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von ihrem haupt die schönste aller locken

SCHMUCK DER ETWAS ANDEREN ART text Victoria Kau L

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, in der Fotos noch etwas zum Anfassen waren? Die Zeit, in der man kleine Passbilder in Poesiealben klebte, Schnappschüsse vom Schatz im Portemonnaie aufbewahrte und Brieffreunden Urlaubsbilder in Hochglanz schickte? Aufgeregt wartete man die Entwicklungszeit im Fotoladen ab und freute sich, beim ersten Betrachten der Fotos, die Party, den Ausflug oder Urlaub noch einmal zu erleben.

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Seit jedes Handy eine Kamera besitzt und jedes Bild über Online-Portale innerhalb von Sekunden geteilt werden kann, werden Bilder nur noch selten analog entwickelt – es sei denn, man verschenkt einen Fotokalender an die Großeltern. Nicht falsch verstehen: ich liebe es, meine Bilder immer und überall – am liebsten während langen

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U-Bahnfahrten – meinen Freunden am Minibildschirm zu zeigen oder ab und Bilder von besonders schönen Orten zu posten, um Onlinefreunde neidisch zu machen. Doch mit Papierfotos verhält es sich wie mit Gummitwist oder Stickeralbum – man vermisst es nicht, aber verbindet viele schöne Erinnerungen. Ganz ähnlich lief das vor über 170 Jahren ab, als die Fotografie erfunden wurde. Die Freude war groß, als es plötzlich Portraits gab, die nicht zeitaufwendig gemalt werden mussten und immer ein genaues Abbild der posierenden Person darstellten. Die kleinen Bilder wurden rasch zum beliebten Geschenk unter Freunden, Geliebten und Verwandten. Doch auch die Fotografie löste ein Medium der Erinnerungskultur ab. Heute ist die-

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sisterMAG Ausgabe 4  

Die Herbstausgabe des sisterMAGs.

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