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Ausgabe

Zeitung zur Medienwerkstatt 2013


Editorial

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Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!

Ausgabe

Inhalt „EIN WEITER WEG ZU GEHEN“ Malala ist ein 15jähriges pakistanisches Mädchen, das für ihr Recht auf Bildung kämpft. Das musste sie bereits büsen – und liegt mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus. Ein Interview zum Thema mit der Frauensprecherin der SJ – Linz Lisa Rastic. ...mehr auf Seite 4

„NUR DAS DEUTSCHE WORT HAT HANDSCHLAGQUALITÄT“

Wir, das Redaktionsteam der mewe-fever, präsentieren euch hiermit die zweite Ausgabe der MeWe-Zeitung. Wieder haben wir die Zeitung gefüllt mit spannenden, informativen und unterhaltsamen Artikeln. Heute erwarten euch verschiedenste aktuelle Themen, die immer wieder in allen Zeitungen diskutiert werden. Unter anderem der Konflikt um die Kärntner Slowen_innen, warum Frauen in Pakistan immer noch keinen Zugang zu Bildung haben und

wie die Mewe Teilnehmer_innen zum Besitz von Waffen stehen. Weiters könnt ihr euch auf ein Interview mit Chrisi und Philipp über die AKS und Rassismus freuen und euch über den Ort Velden und seine Besonderheiten schlau machen. Viel Spaß beim Lesen und genießt die noch verbleibende Zeit auf der mewe13! Eure Chefinnen vom Dienst, Miriam und Manon

Fotokommentar

Burschenschaften sind reine Männervereine. Doch nicht nur Frauen werden ausgeschlossen, in vielen Burschenschaften bekommen auch sogenannte „nichtdeutsche“ Studenten Zutrittsverbot. Klara Doppler sprach mit einem Vertreter der rechtsextremen Burschenschaft Teutonia. ... mehr auf Seite 6

VOM ANDEREN ENDE DER WELT? Die Vergewaltigung einer 23jährigen Inderin, die vor einigen Tagen ihren schweren Verletzungen erlag, bringt derzeit tausende InderInnen auf die Straßen. Andreas Walzer und Mikas Raaberg haben sich die Berichterstattung in österreichischen Medien näher angesehen und sind zu einem erschreckenden Schluss gekommen. ... mehr auf Seite 8 IMPRESSUM:

Medienwerkstatt 2013 Redaktion: Workshop Print-Journalismus Layout: Workshop Layout & Grafik Fotos: Die Auslöser

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Seminarleben

MeWe Leben

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Politik

„Ein weiter Weg zu gehen“ „I don´t mind if I have to sit on the floor at school. All I want is education. And I´m afraid of no one“. Dieser beeindruckende Satz stammt nicht etwa aus einer erwachsenen Frau, sondern von dem 15jährigen Mädchen Malala, die als Anwärterin für den Friedensnobelpreis gilt. Warum? Die tapfere junge Frau, die in einem von Taliban besetzten Stadtteil Pakistans lebt, kämpft für ein besseres Leben und ein Zugang zur Bildung für alle Frauen in Pakistan. Bei einem Versuch, selbst in die Schule zu gehen, wurde auf die junge Frauenrechtlerin geschossen und liegt nun bis heute in einer Klinik in Großbritannien. Doch wie schwer haben es die Frauen tatsächlich in Pakistan und in anderen Krisengebieten? mewe fever hat sich mit Lisa Rastic, Frauensprecherin der Sozialistischen Jugend Linz, über das Thema Frauen und deren Zugang zur Bildung in Hinblick auf Malala unterhalten.

haben, ist es sehr beeindruckend.

mewe fever: Welchen Eindruck hast du von einem Mädchen wie Malala?

Lisa: Ja, das glaube ich auf jeden Fall. Denn schon die Tatsache alleine, dass die Weltöffentlichkeit auf die Lage in Pakistan, dass die Frauen einen schlechten Zugang zur Bildung haben, macht, ist schon sehr gut. Allerdings muss ich sagen, dass Pakistan mittlerweile aus den Medien verschwunden ist und da ist es schon gut, dass solche Personen wieder die Aufmerksamkeit auf die schwierige Lage lenken.

Lisa: Ich habe erst vor kurzem von ihr gehört – es ist ja auch vor kurzem passiert, dass sie von den Talibans angeschossen worden ist. Ich finde es sehr tragisch, aber auch sehr mutig. Dass sie sich schon mit 15 Jahren für Bildung einsetzt ist einfach unglaublich. Gerade in Pakistan, wo die Frauen einen schlechten Zugang zur Bildung

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mewe fever: Du hast es gerade angesprochen: Malala wurde beim Versuch, in die Schule zu gehen, angeschossen. Kannst du sagen, dass die Frauen in Österreich mehr Luxus genießen, in die Schule gehen zu können? Lisa: Ich würde es nicht als Luxus bezeichnen, sondern Bildung sollte als selbstverständlich angesehen werden. Das sollte zwar so sein - ist aber leider noch nicht der Fall. Aber so extrem, wie die Lage in Pakistan ist, ist es in Österreich nicht. mewe fever: Glaubst du, dass die Aktion dieses Mädchens irgendetwas in Pakistan verändern wird?

mewe fever: Glaubst du, dass Frauen, die aus einer religiös anders dominierten Welt kommen, weniger Zugang zur Bildung haben? Lisa: Ich würde das jetzt nicht unbedingt an der islamischen Welt festhalten. Ich bin der Meinung, wenn Religionen so ausgelebt werden, wie sie früher gedacht wurde, dann ist der Islam eine unglaublich friedfertige Religion. Denn sie ist eine Religion, die die Frauen respektiert und nicht wie bisher angenommen unterdrückt. Ich glaube, dass wir das ein bisschen mit den Christentum und der Institution Kirche vergleichen kann. Denn die katholische Kirche hat für mich nicht viel mit der Grundwerte des Christentums zu tun. Ich glaube, dass es ist die Auslegung ist, die manche Menschen vom Islam haben und das finde ich absolut nicht in Ordnung. Natürlich werden es Frauen sehr schwer gemacht, einen Zugang zur Bildung zu finden, aber es gibt genug christliche Länder in Afrika, wo es genau dieselben Probleme gibt. Also ich würde es jetzt nicht an der Religion, sondern grundsätzlich auch an dem Bildungsgrad der jeweiligen Gesellschaft festmachen. mewe fever: Haben wir in Österreich dieselben Probleme?


Politik

Lisa: Ja, wir haben selbst in Österreich immer noch Unterschiede im Bildungswesen. Dazu gibt es Studien, dass Burschen anderes benotet werden als die Mädchen. Ich finde weder Bevorzugung noch Benachteiligung gut. Ich finde, dass es in Österreich diese extremen Unterschiede zwischen den Männern- und Frauenberufen gibt und dass die Vorgabe in einer bestimmten Richtung schon in der Schule deutlich gemacht wird. Wenn wir uns die Bildungseinrichtung HTL anschauen, so wird diese meist nur von mehr Burschen besucht und die Mädchen werden in die HLWs gedrängt. Ich glaube, dass die Benachteiligung von Frauen in Österreich nur in der Form stattfindet. Frauen haben sicher Zugang zur Bildung, aber zu einer anderen Bildung. mewe fever: Das wäre zum Beispiel? Lisa: Es ist so, dass die Frauen in bestimmte Berufe und Bildung gedrängt werden und dass dadurch die Aufstiegschancen fehlen. Es ist zwar so, dass es rund 80% Mädchen in Gymnasium gibt und dass davon viele die Matura machen, mehr als Burschen. Aber dann im Studium werden die Unterschiede größer, da sieht man die sogenannte gläserne Decke. Momentan studieren mehr Frauen als Männer, aber den endgültigen Studienabschluss schaffen dann die Männer. Da verschwinden die Frauen immer mehr, was sich in der Bildung widerspiegelt.

mewe fever: Welche Gründe gibt es denn, dass Frauen aus dem Studium nach und nach verschwinden? Lisa: Ich glaube es liegt eindeutig an den typischen Rollenbild, den man von Frauen und Männern hat. Frauen sind nach wie vor für Familie und Kind zuständig und wenn sie schwanger werden, bleiben sie eher zuhause bei den Kindern. Währenddessen machen Männer vielleicht noch ihren Studienabschluss. Aber ich glaube, dass sich das Ganze nach und nach verbessern wird. Ich glaube, dass die Menschen schon weiterdenken und dass sie auch für Gleichberechtigung sind. Aber dennoch ist zu sagen, dass der Kampf dafür noch nicht zu Ende ist. Man kann immer noch was ändern.

Lisa: Ich kann in erster Linie sagen, dass es ein Unterschied im Einkommensbereich gibt. Das heißt, dass Frauen ein Drittel weniger Gehalt bekommen als die Männer, obwohl sie denselben Beruf ergreifen. Das ist absolut nicht zu verantworten. Zudem kann ich sagen, dass viele Frauen in Österreich von häuslicher Gewalt betroffen sind. Das sind Sachen, bei denen Frauen und Männer sicher noch nicht gleichgestellt sind. Das heißt: Der Feminismus muss viel mehr erreichen. Der Feminismus hat schon sehr viel erreicht. Aber der Satz „Wir sind eh alle gleichberechtigt“, der stimmt absolut nicht. Für die Frauen ist noch ein weiter Weg zu gehen. Das Interview führte Jacqueline Gindy

mewe fever: In welchen Bereich unseres Lebens sind Frauen immer noch benachteiligt?

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Politik

„Nur das deutsche Wort hat Handschlagqualität“

Burschenschaften sind Vereinigungen, die ausschließlich aus auserwählten, deutschen Männern bestehen. Das Ziel dieser Vereinigungen ist es Ihre Macht und den Nationalstolz zur Schau zu stellen.

Gerade jetzt durch die neue Führungsposition der Teutonia über die österreichischen und deutschen Burschenschaften ist das Thema der fragwürdigen elitären Verbände aktueller denn je. Die Teutonia, die laut Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus als extrem

rechts-militant gilt, ist somit eine der mächtigsten Vereinigungen innerhalb des österreichisch-deutschen Burschenschafterzusammenschlusses. Die rechtsextremistischen Ideologien kommen auch bei einer Aussage des Teutonia Sprechers zu Vorschein, in der er die starke Verbindung zur deutschen Sprache als lobenswerten Geschichte anpreist: „Die Staatsgrenzen verlaufen für uns innerhalb der deutschen Länder fließend. Die gemeinsame Geschichte Deutschlands und Österreichs, sowie unser Stolz auf die deutsche Sprache SEITE 6

verbindet uns und macht uns zu einer Einheit“, sagt der Teutonia-Sprecher Franz Preissler* im Gespräch mit mewe fever. Als wäre das Ausschließen von Frauen sowie von nicht deutscher Studenten nicht schon eindeutig genug, gelten für

den Zutritt zu Teutonia noch weitere politisch vollkommen inkorrekte Beschränkungen. So muss jedes Mitglied beispielsweise den Wehrdienst und ein „Vorstellungsgespräch“ absolviert haben, um in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden.

sur, ein Fechtkampf zwischen den Mitgliedern, bei dem immer wieder Unfälle passieren. Die Teutonia beschreibt dieses fragwürdige und kriegsverherrlichende Aufnahmeritual als essentiell und charakterbildend: „Die Mensur ist eine Herausforderung und ein Beweis die Angst überwinden zu können und erfüllt einen jeden Burschenschaftler mit Stolz.“ Auch wenn die Teutonia die hohe Risikoquote dementiert und mit dem Argument der ärztlichen Aufsicht abzuschwächen versucht, sprechen die dokumentierten Unfälle Bände. Die Burschenschaften versuchen oft ihre rechtsextremen Ideologien sowie unnützen und gefährlichen Aktionen geheim zu halten und hinunter zu spielen, wobei Verlässlichkeit und Diskretion der Mitglieder essentiell ist. „Der wichtigste Charakterzug für uns ist die Verlässlichkeit, denn nur das deutsche Wort hat Handschlagqualität“ meint der Teutonia-Sprecher.

Bereits diese Zugangsbeschränkungen gewähren einen Einblick in die sexistischen und rassistischen Gesellschaftsbilder dieser Vereine.

Die Ideologien und Handlungen der Teutonia sind nicht nur absolut unzeitgemäß, sondern schlichtweg nicht nachvollziehbar. Vielleicht wäre ein Blick ins Geschichtsbuch seitens der Teutonia ein Schritt in die richtige Richtung.

Ein weiterer Kritikpunkt an den Burschenschaften ist die Men-

*wurde von der Redaktion anonymisiert


Politik

Was sind durch und durch echte Kärntner? Schon vor Jahrzehnten - genauer gesagt nach dem 1. Weltkrieg - kamen erstmals Diskussionen über die österreichisch - slowenische Grenzziehung auf, die im Endeffekt dazu führten, dass heute in Kärnten eine ethnisch - kulturelle Minderheit existiert – die NordslowenInnen. Dass es heute im Jahr 2013 eine slowenische Volksgruppe in Südkärnten gibt, geht auf die Politik der Jahrzehnte seit 1955 zurück. Gesprochen wird von circa 12000 Angehörigen, obwohl keine gesicherten Daten vorliegen, da sich die slowenischen VertreterInnen gegen eine Minderheitenfeststellung wehren. De facto ist es so, dass es immer wieder zu Streitereien zwischen den KärntnerInnen und den Slowenischen KärntnerInnen auf Grund von verschiedensten Dingen kommt. Ein Beispiel wäre da ein Thema, welches immer aktuell ist und auch immer einen Streitpunkt darstellt: Die Debatte um die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln.

Erst vor kurzem, im Jahr 2011, wurde diese Thematik noch einmal aufgenommen und auch in die Realität umgesetzt.

Schon 1953 versuchte man mit dem Staatsvertrag Gleichberechtigung für diese ethnische Minderheit herzustellen, wobei es so scheint, als wäre es in Österreich sehr schwer sich an die vorgegebenen gesetzlichen Bestimmungen zu halten. Im Jahr 1972 wollte man endlich sämtliche Versprechungen aus dem Staatsvertrag realisieren und in Kärnten 205 Stück an Ortstafeln aufstellen, welche jedoch ohne rechtliche Folgen wieder entfernt werden konnten.

Ohne Zweifel haben es die Slowenischen KärntnerInnen nicht leicht und stehen teilweise unter sehr starkem Druck, um den gesellschaftlichen Normen zu entsprechen. Einerseits hat man in den letzten Jahren das Gefühl, dass sich die Situation um ein deutliches verbessert hat auf Grund des EU - Beitritts Sloweniens, andererseits versuchen PolitikerInnen jedoch noch immer eine „Ausbreitung“ der Kärntner SlowenInnen zu verhindern.

„Politik hat die Aufgabe die Differenzen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen nicht aufzuwärmen, sondern diese zusammenzuführen“, sagt Ana Pomorisac, Rezeptionistin in der Jugendherberge Cap Wörth, welche mittlerweile schon seit 25 Jahren in Kärnten lebt. Sie ist der Meinung, dass das friedliche miteinander leben nur dann funktioniert, wenn die Bereitschaft, andere Kulturen zu tolerieren, Bräuche und Traditionen zu übernehmen und vielleicht sogar zu vereinen, auf beiden Seiten vorhanden ist. Manon Chauveau SEITE 7


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Politik

Vom anderen Ende der Welt? Was ein indischer Vergewaltigungsfall mit österreichischen Zeitungen zu tun hat. Die Redaktion der mewe fever versucht sich hier an einer Analyse der heimischen Medienlandschaft anhand eines Beispiels. Am 16. Dezember des letzten Jahres wurde in Neu Delhi/ Indien eine 23-jährige Studentin von sechs Männern in einem Bus vergewaltigt und schwer verletzt. Am 29. Dezember erlag sie ihren inneren Verletzungen. Seither gibt es in Indien Massenproteste.

zügig ausgespart. Auch in dem betreffenden Fall passiert etwas Ähnliches. Indien ist das viertgefährlichste Land der Welt für Frauen, was Ausdruck eines tiefgreifenden strukturellen Problems ist. Obwohl im Jahr 2011 in Indien mehr als 24.000 Vergewaltigungen zur Anzeige

gibt. Im Gegenzug wird der Tat-Hergang dieses Falles minutiös beschrieben, wodurch der Eindruck entsteht, dass diese spezielle Vergewaltigung besonders hässlich wäre. Bezüglich der Massenproteste, die im Moment stattfinden, wird in der Tageszeitung “Österreich“

In Österreich gibt es ein großes strukturelles Problem betreffend dem Umgang mit sexueller Gewalt an Frauen. Jede dritte Frau wird in ihrem Leben mindestens einmal Opfer von sexueller Gewalt, jede fünfte sogar von sehr schwerer sexueller Gewalt. Dieses Faktum wird in der österreichischen Berichterstattung generell groß-

gebracht wurden, und die Dunkelziffer bedeutend höher ist, wird dieser momentane Fall in der heimischen Medienlandschaft fast immer auf einer individuellen Ebene behandelt und als Einzelfall dargestellt. Auffällig hierbei ist, dass oft nicht erwähnt wird, dass es auch in der jüngsten Zeit sehr viele weitere Beispiele für Vergewaltigungen

geschrieben: „Das ganze Land will Rache.“ Als einziger Grund dafür, dass hunderttausende Frauen auf die Straße gehen, wird also von “Österreich“ Rachsucht genannt und der Wunsch der Gesellschaft Indiens, dass die sechs Täter zum Tode verurteilt würden. Beleuchtet man aber auch in diesem Zusammenhang, dass sich


Politik

Indische Frauen protestieren gegen Gewalt an Frauen

Frauen in Indien in großem Maße vor sexuellen Übergriffen fürchten müssen und die Zahlen der Betroffenen sehr hoch sind, tut sich die Frage auf: Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass Frauen jetzt protestieren, weil sie grundlegende Veränderungen fordern und sich ohne Angst vor sexueller Gewalt auf die Straße wagen können wollen? Gewöhnlich lässt sich in der österreichischen Medienlandschaft beobachten, dass Berichterstattungen zu Fällen von sexueller Gewalt gegen Frauen oft von verharmlosenden Begriffen durchzogen sind. Als prominentes Beispiel kann man etwa die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Dominique Strauss-Khan 2011 verwenden. Häufig war damals in den österreichischen Tageszeitungen die Rede von „Sex-Eskapaden“, einem „Sexskandal“, oder „Sexaffären“. Um den verharmlosenden Charakter solcher Begriffe aufzuzeigen: Eine Vergewalti-

gung ist ein Gewaltakt, sowohl physischer als auch psychischer Natur, und hat mit “Sex“, der einen Akt allseitigen Einverständnisses darstellt, genausowenig zu tun hat wie mit einer “Eskapade“ oder einer “Affäre“. Auch in diesem speziellen Fall titelt etwa die “Österreich“ mit dem Wort “Sex-Attentäter“, was ebenfalls eine Verharmlosung des Falles in Indien und von Gewalt an Frauen im Allgemeinen darstellt. Allerdings waren die gewählten Begrifflichkeiten der meisten Zeitungen in diesem speziellen Fall überraschend deutlich. Man konnte überall von Vergewaltigung und Mord lesen. Warum in diesem Fall das Wort “Vergewaltigung“ den etablierten Medien so leicht von den Lippen geht, was an anderer Stelle offensichtlich nicht möglich ist, lässt sich leicht erklären: Indien liegt am anderen Ende der Welt und gehört darüber hinaus sogar einem anderen Kulturkreis an. Alle Zeitungen bedienen sich in

diesem Fall einer Art SchwarzWeiß-Malerei. In allen Artikeln finden sich deutliche Hinweise, auf die angeblich primitive, barbarische Gesellschaft Indiens. Dadurch wird ganz effektiv die österreichische Gesellschaft von der indischen abgegrenzt. Es wird das Bild „sie sind die Bösen und wir sind die Guten“ gezeichnet. Effektiv lenkt diese Berichterstattung ganz bewusst von Problemen hierzulande ab. Die mewe fever - Redaktion ist der Ansicht: Statt auf diese Weise zu berichten, sollte eine seriöse Zeitung ein realistisches Bild zeichnen, in welchem die strukturellen Fehler Indiens aufgezeigt werden. Darüber hinaus sollte nach Parallelen zu heimischen Missständen gesucht werden. So könnte man dazu beitragen, die Öffentlichkeit für Gewalt gegen Frauen zu sensibilisieren, anstatt immer wieder falsche Stereotype zu reproduzieren. Andreas Walzer und Mikas Raaberg SEITE 9


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Politik

Zurück zur „Normalität“ Bereits drei Wochen sind seit dem Massaker an der Sandy Hook Elementary School vergangen. Die Kinder der Schule hatten ihren ersten Schultag, seit gestern werden sie bis auf weiteres an der Chalk HillMiddleSchool unterrichtet, die als sicherste Schule in den USA gilt. Fraglich bleibt, ob die verschärften Kontrollen die Schulen vor weiteren Amokläufen schützen können. mewe fever hat eine Umfrage gestartet, um herauszufinden was die MeWe–TeilnehmerInnen von den Sicherheitsmaßnahmen halten:

Klaus (Workshopleiter Aktionismus):

Corinna (SJ - Vorsitzende):

Donna (VSStÖ - Sekretärin):

Waffen sind für mich nichts anderes als Instrumente, die dazu dienen, andere Menschen umzubringen. Härtere Bekämpfung an den amerikanischen Schulen ist sinnlos. Man muss das Problem an der Wurzel packen. Durch tägliche Kontrolle und Durchsuchungen an den Schulen macht man ein nicht-existentes Problem zu einem richtigem Problem. Meiner Meinung nach werden die Kinder dadurch verängstigt und man nimmt ihnen die Freiheit, sich zu entfalten.

Für eine präventive Lösung sollte der Zugang zu Waffen reguliert werden.

Der Fehler liegt an der Gesellschaft. Niemand wird grundlos zum Mörder.

Die Reaktionen auf das Ereignis gehen in die falsche Richtung. Man braucht nicht mehr Waffenschützen – sondern eine klare Regelung, denn Gewalt kann niemals eine Lösung sein. Es ist Aufgabe der Politik, Verantwortung zu zeigen und Maßnahmen zu setzen.

Daher sollte man anstatt die SchülerInnen zu kontrollieren den Kindern und Jugendlichen mehr Möglichkeiten bieten Probleme in den Griff zu bekommen mithilfe von Psychologen und Psychologinnen an den Schulen arbeiten. Mit Konrtroll- und übetriebenen Sicherheitsmaßnahmen gibt man ihnen das Gefühl: Du könntest ein(e) potenzielle(r) MörderIn sein.

Das größte Problem ist sicher der mächtige Einfluss der Waffenlobby. SEITE 10


Politik

Die Welt ein Stückchen besser machen mewe fever: Wann und wie bist du zur aks gekommen?

mewe fever: Hast du es auf dir sitzen lassen?

Philipp: Vor vier Jahren war ich zum ersten mal auf dem legendären Sommerseminar der aks und bin seitdem aktiv.

Philipp: Nein, ich bin eingeschritten.

Chrisi: Ich war immer schon ziemlich politisch interessiert und bin über den aks-Schüler_innenkalender auf die aks aufmerksam geworden. Ich bin dabei geblieben, weil in der aks unglaublich offene Menschen sind und es eine unheimlich gute Plattform für junge Menschen ist. mewe fever: Wie gefällt euch die MeWe? Chrisi: Ich finde die MeWe so cool, weil wir fünf Tage haben, in der man sich eine eigene Medienwelt aufbaut und alle Workshops miteinander verknüpft sind. mewe fever: Das Thema des gestrigen World-Cafés war Alltagsrassismus. Seid ihr schon mal mit Rassismus konfrontiert worden, wenn ja, wo? Philipp: Ja leider schon des Öfteren. Wenn man mit Bekannten und Verwandten diskutiert oder auch wirklich direkt auf der Straße. Ein Problem davon ist, dass in der Gesellschaft noch viel zu viele Vorurteile existieren.

Chrisi: Wenn ich bei Familienfeiern bin, geben meine Verwandten immer wieder rassistische Kommentare von sich. Ich versuche dann immer, sie aufzuklären und umzustimmen, aber ich glaube da muss ich noch ein Bisschen dran arbeiten. mewe fever: Glaubst du, dass man Rassismus verhindern kann? Philipp: Ja. Informationen und Aufklärung spielen eine ganz wichtige Rolle. Die Menschen müssen wissen, was wirklich ist und was nur Vorurteile sind. Für viele ist es sicher wichtig, Migrant_innen kennenlernen und zu sehen, dass sie ganz normale Menschen sind. Chrisi: Ich glaube, gegen Rassismus helfen vor allem persönliche Gespräche. Man muss der jeweiligen Person klar machen, dass sie nur aufgrund von Vorurteilen eine rassistische Meinung hat.

Chrisi: Mich aktiv einzubringen, um die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Christina Götschhofer und Philipp Stadler, die Vorsitzenden der aks Oberösterreich und der aksLinz, über Vorurteile, Flugzeuge und Hogwarts.

mewe-fever: Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen? Philipp: Ein Flugzeug, dann kann ich wieder Heim fliegen. mewe-fever: dein Lieblingsfach in Hogwarts wäre?

mewe-fever: It´s time for a wordrap. Politisch sein heißt für dich?

Chrisi: Verteidigung gegen die dunklen Künste, weil die dunklen Künste dann diverse Vorurteile und Diskriminierungsformen sind und man lernt, wie man diese entkräftet, damit wir alle in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben.

Philipp: Zu leben.

Marie-Christine Mirli

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Seminarleben

You gotta fight for your right to party! Die Medienwerkstatt neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu und wie erwartet war das Seminar wiedermal ein voller Erfolg. Die Workshops waren lehrreich, die Leute sympathisch und die Parties unvergesslich. Heute Abend wird unter dem Motto „farewell“ das letzte Mal ausgelassen gefeiert und dem Seminar ein gebührendes Ende gewährt. Die Getränke sind besorgt, die Musik bereits vorbereitet und die Motivation in der mewe fever Redaktion ist trotz der durch gefeierten gestrigen Nacht bereits am Überkochen, denn das beste kommt ja bekanntlich immer zum Schluss.

Gossip Gossip

Der vierte MeWe-Tag steht in den Startlöchern und die Gerüchteküche brodelt wie noch nie. Nach der dritten Party hat sich herausgestellt: Die Meweaner_innen sind weder faul oder fad, noch sind sie Unschuldslämmer. Das mewe fever Team hat zu Ohren bekommen, dass fremde Unterhosen in anderen Zimmern gefunden wurden. Was das bloß zu bedeuten hat? Aber nicht

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vergessen, Meweaner_innen: Liebe is a Vogerl und das Leben kein Zuckerschlecken. Also passt auf eure Unterhosen auf. Mario sucht übrigens seinen zweiten Socken. Bitte zum Check In bringen! ksoksomecigirl

Das einzige das noch fehlt um die kommende Party unvergesslich zu machen seid ihr. Auch heute wollen wir wieder eine volle Tanzfläche sowie jede Menge gute Laune und topmotivierte Partygäste sehen. Denn wann sonst hat man die Chance mit über 100 partywütigen Jugendlichen an einer spitzen Location wie dieser ausgelassen zu feiern? Wir freuen uns auf eine unvergessliche Nacht, die noch lange nach der Abreise in Erinnerung bleiben wird! Bei Musikwünschen könnt ihr euch an unsere DJanes Betty und Xenia wenden! Klara Doppler

Tweets des Tages Olivia Hawelka @oliviahawelka @battletosh darf ich an dir riiieechen? :D #mewe13 https://twitter.com/oliviahawelka Viktoria Kraxberger @ViktoriaTheresa @chrinemo ich hab augen wie eine füchsin! #mewe13 https://twitter.com/ViktoriaTheresa Vanessa Gaigg @klecks @battletosh @shizzle_obi ihr geht doch nicht wirklich am montag in latein? BITTE? #mewe13 https://twitter.com/klecks Battle Tosh @battletosh @ksoksomecigirl @chrinemo _ heißt @p_stadler wirklich Philipp Ewald Arnold Nepomuk Stadler? #mewe13 https://twitter.com/battletosh


Feuilleton

10 Dinge...

...die du niemals über Velden wissen wolltest 1. Im letzten Jahr haben in Velden 22 Gemeinderatssitzungen mit 293 Beschlüssen stattgefunden. 2. Die Marktgemeine Velden ist ein unglaublich beliebter Zuzugsort. Wie Statistiken zeigen, sind im Jahr 2011 ganze 515 Personen nach Velden gezogen. Allerdings sind im selben Jahr 436 weggezogen. 3. Wichtig: Die Kfz-Zulassungsstelle hat seit heuer eine neue Rufnummer: 0871/4081818 4. Im Laufe des Jahres bietet Förster Günter Moosreiner immer wieder Motorsägenkurse an – mit einem Unkostenbeitrag von nur 20€! 5. Die Verwaltungsgemeine Velden hat heuer neue Glascontainer am Sportplatz und in der Nelkenstraße aufgestellt.

6. Für alle „Häuslbauer_innen“ unter uns: Der Markt Velden und die Gemeinden Wurmsham und Neufraunhofen können günstige Bauparzellen anbieten.

10. Die Wallfahrtskirche Maria Wörth, nicht weit von Velden, besticht mit der Schönheit eines barocken Hochaltars und eines gotischen Kruzifix’.

7. Seit 1973 gibt es ein Schüler_innentreffen beim alljährlichen Brunnenfest zu dem die Geburtsjahrgänge 1931/32, 1942, 1952, 1962 und 1972 immer herzlich eingeladen sind.

Fazit: Die Möglichkeit, einmal im Leben nach Velden zu kommen, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen! Miriam Moser

8. Mit einer Einladung zu einem Essen hat sich der Schulverband Velden für die wichtige ehrenamtliche Tätigkeit der Schüler_innenlotsen bedankt. 9. Velden ist DER Treffpunkt für motiviertes Partyvolk. Das große Highlight im Jänner ist der Ball des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula Klagenfurt im Casineum Velden.

Was ein Action-Herz begehrt Der Film “Red Dawn“ hält durchaus, was die Trailer und Vorankündigungen versprachen. Die Actionszenen sind gut umgesetzt, die Explosionen sehen realistisch aus und auch die Spannungskurve lässt kaum zu Wünschen übrig. Der Film handelt von einer Invasion nordkoreanischer Streitkräfte in den USA. Eine Gruppe Jugendlicher um den gerade aus einem Einsatz zu-

rückgekehrten Marine Jed (verkörpert von Thor-Darsteller Chris Hemsworth) entscheidet, zurückzuschlagen. Sie beginnt, die Invasoren mit Guerilla-Taktiken zu bekämpfen. Wie in den meisten anderen modernen US-amerikanischen Kriegsfilmen werden auch in Red Dawn patriotische, konservative und die politische Realität verkennende Sichtweisen transportiert.

Es kommen jedoch überraschend wenig platte Sprüche vor und einige sogar verhältnismäßig intelligente Dialoge – in einer Qualität, die man von einem solchen ActionFeuerwerk kaum erwartet. Alles in allem für den geneigten Action-Fan also durchaus empfehlenswert. Andreas Walzer

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#mewe13 - mewe fever #2  

Die zweite Ausgabe der Seminarzeitung mewe fever!