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NEW WOMAN Nacktheit und Stärke. Die Figur wurde damals kontrovers diskutiert, weil schon 1910 Begriffe wie »AMAZONE« oder »NEW WOMAN« für Frauen verwendet wurden, die sozialen Normen trotzten, ihr Zuhause verließen oder das College besuchten. Wonder Woman repräsentierte damit auch immer die unkonventionellen, emanzipierten Frauen der Kriegszeit. Geradezu subversiv forderte sie traditionelle Geschlechterrollen und Vorstellungen von Weiblichkeit heraus. Ihre Superkräfte sind dabei übermenschliche Stärke, Schnelligkeit und (seit 1960) Fliegen. Magisch ist auch ihre Ausrüstung: Sie trägt ein goldenes Lasso, das jeden bei Berührung zwingt, die Wahrheit zu sagen. Und ihre Handgelenke zieren silberne Armbänder, mit denen sie Kugeln abwehren kann. Allerdings

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kann WONDER WOMAN auch männlicher Macht unterlegen sein. So verliert sie ihre Kräfte, wenn ein Mann sie in Ketten fesselt. Weitere Schwäche: Ihre ikonographische Repräsentation erinnert an die eines Pin-Up-Girls in den Farben der Nationalflagge. Eine goldene Tiara, ein enganliegendes rotes Bustier, blaue Unterhosen und kniehohe rote Lederstiefel machten sie mit ihren teils überzeichneten weiblichen Rundungen zum Objekt eines lustvollen männlichen Blickes. Wonder Woman lebt so von ihrer populärkulturellen Ambivalenz: liberal-feministische Ikone einerseits und Sexobjekt andererseits.

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sisterMAG51 – In The Car – DE  

In sisterMAG 51 dreht sich alles um Roy Lichtensteins Bild »In The Car« (»Im Auto«) aus 1963, denn dieses war Ideengeber für unsere Augustau...

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In sisterMAG 51 dreht sich alles um Roy Lichtensteins Bild »In The Car« (»Im Auto«) aus 1963, denn dieses war Ideengeber für unsere Augustau...