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R 6 REISEN

Der „Kärntnerhof“ liegt in einem ruhigen Winkel der Wiener Innenstadt, nur ein Paar Schritte vom Stephansdom entfernt. Christiane Hörbiger betritt das Hotel mit einem blonden Mops an der Leine. Der Hoteldirektor begrüßt die Schauspielerin und ihren Hund mit fast überschwänglicher Höflichkeit. Sie wohnt in der Nähe und soll bei dem Fest, mit dem die gerade abgeschlossene Renovierung des Hauses gefeiert wird, ein rotes Bändchen zerschneiden. Nachdem der Herr Direktor der Schauspielerin den Ablauf erklärt hat, führt er sie durchs Haus. Letzte Station ist eine taubenblaue Suite, die Christiane Hörbigers Namen trägt. VON ELISALEX HENCKEL

CHRISTIANE HÖRBIGER: Oh, das ist aber alles schön geworden. Sehr geschmackvoll! Ganz wunderbar! Finden Sie nicht? WELT AM SONNTAG: Doch. Sehr schön. Wenn morgen noch das Porträt von Ihnen geliefert wird, wie es die Hoteldirektion angekündigt hat, könnten Sie direkt einziehen. Im Hotel leben? Ich weiß nicht. Wieso nicht? Sie wären jedenfalls in guter Gesellschaft: Coco Chanel hat jahrelang im „Ritz“ in Paris gelebt, Udo Lindenberg im Hamburger „Hotel Atlantic“, Robert de Niro im „Château Marmont“ in Los Angeles. Außerdem muss es unglaublich bequem sein: nie mehr aufräumen, putzen, Parkplatz suchen. Ich habe das Glück, dass ich auch so die Hilfe des Hotels in Anspruch nehmen darf. Wenn ein Produzent mir ein Drehbuch schickt und ich bin nicht zu Hause, nimmt es der Portier vom „Kärntnerhof“ entgegen. Und wenn ich mit meinem Mann ins Theater will oder über den Tag zu einer Kostümprobe fliegen muss, darf

S A M S TAG / S O N N TAG , 11. /12 . M A I 2 013

„Ich schätze es, immer wieder das Schauspielerin Christiane Hörbiger über Höflichkeit und Trinkgeld auf Reisen, über sargartige Betten und das Land, das vom Tourismus lebt, bleibt eigentlich gar nichts anderes übrig, als seine Gäste gut zu behandeln.

der Loriot bei der Dame an der Rezeption bleiben. Ihr Mops. Genau, der Loriot ist inzwischen quasi ein Kind des Hauses. Ich würde auch sofort wieder hier übernachten, wenn wie vor ein paar Jahren unmittelbar vor Weihnachten die Heizung bei uns zu Hause ausfällt. Und wenn ich drehe, wohne ich sowieso immer im Hotel, um mich von allem abzuschirmen, was mich ablenkt: Telefon, Fax, Post, Menschen. Aber mein Zuhause aufgeben? Ungern. Vielleicht, wenn ich meinen Mann nicht mehr hätte. Dann lieber Hotel als Altersheim.

Den Österreichern wird gerne vorgeworfen, dass sie nach oben buckeln und nach unten treten. Buckeln ist ein scheußliches Wort, aber es beschreibt etwas Wahres: Früher hat es dazugehört, vor einem Höhergestellten den Diener zu machen. Und ein gewisses Obrigkeitsdenken prägt uns sicher bis heute. Wir haben beispielsweise gerade erst begonnen, darüber nachzudenken, ob es klug ist, dass uns Politiker mit dem Verweis auf das Amtsgeheimnis entscheidende Auskünfte verweigern können.

Was vermissen Sie in Hotels am meisten? Mir meinen eigenen Kaffee zu machen. Vor allem den allerersten des Tages, der ja der wunderbarste ist, trinke ich gerne ungeschminkt und ohne dass mir jemand dabei zuschaut, deshalb reise ich auch immer mit Kaffeemaschine. Ich hab’ da so eine kleine, hübsche, die man überall einstecken kann.

Werden Harmonie und Höflichkeit in Österreich überbewertet? Mein geschätzter Kollege Götz George hat einmal gesagt: „Ach diese verlogenen Österreicher“, aber ich glaube, er lag falsch. Höflichkeit, dem Gegenüber nicht alles ins Gesicht sagen, muss nicht unbedingt verlogen sein, sie hat meiner Meinung nach auch viel mit Rücksicht zu tun und deshalb durchaus ihren Wert.

Heißt das, Sie bewirten lieber, als bewirtet zu werden? Oh nein, ich bin sehr gerne Gast. Gäste zu haben, macht mich nervös. Wenn es nach mir ginge, würde ich ihnen höchstens einen Aperitif servieren und dann mit ihnen essen gehen. Aber mein Mann hat mich gelehrt, dass sich manche Menschen sehr darüber freuen, wenn sie zu Hause bekocht und bewirtet werden. Gott sei Dank kann er das wunderbar. Ich hätte viel zu viel Angst, dass ich alles verpatze.

Wie gastfreundlich sind die Deutschen? Für mich ist es wunderbar in Deutschland, aber das hängt natürlich damit zusammen, dass man mich seit den „Guldenburgs“ kennt. Die Serie stammt ja aus einer Zeit, als es noch keine Privatsender gab, entsprechend viele Leute haben sie geschaut.

Wen bewirten Sie am liebsten? Meinen Sohn. Und die Tochter meines Mannes.

In welchem Hotel wären Sie gerne mal wieder Gast? Im Hamburger „Vier Jahreszeiten“. Dort wohne ich, seit das „Atlantic“ umgebaut wurde, mindestens einmal im Jahr, wenn ich mit dem Produzenten Markus Trebitsch drehe. Es waren immer ziemlich fordernde Rollen – in „Luises Versprechen“ habe ich eine Krebskranke gespielt, in „Wie ein Licht in der Nacht“ eine Alkoholikerin und zuletzt, in „Stiller Abschied“ eine Alzheimerpatientin – da hat es gut getan, den Blick über die Alster auf die Lichter der Stadt zu haben, wenn man nachts aufwacht.

Österreich ist sehr stolz auf seine Gastfreundschaft. Zu Recht? Ich glaub’ schon, dass wir hier gewohnt sind, mit Menschen verschiedener Nationalitäten und ihren Eigenheiten fertigzuwerden. Vielleicht ist das ein Erbe aus K.u.k-Zeiten, als Österreich noch ein Vielvölkerstaat war. Obwohl – einem

Und welches Hotel würden Sie gerne einmal kennenlernen? Ich will schon seit Jahren einmal auf die „Queen Mary“ – und zwar nicht von Hamburg nach New York, sondern umgekehrt. Es ist sicher toll, nach der Fahrt über den Atlantik dann diesen berühmten Blick auf Wolkenkratzer und Frei-

Warum denn das? Ich habe mein Leben lang Theater gespielt oder gedreht, da bleibt für Gäste wenig Zeit. Die braucht man aber, wenn man eine richtig gute Gastgeberin sein will. Was nehmen Sie Gästen übel? Rauchen.

CYRUS SAEDI

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D I E W E LT / W E LT A M S O N N TAG

Zwei Gäste, die sich wohlfühlen: Christiane Hörbiger mit ihrem Mops Loritot in der Christiane-Hörbiger-Suite im „Kärntnerhof“


Die Welt