das Werkschulheim Felbertal. Dabei integrierte er Pfadfinderideen wie die kleine Gruppe als Einheit und das außerschulische Lernen in Lager- und Wanderwochen. Dies wird auch heute noch aktiv gelebt. Stachowitsch wollte, dass die jungen Menschen neben einer brauchbaren Allgemeinbildung auch ein Handwerk erlernen, um so optimal für das spätere (Berufs-)Leben vorbereitet zu sein. Das Lagerfeuersymbol im Logo der Schule erinnert heute noch an die pfadfinderische Herkunft. Selbstverständlich gibt es im Werkschulheim Felbertal eine eigene Pfadfindergruppe (Späher und Explorer), die sich jeden Mittwoch zur Heimstunde trifft. Sie gehören zum Landesverband Salzburg der PPÖ. Diese Internatsschule ist eine Mischung aus Lern- und Lebensgemeinschaft und bietet deshalb viele Chancen. Der ganze Tag ist sinnvoll strukturiert. Neben dem Unterricht und den beaufsichtigten Lernzeiten am Nachmittag gibt es gelenkte und ungelenkte Freizeit. Die Freizeitangebote reichen von musisch-kreativen Tätigkeiten bis zu sportlichen Aktivitäten. Instrumentalunterricht, Schülerbands, Maskenschnitzkurse, Volleyball, Fußball, Badminton, Sozialkreis oder die bereits genannte Pfadfi ndergruppe zählen zu diesen Angeboten. Für lese- und rechtschreibschwache Schüler gibt es Lesepartnerschaften und eine Legastheniebetreuung. Wenn durch das enge Miteinander Konfl ikte entstehen, lernen die Schüler schrittweise damit konstruktiv und lösungsorientiert umzugehen. Die jährlich stattfi ndenden Sport-, Kultur- und Projektwochen runden das „Lernen mit allen Sinnen“ ab.

Vorweg: Der semantische Ideologiestreit über Schulsysteme und Schulstrukturen ist europaweit längst entschieden. Nur in Österreich und Deutschland leistet man sich auf dem Rücken junger Menschen eine Theoriediskussion, die von den Bedürfnissen der Menschen und den Notwendigkeiten einer Vorbereitung auf die Zukunft weit entfernt ist. Ich möchte daher an dieser Stelle gar keinen Diskussionsbeitrag dazu leisten. Darüber hinaus kann man sich, ein wenig guten Willen vorausgesetzt, in jedem Fall auf die mindestens (!) zweitbeste Lösung einigen: Die Nachmittagsbetreuung stellt viele Familien (Doppelverdiener, Alleinerzieher) vor ein manchmal fast unlösbares Problem. Um nun die Bildungskonzeption für alle einigermaßen vergleichbar (Beispiel Zentralmatura) zu gestalten, ist es einfach notwendig, in einer verschränkten Form von Unterricht und Freizeit alle jungen Menschen mit denselben Bildungsinhalten zu konfrontieren. Die Freiwilligkeit am Nachmittag reduziert dieses Thema auf Leistbarkeit, Zufälligkeit bzw. individuelle Zeitstrukturen der Eltern. Alle diese drei Vorgaben können sich übrigens in jeder Familie sehr schnell ändern! Ein Schulkonzept, das alle erreicht und nicht nur für die Schule sondern auf das Leben vorbereitet, kann aber nicht von der Zufälligkeit sich dynamisch ändernder Familienstrukturen abhängig gemacht werden. Um spätestens 16 Uhr muss dann aber „Schule“ für den Alltag wirklich vorbei sein. Nur im Ausnahmefall dürfen dann „wiederholen, üben und anwenden“ den Feierabend in den Familien belasten. Unter solchen Umständen bleibt dann genug Zeit für jugendgerechte Freizeit mit Sport, Kultur, Sozialaufgaben oder individuellen Freiräumen. Im Gegenteil: durch die gut strukturierte Schulzeit wird die außerschulische Zeit erst zur wirklich „freien Zeit“ für Kinder, Jugendliche und Eltern. Darüber hinaus müssen, können und sollen Jugendorganisationen und Vereine in die neu zu organisierenden, durchaus über den ganzen Schultag verteilten Freizeitangebote miteinbezogen werden. Die Ganztagsschule wird dadurch zur eigentlichen Lebensschule. Die Kooperation mit anderen Bildungseinrichtungen wird damit auch rechtzeitig das Verständnis und den Zugang zu freiwilligem „lebenslangen Lernen“ ermöglichen.

Johannes Karolus, 52, ist Professor und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit am Werkschulheim Felbertal, einem Internat mit integrierter Pfadfindergruppe.

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DEBAT TE

Peter Zellmann, 62, Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung, Lehrbeauftragter der Universitäten Bremen, Potsdam und Wien.

FoToS: WErKSCHULHEIM FELBErTAL, FrEIZEITForSCHUnG.AT, DIE GrÜnEn

Welche Folgen haben Ganztagsschule und Nachmittagsbetreuung für die vereinsmäßig organisierte Jugendarbeit? Wie beeinträchtigen sie die Zivilgesellschaft?


„Verantwortung der Lehrer steigt“ Wolfgang Zinggl

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Der Schein trügt, dass Kinder in Halbtagsschulen mehr Freizeit haben. In dieser nur scheinbar freien Zeit müssen sie nämlich ihre Aufgaben machen, sich selbst versorgen, ihre Freizeit irgendwie organisieren und effektiv gelernt sollte möglichst auch noch werden. Die Ganztagsschule soll in erster Linie für die Kinder positiv sein. Es darf aber nicht sein, dass einfach Schultag und Lehrplan verdoppelt werden. Normale Schulstunden können in der Ganztagsschule mit Freizeitaktivitäten aufgelockert werden und somit auch effektiver genutzt werden. An den Nachmittag, wo kein neuer Lehrstoff mehr unterrichtet wird, haben die Schüler Zeit für ihre Aufgaben und zu lernen, wobei sie immer von ihren Lehrern unterstützt werden können. Ein Vorteil für die Kinder und Jugendlichen besteht darin, dass ihre freie Zeit nach der Schule wirklich Freizeit ist und für Hobbys, auch in Vereinen wie den Pfadfi ndern oder bei den Roten Falken genutzt werden kann. Eine psychische Entlastung der Schüler wäre ebenfalls garantiert, da sie sich in ihrer 24.11.09

12:00

Freizeit nicht mehr mit nicht geschafften und somit nicht erbrachten Hausübungen und meist sehr zeitintensivem, Alleine-Lernen beschäft igen müssen. Während auf Seiten der Eltern die Belastungen der Nachmittagsbetreuung ihres Kindes sinken, steigt klarerweise die Verantwortung der Lehrer enorm. Sie beschäft igen sich beinahe den ganzen Tag mit ihren Schülern, verbringen auch deren Freizeit mit ihnen und unterstützen sie bei den Aufgaben und beim Lernen. Dadurch bekommen Lehrer aber auch die Gelegenheit, mögliche Lernschwächen und Probleme in bestimmten Fächern zu erkennen und dem Schüler zu helfen diese in den Griff zu bekommen. Im Idealfall würde so ein Durchfallen gar nicht mehr in Frage kommen, da bereits lange vorher die Alarmglocken hätten läuten müssen. Wolfgang Zinggl, 38, war Pfadfinder und sitzt als Kultur- und Minderheitensprecher der Grünen im Nationalrat.


Joby Gorillapod

Die flexiblen Beine des Gorillapod erlauben es, die Digitalkamera oder Mini-Videokamera auf so gut wie jeder Oberfläche anzubringen. Über zwei Dutzend Gelenke lassen sich in 360° drehen und biegen. Der sogenannte „slim-line quick-release Clip“ hält die Kamera sicher in Position und rastet sofort auf dem Gorillapod ein. Saudämlicher Name, nützliches Produkt. Und am Lagerfeuer sogar ein ziemlich gutes Spielzeug (Stichwort: Rubik-Würfel-Ersatz). Kostet ca. Euro 21,95. www.joby.com

Ortlieb First Aid Kit L

Erste-Hilfe-Zeug macht zwar auch nicht glücklich, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man’s hat, wenn man’s braucht. Aber es hilft Gröberes verhindern. Die First Aid Kits von Ortlieb lassen keine Ausrede mehr zu. Denn die kompakten Pakete zeichnen sich durch ihr leichtes Gewicht, ihr kleines Packmaß, das strapazierfähige, wasserdichte Material und die hohe Funktionalität aus. Mit anderen Worten: Für sie muss immer Platz sein. Das First Aid Kit beinhaltet neben Heftpflastern, Wundschnellverbänden, Verbandspäckchen, einer Rettungsdecke und einem sterilen Verbandstuch auch eine Schere, vier Paar Vinyl-Handschuhe und eine Erste-Hilfe-Broschüre – für Euro 37,95. www.ortlieb.com

materialwart Weil es kein schlechtes Wetter, sondern bloß schlechte Ausrüstung gibt, haben wir Unentbehrliches, lasterhaft Luxuriöses oder einfach nur Praktisches für draußen zusammengetragen. Texte: Kati Kieser, Thomas Weber

UCO Windlicht

Das Windlicht von UCO eignet sich für den Gebrauch mit normalen Teelichtern. Überaus stabil und gut verpackbar, ist es trotzdem leicht zu bedienen. Zudem gibt es auch UCO-Modelle, die mit speziellen Zitronella-Kerzen beleuchtet werden – also trotz gemütlichem Kerzenschein keine Insekten anlocken und Mücken sogar dezidiert abwehren. Zu haben ab Euro 13,50. www.candlelantern.com 112

AUSrÜSTUnG

Brunton Solaris faltbar USB 3W

Das kleinste Solar-Panel aus der neuen Generation der faltbaren Solaris-Technologie bietet die Möglichkeit, mittels USB-Ausgang kleine Elektrogeräte auch mitten in der Wildnis aufzuladen. Das Panel arbeitet mit einer CIGS Dünnschicht-Solartechnologie und ist ab Euro 108,– zu haben. www.brunton.com

Grilliput Minigrill

Ein Zauberstab für mobile Puristen in Sachen Klarheit, Form wie Funktion. Der Minigrill von Grilliput macht sich unterwegs klein fürs große Grillvergnügen. Hochwertiges Material ermöglicht einen dauerhaften Einsatz. Nicht schlecht auch, dass das Teil auch komplett Spülmaschinen tauglich ist. Gut und einigermaßen günstig: Euro 29,95. www.grilliput.com


Simplon Elvox

Fotos: joby, ortlieb, candle lantern, brunton, griliput, simplon, pentax, pelican

Das Simplon Elvox erfüllt alle Erwartungen ambitionierter Biker und liefert Top-Material für höchste Performance. Durch das mandelförmige Profil des Oberrohres wird eine wesentlich höhere Seiten- und Verwindungssteifigkeit erreicht. Die seitliche Kante der speziellen Rohrform erhöht die seitliche Schlagfestigkeit des Rohres. Das Design entstand in Zusammenarbeit mit dem Wiener Studio Bezdeka. Erhältlich ist das Simplon Elvox auch in einer Girls Edition – ab Euro 2.749,–. www.simplon.com

Outdoor-Kamera Optio WS80

Die wasserfeste Pentax Kompaktkamera ist ein ideales Geschenk für Wasserratten. Das mit 10-Megapixel-CCD ausgestattete Gerät eignet sich laut Hersteller zum Schnorcheln für zwei Stunden bis zu einer Wassertiefe von 1,5 Metern. Auch Staub und Sand sind dank spezieller Dichtungen kein Problem. Mit einem Gewicht von nur 125 Gramm liegt die Kamera leicht in der Hand, als spezielles Extra können mit der Optio WS80 sogar HDVideos gemacht werden. Ab Euro 162,98. www.pentax.de

Pelican i1010 Case

Wasserdicht, bruchfest und staubdicht ist der Peli der perfekte Schutz für den iPod beim Skifahren, Wandern, Bergsteigen, Joggen und allen anderen Outdoor-Aktivitäten. Während der Player geschützt in seiner Hülle liegt, kann über einen externen Kopfhöreranschluss Musik gehört werden. Das Peli-Case kommt mit einem Deckeleinsatz für Kopfhörer- sowie Downloadkabel und einer Schlaufe zum Befestigen. Es passt für die iPodModelle Shuffle und Nano und kostet Euro 39,95. www.pelican.com

Ausrüstung

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Jack Wolfskin Kids All Terrain Texapore

Der Klassiker für Kinder: Der Kids All Terrain ist der wetterfeste halbhohe Schnürschuh fürs Wandern und Draußensein. Der Name verrät es schon: Er ist durch die Boulder-Sohle in jedem Gelände trittsicher. Hinzu kommt, dass die Füße auch bei Regen trocken bleiben, denn die Texapore O2-Membran macht den Schuh wasserdicht und hoch atmungsaktiv. Über die Nylonschlaufen und Metallhaken-Schnürung lässt sich der Schuh gut an den Fuß anpassen. Durch die spezielle Sohle bietet dieser Kinderschuh gute Stabilität, die auch im unwegsamen Gelände ausreichend ist. Verhältnismäßig günstig gibt’s ihn auch – für Euro 64,95. www.jack-wolfskin.com

Puma Cabana Racer

Ein Klassiker, der neu interpretiert wurde, ist der Cabana Racer. Diese neu konstruierte und modernisierte Version des originalen Easy Rider-Turnschuhs ist aus besonders leichtem Nylon mit überlappendem Wildleder gefertigt und präsentiert sich gleichermaßen bequem wie modisch. Sehr stylish ist der Sneaker auch noch. Zu haben um Euro 75,–. www.puma.com

baum:Taxi 40100 24.11.2009 14:13 Seite 1

100 Jahre

Pieps Freeride

Herzlichen Glückwunsch! 114

Ausrüstung

Das digitale Lawinensuchgerät mit einfacher und übersichtlicher Bedienung gibt es jetzt erstmals auch in Handy-Größe. Der Empfangsbereich beträgt bis zu 40 Meter und die Suchstreifenbreite beträgt 30 Meter. Die dynamische Feldlinienanzeige und der klare Ton unterstützen die Verschüttetensuche. Mit nur 110 Gramm Gewicht ist Pieps klein, leicht, praktisch und sieht auch noch cool aus. Für die funktionale Optik sorgte übrigens das steirischen Unternehmen Edelweiss Industrial Design. Kostenpunkt: Euro 140,–. www.pieps.com

Fotos: pieps, jack wolfskin, puma, the northface, planet earth clothing

Pfadfinder


The North Face Mammatus

Bei dieser Damen-Berg-Jacke kommt ein neu entwickeltes Gewebe (Gore-Tex Stretch Pro Shell) zum Einsatz. Diese innovative Haut bringt das Shell-Konzept ins nächste Level, indem sie die robusteste, atmungsaktivste, wasserdichteste, winddichteste und leichteste Pro Shell Membran mit einem Mikro-Netz unterstützt und somit stretchfähiger wird. Viele Superlative, ja. Aber halt fast was für die Ewigkeit – für Euro 549,–. www.thenorthface.com

Planet Earth Jersey Pant

Muss ja nicht immer Schlabber-Look sein. Diese Snowboardhose von Planet Earth hat einen gewissen Bootcut Jeansstyle. Sitzt enger, bietet aber noch ausreichend Bewegungsfreiheit. Alle Nähte sind verklebt und verschweißt, das Eindringen von Wasser an den Nähten ist so gut wie unmöglich! Gefertigt aus 100% recyceltem Nylon, gesehen um Euro 169,95. www.planetearth-clothing.com

Planet Earth Snooky Plaid Jacket

Die Lüft ungszipps dieser dezenten Karo-Jacke aus Recycling-Nylon garantieren, angebracht unter den Armen, auch an Tagen ohne Eiseskälte ein angenehmes Klima. Die Kapuze ist abnehmbar und die Imprägnierung (10.000 mm Wassersäule/5.000 g Atmungsaktivität) hält trocken. Gibt’s inklusive verstecktem und abnehmbaren Schneefang um Euro 199,95. www. planet-earth-clothing.com

Ich will nicht schlaGen und nicht GeschlaGen werden! JeDeS kinD kennt GeWalt. Jedes Kind kennt Mobbing. Jedes Kind soll andere Lösungen für Konflikte finden können.

Kindercharta

Die des österreichischen Jugendrotkreuzes. Schreib, schick oder filme deine ideen dazu. Bis 31. Jänner 2010. Präsentiere deinen Beitrag beim kindergipfel im Frühjahr 2010 in Wien. Mach mit – allein, mit Freunden, mit deiner klasse! www.jugendrotkreuz.at/kindergipfel

www.jugendrotkreuz.at/kindergipfel


Klättermusen Gnå

Die schwedische Firma Klättermusen wurde auf der ISPO für diesen Rucksack mit dem neuen Eco Responsibility Award ausgezeichnet. Es handelt sich beim Gnå um den ersten Rucksack, der zu 100% aus recycelten Fischnetzen und Nylonmatten hergestellt ist. Schön ist er auch. Zu haben für Euro 231,95. www.klattermusen.se

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Ein ausgewachsener Toploader für Kinder ab acht. Auch der kleine Baloo ist eigentlich schon ein ganz Großer. Zumindest was das reduzierte Design angeht: reife Leistung. Das gepolsterte Rücken- und Tragesystem garantiert Komfort. Fassungsvermögen 22 Liter. Benötigtes Börsenvermögen Euro 47,50. www.tatonka.com

Aarn Marathon Magic

Aarn Packs genießen unter Conaisseuren einen hervorragenden Ruf. Zu Recht: Sie bieten durch ihre beweglich gelagerten Schultergurte immense Bewegungsfreiheit. Mit Hilfe von Fronttaschen kann die Last gleichmäßig verteilt werden. Dadurch steht man aufrechter – das spart Kraft. Außerdem lässt sich der Rucksack ganz genau auf den Träger einstellen. Marathon Magic gibt’s um Euro 119,90. www.aarnpacks.com

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AUSrÜSTUnG

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Das Bergbett ist Ausgangs- und Zielpunkt für Bergtouren und ein Ort der Entspannung. Als eine Alternative zu Biwak und Berghütte schließt es die Lücke zwischen „extrem“ und „bequem“. Für einige Tage bietet es nötigen Schutz und Komfort für ein bis zwei Personen. Es ist saisonal örtlich versetzbar und kann Hangneigungen bis 30 Grad ausgleichen. Zu Recht wurde das Bergbett im Sommer 2009 auf der Branchenmesse OutDoor in Friedrichshafen als besonders innovativ ausgezeichnet. www.melvillebranddesign.de


www.ambuzzador.com

Victorinox SwissFlash

Vieles in einem ist das SwissFlash ein äußerst nützliches Taschen-Tool. Immer griffbereit bietet es mit seinem Memory-Stick einen Datenspeicher, eine LED-Leuchtdiode (weiß), eine Druckkugelschreibermine und die üblichen Funktionalitäten wie Klinge, Nagelfeile und Schraubenzieher. Reichlich viel für eine Investition von Euro 52,–. www.victorinox.ch

Victorinox Rescue Tool

FoToS: KLäTTErMUSEn, TATonKA, AArn, MELVILLE BrAnD DESIGn, VICTorInox

Messer des Jahres 2007 – ehrenvolle Titel sind in der Praxis eher wurscht. Verdient verliehen bekommen hat ihn das Rescue Tool dennoch. Neben Bewährtem wie Einhandklinge oder Schraubendreher enthält es auch Scheibenzertrümmerer, Frontscheibensäge und Gurtschneider. In Griff weite im Handschuhfach gibt es also ein sicheres Gefühl – und schön exotisch ist der Schweizer Lebensretter in seinem Neon-Design auch noch. Zu haben um Euro 64,–. www.victorinox.ch

Victorinox CyberTool

Alles in einem vereint Victorinox’ CyberTool. Oder fast alles in einem – gibt es das gute Stück doch wahlweise mit 29, 34 oder 41 Funktionen. Handlicher geht’s also kaum, unterwegs für fast jede Problemstellung ein „Lösungsmittel“ mit dabei zu haben. Besonderheiten wie ein Nadelöhr, der Bitschlüssel oder der Minischraubenzieher (mit 1,5 mm) sind allerdings auch schon in der Ausführung mit „nur“ 29 Funktionen zu fi nden, den es ab Euro 52,– gibt. www.victorinox.ch


SELL YOUR M NOT YOUR SOUSIC, TOOLS FOR UL SHAMELESS SELFPROMO TION

1, 2, 3 GO! 1

PROFIL ANLEGEN

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ampster.net Die neue Plattform für Bands und Musiker. Lege dir ein Profil an, lade deine Tracks hoch, biete sie zum Download an und verbreite sie im Netz oder übers Handy/iPhone. Jack Wolfskin Grow up

web: handy:

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Ein mitwachsender Kinderschlafsack: Das Fußteil lässt sich bis zu einer Körpergröße von ca.150 cm expandieren. Bei Kleinkindern wird es doppellagig verwendet und bietet so eine besonders gute Isolierung für kälteempfindliche Füße. Sinnvoll, praktisch und perfekt fürs Pfadfinderlager. Zu haben um Euro 69,95. www.jack-wolfskin.com


Mäser Bio-Baumwoll-Jet „Warth“

Dieser klassische Skirolli ist aus 100% organischer Baumwolle – also bio durch und durch – und nach GOTS Standard hergestellt. Auch die Weiterverarbeitung der Wolle und die Fertigstellung des Produktes werden nach sozialen und ökologischen Gesichtspunkten kontrolliert. Er eignet sich zum Skifahren, aber auch für andere Sportarten und ist in der Freizeit ein zuverlässiger Begleiter – Qualität für Euro 40,–. www.maeser-austria.com

Craghoppers NosiLife Atoll Long-Sleeved Zip Top

Das Besondere an diesem Stück Textilie ist der einzigartige Stoff. Dieser ist nicht nur Sonnenschutz, sondern wehrt auch Gelsen und Mücken ab. Möglich ist das durch permanente Impregnierung. Perfekt also für Wanderausflüge und Kanutouren – nicht nur solche in den hohen Norden. Qualität und Innovation haben freilich ihren Preis, das Long-Sleeve Top ist ab ca. Euro 40,– erhältlich. www.craghoppers.com

Ortlieb Big Zip

FoToS: JACK WoLFSKIn, MäSEr, CrAGHoPPErS, orTLIEB, rIDE SnoWBoArDS,

Robuster Rundumschutz ist ein Muss für Outdoor-Aktive. Empfi ndliche Geräte (Handy, GPS, PDA), aber auch das restliche Gepäck sind im Big Zip sicher verstaut und doch bestens erreichbar. Die Unterseite besteht aus reißfestem, PU-beschichtetem Gewebe. Der spritz- und staubdichte Roll-Klettverschluss ist besonders praktisch, wenn doch mal schnell „eingegriffen“ werden muss. Mit einem Preis von Euro 179,95 nicht ganz günstig, dafür gut. Und langlebig. www.ortlieb.com

Ride Sowboards „Machete“

Das neue Machete hat vor allem eine Funktion: das Leben abseits der Piste angenehmer zu machen. Um das Eingraben in den Schnee zu verhindern, wurde das Machete Board mit Rides neuem LowRize Rocker ausgestattet. Gibt’s um Euro 459,95. www.ridesnowboards.com

Ortlieb Wasserkatze

Als mobiles Trinksystem lässt sich die Wasserkatze direkt um die Hüfte „schlingen“ – und deckt mit 2 Litern Füllmenge den Flüssigkeitsbedarf. Ein Gurtband mit Steckschnalle sorgt für bequemes Tragen am Körper oder im Rucksack. Kostet Euro 19,95. www.ortlieb.com

Ortlieb Packsack PS10 Ultraleicht

Selbst ausgeklügelte Gepäckstücke bieten kaum individualisierbaren Innenraum. Weshalb selbst Profi-Packer ihre Ausrüstung themenspezifisch einwickeln. Im PS10 von Ortlieb lässt sich mit sicherem Griff das Verbandszeug aus dem Rucksack ziehen. Ab Euro 9,95. www.ortlieb.com AUSrÜSTUnG

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Austrialpin Slackline 15 m

Der Slackline-Sport, also balancieren und Kunststücke machen auf einem Seil, entwickelt sich und längere Lines sind gefragt. Diesem Umstand trägt die neue 15-Meter-Line Rechnung. Wie auch schon die Base Line zeichnet sich diese Slackline durch ein angenehm zu gehendes Band aus und ist schnell und unkompliziert im Aufbau. Strapazierfähige Euro 79,90. www.bergfuchs.at

Led Lenser Head Fire Revolution

Ein weitreichendes LED-Flutlicht. Superhelles, brillantes Nah- und Fernlicht durch den stufenlosen „intelligenten“ Circularpotentiometer, der immer und überall ein optimales Helligkeitsmanagement ermöglicht. Die spezielle Linse bündelt das Licht optimal und wirft es so weit voraus, dass die Lampe auch für schnelle Sportarten wie Reiten, Skifahren, Radfahren oder Inlineskaten bestens geeignet ist. Nicht von der wirklich hässlichen Verpackung abschrecken lassen! Zu kaufen um Euro 42,90. www.ledlenser.com

Koch Alpin Ice Box

Iglu-Bauen leicht gemacht. Mit der Ice Box von Koch alpin ist es ein Einfaches, auch bei geringer Schneehöhe und bei Pulverschnee ein Iglu aus dem Boden zu stampfen. Sie ist verstellbar für Iglugrößen von 2 bis 3,5 Meter Durchmesser (also geeignet für ein Iglu für zwei bis sechs Personen). Die Ice Box ist extrem kältebruchfest (bis –50°C) und somit bestens geeignet auch für extremste Einsatzorte. Kostenpunkt: Euro 229,90. www.kochalpin.at

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AUSrÜSTUnG


Daniel Kehlmann VOLLTEXT Abonnent

Sl3 Fire Steel Knife

Das aufklappbare Outdoor-Messer hat einen Magnesiumstab inbegriffen, der als AnzĂźnder bzw. Funkenstab dient. Feuermachen funktioniert hiermit auch bei Nässe und in groĂ&#x;en HĂśhen. Wir habenâ&#x20AC;&#x2122;s probiert und gekauft um Euro 19,90. www.kochalpin.at www.light-my-fire.com

Zeitung fĂźr Literatur Thematisch ist VOLLTEXT breit angelegt, widmet sich Genres, die in etablierten Literaturzeitschriften und Feuilletons kaum Platz haben.

Fotos: bergfuchs, koch alpin, led lenser, vermigrand

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Vermigrand Regenwurmfarm

Geruchsneutral kĂśnnen hiermit drauĂ&#x;en wie drinnen Bio-Abfälle kompostiert werden. Diese Kompostkiste ermĂśglicht es auch allen, die Ăźber nicht ausreichend Platz fĂźr einen richtigen Komposthaufen verfĂźgen, Bio-MĂźll richtig zu entsorgen und dabei ein hochwertigen DĂźnger zu produzieren. Die Geschäftsidee des Biobauern Alfred Grand ist zudem Ăśkopädagogisch sinnvoll â&#x20AC;&#x201C; ist die Wurmkompostkiste doch eine äuĂ&#x;erst einfache MĂśglichkeit, Kindern den Kreislauf der Natur näherzubringen. Ab Euro 122,â&#x20AC;&#x201C;. www.vermigrand.com

Arnold Stadler

<`e[ldd\iD\ejZ_ mit Arnold Stadler Angelika Klammer im Gespräch nde Erinnerung, den Ăźber Literatur als stellvertrete s und sein eben erschienene â&#x20AC;&#x17E;sprachverschlagendenâ&#x20AC;&#x153; Tod Und dann so. Buch Einmal auf der Welt.

:[h:_Y^j[h kdZZ[hD[edWp_$ Erich Fried schreibt Michael KĂźhnen

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SEITE 8

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NEULICH

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XZ_k N`\dXeXlj[\d8lkfi\`e>\jg\ejkd Handke Hans HĂśller verteidigt Peter @Z__f]]\#@_e\e_`\id`k^\[`\ekql_XY\e und Kontostand Martin Prinz Ăźber Literatur

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WIE LANGE BLEIBT MAN EIT EL?

E\l\9Â&#x2022;Z_\i Richard Stark, Rezensionen zu: Stefan Slupetzky, dazugeschrieben und gestrichen, aber auch Sätze  Matthias Politycki fĂźr mich nie abgeIch war ein- ich schon Ihre ersten drei Romane, Das Schreiben ist im Prinzip sind ge- umgestellt. auf, sowenig wie die Liebe, Hund, meine Sau, mein Leben, Das Schreiben hĂśrt nie mal, Feuerland und Mein eigenen Titel schlossen. heiĂ&#x;t: das Lesen. einem Band, der einen Erauch zum Schreiben, das rade neu erschienen, in lebendigen Begriff von Sie mĂźssen einen sehr bekommen hat. Ihre Kindheit, Juvielleicht war das Sie deuten und gewichten Drei BĂźcher in einem, genau innerung haben, Begonnen hab ich ja vor ja jetzt neu. jetzt gend, Adoleszenz von Anfang an so gedacht. war einmal hat den Titel: da sagte ich mir: Du schreibst Der erste Teil von Ich ANGELIKA KLAMMER hat sich fĂźnfundzwanzig Jahren, weiter. Und Gegenwartâ&#x20AC;&#x153;. Diese Erinnerung längst es gut. Es ging aber doch in â&#x20AC;&#x17E;Erinnerung, zweite iY^_Y^j[$PkcJ^[cW ?Y^X[]_dd[X[_Z[hLeh][# dein Buch, und dann ist persĂśnlichen Erinnerung die mir sehr wichtig sind, [hp^bj" dkh Z_[i[ ?^h[iHecWdi7j[ciY^ von der banalen individuellen, Erinnerung, der Versuch eijetzt sind diese drei Romane, ^WX[dI_[[ Titel Einmal auf der Welt. _cc[h ]b[_Y^[d dem kĂźnstlerische unter eine Wka[b ist _d[dZ_h[aj fĂźr mich, ich kdZIjp[pk][m_ii[d fest, gelĂśst. Es 8[c[hakd einem Band erschienen Ich schreibe ja nicht nur das stelle ich immer mehr Z[fehj_[hj$7biI_[Wk\ [d8[pk]0?^h[Ckjj[hmWh I_jkWj_ed[d"d_Y^ji_c ][d Und dann so. Mein Schreiben, bin, zu ner stellvertretenden. ist fĂźr die, die nicht jW_b$ :Wi aeccj damit etwas aufgehoben der Tatsache, dass ich sterblich :[# dWY^ _^h[h HÂ&#x201D;Yaa[^h"Z_[M[bjaWc[d"Zh[_@W^h[ WkY^ hat mit der Bewältigung die Ver- schreibe auch, gesagt: Ich mĂźsste Meine GroĂ&#x;mutter hat Â&#x201D;X[hi_Y^ifh[Y^[d$; ZW^[h" ZWii 8Wk[hd d_Y^j Tod mein Thema, sondern tun. Dabei ist nicht der Schon geschrieben haben. deY^_di_Y^$I_[ifhWY^ ^Wjj[ i_[ Z_[ :[fehjWj_e getan, sie ist gestori]WX[_d;^[fWWh"c_ d ist etwas Sprachverschlagendes. nichts mal ein Buch schreiben. Das hat sie nicht c[_d[ ;bj[hd lec>kd][h"m^h[d gänglichkeit. Der Tod zu tun. jZ[c gesagt, i[^h ]kj ][][ii[d ^WX[d" hat auch mit Imagination gesagt, dass es, salopp ZI_[ aus lec die Epikuräer haben ja sind wir ben. Erinnerung ;^[fWWh^Wjj[i_Y^_c X[\h[kdZ[j mWh[d" Z_[i[i mit dem schĂśnen Satz denn solange wir leben, i_Y^accj[d"lecaW AW^biY^[h[d" m^h[dZ I_[ Ihre GroĂ&#x;mutter tritt bringt, sich damit zu quälen, und hinunter: So sind mehr. Die wa_Y^^WX[d_[;_dp[b^[ BW][ha[dd[d][b[hdj" WX[h tot sind, leben wir nicht auf: â&#x20AC;&#x17E;Einmal das Dorf hinauf KdZZWiA _dZ^WjZ[d bj[dCedZÂ&#x201D;X[hZ[hIj[ff[$ Musik. Film. Games. Fashion. nicht tot, und wenn wir Quine war Psalm 90 der analytische Philosoph H_Y^WhZMW]d[hpkiW_j[d][^Â?hj$IebWd][_Y^c_j ren schon Quineianer â&#x20AC;&#x201C; Schreib- wir unterwegs.â&#x20AC;&#x153; HERTA MĂ&#x153;LLERž IY^h[Ya[dpmWh][ifÂ&#x201D;hjž Leben abgelauscht und cc[dmWh"^WX[dm_h das Fragezeichen aus seiner Satz hab ich selbst dem Den Frau WX[hZ[d? ;bj[hd tolle eine ja zeitlebens stolz darauf, e\j X[ikY^j$ i[_d[ d^Wbjd_Y^jl[hijWd# Z[d"`W$ zu haben. Also die Vergängin den Mund gelegt, die um zu wĂźrmaschine eigenhändig ausgebaut gar nicht mit dem Schreiben meiner GroĂ&#x;mutter j_[hjkdZl_[bb[_Y^jZ_I[_d LWj[h mWh WkY^ Z[feh# schreiben gelernt habe, vielleicht KLAMMER:_[?Z[["Â&#x201D; war, mit der ich lesen und [[hij[F[hied"Z_[p_[ ist. lichkeit. Und das hängt l_[b ][ifheY^[d X[h:[fehjWj_edkdZB dem Glauben. dass sie eine meiner Schreibmeisterinnen cb_Y^ die digen, sich [_d8kY^p der  zusammen, sondern mit in ^Wj0 inwiefern es die wĂźrde, kiY^h[_X[d Motti voran, W][h Wenn ich jetzt Sie fragen pk ;ii[d ][bWd]j" Â&#x201D;X[h >kd][h kdZ m_[ cWd Sie stellen den Romanen _d^Wbjibei[dIY^h[Ya[ "mWhZWiZ[hL[hikY^"Z[c der Autobiografie unterscheiden pkc und die zweite Fassung ][d0:_[;hZ[_ij]Wdp 8[_if_[b X[_ 8[[hZ_]kd ersten Fassung nicht gab. eingebettet in drei erste # MĂ&#x153;LLER =[b[][djb_Y d[_d[Aedjkhpk][X[d5 Ich habe die ganze Geschichte â&#x20AC;&#x201C; kĂśnnten Sie es benennen? sich Ăźberhaupt nicht, es ZWi=hWXiY^Wk\[bd"e ^Whj][\heh[d"kdZZk][^ij äuĂ&#x;erst wichtigen Sprach-Autoritäten, Ich finde sie unterscheiden WdZ[h[d8Â&#x201D;Y^[hdleh"^ aeccj [i `W WkY^ _d Z[d Leitsätze von fĂźr mich Xme^bZkaÂ?hf[hb_Y^a fĂźr die grieX_ij" m[_b Zk â&#x20AC;&#x201C; er steht stellvertretend anders. Wfkjj beenden, ^e\\ij" ZWii Zk zunächst HĂślderlin, dann D_[Z[hkd][dpkc8[_i ieWbiD[X[diY^_[d["_dZ[d â&#x20AC;&#x201C; Herodot, ist nur alles Sie eigentlich das Gespräch dWY^ Z_[i[c IY^k\# auch frĂźhchristliche Antike j[d [jmWi pk An dieser Stelle mĂźssten chische, lateinische und [ii[d X[aeccij" kdZ[_d[=hWiikff["[f_[b"ZW]_Xj[i[_d[AWjWh_dW am Tisch. die Psalmen. Sie sitzen mit einem Trottel  WX[h ZWdd X[^bj fĂźr die alte Welt, und schlieĂ&#x;lich Z[hAÂ?hf[hZWi;ii[d an auch die Idee, in die i_[ c_Y^ aW^b][iY^e i^[_Â&#x153;jĂ&#x2DC;_d HkÂ&#x153;bWdZ^WX[d der Feuerwehr kommt vorbei.) Hatten Sie von Anfang es sind Ka- (Ein Festzug also: Wir haben zum Beid[h CW][d X[jhÂ&#x201D;]j d_Y^jc[^h$7bieZ[_d[_][# h[dĂ&#x2021;" eZ[h _d sind ja Kapitel umgestellt, Zu den Unterschieden mebbj[ ZWi iY^ed wir haben ;iiWoi$ ?Y^ BĂźcher einzugreifen? Es Z_Y^ es ist etwas wir haben Leitsätze, und cWb Z[cBW][hioij[c"Z_[ kdZ _ij _c L[hXkdZ c_j bisschen was weggefallen, spiel einen neuen Titel, pitel geteilt, es ist ein OuvertĂźre â&#x20AC;&#x201C; die _Y^^Wjj[7d]ijZWleh$ pkc J^[cW cWY^[d" WX[h i[:[cÂ&#x201D;j_]kd]"Z_[Zk Seiten, die â&#x20AC;&#x201C; wie in einer ne.cc VergängC[_d[Ckjj[h^Wjj[d die zwei neue erste eingefĂźgt. led zu den Schriftstellern, lassen. Das ist zum einen www.TBA-onli _Y^ji Ich gehĂśre auf jeden Fall Grundmotive anklingen auch: streichen. Meine heiĂ&#x;t das ... FORTSETZU immer wieder umschreiben, Sätzen. In NG AUF SEITE von nicht gestrichenen 32 BĂźcher sind auch eine Folge Trilogie habe der gerade erschienenen meinem Leseexemplar

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INTERVIE W

Thomas Glavinic : Ă&#x2DC;L_[bb[_Y^jm_bb_Y ^ B[kj[kcXh_d][dĂ&#x2021; SEITE 14

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COMIC

Guy Delisles gezeichnete Reportagen SEITE 22

ESSAY

Felix Philipp Ingold Ăźber die Funktion von Anthologien UNWĂ&#x153;RD IGE

SEITE 40

LEKTĂ&#x153;RE N

Michael StavariÄ? erkennt sich selbst als 7b_[d

SEITE 46

Extrem bequem abonnieren unter http://www.volltext.net oder +43/1/910 76-320


Sachbücher Spiel, Spaß und Spannung in der Natur

Aus Ästen ein Versteck bauen, kleine Boote aus Zweigen über einen Teich gleiten lassen, auf der Suche nach winzigen Lebewesen durch das hohe Gras krabbeln … Die Natur hat so einiges an Spannung und Spaß zu bieten. Wenn es nach dem neuen Outdoor-Ratgeber von Fiona Danks und Jo Schofield geht, könnte man eigentlich jede Jahreszeit draußen in der freien Wildbahn verbringen und diese spielerisch entdecken. Inspirierend bebildert fordert das Buch „Spielplatz Natur“ dazu auf, nach draußen zu gehen und das Abenteuer zu suchen: Der Frühling lädt zum Pfeil- und Bogen-Bau ein und regt zum „Tarnspiel“ an. Im Sommer lockt das Spiel mit den Farben und Gerüchen zur Kreation geheimer Walddüfte und bunter Traumfänger. Der Herbst bietet einen reichen Schatz zur Anfertigung toller Kronen und Mobiles. Und der Winter weckt die Spurenleser und Eiskünstler in den Naturfreaks. Und wer den ganz großen Nervenkitzel sucht, wagt die Wanderung bei Nacht: Im Dunkeln erwartet die Abenteurer so manche spannende Überraschung in der Natur! Wichtig ist: Alle Sinne immer offen halten! Spielplatz Natur. Von Fiona Danks und Jo Schofield. AT Verlag, 192 Seiten, € 19,90

Atlas der abgelegenen Inseln

Die Einsamkeit liegt im Nordpolarmeer, mitten in der Karasee. Die Rede ist allerdings nicht von dem unangenehmen Gefühl, das einen gerne mal in stillen Stunden allein überkommt, sondern von einer Insel Russlands. Diese Insel macht ihrem Namen alle Ehre: Öde und kalt ist sie, im Winter vom Packeis eingepfercht; bei 16 Grad minus liegt die Temperatur im Jahresdurchschnitt, im hohen Sommer steigt sie auch mal knapp über Null. Hier wohnt niemand. Weitaus verwunderlicher ist es, dass auch St. Kilda im Atlantischen Ozean, rund 175 Kilometer vom schottischen Festland entfernt, niemand wohnt. Etwas windig zwar, aber sehr schön mutet das Eiland an. Zumindest aus Erzählungen kann Judith Schalansky auf die Schönheit schließen, denn auf den fünfzig Inseln, die die Autorin in ihrem „Atlas der abgelegenen Inseln“ beschreibt, war sie nie und wird sie auch niemals sein – so offenbart zumindest der Untertitel. Dass es immer noch Orte gibt, die schwer zu erreichen, unwirtlich und ungastlich sind, erscheint zwar heute nicht mehr vorstellbar. Schalanskys wunderbares Sammelsurium beweist: Es gibt sie noch, die weißen Flecken auf der Tourismus-Landkarte – von Tristan da Cunha bis zum Clipperton-Atoll. Atlas der abgelegenen Inseln. Von Judith Schalansky. Mare Verlag, 144 Seiten, € 35,–

Rebell namens H2O

Es ist wohl die geheimnisvollste Verbindung der Welt: Zusammengeformt aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom verblüfft Wasser seit Jahrtausenden die Menschheit. Glaubte die Wissenschaft bis vor kurzem noch, dass die chemische Verbindung lediglich flüssig, fest und gasförmig auf der Erde auftritt, weiß man in der Zwischenzeit: Es gibt viele Zwischentöne, also Aggregatzustände, die dem Wasser eigenartige Eigenschaften verleihen und die bekannten Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzen. Den Geheimnissen des flüssigen Wassers auf der Spur sind nun eine Reihe von Forschern in einem neuen Buch über die Phänomene von H2O und den Möglichkeiten, mit ihm zu experimentieren. Unter dem Titel „Wasser bewegt“ nähern sich Strömungswissenschaftler und Hydrologen den Alltagserscheinungen von Wasser: Welche Wirbel und Strömungen entstehen in der Badewanne? Warum reagiert Wasser empfindlich auf Umwelteinflüsse? Diese und ähnliche Fragen klären die Wissenschaftler auf kompetente und verständliche Weise. Reich bebildert und mit nachvollziehbaren, selbst durchführbaren Experimenten lädt die Lektüre dazu ein, das Phänomen Wasser zu entdecken und zu verstehen. Wasser bewegt. Von A. Wilkens, H. Dreiseitl e.a. Haupt Verlag, 240 Seiten, € 30,80 122

Media

Kleine Geschichte über die große Globalisierung

Wie kann man die Globalisierung erklären? „Zum Beispiel anhand meiner Fleeceweste“, meint Wolfgang Korn – und verfasst eines der besten Junior-Wissenschaftsbücher des Jahres 2009. Tatsächlich dokumentiert der deutsche Wissenschaftsjournalist die „Weltreise einer Fleece-Weste“ – und zeigt, wie sich die Globalisierung auf unseren Alltag auswirkt. So liest man etwa von den reichen Menschen in Dubai, die das Erdöl für den Fleecestoff verkaufen und sich zum Vergnügen in der Wüste eine Skihalle errichtet haben. Man erfährt von den armen Menschen in Bangladesch, die dem harten Arbeitsleben in der Textilindustrie ausgeliefert sind. Und man reist mit den riesigen Containerschiffen, die die Weltmeere nach Fahrplan durchqueren. Dann erfährt man vom Autor in Deutschland, wie dieser die Fleeceweste nach zwei Jahren in den Altkleidercontainer wirft. Und landet schließlich beim Senegalesen Adrame, der die Weste trägt, während er mit anderen Flüchtlingen auf einem kleinen Fischerboot im Atlantik treibt. „Die Weltreise einer Fleeceweste“ macht auf eindrucksvolle Weise Hintergründe und Zusammenhänge der Globalisierung begreifbar – und lässt den nächsten Klamottenkauf mit Sicherheit kritischer ausfallen. Die Weltreise einer Fleeceweste. Von Wolfgang Korn. Bloomsbury – Berlin Verlag, 168 Seiten, € 9,90

Belletristik Die vier jüngsten Geheimagenten der Welt

Habt ihr schon mal was von der geheimen Benedict-Gesellschaft gehört? Nein? Dann wird es aber höchste Zeit! Die vier jüngsten Geheimagenten der Welt – Reynie, Kleber, Kate und Constance –, bis auf Nesthäkchen Constance (4 Jahre) allesamt 12 Lenze jung, verstecken sich hinter dieser ominösen Gruppierung. Ausgewählt von ihrem väterlichen Freund Mr. Benedict haben die vier cleveren Kids im ersten Band der „geheimen Benedict-Gesellschaft“ dem skrupellosen Mr. Curtain das Handwerk gelegt. Dann wird es still um die Kinder, die wieder ein geregeltes Leben führen – und sich dabei, zugegebenermaßen, unheimlich langweilen. Bis zu dem Zeitpunkt, als von Mr. Benedict eine Einladung zum „Jahrestag“ der Benedict-Gesellschaft eintrudelt … und da beginnt ein neues Abenteuer für die vier Geheimagenten. Eine fesselnde Erzählung für Kinder ab 10 Jahren – wunderschön illustriert von Diana Sudyka. Die geheime Benedict-Gesellschaft und ihre Reise ins Abenteuer. Von Trenton Lee Stewart. Bloomsbury – Berlin Verlag, 400 Seiten, € 17,40

Der Held in der Schildkröte

In Müggeldorf herrscht Streit: „Wildtiere raus!“ fordern die Menschen – aber die lassen sich nicht vertreiben! Der kleine Törtel, eine ängstliche Schildkröte aus dem McGrün, gerät unversehens hinein in diesen Streit … Atemlos witzig erzählt Autor Wieland Freund die Geschichte von Törtel und seinen tierischen Freunden, die gemeinsam gegen die Auseinandersetzungen zwischen Mensch und Tier angehen und erkennen: Nur gemeinsam sind wir stark. Dementsprechend muss Törtel erst seinen Mut finden. Denn die kleine Schildkröte kennt bislang eigentlich nur ihr altes Terrarium im McGrün und die Badewanne von King Kurt, der Törtel gekauft hat. Und plötzlich ist er in den dicksten Streit zwischen wilden Tieren und schlechtgelaunten Menschen in Müggeldorf geraten. Ein rasanter und komischer Krimi mit einem irrwitzigen Antihelden in der Figur der Schildkröte Törtel: Langsam und tapsig, aber dennoch klug und im rechten Moment zur Stelle. Gelingt es ausgerechnet dem „kleinen Ausländer“, Frieden zwischen Mensch und Tier zu stiften? Törtel, die Schildkröte aus dem McGrün. Von Wieland Freund mit Illus von Kerstin Meyer. Beltz&Gelberg, 192 Seiten, € 12,95


Brauchbares

Hörbücher Wenn Charles Darwin erzählt

Zum 200. Geburtstag des berühmten Forschers und zum 150. Erscheinungsjubiläum seines bahnbrechenden Werkes „Über die Entstehung der Arten“ hat sich die Autorin Maja Nielsen gemeinsam mit dem Biologen Matthias Glaubrecht vom Museum für Naturkunde der Humboldt Universität in Berlin auf die Lebensspuren des außergewöhnlichen Mannes gemacht und anhand der Biografie die spannenden Erkenntnisse der heutigen Evolutionsbiologie nachvollzogen. Wie entstehen Arten? Wie hat sich das Leben entwickelt? Kann man heute noch neue Tierarten entdecken? Ausgezeichnete Sprecher, bewegende Musikeinspielungen und eine großartige Geräuschkulisse machen das Hör-Erlebnis zum lebendigen Abenteuer Statt einer reinen Ansammlung nüchterner Fakten tauchen die Zuhörer in die (Gedanken-) Welt von Charles Darwin ein. Aufgelockert durch Interviews mit dem Biologen Glaubrecht schlägt das Hörbuch „Charles Darwin. Ein Forscher verändert die Welt“ eine Brücke von den Anfängen der Evolutionsbiologie zur modernen Wissenschaft. Charles Darwin. Ein Forscher verändert die Welt. Von Maja Nielsen mit dem Biologen Matthias Glaubrecht. Hörbuch 78 Minuten, Headroom, € 12,90

DVDs Die coolste Bande aus der Vorstadt

Die coolste Bande sind die Vorstadtkrokodile! Ist doch klar, oder? Auch der zehnjährige Hannes, der bei seiner jungen, alleinerziehenden Mutter aufwächst, will unbedingt von der Jugendbande aufgenommen werden und gerät bei der notwendigen Mutprobe in Lebensgefahr. In letzter Minute wird er von Kai gerettet, der auch unbedingt zur Bande gehören möchte. Das Problem: Kai sitzt im Rollstuhl und ist für die Kinder nur der „Spasti“, der noch nicht mal wegrennen kann, wenn’s brenzlig wird. Als Kai einen nächtlichen Einbruch im Laden von Hannes’ Mama beobachtet, wird er plötzlich interessant für die Krokodile, denn er ist ihr einziger Zeuge. Er wiederum redet nur, wenn er mitkommen darf. Mit seiner Hilfe und mit krokotypischem Ideenreichtum, Mut und Phantasie machen sich die Vorstadtkrokodile auf, den Fall zu lösen und es mit der scheinbar übermächtigen Einbrecherbande aufzunehmen. Banden, Zusammenhalt, Freundschaft, Akzeptanz des Andersseins: 1976 schrieb der Kinderbuchautor Max von der Grün das gleichnamige Kinderbuch. Mehr als 30 Jahre danach erobert die Jugendbande die Kinoleinwand – in einer ordentlich aufgepeppten Version. Das große Ganze verliert Regisseur Christian Ditter nicht aus den Augen. „Vorstadtkrokodile“ nimmt seine jungen Helden und ihre Probleme ernst. Große Themen wie allein erziehende Eltern, Behinderung und die Schwierigkeiten bei der Integration von Einwanderern kommen ebenso vor, wie die erste Liebe und ein auf die schiefe Bahn geratener großer Bruder. Eine Geschichte von normalen Kindern und Jugendlichen in der normalen, modernen Welt. Super Unterhaltung! Vorstadtkrokodile. Ab 6 Jahren. Paramount Home Entertainment, 92 Minuten. DVD: € 14,99; Blu-Ray: € 16,99

Gesellschaftsspiele Kennt ihr Nessebar?

Wo Venedig liegt, wissen wohl die meisten. Aber kennt ihr Nessebar? Und überhaupt: Wo liegt denn bitte Limfjord? Die Orte mit den klingenden Namen finden wir allesamt in Europa. Das neue Lernspiel „Europa“ macht inen in kürzester Zeit zum absoluten Geografie-Experten. Der Ablauf ist einfach: Jeder Spieler wählt eine der ausliegenden Karten, auf der eine Stadt, Sehenswürdigkeit oder ein Naturraum genannt wird. Diesen Ort gilt es auf dem Spielplan – einer geografischen Europakarte ohne Ortbezeichnungen – zu finden. Das macht Spaß und die Spieler um einiges schlauer. Europa. Venedig ist ja klar, aber wo liegt Nessebar? Von Günter Burkhardt (Ab 12 Jahren). Von Kosmos Verlag, € 24,99

Bücher, Hörbücher, DVDs und Spiele Zusammengetragen von Eva-Maria Gruber und Martin Mühl



Games

Gib Gummi – und ordentlich Gas!

EA erweitert seine Rennspiel-Serie um einen weiteren Titel und legt den Fokus dabei wieder stärker auf die eigentlich Rennen auf abgesperrten Strecken. Die Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen (kurz: BuPP) meint: „Aggressives Fahrverhalten sorgt dafür, dass die „Künstliche Intelligenz“ die Gegner ebenso aggressiver fahren lässt … Umgekehrt führt faires Fahrverhalten dazu, dass auch die Computer-Gegner fair bleiben. „Need for Speed – Shift“ bietet jede Menge Rennspaß und wird für Spielende ab 10 Jahren empfohlen.“ Need For Speed Shift. Empfohlen ab 10 Jahren von der BuPP (www.bupp.at). EA; PC, PS3, PSP, Xbox 360; www.needforspeed.com

Wilde Tiere behutsam beobachten

In den verschiedenen Lebensräumen Afrikas – vom Dschungel bis zur Wüste – ist es Aufgabe der Spieler, sich um Flora und Fauna zu kümmern. Die Tiere können gefüttert und gestreichelt werden – es werden aber auch jede Menge Hintergrundinformationen über die Pflanzen, Tiere und ihre Umwelt vermittelt. Die BuPP meint: „Zusätzlichen Spielspaß bringt der ZweispielerKoop-Modus. Fleischfresser fressen zwar auch im Spiel tatsächlich Fleisch und gehen auch auf die Jagd, doch das Reißen der Beute wird durch eine Staubwolke symbolisiert. Alles in allem ist „SimAnimals: Afrika“ ein Spiel, das in sich stimmig wirkt und von der Bewertungskommission für Spielende ab 8 Jahren empfohlen wird.“ SimAnimals – Afrika. Empfohlen ab 8 Jahren von der BuPP www.bupp.at, EA; Wii, DS; simanimalsafrica.ea.com

Geschickt und wendig: Sport am Wii

Nintendo präsentiert den Nachfolger zum Erfolgstitel „WiiSports“. Das Spiel nutzt erstmals auch die Möglichkeiten der verbesserten Steuerung WiiMotion Plus und bietet 12 Sportarten: Darunter Tischtennis, Wakeboard, Frisbee oder Radfahren. Selbst die Disziplin Schwertkampf ist kinderfreundlich umgesetzt. „Auch wenn je nach Geschmack die eine oder andere Sportart weniger begeistern mag, so ist das Spiel insgesamt sehr gelungen und bietet langanhaltenden Spielspaß für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Daher wird „Wii Sports Resort“ von der Bewertungskommission für alle ab 6 Jahren empfohlen.“ WiiSports Resort. Empfohlen ab 6 Jahren von der BuPP www.bupp.at, Nintendo; Wii www.nintendo.at Media

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Mitarbeitsplus ... so viele g’scheite Menschen, die am Making-of dieses Magazins beteiligt waren.

Florian Auer vor 34 Jahren in Wien geboren, ist eigentlich ein IT-Brain und Geschäftsführer von m-otion, fotografiert aber immer besser. Darüber hinaus züchtet er Orchideen und pendelt der Liebe wegen zwischen Wien und Liechtenstein. www.florianauer.li

Herwig Bauer Feldkircher und eigentlich Architekt, landete studienbedingt in Wien, von wo aus er die Fäden des Vorarlberger Poolbar-Festivals zieht. Er hat Anzeigenkunden für SKILLS begeistert, was er auch für TBA und THE GAP macht.

Sig Ganhoer (Art-Director, 33), war nie bei den Pfadfindern, ist aber trotzdem gerne draußen. Seine Leidenschaft sind 29"-Mountainbikes, das Naturhistorische Museum, Herbarien und andere gedruckte Blätter wie THE GAP, VICE und natürlich SKILLS.

Isabell Ginzel war 17 von ihren mittlerweile 36 Jahren pfadfinderisch aktiv. Nach einer Ausbildung zur Psychotherapeutin betreibt sie nun eine freie Praxis (www.yesset. at) und arbeitet als therapeutische Leiterin einer DrogentherapieEinrichtung.

Lea Hajner 23, war 10 Jahre selbst Pfadfinderin und ist seit 2007 begeisterte Ca/Ex-Leiterin bei der Gruppe 57 in Wien. Arbeitet nach absolviertem Journalismus-Studium und achtmonatiger Weltreise derzeit freiberuflich und betreibt einen Blog unter blog.vanilleah.at.

Sonja Lengauer 28, ist seit ihrer

Kindheit bei den Pfadfindern und war in der Gruppe Königstetten bzw. im Landesverband NÖ für die Stufe der Caravelles und Explorer aktiv. Berufliche Erfahrungen in der Bildungsforschung bei 3s Unternehmensberatung und in der Studiengangsentwicklung an der IMC Fachhochschule Krems. Arbeitet für die Abteilung EU und internationale Angelegenheiten (Berufsbildung) im Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.

Katrin Kieser

21 Jahre alt und mehr als die Hälfte davon bei den Pfadfindern Strasshof. Inzwischen hat sie die volle Laufbahn genossen, von den Gu/Sp bis zu den Ra/Ro und weiter zu den Wi/Wö – dort aber schon als Leiterin. Sie ist mittlerweile als Gu/Sp-Leiterin tätig und immer noch mit Elan dabei. Neben redaktionellen Tätigkeiten ist Kati auch als Allrounder bei Monopol eingesetzt.

Rosa Lyon 30 und studierte Ökonomin, arbeitet als Radiojournalistin für Ö1 und moderiert u.a. die Sendung „Im Gespräch“.

Leopold Maurer wäre aufgrund Moussa Kone 31 Jahre alt, „Ma-

Lukas Beck knapp über 40, lebt

als Fotograf in Wien. Seine Vorliebe gilt der Porträtfotografie. Der Vater zweier Kinder arbeitet u.a. für Ö1, NYT, THE GAP sowie die Wiener Sängerknaben. www.lukasbeck.com

Eva-Maria Gruber ist freie Journalistin mit Schwerpunkt Natur und Wissenschaft. In ihrer spärlichen Freizeit fröhnt die Mutter einer fünfjährigen Tochter ihrer Entdeckungs- und Reiselust.

ler, Zeichner und wilder Stricher“ aus Baden, pendelt zwischen Wien und Berlin, und wird mit seinen an den britischen Illustrator Aubrey Beardsley gemahnenden Tuschezeichnungen gerade berühmt. Für SKILLS zerlegt er den Drachentötermythos um den Schutzpatron der Pfadfinder in kleine, schwarze Striche und zeichnet diesen als „Holy Schorsch“. www.moussakone.com

seiner Begeisterung für Tick, Trick und Track immer gern Pfadfinder gewesen, ist aber nur Comiczeichner geworden. Lebt und arbeitet als solcher in Wien und Trautmannsdorf (NÖ). www.leopoldmaurer.com

Lisa Niederdorfer

Ivo Brodnik

startete mit 5 bei den Pfadfindern Maria Enzersdorf Südstadt und war mehrere Jahre als Leiter für Ca/Ex tätig. Heute entschleunigt der 33-Jährige in Kapstadt als Software-Entwickler.

Michael Hafner

geboren 1973, sprach für SKILLS mit Mark Rowlands über Moral und was wir diesbezüglich von Tieren lernen können. Ende 2009 erscheint Michaels eigenes Buch „Wie die Tiere“ (www.kbex.eu). Er schreibt regelmäßig auf themashazine.com.

Leo Leowald 42, zeichnet seit 2004 den Comicblog www.zwarwald.de. Im Winter kleidet er sich gerne wie ein „Alm-Öhi“.

21 Jahre alt, war „leider nie bei den Pfadfindern, dafür aber kurzzeitiges Mitglied der Jungschar“. Nun, da sie Kommunikationswirtschaft an der FH Wien studiert, hatte sie dennoch Glück – und landete als Mädchen für alles (sprich: Praktikantin) bei Monopol Medien. Sie organisierte dort für SKILLS u.a. das Cover-Fotoshooting. Direkte Konsequenz: Lisa überlegt, vielleicht doch noch den Pfadfindern beizutreten.

mitarbeiter

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Philipp Pertl geb. 1972, war von Wölfling bis Rover bei den Pfadfindern Gr. 16 B Schotten in Wien. Seit 1992 Späherleiter und seit 2007 Pressesprecher der PPÖ. Seit 2004 als Eventmoderator selbständig. www.philipppertl.at

Lukas Püspök

30, ist seit 25 Jahren Pfadfinder und seit zehn Jahren Leiter in Wien (Gruppe 57). Beruflich folgten dem Studium der Betriebswirtschaft zwei Jahre in einer Unternehmensberatung. Zur Zeit ist er mit dem Motorrad in Nepal unterwegs.

Ernst Schmiederer geboren 1959, betreibt das auf Cross-MediaStorytelling spezialisierte Labor Blinklicht, entwickelt screenkids.tv und schreibt (für Die Zeit und auf www.ernstschmiederer.com).

Jutta Sommerbauer geboren 1977, aufgewachsen in Niederösterreich. Aus ihrer Zeit bei den Leobersdorfer Pfadfindern sind ihr vor allem die Partys in Erinnerung geblieben. Arbeitet als freie Journalistin v.a. für Die Presse.

Michaela Stemmer 21 Jahre alt, Karl Schmid

von Kindesbeinen an bei den Pfadfindern (Strasshof) und viele Jahre als Leiter tätig. Heute (31) arbeitet er am MaxPlanck-Institut für Quantenoptik in Garching/München.

studiert Germanistik und Theologie, leitet in Strasshof die Wölfe.

Christoph Ullmann

35 Jahre alt, verweigert als Rock-Fan Lagerfeuersongs, hat sie als Profi-Schlagzeuger in seiner Zeit im damals noch nicht von „Kathrina“ heimgesuchten New Orleans dennoch geklopft. Was tut man nicht alles für Geld – u.a. Anzeigen verkaufen für SKILLS und das Popmagazin THE GAP. Neuerdings außerdem nebenerwerbstrommeln für eine Band namens Alkbottle.

Linus Volkmann 36 Jahre alt, arbeitet als Redakteur des Popkulturmagazins Intro in Köln. Als Jugendlicher hat er Pfadfinder stets verhöhnt. Heimlich neidete er ihnen selbstverständlich Zusammenhalt, Abzeichen und die Rucksäcke. Zelten und Natur hält er für das Letzte. Mit Zeichner Leowald schickte er ihre gemeinsame Heldin „Professor Hoot“ in den Wald.

26 Jahre alt, hat ihr persönliches SurvivalTraining (Kindheit und Adoleszenz zwischen Wald, Wiese und Wasser) erfolgreich abgeschlossen und könnte ohne Probleme ein paar Tage in der Wildnis überleben. Leitende Redakteurin des Jugendmagazins TBA und bei THE GAP.

Impressum BLATTLINIE Das Magazin SKILLS erscheint im Monopol Verlag in Kooperation mit den Pfad-

findern und Pfadfinderinnen Österreichs. Feedback freut – weber@monopol.at

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder. Für den Inhalt von Inseraten haftet ausschließlich der Inserent. Für unaufgefordert zugesandtes Bild- und Textmaterial wird keine Haftung übernommen. Jegliche Reproduktion nur mit schriftlicher Genehmigung der Geschäftsführung. Dank an Heike, Adrian und Klara Kaufmann; Karin Ginzel, Kati Kieser, Martin Nadler,

Robert Dassel, Christian Gosch, Katha Schinkinger, Fritz Orter, Mischa Bahringer, Christian Letz, Terry Pribil, Klara Böhm, Tarek Leitner

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impressum

32 Jahre alt und zirka die Hälfte davon aktiver Pfadfinder – dabei u.a. Wi/ Wö- und Ca/Ex-Betreuer in der Gruppe Strasshof. Seit 16 Jahren außerdem journalistisch tätig – etwa als
Herausgeber des Popmagazins THE GAP. Im Sommer 2009 nach langer Pause auch wieder pfadfinderisch aktiv – gemeinsam mit Sohn Adrian (3) als Lagerkoch in Bludenz.

Dagmar Weidinger Johanna Stögmüller

in memoriam Stefan Zed Nürnberger

im Falter Verlag und arbeitet außerdem als freie Fotografin. Pfadfindererfahrung sammelte sie erstmals 2007 für SKILLS, als sie mit Bernie Rieder Fische fing. Diesmal zwar trockenen Fußes musste sie mit dem wilden Koch schwindelerregende Eichen erklimmen.

Thomas Weber

Jürgen Wallner geb. 1976, stieg

Bernhard Schmidt 30, erwarb alle seine Soft Skills, die er als Geschäftsführer des Medienhauses Monopol braucht, bei den Pfadfindern Strasshof.

Karin Wasner 30, ist Fotochefin

als Spätberufener bei den Ra/Ro in Strasshof ein, dafür umso intensiver: Seit 1997 leitet er Gu/Sp, 2001 Woodbadge für Gu/Sp, 2004–2007 Gruppenleiter. Beruflich ist der promovierte Theologe an der Uni Wien und der Medizinischen Uni Wien im Bereich Medizinethik tätig und berät Krankenhäuser in ethischen Fragen. Kolumnist für das Kulturmagazin THE GAP.

geboren 1980, promovierte Kunsthistorikerin, schreibt in SKILLS über die Darstellung des Pfadfinderschutzpatrons. Immer wieder beschäftigt sie sich mit „heiligen Männern und Frauen“ (Diplomarbeit zum heiligen Benedikt in den Deckenfresken der Melker Stiftskirche, Mitautorin des Ausstellungskataloges „Europäische Nationalheilige“ des OÖ Landesmuseums). Sie arbeitet am Institut für Kunstgeschichte der Uni Wien.

HERAUSGEBER & chefredakteur Thomas Weber   MITARBEIT & SUPPORT Christian

Einzinger, Florian Grassl, Lea Hajner, Thomas Janhsen, Andreas Martin, Lukas Püspök, Alexander Veit, Jürgen Wallner   DESIGN Monopol (Sig Ganhoer, Manuel Fronhofer)   AUTOREN siehe oben   ANZEIGEN Herwig Bauer, Micky Klemsch, Ludwig Seher, Christoph Ullmann, Thomas Weber   DISTRIBUTION PGV sowie über das Netzwerk der Pfadfinder   DRUCK Manz, Wien   LITHO Glanzlicht GESCHÄFTSFÜHRUNG Bernhard Schmidt   PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6/III, 1040 Wien   KONTAKT Monopol GmbH, Favoritenstraße 4–6/III, 1040 Wien; Tel. +43 1 907 67 66-41; www.monopol.at, wien@monopol.at   BANKVERBINDUNG Monopol GmbH, easybank, Kontonummer 20010710457, BLZ 14200    ERSCHEINUNGSWEISE Jährlich; Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1040 Wien SAMMELBESTELLUNGEN & GRUPPENERMÄSSIGUNGEN unter www.skills-magazin.at

sowie unter +43 1 907 67 66-20 (Asha Taruvinga)


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Scout Dictionary Wissenswertes und Hilfreiches, um in Pfadfinderbelangen mitreden zu können. Zusammengestellt in vier Sprachen für diejenigen, die der Scout-Jargon schon einmal „begriffsstutzig“ gemacht hat. Text: Karl Schmid

Abzeichen, das; badge ‹engl.›, l’insigne, le badge ‹franz.›, la insignia scout ‹span.›: Allseits gern gesehener Aufnäher für das Uniformhemd. Es gibt z.B. Landesabzeichen, Gruppenabzeichen, → Spezialabzeichen und viele mehr. Allzeit bereit ; be prepared ‹engl.›, toujours pret ‹franz.›, siempre listo ‹span.›: Der Wahlspruch der Pfadfinder. Ausrüstung, die; equipment ‹engl.›, l’équipement ‹franz.›, el equipo ‹span.›: Beliebter Ersatz für gutes Wetter.

Ehrenamtlich, adj; honorary ‹engl.›, bénévole ‹franz.›, no retribuido/honorífico ‹span.›: Die PPÖ (Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs) sind ausschließlich ehrenamtlich organisiert. nicht nur die Kinder, auch die Pfadfinderleiter zahlen ihren Mitgliedsbeitrag und leisten die Pfadfinderarbeit unentgeltlich. Erdnagel/Bodennagel, der; peg ‹engl.›, le piquet ‹franz.›, la piqueta ‹span.›: Dieser dient im normalfall dem Festmachen eines Zeltes oder einer Plane am Boden. nicht zu verwechseln mit dem Zelt-Hering. Erlebnispädagogik , die; adventure education ‹engl.›, la pédagogie de l’aventure, aprendizaje ‹franz.›, experimental,aprendizaje cooperativo, outdoor training ‹span.›: Ein kürzlich aufgekommener Begriff für das, was die Pfadfinder schon sehr sehr lange Zeit leben.

Axt, die; axe ‹engl.›, la hache ‹franz.›, el hacha ‹span.›: Unverzichtbares Universalwerkzeug zum Fällen von Bäumen, Zerkleinern von Holz, Zerschneiden von Seilen und Schnüren, Einschlagen von nägeln und → Zelt-Heringen. Biwak , das; bivouac ‹engl.›, le bivouac ‹franz.›, el vivac ‹span.›: Behelfsmäßiger, selbstgebauter Unterschlupf fernab der Zivilisation. Brandwunde, die; burn ‹engl.›, la brûlure ‹franz.›, la quemadura ‹span.›: Vielleicht gleich nach der Schnittwunde diejenige Verletzungskategorie, die angehende Pfadfinderleiter als erstes zu versorgen lernen. campingkocher, der; camp cooker ‹engl.›, le réchaud ‹franz.›, la cocina de camping ‹span.›: Falls Material oder Wille zum Aufbauen oder Anheizen der Kochstelle nicht reichen, ist dieses Utensil der retter des Mittagessens. Dschungelbuch, das; The Jungle Book ‹engl.›, Le livre de la jungle ‹franz.›, El libro de la selva ‹span.›: Eine wichtige Arbeitsgrundlage in der ersten Alterstufe, den Wölfen (7–10 Jahre alt). Unter anderem bekommt jedes Mitglied dieser Alterstufe einen „Dschungelnamen der dem rudyard Kiplings Dschungelbuch entnommen ist.

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Erste-Hilfe-kasten, der; first aid kit ‹engl.›, la trousse de secours ‹franz.›, el botiquín de emergencia ‹span.›: Verlässlicher Begleiter auf Lagern und Ausflügen. Er ist aber auch im Pfadfinderheim anzutreffen. Erste Hilfe, die; first aid ‹engl.›, les premiers secours ‹franz.›, los primeros auxilios ‹span.›: Kenntisse in ebendieser werden jedem Pfadfinder vermittelt. fahne, flagge, die; flag ‹engl.›, le drapeau ‹franz.›, la bandera ‹span.›: Jede Pfadfindergruppe hat ihre eigene Flagge, die auf Lagern oder während der Heimstunden gehisst (und gegrüßt) wird. fahnenklau, der; flag-capture ‹engl.›, la prise du foulard ‹franz.›, el robo de la bandera ‹span.›: Sehr beliebte Freizeitbetätigung auf Lagern. nach erfolgreichem Lagerfahnendiebstahl werden üblicherweise unverschämte Forderungen gestellt, die vor der rückgabe erfüllt werden müssen. feuerstelle, die; campfire site ‹engl.›, le feu de camp ‹franz.›, la hoguera ‹span.›: Ein zentraler ort jedes Pfadfinderlagers. Hier wird abends geplaudert, gesungen, musiziert und gespielt.

feuerzeug, das; lighter ‹engl.›, le briquet ‹franz.›, el mechero ‹span.›: natürlich geht es auch mit Feuerstein oder nur durch Aneinanderreiben von Holzstücken. Aber wir wollen ja irgendwann auch noch auf → Hike. flaggenalphabet, das; flag semaphore ‹engl.›, le famion de sémaphore ‹franz.›, el alfabeto de la bandera ‹span.›: Ein uraltes und sehr praktisches Kommunikationsverfahren aus der Seefahrt mit verhältnismäßig großer reichweite (verglichen mit der Stimme jedenfalls). Erfordert direkte Sichtverbindung. Gummistiefel, die; Wellington boot, rubber-boots, wellies, topboots, gumboots, rainboots ‹engl.›, le bottes eu caoutchouc ‹franz.›, las botas de goma ‹span.›: Sehr praktisch auf verregneten Lagern, obwohl dort leider nur allzuoft der Gatsch bis oberhalb der Gummistiefelkante steigt. Es überrascht auch nicht, dass es auf Englisch so viele Worte für Gummistiefel gibt.

Jurte, die; yurt ‹engl.›, la yourte ‹franz.›, la yurta ‹span.›: Ein häufig anzutreffender, sehr flexibler Zelttyp, der aus vielen kleinen Planenstücken, sogenannten Koten, zusammengesetzt wird. karte, die; map ‹engl.›, la carte ‹franz.›, el mapa ‹span.›: Wenn man sie lesen kann, zusammen mit dem Kompass ein wirksames Mittel gegen das → Verlieren der orientierung. knoten, der; knot ‹engl.›, le nœud ‹franz.›, el nudo ‹span.›: Da bei den Lager- und Pionierbauten im normalfall hauptsächlich Schnur als naturnahes Verbindungsmittel verwendet wird, geht es ohne Knoten einfach nicht.

kochstelle, die; camp table ‹engl.›, la intendance ‹franz.›, la hoguera (para cocinar) ‹span.›: Ein Zentrum des Lagerlebens. Meist hat jede → Patrulle ihre eigene Kochstelle mit angeschlossenem Tisch. Hier wird jeden Tag das Essen zubereitet und gegessen. Halstuch, das; neckerchief ‹engl.›, le foulard ‹franz.›, el pañuelo ‹span.›: Das wichtigste Erkennungszeichen des Pfadfinders. Es darf erst getragen werden, nachdem das → Pfadfinderversprechen geleistet wurde. Jedes Land, aber auch jede Pfadfindergruppe hat ihr eigenes Halstuchdesign. Dies führt auf Großlagern zu reger Tauschtätigkeit. Halstuchknoten, der; woogle ‹engl.›, la bague de foulard ‹franz.›, nudo del pañuelo ‹span.›: Ist ein schönes Stück Handarbeit und hält das Halstuch unterhalb des Halses zusammen. Isolationsmatte, die; iso-mattress ‹engl.›, le tapis de sol ‹franz.›, la esterilla aislante ‹span.›: Wird im Zelt unter den Schlafsack gelegt um die Kälte und die Härte des Bodens abzuschirmen.

kompass, der; compass ‹engl.›, la boussole ‹franz.›, la brújula ‹span.›: Zentrales Element dieses Geräts ist eine nadel, von der man annimmt, dass sie immer nach norden zeigt. Lager, das; camp ‹engl.›, le camp ‹franz.›, el campamento ‹span.›: Das Lager ist wahrscheinlich der intensivste, eindrucksvollste und vielleicht auch nachhaltigste Teil des Pfadfinderlebens. Lilie, die; lily ‹engl.›, le fleur de lis ‹franz.›, la flor de lis ‹span.›: Sie ist das Emblem der Pfadfinderbewegung. messer, das, knife ‹engl.›, le couteau ‹franz.›, el cuchillo ‹span.›: nach der Aufnahme in die Alterstufe der Guides und Späher (10–13 Jahre alt) dürfen die Pfadfinder auf den Lagern ein Messer als wichtiges Werkzeug bei sich tragen.


Norden, der; north ‹engl.›, le nord ‹franz.›, el norte ‹span.›: Ist in etwa dort, wo der Südpol der Kompassnadel hinzeigt. Orientierung verlieren ; to lose one’s bearings ‹engl.›, perdre le nord ‹franz.›, perder la brújula ‹span.›: Selbst dem besten Pfadfinder kann das mal passieren. Wichtig ist nur zu wissen, wie man sie wiederfindet. Orientierung, die; orienteering ‹engl.›, l’orientation ‹franz.›, la orientación ‹span.›: Bei den Guides und Spähern (10–13 Jahre alt) spielt das Erlernen der Orientierung im freien Gelände eine wichtige Rolle. Osten, der; east ‹engl.›, l’est ‹franz.›, el este ‹span.›: Die Himmelsrichtung, in der die Sonne aufgeht. Patrulle, die; patrol ‹engl.›, la patrouille ‹franz.›, la patrulla ‹span.›: Gruppe von typischerweise 4–6 Kindern und Jugendlichen. In dieser Gruppe werden Aufgaben gemeinsam bewältigt und so das Teamwork trainiert. Pfadfinderbewegung, die; scout movement ‹engl.›, le mouvement de scoutisme ‹franz.›, El movimiento scout, Escultismo ‹span.›: Die weltweite Pfadfinderbewegung, zusammengefasst in den Verbänden WOSM und WAGGGS, umfasst mittlerweile etwa 28 Millionen Pfadfinderinnen und Pfadfinder in 160 Ländern. Pfadfindergesetz, das; scout ideals ‹engl.›, la loi scoute ‹franz.›, la ley scout ‹span.›: Die Pfadfinderin/Der Pfadfinder sucht den Weg zu Gott … ist treu und hilft, wo sie/er kann … achtet alle Menschen und sucht sie zu verstehen … überlegt, entscheidet sich und handelt danach … lebt einfach und schützt die Natur … ist fröhlich und unverzagt … nützt seine/ihre Fähigkeiten … führt ein gesundes Leben.

Fotos: thomas weber

Pfadfindergruß, der; scout sign or salut ‹engl.›, le salut scout ‹franz.›, el saludo scout, la seña scout ‹span.›: Neben dem Halstuch eines der Erkennungszeichen unter Pfadfindern. Man gibt die linke Hand, wobei in einigen Ländern wie auch in Österreich der kleine Finger abgespreizt wird. Grußformel ist im deutschsprachigen Raum „Gut Pfad! . Für offizielle Anlässe oder in größeren Gruppen ist der Gruß die auf Schulterhöhe erhobene, abgewinkelte rechte Hand, wobei die Handfläche nach vorne zeigt und der Daumen den kleinen Finger überkreuzt. Pfadfinderleiter/in, der/die; leader ‹engl.›, le chef ‹franz.›, el jefe ‹span.›: Oft auch Betreuer genannt ist er/sie verantwortlich für die Kinder und Jugendlichen während der Heimstunden und auf Lager. Gemeinsam übernehmen die Pfadfinderleiter die Programmplanung und -gestaltung.

Pfadfinderversprechen, das; scout promise, scout oath ‹engl.›, la promesse scoute ‹franz.›, la promesa scout ‹span.›: „Ich verspreche bei meiner Ehre, dass ich mein Bestes tun will, Gott und meinem Land zu dienen, meinen Mitmenschen zu helfen und nach dem Pfadfindergesetz zu leben. Dieser Schwur, das Pfadfinderversprechen, steht am Beginn des Lebens als Pfadfinder.

Seil, das; rope ‹engl.›, la corde ‹franz.›, la cuerda ‹span.›: Dicker und fester als die → Schnur, dient das Seil als zugfeste Verbindung bei vielen Pionierbauten, ist aber auch für viele Spiele ein wichtiges Hilfsmittel.

Pflaster, das; plaster ‹engl.›, le pansement ‹franz.›, la curita, el emplasto ‹span.›: … und schon ist es wieder gut. Plane, die; tarpaulin ‹engl.›, la bache ‹franz.›, el toldo ‹span.›: Vielseitig verwendbar als Regendach über Kochstellen, als Vorzelterweiterung, als wasserdichter Boden usw. Plumpsklo, das; two-holer, jakes ‹engl.›, la latrine ‹franz.›, la letrina ‹span.›: Selbstgebauter Lagerabort der hoffentlich nicht voll wird, bevor das Lager endet. PWA ; handicapped scout ‹engl.›, EMT (Eclaireurs Malgré Tout) ‹franz.›, scouts discapacitados ‹span.›: Pfadfinder wie alle nennen sich Pfadfindergruppen speziell für behinderte Menschen. Regenschutz, der; Rain wear ‹engl.›, l’imperméable ‹franz.›, el impermeable ‹span.›: Ist des Pfadfinders ständiger Begleiter auf fast allen Unternehmungen. Denn schlechtes Wetter darf den Pfadfinder nicht aufhalten. Rucksack , der; back-pack ‹engl.›, le sac à dos ‹franz.›, la mochila ‹span.›: Zwar wurden in Ausnahmefällen wohl schon Koffer oder Plastiksäcke (!) auf Lagern gesichtet, aber was ein g’standener Pfadi ist, der hat einen ordentlichen Rucksack und weiß auch wo da drinnen die Socken sind. Säge, die; saw ‹engl.›, la scie ‹franz.›, la sierra ‹span.›: Werkzeug zum Ablängen von Holz vom Rundholz bis zum Schwartling (rohes Holzbrett mit Rinde). Schlafsack , der; sleeping bag ‹engl.›, le sac de couchage ‹franz.›, el saco de dormir ‹span.›: Schlafsack und Unterlage (→ Isolationsmatte), mehr braucht der Pfadfinder nicht zum Schlafen.

Sommerlager, das; summer camp ‹engl.›, le camp d’été ‹franz.› el campamento de verano ‹span.›: Der Höhepunkt des Pfadfinderjahres. Bei den Wölfen meist eine Woche lang, bei den Guides und Spähern etwa zehn Tage. In den beiden höheren → Stufen wird die Länge dieser alljährlichen Reise oft flexibel dem Reiseziel und dem Vorhaben angepasst. Spaten, der; spade ‹engl.›, la bêche ‹franz.›, la laya, la pala ‹span.›: Nicht nur ein altehrwürdiges bayerisches Bier, sondern auch ein Werkzeug zum Graben von Löchern im Boden sowie zum Erzeugen von Blasen an den Händen. Spezialabzeichen, das; proficiency badge ‹engl.›, l’insigne de specialte (badge) ‹franz.›, la insignia especial ‹span.›: Ein Spezialabzeichen wird verliehen (i. A. Wichtel und Wölflinge sowie Guides und Späher), wenn die Pfadfinderin oder der Pfadfinder in einem Fachgebiet besondere Aufgaben lösen kann. Es wird auf dem Uniformhemd aufgenäht. Streichhölzer, die, plural; matches ‹engl.›, les allumettes, las cerillas ‹span.›: Wenn gerade kein Feuerzeug zur Hand ist, sind die Streichhölzer hoffentlich nicht feucht. Stufe/Altersstufe, die; age level, age group ‹engl.›, la tranche d’âge ‹franz.›, la unidad ‹span.›: In Österreich sind das die Wichtel und Wölflinge (7–10 Jahre alt), die Guides und Späher (10–13 Jahre), die Caravelles und Explorer (13–16 Jahre) und die Rover und Ranger (16–20 Jahre). Süden, der; south ‹engl.›, le sud ‹franz.›, el sur ‹span.›: In Österreich beliebte, generelle Fahrtrichtung für den Sommerurlaub. Taschenlampe, die; torch ‹engl.›, la lampe de poche ‹franz.›, la linterna ‹span.›: Macht Licht wenn es dunkel ist, allerdings nur in Verbindung mit vollen Batterien.

Schnur, die; cord ‹engl.›, la corde ‹franz.›, el cordón ‹span.›: Pfadfinder ohne Schnur gibt es eigentlich nicht. Besonders oft im Einsatz bei Lager- und Pionierbauten ist das Sisal, dem Einüben der Knotentechnick dient die Knotenschnur.

Uniform, die; uniform ‹engl.›, l’uniforme ‹franz.›, el uniforme ‹span.›: Auch Kluft, Tracht oder Tenue, genannt besteht sie in Österreich aus einem roten Hemd, dem Halstuch sowie folgenden Abzeichen: der PPÖ-Lilie auf der linken Brusttasche, dem Verbandsabzeichen (WOSM oder WAGGGS), dem Landeswappen auf dem rechten Oberarm, dem Gruppenband auf dem rechten Oberarm über dem Landeswappen, dem Austria-Band über der rechten Brusttasche und dem PPÖ-Schriftzug über der linken Brusttasche. Als Kopfbedeckung dient der Pfadfinderhut oder die Baseballkappe der PPÖ. Verband, der; bandage ‹engl.›, la bandage ‹franz.›, el vendaje ‹span.›: Wenn das Pflaster nicht mehr reicht, dann weiß der Pfadfinder auch einen Verband anzulegen. Übrigens ist dazu im Notfall auch das Halstuch als Dreieckstuchverband hervorragend geeignet. Wanderung, die; hike ‹engl.›, la randonée ‹franz.›, la excursión ‹span.›: Auch oft Hike genannt, ist die Wanderung eine der Aufgaben, die die Kinder und Jugendlichen in der Gruppe zu bewältigen haben. Westen, der; west ‹engl.›, l’ouest ‹franz.›, el oeste ‹span.›: Hier geht die Sonne unter. Wimpel, der; patrol pennant ‹engl.›, le fanion de la patrouille (le staff) ‹franz.›, la banderola ‹span.›: Oft von → Patrullen verwendetes Erkennungszeichen. Zelt aufstellen ; to pitch a tent ‹engl.›, planter une tente ‹franz.›, montar una tienda ‹span.›: Sollte jeder Pfadfinder beherrschen, der am Lager trocken schlafen möchte.

Zelt, das; tent ‹engl.›, la tente ‹franz.›, la tienda de campaña ‹span.›: Hier schläft die Pfadfinderin/der Pfadfinder auf Lagern. Allerdings erst ab der → Stufe der Guides und Späher. Zelt-Hering, der; tent peg ‹engl.›, le piquet de tente ‹franz.›, la piqueta ‹span.›: Dient zum Befestigen der Abspannschnüre eines Zeltes und ist einer der Gründe dafür, dass man am Lagerplatz nie barfuß gehen sollte.

Treffen, das; meeting ‹engl.›, la réunion ‹franz.›, la reunión ‹span.›: Die Kinder und Jugendlichen treffen sich im Normalfall einmal wöchentlich in der Heimstunde. Pfadfinderleiter meist öfters, weil all die Unternehmungen und Heimstunden ja auch geplant werden müssen.

wörterbuch

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illustration: leopold maurer


Prädikat sehenswert â&#x20AC;&#x201C; weltweit rund um die Uhr. Franziska Weisz, Schauspielerin

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Fotos: Jan Gott, Getty Images, Corbis

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