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Das linksbündige Magazin der Sozialistischen Jugend Niederösterreich. Ausgabe 9 | April 2012

Sozialistische Jugend Niederösterreich www.sjnoe.at

www.sjnoe.at/direkt

Sparen im Gleichschritt Europa konsolidiert sich in den Abgrund Seite 8

Mein Bauch gehört mir Den Frauen ihr Recht auf Abtreibung Seite 12

Kampf ums Netz kt

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Alle Fakten zum ACTA-Abkommen Plus: Die Geschichte des Internets


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INTRO

FRAUEN

003 EDITORIAL

012 MEIN BAUCH GEHÖRT MIR

DER ROTE FALKE

GESELLSCHAFT

004 DAS GESPENST DES WUTBÜRGERTUMS

013 WAS HINTER DEM KONY-HYPE STECKT

IM BRENNPUNKT

JUGENDKULTUR

005 KAMPF UMS NETZ

014 SCHÄTZE FINDEN MIT GEOCACHING

INTERNATIONAL

SCHMANKERL

007 IS IT TIME FOR A CHANGE?

015 SEHEN. HÖREN. LESEN

ÖSTERREICH

ORGANISATION

008 SPAREN IM GLEICHSCHRITT

016 AUSTRIA‘S NEXT TOPFMODEL, WIN TERSCHULE, GRÜNDUNG SJ MÖDLING

009 VOLKSENTSCHEID ÜBER BUDDHISTISCHE STUPA BILDUNGSPOLITIK 0 10 DIE BILDUNGSMINISTERIN IM INTERVIEW

017 WINTERSPORTFEST, ZELTLAGER FÜR ÖVP ZWEITWOHNSITZE TERMINE 018 TERMINE DR. MARX 019 ES EILT HERBEI DER 1. MAI IMPRESSUM

Medieninhaberin und Herausgeberin: SJ Niederösterreich, 3100 St. Pölten, Kastelicgasse 2, Tel.: +43 (0)2742 22 55-226; E-Mail: offi ce@sjnoe.at; Website: www.sjnoe.at Redaktion: Paul Ameli, Andreas Beer, Naomi Dutzi, Michael Fischer, Michael Gogola, Valerie Kalnein, Mathias Punz, Nora Radovan, Daniel Riegler, Jutta Schmitzberger, Elias Winter, Jakob Winter, Grundlayout: Peter Rüpschl, Florin Buttinger, Satz und Layout: Florin Buttinger, Coverfoto: iStockphoto, Produktion: NGL-Mediamondial, 3151 St. Georgen Grundlegende Richtung: Das dIREKT versteht sich als Medium zur Information von Mitgliedern, FunktionärInnen und SympathisantInnen der SJ NÖ. Das dIREKT informiert über aktuelle politische Debatten und thematisiert jugendrelevante Ereignisse.

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EDITORIAL

Liebe Genossinnen, liebe Genossen, sehr passend zur aktuellen Situation habe ich kürzlich in der FAZ ein Zitat gelesen: „Wir wollen alle Tage sparen und brauchen alle Tage mehr. Und täglich wächst mir Pein.“ Der so klagt, ist nicht der griechische oder österreichische Finanzminister, sonder der von ähnlichen Finanznöten gebeutelte Marschalk am Hofe des Kaisers in Goethes Faust II. Die Szene spielt in der Kaiserpfalz, in einer sich auflösenden, zutiefst korrupten Gesellschaft, in der Kultur und Ethik jede Bindungswirkung verloren haben, eine enthemmte Oberschicht die das Gemeinwesen ausplündert und sich schamlos bereichert, während die Politik ihre Gestaltungsmacht eingebüßt hat. JedeR sucht seinen Vorteil, jedeR kämpft gegen jedeN, es wird betrogen und gelogen, was das Zeug hält. Verhältnisse also, die uns derzeit nur allzu bekannt vorkommen. Einen Kanzler gibt es in der Kaiserpfalz auch, der immerhin – sachter Unterschied zur Gegenwart – bemerkt: „Entschlüsse sind nicht zu vermeiden, wenn alle schädigen, alle leiden …“ Ein Entschluss wird endlich auch gefasst. Er geht auf Mephistopheles zurück und besteht darin, ungedecktes Papiergeld einzuführen, das in dieser Gesellschaft natürlich nicht für produktive Investitionen genutzt, sondern in einem dekadenten Luxusrausch verbraten wird. Am Ende bricht der Spuk zusammen, und das Land versinkt endgültig in Armut und Anarchie … Doch nun zurück in die Gegenwart, in der wir mit einem der größten Belastungspakete in der Geschichte zu kämpfen haben, welches uns alle als Sparpaket verkaufen wollen, das eigentlich eh das Beste für uns alle ist. In einem System - wie es Jörg Flecker am Krisengipfel treffen formulierte - „in dem jeder Würstelstand besser reguliert ist, also unsere Finanzprodukte.“ Nicht nur in Österreich sondern in ganz Europa wird die Bevölkerung mit Sparprogrammen drangsaliert, während die Privatvermögen der Superreichen unangetastet bleiben und weiter explodieren.

Text: Andreas Beer, Foto: SJ Archiv

Andreas Beer, Landesvorsitzender der SJ Niederösterreich

Reichensteuer ist die beste Schuldenbremse! Volksbegehren unterstützen! Die Initiative für das Volksbegehren für mehr Steuergerechtigkeit „Her mit dem Zaster – her mit der Marie“ ist für uns als Sozialistische Jugend der nächste entscheidende Schritt bei unserer langjährigen Forderung nach Vermögenssteuern in Österreich. Deshalb müssen wir gemeinsam für das Zustandekommen dieses Volksbegehrens kämpfen. Denn es ist an der Zeit, dass die Reichen endlich zur Kasse geben werden!

Ereignisreiches SJ Jahr 2012 Wir sind mit vielen Großveranstaltungen in das Jahr 2012 gestartet. Neben einem schneereichen aber „stromarmen“ Wintersportfest, hatten wir eine tolle marxistische Winterschule, unsere Topfmodelaktion zum Internationalen Frauentag und viele weitere großartige Veranstaltungen. Das dichtgedrängte SJ Jahr schreitet in großen Schritten voran und geht gleich weiter mit dem Antifa Monat im April welches seinen Höhepunkt beim Antifa Seminar von 11. – 13. Mai und der Befreiungsfeier findet. Beteiligt euch an den Aktivitäten, denn nur gemeinsam sind wir stark! Freundschaft!

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DER ROTE FALKE

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Wutbürgertums Ein Essay in der Nachrichtenzeitung Der Spiegel war der erste Schritt zur Salonfähigkeit des Wortes des Jahres 2010: Wutbürger. Aber da fragt man sich doch ob es wirklich ein Essay eines deutschen Nachrichtenmagazins war, das dazu führte, dass nun Menschen aller Schichten und aller politischen Orientierungen – wenn sich auch die „HeimatfreundInnen“ der BZÖ lieber als MutbürgerInnen bezeichnen – nun mit diesem ausdrucksstarken Begriff auf den Lippen in Österreich durchs Leben gehen.

Acht dicke, schlingernde Arme zerdrücken mit Leichtigkeit ein stattliches Schiff, Augen von der Größe eines LKW-Reifens starren uns bedrohlich an. „Dein Schiff wird das nächste sein!“, scheint die Riesenkrake uns damit sagen zu wollen. Das zeigen uns Skizzen aus dem letzten Jahrtausend, in denen Seemänner nur dieses Ungetüm mehr fürchteten als Skorbut. Fragt noch jemand, wieso Anonymous die (Daten-)Krake als Verbildlichung des Anti-Counterfighting Trade Agreements, kurz ACTA, gewählt hat. Aber was ist ACTA eigentlich genau – und ist es wirklich schlimmer als Skorbut? Anders als Riesenkraken ist ACTA jedenfalls keine Legende. Es ist ein Handelsabkommen zwischen der EU, den USA, Japan und anderen, das Internetpiraterie und Urheberrechtsverletzungen regeln soll. Doch begonnen hat alles mit dem Internet.

Entstehung des Internets Grundsätzlich lässt sich die Entstehung oder Geschichte des Internets in drei Phasen einteilen. Ab dem Jahre 1962 startete man mit der Entwicklung des ARPANET für die US-Luftwaffe

Nun, in Österreich ist ein anderer Mensch dafür verantwortlich, dass es eine wahre Hysterie um dieses geflügelte Wort gibt. Roland Düringer, Berufskabarretist und Hobbyrevolutionär, hielt im Dezember 2011 im ORF eine Rede die für eine Polarisierung Österreichs sorgen sollte. Seine feurige Rede über das Wutbürgertum führte dazu, dass er für die nächsten Monate etwas durcheinander sein würde, was denn nun Beruf und was Hobby ist, und er nun zum ohnmächtigen Führer einer imaginären Kleinbürgeroffensive werden sollte. Ein gutgemeinter Rat an Herrn Düringer: Bleiben Sie beim Kabarett! Politische Halbbildung haben wir schon genug, und dass die bürgerlichen Salon-MarxistInnen sich jetzt WutbürgerInnen nennen ist zwar eine große Bereicherung für Vereine wie die GRAS oder Occupy Vienna, aber für uns nur ein weiterer Beweis für den Fall in ein politisches Koma. Also auf die Gefahr hin, altbacken zu wirken: Schuster, bleib bei deinen Leisten!

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Text: Viktor Rabl, Foto: SJ Archiv


IM BRENNPUNKT

Kampf ums Netz am MIT(Massachussets Institute of Technology). Dies war der Vorgänger des heutigen Internets. Ein knappes Jahrzehnt später, gelang es zum ersten Mal vier Großrechner der Universitäten von Los Angeles, Santa Barbara, Stanford und Utah zu verbinden und dadurch den Startschuss für die sogenannte „wilde Phase des Internets“ auszulösen. Hier befinden sich auch die Ursprünge des Hackens. Zwanzig Jahre später, also 1990, wurde mit der Abspaltung vom ARPANET das Zeitalter des kommerziellen Internets eingeläutet. Drei Jahre danach machte das Internet lediglich ein Prozent des weltweiten Informationsflusses aus. Im Jahr 2000 waren es bereits 51% und 2007 schon 97%. Beeindruckend wenn man sich im Vergleich dazu den Fortschritt der Automobilindustrie in den letzten 100 Jahren vor Augen führt. Dieser rasanten Entwicklung hinkt die Gesetzgebung hinterher, was sie zu neuen fragwürdigen Abkommen bewegt, wie wir es zur Zeit bei ACTA sehen.

ACTA Im Jänner dieses Jahres unterzeichneten 22 Mitgliedsstaaten der EU diesen Gesetzesentwurf, darunter auch Österreich. Die nächsten Schritte bis zur Durchsetzung des Abkommens wären nur noch die Ratifizierung/Zustimmung des EU-Parlaments und der Parlamente der Mitgliedsstaaten gewesen. Doch dann wurde die Öffentlichkeit auf die Vorgänge aufmerksam und bald äußerten PolitikerInnen und JuristInnen Bedenken. Denn ACTA ist vor allem auch eines: schwammig formuliert. So bleibt sehr viel Spielraum für Interpretationen und Auslegungen. Nutznießer dieser Regelungen wäre vor allem die Großindustrie. Denn: würde ACTA in Kraft treten, könnten, unter dem Vorwand KünstlerInnen, Marken und allgemein geistiges Eigentum zu schützen, mit Leichtigkeit einige unserer alltäglichen Handlungen kriminalisiert werden. So zum Beispiel das Teilen von Links zu Musikvideos auf Facebook. Auch der Handel mit Generika würde durch die Gesetzgebung erschwert werden – und vielen Menschen den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten unmöglich machen.

sich allerdings explizit gegen ACTA aus. Damit reiht er sich in die lange Liste der ACTA-GegnerInnen ein. Seit Februar haben viele Organisationen, darunter auch die SJ oder die Piratenpartei zahlreiche Demonstrationen organisiert, die von mehreren tausend Menschen aktiv, kreativ und laut unterstützt wurden.

Anonymous Zu solchen Anlässen sieht man sie immer öfter, die Guy-FawkesMasken aus dem dystopischen Comicroman „V wie Vendetta“. Man könnte fast meinen, die vielen TrägerInnen würdigen in dieser Manier den katholischen Offizier aus London, der das englische Parlament in die Luft sprengen wollte, um der Verfolgung von KatholikInnen ein Ende zu setzen. Dem ist aber nicht so. Viel mehr wird diese Maske vor allem von DemonstrantInnen getragen, anfangs gegen Scientology, momentan hauptsächlich gegen ACTA. Ausgelöst hat diese Maskierung das lose HackerInnenkollektiv Anonymous. Seine Quelle ist das beinahe im Vintage Look designete Imageboard 4chan, eine Art Forum in dem jedeR anonymisiert posten kann was er/sie will. Aufgrund

Die Einhaltung des Abkommens würde natürlich auch überwacht werden – und wie geht das leichter, als durch Überwachung sämtlicher Internetaktivitäten. Die Privatsphäre der UserInnen wäre massiv gefährdet. Als potentielle „Überwachungs-Helferlein“ werden oft die Internet Service Provider (ISP) verdächtigt. Der Verband der österreichischen ISP spricht

Text: Meike Kolck-Thudt, Daniel Riegler, Paul Majdzadeh-Ameli, Foto: Naomi Dutzi

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...Fortsetzung Kampf ums Netz

INTERNATIONAL

Is it time for

dieser Anonymisierung heißen dort alle PosterInnen „Anonymous“, was somit auch die Namenstaufe des Kollektivs erklärt. Wie vorhin erwähnt ist Anonymous lose. Es besitzt keine Struktur, keinen Vorstand, keine fixen Mitglieder. Deswegen kann mitunter von einer anarchichistischen Organisationsstruktur gesprochen werden. In kürzester Zeit haben die HackerInnen ein Gros der öffentlichen Aufmerksamkeit für sich gewonnen. Mit dieser wuchsen aber auch ihr Einfluss und ihre Macht. Sie schaffen es zigtausende Menschen auf die Straße zu bringen um gegen ACTA zu demonstrieren. So gut man jeglichen politischen Aktionismus für Meinungsfreiheit und gegen Einschränkungen auch heißen mag, ist nicht zu vergessen, dass durch Meinungsfreiheit auch Seiten mit einschlägig nationalistischem Inhalt (z.B. alpendonau.info, der-volkstod-kommt.info) Legitimation erhalten und somit den Nährboden für rechtsextremistisches Gedankengut bilden. Sollte man für solche und ähnliche Problemstellungen eine Art Internetverfassung erwägen? Und wie soll man mit einer anarchistischen Gemeinschaft umgehen, die im Namen der Meinungsfreiheit und des Datenschutzes regelmäßig verschiedene Websites hackt und deren NutzerInnendaten veröffentlicht? Dies sind Fragen, die derzeit heftig debattiert werden. Fragen, deren Antworten in einem breiten gesellschaftlichen Diskurs gefunden werden müssen. Denn vor zehn Jahren konnte sich noch niemand vorstellen, welche Auswirkungen das Internet auf unser aller Alltag hat und genau deswegen sollten sich alle UserInnen im Kampf um das Internet beteiligen können!

Die ersten Assoziationen, die beim Zurückdenken an die letzten amerikanischen Präsidentschaftswahlen entstehen, sind vermutlich „Obama“, „Hope“ und „Change“. Damals betrat ein sympathischer und rhetorisch begabter Politiker die Bühne und befreite die USA von acht Jahren Regentschaft unter George Bush Junior. Nach einer Legislaturperiode von vier Jahren wird sich Barack Obama im November nun zur Wiederwahl stellen. Die Frage ist, ob er die AmerikanerInnen bisher von seiner Vision des Wandels auch in der Praxis überzeugen konnte, oder ob das grundsätzlich eher konservative und religiöse Volk der USA einmal mehr den Republikanern seine Stimme gibt.

Wie geht es weiter?

Das Wahlsystem

Aktuell wird beim EuGH juristisch geprüft, ob ACTA in Widerspruch mit Grundrechten wie der Meinungs- und Informationsfreiheit steht, ob Datenschutzbestimmungen hintergangen werden und ob das Abkommen eine geeignete Maßnahme ist, geistiges Eigentum zu schützen. Sollte sich ACTA als nicht kompatibel mit dem bestehenden EU-Recht zeigen, würde dies das Ende des Abkommens bedeuten.

Die BürgerInnen der USA wählen ihr Staatsoberhaupt nicht direkt, sondern werden von Wahlmännern ihres Bundesstaates vertreten (> electoral college). Der Kandidat, der in einem US-Staat die relative Mehrheit erlangt, bekommt alle dort zugeteilten Wahlmänner, welche sich verpflichten, bei der Zusammenkunft des Gremiums für ihn zu stimmen. Laut einer bereits 2007 durchgeführten Umfrage befürwortet eine Mehrheit der Amerikaner jedoch eine direkte Wahl des Präsidenten, da das bestehende Wahlrecht einige Nachteile bzw. Ungerechtigkeiten mit sich bringt (> Kritik am Wahlsystem).

Mögen wir alle noch einmal mit Skorbut davonkommen und von der Krake verschont bleiben.

Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2012

Primaries Da Obama als Kandidat für die Demokraten bereits feststeht, widmet sich die mediale Berichterstattung hauptsächlich den Republikanern. In den Vorwahlen (> primaries) konkurrieren mehrere potenzielle Präsidentschaftskandidaten innerhalb der Partei und ziehen durch die Staaten, um die WählerInnen für

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Foto: iStockphoto


a change?

sich zu gewinnen. Im Laufe der diesjährigen Primaries setzte sich Mitt Romney vorne ab, Rick Santorum - der einzige, der ihm theoretisch noch gefährlich werden hätte können - gab Anfang April das Ende seiner Kandidatur bekannt und ebnete Romney den Weg zum Kampf gegen Obama.

fact box electoral college: 538 Wahlmänner, nach Bevölkerungszahl der jeweiligen US-Staaten verteilt (z.B. Kalifornien 55, Alaska 3) Kritik am Wahlsystem: – führt zu Zweiparteiensystem und verhindert Parteienpluralismus – Gefahr der Bestechung von Wahlmännern – Kandidaten interessieren sich kaum für Staaten, in denen klare Mehrheitsverhältnisse bestehen und ihre Wahl somit abgesichert ist – Kandidat kann die Mehrheit der WählerInnen hinter sich haben, jedoch weniger Wahlmännerstimmen (z.B. 2000, Gore hatte 0,5% mehr Stimmen, Bush jedoch mehr Wahlmänner) primaries: = Vorwahlen Kandidat innerhalb der Partei wird ermittelt finden von Januar bis Juni des Wahljahres statt ebenfalls sehr komplex: BürgerInnen wählen wieder indirekt, auf der „national convention“ (Bundesparteitag) bestimmen Delegierte aus den Staaten einen Kandidaten

Obamas Herausforderer Multimillionär Mitt Romney vertritt zwar typisch konservative Ansichten (gegen Homosexualität, gegen Abtreibung, Zurückdrängung des Staates etc.), schon oft änderte er aber zu zentralen Themen seine Meinung, weshalb ihm Kritiker opportunistisches Verhalten und mangelnde Seriosität unterstellen. In wirtschaftlichen Fragen lässt Romney den erfolgreichen Geschäftsmann durchblicken, der in Zeiten von Krise und hoher Arbeitslosigkeit private Unternehmen stärken und so die Wirtschaft wieder ankurbeln möchte. Im Wahlkampf 2012 inszeniert sich Romney als „harter Mann“, der für Recht und Ordnung sorgt. Dass er jedoch früher eher moderat agierte, führte zwangsläufig zu einem Authentizitätsverlust und einer inhaltlichen Schädigung. Romneys Schritt nach rechts war jedoch ein muss, um gegen seinen schärfsten Konkurrent Rick Santorum standzuhalten. Dieser führte einen religiösfundamentalistischen und auf Werte basierenden Wahlkampf, bei dem er vor allem das erzkonservative Wählerspektrum an sich reißen konnte. Für Romney reicht es im Kampf um das Weiße Haus wohl nicht aus, auf das Wirtschaftsthema zu vertrauen. Er muss wohl wie Santorum die Themen Kultur & Religion ansprechen. Jetzt, wo Santorum das Handtuch geworfen hat, muss sich Romney die heikle Frage stellen, wen er als Kandidat für das Amt des vicepresident nominieren soll. Wichtig wäre vor allem jemand, der „nicht zu viel Schaden anrichtet“, schreiben die Medien. Man erinnert sich nur ungern zurück an Sarah Palin. Für Romney kämen diverse Kongressabgeordnete oder Gouverneure in Frage, als Favorit wird derzeit der aus Wisconsin stammende Ryan Paul gehandelt. Romney und er harmonieren miteinander, außerdem könnten sie mit Pauls Hilfe Wisconsin seit 1984 das erste Mal wieder umfärben.

Text: Bernhard Habusta I N T E R N A T I O N A L _ 0 0 7


ÖSTERREICH

Sparen im Gleichschritt Europa konsolidiert sich in den Abgrund Österreich ist in der Luxusposition einer der reichsten und lebenswertesten Länder der Welt, es könnte sich möglicherweise leisten, einen einigermaßen eigenständigen Sanierungskurs einzuschlagen. Man müsste klarerweise jene zur Kasse bitten, die in den letzten Jahrzehnten überproportional profitiert haben, die entlasten auf die der ökonomische Druck ohnehin schon unerträglich ist, und zu guter Letzt Geld in die Hand nehmen um sich aus der Krise hinauszuinvestieren und für zukünftige Generationen eine solide Basis in Infrastruktur, Bildung, Forschung zu legen. Das schafft Innovationen, Investitionen, Beschäftigung, logischerweise Wachstum und daraus resultierenden Schuldenabbau durch Mehreinnahmen. Auf Eigenständigkeit wurde aber, genauso wie schon bei Einführung der Schuldenbremse, von vornherein verzichtet, man zog die vorgeschriebene Austeritätskarte und spart.

Notwendigkeit? Warum aber fällt den meisten hiesigen und auch den internationalen Expertinnen und Experten nichts anderes als Budgetkonsolidierung, Privatisierungen und Abbau des Sozialstaates ein? „Weil das Erste, das ins Sparpaket gerutscht ist, der politische und ökonomische Verstand war.“ (Armin Thurnher) Um etwas fairer zu sein: Es ist natürlich schwer zu sagen „Ihr müsst investieren, nicht sparen!“ wenn ein Staat wie Griechenland faktisch durch nicht zu bedienende Zinsen kein neues Geld zum ausgeben aufnehmen kann.

Strukturelle Gründe Das ist aber der Fehlkonstruktion des Euro geschuldet. Es stimmt, dass Staaten wie Portugal, Griechenland, usw. in solchen Situationen normalerweise ihre Währung abwerten und sich dadurch teilweise entschulden, die andere Seite der Medaille ist aber, dass Staaten wie Deutschland, Österreich, die Niederlande, usw. bei solchen Exportraten und an die Wand fahren anderer Euroländer normalerweise aufwerten und es ihnen dadurch erschwert wird im Ausland ihre Waren zu verkaufen, diese Ausgleichsmechanismen funktionieren aber logischerweise nicht, da alle im selben Boot namens „gemeinsamer Währung“ sitzen.

Profiteure Also primär profitieren wirtschaftsstarke Staaten im enormen Ausmaß von dieser Situation, da sie trotz starker Währung sehr hohe Exportraten erzielen können. (Die EU Leistungsbilanz [Exporte minus Importe] ist leicht defizitär, der Großteil aller Handelsakti-

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vitäten spielt sich innerhalb des Euroraumes ab, die Überschüsse der einen [Deutschland z.B.] sind die Schulden der anderen [Griechenland z.B.]). Nur ein Beispiel: Deutschland erzielte im Januar 2012 negative Zinsen auf ihre Staatsanleihen (-0,0122 %). Auf Deutsch: Zum ersten Mal in der Geschichte wurde Geld gezahlt fürs Schulden machen, also Anleger bezahlten Deutschland damit die Bundesrepublik bei ihnen Schulden macht. Nur um die Verhältnisse wer profitiert und wer leidet unterm „Euro“ ins richtige Licht zu rücken. (Griechenland zahlte zuletzt bis zu 30% Zinsen)

Problem Der Punkt ist: Sparen ist nicht an sich schlecht, sehr gefährlich ist aber der Zeitpunkt, die Geschwindigkeit, das Ausmaß und vor allem, dass alle gleichzeitig sparen (Sparparadoxon/Rationalitätenfalle*). Wer soll vom anderen Waren kaufen können, wenn jeder spart?! Der deutsche Ökonom Heiner Flassbeck bringt es auf den Punkt wenn er sagt: „Wir werden wohl einen neuen Planet entdecken müssen, der uns unsere Waren abnimmt, damit wir bei dieser gleichzeitigen Sparpolitik nicht bankrott gehen.“

„New Deal“* für Europa Die richtige wirtschaftliche Navigationskarte für Europa wäre (wie teilweise eingangs schon erwähnt): Vermögen und Kapital massiv besteuern (eine sehr wachstumsfreundliche Art der Besteuerung, Reiche können trotzdem weiter konsumieren/verarmen ja nicht, außerdem würde die enorm ungleiche Verteilung des Wohlstandes dadurch abgebaut), Steuern auf Arbeit senken (die Leute haben wieder mehr Geld in den Taschen, können sich mehr leisten, die Wirtschaft wächst), Sozialstaat aus- statt abbauen (Teilhabe für alle am gesteigerten Wohlstand und der gesteigerten Produktivität, stärkt ebenfalls die Kaufkraft der Masse und damit die Wirtschaft im Allgemeinen), Finanzmärkte regulieren (eine Transaktionssteuer hätte z.B. einen stabilisierenden Effekt), Eurobonds einführen (Zurzeit kämpfen 17 Nationalstaaten mit gleicher Währung einzeln ums Überleben am Finanzmarkt. Anders die USA mit ihren teilweise hochverschuldeten 50 BundesstaatenEs gibt für alle nur eine Staatsanleihe. Das heißt jeder Bundesstaat nimmt Schulden zum gleichen Zinssatz auf). Mensch sollte wieder zu bewährten Politik der Konjunktursteuerung- dem Herzstück sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik- zurückkehren und nicht dieselben Fehler begehen wie in den 1930ern, die in fatale wirtschaftliche und soziale Verhältnisse mündeten. Denn: Geht’s den Menschen gut, geht’s uns allen gut!

Text: Matthias Punz, Foto: iStockphoto


sparen im gleichschritt fact box *Rationalitätenfalle/Sparparadoxon: Das Eigeninteresse eines einzelnen Marktteilnehmers bewirkt entgegengesetzte Effekte, sobald alle sich so verhalten. John Maynard Keynes selbst hat folgenden Vergleich gezogen: Wenn eine einzelne Person in einem vollbesetzten Kino aufsteht, kann sie besser sehen. Machen das alle Besucher nach, sieht keiner besser, obwohl jetzt alle stehen müssen. Die Situation hat sich also für alle verschlechtert, obwohl jeder für sich das logisch Beste gemacht hat.

*New Deal: Ein den ökonomischen Mainstream der damaligen Zeit über Bord werfendes Wirtschafts- und Sozialprogramm von Präsident Franklin D. Roosevelt mit dem sich die USA erfolgreich aus der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre hinausmanövrierte, während in Europa, vor allem in Deutschland (unter Kanzler Heinrich Brüning) Sparen als Lösung propagiert wurde, sich die Krise verschärfte und der Faschismus aufkam.

ÖSTERREICH

Volksentscheid über buddhistische STUPA Die BürgerInnen der Waldviertler Gemeinde Gföhl waren dazu aufgerufen, über einen buddhistischen Stupa-Bau zu entscheiden. Das Projekt einer Wiener Stiftung wurde von zwei Dritteln der gültigen Stimmen abgelehnt. SP-Stadtrat Günter Steindl erklärt im Exklusivinterview mit dIREKT wie es dazu kam.

dIREKT: Der Gföhler Gemeinderat hat sich in der Frage „Stupa - ja oder nein“ für eine Volksbefragung entschieden, deren Ergebnisse ab einer Beteiligung von 50 Prozent einem Gemeinderatsbeschluss gleichzustellen ist. 67 Prozent haben sich dagegen ausgesprochen. Warum glaubst du ist die Befragung so ausgegangen und wie hat sich die SPÖ Gföhl in der Frage verhalten? Steindl: Die SPÖ hat zum einen immer gesagt „Wir sind dafür.“ Und zum anderen treten wir massiv für eine Bürgerbeteiligung und Bürgerbefragung ein. Es war ja auch unser Vorschlag, dass das Befragungsergebnis ab einer Beteiligung von 50 Prozent bindend wird. Dass die Beteiligung sogar bei 52 Prozent lag freut mich und es zeigt eine gewisse Reife. Aber natürlich hat das Thema polarisiert und es sind seitens der Gemeindeführung, also seitens des ÖVP Bürgermeisters Karl Simlinger, einige Fehler passiert. Es wurde verabsäumt vor der Befragung ausreichend und vor allem auch längerfristig Information zu bieten. Es sollte ganz in ÖVP Manier alles schnell schnell passieren ohne viel drüber zu reden und für so eine Politik des Drüberfahrens stehe ich nicht.

dIREKT: „Informiert“ wurde ja, allerdings nicht neutral. Welche Skurrilitäten haben sich hier abgespielt?

Das Interview führte: Naomi Dutzi

Steindl: Offiziell haben wir zwar die Glaubensfreiheit, aber es wurde vor allem von ganz erzkonservativen Katholiken ganz massiv versucht das Projekt in Misskredit zu bringen. Die Papst Pius Bruderschaft, die ja eigentlich von der katholischen Kirche ausgeschlossen wurden und in Jaidhof ansässig sind, haben sehr viel Geld in die Hand genommen und Hochglanzbroschüren geschrieben, wo die Buddhisten mit den Nationalsozialisten in Verbindung gebracht wurden. Auch der offiziellen katholische Kirchenvertreter, der Bischof hat im Vorhinein gesagt, würde er gefragt werden, würde er sich dagegen aussprechen. Von der Stellungnahme, bzw. Nichtstellungnahme des Gföhler Pfarrers bin ich auf der anderen Seite sehr positiv berührt, der sich, trotzdem er unter Druck gesetzt wurde, zur Glaubensfreiheit bekannt hat und der Meinung war, es sei nicht Aufgabe der katholischen Kirche sich hier positiv oder negativ zu äußern.

dIREKT: Auch die FPÖ war sich ja nicht ganz einig, hat sich im Endeffekt aber dagegen ausgesprochen und sogar die Koalition platzen lassen. Was ist der Hintergrund des Sinneswandels? Steindl: Die FPÖ hat es zu einem landespolitischen Thema gemacht aber der Stadtrat der FPÖ in Gföhl ist bis heute eigentlich ein Befürworter. Auf Landesebene hat man dann erkannt, dass es ein klassisches FPÖ Thema ist und gegen die Mandatare in der Ortspartei gehandelt und es zu einem populistischen Thema umgestaltet.

dIREKT: Danke für das Gespräch.

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AKS NÖ / BILDUNGSPOLITIK

Die Bildungsministerin im Interview Für dIREKT interviewten Florian Gleiss und Matthias Donabaum, die amtierende Bildungsministerin Claudia Schmied. Bei dem Gespräch wurde der Bildungsbegriff an sich thematisiert, sowie die wichtigsten Ziele der Ministerin.

Was verstehen Sie unter dem Begriff Bildung? Ich verstehe ihn in der humanistischen Tradition, nämlich als Bildung und Ausbildung. Damit möchte ich sagen, dass es mir nicht nur um das Wissen und Fachwissen geht und nicht nur um den beruflichen Nutzen, sondern dass Bildung auch sehr viel mit der Persönlichkeitsentwicklung, Allgemeinbildung und Kultur zu tun hat und auch in Richtung Herzensbildung geht.

Was sind die wichtigsten Punkte, die Sie bis zur nächsten Nationalratswahl in Angriff nehmen wollen? Erstens möchte ich, dass die Punkte die uns in der Konzeption bereits gelungen sind, gut im Klassenzimmer ankommen. Ich freue mich zum Beispiel auf die österreichweite Umsetzung der Neuen Mittelschule und dass wir die Zahl der Ganztagsschulplätze verdoppeln können. Ich freue mich darauf, dass wir das erste Mal in der Geschichte des österreichischen Schulsystems Bildungsstandards einführen - das wird 2012 passieren. Weiters freue ich mich, dass das Projekt Lehre mit Matura ein so großer Erfolg geworden ist und ich hoffe, dass das Projekt weiterhin Anklang findet. Ich konzentriere mich auf die Umsetzung der Projekte konzentrieren und will noch mehr Menschen dafür gewinnen, dass sie Schule, Bildung und Universitäten in einem positiven Licht sehen. Weiters werde ich noch in der laufenden Legislaturperiode die Reform der Oberstufe in Angriff nehmen. Ich möchte ein Kurssystem einführen, damit schon er-

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brachte Leistungen nicht verloren gehen und damit das universitäre Organisationssystem auch in der Oberstufe Anwendung findet. Ich wünsche mir auch, dass es uns gelingt, dass Pädagogische Hochschulen in Zukunft einen vollwertigen Masterabschluss anbieten können. Mit diesen Maßnahmen möchte ich die pädagogischen Hochschulen besser im universitären Bereich positionieren.

Sie haben vorher schon die Einführung der neuen Mittelschule angesprochen. Was sind Ihrer Meinung nach die Vor- und Nachteile? Es gibt nahezu nur Vorteile: Das individuelle Eingehen auf jedes Kind, dass jeder Schüler und jede Schülerin im Mittelpunkt stehen, dass nicht mehr stigmatisiert und vorab beurteilt wird: Du bist ein starker, du ein leistungsschwacher Schüler, was auch völlig dem Bildungsgedanken widerspricht und meinem Menschenbild nicht gerecht wird. Saint-Exupéry hat einmal so schön formuliert: „In jedem von uns steckt ein kleiner Mozart“. Das ist nicht immer das Komponieren aber jeder von uns kann irgendetwas besonders gut und die Interessen, die Neigungen und vor allem Wertschätzung und Respekt sollten in unserem Bildungssystem groß geschrieben werden. Das ist der große zentrale Punkt der Neuen Mittelschule. Der einzige Wermutstropfen hierbei ist, dass wir derzeit die Neue Mittelschule noch nicht als gemeinsame Schule für alle 10 bis 14 Jährigen umsetzen haben können, da der Koalitionspartner in dieser Frage eine andere Position vertritt und die AHS-Unterstufe


erhalten will. Aber mein persönliches großes Ziel heißt nach wie vor „GGS“, die Gemeinsame Ganztägige Schule. Dort müssen wir hin. Das betrifft dann natürlich nicht nur die Mittelschule, sondern auch die Volksschule und damit die Pflichtschulzeit.

Wie weit glauben Sie kann die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau durch Bildung erreicht werden? Das ist ein Bildungsthema, beginnt aber schon in der Familie. Wie Mutter und Vater miteinander umgehen, welche Rollenbilder hier vermittelt werden. Kindergarten und Schule müssen hier auch ausgleichend wirken können. Generell zählen bei der Wertevermittlung die gelebten Werte, also wie diese Werte Anwendung finden, um Vorbilder. Da geht es um tägliche Kleinigkeiten und die gilt es schon im Kindergarten einzufordern. Das hat sehr viel auch mit dem Selbstvertrauen, der Selbstachtung jedes Einzelnen zu tun. Dabei ist auch ein Ebenenwechsel unterstützend. Die besten Ergebnisse erzielen wir momentan mit der spielerischen Annäherung an das Thema durch Theaterarbeit. Spielerisch erleben die Kinder was es heißt, zum Beispiel die schwächere Position innezuhaben und das ändert nach und nach ihre Sicht auf dieses doch sehr komplexe Thema und hilft ihnen, die Werte der Toleranz und Mitmenschlichkeit auch im Alltag anzuwenden.

Das Interview führten: Florian Gleiss, Matthias Donabaum

wordrap Sitzenbleiben Abschaffen Modulare-Oberstufe Positiv Politikverdrossenheit Da müssen wir etwas tun Chancengleichheit Bleibt das große Ziel Freizeit Ist knapp aber im Schrebergarten gut verbracht Studiengebühren Nein Die eigene Schulzeit In sehr guter Erinnerung Privatisierung des Bildungssystems Unvorstellbar

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FRAUEN

Mein Bauch gehört mir Die Fristenlösung trat in Österreich am 1. Jänner 1975 unter Justizminister Christian Broda in Kraft. Schon damals war die Fristenlösung ein umstrittenes Thema: alle Parteien außer die SPÖ hatten sich dagegen ausgesprochen. Auch heute noch wird die Fristenlösung in Frage gestellt.

Geschichtliches

Umstand erschwert, dass im Zuge der Diskussion über Verbesserungen immer auch die Fristenlösung an sich in Frage gestellt wird.

Schwangerschaftsabbrüche gab es schon immer in der Geschichte der Menschheit. Allerdings war der Schwangerschaftsabbruch lange Zeit in vielen Ländern unter Strafe gestellt, sodass den Frauen nichts anderes übrig blieb als zu so genannten „Engelmacherinnen“ zu gehen. Hier wurden dann oft unter hygienisch katastrophalen Umständen Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen, bei denen viele Frauen ihr Leben verloren. Jene Frauen die bei einem Schwangerschaftsabbruch erwischt wurden drohten bis zu fünf Jahre Gefängnis. Durch Druck seitens der Frauenbewegung und besonders durch den Verdienst von Johanna Dohnal, konnte am 1. Jänner 1975 die Fristenlösung in Kraft treten. Die Fristenlösung legt fest, dass innerhalb der ersten drei Monate ein Schwangerschaftsabbruch, nach vorheriger Beratung ohne Angabe von Gründen, möglich ist. Schon damals wurde diese gesetzliche Regelung von ÖVP, FPÖ und der katholischen Kirche immer wieder massiv kritisiert. Es entstanden Organisationen wie „ Aktion Leben“ und „Pro Life“ die versuchten die Fristenlösung zu verhindern und ihre Arbeit gegen straffreie Schwangerschaftsabbrüche bis heute fortsetzen.

Google

Schwangerschaftsabbruch heute Auch heute noch ist Schwangerschaftsabbruch in Österreich genau genommen noch immer nicht legal, sondern bis Ende des dritten Monats nur straffrei. In Österreich gibt es 29 Stellen an denen Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden. Nur 17 dieser Stellen sind öffentliche Spitäler. In Vorarlberg, Tirol und im Burgenland gibt es gar keine Möglichkeit einen Schwangerschaftsabbruch in einem öffentlichen Krankenhaus durchführen zu können. Im Burgenland gibt es nicht einmal die Möglichkeit einen Schwangerschaftsabbruch in einer privaten Einrichtung durchführen zu lassen. Die Kosten eines Schwangerschaftsabbruches werden in Österreich von der Krankenkasse, ganz im Gegenteil zu den meisten anderen europäischen Ländern, nach wie vor nicht übernommen und variieren gewaltig. Eine Diskussion über eine Verbesserung der derzeitigen gesetzlichen Lage wird immer wieder durch den

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Bei „Google“ wurde vor kurzem das Ergebnis für den Suchbegriff „Schwangerschaftsabbruch“ selektiert und auch bezahlte Anzeigen von Kliniken die Schwangerschaftsabbrüche durchführen wurden von „Google“ entfernt. So wurde z.B. eine Anzeige des pro: womanAmbolatorium in Wien entfernt. Pro: woman bietet Frauen eine kostenlose Beratung zum Thema Schwangerschaftsabbruch und die Möglichkeit einen Schwangerschaftsabbruch anonym durchführen zu lassen. Will man/ frau sich also objektiv über das Thema Schwangerschaftsabbruch informieren ist „Google“, die am häufigsten genutzte Internetsuchmaschiene, kein guter Berater. Das pro: woman- Ambolatorium hat die Behörden eingeschaltet.

fact box – In Irland, Malta und Polen sind Abtreibungen noch immer nicht legal erlaubt – In Spanien wird derzeit darüber diskutiert den Schwangerschaftsabbruch wieder zu verbieten – Pro life- setzt sich für eine Abschaffung der Fristenlösung ein – Kosten einer Abtreibung sind in Österreich zwischen 425 bis 1000 Euro – 30.000 bis 40.000 Schwangerschaftsabbrüche werden pro Jahr in Österreich durchgeführt Weiterführende Links: www.gynmed.at www.prowoman.at www.frauenratgeberin.at – Seite des Bundeskanzleramtes Österreichs www.verhuetungsmuseum.at

Text: Jutta Schmitzberger


GESELLSCHAFT

Was hinter dem KONY-Hype steckt Die NGO Invisible Children hat mit dem Dokumentarfilm KONY 2012 weltweit für Aufsehen gesorgt. Seit Anfang März wurde das Video bereits über 100 Millionen Mal angeklickt, geliked und geteilt. Ziel des Projektes ist die Festnahme des ugandischen Rebellenführers Joseph Kony. Doch schon bald meldeten sich kritische Stimmen zu Wort. Der stark emotional aufbereiteten Hollywood-Produktion wird vorgeworfen, nicht sachlich fundiert zu argumentieren. Der Anführer der Lord`s Resistance Army (LRA) befände sich schon seit Jahren nicht mehr in Uganda. Auch die Informationen zu den KindersoldatInnen seien veraltet. Weiters ist die Finanzierung des Projektes fragwürdig, denn es gelangen nur ungefähr 30 Prozent der Spendengelder zum tatsächlichen Ziel. Zuletzt führte die Kritik an KONY 2012 beim Regisseur des Films, Jason Russell, zu einem Zusammenbruch. Davor soll er in San Diego öffentlich masturbiert und mutwillig Autos beschädigt haben. Nun befindet er sich im Krankenhaus. Das Hilfsprojekt entpuppt sich als Mogelpackung.

Volksbegehren für Steuergerechtigkeit Menschen entlasten. Vermögen besteuern. Armut bekämpfen. Kaufkraft stärken.

Text: Theresa Lechner, Foto: ZVG

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JUGENDKULTUR

Schätze finden mit Geocaching Geocaching ist ein neuer Trend, bei dem es darum geht mittels GPS-System weltweit nach Schätzen zu suchen. Die Aufgabe bei diesem realen Spiel besteht darin, kleine Boxen zu finden, sogenannte Geocaches, welche an den verschiedensten Stellen versteckt sein können. Mittlerweile ist diese globale Schnitzeljagd längst in Österreich angekommen. Unter einer Brücke, magnetisch an einer Rohrleitung befestigt, oder hinter einem Felsen. Die Möglichkeiten, wo sich ein Cache befinden kann, sind so gut wie unerschöpflich. Die Schwierigkeitsskala schwankt aber stark. Manche Caches sind einfach auf Gehwegen zu finden, andere wiederum im Wald, oder im Gebirge, die nur mit einer Kletterausrüstung zu erreichen sind. Und so funktioniert es: Benötigt wird ein GPS- Gerät oder ein Handy, welches über GPS verfügt. Anschließend muss auf der Internetseite www.geocaching.com eine Registrierung erfolgen – diese ist mit keinen Kosten verbunden. Nach erfolgreicher Anmeldung wird die Schatzkarte sichtbar, denn die Koordinaten aller versteckten Geochaches sind online abrufbar. Dann werden die Daten eines nahegelegenen Schatzes in das GPS-System eingetippt und die Suche beginnt. Im Idealfall lässt sich der Cache dann auch finden. Es handelt sich dabei aber nicht um einen Schatz im herkömmlichen Sinne. Vielmehr ist in den meisten Fällen eine kleine Box am Fundort, die ein Logbuch enthält. Dort tragen sich alle ein, die den Cache bislang gefunden haben. Hin und wieder können auch Tauschgegenstände in der Box enthalten sein. Hier können sich die Schatzsuchenden jederzeit etwas herausnehmen, wobei dafür natürlich auch eine andere Kleinigkeit im Cache zurückgelassen werden muss. Beim Suchen eines Versteckes wird zur Vorsicht geraten, nicht zu auffällig zu agieren. Damit wird gewährleistet, dass nicht jeder Unbeteiligte den Cache findet oder gar entwendet. Durch Geocaching erschließen sich dem eigenen Horizont ganz nah am Wohnort gelegene Gegenden, die vorher noch unentdeckt geblieben sind. Natürlich sind auch weiter entlegene Suchaktionen beispielsweise im Urlaub möglich. Übrigens erfinden sich die Suchenden ihre Verstecke selbst. Als registrierteR SchatzsucherIn ist es nämlich auch möglich die Koordinaten neuer Caches in die Onlinedatenbank zu speisen und die Suche nach den eigens versteckten Schätzen für eröffnet erklären.

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Webtipp: www.geocaching.com Auf der Startseite findet sich ein 2minütiges Erklärungsvideo.

Text: Lukas Kriener, Fotos: Lukas Kriener


SCHMANKERL

Sehen. Hören. Lesen. FILM: Persepolis von Marjane Satrapi Marjane ist acht Jahre alt und wächst während der Herrschaft Schah Mohammad Reza Pahlavis in Teheran auf. Sie erlebt den Umbruch mit, als der Schah ins Exil geht und die Islamische Republik ausgerufen wird. Von der revolutionären Stimmung geprägt, fängt sie an sich für das politische Geschehen zu interessieren. Zumal ihr Onkel, ein Kommunist, aus dem Gefängnis befreit wird und von den Zuständen darin berichtet. Doch der politische Frischwind hält nur solange an, bis die politischen Machthaber ihre vom Islam geprägten Ideen in die Realität umsetzen. Marjane fühlt sich erdrückt und protestiert, indem sie ihre Leidenschaft im Punk-Rock erfährt und sich für eine emanzipatorische Welt einsetzt. Doch das schafft sie nur solange, bis Teheran im Golfkrieg gegen den Irak bombardiert wird.. Persepolis ist ein Zeichentrickfilm basierend auf die Geschichte der Autorin, der aus den Augen eines kleinen Mädchens die Unterdrückung autoritärer Systeme verständlich macht. Der Film wurde unter anderem bei den Filmfestspielen mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

Text: Katharina Rabl, Fotos: ZVG

MUSIK: Die Schmetterlinge So nannte sich eine österreichische Politk-Rockband in den späten revolutionären 70er und den frühen 80er Jahren. Mit gesellschafts- und systemkritischen Texten, die hauptsächlich von Heinz Rudolf Unger verfasst wurden, entstanden bekannte Alben wie zum Beispiel 1977 die Proletenpassion. Ende der 80er Jahre entstand wohl das aktuell-politischste und bekanntest Album der Band, „Herbstreise“. Von vielen wird sie als „Soundtrack“ des deutschen Herbstes gesehen, beschäftigt sie sich doch mit Themen wie Emanzipation, der RAF, Nachwirkungen der NS-Zeit in der BRD, 35-Stundenwoche und dem Kampf gegen Kernkraftwerke. Das vorerst letzte Konzert fand 2001 statt, obwohl sich die Gruppe 2008 wieder fand und ohne Willi Resetarits vereinzelt (Benefiz-) Konzerte spielt.

BUCH: Guerilla Gardening von Richard Reynolds Saatbomben, Tomatenpflanzen auf Abrissplätzen, Moosbilder an Betonmauern: Eine besondere Form des Gartenbaus, unter dem Namen »Guerilla Gardening« erstmals im Manhattan der Siebzigerjahre bekannt geworden, ist zu einer weltweiten Bewegung angewachsen und gewinnt immer mehr Anhänger. Guerilla-GärtnerInnen sind illegal unterwegs: Bei Nacht und Nebel bepflanzen sie Verkehrsinseln, besetzen brachliegende Flächen, indem sie sie fruchtbar machen oder gehen mit Blumen gegen die Verwahrlosung des eigenen Wohnblocks vor - denn der öffentliche Raum gehört allen. Der Londoner Richard Reynolds, selbst seit fünf Jahren im Einsatz als urbaner Gartenguerillero, und macht sein Motto zu seinem Leben: Gärtnern ohne Grenzen!

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Winterschule Das marxistische Seminar der SJNÖ fand von 17. – 19. Februar in St. Pölten statt. Das Freitagabendprogramm erstreckte sich vom Lesen des Engels Textes „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“ und dem daraus resultierenden Einblick in die Begrifflichkeiten des Idealismus und Materialismus über Michael Moores „Capitalism - a love story“. Samstags ging es dann mit weiteren Einführungstexten los, um am Nachmittag dann anhand von Comics mit unserem Referenten Gigs Buchinger die Themenkomplexe Warenproduktion, Austauschprozess, Geld und Kapital und vielem mehr zu erarbeiten. Auch ein ArbeiterInnenliedersingen durfte nicht fehlen und trotz einem etwas ausgedehnteren Abendprogramm waren am dritten Seminartag fast alle, oder alle fast fit.

Gruendung der SJ Moedlin Lukas Jung zum Vorsitze g nden ge ehlt. Steve Ehrenberger steht ihm alswaSte llvertreter zur Seite. 0 1 6 _ O R G A N I S A T I O N

Text: Naomi Dutzi, Matthias Punz, Jakob Winter, Fotos: SJ Archiv


ORGANISATION

Wintersportfest 2012 Das etwas andere Wintersporterle bnis trug sich von 20.22. Jänner in Hüttau (Salzburg) zu. Buspannen, Stromausfälle, Schneechaos, Verspätunge n – die Liste schien kein Ende zu nehmen. Aber in dem Maß , wie die Pannen nicht aufhören wollten, waren auch dem Spaß keine Grenzen gesetzt.

SJNOE Zeltlag OEVP Zweitwoher fuer nsitze Zur Gemeinderatswahl siedelte die WVP unzählige ÖVP nahe ZweitwohnsitzlerInnen an, um die Mehrheit nicht zu verlieren. Die SJ hatte neben demokratiepolitischen Bedenken auch Sorgen um all die obdachlosen ÖVPlerInnen und errichtet kurzerhand ein Zeltlager.

Schon nach dem Ankommen gab es, für jene Delegationen, die keine Verspätung hatten, eine nächtliche Rodelpartie. Danach ging es weiter mit der We lcomeparty, inklusive nächtlichen Stromausfall und dara us resultierenden vereinzelten und teilweise exzessiven Zimmerparties. Nach wahlweise einem Therme ntag, einem Ski-/Snowboardtag oder einer Stadtführung in Salzburg war auch der Strom wieder da. Ein Lern- und Merktrainingsworkshop, ein girls-only Wuzzelturnier, Arb eiterInnenliedersingen und eine Auswahl an diversen selbst organisierten Mottozimmerparties standen zur Auswah l. Auch in der Schneebar und der Cocktaillounge ging’s hoc h her. Bei der großen Samstagabendparty war das Stre ben nach Chaos dann endgültig unaufhaltbar und defi nitiv erfolgreich: WSFWahnsinn eben.

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Antifa-Seminar

Termine

11. – 13. Mai, Europacamp | Weißenbach am Attersee Über 200 Jugendliche aus Österreich und Deutschland beteiligen sich jedes Jahr am Antifaschismus-Seminar der SJ im Europacamp am Attersee (OÖ). Beim inhaltlichen Programm, das den Themenkomplex Faschismus, Rechtsextremismus sowie Antifa vor Ort umfasst, ist wie immer für jeden und jede etwas dabei. Neben Vortrag mit Rechtsextremismus-Experten Florian Wenniger, werden wir am Samstagabend ein Zeitzeugengespräch mit Rudi Gelbard organisieren. Zum Abschluss dieses Seminar-Wochenendes nehmen wir gemeinsam an den traditionellen Befreiungsfeiern des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen teil. TeilnehmerInnenbeitrag SJ-Mitglieder: EUR 20,Nichtmitglieder: EUR 30,-

ECOSY Summer Camp 13. – 20. Juli, Savudrija (Kroatien) Das ECOSY-Summercamp führt uns dieses Jahr direkt ans kroatische Meer nach Savudrija. Unzählige Workshops, spannende Diskussionen, interessante Menschen, Spaß, Meer und eine Woche lang gelebter Sozialismus. Dabei lernst du die sozialistischen Jugendorganisationen anderer Länder näher kennen und kannst dich mit GenossInnen aus ganz Europa über die politische Grundsätze austauschen. TeilnehmerInnenbeitrag 190 Euro (bis 1. Mai 2012) 220 Euro (ab 1. Mai 2012)

Sommersportfest 03. – 05. August, Europacamp | Weißenbach am Attersee Einer der Fixpunkte des SJ-Jahres kehrt nach IUSY-bedingter Pause im Vorjahr heuer wieder in den Veranstaltungskalender zurück. Das Sommersportfest garantiert dir ein abwechslungsreiches Wochenende mit zahlreichen Funsport-Aktivitäten, Workshops, Badespaß im erfrischenden Attersee und natürlich unvergesslichen Partynächten. Das Gelände des Europacamps wird zum CampingAreal, das heißt bitte eigene Zelte, Isomatten und Schlafsäcke mitbringen. TeilnehmerInnenbeitrag ErsteinzahlerInnen: EUR 19,– Mitglieder: EUR 34,– Nichtmitglieder: EUR 49,–ErsteinzahlerInnen: EUR 19,Mitglieder: EUR 34,Nichtmitglieder: EUR 49,-

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Text: Jakob Winter, Fotos: SJ Archiv / ZVG


DR. MARX

Es eilt herbei der 1.Mai

Der 1.Mai ist als Tag der Arbeit seit 1919 in Österreich ein gesetzlich verankerter Feiertag. Auch in anderen Ländern wie Deutschland, Brasilien oder dem Vietnam stehen die Räder still am internationalen Kampftag der ArbeiterInnenbewegung. Doch woher kommt diese Tradition und wieso gerade der 1. Mai?

Auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationalen 1889 wurde der 1.Mai in Erinnerung an die Opfer der Haymarket Riots zum Kampftag der ArbeiterInnenbewegung ernannt. 1890 wurde dieser Gedenktag erstmals Weltweit mit Streiks und Demonstrationen begangen.

Die ersten groß angelegten Proteste der ArbeiterInnenschaft an einem ersten Mai fanden in Australien im Jahr 1856 statt, zentrale Forderung war die Einführung des 8-Stunden Tages. In Anlehnung an diese Protestbewegungen riefen US-amerikanische Gewerkschaften aufgrund unzumutbarer Beschäftigungsbedinungen den Generalstreik aus – zentrale Forderung war auch hier wieder der 8-Stunden Tag. Am Abend des 1.Mai hielt der Herausgeber der ArbeiterInnenzeitung eine Rede am Haymarket in Chicago. Darauf folgten tagelange Streiks die eskalierten als die Polizei auf friedliche DemonstrantInnen losging. Zahlreiche Tote und 4 Hinrichtungen waren die Folge.

In Österreich wurde der erste Mai im Stil der Sozialdemokratie weniger revolutionär begangen und die ArbeiterInnenschaft zu Ausflügen ins Grüne aufgefordert. Viktor Adler schrieb dazu: „Er ist sehr schön, der 1. Mai, und die Tausende von Bourgeois und Kleinbürgern werden es den Hunderttausenden von Proletariern gewiss gerne vergönnen, sich auch einmal das berühmte Erwachen der Natur, das alle Dichter preisen und wovon der Fabrikszwängling so wenig bemerkt, in der Nähe zu besehen.“

Text: Elias Winter, Foto: SJ Archiv

1919 wurde der erste Mai zum Staatsfeiertag doch ab 1933 wurden Maifeiern vom austrofaschistischen Regime verboten. Die Nationalsozialisten hingegen missbrauchten den Tag für ihre Zwecke und ernannten ihn zum „Tag der nationalen Arbeit“. Nach Kriegsende wurde der erste Mai wieder zum Staatsfeiertag.

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Sozi alistische Jugend s j oe .at

ANTIFA SEMINAR

Über 200 Jugendliche aus Österreich und Deutschland beteiligen sich jedes Jahr am Antifaschismus-Seminar der Sozialistischen Jugend Österreich im Europacamp am Attersee. Du kannst zwischen 11 unterschiedlichen Workshops wählen. Und auch sonst ist das Programm hochwertig - neben einem Gastreferat von Flo Wenninger (Assistent am Institut für Zeitgeschichte der Uni Wien) am Freitagabend wird es am Samstag ein Zeitzeugengespräch mit Rudi Gelbard geben. Zum Abschluss dieses Seminar-Wochenendes nehmen wir gemeinsam an den traditionellen Befreiungsfeiern des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen teil.

11. - 13. Mai 2012 WeiSSenbach am Attersee Europacamp

DEN RECHTEN DIE ZÄHNE ZEIGEN!

Am Antifa Seminar kannst du zwischen folgenden Workshopthemen wählen: Antifa vor Ort Rechte Propaganda - rechte Codes Das braue Netzwerk - Völkische Verbindungen Austrofaschismus Rechtsextremismus international Antimuslimischer Rassismus Exkursion ins ehemaligen KZ Mauthausen Braune Schwestern - Frauen in der rechten Szene Antifa goes Web 2.0 – Schreibwerkstatt Nie wieder Europa unter deutschen Stiefeln „The RAF from England shot one down“ - die Bombardierung Dresdens & der deutsche Geschichtsrevisionismus Die FPÖ im braunen Sumpf Das gesamte Seminar (inklusive Anreise mit dem Bus der SJ NÖ) kostet Für Mitglieder nur 20,und für Nichtmitglieder 30,-.

dIREKT Ausgabe 9  

Das dIREKT versteht sich als Medium zur Information von Mitgliedern, FunktionärInnen und SympathisantInnen der SJ NÖ. Das dIREKT informiert...

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