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SIRAMARK www.frankfurt.armenier.eu

Oktober 2009

SIRAMARG

magazin des armenischen kulturvereins in hessen e.v.

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Protokolle Normailisierung des Schreckens

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Ausstellung K端nstlerfamilie Sevrugian

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Events Kunst und 11/2009 S Kultur

iramak

Siramarg

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AKTUELLES RUNDSCHREIBEN zu finden auf unserer Homepage www.frankfurt. armenier.eu

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Siramarg Siramak 11/2009

Rund

sc h r e i b e n

2009/0

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Armen i FHSSHN scher Kulturv I FA| M e <AKOUJ rein in Hesse A|IN M n IOUJIU N


Editorial

Liebe Leserin, Lieber Leser,

A

uch in den letzten Monaten dieses Jahres war unser Verein recht aktiv und gewann neue Mitglieder, die auch die Lebendigkeit und Organisation der Vereinsaktivität sehen und erleben. Wir freuen uns sehr darüber, dass wir einige der Aktivitäten in unserem Vereinsmagazin einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren können und hoffen natürlich dadurch andere Vereine und Personen zu motivieren, sich an dem armenischen Leben in Deutschland stärker und vielleicht auch anders zu beteiligen. Unser Vereinsmagazin SIRAMARK erscheint jetzt im zweiten Jahr in etwas anderer Aufmachung und wie wir meinen auch etwas professioneller. Die aktuelleren Termine und Informationen werden nach wie vor auf unsren Internetseiten veröffentlicht, mit Bildergalerien und auch Kommentarmöglichkeiten. Unsere Arbeit ist ja grundsätzlich ehrenamtlich und erfordert recht viel Enthusiasmus und Engagement. Alle Mitglieder, ob sie dem Lehrerkollegium angehören oder bei Veranstaltungen, Festen und Feierlichkeiten mit anpacken, machen es aus Liebe und mit der Überzeugung, dass ein Stück Heimat doch möglich ist.

Unsere Arbeit ist ja grundsätzlich ehrenamtlich ...”

Mit herzlichen Grüßen, Mnaq barow Suren Knolle-Akyüz Redaktion SIRAMARK

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Inhalt

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Nachlese zur WM-Q-2010

Die Sevrugians

Emirsians YELQ

Globalisierte Realpolitik? Ohne Wahrheit und Verantwortung keine Versöhnung!

Ausstellung im Museum der Weltkulturen über armenische Künstlerfamilie Sevrugian

Aren Emirze gab sein Konzert auf der YELQ-Tour diesmal mit Viken Tarpinian

SIRAMARK www.frankfurt.armenier.eu

6 Meinung

Oktober 2009

SIRAMARG

magazin des armenischen kulturvereins in hessen e.v.

16 Kultur

Globalisierte Realpolitik? Ohne Wahrheit und Verantwortung keine Versöhnung!

Veranstaltungen im Rahmen des Armenischen Kulturvereins in Hessen e.V.

8 Protokolle

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Protokolle Normailisierung des Schreckens

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Ausstellung Künstlerfamilie Sevrugian

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18 Buchtipps

Armenisches-türkisches Abkommen Reaktionen und Proteste

Events Kunst und 11/2009 S Kultur

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Siramarg

In Memoriam Hrank Dink.

Politisches Buch: Perry Anderson

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SIRAMARK 10/2009

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Aus Liebe zur armenischen Nation. 75. Jubiläum von Ara J. Berkian

Veranstaltungen in November und Dezember 2009 im Rahmen des Armenischen Kulturvereins in Hessen e.V.

15 Ausstellung “Sevrugian: Bilder des Orients”. Ausstellung im Museum der Weltkulturen in Frankfurt über die armenischen Künstler Sevrugian

Impressum

20 Armenische Küche Lavashbrot nach dem Rezept von Agavni Akyüz

Herausgeber

Internet

Armenischer Kulturverein in Hessen e.V. Postfach 100129 60001 Frankfurt am Main

www.frankfurt.armenier.eu

Redaktion & Layout

E-Mail info@armenier.eu

Suren Knolle-Akyüz

11/2009 Siramak Siramarg

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Foto: Uli Klan, Quelle: Armin-T.-Wegner-Gesellschaft e. V., www.armin-t-wegner.de

Meinung

Nachlese zur WM-Q-2010 Globalisierte Realpolitik? Ohne Wahrheit und Verantwortung keine Versöhnung! Text SKUDARZI SUREN

W

as bedeutet der Besuch des türkischen Staatspräsidenten in Armenien? Was bedeutet das Fußballspiel der beiden Nationalmannschaften? Schlagzeilen der letzten Tage heben die völkerverbindende Funktion des Sports hervor. Die Rede ist von „Fußballdiplomatie“, ähnlich der „Ping-Pong-Diplomatie“ in den 1970er Jahren zwischen der Volkrepublik China und den USA. Interessanterweise hat die amerikanische Außenministerin am Wochenende nach 50 Jahren Libyen besucht, und dabei erklärt, dass die USA keine ewigen Feindschaften hegen. Um diese Fragen angemessen erörtern zu können, müsste man alle möglichen Perspektiven berücksichtigen und diese in eine Multiperspektiven-Matrix eintragen. Letztendlich wäre eine Totalperspektive die angemessene Sicht, die allerdings Gott vorbehalten wäre.

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Was hieße es für das im Wegrand des Todesmarsches namenlos sterbende armenische Mädchen, dessen Schuh der Schriftsteller Armin T. Wegner fand und ein Leben lang aufbewahrte, von einer „Normalisierung“ der armenisch-türkischen Beziehungen zu hören? PERSPEKTIVE UND VERANTWORTUNG Was heißt es für das „türkische“ Enkelkind einer armenischen Großmutter in einer mittlerweile türkischen Stadt, die am Sterbebett ihr Geheimnis sich traut preiszugeben? Was heißt es für einen seiner Muttersprache beraubten armenischen Goldschmied in einer Istanbuler Seitengasse? Was heißt es für einen armenischen das Geschäft seines Vaters fortführenden Teppichhändlers, der nach Argentinien auswandern musste, seinen Namen änderte und in Deutschland angekommen, türkische Mitarbeiter beschäftigt? Was

heißt es für eine türkische Jurastudentin, die in Deutschland geboren und aufgewachsen ist und alle Annehmlichkeiten und Chancen dieses Landes erhält, die dreimal im Jahr in die Türkei reist, die „Blaue Reise“ in der Ägäis genießt, in „Pera“ shoppt und in Ortaköy sich amüsiert? Was könnte es heißen für die Nachkommen des Sohnes und der Tochter eines armenischen Klassenfreundes in Istanbul, der mit einer mit ihren in die armenische Schule gehenden Kindern Armenisch lernenden Türkin verheiratet ist? JOURNALISTISCHE ETHIK UND DEUTSCHE MITSCHULD Die deutsche journalistische Berichterstattung nimmt in der Regel die türkische Perspektive ein; Zum Teil weil die Korrespondenten in Istanbul ansässig sind; die Türken in Deutschland gewissermaßen real oder imaginiert zur Familie gehören.


Meinung Am Wegrand der deportierten Armenier fand Wegner diesen armenischen Kinderschuh 1915. Er bewahrte ihn während seines eigenen lebenslangen Exils auf. Seine Tochter Sibyl Stevens schenkte ihn 2005 der Armin-T-Wegner Gesellschaft.

wird mal der einen, der armenischen, mal der Gegenseite, der türkischen, ausgeteilt, um somit eine äquidistante Haltung zu etablieren, die in letzter Konsequenz die deutsche Mitschuld bewusst oder unbewusst verdrängt. Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess sprach Hans Frank, der Führer des „Generalgouvernements Polen“ war und die Vernichtung der polnischen Nation verantwortete, während der Beweisführung sein berühmt gewordenes Schuldbekenntnis: „Tausend Jahre werden vergehen und diese Schuld von Deutschland nicht wegnehmen.“ Er wurde 1946 in Nürnberg hingerichtet.

Je nach politischer Opportunität wird mal der einen, der armenischen, mal der Gegenseite, der türkischen, ausgeteilt, um somit eine äquidistante Haltung zu etablieren, die in letzter Konsequenz die deutsche Mitschuld bewusst oder unbewusst verdrängt.

Diese Tatsachen schaffen nicht zu unterschätzende Loyalitäten. Ein weiterer Grund ist nicht zur Letzt, dass aus Armenien keine Texte und Bilder verfügbar sind, da die armenische Versorgung der Welt mit Informationen nicht sonderlich gut entwickelt ist. Die Türkei hat darin einen riesigen Vorteil. Sie liefert Bilder und Texte nach propagandistischen Zwecken, die nur in Ausnahmefällen von den Medien reflektiert werden, da die bis in die Wortwahl und Duktus gleiche Übernahme der vorgefertigten Texte und Bilder die Arbeit erleichtert und von der eigenen gründlichen Recherche entlastet. So können die Werturteile der journalistischen Medien die Proteste gegen den türkischen Präsidenten als kindisch entwerten, lächerlich machen und somit disqualifizieren, da sie keine moralischen oder anderen Sanktionen befürchten müssen. Je nach politischer Opportunität

Ganz entspannt: Der türkische Präsident Abdullah Gül und sein armenischer Amtskollege Serge Sarkisian im September 2008

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Öffentliches

Keine Zugeständnisse Proteste in der armenischen Hauptstadt Jerevan

Armenisch-türkisches Abkommen Warum protestieren die Türken nicht?

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och am Freitag waren die Protestierenden in Armenien mit den Slogans “Keine Zugeständnisse an die Türkei” und “Kein Handel über den Genozid” über die Straßen gezogen. Heute Unterzeichneten der armenische Außenminister Eduard Nalbandian und der türkische Außenminister Davutoglu in der Universität von Zürich ein Abkommen über die „Normalisierung der Beziehungen“. In dem Abkommen ist u.a. eine Historikerkommission vorgesehen, die die historischen Ereignisse prüfen soll und innerhalb von zwei Monaten soll die von der Türkei 1993 geschlossene Grenze wieder geöffnet werden.

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Reaktionen in der Diaspora Proteste in Paris

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er armenische Präsident Serj Sarkissyan ist auf seiner einwöchigen „PanArmenien-Tour“ der Sympathiegewinnung in der Diaspora für seinen Kurs der Annährung an die Türkei auf seiner ersten Station in Paris mit Protesten der Diaspora empfangen worden. Nach Agenturmeldungen ist die französische Polizei mit Gewalt gegen die Protestierenden vorgegangen. Die Protestierenden sind vor allem wegen der vereinbarten Protokolle über die Historikerkommission über den Völkermord und die Anerkennung der armenischen-türkischen Grenzen mit der Regierung von Sarkissyan nicht einver-

standen und auch dass West-Armenien in den Verhandlungen übergangen wurde und damit die Stimme der Völkermordopfer. Der Oberste Geistliche Rat im Muttersitz St. Etschmiadzin hat in einer Stellungnahme ebenfalls seine Bedenken geäußert. Auf der Homepage der Hanauer Gemeinde ist die Stellungnahme in Armenisch, Deutsch und Englisch zu finden (www.armenier-rheinmain.de). Indessen hat eine Petition im Internet mit dem Protestslogan „Ոչ - Votch“ (Nein - www. votch.org) mittlerweile 2346 Unterschriften, unter denen viele prominenten Namen vertreten sind, gesammelt. Auf der Reiseroute von Sarkissyan sind noch Russland, USA und Libanon vorgesehen. Am 10. Oktober sollen Armenien und die Türkei in der Schweiz die Protokolle über die „Normalisierung der Beziehungen“ unterzeichnen.


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Nachruf

Foto: Privat

Aus Liebe zur armenischen Nation

75. Jubiläum von Ara J. Berkian Von LISA BERKIAN-ABRAHAMIAN

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ieses Jahr würde Dr.-Ing. Architekt, Ehrenmitglied der DAG Ara J. Berkian (Bilazikjian) 75 Jahre alt. Sein Schaffen war eine Brücke zwischen der Diaspora und der Heimat. Seine zahlreichen Talente als Architekt, Schriftsteller, Maler, Historiker, Rhetoriker haben dazu beigetragen, armenische Geschichte, Kultur, besonders Architektur, sowohl in Deutschland als auch in der Welt zu präsentieren und die deutsch-armenischen Beziehungen wieder zu beleben. Die Kindheit und Jugendjahre von A. Berkian verlebte er am Mittelmeer in Beirut, wo neben vielen armenischen Emigranten auch die Familie seiner Mutter aus Tigranakert Taguhi Sarafyan Wurzeln gefasst hatte. Die väterliche Seite, die Familie seines Großvaters Nasaret Pascha Bilazikjian war aus Marasch vor dem Genozid in die syrische Stadt Aleppo geflohen.

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Sein Vater Johannes kam nach Beirut um zu studieren, wo er Taguhi kennen lernte und heiratete. In dieser Familie wurde am 20. April 1934 Ara Johannes ( Jean) Bilazikjian geboren. Am Anfang besuchte er das französische Gymnasium in Beirut. Danach studierte er dort an der amerikanischen Universität Bauwesen und absolvierte mit Erfolg und wurde Architekt. 1957 kam er nach Deutschland um sein Studium fortzusetzen. Seine Entscheidung war gegen den Willen seiner Familie. Seine Schwester Seta, sie lebt in Paris, kann bis heute kaum verstehen, wie Ara auf die Idee kam, nach Deutschland zu kommen, ohne die Sprache zu beherrschen; hingegen sprach er perfekt Englisch und Französisch, hätte es in englisch- und französisch-sprachigen Länder leichter gehabt. Nachdem er im Goethe-Institut von BadReichenhall die deutsche Sprache erlernt


Nachruf hatte, setzte er seine Studien an den Technischen Hochschulen in München und Aachen als Bundesstipendiat des DAAD fort. 1969 nahm er die deutsche Staatsbürgerschaft an. Seit 1971 trug er den Namen Berkian. 1965-66 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Städtebau der Technischen Hochschule Aachen. 1967 veröffentlichte eine Arbeit über „Das Planen und Bauen in warmtrockenen Ländern“. 1976 promovierte er an der Technischen Hochschule Darmstadt mit einer Arbeit über den „Armenischen Wehrbau im Mittelalter“ zum Doktor-Ingenieur. Berühmte Wissenschaftler bezeugen, dass Ara Berkian als einer ersten auf den bedeutenden Beitrag der Armenier im Burgenbau hingewiesen hat. Darüber schrieb Professor-Dr. Armen Zaryan in einem Brief* (22.11.1978): „… Sehr geehrter Herr Ara Berkian, ich freue mich auch, dass ich die Gelegenheit gehabt hatte, Sie persönlich kennen zu lernen. Ich habe Ihre sehr vorzügliche Doktorarbeit gelesen. Sie ist die einzige bis heute, die zu diesem Thema so umfangreich wissenschaftlich und so dokumentarisch begründet… Verbleibe mit besten Wünschen und freundlichen Grüßen Armen Zaryan“. Seit 1963 war Berkian Architekt, Projektleiter und Berater, hauptsächlich im Rhein-Main Gebiet tätig: 1963-64 bei Lenz Architekten + Ingenieure (Hochbau, Städtebau), 1966-68 bei der MormonenKirchenbauabteilung (Gemeindezentren), 1969-70 bei Witan + Securius (Krankenhäuser wie „Kemperhof“ Koblenz mit 600 Betten und Schulen), 1970-72 bei H: Faust (Rehabilitationszentrum für Behinderte in Meisenheim, Schulen), 197479 in Bauunternehmung Krupp Industrie- und Stahlbau als Projektleiter. 1988-93 war er Architekt bei der Stadtverwaltung Wiesbaden. r hatte an Bundes Architektenwettbewerben teilgenommen, davon wurde sein Entwurf für die Neue Pinakothek München in der Deutsche Bauzeitung 6/1967 veröffentlicht, der Entwurf der Museen Berlin-Tiergarten erreichte die 1. Stufe. Aus anderen Wettbewerben: „Der Mainzer Dom“ „Gezeichnetes Rheinland-Pfalz“ (Feder und braune

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Tusche) wurde seine Arbeit in verschiedenen Landesteilen ausgestellt. Berkian war Mitglied der Architektenkammer von Rheinland-Pfalz und Hessen. Parallel zu beruflichen Tätigkeiten zum Zweck der Doktorarbeit machte er Studienreisen nach Arm. SSR, Iran, Westarmenien (heutige Türkei). Als stellv. Vorsitzender der HessischArmenischen Vereinigung für Denkmalpflege sparte er sich keine Mühe für die Renovierung der durch das Erdbeben zerstörten Amberd und Makarawank. Prof.Dr. Kiesow (a.D. Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen) schrieb in seiner Anteilnahme: „Herr Berkian war uns im gemeinsamen Bestreben, etwas für Armenien und seine Baudenkmale zu tun, ein verlässlicher und hilfreicher Partner. Sein Rat und seine profunden Kenntnisse waren in der Vergangenheit für uns unentbehrlich“. Berkians Leben war bestimmt für die Liebe zum armenischen Volk. Er war ein Botschafter der armenischen Kunst und Kultur. „Durch sein Studium mit deutscher Kultur vertraut, war doch sein Herz ausgefüllt von der Liebe zum armenischen Wesen, und zur gloriosen und zugleich so schmerzensreichen Geschichte des armenischen Volkes“.1 „Als er 1957 nach Deutschland kam, um sein Studium fortzusetzen, bemerkte er schon bald, wie schlecht die meisten Deutschen über Armenien und die Armenier informiert waren. In München entschloss sich Berkian mit einigen Studenten aus dem Iran, Libanon und Syrien einen „Bund Armenischer Studenten“ ins Leben zu rufen“2. Verschiedene Vorträge über Armenien hielt er vor der Studentengemeinde. Auch in Aachen gründete er mit einer Gruppe armenischer Studenten einen Studentenverein. Dort fand er viel Unterstützung von einem Architektenstudenten aus dem Iran, Armen Haghnazarian. Seitdem verband Berkian eine echte Freundschaft mit dem neulich verstorbenen Dr. A. Haghnazarian. Anlässlich des 50. Jahrestags des Genozids an den Armeniern organisierten Berkian und zwei Studenten (laut Archiv -Armen Haghnazarian, Vazgen Khodaverdian) 1965 eine Briefaktion zwecks Aufklärung

der deutschen Presse und Bevölkerung. Sie bedienten sich eines zehnseitigen Aufsatzes des Mainzer Uniprofessors Anton Hilckman, der in der Kölner Zeitschrift „Begegnung“ erschienen war. Dieser Artikel, der die Gräueltaten von 1915 scharf verurteilte, wurde als Sonderdruck, zusammen mit einer Landkarte Armeniens an etwa 300 Zeitungen, Verlage und Persönlichkeiten geschickt“3. Die Resonanz dieser Aktion haben wir in seinem Archiv. Die Zeitungen (Die Welt, FAZ) haben Artikel über Genozid geschrieben, auch Berkians Artikel „Todesgang des Armenischen Volkes“ erschien in der „Aachener Volkszeitung“ (17.Mai 1965). Nach dieser Aktion hatte es noch 40 Jahre gedauert, bis der Deutsche Bundestag über die Vertreibung und Massakern an den Armeniern von 1915 debattierte, aber als Genozid leider immer noch nicht anerkannte. In den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts war die überwiegende Mehrheit der Armenier wegen Diskriminierungen aus der Türkei nach Deutschland ausgewandert. Unseren Landsleuten zu helfen ihr nationales Wesen, ihre armenische Identität zurück zu gewinnen - die Aufgabe war damals nicht so leicht zu verwirklichen: Den armenischen Geist bei den Landsleuten zu erwecken, sie den armenischen Wurzelen zu nähern, wieder die DeutschArmenischen Beziehungen zu beleben, das war das Hauptziel im Leben von Ara Berkian. Es war Berkians Idee, die 1956 erloschene Deutsch-Armenische Gesellschaft wieder zu beleben. Die Wiederbelebung der Deutsch-Armenischen Gesellschaft würde wesentlich zu der Koordinierung der o. g. Probleme beitragen, sowie auch die kulturellen Beziehungen mit dem Armenien vertiefen. Die Deutsch-Armenische Gesellschaft wurde im Jahre 1914 des deutschen Pastors J. Lepsius gegründet und im Jahre 1956 vom Amtsgericht Berlin im Vereinsregister gelöscht. In Bezug auf die Wiederbelebung der DAG hatte Berkian Unterstützung vom Mainzer Uniprofessor Anton Hilckman. Seit 1965 verband Berkian eine echte Freundschaft mit Prof.-Dr. Hilckman. Mit Empfehlung Hilckmans hatte Berkian

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Nachruf den früheren Staatsekretär Dr. H. Globke aufgesucht, dessen armenische Bücher und armenische Münzensammlung er bewunderte. „Globke beriet Berkian in juristisch-organisatorischen Fragen in Bezug auf die Wiederbelebung der DeutschArmenischen Gesellschaft“4. „1965 bemühte sich dann Herr Ara Berkian, die Gesellschaft wieder zu gründen. Seine zahlreichen Anstrengungen, geeignete Mitstreiter zu finden, blieben lange Zeit erfolglos“5. „Damals zeigte sich Berkians Natur, sein Charakter als zäher Kämpfer“6, bis er Professor F. Heyer kennen gelernt hatte. In seinem Brief* vom 16. März 1971 an Prof. Heyer, schrieb Berkian: „Sehr geehrter Herr Prof. Heyer, wie Sie wissen, hatte 1919 (1914) Dr. Johannes Lepsius die Deutsch-Armenische Gesellschaft gegründet und war für „Die Verbreitung einer gerechten, unvoreingenommen Beurteilung des armenischen Volkes in Deutschland und des deutschen Volkes in Armenien „ bemüht. Die Leitung übernahm später Dr. Paul Rohrbach. 1947 (1956) wurde jedoch die Gesellschaft von Amtswegen, da sie keine Mitglieder mehr hatte, aufgelöst. Wir sind heute zwei - bis dreitausend Armenier in Westdeutschland und haben zwar unsere eigenen Vereine, glauben jedoch, dass eine Wiederbelebung der Deutsch-Armenischen Gesellschaft andere, noch wichtigere Aufgaben haben könnte. In erster Linie wären viele Unkenntnisse und Vorurteile über uns zu beseitigen; d.h. das Verständnis der Deutschen zu den Armeniern zu wecken und zu vertiefen und Kenntnisse über die armenische Kultur in breitere Kreise des deutschen Volkes zu tragen…“ Im Antwortbrief* vom 25. März 1971 adressiert an Berkian, schrieb Prof.-Dr. Heyer: „Sehr geehrter Herr Bilazikjian (damals trug er noch diesen Namen), Ihr Schreiben vom 16. März hat mich insofern besonders gefreut, als ich daraus ersah, dass tatkräftige armenische und deutsche Kreise zusammengefunden haben, um die Deutsch-Armenische Gesellschaft zu erneuern. Ich habe während meiner ökumenischen Reisen und Studien mich insbesondere um die äthiopische Kirche, aber auch um die koptische, indische, syrische und armenische Kirche bemüht.

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Die Deutsch-Armenische Gesellschaft und ihre Bemühungen, dem armenischen Volk in der schweren Verfolgungszeit zu helfen und Verständnis für dieses Volk zu wecken, ist mir ein Begriff und ich habe Freunde in der älteren Generation, die zu dieser Gesellschaft gehörten. So bin ich jedenfalls bereit, in Ihre Gesellschaft einzutreten und mitzuwirken“. Im Jahre 1972 wurde die Deutsch-Armenische Gesellschaft neu gegründet. Prof. F. Heyer wurde Vorsitzender der DAG.

“”

Berkian war ein armenisches Auskunftsbüro!

Zu Aras Seite gestanden haben auch armenische Freunde wie Dr. Armen Haghnazarian, Alfred Mouradian, Dr. Schawarsch Howassapian, James Karnusian und andere. „Ara Berkian wurde die Seele der DeutschArmenischen Gesellschaft. Er vollzog alles technisch Nötige für den Satzungsentwurf und die Eintragung ins Mainzer Vereinsregister. Nicht nur, dass er bis 1978 die Redaktion der alsbald gegründete ADK betrieb und eine Vielzahl von Artikeln beisteuerte. Der DAG stand er zunächst als Schatzmeister zur Verfügung, bis er 1982 zu ihrem stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde, der – nach dem Tode von Seda Mangelsen-Mouradian – auch erneut die Verantwortung für die ADK übernahm, bis Berkian sie 1989 wieder weiterreichte. Anlässlich ihrer 75-Jahr-Feier hat die DAG ihn mit mir (Prof. Heyer) zu ihrem Ehrenmitglied ernannt“7. „Diesen Drei Persönlichkeiten (Prof. Heyer, A. Berkian, S. Mangelsen-Mouradian) ist es zu verdanken, dass die Gesellschaft, vor allem ihr Sprachohr, die ADK, gegen alle Anfeindungen und über alle Anfangsschwierigkeiten hinweg, durchhielt. Alle

drei leben nicht mehr. Die Gesellschaft hat sich aber erhalten und ihr Organ, die ADK, hat sich in Magazinformat entwickelt“ 8. Wie oben genannt war Berkian Mitbegründer der Union der armenischen Studenten von München und Aachen, sowie auch der Mitbegründer und der erste Vorstandsvorsitzende des Armenischen Kulturvereins in Hessen, und der Vorsitzende der Armenischen Gemeinde in Mainz. In diesen Jahren begann die Ader des armenischen Lebens in Deutschland sehr heftig zu schlagen: es wurden armenische Kulturwochen veranstaltet, Ausstellungen der armenischen Kunst gewidmet, Feste, Treffen mit den Künstlern der Heimat und der Diaspora durchgeführt. Er war Initiator, Organisator und Dolmetscher und stand als Referent für armenische Fragen zur Verfügung. “Berkian war ein armenisches Auskunftsbüro! “9. Alle diese Tätigkeiten hat Berkian zusammengefasst und mit Mitautor Enno Meyer zum Teil des Buches „Zwischen Rhein und Arax oder die 900-jährigen deutscharmenischen Beziehungen“ (Oldenburg, 1988) gemacht, das im Jahre 1988 veröffentlicht wurde. Es fand eine große Resonanz sowohl im Ausland, und der Diaspora, als auch in Armenien statt. Begeistert von der Unabhängigkeit der Heimat und den Resonanzen über das Buch wollte er das Buch ergänzen, neu veröffentlichen und auf Armenisch übersetzen (einige Kapitels vom Buch wurden bereits ins Armenische übersetzt von Aschot Hairuni, Aschot Aleksanian, erschienen in der armenischen Presse). In einem Brief* von 1988 an Berkian bemerkte S.H. Garegin II Katholikos des Großen Hauses von Kilikien, später Katholikos All-Armenier: „Lieber Ara, wir erleben eine grenzenlose Freude und schätzen Ihre stetige und eifrige Arbeit sehr hoch ein bezüglich der Untersuchung und Entwicklung der armenisch-deutschen Beziehungen. Wir frohlockten, als wir von Ihrem veröffentlichten Buch „Zwischen Rhein und Arax“ erfuhren… Wir sind sicher, dass Ihre Arbeit eine sehr wichtige Einlage in die Armenologie sein wird. Sicher wird es zu dem richtigen gegenseitigen Kennenlernen und der Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen


Nachruf zwischen den Völkern Armeniens und Deutschlands… Wir würden uns freuen, wenn die armenische Übersetzung dieses Buches in unserem Verlag von Antelias erscheint. Verbleibe mit besten Grüßen und Segnung Garegin B Katholikos des Großen Hauses von Kilikien“. Den Patrioten Berkian konnte ein kleiner Ausschnitt aus seiner Rede* selbst charakterisieren, die er im Jahre 1969 während der Zeremonie des Armenischen Kulturverein Hessen hielt zur Erinnerung an die Schlacht von Avarajr im Jahre 451, bei der Feldherr Wardan Mamikonian im Kampf gegen die übermächtigen Sassaniden fiel: „Keine Sorge, dass wir unsere politische Unabhängigkeit in manchen Lebensperioden verloren haben. Keine Sorge, dass viele unser Blut vergossen haben, wichtig ist aber, dass wir geblieben sind, unsere Kultur und Religion geblieben sind, und vor allem, dass unsere Heimat immer Armenien genannt wird. Selbst wenn man unsere Denkmäler vernichtet hat, die Namen von Bergen, Flüssen und Seen verändert hat, ist Armenien trotzdem unbesiegbar, und früher oder später wird Armenien seine Unabhängigkeit erwerben“*. Durch das Schicksal wurde A. Berkian weit von Armenien geboren, doch die Liebe zu dem armenischen Land hatte in ihm seine Wurzel sehr tief geschlagen. Seit 1968 brachte ihn diese Liebe immer und immer in die Heimat. Hier lernte er Prof.-Dr. Warasdat Harutjunyan, Mitglied der Akademie der Wissenschaft kennen. Im Laufe der 25 Jahre waren die aneinander adressierten Briefe voll von Liebe. In seinem Buch „Wir – die Künstler Zeitgenossen“ ( Jerewan, 2001) hat W. Harutjunyan den Berkian gewidmeten Artikel „Weit von der Heimat, die Heimat im Herzen“ betitelt, wo er schrieb: „… Das Streben nach der architektonischen Erbeforschung des Heimatvolkes brachte ihn seit 1968 nach Armenien. Wir haben uns kennen gelernt, er teilte mit, er sei mit der Untersuchung der Burgen und befestigten Klöster im mittelalterlichen Armenien beschäftigt, er bat ihn zu beraten, mit einigen Burgen Armenien bekannt zu machen. Mit Ara sind wir auf Berge gestiegen, waren in Amberd, Bjni, Smbataberd usw. Mit reichem Materialvorrat verließ Berkian Armenien. Später erfuhr ich, dass er den Doktorgrad

erhalten und das Thema „ Armenischer Wehrbau im Mittelalter“ gewählt hatte und später als Monographie veröffentlichtte…Ara Berkian traf ich nicht nur in Armenien, sondern auch öfters in Italien den internationalen Symposien, gewidmet der armenischen Kunst. Während eines Symposiums 1988 in Venedig hielt er eine Rede zum Thema „Die Teilnahme der armenischen Meister an den Bauarbeiten am ausgewählten Denkmälern Deutschlands“. Dieses Thema schien einigen merkwürdig zu sein. Als Beweis hatte er sehr umsichtig alle Bemerkungen der armenischen Meister, sowie auch die armenischen Buchstaben gesammelt, die die Baumeister auf den Steinen hinterlassen hatten…“*. Darüber erwähnt Prof.-Dr. Zaryan in einem Brief * (22.02.1989): „Lieber Ara Berkian, neulich erhielt ich Ihr gesandtes Buch von Walter Nieß (Nieß, Walter, Romanische Steinmetzzeichen der Stauferburgen Büdingen und Gelnhausen, 1988 LBA). Mit Zufriedenheit gratuliere ich Ihnen, denn sie haben die Anwesenheit und Teilnahme von armenischen Steinmetzen in verschiedenartigen Bauten von Zentraleuropa durch Fakten bewiesen… Die Tatsache der Zeichen ist unwiderlegbar und lässt die Nationalität des Meisters und das Niveau seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten erkennen. Was Sie betrifft, ich muss mich bei Ihnen vom ganzen Herzen bedanken… Mit besten Wünschen Armen Zaryan…“ r brachte nicht nur die nicht aufgeklärten Seiten der armenischen Architektur, Kultur oder der armenisch-deutschen Verhältnisse aus der Tiefe der Jahrhunderte heraus, sondern verfolgte auch sehr wachsam und aufmerksam die fremdsprachige Presse, wo in Medien ein verfälschtes Armenienbild gezeichnet wurde; er ruhte nicht, bis er eine Korrektur publik gemacht hatte. Er hat sich niemals gescheut, laut die Wahrheit zu sagen. Wenn man die ältere Jahrgänge ADKs in die Hand nimmt, liest man Antwortbriefe an den „Spiegel“, „Stern“ „GEO“, ZDF, ARD und, und man könnte zahlreiche Beispiele aus Archiv anführen, die seine Widmungen an die Nation und seine Natur und sein Engagement beschreiben.

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So schrieb er eine Rezension zu Ulrich Bocks Buchs „Armenische Baukunst“ Dissertation, Köln 1983 in „Handes Amsorya“, Jahrgang 1988. In einem Brief* an den Pariser Alexan Perestchekelean im Jahre 1981 schrieb Berkian: „Danke für Ihre geschickten Artikel, die ich mit großem Interesse gelesen habe. Sehr berührend fand ich Gorkys Patriotismus… beiliegend finden Sie einen Artikel über die Ausstellung im Guggenheimer Museum, den Werner Spies, einer der größten Kritiker Deutschlands, in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ geschrieben hat. Es hat mich gestört, dass Spies geschrieben hatte, Gorky sei „ein Kopierer“ gewesen“. Danach habe ich ihn in einem Brief kritisiert und mein Brief wurde gerne in der Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlicht“. Noch eine Tatsache, die ihn sehr gut charakterisieren konnte: Berkian schrieb in einem Brief* vom 28. Februar 1980 an den Vater der Mechitaristen-Congregation in Venedig, Prof. Poghos Levon Zekiyan: „Vor kurzem wurde eines der 7 berühmten Werke von Hakob Jughaetsi bei der Auktion in Hamburg versteigert. Ich habe sehr spät davon erfahren, aber habe sehr schnell nach Amerika geschrieben, damit ein reicher amerikanischer Armenier das Buch kauft…“(laut Archiv wurde das Buch über 340.000 DM verkauft). Er hatte bemerkt, dass seine Doktorarbeit auf dem Schwarzmarkt verkauft wurde, deswegen hatte er die Entscheidung getroffen, die Dissertation zu erweitern und neu zu veröffentlichen. Er hat jahrelang mühevoll daran gearbeitet. Anstatt der 38 Burgen und Klöster in seiner Doktormonographie umfasste das neue Buch 64 Burgen und Klöster. Mit einem neuen Kapitel wurden die Burgen von Kilikien dargestellt. Leider nahm ihm der Tod im Jahre 1994 die Feder aus der Hand und das Buch „Armenische Burgen und befestigte Klöster“ lag unvollendet auf seinem Schreibtisch und ist bis heute nicht erschienen. Es fehlen noch Grundrisse und Fotos die er nicht geschafft hatte, in sein Buch aufzunehmen. Zurzeit ist eine Kopie seines Manuskripts bei Prof.-Dr. H. Hofrichter (Kaiserslautern), eine Kopie bei Professor Babken

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Nachruf

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die USA, Beirut, Österreich, Frankreich, Iran. Die Briefe ins Armenische, Deutsche, Englische, Französische, Arabische, die Sprachen, die er perfekt beherrschte. Seine Freunde waren bekannte Wissenschaftler oder Politiker, darunter der S.H. Vazgen I Katholikos All-Armenier, S.H. Khoren I, und Garegin II Katholikose des Großen Hauses von Kilikien, Väter der Mechitaristen-Congregationen in Venedig und Wien, Historiker, Schriftsteller, Architekten, Kunstmaler, Journalisten. Diese Briefe und Materialen werden Ara Berkian, die sich der armenischen Nation widmende Persönlichkeit und den Wissenschaftler, in der Zukunft nicht nur neu vorstellen, sondern auch erzählen, welche unendliche und eifrige Arbeit er tat und aus Liebe zur armenischen Nation verwirklichte. Für seine Leistungen für die armenische Kultur und Architektur wurde Ara Berkian posthum mit der Hakob-Meghapart-Medaille der Nationalbibliothek ausgezeichnet.

*Die Briefe, Rede wurden abgekürzt zitiert

LITERATUR 1. Heyer, F. Dr.-Ing. Ara Jean Berkian; ADK 83, 1994. S. 47 2. Meyer, E., Berkian, A. Zwischen Rhein und Arax. Oldenburg. 1988 S. 160 3. Meyer, E., Berkian, A. Zwischen Rhein und Arax. Oldenburg. 1988 S. 160 4. Heyer, F. Dr.-Ing. Ara Jean Berkian; ADK 83, 1994. S. 47 5. Röseler, P.-F. Die Geschichte der DAG, Festschrift, ADK 1989, S.94 6. Heyer, F. Dr.-Ing. Ara Jean Berkian; ADK 83, 1994. S. 47 7. Heyer, F. Dr.-Ing. Ara Jean Berkian; ADK 83, 1994. S. 448 8. Sevrugian, E. Friedrich Heyer, Nachruf auf ein bewegtes Leben; ADK 127/128, 2005, S.59 9. Heyer, F. Dr.-Ing. Ara Jean Berkian; ADK 83, 1994. S. 48

ZUR PERSON

Fotot: Privat

Harutunyan ( Jerewan). 2005 hatte Professor Hofrichter bereits das Manuskript begutachtet, müsste noch aktualisiert werden. Weil das Manuskript sehr breit gefächert ist, verzögert sich die Aktualisierung und Veröffentlichung. Im Jahre 1993 besuchte Ara Berkian zum letzten Mal Armenien, war zum ersten Mal in Arzach (Bergkarabach), über dessen Geschichte und Architektur er glänzende Kenntnisse hatte. Darüber sprach er sehr oft in der deutschen Presse. Diesmal hatte er Hilfe aus der armenischen Gemeinde von Mainz mitgenommen (er war Vorsitzender der Gemeinde). Er besuchte Stepanakert, Gandzasar, Schuschi und andere Städte, traff Georgi Petrossian und die Arzacher. Begeistert von den Menschen, der Natur und Architektur bemerkte er in einem Interview mit der Zeitung „Arzach“: „… Wahrscheinlich komme ich in zwei drei Jahren nach Arzach, für immer. Werde ich von den Arzachern aufgenommen, dann werde ich ein Bürger von Schuschi. Ich bin auf die Einwohner von Schuschi neidisch…“ Leider konnte er sein Wort nicht halten. Am 5. Februar 1994 hat der plötzliche Tod den Lebensfaden von Berkian abgerissen. Er wurde in Paris begraben, im Familiengrab seiner Schwester Seta. Ara Berkian hatte noch andere Hobbys: er malte, vielleicht hatte er dieses Talent von seiner Mutter geerbt, die auch Kunstmalerin gewesen war. Auch seine Schwester malt. Originalwerke und andere moderne Gemälde, geschaffen noch vor 30-40 Jahren, schmücken auch heute noch die eheliche Wiesbadener Wohnung. Er war auch ein wunderbarer Schütze, mehrmals hat er an den Schützenmeisterschaften in Deutschland, in RheinlandPfalz und Hessen teilgenommen und immer führende Plätze belegt. Postum kehrt Berkian in die Heimat zurück durch seine Bücher, Artikel und Veröffentlichungen über ihn, durch Erinnerungen der Menschen und Veranstaltungen die ihm gewidmet waren und sind. Auch durch sein persönliches reiches Archiv kommt er in die Heimat zurück. Sehr reich war die Geographie der rein menschlichen und wissenschaftlichen Beziehungen von Ara Berkian: Armenien, Deutschland, Italien, England,

Lisa Berkian-Abrahamian ist die Witwe von Ara Berkian. Sie wurde 1949 in Armenien geboren und studierte am Pädagogischen Institut Jerewan und an der Partei Hochschule Baku- Politikwissenschaften. Sie ist Dipl. Bibliothekarin und Bibliographin. Sie arbeitete als Abteilungsleiterin, Chefredakteurin bei der Zeitung „Aragadz“, war Abteilungsleiterin bei dem Kreiskomitee der KP Armeniens, Stelv. des Verwaltungspräsidenten, Kreis Aragadz. 1989 hat sie Ara Berkian in ihrem Geburtsort Gegharot, bei sich zuhause, kennengelernt. 1992 heiratete sie ihn und übersiedelt nach Deutschland. Leider blühte das Familienglück von beiden nicht lange, 1994 starb Berkian in seiner Wiesbadener Wohnung. Seit 1997 arbeitet Lisa Berkian in der Stadtbibliothek Wiesbaden.


Ausstellung

Eröffnung der Ausstellung “Sevrugian: Bilder des Orients” Im Dezember 2008 eröffnet das Museum der Weltkulturen in Frankfurt die Ausstellung über die armenischen Künstler Sevrugian: “Sevrugian: Bilder des Orients”.

D

ie Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Armenischen Kulturverein in Hessen e.V. organisiert. Die Informationsbroschüre und das Rahmenprogramm zur Ausstellung können aufgerufen werden. Die Ausstellung “Bilder des Orients zwischen Realität und Poesie” zeigt 85 Werke zweier armenischer Künstler im Kontext ihrer Familiengeschichte. Bei den Künstlern handelt es sich um Vater und Sohn, die einer Diplomatenfamilie in Teheran entstammten. Der Fotograf Antoin “Khan” Sevruguin (ca. 1840-1933) und der Maler André “Darvish” Sevrugian (1894-1996) gehörten der großbürgerlichen Oberschicht Teherans an, die als Kosmopoliten über nationale Grenzen hinweg im kulturellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Austausch der damaligen Zeit stand. Antoin Sevruguin und Andre Sevrugian waren in der armenischen Diaspora in Teheran/ Iran zuhause und - obgleich christliche Armenier - tief verwurzelt in der persischen Kultur. Antoin “Khan” Sevruguin war Hoffotograf der Schahs Naser ad-Din (1831-1996) und später von Reza Pahlevi. Auf vielen Reisen durch Persien fotografierte und dokumentierte er das traditionelle Leben unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.

Fotog rafie von Antoin Sevrugian

Er fotografierte auch antike Monumente in Iran, die in Büchern deutscher Archäologen zwar häufig abgebildet wurden, doch stets ohne den Namen des Künstlers zu nennen. So ist Antoin in Deutschland - im Gegensatz zu den USA und England - weitgehend unbekannt geblieben. Der Künstler Andre “Darvish” Sevrugian widmete viele Jahre seines Lebens der persischen Poesie, deren literarischen Bilder er in Anlehnung an den Stil persischer Miniaturen malerisch umsetzte. Seinen Bildern verlieh er durch Farb- und Formgebung Tiefe und Perspektive und seinen Figuren eine

starke emotionale Ausdruckskraft. Inspiration hierfür lieferte ihm das Schahname, das Buch der Könige (welches der Poet Firdousi im 11. Jahrhundert zusammen trug) und die islamische Mystik (insbesondere die Verse von Omar Chayyam, 10481128). So wie Antoin Sevruguin und Andre Sevrugians in zwei Kulturen - der armenischen und der persischen - zuhause waren, so ist auch ihr künstlerisches Werk durchdrungen von der Zugehörigkeit zu beiden Kulturen. Der besondere Reiz dieser Ausstellung liegt in der Parallele zwischen der multikulturellen Lebenswelt der Sevrugian-Familie und dem Zusammenspiel von östlicher und westlicher Kunst, die in den Fotografien des Vaters und im malerischen Werk des Sohnes zum Ausdruck kommt. Die Exponate der Ausstellung, die zum Teil erstmalig in Deutschland gezeigt werden, stammen aus der Sammlung Emanuel Sevrugian, des Enkels bzw. Sohnes beider Künstler, der heute in Heidelberg lebt und die Geschichte der Künstlerfamilie kommentiert. Nach Frankfurt geht die Ausstellung nach Wien in das Völkerkundemuseum, danach nach Teheran/Iran, dann evt. nach Boston und schließlich nach Jerewan/Armenien.

11/2009 Siramak Siramarg

15


Kultur

Duduk Konzert Arayik Bachtikyan auftretende duduk Spieler Araeik Baktikyan begeisterte auf seinem Instrument in unseren gut gefüllten Vereinsräumen mit Musik aus Armenien. Er spielte neben traditioneller geistlicher Musik, Volksweisen, Improvisationen auch zeitgenössische Kompositionen. Araeik Bakhtikyan wurde 1962 in Armenien in eine musikalische Familie geboren. Schon vor dem Studium am Konservatorium in Yerevan hat er bei Djivan Gasparyan begonnen Duduk zu lernen. Seine ersten Konzerte im Ausland hat er in Kiew und Moskau gegeben. Danach folgten Konzerte in ganz Europa, USA und Kanada sowie CD-Einspielungen. In der 3. Sinfonie von Avet Terterian spielt Araiik Bakhtikyan den Part für Duduk-Solo mit renomierten Orchestern wie den Dresdner Symphonikern. Derzeit lebt er in Armenien und Frankreich. Duduk ist ein uraltes armenisches Rohrinstrument. Sein ursprünglicher Name heißt Der

international

Tanz und Gesang Vagharshapat zu Gast war nach dem Gottesdienst die Gesangs- und Tanzgruppe “Vagharshapat” aus Etschmiadsin bei uns zu Gast. Das Gesangs- und Tanztheater Vagharshapat wurde 2004 gegründet und wird von Anahit Madoyan geleitet. Die auch international ausgezeichneten Künstler der Gruppe Vagharshapat interpretieren neben altem und neuem armenischen Liedgut auch internationale Schlager und populäre Lieder. Im Juni

16

Siramarg Siramak 11/2009

© www.avantart.com

„Tciranapokh“- Aprikosenrohr, weil es aus einem Aprikosenbaum gebaut wird. Nicht nur innerhalb des armenischen Hochlandes wurde Duduk gespielt, sondern es verbreitete sich auch in Persien, auf dem Nahem Osten, in Kleinasien, auf dem Balkan, im Kaukasus, auf der Krim und wurde im Laufe von Jahrhunderten sowohl im melodischen Spiel als auch in der Spieltechnik verändert. Es gibt verschiedene Arten von Duduk, z.B. wird ein Duduk mit 40 cm Länge für Hochzeitslieder verwendet. Sein Umfang ist eine Oktave, es ist diatonisch gebaut; die Chromatik kann durch teilweise schließen der Löcher erreicht werden. Sehr viele begeistern sich für dieses kleine Instrument Duduk, das die Seele berührt und als das typische armenische Musikinstrument gelten kann. Die Melodie spiegelt sich meistens in Traurigkeit, Sehnsucht, Liebesgefühlen wider. Duduk hält die schmerzliche Erinnerung an das verlorene Paradies wach.

1. Preise für unsere Schülerinnen Arevik Beglaryan und Anita Arakilian haben beim 46. Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ 2009 in der Kategorie Ensemblewertung Klavier vierhändig den 1. Preis erhalten. Die jungen Pianistinnen erreichten 24 Punkte mit einer Weiterleitung an die nächst höhere Wettbewerbsebene, den Landeswettbewerb Hessen. Im Regionalwettbewerb in Starkenburg hat Melanie Khachatourian in der Wertung für die Klassische Gitarre den 1. Preis gewonnen. Melanie hat mit 23. Punkten eine Weiterleitung an den Landeswettbewerb erhalten. In der Wertung Klarinette/Saxophon hat Astrighik Beglaryan in der Klavierbegleitung mit der Höchstpunktzahl von 25 den 1. Preis gewonnen. Wir gratulieren herzlich zu dieser ausgezeichneten Leistung und wünschen weiterhin viel Erfolg für die Künstlerinnen. Die Wettbewerbe “Jugend musiziert” werden seit 1963/64 jährlich als Regional-, Landes- und Bundeswettbewerb durchgeführt. Teilnehmer sind Kinder und Jugendliche bis zu einem Höchstalter von 20 Jahren für die Instrumentalfächer, von 25 Jahren für Gesang. Jugend musiziert wird in Regional- und Landeswettbewerben und einem Bundeswettbewerb ausgetragen. Die Wettbewerbskategorien für Solisten und kleine Gruppen bis zu sechs Spielern wechseln jedes Jahr. Unsere Schülerinnen

Vagharshapat ist bereits in Frankreich, Syrien, Istanbul und Hamburg aufgetreten. Geplant sind Tourneen in den USA, Spanien und dem Iran.


Kultur

Kinderschachturnier 1. Preis für Arsen

Konzert Mit jungen Künstlern

Klavierpoesie Lusine Khachatryan

Konzert Emirzians YELQ

Arsen Abrahamyan, Schüler unser-

In Kooperation mit dem Ar-

Im Mai 2009 begeisterte die

Der Sänger Aren Emirze gab sein

er armenischen Samstagsschule,

menischen Kulturverein in Hessen

junge Pianistin Lusine Khacha-

Konzert auf der YELQ-Tour dies-

hat

beim

Kinderschachturnier

e.V. veranstaltete im Mai 2009

tryan im Internationalen Theater

mal mit Viken Tarpinian vom ar-

der Buchhandlung Hugendubel in

das Museum der Weltkulturen ein

Frankfurt mit iherer Klavierpoesie

menischen Duo Hartar zusammen

Frankfurt am 8. November 2008

klassisches Konzert mit jungen

die Musikinteressierten. Lusine

in der Brotfabrik. Die Aufnah-

den ersten Preis gewonnen. Die

armenischen Musikerinnen und

Khachatryan wurde 1983 in Je-

men zum Debutalbum „A Gentle

Schachspieler traten in Zwei-

Musikeren. Anita Arakilian (Kla-

revan geboren und erhielt ihre

Kind Of Disaster“ waren geprägt

erteams gegeneinander an. Arsen

vier), Astghik Beglaryan (Klavier),

Musikausbildung zuerst bei ihrer

von dem Tod des Vaters Karekin

und sein Teamkollege haben aus-

Vladimir Askorskij, (Violine) und

Mutter Irina Hohannisyan und

Emirze, der auch lange Jahre

nahmslos alle Begegnungen für

Grigor Asmaryan (Klavier) spielen

später bei ihrem Vater Vladimir

Mitglied des Armenischen Kulturv-

sich entscheiden können.

Werke von Mozart, Liszt, Chopin,

Khachatryan. 2008 absolvierte die

ereins war. Eine Musik-Kassette,

Dieser Sieg ist nicht der erste

Debussy und Schumann sowie

Pianistin ihr Masterstudium an der

die im Nachlass gefunden wurde,

des 11-jährigen Arsen, der die 6.

Mirzoyan und Chatschaturjan. Die

Musikhochschule Karlsruhe. Als

gab den musikalischen Anstoß zu

Klasse des Lessinggymasiums in

jungen Künstlerinnen und Künstler

Preisträgerin zahlreicher interna-

EMIRSIAN. Diese sehr persön-

Frankfurt besucht. Er ist Preis-

sind bereits Preisträger diverser

tionaler Wettbewerbe überzeugte

liche

träger mehrerer Schachturniere,

Musikwettbewerbe im In- und und

sie als Solistin und Kammermusik-

ihren Höhepunkt in einem Duett,

u.a. wurde Arsen Erster bei den

Ausland. Das Konzert ist Teil des

erin das Publikum mit ihrer Musi-

in dem Aren die Stimme seines

hessischen

Mannschaftsmeis-

Begleitprogramms zur Ausstellung

kalität und ideenreicher Inter-

Vaters im Studio zu letzten Ehren

terschaften. In der Frankfurter

»Sevrugian. Bilder des Orients in

pretation in großen Konzertsälen

brachte. Der Vater, selbst Musiker

Bezirksmeisterschaft hatte Arsen

Fotografie und Malerei 1880 -

in Frankfurt, Wiesbaden, Zürich,

und Musikliebhaber, spielte und

den 3-4 Platz und 1. - 3. Platzier-

1980«, die das Museum der Welt-

London, Paris, Tokio und New

sang armenische Lieder, selbst ge-

ungen bei weiteren Wettkämpfen

kulturen bis Juli 2009 zeigte.

York. Auch mit ihrem Bruder

schriebene Lieder mit armenisch-

Sergej, dem Geigenvirtuosen, hat

en Text, viele mit einem magischen

Im Dezember wird Arsen an

Lusine Konzerte gegeben und

Touch aus den 60er Jahren.

den

mehrere CDs eingespielt – zuletzt

Homepage von Emirsian:

beim Label naïve.

www.emirsian.com

erringen können. deutschen

Schachmeister-

schaften in Leipzig teilnehmen. Arsen begann mit 6 Jahren das

erhielt im Alter von vier Jahren

war sein Großvater. Zurzeit traini-

seinen ersten Klavierunterricht,

ert er im Schachclub Frankfurt TV jon Kletzerman, Hendrik Raab und Stefan Solonar. „Meine Lieblingsfächer in der Schule sind Physik und Mathematik. Physik ist das Beste!“, sagt Arsen begeistert. In seiner Freizeit spielt Arsen auch Tennis und trifft sich gern mit Freunden.

fand

tryan, 1985 in Jerevan geboren,

Schachspiel. Sein erster Lehrer

1860 bei den Schachlehrern Sem-

„Zusammenarbeit“

bevor er 1993 mit dem Saxo-

Konzert Papiers d’Arménies

phonspiel begann. Seit 2000 wird er von Prof. Daniel Gauthier auf dem Saxophon unterrichtet, seit

Die in Frankreich beheimatete Gruppe

“Papiers

Musikpreis Koryun Asatryan

d’Arménies”

spielte populäre Musik aus Arme-

dem Wintersemester 2002/03 im Vollstudium an der Hochschule für Musik Köln. Er hat erfolgreich

nien und dem Mittelmeerraum.

Der Bandleader Dan Gharibian,

Der Saxophonist Koryun Asa-

Tourneen

absolviert und mit verschiedenen

und

Festivalauftritte

vom Band “Bratsch” trat diesmal

tryan erhielt den diesjährigen

renommierten Orchestern zusam-

zusammen mit seiner Tochter Ma-

mit 10.000 Euro dotiert Musik-

men gearbeitet. 2005 erschien die

cha, einer ausgebildeten Jazzpia-

preis des Verbandes der Deutschen

erste CD „Saxophon Caprices“

nistin, auf.

Konzertdirektionen. Koryun Asa-

(Hänssler Classic).

11/2009 Siramak Siramarg

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Buchtipps

In Memoriam Hrant Dink In Gedenken an den armenischen Intellektuellen und Gründer der Wochenzeitung AGOS Hrant Dink fand im Oktober 2008 eine Lesung mit anschließendem Gespräch im Haus der Kulturen der Welt in Berlin, in Zusammenarbeit mit der Internationalen Hrant Dink Stiftung, Istanbul, dem Verlag Hans Schiler, Berlin, und dem internationalen literaturfestival berlin, statt. Wer Hrant Dinks Texte liest, sieht gleich, dass er im guten Sinne ein Radikaler war. Die Texte erzählen davon, dass eine andere Welt möglich ist. Hrant Dink sprach über Kopftuch und Kurdenproblem, über die Türkei und die Europäische Union; und natürlich über die Armenier. Die Texte dieser Auswahl stammen fast ausschließlich aus der von Dink gegründeten Zeitung AGOS und wurden zwischen Mai 1996 und Januar 2007 verfasst. Hrant Dink schrieb nicht nur Berichte, Kommentare und Analysen. Sehr gerne schrieb er Geschichten, die sich zugetragen hatten, erzählte von seinem Leben und dem Leben anderer Armenier. Diese Stücke wirken wie Gleichnisse. Sie lassen dem Leser Raum, sich einzufühlen, und Zeit, eigene Schlüsse zu ziehen. Bei diesen Texten wird deutlich, wie sehr Hrant Dink auf die »Saat der Worte« vertraut hat. Hrant Dink „Von der Saat der Worte“ übersetzt von Günter Seufert Gebundene Ausgabe: 183 Seiten Verlag: Schiler Verlag (August 2008) ISBN: 3899302222 Preis: EUR 24,00

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Siramarg Siramak 11/2009

Politisches Buch Perry Anderson: Nach Atatürk

Die jetzt in deutscher Übersetzung erschiene Buch des britischen Historikers Perry Anderson beschreibt unerbittlich die 100jährige osmanisch-türkische Geschichte der ungebrochenen Ideologie des „Integrationsnationalismus“, der nicht nur als unüberwindbare Hürde vor einem EU-Beitritt steht, sondern auch vor der Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern. Andersons kritische Beschreibung zeigt wie sorglos Europas Politiker mit der Türkei umgehen. Der autoritäre Staat ist geblieben: Minderheiten gelten als Bedrohung, Demokratie ist mal erlaubt, mal verboten, Nordzypern bleibt besetzt, und überall im Land stehen die Denkmäler der Initiatoren des armenischen Völkermords. Kemals Reformen haben ein modernes Land hervorgebracht, aber den islamischen Konsens nie angetastet. Die Türken sind längst in Europa. Ihr Staat noch nicht. Aus dem Englischen von Joachim Kalka. Perry Anderson: Nach Atatürk. Die Türken, ihr Staat und Europa Berenberg Verlag, Berlin 2009 ISBN-10 3937834311 ISBN-13 9783937834313 Gebunden, 184 Seiten Preis: EUR 19,00

<ABAJR0|A DPROZ Miouj\an fa\kakan ,abaj7r\a dprozi4 pari 8 g;rman;r;n l;xwi (ca'afasn;ri famar) dasenjazn;re ,arounakwoum ;n am;n ,abaj 7r4 miouj\an fawaqat;[oum3 vame 15:30-18:30: Fasz;n1 Hamburger Allee 52a, 60486 Frankfurt

Armenische Samstagsschule Der Unterricht der armenischen Samstagsschule, der Tanzunterricht und der Deutschkurs für Erwachsene finden samstags von 15:30 bis 18:30 Uhr im Vereinstreffpunkt statt. Adresse: Hamburger Allee 52a, 60486 Frankfurt


Veranstaltungskalender No\;mb;r

D;kt;mb;r

Dezember

D;kt;mb;r

Weihnachtsfest

SOURB PATARAG

FANDIPOUM

TAR:MOUT

9Fa\ kana\q tarb;r m,akouja\in mi=awa\r;roum0

Miouj\an Fa\kakan ,abaj\7r\a dprozi san;ri masnakzouj\amb

No\;mb;ri 21-in4 ,abaj4 vame 17:30-in

D;kt;mb;ri 19-in4 ,abaj, vame 17:00-in

9Fa\ kana\q tarb;r m,akouja\in mi=awa\ r;roum0 ,arqiz1 9Fa\ kananz k \anqi irakanouj\oune Iranoum0! X;kouzo[3 qa[aqag;t4 sozialakan a,.ato[ Jalin Bafciwan7[lou! :wropakan hjnologia\i institout4 B;5lin! Fasz;n3 miouj\an fandipman wa\r1

TAR:MOUTI OURA> FAND:S3 Moutqe3 m;6;ri famar5€4 'oqr;ri famar (minc8 12 t1)- anwyar! Fasz;n3 Gemeindesaal der Ev. Gethsemane-Gemeinde Marschnerstr. 5, 60318 Frankfurt U-Bahn Haltestelle (U5) Glauburgstraße

Hamburger Allee 52a, 60486 Frankfurt

November Begegnung “Armenische Frauen in unterschiedlichen Kulturkreisen” Sonntag, 21. November , 17:30 Uhr Gegegnungen am Runden Tisch, Reihe: “Armenische Frauen in unterschiedlichen Kulturkreisen“. Erste Begegnung: „Lebenswirklichkeit armenischer Frauen im Iran.“ Moderation: Talin Bahcivanoglu, Politikwissenschaftlerin und Sozialarbeiterin, Institut für Europäische Ethnologie, Berlin. Adresse: Treffpunkt des Armenischen Kulturvereins, Hamburger Allee 52a, 60486 Frankfurt.

TAR:MOUTI OURA> ;R;KO D;kt;mb;ri 19-in4 vame 19:30-in Haus Kuhwald (Am Dammgraben 102, 60486 Frankfurt) 5;storani

srafoum miasnabar kn,;nq galiq Nor Tarin3 2010j1! Manramase t;[;kouj\ounn;r karo[ ;q stanal m;r int;rn;ta\in ka\qiz1 www.frankfurt.armenier. eu! Zankazo[n;rin

.ndrwoum h minc8 d;kt;mb;ri 1-e dim;l Iw;t Dou\akin f;t8\al hl;ktrona\in fasz;ow1 s.dujak@t-online.de 8 Ga5nik A\waxiin3 Garnik1957@yahoo.de:

Traditionelle Feier der armenischen Samstagsschule Samstag, 19. Dezember, 17:00 Uhr Auch in diesem Jahr findet traditionsgemäß das Weihnachtsfest unserer armenischen Samstagsschule statt. Der Unkostenbeitrag beträgt für Erwachsene 5,- Euro, für die Kinder (bis 12 J.) - frei. Adresse: Gemeindesaal der Ev. Gethsemane-Gemeinde Marschnerstr. 5, 60318 Frankfurt U-Bahn Haltestelle (U5) Glauburgstraße

Armenischer Sylvesterabend Donnerstag, 31. Dezember, 19:30 Uhr Unser Armenischer Silvesterabend findet im Restaurant Haus Kuhwald, Am Dammgraben 102, 60486 Frankfurt ein Silvesterabend statt. Nähere Informationen können von unserer Internetseite www.frankfurt.armenier.eu entnommen werden. Wegen großer Anfrage bitten wir Sie Plätze rechtzeitig bis zum 1. Dezember bei Frau Evet Dujak unter s.dujak@t-online. de und Herrn Garnik Aivazi unter Garnik1957@yahoo.de zu reservieren.

No\;mb;ri 13-in4 kiraki vame 12:00-in A\n kmatouzi Fog;,norf T1 S;rowbh Wardap;t Isa. an;ane3 talow 7rwa patgame! Sourb Pataragiz f;to fandipoum fama\nqi srafoum! Fasz;n3 ~rank`ourtFaoux;n ;k;[;zi Alt-Hausen 3-5, Frankfurt/M.-Hausen

Dezember Gottesdienst Sonntag, 13. Dezember, 12:00 Uhr Der Gottesdienst wird in der Ev. Kirche Hausen vom Hochw. Pfarrer Vardapet Serovpe Isakhanyan zelebriert. Nach der Messe – gemütliches Beisammensein im Gemeindesaal. Adresse: Alt-Hausen 3-5, Frankfurt-Hausen

Programmänderungen vorbehalten

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Tonir Armenier essen Brot mit fast allen Speisen, und die zwei traditionellen Brotsorten in Armenien sind Lavash und Matnakasch. Lavash ist besonders beliebt - das flache, in Kreis ausgerollte Brot, das im Tonofen â&#x20AC;&#x17E;Tonirâ&#x20AC;&#x153; im Boden gebacken wird.

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Armenische Küche

LAVASCH-BROT Rezept von Agavni Akyüz

Zutaten 1kg Mehl etwas lauwarmes Wasser etwas Salz

Zubereitung

1

Ca. 750g Mehl im lauwarmen Wasser und Salz kneten bis der Teig eine Konsistenz von einem Pizza-Teig annimmt.

2

Kleine Teig-Bällchen formen (in Mandarinen-Größe). Auf eine glatte Fläche etwas Mehl streuen, darauf die Bällchen stellen.

3 Foto: Agavni Akyüz

Die Bällchen mit der Hand flach ausrollen und darauf etwas Mehl streuen; dann mit einem Nudelholz soweit ausrollen, bis die Größe der Pfanne erreicht ist, in der der Teig ohne Öl braten soll.

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SIRAMARK Oktober  

Das Magazin des Armenischen Kulturvereins in Hessen e.V.

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