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Salon

Achtung, Herrschaften: Frauen spinnen ihr Netzwerk anders als ihre männlichen Kollegen. Statt auf die Karriereleiter konzentrieren sie sich (auch) auf das persönliche Wachstum. Und das alles fernab TEXT: NICOLE SPILKER von Cognac und Cohibas.

eulich beim Networking: Ein Job wird vermittelt, ein lichter Altbau ohne Makler angeboten, das beste Knödelrezept verraten – und ein Name fürs kurz vor der Ankunft stehende Baby gefunden (bitte eine kurz-lange Doppelnamen-Kombi, die man auf Deutsch, Spanisch, Englisch und Französisch gleich ausspricht). Alles innerhalb einer halben Stunde. Alles außerhalb eines kirschholzvertäfelten Hinterzimmers. Networking funktioniert bei Frauen längst nicht mehr nach den verstaubten Regeln der „Old Boys Clubs“, in denen die sozialen Eliten – also Männer mittleren bis fortgeschrittenen Alters – in eigener Sache antichambrieren. Beim oben beschriebenen Netzwerk handelt es sich um die 2015 von der Juristin Ulrike Lackner-Stauchner gegründete Facebook-Gruppe „Wiener Wunderweiber“. Diese bricht ganz bewusst mit der Tradition der Eliteschulweisheit „It’s not what you know, it’s who you know“ – die WWWs setzen auf das breitgefächerte Wissen ihrer rund 9000 Mitglieder, die Google ernsthaft Konkurrenz machen können. Die Aufnahmekriterien der Gruppe sind niederschwellig: Frauen jeden Alters, jeder Herkunft und sozialen Schicht dürfen mitmachen. Was sie

eint: Sie wollen einander im virtuellen Raum das Leben erleichtern. Einziger Wermutstropfen: Momentan herrscht ein Aufnahmestopp, da die Fülle an täglichen Beiträgen nicht mehr überschaubar und die Erhaltung ihrer Qualität – neben Lackner-Stauchner gibt es nur eine weitere Administratorin – kaum möglich wäre. Wobei die Initiatorin kaum zur Einhaltung der Netiquette mahnen muss. Vielleicht ist ja auch das typisch weiblich. Nicht selten wird von den Wunderweibern ausdrücklich selbst gelobt, dass der sonst im Social-Media-Bereich oft stark vermisste gegenseitige Respekt hier selbstverständlich ist. Das Posten parteipolitischer Inhalte oder notorischer Reizthemen (Kinderimpfung!) wird dennoch präventiv unterbunden. Man lernt ja aus seinen Fehlern. Die Gruppe versteht sich als Netzwerk von wohlwollenden Wiener Frauen, die alle vor denselben Herausforderungen stehen: Beruf, Familie, Freizeit und Privatleben erfolgreich unter einen Hut zu bringen. „Wiener Wunderweiber“ ist ein virtueller Ort der Frauensolidarität. Rege werden Tipps aus dem Genuss- und Kulturbereich geteilt oder heilsame Empathie vermittelt, wenn ein WWW von der Teenagertochter fast in den Wahnsinn getrieben wird. Und sollte ein Mitglied irgendwo im Ausland festsitzen – es gibt definitiv ein Wunderweib, das bei einer Fluglinie arbeitet und helfen kann.

NETWORKING WO UND WANN IMMER! Der entscheidende Vorteil gegenüber dem althergebrachten MännerStammtisch ist jedoch die örtliche und zeitliche Ungebundenheit der Wunderweiber. Steht die Internetleitung, kann in Minutenschnelle das weibliche Schwarmwissen angezapft werden. So ist es auch frisch gebackenen Müttern oder Frauen mit herausfordernden Arbeitszeiten möglich, an der Gemeinschaft zu partizipieren. Aber auch Business-Networking kommt bei den WWWs nicht zu kurz, denn die Gruppe soll dezidiert eine Plattform für selbstständige Frauen mit kreativen Geschäftsideen sein – und das nicht nur im virtuellen Raum. So findet einmal im Jahr der sogenannte „Wunderweiber Pop Up Market“ statt, bei dem Mitglieder die Möglichkeit haben, ihre Produkte – von der Kosmetik oder Schmuck über das neue Buch bis hin zur puren Geschäftsidee – vorzustellen. Zudem gibt es regelmäßige Treffen der Wunderweiber in der Echtwelt. STREBERHAFT ODER ERSTREBENSWERT? Den Sinn von beruflichem oder privatem Networking muss man heutzutage niemandem mehr erklären. Erst recht nicht den von weiblichen Netzwerken. Es gilt: Zusammen ist man weniger alleine. Gegenseitiges Empowerment ist das Stichwort. Überhaupt war es

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