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Ich arbeite immer mehr im Quick-andDirty-Style. Ich habe am Anfang versucht mit wenigen Mitteln an eine Hollywood-Produktion

heranzukommen,

aber das ist nicht möglich: dabei hängst du dich auf. Eine wichtige Erkenntnis für mich ist: Wenn du nur wenig Budget hast, brauchst du eine wahnsinnig starke Geschichte.“ Gibt es denn eine Geschichte, die erzählt werden müsste? „Ich finde das Thema „Vorurteile“ faszinierend, aber diesen Film hab ich bereits gemacht und muss ihn nur neu schneiden. Ich wünschte mir und das ist auch ein Grund, warum ich Cinovu machte, dass einfach alle Geschichten eine Plattform bekommen, egal mit wieviel Aufwand und wieviel Geld sie produziert wurden. Ich wünschte mir, es würden mehr diverse Geschichten erzählt: MEHR Geschichten und nicht ein Abklatsch der immer selben Geschichte mit denselben Schauspielern. Mehr Geschichten aus Afrika und Südamerika oder Papa-Neuguinea. Ich wünschte, wir hätten mal einen amerikanischen Hollywood-Blockbuster, der die Vielfalt der amerikanischen Kultur zeigt. Meistens heißen die Protagonistinnen Anna oder Sarah und sind blond. Dann gibt es

die repräsentative Latina oder den repräsentativen Schwarzen und das wars. Selbst in Hollywood wird ja die kulturelle Vielfalt nicht reflektiert: weder in den Filmen, noch in den Fernsehserien. Das wünschte ich mir. Es gibt also nicht die eine Geschichte, die erzählt werden sollte, sondern generell mehr Vielfalt.“ Am Ende erzählt uns Shermin die wichtigste Erkenntnis der letzten Monate, die sie für sich selbst gefunden hat und die uns im Unterbewusstsein schon klar war: Man kann Shermin nicht festnageln auf einen Beruf, eine Leidenschaft und ein Lebenskonzept: „Ich darf beides sein. Ich kann Filmemacherin/Künstlerin sein und ich kann auch in der Schublade Unternehmerin stecken. Ich habe vorher immer versucht, mich immer entweder als Künstlerin oder Geschäftsführerin/Unternehmerin zu verkaufen. Ich war überfordert, wenn Menschen mich nach meinem Studium fragten und ich antwortete: „Wieviel Zeit hast du?“. Heute ist das anders. Ich glaube, Berlin gefällt mir daher so gut, weil hier die Multidimensionalität der Menschen gefördert, akzeptiert wird und gefragt ist. Alles ist möglich und keiner schaut komisch.“ n 04 /1 9

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sisterMAG Ausgabe 4  

Die Herbstausgabe des sisterMAGs.

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