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Das linksbündige Magazin der Sozialistischen Jugend Niederösterreich. Ausgabe 4 | Oktober 2010

Sozialistische Jugend Niederösterreich www.sjnoe.at

www.sjnoe.at/direkt

Rückbesinnung auf die Wurzeln Die neue Lehrlingskampagne der SJ-NÖ Seite 12

Roma und Sinti in Europa Ein Volk in Ohnmacht Seite 10

Laserkraft 3D am restart.tc Skate Contest Finale Das restart.tc Finale geht in die nächste Runde und das wird ordentlich gefeiert Seite 6

restart


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ARBEITSWELT

002 INHALTSVERZEICHNIS 003 EDITORIAL

012 LEHRLINGSKAMPAGNE

004 DER ROTE FALKE 005 ÖSTERREICH-SATIRE

IM BRENNPUNKT 006 RESTART.TC SKATE CONTEST FINALE

GESELLSCHAFT

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INTRO

ÖSTERREICH

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JUGENDKULTUR 013 FESTIVALSOMMER

ORGANISATION 014 VERANSTALTUNGEN / GRUPPENGRÜNDUNGEN

AKS / BILDUNGSPOLITIK 016 FÖDERALISMUS IN DER BILDUNGSPOLITIK

008 JUGEND OHNE ARBEIT 009 SORGENKIND OBSORGE

SCHMANKERL

INTERNATIONAL

TERMINE

010 ROMA UND SINTI IN EUROPA

018 COMING NEXT

FRAUEN

FRAGE AN DR. MARX

011 KOEDUKATION

019 KLASSENKAMPF

017 HÖREN. SEHEN. LESEN

IMPRESSUM

Medieninhaberin und Herausgeberin: SJ Niederösterreich, 3100 St. Pölten, Kastelicgasse 2, Tel.: +43 (0)2742 22 55-226; E-Mail: offi ce@sjnoe.at; Website: www.sjnoe.at Redaktion: Andreas Beer, Naomi Dutzi, Dominik Grosch, Valerie Kalnein, Julia Kopalek, Martin Oppenauer, Peter Schicho, Alexander Strobl, Maida Schuller, Max Wallner, Elias Winter, Jakob Winter, Maximilian Zirkowitsch, Grundlayout: Peter Rüpschl (peru@wibs.at, +43 (0)650 666 99 23), Satz und Layout: Florin Buttinger, Coverfoto: Laserkraft 3D Produktion: NGL-Mediamondial, 3151 St. Georgen Grundlegende Richtung: Das dIREKT versteht sich als Medium zur Information von Mitgliedern, FunktionärInnen und SympathisantInnen der SJ NÖ. Das dIREKT informiert über aktuelle politische Debatten und thematisiert jugendrelevante Ereignisse.

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EDITORIAL

Wiener Blut & Sarazzin …

In den letzten Tagen habe ich den Eindruck bekommen, dass wir am Tiefpunkt der politischen Auseinandersetzung angekommen sind. Das neue Plakat der Wiener FPÖ „Mehr Mut für unser Wiener Blut – zu viel Fremdes tut niemandem gut!“ entspringt einmal mehr der Feder des Reimeschmieds Kickl. Das eigentlich die Operette Wiener Blut damit gemeint ist und nicht eine Nazi-Anspielung, will dem FPÖ Chef „Hatschi“ Strache niemand glauben. Würden wir diesen Satz irgendwo lesen, würden wir eher daran denken, dass es sich um ein Zitat aus „Mein Kampf“ von Adolf Hitler handelt. Der deutsche Bundesbanken Vorstand Thilo Sarazzin hat mit seinem neuen Buch noch eines draufgesetzt. In einem Interview zu seinem Buch sagte er unter anderem: „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen.“ Den Höhepunkt erreichten wir dann im steirischen Wahlkampf, bei dem die FPÖ mit einem munteren Anti-Minarett Egoshooter Spiel im Internet dazu einlud auf Minarette und Muezzins zu ballern. Mittlerweile wurde das Spiel von der Staatsanwaltschaft Graz verboten. Die FPÖ provoziert in ihren Wahlkämpfen immer wieder und wird massiv dafür kritisiert. Damit einher geht die mediale Aufmerksamkeit und,

Text: Andreas Beer; Foto: SJ Archiv

dass über die FPÖ diskutiert wird. Es steckt mit Sicherheit Absicht und Taktik dahinter. Nun zeigt diese Partei immer öfter ihr wahres Gesicht, nämlich jenes einer rechtsextremen Partei. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es Applaus zu der niveaulosen, menschenverachtenden und hetzerischen Politik der letzten Tage von den Rechtsextremen über ihre Homepage „Alpen Donau Info“ gibt. Was uns die letzten Tage gezeigt haben ist, dass Demokratie das Recht impliziert, haltlosen Unsinn von sich zu geben und zu verbreiten. Für solche Fälle sieht die Demokratie auch entsprechende Strafmaßnahmen vor. Es liegt jedoch an uns diesen Unsinn auch aufzuzeigen und als Sozialistische Jugend gegen Fremdenhass aufzutreten und rechtes Gedankengut zurückzudrängen! Freundschaft!

PS: Allen WienerInnen und Wienern, allen Kottans, Prohaskas, Hojaks, Ofcareks sei gesagt: „Wiener Blut, Vielfalt tut gut!“

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DER ROTE FALKE

Halt Stand, Rotes Wien! Am 10. Oktober wird in Wien gewählt. Das gilt als Gradmesser, wie es um die SPÖ als Ganzes steht. Selbst Grüne- und ÖVP-Wien wittern Morgenluft, ihre Hoffnungen werden aber (wie immer in Wien) an der Wirklichkeit zerschellen. Regelmäßig landet Wien im Spitzenfeld bei Werten wie Lebensqualität, Stadtentwicklung oder ähnlichem, der öffentliche Verkehr gilt als vorbildhaft. Und keine der Wiener Oppositionsparteien ist eine wählbare Alternative, die eine Verbesserung versprechen würde. Weil es also kaum Themen zu besetzen gibt, ist die FPÖ in ihrem Element. Und da sie in Wien seit geraumer Zeit erfolgreicher agiert, als die restliche Opposition steigert sie sich in eine Endschlachtstimmung hinein. Wider besseren Wissens verbreitete sie die Botschaft, es handle sich um ein Duell SPÖ gegen FPÖ um den Bürgermeistersessel. Das erwies sich für die FPÖ aber als Bumerang: Es brachte Menschen, die latent zur FPÖ tendierten dazu, darüber nachzudenken, ob sie der FPÖ das Bürgermeisteramt zutrauen. Da war die ganze schöne Schlachtstimmung kaputt, da weinte das Blut und Boden verteidigende, deutsche Herz der Blauen. Also schwangen sie sich auf ihr zweites Steckenpferd: Plumpen, aggressiven Rassismus in Reimform. Die zweite Plakatkampagne rollte über die Stadt und versaute Köpfe, Stadtbild und Kinderseelen. Mit dem Werbefeldzug zum Schutze des Wiener Blutes und der Wiener Ehre(1), wie böse Zungen ihn nennen, hat die FPÖ einmal mehr schockiert und Tabus gebrochen. Die Aufmerksamkeit, die die FPÖ mit solchen Ausuferungen erlangt, hat aber auch ihr Gutes: Sie ruft all jene auf den Plan, die nichts übrig haben für Rassenhass und das Kokettieren mit dem Faschismus. Hoffen wir, dass sie am 10. Oktober in der Überzahl sind. (1) siehe Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (RGBl. I S. 1146); http://de.wikipedia.org/wiki/Nürnberger_Gesetze

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F A L K E

Text: Max Wallner, Foto: SJ Archiv


ÖSTERREICH - SATIRE

Korruptionsoase Bösenreich Wäre Österreich ein Horrorfilm, Starschauspieler wäre Jörg Haiden, ein schon zu Lebzeiten Unheil bringender Untoter, Karl-Heinz Krasser der bestechend gutaussehende Räuber und Kim Jong Bröll ein blutrünstiger Diktator mit Hang zum Größenwahn. Drehort: Die Korruptionsoase Bösenreich irgendwo in Mitteleuropa. Titel: "State of the Living Dead". Untertitel: "Es gilt die Unschuldsvermutung!". Fazit: Unglaublich. Der schöne Karl-Heinz hatte sich seinen Job als Schatzmeister der kapitalistischen Korruptionsoase Bösenreich irgendwo in Mitteleuropa anders vorgestellt. Der von natürlichem Reichtum gestählte Bursche wurde vom damals noch quicklebendigen Graf Jörgula aus Koroška, auch bekannt als einer der blaublütigen Ziehväter des modernen Rechtsextremismus, gebeten, wenigstens ein paar Jahre das Amt zu übernehmen. Heute gilt der Schöne als Miesepeter und Korruptionszombie. Oh wie ungerecht die Welt doch ist… Erst zögerte er. "Ich verdiene genug mit meinen Raubzügen, ich brauch so ein blödes Amtl nicht", dachte sich Karl-Heinz, der den Kapitalismus heute noch über alles liebt. Bevor er es bleiben lasse, solle er aber darüber nachdenken, welche Möglichkeiten ein Staatsamt in der Korruptionsoase Bösenreich mit sich bringt, gab Jörg dem Schönen zu bedenken. Er wurde im Laufe der Diskussion irgendwo in einem Bundesland ohne zweisprachige Ortstafeln eindringlicher: "Vergiss nicht: Du kannst anderen Gutes tun, Milch und Honig fließen lassen. Die Kassen sind voll und dem Volk ist eh alles Blunz´n. Wird´s mühsam, schimpf ich irgendeinen linkslinken Gutmenschen 'Neger' oder 'Jud´' und dann reden´s eh alle über was anderes." Außerdem sei die Schüssel von seinem zukünftigen Chef Wolfgang – ein reaktionäres Schreckgespenst – so hohl, dass er mit anderen Dingen beschäftigt sei, als penibel zu überprüfen, was Karl mit dem Schatz so alles anstellt. (Heute noch, wird Wolfgang nicht müde, zu betonten, von "all den bösen Machenschaften" nichts gewusst zu haben.)

teilhaben. Da sagte Karl-Heinz zu. In jeder Ader seines grandiosen Körpers spürte er schon vorab die Genugtuung, sich bald bei seinen alten Freunden bedanken zu können. Gut außerdem, dass Regierungschef Wolfgang über die Schatzmeisterei exakt genauso dachte, wie der Schöne. "So hohl ist der gar nicht, der versteht was vom Handwerk der Freundschafterei", dachte sich das fleischgewordene Unschuldslamm. Die beiden wurden bald gute Freunde – zum Missfallen von Graf Jörgula. Einte sie doch der Geist des Neoliberalismus. Er durchdrang jede Zelle ihrer Körper und verhalf ihnen zu großen Taten für das Kapital. "Ein guter Tag beginnt mit einer ausgeglichenen Schatzkammer. Mehr privat, weniger Staat. Wir verkaufen alle Schätze des Königreichs, machen die Reichen reicher und die Armen ärmer", so das Credo. Als Karl-Heinz, Wolfgang und der Rest des schwarz-blauen Gruselkabinetts sich nach unzähligen Verscherbelungen ("Privatisierungen") auch dazu entschlossen, die Bundeswohnungen ("Buwog") zu verkaufen, war die Zeit gekommen, Peter und Meischi zu bedienen. Sie sollten, obwohl verboten, hinter den Kulissen ein KonzernKonsortium mit Informationen versorgen und damit knapp 10 Millionen an Korruptionsoasenwährungseinheiten Provision einstreifen – so behaupten es viele Blätter Bösenreichs. Sie danken es dem Karl angeblich noch heute, leben aber nicht mehr glücklich, weil die Justiz – einst ein guter Geist Bösenreichs – gegen sie ermittelt.

Da erinnerte sich der Schöne wieder an die beiden Klassenvampire aus Schulzeiten. Peter und Meischi – zwei grundehrliche Musterblutsauger – hatten ihn doch stets von ihren gefährlichen Bissen verschont. Schatzmeister der Korruptionsoase zu werden brächte die Möglichkeit sich bei den beiden erkenntlich dafür zu zeigen; überhaupt würde sein Konterfei alle Titelblätter dieses Landes schmücken und auch die gewöhnlichen Menschen könnten an seiner Schönheit

Text: Martin Oppenauer, Foto: iStockphoto

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BRENNPUNKT

restart.tc Skate Contest Finale & After Contest Party Am Kalender ist dieser Tag bereits bei allen SJlerInnen dick und fett markiert. Der Tag der restart.tc After Contest Party im VAZ St. Pölten, der größten Indoor-Party des Jahres! Die Erfolgsstory begann vor neun Jahren und findet auch im Jahr 2010 seine Fortsetzung. Mehr als zwanzig Acts sorgen auf fünf Floors für ausgelassene Stimmung.

restart.tc – restart the country restart.tc ist mehr als das Motto unserer Veranstaltungen. restart.tc steht für restart the country und ist unser Statement zur Jugendpolitik in Niederösterreich, die wir positiv verändern wollen. Wir sind überzeugt davon, dass Freiräume für junge Menschen wichtig sind. Mehr von diesen Freiräumen schaffen ist eines unserer politischen Ziele. Ob nun Jugendtreffs, Proberäume für Bands, Skateparks, Volleyballplätze oder ein jugendfreundliches öffentliches Verkehrsnetz. Veränderungen fallen allerdings nicht vom Himmel. Vielmehr braucht es dafür engagierte Leute die ihre Ideen auch tatsächlich verwirklichen wollen. Sinn unserer Aktivitäten ist es daher auch Leute zusammenzubringen die etwas verändern wollen. Mit den Veranstaltungen von restart.tc möchten wir vermehrt attrak-

fact box

fact box Streetsoccer Challenge Wir ermöglichen, dass in jeder Stadt und jedem Ort in Niederösterreich Streetsoccer gespielt werden kann. Mit zwei mobilen Courts touren wir durch das Land und bringen die warhscheinlich populärste Art Fußball zu spielen in die Regionen Niederösterreichs.

tive Jugendaktivitäten ermöglichen. Gemeinsam sorgen die Kinderfreunde NÖ und die SJ NÖ mit restart.tc für ein umfangreiches Jahresprogramm und sind für Konzeption, Durchführung und Betreuung der Veranstaltungen verantwortlich. "restart.tc" kann auf große Erfolge verweisen. Neben dem zentral orga-

Skate Contest Der restart.tc Skate Contest ist der einzige landesweit organisierte Skate Contest. Mit einem mobilen Skatepark oder bei bereits bestehenden Skateparks touren wir durch ganz Niederösterreich. Ein fixes Team an Judges sorgt für faire Wettkampfbedingungen. Die besten drei Skater der jeweiligen Vorrunde qualifizieren sich für das Finale. Mehrere tausend BesucherInnen verfolgen jedes Jahr das Finale im VAZ St. Pölten. Die After Contes Party kann seit einigen Jahren wohl als absolutes Partyhighlight in Niederösterreich bezeichnet werden.

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Text: Andreas Beer; Foto: SJ Archiv, Mono & Nikitaman


nisierten Skate Contest und der Streetsoccer Challenge, sind auch die für die Orts- und Stadtparteien entwickelten Mietangebote ein großer Erfolg. So gibt es die Mobile Bühne für Open Air Veranstaltungen, den immer beliebten Human Table Soccer, Selbstverteidigungskurse für junge Frauen und das Open Air Kino zu mieten.

After Skate Contest Party Wenn das Barometer auf Sturm steht und die Temperaturen eisiger werden, könnt ihr euch bereits am Freitag, den 01. Oktober bei der Pre-Party im Warehouse St. Pölten auf zwei Floors für die Party des Jahres aufwärmen. Am Samstag heizen euch dann Mono und Nikitaman kräftig ein. Die Wahlberliner sind auf der Überholspur und sind eine der beliebtesten Reggae - Dancehall Acts im deutschsprachigen Raum. Vorstellen muss man diese beiden mittlerweile nicht mehr, haben sie doch in den letzten Jahren mehr als 400 Auftritte absolviert. Einmal politisch dann wieder Partystimmung verbreitend, das ist es, was Mono & Nikitaman ausmacht und so sind Headliner- und Co Headliner Slots bei den größten Festivals, wie etwa dem Chiemsee Reaggae, mittlerweile fixer Bestandteil des Tourplans.

die Ohren hauen.Abgerundet wird das Line Up mit einem Hip Hop/ Dancehall Floor mit Boom A Rang Sound und dem 80ies Floor mit der Rubix Magic DJ Crew. Für SJ Mitglieder ist die Party wie immer gratis und auch die exklusive Members Area wird es in diesem Jahr wieder geben. Deine Vorteile sind ein einzigartiger Blick von der Galerie auf die Mainstage und vergünstigte Getränkepreise. Doch für nur EUR 5,- Eintritt sollte sich niemand, der auch nur im Geringsten an einer guten Party mit der besten Musik interessiert ist, dieses musikalische Feuerwerk entgehen lassen. Die Sozialistische Jugend gibt in Niederösterreich auch weiterhin den Ton an in Sachen Jugendkultur. Wir freuen uns auf euch! Get the Party started on Saturday night ;)

Der Electro Floor glänzt in diesem Jahr mit heißen Techno, Minimal und House Beats und mit Laserkraft 3D bringen wir den Partyhit des Jahres 2010 „Nein Mann!“ live nach St. Pölten. Sie sind bekannt für ihre unglaubliche Live Show und das Sound-Feuerwerk, das die beiden bei ihren Gigs an Turntables, Samplern und Laptop entfachen und gnadenlos auf Publikum abfeuern. Das muss man einfach live erlebt haben! Für FreundInnen ausufernder Drum’n’Bass Orgien haben wir am 02. Oktober natürlich auch wieder einiges zu bieten. So kommen mit Xample & Lomax zwei aufstrebende Künstler der Szene aus England und werden der Crowd ihre neusten Dubplates um

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GESELLSCHAFT

Verlorene Generation? Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) veröffentlichte vor kurzem eine Besorgnis erregende Studie laut der 81 Millionen Junge keinen Job haben. Laut Berechnungen der ILO liegt die Jugendarbeitslosigkeit gerade auf dem höchsten Stand der jemals registriert wurde. 2007 lag sie unter Jugendlichen bei 11,9%. Im vergangenen Jahr erhöhte sich dieser Wert auf 13%. Und auch heuer ist laut der UNO-Agentur ein weiterer Anstieg unvermeidbar. In Zahlen bedeutet das, dass weltweit offiziell 81 Mio. junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren keine Arbeit finden. Der Direktor der ILO, Juan Somavia, rechnet vor, dass seit 2007 rund 7,8 Millionen arbeitssuchende Jugendliche dazukamen. Somavia meint, dass dieser Umstand eine „verlorene Generation“ hervorbringen könnte, die keine Hoffnung auf fixe Beschäftigungsverhältnisse haben wird.

Arm trotz Arbeit Besonders brisant ist die Situation in den so genannten Entwicklungsländern. Sogar jene, die dort einer Beschäftigung nachgehen, müssen sich oft mit Niedrigstlöhnen oder mit sporadischen Beschäftigungsverhältnissen abfinden. Die Statistik weist auf, dass 2008 152 Mio. Jugendliche, trotz Beschäftigung, armutsgefährdet waren, weil sie pro Tag weniger als einen Euro verdienen. Das sind insgesamt 28% dieser Generation! Rund die Hälfte der 7,8 Mio. jungen Menschen, die seit 2007 dazu gekommen sind, fallen auf den europäischen Raum. In den USA ist die Lage mit 18% Jugendarbeitslosigkeit noch düsterer. Die ILO rät den politischen Verantwortlichen trotz der vermeintlichen Sparzwänge Jugendbeschäftigungsfördermaßnahmen nicht zu stoppen.

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Schulungen – ein Allheilmittel? Um dem Problem zu entgegnen rät die ILO den Staaten und der Industrie verstärkt auf Bildungsangebote und Jobtrainings zu setzen. Österreich weist aufgrund hoher Schulungszahlen eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosenrate unter Jugendlichen auf. Klar ist, dass gute Ausbildung die Chancen erhöht einen Job zu ergattern. Doch Ausbildung schafft keine neuen Arbeitsplätze. Vereinfacht gesagt heißt das, dass die beste Ausbildung der Welt nicht vor Arbeitslosigkeit schützen kann, wenn schlicht und einfach keine Jobs da sind! Hier ist die Politik gefordert dafür zu sorgen, dass es Jobs in ausreichender Zahl gibt. Dabei wird es wichtig sein entsprechenden Einfluss auf die Wirtschaft zu nehmen. Denn wenn Kapital zunehmend auf die Finanzmärkte verschoben wird um dort damit zu spekulieren, da (möglicherweise) höhere Gewinne zu erwarten sind, ist das für die Realwirtschaft kontraproduktiv. Denn genau hier fehlt dann jenes Geld, das für Investitionen benötigt wird, die wiederum Jobs schaffen.

Text: Alexander Strobl; Foto: iStockphoto


GESELLSCHAFT

Sorgenkind Obsorge Justizministerin Bandion- Ortner unterstützt die Forderung der Männerbewegung nach einer automatischen gemeinsamen Obsorge in Scheidungsfällen. Auch die FPÖ schließt sich der Forderung an. Es wird sogar diskutiert ob die Regelung verpflichtend ausfallen soll. Argumentiert wird mit einer besseren Gesprächsbasis nach der Trennung, die bei einer automatischen gemeinsamen Obsorge gegeben sein soll. Außerdem wirke sie deeskalierend und sei der natürliche Zustand, so Bandion- Ortner. "Es muss sich im Kopf der Leute etwas ändern. Sie müssen wissen, was sie ihren Kindern damit antun." wird die gemeinsame Obsorge fast schon als Retterin der Ehe hochgespielt. Gegen die automatische gemeinsame Obsorge spricht sich neben der SPÖ und den Grünen vor allem auch der Verein Autonomer Frauenhäuser Österreich aus, der den nicht unwesentlichen Aspekt von Gewalt in der Familie in die Debatte bringt. Immerhin ist in Österreich jede 5. Frau von Gewalt durch ihren Partner betroffen. 90% aller Gewalttaten werden im Familien – und Bekanntenkreis verübt. Auch der Männer- und geschlechterforscher Erich Lehner ist skeptisch und plädiert für eine generelle und umfassende Gleichstellungsdebatte, da er die ursprünglichen Probleme schon viel früher sieht, nämlich in all den Ungleichheiten, die in unserer Gesellschaft zwischen Männern und Frauen noch immer bestehen. Für ihn beginnt die Debatte nicht erst bei Obsorgestreitigkeiten, sondern schon bei der generellen väterlichen Präsenz im Familienleben. Hier haben die meisten Väter keine guten Karten, wenn man einen Väterkarenzanteil von 4 Prozent bedenkt. Auch die ungleiche Aufteilung von unbezahlter und bezahlter Arbeit spricht Bände und für Erich Lehner gegen eine automatische gemeinsame Obsorge in Streitfällen

fact box Obsorgeregelung in Österreich Nach einer Scheidung: gemeinsame Obsorge kann von beiden Elternteilen beantragt werden; Dem Gericht ist der hauptsächliche Aufenthaltsort des Kindes mitzuteilen; Bei unehelichen Kindern: Kindesmutter hat die alleinige Obsorge; gemeinsame Obsorge kann beantragt werden, wenn beide Elternteile den entsprechenden Antrag stellen;

Text: Naomi Dutzi; Foto: Astrid Knie

Interview mit Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek diREKT: Die SPÖ stellt sich in der Debatte um gemeinsame Obsorge gegen einen Automatismus. Warum? Heinisch-Hosek: Bei fast 50% der Scheidungen vereinbaren die Eltern freiwillig eine gemeinsame Obsorge. Ich finde es großartig, wenn sich Eltern nach Scheidungen gemeinsam um ihr Kind kümmern. Und das machen immer mehr und das sollten wir unterstützen. Bei der Hälfte aller Scheidungen gelingt das aber nicht. Eltern, die sich bei der Scheidung bis aufs Blut streiten, kann der Staat doch nicht verordnen, dass sie sich gemeinsam ums Kind kümmern müssen, da kann doch eine automatische gemeinsame Obsorge nicht gut fürs Kind sein. diREKT: Welche Alternativvorschläge gibt es zur Verbesserung der Situation nach Scheidungen, vor allem auch für Kinder? Heinisch-Hosek: Eine Schnelle Einigung über die Besuchszeiten ist für die Kinder von entscheidender Bedeutung, damit sie sich rasch auf einen neuen Rhythmus und Alltag einstellen können. Darum schlage ich auch vor, dass die Eltern bei der einvernehmlichen Scheidung auch die Besuchszeiten gemeinsam festlegen müssen. Derzeit sieht das Gesetz vor, dass die Besuchszeiten auch später geregelt werden können. Und es sollten RichterInnen in strittigen Scheidungsverfahren vermehrt vorläufige Besuchszeiten anordnen. Damit kann verhindert werden, dass der Kontakt mit dem anderen Elternteil abbricht, bis eine endgültige Lösung gefunden werden kann. diREKT: Zu dem Vorschlag eine verpflichtende Elternberatung bei strittigen Scheidungen zu verordnen - zeigt sich nicht immer wieder, dass Beratung, sobald sie verpflichtend ist, oft auch das Gegenteil bzw. wenig bewirken kann? Heinisch-Hosek: Ich bin der Überzeugung, dass es Sinn macht wenn Eltern im Streitfall eine Unterstützung zur Seite gestellt wird. Denn eine verpflichtende Elternberatung kann mit Sicherheit die Konflikte entschärfen und dazu beitragen, dass die Eltern eine Lösung im Sinne ihres Kindes finden.

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INTERNATIONAL

Ein Volk in Ohnmacht – Roma und Sinti in Europa Nie akzeptiert, immer ausgegrenzt, eingesperrt, verfolgt und vom Genozid bedroht. Die Vergangenheit der Roma und Sinti Europas hinterlässt blutige Spuren – sieht die Zukunft der ethnischen Minderheit besser aus? Im Moment sieht es nicht danach aus.

Die Zahlen sprechen für sich Laut offiziellen Angaben leben zum Beispiel in Bulgarien 370.000 Roma. NGOs schätzen die Dunkelziffer auf etwa 800.000, was in etwa 10% der Gesamtbevölkerung ausmacht. Die bulgarische Arbeitslosenrate ist auf 7% gesunken, die der Roma liegt jedoch noch bei 90% - das heißt, fast alle Arbeitslosen des Landes sind Roma. Das absurdeste jedoch ist, dass die Regierung ausländische Arbeitskräfte ins Land holt, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, die Roma und Sinti sind wegen mangelnder Qualifikation unerwünscht. In anderen Ländern sieht es nicht besser aus: In Ungarn ist die Hälfte der 600.000 bis 800.000 Roma arbeitslos, während in der Gesamtbevölkerung die Arbeitslosigkeit, wie in Bulgarien, bei 7 Prozent liegt. In Tschechien sind mehr als 70 Prozent der Roma ohne Arbeit, dem gegenüber stehen nur 10 Prozent im nationalen Durchschnitt. Auch in Serbien ist die Arbeitslosenrate bei den 300.000 Roma dreimal höher als bei allen anderen Bevölkerungsgruppen. Auch in Rumänien haben 75 Prozent der 2 Millionen Roma im arbeitsfähigen Alter keine feste Beschäftigung.

Ohne Bildung keine Arbeit – ohne Arbeit keine Zukunft Der Grund für die hohe Arbeitslosenquote ist leicht gefunden, lastet aber schwer auf dem Rücken der Roma und Sinti. Von Seiten der Regierungen wird wenig bis gar nicht in die Bildung von Roma Kindern investiert, viele absolvieren gerade mal die Volksschule. In vielen Ländern wie Tschechien oder Bulgarien werden Roma Kinder in eigene „Sonderklassen“ gesteckt, in denen oft essenzielle Fächer wie Mathematik ein-

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fach ausgelassen werden und die Kinder danach teils nicht einmal lesen und schreiben können. Die Isolation fängt also schon im Kindesalter an und wird später durch Gettoisierung verstärkt. Dass hier Spannungen und Konflikte in der Bevölkerung entstehen, ist vorprogrammiert. Die Millionen an Euro, die die EU in Projekte zur Integration von Roma steckt, könnten von den Regierungen endlich sinnvoll für den Ausbau der Bildung der Roma und Sinti genutzt werden. Des Weiteren würde das Geld der EU auch ausreichen, den weiter aufstrebenden Rassismus in den betreffenden Ländern zu bekämpfen – stattdessen aber passieren weiter Ausweisungen, wie gerade in Frankreich oder rassistische motivierte Angriffe auf Romasiedlungen, wie in Ungarn.

Text: Valerie Kalnein, Foto: iStockphoto


FRAUEN

Getrennt – Vereint – Getrennt? 1975 eingeführt wird sie jetzt wieder angezweifelt: Koedukation. Eine neue OECD Studie besagt: gemischte Klassen führen zu Diskriminierung von Frauen. Die Pariser Soziologin Marie Duru-Bellat, die für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) tätig ist, fand heraus, dass das Konkurrenzverhältnis in gemischten Klassen zwischen den Geschlechtern auf Grund der Stereotypen deutlich höher ist. Dadurch komme es zu einem dominierenden Verhalten der Jungen und einer daraus resultierenden Konfliktvermeidung der Mädchen. Nicole Schneeweis und Martina Zweimüller, Wissenschaftlerinnen des Instituts für Volkswirtschaftslehre Johannes-Kepler-Universität, haben Daten von 19 Jahrgängen (1988-2006) der Hauptschulen in Linz analysiert, und sind zu einem interessanten Resultat gekommen. Ihrer Studie nach hat sich herausgestellt, dass Mädchen, die in Naturwissenschaftlichen Gegenständen getrennt von ihren männlichen Mitschülern unterrichtet werden, sich mehr und interessierter in den Unterricht einbringen. Daraus resultiert, dass bei Klassen mit einem höheren Mädchenanteil die Schülerinnen sich eher für einen männlich-dominierten Schultyp, wie eine HTL, entscheiden. Dadurch steigen auch ihre Chancen für die Zukunft auf einen besser bezahlten Job. In Prozent gesprochen würde das bedeuten, wenn man eine Klasse um einen Mädchenanteil von 11 Prozentpunkten erhöht, erhöht das auch die Wahrscheinlichkeit um 4,8 Prozent, dass ein männlich dominierter Schultyp von den Mädchen gewählt wird. Es würde somit eine freiere Berufswahl für Mädchen gefördert werden, wenn man sich eine Trennung in manchen Fächern überlegt. Eine gänzliche Trennung auf Schulebene würde allerdings von den zwei Wissenschaftlerinnen nicht empfohlen werden.

schaftlichen Schwerpunkten, versucht man mit sehr gutem Erfolg geschlechtergerechte Erziehung zu leben. Seit 1992 gibt es diese reine Mädchenklasse, anfänglich wurde dies hart kritisiert, allerdings hat die Schule inzwischen gerade auf Grund des Unterrichtsschwerpunkts regen Zulauf.

Nicht unumstritten Auf der anderen Seite lassen KritikerInnen darauf aufmerksam machen, dass die Abschaffung bzw. Einschränkung der Koedukation, dazuführen könnte, dass, gerade bei Jugendlichen erotische Spannungen auf Grund der räumlichen Trennung nicht neutralisiert werden könne. Die Ansicht durch Geschlechtertrennung innerhalb der Klasse eine Steigerung des Interesse und der Leistung zu erwirken wird nicht geteilt, man sieht vielmehr eine Förderung der schulischen Leistungen und des Sozialverhaltens in der Verringerung der Geschlechterpolarität. Auch beim Erlernen des partnerschaftlichen Umgangs kann es hier zu Problemen kommen, da kaum Berührungspunkte vorhanden sind, wie es in Schulen mit Koedukation schon der Fall ist. Abgesehen von dieser Argumentation gibt es auch die Ansicht, dass das Konkurrenzverhältnis zwischen Burschen und Mädchen im gemeinsamen Unterricht für das Leistungsdenken der Mädchen förderlich ist und sie somit zu besseren Ergebnissen motiviert.

Im Versuch geglückt In Wien- Mariahilf gibt es seit fast 15 Jahren im Gymnasium Rahlgasse eine reine Mädchenklasse, wo in einigen Gegenständen die Mädchen von den Jungen getrennt unterrichtet werden. Durch verpflichtenden Handwerklichen Unterricht, sowohl im technischen als auch im textilen Bereich, spezifische Projekttage, GenderTrainings und getrennten Unterricht in Fächern mit naturwissen-

Text: Julia Kopalek, Foto: Paul Fisher via Flickr

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ARBEITSWELT

Mei Lehr is ned deppat! Vor über 100 Jahren – anno 1894 – wurde die Vorläuferorganisation der SJ, die Sozialistische Arbeiter Jugend, von jungendlichen Arbeitern gegründet. Wie damals stehen auch heute noch soziale Fragestellungen im Vordergrund der Lebensrealität von Lehrlingen und jungen Werkstätigen.

Mit der neuen Kampagne „Mei Lehr is ned deppat“ will sich die Sozialistische Jugend Niederösterreich auf ihre Wurzeln besinnen und wieder verstärkt als Interessensvertretung der arbeitenden Bevölkerung fungieren. Die Kampagne setzt sich mit zielgenauen Formulierungen ohne Tabus mit der, in vielen Bereichen, völlig unzufriedenstellenden Realität von Lehrlingen auseinander. Dabei stützt sie sich auf drei Hauptforderungen.

Wir woin mehr - Kohle her! Jeder Lehrling bekommt eine Lehrlingsentschädigung. Bis auf den Metall- und Chemiebereich werden in fast allen Branchen geradezu lächerliche Beträge an die Lehrlinge ausbezahlt. Besonders betroffen davon sind Branchen, in denen es keine starke Gewerkschaft gibt. Das sind vor allem FriseurInnen, KellnerInnen, Einzelhandel-Berufe und dergleichen. Zur miserablen Entlohnung kommt hinzu, dass Internatskosten während der Berufsschulzeit oft nicht von den Firmen übernommen und aus eigener Tasche zu bezahlen sind. Deshalb muss eine Mindest-Lehrlingsentschädigung her, die Internatskosten müssen vom ausbildenden Betrieb übernommen werden und es muss eine generelle Lehrlingsfreifahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln geben!

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Auf den schas bin i nimma has! Die Berufsschulen und die Internate sind derzeit alles andere als lehrlingsfreundlich. Anstatt Lehrlinge zu eigenständigen Menschen zu erziehen, wird der Alltag in der Berufschule von früh bis spät von veralteten Vorschriften geregelt. Dieser Zustand ist nicht länger hinzunehmen! Die verpflichtenden Lernstunden gehören abgeschafft, denn ein Lernen auf Zwang macht keinen Sinn. Die Internatszimmer sollen für die Lehrpersonen geschlossen bleiben, denn auch Lehrlinge haben ein Recht auf Privatsphäre. Den Jugendlichen im Internat muss aber vor allem mehr Eigenständigkeit gewährt werden und die Ausgangszeiten sollten frei einteilbar sein.

De Ausbildung is oasch! Die Ausbildung an sich ist ebenso wie die Lehrmethoden stark veraltet und bedarf einer Generalerneuerung. So werden Lehrlinge derzeit oft nur als HilfsarbeiterInnen eingesetzt. Ein wichtiger Forderungspunkt, der die Qualität der Ausbildung steigern und für eine Angleichung des Niveaus sorgen soll, ist die "triale Lehrausbildung" - zusätzlich zu der dualen Ausbildung in den Betrieben und Berufschulen muss es öffentliche Lehrwerkstätten geben, in denen man zusätzliche Fähigkeiten erwerben kann. Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, sollen in einen Topf einzahlen müssen, um die Lehrausbildung in öffentlichen Lehrwerkstätten zu finanzieren. Die Lehrpläne müssen regelmäßig überarbeitet werden, damit die Ausbildung hochwertig ist und bleibt. Das letzte Mal, als sich die Bundespolitik – damals noch das schwarzblaue Gruselkabinett – dem Themenkomplex Lehre annahm, wurde die ohnehin schon prekäre Situation gar noch verschlechtert. Unter anderem wurde die Probezeit von Lehrlingen verlängert. Längst ist es daher an der Zeit, dass sich wieder eine starke Stimme für die Interessen der Lehrlinge einsetzt und für dringend notwendige Reformen kämpft. Die SJ Niederösterreich muss diese wichtige Aufgabe schon allein aus ihrem Selbstverständnis heraus übernehmen und wird Niederösterreichweit für eine Verbesserung der Lehrausbildung eintreten.

Text: Jakob Winter, Foto: SJ Archiv


JUGENDKULTUR

Music makes the people come together…

Jedes Jahr fängt sie wieder an und wird von vielen jungen Menschen sehnsüchtig erwartet – die Festivalsaison. Seien es Rock-Veranstaltungen wie das Frequency, das NovaRock für Metalliebhaber und -liebhaberinnen, oder das BeatPatrol f��r Menschen, die sich mehr für die elektronische Seite der Musik begeistern können– für fast jeden und jede ist etwas dabei.

Here we go again Auch heuer fand das Frequency wieder in St. Pölten statt, obwohl einige verstockte AnrainerInnen versuchten dies zu verhindern. So konnten rund 120.000 junge Menschen den genialen Bühnenauftritt von Muse genießen, bei den Toten Hosen kräftig mitgrölen und bei Deadmau5 und Paul Kalkbrenner bis in die Morgenstunden shaken. Aber nicht nur die Headliner waren ein wahres Spektakel, auch weniger bekannte Interpreten wie Shout Out Louds, Mumford and Sons oder Melissa auf der Maur waren einen Besuch auf jeden Fall wert. Die meisten begossen den überstandenen Festivaltag mit reichlich Alkohol und man schloss

Text: Maida Schuller; Foto: iStockphoto

völlig betrunken neue Freundschaften mit völlig fremden Menschen. Denn eine Sache verbindet alle auf einem Festival – die Musik. Da meint man doch, dass die 130 Euro, die man alleine für die Karte hinblättern muss, diese Erfahrung wert wären. Doch vergleicht man den Kartenpreis dieses Jahres mit dem vor fünf Jahren, kommt man ins Stutzen. Der 3-Tagespass kostete damals 79 Euro, dessen Line-Up mit Bands wie Flogging Molly, The Foo Fighters oder The Subways auf keinen Fall schlechter war. Denn der eigentliche Zweck eines Festivals aus Sicht der Jugend sollte ja sein, es vielen jungen Menschen zu ermöglichen, zu einem niedrigen Preis möglichst viele Interpreten zu erleben. Dass das aber nicht so ist und es auch im Musikbusiness ums Geld geht, ist leider Realität. So bringen auch die Preise der Getränke und Speisen so manchen zum Kopfschütteln. Beim BeatPatrol Festival 2010 musste man sein Geld auf „Schillinge“ umtauschen – dabei war ein Schilling 1, 30 Euro wert. Die Getränke kosteten alle nicht weniger als drei solcher Schillinge. Ob es jemals eine Zeit geben wird, in der es VeranstalterInnen nicht nur um den Profit, sondern um die Begeisterung zehntausender Menschen geht, die gemeinsam Musik genießen? Wir hoffen, aber bezweifeln es.

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Veranstaltungen SunBash 2010 Von 14.-16. Juli folg ten über 200 Juge ndliche aus Niederösterreich dem Ruf des traditionellen Sommerspor tfests in Weißenbach am Attersee (OÖ). Dank dem abwechs lungsreichen Programm, bestehend aus vielen Funsportarte n, wie Soapslide, Streetsoccer, Sum oringen oder der legendären Sautrogregat ta, war für alle was dabe i.

Reiche besteuern! - Tour für mehr durch das gesamte Bundesland, um Die SJ Niederösterreich tour t derzeit ist Tour pfen. Ziel der Reiche besteuern! Gerechtigkeit im Steuersystem zu käm Die . isen uwe hinz erhandlungen im Herbst es, auf die bevorstehenden Budgetv .at st du unter www.reichebesteuern kann rn teue hens Online-Petition für Reic sögen Verm für Zeit „Die : Beer reas And ender unterstützen. SJ NÖ- Landesvorsitz steuern ist überreif!“

Baden Scheibb s

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Text: Jakob Winter; Fotos: SJ Archiv


Ortsgruppen­ gründungen Seit dem letzten dIREKT im Juli, konnten zwei weitere neue Ortsgruppen aufgebaut werden.

Pro Choice A k

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SJ Sto cke rau neu form iert en gewählt. Manuela Holub zur Vor sitzend

Auch an der bundesweite n Tour unter dem Mot to “Hände weg von der Friste regelung! ” b neteilig te sich die S fand anlässlic h des von der JNÖ! Sie fundamenta listischen A nti-Abtreibu ngsorganisat “Jugend für ion das Leben” ge planten Prop gandafeldzu ags gegen die Fristenregelu stat t. ng

SJ St.Ma rtin-Karlsbach gegrü ndet René Rupaner zum Vorsitzenden gewählt.

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AKS / BILDUNGSPOLITIK

Machtrausch vs. Sparzwang Erwin Pröll ist bekannt dafür sich mit unqualifizierten Aussagen in die Angelegenheiten der Regierung einzumischen Jetzt hat der alternde Landesfürst wieder einmal unter Beweis gestellt, dass es ihm nur um Medienaufmerksamkeit und Machterhalt geht. Prölls Forderung, die Anstellung der Lehrkräfte den Ländern zu unterstellen, kann nur das Ziel haben, die Macht der ÖVP in Niederösterreich zu festigen und auszubauen, denn Verbesserung für Bildung und Schulalltag bringt es mit Sicherheit nicht mit sich. Allerdings wäre ein stärkerer Einfluss der Parteien in den Bundesländern garantiert.

Schmied bleibt hart Ministerin Claudia Schmied reagierte mit Entsetzen auf den absurden Vorschlag des niederösterreichischen Landeshauptmannes. Erwin Pröll kontert mit persönlichen Angriffen auf die klare Absage der Ministerin. Sie sei durchdrungen von Machtgelüsten und rücktrittsreif. Rückendeckung gab es trotz der harten Worte aus der eigenen Partei, und auch von den anderen Landeshauptleuten spricht sich

keiner gegen den Vorstoß von Pröll aus. Der Kanzler schweigt. Die Lehrkräfte den einzelnen Ländern zu unterstellen würde zu Auswüchsen im Verwaltungsbereich führen und dadurch den SteuerzahlerInnen zusätzlich auf der Tasche liegen. Verständlich, dass die Landeshauptleute kein Problem damit haben, da die Regierung den Kopf für Budgetlöcher hinhalten muss, auch wenn diese auf blinde Verschwendungswut in den Bundesländern zurückzuführen ist. Abschließend bleibt nur zu sagen, dass die Unterrichtsministerin dem machthungrigen Greis aus Niederösterreich keinesfalls nachgeben darf, und einen weiteren Schritt in Richtung effizienter Verwaltung machen sollte, indem sie die Anstellung aller Lehrkräfte zur Sache des Bundes erklärt. Doch das kann ihr nur gelingen wenn ihre Partei zu hundert Prozent hinter ihr steht. Das ist bis jetzt noch nicht der Fall.

Machtdemonstration bei jeder Gelegenheit: Niederösterreichs Nummer 1 - unser aller Erwin

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B I L D U N G S P O L I T I K

Text: Peter Schicho und Elias Winter; Foto: Jakob Hürner via Flickr


SCHMANKERL

Hören. Sehen. Lesen. Buch – Mythen der Krise Trotz der schwersten Weltwirtschaftskrise seit den 30ern sind neoliberale Apologeten nicht vom Erdboden verschwunden. Viel mehr versuchen sie jetzt die Wahrheit über die Krise zu verdrehen und zu leugnen um eine Abkehr von neoliberalen Dogmen zu verhindern. Attac und der Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM) will mit diesem Buch Mythen rund um Krisenursachen, Krisendynamiken sowie Krisenlösungsansätze auf ihre Richtigkeit überprüfen und Alternativen aufzeigen.

fact box Herausgegeben vom Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen und von Attac Österreich 128 Seiten (Februar 2010) EUR 10.80 sFr 19.50 VSA-Verlag Hamburg ISBN 978-3-89965-373-1

Film – Einmal mehr als nur Reden EINMAL MEHR ALS NUR REDEN - nämlich etwas tun: Im Februar 1984 bilden 50 ÖsterreicherInnen die Arbeitsbrigade "Februar '34" und brechen auf nach Nicaragua. Ihr Motiv ist die Solidarität mit der sandinistischen Revolution, die die jahrzehntelange Diktatur des Somoza-Clans gestürzt hat, jetzt aber durch die Invasionspolitik der USA bedroht ist. Einen knappen Monat lang bauen sie unter schwierigen Bedingungen an einem Gemeindezentrum und lernen währenddessen ein Land im

fact box Regie: Anna Katharina Wohlgenannt 2010 + Dokumentarfilm + 72 Min Filmpremiere am 8. Oktober

Text: Alexander Strobl, Maximilian Zirkowitch, Jakob Winter; Foto: ZVG

revolutionären Prozess kennen. Ein Film über Engagement, Ernüchterung und die anhaltenden Sehnsucht nach einer anderen Welt. Die österreichische Regisseurin zeigt in ihrer Arbeit verschiedene Motive für und Zugänge zu Solidarität und lädt die Mitglieder der Brigade ein, ihre Arbeit und die Geschehnisse Revue passieren zu lassen.

Musik – Wosisig „Mit der Zeit im Gleichschritt“ Eine junge, ambitionierte Band aus Amstetten versucht dem Austropop zu einer Neudefinition zu verhelfen. Das aktuelle Album "Mit der Zeit im Gleichschritt", das am 4. Dezember 2009 auf der Studio-Bühne der Pölz-Halle Amstetten erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde, überzeugt durch Experimentierfreude und Vielfalt. Der Austropop – zu oft zu eng gesehen – wird ordentlich aufgerührt. Insbesondere durch die musikalische Breite von Klassik bis Moderne, von Disco bis Jazz. In den Songtexten werden von dem Quartett rund um Frontfrau Sigrid Horn vor allem gesellschaftskritische Themen verarbeitet. wosisig – "was ich sehe" – werden das nächste Mal am 2. Oktober beim restartfinale im VAZ St. Pölten zu sehen sein.

fact box Sigrid Horn: Gesang, Piano, Saxophon Stefanie Kropfreiter: Viola, Violine, Gitarre, Piano Bernhard Affengruber: Bass, Posaune Philipp Gollonitsch: Gesang, Schlagzeug, Percussion

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Termine

Niederösterreichischer Jugendkongress Deine Meinung ist gefragt! 2. Oktober 2010 VAZ St. Pölten, Kelsengasse 9 Gemeinsam mit über 150 Jugendlichen aus ganz NÖ diskutierst du in 4 verschiedenen Arbeitsgruppen, was sich in NÖ ändern soll. Die erarbeiteten Forderungen werden dann im Plenum abgestimmt und LHstv. Dr. Sepp Leitner, sowie dem SPÖ Landtagsklub vorgelegt, die sich für die Umsetzung der erarbeiteten Punkte einsetzen wollen. Als Draufgabe erhältst du das Eintrittsband für die restart.tc After Skate Contest Party im Wert von EUR 10,– gratis. Die Themen: Jugendliche am Land – Party oder Bauernhof? Mit Toni Hubmann (Toni´s Freilandeier) Schule brennt! – Eine andere Schule ist möglich! Mit Günter Karner (Leiter der Bildungsabteilung AK NÖ) Jugend ohne Zukunft? – Sozialstaat ist weiter finanzierbar! Mit Mag. Alois Guger (Wirtschaftsforscher WIFO) Mei Lehr is ned deppad! – Lehrlingsschwerpunkt Mit Robert Hörmann (Lehrlingsexperte AKNÖ)

Der Timetable: Check In: ab 11:30 Uhr Eröffnung: 13:00 Uhr Arbeitsgruppen: 13:30 – 15:30 Uhr Plenum: 15:30 bis 17:30 Uhr Ende: 18:00 Uhr Shuttle zur Unterkunft: ab 18:00 Uhr Shuttle zur Party: ab 19:30 Uhr restart.tc Party: ab 20:30 Uhr

Jetzt mit einem Klick anmelden auf www.sjnoe.at

BiWe 2010

Die Bildungswerkstatt der SJ Österreich 30. Oktober bis 2. November 2010 Velden/Wörthersee Die BiWe bietet ein Seminarwochenende mit dem perfekten Mix aus Spaß, Diskussion und Politik. Alle Infos zum Workshopangebot, zur Unterkunft, zum Partytimetable, zur Anreise usw. findest du auf der Homepage der SJ Österreich unter www.sjoe.at Anmelden kannst du dich telefonisch unter 01/5234123 oder mittels Onlineformular auf der Homepage.

Roque in Hall Festival 2010 9. Oktober 2010 Halle E, Wieselburg Am 9. Oktober geht zum 6. Mal in Folge das bereits legendäre ROQUE IN HALL Festival in Wieselburg über die Bühne. Das ROQUE ist die größte von Jugendlichen selbst organisierte Veranstaltung im Bezirk Scheibbs und Umgebung und brachte in den vergangenen Jahren regelmäßig die Wieselburger Messehalle zum Beben. Wieselburg wird auch 2010 wieder geroquet. Weitere Infos: www.roqueinhall.at. 0 1 8 _ T E R M I N E

Text: Naomi Dutzi, Jakob Winter; Fotos: SJ Archiv


DR. MARX

Was ist Klassenkampf? Konservative und Rechte halten ihn für überwunden, für ein Relikt des Ost-Westkonflikts oder wähnen sich als Sieger am "Ende der Geschichte". Und doch straft sie die Wirklichkeit immer wieder Lügen.

Der Begriff Klassenkampf umschreibt die Feststellung, dass die Bevölkerung in einzelne Klassen gespaltet ist. Im Klassenkampf manifestiert sich der Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen als Klassengegensatz. Somit befindet sich die Gesellschaft in ständigen Widersprüchen, die insbesondere auf dem Konflikt zwischen den Inhabern der Arbeitskraft - den so genannten ProletarierInnen - und den BesitzerInnen der Produktionsmittel - den so genannten KapitalistInnen - fußen. Ein Ausdruck des Klassenkampfes ist z.B. das ökonomische Interesse des Kapitals, das Verhältnis zwischen Arbeitszeit der Beschäftigten und gezahltem Lohn möglichst profitabel zu halten - die Interessen der arbeitenden Menschen laufen diesem Prinzip logischerweise zu wider.

„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft, ist die Geschichte von Klassenkämpfen." Mit diesem Satz beginnt das erste Kapitel des "Manifests der Kommunistischen Partei". Klassenkämpfe gibt es seit der Mensch sesshaft geworden ist. Sobald es um machtpolitische Positionen geht, egal ob dies das Amt von Regierungsverantwortlichen in der heutigen Zeit ist oder ob es die Position des Stammesführers vor 4.000 Jahren war, kommt die Frage auf, wer die Macht ausüben soll und unter welchen Kritierien Macht verteilt wird. Einzig und allein der Urkommunismus sieht keinerlei Klassenunterschiede vor. Man versuchte keine Hierarchie-Unterschiede innerhalb der Bevölkerung entstehen zu lassen.

Der sogenannte Mehrwert entspringt aus der Differenz zwischen dem von den Werktätigen geschaffene Wert und dem, für die Verfügung über ihre Arbeitskraft, gezahlten Lohn.

Text: Dominik Grosch; Foto: ap, www.taz.de, bearbeitet von Peter Rüpschl

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Sozialistische Jugend Niederösterreich www.sjnoe.at

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