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Editorial

Kontakt SIM Schweiz Weissensteinstrasse 1 Pf 4051; CH-2500 Biel 4 Postfinance: SIM, 10-2323-9 IBAN: CH49 0900 0000 1000 2323 9 BIC POFICHBEXXX Tel./Fax ++41(0)32 345 14 44/54 sim.suisse@sim.org SIM Belgien Kontakt: Avenue de la Belle Voie 15 Bankkonto: 979-2238252-79 Kontakt: Avenue de la Belle Voie 15 BE-1300 Wavre Tel. ++32(0)10 22 50 98 sim.belgique@sim.org SIM Italien Via Rana,386 IT-15122 CASCINAGROSSA (AL) Kto: SIM Società Internazionale Missionaria Onlus n° 66281957 IBAN: IT18 R07601 10400 000066281957 Tel. ++39 0131 61 09 79 sim.italia@sim.org SIM Frankreich Quartier des Mians FR-84860 Caderousse CCP: SIM nº DIJ 201347U IBAN: FR22 2004 1010 0402 0134 7U02 508 Tel./Fax ++33(0)4 90 51 00 69 sim.france@sim.org SIM Canada - Québec 17 rue Alfred-Laliberté Notre-Dame-de-l´Ile-Perrot, QC, J7V 7P2 Tél./Fax: 514 425 6611 Quebec.Selection@sim.org Impressum «SIM heute» erscheint viermal im Jahr in Deutsch, Französisch und Italienisch. Ein Gebetsbrief erscheint in Spanisch. Jahresabonnement: CHF 10.–; € 6.–. Der Abonnementspreis ist in den Spenden des laufenden Jahres enthalten. Redaktion: Waltraud und Günter Kunz Grafik/Layout, Produktion: FRANK.COMMUNICATION. Singen (D) www.frank-com.de Druck: Jordi AG .das Medienhaus. Belp, www.jordibelp.ch Die SIM ist Mitglied der

und der

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Wir alle sollten Mobilisierer* sein! von Malcolm McGregor, internationaler Direktor Vor kurzem kam Liz und mir eine Ausgabe von „SIM heute“ aus dem Jahr 1985 in die Hände. Darin war ein Bild von uns mit einer Fussnote: „Kurzzeiter für Äthiopien für mindestens ein Jahr.“ (Ist Ihnen bewusst, dass die SIM von einem fortwährenden „Kurzzeiter“ geleitet wird?) Als wir uns bewarben, hatten wir ausschliesslich mit dem SIMBüro in England zu tun. Ich kann mich nicht daran erinnern, mit SIM-Äthiopien direkt Kontakt gehabt zu haben, und wir hatten auch nichts Derartiges erwartet. Doch die Welt hat sich in den vergangenen 25 Jahren drastisch verändert, speziell im Bereich der Kommunikation. Heute ist es so einfach und billig, mit Freunden, Familienangehörigen und Bekannten in der ganzen Welt verbunden zu sein. Das wirkt sich auch auf unsere Arbeitsweise aus. In den SIM-Einsatzländern steht man inzwischen in ausgiebigem Dialog mit möglichen Kandidaten, und davon geht ein Kandidat heutzutage aus. Aber könnten wir vom Einsatzland aus auch direkt neue Missionare anwerben? Viele Missionen tun das bereits. Und tatsächlich haben manche SIM-Einsatzländer ihre eigene Mobilisierungsstrategie entwickelt. Die Bingham Academy in Äthiopien hat eine Person, die sich gezielt um offene Stellen kümmert. Auch das Team in Malawi ist erfolgreich beim direkten Anwerben von Personal. Jesus und Paulus, die Mobilisierer* Sowohl Jesus als auch Paulus bezogen andere in ihren Dienst mit ein. In der Tat dienten Jesu erste Worte an seine Jünger dazu, sie für den Dienst zu mobilisieren. „Kommt, folgt mir nach“, sagte er, „ich will euch zu Menschenfischern machen“ (Matthäus 4,19). Im Leben von Paulus sehen wir in gleicher Weise diese Leidenschaft, andere für das Evangelium zu mobilisieren. Paulus war ständig dabei, sich Leute für sein Team auszusuchen: Leute, die er schulte und ausrüstete, damit sie fähig wurden, das Gleiche mit anderen zu tun. Für Jesus und Paulus war die Mobilisierung keine vom Evangelium getrennte Sache. In ihrer Art des Dienstes gingen Evangelisation und Jüngerschulung Hand in Hand. Und auf wunderbare Art beginnt Jesus mit der Jüngerschulung der 12 noch bevor sie zum Glauben an ihn kommen. Sie wurden rekrutiert, bevor sie eigentlich wussten, wer er war! Lassen Sie sich für Mobilisierung begeistern? Was bewegt uns, andere zu mobilisieren? Jesus wollte die Herzen seiner Jünger für die Mobilisierungsarbeit gewinnen. Ihm war es wichtig, dass sie die Menschen sehen, wie der Vater sie sieht: „erschöpft und hilflos wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Matthäus 9, 36-38). Und dass sie zu ihm rufen, „dass er Arbeiter auf sein Erntefeld schickt.“ Wir vernachlässigen, andere zu mobilisieren, wenn wir Gottes Werk auf unsere eigene Weise tun wollen und Mobilisierung als etwas betrachten, das unserem Dienst nur im Wege steht. Oder wenn wir sie als die Aufgabe anderer ansehen und uns nur auf uns selbst und unsere Erfolge konzentrieren. Jüngerschaft anders ausgedrückt Die wichtigsten Ressourcen für die SIM sind „Menschen, die sich einer radikalen Jüngerschaft verschrieben haben“, einer Jüngerschaft, die sich ausbreitet, indem sie andere für die Sache des Evangeliums rekrutiert. Bei der Mobilisierung geht es darum, in Menschen zu investieren: Durch Ausbildung, Schulung, Begleitung und Beratung sie dahin zu führen, dass sie selbst Initiative ergreifen. Eigentlich ist dies nur ein anderes Wort für Jüngerschaft. *Jemand, der andere für eine Aufgabe motiviert und in Bewegung setzt.


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Neue Initiativen

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Hilfe aus Äthiopien im ländlichen Pakistan von Clive Barker, Pakistan Die Marwari Bhils sind Landbewohner in der SindhProvinz und dem südlichen Punjab. Diese verarmten und ausgegrenzten Menschen haben sich für das Evangelium geöffnet. Aber leider kam die Arbeit der SIM aus Personalmangel für einige Jahre dort nahezu zum Erliegen. Missionare aus westlichen Ländern für Pakistan zu gewinnen wurde immer schwieriger. So fing das SIM-Team an, vermehrt für Bewerber aus Ländern zu beten, in denen eine Missionsbewegung gerade im Entstehen war. Im September 2006 kam die erste LangzeitMissionarsfamilie aus Äthiopien an. Es handelt sich um Mitglieder der „Ethiopian Kale Heywet Church“ (EKHC), dem Kirchenverband, mit dem die SIM zusammenarbeitet. Als solche brachten sie wertvolle Erfahrung aus der Gemeindegründung mit und kannten bereits die Arbeit der SIM. Das erste, was für Abera und Desta Ayele nach ihrer Ankunft in Pakistan auf dem Programm stand, war das Erlernen der Urdusprache. Schon bald konnten sie sich recht gut verständigen, was für einen effektiven Dienst die Grundvoraussetzung ist. Neuer Ansatz Der Neustart unter den Marwari war gleichzeitig die Gelegenheit, notwendige Änderungen in der Arbeitsweise der SIM in Pakistan vorzunehmen. Als erstes wurde der Name des SIM Projektes (PK 098075) von „Marwari Evangelisation“ auf „Marwari Gemeindegründung“ geändert. Wir beendeten Aktivitäten, die, obwohl sie viele Jahren liefen, nichts mehr brachten. Diese Änderungen waren für unsere pakistanischen Kollegen nicht immer leicht zu verstehen, doch später lernten sie die eigentlichen Gründe wirklich schätzen. Bei der Grundidee des neuen Projektes soll nach jungen Männern mit Leiterschaftsgaben gesucht werden, um sie für Gemeindegründung zu schulen. Von Beginn an legten wir Wert darauf, dass niemand bezahlt wird – tatsächlich wurde nur aufgenommen, wer finanziell unabhängig war. Im Moment sind 20 Männer in der Ausbildung, die alle aus verschiedenen Dörfern der Gegend stammen.

Abera und Desta Ayele mit ihren Kindern William and Pervez.

Verlorene Zeit aufholen In der Zwischenzeit ist ein zweites äthiopisches Ehepaar angekommen. Nach dem Sprachstudium wird es in der Jüngerschulung eingesetzt, um die Arbeit unter den Marwari zu stützen. SIM-Pakistan fragte neulich die EKHC an, ob sie nicht noch zwei weitere Ehepaare senden könnte. Diese wurden inzwischen ausgewählt und werden sich, sobald sie ihr Missionarsvisum erhalten, auf den Weg nach Pakistan machen. Eine wichtige Verstärkung für die Arbeit. Ihre Mithilfe wird dazu beitragen, die verlorene Zeit aufzuholen, als keine Vollzeitkraft zur Verfügung stand, um das Ganze zu leiten. Vor 25 Jahren errichteten SIM-Missionare in Zusammenarbeit mit der Pakistan Christian Fellowship (PCF) eine Missionsstation in Ghotki, einer Stadt im Norden der Sindh-Region. Trotz des Widerstands vor Ort – viele wollten nicht, dass Christen sich bei ihnen breit machen – wurden eine kleine Kirche und zwei Missionarshäuser errichtet. Die Ortsgemeinde besteht bis heute, aber die SIM war lange nicht in der Lage, Personal zur Verfügung zu stellen, um die Evangelisationsarbeit zu unterstützen. Inzwischen sieht sich SIM-Pakistan wieder in der Lage, nach 12 Jahren Abwesenheit zu überlegen, wie sie ein weiteres Zentrum für den Dienst unter den Marwari wiedereröffnen kann – in einem Gebiet, wo grossartige Möglichkeiten für die Gemeindegründung bestehen.

Abera Ayele und Abraham Choi rekrutieren EKHC-Missionare für Pakistan an der Durame Bibelschule in Äthiopien.

Zur Zeit ist die Tür weit offen für die Arbeit unter Menschen mit hinduistischem Hintergrund im südlichen Punjab und nördlichen Sindh. Die PCF möchte weiterhin mit uns zusammenarbeiten, und erstaunlicherweise erhalten wir immer noch Missionarsvisa für derartige Dienste. SIM-Pakistan sucht Evangelisten, Bibellehrer, Mitarbeiter für die Jüngerschulung, Bibelübersetzer und auch eine Person, die ein Berufschulzentrum leiten kann. Könnten Sie sich vorstellen, sich dem Gemeindegründungsteam im ländlichen Pakistan anzuschliessen? Sie sind herzlich willkommen!


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sania n a T n i e h Kirc

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Wunder in Mitwero von Tabitha Plueddemann “Wir wurden als Christen geboren. Sie wurden in eine andere Religion geboren, dann lasst sie auch in ihrer Religion sterben.“ Diese Einstellung war tief verankert bei der christlichen Minderheit an der Südküste von Tansania. Die Ankunft von japanischen Missionaren hat das alles geändert. Tan und Izumi Shimizu kamen 2002 in Lindi, Tansania, an. Sie begannen die Lage zu erkunden und die örtlichen Gemeinden herauszufordern, ihre Sicht zu ändern und ihren Nachbarn von Jesus zu erzählen. Mit diesem Gedanken stiessen sie jedoch auf heftigen Widerstand. Allerdings nur so lange, bis die Gemeinde von Rev. Kengela sich als erste für die neue Idee begeistern liess. Zu Beginn des Jahres 2005 besuchten der SwaheliPastor und ein paar Gemeindemitglieder zusammen mit Tan Shimizu ein Dorf namens Mitwero. Ganz anders als in anderen Dörfern fragten die Leute hier sofort nach Bibeln. Das war der Start für eine wöchentliche Evangelisationsversammlung. Ein Jahr später machte sich ein Mann aus Mitwero auf die Beine, um jeden Sonntag den einstündigen Marsch nach Lindi zur Kirche zu unternehmen. 2007 bekannte dieser Mann zusammen mit drei seiner Freunde öffentlich seinen Glauben durch die Taufe. Das Ereignis fand an einem unberührten Küstenstreifen am Indischen Ozean statt. „Sie behielten ihren Glauben nicht für sich“, berichtet Tan. „Sie begannen sofort damit, ihren Familien, Freunden und Nachbarn davon zu erzählen.“ Im darauffolgenden Jahr wurden drei weitere Personen getauft, alles Freunde der ersten Gruppe. 2009 liessen sich sechs Männer und Frauen taufen, Familienmitglieder und Nachbarn der beiden ersten Gruppen. Gemeinde bauen Wegen des weiten Weges in die Stadt ermutigten die Shimizus die wachsende Gruppe, in Mitwero Gottesdienste abzuhalten. „Aber erwartet nicht von uns, dass wir ein Kirchengebäude finanzieren“, stellte Tan klar.

Tan und Izumi Shimizu mit Familie

„Helft euch gegenseitig beim Bauen.“ Schon bald stellte ein Mann einen Platz in seinem Hof zur Verfügung. Mit vier Holzpfosten und einem Dach aus leeren, zusammengehefteten Zementsäcken wurde ein einfacher Unterstand errichtet. Als die jungen Gläubigen sich zum Bibelstudium und zum Gottesdienst versammelten, hätte es in einer Kathedrale nicht herrlicher sein können. Später bauten sie den Unterstand noch etwas aus. Heute steht ein strohgedecktes Gebäude aus sonnengetrockneten Lehmziegeln da, das mit Hilfe der Stadtgemeinde von Rev. Kengela gebaut werden konnte. Das ist nur ein Beispiel für die Liebe und Fürsorge unter den Gemeinden Natürliche besteht die wahre Gemeinde nicht aus Ziegeln und Stroh, sondern aus den Gläubigen in Mitwero. Die Baumaterialien sind die Swaheli-Bibel und die lebendige Gegenwart des Heiligen Geistes, die durch eine visionäre Zusammenarbeit zwischen den Shimizus und Rev. Kengela nach Mitwero kamen. Von Japan nach Tansania Tan Shimizu stammt aus Japan, einem der am wenigsten christlichen Länder der Erde. Tan ist Sohn eines Pastors und erhielt die Berufung in die Mission noch während seiner Schulzeit. Izumi wuchs in Indonesien auf, als Tochter von japanischen Missionaren. Die beiden trafen sich in Japan an der

Universität in Osaka. Nach ihrer Hochzeit dauerte es Jahre, bis sie eine Mission fanden, die bereit war, Japaner auszusenden. Im Jahr 2000 wurden sie dann von der SIM übernommen, um in Ostafrika zu wirken. Nach einem Reise- und Besuchsdienst in über 150 japanischen Gemeinden wurden sie zur Missionsarbeit ausgesandt. Die Vision der Shimizus ist eine reife, blühende Gemeinde an der tansanischen Küste. Doch sie sehnen sich auch danach, dass mehr Missionare von Japan nach Tansania gesandt werden und dass tansanische Missionare nach Japan kommen. Dr. Howard Brant, Beauftragter in der SIM für neue Missionsinitiativen, unterstützt sie in dieser Sichtweise, wenn er sagt: „Die SIM ist nicht nur eine Mission, die Gemeinden gründet sondern auch eine Mission zur Gründung von Missionen.“ Dass sich Tans und Izumis Lebenslinien miteinander und dann auch noch mit der von Rev. Kengela vereinigt haben, ist kein Zufall. Jeder trägt mit seinen speziellen kulturellen Kenntnissen zu dem gemeinsamen Anliegen bei, muslimisch geprägten Swahelis zu helfen, Jesus zu entdecken und ihn anzubeten. Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende, wenn Gott Gnade schenkt und viele sich von dem Anliegen, das die Shimizus und Rev. Kengela verbindet, anstecken lassen.


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sania n a T n i e h www.sim.ch K i r c Mit vier Holzpfosten und einem Dach aus leeren, zusammengehefteten Zementsäcken wurde ein einfacher Unterstand errichtet. Als die jungen Gläubigen sich zum Bibelstudium und zum Gottesdienst versammelten, hätte es in einer Kathedrale nicht herrlicher sein können. kreativer Bearbeitung

2007 bekannten vier Männer öffentlich ihren Glauben durch die Taufe. Das Ereignis fand an einem unberührten Küstenstreifen am Indischen Ozean statt.

Gebet • Dass Gott den Menschen in Mitwero das Herz für sein Wort öffnet • Dass der Herr die jungen Gläubigen in Mitwero beschützt und ihren Glauben mehrt (einige kommen aus muslimischem Hintergrund, andere aus einem katholischen oder animistischen Umfeld) • Dass ihre Bemühungen, das Nachbardorf Kikwetu mit der Guten Nachricht zu erreichen und dort eine weitere Gemeinde zu gründen, erfolgreich sind. • Dass Gott Rev. Kengela und seine Gemeindemitglieder reich segnet für ihren Einsatz für die neu entstandene Gemeinde. • Dass Gott die bestehenden Gemeinden in Lindi ermutigt und beauftragt, die noch Unerreichten zu erreichen. • Dass Gott mehr Missionare zu denen sendet, die sein Wort hören wollen.

Wussten Sie schon? Obwohl Muslime die Gottheit Jesu ablehnen, staunt man möglicherweise über vieles, was sie von ihm (im Koran unter dem Namen Isa) glauben. Hier ein paar Beispiele: • • • • •

Jesus wurde von einer Jungfrau geboren. Jesus vollbrachte viele Wunder. Jesus kommt vor dem Ende der Welt auf die Erde zurück. Jesus wird als einer der sechs wichtigsten Propheten angesehen, die je gelebt haben. Der Koran verleiht Jesus Titel wie “Messias”, “der Geist von Gott”, “das Wort Gottes” und “das Wort der Wahrheit”.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, was der Koran über Jesus lehrt, dann hilft Ihnen das Buch von Mateen Elass, Understanding the Koran (Zondervan 2004)

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Kurzeinsat

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Der Abschied wird noch härter sein von Clare McBrien, Peru zu begleiten. Sie führte mich an aggressiven Hunden vorbei, am Rand von Felsklippen, sehr steile Stufen hinauf, schliesslich an weiteren bissigen Hunden vorbei und noch steileren Stufen hinunter zu ihrem Haus mit drei Zimmern, wo sie mit ihrer Mutter und vier Geschwistern wohnt. Ihre Mutter zeigte sich ganz überrascht, dass ich sie heimbegleitet hatte, und meinte, dass ihre Tochter sehr wohl in der Lage wäre, allein nach Hause zu gehen. Ein Drittel der neun Millionen Einwohner von Lima lebt in solchen Häusern, die aus Schilfrohr gebaut sind, mit einem Lehmboden, ohne Elektrizität und oft ohne fliessendem Wasser. Gott benutzt die Williamsons und die Wielands, um diese Viertel zu erreichen und die einheimische Gemeinde zu lehren, wie sie ein Licht in dieser Dunkelheit sein kann, wenn sie Kindern wie Estephania und Katty helfen. In dem Jahr meines Kurzeinsatzes wurde mein Herz vollständig gebrochen für die Kinder, Teenager und jungen Erwachsenen, die ich hier kennen gelernt habe.

“Clare, das ist ja wie bei diesen verrückten Rennen im Fernsehen!“ Meine Mutter, die mich besuchen kam, traf ins Schwarze bei der Beschreibung des Alltags, an den ich mich so gewöhnt hatte. Ich hatte ganz vergessen, welche Angst es macht, wenn man sich nach der Ankunft in Lima zum ersten Mal in den Verkehr stürzen muss. Ich hatte mich entschieden, in meinem Kurzeinsatz den SIM-Missionaren Bill und Jean Williamson aus UK und Martin und Susana Wieland aus der Schweiz zu helfen, die in den peruanischen Slums Huaycan und La Campinã arbeiten. Doch ich hatte keine Idee davon, auf welche Höhen und Tiefen ich mich da einlassen würde. Schon bei meiner Ankunft wurden meine romantischen Vorstellungen vom Missionarsleben gehörig durcheinander geschüttelt. Es fiel mir nicht leicht, mich an die combis asesinos (einheimische Busse, die zu Hause auf den Schrottplatz gehören würden) zu gewöhnen, mich mit meinen begrenzten Spanischkenntnissen zu verständigen und mich mit den regelmässigen Anfällen von Nahrungsmittelvergiftung herumzuschlagen. Doch Gott machte es mir ganz deutlich, als ich meinen Fuss auf dem Boden von Huaycan setzte, dass er mich hier haben wollte, und dass er zu mir stehen würde. In meiner Heimatgemeinde in Glasgow, Schottland, singen wir oft einen Chorus mit den Worten: „… brich mir das Herz mit dem, was dir das Herz bricht.“ Bisher hatte

ich die Warnung nie ganz verstanden: „Sei vorsichtig mit dem, wofür du betest!“ In dem Jahr meines Kurzeinsatzes wurde mein Herz vollständig gebrochen für die Kinder, Teenager und jungen Erwachsenen, die ich hier kennen gelernt habe. Das Gefühl der Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit, gemischt mit einer riesigen Liebe für diese Menschen, hat mich oft fast zur Verzweiflung gebracht. Eine der schwersten Lektionen, die ich lernen musste, ist die Menschen zu lieben, wie Jesus uns liebt. Und dann, am Ende des Tages, sie wieder zu verlassen und der Hand Gottes anzubefehlen. Von den vielen Erlebnissen, die ich erzählen könnte, möchte ich nur eines herausgreifen.

Gottes Treue Inzwischen geniesse ich die “verrückten” Busfahrten nach Huaycan und zurück sowie die lärmige Geschäftigkeit der Stadt. Und ich kann mich in Spanisch gut verständigen. Gott hat mir seine Treue gezeigt, indem er mir immer das gab, was ich gerade brauchte: von Nahrung und Freunden bis hin zur seelischen und geistlichen Energie. Ich werde bald nach Schottland zurückkehren. Eines weiss ich: Der Abschied nach diesem schweren und doch wertvollen Jahr wird noch viel härter sein als die Ankunft hier.

Licht verbreiten Die dreijährige Estephania ist gewöhnlich die erste, die beim Projekt „Mittagstisch mit Hausaufgabenhilfe“ in der Kirche von Huaycan eintrifft, immer schmutzig, mit laufender Nase, schlecht gekleidet und mit ungekämmtem Haar. Wenn sie aufs Klo muss, geht sie einfach auf die Strasse, weil sich ihr Haus weit oben auf dem steilen Berg befindet. Ihre Mutter überlässt sie der achtjährigen Schwester Katty, die aber nur auf sie aufpassen kann, wenn sie von der Schule zurück ist. Katty, die das erste Schuljahr zwei Mal wiederholt hat, kann kaum lesen oder schreiben und gibt bei den Hausaufgaben schnell auf. Martin Wieland mit Kindern des Projekts

Eines Tages wollte Estephania nach Ende des Projekts nicht nach Hause gehen. So blieb mir nichts übrig, als sie


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AIDS - er d Waisenkin

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Kleines Mädchen im grünen Kleid von Ryan Hannah, Malawi Heute wurde mir Damales vorgestellt. Das kleine Mädchen in dem grünen Kleid ist gerade mal zwei Jahre alt und nicht ganz sicher, was es von dem grossen, weissen Kerl halten soll, der sich für sie interessiert. Die Geschichte von Damales ist nicht aussergewöhnlich. Vor zwei Jahren starb ihr Vater, und ihre Mutter heiratete wieder. Als die Frau krank wurde, liess sie der neue Ehemann im Stich. Letzten Monat ist Damales Mutter gestorben. Nun bleibt sie mit ihren vier Geschwistern und ihrer blinden Grossmutter allein zurück. Der Älteste unter den Geschwistern ist ein Junge, der in die achte Klasse geht. Diese Konstellation bezeichnet man heute als „von Waisen geführter Haushalt“. Die Tatsache, dass man dafür eine Kategorie eingerichtet hat, verrät etwas über die Häufigkeit.

Unsere Kinder haben diese Woche Ferien, und so begleitet mich unser 13-jähriger Caleb, um einem Besucher eines unserer drei Waisen-Projekte zu zeigen, das ungefähr eine Stunde südlich von Blantyre liegt. Es ist mein erster Besuch in Phingo, wo das Projekt letztes Jahr begonnen wurde. Ich war schon früher in der Gegend zu Predigtdiensten, und noch öfters in den Jahren 2002 und 2003, als wir ein grosses HungerhilfeProjekt dort hatten.

In der Vorschule schauen wir zu, wie die Kinder Zahlen, Buchstaben und Lieder aufsagen. Dann gehen sie nach draussen, um Spiele ähnlich dem „Der Fuchs geht um“ zu spielen. Sie nennen es „Hyäne und Ziege“. Die Kinder nehmen sich an der Hand und bilden einen Kreis. Derjenige, der als Ziege bestimmt wird, bleibt im Kreisinneren, während die Hyäne sich ausserhalb des Kreises oder Zauns aufhält. Die Ziege muss eine Stelle wählen, an der sie unter einem Armpaar hindurchschlüpft, aussen um den Kreis herumläuft und versucht, wieder in den Kreis zu kommen, bevor sie von der Hyäne gefangen wird. Nach dieser Spielrunde bekommen die Kinder ihre Mahlzeit: einen mit Vitaminen angereicherten Haferbrei.

Dann gehen sie nach draussen, um Spiele ähnlich dem „Der Fuchs geht um“ zu spielen.

Das Waisen-Projekt unterhält eine Vorschule für Kinder unter fünf Jahren, hilft den Waisen in ihren praktischen Bedürfnissen und vergibt Stipendien an einige Sekundarschüler. Heute besuchen wir die Vorschule und zwei Haushalte im Dorf. Gerald Chisale, der Projekt-Koordinator, verhandelt hart mit den Dorfgemeinschaften, in die wir gehen, um sicher zu gehen, dass sie sich selbst daran beteiligen und Einsatz zeigen. Sowohl das Gebäude der Vorschule als auch die Küche für die Ernährung der Kinder wurden von der einheimischen Bevölkerung errichtet. Sie wirken auch mit bei der Auswahl der Waisen, die am dringendsten Hilfe benötigen.

Nach dieser Spielrunde bekommen die Kinder ihre Mahlzeit: einen mit Vitaminen angereicherten Haferbrei.

Als wir so durch das Dorf gehen und die Leute in ihrem Zuhause besuchen, frage ich meinen Sohn Caleb, was er über Damales und ihre Familie denkt. Er meint, dass es wirklich schlimm sei, beide Elternteile zu verlieren, und überlegt, dass er etwa gleich alt ist wie Damales Bruder, der nun verantwortlich für seine drei Schwestern und seine Grossmutter ist. „Das wäre wirklich sehr schlimm“, sagt Caleb. Er ist sehr beeindruckt, als er mitbekommt, dass der Junge – trotz der widrigen Umstände Klassenbester ist. Als wir uns fertig machen, um Phingo wieder zu verlassen, habe ich gemischte Gefühle. Ich bin froh, dass eine Gruppe von Helfern da ist, die nach Damales und ihrer Familie schaut. Ich bin froh, dass sie Nahrungsmittel haben, dass für die Kinder Schuluniformen genäht werden und dass Damales und eine ihrer Schwestern die Vorschule besuchen. Traurig stimmt mich jedoch der Gedanke, dass es in Malawi viele andere Gebiete gibt, die nicht so gut dran sind.

Letzten Monat ist Damales Mutter gestorben. Nun bleibt sie mit ihren vier Geschwistern und ihrer blinden Grossmutter allein zurück.

Der älteste von den Geschwistern ist ein Junge, der in die achte Klasse geht. Diese Konstellation bezeichnet man heute als „von Waisen geführter Haushalt“.

Vor kurzem wurde ein neues Projekt an einem vierten Ort in Malawi begonnen. Beten Sie, dass es sich gut entwickelt und dass die nötigen Mittel dafür zusammenkommen.


us a e r a n o i s s Mi ion unserer Reg

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Das Leben mit Nomaden teilen von Thomas Simon, Frankreich

Schwester Sonja Dürrenmatt

Als junge Frau will Sonja bedürftigen Menschen helfen und macht eine Krankenpflegeausbildung. Ihr Traum: mit Mann und Kindern in Ostasien arbeiten. Doch es kommt anders. Während einer Predigt versteht sie, dass sie Gott ihr ganzes Leben als Diakonisse zur Verfügung stellen soll. Zunächst sträubt sie sich gegen diesen Gedanken und versucht, dem Reden Gottes zu widerstehen. Diese Abwehrhaltung geht so weit, dass sie bei ihr Fieberschübe auslöst. Doch in ihrem tiefsten Inneren ist ihr, die mit fünfzehneinhalb Jahren Gott ihr Leben übergeben hatte, klar: Wirklich glücklich kann sie nur sein, wenn sie den Weg geht, den er führt. Sie lässt sich auf diesen Weg mit Gott ein. 1968 wird sie als Riehener Diakonisse eingesegnet. Fünf Jahre bleibt sie in der Schweiz. Dann reist sie nach Kamerun und arbeitet dort 20 Jahre als Krankenschwester. Seit acht Jahren lebt sie nun im Niger bei verschiedenen Grossfamilien der Wodaabe-Nomaden.

Gebet • • •

Dass Wodaabe-Gemeinden entstehen, die fest in Gottes Wort und Seiner Liebe verwurzelt sind. Dass Lösungen gefunden werden, um den Wodaabe bei den verheerenden Folgen des Klimawandels zu helfen. Dass neue Missionare die herausfordernden Aufgaben übernehmen, wenn Sonja den Niger verlässt.

Video über Schwester Sonja Dürrenmatt im Internet www.sim.ch/sim/chdsite/home.htm

Am Südrand der Sahara, in der Sahelzone, liegt das Land Niger. Der Wüstenstaat ist circa 30 Mal so gross wie die Schweiz und gehört nach Angaben der UN zu den ärmsten Ländern der Erde. Dort lebt die Riehener Diakonisse Schwester Sonja Dürrenmatt. Sie bringt den Wodaabe-Nomaden Lesen und Schreiben bei und vermittelt Hoffnung, wo Menschen panische Angst vor Geistern haben. Irgendwo im Norden des Wüstenstaates Niger, in einem Dorf der Wodaabe-Nomaden, weit ab von jeglicher modernen Zivilisation, lebt die Riehener Diakonisse Schwester Sonja Dürrenmatt. Im Moment bewohnt sie eine Rundhütte, normalerweise lebt sie im Zelt. Auf drei Metern Durchmesser: Schlafplatz, Küche und Wohnraum. Am Rand ein Eimer mit Wasser aus dem Brunnen. Mittags kocht sie sich eine Kleinigkeit, abends isst sie, was die Wodaabe ihr bringen. „Ich lebe hier im Staub mit sehr beschränktem Speiseplan. Ich schränke mich ein, weil ich bewusst nicht will, dass ich mehr als die anderen habe. Aber ich empfinde es nicht als Opfer.“ Der ständige Wind peitscht den Sand überall hin. Kein Reissverschluss, kein Kleidungsstück, kein Gefäss hält das lange aus. Noch bevor es richtig hell wird, beginnt Sonja den Tag mit einer Gebetszeit. Dabei bereitet sie sich auch auf die Andacht mit ihren Schülerinnen und Schülern vor. Einige haben die gleichen Bibelverse zu lesen bekommen. Zusammen sprechen sie darüber, was sie für den Tag und die Woche bedeuten könnten. Der traditionelle Glaube der Wodaabe ist eine Mischung aus Islam und Geisterglaube. Böse Geister und Zauberei haben früher ihren Alltag bestimmt. Heute beginnt jeder Morgen mit einem Bibelstudium. „Sie haben erlebt“, berichtet Sonja, „wie Jesus in ihr Leben gekommen ist, wie er sie frei gemacht hat von der Angst vor Geistern. Sie hatten eine fürchterliche Angst vor Geistern. Am Abend, sobald es dunkel wurde, wäre keiner mehr in das Wäldchen gegangen, selbst wenn er deshalb ein Tier verloren hätte. Sie hatten einfach Angst. Doch sie haben erlebt, dass Jesus sie von der Angst frei gemacht hat.“

Eine Gruppe von Mädchen formiert sich und bewegt sich in kleinen Tanzschritten zu den Liedern, die sie anstimmen. Ihr Ausdruck im Tanz und im Singen, und auch ihre Art zu beten, macht die Freude deutlich, die an Stelle der Angst vor den Finsternismächten in ihr Leben getreten ist. Seit zwei Jahren lebt Schwester Sonja im Clan von Diyowa. Früher war er wegen seiner Gewalttätigkeit gefürchtet. „Ich bin meiner Wut nicht mehr ausgeliefert“, bezeugt er. „Jesus hat mir Frieden und Freude in mein Herz gegeben. Mit meinen Frauen und den Kindern komme ich besser aus als früher. Wir besprechen Probleme jetzt gemeinsam. Die Mächte der Finsternis beschwöre ich nicht mehr. Der Glaube an Jesus Christus hat mich verändert.“ Vor einigen Jahren hat Schwester Sonja bei der Grossfamilie von Ahmat gelebt, zusammen mit drei Frauen und den 17 Kindern. Sie hat alle in Lesen und Schreiben unterrichtet und ihnen das Evangelium von Jesus Christus nahe gebracht. Ahmat erinnert sich: „Wir wussten nicht, dass es einen Erlöser gibt. Jeder hat gemacht, was er für richtig hielt. Doch dann hat Gott begonnen, sein Wort auszusäen. Seit ich Jesus Christus kenne, habe ich keine Angst mehr, dass mich Geister plagen. Ich danke Gott, dass Schwester Sonja zu uns gekommen ist und uns das Wort Gottes erklärt hat.“ Etwa 80 Prozent der Bevölkerung im Niger sind Analphabeten. Jeden Tag unterrichtet Schwester Sonja Lesen und Schreiben, um die Chancen für ihre Wodaabe zu verbessern. Sie ist jetzt 68 Jahre alt. Acht Monate will sie noch hier bleiben, bevor sie ganz in die Schweiz zurückkehrt.

Ahmat ist zuversichtlich: „Auch wenn Schwester Sonja uns verlässt, wird die Freude bleiben. Der Geisterglaube hat uns geknechtet, Jesus hat uns frei gemacht. Das werde ich weitersagen. Wir haben Bibeln und können alles selbst nachlesen. Die Freude an Jesus und an Gottes Wort wird bei uns bleiben.“ Schwester Sonja freut sich über die Veränderung, die stattgefunden hat: „Wenn man bedenkt, dass im Mai 2006 hier noch alles Finsternis war. Es gab keinen einzigen Christen, niemand, der das Evangelium gehört hat. Was bis heute geschehen ist, das ist für mich einfach jeden Tag ein neues Wunder.“


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Zeitschrift der SIM International (Suisse)

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