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EINFACH MAL ABTAUCHEN. Warum wir uns ruhig mehr Zeit für Geschichten nehmen können. Im ICE von Kassel nach Hamburg sitzt mir ein Student gegenüber. Er arbeitet. Sein Blick wandert zwischen Schnellhefter und Laptop hin und her. Kurzes Tippen. Dann schaut er entweder sehnsüchtig aus dem Fenster oder auf sein Smartphone, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder in den 236

TEXT CHRISTIAN RIEDEL LAYOUT TINA BERGS

Teppich, den quietschenden Schiebetüren und dem deutsch-englischen Durchsagengemisch. Menschen, die in eine Geschichte versunken sind, wecken bei Außenstehenden oft eine gewisse Besorgnis. Was wenn der Vertiefte den Weg zurück in die Realität verpasst?.

Schnellhefter zwingt. Ganz anders die Frau, die rechts von mir, auf der anderen Seite des Zwischengangs, kichernd einen Roman liest. »Linksträger« steht auf dem Buchdeckel und unter dem Titel ist eine Banane abgebildet. Sie bemerkt mich nicht. Ihr Geist hat die graue Röhre ICE verlassen, hat sich abgewendet von schwitzenden Reisenden, die ihre Koffer durch die engen Sitzreihen manövrieren. Hat sich abgewendet von dem abgetretenen To Romeo

Tybalt

Im 19 Jahrhundert fürchtete so mancher Mann, seine Frau an die buntere Welt der Liebesromane zu verlieren. Heute fürchten sich Eltern vor Computerspielen. Fürchten ihre Kinder an die interaktiven oft gewaltsamen Traumwelten zu verlieren. Und tatsächlich: Wenn wir uns auf eine Geschichte einlassen, lassen

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sisterMAG Ausgabe 13  

Juni-Ausgabe des sisterMAG mit den Schwerpunktthemen "Sport und Sprachen": Party-Tipps fürs Draussen-Feiern, Motivationstipps fürs Sport-Tre...

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