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Salon de Madame Geoffrin, 1755

seits des Zuhauses, an dem Frauen im Sinne von »SHOPPING ANGELS« die bürgerliche Ideologie der Domestizität lediglich weiterführten. Oder gar moralisch gefährdet wurden. Etwas zu kaufen oder seinen Körper zu verkaufen kamen in der Vorstellung vieler Männer im 19. Jahrhundert gleich. Shopping wurde so oftmals mit einer sexualisierten Weiblichkeit verknüpft, wobei die geographische Nähe von Kaufhäusern zu Bordellen ihr Übriges tat. In London lag beispielsweise das Einkaufsviertel des West End direkt neben dem Rotlichtbezirk in der Regent Street und Burlington Arcade. Die moderne Stadt wurde über gegenläufige Diskurse imaginiert: einerseits als pulsierende Landschaft moderner Konsumkultur, andererseits als viktorianisches Babylon, das unschuldige Frauen sexuellen Gefahren auslieferte. SISTER-MAG.COM

D DER SALON ALS WEIBLICHER K U LT U R R AU M Was das Kaufhaus für die Frauen der Mittelschichten, war wohl der literarische Salon für Frauen der Adelsschichten seit dem 17. Jahrhundert. Der SALON avancierte zu einem Ort weiblicher Kultur, wo die Gäste unter der Leitung einer Frau, der SALONNIÈRE, ihre kreativen Ideen austauschen und Gedanken teilen konnten. CATHERINE MARQUISE DE RAMBOUILLET gilt dabei als Grün-

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