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VENUS & MARS

ter. Solch ein PATRIARCHALES GESCHLECHTERMODELL sah die Frau eher als Ware auf einem Heiratsmarkt an, für die eine Mitgift ausgehandelt werden konnte. Eng mit solchen Zweckehen verbunden, waren Fragen der KLASSENZUGEHÖRIGKEIT : wer nämlich kein Vermögen und keine Wohnung hatte, durfte nicht heiraten. Fast alle Mägde, Knechte oder Tagelöhner besaßen keine »EHEFÄHIGKEIT« . Selbst Bauern brauchten - bis ins 18. Jahrhundert hinein - zur Heirat die Erlaubnis des Lehensherren. Erst ab dem 12. Jahrhundert wurde die häusliche Eheschließung von einem KIRCHLICHEN TRAURITUS begleitet. Die Zeremonie fand entweder im Haus der Brautleute oder vor (und nicht in) der Kirche statt. Noch war der kirchliche Segen

ein freiwilliges Ritual, keine rechtliche Pflicht. Doch die Rolle der Kirche wuchs: Bis zum 13. Jahrhundert hatte sie ein eigenes Eherecht entwickelt. In der katholischen Kirche etwa wurde die Ehe zum Sakrament. Daraus resultierte der Glaube, dass die Ehe unauflösbar sei. Im Jahr 1225 beschloss das VIERTE LATERANKONZIL , dass Trauungen nur noch von einem Priester vorgenommen werden durften. Laientrauungen wurden verboten. Wer sich dem widersetzte, musste mit harten Strafen rechnen.

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Der Ruf nach einer unabhängigen und staatlichen Regelung wurde daher immer lauter. Schon Martin Luther sah im Zuge der Reformation die Ehevorherrschaft der Kirche kritisch:

SISTERMAG50 | 07 / 2019

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sisterMAG50 – Mars & Venus – DE  

Zu unserem großen Jubiläum gibt es eine ganz besonders prall gefülltes sisterMAG! Zum 50. Mal durften wir diesmal online gehen – und das wir...

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