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MÄDCHEN MIT DEM PERLENOHRRING

Fornarinas Kopftuch ist in derselben Manier gebunden wie das der französischen ­Odaliske. Kein Wunder, denn Ingres kannte das Werk und die Lebensgeschichte seines Idols. So fantasierte er mit beiden im Bild »RAFFAELLO E LA FORNARINA« von 1814 im Atelier des italienischen Meisters. Im Hintergrund dieser Malerei erkennt man im Übrigen die berühmte Madonna della Sedia Auffällig in diesen Gemälden ist, dass es sich immer um ein ähnliches Tuch handelt: ein heller, gestreifter Stoff, mal mit, mal ohne Fransen und Ornament. Selbiges taucht bei Ingres großem Vorbild RAFFAEL (eigentlich Raffaello Santi, 1483 – 1520) auf. Der italienische Hochrenaissance-Maler setzte dieselbe Kopfbedeckung seiner Geliebten LA FORNARINA 1518/20 auf, die Ingres' Odaliske dreihundert Jahre später trägt. Wie die »große Konkubine« erscheint die Bäckerstocher in Raffaels Gemälde selbstbewusst verführerisch. 141

(1512 – 1514) von Raffael, deren Kopf ein ähnliches Tuch bedeckt. Raffael orientierte sich hierfür an der gängigen Mode des Balzo: Eine turbanartige Kopfbedeckung, die sowohl von Frauen als auch von Männern der wohlhabenden Schicht in Italien getragen wurde. SISTERMAG 48 | 05 / 2019

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sisterMAG48 – Jan Vermeer: Das Mädchen mit dem Perlenohrring – DE  

Für die Maiausgabe der digitalen Frauenzeitschrift sisterMAG lassen wir uns von Jan Vermeers Gemälde »Das Mädchen mit dem Perlenohrring« ins...

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Für die Maiausgabe der digitalen Frauenzeitschrift sisterMAG lassen wir uns von Jan Vermeers Gemälde »Das Mädchen mit dem Perlenohrring« ins...