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SIS Männedorf-Zürich

Zwei Sprachen, zwei Welten Alexandra Schwegler und Roger Hunziker, Teamteaching-Partner im Kindergarten und in der 1. Klasse

Als zweisprachiger Mensch bewege ich mich ständig zwischen zwei Welten. Meine erste Welt ist der Schweizer Dialekt, die andere Welt ist die englische Sprache. Zu Beginn war sie noch Neuland, doch nach zwanzig Jahren in Kanada ist sie eine zweite Heimat geworden. Die Muttersprache ist eng verbunden mit den prägenden Erlebnissen der Kindheit. Wer eine neue Sprache lernen will, braucht Abenteuerlust. Man muss das Vertraute hinter sich lassen und bereit sein, fremde Laute, Melodien und Redewendungen anzunehmen. Es braucht Offenheit, die Besonderheiten der neuen Sprache anzunehmen und in die Gedankenwelt der Menschen, die sie sprechen, einzutauchen. Wer das schafft, dem öffnet sich eine neue Welt. Beide Sprachen zu können erleichtert die Arbeit mit meiner englischsprachigen Kollegin. Zeitdruck und Zweckdienlichkeit sorgten dafür, dass wir uns in unserer Kommunikation schnell auf die Sprache einigten, die wir beide gut können. Bei Teamsitzungen ergänze und übersetze ich für meine Kollegin. During our staff meetings everyone speaks their native language. I understand a great deal of German and some Swiss German, but it is still difficult sometimes. After the meeting, we quickly check in to make sure that I have understood all of the German discussions properly. This often provides for funny situations and clarifications along with the expanding of vocabulary from culture to culture. Auch die Kinder bewegen sich in der Schule zwischen der deutschen und der englischen Sprachwelt. Da ich selbst ähnliche Erfahrungen gemacht habe, kann ich die Gefühle, die mit diesem zweisprachigen Alltag einhergehen, sehr gut verstehen. Jeden zweiten Tag müssen die Kinder aus ihrer Wohlfühlzone heraustreten, sie müssen Neuland betreten und bereit sein, Fehler zu machen. Das kann zu Beginn anstrengend sein. Wenn ein englischsprachiges Kind im Kindergarten lange kein Deutsch spricht, verliere ich nicht die Geduld. Most of my students come to my kindergarten not knowing any English at all. This informs my teaching practice considerably. I have to choose simple vocabulary and short sentences so that the beginners can find their way into the new language. I have to open the door for them into this new world. It can take many months before a student is comfortable enough to speak English. At times, when my teaching partner and I discuss a student’s behaviour, we discover that the child behaves differently in the foreign language room. At the beginning, he or she participates less or is shy.

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SIS News Autumn 2016  
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