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Bedarf an Zucker befriedigen. Wie wichtig der Rohstoff inzwischen war, zeigte sich auch darin, dass Frankreich lieber Kanada an Großbritannien abgab, um auf den karibischen Inseln Guadeloupe, St. Lucia und Martinique Zuckerrohr anbauen zu können. Auch die Niederlande verzichteten auf die heutige Ostküste der USA, um in den Genuss des tropischen Klimas der südamerikanischen Kolonie Suriname zu kommen.

tal zu schlagen – ein echter Mann der Wissenschaft eben! Stattdessen beschäftigte er sich unter anderem damit, eine Wasserquelle in Berlin-Mitte auf ihren Eisengehalt zu untersuchen. Weil er beweisen konnte, dass das Wasser Heilkraft besaß, trug Sigismund entscheidend dazu bei, dass der Ortsteil, in dem sich die Quelle befand, heute den Namen Gesundbrunnen trägt. Aber das nur ganz nebenbei.

Nachdem Zuckerrohr lange Zeit die einzige Quelle für Zucker war, kam im 18. Jahrhundert eine zweite Möglichkeit hinzu. Und der Mann, dem wir dies zu verdanken haben, hieß Andreas Sigismund Marggraf. Weil sein Vater eine Apotheke in Berlin führte, lernte der 1709 geborene Marggraf schon als Kind die Grundlagen von Pharmazie und Chemie. Seine wohl wichtigste Errungenschaft war der Nachweis eines hohen Zuckergehalts in der Runkelrübe im Jahr 1747. Auch wenn Sigismund durchaus die Tragweite seiner Entdeckung erkannte, versuchte er nicht, daraus Kapi-

Die weiteren Forschungen in Sachen Zucker überließ Marggraf seinem Schüler Franz Carl Achard. Der brauchte eine Weile, bis er 1799 endlich in der Lage war, Zucker aus Rüben zu gewinnen. Friedrich Wilhelm III., der damalige König von Preußen, gab ihm daraufhin einen beachtlichen Kredit, mit dem er 1802 die weltweit erste Rübenzuckerfabrik auf Gut Cunern, im heute polnischen Dorf Wińsko, errichten ließ. Außerdem züchtete er die Zuckerrübe, die mit 16 Prozent einen doppelt so hohen Zuckergehalt wie die Runkelrübe vorweisen konnte. Nach nur vier Jahren brannte

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sisterMAG Ausgabe 24 – "Zart wie Papier"  

Unser sisterMAG gibt es zwar auch in der 24. Ausgabe nicht auf Papier, aber dennoch möchten wir uns in der Mai-Ausgabe dieses Jahres dem Obe...

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