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ZARTBITTER

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Schwangere gelten als Risikogruppe für Pica. Grund sind die besonderen »Gelüste« während der Schwangerschaft. Der Körper baut einen ganz neuen Organismus auf, weshalb er sein Repertoire in Sachen Ernährung ausweiten muss: qualitativ wie quantitativ. Ein Embryo hat andere Bedürfnisse als eine erwachsene Frau. Im Rahmen der Ausweitung des Speiseplans kann es zu Pica-Symptomen kommen. In der Regel hören diese aber ab der Geburt wieder auf. Das Vorkommen von Pica ist stark abhängig von der Region: Allgemein gilt, dass das Syndrom in der Dritten Welt deutlich häufiger (angeblich bis zu 66 % Lebenszeitrisiko) vorkommt als in den Industrienationen, wo wir dafür mehr Magersucht etc. antreffen. Ursächlich ist das mangelnde Ernährungsbewusstsein und ganz praktisch das spärliche Angebot an Grundnahrungsmitteln. Nägelkauen ist kein Pica-Syndrom, sondern Symptom einer Impulskontrollstörung. Erst wenn man die Nägel sammelt und isst – und zwar in Massen – wird es zur Pica. Wer übermäßig Schokolade oder Junkfood isst, hat oft keine Pica. Bei Schokolade sprechen Experten vom Schokoholismus. Das wird eher als Suchtleiden und nicht als Ess-Störung gewertet, denn man weiß, dass es in der Schokolade einige psychotrope Substanzen gibt und dass Schokolade zum Teil koffein-, cannabis- und amphetaminartige Wirkungen hat. Das sind also echte Psycho-Stimulanzen, die den Gehirnstoffwechsel beeinflussen. Schokoholismus trifft vor allem Menschen, die an Serotoninmangel leiden.

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SISTERMAG 24 | 05 / 2016

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sisterMAG Ausgabe 24 – "Zart wie Papier"  

Unser sisterMAG gibt es zwar auch in der 24. Ausgabe nicht auf Papier, aber dennoch möchten wir uns in der Mai-Ausgabe dieses Jahres dem Obe...

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