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FOTOS: POLYFILM, MARTIN MURER

Hedy-LamarrPreisträgerin 2018: MMag. Dr. Verena Fuchsberger-Staufer

wird. „Sie arbeitet aktiv an der Entwicklung von neuen Methoden, die vielfältige Anwendungen in verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens finden können“, lautet die Begründung. Fuchsberger-Staufers Spezialgebiet im Spannungsfeld zwischen der Informatik und den Sozialwissenschaften ist die Human-Computer-Interaction (HCI) oder MenschComputer-Interaktion, noch genauer: die Tangible Interaction. Dabei werden neben Erkenntnissen der Informatik auch solche aus Psychologie – vor allem Medienpsychologie-, Arbeitswissenschaft, Kognitionswissenschaft, Ergonomie, Soziologie und Design herangezogen. Der Bereich wurde von Stuart K. Card, Allen Newell und Thomas P. Moran in ihrem Buch „The Psychology of Human-Computer Interaction“ (1983) popularisiert. Die erste bekannte Verwendung von „HCI“ ist aus dem Jahr 1975 bekannt; der Begriff bedeutet, dass im Gegensatz zu anderen Tools mit nur begrenzten Verwendungen (z. B. Hammer) ein Computer viele Verwendungen hat und Human-Computer-Interaction als offener Dialog zwischen Benutzer und Computer stattfindet. Fuchsberger-Staufer versucht herauszufinden, wie Menschen verschiedene physikalische Artefakte empfinden, um daraus entsprechende Strategien für die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine abzuleiten. Potenzielle Anwendungsgebiete reichen von Virtual Reality bis zu Digital Humanities. Durch die zunehmende Digitalisierung erwarten uns in der nahen Zukunft gerade in diesen Bereichen große Herausforderungen, meint die Jury: „Fuchsberger-Staufer schafft es, den Spagat zwischen Grundlagenfor-

schung und der konkreten potenziellen Anwendung sehr beeindruckend darzulegen. Sie ist in ihrer Community sehr aktiv, sie kommuniziert ihre Forschungsergebnisse aktiv und für den Laien gut verständlich – und sie ist ein Role Model für junge Mädchen!“ Verena Fuchsberger-Staufer kann den ersten Hedy-Lamarr-Preis nicht persönlich entgegennehmen, weil sie nur Stunden vor der Verleihung Mutter eines Mädchens wird. „Leider kann ich heute nicht bei Ihnen sein, weil sich eine junge Dame dazwischendrängte“, äußert sie sich in einer Videobotschaft. Sie habe sich besonders gefreut, weil die Auszeichnung einen konkreten gemeinsamen Nenner mit ihrer Arbeit hat: Sichtbarmachung. Ob die weitere Geschichte des Hedy-LamarrPreises ähnlich turbulent wird? Eine solche „Pressgeburt“ wie 2018 soll es nicht mehr werden, gleich nach der Preisvergabe wurde mit der Evaluierung für 2019 begonnen. Die Stadt Wien ist dem FWF naturgemäß sehr dankbar, die Sache soll jedenfalls künftig entspannter ablaufen. Die Möglichkeit, sich dafür aktiv zu bewerben, steht im Raum, ist aber ebenfalls noch nicht fix. Es bleibt also spannend rund um Hedy Lamarrs Töchter!

Auf die Feststellung, ihr Patent sei der Zeit um Jahre voraus gewesen, erklärt Hedy Lamarr: „Das bin ich immer.“ conomy 81

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