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PAPIERSTAPEL

ihre Schrift ausgewirkt) die offenere Rotunda und daraus die humanistische Kursive entwickelt, die bis heute als ­Italic weiterlebt und von vielen kontemporären Kalligraphen gerne geschrieben wird – in zahlreichen Variationen. Aus den gotischen Schriften kam im 16. Jahrhundert die Fraktur hervor, die insbesondere im deutschsprachigen Raum bis ins 20. Jahrhundert auch im Buchdruck die vorherrschende Schrift war.

KALLIGRAPHIE WIRD ZUR KUNST Mit Erfindung des Buchdruckes verlor die Gestaltung im Angesicht der höheren Auflagen zunehmend an Bedeutung, was wiederum zu einem Aufleben der Kalligraphie als Kunstform führte. Diese Zeit kann man also sehr gut mit heute vergleichen. Zu dieser Zeit gingen Kalligraphie und Handschrift auch immer weiter getrennte Wege. Während Gutenberg im 16. Jahrhundert seinen Buchdruck im deutschsprachigen Raum verbreitete, hielten die Engländer eisern an

der Kalligraphie und der Reproduktion schöner Bücher mithilfe der Gravur in Kupferplatten und dem anschließenden Druck fest. In diesem Zuge entstand auch die Schrift, die heute als Grundlage der sogenannten modernen Kalligraphie (engl. »modern calligraphy« oder »contemporary calligraphy«) gilt: die englische Schreibschrift oder Copperplate. Aufgrund der guten Lesbarkeit, der ansprechenden Ästhetik und

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SISTERMAG 24 | 05 / 2016

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sisterMAG Ausgabe 24 – "Zart wie Papier"  

Unser sisterMAG gibt es zwar auch in der 24. Ausgabe nicht auf Papier, aber dennoch möchten wir uns in der Mai-Ausgabe dieses Jahres dem Obe...

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Unser sisterMAG gibt es zwar auch in der 24. Ausgabe nicht auf Papier, aber dennoch möchten wir uns in der Mai-Ausgabe dieses Jahres dem Obe...