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CHECK # the art of services

BUSI N ESS M AGA ZI N E BY SI M ACEK

Cover -Story

BAU-JUWELE

Gebäude mit Kunstwert: Warum sie bei ihrer Errichtung nicht nur auf Begeisterung stießen

CHECK Winter 2020/Früh j ahr-Sommer 2021

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KUNST MIT DISTANZ

Die neuen Anforderungen für Event-Locations SEITE 26

HISTORISCHE REINIGUNG

Eine Zeitreise vom Schrubber bis zum Saugroboter SEITE 48

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Facility Services im Überblick Facility services overview Integriertes Facility Management and Services

Fassadenreinigung Facade cleaning

24/7/365 Betriebsverpflegung Care catering

Verkehrsmittelreinigung Public transport cleaning Büroreinigung Maintenance cleaning Innenhof-Übernetzung, Dachrinnenreinigung, Holz- & Bautenschutz Patio protection, roof gutter cleaning, wood & building protection

Waschraumhygiene Toilet facility services

Taubenabwehr Pigeon defence

Facility Managemen Facility management

Hauswartservice & Winterdienst Caretaker service & winter maintenance

Rattenbekämpfung Rat infestation

Abfallentsorgung Waste management

Portier, Empfang Concierge & reception service

Security Guard, Werkschutz Plant protection

SIMACEK Facility Management Group Ignaz-Köck-Straße 8, 1210 Wien T. +43 1 211 66-0  simacek@simacek.at  www.simacek.com


Industriekletterer Industrial climber

Dachbegrünung Roof landscaping

Sonderreinigung Specialist cleaning

Höhenarbeit Working at heights

Interner Transport & Logistik Industrial transport & logistics

Lagerbewirtschaftung Depot management

Industriereinigung Industrial cleaning

Klinik- & Reinraumhygiene Hospital hygiene & cleanroom services

Technische Services Technical services

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Sicherheitskonzepte Security concepts

Sicherheit, Bewachung & Prävention Security, site monitoring & prevention

Grünraumservice Tending & maintaining green spaces

Schädlingsbekämpfung Pest control


Die Digitalisierung macht auch vor der Immobilienbranche nicht Halt und gerade PropTech und Building Information Modeling (BIM) sind derzeit in aller Munde. Doch sind sie auch schon auf dem Markt angekommen?

IMMO GOES DIGITAL – SMARTE LÖSUNGEN SPAREN ZEIT UND RESSOURCEN

„Trotz aller Aufmerksamkeit, die diese neuen Technologien und Möglichkeiten für die Immobilienbranche gerade erfahren, werden sie noch lange nicht flächendeckend eingesetzt,“ betont Bernd Winter, Leiter des Branchencenters Immobilienunternehmen bei BDO. „Viele Unternehmen haben die Digitalisierung zwar bereits in ihrer Strategie verankert, die Umsetzung erfolgt meiner Erfahrung nach momentan aber vor allem in einzelnen Projekten. Neben der Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den neuen Anwendungsmöglichkeiten ist vor allem die noch nicht vorhandene Standardisierung von Prozessen und Daten ein Hindernis,“ ergänzt Christoph Pramböck, Leiter des Competence Center Immobilienbewertung bei BDO.

C H R I S TO P H P R A M B Ö C K Partner +43 1 537 37 328 christoph.pramboeck@bdo.at

BERND WINTER Partner +43 1 537 37 406 bernd.winter@bdo.at

Es gibt bereits die Möglichkeit, das Belegwesen durch die Digitalisierung und seine elektronische Weiterverarbeitung zu optimieren. Außerdem kann nicht nur die Buchhaltung zu großen Teilen automatisiert werden. Die standardisierte und optimierte Verarbeitung dieser Daten ermöglicht in weiterer Folge eine zeiteffizientere Immobilienanalyse. Das RealTime-Reporting gibt jederzeit einen realen Blick auf die Auslastungsdaten eines Objekts und fließen in ein innovatives Managementsystem der Mieter- und Lieferantenstammdaten inklusive Zahlungsmodalitäten ein. Dieses erleichtert nicht nur aufgrund der gemeinsamen Datenbasis die interne Abstimmung, sondern vereinfacht auch die Liquiditätsplanung.


IHRE CHANCEN MIT DER DIGITALISIERUNG ► Mindestens doppelt so schnelle Abarbeitung der laufenden Belegverarbeitung ► Fast-Close-Reports (bereits am 5. des Folgemonats) ► Individuelle Dashboards mit finanzwirtschaftlichen Kennzahlen pro TOP/Objekt/Gesellschaft ► Liquiditätsplanerstellung innerhalb weniger Minuten

Photo by BDO/Vanessa Hartmann-Gnong

Darüber hinaus unterstützt BDO im Bereich des Immobiliencontrollings und der -kostenrechnung, indem eine dynamische Lebenszyklusbetrachtung des Objekts erstellt wird, die einerseits generell bessere Planung, andererseits frühzeitige Strategieanpassung bei zu erwartenden Problemstellungen ermöglicht. Das von den BDO Immobilienexperten durchgeführte Bechmarking gibt Kundinnen und Kunden genügend Zeit, auf neue Trends am Markt zu reagieren und die Kennzahlenimplementierung mit inkludierten Abweichungsanalysen bringt eine vereinfachte und rasche Erkennung von Schwachstellen mit sich. „Wir bei BDO verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz: Von der steuerlichen und wirtschaftlichen Beratung bei Immobilientransaktionen über die Entwicklung von Finanzierungsmodellen bis hin zu einer Palette von Services, die das Day-to-Day Business in der Immobilienberatung optimieren und erleichtern – bei uns erhalten unsere Kundinnen und Kunden alles aus einer Hand“, betont Bernd Winter.


# inhalt

INHALT # coverstory

10 GEBÄUDE MIT KUNSTWERT

Historische Gebäude als echte Ikonen.

# sauberkeit

48 HISTORIE DER REINIGUNG

Die Geschichte der Hausreinigung vom Reisigbesen bis zum Roboter-Staubsauger.

# haus der industrie

20 MARMOR UND KRONLEUCHTER Facility Management vor besonderen Herausforderungen.

# streetart

54 BUNTE WÄNDE

Die Ansichten über Graffiti haben sich mittlerweile fundamental verändert.

# kleinkunst

26 BÜHNEN IN KRISENZEITEN

Kleinkunstbühnen müssen durch Corona weitere Anforderungen stemmen.

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# krisen

60 KRISENMANAGEMENT

Firmen müssen in einer Krise schnell reagieren.

# corona

NEUE HERAUSFORDERUNGEN

Facility Management im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

# secession

66 TEMPEL DER KUNST

Das Wiener Secessionsgebäude: Ein Statement für die Freiheit der Kunst.

# künstler

38 BÜHNENSPERRE

Österreichs Künstler haben ihre eigenen Rezepte, um mit der Krise klarzukommen. # hausbetreuung

44 VERTRAUENSSACHE

Gutes Facility Management ist mehr als nur Reinigung – es trägt auch zum Werterhalt einer Immobilie bei.

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# sponsoring

VISIONÄRE PROJEKTE

SIMACEK stellt neues SponsoringProgramm vor. # standards

06 INHALT & IMPRESSUM 09 EDITORIAL

Impressum: Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: SIMACEK Facility Management Group GmbH, 1210 Wien, Ignaz-Köck-Straße 8, Redaktion und Anzeigenverwaltung (01) 211 66 14105, Konzept und Beratung: Christian W. Mucha, Gestaltung und Produktion: Mucha Verlag GmbH, 1072 Wien, Zieglergasse 1, Coverfoto: Adobe Stock, Chefredaktion: Ina Pfneiszl, Redaktion: Beate Binder, Martin Krake, Thomas Langer, Ernst F. Müller, Christian Prenger, Walter Senk, Grafik: Gabriel Pall, Anzeigendisposition: Ina Pfneiszl (Ltg.), Druck: Ferdinand Berger Söhne GesmbH, 3580 Horn, Wiener Straße 80, Bankverbindung: Raiffeisenbank NÖ-Wien IBAN: AT953200000000181800 BIC: RLNWATWW, Blattlinie: Redaktionelles Firmenmagazin der SIMACEK Gruppe, Topinformationen rund um das Gebäudemanagement für KundInnen, MitarbeiterInnen, PartnerInnen, LieferantInnen und InteressentInnen. Alle Artikel mit der Unterzeile „Werbung“ oder Beiträge, die den Vermerk „Anzeige“ tragen, sind bezahlte Einschaltungen. Der Inhalt

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Adobe Stock, Martin Krake

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und die Gestaltung dieser Textanzeigen oder Advertorials unterstehen der Kompetenz der Anzeigenabteilung und unterliegen daher nicht der Verantwortung der Redaktion. Für Inhalt und Gestaltung dieser gekennzeichneten Artikel und Beiträge haftet jeweils der Auftraggeber der entsprechenden Einschaltungen. Es gelten die Anzeigenpreise sowie die Geschäftsbedingungen in der jeweils letzten gültigen Fassung. Offenlegung gemäß Paragraph 24 Mediengesetz: Medieninhaber: SIMACEK Facility Management Group. Unternehmensgegenstand: Integriertes Facility Management und infrastrukturelle Facility Services, Geschäftsführung: KR Mag. Ursula Simacek, Mag. Rudolf Payer, Gesellschafter: 0,0095 % KR Mag. Ursula Simacek, 0,0095 % Petra Simacek, 99,981% Simacek Holding GmbH, die sich zu 100% im Besitz der Simacek Privatstiftung befindet. Geschäftsführung: KR Mag. Ursula Simacek, Mag. Rudolf Payer, Unternehmensgegenstand: Integriertes Facility Management und gebäudebezogene Dienstleistungen, Erstauflage: 10.000, Änderungen, Druck- oder Satzfehler vorbehalten.

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Bereits zum dritten Mal befasst sich die Volksbank im Rahmen einer Studie intensiv mit der persönlichen Lebenswelt von Selbstständigen in Österreich. Heuer lag dabei der Fokus auf den Unternehmergenerationen: Wie handeln sie? Wo setzen sie Prioritäten? Und was haben sie vielleicht trotz des Altersunterschieds gemeinsam? „Ziel der UnternehmerInnen-Studie ist es, Selbstständige besser zu verstehen sowie einzigartige Einblicke in verschiedene Betriebe unseres Landes zu erhalten. So schaffen wir eine einmalige Diskussionsgrundlage und ein

besseres Verständnis für das Unternehmertum in Österreich. Denn aus Verständnis entsteht Nähe und aus Nähe entsteht Vertrauen – für uns als Hausbank ein unverzichtbarer Wert“, betont Gerald Fleischmann, Generaldirektor der VOLKSBANK WIEN AG.

© Robert Polster

Wie unterscheiden sich die Unternehmergenerationen? Die aktuelle Studie* der Volksbank gibt spannende Einblicke.

GD DI Gerald Fleischmann

Generation Y steckt am häufigsten zurück Die Studienergebnisse bestätigen: Selbst und ständig ist im Unternehmertum kein Klischee. Mehr als die Hälfte der Befragten geben an, eher wenig bis kaum Freizeit zu haben. Daher wundert es nicht, dass für viele eine bessere Work-Life-Balance unter den Top 3 Zielen für die Zukunft rangiert. Trotzdem sind 89 % mit ihrem UnternehmerInnen-Dasein glücklich. Aber je weniger Kompromisse sie für ihre Laufbahn eingegangen sind, desto größer ist heute die Zufriedenheit. Acht von zehn UnternehmerInnen sind zumindest hin und wieder Kompromisse eingegangen, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen. Die Generation Y (bis 40 Jahre) und Generation X (41 – 55 Jahre) im Gesamten häufiger als die Babyboomer (56 – 65 Jahre) und die Traditionalisten (über 65 Jahre). Vor allem im Privatleben machen Selbstständige Abstriche – auch hier allen voran die Generation Y.

Familie hat hohen Stellenwert Obwohl die Familie häufig etwas zu kurz kommt, hat sie für die UnternehmerInnen eine sehr hohe Bedeutung – und zwar unabhängig vom Alter. So zählt die Familie neben Unabhängigkeit und unternehmerischem Erfolg zu den wichtigsten Lebenszielen der Selbstständigen. Für die Babyboomer sowie die Generationen X und Y ist sie zudem ein wichtiger Ausgleich zum anspruchsvollen Beruf. Darum kann sich vermutlich auch rund ein Drittel der Befragten gut vorstellen, dass ihre Nachkommen einmal den Betrieb übernehmen. Bei knapp 50 % der Unternehmen sind bereits Familienmitglieder tätig. Die gesamte Studie online lesen unter: www.volksbank.at/unternehmerstudie * Repräsentative Stichprobe: 3.000 Unternehmerinnen und Unternehmer gesamt 2018, 2019 & 2020; bildet die Unternehmensstruktur nach Branchen und Unternehmensgröße ab.

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Die Volksbank UnternehmerInnen-Studie 2020


# editorial

LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER!

O

hne Kunst und Kultur ist das Leben weniger bunt, weniger Sinneserlebnis, weniger Freude und weniger Ausdruck unseres Seins. Kunst macht den Zeitgeist sichtbar, bringt uns zum Staunen und Bewundern, ist fantasievoll und schöpferisch. Vor allem ist sie eine Säule unserer Gesellschaft. Es kommt nicht von ungefähr, dass wir unser aktuelles Heft genau diesen Themen gewidmet haben. Die schöne Architektur vieler unserer Gebäude in Österreich macht sie zu echten Kunstwerken, und deshalb handelt unsere Titelstory auch genau davon: von den Gebäuden mit Kunstwert (S 10). Diese erhabenen Häuser verbergen in ihrem Inneren viel Marmorglanz und erlesene Kunstexponate (S 20). Dies kann bei der Pflege für das Facility Management eine besondere Herausforderung bedeuten, deshalb ist hier Fachpersonal gefragt.

Ursula Simacek, CEO

In Zeiten wie diesen wird allerorts umgedacht, neu konzipiert und geplant. So müssen nicht nur die Bühnen in Krisenzeiten die Herausforderung dieser Pandemie stemmen (S 26). Auch die FM-Branche muss diese Veränderungen mit Partnerschaftssinn und Krisenmanagement bewältigen (S 60) – weil es eine Vertrauenssache ist, sich im Sinne von „Wir schaffen das“ zu üben (S 44). Die Säulen unserer Gesellschaft werden bei den Visionary Projects (S 72) zur visionären Zukunft. Herausragende innovative Ideen und Projekte in den Fokus der Öffentlichkeit gestellt. Gefördert werden ausschließlich Innovationen aus Österreich. Es gilt, lokale Themen aus Kunst, Kultur, Design, Architektur, Hygiene, Gesundheit und Soziales zu innovieren. Der Blick in die historische Vergangenheit (S 48) ist ein Blick auf die Geschichte, so wie auch die gegenwärtige, teils belastende Situation bald Geschichte sein wird. So wünsche ich Ihnen vor allem: Bleiben Sie gesund und vertrauen wir auf eine gute Zukunft!

SIMACEK

Herzlichst,

U rsUla s imacek CHECK 2020/21

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# coverstory

GEBAUTE

KUNSTWERKE Sie stechen aus der Uniformität der architektonischen Landschaft hervor. Sie tragen die Handschrift ihrer Schöpfer und preisen diese oftmals im Stillen: ihre Architekten. Es sind keine 08/15-Bauten, sondern Gebäude mit Kunstwert. Bei ihrer Errichtung stießen einige dieser Architekturjuwele nicht nur auf Begeisterung. Heute allerdings sind wir stolz auf manche Gebäude, die uns damals nicht so zugesagt haben. Aber wie heißt es doch: Erst verlachen sie dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du. Von WALTER SENK

Architektonische Wagnisse Viele der Gebäude mit Kunstwert waren bei ihrer Errichtung heftig umstritten. So wie das Haas-Haus in Wien.

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# coverstory

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# coverstory

Stephansdom, Wien Eines der wichtigsten gotischen Bauwerke in ganz Österreich.

Der skandalöse Steffl Der Stephansdom gehörte definitiv nicht dazu, obwohl er bei seinem Baubeginn 1137 sicherlich von seinen Maßen nicht in die Innenstadt passte. Aber zu dieser Zeit hatte 12

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das einfache Volk noch andere Sorgen, als sich um Gebäude, die nicht ins Stadtbild passten, den Kopf zu zerbrechen. Und die Gotik – zeitlich etwa von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis um 1500 –, in deren Stil der Dom errichtet wurde, war den meisten gar kein Begriff. Der Stephansdom ist übrigens eines der wichtigsten gotischen Bauwerke in Österreich – nicht nur in Wien.

Hoch über Innsbruck Zu der Zeit, als der Bau des Stephansdoms begann, hatte das Schloss Ambras in Tirol seine erste Phase schon hinter sich. In seinen Ursprüngen war es eine mittelalterliche Burganlage und Sitz der Grafen von Andechs. 1133 wurde die Burg der Andechser zerstört, und es ist kaum mehr

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Ö

sterreich ziert eine Vielzahl von Baujuwelen und eine lange Geschichte mit einflussreichen und großartigen Architekten. Dass die Architektur anfänglich nicht immer zur Freude der Bevölkerung beitrug, hat vor allem in Wien fast schon Tradition. Es scheint so etwas wie ein Wiener Schicksal zu sein, dass einige Bauwerke, die später zu höchsten Architekturehren kamen und heute Sehenswürdigkeiten darstellen, vorab einen Skandal provozierten.


# coverstory

Schloss Ambras, Innsbruck Eine mittelalterliche Burg wurde zum Wohnschloss im Stil der Renaissance.

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etwas davon erhalten. Der mittelalterliche Bestand lässt sich nur noch an der Bausubstanz des Hochschlosses ablesen. Aber das Gebäude bekam eine zweite Chance. Und die wurde genutzt.

Die zweite Blüte Daher thront Schloss Ambras heute etwa 100 Meter über dem vom Innfluss geschaffenen Talboden auf einem Felsen am Stadtrand von Innsbruck. Es zählt zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Tiroler Landeshauptstadt. Aber nicht nur sein Äußeres bietet Faszinierendes, sondern auch sein Inneres. Das malerische Renaissanceschloss beherbergt die wertvollen Kunstsammlungen des Habsburger Erzherzogs Ferdinand II. Unter ihm erlebte Ambras auch seine

größte Blüte. Als die mittelalterliche Burg 1564 in seinen Besitz gelangte, ließ sie der Erzherzog zum Wohnschloss im Stil der Renaissance ausbauen. Das Hochschloss wurde umgestaltet und erweitert, das Vorschloss, der Spanische Saal und das Unterschloss hingegen völlig neu errichtet. Ferdinand II. benötigte Platz. Er besaß eine weithin berühmte Sammlung von Harnischen, Waffen, Portraits, Naturalien, Raritäten und „Wundern der Natur“, dazu neueste naturwissenschaftliche Instrumente, Musikinstrumente und andere Kostbarkeiten. Dies alles wurde in seiner Residenz zusammengeführt und machte Schloss Ambras zum ersten Museum der Welt. Gebäude und Inhalt verschmelzen zu einem historisch einmaligen Konzept, das heute vom Kunsthistorischen Museum in Wien verwaltet wird. CHECK2020/21 1/2020 CHECK

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# coverstory

Looshaus, Wien Kaum vorstellbar, dass es zu

Ein obszönes Haus Zurück nach Wien. Eines der ersten Häuser, die Ärger unter der Wiener Bevölkerung verursachten, war das Looshaus am Michaelerplatz. Begonnen hat alles 1909. Damals sollte das Haus als neue Geschäftsadresse für ein nobles Bekleidungsgeschäft errichtet werden. Adolf Loos bekam den Auftrag, und seine Pläne versetzten die Menschen in Aufruhr. Wien war zu der damaligen Zeit stark vom Jugendstil geprägt mit seinen üppigen, vielerorts ausschweifenden floralen Mustern. Egal ob bei Möbeln, Stoffen, Schmuck, in der Kunst oder eben bei Gebäuden. Adolf Loos hatte ein wenig andere Vorstellungen. Auffallend ist beim Looshaus der Kontrast zwischen dem mit Marmor ausgekleideten unteren Fassadenbereich und der schlichten Putzfassade der oberhalb liegenden Wohngeschosse. Der obere Teil war es auch, der die Bewohner schockierte. „Schiach“, sagte der Einheimische, oder wie es heute neudeutsch ein wenig freundlicher heißt: ein „No-Go“. Ein schlichter, zweckmäßiger Oberbau, keine Fassade erkennbar, keine der damals üblichen Fensterver14

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dachungen; einfach nur eine Fassade ohne „Dekoration“. Das „Haus ohne Augenbrauen“ wurde es von den Einheimischen verächtlich genannt, und selbst Kaiser Franz Joseph würdigte es keines Blickes. Der exponierte Bauplatz gegenüber der Hofburg trug zusätzlich dazu bei, dass die glatte Oberflächengestaltung der Obergeschoßzone als schockierend – ja, fast schon obszön – empfunden wurde. Die aufgeklebten Gipsornamente auf den Gründerzeithäusern, die damals in Massen entstanden, gefielen den Wienerinnen und Wienern doch besser. Sie waren eben ein schmuckes Äußeres gewohnt. Ein wenig Pomp musste schon sein. Der fehlt eben dem Looshaus. Also nicht ganz: Unten hui, oben pfui. Trotz seines ästhetischen Funktionalismus ist das Gebäude kein schlichter Zweckbau – gerade bei den Materialien wurden weder Kosten noch Aufwand gespart. Das kümmerte allerdings wenig. Es ging vielmehr um die Optik. Die fehlende Ästhetik im oberen Teil des Hauses – Loos’ schlichter und ornamentloser Architekturstil – führte schließlich zu einem Baustopp. Widerwillig ließ sich der

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seiner Zeit ein Skandal war.


# coverstory

Hundertwasserhaus, Wien Im 3. Bezirk hinterließ der Künstler eine farbenfrohe Visitenkarte.

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Architekt zu einem Kompromiss hinreißen, damit sein Bauwerk doch noch vollendet werden konnte: Zur Behübschung der Fassade wurden einige kupferne Blumentröge angebracht. Inzwischen wirken diese als das, was sie wohl damals darstellten: Loos’ Meinung, man solle ihm „wohl den Buckel runterrutschen“. Heute ist das Looshaus eines der zentralen Bauwerke der Wiener Moderne in Wien. Es markiert die Abkehr vom Historismus, aber auch vom floralen Dekor des Secessionismus.

Ein Haus wie ein Wald Nur mit Blumentöpfen zur Behübschung der Fassade gab sich der Künstler Friedensreich Hundertwasser bei seinem Entwurf für einen Gemeindebau in Wien-Erdberg Anfang der 1980er nicht zufrieden. Er hatte gleich das ganze Haus als Symbiose von Bau und Natur geplant. Das war den Wienern dann auch wieder zu viel – man war optisch einen anderen Baustil gewöhnt, wie sich an den Häusern der 60er- und 70er-Jahre unschwer erkennen lässt. Errichtet wurde das außergewöhnliche Gebäude in den

Jahren 1983 bis 1985 dennoch. Bis es fertig gestellt wurde, war es allerdings ein steiniger Weg. Hundertwasser wollte ein „Haus für Menschen und Bäume“, so wie er es Jahre zuvor bereits in seinem Text „Verwaldung der Stadt“ beschrieben hatte. Trotz erheblicher Abweichungen von den Bebauungsbestimmungen gelang es seinem Architekten Josef Krawina, einen konsensfähigen Baukörper zu entwickeln. Dies allerdings nur unter intensiver Ausnutzung der eingeräumten rechtlichen Möglichkeiten. Dieser Entwurf wurde auch tatsächlich über alle Planungsschritte im Wesentlichen unverändert gelassen und gelangte schließlich zur Ausführung. Trotzdem kam es zu einem Streit zwischen dem Künstler und seinem Architekten, der bei der Gestaltung der Fassade eskalierte. Krawina schied aus und Hundertwasser wurde ein anderer Fachmann zur Seite gestellt. Mit dem Architekten Peter Pelikan, Angestellter der Magistratsabteilung 19, vollendete er schließlich sein Werk. Und mehr als das: Pelikan wurde für Hundertwasser zum langjährigen Partner für zahlreiche weitere Bauvorhaben. Müßig CHECK 2020/21

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# coverstory

Teile des Gebäudes wurden in eine Felswand gehauen.

zu erwähnen, dass das Hundertwasserhaus heute zu den architektonischen Highlights Österreichs zählt und Besucher aus der ganzen Welt anzieht.

In den Fels gehauen Weitaus weniger Probleme mit Bebauungsbestimmungen gab es bei der heutigen Felsenreitschule in Salzburg. Der Name ist Programm: Das architektonische Kunstwerk wurde an der Stelle eines Steinbruchs errichtet, der durch Arbeiten am Salzburger Dom entstanden war. Genauer gesagt wurde dieses unglaubliche Werk nach Plänen des Barockbaumeisters Johann Bernhard Fischer von Erlach in den Steinbruch hinein gebaut – eher gehauen. 96 dreigeschossig übereinander gelagerte Arkaden schlug man in die Wände des aufgelassenen Steinbruchs. Das Bauwerk wurde im 18. und im 19. Jahrhundert als Zuschauerraum für Reiterspiele und Tierkämpfe genutzt. Mit der Auflösung des Salzburger Fürstenhofes und damit auch des Hofmarstalls verlor die Felsenreitschule ihre Funktion. Und damit auch ihre Wichtigkeit und Beachtung in der Bevölkerung. Das änderte sich viele Jahrzehnte später und hält bis heute an. Bereits in den 1930er-Jahren wurde der Ort wieder als Proben- und Aufführungsstätte zunehmend genutzt. Richtig ins Bewusstsein rückte das wundersame Steinwerk, als Herbert von Karajan, Dirigent und Förderer der 16

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raum mit Logen und Rampen sowie ein Kulissendepot geschaffen. Eingeweiht wurde die neue Aufführungsstätte mit Ludwig van Beethovens Oper „Fidelio“.

Wieder ein Skandal in Wien Zurück in die Bundeshauptstadt. Hier war man Mitte der 1980er-Jahre der Meinung, das Schlimmste an architektonischen Neuerungen hinter sich zu haben. Doch dann kam Architekt Hans Hollein und setzte noch einen drauf. Vis-à-vis des legendären Stephansdoms, liebevoll „Steffl“ genannt. Es war das Haas-Haus, das die Gemüter erregte. Wobei man nicht vergessen sollte, dass schon der „Vorgänger“, der 1951 bis 1953 als Nachkriegsbau errichtet wurde, in den Augen der Betrachter dem Gotteshaus als Gegenüber nicht ebenbürtig war. Er wurde Anfang der 50er-Jahre an die Stelle gesetzt, an der einst das erste große Warenhaus Wiens stand. Das 1866/67 errichtete Gebäude war dem Krieg zum Opfer gefallen. Als der Bau des Haas-Hauses 1985 begann, dräute der Öffentlichkeit schon, dass hier etwas entstehen würde, das – sagen wir mal vorsichtig – nicht dem entsprach, was dem Steffl angemessen gewesen wäre. Und sie hatten Recht: Zwischen dem gotischen Stephansdom und dem modernen Haas-Haus lagen zwar nur wenige Meter, architektonisch aber Welten. Das Haas-Haus sorgte zur Zeit der Errichtung für Debatten. Es war zu seiner Zeit noch umstrittener als der Vorgängerbau. Von „Design-Juwel“ bis „Kaas-Haus“ – nur selten spaltete ein Bauwerk vor und nach der Errichtung so die Gemüter. Die Befürworter des Design-Juwels waren

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Felsenreitschule Salzburg

Salzburger Festspiele, die Felsenreitschule 1948 erstmals als Opernbühne benutzte. 1948 fand hier unter seiner musikalischen Leitung die Aufführung von „Orfeo ed Euridice“ statt. 1949 folgte die Erstaufführung des Trauerspiels „Antigone“ von Sophokles in der deutschen Übersetzung. Die Inszenierungen in der Felsenreitschule zogen immer mehr Menschen an. In den Jahren 1968-1970 wurde das Gebäude von Clemens Holzmeister umgestaltet, um den Gästen einen angenehmeren Kulturgenuss zu ermöglichen. Es wurden eine Unterbühne, ein Orchestergraben und eine Scheinwerferrampe errichtet, ein wetterfestes Rolldach eingezogen, das vor Regen und kühlen Sommerabenden schützt, und schließlich ein Zuschauer-


# coverstory

Haas-Haus Das Gebäude ist ein selbstbewusstes Gegenüber des Stephansdoms.

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voller Lob: „Das Bauwerk setzt durch den verspiegelten Erker einen städtebaulichen Akzent. Die geschwungene Fassade des Haas-Hauses mit dem runden Erker und das auskragende Dach schaffen eine gelungene Verbindung zu den Nachbargebäuden.“ Aber eben nur zu den Nachbargebäuden. Dass sich der Dom in der Glasfassade spiegelte, war zwar nett, aber das Argument, man könne jetzt den Stephansdom auf zwei Seiten betrachten, war nicht durchschlagend. „Die Frage, ob das Bauwerk im ästhetischen Sinne anspricht, ist vielmehr eine Frage des persönlichen Bekenntnisses zur postmodernen Architektur von Hollein“, hieß es in einem Architektur-Magazin. Und weiter: „Man kann das Gebäude als das betrachten, was es ist: als eine Collage aus Formen, Materialien und Anspielungen. Hollein hat sorgfältig Referenzen ausgesucht und kombiniert. Der humorvolle Umgang mit diesen Motiven macht das Gebäude einzigartig. Lässt man sich auf den Humor ein, geht man mit einem Schmunzeln über den Stephansplatz.“ Das tut man heute; 1985 – wie gesagt, standen die Mundwinkel auf viertel neun.

Ein Bankgebäude als Gesamtkunstwerk 1985 zauberte dafür ein anderes Gebäude den Österreicherinnen und Österreichern ein Lächeln ins Gesicht –

wenn man es gedruckt sah. Die Österreichische Postsparkasse ist eines der bekanntesten Jugendstilgebäude Wiens, geplant und gebaut von Otto Wagner. Es wurde zwar bereits 1904 bis 1912 als k.k. Postsparcassen-Amt errichtet, aber erst ab 1985 zierte es die Rückseite der damaligen 500-Schilling-Banknote. Otto Wagners Postsparkassengebäude gilt als Schlüsselwerk der europäischen Moderne und der Wiener Jahrhundertwende. Mit diesem Gebäude schuf Wagner seinen modernsten und bedeutendsten Bau. Der Architekt setzte die Ideen der Moderne im Äußeren des Hauses und auch im Inneren fort. Wagners Bau ist ein Gesamtkunstwerk, das nichts von seiner Gültigkeit verloren hat. „In jedem baulichen Detail, jedem Ausstattungsmerkmal, jedem entworfenen Möbel führen Zweckmäßigkeit und Gebrauchsfähigkeit zu intelligenten, schlüssigen, hochästhetischen Lösungen“, heißt es in einer Beschreibung dieses faszinierenden Bauwerks. Bevor Wagner das k.k. Postsparcassen-Amt plante, hatte er Wien schon an einigen anderen Stellen seine architektonischen Stempel aufgedrückt. In den Jahren 1898 bis 1899 wurde unter anderem ein Ensemble dreier Wohnhäuser am Naschmarkt errichtet. Der Architekt hatte die Vision, die Wienzeile zwischen dem Karlsplatz und Schönbrunn zu einem Prachtboulevard umzugestalten. Faktisch parallel CHECK 2020/21

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# coverstory

Postsparkasse Wien Otto Wagners zeitloses Meisterwerk am Stubenring.

Abwaschbares Haus Der Prachtboulevard am Naschmarkt wurde allerdings nie umgesetzt. Ganz im Gegenteil. 60 Jahre später galt der Naschmarkt nicht als die beste Adresse. Heute hat sich die Situation schon wieder komplett gewandelt. Wagners Häuser haben auch die schlechten Zeiten überstanden. Sie thronen weithin sichtbar über dem Naschmarkt und haben von ihrer Faszination nichts verloren. Die sogenannten Wienzeilenhäuser – entlang der Linken Wienzeile – stellen bis heute ein beeindruckendes Ensemble dar. Die Häuser gelten in Wagners Werk als entscheidender Bruch mit dem Historismus, der sich in seinen Häusern am Rennweg schon angekündigt hatte. Statt der historistischen Ornamente ist alles betont flächig gehalten, beispielhaft für die Wiener Jugendstilarchitektur um die Jahrhundertwende. Das wohl auffälligste ist das sogenannte „Majolikahaus“. Diesen Namen hat es von den mit floralen Motiven geschmückten Majolikafliesen. Diese Fliesen sind witterungsbeständig, pflegeleicht und abwaschbar. Zur damaligen Zeit das Nonplusultra, denn Hygiene war ein wichtiger Bestandteil der Modernität. In diesem Fall auch nach außen sichtbar. Traum jedes Bauträgers Was den eigentlichen Prachtboulevard betraf, da hatte Wien zur damaligen Zeit bereits einen. Ausschlaggebend dafür war der 20. Dezember 1857. An diesem Tag traf Kai18

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ser Franz Joseph I. eine Entscheidung, die Wien nachhaltig veränderte: Er ordnete die Schleifung der alten Stadtmauern an. An deren Stelle sollte ein Repräsentationsboulevard entstehen, wie er sich für die Hauptstadt eines riesigen Reiches gehörte. Um das Stadtentwicklungsprojekt nicht selbst finanzieren zu müssen, wurden frei gewordene Grundstücke an private Investoren verkauft. Ein genialer Schachzug, denn auch schon zur damaligen Zeit waren Grundstücke mitten in Wien kostbar. Adelige und andere wohlhabende Privatleute beeilten sich, auf ihrem neuen Grund und Boden repräsentative Palais im monumentalen historistischen Stil bauen zu lassen. Diese Ringstraßenpalais waren im Gegensatz zu älteren Wiener Stadtpalais im historischen Stadtkern meist höher und größer. Sie besaßen die damals modernsten Einrichtungen wie Aufzüge, fließendes kaltes und warmes Wasser, Sanitäreinrichtungen, elektrischen Strom und Zentralheizungen. Die Ringstraßenpalais sind ein Sinnbild der damaligen Gründerzeit. Letztendlich setzte sich das Monumentale dieser kleinen Paläste in den zahlreichen Wiener Gründerzeithäusern im einfachen Stil fort.

Glorreichste und dunkelste Zeit Eines der ersten Häuser am Ring war das Palais Erzherzog Wilhelm. Errichtet wurde es nach Plänen des dänisch-österreichischen Architekten Theophil von Hansen. Von ihm stammt aber nicht nur das Deutschmeister-Palais, wie es der Volksmund nannte. Der Architekt entwarf auch andere Gebäude entlang der Ringstraße. Dazu zählen unter anderem das Parlaments-

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zur Mariahilfer Straße, durch die sich der Kaisertross bewegte, wenn es Richtung Schönbrunn ging.


# coverstory

gebäude und die Wiener Börse. Knapp zehn Jahre nach der Verkündung des Kaisers, die Stadtmauern zu schleifen, konnte Erzherzog Wilhelm sein Stadtpalais 1868 bereits beziehen. Es zählt heute nicht nur zu den bedeutendsten, sondern auch zu den am besten erhaltenen Ringstraßenpalais. In ihm spiegelte sich die glorreichste Zeit Österreichs wider, aber auch seine schwärzeste: Von 1938 bis 1945 war es Sitz der Wiener SS-Zentrale.

Summary Over the centuries, buildings with outstanding artistic value have been built in Vienna and elsewhere in Austria. However, this was often not recognized by the contemporaries: many of the buildings, which we know today as outstanding monuments, at the time of their construction were regarded as “blot spots”. When the construction of the Vienna St. Stephen’s Cathedral began in 1137, it was not yet a matter

Gast kauft Hotel Dem Kaffeehausbesucher ist vielleicht auch das Palais Lieben-Auspitz bekannt. Allerdings weniger das Palais als vielmehr das ehrwürdige Café Landtmann, das sich darin befindet. Auch das Hotel Imperial war seinerzeit eines dieser glamourösen Stadtpalais. Gebaut wurde es in den Jahren 1862 bis 1865 im Stil der italienischen Neo-Renaissance. Der Eigentümer Herzog Philipp von Württemberg behielt es aber nicht lange; bereits kurz danach wurde es zum Hotel umgestaltet und zur Wiener Weltausstellung 1873 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth feierlich eröffnet. Die ehemalige Privatresidenz etablierte sich rasch als Treffpunkt von Feinschmeckern, Connaisseuren und Musikliebhabern. Seitdem zog das Imperial die Aufmerksamkeit auf sich. Jede Menge illustrer Gäste aus aller Welt stiegen im Hotel ab – oder verbrachten hier ihre Hochzeitsnacht. Einem Gast gefiel das Hotel so gut, dass er es gleich kaufte: Khalaf Ahmad Al Habtoor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ließ sich den „Zwilling des Opernhauses“, wie er es nannte, im Februar 2016 rund 70 Millionen Euro kosten. Der Investor, der in der FORBES Liste der 500 reichsten Menschen der Welt aufscheint, war damit neuer Eigentümer des Imperial. In einem persönlichen Interview, das Khalaf Ahmad Al Habtoor dem Verfasser dieses Artikels im Mai 2016 gab, meinte er: „Ich habe das Hotel Imperial nicht gekauft, um Geld damit zu verdienen, im Gegensatz zu meinen anderen Hotels. Das Imperial ist eher wie eine Trophäe. Andere Menschen kaufen sich Gemälde, bei mir war es eben ein einzigartiges Hotel. Ich bin sehr stolz darauf, diesen Zwilling gegenüber der Oper erworben zu haben. Das Hotel Imperial gibt mir noch mehr Gründe, um diese wunderschöne Stadt zu besuchen.“

of thought. Ambras Castle near Innsbruck already existed at that time, albeit not in the form we know today: it was only created in the 16th century under Archduke Ferdinand II. who had the castle expanded and developed into a residential castle in the style of the Renaissance. From 1909 onwards, the architect Adolf Loos built a new building on Vienna’s Michaelerplatz. Since the Viennese were used to the lush Art Nouveau style at the time, the Looshaus with its unadorned plaster facade was largely rejected. From 1983 to 1985, Friedensreich Hundertwasser designed a municipal building in Vienna as a “symbiosis of construction and nature”. Today, the Hundertwasserhaus with its colourful, playful facade is one of Austria’s architectural highlights. The Salzburg Riding School “Felsenreitschule” was built according to the plans of the baroque master builder Johann Bernhard Fischer von Erlach in an abandoned quarry. Under Herbert von Karajan, it was first used in 1948 as a performance venue for the Salzburg Festival. In Vienna in the mid-1980s, the Haas House replaced a post-war building opposite St. Stephen's Cathedral. With its modern façade, the house evoked both enthusiasm and vehement rejection. Otto Wagner's Postal Savings Bank building, built between 1904 and 1912, is considered a key work of the turn of the century in Vienna. Between 1898 and 1899 Wagner had already built three residential buildings at the Naschmarkt. The “Majolikahaus” with its facade of majolica tiles is even washable. In 1857, the emperor decided to replace the Vienna city walls with a magnificent boulevard. Prestigious palaces were built on the new ring road, including the building that now houses the Hotel Imperial.

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# haus der industrie

Haus der Industrie Fläche 11.400 m2 Gründung Das Haus der Industrie wurde in den Jahren 1906 bis 1909 nach Plänen des Architekten Karl König errichtet und am 5. März 1911 durch Kaiser Franz Joseph eröffnet. Service SIMACEK betreut das Haus der Industrie bereits seit 2012. Zu den Services zählen Unterhaltsreinigung, Personalbereitstellung, Fensterreinigung und Grundreinigung. Info www.iv.at www.simacek.com

MARMOR UND KRONLEUCHTER Wien ist voll von Prachtbauten aus der Zeit als kaiserliche Metropole. Sie sind innen ebenso opulent ausgestattet wie außen. An das Facility Management stellen Marmor und Messing, Kronleuchter und Paternoster ihre speziellen Anforderungen. Ein Besuch im Haus der Industrie. Von MARTIN KRAKE 20

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# haus der industrie

Facility Management anno 1911

Immer unterwegs zwischen Dach und Keller

Ein Anschluss für die zentrale Staubsauganlage

Der Paternoster rumpelt seit 1911. Auch für die

aus der Erbauungszeit.

Reinigung wird er nicht angehalten.

Martin Krake

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as Haus der Industrie ist eines der dominierenden Gebäude am Wiener Schwarzenbergplatz und überragt den verkehrsreichen Knotenpunkt mit einer imposanten neoklassizistischen Fassade. Von 1906 bis 1909 errichtet und 1911 durch den Kaiser persönlich eröffnet, gehört es zu den letzten Prunkbauten der Monarchie und war erst wenige Jahre alt, als diese ihr Ende fand. Die Industriellenvereinigung, der das Haus heute noch gehört, wollte einen standesgemäßen Hauptsitz: Marmor und Parkett, prunkvolle Stiegen, Festsäle mit Skulpturen und Kronleuchtern zählen zur Innenausstattung des Hauses. Selbstredend steht hier fast jedes Detail unter Denkmalschutz, Veränderungen der historischen Bausubstanz sind tabu. Gleichzeitig sind viele Materialien und Bauteile in so alten Gebäuden deutlich sensibler als moderne Baustoffe. In Gebäuden wie dem Haus der Industrie wird daher auch das Facility Management zur Herausforderung: Insbesondere muss sichergestellt werden, dass die historische Bausubstanz nicht durch Reinigungsarbeiten beschädigt wird. So stellen etwa die in solchen Gebäuden üblichen Marmor- oder Parkettfußböden an die Reinigung besondere Anforderungen, von Spezialitäten wie Stiegengeländern oder gar Kronleuchtern gar nicht zu reden. „Die Oberflächen dürfen durch unsere Arbeit auf keinen Fall angegriffen, beschädigt oder sonstwie verändert werden, deshalb sind wir da besonders vorsichtig“, so Draško Džajic, Leitung Projektverkauf Sonderreinigung bei SIMACEK. „Bei so sensiblen Objekten setzen wir nur erfahrene und zuverlässige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, die vorher entsprechend geschult werden. Da können wir nicht jeden hinschicken. Außerdem werden

die Arbeiten von einem Partieführer oder Vorarbeiter von Anfang bis Ende überwacht, damit da nicht irgendwer auf die Idee kommt, zum Beispiel eine stärkere Chemie zu nehmen, wenn irgendein Fleck nicht runtergeht“, erklärt Džajic. Mit chemischen Reinigungsmitteln sei man in historischen Gebäuden generell besonders zurückhaltend, weil diese dort einigen Schaden anrichten könnten. Wenn überhaupt würden nur nichtaggressive Reinigungsmittel eingesetzt, bei denen nichts passieren könne, in den meisten Fällen werde sogar nur reines Wasser verwendet.

Versteckte Details Beim Betreten des Hauses der Industrie am Schwarzenbergplatz fällt zunächst das eindrucksvolle Foyer mit Säulen und Fußböden aus verschiedenfarbigem Marmor und einer geschwungenen Prunkstiege mit Messinggeländer ins Auge. Wie wird das alles in Schuss gehalten? Paul Rachler, Archivar der Industriellenvereinigung, ist derjenige, der sich mit der historischen Bausubstanz am besten auskennt. Und über alle der teilweise sehr versteckten Details, die das Erbe seiner langen, wechselvollen Geschichte sind, Bescheid weiß. Daher führt er den CHECK-Redakteur nicht sofort in das Stiegenhaus, sondern weist ihn zunächst auf eine hölzerne Heizkörperabdeckung direkt neben dem Haupteingang hin. Auf den ersten Blick ist daran absolut nichts Besonderes, aber Rachler zeigt unscheinbare Graffiti, die in das Holz eingeritzt sind. Parolen wie „Es lebe Genosse Stalin“ und „Es lebe Genosse Mao“ sind zu erkennen, daneben einige kyrillische Schriftzeichen. „Während der Besatzungszeit zwischen 1945 und 1955 war das Haus Sitz des Alliierten Rates, und hier hatte CHECK CHECK2020/21 1/2020

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# haus der industrie

Große Aufgabe Die Reinigung eines Kronleuchters dauert bis zu zwei Wochen.

ser sichtbar.“ Dennoch hielt er die Abdeckung mit einer Glasscheibe für besser: „Ich wollte sicherstellen, dass nicht irgendeine übereifrige Reinigungskraft mal auf die Idee kommt, das entfernen zu wollen.“ Dann zeigt er noch ein weiteres kleines Detail: Ein wenige Zentimeter großes Loch in einer Wand im Foyer, eingefasst von einer schlichten Messingmanschette. Ein Anschluss für eine eingebaute zentrale Staubsauganlage, erklärt Rachler: „Im ganzen Haus sind Rohre verlegt. Im Keller befand sich ein Kessel, dessen Druck über ein Umkehrventil in diesen Rohren einen Zug erzeugte. Die Reinigungskraft konnte ihr Handgerät in jeder Etage mit einem Schlauch daran anschrauben. Das war zur 22

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Erbauungszeit topmodern und damals ziemlich gängig.“ Facility Management anno 1911.

Der Paternoster wird nicht angehalten Um die Ecke rumpelt ein Paternoster, einer von nur sechs, die in Wien noch in Betrieb sind. Er fährt seit 1911 und ist damit die älteste durchgehend in Betrieb befindliche Anlage dieser Art in Wien. Schmutzmäßig ist ein Paternoster in jedem Fall heikel, das wusste man bereits zur Erbauungszeit. Rachler zeigt die im Original erhaltene und vor Ort aushängende Benutzungsordnung, in der unter anderem steht: „Essenden Passanten ist die Benutzung nicht erlaubt.“ Auch der ebenfalls im Original erhaltene Papierkorb direkt daneben „ist sicher nicht zufällig da“, wie er meint, und sollte wohl verhindern, dass „die Leute irgendwas da drin fallen lassen.“ Aber wie wird der Paternoster heute gereinigt? Wird er dazu Kabine für Kabine angehalten und weitergefahren? „Nein. Ein Paternoster wird nie angehalten, außer in der Nacht. Das ist das Schlimmste, was man so einer Anlage antun kann, weil sich dann die Bremsen festfressen können“, so Mario Portner, der als Leiter der Hausverwaltung auch für die Koordination und Beaufsichtigung der Reinigungsarbeiten zuständig ist. „Da müssen die Damen eben schnell sein.“ Im Grunde sei die Reinigung des Pa-

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auch die interalliierte Militärpolizei Dienst, die sogenannten ‚Vier im Jeep‘. Einige der sowjetischen Soldaten haben sich hier verewigt“, erklärt Rachler. „Das haben wir vor zehn Jahren entdeckt, als ich die Geschichte des Hauses bearbeitet habe.“ Für ihn als Archivar hat auch etwas so Unscheinbares einen besonderen Wert, weil die Graffiti Teil der Geschichte dieses Hauses sind. Daher hat er die Holzplatte mit einer Plexiglasscheibe abdecken lassen, um die Ritzereien in ihrem Originalzustand zu bewahren. „Eigentlich ist es nicht schlecht, wenn da immer wieder mal drübergewischt wird, denn dann lagert sich in den Einkerbungen Schmutz ab und macht sie bes-


# haus der industrie

Erleuchtung von oben Der große Festsaal wird von einem Glasdach überspannt.

Martin Krake

ternosters aber nicht kompliziert, es gehe ja nur darum, den Teppichboden kurz abzusaugen. „Und das Abwischen der Holzmöblage erfolgt einfach während der Fahrt.“

Marmor und Parkett als Herausforderungen Die beiden großen Herausforderungen für das Reinigungspersonal im Haus der Industrie heißen aber Marmor und Parkett. Alle Böden im repräsentativen Eingangsbereich, im Stiegenhaus und in den großen Festsälen bestehen aus Marmor, teilweise verschiedenfarbig mit prächtigen Einlegearbeiten. Nun sollte man meinen, dass Stein ein weitgehend unverwüstliches Material ist, bei dem man nicht viel verkehrt machen kann. Das trifft aber gerade bei Marmor keineswegs zu: Dieser Stein ist überraschend sensibel. Vor allem verträgt er keine aggressiven Reinigungsmittel, sodass die Chemie hier sorgsam gewählt werden muss. Außerdem ist Marmor verhältnismäßig weich und nutzt sich daher über die Jahre ab, zudem nimmt er durch seine offenporige Struktur Schmutz und Reinigungsmittelrückstände auf. „Der Marmorboden wird von SIMACEK täglich speziell gereinigt und mindestens einmal im Jahr aufpoliert, damit er wieder seinen alten Glanz bekommt für die nächste Saison“, so Portner. Hin und wieder wird der Boden auch von einer Spezialfirma oberflächlich angeschliffen,

um Rückstände von Reinigungsmitteln und Bodenwachsen zu entfernen und kleine Unebenheiten, die durch die Abnutzung entstehen, auszugleichen. Auch die in den Gängen und kleineren Sälen großzügig verlegten historischen Parkettböden verlangen Sensibilität. „Die Parkettböden sind gar nicht so leicht zu reinigen“, so Portner. Wasser ist nämlich ihr Feind: „Man darf sie auf keinen Fall zu feucht wischen. Das Reinigungstuch wird nicht einmal nebelfeucht gemacht, wenn es nicht überhaupt ganz trocken bleibt. Wir arbeiten viel mit den gelben Staubtüchern und feuchten diese nur an, wenn es wirklich sein muss. Und auch der Parkettboden wird einmal im Jahr von der Firma SIMACEK aufpoliert.“

Nicht zu oft polieren Vom Foyer führt eine geschwungene Prunkstiege in den ersten Stock, wo sich die wichtigsten Räume befinden. Das schmiedeeiserne Geländer wird von einem Handlauf aus Messing gekrönt. Auch dieses Material verlangt eine sensible Pflege: „Die Messingteile der Feststiege und auch das ganze Schmiedeeisen sind eine riesige Herausforderung bei der Reinigung“, erklärt Portner. „Die Reinigungskräfte fahren einmal täglich mit einem weichen Tuch drüber. Sonst wird das Messing nur ein bis zwei Mal im Jahr poliert. Bei solchen Dingen ist es besser, das CHECK2020/21 1/2020 CHECK

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# haus der industrie

Sensibles Metall Der Handlauf der Feststiege darf nicht zu oft geputzt werden.

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Zwei Wochen für einen Luster Das Haus der Industrie verfügt über eine ganze Reihe von Veranstaltungssälen, von denen der große Festsaal mit seinen Marmorvertäfelungen und Skulpturenschmuck der prunkvollste ist. Er erstreckt sich über zwei Stockwerke und bietet mit einer Theaterbestuhlung bis zu 360 Personen Platz, der gegenüberliegende, etwas intimere kleine Festsaal fasst immerhin 145 Personen. Die beiden Festsäle sind von Glasdächern aus flachen Scheiben überspannt. Eine hochsensible Angelegenheit: „Das wird gar nicht gereinigt. Nie. Da steigt normalerweise nie jemand hoch“, so Portner, der froh zu sein scheint, sich mit der empfindlichen Konstruktion nicht auseinandersetzen zu müssen. Das flache Glasdach über den Sälen wird von einem Satteldach aus Glas überspannt, „und das reinigt sich eh von alleine, da müssen wir nichts machen.“ Gegenüber der Stiege, an der zum Schwarzenbergplatz gerichteten Außenwand, liegt der durch große Fenster lichterfüllte Spiegelsaal. Sein Mittelpunkt ist ein großer, prunkvoller Kristallluster. Im benachbarten ovalen Arthur-Krupp-Saal, der mit der Tischgruppe für Sitzungen und den Gemälden von ehemaligen Vorsitzenden der Industriellenvereinigung wie Arthur Krupp und Manfred Mautner-Markhof einen respekteinflößenden Eindruck macht, befinden sich kleinere Luster. Wie hält man diese Inkarnationen herrschaftlichen Standesbewusstseins sauber? „Unsere Kristallluster gehören sicherlich

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nicht zu oft zu machen, weil sich sonst ähnlich wie beim Marmorboden Schichten der Reinigungsmittelrückstände ansammeln, und das ist für das Metall schlechter, als gar nichts zu machen“, verrät Portner. Vergleichsweise pflegeleicht ist dagegen der Teppich auf der Stiege: Der wird einfach nur täglich abgesaugt und mehrmals im Jahr zusammen mit allen anderen Teppichböden im Haus von SIMACEK durch eine Nassreinigung aufgefrischt. „Das geht alles recht reibungslos. Die sind meistens schon morgens um halb sechs da, und nach einer bis zwei Stunden kann man den Teppich schon wieder betreten“, so Portner. Abgenommen wird er dafür jedoch nicht, denn dafür müsste man jede der Stangen, die den Teppich auf den Stufen festhalten, abschrauben.


# haus der industrie

zu den heikelsten Dingen, was die Reinigung angeht. Die werden alle ein bis zwei Jahre händisch geputzt, und das ist die Challenge schlechthin“, so Portner. „Jedes einzelne Glasteil wird abgenommen, händisch gereinigt und wieder aufgehängt. Für den großen Luster im Spiegelsaal steht eine Dame zwei Wochen auf der Leiter.“ Etwas einfacher ist die Sache bei der vergleichsweise modern anmutenden Glasleuchte über der Hauptstiege: Diese lässt sich nämlich mit einer Handkurbel absenken. „Das dauert fast eine halbe Stunde“, so Portner. Die Leuchte kann dafür dann bequem vom Boden aus gereinigt werden. Das Haus der Industrie ist nicht nur Hauptsitz der Industriellenvereinigung, die verschiedenen Festsäle und Sitzungsräume können auch für Veranstaltungen gemietet werden. Diese finden zumeist im Winterhalbjahr statt, weshalb die „ganz großen Geschichten“ (Portner) wie die Reinigung der Kronleuchter oder das große Aufpolieren der Böden im Spätsommer stattfinden, damit das Haus im Herbst in neuem Glanz erstrahlen kann.

Summary The many historic buildings in Vienna place special demands on facility management. This also includes the House of Industry, which was built from 1906 to 1911 on Vienna’s Schwarzenbergplatz. During his visit, CHECK’s reporter is reminded by the local archivist Paul Rachler of hidden details, such as graffiti left behind by soldiers stationed here during the occupation period, or the connection of a central vacuum system from the construction period. In contrast to this, the paternoster is still in operation, and is one of the last in Vienna. It has not stopped for cleaning either. All floors in the representative entrance area, in the staircase and in the large festival halls are made of marble. This material is not as robust as one might think: it does not tolerate aggressive detergents and quickly wear off.

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Therefore, it must be sanded and polished once a year.

Haken für die Fensterputzer Auch das Fensterputzen ist in einem historischen Bauwerk eine andere Herausforderung als in einem modernen Bürogebäude, denn es gibt viele kleine Scheiben statt weniger großer. Jedes Fenster muss einzeln händisch geputzt werden. Immerhin können alle Fenster geöffnet werden, sodass die Reinigungsarbeiten von innen erfolgen; die Reinigungskraft sichert sich dann mit ihrem Sicherungsgurt an einem speziell dafür vorgesehenen Haken, der an jedem Fenster fest angebracht ist, um sich für die Reinigung der Oberlichter nach außen lehnen zu können. „Das ist eine größere Aktion, die wir normalerweise zweimal im Jahr für das ganze Haus durchführen lassen“, so Portner. Der Rundgang durch das Haus der Industrie zeigt, vor welche teilweise sehr speziellen Herausforderungen modernes Facility Management in historischen, denkmalgeschützten Gebäuden steht: Auf sensible Materialien muss hier ebenso Rücksicht genommen werden wie auf in die Jahre gekommene Mechanik. Neben viel Handarbeit ist Liebe zum Detail gefragt, damit die Baujuwele aus einer anderen Zeit auch in Zukunft in ihrem vollen Glanz erstrahlen können.

The parquet floors, which are generously laid in offices and corridors, also need to be carefully cleaned, especially when wiping, you should not use too much water. The magnificent staircase leading from the foyer to the first floor has a wrought-iron railing with a brass handrail. The brass may only be polished once or twice a year, otherwise residues of cleaning agents would accumulate on the surface. The Haus der Industrie has a whole range of event halls, the largest of which can seat up to 360 people and is decorated with magnificent figurative decorations. The flat glass roof, which lets light in from above, is so sensitive that it is never cleaned – and apparently, the head of housekeeping is glad he has nothing to do with it. It is different with the large chandeliers, which are located in the festival halls: for cleaning, every single glass part is hung out and cleaned by hand. The biggest of the chandeliers takes two weeks. The lamp above the main stairs is a bit easier in this respect, it can be lowered with a crank. The countless windows are cleaned from the inside. For this purpose, the cleaning force is secured by a specially mounted hook in order to be able to lean far out.

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# kleinkunst

Kunst mit Distanz Clubs und Kleinkunst-BĂźhnen stehen durch die Corona-MaĂ&#x;nahmen vor neuen Anforderungen.

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# kleinkunst coverstory

ENTSPANNT

DURCH DEN ABEND Corona hat Kunst und Kultur mit voller Wucht getroffen. Kleinere Event-Locations, die trotz aller Probleme Live-Erlebnisse bieten, müssen jetzt eine weitere Anforderung stemmen: Optimalen Schutz ihrer Besucher vor Covid-19. Von CHRISTIAN PRENGER

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er erste Anblick ist gewöhnungsbedürftig: Plexiglaswände stehen zwischen den Anwesenden. Die Bar, früher bestens frequentierte Schaltzentrale für Versorgung und Kommunikation, ist durch solche Objekte abgeschirmt. Die Türe geht wieder auf, der Ort jenes Geschehens ist bereits gut gefüllt. Christoph Klein versorgt neue Gäste mit dem schon sattsam bekannten Formular. „Bitte registrieren mit Name, Telefonnummer und E-Mail. Stehplätze sind nicht mehr erlaubt. Euer Tisch ist hier vor der Bühne.“ Dort darf das Duo den Mund-Nasen-Schutz nun endlich abnehmen. „Wir nehmen das nicht locker, im Gegenteil. Obwohl dieser Aufwand schon groß ist“, vermerkt Besitzer Klein. Die neue Corona-Normalität ist also in seinem „Zwe“ angekommen. Wer den Jazzclub am Wiener Donaukanal mit all seinen Bands live erleben will, sollte kein Last Minute-Taktiker sein: Die Besucherzahl wurde im Sinne der Sicherheit um rund 50 Prozent reduziert. Wer nicht rechtzeitig Karten für Konzerte reserviert, dürfte oft schlechte Karten haben, was einen swingenden Abend betrifft. Im schlimmsten Fall droht ein freundlicher Launesenker a lá „Tut mir sehr leid, nächstes Mal“, sollte die Kapazität ausgeschöpft sein.

Wer rechtzeitig geplant hat, verfolgt die Darbietungen mit dem vorgegebenen Abstand zu den anderen Musikfans. Begleitet durch Personal im Dauereinsatz, das bis zur Sperrstunde mit Maske arbeiten muss. Ein solches Szenario wirkt aber keineswegs nur für jene Besucher höchst irritierend, die hier vor der Pandemie ein anderes Jazz-Feeling aufsaugten. „Ich habe plötzlich die dreifache Arbeit und den halben Umsatz“, verweist Klein auf eine ökonomische Schieflage. „Doch ändern kann ich diese Situation jetzt auch nicht. Nur das Beste daraus machen.“ Während das Meissl-Pawluk Quartet seine Instrumente in Betrieb nimmt, begrüßt der Chef Neuankömmlinge, die es knapp geschafft haben. Der Club ist ausgebucht. Was die Zukunft bringen wird, wissen hingegen nur Hellseher. Klar ist eines: Das Virus hat Kunst und Kultur mit voller Wucht erwischt. Seit dem Lockdown hängen speziell kleinere Veranstaltungsorte abseits bekannter Big Player finanziell oft in den Seilen. Viele Etablissements tanzten schon zuvor auf dem monetären Vulkan, der Ausnahmezustand hat ihre Lage extrem verschärft. Wer trotzdem als Szene-Nahversorger fungiert, muss wie das Zwe die nächste Anforderung stemmen: Schutz der Gäste vor Covid-19. CHECK CHECK2020/21 1/2020

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# kleinkunst

Lücken lassen Abstandsregeln sind nur bei fixer Platz-

Ausgeklügeltes Konzept Die Zügel schleifen lässt dabei kein Verantwortlicher, wenn es um Hygiene und Risikoreduktion geht. Nicht nur aus Verantwortungsbewusstsein oder wegen behördlicher Vorgaben. Zu groß ist gleichzeitig die Sorge, über Nacht als Superspreader dazustehen. Was in jeder Hinsicht einen Alptraum darstellt für jene ohnehin arg gebeutelte Branche. „Wir nehmen die Sicherheit von Besuchern, Künstlern und Mitarbeitern sehr ernst. Deshalb wurde ein ausgeklügeltes Präventionskonzept erarbeitet. Die Erfahrungen damit sind sehr gut“, sagt Gernot Kremser, Bereichsleiter Musik im Linzer Kulturzentrum „Posthof“. Grundsätzlich gilt der berühmte Mindestabstand von einem Meter zwischen den Stühlen, Mund-Nasen-Schutz oder Desinfektions-Spender finden sich an jedem Eingang. Im Inneren regiert dann logistische Präzisionsarbeit. Die Säle jener oberösterreichischen Institution sind in Sektoren unterteilt mit eigenen Einlässen. Gastronomie und Veran28

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staltungsbereich bleiben außerdem getrennt. Tatsächlich wird hier gar nichts dem Zufall überlassen: Ein smartes neues Leitsystem navigiert das Publikum zu nummerierten Sitzplätzen, die zusätzlich personalisiert sind. Der Aufwand von „dasWERK“ demonstriert die Bereitschaft der Szene, zusätzliche Kilometer in Sachen Prophylaxe zu gehen. Abstand halten und Desinfektion bilden nämlich längst nicht das Ende der Anti-Virus-Fahnenstange. Wer besagtes Kulturzentrum in der Bundeshauptstadt betreten möchte, muss zuerst einen der bereits verlässlichen Corona-Schnelltests absolvieren. Allfällige Infizierte mutieren nicht zu Superspreadern, die Besucher von Events bleiben vor Covid-19 geschützt. Damit geben sich die Verantwortlichen aber keineswegs zufrieden. Vielmehr wird der Test mit einem zweiten Corona-Blocker verbunden. Es handelt sich um „AlpinAir“, einen Ionisator für die Lüftungsanlage. Zu erschwinglichen Kosten steht eine österreichische Hardware bereit, die kli-

Adobe Stock, TAG

zuweisung umsetzbar wie hier im TAG.


# kleinkunst

Karo Pernegger

nisch reine und nachhaltig virenfreie Luft garantieren soll. Damit wird die Ansteckung über Aerosole vermieden. „Diese Kombination ist ein optimales Konzept für sämtliche Veranstaltungsorte. Es funktioniert und lässt sich mit überschaubarem Budget realisieren“, sagt Stefan Stürzer.

Mentaler Aufwind Der Inhaber und Betreiber von „dasWERK“ ortet aber nicht nur positive gesundheitliche Effekte. Sondern gleichfalls starken mentalen Aufwind für potenzielle Besucher, der ökonomisch dringlich erforderlich ist: „Dieses Gefühl von Sicherheit hat eine große Bedeutung. Wenn deutlich gemacht wird, dass kein Cluster entstehen kann und der Besuch risikofrei abläuft, gehen viele Leute wieder häufiger zu Events. Heute bleiben genug Menschen zuhause, weil sie Angst haben. Das soll sich jedoch schon bald ändern.“ Klar erkennbare Aktivitäten gegen Ansteckungen zeitigen eben auch eine psychologische Nebenwirkung. Die Bevölkerung ist immer noch verstört und fürchtet Infektionen – der heimische Handel kennt konkrete Folgen aus nächster Nähe: Weniger Frequenz in den Geschäften, sinkende Umsätze, finanzielle Turbulenzen. Die Überlegungen von Interessenten im Bereich Kunst und Kultur sind ähnlich gelagert: Warum jetzt das Risiko eingehen, wenn Künstler XY nach einem Impfstoff oder Medikament gegen Corona sicher auch noch zu sehen sein wird. So lange können zahlreiche Locations in Österreich kaum noch warten. Deshalb ist hygienische Überzeugungsarbeit unabdingbar. Damit neben dem tatsächlichen Prophylaxe-Effekt ebenso ein subjektives Gefühl der Geborgenheit entsteht bei einer Zielgruppe, die sich häufig genau über Präventiv-Vorkehrungen informiert, bevor das Ja-Wort für den Ticketkauf fällt. Aufwändiger Schutz senkt dann den Stresspegel dieses Publikums und ermuntert manchen wankelmütigen Kulturgourmet, vielleicht doch den Weg zur Spielstätte anzutreten. Bevor einer Reihe von Betreibern die rote Karte droht in Sachen wirtschaftlicher Existenz. Schließlich kann niemand mit Bestimmtheit voraussagen, wann das einst gewohnte Feelgood-Leben ein Comeback feiert. Dazu schwebt das Damoklesschwert verschärfter Bestimmungen bis hin zu wiederholten Lockdowns gleichfalls permanent über Clubs und Co. So wie gewisse latente Spekulationen, dass speziell Destinationen mit vielen

„Gefühl von Sicherheit hat große Bedeutung. “

Stefan Stürzer Inhaber „dasWERK“ jungen Gästen potenzielle Virenschleudern darstellen. Ob beklemmende Wahrheit oder irrationales Vorurteil: Das Image bekommt angesichts der sensiblen Situation rascher Kratzer ab, die wirtschaftlich kontraproduktiv sind.

Virtueller Ticketkauf Was die Akteure mit aller Kraft verhindern wollen – selbst wenn ihr Klientel gewohnte Verhaltensweisen adaptieren muss. Das „Theater an der Gumpendorfer Straße“ (TAG) ersucht Gäste, Tickets möglichst online zu erwerben und schon 45 Minuten vor Öffnen des Vorhanges einzutreffen. Weiters wird eine Empfehlung ausgesprochen, die „Stopp Corona“-App des Roten Kreuzes zu installieren für das gezielte Contact Tracing. Sollte die Corona-Ampel für Wien Rot anzeigen, sind ohnehin sämtliche Maßnahmen obsolet. Dann schaltet das Programm ebenfalls auf Rot. Die Verantwortlichen senden weiters eine klare Botschaft an Kunstbeflissene: Wer das Registrierungs-Formular mit Name, Telefonnummer und E-Mail nicht ausfüllen will, möge auf den Besuch verzichten. Einschränkungen gibt es auch in Sachen Convenience: Die Gastronomie ist im TAG generell auf Eis gelegt bis auf Becher mit Leitungswasser. Selbst die üblichen Pausen während eines Stückes entfallen. Was möglicherweise nicht wenigen der maximal 61 Zuschauer auf nummerierten Sitzplätzen im 1-Meter-Schachbrettprinzip sehr gelegen kommt. Denn während der gesamten Aufführung herrscht Maskenpflicht, was den Genuss nicht zwingend fördert. Aber ganz offensichtlich wird auch an dieser Spielstätte das Vorbeugungs-Repertoire bewusst ausgeschöpft. „Die Sicherheitsmaßnahmen sind sehr umfangreich. Unser Publikum hält sich an die Regeln, darauf müssen wir strikt CHECK2020/21 1/2020 CHECK

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# kleinkunst

Praktische Prävention Kein Eintritt für Corona: Der „Executive HygieneLeitfaden“ von SIMACEK liefert auch für Clubs und Theater wirksame Hinweise betreffend Hygiene, Desinfektion und Verhalten. Damit die Darbietung zum Wohlfühl-Event für Gäste wird. Die Beschaffung von professionellem Know-how ist nicht immer ein Kunststück – was vor allem in herausfordernden Zeiten hilft. Österreichs EventLocations müssen auf Corona reagieren, damit das Land der gewohnt fruchtbare Boden bleibt für Kunst und Kultur. Speziell kleinere Clubs, Kabaretts oder Theater sind jedoch oft völlig oder teilweise überfordert, wenn es

bestehen. Falls jemand seinen Mund-Nasen-Schutz vergessen hat, halten wir natürlich auch einen Ersatz bereit“, betont TAG-Geschäftsführer Ferdinand Urbach. Aber vor dem Spektakel kommt nun eben die Disziplin. Das Wiener Theater „Werk X“ macht keine Ausnahme. In Meidling betritt das Publikum zunächst einen großen Hof. Geschultes Personal sorgt für den geordneten Einlass und verweist vor Betreten des Gebäudes auf Maskenpflicht und Abstandsregeln. Im lüftbaren Foyer warten Mitarbeiter mit Mund-Nasen-Schutz und Handschuhen auf Anhänger gepflegter Unterhaltung. Die andere Spielstätte im 1. Bezirk setzt aufgrund engerer räumlicher Verhältnisse auf gestaffelten Einlass 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Die Zeitslots werden vorher mittels E-Mail kommuniziert.

auf kompakte Weise beisteuern. Der „Executive Hygiene-Leitfaden“ bietet auch Verantwortlichen von Veranstaltungsorten ebenso nützliche wie direkt umsetzbare Hinweise in Sachen Prävention. Ohne graue Theorie, vielmehr stehen Tipps aus der Praxis des Unternehmens für die Praxis im Mittelpunkt. Sei es nun der richtige Umgang mit Masken, Desinfektion, Verhaltensmaßnahmen, Abstand oder Hygiene. Unter www.simacek.at findet sich besagtes Vorsorgepaket jetzt online oder als PDF zum Download.

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Kontaktlose Kassa Der Kassabetrieb in beiden Häusern wiederum läuft völlig kontaktlos. Das Publikum kann seine Tickets nach dem Erwerb selbst abreißen. Vor und während der Vorstellung werden Türgriffe und Toilettenanlagen desinfiziert. Für Schlangen oder Staus vor dem Saal existiert gleichfalls ein Gegenmittel: Das Publikum ist eingeladen, rechtzeitig Platz zu nehmen. Ein dynamischer Saalplan macht möglich, dass Gruppen das Geschehen zusammen verfolgen können. Weiters informieren Ansagen via Lautsprecher alle Anwesenden über die Regeln während

Christoph Klein

um einen wirklich effizienten Schutz ihrer Besucher vor Covid-19 geht. SIMACEK kann hier verwertbares Wissen


# kleinkunst

Kombination aus Maßnahmen Das Linzer Kulturzentrum „Posthof“

Günther Kröger

hat ein eigenes Präventionskonzept.

der Performance. Nach dem Schlussapplaus heißt es für alle Besucher, die noch in betörenden Theater-Sphären schweben: Rückkehr in die Realität. Bei Verlassen der Spielstätten ist das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes bis ins Freie Pflicht. Trotz aller Vorschriften sind Unmutsbekundungen oder Ärger ausgeblieben. „Das Publikum ist kooperativ und dankbar, kulturelle Angebote in Pandemiezeiten nutzen zu können. Deshalb ist es bisher zu keinerlei Komplikationen oder Beschwerden gekommen“, sagt Werk X-Geschäftsführer Ali M. Abdullah. Offenbar gelingt den Veranstaltern ein sinnvoller Balanceakt zwischen Prävention und Wohlfühlfaktor. In der Event-Location CasaNova Vienna beispielsweise wurde demonstriert, wie sich der Bewegungsradius durch ein komfortables Service zusätzlich reduzieren lässt: Durch das Aufnehmen von Bestellungen direkt am Tisch. Dadurch muss niemand mehr seinen Platz verlassen für eine mögliche Konsumation. Neben anderen Maßnahmen wie Plexiglasscheiben an der Bar wurde die Lüftung nochmals verbessert. Jetzt sorgt vollständige Frischluft statt Raumluftumwälzung für sichere klimatische Verhältnisse. Solche Mühe lohnt sich offenbar in jeder Hinsicht, belegt Geschäftsführer Martin Reiter: „Das meist etwas ältere Publikum für Kabarett und Musik ist froh, endlich wieder einen entspannten Abend genießen zu können. Durch den Abstand und Covid-19-Maßnahmen im Haus buchen viele sogar noch am selben Abend eine weitere Veranstaltung.“

Summary Corona, along with many other industries, has hit the event scene hard. Viennese jazz clubs, comedy and cabaret stages and small theatres are faced with measures that are difficult to implement and which significantly reduce their sales. Nevertheless, many of them are striving to comply with the legal measures precisely, if not more than necessary, because they do not want to become super-spreader locations.

Guests are advised to make contactless payments via online booking. Mouth-nose protection for the staff is required everywhere, in some cases it is also required for the guests. Ordered admission, partly with allocated time slots, and fixed placement, often by far in the chessboard principle, are now a must in Vienna’s venues. This means a high costs for staff and, at the same time, a reduction in revenue due to the inability to use the space available. The usually lucrative gastronomy is mostly completely avoided. This balancing act of the organizers between prevention and well-being is apparently well received by the audience: Many of the visitors are happy to enjoy a relaxed evening without worrying about a possible infection.

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# corona

Infektionsgefahr reduzieren Desinfektion ist eine wichtige Maßnahme gegen Viren.

CORONA Die Covid-19-Pandemie hat große Auswirkungen auf Beschäftigte im Facility Management. Denn einerseits müssen sie sich selbst vor der Ansteckungsgefahr schützen, andererseits müssen sie aber möglichst gründlich Räume oder ganze Gebäude desinfizieren. Von THOMAS LANGER 32

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MASSNAHMEN


# coverstory # corona

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SIMACEK

ie seit März 2020 andauernde Corona-Krise stellt Gebäudemanagement-Unternehmen wie SIMACEK vor große Herausforderungen. Denn es geht bei den vielfältigen Arbeiten der Gebäudereinigung jetzt nicht nur um die Sauberkeit, sondern um eine gründliche Desinfektion, die das Ausbreiten des SARSCoV-2-Virus möglichst verhindern soll. Während des Shutdowns im März und April bangten viele Mitarbeiter in den fast 9.000 Reinigungsbetrieben in Österreich um ihre Jobs, da viele Büros verschlossen blieben und Veranstaltungen abgesagt wurden. Laut Gerhard Komarek, Innungsmeister der Sparte Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung der Wirtschaftskammer Österreich, waren im Frühjahr 53.000 Mitarbeiter von einem möglichen Jobverlust betroffen. Dabei wird die Gefährlichkeit des Virus – die nicht mit der des Pestbakteriums oder mit der Spanischen Grippe vergleichbar ist – von vielen offiziellen Stellen wahrscheinlich überbewertet, wie es das von Hannes Hofbauer und Stefan Kraft im Promedia Verlag herausgegebene Buch „Lockdown 2020“ verdeutlicht. Hinzu kam die Problematik, dass es beim ersten Lockdown im März zunächst zu wenig Hygieneartikel gab, um Gebäude professionell zu reinigen und zu desinfizieren. Gerald Maier-Sauerzopf, Prokurist bei SIMACEK Facility Management, erklärt die Situation im Frühjahr so: „Die Hersteller sind mit der Produktion einfach nicht nachgekommen. Wir haben aber vorgesorgt und ausreichend Material und Desinfektionsmittel zur Verfügung.“ Im zweiten Lockdown ist dieses Problem längst gelöst, da diesbezüglich ausreichend vorgesorgt wurde. Auch beim Reinigungsbetrieb ISS Facility Services hat man den Bestand an Reinigungsmitteln großzügig aufgestockt. Bei der Schutzausrüstung habe man sich zeitgemäß eine internationale Supply Chain für Notfälle aufgebaut, heißt es in einer Aussendung des Unternehmens.

Arbeitseinsatz in Coronazeiten Für den Arbeitseinsatz während der derzeitigen Covid-19Pandemie ist zunächst wichtig, dass sich die Mitarbeiter so verhalten, dass sie nicht selbst zu Virusüberträgern werden: Dazu zählt das häufige gründliche Händewaschen mit Seife vor und nach jeder Tätigkeit. Außerdem

Wichtige Dienstleistung Facility Management-Unternehmen bieten auch Raum- und Flächendesinfizierung an.

sollen sie bei ihren Arbeiten, soweit das möglich ist, zu anderen Personen immer einen Abstand von mindestens einem Meter einhalten. Während des Dienstes müssen die Angestellten auch eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen und mit Handschuhen arbeiten. Allerdings ist vorher zu beachten, dass die Hände desinfiziert und eingecremt werden müssen. Wenn Mitarbeiter des Facility Managements im Außendienst beschäftigt sind, wird es empfehlenswert sein, sich ein Desinfektionsmittel mitzunehmen. Damit wirklich keine Virusübertragung möglich ist, soll nämlich gelegentlich auch das eigene Handy desinfiziert werden. Denn selbst das Smartphone kann zu einer Virenschleuder werden. Außerdem soll sich der Mitarbeiter so wenig wie möglich ins Gesicht greifen und beim Niesen oder Husten auf jeden Fall Papiertaschentücher verwenden, die gleich entsorgt werden können. Die Firma SIMACEK hat dazu einen eigenen Guide herausgegeben, der alle wertvollen Tipps zu den Hygienemaßnahmen im Büro CHECK CHECK2020/21 1/2020

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# corona

Selbstschutz Das Tragen von Handschuhen ist ein Muss.

Mund-Nasen-Schutzmasken Während in vielen asiatischen Staaten das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes wegen der dortigen Luftverschmutzung vor allem in Ballungsräumen nichts Ungewöhnliches ist, müssen wir in Europa uns erst daran gewöhnen. Damit die Schutzmasken – oft sind sie bei uns handgefertigt aus Stoff – wirklich die Sicherheit bieten, die sie gewährleisten sollen, müssen sie auf jeden Fall Mund und Nase bedecken. Sie verhindern weitgehend eine Übertragung des Virus auf andere Personen, schützen aber den Träger selbst nicht. Verschiedene Berufsgruppen – dazu gehören auch Mitarbeiter von Reinigungsfirmen – müssen bei ihren Tätigkeiten partikelfiltrierende Halbmasken tragen, die gesetzlichen Regelungen unterliegen und speziellen europaweit normierten Prüfkriterien (EN 149:2001, EN A1: 2009) entsprechen. Sie haben die Bezeichnungen „FFP1-“, „FFP2-“ und „FFP3-Maske“. FFP1-Masken filtern etwa 80 Prozent der in der Luft befindlichen Partikel, FFP2-Masken etwa 94 Prozent und FFP3-Masken sogar mindestens 99 Prozent. Letztere schützen vor giftigen, krebserregenden und radioaktiven Partikeln und werden auch zum Schutz 34

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vor Viren und Bakterien empfohlen. Die Covid-19-Viren verbreiten sich genauso wie Schnupfen- oder Grippeviren durch kleine Tröpfchen in der Luft. Diese entstehen, wenn eine infizierte Person laut spricht, singt, hustet oder niest. Virologen meinen deshalb, dass sich das neue Coronavirus dann in der Luft befindet, wenn es von einer erkrankten Person ausgehustet wird. Allerdings wird dabei außer Acht gelassen, dass sich das meist nur mit dem Mikroskop feststellbare SARSCoV-2-Virus oft auch auf Oberflächen festsetzt: Untersuchungen in US-Labors zeigten, dass die Konzentration der Viren auf Kupfer erst nach 3,76 Stunden auf die Hälfte gesunken ist. Auf Pappe vergingen 1,74 Stunden, auf Stahl 13,1 und auf Plastik 15,9 Stunden, bis die Hälfte der Viren verschwunden war. Aus diesem Grund kann eine professionelle, präventive Raum- oder Flächendesinfektion zur Minimierung eines weiteren Ansteckungsrisikos führen. Facility Management-Unternehmen führen dank ihrer Expertise auf diesem Gebiet die gewünschten Maßnahmen nach eingehender Beratung bei ihren Kunden durch.

Hauptaufgaben in Coronazeiten Facility Management-Unternehmen sind auf dem Gebiet Hygiene und Raumdesinfektion Experten. Das kommt ihnen in der derzeitigen Infektionssituation in Österreich

SIMACEK

und in Kundenbereichen enthält. Er ist auf der Homepage des Unternehmens www.simacek.com herunterladbar.


SIMACEK

# corona

und den angrenzenden Ländern zugute. Sie werden sowohl zur Prävention als auch im Fall einer Kontamination zurate gezogen. Denn sie haben die Mittel, um dem Kunden individuell nach Schweregrad der Kontamination die passende Raum- oder Flächendesinfektion anzubieten. Sie können aber auch für eine Firma, eine Behörde oder eine Schule ein maßgeschneidertes Hygienekonzept ausarbeiten. Für die Raumdesinfektionen wurden seit Beginn der Covid-19-Pandemie bei der Firma SIMACEK neue Desinfektoren ausgebildet, um die bestehenden Teams zu erweitern. Allerdings wurden diese meist von anderen Abteilungen abgezogen, wo derzeit weniger zu tun ist. Es wurde also kaum zusätzliches Personal dafür aufgenommen. Von der Firma SIMACEK sind in Wien derzeit 20 Mitarbeiter für Raum- oder Flächendesinfektionsmaßnahmen im Einsatz, in anderen Bundesländern noch weitere zehn. Auch die Firma Attensam, die in mehreren österreichischen Bundesländern in der Hausbetreuung tätig ist, spürt den gesteigerten Bedarf an Oberflächendesinfektionen. Das Unternehmen schreibt in einer Aussendung: „War dieser Bereich vor dem Corona-Lockdown nur eine Nische, haben sich die Aufträge mehr als verzwanzigfacht und liegen nun im mittleren dreistelligen Bereich.“ Attensam betreute im Geschäftsjahr 2019/20 mit durchschnittlich 1.482 Mitarbeitern mehr als 21.500 Liegenschaften in ganz Österreich.

Präventionsmassnahmen in Räumen Da Schwebepartikel in der Luft oft auch unerwünschte Mikroorganismen mitbefördern und so zu sogenannten „Virenschleudern“ werden, bieten moderne Gebäudereinigungsfirmen zur Prävention eine Aerosolierung der Raumluft mit Wasserstoffperoxid (H2O2) oder mit alternativen Produkten wie Triglosene Sodium (NaDCC) oder Hydroxyessigsäure (HA) an. Dabei wird im Raum mit einer Kaltvernebelung von Trockenaerosolen gearbeitet, deren Partikel kleiner als 10 µm sind. Diese erwirken trotz der äußerst geringen Wirkstoffmenge einen großen Oberflächenkontakt. Bei der Arbeit mit Wasserstoffperoxid ist das Verfahren auch umweltschonend. Denn diese Substanz zerfällt bei dem Vorgang in Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O). Die bei der Trockennebelerzeugung freiwerdenden Sauerstoffatome binden bei der Aerosolierung unerwünschte Schwebepartikel (Mikroorganismen und Geruchsstoffe). So bewirkt eine vorbeugende Raumdesinfizierung eine Minimierung des Ansteckungsrisikos. Ein Restrisiko besteht aber trotz gründlichster Raumdesinfizierung. Denn es muss dazu gesagt werden, dass es technisch nicht möglich ist, Schwebepartikel in der Luft zu 100 Prozent herauszufiltern. Die Arbeiten werden von speziell ausgebildeten Facharbeitern mit Schutzbekleidung, Einweg-Überschuhen und Atemschutzmasken in allen Räumen durchCHECK2020/21 1/2020 CHECK

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# corona

Geländer als Infektionsfalle Vor allem häufig berührte Flächen müssen sorgsam desinfiziert werden.

Räumlichkeiten geeignet, die eine hohe oder stark wechselnde Nutzerfrequenz aufweisen. Sie ersetzt aber nicht das übliche Reinigen beispielsweise von Büroräumen. Dazu Mayer-Sauerzopf von SIMACEK: „Reinigungen zu reduzieren ist kontraproduktiv, da es für jene Personen essenziell ist, die noch in den Büros sind, und weil es ein ‚Danach‘ gibt und dann mit erhöhtem Aufwand gereinigt werden muss. Sprich: Keiner erspart sich etwas.“

Massnahmen zur Flächendesinfektion Neben der Raumdesinfektion hilft die von vielen Reinigungsfirmen durchgeführte Flächendesinfektion, dass sich das SARS-CoV-2-Virus nicht noch schneller aus36

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breitet. Dabei werden vor allem Türgriffe, Handläufe, Lift- und Lichtschalter – also alle Gegenstände in Bürohäusern, in Ämtern oder Spitälern oder öffentlichen Verkehrsmitteln, die von vielen Personen berührt werden – mit einem speziellen Desinfektionsmittel gründlich gereinigt. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass Computertastaturen und Bildschirme, die von mehr als einer Person benutzt werden, zumindest täglich gereinigt werden sollten, damit sie nicht zu Virenschleudern werden können.

Desinfektionsmittel stark nachgefragt Hersteller von Desinfektionsmitteln wie die international agierende Chemiefirma Diversey können der Nachfrage, die mit den noch immer viel zu hohen Infektionszahlen mit dem SARS-CoV-2-Virus einhergeht, kaum entsprechen. So sagt die Unternehmenssprecherin von Diversey, Helga Strasser, dazu: „Die aktuelle Lage stellt aufgrund der Dimension des Ausbruchs eine große Herausforderung dar. Aktuell ist es nach wie vor äußerst schwierig, mit der enormen und sich dynamisch entwickelnden Nachfrage Schritt zu halten, die bei einigen Desinfektionsprodukten zu einer längeren Vorlaufzeit im Vergleich zu unseren normalen Lieferzeiten führt.“ Bestellungen werden unter Vorbehalt entgegengenommen, das Lieferdatum wird so schnell wie möglich bestätigt. „Wir tun unser Bestes, die Aufträge so rasch

Adobe Stock, SIMACEK

geführt, die die jeweilige Geschäftsleitung für wichtig erachtet. Facility Management-Firmen wie SIMACEK sperren den Raum für die Aerosolierung nach allen Vorarbeiten ab und geben ihn erst nach der Entsorgung der kontaminierten Arbeitsmaterialien wieder frei. Die Raumdesinfektion dauert im Normalfall zwischen zwei und vier Stunden. Aus Sicherheitsgründen wird immer zu zweit gearbeitet. Mit der Aerosolierung lassen sich Büro- und Klassenräume oder öffentliche Räume in Ämtern und Behörden ebenso desinfizieren wie Sportanlagen, Verkehrsmittel und Industriehallen. Generell ist diese Art der Gebäudedesinfizierung sowohl für sensible Bereiche wie beispielsweise Isolierstationen in Krankenhäusern mit Akutfällen als auch für


# corona

Gemeinsam gegen das Virus Der Kampf gegen das Virus ist

Adobe Stock, SIIMACEK

eine Gemeinschaftsaufgabe.

als möglich zu erfüllen, und arbeiten auch mit Teillieferungen, wann immer möglich“, sagt Strasser weiter. Diversey hat wegen der großen Nachfrage in den eigenen Produktionsstätten und in denen der Partner eine Nacht- und Wochenendschicht eingeführt. Desinfektionsmittel werden nämlich vor allem dort benötigt, wo Kundenkontakt besteht, also in Geschäften, Ämtern und Behörden, in der Gastronomie und Hotellerie, im Gesundheitsbereich (Ärzte, Apotheken, Spitäler, Ambulanzen, Pflege- und Seniorenheime), aber auch in Verkehrsmitteln, in Bildungseinrichtungen (Schulen, Universitäten) und Räumen für die Religionsausübung. Fachkräfte von Facility Management-Firmen haben also gerade in diesen herausfordernden Zeiten eine verantwortungsvolle Aufgabe, um die weitere Ausbreitung der Pandemie zumindest zu erschweren. Denn viele Desinfektionsmaßnahmen helfen nur, wenn sich die Menschen, für die sie durchgeführt werden, selbst an Sicherheitsvorschriften wie das Händedesinfizieren und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes halten. Auf jeden Fall besteht die besondere Herausforderung für Mitarbeiter von Facility Management-Firmen darin, einerseits dafür verantwortlich zu sein, dass die Räumlichkeiten in den Gebäuden so gereinigt werden, dass ein sicheres Arbeiten ohne großes Ansteckungsrisiko möglich ist, sich aber andererseits auch selbst immer genügend vor einer Coronainfektion zu schützen.

Summary The corona crisis, which has been ongoing since March 2020, poses major challenges for building management companies such as SIMACEK. This is because the multifaceted tasks of building cleaning are now not only about cleanliness, but also about thorough disinfection, which should prevent the spread of the SARS-CoV-2 virus as good as possible. In addition to the personal protection measures that each employee should take during his work assignments, the Facility Management is currently primarily concerned with surface and room disinfection. Especially in large companies with open-plan offices or in hospitals, retirement and nursing homes, a single Covid-19positive tested person can cause an entire infection cluster. With the help of aerosolisation, suspended particles (microorganisms, fragrances) can be bound. However, complete protective equipment is required for the work. Particularly important is the careful disinfection of door handles, handles in general, lifts and light switches where many different people come into contact, i. e. especially in means of transport, in government buildings, shops, retirement and nursing homes as well as in large companies. Modern building management companies also offer drafting of hygiene concepts that can contribute significantly to minimizing the risk of infection.

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# künstler

REIN KÜNSTLERISCH CHECK befragte Österreichs TopKünstler, wie sie diese herausfordernde Zeit meistern. Und bekam überraschende Antworten. Von BEATE BINDER

Krisenmanagement Österreichs Künstler sind in der Krise zur Improvisation gezwungen.

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# coverstory # künstler

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ygiene war noch nie so wichtig wie in Corona-Zeiten. Bei Künstlern zählt dies doppelt. Denn wer auf der Bühne, im Theater, in Film, Funk und Fernsehen oder in der Auslage vor Publikum auftritt, der bedarf ganz besonders der inneren Hygiene. Da treffen dann die Werte des Herzens mit den Werten des Mops zusammen. Solange der Lockdown an den Nerven zerrt, die Bühnen gesperrt sind und ein Auftritt nach dem anderen abgesagt wird, ist Abwarten und Geduld angesagt. Während Maler und Schriftsteller sich für ihre Arbeit leicht zurückziehen können, ist das Leben von Schauspielern und Musikern nicht wirklich krisenkompatibel. Sie brauchen die Bühne, das Publikum, den Applaus. Dennoch lassen sich Österreichs Künstler von der Krise nicht unterkriegen. Sie planen für die Zeit nach Corona und halten sich fit für zukünftige Auftritte. CHECK befragte Österreichs Top-Künstler nach ihren persönlichen Corona-Maßnahmen. Und stieß auf persönliche Verhaltensregeln und wunderliche Rezepte.

Weiters finde ich den Austausch mit anderen Kolleginnen und Kollegen, die in einem ähnlichen Feld tätig sind, immer sehr befruchtend und inspirierend. Darüber hinaus genieße ich es, viel mehr Zeit als sonst mit meiner kleinen Tochter zu verbringen. Das Positive in der Herausforderung zu sehen, finde ich sehr wichtig.

Andy Lee Lang schützt sich mit Seife und Sternanis.

Adobe Stock, Archiv, Anna-Fay, Andy Lee Lang

Andy Lee Lang, Sänger Ich wasche mir sicher öfter als üblich die Hände. Dies allerdings mit Seife und nicht mit Desinfektionsmittel. Meinen Körper schütze ich mich mit Sternanis und Vitamin D. Anna-Fay, Singer-Songwriterin Nachdem ich Künstlerin bin, halte ich mich an die Covid-Bestimmungen bei Auftritten. Ich trage auch privat die Maske in öffentlichen Einrichtungen und wasche mir die Hände – Letzteres habe ich aber immer gemacht. Sonst ernähre ich mich gesund und mache viel Bewegung im Freien. Vor allem jedoch ist es wichtig, nicht den Kontakt zur Familie und zu Freunden zu verlieren. Nina Blum, Schauspielerin Ich nutze die Zeit, um gemeinsam mit meinem Team schon jetzt alternative Konzepte für meine Festivals im Sommer 2021 zu überlegen, damit wir dann auch sicher spielen können. Da niemand von uns weiß, wie lange diese Ausnahmesituation andauern wird, finde ich es wichtig, nach flexiblen neuen Lösungen zu suchen.

Anna-Fay setzt auf

Bewegung im Freien.

Nina Blum sucht nach Alternativen für 2021.

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# künstler

Bühnensperre Absagen von Auftritten und Konzerten sind das größte Problem.

außergewöhnliche

Konzerte.

Raimund Seidl nutzt die

Zeit zum Malen.

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Raimund Seidl, Künstler Ich komme sehr gut mit den vorgeschriebenen Corona-Maßnahmen zurecht. Eigendisziplin und Verantwortungsgefühl über mein ganzes Umfeld lassen mich die Vorgaben der Verantwortlichen leicht umsetzen. Ich möchte ja selbst, dass sich das Coronavirus so bald als möglich schleicht – so wie ein Bild von mir heißt. Ich nütze und nutzte die bisherige Corona-Zeit, um einige Gemälde zu vervollständigen, die schon seit längerer Zeit darauf gewartet haben. Malen, mein Garten und ein gutes Gläschen Wein oder auch Prosecco lassen mich diese Pandemie ganz easy ertragen.

Adobe Stock, Alex List, Archiv

Maya Hakvoort gibt

Maya Hakvoort, Musicaldarstellerin 1. Ich trage die Maske. 2. Ich gebe niemandem die Hand. 3. Ich bleibe auf einem Meter Abstand. 4. Ich reduziere meine Besuche. 5. Ich nehme extra Vitamin D und Vitamin C täglich. 6. Ich trinke einen Sud aus Knoblauch, Ingwer, roter Zwiebel und dem Grün der Jungzwiebel zur Stärkung und Abwehr des Virus. 7. Ich versuche durch außergewöhnliche Konzerte meine Existenz abzusichern, damit ich mein Geld verdiene.


# kleinkunst # künstler

Mundtot gemacht In Corona-Zeiten hat die Kunst keinen leichten Stand.

Gudrun Sageder, Künstlerin Ich sorge dafür, dass mein Immunsystem gut funktioniert: Dafür nehme ich Omega-3 BalanceOil und Beta-Glukane. Somit schaffe ich meinen Schutz von innen! Des Weiteren habe ich fast alle beruflichen Aktivitäten auf Online umgestellt und bin somit unabhängig von Lockdown-Gefahren oder Ausgehbeschränkungen und somit auch finanziell abgesichert!

Adobe Stock, Felicitas Matern, Lucas Babuder

Lucas Babuder, Sänger Ich trage einen Mund-Nasen-Schutz, wo es vorgeschrieben ist, wasche oft meine Hände und halte Abstand. Mit genügend Alkohol desinfiziere ich außerdem meinen Körper regelmäßig von innen. Caroline Athanasiadis, Kabarettistin Mit Humor geht alles leichter – das gilt natürlich gerade in dieser Zeit. Deshalb versuche ich, viele Dinge nicht zu ernst zu nehmen. Durch kleine Ausflüge, und sei es nur zum Kuchenessen in die Stadt zu fahren, halte ich mich und meine Familie bei Laune. Wir verbinden die Hygiene-Maßnahmen mit Unterhaltung: Beim Händewaschen singen wir immer ein anderes Lied, und wenn wir die Masken aufsetzen, dann spielen wir „Gangster und Räuber“. Das macht nicht nur den Kindern Spaß, sondern auch in mir wird das Kind wieder geweckt.

Lucas Babuder setzt auf

„Desinfektion von innen“.

Caroline Athanasiadis singt beim Händewaschen.

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# künstler

Auf Distanz Konzerte müssen seit der Pandemie online stattfinden.

Covid-19-Beauftragten

ausbilden lassen.

Monika Ballwein setzt

auf positives Denken.

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Monika Ballwein, Sängerin 1. Ich achte gut auf meine Gesundheit, ernähre mich gesund, mache Sport und stärke mein Immunsystem zusätzlich. 2. Ich bin ich achtsam im Umgang mit den Mitmenschen, trage Maske überall, wo und wenn es notwendig ist. 3. Selbstfürsorge – auf mich schauen, positiv denken, arbeiten so gut es geht. Dinge und Projekte vorantreiben, zu denen ich sonst keine Zeit habe. Und neue Wege finden, um trotzdem auftreten oder in irgendeiner anderen Form meinen Beruf ausüben zu können, wie Garagenkonzerte, Online-Sessions usw.

Adobe Stock, Robert Anzböck, Monika Ballwein

Wolf Frank hat sich zum

Wolf Frank, Unterhaltungskünstler Als Künstler halte ich mich an die von Experten empfohlenen Hygiene-Maßnahmen wie Abstand halten, in die Armbeuge niesen oder husten, Hände waschen und desinfizieren usw. Weiters habe ich zur eigenen Sicherheit und der meines Publikums die Ausbildung zum Covid19-Beauftragten gemacht. Nachdem meine zweite Berufung als Gesundheits- und Smovey-Coach die Gesundheit ist, stärke ich mein Immunsystem durch das von meiner Frau Michaela und mir kreierte HuBeVit-Lebensprinzip unter anderem mit hochwertigen Vitalstoffen. Dadurch sind wir gesundheitstechnisch bestens gerüstet und guter Dinge, dem Virus ein Schnippchen zu schlagen.


# kleinkunst # künstler

Bühnensperre

Absagen von Konzerten Notlösung und AuftritMusikunterricht ten sind das größte Problem. einmal ganz anders.

Claudia Rossbacher, Schriftstellerin Was meine Corona-Schutzmaßnahmen anbelangt, so halte ich mich an die Empfehlungen: Abstand halten, Schutzmaske in Innenräumen tragen, häufig und gründlich Hände waschen. So halte ich es auch bei den wenigen Lesungen, die stattfinden. Mit den Öffis fahre ich sowieso nicht. Die meiste Zeit verbringen mein Mann und ich in unserer Hütte am Reinischkogel in der Weststeiermark, die abgeschieden mitten im Wald auf 1.000 Meter Seehöhe liegt. Spaziergänge an der frischen Luft, die das Immunsystem stärken, sind dort jederzeit ohne menschliche Begegnungen möglich. Außer uns sagen sich höchstens Fuchs und Hase Gute Nacht.

Summary Hygiene has never been as important as in Corona times. For artists, this counts twice. For those who perform on stage, in the theatre, in film, radio and television or in the exhibition in front of the audience, they particularly need internal hygiene. Then the values of the heart coincide with the values of the mop. CHECK went on a search for the hygiene regulations of Austria’s top artists and asked them about their personal Corona measures. Of course, with every artist at the top of the priority

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list is to comply with the legal protection measures,

Robert Sommer, Schriftsteller Künstler leben ja vornehmlich in einer Bussi-Bussi-Gesellschaft – man ist es eigentlich gewohnt, die Zugehörigkeit zu Gleichgesinnten, sei es unter Kolleginnen und Kollegen, aber auch dem Publikum gegenüber, auch durch eine gewisse körperliche Nähe zu dokumentieren: etwa Umarmungen und Küsschen, zumindest aber einen innigen Händedruck. Das alles versuche ich bei meinen Lesungen und Vorträgen zu vermeiden. Am Anfang fiel das gar nicht so leicht, weil es ja automatisierte Bewegungen und Abläufe sind. Sicherheitshalber habe ich auch immer flüssige Desinfektionsmittel eingesteckt, die ich vorher, dazwischen und danach intensiv verwende.

such as wearing a mouth-nose protection – cabaret artist Caroline Athanasiadis even makes it a fun pastime with her family: “When we put on the masks, we play gangsters and robbers. This is not only fun for the children, but also the child in me is awakened again.” In the Corona period, a great deal of emphasis is also placed on hand washing. For safety reasons, however, liquid disinfectants are also always found in the pockets of many artists. Singer Andy Lee Lang, musical actress Maya Hakvoort and painter Gudrun Sageder also rely on an extra immune boost by taking vitamin C, vitamin D and omega-3 fatty acids.

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# hausbetreuung

Generalisten sind gefragt Moderne Hausbetreuung ist viel mehr als nur die Reinigung des Stiegenhauses.

HAUSBETREUUNG Immobilien mĂźssen nicht nur bewohnt, sondern auch gepflegt werden. Eine gute Hausbetreuung ist deshalb durch nichts zu ersetzen. Vertrauen ist dabei das Wichtigste. Von ELISABETH KLOKAR 44

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ANALOG & DIGITAL


# hausbetreuung

W

aren es über Jahrzehnte die Hausmeister, die sich um das Wohl der Wohnanlagen kümmerten, sind es heute zunehmend Firmen mit einem Fullservice-Angebot. Das „Wiener Original“ – der Hausmeister – übte eine wichtige Rolle im sozialen Stadtgefüge aus: Er war Vermittler zwischen Hausherrn und Mietern, er war stets um Ordnung bemüht und wusste über alle baulichen Gebrechen und menschlichen Anliegen Bescheid. Geändert hat sich seitdem einiges. Unverändert geblieben ist, dass eine Immobilien-Betreuung wichtig ist, denn unbeaufsichtigte Gebäude verkommen. Das weiß Ursula Simacek, Geschäftsführerin des gleichnamigen Familienunternehmens: „Heutzutage ist es nicht mehr ausreichend, einen einzelnen Hausbesorger einzusetzen,

da die Anforderungen gestiegen und Generalisten gefragt sind. Es geht dabei auch um Haftungsfragen und gesetzliche Bestimmungen.“ Hausverwaltungen beauftragen heute externe Firmen, die unterschiedlich qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen, um alle Erfordernisse abdecken zu können. Dies reicht von der Immobilienbewirtschaftungskostenrechnung über eingesetzte Fassadenkletterer und Reinigungsspezialisten bis hin zur Wohnstraßensicherheit durch den Securitydienst und ausgebildete Schädlingsbekämpfer, die sich um die Rattennachschau, aber auch um die Taubenabwehr kümmern. Denn Leistungen aus einer Hand zu bekommen hilft, Zeit und Kosten zu sparen. Ein wesentlicher Faktor, wenn man im Besitz mehrerer Wohnanlagen oder Immobilien ist. Ursula CHECK CHECK2020/21 1/2020

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# hausbetreuung

„Ich bin sehr darauf bedacht, wen ich in meine Wohnung, in meine Privatsphäre lasse.“

Daniel Serafin Intendant Oper im Steinbruch

Facts Insgesamt sind im Reinigungsservice in ganz Wien mehr als 1.500 Personen im Einsatz. Die SIMACEK-Hausbetreuung ist in ganz Österreich und in

Simacek: „Wir sehen uns hier als zusätzliche Augen der Verwalter in den betreuten Objekten.“ Und auch diese Branche wird digitaler: „Wir müssen auf Innovationen setzen. Längst hat die Digitalisierung auch die Facility Service-Branche erreicht. Aktuell werden digitale Dashboards zur Gebäudebewirtschaftung getestet, in deren Rahmen jeder Kunde die relevanten Daten seines Auftrags auf Knopfdruck verfügbar hat.“ Denn schnelles Reagieren auf die Bedürfnisse der Kunden und der Mitarbeiter gehört zum Standard. „Wir haben beispielsweise ein eigenes Infrastrukturprogramm entwickelt, das nicht nur die laufenden Kosten einer Immobilie optimiert, sondern auch dazu beiträgt, Nutzwert, Vitalität und Wohlfühlfaktor zu erhöhen.“ Gesichtete Schäden oder Sicherheitsrisiken können über Fotodokumentationen rasch gemeldet und auf Nachfrage auch sofort behoben werden.

weiteren fünf CEE-Ländern vertreten. oder Eigentümer. Individuelle Offerten richten sich nach den Arbeitsanforderungen, Reinigungsintervallen, Spezialreinigungen oder Ähnlichem. Seit Corona sind der MNS und Abstand Usus. Die Desinfektion der neuralgischen Stellen im Haus (Türklinken, Aufzugstableaus, Geländer uvm.) ist als Zusatzleistung hinzugekommen. E-Mail: hausbetreuung@simacek.at Tel.: +43 1 2116610150

Kultur-Stars setzen auf Vertrauen Silvia Schneider, Moderatorin und Designerin: „Meine Familie kümmert sich um meine Wohnung, solange ich unterwegs bin. Ich pendle zwischen Linz und Wien, da steht schon mal eine Wohnung länger leer.“ Daniel Serafin, Intendant Oper im Steinbruch: „Ich bin sehr darauf bedacht, wen ich in meine Wohnung, in meine Privatsphäre lasse. Es braucht Vertrauenspersonen, und das sind meine Eltern und meine Hausdame.“ Mario Dalpra, Künstler: „Mein Atelier und die Wohnung in Wien vertraue ich meiner Frau, einem guten Freund und meinem Galeristen an, wenn er Sammlern meine Werke zeigen möchte.“

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Umfangreiches Leistungsspektrum Der Bereich der Reinigung und Hausbetreuung gehört schon seit 1955 zum Kernbereich der Dienstleistungen von SIMACEK. „Damals wurde die Leistung für befreundete Hauseigentümer mit Spezialreinigungsteams durchgeführt. Aufgrund von Empfehlungen kamen immer mehr Häuser zur Betreuung hinzu. Heute gibt es Kapazitäten für ganz Wien und die Bundesländer.“ Betreut werden heute Wohnanlagen, einzelne Zinshäuser und Einfamilienhäuser. Abgedeckt werden dabei sämtliche Leistungen rund um Haus und Garten: Von der gründlichen Stiegenhaus- und Fensterreinigung über die regelmäßige Säuberung und Kontrolle sämtlicher Beleuchtungskörper bis hin zur Meldung und Reparatur kleiner Schäden – Spezialisten kümmern sich um das „schwarze Brett“, die Gartenbetreuung, die Schädlingsbekämpfung, die wöchentliche Betriebskontrolle des Aufzuges, die Taubenabwehr und um sämtliche Sicherheitsdienste bis hin zur Objektsicherheitsüberprüfung nach ÖNORM B13001. USP sind die Mitarbeiter In der Hausbetreuung geht es in erster Linie um die Zufriedenheit der Mieterinnen und Mieter beziehungsweise um die der Eigentümerinnen und Eigentümer.

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Die Beauftragung erfolgt in der Regel durch Hausverwaltungen


# hausbetreuung

Wertsicherung Professionell betreute Gebäu-

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de gewinnen an Attraktivität.

„SIMACEK kümmert sich darum, dass das betreute Objekt seinen Wert behält und die Wohn- und Nutzqualität steigt“, so die Geschäftsführerin. Doch ohne qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die die Zufriedenheit der Bewohner als ihre Verantwortung sehen, würde es nicht gehen. SIMACEK bietet ein Rundum-Sorglos-Paket an: Alle nötigen Spezialisten sind im Unternehmen beschäftigt. Somit bekommt der Auftraggeber alle Dienstleistungen aus einer und derselben Hand. Bei der Erstbegehung werden die relevanten Flächen vermessen und die Gegebenheiten aufgenommen. Aufgrund dieser Daten wird ein maßgeschneidertes Offert erstellt. Bei Beauftragung werden die Objektstarts durch die zuständigen Objektmanager begleitet und es wird eine Erstreinigungsdokumentation angefertigt. Dass es aus diesen Gründen keine Dumpingpreise gibt, ist verständlich. Hausbetreuungen tragen aber dazu bei, dass der Ertrag einer Immobilie steigt, denn gute Betreuung macht Häuser attraktiver – sowohl für Käufer als auch für Bewohner. „Unser Kunde möchte seine Immobilie nicht nur perfekt serviciert und gewartet wissen, sondern auch den Wert seines Gebäudes nachhaltig erhalten und steigern.“ Eine wichtige Zielgruppe für die SIMACEK-Dienstleistungen sind die Eigentümer von Zins- beziehungswei-

se Wohnhäusern sowie die Hausverwaltungen. Ursula Simacek: „Wir wollen sehr gerne noch viel mehr mit den Hausverwaltungen und Wohnungseigentümern in ganz Österreich zusammenarbeiten. Wir sind ja in allen Bundesländern flächendeckend vertreten und dadurch in der Lage, überall das gleiche Service zu bieten.“

Summary In the past, the caretaker took care of the residential building. Today, a single caretaker is no longer sufficient because a lot more tasks have to be performed. Therefore, this task is increasingly being taken over by professional providers. This not only involves cleaning public areas such as stairwells and corridors, but also special tasks such as garden maintenance, pest control and security services. SIMACEK can offer an all-round carefree package for this purpose, since it employs specialists for all these tasks. With digital dashboards, employees can immediately document damage and request repairs. For real estate owners, the use of a professional facility management company like SIMACEK is not only cost-saving, since all services can be provided from one source. Cleanliness and security also contribute to the maintenance of the value of the property, because good care makes a house more attractive.

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# sauberkeit

Blick in die Vergangenheit Die Geschichte des Gebäudereinigerhandwerks geht auf das 17. Jahrhundert zurßck.

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# sauberkeit

SAUBER ZEITWEISE EINE ZEITREISE Bereits aus prähistorischen Zeiten gibt es Hinweise auf das Vorhandensein von Hygienebewusstsein. Aktuell ist Reinlichkeit wichtiger denn je. Eine flotte Reise vom Schrubber bis zum Saug-Roboter. Von ERNST. F. MÜLLER

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einigungsarbeiten gehörten mit Sicherheit schon immer zu den Tätigkeiten der Menschen. Allerdings mit sehr unterschiedlicher Priorität, wie sich in diesem historischen Rückblick zeigt. Bereits vor rund 7.000 Jahren fanden die Babylonier heraus, dass verunreinigtes Wasser eine ganz entscheidende Ursache für verschiedenste Krankheiten darstellt. Sie entschieden sich deshalb, täglich frisches Wasser zu verwenden. Zusätzlich reinigten die Mesopotamier ihre Wohnräume bereits mit einem Reinigungsgerät, das sich bis in die Neuzeit halten konnte: Die Kombination aus Stroh und Stock ergab nämlich schon damals einen primitiven, aber durchaus sehr nützlichen Besen, mit dem man die Innenräume reinigte. Etwa 5.000 Jahre später stellte der Grieche Hippokrates fest, dass regelmäßiges Saubermachen das Auftreten von Krankheiten deutlich eindämmt. Waren also Römer und Griechen bereits wichtige Vorreiter in Sachen Reinlichkeit? Mitnichten. Die Römer besaßen zwar Kanalisationen und öffentliche Badehäuser. Archäologische Funde beweisen allerdings, dass man es beim Hausputz nicht so genau nahm. In vielen Häusern befand sich beispielsweise die Toilette in der Küche. Der Grund dafür war die gemeinsame Nutzung eines Abflusses für beide Zwecke. Cato der Ältere empfahl daher eine tägliche Reinigung der Kochzo-

nen. Trotzdem wurden die Abfälle weiterhin meist zusammen mit der Asche in den Lehmboden eingetreten. Auch die Küchenabfälle entsorgten die Römer oft auf ähnliche Weise im Inneren des Hauses. Mit dem Aufkommen der Steinböden schenkten die Römer der Reinigung in den Innenräumen allerdings mehr und mehr Aufmerksamkeit.

Ein dunkles Kapitel Das Mittelalter, man bezeichnet in der europäischen Geschichte damit die Epoche zwischen dem Ende der Antike und dem Beginn der Neuzeit, also etwa die Zeit zwischen dem 6. und dem 15. Jahrhundert, wird gerne auch als „dunkles Zeitalter“ bezeichnet. Leider zu Recht. Auch eine Recherche hinsichtlich der Putzgewohnheiten dieser Epoche liefert ein bescheidenes Bild. Lediglich auf Darstellungen in der jüdischen Haggadah, einem Leitfaden in Form eines Buches zur Durchführung des Erav Pessach (das Fest zur Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei), gibt es bildliche Belege für Reinigung. Bestandteil der Vorbereitungen für das Fest war nämlich auch eine gründliche Reinigung des Hauses. Ansonsten ist die Informationslage eher dünn und der Hygiene wurde keine wirklich große Beachtung geschenkt. Das ist angesichts völlig überfüllter und verschmutzter Städte auch nicht weiter verwunderlich. Wer sich bei der CHECK2020/21 2/2019 CHECK

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# sauberkeit

Die ersten Staubsauger Sie kamen Ende des 19. Jahrhunderts aus Großbritannien

eigenen Hygiene schon nicht auskennt, wird auch nicht den Wischmop schwingen. Cholera, Pocken, Diphterie und Tuberkulose waren stark verbreitet. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag bei unter dreißig Jahren! Selbst zu Beginn der Industriellen Revolution herrschten in vielen Haushalten noch geradezu furchterregende Zustände. Erst die Entdeckung des Zusammenhangs zwischen Keim und Krankheit führte zur Entwicklung von Seifen, Desinfektionsmitteln und Pharmazeutika. Revolutionäre Maßnahmen wie Müllsammlung, die Aufbereitung von Wasser oder die Einrichtung von Gesundheitsämtern verbesserten die Situation rasch. Auch wusch man sich jetzt regelmäßig. Die Kindersterblichkeit sank, die Lebenserwartung stieg auf über 70 Jahre. Eine florierende chemische Industrie tat ihr Übriges dazu.

Das Handwerk des Gebäudereinigers entsteht Die Geschichte des Gebäudereinigerhandwerks geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Nach dem Dreißigjährigen Krieg zogen in vielen Teilen Europas sogenannte Wand- und Wagenwäscher mit Bürsten, Besen sowie Leitern und Kübeln bepackt in die Städte, um Fassaden und Wagen zu reinigen. Das Gebäudereinigerhandwerk lässt sich allerdings nicht von diesen „Wagenwäschern“, die auch Fassadenreinigung anboten, ableiten. Auch nicht von den Beschäftigten in der Tradition des klassischen „Dienstpersonals“. Das Handwerk des Gebäudereinigers in seiner heutigen Form ist erst mit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstanden. Erst durch die kostengünstige Glasproduktion ab ca. 1861 wurde dieser Baustoff für breite Bevölkerungsschichten verfügbar, womit die Voraussetzungen für die gewerbliche Glasreinigung geschaffen wurden. In der Folge wurden die ersten Unternehmen gegründet und das Glasreinigungsgewerbe wuchs stetig. Das Aufblühen der Industrie zog den Bau von großen Geschäftshäusern, Verwaltungsgebäuden, Bahnhöfen und Ministerien mit teils riesigen Natursteinfassaden und wuchtigen Fenstern nach sich. Eine weitere Revolution der Reinigung stellte zweifelsfrei 50

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der Staubsauger – oder wie man in frühen Tagen sagte: Vakuumreiniger – dar. Er ersetzte in vielen Bereichen den Besen und fast überall den Teppichklopfer, in Österreich liebevoll auch „Pracker“ genannt. Ihr größter Vorteil: Staubsauger können Staub oder trockenen Schmutz sowohl von glatten als auch von rauen Oberflächen aufnehmen, ohne ihn aufzuwirbeln. Erfunden wurde der Staubsauger im 19. Jahrhundert, etwa zwischen 1860 und 1876 in den USA. Die ersten Geräte sollen von Daniel Hess im Bundesstaat Iowa und Ives W. McGaffey, einem Erfinder in Chicago, entwickelt worden sein. McGaffey erhielt 1869 ein Patent auf einen handbetätigten Staubsauger mit außenliegendem Filterbeutel. Am 19. September 1876 erhielt Melville Bissell ein US-Patent auf den ersten funktionierenden Staubsauger für Teppiche („Carpet Sweeper“). Viele Quellen berichten zudem übereinstimmend, dass Anna und Melville Bissell angeblich über ein Gerät verfügten, das auf einem Pferdewagen montiert war. Von dort wurde dann per Schlauch das Haus gereinigt. Auch die Luftpumpe dieser Sauger wurde noch von Hand betrieben. Um 1901 wunderte sich Hubert Cecil Booth, dass in Eisenbahnzügen ein Gerät eingesetzt wurde, um den Schmutz und Staub von den Sitzen zu blasen. Er überlegte, dass es sinnvoller wäre, ein handliches Gerät zu verwenden, welches den Staub einsaugt. Booth patentierte seine Erfindung in England, hatte aber nie ernsthaft Erfolg

Ernst F. Müller

zu uns, wie das Firmenschild beweist.


# sauberkeit

Einer der ersten Staubsauger Natürlich noch handbetrieben: Eine Person musste den Balg bewegen, die andere konnte dann saugen.

Ernst F. Müller

des Santo-Besens (ab 1922 von AEG produziert, ab 1928 Vampyr) und Wenner-Gren mit dem Modell Lux I, mit dessen Patent er 1919 aus seiner Firma Elektromekaniska AB und der Firma Lux AB das vorhin bereits erwähnte Unternehmen Electrolux schmiedete.

mit seiner Idee. Im Jahre 1905 wurde der erste tragbare Staubsauger von Walter Griffiths präsentiert. Er vereinte die Vorteile einer einfachen Handhabung mit der elektrischen Saugtechnik. Der andere Erfinder war der Amerikaner James Murray Spangler, ein Hausmeister aus Canton in Ohio. Er entwarf 1906 aus einem Ventilator, einem Kasten und einem Kissen einen Staubsauger. Neben dem Sog verwendete sein Gerät bereits auch eine rotierende Bürste, um den Schmutz zu lösen. Spangler patentierte sein Gerät 1908 und verkaufte die Idee bald an die Firma seines Cousins, die „Hoover Harness and Leather Goods Factory“. Noch heute gilt Hoover als einer der führenden Hersteller von Staubsaugern. In Großbritannien wurde der Name Hoover sogar zu einem Synonymbegriff für Staubsauger bzw. das Staubsaugen an sich („doing the hoovering“). 1910 ließ Eberhard Seger in Schweden den Staubsauger patentieren und begann mit der Herstellung einer Variante des amerikanischen Modells der Marke Santo. Es hieß Salus L 3.585 und wurde 1913 in Schweden von der Firma Lux AB hergestellt, die 1919 zu der bekannten Marke Electrolux wurde. Ab 1910 entwickelten Gustav Robert Paalen und Axel Wenner-Gren in erster Linie für den Hausgebrauch eine leichte Version des Staubsaugeapparates Santo, den Paalen seit 1907 auf dem internationalen Markt vertreiben ließ. 1912 wurden die beiden Unternehmer Konkurrenten, Paalen mit einem Vorläufer

Vom Vakuumreiniger zum Industriestaubsauger Grundsätzlich werden heute bei der Gebäudereinigung drei verschiedene Staubsauger-Systeme eingesetzt. Ein Klassiker sind die Geräte mit Beutel. Bei diesen wird der Luftstrom direkt in den luftdurchlässigen Beutel geleitet. Dieser filtert die Luft und sammelt gleichzeitig den Staub. Gebräuchlich sind Beutel aus mehrlagigem Papier oder Vliesstoff. Beutellose Staubsauger hingegen erzeugen im eintretenden Luftstrom einen Wirbel, wodurch die Staubteilchen aufgrund der Fliehkraft nach außen gedrückt und abgeschieden werden. Man unterscheidet hier nach Geräten mit einem Einfach- oder Mehrfachzyklon. Letztere filtern die Luft effektiver, sodass auch kleine Teilchen sicher entfernt werden und man auf zusätzliche Filter verzichten kann. Eine Besonderheit stellen Staubsauger mit Wasserfilter dar. Diese Staubsauger verwenden unterschiedliche Techniken, um den Schmutz an das Wasser zu binden. Gegenüber Trockenstaubsaugern besitzen sie den großen Vorteil, auch nassen Schmutz aufnehmen zu können. Zudem tritt kein Saugleistungsverlust durch den aufgenommenen Staub ein, sofern kein weiterer Filter eingebaut ist. Sie müssen jedoch nach jedem Einsatz entleert werden, da sonst die Gefahr der Schimmelbildung besteht. Ende der 1950er-Jahre kam dank der Fortschritte in der industriellen Fertigung vermehrt der Wunsch auf, Staub und ähnliche Abfallprodukte kostengünstig und hygienisch zu beseitigen. Zu diesem Zweck wurde das Kesselprinzip weiterentwickelt. Eine dänische Firma war hier der Vorreiter und baute anfangs recht unförmige, einem umgekippten Fass gleichende Industriesauger, welche von einem oder mehreren Haushaltssaugermotoren angetrieben wurden. Form und Größe passten sich nach und nach CHECK 2020/21

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den Marktwünschen an. Das Kesselprinzip beim Industriesauger ist aber auch heute noch unübersehbar. Seit den 2000er-Jahren gibt es verschiedene Saugrobotersysteme, die völlig selbstständig den Staub entfernen können. Die fast immer diskusförmigen Automaten mit ca. 35 cm Durchmesser und 12 cm Höhe bewegen sich autonom durch Wohnräume, deren Geometrien sie mithilfe von Sensoren selbst vermessen, und saugen den Staub vom Boden auf. Den Strom für den Antrieb liefern Akkus, die an einer Ladestation nach der Arbeitsphase wieder aufgeladen werden. Fortgeschrittene Systeme fahren diese Ladestationen nach erledigter Arbeit selbsttätig an. Je nach Modell ist auch eine Zeitprogrammierung möglich.

aufgetragen und nach dem Trocknen mit einer speziellen schweren Bohnerbürste oder eben einer Poliermaschine mit rotierenden Scheiben poliert. Die früher verwendeten Lösungsmittel im Wachs hatten oft einen starken und unangenehmen Geruch, der bis heute vielen älteren Menschen in Erinnerung geblieben ist. Die Entwicklung der Poliermaschinen war mit einigen Hürden verbunden. Im Jahre 1904 konstruierte der ungarische Erfinder Alfred Pongracz die erste elektrische Bohnermaschine, ging dann aber wegen der technischen Unzulänglichkeit der Maschine in Konkurs. Die AEG in Berlin konnte die von Pongracz bestellten 1.000 Elektromotoren nicht absetzen und beauftragte den Berliner Ingenieur Ernst Franke mit der weiteren Entwicklung einer funktionierenden elektrischen Bohnermaschine bis zur Serienreife unter Verwendung der sonst unverkäuflichen Elektromotoren. Dazu gründete Ernst Franke 1905 die Deutsche Blitzbohnergesellschaft m.b.H., aus der 1912 die HAWIG Hauswirtschaftsmaschinen-Gesellschaft hervorging, die zahlreiche Patente anmeldete und schließlich die ersten elektrischen Bohnermaschinen auf den Markt brachte. Die elektrische Blitzbohnermaschine „Victor“, die im Jahre 1912 von Ernst Franke konstruiert wurde, bestand aus einem Elektromotor mit angebauter, abnehmbarer Bürste, die sich nach dem Einschalten drehte und den Boden polierte. Die entscheidende Erfindung bestand darin, das durch die sich drehende Bürste entstehende Drehmoment auszugleichen, sodass der Bediener der Maschine diese ohne Kraftaufwand in alle horizontalen Richtungen lenken konnte.

Nach dem Saugen kommt der Glanz Speziell harte Bodenbeläge, also Parkett, Laminat, Linoleum oder PVC, erfordern etwas mehr Aufmerksamkeit als bloßes Staubsaugen. Sie wollen auf Hochglanz gebracht werden. Dies geschah und geschieht auch heute noch mit Bodenpoliermaschinen, vielfach auch einfach „Bohnermaschinen“ genannt. Letzteres rührt von der Bezeichnung für das gängigste Poliermittel überhaupt her, das Bohnerwachs, in Österreich auch Bodenwachs genannt. Es existiert in flüssiger und fester Form und verleiht Oberflächen nach weiterer Behandlung mit der Bohnermaschine ein glänzendes Aussehen. Das Bohnerwachs wird mit einem Tuch

78 Jahre im Dienst der Sauberkeit Nicht nur die Geschichte der Reinigungsgeräte ist eine sehr lange, auch die Geschichte des Unternehmens SIMACEK. Bereits im Jahr 1942 wurde von Kommerzialrat Ladislaus Adalbert Simacek im Alter von 28 Jahren und von seiner Frau Helene Simacek der Grundstein zur nun 78-jährigen Unternehmensgeschichte der heutigen SIMACEK Gruppe gelegt. Begonnen hat der damalige Firmengründer und spätere Innungsmeister mit der Schädlingsbekämpfung, die es bis heute im Serviceportfolio gibt. Dem Firmengründer war dabei die Lehrausbildung von großer Wichtigkeit. Auch

Detailverliebt Aufwendig verziertes Besteck zum Reinigen von Esstischen.

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Ernst F. Müller

#sauberkeit


## katakomben sauberkeit

Aufwendige Verarbeitung In den 50er- und 60er-Jahren kam

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noch kaum Kunststoff zum Einsatz.

das ist bis heute so geblieben, denn im Familienunternehmen werden jährlich zahlreiche Lehrlinge in den Berufsgruppen Schädlingsbekämpfung, Denkmal-, Fassaden-, und Gebäudereinigung sowie Bürolehre ausgebildet. Überdurchschnittliche Qualitätskriterien und Kundenorientierung waren Helene Simacek schon immer ein Anliegen. So gründete sie 1955 den Servicebereich der Reinigung. Der gemeinsame Sohn Peter Simacek übernahm 1979 zusammen mit seiner Schwester Dr. Christine Simacek die Geschäftsleitung dieses Bereichs. Der Ausbau der Qualitätsmerkmale im Hygienebereich und die Erweiterung des Kundenstammes stellten wichtige Erfolgsfaktoren für die Zukunft dar. Nach seinem jähen Ableben im Alter von nur 46 Jahren übernahm 1995 seine Schwester Dr. Christine Simacek die alleinige Führung des Familienunternehmens. Sie leitete es bis 2006. Ihre Nichte und Enkelin des Firmengründers, Mag. KommR. Ursula Simacek, trat 1998 in das Unternehmen ein und übernahm 2006 nach der Pensionierung ihrer Tante die Geschäftsleitung. Noch während ihres Studiums der Publizistik und Kommunikationswissenschaften absolvierte Ursula Simacek die Meisterprüfung für das Handwerk der Schädlingsbekämpfer und Gebäudereiniger. Sie zeichnet maßgeblich für den heutigen wirtschaftlichen Erfolg des Familienunternehmens verantwortlich, das seit ihrer Leitung in dritter Generation kontinuierlich wächst.

Summary The history of the building cleaning trade goes back to the 17th century. After the Thirty Years’ War, in many parts of Europe, so-called wall and cart washers, loaded with brushes, brooms, ladders and buckets, moved into the cities to clean facades and carts. A revolution of cleaning undoubtedly represented the vacuum cleaner, or as it was said in the early days, “Vakuumreiniger”. It replaced the broom in many areas and almost everywhere the carpet knob, in Austria also lovingly called “Pracker.“ Their biggest advantage: vacuum cleaners can absorb dust or dry dirt from both smooth and rough surfaces without stirring it up. The vacuum cleaner was invented in the 19th century, between 1860 and 1876 in the United States. Not only the history of cleaning equipment is a very long one, but also the history of SIMACEK. As early as 1942 the merchant Ladislaus Adalbert Simacek at the age of 28 and Helene Simacek – his wife – layed the foundations for the now 78-year history of today’s SIMACEK Group. The founder of the company at the time and later guild master started with pest control, which is still available in the service portfolio today.

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# streetart

STREETART

EIN ÄRGERNIS? Ausdruck einer rebellischen Haltung, zerstörerischer Vandalismus oder hippe, urbane Kunstrichtung – die Ansichten über Graffiti haben sich in den vergangenen Jahren fundamental verändert. Von MARION PERTSCHY

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Tenor erhalten geblieben, erklärt der Wiener Schriftsteller und Betreiber des Österreichischen GraffitiArchiv für Literatur, Kunst und Forschung, Thomas Northoff: „Er ist immer noch: ‚Aber alles dort, wo es hingehört.‘ Und das ist immer woanders.“

Die Anfänge Graffitis existierten bereits im Altertum als private Inschriften, die in Tempelwände gekratzt wurden. Der moderne Begriff, wie er heute zu verstehen ist, wird gemeinhin den 60er- und 70er-Jahren mit den Anfängen des Hip Hop in New York zugeschrieben. Die heutige Graffiti-Kultur schwappte erst in den Achtzigerjahren so richtig nach Europa über. Die erste Wiener Sprühaktion soll sich 1984 ereignet haben, als die New Yorker Künstler PHASE2 und DELTA2 legal eine Straßenbahn der Wiener Linien gestalteten. „Künstlerische und künstlerisch sein sollende Interventionen im öffentlichen Raum gab es immer schon. […] Die Themen in den Werken der Street Artists sind so breit

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st das Kunst oder kann das weg? Eine Gretchenfrage, die auch um die kontrovers diskutierte Street Art-Szene keinen Bogen machte. Im Gegenteil. Für die einen ist es eine Art, sich mit der Welt auseinanderzusetzen, Missstände anzuprangern oder einfach die Möglichkeit, sich künstlerisch und öffentlichkeitswirksam auszudrücken. Schöpfungen aus der Hand von Malern und Zeichnern, die eben eine Spraydose statt dem Pinsel als ihr Werkzeug wählten. Für die anderen ist es Vandalismus, Sachbeschädigung und der mutwillige Zerstörungswahn von unverschämten „Gfrastern“, die keinen Respekt vor dem Eigentum anderer haben. Kunst ist und bleibt eben Geschmackssache. Fakt ist, dass sich das Verständnis und die Wahrnehmung der Bevölkerung gegenüber Street Artists und Graffiti-Künstlern im Laufe der vergangenen Jahrzehnte deutlich verändert hat – „von der reinen Illegalität hin zu weitreichender Akzeptanz“, weiß Psychologe Norbert Siegl vom Institut für Graffiti-Forschung und Gründer des Wiener Graffiti-Archivs. Dennoch sei ein negativer Grund-


# streetart

gestreut in Ausdruck und Stil wie in der Malerei seit jeher. Sie stehen diesbezüglich sehr im Gegensatz zu den Namens-Graffiti, deren Gestaltungsrepertoire schon während der Achtzigerjahre in eine gewisse Monotonie mündete“, erklärt Northoff. Das neue Phänomen aus Amerika erregte auf jeden Fall Interesse und fand Anklang. Von da an machte nicht nur die neuartige Kunstrichtung, sondern auch die Gesellschaft dahingehend einen massiven Wandel durch. „Aufgrund unserer jahrzehntelangen Arbeit wurde ein gewisses Verständnis für Graffiti und Street Art aufgebaut. Die zunehmend positive Medienberichterstattung sowie die legalen Wände der Gemeinde Wien spielten dabei ebenso eine Rolle. Heute werden viele Street Art-Werke eher bewundert als – wie noch vor zwanzig Jahren – polizeilich verfolgt“, meint Siegl. Ganz Ähnliches beobachtete auch Jakob Kattner besonders in den vergangenen sieben Jahren. Er ist Initiator des Street Art-Festivals „Calle Libre“, das seit 2014 jährlich in Wien stattfindet. Die zunehmende Begeisterung für das Thema zeigt sich auch anhand seiner Community. „Die Anzahl der Besucher und Künstler hat sich sukzessive gesteigert. 2019 waren es zuletzt rund 16.000 Besucher und 14 Wände sowie diverse Vorträge über 14 internationale Künstler“, so Kattner. Über ein Jahr verbrachte er selbst in Latein- und Mittelamerika, um die urbane Kunst jener Länder für seine Dissertation zu studieren. Mit seiner Rückkehr brachte er nicht nur seine Forschungsergebnisse, sondern auch eine andere Seite der Street Art nach Österreich. Bis heute findet „Calle Libre“ (spanisch für „freie Straße“) immer in der ersten August-Woche statt. Die permanenten Malereien können Interessierte auch nach dem Festival noch bestaunen. Daneben dokumentiert seit einigen Jahren auch Thomas Grötschnig unter dem Titel „Vienna Murals“ die Street Art-Werke der Stadt. 2019 kam der zweite, aktualisierte Band seines „Street Art Guide Vienna“ heraus, eines Taschen-Führers für Graffiti-Fans. Wer einen Tour-Leiter aus Fleisch und Blut bevorzugt, kann etwa bei Kattner oder anderen Szene-Kennern einen Streifzug durch Wien buchen. Das Wiener Graffiti-Museum, ein weiteres Projekt Siegls, veranstaltet ebensolche Führungen zu den spannendsten und geheimsten Kunstorten Wiens. Verraten wollte er keinen davon. „Wenn jemand an geheimen Or-

ten Interesse hat, kann er gerne an einer unserer Führungen ins Graffiti-Land teilnehmen“, so der Kunst-Kenner.

Zwischen Mainstream und Social Media Auf unsere Nachfrage beriet sich auch Philipp Netolitzky, Gründer der Kreativagentur iOnArt, mit zehn Künstlern der Graffiti-Szene. „Wir waren uns einig, dass die Professionalität in den letzten zehn Jahren größer geworden ist. Dazu wurde Street Art durch diverse Festivals und ein breiteres Publikum attraktiver. Allerdings wurde auch die Vernetzung besser. Früher existierten Magazine, und Sticker wurden hin und her getauscht. Das gibt es alles immer noch, aber jetzt machen soziale Medien die Kommunikation einfacher“, erklärt Netolitzky. Wichtigkeit für das zunehmend positive Verständnis und die Internationalisierung der Graffiti-Szene hatten also durchaus auch das Internet und die Digitalisierung. „Die Szene hatte anfänglich noch eher familiären Charakter, die meisten GraffitiWriter kannten sich untereinander. Die sogenannten Jams – das sind Veranstaltungen, an denen die Szene zusammenkommt und gemeinsam sprüht – waren zunächst ein wichtiger Treffpunkt, um sich auszutauschen. An die Stelle der Jams trat später (zusätzlich) das Internet“, weiß auch Stefan Wogrin, Gründer des Wiener Graffiti Writing Archivs spraycity.at. Dazu nutzen manche Sprayer Plattformen wie Instagram, um sich in der Community und darüber hinaus einen Namen zu machen. Wenngleich jene von der alten Schule dieser Form von Mainstreamisierung eher skeptisch oder sogar ablehnend gegenüberstehen. Als wahrer Besuchermagnet lässt es sich heutzutage aber nicht verhindern, dass selbst Werke der Traditionalisten auf Instagram und Co. landen. Die John-Lennon-Mauer in Prag zieht auch jetzt noch, nachdem die Original-Graffiti längst unter vielen Farbschichten verschwunden sind, Touristenmassen an. Und jeder Street Art-Fan wäre ein Banause, würde er in London nicht dem ursprünglichen Wandbild „Mädchen mit Ballon“ des legendären Artists Banksy einen Besuch abstatten. „Graffiti ist heute fixer Bestandteil eines modernen Stadtbildes und wird auch als Ausdruck von Lebendigkeit gesehen. Viele Städte nutzen Graffiti auch für touristische Werbezwecke, um ein junges, urbanes Image zu untermauern. Heute gibt es in den meisten größeren Städten Flächen, die offiziell und legal besprüht CHECK CHECK2020/21 1/2020

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# streetart

Düstere Illegalität An Graffiti-Kunst haftet immer noch

werden dürfen“, so Wogrin. Generell gäbe es aber kaum einen Staat, der eben jene Kunstrichtung derart fördert wie Österreich, hat Netolitzky den Eindruck. Wenngleich der Weg dorthin kein einfacher war, wie er am eigenen Leib spüren musste. Der gebürtige Deutsche hatte schon früh die erste Spraydose in der Hand. Heute lebt er sich gemeinsam mit internationalen Artists ebenso wie Newcomern ganz legal in Scheibbs und in Wien aus. Um den Zuspruch der niederösterreichischen Gemeinde musste er aber lange kämpfen, er polarisierte und bewegte sich nicht immer im legalen Bereich, um seine Visionen umzusetzen. „Graffiti-Artists riskieren oft Leben und Existenz, um gesehen zu werden. Mit Kunst auf Leinwänden kann man Ausstellungen machen, zu denen nur geladene Gäste kommen. Das wollte ich nicht. Stell dir vor, alle Künstler, die Studiomalerei betreiben, würden Hauswände bemalen. Manchmal platziere ich allerdings auf Streifzügen durch Wien oder Scheibbs irgendwo Leinwand-Kunstwerke und schaue, wie die Leute darauf reagieren. Das Feedback wird immer positiver. Jetzt, da ich älter bin, verstehe und respektiere ich aber auch die Prozesse von Gemeinden besser. Ein kleiner Revoluzzer bin ich dennoch geblieben“, erzählt der iOnArt-Gründer. Bei seinen Graffiti-Führungen hält er deshalb besonders gerne bei der Wiener Secession. „Ihr Motto ‚Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit‘ passt einfach“, so Netolitzky.

Zwischen Kunst und Vandalismus Nach allen positiven Veränderungen ist zum Leidwesen der Österreichischen Bundesbahnen und der Wiener Linien nicht nur die Begeisterung dafür, Öffis ungefragt zu besprayen, geblieben. Graffiti sind zwar kein rechtswidriges 56

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Phänomen mehr, der Hauch des Illegalen hält sich jedoch hartnäckig. Der Erste, der sie in Wien legalisierte, war Ex-Bürgermeister Helmut Zilk: Er gab die ersten Wände zum legalen Sprayen frei und ebnete so den Weg für eine neue Kunstgattung im öffentlichen Raum. Im Rahmen des Projekts „Wienerwand“ bietet die Stadt Wien seit 2005 Graffiti-Künstlern legale Fläche, um sich künstlerisch auszuleben und den Dialog zwischen den Writern und der Öffentlichkeit zu fördern. Über zwanzig solcher mit einer Taube markierten Wände verteilen sich derzeit auf beinahe alle Bezirke, darunter natürlich Teile des Donaukanals. Er ist wohl die bekannteste Graffiti-Freiluftgalerie in Wien. Wer aber seine „Tags“, „Bombings“ oder andere Werke ohne das Einverständnis des Eigentümers der Flächen platziert, begeht eine Straftat. So bekommen neben den Wienerwänden immer wieder Wohnhäuser, Denkmäler oder andere Oberflächen ungewollt einen neuen Anstrich. „Es gibt manche Arbeiten auf freigegebenen Flächen, die mir gefallen. Grundsätzlich sind aber alle Malereien und Beschmierungen auf nicht freigegebenen Flächen ein Akt der Sachbeschädigung und damit abzulehnen“, meint Josef Thon, Abteilungsleiter der Wiener MA48. ÖBB und Wiener Linien berichten jährlich von Schäden in Millionenhöhe. Bei privaten Hauswänden und dergleichen ist die Quantifizierung der Schadensumme schwierig. Laut Versicherungsanstalten werden allerdings Jahr um Jahr zwischen 4.000 und 5.000 Sachbeschädigungen durch Graffiti zur Anzeige gebracht. Mehr als die Hälfte davon in Wien. Die MA48 kümmert sich prinzipiell nur um rasche Erstmaßnahmen bei problematischen Beschmierungen wie rassistischen oder sexistischen Graffiti im öffentlichen Raum. „Generell ist die Beseitigung aber Sache des Eigen-

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das Image von düsterer lllegalität.


# streetart

Urbane Kunst Durch die Ausweisung legaler Flächen wurde

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der Wiener Donaukanal zur Freiluft-Galerie.

tümers“, erklärt Thon. Die SIMACEK Facility Management Group geht derartigen Verschmutzungen auf den Grund und entfernt sie mittels Spezialverfahren. „Je nach Oberfläche ist die Reinigungsmethode unterschiedlich. Die Preise dafür werden nach Quadratmeter individuell und teilweise auch pauschal berechnet“, erklärt Draško Džajić, Leitung Projektverkauf Sonderreinigung bei SIMACEK. Eine Herausforderung für Gebäudereinigungsfirmen stellte in den Jahren 2013 und 2014 der Sprayer „Puber“ dar. Überall in der Hauptstadt hinterließ er sein Pseudonym und spaltete damit die Gemüter. Während die einen erbost über seine illegalen Schmierereien waren, stellten andere wie Martin Ho oder das Lokal Wirr seine Kunst aus. Dennoch musste sich Puber vor Gericht für sein Treiben verantworten und kassierte neben zehn Monaten Haft auch eine Strafe von rund 50.000 Euro. Die Frage, die sich dabei also abermals stellt: Ist das wirklich noch Kunst? „Graffiti hatte eigentlich nie den Anspruch, als Kunst wahrgenommen zu werden. Schon seit mehr als zwanzig Jahren wird darüber diskutiert, ob Graffiti nun Kunst oder Vandalismus sei. Es gibt nur wenige Erscheinungsformen, die so vielfach und intensiv diskutiert werden. Allein dadurch sehe ich Graffiti als die reinste und ehrlichste Kunstform überhaupt“, meint der spraycity-Gründer. Besonders „Murals“, großflächige Wandgestaltungen meist mit figürlichen Darstellungen, würden von der Allgemeinheit akzeptiert. Wohingegen die klassischen Graffiti-Tags und Schriftzüge „für den Laien häufig als wilde, unleserliche Zeichen“ wirken, weiß Wogrin. „Das begründet sich auch damit, dass die Werke der Graffiti-Writer immer schon auf sachkundige Betrachter bzw. andere Graffiti-Writer ausgerichtet waren“, so der Experte. Eben dieser

zweischneidige Bewusstseinswandel mündete aber auch in einer Spaltung der Szene, weiß Netolitzky.

Zwischen Freiheit und Auftrag Bis wohin ein Graffiti im allgemeinen Verständnis als gestalterische Schöpfung gewertet werden kann, „liegt im Auge des Betrachters“, meint der Calle Libre-Gründer. „Ich maße mir selbst nicht an, über Kunst zu urteilen. Kunst ist es für mich, wenn es etwas in mir auslöst. Das muss aber nicht immer eine positive Emotion sein. Kunst soll nicht immer nur gefallen“, so Kattner. Im Wandel von Illegalität zu teilweiser Legalität der Kunstrichtung entstand darüber hinaus ein ganz neuer Geschäftszweig: Diverse Agenturen vermitteln GraffitiKünstler für Auftragsarbeiten an Private und Firmen. „Inzwischen vergeben auch Stadtverwaltungen Aufträge für verschönernde Maßnahmen an Street-Artists“, weiß Siegl. Sie sind die wahren Gewinner des Bewusstseinswandels und der Umwegrentabilität von Street Art, meint Northoff. „Graffiti und Street Art ist insgesamt einerseits eine Kultur, die sich über die ‚wilden‘ Street Artists gegen Gentrifizierung wendet, während ein anderer Teil den Grundstein für die hippe Gentrifizierung mitlegt“, erklärt er. Nach Österreich gebracht wurde das Konzept der Graffiti-Agentur erstmals von Paul Hoffmann und Maira Kerschner, die 2014 das Wiener Werk „Concrete“ gründeten. „Aktuell stehen viele Unternehmen und Brands vor derselben Aufgabe: Klassische Werbung funktioniert nicht mehr so wie früher. Wer Aufmerksamkeit generieren möchte, tut gut daran, kreative und relevante Inhalte auf die Straße zu bringen. Graffiti ist dafür ideal geeigCHECK2020/21 1/2020 CHECK

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# streetart

Legal und bezahlt Viele Artists arbeiten heute nicht nur legal, sondern werden sogar bezahlt.

Hardly any other art topic is discussed more controversially than graffiti and street art. Graffiti has existed since ancient times. Nonetheless, the modern term is ascribed to the 1960s and 70s with the beginnings of hip hop culture in New York. In the 80s, the art movement spilled over to Europe where it had mostly negative connotations until 20 years ago. Years of work, the increasingly positive media coverage and the legally ‘sprayable‘ walls of the City of Vienna have built an understanding of graffiti and street art. Initiatives like the “KÖR – art in public space“ and the annual festival “Calle Libre“ made the art movement socially acceptable. Agencies like Concrete have even developed a business model around this topic. In addition to street art tours, graffiti artists are now available for commissioned work. However, the touch of the illegal has remained. Damage in the millions to public transport companies and up to 5,000 property damage due to unauthorized graffiti are reported annually. Whether legal or illegal, graffiti has a public impact – a mouthpiece and art that no one can escape. But it is also ephemeral and can only be preserved through photographs. An art en passant that polarizes as well as inspires.

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net. Nicht zuletzt deshalb, weil hinter jedem Werk eine Geschichte steht“, weiß Kerschner. Bis heute gestalten die beiden Auftragsarbeiten für lokale und internationale Marken und Unternehmen. Kommerzielle Hoffnungen und Ausrichtungen unter den Aktivisten würden heutzutage also als Selbstverständlichkeit genommen. „Besonders für Graffiti als Teil der Street Art gilt jedoch, dass das Sprühen an legalen Flächen des Ursprungs entbehrt, nämlich des subkulturellen Gestus“, meint Graffiti-Forscher Northoff. Ganz gleich ob legal oder illegal, als freie kreative Schöpfung oder Auftragsarbeit, ob kleiner „Tag“ oder großflächiges „Mural“ – ein wichtiges Merkmal von Graffiti ist ihre Vergänglichkeit. Es ist und bleibt eine temporäre Erscheinungsform im Wandel der Zeit. „Ich finde insbesondere diesen ephemeren Charakter spannend. Die Werke entstehen meist im öffentlichen Raum und können in der Regel nicht vom Ort ihrer Entstehung gelöst werden. Die einzige Möglichkeit, solche Werke für einen längeren Zeitraum festzuhalten, sind Fotografien. Auch wenn die meisten Werke nur kurze Zeit überdauern, werden Fotos von Graffitis auch in Zukunft weiterhin die Möglichkeit bieten, Rückschlüsse auf die Entwicklung und Entstehung zu ziehen“, bringt Wogrin das Thema abschließend auf den Punkt.

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Summary


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# krisen

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Sensibilisierte Verbraucher, Bürgerbewegungen, Skandale: Firmen stehen bei Fehltritten schneller mit dem Rücken zur Wand als jemals zuvor. Krisenmanagement hat daher an Gewicht gewonnen für die Vermeidung negativer Folgen.

Schaden so gering wie möglich halten Manager müssen auch für negative Situationen gewappnet sein.

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Von CHRISTIAN PRENGER


# krisen

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er eisige Gegenwind kommt in der Regel aus dem Nichts. Plötzlich gerät die interne Harmonie aus jeglicher Balance, öffentliche Scheinwerfer erzeugen unangenehme Hitze. Journalisten fragen, Verbraucher sind empört, Mitbewerber melden sich zu Wort, Geschäftspartner rücken langsam ab. Schockstarre flutet durch Gänge, Besprechungszimmer und Büros. Ratlosigkeit steht in die Gesichter der Verantwortlichen geschrieben. Gerechnet hat niemand mit einer solchen Entwicklung. Was jedoch nichts ändert. Das Unternehmen steht über Nacht mit dem Rücken zur Wand. Immun gegen solche Ereignisse ist kaum ein Betrieb in der modernen, dynamischen Welt. „Jede Krise ist anders. Manche zeichnen sich bereits ab, andere sind unmöglich vorherzusagen. Die Frage ist demnach nicht, ob eine solche Situation überhaupt auftaucht, sondern wann. Dafür gerüstet zu sein ist jedoch entscheidend, um negative Auswirkungen auf die Kunden, Lieferanten und das eigene Unternehmen so gering wie möglich zu halten“, sagt Kristof Wabl, Experte der Managementberatung PwC Österreich. Denn das Aussitzen oder Ignorieren von Störfällen ist eine überholte Taktik von vorgestern. Konsumenten, NGOs oder Bürgerbewegungen reagieren heute sensibler und rascher als je zuvor auf Missstände. Wer sich mit dubiosen Praktiken, fragwürdigen Statements, mangelhaften Waren, miesen Arbeitsbedingungen, Täuschungsmanövern oder Korruption angreifbar macht, kommt um heftige Gewitter nur mehr selten herum. Wo einst die Schultern gezuckt wurden, ballen Betroffene und Unterstützer jetzt die Fäuste. Manager mit Weitblick haben für raue Bandagen ein Mittel in der Business-Hausapotheke parat: Krisenmanagement.

Gestärkte Widerstandskraft Auf die zuständigen Einsatzkräfte wartet ein harter Job. „Der Stab wird als Sonderorganisation im Anlassfall tätig. In der Regel müssen mit wenig Informationen und unter hohem Zeitdruck nachvollziehbare Grundlagen für rasche Entscheidungen aufbereitet werden. Der Mehrwert ist eine Stärkung der Widerstandskraft von Unternehmen. Die Chance, besser durch solche Situationen zu kommen, steigt damit deutlich“, weiß Axel Wochinger, Director Corporate Security der Sicherheitsberatung Result Group. CHECK CHECK2020/21 1/2020

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# krisen

Minimierte Gefahr Corona hält auch die Wirtschaft weiter in Atem. Deshalb müssen Unternehmen Prävention weiter massiv forcieren zum Schutz von Mitarbeitern und Kunden. Das SIMACEK-Krisenmanagement basiert auf Prozessen betreffend Kommunikation, Information, Meldepflicht und Schnelltests. SIMACEK hat umgehend auf die Pandemie reagiert. Der bereits bestehende Krisenstab wurde von fünf auf zehn Personen aufgestockt. Ein spezielles Sicherheitskonzept erlaubt es wiederum, für jegliche Ereignisse betreffend Covid-19 eine Lösung zu finden. Basierend auf rechtlichen Rahmenbedingungen erfolgen alle nötigen Vorkehrungen

Eskalation der Krise In sozialen Medien wächst Kritik sich schnell zum Shitstorm aus.

zur Aufrechterhaltung des Betriebs. Ein Schlüsselelement bildet dabei gezielte Kommunikation: Abstimmung mit dem eigenen Personal. Damit können Auftraggeber immer ganz sicher sein, dass die Infektionsgefahr minimiert wird. Deshalb finden auch keine Dienstreisen mehr statt in Risikodestinationen. Weiters müssen Angestellte das Unternehmen sofort informieren, wenn sie privat solche Regionen besucht haben oder Verdacht auf Ansteckung besteht. Dafür existiert ein eigener Meldeprozess. Erkrankt darf natürlich niemand zum Dienst erscheinen. Sämtliche Mitarbeiter wurden außerdem hinsichtlich der erweiterten Hygienevorschriften unterwiesen und haben Anweisungen zu arbeitsmedizinischen Verhaltensmaßnahmen erhalten. Auch SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltests sind im Betrieb verfügbar. Damit lässt sich mittels Nasen-Rachen-Abstrich innerhalb von 15 Minuten eine Ansteckung nachweisen. In einer ersten Phase sind 200 Testungen im Rahmen der österreichischen Teststrategie geplant. Das Prozedere umfasst Tests an asymptomatischen Personen mit Kontakt zu Infizierten sowie Screenings. Dr. Wolfgang Kurth, bei SIMACEK für Arbeitsmedizin zuständig, erklärt die Motivation für diese Maßnahme: „Die Erwartung liegt dabei auf einer schnelleren Klärung von Verdachtsfällen.“

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Schon die Aussicht auf ein intaktes inneres Immunsystem rechtfertigt den Aufwand. Denn egal ob Vorwürfe zu Recht bestehen, überzogen sind oder auf einem Missverständnis beruhen: Handlungsbedarf besteht in jedem Fall, dichter Rauch verzieht sich kaum von alleine. Schon gar nicht im digitalen Zeitalter. Das populäre Mitmach-Web verwandelt jeden Lufthauch in einen Orkan, wenn genug Nutzer loslegen. Dann zählt jede Minute für Schadensbegrenzung. Das Tempo in den sozialen Medien ist atemberaubend, zeigen Daten der Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer. Demnach haben sich ein Viertel der berichteten Krisen innerhalb von 60 Minuten über die Landesgrenze hinweg ausgebreitet. Über zwei Drittel erreichten in nur 24 Stunden sogar eine globale Popularität. Die Empfehlung an alle Verantwortlichen klingt daher logisch: Unternehmen müssen aufgrund der immer schnelleren Verbreitung von Nachrichten über Social Media-Netzwerke entsprechend gegensteuern. Dabei geht es keinesfalls um hastige Wortmeldungen des CEO oder eine eilig einberufene Pressekonferenz. Sondern um professionelle Strategien. Alleine die tägliche Realität lässt kaum Zweifel offen, dass hier keine Panikmache vorliegt. Oder dass ein paranoider Konzernlenker sein Hobby pflegt. Gemäß einer Untersuchung der Managementberatung Deloitte orten 60 Prozent der Firmen nämlich eine deutliche Zunahme von Ernstfäl-

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Kunden erhalten regelmäßig Kenntnis über die laufende


# krisen

len mit unangenehmen Folgen. Diese können direkt unter die ökonomische Haut gehen. Nicht nur durch nachhaltige Image-Defekte, die das Standing am Markt beschädigen. Immer öfter reagieren Kritiker sogar mit einem Kaufboykott und sind nur mehr sehr schwer umzustimmen. Fadenscheinige Selbstberuhigung der Marke „Kann uns nicht passieren, also brauchen wir keine Vorbeugung“ sind dann eher gering wirklichkeitsbezogen. „Krisen lassen sich nicht immer vermeiden, kein Unternehmen und keine Branche ist davor geschützt. Dafür sorgt schon der rasante Wandel der modernen Geschäftswelt. Faktoren wie Digitalisierung können genauso eine Rolle spielen wie die geopolitische Weltlage. Oder das Handeln einzelner Mitarbeiter“, unterstreicht Deloitte-Experte Michael Müller.

Fehlende Notfallpläne Mit Entspannung ist kaum zu rechnen, keineswegs nur aufgrund der Pandemie. Vielmehr werden generell steigende Fallzahlen bei betrieblichen Störfällen erwartet. In der Studie von PwC gehen fast 100 Prozent der Führungskräfte davon aus, dass sie in naher Zukunft zumindest mit einer Krise konfrontiert sind. Möglicherweise stehen dann manche von ihnen hilflos im sauren Regen. Denn viele Betriebe sind immer noch säumig, zeigt ein Blick über die Grenze: Nur 40 Prozent der Führungskräfte in

Deutschland haben laut PwC einen Krisennotfallplan implementiert. Auch weltweit sind es nur 52 Prozent. Sollte dann in der Stunde X die große Verblüffung ausbrechen in Entscheider-Räumlichkeiten, dürften einige Manager aufwachen. Jedoch viel zu spät. Wochinger: „Jedes größere Unternehmen sollte über entsprechende Vorbereitungen und Strukturen verfügen, um im Falle des Falles rasch auf die krisenhafte Entwicklung reagieren zu können. Diese Prozesse erst zu entwickeln, wenn der Ernstfall schon eingetreten ist, wird im Chaos enden.“ Jener Zustand wird noch verstärkt durch unbelehrbare Schweiger oder notorische Schönfärber, die das Parkett noch rutschiger machen. Denn der Irrglaube, das Publikum lasse sich mit Image-Behübschung austricksen, geht meist ins Leere. News aktuell, Tochter der Deutschen Presse-Agentur, und die PR-Agentur Faktenkontor haben Spezialisten der Public Relations-Branche nach Auslösern für Druckszenarien gefragt. Demnach entstehen Krisen am ehesten durch Vertuschungen. Doch auch Fehlverhalten des Topmanagements befeuert jenen Ausnahmezustand.

Proaktive Reaktion Gelungene Öffentlichkeitsarbeit, gebaut auf Ehrlichkeit und Einsicht, kann hingegen die Belastung reduzieren. So wie bei der Mohrenbrauerei, die jetzt trotz unverrückbarer historischer Tatsachen Anwürfe in Sachen politische Korrektheit erlebt. Jenes Unternehmen geht zurück auf Josef Mohr, 1784 in Dornbirn Gründer einer Gaststätte mit Brauerei. Für sein Haus „Zum Mohren“ verwendete der Neo-Gastronom das Familienwappen mit der Abbildung eines Mohren. Die Marke „Mohrenbräu“ wiederum ist seit über 200 Jahren Bestandteil der Bierkultur im Ländle. Was wenig daran ändert, dass manche Menschen zu schäumen beginnen angesichts von Logo und Firmenname. Die Eigentümer haben aber weder mit Rückzug noch mit Attacken reagiert. Vielmehr wurde mit einem offenen Brief auf der Homepage Stellung bezogen zu sämtlichen Vorhaltungen. Dort machte das Unternehmen seine Position sehr deutlich. Dabei hieß es unter anderem: „Weder lassen wir uns Rassismus unterstellen, noch lassen wir uns von Menschen mit ausländerfeindlicher Haltung vereinnahmen. Wir stehen für Toleranz.“ CHECK CHECK2020/21 1/2020

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# krisen

Gut vorbereitet Ein gut eingespieltes Team kann leichter mit Krisen umgehen.

Companies are nowadays quickly and severely exposed to an extremely critical public eye more than ever before. Even if the allegations are excessive or based on a misunderstanding, sitting and ignoring is becoming less and less an option, because social media can spread out the outrage quickly and damage the company’s image sustainably. Crisis is most likely caused by cover-ups, but also by misconduct of top management. Good crisis management is therefore becoming more and more important. Nevertheless, only 52 percent of companies have implemented a crisis contingency plan. Successful public relations work can minimize the risk. For example, the Mohren Brewery has successfully responded to accusations of racism regarding its historically traditional name and logo. The fast food chain KFC was also able to effectively take the wind out of its critics’ sails after accusations of the sudden closure of some of its restaurants. However, experts also see crisis management as an opportunity for companies to strengthen their resilience. A well-managed crisis can even strengthen the public image of the company, and the experience gained can be used to respond even better to crises in the future. The biggest crisis of our time is the Corona pandemic. SIMACEK has prepared itself for all the problems that might still arise in connection with the crisis, with a comprehensive crisis management and an increase of its crisis staff from five to ten people. A special safety concept makes it possible to maintain operations in any case. This includes the cancellation of missions to risk areas as well as the training of employees and rapid tests to clarify suspicious cases.

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Abseits aller klärenden Schreiben geht der Betrieb auch konstruktiv in die Offensive. Statt tatenlos auf weitere Shitstorms zu warten. „Wir nehmen die Kritik an unserem Logo mit dem Mohren natürlich sehr ernst, selbst wenn keinerlei rassistische Hintergründe existieren. Wir haben daher einen Markenprozess über die nächsten Monate gestartet. Der Ausgang bleibt jedoch offen. Aus heutiger Sicht lässt sich nicht sagen, was das Resultat sein wird“, erklärt Bernd Marte, Marketingchef der Mohrenbrauerei. Damit sind die Positionen also sehr deutlich bezogen. Auf einen Diskurs der ungewöhnlichen Art mit Kritikern setzte wiederum KFC. Als jene Fast Food-Kette wegen Problemen mit Lieferanten in Großbritannien Filialen sperren musste, folgte ein digitaler Missfallensausbruch. In den sozialen Netzwerken verschafften sich frustrierte Kunden mit rüden Tönen Luft. Statt den Kopf einzuziehen oder zur Tagesordnung überzugehen, setzten die Manager einen geschickten taktischen Schachzug: Mit einem kaum zu übersehenden Inserat im „London Evening Standard“ entschuldigte sich das Unternehmen für alle Kalamitäten. Damit keineswegs genug: Kurzerhand wurde der Firmen-Name einfach zu „FCK“ geändert. Diese Übermittlung eines Four Letter Words an die Zielgruppe erwies sich als goldrichtige Idee. Denn notorische Online-Wutbürger drohten plötzlich nicht mehr mit den Schlusspfiff für diverse Restaurants, sondern applaudierten sogar der Reaktion des Betriebes. Zu guter Letzt, wenn sich der Nebel gelichtet hat, kann aus solchen Klemmen tatsächlich noch die berühmte Chance entstehen. Chefetagen haben die Gelegenheit für innere Reinigung sowie Prophylaxe zur Fernhaltung von ähnlichen Desastern. Wabl: „Unternehmen müssen sich nach einer Krise intensiv mit ihren Ursachen befassen und Auswirkungen auf alle Geschäftsbereiche evaluieren. Nur so können Schwachstellen oder ineffiziente Prozesse beseitigt und derartige Vorfälle künftig vermieden werden.“

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Summary


Andreas Gnesda Eigentümer/CEO teamgnesda Foto©: teamgnesda

Mit Ihrer Spende für den AÖF

# gegen

Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser

Spendenkonto d. Frauenhäuser IBAN:AT89 2011 1841 3643 6100 Aktion: GGAF BIC: GIBAATWWXXX

Gewalt an Frauen!

SPENDENVERWENDUNG „Starthilfen“ für Frauen durch leistbare Wohnungen und Jobs, kostenlose Qualifizierungsangebote, sowie digitale Unterrichtshilfe für Kinder und Jugendliche.

Die Morde an Frauen in Österreich stiegen in den letzten Jahren kontinuierlich an – seit 2014 haben sich die Morde an Frauen verdoppelt.

Wir danken herzlich unseren Unterstützer*innen:

Consulting für nachhaltige Entwicklung Idee, Konzept & Produktion der Kampagne

*Spenden an den Verein AÖF sind seit 17.07.2015 laut Spendenbegünstigung im Sinne des § 4a Abs. 3 bis 6 Einkommensteuergesetz, steuerlich absetzbar.


# secession

Wiener Secessionsgebäude Fläche 1000 m2 Gründung Die Secession wurde 1897 von einer Gruppe von Künstlern um Gustav Klimt gegründet, die sich vom konservativen Künstlerhaus abgespaltet hatte. Vereinigung Die Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession betreibt heute das weltweit älteste unabhängige und ausdrücklich der zeitgenössischen Kunst gewidmete Ausstellungshaus. Das Programm für die jährlich 10 bis 15 Ausstellungen wird auf demokratischer Basis und nach ausschließlich künstlerischen Gesichtspunkten von den Mitgliedern des Vorstands der KünstlerInnenvereinigung erstellt. Anliegen Grundlegendes Anliegen ist die Präsentation von aktuell relevanten Entwicklungen der internationalen und österreichischen Kunst sowie die Bereitschaft zum Experiment. Services SIMACEK betreut die Wiener Secession bereits seit 2008. Zu den Services zählen Unterhaltsreinigung, Grundreinigung und Fensterreinigung. Info www.secession.at www.simacek.com

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# secession

KUNSTAdobe Stock

TEMPEL

Als ikonisches Ausstellungsgebäude erregt die Wiener Secession seit über 120 Jahren große Aufmerksamkeit. Sie ist eines der bedeutendsten Bauwerke des Wiener Jugendstils und fasziniert bis heute. Von BEATE BINDER CHECK 2020/21

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# secession

Symbolsprache Die Eulen an den Seitenwänden sollen die Künste der Göttin der Weisheit symbolisieren.

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sien und Vorträge erweitern, dokumentieren und vermitteln die Aktivitäten des Hauses. Das Programm wird auf demokratischer Basis und nach ausschließlich künstlerischen Gesichtspunkten von den Mitgliedern des Vorstands der KünstlerInnenvereinigung erstellt . Der Leitspruch „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit“ über dem Portal beschreibt heute wie vor 120 Jahren das Selbstverständnis der Secession. In dieser Tradition werden jedes Jahr etwa 10 bis 15 Ausstellungen produziert. Finanziert wird die Secession jeweils zu einem Drittel von der öffentlichen Hand , von privaten Förderern und durch eigene Einnahmen .

Gründungsphase Die Künstlervereinigung Secession wurde 1897 von einer Gruppe von Künstlern um Gustav Klimt gegründet, die sich vom konservativen Künstlerhaus abgespaltet hatte. Unter den Gründungsmitgliedern waren neben Klimt auch andere prominente Namen wie die Maler Koloman Moser und Carl Moll sowie die Architekten Josef Hoffmann und

Jorit Aust, Adobe Stock

D

as Gebäude der Wiener Secession in der Friedrichstraße ist ohne Zweifel eine der bedeutendsten Erscheinungen in der Kunstwelt der Jahrhundertwende – einer Zeit, die den Übergang zur Moderne darstellt. Es ist ein einzigartiges Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst , das ein aktuelles , in die Zukunft gerichtetes künstlerisches Programm mit einem ikonischen Bau , dessen Architektur für die Aufbruchstimmung um 1900 steht, verbindet . Diese Architektur ist so jung geblieben, dass sie in ihrer Funktionalität und ästhetischen Eleganz auch heute hervorragende Bedingungen für die Kunst- und Ausstellungspraxis bietet. Mittlerweile ist die Secession mit über 120 Jahren das weltweit älteste unabhängige, ausdrücklich der zeitgenössischen Kunst gewidmete Ausstellungshaus, das durchgehend von Künstlern geführt wurde. Es ist ein Sensorium für die ästhetischen, kunst-, kultur- und gesellschaftskritischen Diskurse, die unsere Zeit prägen, und gleichzeitig ein wichtiges Forum für junge Kunst. Ihr Konzept umfasst aber auch markante, bereits etablierte Positionen. Texte, Kataloge, Sympo-


Jorit Aust

# secession

Hommage an Koloman Moser

Heute wie vor 100 Jahren

Die hintere Seitenfassade schmückt ein Musterfeld

Unterhalb der Kuppel prangt in golde-

seines Freskos „Reigen der Kranzträgerinnen“.

nen Lettern der Leitspruch des Hauses.

Joseph Maria Olbrich. Eine wichtige Funktion in der secessionistischen Bewegung hatte ihre Kunstzeitschrift „Ver Sacrum“ („Heiliger Frühling“), die bereits einige Monate nach der Gründung, im Januar 1898, erschien. Der Titel in goldenen Lettern ziert bis heute die Fassade des Hauses. Das Hauptanliegen der Secessionisten war jedoch eines, das in der von ihnen gewünschten Form und Konsequenz nur mit einem eigenen Ausstellungsgebäude verwirklicht werden konnte. Da sie mit ihrer ersten Ausstellung aber die Fertigstellung des Baues nicht abwarten wollten, mieteten sie dafür Räume der Gartenbaugesellschaft an. Die erste Ausstellung stieß auf großes und überwiegend positives Interesse in der Öffentlichkeit und brachte, ergänzt durch private Spenden, genug Geld für das eigene Gebäude in die Kassen der Secession. Zum Architekten bestimmten sie einen der Ihren, den 30-jährigen Joseph Maria Olbrich, der bei Entwurf und Planung weitgehend freie Hand erhielt. Ursprünglich war ein Grund an der Ringstraße als Bauplatz vorgesehen. Der Wiener Gemeinderat reagierte jedoch sehr skeptisch und protestierte gegen das moderne

Gebäude auf diesem prominenten Platz. Erst nach der Verlegung in die Friedrichstraße wurde der Bau bewilligt. Das Ausstellungsgebäude war in seiner betont antiklassischen Konzeption für die damalige Zeit überaus provokant – was zur Folge hatte, dass in der öffentlichen Diskussion eine Flut der Kritik losbrach. Als „ Tempel der Kunst “ der frühen Moderne konzipiert , wurde der Bau um die Jahrhundertwende vor allem mit Spott bedacht und als „Mausoleum“, „Zwittergeburt von Tempel und Magazin“ und „Ägyptisches Königsgrab“ bezeichnet.

Architektonisches Meisterwerk Das Gebäude, das ebenso wie die Künstlervereinigung als „Secession“ bezeichnet wird, zeigt im Grund- und Aufriss eine sehr einfache Geometrie. Es bedeckt rund 1000 m2 Grundfläche und ist über einem zentralisierten Grundriss errichtet. Für den Eingangs- und Ausstellungstrakt verschränkt Olbrich das Grundmotiv eines Quadrats zu mehreren kreuzförmigen Ordnungen. Aus diesem Grundriss-Schema wird wiederum der Aufriss und damit die geCHECK2020/21 1/2020 CHECK

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# secession

Raum- und Klangerlebnis in Kooperation mit den Wiener Symphonikern.

Ausstellungen (zu sehen bis 7. Februar 2021)

Der albanische Maler Edi Hila (*1944 in Shkodra, lebt in Tirana, Albanien), ein genauer Beobachter des Alltagslebens und der Veränderungen im postkommunistischen Albanien, stellt Serien seiner gegenständlichen Bilder aus.

Die audiovisuellen und installativen Arbeiten von Lawrence Abu Hamdan (*1985 in Amman, Jordanien, lebt in Dubai) thematisieren die politischen Dimensionen von Sprache und Kommunikation.

Till Megerle (*1979 in Bayreuth, lebt in Wien und Berlin) zeigt in seinen figurativen Zeichnungen Szenen mit seltsam verschlungenen und deformierten Körpern, durchdrungen von spielerischen und grotesken Momenten.

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Formen der Nutzung, die als spannende Herausforderung angenommen werden. Die Auseinandersetzung mit dem Bauwerk, innen wie außen, erweist sich zudem als produktiv für jeweils neue künstlerische Ideen und Konzepte , die eigens für die Secession entwickelt werden. Neben dem Hauptraum bieten das Grafische Kabinett im Obergeschoß und die aus drei Räumen bestehende Galerie im Untergeschoß des Hauses vielfältige Ausstellungsmöglichkeiten.

Besuchermagnet Ein wichtiger Teil des Secessionsgebäudes ist Gustav Klimts Beethovenfries, ein dem Komponisten Ludwig van Beethoven gewidmeter Bilderzyklus. Er wurde eigens für die Ausstellung „Vereinigung Bildender Künstler Österreichs Secession“ geschaffen, die 1902 anlässlich von Beethovens

Zsolt Marton

Beethovenfries musikalisch untermalt

samte plastische Gestalt des Gebäudes entwickelt. Olbrich gliedert das Gebäude in zwei Bereiche, in den „repräsentativen“ Eingangsbereich und den „funktionalen“ Ausstellungstrakt. Der Eingangsbereich wird von hermetischen Blöcken flankiert und von vier Pylonen überragt, welche die Kuppel umfassen. Der Ausstellungsraum ist nach basilikalem Schema in ein erhöhtes Mittelschiff, zwei niedrigere Seitenschiffe und ein abschließendes Querschiff gegliedert. Er ist fast zur Gänze mit zeltartigen Glasdächern überdeckt, die dem Innenraum gleichmäßiges Licht geben. Der Lorbeer ist das dominierende symbolische Element am fertigen Bau. Er findet sich auf den Pilastern des Vordertraktes und der Eingangsnische wieder, er zeigt sich an verschiedenen Kranzmotiven an der Seitenfassade und überragt das Gebäude in der aus 2500 vergoldeten Blättern und 311 Beeren bestehenden Kuppel. Den Eingangsbereich zieren außerdem drei Gorgonenhäupter, die die architektonischen, bildhauerischen und malerischen Künste repräsentieren. An den Seitenfronten befinden sich von Joseph Maria Olbrich (nach Entwürfen von Koloman Moser) gestaltete Eulenfiguren. Gorgonen und Eulen sind das Symbol der Pallas Athene, der Göttin der Weisheit, des Sieges und der handwerklichen Künste. Joseph Maria Olbrich verband den Bau mit einer symbolischen Zeichensprache, die hier eine neue und unakademische Anwendung fand. Das Raumkonzept der Secession ermöglicht den hier ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern unterschiedliche


# secession

Tolles Team Der Vorstand der KünstlerInnen-

belle & sass – Natascha Unkart

vereinigung Wiener Secession.

75. Todestag veranstaltet wurde. Die Ausstellung zählte seinerzeit zu den erfolgreichsten und konnte auch erstmals einen neuen Rekord in der Besucherzahl erbringen. Heute wird der Fries als eigenständiges Kunstwerk wahrgenommen. Er gilt seit jeher als Besuchermagnet und als einer der Höhepunkte des Wiener Jugendstils. Das Thema der Malerei bezieht sich auf Richard Wagners Interpretation der IX. Symphonie von Beethoven und stellt die Suche nach dem Glück dar. Ursprünglich nur als Dekorationsmalerei gedacht, wurde der Zyklus nach der Ausstellung an Privatpersonen verkauft. Man nahm ihn samt Unterbau aus Schilfrohr und Lattenrost von der Wand und zersägte ihn in acht Teile. Seit 1972 ist der Fries im Besitz der Republik Österreich. In einem eigens dafür geschaffenen Raum ist er seit 1986 in der Secession als Dauerleihgabe der Österreichischen Galerie Belvedere wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. 2020 bietet die Secession in Kooperation mit den Wiener Symphonikern, anlässlich Beethovens 250. Geburtstag, außerdem erstmals die Möglichkeit, den Beethovenfries musikalisch untermalt zu erleben. Über Kopfhörer kann der vierte Satz aus der Symphonie Nr. 9 d-moll op. 125 in einer Einspielung durch die Wiener Symphoniker unter Chefdirigent Philippe Jordan gehört werden. Somit wird auch die musikalische Inspiration Klimts für den Beethovenfries für die Besucher erfahrbar.

Summary The Vienna Secession in Friedrichstrasse is without doubt one of the most significant phenomena in the art world at the turn of the century – a period that represents the transition to modernism. It is a unique exhibition house for contemporary art that combines a current, forward-looking artistic program with an iconic building whose architecture reflects the spirit of change around 1900. This architecture has remained so young that in its functionality and aesthetic elegance it still offers excellent conditions for art and exhibition practice today. The Secession was founded in 1897 by a group of artists around Gustav Klimt, who had split off from the conservative artist’s house. Among the founding members were not only Klimt but also other prominent names such as the painters Koloman Moser and Carl Moll as well as the architects Josef Hoffmann and Joseph Maria Olbrich. With more than 120 years of existence, the Secession is now the world’s oldest independent exhibition house dedicated specifically to contemporary art, which has been run continuously by artists. It is a sensory for the aesthetic, art, cultural and socially critical discourses that shape our time and at the same time an important forum for young art.

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# sponsoring

VISIONÄRE

Unter dem Namen „Visionary Projects“ stellt SIMACEK sein neues Sponsoring-Programm vor. Kick-off-Event war die Vienna Fashion Week, jetzt geht das Projekt im Wiener Kunstforum in die zweite Phase über. VON MARTIN KRAKE 72

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Hannes Böck

PROJEKTE


# sponsoring

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# sponsoring

S

Dr. Ingried Brugger, Direktorin Bank Austria Kunstforum Wien

ponsoring ist für viele große Unternehmen eine Möglichkeit, gesellschaftliche Anliegen zu unterstützen. Wenn sich dies aus einer Bewegung des Kerngeschäftes heraus formt, ist es, wie in diesem Fall, ein Teil der Corporate Social Responsibility. Damit lässt sich die Bereitschaft demonstrieren, Verantwortung und Engagement für Themen zu übernehmen, die im Zusammenhang mit dem jeweiligen Geschäftsmodell stehen. Ob Sport, Kultur oder klassische Charity-Events. Viele Projekte könnten ohne Sponsoring gar nicht realisiert werden, weil sie auf andere Art – etwa durch den Verkauf von Eintrittskarten – niemals genug Umsätze generieren könnten, um die Kosten zu decken, und Förderungen der öffentlichen Hand ohnehin immer knapper werden. So kommt dem Sponsoring insbesondere im Kulturbereich eine hohe Bedeutung zu.

Neues Sponsoring-Programm SIMACEK hat jetzt ein neues Sponsoring-Programm entwickelt. Gesponsert werden soll aber nicht irgendwas, sondern Projekte, die eine klare Zukunftsvision haben. Dies gab dem Programm auch den Namen: Visionary Projects. Nachhaltiges Denken ist nach Aussage der Geschäftsführerin, KR Ursula Simacek, die Grundlage für Visionary Projects. „Ich habe mir schon sehr lange überlegt, wie ich diese Thematik zukünftig für mehr gesellschaftlich wirksame Projekte umsetzen könnte“, erklärt die Geschäftsführerin ihre Intention. „Unser Ziel ist es, visionäre Projekte aus allen Bereichen zukünftig in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen und zu fördern.“ Der Fokus des langfristig angelegten Programms liegt auf Projekten aus dem Bereich Kunst und Kultur in Österreich, aber auch auf der Architektur 74

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und dem Gesundheitswesen. Das erste unterstützte Projekt war die 12. MQ Vienna Fashion Week, die vom 7. bis 12. September 2020 im Wiener MuseumsQuartier stattfand. Die feierliche Eröffnung der Fashion Week war damit auch gleich der Kick-off, mit dem SIMACEK die Visionary Projects erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorstellte. Aber warum ausgerechnet die Fashion Week? Was hat ein Unternehmen, das sich mit Facility Management befasst, mit der schillernden Modewelt zu tun, die auf den ersten Blick ziemlich weit vom Kerngeschäft entfernt scheint? Ursula Simacek ist auf diese Frage vorbereitet: „Sie fragen sich sicherlich, was ein Facility-Unternehmen mit Haute Couture und Modedesign zu tun hat. Nun, in Wahrheit sehr viel. In unserem Kerngeschäft geht es darum, Wohlbefinden und Atmosphäre zu schaffen. Bei Kunst und Kultur ist das ja nicht anders. Unsere Arbeit trägt wesentlich zur Basis all dieses Schaffens bei. Hygiene ist eine Säule unserer Gesellschaft. Kunst und Kultur ebenso, genauso wie die Gesundheit, Soziales und Bildung – alles tragende Säulen für unsere Gesellschaft, in der die Grundwerte der menschlichen Gemeinschaft zählen“, erklärt die Geschäftsführerin, die die Fashion Week deshalb für ein „visionäres Projekt“ hält, weil dadurch auch österreichische Designer ihre Visionen ausleben können. Und weil sie sich gleichzeitig darüber im Klaren ist, dass Events wie dieses ohne Sponsoring nicht stattfinden könnten, „denn es ist mir bewusst, dass ohne Sponsoren, speziell in diesen schwierigen Zeiten, ohne Zusammenhalt und ohne Mitwirken ein Projekt dieser Größenordnung und Wichtigkeit nicht umsetzbar wäre.“ Man merkt der sympathischen Geschäftsführerin an, dass es ihr bei den Visionary Projects nicht nur um ein Konzept

„Die Säulen unserer Gesellschaft werden bei den Visionary Projects zur visionären Zukunft.“

Ursula Simacek, CEO SIMACEK Facility Management Group

SIMACEK, Sigrid Mayer

„Kunst und Kultur haben – gerade jetzt – vor allem eine eminent therapeutische Wirkung.“


# sponsoring

zur Imagepflege ihres Unternehmens geht, sondern dass dies ein wirkliches Herzensprojekt für sie ist. Ideen und Events zur Realisierung zu verhelfen, die sonst nur eine Idee bleiben würden, das ist ihre Absicht. Beim Thema Fashion soll es aber nicht bleiben. Sie schlägt den Bogen von der Fashion Week zu weiteren Visionary Projects: „Auf der Vienna Fashion Week waren es die mitwirkenden Designer, in weiterer Folge dann Konzepte, Projekte und Start-ups, die wir mit Gleichgesinnten supporten wollen. Um ihnen die Möglichkeit zu geben, speziell in diesen schwierigen Zeiten ihre innovativen und außergewöhnlichen Konzeptionen und Visionen weiterführen zu können.“

Ein Interview mit Wolfgang Reichl, Creative Director für Visionary Projects CHECK: Was ist denn das Visionäre an den Visionary Projects? Reichl: Das Projekt basiert auf den Säulen unserer Gesellschaft, wie etwa Kunst, Kultur und Bildung. Eine weitere Säule der Gesellschaft ist aber die Hygiene, deswegen fügt sich die Firma SIMACEK perfekt in das Konzept

Felix Frühauf

ein. Gerade in Zeiten wie diesen ist es besonders wichtig, diese

Hochkarätiges Kuratorium Die Fashion Week war nur der Anfang; Visionary Projects ist ein langfristig angelegtes Sponsoring-Programm, durch das immer wieder neue visionäre Projekte unterstützt werden. Welche werden das sein? Nach welchen Kriterien werden die Personen, die Ideen gefunden? Auch wenn Ursula Simacek sich persönlich stark einbringen will, möchte sie das auf keinen Fall allein entscheiden. Sie steht für Collaboration ein, was für sie mehr als Kooperation ist. Collaboration bedeutet gemeinsames Eigentum und Interesse an einem bestimmten Ergebnis. „Wenn Sie und ich an einem Projekt zusammenarbeiten, haben wir die Autorenschaft geteilt. Kooperation hingegen könnte einfach bedeuten, dass Sie mir bei etwas geholfen haben, an dem ich arbeite und für das ich letztendlich verantwortlich bin. Für die Säulen der Gesellschaft sind wir aber alle verantwortlich“, so die Geschäftsführerin. Der Auswahlprozess soll dem hohen Anspruch des Programms entsprechen: Um die Visionary Projects fortzuführen, will die Geschäftsführerin ein Kuratorium aus zehn hochkarätigen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kunst und Kultur schaffen, die unter ihrer Ägide neue förderungswürdige Projekte finden sollen. Die Namen der Kuratoriumsmitglieder waren bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt – die Verantwortlichen erklären, dass es sich um „hochkarätige Persönlichkeiten“ handeln wird. Man darf also gespannt sein, wer alles dazugehören wird. Auch die Präsentation der Kuratoriumsmitglieder passt in die Linie der „Visionary Projects“: Sie werden von einem

Säulen in den Vordergrund zu heben und zu unterstützen. Wir möchten Personen, die in ihrem jeweiligen Bereich ganz besondere Dinge bewirken, in den Vordergrund stellen. Personen, die visionär sind, aber nicht die Möglichkeit haben, sich selbst gut zu präsentieren. Es geht dabei ausschließlich um Menschen, die eine Vorbildfunktion haben. Auch unsere Kuratoren kommen aus den verschiedensten Bereichen und vertreten daher die unterschiedlichen Säulen der Gesellschaft, wie Kunst und Kultur, aber auch den Wirtschaftsbereich. Und auch sie sind nah am Zeitgeist und auf ihre Art visionär. Es ist also eine Symbiose von vielen Visionären. CHECK: Haben die Projekte so etwas wie eine gemeinsame Klammer? Bisher ging es ja um Mode und Kunst. Reichl: Das Mode-Thema war der Kick-off in einer Zeit, wo durch Covid-19 das Kulturleben zum Stillstand gebracht wurde und Existenzen gefördert werden mussten. Kunst und Kultur ist aber nur einer der Bereiche; in Zukunft sind Projekte geplant, die weitere gesellschaftliche Themen transportieren und als Säulen betrachtet werden können. Der nächste Schritt geht in Richtung Architektur, danach denken wir den Hygienebereich an. Die gesellschaftlichen Aspekte sind immer Bestandteil dieser Strategie. CHECK: Wie viele Projekte pro Jahr sollen denn gefördert werden? Reichl: Im Moment arbeiten wir darauf hin, jedes Jahr ein großes, tolles Projekt zu realisieren. In Zukunft vielleicht auch noch ein zweites, mehr aber sicher nicht. Es soll auch für die jeweils mitwirkenden Partner unterstützend wirken; deshalb ist ein sinnstiftendes Projekt einmal im Jahr aus meiner Sicht besser als mehrere nicht ganz so perfekte, und da ist Ursula Simacek als Perfektionistin ganz auf meiner Seite.

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# sponsoring

„Die Investition in nachhaltige Reflexion im Rahmen von Kunst, Kultur und Wissenschaft ist nicht nur außergewöhnlich, sondern auch mutig.“ Mag. Dr. Wolfgang Lamprecht, Kulturpromotor internationalen Top-Fotografen in Szene gesetzt, und zwar in den Ausstellungsräumen des Wiener Kunstforums. Das neoklassizistische ehemalige Bankgebäude in der Freyung im 1. Wiener Gemeindebezirk ist seit seiner Eröffnung im Jahr 1989 eine der ersten Adressen für Kunstliebhaber in Wien und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Diese Reputation erwarb sich das Kunstforum mit hochkarätigen Ausstellungen: So wird hier derzeit (seit dem 1. Oktober und noch bis zum 14. Februar 2021) eine vielbeachtete Ausstellung mit Landschaftsbildern des deutschen Malers Gerhard Richter gezeigt. Mit dem Shooting der Kuratoriumsmitglieder wird das Kunstforum zum Rahmen der zweiten Projektphase der Visionary Projects. Die Bilder, die dabei entstehen, werden später im Tresorraum des Kunstforums ausgestellt, der für kleinere Ausstellungen zeitgenössischer Kunst reserviert ist. Man kann also sicher sein, dass diese Bilder der Beteiligten von ihrem Kunstwert her weit über normale Pressefotos hinausgehen werden.

Kreatives Editorial Shooting Natürlich darf man neugierig sein, wie es weitergeht. In den nächsten Schritten wird es zunächst weiter um das Thema Mode und Design gehen: Das eben angesprochene zehnköpfige Kuratorium soll aus den Präsentationen der Fashion Week zehn der besten österreichischen Designer-Kreationen auswählen. Diese werden dann in einem kreativen Editorial Shooting vom selben Top-Fotografen, der auch die Bilder der Kuratoriumsmitglieder machen darf, in Szene gesetzt. Die Namen der Models, die diese Kreationen für das Shooting tragen werden, dürfen bereits genannt werden: Ilvie Wittek und Patrick Kafka traten schon bei der Fashion Week zusammen mit Ursula Simacek öffentlich in Erscheinung. 76

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Nach diesem Auftakt soll das Kuratorium dann einige Monate Zeit haben, um die nächsten Schritte zu beschließen. Voraussichtlich Mitte März werden die nächsten Projekte vorgestellt. Dabei soll dann auch das Thema Mode & Design verlassen werden – und zwar in Richtung Kunst & Architektur, aber in der Folge auch in ganz andere Richtungen wie Soziales & Bildung, Start-ups & junge Wirtschaft oder auch Gesundheit & Hygiene. Man darf also gespannt sein, welche Richtung die Visionary Projects in Zukunft nehmen.

Kick-off Meeting im Bank Austria Kunstforum Beim kurzen Pre-Shooting im Kunstforum Wien geht das Visionary Project von SIMACEK, nach dem Start auf der Vienna Fashion Week, nun in die zweite Phase: In einer Kooperation mit dem Bank Austria Kunstforum Wien unter der Leitung von Direktorin Dr. Ingried Brugger wird dort – in weiterer Folge – das zehnköpfige KuratorInnen-Team für zukünftige Visionary Projects von einem bekannten Top-Fotografen geshootet. Das KuratorInnen-Team hat, im ersten Go, die Aufgabe, die zehn besten österreichischen Designer-Kreationen, die auf der Fashion Week gezeigt wurden, auszuwählen. Diese werden dann in einem kreativen Editorial Shooting mit den internationalen Top-Models Ilvie Wittek und Patrick Kafka vor Ort in Szene gesetzt. Was auf der MQ Vienna Fashion Week begonnen hat, wird nun konsequent fortgesetzt: Nach dem Event selbst und den österreichischen Designern werden jetzt auch die Models supported. Mag. KR Ursula Simacek, CEO SIMACEK Facility Management Group: „Wir freuen ganz besonders darüber, dass unser Kick-off Meeting im Kunstforum Wien so erfolgreich stattgefunden hat und dass wir Dr. Ingried Brugger und Mag. Dr. Wolfgang Lamprecht als erste Kuratoren für dieses wunderbare Projekt vorstellen dürfen. Diese Kooperation unterstreicht die Hochwertigkeit unseres Vorhabens und bildet das Fundament für weitere, zukünftige Visionary Projects. Mit einer der renommiertesten Plattformen Österreichs im Bereich Kunst kooperieren zu dürfen, ist für das erste Visionary Project ein hervorragender Start. In unserem Kerngeschäft geht es darum, Wohlbefinden und Atmosphäre zu schaffen – bei Kunst und Kultur ist das


# sponsoring

nicht anders. Hygiene ist eine Säule unserer Gesellschaft, ebenso wie Kunst und Kultur und Gesundheit, Soziales und Bildung. Alles tragende Säulen unserer Gesellschaft, in der die Menschen zählen. Die SIMACEK Visionary Projects sind mein Herzensprojekt. Das Ziel ist es, Talente dieser tragenden Säulen zu fördern. Und ihnen zu helfen, ihre Visionen auch umzusetzen.“

Dr. Ingried Brugger, Direktorin Bank Austria Kunstforum Wien sowie Mode-Designerin: „Ein österreichischer Bundeskanzler soll einst den legendären Satz gesagt haben: ,Wer Visionen hat, braucht einen Arzt.‘ Neben meiner Bürotür im Bank Austria Kunstforum Wien hängt eine Arbeit der österreichischen Künstlerin Zenita Komad mit dem Titel ,Art is the doctor‘. Ich finde es daher großartig, wenn ein Unternehmen nicht nur Visionen hat, sondern Visionen in den Bereichen Kultur und Wissenschaft auch fördert. In Zeiten der Dystopie wird Utopie zum Treiber von positiven Entwicklungen. Und in der Tat können Kunst und Kultur dabei für eine Gesellschaft nicht nur eine vermittelnde, sondern – gerade jetzt – vor allem eine eminent therapeutische Wirkung haben. Danke, Ursula Simacek!“

Himmelsgemälde Ursula Simacek und Wolfgang Reichl vor Gerhard Richters Gemälde „Wolke“ von 1976.

Summary For many large companies, sponsorship is an important part of their corporate social responsibility. Under the name „Visionary Projects”, SIMACEK too has introduced a sponsorship program. It is intended to support projects that share a clear vision for the future – for managing director Ursula Simacek not only a marketing strategy, but also a

Hannes Böck

personal concern. The first supported project, which was

Mag. Dr. Wolfgang Lamprecht, Kulturpromotor und Lektor für Kulturkommunikation an der Universität Wien sowie Head of Corporate Communications Bank Austria Kunstforum Wien: „Wenn, wie es die SIMACEK Facility Management Group hier kommunikativ handelnd vorlebt, Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung umfassend als wertebasierte Verantwortung für die Kultur einer Gesellschaft – und damit freilich auch für sich selbst – begreifen, dann darf mittlerweile zu Recht von einem ,Visionary Project‘ gesprochen werden. Solange es nämlich nur darum geht, vorgeblich kurze Aufmerksamkeitsspannen kontrolliert mit plakativen Messages zu bedienen, ist eine Bereitschaft zur Investition in und unterstützenden Teilhabe an nachhaltiger Reflexion und demokratischer Diskurskultur im Rahmen von Kunst, Kultur und Wissenschaft nicht nur außergewöhnlich, sondern auch als mutig zu beschreiben. Das ist gut so. Denn in jedem Fall ist ein solches Engagement: kathartisch für uns alle!“

also the kick-off event, was the 12th MQ Vienna Fashion Week, held in the MuseumsQuartier in Vienna from 7th until 12th September, 2020. A Board of Trustees of ten high-profile figures from the worlds of business, art and culture is to be assembled to determine the further projects. In a next step, the Board of Trustees will select ten of the best Austrian designer creations from the presentations at Fashion Week. These will then be staged by a top international photographer in the exhibition rooms of the Vienna Kunstforum, where a top-class exhibition of the German painter Gerhard Richter is currently being shown. The members of the Board of Trustees are also staged at this location by the same photographer. Additionally, one or two further projects will be funded each year. In the process, the theme of fashion and design is to be abandoned – initially in the direction of art and architecture, but subsequently also in completely different directions such as social affairs and education, start-ups and young businesses or even health and hygiene.

CHECK 2020/21

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CHECK - Das Businessmagazin von SIMACEK

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